Von Panzerspitzen und Systemführern


Heute möchte ich Sie auf eine Entwicklung aufmerksam machen, die mittelfristig interessante Anlagechancen im Aerospace&Defense-Sektor Europas generieren könnte.

Diese hat mit einem Unternehmen zu tun, das hier schon oft Thema war und an dem wir schon viel (Kurs-)Freude hatten. Es ist Rheinmetall, die Panzerschmiede, das einzige Rüstungsunternehmen, das man in Deutschland an der Börse kaufen kann.

In letzter Zeit habe ich Rheinmetall aber nicht mehr groß kommentiert, weil eine grundlegende strategische Weichenstellung immer noch offen ist. Wer sich erinnert, ich habe schon 2017 sehr bitter die wohl auf Animositäten beruhende Entscheidung der privaten Krauss-Maffei-Wegmann (KMW) kritisiert, sich mit dem französischen Panzerbauer Nexter ins Bett zu legen, statt die völlig logische Fusion mit Rheinmetall zu vollziehen.

Hier ein Auszug aus meinem Kommentar vom -> vom 14.02.17 <-:

Im deutschen Markt zieht heute wenig meine unmittelbare Aufmerksamkeit. Aber Rheinmetall sticht heute heraus, lange haben wir von dieser Aktie nichts mehr gehört, die ohne jede Frage aufgrund der absehbar stark erhöhten Verteidigungsbudgets in Europa fundamental stark unterstützt ist. Heute wird sie durch einen bisher nicht sichtbaren Grund befeuert, eine Hochstufung der UBS dürfte für aktuell 5% Plus nicht als Ursache ausreichen.

Allerdings hat die Aktie auch ein massives strategisches Handicap und das ist dieses Dilemma, dass in vielen Bereichen Rheinmetall nicht der Systemlieferant, sondern nur Zulieferer wie zum Beispiel mit der berühmten Glattrohrkanone für den Leopard ist. Vielen wird nicht bekannt sein, wie absurd und persönlich die Fehde zwischen dem Rheinmetall Management und dem der privaten Krauss-Maffei-Wegmann seit Jahren ist. Diese Fehde hat wohl massgeblich dazu geführt, dass sich KMW lieber in eine -> Ehe mit der franzöischen Nexter <- gestürzt hat, obwohl ein Zusammengehen mit Rheinmetall die industriell viel logischere und einfachere Variante gewesen wäre.

Aber "Bruderzwiste" sind halt besonders intensiv, das Management der beiden Unternehmen scheint sich zu hassen, kann aber gleichzeitig nicht ohne einander, was aber für unnötige Friktionen sorgt. Gerade nach der Nexter-KMW Fusion droht Rheinmetall dabei ein wenig ins Abseits zu geraten, während Rheinmetall gleichzeitig seit Jahren damit scheitert, sein Rüstungsgeschäft durch Zukäufe sinnvoll zu auszubauen und den Autozulieferer Kolbenschmidt-Pierburg abzustossen, der sowieso ein strategisches Problem hat, denn wer braucht Kolben in Elektroautos?

Rheinmetall ist also zwiespältig zu sehen. Ein Unternehmen mit Produkten, die absehbar einen Boom in den nächsten Jahren erleben werden. Aber auch ein Unternehmen, mit massiven strategischen Problemen, die seit Jahren ungelöst sind. Deswegen kann man Rheinmetall auch noch für ein KGV von 11 und ein KBV von unter 2 kaufen, was weit unter Vergleichswerten liegt. Eine General Dynamics (GD), die unter anderem den "Abrams" herstellt, notiert beispielsweise bei einem KGV von 18 und einem KBV von 5.

Rheinmetall hat seitdem eine wilde Kursbewegung hingelegt, ein Anstieg der dann wieder abgegeben wurde. Aber in den letzten Monaten kam richtig Leben in den Kurs, der Markt riecht etwas. Und ich glaube ich weiß was er riecht und finde es selber spannend.

Denn das strategische Dilemma könnte sich nun vielleicht doch auflösen, denn eine der beiden Seiten der Animositäten, der -> KMW Eigner Manfred Bode <-, ist im Herbst letzten Jahres gestorben.

Das macht nun eine Tür ganz weit auf, die schon von Frankreich und Deutschland selber aufgestossen wird, denn die müssen sich nun auf zwei Leuchtturmprojekte einigen.

Einerseits den Nachfolger des Eurofighters und des Tornados, das -> Future Air Combat System (FACS) <- soll diesen Nachfolger generieren.

Das wird wohl unter französischer Systemführerschaft von Dassault erfolgen und das macht Sinn, weil Deutschland seine ehedem leistungsfähige Luftfahrtindustrie vernachlässigt und weitgehend in Airbus hat aufgehen lassen.

Für uns als Anleger ist das derzeit nur begrenzt spannend, weil dieses Projekt locker ein Jahrzehnt, wenn nicht mehr dauern wird und erst in Jahren aus dem Planungsstadium heraus sein wird. Echte Effekte auf die Umsätze und Gewinne von Firmen, sind also erst in Jahren zu erwarten.

Andererseits geht es aber im zweiten Leuchtturmprojekt um den neuen Kampfpanzer, auch Euro-MBT (Main Battle Tank) genannt.

Und eben weil Frankreich in der Luft die Systemführerschaft hat, wird es Deutschland wohl am Boden bei den Panzern sein. Alles andere wäre idiotisch, denn bei Panzern hat klar Deutschlands Industrie die größere Kompetenz und Reputation.

Ich traue unserer Politik mittlerweile durchaus zu, diese Reziprozität nicht duchzusetzen, hoffe aber immer noch auf eine Erleuchtung. Denn ohne klaren Systemführer, gehen solche länderübergreifenden Projekte gerne in die Hose.

Schon -> letzten November <- ging dann durch die Presse, dass Rheinmetall wieder im Rennen sei, mit dem Abgang des bisherigen KMW-Patriarchen, war der Weg wohl frei, sich von den persönlichen Animositäten gegenüber Rheinmetall zu lösen.

Ich habe das damals schon aufmerksam beobachtet, hatte aber noch meine Rest-Zweifel wegen französicher Widerstände.

Nun aber hat der Rheinmetall CEO Pappberger -> im Rahmen der Bilanzpressekonferenz <- und damit hochoffiziell und verbindlich die Absicht formuliert, die Mehrheit am Panzer-Gemeinschaftsunternehmen zu übernehmen.

Und er hat explizit die Unterstützung der Bundesregierung dazu genannt. Auch das kann man offiziell nicht machen, ohne sie tatsächlich zu haben. Da habe ich am Montag aufgemerkt und beschlossen, Ihnen dazu diese Woche zu schreiben.

Erneut, wenn die Bundesregierung nicht von Dilettanten bevölkert ist, wird es dazu kommen, weil eben die Systemführerschaft in der Luft durch Frankreich Teil eines groß angelegten Deals sein muss. Frankreich kann nicht das Eine haben, ohne das Andere zu geben, zumal beide Schwerpunkte ja Sinn machen. Ich habe aber noch Restzweifel, aber wir werden sehen.

Und warum erkläre ich das hier so lang und breit?

Weil das endlich das strategische Problem von Rheinmetall lösen würde.

Rheinmetall könnte damit von der Größe her zur "puren Panzer-Company" werden, was der Vorstand ja schon länger will, aber mangels Größe nicht umsetzen kann, weil er keine Übernahmeziele hat. Auch der Verkauf von Kolbenschmidt-Pierburg könnte damit endlich in Gang kommen.

Eine derartige Einigung zwischen Frankreich und Deutschland würde Rheinmetall zu *dem* zentralen Bodenfahrzeugs-Ausrüster Europas machen und damit erhebliche Potentiale generieren. Und diese Potentiale sind schneller zu heben als in der Luft, weil die Entwicklungszyklen zwar auch Jahre dauern, aber doch kürzer sind als in der Luftfahrt.

Genau das riecht der Markt wohl und lässt Rheinmetall nun steigen. Ich bin nicht der Meinung, dass das Potential des zentralen Bodenfahrzeugs-Ausrüsters in Europa schon heute ausreichend im Kurs ist. Wir alle wissen, welch erhebliches Auftragsvolumen da zwangsläufig im nächsten Jahrzehnt heranrollt. Klar ist aber auch, dass der Markt schon etwas Hoffnung einpreist, wenn sich das wieder zerschlägt, geht es bei Rheinmetall wohl wieder abwärts.

Das wollte ich mit Ihnen teilen. Ein unmittelbarer Handlungszwang ergibt sich daraus nun nicht. Aber ich werde das genau im Auge behalten und ich bin seit genau diesem Herbst 2018, als die Nachricht kam, dass die Animositäten sich dem Ende zuneigen, wieder bei Rheinmetall drin. Die technischen Setups dazu, hatte ich hier im November und Januar geteilt.

Ihr Hari

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Rise?



Guten Morgen!

Ich hatte es gestern schon im Forum, das Video zur Marktlage, mit der Frage ob der Markt sich aus dem Loch befreien kann? Rise?

Was wir gestern gesehen haben, war ein Balancieren am Abgrund, bevor der Markt sich davon lösen konnte und der S&P500 dann doch marginal im Plus geschlossen hat:

Schaut man auf die Marktinternas, kann man unzählige Gründe finden, warum das irrelevant und eher ärmlich war, die Marktbreite gleich ganz vorneweg. Trotzdem hat das eine Chance generiert, denn wir dürfen nicht vergessen, dass die alten Regeln wie ein Boden mit einem marginalen Undercut - hier vom Tief im Oktober - auszusehen hat, sich im Zeitalter der Algos verändert haben.

Ich erinnere an meinen Artikel -> Es ist so verflucht artifiziell! <- von damals kurz nach dem Brexit. Bitte lesen Sie den noch einmal, denn vieles was ich damals gesagt habe, trifft auch auf gestern und die aktuelle Lage zu.

Die wirkliche Frage ist also, ob in dieser Woche das "Follow Through" kommt, wenn sich heute ein "Turnaround Tuesday" entwickeln sollte, werden wir schnell erleben, wie plötzlich Marktbreite und Volumen anziehen. Wenn!

