Trading – Von Abwehr auf Angriff umschalten

Der folgende Artikel erschien 21.10.14 18:20 in Hari Live und wird hier in gekürzter Form in den freien Bereich gestellt

Kennen Sie das auch? Wenn eine Mannschaft beim Fussball zu stark in die Defensive gerät und sich zurück drängen lässt und nur auf die Verteidigung konzentriert, dann sehen wir oft am Spielfeldrand den Trainer mit den Armen rudern und "Raus! Raus!" schreien.

Meistens hören die Spieler das aber gar nicht mehr, zu sehr ist ihre Psyche nun auf Abwehr gerichtet. Dass man auch Angriff spielen könnte, scheint in der Dynamik des Momentes vergessen. Und schnell zwischen Abwehr und Angriff hin und her zu schalten, ist eine der Übungen, die nur gute Mannschaften so richtig "drauf" haben.

Auch an der Börse ist das für uns eine der schwierigsten Aufgaben. Und ich bin ganz sicher, einigen von Ihnen ist das in den letzten Tagen so gegangen.

Da dürften auch einige dabei sein, die eher etwas zu spät unter dem Eindruck der doch immer weiter fallenden Kurse ausgestiegen sind und erst spät das getan haben, was ich schon viel weiter oben gepredigt habe: Risikomanagement.

Und die dann bei dem brutalen und auch für mich überraschenden Taucher des DAX unter 8500 am Donnerstag Vormittag, ermattet aber glücklich durchgeschnauft haben, weil sie endlich draussen waren. Jetzt hätte es für diese Anleger immer weiter runter gehen können, nur will uns der reflexive Mr. Market diesen Gefallen nie tun, denn der hört systemimmanent genau dann auf zu fallen, wenn die Letzten raus geschüttelt wurden. Und so wurde der unerwartete Taucher unter 8500 zur brutalen Bärenfalle. Eine ähnliche Falle wurde den Bären noch einmal heute im frühen Handel aufgestellt.

So kam der Rebound über 8500, der ein erstes Zeichen einer möglichen Wende war. Und im S&P500 Future deutete sich parallel der Doppelboden an, den ich noch am Donnerstag 16.10. Nachmittag mit den deutlichen Worten "Achtung!" in Hari Live thematisiert hatte und von dem wir so schön profitieren konnten.

Jetzt hätten viele also ab letzten Donnerstag schnell und flexibel von Abwehr auf Angriff umschalten müssen, oder zumindest sich langsam eine Angriffsstrategie zurecht legen, wenn sie nicht kurzfristig, sondern mittelfristig agieren. Nur vielen dürfte das emotional gegen den Strich gegangen sein, endlich ist man draussen und will nun auch mal seine Ruhe haben!

Und deshalb machen wir Menschen dann erst einmal gar nichts und bleiben in unserem dominanten Modell (hier Defensive), das ja zuletzt so hervorragend funktioniert hat. Und wenn die Kurse dann doch steigen, kommt auch die Reue dazu, nicht dabei zu sein. Und die nagt an uns und macht unzufrieden.

Man könnte also sagen, unsere Psychologie ist ein Tanker, der zu lange braucht um sich zu lösen und zu drehen. Wie leicht oder schwer es uns dabei fällt, von Abwehr auf Angriff umzuschalten, ist aber auch stark vom Typus abhängig. Gerade der Typus "Gründler", den ich hier schon einmal beschrieben habe - Menschen also, die Dingen gerne auf den "Grund" gehen und typischerweise sich auch gerne in Details vertiefen - tut sich schwer damit, schnell umzuschalten. Wer dagegen eher immer das "grosse Ganze" im Blick behält, alles mitbekommen will und Details daher vermeidet wo möglich, hat es da psychologisch einfacher in einem volatilen Markt.

Und deshalb ist es so eminent wichtig, dass wir uns mit unserer Strategie, wie zum Beispiel mit dem Pattern Trading, das ich Ihnen zuletzt am S&P500 so erfolgreich gezeigt habe, einen objektiven Rahmen geben, dem wir dann auch folgen. Denn der Rahmen - wie bei mir die Muster (Pattern) - sagt einem dann schon, wann es Zeit wird von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Dass das funktioniert, haben wir gerade wieder gesehen.

In jedem Fall aber müssen wir dieses Grübeln vermeiden, wie die Kurse morgen sein werden. Das macht uns nur fertig und wir bleiben dann in der Regel im alten Verhalten und warten ab und sind dadurch gerade nicht in der Lage umzuschalten.

Also: es gibt viele Wege von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Der "normale" und für die meisten auf der mittelfristigen Zeitebene wohl auch Richtige, ist der gleiche Weg, mit dem wir aus dem Markt ausgestiegen sind: der inkrementelle Einstieg in Schritten anhand der Marken und Muster.

