Die Märkte und der „Junk“ Indikator

Auf unzählige Art und Weise und mit hunderten von Indikatoren, versuchen Anleger dem Markt auf den Puls zu fühlen und so dem Schicksal einen Tag voraus zu sein. Ich mag dabei vor allem die Indikatoren, die direkt den Puls des Marktes fühlen, statt nur indirekt über kompliziert herzuleitende Daten, überhaupt eine Schlussfolgerung zu ziehen, die dann wiederum interpretierbar und damit angreifbar ist.

Denn wenn man nur direkt auf die Kurse geht, ist Manipulation und Fehlinterpretation weit schwieriger, denn die Wahrheit liegt auf dem Platz und da wo echtes Geld in Bewegung gesetzt wird, ist mehr Wahrheit dahinter, als bei dem, was so am lieben langen Tag daher geredet wird.

Um zu spüren, ob der Markt gesund ist oder angeschlagen, verwende ich dabei gerne meinen persönlichen "Junk"-Indikator. Das Wort "Junk" steht dabei für die deutschen Worte Abfall, Ausschuss, Plunder, Müll und wird typischerweise als "Junk-Bonds" im Zusammenhang mit Anleihen zweifelhafter Emittenten benutzt.

Solche Junk-Bonds sind hoch gefährdet und kippen in einer echten Kreditkrise typischerweise als Erstes um. Das weiss der Markt natürlich, weswegen der Kursverlauf von "Junk-Bonds" höchst sensibel auf Stress im Finanzsystem reagiert. Wenn sich also eine neue Kreditkrise zusammen braut, werden die Junk-Bonds diese mit als erster Indikator anzeigen.

Um mir die Junk-Bonds anzuschauen, benutze ich dafür gerne den US ETF "JNK" (-> SPDR Barcleys High Yield Bond ETF <-). Und auf dessen Chart mit Wochenkerzen, das bis 2008 zurück geht, schauen wir nun einmal gemeinsam:

Junk 09.12.13

Sie sehen die grossen Kreditkrisen, sie sehen auch, dass Ereignisse wie Fukujima keine Auswirkungen hatten. Das ist auch logisch, Fukujima hat zwar die japanische Wirtschaft und damit auch weltweit Aktien betroffen, die Stabilität der Anleihen stand dadurch aber nie in Frage. Der "Junk-Indikator" hat also zum Beispiel zum Thema Fukujima angezeigt, dass es sich um eine temporäre Wachstumsdelle, nicht aber um einen fundamentalen Grund zur Sorge für die Kreditmärkte handelt.

Umgedreht sehen Sie, wie sorgenvoll der Markt auf die überraschenden Tapering Gedanken von Bernanke im Juni diesen Jahres reagiert hat. Ich habe das ja damals hier ausführlich thematisiert. Einige haben zu dem Zeitpunkt ja geschrieben, der Markt hätte da was missverstanden. Was nach meiner Ansicht völlig falsch und noch dazu von unangemessenem Selbstbewusstsein geprägt ist, denn darin steckt ja die Behauptung, dass man selber mehr als der Markt verstanden hätte. Und das ist in der Regel eine grosse Illusion. Nein, der Markt in Form all der institutionellen Anleger, hat damals sehr genau verstanden und die Implikationen schnell begriffen. Und genau deshalb hat Bernanke ja dann auch im Juli die völlige Kehrtwende vollzogen, der FED ist es wohl kalt den Rücken runter gelaufen, als sie die Reaktion der Kreditmärkte sah. Der "Junk-Indikator" hat also im Juni laut "Gefahr" gerufen und die FED ist sofort über das Stöckchen gesprungen.

Und was sagt der "Junk-Indikator" jetzt ? Völlige Sorgenfreiheit. Stress im Kreditsystem scheint derzeit nicht vorhanden zu sein. Und deswegen sind Sorgen vor dem grossen Einbruch gleich morgen oder übermorgen auch eher unbegründet.

Bitte bedenken Sie, dass der Indikator aber nur anzeigt, wie viel Stress im Kreditsystem derzeit vom Markt wahrgenommen wird. Es bedeutet nicht, dass der Markt die mittelfristige Lage richtig einschätzt. Es ist also sehr wohl theoretisch möglich, dass der Markt sich schon morgen, plötzlich und unerwartet, wichtiger Risiken bewusst wird und der JNK sich schnell nach unten bewegt.

