Perlen Reloaded – Hari und seine Performance



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann, ich glaube aber nicht, das viele ernsthaft darin suchen. Selbst das Suchen in der Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015, wird wahrscheinlich von vielen gar nicht gemacht haben. Ausserdem sind seit damals viele neue Mitglieder gekommen, von denen sicher nur eine verschwindende Minderheit noch einmal in die Vergangenheit vor ihrem Eintritt zurück geht.

Besonders schade ist das, weil auch in den alten Artikel wirklich jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches ist. Ich werde deshalb von nun an in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded" jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben erwecken, für Sie wieder prominent sichtbar machen und damit auch in das neue Format hinüber retten. Ich habe vor, jede Woche einen alten Artikel auszuwählen und neu zu veröffentlichen.

Heute geht es los, mit einem grundsätzlichen Artikel vom 11.06.15 zum Thema von Performance-Vergleichen im Allgemeinen und meiner Performance im Investment-Depot im Speziellen. Ich bin sicher, das interessiert heute immer noch viele. 😉

Viele Spass!

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Donnerstag 11.06.15 15:00 - Hari und seine Performance

Na, jetzt habe ich Ihre Aufmerksamkeit, oder? 😉 Gäbe es einen Zähler neben den Posts, an denen man sehen kann, welcher Beitrag am Intensivsten gelesen wird, wäre der hier nun sicher dabei. 😉

Ich wage es aber mal, weil ich die zunehmende Diskussion um eine sinnvolle Langfristanlage im Forum sehr sinnvoll und gut finde, mir dabei aber wesentliche Aspekte zu kurz kommen.

Und weil mir auch immer das Missverständnis auffällt, als hätten meine taktischen Anpassungen nur etwas mit kurzfristigem Trading zu tun. Ganz falsch, sie sind über Positionsgrössen-Management und Hedging, integraler Bestandteil der Risikostrategie im langfristigen Bereich.

Und ich werde neben diesem Post dann heute auch nicht mehr so viel schreiben, der Post hier kostet Energie und heute ist dann mal der Tag der langfristigen Geldanlage, volatile Swings hatten wir ja zuletzt genug. 😉

Ich habe auch lange überlegt, ob - und wenn ja wie - ich so etwas überhaupt schreiben soll, um Ihnen auch mal einen kleinen Einblick zu geben, wie es denn bei mir im Sinne Performance bei langfristigen Anlagen aussieht. Denn eigentlich halte ich von "Performance-Vergleichen" absolut gar nichts und das wird am Ende hier auch keiner werden.

Abgesehen davon wird bei so Dingen wie Anlage-Performance im öffentlichen Bereich sowieso gelogen, dass sich die Balken biegen. Unser Forum ist einer der seltenen Orte, wo man auch mal ehrliche Berichte von Schwierigkeiten und Scheitern lesen kann. Trösten Sie sich also, alle die in öffentlichen Foren von ihren Erfolgen schwadronieren, sind davon mit hoher Wahrscheinlichkeit viel weiter entfernt als Sie. 😉

Aber unabhängig vom Wahrheitsgehalt, werden beim Thema Anlageperformance sowieso permanent Äpfel mit Birnen verglichen und der entscheidende Faktor unterschlagen, der die Leistung bei einer Depotentwicklung massgeblich mitbestimmt: Das Risiko dabei, das am Einfachsten über die Volatilität gemessen werden kann.

Wobei man zurecht kritisieren kann, dass die Volatilität (die Schwankungsintensität) nur ein sehr fragwürdiger Indikator für Risiko ist. Daran ist viel Wahres, es ist aber der Einfachste, der auch objektiv leicht nach zu vollziehen ist. Und es ist ja schon wahr, dass hohe Volatilität auch etwas mit Risiko zu tun hat, auch wenn das keine deckungsgleichen Begriffe sind.

Es gibt fraglos bessere, aber komplexere Konzepte zum Thema "Risiko", die zu diskutieren aber wieder ein ganz eigenes Thema ist. Für unseren Zweck heute tut es die Volatilität, lassen wir hier in diesem Beitrag also mal diese Diskussion, die können wir an anderer Stelle führen.

Warum also halte ich wenig bis nichts von reinen Performance-Vergleichen?

Einfach weil der Kontext einen riesigen Unterschied macht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Wie komme ich beim Social Trading oder beim Börsenspiel garantiert ganz nach oben und kann dann mit einer "objektiven", maximalen Jahresperformance und über 100% per Annum glänzen?

Ich dem ich 5 verschiedene Depots eröffne, mit denen ich in jedem eine hoch riskante, aggressive und fokussierte Wette fahre. Im einen Depot bin ich vielleicht zum Anfang des Jahres massiv gehebelt Long DAX gegangen. Im anderen hoch gehebelt Long Gold. Im Dritten gehe ich massiv Short auf Biotech. Und so weiter und so fort - ich denke Sie verstehen was ich meine.

Alle diese Strategien werden hoch volatil sein und die eine Strategie wird das Depot in die Grütze reiten, aber irgend wann ist eine dabei, die so richtig einschlägt, wie im ersten Quartal die Long DAX Strategie. Und dann bin ich der gefeierte Held. In der Werbung steht dann ".... hat im Jahr 2015 über 100% mit seiner Strategie ....." blah blub. Tolle Performance, Aussagekraft Null! Der Kontext macht den Unterschied!

Aber selbst wenn man solche Spielereien weg lässt, sind Depots immer noch nicht vergleichbar. Auch das Volumen darin und die damit verbundene Bedeutung macht einen riesigen Unterscheid. Da ist vielleicht der eine Anleger mit einem 10.000€ oder 20.000€ Depot als Spielgeld. Geld das er nicht benötigt und dessen Verlust ihn nicht weiter umtreiben wird. Darin hat er mal eine Wette auf ein paar Aktien gemacht, die ihm gefallen. Am Ende sind 3 Werte im Depot. Und mit den Aktien macht er einen Volltreffer wie wir damals mit Tesla oder anderen. Nun ist er der Held. Boah: ich hatte in 2013 52% Gewinn und in 2014 38%! Reale Aussagekraft Null!

Denn da gibt es das andere Depot. Mehrere Millionen schwer. Eine hohe zweistellige Zahl von Positionen darin mit teilweise komplexen Strategien. Das ganze Kapital - wenn man so will das Leben des Anlegers inklusive Alterssicherung - liegt in diesem Depot. Aus diesem Depot will der Anleger noch 30 Jahre gut leben können und Kapitalerhalt ist der entscheidende Massstab.

Ist es sinnvoll die Performance dieses Depots mit dem kleinen "Spieldepot" oben zu vergleichen? Kein bisschen - der Kontext macht den Unterschied!

Auch da sind wir wieder bei all den "tollen Tradern" im Social Trading. Wenn man nicht wesentliche Teile seines Kapitals an diese Performance dran hängt, ist es leicht mal eine aggressive Strategie auszuprobieren. Unsere Psychologie ist aber der alles entscheidende Faktor und es liegen Welten darin, mal bedenkenlos ein paar Strategien zu spielen oder seinen Lebensunterhalt und seine Existenz zu sichern.

Und dann gibt es noch einen Faktor und mit dem komme ich dann auch zu meiner Performance im trockenen, "langweiligen" Investmentansatz und zu dem, was mit meiner Methodik langfristig zu erreichen ist. Und zu dem Grund, warum ich zum Beispiel von Max Ottes Anlagephilosophie in seinen Fonds herzlich wenig halte, weil sie in meinen Augen "Value" verkauft und in Wirklichkeit aber riskante Turnaround-Wetten fährt, was man an der sehr hohen Volatilität der Fonds auch sieht. Wobei ich keinerlei Problem mit der Idee von riskanten Turnaround-Wetten habe, man sollte es dann aber auch so nennen.

Denn das ist die Tatsache, dass selbst wenn man zwei Depots hat, die ähnlich gross sind und mit einer ähnlichen Absicht langfristig verwaltet werden, man die reine Performance-Zahl immer noch nicht vergleichen kann, wenn man nicht berücksichtigt, mit welchem Risiko diese Performance erreicht wurde.

Stellen wir zwei Depots gegenüber. Beide sind gleich gross. Beide verfolgen eine langfristige Bluechip Strategie. Beide haben im letzten Jahr 10% Gewinn gemacht. Das Eine hat aber ganz ruhig hoch geschoben und kaum ausgeschlagen. Das Andere hatte wilde Swings und war am Ende dann zufällig bei 10%. Welcher Fondmanager hat mit Abstand die bessere Leistung gebracht? Die Antwort ist wohl klar und hat mit den Themen zu tun, die ich auch weiter oben skizziert habe.

