Warum SmallCaps und Pennystocks hier nicht besprochen werden und das gut so ist.



Warum werden hier im Blog eigentlich keine sehr kleinen SmallCaps besprochen? Ich meine nicht Unternehmen im SDAX, sondern noch kleinere Titel, bis herunter zu Pennystocks?

Diese Frage stellt sich Neumitgliedern immer wieder, denn es gibt eine faszinierende Konstante. Gerade relativ unerfahrene Anleger, werden durch die diversen Börsenbriefe am Anfang ihrer Börsenkarriere magisch von den SmallCaps angezogen.

Die Verheissung die da immer mitschwingt und ernsthaft geglaubt wird ist, dass man dort ja noch "unentdeckte Perlen" finden kann, die der Rest des Marktes übersieht. Das ist ein bischen wie bei der Schatzsuche und man selber ist natürlich smarter als der dumme Rest, auch das ist ja klar. Und weil es das Ego so pampert, ist der Gedanke so verlockend wie eine Honigfalle.

In diesem Tenor wird es ja auch von den diversen Börsenbriefen gerne verkauft, "geheim" ist da ein gerne benutztes Wort. Für 24,99€ zum Herunterladen, bekommen wir also "Geheimnisse" und neue "Kursraketen", alles klar, das müssen wirklich nette Menschen sein, die so gut zu uns sind. 😉

Die harte Wahrheit ist, von den wenigen Anlegern abgesehen, die wirkliche Branchenexperten oder sogar "Insider" bei diesen Klein-Unternehmen sind - von den wenigen Anlegern abgesehen, die im M&A Markt unterwegs sind und echten Einblick in solche Unternehmen haben - haben alle anderen wenig Chancen dort einen systematischen Blumentopf zu gewinnen. Es sind eher "Schafe" die irgendwann wenn sie das Glück verlässt geschoren werden, denn in Wahrheit ist die Lage der Anleger bei diesen kleinen Unternehmen schlechter, nicht besser als bei den Grossen, weil sie durch die geringere Bekanntheit einen Wissens-Nachteil und nicht einen Vorsprung haben. Und weil die Aktien leicht im Kurs manipuliert werden können.

Das muss ich nun natürlich erklären und da bitte ich Sie einen alten Artikel aus 2012 zu lesen der erklärt, was ich hier bespreche und was nicht: -> Zur Marktkapitalisierung - Warum ich Pennystocks nicht anfasse <-.

Ich kopiere mal einen relevanten Teil heraus:

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Ich wiederhole also klipp und klar, bei kleinen Unternehmen ist der Wissensvorsprung der Insider und sonstigen Unternehmenskenner *grösser* und nicht kleiner - Sie sitzen als Anleger da immer am Katzentisch, während Sie bei einer Apple durch die hervorragende Begleitung der Medien "fast" soviel wie die Insider wissen, selbst hoch geheime Produkte lecken ja frühzeitig heraus. Und wie wollen Sie denn eine "Perle" eines unbekannten SmallCaps von aussen entdecken, etwa in dem Sie einen Artikel in einem Magazin lesen? Soll ich jetzt lachen oder weinen? 😉

Nur wer fundamentale Dinge völlig ignoriert und rein die Price-Action handelt als ob es Kühlschränke am Nordpol wären, ist da nicht gefährdet, aber wer von den genannten "unerfahrenen Anlegern" macht das? Die fahren fast alle auf gute "Stories" ab.

Genau da kommt nämlich das nächste massive Problem, die Manipulation der Kurse und Frontrunning, was bei SmallCaps recht einfach ist und auch wenn verboten, garantiert immer wieder passiert.

Und da hat mich gestern unser "Leon" wieder -> hier im Thread <- bei einer Aktie darauf gestossen, bei der ich das selber gar nicht auf der Rechnung hatte. Es ist das gute alte -> Liebhaberinvestment OHB Systems <-, das ich wie treue Mitglieder wissen schon seit 2013 begleite, weil es so schön in mein Beuteschema passt. So viele reine Raumfahrtaktien gibt es ja wahrlich nicht und im Deutschland von Obert und von Braun nur noch diese Eine.