Womit wir auch wieder an der Stelle sind, die ich auch wie eine Gebetsmühle wiederholen muss und ich auch damals im Artikel nach dem Brexit für die Trader unter uns betont habe. Damals schrieb ich:

Opportunistisch rein und Trailing Stop!

.....

Das ist die wichtige Botschaft, die ich immer wieder habe. Die Prognose, das Grübeln ob der Markt wieder zu den Hochs steigt oder vorher weg kippt, hat nur äussert begrenzten Wert.

Wichtig aber ist, die Chance opportunistisch zu ergreifen. Und dann gilt halt: "Schaun mer mal dann sehn mer scho".

Auch jetzt werden wir mehr "Sicherheit" erst viel höher haben und dann kann es sein, dass der Markt schon wieder nach unten schwingt, denn die übergeordnete Lage ist weiter höchst fragwürdig.

Wer also solche potentiellen Rebounds mitnehmen will, muss die Momente nutzen, in denen sich wie gestern ein Undercut gebildet hat, den man nach unten als Absicherung nutzen kann und dann schaut man mal opportunistisch nach oben.

Erneut, kein Mensch weiss, ob das nicht doch nur ein jämmerliches "Bouncelein" war, das wird erst der heutige Tag zeigen. Aber selbst wenn das Verh#ltnis zwei zu eins zuungusten einer Rebound ist, hat man im negativen Fall zwei Trades mit geringem Verlust weil der Stop sehr nahe ist. Und im positiven Fall einen Trade, der potentiell bis zum Jahresende trägt und große Gewinne verspricht.

Das gilt aber nur für Trader, die reagibel und opportunistisch Chancen mitnehmen wollen. Anleger mit längerem Zeithorizont nehmen einfach diese Kerze zur Kenntnis und stellen fest, dass das was werden könnte, es aber noch viel zu früh ist, mehr als einen Konjunktiv daran zu kleben:

Und mittelfristige Anleger machen sich bitte bewusst, dass alles worüber wir hier als Konkunktiv reden, vielleicht bestenfalls nur eine 3-wöchige Erholungsphase bis zum Jahreswechsel ist. Aus den genannten Gründen ist das Risiko nun hoch, dass wir in 2019 eine 2008er und 2016er Replik bekommen und der Jahresanfang eher unerfreulich wird, wenn die Bremsen des Window-Dressing ab Januar gelöst werden:

Das ist die Lage, wie sie sich mir darstellt. Was haben wir an konkreten Entwicklungen an diesem Morgen?

Das Geschehen in Frankreich um die Gelbwesten zeigt, wie malade dieses Land ist. Allerdings sollten wir nicht glauben, dass die Problematik hier in Deutschland prinzipiell besser ist, sie wird nur durch die geringe Arbeitslosigkeit überdeckt.

Aber auch hier ist es so, dass die, die sich in "normalen" Jobs abrackern, damit gerade mal bestenfalls ihren Lebensunterhalt bestreiten können, der Aufbau von Alterskapital oder selbst eine Wohnung in einer Grossstadt sind aber unerreichbar. Auch hier werden in der nächsten Krise Massen bemerken, dass sie zu den Verlierern gehören, während andere in Saus und Braus auf Staatskosten leben.

Ein normaler Polizist im Streifendienst, kann beispielsweise mit dem Gehalt in München seiner Familie kein Dach über dem Kopf mehr verschaffen, während andere mit 8 Kindern und 2 Frauen feixend zu Hause sitzen und sich nichtstuend vom System finanzieren lassen.

Das große Problem ist doch aber wieder, dass die falschen Schlußfolgerungen gezogen werden. Wie in Frankreich, wird man den Hass auf "die Reichen" und "die Eliten" kanalisieren, zu denen per Definitionem faktisch alle Mitglieder hier im Blog gehören, denn wer hier mitliest und sich für die Kapitalmärkte interessiert, ist per Definitionem eine "Elite" aus Sicht dieser Abgehängten.

Der wahre Grund der zunehmenden Armut der arbeitenden Klasse liegt aber gerade im System, das ihnen vermeintlich zu Hilfe eilt. Es ist das Sozialsystem verbunden mit der Geldpolitik der EZB, das der wirkliche Armutstreiber ist. Der Beitrag der Geldpolitik ist hier oft besprochen worden, die steigenden Mieten und Immobilienpreise basieren wesentlich darauf, hier soll nun das Sozialsystem aber im Fokus sein.

Und diese Kritik ist kein Argument gegen ein gut aufgebautes, effizientes Sozialsystem, ich führe hier keine libertäre Argumentation - im Gegenteil, es zeigt nur wie ineffizient das aktuelle geworden ist. Schauen wir doch mal wie aufgebläht es in Deutschland und in Frankreich nach Hollande ist, die große Mehrheit des Haushalts geht dafür drauf und trotzdem - nein gerade deswegen - entsteht faktische Armut bei arbeitenden Menschen, denn wer sich an seinem boomenden Wohnort trotz Arbeit keine Wohnung mehr leisten kann, ist faktisch arm.

Noch nie waren die Summen die in die Sozialsysteme gepumpt wurden so hoch und noch nie war die Wirkung so gering. Und das liegt eben daran, dass das System aus dem Ruder gelaufen ist und zu viele Orchideenthemen, Symbioten und Blutegel finanziert. Wir kennen alle die Beispiele von denen, díe auf Kosten des Systems gut leben, während die arbeitenden Armen Abgaben zahlen und selber auf keinen grünen Zweig kommen.

Die neuen Armen sind die arbeitenden Armen und auch bei uns wird das früher oder später zu Eruptionen führen.

Man müsste das System von politischem Eingriff befreien um seine Fehlallokation zu beheben, denn es ist mehr als genug Geld da und wird mehr als genug Geld umverteilt, nur verliert das System im Gestrüp immer mehr die Fähigkeit, diesen Sozialausgleich wirklich gerecht zu erbringen.

Eine weitere Erhöhung der Abgabenlast ist keine Lösung, auch nicht bei den "Reichen", das wird nur mehr Armut für alle bedeuten, weil dann die Geschäftstätigkeit leidet. Wenn es eine echte Steuerlücke gibt, dann bei den multinationalen Konzernen wie Amazon und bei den wenigen Superreichen, die keine lokale Bindung mehr besitzen. Aber da, gerade bei Amazon und Co, erweist sich die gleiche Politik als unfähig, die kein Zögern dabei hat denen in die Tasche zu greifen, die nicht weglaufen können.

Ein Anfang für mehr "Gerechtigkeit" wäre, die Milliarden die in diverse NGOs und politische Glaubensprojekte fliessen zu beenden, da hat sich eine wuchernde Schicht an politischen Symbionten gebildet, die genau von dem Polizisten und seiner Familie finanziert werden, der sich keine Wohnung in München mehr leisten kann.

Ich bin aber sicher, im Falle des Falles werden die Symbionten die Ersten und Lautesten sein, um auf "die Reichen" als Ursache zu zeigen, womit dann alle mit Einkommen leicht über dem Durchschnitt gemeint sind. Frei nach dem bewährten Motto "Haltet den Dieb", man kennt das ja.

Insofern ist Frankreich in meinen Augen kein Grund sich arrogant darüber zu erheben. Frankreich hat unter Hollande sozialistische Politik erlebt und hat die was verbessert? Nein, die hat alles noch schlimmer gemacht. Wir sehen unsere Zukunft vor Augen, auch unsere Gesellschaft wird ganz langsam von einem gefrässigen Umverteilungssystem erdrosselt, das sich gerade der eigenen Grundlagen beraubt.

Es ist Zeit für einen Neuanfang, an marginalen Stellschrauben ist hier nichts mehr zu ändern. Ich wäre sehr für einen Ansatz wie beim Grundeinkommen, verbunden mit einer "Maschinensteuer" die Wertschöpfung besteuert statt menschliche Arbeit. Aber nur unter einer Bedingung, die aber nie eintreten wird. Das dann nämlich der ganze Sozialapparat, mit allen Ämtern und kleinen Fürsten die Anträge genehmigen ersatzlos gestrichen wird, inklusive Arbeitslosen- und Rentenversicherung, die braucht es dann auch nicht mehr und die 100.000 Mitarbeiter der BfA auch nicht. Das wird aber nie passieren, eher wird Merkel noch zur Konservativen. 😉

So werden wir wohl irgendwann auch Bilder wie in Frankreich haben und ein Regierung die sich "Gerechtigkeit" auf die Fahnen schreibt, wird ein schon überdrehtes Systems durch eine weitere Drehung endgültig zerstören und was danach kommt, ist nicht schön. Nein, ich bin da nicht optimisisch, das hat genau mit der Infantilisierung zu tun die ich beklage und die sich in der völkischen Fraktion der AfD ebenso gruselig ausbreitet, wie sie in den meisten Parteien und besonders auf der Linken schon vorhanden ist, wo auch etatistisches Denken vorherrscht und der Glaube an einen bemutternden Staat viele Anhänger hat. So als ob Politiker und Ämter jemals die besseren Verteiler von Geld gewesen wären, als eine freie, soziale Marktwirtschaft.

Was das Drama um den Brexit angeht, tritt es nun in eine Phase, in der die Zeit zunehmend abgelaufen ist. Im Bereich Clearing existieren nun erste Bereiche, wo die Verantwortlichen Entscheidungen treffen müssen, weil sie wegen Fristen keine Zeit mehr haben zu warten: -> Global Finance needs to make Brexit Decision *NOW* <-.

Es wird dringend Zeit, das in UK mal "die Erwachsenen" übernehmen, falls da welche sind. Man kann May viele taktische Fehler vorhalten, aber die Grundrichtung ist in Ordnung. Sie hat sich an das Urteil des Volkes in der Abstimmung gehalten und gegen alle Widerstände eine Vereinbarung zusammengebracht, die Zeit erkauft. Diese Vereinbarung ist nicht schön, aber real und besser als das Chaos.

Wer da an der Seitenlinie nun seinen politischen Wunschvorstellungen fröhnt und nicht das Wohl des Landes im Auge hat, dem fehlt in meinen Augen das, was jeder Spitzenpolitiker haben sollte: Verantwortungsbewusstsein.

So weit für heute.