Dieser Indikator zeigt also den subjektiv empfundenen Stress im Finanzsystem. Er zeigt nicht, ob das Finanzsystem objektiv gesund ist ! Diesen Unterschied darf man nicht übersehen. Trotzdem ist der subjektiv empfundene Stress für uns der entscheidende Faktor. Denn der macht die Kurse in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt". Die Zukunft kommt von ganz alleine. Und wenn Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems auftauchen, wird der "Junk-Indikator" schnell "Alarm" schreien, davon können Sie ausgehen. 😉

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 20.02.12 – Es grünt so grün …

17.45 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Heute mache ich es kürzer als sonst. Der Markt steigt weiter in freudiger Erwartung einer "Rettung" Griechenlands durch eine erneute Ladung Geld aus dem Steueraufkommen europäischer Bürger. Wir allen wissen, dass es keine echte Rettung sein wird, denn dazu müsste Griechenland seinen Staat und seine Organe komplett neu aufsetzen. Aber es wird zumindest erneut ein paar Monate Zeit erkaufen, Zeit in der man die anderen Länder der EU so sattelfest machen kann, dass Griechenland am Ende wirklich keine Rolle mehr spielt.

Mit der heutigen Stärke von Mr. Market hat sich auch meine Vorsicht vor dem Wochenende als unnötig erwiesen. Es grünt massiv in den Depots - auch in meinem - und wenn dann noch das Wetter draussen endlich mal etwas von Frühling zeigen würde, dann könnte dieser Rosenmontag zusammen mit dem Glück einen charakterstarken Bundespräsidenten zu bekommen, eindeutig als besonders erfreulicher Tag in die Annalen eingehen.

Ich denke allerdings auch, dass der Freudeneffekt über die nächste Geldspritze an Griechenland nun weitgehend verarbeitet ist und der Markt zwar schnell an die DAX 7000er Marke stossen kann, diese aber wohl nicht in einem Rutsch nachhaltig nehmen wird. Denn im Band etwas oberhalb 7000 Punkten liegt ein ziemlich starker Widerstand, der durch eine Unnmenge an Tiefs aus dem letzten Frühjahr / Sommer definiert ist.

Viele Marktteilnehmer sind beim Absturz im August letzten Jahrens auf diesen Niveaus unter Wasser geraten und werden nun, wenn ihre Positionen endlich wieder im Grünen sind, wahrscheinlich mit einem Verkauf liebäugeln - was es wiederum dem Markt schwer machen dürfte, diesen Bereich ohne Mühen in einem Schwung zu nehmen. So funktioniert nun einmal Widerstand und ich wäre überrascht, wenn es diesmal anders wäre. Nur den Banken traue ich nach einer konkreten Einigung in Brüssel Morgen noch einmal einen richtig guten Sprung ins Positive zu. Denn ich denke gerade für die Commerzbank, würde das eine erhebliche Erleichterung sein.

Insofern wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn wir nach einer positiven Griechenland-Entscheidung kurz über die 7000 schauen, nur um dann zunächst Richtung 6800 zu konsolidieren.

Wenn man etwas weiter auf die nächsten Wochen schaut, haben wir nun aber eindeutig Phase 2 einer solchen Hausse erreicht. Denn von überall her hört man nun, dass auch die Privatanleger wieder in den Markt zurück kehren und auch die Institutionellen an ihren Aktienquoten schrauben. Die Rally baut aber immer noch auf einer "Wall of Worry", einer gehörigen Portion Skepsis im Markt auf, die man als bullishes Signal werten muss. Denn es ist ja noch nicht so lange her, dass wir hier Angst hatten nachhaltig unter DAX 5000 zu fallen. Das hört sich heute wie ein Bericht aus einer anderen Welt an, liegt aber gerade einmal 4 Monate zurück - so schnell kann es gehen und so verändert sich unsere vermeintlich so "objektive" Wahrnehmung durch die Umstände.

Die "Wall of Worry" kann man auch daran erkennen, dass im Web nun schon wieder von "Übertreibung" und ähnlichem geredet wird. Das ist in meinen Augen kompletter Unfug, unter der Annahme einer halbwegs gesunden Konjunktur ist der DAX immer noch historisch günstig. Natürlich sind bestimmte technische Indikatoren nun im roten Bereich, das sind sie aber schon seit Wochen und ist für so Bullenmärkte ganz normal und kann noch weitere Wochen andauern. Und natürlich werden wir auch eine Korrektur bekommen, die die techischen Indikatoren wieder normalisiert, aber solange es nur eine begrenzte Korrektur bleibt, wird dieser Bullenmarkt dadurch nicht in Frage gestellt. Darüber hinaus kann selbstverständlich jederzeit etwas Überraschendes passieren und uns mal eben um 1000 Punkte nach unten schicken. Aber dieses Restrisiko hat man immer und obwohl immer die theoretische Gefahr besteht, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, steht man trotzdem aus dem Bett auf und fängt an zu leben.