Performance kann man also über einen kürzeren Zeitrahmen nur im Verhältnis zum Risiko vergleichen.

Erst langfristig über viele Jahre, hat nämlich das Risiko auch die Chance, mal gnadenlos zuzuschlagen! Deswegen sehen wir auch so viele Strategien, die ein Jahr funktionieren und dann .... Schweigen im Walde. 😉

Und wenn man höhere Risiken eingeht, erwartet man zurecht auch mehr Ertrag. Der beste Fondsmanager ist also nicht der, mit den wilden Swings. Es ist der, der mit geringer Volatilität mit den Märkten mitzieht und diese sogar schlägt.

Und damit kommen wir zu mir, meiner Methodik im langfristigen Bereich und meiner Performance der letzten 12 Monate. Ich habe diesen Bereich meines Investmentdepots, der dem "langfristigen" Gedanken am nächsten kommt, derzeit unter anderem bei der Consors Bank liegen und will Ihnen die aktuelle Performance-Auswertung im Vergleich zu den anderen Indizes zeigen.

Damit es keine Missverständnisse gibt, das ist NICHT meine Gesamtperformance, nicht mal die komplette Investment-Performance. Mein Gesamtbild geht Sie nichts an, ist aber im Moment gut, weil das erste Quartal im Trading-Bereich ein Traum war. 😉 Mein Gesamtbild besteht eben nicht nur aus dem eher passiven, gehedgten und langfristigen Investmentbereich, in dem klassische Bluechips, ETFs und Fonds liegen, sondern auch aus aggressiveren Positionen die eher taktischer Natur sind und bis zu Intraday-Trades gehen. Einige spreche ich ja hier im Blog an.

Um das Thema einer langfristigen Anlage zu adressieren und mit Ihnen zu diskutieren, ist aber dieser langfristige Bereich das, was man mit anderen Konzepten vergleichen könnte, die auch hier im Forum besprochen werden. Und ist das, was man mit einem gut geführten, langfristigen Fonds vergleichen könnte, denn auch mein Depot ist gross, komplex und diversifiziert. Und das Bild unten wäre übrigens auch das, was Sie mehr oder weniger von mir bekommen würden, falls ich den im Forum andiskutierten Weg eines "Hari Musterdepots" zur langfristigen Geldanlage gehen würde.

So und bevor ich weiter rede, zeige ich Ihnen nun erst einmal das Vergleichsbild der letzten 12 Monate, heraus kopiert aus der aktuellen Auswertung meiner Bank und von mir mit einer Diagonale und Beschriftung versehen, um den Punkt heraus zu arbeiten.

Hier also Haris Langfristdepot in den letzten 12 Monaten:

Hari Langfristig 11.06.16

Jetzt ist es raus. Jetzt können Sie aufhören zu lesen, denn das wollten Sie doch die ganze Zeit wissen, oder? 😉

Ich erkläre Ihnen, wie ich das werte.

Zunächst einmal sehen Sie, dass auch ich keine Wunder vollbringen kann. Das habe ich aber nie behauptet. 😉

Sie sehen die absolute Performance der letzten 12 Monate auf der Y-Achse. Je höher also das Kästchen, desto mehr Gewinn in den letzten 12 Monaten. Was das angeht, liege ich zu den Indizes im Mittelfeld. Währungseffekte können wir hier erst einmal ignorieren, weil ich in EUR wie USD gleichermassen unterwegs bin und insofern ist der direkte Vergleich zu allen diesen Indizes fair.

Sie sehen aber das Risiko in Form der Volatilität auf der X-Achse. Je weiter links ein Kästchen steht, desto stabiler und ruhiger war also die Kursentwicklung. Was das angeht, ist "Haris Depot" klar vor allen Indizes. Und das ist Teil der Leistung des "Fondsmanagers".

Die schwarze Diagonale markiert also so etwas wie eine grobe, risikogewichtete Performancelinie. Kästchen links oben oberhalb sind besser als der Durchschnitt, Kästchen rechts unter der Linie schlechter.

Das ist also in einem wesentlichen Teil des langfristigen Investmentbereichs - und ich betone nur da - das Ergebnis der letzten 12 Monate bei mir.

Ich bin damit sehr zufrieden. Denn Sie sehen daran die Effekte der Strategie, die ich hier auch immer bespreche:

Graduelle, inkrementelle Anpassung des Risikos über Positionsgrössen/Cash-Quote und Hedging nach Marktlage - bei gleichzeitig fundamental orientierter Auswahl der Titel, die lange und stabil im Depot bleiben.

Das dürften auch viele Mitglieder noch nicht so richtig verstanden haben, dass die taktischen Anpassungen jede Menge auch mit der Langfristanlage zu tun haben. Und dass ich Aktien langfristig halte und trotzdem massiv nach Marktlage anpassen kann und darin kein Widerspruch liegt.

Heisst konkret, mein Risiko im Depot schwankt mal schnell von 70% Investitionsquote runter auf 30% wie in den letzten Wochen. Und trotzdem bleiben die Titel darin aufgrund eines eigenen Selektionsprozesses stabil. Was sich nach "Marktwetter" ändert, ist die Höhe der Position, damit verbunden die Cashquote und die Frage eines generellen Hedgings.

So kann ich auch so schnell umschalten. Denn wenn jetzt zum Beispiel die Märkte wieder anziehen, muss ich nicht 40 Titel zurück kaufen und mir die permanenten Rein/Raus Frage stellen. Sondern ich nehme einfach - wie geschehen - meine ein oder zwei grossen Gegenpositionen (den Hedge in Form eines Index-Shorts) aus dem Markt und *schwupps* schiesst mit einem Klick meine Investitionsquote wieder hoch. 😉

Trotzdem ist ganz klar, dass in einem massiven Bullenmarkt, wie in den letzten Jahren, man mit dieser Methode Schwierigkeiten hat, die Marktperformance zu 100% abzubilden. Einfach weil die Sicherheit, die sich im Risikofaktor zeigt, ja etwas "kostet". Deshalb war das permanent hoch laufende Jahr 2013 für mich eher ein "schwieriges" Jahr.

Dafür aber kommt die grosse langfristige Überperformance dann, wenn der Markt mal ala 2008 oder 2011 korrigiert. Denn dann ist man mit meiner Methodik weitgehend draussen.

Das ist übrigens auch jetzt wieder sichtbar, die obige Auswertung ist vom 31.05. - bevor also der DAX so richtig abwärts lief. Mein Depot hat seit 01.06. nur wenig verloren, der DAX jede Menge. 😉

Zusammenfassung:

Mein langfristiger Ansatz im Investmentbereich hat also das Ziel, in den guten Jahren die Marktperformance mehr oder weniger abzubilden und bestenfalls leicht zu schlagen. Dass man dabei auch mal etwas darunter liegen kann, wird billigend in Kauf genommen.

In den schlechten Jahren und bei grosser Volatilität aber, soll die inkrementelle Anpassungsstrategie den grossen Einbrüchen aus dem Weg gehen und die Kleinen glätten. Da in den letzten 12 Monaten kein grosser Einbruch war, kann ich Ihnen das in obigem Bild nicht zeigen. Ich habe hier also bewusst einen Zeitpunkt gewählt, in dem ich keinen grossen Vorsprung ausweisen kann, weil der Markt eben die letzten 12 Monate beständig stark war.

Die Glättungseffekte sind aber hoffentlich eindrucksvoll sichtbar und gerade die will ich ja visualisieren. Denn mein Depot hat eine deutlich geringere Volatilität als DAX und Eurostoxx, obwohl die absolute Performance zum 31.05. ziemlich in der Mitte zwischen den beiden lag.

Was will ich Ihnen damit alles sagen:

Erstens, auch meine Bäume wachsen nicht in den Himmel und ich kann kein Gold aus Blei machen.

Zweitens, die wirkliche Leistung eines guten Fondsmanagers ist nicht nur die absolute Performance, sondern gerade auch das Risiko, dass mit der Erzielung der Performance verbunden ist. Erst durch das damit verbundene Risiko quantifiziert, bekommt Performance dann wieder Aussagekraft.

Drittens, die Strategie langfristig anzulegen und gleichzeitig taktisch das Risiko nach Marktlage anzupassen, funktioniert und produziert stabile Gesamtverläufe. Vor allem produziert diese Strategie keine Katastrophen, wie wenn die Fondsmanager sich mit irgend einer Strategie gegen den Markt stellen.