Als Hinweis noch zum Schluß: Der Stream wird heute voraussichtlich zweigeteilt. Ich eröffne ihn normal, setze ihn aber ab 16 Uhr auf Hold und nehmen ihn dann nach 20 Uhr bis zum Handelsende wieder auf.

Bis später!

Ihr Hari

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Einfach UN! – Urlaub vorbereitet



Mit diesem Beitrag möchte ich meinen zweiwöchigen Urlaub ab Pfingsten vorbereiten. Und Ihnen ein paar lockere Hinweise für diese Zeit geben, organisatorisch und zum Markt.

Ich werde heute und am morgigen Freitag weiter je einen Morgen- und Nachmittags-Bericht schreiben, dieser hier ist aber der letzte Sonderartikel vor dem Urlaub.

Im Zeitraum vom 03.06. - 18.06. werde ich mal *gar nichts* machen, was die Börse und diesen Blog angeht. Das ist UNglaublich, UNmöglich, UNfassbar, UNwahrscheinlich, einfach UN! 😉

Treue Mitglieder die hier seit fünf Jahren dabei sind, wissen wie aussergewöhnlich das ist, denn ich bin fast immmer da. Im Urlaubsmodus zwar mit deutlich gebremstem Schaum, aber ich bin da und schreibe.

So wird das auch im August wieder sein, wenn ich für einen Monat in den traditionellen Ferienmodus während der Sommerferien gehe. Aber da werde ich präsent sein, wenn auch unregelmässig und mit herab gesetzter Intensität. Ab Übermorgen aber, bin ich für 2 Wochen definitiv weg, auch wenn es börsentechnisch "Katzen hagelt". 😉

Tja, so ganz weg dann natürlich doch nicht. Ich muss als Einzelkämpfer natürlich schauen, dass Blog und Server weiter laufen. Ich muss administrative Dinge weiter machen und ich schliesse nicht aus, dass ich mich auch mal im Forum melde und vielleicht sogar mal was schreibe. Das dann aber nur, wenn mir danach ist - rechnen Sie nicht damit und gehen Sie davon aus, dass ich von der Bildfläche verschwunden bin und nur in sehr dringenden Fällen über Mail erreichbar bin.

Warum ich diese 2 Wochen konsequenten Abstand mal brauche, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung mehr: Wer viel schreibt, fühlt sich irgendwann "leer". Dieser Markt, der so störrisch hochschiebt, während man gleichzeitig unbedingt auf den Zehenspitzen bleiben muss, laugt noch zusätzlich aus. Und es ist schwierig über so einen Markt intelligentes zu schreiben, weil man sich nur immer wiederholen könnte.

Diese zwei Wochen werden für mich also ein kreativer Schub sein, damit ich danach wieder richtig in den Börsenapfel beissen kann. Und ich habe auch so einige grundsätzliche Gedanken mit denen ich schon länger schwanger gehe, die ich mal in Ruhe im Liegestuhl mit Cocktail in der Hand durch meine Gehirnwindungen diffundieren lassen werde. 😉

Nur in Einem können Sie sicher sein. Ich mache das hier immer noch gerne und ich mache weiter. Allerdings - auch das muss gesagt sein - besonders gerne wenn von Ihnen auch etwas kommt. Das grosse Schweigen der letzten Wochen (die letzten Tage wurde es etwas besser), macht mir weniger Freude beim Schreiben. Ich schreibe und erkläre gerne *für* andere und nicht für eine Wand.

Was könnte Ihnen passieren, während ich total abwesend bin?

Ohne Frage auch, dass es "Katzen hagelt", reif ist der Markt dafür, wie ich zuletzt in -> Der Juni vorbereitet <- ja ausführlich dargestellt habe.

Trotzdem ist ein richtig herber Einbruch nach wie vor eher unwahrscheinlich. Ich habe schon oft gesagt, dass grosse Tops Zeit und ein Hin- und Her brauchen und das gilt nach wie vor. Eine 5-10% Korrektur ist aber problemlos drin, sie muss nicht kommen, kann aber. Denn in den fraglichen 2 Wochen, ist im Bereich der Notenbanken und Politik eine Menge geboten.

Zunächst sticht natürlich die FED Sitzung am 13./14.06 heraus, bei der der Markt von einer Zinserhöhung ausgeht, falls die morgigen Arbeitsmarktdaten dem nicht entgegen stehen.

Weiterhin kommt nächsten Donnerstag am 08.06. die EZB-Sitzung in Tallinn, bei der der Markt einen sprachlichen Einstieg in ein "Tapering" (das Ende des QE) erwartet. Wie immer das ausgeht, wird massive Auswirkungen auf EURUSD haben.

Am 08.06. ist dann auch die Wahl in Grossbritannien, die der Markt auch mit Spannung betrachten wird. Das britische Pfund in GBPUSD und GBPEUR dürfte dabei eng an einen Erfolg oder Misserfolg von May gekoppelt sein.

Und am 11. und 18.06. ist die Parlamentswahl in Frankreich, bei der Macron derzeit vorne liegt, was der Markt honorieren dürfte, wenn es so bleibt.

Das grösste politische Risiko für DAX & Co., dürften aber derzeit schlechte Nachrichten aus Italien sein. Da steht die Wahl zwar erst im September an, wenn Umfragen aber weitere Zugewinne für die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung zeigen, dürfte das den Markt immer wieder nervös machen. Denn eine Krise in Griechenland kann die Eurozone gut aushalten, eine solche in Italien, der drittgrössten Volkswirtschaft der Eurozone, eher nicht.

Und dann haben wir natürlich die bekannten Grundrisiken die mit Themen wie Kim, Trump und Terror verbunden sind, die aber auf keine Daten einzugrenzen sind.

Im Saldo werde ich in den zwei Wochen fast ganz aus dem Markt sein - was bei mir "fully hedged" heisst. Nicht weil ich einen Crash erwarte, sondern weil ich mir im Urlaub keine Gedanken um die Börse machen will, auch wenn es die genannten "Katzen hagelt".

Ihnen kann ich für diese Phase aber auch nur raten, das Exposure auf ein gesundes Mass zu verringern, wenn Sie das nicht schon haben. Auch wenn der Markt in Einzelfällen immer wieder gute Opportunitäten bietet, erscheint er im grossen Bild doch müde und überreif für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierung. Nur gegen ihn stellen, das sollten wir auf keinen Fall, es ist immer noch ein Bullenmarkt.

So weit ein paar einordnende Worte. Nun wende ich mich wieder den Aktualitäten zu und am Freitag Nachmittag heisst es dann frei nach J.R.R. Tolkien:

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Ihr Hari

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Politische Masken



Guten Morgen!

Die "Debatte" zwischen Macron und LePen hat stattgefunden, ich kann davon nur indirekt und nicht aus eigener Anschauung berichten, weil ich Französisch nicht gut genug spreche, im Gegensatz zu meiner Frau. Trotzdem kann man auch aus den indirekten Berichten ablesen, dass beide ihre jeweilige Klientel bedient haben, aber beide auch nicht in der Lage waren, ins andere Lager zu greifen. Hier eine -> Zusammenfassung <-.

Man sollte also nicht davon ausgehen, dass diese Debatte am Ergebnis viel verändert, zumal es wie alle dieser sogenannten "Debatten" im Fernsehen ja keine war, sondern ein gestelztes Schaulaufen von Matadoren, denen ihre Berater jede Bewegung der Augenbrauchen vorher vorgegeben haben. Man sieht daran wie im Brennglas das ganze Leid der medialen Auseinandersetzung im politischen Raum. "Authentisch" ist daran gar nichts mehr, es ist durch die Professionalisierung zu einer Farce geworden und eigentlich würde man der Demokratie etwas Gutes tun, diesen Mist sogenannter "Wahldebatten" einfach ganz abzuschaffen.

Auf der anderen Seite wäre es aber wohl doch schädlich darauf ganz zu verzichten, weil die Menschen dieses Gefühl von Nähe und Authentizität derer die sie wählen sollen einfach brauchen. Darauf beruht ja auch der Gedanke im Wahlkampf von Marktplatz zu Marktplatz zu tingeln, obwohl das dort Gesagte zwangsläufig doch auch nur die üblichen Phrasen gewürzt mit vorbereiteten Lokalbezügen sind. Dass das alles nur eine aufgesetzte Fassade ist, ändert aber nichts daran, dass es wohl nötig ist, weil viele Menschen diese Illusion der "Fassbarkeit" brauchen.

Hierin zeigt sich auch das Grunddilemma demokratischer Systeme. Objektiv müssen die Bürger bei der Wahl eine abstrakte Entscheidung über eine grundsätzliche Politikrichtung treffen. Faktisch aber, brauchen die Wähler Menschen, an denen diese Richtung glaubwürdig festgemacht werden kann. Also liefert man dem Wähler diese Menschen, wohl wissend dass es nur ins Schaufenster gestellte Abziehbilder sind und selbst bei Macron und LePen zwar unwahrscheinlich, aber nicht völlig ausgeschlossen ist, dass sie nach der "Debatte" hinterher zusammen sitzen und darüber lachen, wie sie sich öffentlich beharkt haben um die eigene Position heraus zu arbeiten.

Politische Öffentlichkeitsarbeit ist halt Fassade und hat mit bewusst gewählten Masken zu tun, mit denen man sich dem Wähler darbietet. Leider kann es wohl nicht anders sein, weil die Menschen sind wie sie sind. Jemand der auf diese Fassade verzichten würde und völlig authentisch wäre in allen Stärken und Schwächen die Menschen nun einmal haben, würde wohl nicht gewählt. Insofern haben wir genau die Politiker, die wir verdienen.

Die für uns wichtige Frage, wie die Stichwahl am Sonntag ausgeht, wurde durch die Debatte vermutlich nicht gross verändert. Immer noch betrachte ich die Chance von LePen als grösser, als es die Umfragen annehmen, gehe aber auch mit Wahrscheinlichkeit davon aus, dass Macron am Ende doch das Rennen machen wird.