OHB ist mit einer Marktkapitalisierung von 730 Millionen € und mehr als 2.000 Mitarbeitern - einige bei mir in der Nähe in Oberpfaffenhofen - nun wahrlich ein seriöses Unternehmen, über das man ohne Hintergedanken schreiben kann. Allerdings hatte ich vor Leons Kommentar nicht mehr darauf geschaut, dass durch den geringen FleeFloat die Liquidität am Markt nur gering ist. In Summe aller deutschen Börsenplätze sind gestern nur 32.000 Stück a 43€ umgeschlagen worden, in Summe also ca. 1,37 Millionen€.

Nun stellen wir uns also vor, ich sei unseriös und wollte auf Ihre Kosten einen monetären "Free Lunch" für mich erzielen. Dann kaufe ich mich über Tage still und heimlich massiv in OHB ein. Dann schreibe ich einen extrem bullischen Artikel, garniert mit allerlei Einschätzungen und Andeutungen über Kontakte in Oberpfaffenhofen und so. Geraune um Wissen also, nach dem Motto "ich darf Ihnen ja nicht sagen, aber.....".

Ich setze also meine Reputation und Glaubwürdigkeit bei Ihnen ein und trommele für OHB. Ich würde damit garantiert einen dicken Gewinn machen, das ist dann praktisch ein "Free Lunch" für mich. Denn es reichen von Ihnen nur 200 Mitglieder die darauf anspringen und im Mittel 5.000€ in Bewegung setzen und schon fackeln wir alleine das Tagesvolumen ab. Ergo OHB wird zuverlässig einen Satz um 3-5% machen und ich werde auch noch Recht behalten, nett oder? 😉

Nun will ich ja aber in diesem theoretischen Beispiel meine Reputation bei Ihnen nicht verlieren und muss daher dafür Sorge tragen, dass Sie auch was davon haben. Ich setze den Artikel also einen Tag später in den freien Bereich und verweise dabei perfiderweise darauf, dass die Aktie ja schon steigt - darin steckt die Botschaft "kauf mich jetzt". Das funktioniert wegen der sich nie ändernden menschlichen Psyche zuverlässig, andere werden nachspringen und am Folgetag stelle ich das als Artikel bei Tichy ein, wo eine 5-stellige Zahl an Lesern so ein Ding zumindest überfliegt und auch dort wecke ich die Gier - das Ding steigt ja schon, jetzt aber schnell!!

Noch einmal macht die Aktie mit der Veröffentlichung bei Tichy also absolut zuverlässig und berechenbar einen Satz und in diese Liquidität hinein, verkaufe ich dann mit 10-20% absolut berechenbarem Gewinn und mache mich aus dem Staub. Danach fällt die Aktie wieder, gegenüber Ihnen haben ich aber keinen Reputationsverlust, erst einmal ist sie ja wirklich gestiegen auch bei Ihnen und danach? Nun wir haben halt alle keine Glaskugel. 😉

Sie sehen, wie leicht ich mich bereichern könnte. Und keiner würde es merken, wenn ich es nicht übertreibe. Faszinierend oder?

Und nun beachten Sie, dass das bei einem Wert mit 730 Millionen€ Marktkapitalisierung möglich wäre, bei dem man das gar nicht erwartet! Nun stellen Sie sich aber vor, was bei einem echten SmallCap, einer Aktie mit 70 Millionen€ Marktkapitalisierung, bei der am Tag vielleicht 100.000€ oder weniger umgehen, möglich wäre!

Ich könnte mich dumm und dämmlich verdienen und das völlig berechenbar. Sie würden mir doch abkaufen, wenn ich da nun von einem kleinen Software-Wert in meiner Nähe erzählen würde, andeuten würde dass ich die gut kenne, dass ich auch darin investiert bin - was ja perfiderweise sogar stimmen würde, nur mit anderer Agenda als Sie ahnen. 😉 Und Sie würden die Aktie auch kaufen und den Kurs treiben. Ich weiss dass es Mitglieder unter Ihnen gibt, die mir so vertrauen, dass Sie in dem Moment wo sie das lesen sofort kaufen würden, nur weil ich das sage. Ich mag das zwar nicht und rede immer dagegen an, weil es mir beim Schreiben so eine blöde Schere im Kopf macht, aber es ist wohl nicht zu ändern. Dieser Reflex mir zu folgen wäre aber eine ideale Ausgangslage für mich, wenn ich ein unseriöses, gierzerfressenes Arschloch wäre.