Bleibt die Frage, ob das langfristig jeder so kann? Ja, aber nur mit der Timingkomponente, die dann in Form von Positionsgrössen und Hedging umgesetzt wird. Ohne diese, wird das Depot einen ähnlich volatilen Verlauf nehmen, wie DAX und Co.

Und bei so einem volatilen Verlauf, ist halt die Kernfrage, ob man die Tiefs dann überhaupt emotional durchsteht, das wird von den meisten Langfristanlegern massiv unterschätzt, von denen viele ja gar nicht mehr wissen, wie sich so eine richtige "Baisse" ala 2008 anfühlt.

Auch wenn die ganzen Timing-Aktivitäten in den beständig guten Jahren keinen grossen Mehrwert bei der absoluten Performance bringen, sichern sie doch langfristig überhaupt erst die Chance dauerhaft dabei zu sein. Und garantieren über verschiedene Krisen hinweg dann auch eine langfristige Überperformance. Denn für die hätte es in den letzten Jahren genügt, einfach 2000 und 2008 abzuschneiden und ansonsten dabei zu sein. Das muss man aber erst einmal schaffen, weil man ja nie weiss, ob es gerade das nächste 2008 wird. 😉

So.... das waren viele Worte und ein unerwarteter Einblick in meine aktuelle Performance im Langfristbereich. Ich hoffe damit sinnvolle Diskussionen anzustossen. Und ich hoffe die Diskussionen damit weg von den reinen Performance-Zahlen zu bekommen, die sagen nämlich alleine für sich wenig aus!

Ihr Hari

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24% Performance in 2016 und andere nette Geschichten

Wenn Sie sowieso regelmässig im freien Bereich mitlesen, gilt der folgende Satz für Sie nicht. Wenn Sie hier aber nun zum ersten Mal sind und gerade wegen der Überschrift diesen Artikel lesen wollen, dann habe ich Sie nun "erwischt". 😉

Denn der Sinn dieses Artikels ist Ihnen klar zu machen, wie wertlos öffentliche Performance-Aussagen sind und dass seriöse Kommentatoren sich davon fern halten und diese nicht brauchen. Ob ich persönlich im Jahr 2016 "über alles" wirklich 24% Performance hatte, überlasse ich Ihrer Phantasie - vielleicht, vielleicht auch nicht, es ist auch völlig egal. 😉

Warum aber sind öffentliche Performance-Aussagen unsinnig?

Der Fondsmanager

Nun es gibt einen transparenten Fall, in dem diese öffentlichen Aussagen real und ernst zu nehmen sind. Und das ist, wenn der Autor einen öffentlichen, regulierten Fonds betreibt - also Fondsmanager ist. Dann sind Performance-Aussagen nicht nur legitim, sondern auch zutreffend und daher relevant. Wie es um die Performance der Fondsmanager steht, wissen wir. Nur eine Minderheit ist in der Lage, den Markt immer wieder - und nicht nur als Einjahresfliege - hinter sich zu lassen.

Dass das so ist, hat gute Gründe, die aber hier nicht Thema sein sollen. Fakt ist aber, die Minderheit die das schafft, beweist damit grosse eigene Qualität und hat unseren Respekt verdient. Denn das zu schaffen ist mit realem Geld Dritter und unter dem Korsett der ganzen regulativen Grenzen *weit schwieriger*, als Otto Normalanleger glaubt, dem medial an jeder Strassenecke, wie auf der Hamburger Herbertstraße, verlockende Aussagen zur Performance zugerufen werden. Was von denen zu halten ist, soll hier nun Thema sein.

Die Behauptung

Gerade wenn Seiten im Aufbau sind und sich jemand medial Reputation erwerben will, finden wir diese Performance-Behauptungen. Aber auch bei bestehenden Diensten, die um neue Leser oder Mitglieder heischen, gehört die Behauptung zur gandiosen Performance zum festen Ritual.

Dass eine einfache Behauptung, weil von aussen nicht überprüfbar, einen Wert von Null hat, sollte jedem eingängig sein. Nehmen Sie meine Behauptung in der Überschrift um den Punkt zu machen. Ob es am Ende wirklich 24, oder nicht 14 oder 34 oder ganz etwas Anderes waren, ist völlig offen und für niemanden zu überprüfen. Und deshalb ist die Behauptung schlicht: Bullshit!

Anders herum wird ein Schuh daraus. Wenn jemand trotz dieser offensichtlichen Unüberprüfbarkeit, trotzdem an prominenter Stelle solche medialen Aussagen macht, muss man sich die "Cui Bono" Frage stellen. Was will der also von uns?

Die formal korrekte Behauptung

Nun gibt es ja aber auch mediale Angebote, in denen die dargestellten Zahlen tatsächlich real sind. Die genannte Performance wurde also erzielt. Und was sagt uns das? Leider auch herzlich wenig, es ist auch Blödsinn, damit medial zu werben.

Denn ganz entscheidend bei einer Performance-Betrachtung sind die Umstände. Es ist ein Unterschied von Tag und Nacht, ob jemand in seinem Depot zum Beispiel eine zweistellige Millionensumme langfristig bewegt, es also richtig um etwas geht wie bei einem Fondsmanager, oder ob jemand mit ein oder zwei Aktien und etwas Spielgeld nur "herum" spielt. Im ersten Fall ist es eminent schwer, langfristig immer wieder den Markt zu schlagen und Ausweis grosser Kompetenz, dieses Dickschiff erfolgreich durch die Gezeiten zu steuern. Im letzteren Fall schafft das jeder "Affe" mal in einem Jahr, um dann im Folgejahr alles zu verspielen.

Es gibt zum Beispiel ganz konkret Fälle, in denen die 2008er Performance medial ins Schaufenster gestellt wird, die vielleicht auch korrekt ist, dabei aber verschwiegen wird, dass man mangels Kapital gar nicht im Markt war und nur mit einer oder zwei Aktien glücklich herum gespielt hat, die zufällig halt konträr zum Markt liefen. xy% Performance in 2008 heisst es dann in so Fällen, ist formal sogar wahr, aber trotzdem eher irrelevant und irreführend.

Auch die formal korrekte Behauptung, kann also Unfug sein und sollte von uns gefliessentlich ignoriert werden. Auch hier stellt sich die "was soll das?" Frage mit aller Macht, wenn jemand mit so Behauptungen operiert. Und da man von aussen nie wissen kann, was frei erfunden und was zumindest formal korrekt ist, kann man alle diese Aussagen pauschal als irrelevant ignorieren und bestenfalls als Kontraindikator nutzen.

Das Musterdepot

Wer intelligenter ist, weiss um die berechtige Skepsis der Leser bei Behauptungen und versucht daher seine Behauptung mit einer belastbaren Grundlage zu untermalen. Leider ist auch das in vielen Fällen keine belastbare Aussage. Der Grund ist, dass die Manipulationsmöglichkeiten zu hoch sind und natürlich auch genutzt werden. Auch hier hilft also die "Cui Bono" Frage und was der, der mit so Musterdepot-Performance wirbt, uns eigentlich verkaufen will.

Das Problem bei Musterdepots ist nämlich der Zeitverzug zwischen dem Handel im realen Depot und der Kommunikation darüber. Nun könnte man ja laienhaft glauben, das sei ja nicht so schlimm, das ist aber ein Irrtum. Gerade eine Stunde an den richtigen Momenten des Jahres, macht über das Jahr den Unterschied von 20% und mehr Performance aus.

Immer dann, wenn singuläre Events anstehen, wie zB Quartalszahlen oder eine Wahl oder oder, wird es besonders lustig. Nehmen wir die Quartalszahlen und nehmen wir an, man würde ein Musterdepot führen und hätte Facebook im Auge, die diesen Mittwoch Zahlen liefern. Und nehmen wir an, Facebook würde überraschend und dann nachbörslich um 5% steigen.

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Die Angst der Fondsmanager



Guten Morgen!

Heute ist "OPEC Tag". Die Blicke der Märkte sind nach Wien gerichtet, gestern schon haben wir gesehen, wie die Angst in den Markt kroch, dass es zu keiner substantiellen Einigung kommen wird. Heute früh, geht es wieder etwas hoch, die Unsicherheit ist gross. Um 10 Uhr MEZ geht es in Wien los.

Ich persönlich rechne mit einem gesichtswahrenden Formelkompromiss ohne echte Substanz. Wenn so massive Interessengegensätze aufeinander treffen, denen teilweise auch eine kulturell-religiöse Abneigung zugrunde liegt wie zwischen Saudi-Arabien und Iran und gleichzeitig der Einigungsdruck aber so hoch ist, dann ist der gesichtswahrenden Formelkompromiss der typische politische Ausweg.