Damit ist ein Euro-Austritt Frankreichs dann erst einmal vom Tisch und das wäre das Szenario, das den Markt am meisten verunsichert hätte. Denn selbst wenn in den Parlamentswahlen im Juni dann die Front National eine klare Mehrheit erringen würde, würde es zwischen Präsident und Parlament nur zu einer Blockade führen. Im französischen System ist der Präsident sehr stark, das Parlament kann gehen ihn nicht viel machen, umgedreht ist ein Präsident ohne Parlament aber auch erheblich behindert und wird zur "lahmen Ente".

Ich halte das sowieso für das wahrscheinlichste Szenario. Macron wird es, er wird aber als Präsident zur schwatzenden, lahmen Ente und ohne stabile Hausmacht zerrieben und bei der nächsten Wahl ist die Stunde LePens dann endgültig gekommen, weil die bekannten Probleme sich weiter türmen. Dass Macron dieses zerrissene Land tatsächlich einen kann, was die Voraussetzung für echte Reformen wäre, halte ich für sehr unwahrscheinlich, aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die FED hat ja gestern Abend wie erwartet agiert, bleibt ihrer Linie treu und wird wohl im Juni dann mit der nächsten Erhöhung zur Tat schreiten. Es war also richtig diese FED-Sitzung weitgehend zu ignorieren.

Spannend waren dagegen gestern die Quartalszahlen von Facebook (FB) und Tesla (TSLA). Facebook hat die erwartet ausgezeichneten Zahlen geliefert und wurde in einer leichten "Sell the News" Reaktion nachbörslich trotzdem um gut 2% abverkauft.

Sie sehen daran, wie richtig meine gestrige Analyse der Ausgangslage war, das Boot der Erwartungen war tatsächlich sehr stark in eine Richtung geneigt. Nun hat ein Trade auf einen Einbruch nichts bzw nicht viel gebracht, aber er war zumindest rational vertretbar, denn wir sehen an den 2% Minus nach exzellenten Zahlen, was passiert wäre, wenn die Zahlen enttäuscht hätten. Solche Szenarien sind die einzigen, in denen man in meinen Augen bewusst Quartalszahlen traden sollte. In der Regel existiert so ein Edge aber nicht und dann hält man sich besser fern und nimmt am Lotteriespiel nicht teil.

Auch Tesla hat gute Zahlen bzw solche im Rahmen geliefert, es ist ja schon als gut zu bezeichnen, wenn man die hohen Erwartungen des Marktes in der Realität befriedigen kann. Ich empfehle das -> Transcript des gestrigen Conference Calls mit Musk <- zu lesen, da erfährt man einige interessante Details. Summa Summarum bleibt Tesla "on track".

Ganz grundsätzlich bleibt auch der Markt im grünen Bereich, die merkwürdigen Signale der letzten Tage scheinen sich erneut nicht zu einer Wende auszuwachsen, auch das kennen wir ja.

Sehr schön kann man das am DAX festmachen. Der ist nach dem grossen Gap nach der ersten Wahl in Frankreich auch seitwärts gelaufen und war damit erst einmal durchaus in beide Richtungen frei. Offensichtlich scheint es aber nur einen echten Weg des geringsten Widerstands zu geben und der ist nach oben, gerade weil so viele eine Korrektur erwarten oder ersehen:

Im grösseren Bild ist damit der hier grob skizzierte, steigende Trendkanal seit Trumps Sieg weiter intakt:

Und im ganz grossen Bild scheint der DAX ernsthaft nach oben ausbrechen zu wollen. Wobei sollte der DAX das Ausbruchsniveau bei ca. 12.400 nun schnell hinter sich lassen, man mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen kann, dass dieses im Verlauf des Sommers bis spätestens Frühherbst noch einmal von oben getestet wird.

Angst, dass der DAX einem "wegläuft", sollte man also keine haben - diese Angst "zu verpassen" ist sowieso kein guter Ratgeber, denn wenn der Markt diesen Druck auf unsere armen Anlegerseelen macht, ist eine Bewegung eher im letzten Drittel denn am Anfang.

In Anbetracht der Menge die da derzeit bewegt wird, melde ich mich zu Quartalszahlen später noch einmal in einem separaten Beitrag.

Bis später.

Ihr Hari

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Erneuerer oder Schwätzer?



Guten Morgen nach der Wahl in Frankreich!

Mit dieser Wahl wurde für den Euro ein erheblicher Block aus dem Weg geräumt, wie nah das Desaster war, sah man ja schon an den Gerüchten um Kapitalverkehrskontrollen. Der zweite Wahlgang in 2 Wochen birgt etwas weniger Unsicherheiten und Macron wird wohl der nächste Präsident der französischen Republik. Mit ihm kommt - wie in Frankreich üblich - viel Pathos, aber auch der positive Wunsch eines jüngeren Menschen, noch etwas grundlegend zu bewegen.

Gleichzeitig besitzt Macron aber keine politische Hausmacht und läuft ohne parlamentarische Unterstützung daher Gefahr, zu einem "Grüß-Gott-August" zu werden, der wie Obama die grossen, wohlfeilen Reden schwingt, aber nichts auf die Reihe bringt. Die entscheidende Wegscheide dafür sind die Parlamentswahlen im Juni, wenn es Macrons Bewegung da nicht gelingt sich eine parlamentarische Hausmacht zu erobern, spricht viel für das Obama Szenario und LePens grosse Zeit kommt dann danach in ein paar Jahren, wenn eine bürgerliche Erneuerungsbewegung gescheitert ist.

In unserem ureigenen Interesse sollten wir Macron ein anderes Schicksal wünschen und Deutschland muss und wird dabei auch mithelfen wollen. Trotz seines absehbaren Sieges sollte aber nicht übersehen werden, dass über alle Kandidaten hinweg ca. 50% der Franzosen gegen die EU und gegen den Euro gestimmt haben, wenn man Stimmen der Kandidaten zusammen zählt, die das im Programm trugen, allen voran Melenchon und LePen.

Ich persönlich bin etwas hin und her gerissen. Ich wünsche mir einerseits eine Zukunft eines vereinten Europas und gerade weil ich die Geschichte sehr gut verstehe, sehe ich keine Zukunft Deutschlands alleine in seiner geostrategisch prekär eingezwängten Lage. Diese Chance, Mitteleuropa im positiven Sinne neu zu ordnen - im Sinne eines neu erweckten, lockeren Staatesbundes wie des heiligen römisches Reiches deutscher Nation - wurde mit der kleinen Reichsgründung Bismarcks ohne Östereich/Ungarn 1871, dem damit aufkommenden Nationalismus und den 2 Weltkriegen als Folge grundlegend vertan. Diese Chance kommt nicht wieder, die einzige Hoffnung eines in die Zukunft schreitenden Mitteleuropas, ist und bleibt die europäischen Einigung. Was das angeht, bin ich mit dem politischen Mainstream einer Meinung.

Die einzige Zukunft in Europa zu sehen, heisst aber nicht zwingend in diesem real existierenden Brüsseler Europa. Dieses ödet mich an und zeichnet sich durch Stillstand und richtungslose Starre aus. Dieses Europa würde ich gerne ersetzen durch eines, das die Stärke der Vielfalt orchestriert, statt zum Bürokraten-Stadel zu mutieren. Und damit das gelingt - und das ist die anderen Seite meiner Gedanken - wäre etwas mehr Drama eigentlich gut. Denn erst in der Krise kommt in der Demokratie die Bereitschaft zum Wandel. So verrückt sich das anhört, könnte gerade der Kataklysmus eines Sieges LePens die Kräfte der Veränderung erst richtig zum Leben erwecken. Ich weiss, das ist ein riskantes Spiel, das auch nach hinten los gehen und Europa zerstören kann und Macron ist demgegenüber die sicherere, einfachere Wette. Aber es ist ein Spiel das Veränderung bringt und Veränderung hat mich noch nie geschreckt.

Insofern bin ich eben hin und her gerissen, ob ich das mit Marcon wiederkehrende "weiter so" wirklich begrüsse, auch wenn es nun mit jugendlicherem, optimistischerem Ton vorgetragen wird. Die entscheidende Frage wird sein, ob es das Treiben und Leiden der EU nur verlängert, oder ob es zu einem Ruck führt. Einen Ruck, den ich mir beim deutschen Politpersonal aber leider nicht vorstellen kann und an diesem Personal wird sich im Herbst wohl durch die Wahl rein gar nichts ändern. Das bräuchte erst eine ganz grundlegende Wahlrechtsreform, die die Frösche im Teich aber verweigern werden.

Am Ende treffe aber ja nicht ich diese Entscheidung, insofern brauche ich da auch nicht zu grübeln, die französischen Wähler treffen diese und mit deren Wahl in Form von Macron, kann ich gut leben. Zumindest erspart es uns nun unmittelbar schwere Verwerfungen, mit denen wir uns auseinander setzen müssen. Ob damit die Blechdose aber nur etwas weiter die Strasse herunter getreten wird, ob mit Marcon die EU nun eine neue Zukunft bekommt oder nur das Leiden verlängert wird, ist offen. Das ist aber ein langfristiger Blick, kurzfristig ist der Wahlausgang für die Märkte eine eindeutige Erleichterung. Der massive Sprung im Euro kündet davon:

Ganz wichtig wird dabei sein, ob EURUSD nun diese Nackenlinie hinter sich lassen kann, nach dem initialen Schub der Nacht, sehen wir hier schon wieder ein Zögern. Das dürfte damit zu tun haben, dass sich der Blick nun sofort auf die EZB Sitzung diesen Donnerstag richtet. Es kann sein, Gerüchte künden schon davon, dass Draghi nach dem Sieg Macrons nun den Deckel lüftet und Indikatoren in Richtung eines gemässigten Ausstiegs aus der Negativzinspolitik gibt. Wenn das passiert, dürfte der Euro nach oben weg gehen. Es dürfte dieses Fragezeichen sein, das den Kurs noch zögern lässt.