Unter der Annahme, dass uns in den nächsten 2 Monaten ein Krieg um den Iran oder eine andere überraschende Katastrophe ala Fukujima erspart bleibt, glaube ich daher, dass der DAX bis April noch gut 10% Luft nach oben hat und bei diesem Momentum die 7500 gut erreichen kann. Ob es so kommt, werden wir sehen. Aber wenn man die Signale des Marktes rational betrachtet ohne sich von einem negativen Bias blenden zu lassen, kann man nur feststellen: alle Ampeln stehen objektiv auf Grün. Dieser Markt lebt von Liquidität und diese ist in Massen vorhanden.

Und glauben Sie mir, es ist wirklich ein dumme Idee sich gegen den Markt zu stellen. Man muss nicht immer alles voll mitmachen und kann auch mal an der Seitenlinie sein. Aber sich explizit gegen den Trend zu stellen - also zu shorten - ist in meinen Augen verfehlt. Denken Sie an die grossen "Helden der Chartkunst" über die ich mich erst vor gut 2 Wochen -> hier <- so aufgeregt habe. Zum Zeitpunkt des Interviews mit den Herren vor ungefähr 3 Wochen standen wir bei ca. DAX 6400. Lesen Sie deren Aussagen nochmal, das ist nun wie ein Artikel aus einem Parallel-Universum und passt durchaus zum heutigen Rosenmontag, dem Tag der Narren 😉

Damit mich keiner missversteht, natürlich können wir jederzeit wegkippen und auch ein Fukujima II kann jederzeit passieren, ebenso wie ein Krieg um den Iran. Aber wer sein Geld auf vage Vermutungen setzt, der kann nur verlieren. Alles was wir aber an harten Fakten zur Markttechnik haben sagt aber : Vorteil Bullen ! Und Korrekturen - die definitiv immer wieder kommen - sind Kaufgelegenheiten. Wenn sich die Signale des Marktes ändern, werde ich hier darüber schreiben. Und wenn Sie (zurecht) Angst vor einem Krieg um den Iran haben, dann habe ich ja mein probates Mittel dargestellt, wie ich am Aktienmarkt profitieren und trotzdem mein Depot absichern kann: Ölaktien ! Abgesehen davon, hindert uns niemand daran, unsere Gewinne nun mit Stops unter 6800 abzusichern.

Kommentare zu einzelnen Aktien gibt es heute nicht. Dafür einen Link zu einem Thema, dass durchaus das Potential hat die Hausse in Gold weiter zu befeuern. Lesen Sie -> hier <- zu Singapurs Plänen. Denn mit so günstigen Handelsmöglichkeiten ist es wie mit einer neuen Autobahn: eine neue Autobahn erzeugt auch neuen Verkehr, der vorher gar nicht dagewesen ist.

Hoffen wir nun, dass unsere Finanzminister heute Abend in Sachen "G" den Markt nicht nach Handelsschluss enttäuschen. Denn wenn das passiert, haben wir nun doch einiges an Enttäuschungs- und damit Korrektur-Potential aufgesammelt, das sich Morgen in Form eines GAPs nach unten entladen würde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend !

Unbekannte Qualitätsaktien – Temenos – Chancen mit Bankensoftware

Neben der Serie "Rohstoffaktien" beginne ich heute mit Temenos auch eine Serie mit "unbekannten Qualitätsaktien", die ich in unregelmässigen Abständen weiter führen werde.

Darin will ich Ihnen Aktien vorstellen, die eigentlich seriöse, gut kapitalisierte Bluechips ihres Segments sind, in Deutschland aber trotzdem nur einen sehr geringen Bekanntheitsgrad haben.

Denn es schadet sicher nicht, wenn man seinen Anlagehorizont über die "üblichen Verdächtigen" in DAX, MDAX, SDAX und Co. hinaus ausdehnen kann. Alle die vorgestellten Aktien haben aus meiner Sicht attraktive, zukunftsträchtige Geschäftsmodelle und/oder befinden sich in einer markttechnisch spannenden Ausgangslage.

Beginnen will ich heute mit dem Schweizer Anbieter von Bankensoftware: Temenos (WKN 676682)

Haben Sie schon mal den Namen Temenos gehört ? Wohl kaum. Aber Gelder über Software von Temenos abgewickelt, haben Sie garantiert schon einmal.