Insofern bin ich nicht sicher, ob der Ölpreis nach der OPEC eine klare Fahrt nach oben nimmt - das wäre wohl nur mit einer klaren, glaubwürdigen Drosselungsvereinbarung denkbar. Die Seitwärtsphase, die ich zuletzt thematisiert habe, erscheint immer noch naheliegend - aber wir werden sehen.

Der DAX dagegen wird interessant. Das Referendum in Italien rückt näher und auch wenn Mark Dittli -> hier <- wieder den warnenden Finger ob der strukturellen, mittelfristigen Konsequenzen hebt, bestätigt er indirekt gleichzeitig meine Erwartung für das kurzfristige Marktgeschehen.

Denn der Markt erwartet ja eine Ablehung des Referendums, sprich diese ist längst in den Kursen. Es ist also eher davon auszugehen, dass viele sich dafür positioniert haben, einen kleinen Einbruch nach der Ablehnung am Montag dann für einen Kauf zu nutzen. Zu nah und zu eindrucksvoll ist eben die Erinnerung an Brexit und Trump-Wahl und was so gut funktioniert hat, ist doch zu verlockend.

Und es gibt einen weiteren, massiven Faktor, der in diese Richtung deutet.

Sie wissen, ich habe schon vor 2 Wochen im Artikel -> Jahresendrally oder davon die Wirklichkeit anzunehmen <-, unter anderem mit dem in diesem Jahr massiven Performance-Druck der institutionellen Anleger argumentiert. Zitat:

Und es gibt dieses Jahr besonders massiven Performance Druck auf die institutionellen Anleger. Denn viele Fondsmanager und Hedgefonds hängen in diesem schwierigen Jahr den Indizes hinterher. Da dürften nun einige Angst um ihre Jobs haben und müssen nun um jeden Preis eine potentielle Jahresendrally mitnehmen. Und gerade weil das so ist, hat die Rally besonders gute Chancen zu kommen, ganz typisch im Sinne der selbsterfüllenden Prophezeihung im selbstreferentiellen Markt.

Diese Sicht wird heute in einem Artikel bei FiNews bestätigt, lesen Sie -> Vermögensverwalter in Torschlusspanik <-

Für viele institutionelle Anleger, war das Jahr 2016 bisher sehr schwierig und sie hängen dem Markt deutlich hinterher. Auch die zuletzt schlechte Performance bei Flossbach war ja -> hier im Forum <- bei uns zuletzt Thema.

Grund dafür waren sicher einige harte Swings ala Brexit und Trump, denen man eben nur mit opportunistischer Flexibilität und schnellem Kurswechsel begegnen kann und nicht mit lange durchdachten Makro-Strategien, die durch die Events dann auf den Kopf gestellt werden.

Nun dreht man einen grossen Fonds ja aber auch nicht so schnell, wie wir unsere Depots, insofern haben diese Institutionellen ja auch keinen leichten Job. Aber die Kunden erwarten eben völlig zu Recht, dass dem Markt nicht hinterher gehangen wird, sonst könnte man sich die teuren Fondsmanager gleich sparen und ein passives Produkt wie einen ETF wählen.

Auf jeden Fall macht diese Unterperformance, die man auch bei vielen Hedgefonds dieses Jahr beobachtet, eine Menge Druck auf die Verantwortlichen, die um ihre Jobs oder zumindest ihre Umsätze fürchten. Und das sorgt für einen besonders intensiven BTFD-Reflex zum Jahresende, der eine Jahresendrally daher präferiert.

Ich persönlich glaube übrigens, dass durch den Vormarsch der Algos, das Geschäft der aktiven Fondsmanager und Vermögensverwalter noch schwieriger werden wird, weil die Reaktionsgeschwindigkeit des Marktes immer gnadenloser wird.

Viele dieser institutionellen Anleger sind weit besser als ihr Ruf und als es ihre durchschnittliche Performance vermuten lässt. Und mit einem eigenen, flexiblen Depot, würden sie auch wohl bessere Ergebnisse als mit ihren Fonds erwirtschaften.

Das liegt einerseits natürlich an dem ganzen Regulierungs-Irrsinn, der immense Lasten und Kosten verursacht. Es liegt auch an dem ganzen administrativen Apparat, der für so einen Publikums-Fonds nötig ist. Es liegt aber eben auch daran, dass solche Fonds-Dickschiffe nicht so leicht zu bewegen sind, wie ein eigenes Depot und noch dazu oft Begrenzungen eingebaut haben, so dürfen viele Fonds zB gar nicht in signifikantem Umfang in Cash gehen wie ich.

Die schlechte Performance vieler dieser Angebote beruht also in meinen Augen zu einem guten Teil nicht auf mangelnder Kompetenz der Verantwortlichen - die ist weitgehend da, obwohl es da sicher auch Aufschneider und Unfähige gibt wie überall - sondern vor allem an den Umständen. Und die Umstände sind bei so Fonds eben struktureller Natur, weswegen die Anlageform als Solche, wohl immer mehr unter Druck kommen wird.

Die Methode der ruhigen Akkumulation ist diesen Fonds ja auch verwehrt, denn die kann man nur fahren wenn man akzeptiert, dass es Jahre gibt, in denen man dem Markt hinterher hängt. Auch das ist diesen Fonds aber nicht möglich, da der Vergleich zum Index jedes Jahr zu hart bei den Fondszuflüssen bemerkbar ist.

Die Fonds sind also einerseits zu träge, um sich so schnell adaptieren zu können, wie das nach Events wie Brexit oder Trump nötig ist. Sie sind aber andererseits auch nicht gelassen genug, mal Dellen auszusitzen, weil man das gegenüber den Kunden nicht argumentiert bekommt. In Summe eine schwierige Ausgangslage, die diesen Fonds wohl strukturell immanent ist.

In anderen Worten - wenn ich jetzt theoretisch versuchen würde, einen Fonds aufzulegen, in den Sie investieren können und in dem ich meine Methodik abbilde, würde ich damit wohl deutlich schlechter abschneiden, als in meinem eigenen Depot. Kostenstrukturen, administrative Aufwände, Handlungsbegrenzungen und Dokumentations- und Rechtfertigungspflichten würden einen hohen Preis erzwingen. Und der permanten Rechtfertigungsdruck Ihnen gegenüber, wäre wohl die schlimmste Last und würde das, womit ich erfolgreich bin, immens erschweren.

Die einzige Methode die wohl funktionieren könnte, wäre die alte Methode Buffett, der in der Phase seines Wachstum nur dann Geld angenommen hat, wenn die Anleger akzeptiert haben, dass sie das ganze Jahr rein gar nichts hören und auch keine Aussagen zur Performance bekommen - nur einmal im Jahr bekamen sie einen ausführlichen Brief von Buffett.

Diese Methode, die dem Fondsmanager Ruhe und Gelassenheit schenkt, um im Sinne der Klienten tätig zu sein, wäre aber nach meiner Vermutung hier und heute regulativ gar nicht zulässig, sie wissen schon: Transparenz und so. Und Transparenz ist ja immer gut. 😉 Von wegen, nicht immer. Transparenz kann vielleicht einen Madoff verhindern, sie verhindert aber auch die Ruhe, die ein Buffett braucht.

Wer also die gedankliche Reife und das Verständnis hat, selber an den Märkten unterwegs zu sein, tut in meinen Augen gut daran und dieser Effekt wird mit dem Aufstieg der Algos nicht kleiner, sondern grösser, weil die Marktbewegungen härter werden und mehr Flexibilität erfordern.

Aber zurück zum Markt, aus den oben genannten Gründen, haben DAX & Co. gute Chancen, nach dem Referendum in Italien doch zur Rally anzusetzen und der DAX den Deckel bei 10.800 wegzuhauen. Das Chart dazu, habe ich schon gestern gezeigt:

dax-29-11-16

Ob der Einbruch vorher noch so tief wird, ist heute fragwürdiger, der Markt scheint jetzt schon Fahrt aufnehmen zu wollen. Aber die Grundstruktur ist weiter gültig.

Besonders bemerkenswert sind heute natürlich die -> erneuten Fusionsgerüchte um Praxair und Linde <-.

Linde vollzieht damit heute den Ausbruch, den der DAX noch vor sich hat:

linde-30-11-16

Allerdings ist schwer einzuschätzen, welche Chancen dieser Vorstoss nun hat. Instinktiv würde ich sagen wenige, denn gescheitert ist der Deal wohl an internen Widerständen bei Linde und da der erneute Vorstoss von Praxair kommt, dürften deren Interessen damit optimiert werden.