Was die Indizes angeht, habe ich vor ein paar Tagen in -> Mal Hinschauen! <- im freien Bereich das Chart des SP500 so gezeigt und dazu geschrieben:

Wenn sich diese Gefahr aber nicht realisiert, ist mit einer deutlichen Erleichterungs- und Erholungsreaktion zu rechnen. Und das passt auch zum grösseren Bild, wenn man mal hinschaut:

Das Hauptaugenmerk dieser Woche sollte aber nicht auf dem SP500, sondern auf den europäische Aktien liegen, die nun gute Chancen zur Erleichterungsrally haben. Im Eurostoxx 50 sollte sich das nun in einer klaren Auflösung der Flagge nach oben äussern:

Ganz grundsätzlich gehe ich aber davon aus, dass die Erleichterungsrally nun schnell abgefackelt wird, aber keine grosse nachhaltige Wirkung hat und schon morgen gedanklich vom Radar des Marktes ist. Das liegt daran, dass es im Gegensatz zum Brexit und zur US-Wahl hier wohl keine wirklich grosse Skepsis im Vorfeld gab. Ein Melenchon-LePen Szenario hätte den Markt ins Herz getroffen und wohl zu einem Desaster geführt, darauf war er nicht vorbereitet. Umgedreht bedeutet das aber auch, dass das unmittelbare Upside daraus nun begrenzt ist, für einen schönen Erleichterungssprung sollte es aber locker reichen und der DAX dürfte wohl die 12.400 bald wieder testen.

Aber auch wenn grosse Aufreger nun hinter uns liegen, wird uns diese Woche bestimmt nicht langweilig. Denn die Quartalssaison erreicht ihre Hochphase. Wir haben diese Woche an hier besprochenen Aktien:

Montag:

Alcoa (AA), Barrick Gold (ABX), Haliburton (HAL), Kimberly-Clark (KMB), Newmont Mining (NEM), Philips (PHG), Telekom Austria (TELA), Unisys (UIS), Villeroy&Boch, Whitbread (WTB)

Dienstag:

3M (MMM), AK Steel (AKS), AT&T (T), Acadia Healthcare (ACHC), Arconic (ARNC), Baker Hughes (BHI), Biogen (BIIB), Canon (CAJ), Caterpillar (CAT), Chipotle Mexican Grill (CMG), Coca Cola (KO), Corning (GLW), Cree (CREE), Dupont (DD), Edwards Lifesciences (EW), Eli Lilly (LLY), Freeport McMoran (FCX), Illumina (ILMN), iRobot (IRBT), Juniper (JNPR), Ericsson (ERIC), Lockheed Martin (LMT), Logitech (LOGI), McDonalds (MCD), Novartis (NOVN), Pentair (PNR), Puma, SAP, Texas Instruments (TXN), US Steel (X), Valero Energy (VLO), Xerox (XRX)

Mittwoch:

Amgen (AMGN), Amphenol (APH), Assa Abloy, Barcleys (BCS), Baxter (BAX), Boeing (BA), Cavium (CAVM), Citrix Systems (CTXS), Clariant (CLN), Coeur Mining (CDE), Credit Suisse (CS) Cryolife (CRY), Dassault Systems, Dolby Labs (DLB), FLIR Systems (FLIR), First Solar (FSLR), Fiserv (FISV), General Dynamics (GD), GlaxoSmithKline (GSK), Goldcorp (GG), Hess (HES), Komatsu, New Gold (NGD), Nintendo, Northrop Grumman (NOC), Novozymes, Pacific Biosciences (PACB), Paypal (PYPL), Pepsico (PEP), Procter & Gamble (PG), Santander, Seagate (STX), ServiceNow (NOW), Suncor Energy (SU), Tenaris (TS), Teradyne (TER), Thermo Fisher Scientific (TMO), Total, Twitter (TWTR), United Technologies (UTX), Xilinx (XLNX)

Donnerstag:

A10 Network (ATEN), AbbVie (ABBV), Agenus (AGEN), Agnico Eagle Mines (AEM), Airbus (AIRG), Alexion (ALXN), Alphabet (GOOGL), Amazon (AMZN), American Airlines (AAL), Astra Zeneca (AZN), BASF, Bayer, Baiersdorf, Bristol-Myers Squibb (BMY), Celgene (CELG), Cerner (CERN), Checkpoint Software (CHKP), Cliffs Natural Resources (CLF), Cypress (CY), DMG Mori Seiki, Deutsche Bank, Dow Chemical (DOW), Exakt Sciences (EXAS), Expedia (EXPE), Fielmann, Flex (FLEX), Ford (F), Fortinet (FTNT), GoPro (GPRO), Intel (INTC), International Paper (IP), Johnson Controls (JCI), Kuka, Krones, Marathon Petroleum (MPC), Microsoft (MSFT), Mueller Water Products (MWA), Oaktree (OAK), Orange, Potash (POT), Raytheon (RTN), Roche, ST Micro, Sarepta (SRPT), Skyworks (SWKS), Sony, Starbucks (SBUX), Stora Enso, Synaptics (SYNA), Teradata (TDC), Under Armour (UA), UPS (UPS), Vale (VALE), Verisign (VRSN), Vertex Pharmaceuticals (VRTX), Vossloh, Wacker Chemie, Weatherford (WFT), Western Digital (WDC), Yandex (YNDX)

Freitag

Agco (AGCO), Cameco (CCJ), Chevron (CVX), Colgate-Palmolive (CL), Daimler, Exxon Mobile (XOM), General Motors (GM), Linde, MTU Aero Engines, Norsk Hydro, Philips 66 (PSX), Thomson Reuters (TRI), UBS, Ventas (VTR), Weyerhaeuser (WY)

Wow! Das ist die grösste Ballung an namhaften Quartalsberichten in einer Woche seit langer Zeit. Das liegt am Osterfest, das dieses Jahr Mitte April liegt und daher dazu geführt hat, dass einige Zahlen aus der Ferienphase hinaus nach hinten geschoben wurden und so ballt es sich diese Woche. Langweilig wird uns also bestimmt nicht!

Und als ob das nicht reicht, haben wir auch an Wirtschaftsdaten eine gut gefüllte Woche. Die EZB am Donnerstag habe ich schon erwähnt. Diese Woche entscheidet sich wohl auch die Frage des Government Shutdowns in den US und für Mittwoch hat Trump Neuigkeiten zur grossen, gehypten Steuerreform angekündigt. Und die Bank of Japan steht diese Woche auch am Donnerstag an. Dazu kommen eine Reihe von Wirtschaftsdaten wie der ZEW Index heute.

In Summe ist also extrem viel los, das Ganze aber mit einem positiven Unterton. Ich habe in den letzten Wochen oft dazu geraten, die Füsse und Hände still zu halten, denn man muss nicht gegen einen Markt kämpfen, der keine echte Richtung hat.

Diese Woche aber haben wir zum ersten Mal seit Februar die Chance auf echte Bewegung und damit echte Gewinne. Wir sollten nun also chancenorientierter denken, in der Lageampel habe ich diese Haltung schon gestern Abend dargestellt.

Lange haben wir auf eine Korrektur gewartet, in echter Schärfe wollte sie uns der Markt am Ende doch nicht geben. Dafür hat uns der Markt aber seit Anfang März eine flache Konsolidierung gegeben, die im SP500 eine bullische Flagge geformt hat. Die Chance dass diese Konsolidierung nun endet und sich Bewegung Bahn bricht, ist so gut wie seit Wochen nicht mehr.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Auf und nieder, immer wieder!



Eine letzte, sehr kurze Meldung aus dem Ferienmodus, ab Montag bin ich dann wieder voll da.

Wir beobachten das sinnlose Hin- und Her eines Marktes, der primär von technischen Spielereien bewegt wird und keine echte Richtung hat. Den einen Tag runter, den anderen hoch. Intraday, innerhalb eines Tages, sind die Trends recht stabil, wenn der Markt also nach 1-2 Stunden immer noch schwach ist, bleibt er es in der Regel auch. Aber am folgenden Tag ist schon wieder alles anders:

Wenn wir uns die letzten 5 Tages des SP500 anschauen, können wir das wunderbar erkennen:

An 4 von 5 Tagen gab es eine klare Richtung und liess sich Intraday in dieser Richtung Geld verdienen. Bedeutung über den Tag hinaus, hatte es aber nie, der folgende Tag war wieder völlig anders.

Für Daytrader ist das kein schlechtes Universum. Für Swing-Trader mit Zeithorizoten über einen Tag hinaus, eher nicht handelbar und reines Rauschen.

Und über all dem liegt dann noch die politische Thematik der Wahl in Frankreich. Man konnte es gestern wunderbar sehen, als neue Umfragen heraus kamen, die den Einzug von Melenchon in die Stichwahl unwahrscheinlicher erscheinen liessen, obwohl er immer noch möglich ist. Der Euro stieg markant in Folge.

Damit traue ich mich heute klar zu sagen, dass der Markt eine Stichwahl Melenchon-LePen *nicht* eingepreist hat. Sollte es dazu kommen, dürfte es erheblich rappeln.

Gleichzeitig haben wir eine ähnliche Ausgangssituation wie zum Brexit und zur Wahl von Trump. Die Umfragen sagen eine Situation voraus (kein Brexit und Clinton gewinnt) mit der der Markt kein Problem hat. Dann kommt es aber ganz anders und obwohl es anders kommt, steigt der Markt danach scharf.

Nun muss eine Sache nicht dreimal hintereinander identisch ablaufen, wenn es aber so wäre, hätten wir am Sonntag eine deftige Überraschung und die Märkte steigen trotzdem.

Aber wie auch immer, das ist Spekulation. Die rationale Lage ist unverändert wie am Montag in der Lageampel beschrieben. Der Markt hat nun lange genug konsolidiert, um nun wieder nach oben ziehen zu können. Die Unfähigkeit der Bären, nach unten Momentum aufzubauen, passt da ins Bild.

Die Konsolidierung im SP500 sieht nun so aus, als ob sie bald enden wollte - der Markt klopft laut am Ausbruch. Aber Morgen ist halt wieder ein anderer Tag. 😉

Trotzdem, da die Bären nicht liefern konnten und das Sentiment nun sorgenvoll geworden ist, haben die Bullen hier in die kommende Woche hinein wohl einen leichten Vorteil und ich werde nicht gegen sie wetten.

Ausser das Debakel nimmt am Wochenende seinen Lauf und die Stichwahl findet zwischen zwei EU- und Euro-Gegnern statt. Langfristig und politisch gesehen, fände ich es ja gar nicht so schlecht, wenn die Lebenslügen der Gemeinschaftswährung damit mal endlich auf den Tisch kämen, denn in der Krise läge dann die Chance zu echtem Wandel und struktureller Besserung. Kurzfristig und aus Sicht der Märkte, wäre das aber eher ein Debakel mit grossen Risiken, die dann schnell eingepreist würden.