Also noch einmal, für mich wäre es ein Leichtes, mir so einen goldenen Hintern zu verdienen. Ein "Free Lunch" für mich im wahrsten Sinne des Wortes - sabber ... 😉

Ich tue es aber nicht. Und das müssen Sie mir nicht einmal glauben, sondern können Sie leicht überprüfen, weil ich über solche Aktien bei denen diese Gefahr besteht, bewusst schlicht nicht schreibe!

Und warum tue ich das nicht? Warum verzichte ich auf Millionen schnellen Geldes, die ich so zuverlässig machen könnte? Weil ich wirklich seriös und vertrauenswürdig bin, aber das wussten Sie ja schon. Ich brauche das Geld ja auch nicht, ich verdiene auf ehrliche Art und Weise genug.

Bei mir sind Sie was diese Dinge angeht also in Abrahams Schoss, ich meide solche Aktien bei denen das denkbar wäre und selbst meine zukünftigen Kommentare zu OHB muss ich nun in Frage stellen, weil da ist weniger Liquidität als mir bewusst war. Und noch besser, ich mache Ihnen mit so Artikeln wie diesem sogar das Spiel klar, das gespielt wird. Jemand der davon profitieren will, würde das wohl kaum tun.

Nun stelle ich aber die Frage an gerade Sie, der Sie bisher irgendwelche Jubelartikel zu SmallCaps in Magazinen und Börsenbriefen verschlungen haben und sich die "grosse Entdeckung" davon erhofft haben, frei nach dem Motto "Gier frisst Hirn auf":

Warum glauben Sie eigentlich, dass alle so ehrlich und zurückhaltend sind wie ich? Wenn Sie in so einem Magazin oder einem Forum so einen Artikel lesen, was glauben Sie zu welcher Position in der informationellen Nahrungskette Sie gehören? Ist Ihnen nicht klar, dass Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit das letzte Rad am informationellen Wagen sind, der dann den nassen Sack in die Hand gedrückt bekommt?

Sicher gibt es da draussen ebenso seriöse Magazine, Börsenbriefe und Blogs wie hier Mr-Market, ich will niemandem konkret etwas unterstellen und die Mehrheit wird wohl so ein Spiel auch nicht betreiben. Aber ich garantiere Ihnen aus reiner Lebenserfahrung, es gibt auch die anderen und das mehr als Sie ahnen. Ich garantiere Ihnen, bei den SmallCaps werden solche Spiele öfter gespielt als Sie ahnen und höchst selten werden diese aufgedeckt, denn eigentlich ist -> Front-Running <- illegal, nur ist es eben extrem schwer nachzuweisen.

Glauben sie wirklich in so einem Umfeld als Anleger ohne Spezialwissen einen Vorteil bei kleinen Aktien zu haben? Ich bitte Sie!

Fassen wir also zusammen:

Erstens, ich werde weiter bewusst keine illiquiden SmallCaps besprechen, bei denen ich befürchten muss, dass eine reflexiven Beeinflussung meiner Artikel auf den Preis stattfindet. Das ist einfach eine Frage der Seriosität.

Zweitens, ich bedauere. Wir haben da zwar einen echten "FreeLunch" und könnten das sogar als Community orchestrieren und Kurse anschieben, auf die andere dann aufspringen und die Bewegung verstärken, unser Volumen reicht dafür durchaus aus, wenn die Titel im SmallCap-Bereich sind. Das ist aber mit mir nicht zu machen. Glauben Sie deswegen aber nicht, dass alle andere es auch so strikt ausschliessen wie ich. Gehen Sie davon aus, dass die Gier und das leicht verdiente Geld ein mächtiger Motivator ist und gerade bei SmallCaps dieses Spiel gespielt wird.

Drittens, Sie sollten sich deshalb nur dann für SmallCaps interessieren, wenn Sie die nur rein charttechnisch betrachten oder wenn Sie einen echten Edge haben, weil Sie das Unternehmen wirklich besser kennen als der Markt, wenn Sie also sozusagen eine Art "Insider" sind, wenn auch nicht im engen Sinne der Definition.

Falls Sie an solchen Werten bisher interessiert waren, hinterfragen Sie das mal nach meinen obigen Worten. Und schauen sich vielleicht mal bewusst Kursbewegungen an, wenn in bekannten Postillen illiquide Werte promotet werden.