Aber wir werden sehen. Auf jeden Fall steht der doch starke Schub von intial massiven 6% unter dem deutlichen Risiko, wieder zurück zu kommen. Von der Chartstruktur her, sind die Signale aber auf Grün.

So weit heute Morgen. Achten wir nun also auf DAX und Co., die könnten nun nach oben in Bewegung geraten, das Referendum könnte dafür die Wegscheide sein.

Passend dazu hat der Dollar im US Dollar Index, nach der Trump-Rally nun eine Struktur geformt, die eine SKS sein könnte und von einer Trendwende künden könnte - ich betone den Konjunktiv, wir sollten das aber im Auge behalten:

us-dollar-index-30-11-16

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Window Dressing erklärt



Heute meldet sich Lehrer Bömmel mal wieder und fragt: "Wat is ene Window Dressing?".

Das Ende des 2. Quartals steht bevor und damit die Frage des "Window Dressing" im Raum und ich vermute, dass der Begriff stellenweise falsch verstanden wird. Denn es ist keineswegs ein Automatismus, mit dem Kurse zum Quartalsende steigen.

Schauen wir mal, was die Wikipedia sagt, denn das ist in diesem Fall zutreffend:

Window Dressing (englisch für „Fenster dekorieren“) ist ein Anglizismus für alle Maßnahmen im Rahmen der Bilanzpolitik, die der optischen und kurzfristigen Gestaltung des Bilanzbildes vor dem Bilanzstichtag dienen und dem Bilanzleser einen möglichst günstigen Eindruck von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens verschaffen sollen.

Für unsere Zwecke geht es weniger um Bilanzpolitik, sondern um das Verhalten von Fondsmanagern zum Quartalsende.

Denn in klassischen Fonds, erstellt das Management zum Quartalsende oder zum Halbjahresende einen Bericht, in dem es auch die Assets auflistet, die der Fonds zum Stichtag gehalten hat. Die ganzen Umschichtungen mittendrin, bekommen die Anleger aber in der Regel gar nicht mit, dafür aber den Stand zum Stichtag - sozusagen der "öffentliche Bilanztag" des Fonds.

Bevor wir hier weiter denken, müssen wir uns nun klar machen, wie Otto Normalfondsbesitzer reagiert. Denn dessen psychologische Reflexe sind der ganze Grund, warum es bei Fonds überhaupt ein "Window Dressing" gibt.

Redet man mit Fondsmanagern und Vermögensverwaltern, hört man nämlich immer wieder, dass sich der normale Anleger, den berühmten "Scheissdreck" dafür interessiert, was im Fonds passiert ist, solange am Schluss ein Plus heraus kommt.

Wenn der DAX also im letzten Jahr um 20% nach oben schiesst und der Fonds (oder Vermögensverwalter) eine eher grottige Performance von 10% Plus abliefert - für die meisten Anleger kein Problem, kaum Rückfragen, kaum Kündigungen. Still ruht der See, so lieben es die Vermögensverwalter.

Wenn Fonds öfter schlechter sind als die Konkurrenz, hat das schon Konsequenzen durch Abflüsse und vor allem fehlende Zuflüsse, aber solange immer noch ein Plus heraus kommt, hält sich das in beherrschbaren Grenzen.

Wehe aber, es gibt ein Minus. Dann wird hingeschaut. Und dann wird wichtig, was im Bericht zum Quartalsende ausgewiesen wird. Denn die "Rettung" des Fondsmanagers ist dann zu sagen, dass er doch die "richtigen" Aktien hatte und ansonsten auf das "böse Marktumfeld" zu verweisen.

Dafür müssen aber unbedingt die "richtigen" und unverfänglichen Aktien zum Stichtag im Depot sein. Stellen wir uns vor, unser Fondmanager hat im ganzen letzten Quartal auf den Rebound der Deutschen Bank gewettet und ist damit nun nach dem Brexit massiv auf die Nase gefallen. Was wird der also schnell noch tun? Richtig, die Deutsche Bank noch raushauen, damit dieser Fehler nicht so im Abschluss sichtbar wird. Und dafür irgend etwas "Solides" aufnehmen, das besser aussieht.

Aus diesem psychologischen Mechanismus heraus, ist auch klar zu erklären, warum so viele Fonds nur mit dem Markt mitlaufen und durch die Management-Gebühren dann im Saldo sogar schlechter sind. Schuld daran - das muss man so hart sagen - ist die pure Ignoranz der Herde der Anleger selber.

Denn es gibt für einen Fondsmanager keinen echten Anreiz, grosse Risiken einzugehen, um besser als der Markt zu sein. Denn die Vorteile davon besser als die Herde zu sein, sind in der Regel deutlich geringer, als der massive Nachteil nur einmal daneben zu greifen und das den Anlegern dann erklären zu müssen.

Dann hören die Anleger nämlich nicht mehr zu, verstehen es nicht, verlieren aber das Vertrauen und ziehen das Geld ab. Dieses Risiko hat man aber nicht, wenn man brav mit der Herde heult und genau das akzeptieren Anleger in der Regel, ohne mit der Wimper zu zucken.

In Summe, ist das Verhalten der Anleger also eher das von Lemmingen, die beschissen werden wollen, weil sie den Aufwand mal hinzuschauen, gar nicht aufbringen wollen. Und so bekommen diese ihr "Window Dressing", damit alle glücklich und zufrieden sind.

Das Verhalten vieler Fondmanager ist also völlig rational und sachorientiert und bei den angestellten Fondsmanagern der grossen Kapitaldrehscheiben wie DWS, kommt dann noch die Sorge vor Jobverlust dazu. Man kann das niemand vorwerfen.

Wenn Anleger bessere Fonds und Vermögensverwalter wollen, müssen sie sich selber ändern und kenntnisreicher werden, aber ihren Fondsmanagern auch mal einen Fehler gestatten, wenn dieser gute Gründe hatte.

Warum sollte also ein Fondsmanager Risiken eingehen um den Markt zu schlagen, wenn diese nicht gross entlohnt werden, ein kurzer Fehler aber sofort schwer mit Abflüssen oder Kündigung gestraft wird?

Es gibt keinen und nur die Besten haben den Mumm, trotzdem nach der Überperformance zu streben. Dort bei den Besten, sammeln sich dann aber auch die informiertesten Anleger, die durchaus auch mal bereit sind zu akzeptieren, dass eine im Kern richtige Strategie halt mal nicht geklappt hat.

Weil das alles so ist wie es ist, gibt es "Window-Dressing", die Bestände der Fonds werden zum Quartalsstichtag "aufgehübscht".

Und hier kommt der entscheidende Punkt: "Aufgehübscht" heisst, keine Angriffspunkte zu bieten und in der Herde unter zu tauchen. Es heisst nicht zwingend, zu kaufen und die Kurse hoch zu treiben.

Window Dressing wirkt also prozyklisch und keineswegs nur nach oben. Wenn der Markt also eine schwache Phase hatte, werden die schwachen Aktien zum Window-Dressing auch noch heraus gehauen, damit man die Fondsmanager damit nicht "erwischen" kann. Und wenn der Markt eine starke Phase hatte, will sich der Fondsmanager auch im Besitz der Gewinner sonnen können. Alles ganz rationales Verhalten und schuld daran ist nicht der Fondsmanager, sondern die Anleger in ihrem ignoranten Anlageverhalten.

Schauen wir also, wie das 2. Quartal bisher gelaufen ist.

Im S&P500 von 2.060 auf aktuell 2.045

Im DAX von 9,833 auf aktuell 9.560

Und das letzte halbe Jahr?

Im S&P500 von 2.044 auf aktuell 2.045

Im DAX von 10,486 auf aktuell 9.560

Heisst, es gibt zum Ende des 2. Quartals keinen Kaufdruck durch Window-Dressing. Positive Schübe dadurch bis zum morgigen 30.06., kann man eher vergessen. Wenn der Markt steigt, dann aus anderen Gründen.

Was aber aktuell gefördert wird ist, dass die Gurken des 2. Quartals bis Donnerstag weiter verkauft werden. Ab Freitag, ab dem 01.07., haben diese Aktien dann "neues Spiel, neues Glück".

Hinzu kommt, dass durch den Aufstieg der ETFs die Bedeutung der im Quartal/Halbjahr intransparenten Fonds sowieso sinkt, womit auch die Bedeutung des "Window Dressing" sinkt. Vorhanden ist dieser Effekt aber immer noch, wie stark hängt einfach davon ab, wie stark direktional das Quartal vorher war.

Hier noch mal eine saubere Erklärung aus einem ganz alten Artikel zum Thema: -> Window Dressing <-

Ihr Hari

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Wie wird 2016?