Machen Sie es gut bis Montag!

Ihr Hari

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Extremistenangst



Es ist in meinen Augen eine gute Woche, um Ferien zu machen, wie ich das gerade tue. Denn Sie sehen ja selber, dass der Markt nach oben keine Kraft mehr hat und für einen schärferen Einbruch bereit wäre. Die Bären sind aber nach unten weiter völlig kraftlos und unfähig, trotz eines offensichtlich angeschlagenen Marktes und trotz teilweise enttäuschender Quartalszahlen wie (erneut) bei IBM, dem Markt einen richtigen Stoss zu geben.

Man muss sich wirklich fragen, ob man überhaupt noch von Bären und Bullen reden kann, oder ob uns nicht nur noch stoisch agierende Algos gegenüber sitzen, denen jedwede direktionale Emotion völlig fremd ist.

In Summe ist das kein Markt zum Geld verdienen, sondern eher einer zum Fernbleiben. Ich werde daher meine zweite Ferienwoche auch weiter geniessen, so weit das bei dem gruseligen Wetter möglich ist. Gerade eben hat es hier gehagelt und der gesamte Rasen war weiss!

Einen Hinweis will ich aber wiederholen, weil er wichtig ist. Ich habe es schon vorgestern in der Lageampel erwähnt, will es aber erneut heraus arbeiten.

Ein guter Teil des aktuell zögerlichen Marktes hat mit der Wahl in Frankreich und der Angst vor einer Stichwahl zwischen den Extremisten und EU-Gegnern Melenchon und LePen zu tun. Das ist teilweise schon in den Kursen, aber nur höchst teilweise, bestenfalls "angeteasert".

Ich habe gerade eine Übersicht getweetet, wie die Spreads bei den Anleihen wieder aufgehen. Aber auch im Eurostoxx sehen wir das sehr schön, wie seit gut 2 Wochen hier Abgaben einsetzen, seit Melenchon plötzlich so merkbares Momentum entwickelt.

Es ist einfach faszinierend und irgendwie auch - was die Erkenntnisfähigkeit der Menschheit angeht - frustrierend, wie die immer gleichen, immer gleich schwachsinningen sozialistischen Gedanken von 70% oder 100% Steuer immer wieder Menschen begeistern - ganz besonders gerne die, die sozusagen "gerade aus dem Ei geschlüpft sind".

Dabei erfordert es doch wirklich nicht mal einen dreistelligen IQ um zu erkennen, dass derart enteignende Besteuerung Rückkoppelungseffekte hat und damit dem Gedanken der hohen Besteuerung selber die Grundlage entzieht. Die Prinzipien selbstreferentieller sozialer Systeme - die Reflexivität eben - wirkt auch hier.

Man kann es auch etwas flapsiger beschreiben: Wer Kühe ausgedehnt zum Wohle der Allgemeinheit melken will, muss darauf achten, dass die Kühe noch Lust haben sich melken zu lassen und die Milchproduktion nicht ganz einstellen. Genau das transportiert völlig zutreffend die -> Laffer Kurve <-.

Man kann länglich darüber streiten, wo genau dieser Hochpunkt liegt und was man einer "Kuh" zumuten kann. Aber an der prinzipiellen Gültigkeit so eines parabelähnlichen Verlaufs, kann es intellektuell überhaupt gar keinen Zweifel geben, das ist objektives Faktum in einem sozialen System.

Womit sich die Frage stellt, wie borniert man eigentlich sein muss, um den gleichen Fehler wie Hollande mit seinen 70% eigentlich immer wieder und immer wieder machen zu wollen?

Wie ich oben sagte, man kann wirklich zum Misanthropen werden, wenn man als älter und erfahrener werdender Mensch, die immer wiederkehrenden Dummheiten erlebt. Dummheiten die schon x-mal gescheitert sind und es wieder werden, trotzdem aber immer wieder von Massen bejubelt werden. Das macht fassungslos.

Auf jeden Fall sind LePen und Melenchon sich irgendwie ähnlich, auch wenn sie sich an unterschiedlichen Enden des politischen Spektrums wähnen. Aber das ist ja eine alte Weisheit, dass das politische Koordinatensystem eher einem Kreis ähnelt. Für den Markt und insbesondere den Euro, wäre eine Stichwahl zwischen Melenchon und LePen wohl ein Desaster und diese Sorge drückt aktuell auf die Stimmung. Ohne diesen Druck, hätte der Euro sich wohl viel stärker vom US Dollar nach oben abgesetzt.

Für das Wochenende schafft das eine selten dämliche Ausgangslage, auf die wir keinen Einfluss haben, denn wir können das Wahlergebnis nicht vorher sehen.

Ich erwarte, dass es am Montag in allen Fällen in denen entweder Macron oder Fillon in die Stichwahl kommt, zu einer Rally an Europas Märkten und im Euro kommt. Eben weil dann diese aufgebaute Unsicherheit entweicht, denn dieser bürgerliche Kandidat wird dann die Stichwahl wohl gewinnen.

Nur für den Fall, dass die Stichwahl Melenchon - LePen heisst, wird es am Montag "rappeln", denn dieser Ausgang ist in den Kursen bestenfalls angeteasert und nicht eingepreist.

Was das für Ihre Aufstellung bedeutet, müssen Sie selber entscheiden. Vor einer solchen Situation ausserhalb der Handelszeiten gehe ich eigentlich eher auf die Seitenlinie.

Aber wie wahrscheinlich ist dieser Fall? Und wenn dieser nicht eintrifft, sind die Chancen für eine Rally und ein Ende der aktuellen Korrektur sehr gut!

Ich werde das für mich am Freitag Abend im stillen Kämmerlein entscheiden und dabei sehr genau darauf schauen, wie der Markt sich positioniert. Der Gedanke für nächste Woche auf eine Rally zu setzen, ist auf jeden Fall verlockend, wenn man sieht wie wenig die Bären aus ihren Chancen machen können. Dieses Risiko im Angesicht eines unberechenbaren Ereignisses einzugehen macht aber nur Sinn, wenn es wirklich eine Gegenposition zum Marktsentiment ist und da bin ich nicht sicher, -> ob nicht zu viele auf diesen Ausgang wetten <-.

Ihr Hari

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Gold und der Dollar – Die Situation ist da!

Manchmal liegt in der Kürze die Würze und so soll es heute auch sein.

In all den letzten Wochen, seit Gold so langsam wieder nach oben zu kriechen begann, habe ich darauf hingewiesen, dass Gold nicht wirklich Eigenleben hatte, sondern seine Zuckungen alleine inverses Abbild des Dollars waren.

Und solange Gold kein Eigenleben hat, gibt es auch keinen Grund von echter Stärke zu sprechen. Bis vor ca. einer Woche.

Denn seit dem steigt Gold trotz wieder steigendem Dollar. Die Situation ist da!

Und das kann fast nur Eines bedeuten, wenn Dollar und Gold gleichzeitig steigen: Risk Off!

Die Ursachen sind auch klar, die Eurokrise erhebt wieder ihr Haupt, gerade habe ich etwas retweetet, das zeigt wie die Spreads zwischen Italien und Deutschland wieder aufgehen. Die Wahlen in den Niederlanden und vor allem Frankreich werfen ihren Schatten voraus.

Und Griechenland? Das ist natürlich das gleiche Desaster wie schon vor Jahren, nur dass unser hart erarbeitetes Steuergeld dort in inkompetenten und sinnlosen Rettungsversuchen verschleudert wurde. Die "Kredite" werden wir selbstverständlich nie wiedersehen. -> Der Euro und der Grexit - Der Kern des Problems <-

Da kann man nur hoffen, dass dieser dank der Hoffnung auf Trumps Politik (noch) erstaunlich stabile Aktien-Markt, nicht das Schicksal des Truthahns vor sich hat. Peter Brandt hatte dazu vor vielen Jahren eine nette Parallele: -> The surprising correlation between a turkey and a short gamma trader <-

Suprise! 🙂

Ihr Hari

PS:

Für alle Anfänger und Angst-Getriebenen. Das heisst *nicht* jetzt alles zu verkaufen. Auch ein Truthahn kann bei Thanksgiving verschont werden und noch ein Jahr vor sich haben. Denn noch ist der Trend hoch, das sollten wir nie vergessen.

Aber es heisst nun sehr aufmerksam zu sein und dann konsequent zu agieren, falls hier die Kurse durch die wichtigen Unterstützungen schneiden. Und die sind nicht mehr so weit entfernt. Denn ein Fallbeil fällt schneller, als steigende Kurse steigen - das war schon immer so an der Börse.

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Jahr der Entscheidungen

Ein neues Börsenjahr liegt vor uns und es hat so begonnen, wie wir das im alten Jahr schon erwartet haben: ruhig und mit bullischem Unterton.

Schon seit November sage ich, dass bis zur Amtseinführung Trumps am 20.01.17, der Markt noch in seinem "Buy the Rumor" Wohlgefühl verharren kann. Wobei man das nicht auf den Tag genau verstehen sollte, sondern eher im Sinne "um die Amtseinführung herum", der Markt neigt dazu, Dinge schon vorher in Gang zu setzen.

Erst danach, muss aus Twitter-Zeilen dann echte Politik werden, was erhebliches Enttäuschungspotential beinhaltet. Das bedeutet aber nicht, dass daraus zwingend eine Enttäuschung werden muss, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben und liegt im Wesentlichen in der Hand des grössten Donald aller Zeiten. 😉

Mit den Wahlen in Frankreich im Mai und in Deutschland im Herbst, dürfte dann auch die vor sich hin schwärende Frage nach der Zukunft Europas und des Euros, endlich einer Entscheidung zugeführt werden.

Gerade Frankreich ist dabei von immenser Bedeutung, während es in Deutschland ja wahrscheinlich mal wieder "alternativlos" weiter geht. Der Wahlkampf hat ja offensichtlich in diesen Tagen schon begonnen, wenn man sieht, wie sich Parteien aller Coleur, nun seit Jahresanfang unisono einer klaren Sprache bedienen, für die man noch vor 15 Monaten im berüchtigten Herbst 2015, als Rechtsextremist beschimpft worden wäre.