Denn das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Genf hat nicht nur 3500 Mitarbeiter, sondern über 1000 Banken als Kunden in mehr als 100 Ländern weltweit. Da ist mit Sicherheit auch ein Institut dabei, über das auch schon Ihre Gelder geflossen sind. Damit ist Temenos einer der Weltmarktführer im Bereich integrierter Gesamtbankensoftware und gewinnt mit seinen modernen Softwaresystemen weitere Marktanteile. Und eine Marktkapitalisierung von fast einer Milliarde Euro ist auch ganz ordentlich und zeigt, dass wir es hier mit keinem Exoten, sondern einem grossen, erfolgreichen Konzern zu tun haben.

Das Sie trotzdem den Namen Temenos wohl noch nie gehört haben, liegt daran, dass die meisten Banken eher ein Geheimnis um die Software machen die bei ihnen eingesetzt wird. Die einzige Erklärung die mir dazu einfällt ist, dass man man in der Bankenwelt scheinbar Wert darauf legt, beim Kunden den Eindruck eigener Kompetenz zu erzeugen. Das man in Wirklichkeit von Software und dem Support von externen Dienstleistern - wie Temenos - abhängig ist, muss man ja nicht an die grosse Glocke hängen.

Wenn Sie einen Blick auf den Chart von Temenos werfen, erkennen Sie sofort den Absturz in 2011, der Temenos von 40 CHF bis runter in den Bereich von 15 CHF gebracht hat.

Temenos

Dieser Absturz war natürlich nicht ohne Grund, denn wer Banken als Kunden hat, leidet natürlich mit, wenn diese unter die Räder der Eurokrise kommen, im Fukujima Schock stehen oder wie in Teilen der arabischen Welt durch Umbrüche lahm gelegt werden. In solchen Zeiten in denen es für die Banken um Sparen und Überleben geht, investieren Banken nicht in neue Softwaresystem mit langjährigen Projektlaufzeiten und schon gar nicht in integrierte Banksysteme. Denn wer Kernkapitalquoten heben will, hat weder Zeit noch Geld um riesige Softwareprojekte anzuschieben. Insofern gibt es für mich eine ganz einfache Erklärung für die Schwäche von Temenos.

Darin liegt aber auch die grosse Chance, denn an modernen Softwaresystemen führt mittelfristig für die Banken kein Weg vorbei. Wenn man weiss, mit welchen Uraltsystemen - zum Teil noch aus den 80er Jahren - selbst bestimmte namhafte Grossbanken heute noch arbeiten, weiss man welche riesigen Chancen da für Anbieter wie Temenos liegen. Diese Chancen können aber erst gehoben werden, wenn die Bankenwelt aus der unmittelbaren, existenzbedrohenden Krise kommt. Dann sorgt aber der Kostendruck im Retailgeschäft dafür, dass das Thema IT wieder höchste Priorität geniessen wird. Denn eine flexible und leistungsfähige IT-Infrastruktur ist für Banken der entscheidende Erfolgsfaktor.

Ein Vorteil von Temenos ist auch, dass das Unternehmen über eine weltweite Diversifizierung verfügt, so sitzt die Entwicklung zum Beispiel überwiegend in Indien und Kunden finden sich auf der ganzen Welt. So ist der Umsatzanteil von Europa bei Temenos gerade mal im Bereich 30%. Damit ist auch der harte Franken für Temenos kein grosses Problem und Temenos sehr gut gegen exogene Schocks in einzelnen Ländern geschützt.

Trotz dieser Diversifizierung kann sich Temenos der kurzfristigen Krisenstimmung in der Finanzindustrie natürlich nicht entziehen. Mittefristig ist die Zukunft aber voller Chancen. Denn böse Zungen lästern: Retailbanken bestehen heutzutage nur noch aus drei Elementen: Erstens einer leistungsfähigen, integrierten IT, zweitens aus grossen Vertriebsorganisationen, die sich euphemistisch "Berater" nennen dürfen und drittens aus einer kleinen Schaar sehr heller Köpfe, die all die "Produkte" kreieren, mit denen die "Berater" dann auf Kundenfang gehen. Und wenn diese bösen Zungen recht haben sollten, dann führt an neuen IT Systemen kein Weg vorbei, denn der IT-Investitionsstau in der Branche ist teilweise gewaltig.

Ob man die Temenos Aktie unbedingt heute schon kaufen muss, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber Temenos nun genau zu beobachten und aufzuspringen wenn der Kurs nach oben dreht, könnte attraktive Chancen bieten. Denn der Chart sieht für mich im Moment nach einem tragfähigen Boden aus, von dem ausgehend die Aktie sogar theoretisch Verdoppelungspotential hat.