All das ist nur eine weitere Facette der -> Reflexivität <-, die Sie in ihren Konsequenzen unbedingt durchdringen müssen, wenn Sie am Markt auf einen grünen Zweig kommen wollen. Es ist das Beobachterproblem, denn die Nachricht, der Artikel über den SmallCap, verändert selbstreferentiell das Beobachtungsobjekt, weswegen eine objektive Beobachtung gar nicht möglich ist.

Wir hier sollten also klug genug sein, nicht freiwillig Schafe zu sein. Wölfe sind wir zwar auch nicht, dafür ist unsere Feuerkraft zu gering, aber wir sind wenigstens freilaufende Hunde, die den Wölfen aus dem Weg gehen können, weil sie dafür klug genug sind.

Und übrigens, auch das ist ein Grund für den US Markt. Dort sind selbst kleine Aktien sehr, sehr liquide. Heisst eine derartige Manipulation ist viel schwerer. Bei vielen illiquiden Werten in Deutschland sieht es da ganz anders aus.

All das oben ist eigentlich nichts Neues, es erschien mir aber nötig, das mal wieder ins allgemeine Bewusstsein zu rufen.

Ihr Hari

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Hochfrequenzhandel (HFT) – Deutsche Börse – Die Co-Location muss weg !

Heute möchte ich die Regulierung des Hochfrequenzhandels (High Frequency Trading HFT) noch einmal zum Thema eines persönlichen Kommentars machen.

Regelmässige Leser von Mr-Market.de wissen, dass ich schon mehrfach gegen HFT gewettert habe, weil in meinen Augen durch die Börsen das faire Spielfeld (level playing field) kaputt gemacht wird, auf dem jeder freie Markt zwingend basiert.

Damit es keine Missverständnisse gibt, muss ich auch noch einmal darauf hinweisen, dass HFT und Algos zwei völlig verschiedene Dinge sind. Ein Algorithmus (Algo) ist nichts weiter als eine programmierte Logik, mit der Computer kaufen und verkaufen, letztlich nicht anders als es auch Menschen könnten, wenn diese dafür genügend Disziplin hätten und so schnell rechnen könnten.

Solange Algos genau den gleichen Marktzugang haben wie Menschen, ist dagegen absolut nichts einzuwenden. Wenn jemand so smart ist, besonders kluge Algorithmen zu schreiben, soll er auch den Vorteil daraus einstreichen. Niemand hindert mich ja daran, selber einen Algorithmus zu schreiben, der für mich tradet. Würde man das anders sehen, könnte man auch gleich Intelligenztests für Menschen per Regulierung befehlen und den Intelligentesten unter uns den Marktzugang verbieten, weil diese ja auch einen Wettbewerbsvorteil haben.

HFT dagegen ist von ganz anderem Kaliber. HFT lebt von der Schnelligkeit und die ist wiederum nur durch die Co-Location möglich. Und HFT handelt gar nicht fair, sondern stellt millionenfache "Fake-Orders" in den Markt, die dazu dienen den Markt zu sondieren und aufgrund des Geschwindigkeitsvorteils wieder aus dem Markt genommen werden können, wenn ein Dritter ernsthaft darauf agieren will. HFT aber könnte ohne Co-Location gar nicht existieren. Und damit kommen wir zum wahren Übeltäter.

Denn Co-Location bedeutet, dass die Börsen wie zum Beispiel auch die Deutsche Börse, gegen (teures) Entgeld Server-Plätze direkt neben ihren Zentralrechnern vermieten. Damit gewähren sie bestimmten Marktteilnehmern einen Geschwindigkeitsvorteil, gegen den alle anderen keine Chance haben. Denn auch bei Ausbreitung der Signale mit Lichtgeschwindigkeit haben Kabellängen eine Bedeutung. Wer es nicht glaubt, kann sich -> hier <- eine der Pressemitteilungen der Deutschen Börse zur Co-Location anschauen. "Latenzsensitiv" heissen diese Kunden da, ein schöner Name für etwas, was für mich persönlich einfach zweifelhaftes Geschäftsgebahren ist. Denn ein Co-Location Kunde kennt eine Order schon, bevor sie jemand anders überhaupt sehen kann. Und ja, das Angebot der Deutschen Börse ist im juristischen Sinne bestimmt legal. Ob derartige Bevorzugung zum volkswirtschaftlichen Auftrag der Börsen als Handelsplatz passt, steht aber auf einem anderen Blatt !