Was davon zu halten ist, dürfte jedem halbwegs klar denkenden Menschen offensichtlich sein: Wahlkampf eben und was interessiert mich mein Geschwätz von Gestern? Egal woran wir politisch glauben, wir sollten bei der Wahl die Parteien nach ihrem Handeln beurteilen und nicht nach ihren wohlfeilen Worten.

Frankreich aber, dürfte schon im Mai der grosse Wendepunkt sein. Ein jeder Potenz beraubtes "weiter so" im Stile Hollandes, dürfte wohl nicht auf der Agenda stehen. Eher sind es zwei Alternativen, die wohl zur Wahl anstehen. Auf der einen Seite das Modell eines Europas der kulturellen Identität, dass den vielfältigen Regionen und Nationalitäten wieder Raum gewährt und diese als Stärke achtet, statt sie als Verstoss gegen die "EU-Norm" wegregulieren zu wollen. Andererseits das klare Ende des bekannten Europas und damit auch des Euros, mit unabsehbaren Konsequenzen und hoher Volatilität.

Wie das ausgeht und vor allem wie die Börse darauf reagieren wird, ist heute aber unmöglich vorher zu sehen, ebenso wenig wie im Oktober letzten Jahres, der Ausgang der US Wahl. Insofern sind alle Jahresprognosen mal wieder nicht das Papier wert, auf dem sie geschrieben wurden.

Uns hier bei Mr-Market, tangiert das bei unseren Börsenaktivitäten aber auch gar nicht, die grossen Prognosen überlassen wir denen, die ihr Geld mit Klicks verdienen.

Wir nehmen den Markt und das Geschehen in der Welt auch dieses Jahr wieder Schritt für Schritt und erzielen unsere Vorteil dadurch, dass wir uns schnell anpassen und von den Bewegungen profitieren, wohin sie uns auch immer führen mögen.

Als Staatsbürger aber, als Mütter und Väter von Kindern, denen wir eine positive, chancenreiche Welt hinterlassen wollen, ist 2017 wohl das Jahr der Entscheidungen, in dem wir unser ganzes Gewicht in die Waagschale werfen sollten, um dieses Land und diese Welt für unsere Kinder ein klein wenig zu einem besseren Ort zu machen.

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Unsicherheit ist Mist!


Puhhh! In Anbetracht der bedeutenden Wegscheide, habe ich mich schon am heutigen Sonntag Nachmittag zum Artikel hingesetzt und melde mich zur Lage für die kommenden Wochen und Monate.

Mein lieber Herr Gesangsverein, da hat sich am Wochenende aber eine Menge Unsicherheit über uns ergossen, abgerundet mit der Wahl in Spanien heute Abend, die im Falle eines klaren Sieges von Podemos, den Euro und den DAX weiter stark unter Druck setzen würde.

Das Bild, dass die "Eliten" der EU in Reaktion auf den Brexit abgeben, ist alles andere als überzeugend und macht eher den Eindruck einer Schnatterbude, aber wer hatte Besseres erwartet?

"Unser" Steinmeier "rettet" mal wieder mit diplomatisch "ganz wichtiger" Sauerteigmine die Welt (Fischer war auch Meister dieser Mr-Wichtig-Mine), so wie er vorher schon alle Krisen der Welt "gelöst" und "gerettet" hat und erstellt keine 24 Stunden nach dem Referendum, mit den Aussenministern der Gründerstaaten der EU fein ziselierte Konzeptpapiere, die nicht mal mit dem Kanzleramt abgestimmt sind und sofort bei den nicht eingeladenen Ländern wie Polen Widerspruch hervor rufen.

Vielleicht sollte man erst mal Denken, bevor man sofort in Aktionismus oder Selbstprofilierung verfällt, überlegte Regierungspolitik sieht auf jeden Fall anders aus.

"Unser" Parlamentspräsident Schulz stellt den Briten Ultimaten, für die jede rechtliche Grundlage fehlt und warum bitte sollten die Briten nun in Hektik vefallen und gleich am Dienstag die Scheidungspapiere einreichen? Lächerlich.

Die diversen politischen Strömungen, versuchen alle ihre individuellen Süppchen auf dem Brexit zu kochen und geben dabei ein jammervolles Bild intellektueller Bedürftigkeit ab.

Frau von Storch hat -> Tränen der Freude <-, nun ja, jeder blamiert sich auf seine Weise. Auch wenn man das real existierende Brüssel nicht mag, kann man aus deutscher Sicht über den Ausstieg der Briten, nicht uneingeschränkt glücklich sein.

Die Reaktion Gaulands ist da der Lage angemessener:

Er würde "erst einmal ein gewisses Überlegen" anregen, man solle nicht "in der Hitze des Gefechts" Entscheidungen treffen.

Wohl wahr. Es ist keine Schande, nach so einem Einschnitt erst einmal nachzudenken und wer nun schnelle Lösungen hinaus posaut, beweist damit nur, dass er selber einfach weitermachen will, wie bisher.

Schauen wir aber auch mal beispielhaft -> hier <- im Spiegel, wie linke Ideologen sich die Welt wieder zurecht biegen. Zitat:

Jetzt haben die Hetzer, Rassisten und Opportunisten erst einmal gewonnen.

Sehr demokratisch, die Hälfte der Briten als Rassisten und Hetzer oder wahlweise als dumme Schafe, die solchen nachlaufen, einzusortieren. Eine intellektuelle Meisterleistung. Und weiter:

... die entscheidend verantwortlich sind für all das, wogegen sich der Brexit-Protest richtete - die Konservativen und die Marktradikalen.

Schon klar, wenn man nur genügend borniert ist, ist die Welt immer ganz einfach und die Wahrheit biegsam, so dass es am Ende immer passt: der böse Kapitalismus war es. Sowieso, der ist ja immer schuld. Und man selber ist natürlich bei den "Guten". 😉

Angst vor Entgrenzung, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor der Völkerwanderung und ihren kulturellen Folgen, Abscheu vor dem undemokratischen Brüsseler Koloss, hat natürlich keinerlei Rolle beim Referendum gespielt. Und wenn, ist sie dumm und am Ende der Kapitalismus schuld. Das ist er ja immer. Sowieso. 😉

Und dass die Konservativen und Labour beide innerlich gespalten waren und die Linien daher ganz eindeutig *nicht* entlang des links/rechts Schemas gelaufen sind. Und dass die "bösen" Finanzkapitalisten und die "City" eindeutig *gegen* den Brexit waren: geschenkt, wer braucht sich schon mit den Fakten beschäftigen, wenn man nur tief in die eigenen Vorurteile greifen muss, damit die Welt wieder ganz einfach ist. 😉

Es bleibt einzig die Frage, warum solchen geistigen Tieffliegern eine Plattform geboten wird, aber der Spiegel sieht ja am wirtschaftlichen Erfolg, was er davon hat, er will es nur noch nicht wahrhaben. Das Problem ist dabei nicht die politische Orientierung, der Spiegel war immer das Blatt linken Gedankenguts und das ist doch in Ordnung und wichtig für die Gesellschaft. Es ist die intellektuelle Dürftigkeit des kommentierenden Personals, die einen nun mit Abscheu abwenden lässt. Auch Linksintellektuelle haben niveauvollere Vertreter verdient als das.

Aber genug davon, die obigen Beispiele sollen nur beispielhaft zeigen, was sich da alles an vorschnellem und unproduktivem geistigen Ejakulat über das Wochenende auf uns ergossen hat und damit eben auch zeigen, welche Unsicherheit nun über uns schwebt.
Und Unsicherheit ist für die Märkte Mist!

Da muss ich ausnahmsweise mal unserer Frau Merkel recht geben, die nicht in rhetorische Hektik verfällt, sondern (hoffentlich) nun nachdenkt. Wenn ich nun noch glauben würde, dass auf das Nachdenken dann auch durchdachtes, gestalterisches Handeln folgt, fände ich das ja auch gut, alleine da fehlt mir der Glaube.

Wir konnten am Wochenende aber auch viel Kluges und Differenziertes lesen, das sich intensiv mit den wirklichen Ursachen und Konsequenzen des Referendums auseinander gesetzt hat.

Ich will an dieser Stelle auch mal kurz mein persönliches Bild des "richtigen" Europas loswerden, einfach nur so in den Raum gestellt.

Denn das ist weder das Europa der Brüsseler Bürokratie und Hinterzimmerkungelei, das sich in alles einmischt und nichts richtig auf die Reihe bekommt.

Noch ist es das Europa der alten Nationalstaaten, deren Beharrungskräfte gerade zu diesem unguten Zustand geführt haben, in dem Europa nun eine überdehnte, zu schnell erweiterte, wirre Baustelle ist, die das Dach (die gemeinsame Währung) schon zu bauen versucht hat, bevor das Fundament überhaupt genau definiert ist.

Mein Bild ist das Europa der autonomen Regionen mit einem schlanken, effizienten Bundesstaat für Aussenpolitik und Verteidigung darüber.

Denn in Realität, ist doch der Südbadener dem Baseler viel näher, als dem Ostfriesen. Der Bayer ist dem Tiroler viel näher, als dem Hamburger. Der Westfale ist dem Holländer viel näher, als dem Sachsen. Der Mailänder ist dem Münchener viel näher, als dem Sizilianer. Und so weiter und so fort.

Unsere Identität erwächst nicht aus den Nationalstaaten, sie erwächst aus unserer Bindung an Regionen und an eine bestimmte Kultur.

Mein ideales Europa bricht die Macht der Nationalstaaten und besteht aus vielleicht 30-60 nahezu autonomen Regionen als Bundesstaaten mit jeweils 5-15 Millionen Einwohnern, in denen die wesentliche gesetzgeberische Kompetenz (auch Finanz- und Steuerkompetenz) für das normale Leben nach innen liegt.