Liebe Mitglieder,

das Börsenjahr 2016 liegt vor uns und ich wünsche uns allen eine guten Rutsch, das richtige Händchen, jede Menge Disziplin bei der Umsetzung der eigenen Strategie und die Prise Glück, die für Erfolg an den Märkten auch von Nöten ist.

Und natürlich wünsche ich Ihnen Gesundheit und dass 2016 auch abseits der Börsen, zu einem "guten" Jahr für Sie wird.

In der Überschrift habe ich die Frage "Wie wird 2016?" thematisiert, auf die so viele in den Medien und auch in den Banken, immer behaupten eine Antwort zu haben und uns mit ihren - sinnlosen - Prognosen beglücken.

Sie wissen, was ich davon halte, ich nenne das -> Prognosiritis, eine das Ego pflegende, ansteckende Krankheit <- und bin ganz nahe beim von mir geschätzten John Kenneth Galbraith mit seinem Satz:

"Es gibt zwei Arten von Leuten, die die Zukunft vorhersagen: jene, die nichts wissen, und jene, die nicht wissen, dass sie nichts wissen"

Auch Fonds-Manager Peter Lynch wird der Satz nachgesagt, der sinngemäß lautete: "In den US sind ca. 60.000 ausgebildete Ökonomen. Viele von ihnen sind angestellt, um unter anderem Wirtschaftskrisen und Zinsen zu prognostizieren. Wenn ihre Prognosen nur zweimal hintereinander eintreffen würden, wären Sie alle Millionäre. Soweit ich weiß, sind die meisten aber noch immer simple Angestellte.". 😉

Wie absurd das alles ist, kann man sich daran klar machen, dass es mir persönlich reichen würde, wie bei "Zurück in die Zukunft" mit dem "Sport Almanach", nur eine einzige Kurszahl eines Index oder einer grösseren Aktie zum Jahresende 2016 sicher zu kennen, um damit garantiert zu einem der reichsten Männer dieses Planeten aufzusteigen.

Denn da ich dann 100% Sicherheit habe und kein Risikomanagement mehr brauche, kann ich alles maximal gehebelt, auf diese Zahl setzen. Ich kann alles was ich besitze - sozusagen Haus und Hof - maximal beleihen, um noch mehr Kapital zu schaffen und auch das maximal gehebelt auf diese Zahl zu setzen. Wenn ich Glück habe und mittendrin schon massive Zwischengewinne habe, kann ich den Gewinn realisieren und den wiederum erneut gehebelt, noch stärker auf die Zahl setzen.

Ein Milliarden-Gewinn ist jetzt schon sicher, solange sich die Zahl auf ein Asset bezieht, das genügend Liquidität besitzt, um als Anleger auch Milliarden darauf wetten zu können.

All das ist ganz sicher, wenn ich nur eine einzige Zahl, einen Kursstand, zum Jahresende 2016 nun mit 100%er Sicherheit kennen würde. Und das ist genau der Punkt von Peter Lynch. Selbst wenn man so ein Ereignis nur mit 90% Sicherheit prognostizieren könnte, wäre grosser Reichtum und ein gigantischer Gewinn unvermeidlich.

Warum hören wir dann trotzdem wieder all den "Hanseln" zu, die zum Beispiel 2015 als Fondsmanager hinter dem Markt hinterher gekrebst sind und uns nun wieder mit ihren Prognosen für 2016 beglücken? Wann hören wir endlich mal damit auf, mit diesem Blödsinn unsere sinnvolle Lebenszeit zu vergeuden?

Und verwechseln wir bitte nicht Prognosen mit Szenarien. Den Markt in Szenarien zu durchdenken und sich damit auf die Zukunft vorzubereiten, ist immens wichtig und ich nutze das oft und zu meinem Vorteil. Der Unterschied zwischen einer Prognose und einem Szenario ist aber, dass es der Szenarien viele gibt und man ohne Probleme zwischen ihnen wechselt, je nachdem wie sich die Zukunft entwickelt. Hinter einer Prognose steht aber Überzeugung und das Ego, man verliert dabei die Freiheit des Denkens und gerät in einen Tunnelblick.

Und 2016 wird die Sinnlosigkeit von Prognosen ganz besonders deutlich. Denn selten, hatte ich zu einem Jahreswechsel so wenig Meinung zum Verlauf des Jahres. Zu unklar sind einfach wesentliche Faktoren des Weltgeschehens, zu viel ist im Fluss.

Machen wir uns mal klar, was alles auf dem Spiel steht:

Denn egal ob es um die Zukunft der EU, die Existenz des Euros, die Entwicklung des Öl-Preises, die wirtschaftliche Kurskorrektur Chinas, die Glaubwürdigkeit der Notenbanken oder um viele kriegerische und terroristische Gefahrenherde in einer zunehmen multipolaren Welt geht, jeder dieser Faktoren kann die Märkte ganz erheblich in Bewegung setzen und den Unterschied von 10% Gewinn/Verlust oder mehr ausmachen.

Und dann haben wir natürlich noch all die Themen, die garantiert kommen, wir aber noch nicht auf dem Radar haben. Da war es schon fast ruhig und entspannt, sich Anfang 2015 "nur" um Griechenland und den Euro Sorgen machen zu müssen. 😉

Aber da ist auch noch ein Thema, das 2016 sicher kommt und auch die Börsen massiv bewegen wird. US Präsident Barack Obama muss endlich abtreten. Ich sage "endlich", weil Sie als treue Leser wissen, für was für eine unsägliche Enttäuschung, ich diesen Mann seit Jahren halte.

Aber was kommt nach ihm? Hillary Clinton? Das wäre sicher für die Märkte erträglich. Aber was, wenn es in der zunehmend erratischer werdenden republikanischen Partei doch ein Trump wird? Und was, wenn ihm andere Radikale ein paar Wochen vor der Wahl mit massiven Anschlägen in den USA ala 9/11 den Gefallen tun, ihm einen Popularitätsschub zu verpassen?

Und das sind nur die Risiken und Fragezeichen. Es gibt ja auch jede Menge Chancen, denn an einigen Stellen hat der Markt schon jede Menge schlechte Erwartungen eingepreist, die Emerging Markets sind zum Beispiel sicher so ein Fall.

Und alle sorgen sich nun um China und alle haben Europa mehr oder weniger abgeschrieben. Was aber, wenn die Wirtschaft in Europa und China in 2016 doch anspringt und die Inflation endlich in Bewegung gerät? Dann haben wir auf jeden Fall eine ganz andere Börsenwelt, als wenn das nicht der Fall ist.

Kann man das vorher sehen, wie es kommt? Blödsinn!

Ich könnte endlos so weiter machen und will deshalb die folgende, für uns wichtige Erkenntnis, an den Jahresanfang 2016 stellen:

Wir wissen es nicht!

Und jeder - ausnahmslos jeder - der uns mit noch so wohl klingenden Prognosen und Kurssständen für 2016 kommt, ist wahlweise Aufschneider oder Schwätzer, in keinem Fall aber als seriöser Kommentator ernst zu nehmen.

Wenn wir also etwas wirklich Gutes für uns und unseren Börsenerfolg tun wollen, dann den, endlich mal vom Drang die Zukunft vorher sehen zu wollen abzulassen. Um das zu tun, müssen wir auch erkennen, dass das ganze Thema immens viel mit unserem Ego zu tun hat und wo das ins Spiel kommt, ist der Verlust an der Börse nicht weit - auch das wissen erfahrene Mitglieder.

Ich habe Ihnen, den treuen Mitgliedern, doch nun über Jahre bewiesen, dass diese Prognosiritis gar nicht nötig ist, um am Markt zu bestehen. Im Gegenteil, sie ist kontraproduktiv, weil sie den objektiven Blick auf das was real ist, verkleistert. Denn wenn man etwas zu sehr erwartet, übersieht man mit Tunnelblick schnell, was real vor den eigenen Augen passiert.

Wir beobachten also in 2016 genau den Markt, schlucken unser Ego herunter, akzeptieren nicht klüger als der Markt zu sein und folgen demütig seinen Bewegungen. Dann kann so viel in 2016 gar nicht schief gehen.

Und über das, was ich persönlich zum Jahresanfang beobachte, werde ich ab dem 04.01. hier intensiv schreiben. Bis dahin, mache ich noch Ferien, pflege meine Gesundheit und geniesse die Ruhe, auch mal ohne Tagesgeschäft nachdenken zu können.