Für mich persönlich - und wie ich weiss für viele andere professionelle Marktteilnehmer auch - steht das Prinzip der Co-Location in krassem Gegensatz zum Prinzip des "level playing fields". Letztlich ist das in meinen Augen moralisch auch nicht viel anders, als wenn DAX Unternehmen bei Bekanntgabe der Geschäftszahlen per Adhoc diese Daten zahlungskräftigen Kunden eine Minute vorher übersenden würden, womit diese dann an der Börse fast sicheren Reibach machen könnten. Bei Unternehmen wäre das Frontrunning und zu Recht strafbar ! Warum Börsen - deren volkswirtschaftliche Aufgabe es sein sollte einen fairen Marktplatz für Unternehmensbewertungen zur Verfügung zu stellen - etwas ähnliches in Form der Co-Location legal machen dürfen und das nicht strafbar ist, übersteigt meine Phantasie. Wenn irgendwo die Regulierung und Politik versagt, dann hier !

Ein freier Markt beruht darauf, dass alle Marktteilnehmer einen diskriminierungsfreien, gleichen Marktzugang haben. Nur dann kann ein Markt seine Funktion ausführen und dem besten, klügsten, wertigsten Angebot zum Erfolg verhelfen. Dieses Prinzip wird nach meiner Ansicht von Börsen mit der Co-Location aus Profitstreben ausgehebelt. Was legal ist, ist deswegen noch lange nicht legitim.

Jetzt hat unsere liebe Politik, egal ob Regierung oder Steinbrück, ja damit begonnen das Thema HFT in den Fokus zu nehmen. Und das ist überfällig, denn nach meiner Ansicht hat HFT keinerlei volkswirtschaftliche Bedeutung, ausser, dass es die Kassen und Kurse der Börsenanbieter füttert. Für die Volkswirtschaft gibt es dagegen nur ein gewaltiges Schadenspotential, siehe Flash-Crash. Nur wird von der Politik das Problem mal wieder nicht verstanden, sondern nach meiner Ansicht statt dessen sozusagen von hinten durchs Auge wieder eine unsinnige Überregulierung forciert. Dabei hat uns all die tolle Regulierung ja so wunderbar vor den Verwerfungen der letzten Jahre geschützt. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten.

Wenn ich zum Beispiel davon lese, dass in einer zukünftigen Regulierung Algorithmen offen gelegt und "geprüft" werden sollen, kann ich darüber nur herzlich lachen. Wer soll das bitte schön tun ? Und welchen Sinn hat das ? Wenn ich persönlich an meinem PC also einen einfachen Algorithmus erstelle, der für mich mein Handelssystem bedient - ja das geht ! - soll das "geprüft" werden ? Etwa von einer Bafin Abteilung mit 5 Mitarbeitern ? Nach welchen Kriterien ? Wer sich so etwas ausdenkt, zeigt mir damit nur, dass er überhaupt nicht versteht womit er sich befasst.

Über solche Ideen kann ich nur sehr traurig lachen und die sind auch völlig am Thema vorbei. Selbst eine prinzipiell sinnvolle Mindesthaltedauer von zb einer Zehntelsekunde, die HFT Orders der Gefahr aussetzt auch wirklich ausgeführt zu werden, hätte ihre negativen Seiteneffekte. Dabei ist die perfekte Lösung doch so einfach:

Den Börsen muss Co-Location und ähnliche Angebote für gut zahlende Kunden verboten werden ! Alle Handlungen, die bestimmten Marktteilnehmern einen unfairen Vorteil verschaffen, müssen strafrechtlich belangt werden, ebenso wie heute schon Insider-Frontrunning bei Unternehmensveröffentlichungen !

In dem Moment, wo ein gleicher Marktzugang für alle wieder hergestellt ist, wird HFT wie vom Erdboben verschwunden sein. Denn ohne den durch die räumliche Nähe entstehenden Geschwindigkeitsvorteil, macht das Prinzip schlicht keinen Sinn mehr ! Ja, so einfach ist es !

Aber ich befürchte, diese Lösung - vielleicht noch verbunden mit einer kurzen Mindesthaltedauer der Order im System - ist viel zu einfach und kostet nichts. Deshalb wird sie nicht kommen. Statt dessen werden wir neue Behörden haben, die zu prüfen haben, was man gar nicht prüfen kann und das Kernproblem wird weiter im System schwären.

Frei nach dem Motto: "warum denn einfach, wenn es auch schwierig geht !"

O tempora o mores !

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