Darüber existiert ein Bundesstaat, dem es verboten ist, den Regionen in ihre Gesetzgebung hinein zu regieren. In dem aber alles gebündelt ist, was das Auftreten des Verbundes in die Welt hinein regelt. Es gibt also eine gemeinsame Aussenpolitik, die Regionen machen keine, sondern wirken nur nach innen. Es gibt eine gemeinsame Armee, man ist Atommacht und hat einen Sitz im Weltsicherheitsrat. Und man hat eine bundesstaatliche Grenzsicherung nach aussen und später auch eine gemeinsame Währung und fiskalische Ausgleichsmechanismen zwischen den Regionen.

Wenn man so will, sind das die Vereinigten Regionen Europas, ähnlich wie die mehr als 50 vereinigten Bundestaaten Amerikas (auch als USA bekannt), aber mit noch höherer, lokaler Autonomität als diese.

So könnte Europa funktionieren und lokale Verwurzelung mit zentraler Stärke verknüpfen, davon bin ich überzeugt. Dieses Europa der Regionen empfindet Schotten, Waliser, Katalanen, Basken, Flamen, Walonen, Norditaliener, Tschechen, Slowaken und und und ... ja und auch Bayern ;), nicht als sezessionistische, kleinstaaterische Störenfriede, sondern als positiven Ausdruck eines im besten Sinne kulturell vielfältigen Europas, das bei allen Unterschieden auch viel Einendes hat.

Das Tragische ist, dieser Zug ist wohl abgefahren, denn er kann mit 27 oder 28 divergierenden Nationalstaaten nicht mehr funktionieren. Die real existierende EU hat sich toterweitert.

Den Weg hätte die alte EWG der 6-10 Mitglieder gleich beschreiten müssen, wir hätten nun ein anderes, besseres Europa. Kleiner, aber integrierter und selbstgewisser, mit viel mehr Strahlkraft.

Und wissen Sie auch, wer das damals letztlich verhindert hat? Frankreich, De Gaulle und seine Nachfolger im Geiste. Und auch heute wäre der Pariser Wasserkopf, mit dem (für mich) lächerlich postimperial-zentralistischen Habitus, der grösste Verlierer und Gegner des Europas der Regionen.

Dieser Grundfehler, diese falsche Abzweigung, die Europa schon in den 60ern, spätestens und endgültig aber irgendwann in den 90ern genommen hat, ist aber nicht mehr zu ändern. Und deshalb ist mein Bild von Europa oben nicht mehr real und nur noch ein schöner Traum, es hätte aber was werden können. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Damit das nun wieder möglich wird, muss aber erst noch viel mehr kaputt gehen. Denn mit dem aktuellen Personal und den aktuellen Mitgliedern, hat so ein Konzept keine Chance. Das ist für mich die Tragik der Situation Europas.

Zurück aber zum Markt.

Wir haben also nun massiv erhöhte Unsicherheit und damit gibt es für uns als Anleger nur eine Frage, um die ich mich im heutigen Bericht kümmern will.

Es ist die Frage, was das für den Markt bedeutet. Denn Unsicherheit ist Mist!

Bei der Antwort müssen wir unbedingt zwei Themen voneinander trennen, sonst vermischen wir alles unzulässigerweise zu einem Knäul und haben einen gedanklichen Wust, wie einige der oben genannten Beteiligten, die erst sabbeln und dann zu denken versuchen.

Trennen wir also den singulären Fakt des Brexit und seine Folgen, von möglichen Folgen auf Europa und den Euro. Denn Ersteres ist Fakt und das Zweite ist mögliche Zukunft, die aber eindeutig noch nicht geschrieben ist.

Der reine Brexit

Betrachten wir den reinen Brexit und nehmen an, dass Europa und der Euro ansonsten stabil bleiben und nach einer kurzen Phase der Orientierung, ein geordneter Ausstiegsprozess in Gang kommt. Dann kann man für die kommenden Monate klare Aussagen machen:

  1. Aus Sicht von US Unternehmen und anderen Unternehmen ausserhalb der EU, ist das dann weitgehend ein "Non-Event". Keine Ausfuhr eines US Unternehmens nach London wird scheitern, weil GB irgendwann nicht mehr Teil der EU ist. Vielleicht ändern sich ein paar Rahmenbedingungen, aber es gibt Schlimmeres. Und gerade weil GB aus dem Binnenmarkt ausscheidet, wird es versuchen seine Bande in die US zu vertiefen. Für exportierende US Unternehmen Richtung GB eher ein Vorteil, ohne in Richtung EU einen Nachteil zu haben.
  2. Hart getroffen sind aber britische Unternehmen, die stark vom Handel zwischen GB und der EU abhängen. Gerade für in die EU exportierende Firmen, wird der Brexit eine Phase der Unsicherheit schaffen, die wie blei auf den Geschäftsaussichten und Kursen liegen wird.
  3. Eindeutiger Verlierer ist der Londoner Immobilienmarkt. Hier muss man befürchten, dass eine Blase platzt, wenn die Millionen-Banker versuchen ihre Wohnungen zu verkaufen, weil sie auf den Kontinent übersiedeln.
  4. Mit dem Platzen der Immobilienblase, kommen auch die finanzierenden Banken auf den Radar. Der Bereich ist nun kritisch, weswegen auch britische Banken zu recht schwer getroffen sind. Auch das wird nicht schnell vorbei gehen.
  5. Profitieren wird der deutsche Immobilienmarkt, wie überhaupt der Drang nach Deutschland zu kommen, durch den Brexit weiter steigen wird. Denn bei allen eigenen Problemen, erscheint Deutschland als wirtschaftliche Führungsmacht mitten in Europa noch als "Einäugiger unter den Blinden", wo man relativ noch am sichersten seinen Geschäften nachgehen kann. Man schaue nur, was in Frankreich oder auch Polen los ist, um zu sehen, dass durch die Unsicherheit auf der Insel, der Standortvorteil Deutschlands noch weiter steigen wird. Und das wird den Immobilienmarkt in den Zentren weiter befeuern.

Packt man das mit Erfahrungen aus typischem Marktverhalten zusammen, muss man sagen, dass der reine Brexit aus Sicht der US Aktien, potentiell eine Kaufgelegenheit darstellt. Dieses zumal die Aussichten für die Berichtssaison des 3. Quartals gar nicht so schlecht sind.

Schauen wir auf den S&P500, wäre nach dem typischen zweiten Tief am Anfang der kommenden Woche, also ein Anstieg und neue Allzeithochs im Laufe des Sommers denkbar.

Die Auswirkungen auf den DAX sind tiefgehender, würden aber auch verfliegen, wenn es beim reinen Brexit bleibt. Trotzdem wird auf Europas Märkten nun eine langfristige Unsicherheit lasten, die das Upside begrenzt.

Summa Summarum, ist der reine Brexit aber aus weltwirtschaftlicher Sicht ein lokales Ereignis, das sich auf genau definierbare Regionen und Branchen in Europa begrenzt und keinen Anlass für weltweit einbrechende Märkte bietet.

Nachdem die Kurse die kommende Woche typischerweise noch einmal die Tiefs testen und vielleicht unterschreiten, würden in dem Fall wohl Kaufkurse entstehen.

Das ist das Szenario eines geordneten Austritts, an dessen Ende neben der Schweiz und Norwegen, ein weiteres - mehr oder weniger assoziiertes - Land mit der EU freundlich interagiert.

Aber....

Die Ansteckung des Euros

Es gibt ein Szenario, in dem alles anders kommt und wir den Beginn einer schweren Krise erleben. Das hängt aber nicht vom Brexit selber ab, der ist dafür nur der Katalysator. Das hängt davon ab, wie stark jetzt die Scherkräfte in Europa und im Euro werden und das hat natürlich auch mit der Wahl in Spanien heute Abend zu tun.

Wenn die Wahl heute Abend die falschen Signale liefert, die die Sorgen um den Euro nur verstärken, wird der DAX Morgen unter 9.000 tauchen und der Euro weiter absacken.

Diese Zukunft ist aber noch nicht geschrieben. Sie hängt auch ganz entscheidend davon ab, wie die Politik nun zum Brexit agiert. Insofern kann ich dazu auch nicht spekulieren, ich weiss nicht, was Merkel, Hollande und Co. nun produzieren oder eben nicht produzieren.

Klar ist aber, wenn der Markt sich vor einem Auseinanderbrechen der EU und damit des Euros fürchtet - und mit dem Wahlen in Frankreich und LePen kommt damit ein Katalysator auf uns zu - dann haben wir die Grundlage für -> Armageddon <-, für den Tag, an dem die Notenbanken die Kontrolle verlieren.

Der Brexit hat also nur Eines bewirkt, er hat die Scherkräfte in der EU erhöht. Nicht der Brexit führt zum Crash, aber der Brexit bewirkt eine Destabilisierung, die Europa auf einen Pfad führen könnte, der dann im Marktcrash enden könnte. Konjunktiv!

Und wir alle wissen ja, dass sich der Markt schon langer vorher mit massiven Abgaben dagegen schützen wird. Der Markt verkauft erst und denkt dann nach.

Hier müssen wir nun sehr aufmerksam sein. Aber erneut, diese Zukunft ist noch nicht geschrieben, Spekulationen dazu haben keine Grundlage.

Fazit:

Was in Brüssel und in Europas Hauptstädten nun passiert, ist für den weiteren Börsenverlauf viel wichtiger, als der Brexit. Hier gilt ganz eindeutig: "Unsicherheit ist Mist!"

In drei kurzen, klaren Sätzen kann man sagen:

(1) Wenn sich die Ansteckungseffekte auf die ganze EU und den Euro nun in Grenzen halten, generiert der Brexit im Laufe der kommende Woche wohl Kaufkurse und das vor allem in den davon wenig betroffenen US Werten.

(2) Sollte die Unsicherheit übergreifen und andere EU-Staaten Absatzbewegungen einleiten oder - im schlimmsten Fall - ein potentieller Sieg LePens in Frankreich den "Frexit" auf die Agenda bringen, haben wir ein "Armageddon" Szenario, dass der Euro nicht überleben wird. Es ist also unerlässlich, sich mit Währungsdiversifizierung zu beschäftigen!

(3) Gold ist durch diese Unsicherheiten auf unterschiedlichste Art und Weise stark unterstützt.

So weit an diesem Sonntag Nachmittag. Ich hoffe es hat ein wenig geholfen. Mit Charts komme ich Morgen im Laufe des Tages.

Ihr Hari

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