Hier und jetzt, zwei Tage vor dem Jahreswechsel, lassen wir aber erst einmal unseren guten Vorsatz für 2016 sacken:

Nie mehr Prognosiritis!

Ihr Hari

Die Pralinenschachtel und warum Sie sich fokussieren sollten!

Der folgende Beitrag erschien schon Freitag 30.10.15 16:40 in Hari Live und wurde für die Verständlichkeit im freien Bereich leicht überarbeitet

"Stockbee", einer der Links in meinem "Interessanten Blogs", macht hier einen sehr wichtigen Punkt: -> Narrow your focus! <-

Für jeden der aktiv am Markt unterwegs ist, egal ob Trader oder doch eher normaler Anleger, gilt:

Konzentrieren Sie sich auf wenige Dinge, die Sie sehr gut beherrschen lernen. Und verzetteln Sie sich nicht!

Machen Sie sich bitte klar, dass ein Blog wie Mr-Market, bewusst die ganze Bandbreite an Themen abdeckt. Das liegt erstens daran, dass ich Börse für Sie erlebbar machen will. Zweitens aber auch, dass Sie als Leser ja die ganze Bandbreite darstellen. Vom Anfänger bis zum Profi, vom Feierabend-Anleger bis zum Fondsmanager, vom langfristigem Investor bis zum Daytrader, haben wir alle Typologien hier in der Community versammelt.

Für Sie alle, mit all Ihren völlig unterschiedlichen Voraussetzungen und Zielen, liefern die Kolumnisten und ich Ihnen hier auf Mr-Market ein breites Angebot an Wissen und Ideen, aus dem Sie für Ihr konkretes Handeln am Markt, aber das für sich heraus picken und umsetzen müssen, das wirklich zu Ihnen passt! Diese Aufgabe kann ich Ihnen nicht abnehmen.

Das heisst nicht, dass Sie nicht alles lesen und aufnehmen sollten. Doch das sollen Sie hier, das macht Sinn, um den Markt in der ganzen Breite zu erleben und Wissen aufzubauen. Zwischen Wahrnehmung und Handlung, ist aber noch ein wichtiger Unterschied!

Es ist gut, viel wahr zu nehmen und offenen Auges durch die Welt zu gehen. Neue Dinge und Techniken kann man auch nur entdecken, wenn man nicht mit Scheuklappen, Bias und massiver Wahrnehmungs-Selektion durch das Leben geht.

Die Kunst bei aller Aufnahmebereitschaft ist aber, sich beim Handeln selber zu konzentrieren, sonst bekommt man am Ende gar nichts mehr "gebacken".

Betrachten Sie die Inhalte pro Tag im Premium-Bereich also wie eine Pralinenschachtel, es macht Spass sie anzusehen. Und jede Praline für sich schmeckt ja lecker, aber würde man versuchen alle gleichzeitig zu essen, bekäme man garantiert Bauchweh. Anschauen kann man alles, wenn es ans Essen geht, liegt aber in der Selektion der Genuss!

Und bitte glauben Sie auch nicht, dass ich all das auch immer selber aktiv handele, was ich hier an Themen und Ideen liefere. Das ginge doch gar nicht. Ich lasse Sie an Vielem teilhaben, das ich im Laufe eines Börsen-Tages wahrnehme. Und würze das mit Erklärungen und Hintergrundinformationen. Und genau diese Kombination der Aktualität mit der Vermittlung von Wissen und Kontext, macht das Besondere von Mr-Market aus, das man woanders in dieser Form nicht oder höchst selten findet.

Etwas zu sehen, ist aber wie oben schon gesagt nur die erste Stufe einer sinnvollen Selektion. Um es zu handeln, sollte es eben auch zu der eigenen Strategie, den Rahmenbedingungen und den eigenen Fähigkeiten passen! Und dabei fällt dann vieles durch den Rost, was für sich alleine gesehen, sehr wohl eine schöne "Praline" sein könnte.

Konkret habe ich selber doch eine ruhige Investmentstrategie, die ich hier schon oft beschrieben habe. Die ziehe ich einfach "stur" durch.

Und dann trade ich auch bestimmte Gelegenheiten opportunistisch, wobei das bei mir - wie ich ja zuletzt ausführlich beschrieben habe - durch den Zeitaufwand für diesen Blog gegenüber früher etwas weniger geworden ist. Es macht halt einen Unterschied, ob man einen "heissen" Trade in Ruhe beobachten und "babysitten" kann, oder ob man dazwischen immer wieder längere Phasen hat, in denen man konzentriert schreibt.

Und dabei müssen Sie ja noch berücksichtigen, dass ich als extreme "Informations-Verarbeitungs-Maschine", in dieser Intensität wohl eher eine Ausnahme bin. Meinen etwas ungewöhnlichen Weg, habe ich ja ausführlich vor über 3 Jahren hier beschrieben. In einem sehr persönlichen Artikel, den eigentlich jeder mal gelesen haben sollte. Auch wenn ich heute, nach der langen Zeit und dem Aufbau des Blogs, ein paar Dinge leicht anders schreiben würde, ist das immer noch lesenswert und auf mich im Wesentlichen zutreffend:
-> Der Trader, das unbekannte Wesen <-

Selektion ist also Trumpf, auch für Sie. Und Disziplin und bewusstes Handeln ist Trumpf, auch für Sie!

Stellen Sie sich mal bewusst die Frage, was Sie am Markt besonders gut können. Bei welcher Technik, glauben Sie die notwendigen Handlungen zu beherrschen, welche Methodik liegt Ihnen und Ihrer Psychologie?

Wenn Sie diese Frage überhaupt beantworten können, sollten Sie genau in diese Techniken mehr hinein investieren. Dort liegt dann vielleicht Ihr Anlage-Glück begraben.

Und wenn Sie diese Frage noch gar nicht beantworten können, müssen Sie erst einmal für sich eine Antwort finden. Dafür biete ich Ihnen ja hier immer wieder eine komplette Auswahl an "Pralinen", heute auch wieder von langfristigen Erwägungen bis Daytrading.

Um aber heraus zu finden, was zu Ihnen passt, muss man sich damit beschäftigen und es auch ausprobieren. Die Besonderheit des Börsenhandels ist ja, dass unsere Psychologie mindestens 50% des Erfolges ausmacht.

Und so gibt es viele Techniken, die sich zwar theoretisch sehr attraktiv anhören, erst wenn man sie ausprobiert, kann man aber bemerken, dass man psychologisch damit gar nicht klar kommt.

Aus diesem Grunde, halte ich auch von „Papertrading“ wenig, es fehlt völlig der Einfluss der Emotionen, der erst dann zum Tragen kommt, wenn es um etwas geht. Es gibt eben Dinge, die kann man nur wirklich lernen, in dem man eigene Erfahrungen macht. Aktiver Handel an den Märkten, gehört für mich ganz klar dazu.

Also: Fokussieren Sie sich! Beantworten Sie die Frage nach *ihrer* Strategie. Und laufen Sie nicht jeder der Ideen hinterher, die irgendwo generiert werden. Wenn Sie das noch tun, stehen Sie noch ganz am Anfang. Generieren Sie statt dessen eigene Ideen, die zu Ihrer Strategie passen!

Und in dem Sie diese Ideen dann mit anderen hier im Forum der Community teilen, helfen Sie sich selber am meisten. Denn erst in dem man etwas für andere aufschreibt, wird man gezwungen, es so richtig zu durchdenken und abzuklopfen. Wer schreibt bleibt. 😉

Erneut, das ist hier eine Pralinenschachtel. Und ein Mentoring. Ihr Job ist, aus der Breite der Möglichkeiten und Techniken, wenige Dinge auszuwählen und in denen mit meiner Hilfe und der Hilfe der Community richtig gut zu werden! Und das nennt man Strategie. Ich habe eine. Und Sie?

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MiFID II, Inducement und die Marktkapitalisierung

Der Finanzmarkt ist komplex. Das stimmt. Er ist aber noch weit komplexer und weit stärker miteinander verwoben, als wie wir uns das gemeinhin als "unbedarfte" Anleger vorstellen.

Wenn wir zum Beispiel unser sauer verdientes Kapital am Finanzmarkt anlegen und dafür einen Fonds kaufen, dann gehen wir ja auch unausgesprochen davon aus, dass das Fondsmanagement für die typischerweise 1,5-2% Gebühr pro Jahr, ausschliesslich unsere Anleger-Interessen optimiert.

Tja .....

Die Realität ist wohl weit komplexer. Weil haben Sie sich mal gefragt, woher die Fondsmanager eigentlich die Research-Informationen haben, aufgrund derer diese dann Anlage-Entscheidungen treffen?

Klar, ohne nachzudenken, gehen wir davon aus, dass die ihren eigenen Research machen. Und bei den sehr guten Top-Managern, ist das wohl auch der Fall. Aber gilt das so uneingeschränkt und wenn nein, wer beeinflusst die Anlage-Entscheidungen dann?

Um dieses eminent wichtige Thema geht es in einem Artikel, den ich am Donnerstag 16.07.15 16:40 in Hari Live geschrieben habe und den Sie unten nun etwas überarbeitet und aktualisiert finden. Und ja, das Thema ist sehr komplex, aber in dieser Komplexität ist eine Menge Information versteckt, mit der andere dickes Geld verdienen.

Mir ist völlig klar, dass ich mit diesem Artikel hier im freien Bereich nicht viele Leser finden werde. Zu "sperrig" und "schwierig" ist das Thema. Aber versuchen Sie es doch mal. Und wenn Sie das dann zum ersten Mal überhaupt lesen, fragen Sie sich mal warum?

Wenn Sie dann wirklich bis zum Schluss gelesen und sich auch die Links angeschaut haben, dann gehören Sie auch zu denen, die bei uns in der Mr-Market Community bestimmt sehr gut aufgehoben sind. 😉

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Sie wissen ja, dass ich bei zu kleinen Unternehmen immer sehr skeptisch bin, was die Marktkommunikation und den Einfluss von Insidern angeht. Im Artikel -> Warum ich Pennystocks nicht anfasse <- hatte ich das dargelegt.

Sie wissen auch, wie oft ich mich schon über so "Jubelperser" Analysten-Kommentare gerade bei kleineren Unternehmen mokiert habe. Ein offenes Geheimnis ist dabei nämlich, dass Unternehmen ihre Analysten manchmal selber "incentivieren" und "motivieren", damit es überhaupt mal jemand tut. Und umgedreht werden solche Analysen auch als "Zuwendung" und "Anreiz" (Inducement) an Fondsmanager weiter gegeben, was einen Vorteil im Spiel um Wissen darstellt. In beiden Fällen sitzt der normale Anleger aber unwissend am Katzentisch.

Das ganze Thema ist hoch komplex und die Abhängigkeiten vielfältig und verwoben. Es ist für mich persönlich hoch problematisch, wenn ein Fondsmanager, der eigentlich das Geld seiner Anleger objektiv verwalten soll und dafür von denen per Management-Fee bezahlt wird, dann eben nicht objektiv handelt, weil ihn sich Dritte mit "Inducements" gewogen halten.

Natürlich läuft das schon heute alles "total sauber" und "total objektiv". 😉 Die Lebenserfahrung gebietet aber, dass Analysen genau so objektiv sind, wie zwei Sachverständigengutachten, die in einem Gerichts-Verfahren von miteinander streitenden Parteien aufgeboten werden und sich problemlos völlig widersprechen können, alles ganz "objektiv" natürlich. 😉

Es ist halt einfach so, dass viele Dinge nicht objektiv sind und mit subjektiver Einschätzung zu tun haben. Und selbstverständlich wird niemand in diesen Graubereichen seinem Auftraggeber bewusst gegen das Schienbein treten. Und so entstehen dann so gegensätzliche Gutachten und eben auch Analystenkommentare. Ganz "objektiv subjektiv" sozusagen. 😉

Und natürlich macht es für die grossen Marktspieler auch Sinn, sich die Verwalter grossen Geldes gewogen zu halten und so in ihrem Investitionsverhalten zu beeinflussen, auch wenn das für die Geldverwalter natürlich die Gefahr eines Interessenkonflikt gegenüber den eigentlichen Auftraggebern - den Anlegern - herauf beschwört.

Das Thema ist sehr schwierig, weil nur weil man etwas von Dritten liest, wird der Fondsmanager ja in seiner eigene Entscheidung nicht objektiv zu einem abweichenden Handeln gezwungen. Insofern kann man argumentieren, dass hier gar kein Problem existiert, Papier ist geduldig und die Entscheidung trifft am Ende der Fondsmanager.

Andererseits hat jede Information ihre Wirkung und die verändert dann das Investitionsverhalten. Insofern ist da schon ein Problem.

Legal ist das bisher alles, da habe ich keinen Zweifel. Aber ist es auch legitim und sollten wir Anleger dafür unsere Kapital geben? Das ist die schwierige Frage, um die es hier geht.

Mit MiFID II soll hier nun eine Änderung kommen, mit der nicht mehr alle "Inducements" in Form von Research legal wie bisher sind. Und das bedeutet einen wichtigen Einschnitt.

Wenn Sie das aber bisher alles für ein Gerücht gehalten haben, dann lesen Sie in dieser Branchennachricht mal, was von einer Tagung des -> DVFA <- als Verband der "Investment Professionals" berichtet wird, in dem die bekannten Fondsgesellschaften sitzen: -> MiFID und "Inducement" <-

Zitat:

"MiFID II schränkt die Gewährung von "Inducements" erheblich ein. Sie gestattet unabhängigen Beratern und Portfolio-Managern nicht, für die Erbringung ihrer Dienstleistung monetäre oder nichtmonetäre Vorteile von Dritten anzunehmen."

Aha. 🙂 Das war also bisher scheinbar der Normalzustand. Haben Sie es gewusst, liebe Anleger? Und mit MiFID II soll das anders werden. Ist das nun schlimm oder überfällig?

Nun nimmt der DVFA hier lobenswerterweise keine rein schwarz/weisse Position ein und ja, es wird auch negative Seiteneffekte dieser Reform geben. Wer in so komplexe Zusammenhänge eingreift, erzeugt nicht ausschliesslich positive Effekte. Aber auf den Saldo und die Richtung kommt es am Ende an und mit der Richtung habe ich keinerlei Problem, auch wenn die MiFID in Summe ohne jede Frage ein "bürokratisches Monster" ist.

Hier muss ich die Bürokratie aber auch mal zumindest teilweise in Schutz nehmen, denn sie ist auch deshalb so kompliziert, weil es eben ohne diese Regeln jede denkbare Vorteilsnahme geben würde und dabei grosse Kreativität herrscht.

Im Gegenteil, ich halte diese Änderung für uns Anleger für einen Vorteil. Denn wenn es weniger "Jubelperser-Analysen" gibt, muss man bei Kleinunternehmen wieder das tun, was zwar mühsam ist, aber einen echten Edge generieren kann: sich intensiv damit beschäftigen. Oder eben die Finger ganz weg lassen, wenn man den Zeitaufwand nicht betreiben kann und will, was meine Strategie ist.

Natürlich habe die Stimmen recht die sagen, dass damit kleine Unternehmen noch seltener vom Research erfasst werden. Die Frage ist halt, wie viel ist Research wert, dem vielleicht ein Interessenskonflikt zu Grunde liegt?

Wer es genau wissen will, findet -> hier internationale Anwälte zum Thema <- und -> hier die BAFIN zum Thema <-

Wer übrigens die ganze Problematik in ihrer extremen Komplexität noch nicht begriffen hat - was wirklich keine Schande ist, auch ich will nicht behaupten alles zu durchdringen - für den zitiere ich hier aus dem obigen kenntnisreichen Artikel der Anwälte:

This view holds that if MiFID II requires fund managers to either pay for the research information themselves, charge their clients or build the information systems in house, medium and small fund management houses may be driven to closure or merger, presenting less choice for investors.

Nun alles klar?

Sie lieber Anleger, der Sie Ihrem Fondsmanager bisher 1,5 oder sogar 2% per Annum dafür gegeben haben, dass er mit seinem ganzen Wissen und Können und seinem eigenen Research Ihr Geld verwaltet, können aus diesem Satz indirekt entnehmen, dass es im Moment eben zu oft wohl nicht "Inhouse Informationen" und "eigenes Research" sind, mit denen Ihr Fondsmanager agiert, sondern Informationen, die die grossen Adressen der Branche "kostenlos" verteilen - natürlich nur ganz objektiv und ohne jedes Eigeninteresse. 😎

Wundert sich da noch jemand, dass so wenige Fondsmanager den Markt schlagen können und so viele einen Gleichlauf zeigen? Die Fondsmanager, die immer wieder eine sehr gute Performance zeigen - und in unserem Forum besprechen wir davon ja auch immer wieder eine Auswahl - gehören möglicherweise zur lobenswerten Minderheit, die mit eigenem Hirn und Research agieren und nicht nur nachkauen, was die "Big Boys" so verlauten lassen.

Und das ist der Punkt. Wenn MiFID II das ein wenig verbessert: be my guest!

Was denken Sie?

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