Aber es gibt eben auch Methoden, mit denen man aggressiv solche Rebounds spielen kann und frühzeitig dabei sein - mit höherem Risiko natürlich. Dafür aber ist für diese Methoden egal, ob es sich um einen nachhaltigen Rebound oder nur um einen mehrtägigen Bounce im bestehenden Abwärtstrend handelt - Hauptsache der Kurs steigt die nächsten 24 Stunden, dann ist man bei solch aggressiven Einstiegen in Wende-Momentum, schon auf der sicheren Seite.

Welchen Weg man aber auch für sich persönlich geht, entscheidend ist, dass man den Wechsel von Abwehr auf Angriff überhaupt vollzieht und nicht verschläft, weil man keine Lust hat, sich schon wieder auf eine neue Situation einzustellen.

Denn ohne Angriff, kann man kein Spiel gewinnen. Beim Fussball ist das so. Ohne Abwehr aber auch nicht. Das Umschalten zwischen beidem, ist das grosse Geheimnis des Erfolges - nicht nur beim Fussball!

Und mit aktivem Handeln am Markt, können auf die Dauer nur die Menschen erfolgreich sein, die es lieben und es spannend finden, sich auf neue Situationen einzustellen.

Wer diese Psychologie nicht in sich hat, sollte sich eine langfristig orientierte, eher passive Strategie zurecht legen, die idealerweise rein von Indikatoren getrieben wird. Und die damit für Ruhe und Beständigkeit sorgt.

Oder er kann zwar aktiv handeln, muss aber den Zeithorizont so wählen, dass er nur auf langfristigen Charts agiert und sich daher für die täglichen Schwankungen nicht interessiert. Das erfordert aber auch die geistige Disziplin, das tägliche Geschehen und die Nachrichten in den Medien ignorieren zu können.

Den eines ist der Markt garantiert nicht: ruhig und beständig. Ich *liebe* ihn dafür! 😀

Ihr Hari

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DAX Future Flash Crash

06.02.14 15:15 Uhr

Wenige Minuten nach dem Ereignis, heute um 13.50 Uhr, habe ich meinen Lesern im Premium-Bereich das folgende Chart gepostet:

Flash Crash 06.02.14

Lange war ich im Zweifel, ob der DAX Future wirklich einen Flash-Crash hatte, oder nur meine Datenversorgung einer Anomalie unterlag.

Nun endlich, kommt nach über einer Stunde über einen Artikel des Wall Street Journals die Bestätigung:
-> Flash Crash am deutschen Aktienmarkt <-.
Meine Datenversorgung war also intakt und der Flash Crash real.

Das bei so einer Bewegung der Computerhandel eine zentrale Rolle spielt, ist nach meiner Ansicht ziemlich sicher. Der beliebte "Fat Finger" als Begründung genügt mir dabei nicht.

Wie mir überhaupt die im obigen Artikel zitierte Reaktion der Deutschen Börse zu nonchalant am wirklichen Problem vorbei geht. Unzählige Anleger, egal ob privat oder institutionell, sitzen nun auf ungerechtfertigten Verlusten, weil Stops und Barrieren gezogen wurden. Gleichzeitig sehe ich aber an den diversen Derivaten, das die Volatilität nicht nach oben angepasst wurde. So, als ob nichts gewesen wäre.

Das eine passt aber nach meiner Ansicht nicht zum anderen. Entweder war das ein normaler Marktverlauf, dann müsste sich so ein Swing auf die Volatilität auswirken. Oder es war eben eine Anomalie und danach sieht es für mich aus. Dann hat mir die Deutsche Börse aber mehr zu erklären, als ich bisher lesen kann.

Klar ist auf jeden Fall, dass ohne den Computerhandel so etwas nicht möglich wäre. Einem Computerhandel, von dem auch die Deutsche Börse profitiert. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen fast 1,5 Jahre alten Artikel zur -> Co-Location <-

Eine Stopkaskade, wie in dem Artikel des WSJ gemutmasst wird, ist immer möglich und ist auch völlig normales Marktverhalten. Nur kommt dann der Kurs nicht sofort wieder wie ein Strich auf das Ausgangsniveau zurück. Das passt als Begründung nach meiner Ansicht eher nicht zusammen und die Deutsche Börse schuldet uns in meinen Augen eine bessere Erklärung, als diese paar dürren Worte, die ich bisher finden kann.

Laut -> Reuters <- wird schon eingeräumt, dass Anträge auf "Misstrades" vorliegen. Insofern ist das Thema ganz bestimmt noch nicht abgeschlossen.

Insofern hoffe ich, dass Deutsche Börse und die Börsenaufsicht, hier bald mehr Licht ins Dunkel bringen. Und vor allem auch Konsequenzen daraus ziehen !

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Volatilität am Beispiel des VIX – Ein Chart zur Lage am Markt

Die Sorge um einen einbrechenden Markt hat nun auch den Mainstream erreicht, der zunächst mit klassischem -> Recency Bias <- dem "Buy the Dip" huldigte und nun schmerzhaft erlebt hat, wie alle neu eingegangenen Positionen tiefrot im Depot stehen. Eine Erfahrung, die die Markteilnehmer zuletzt 2012 gemacht und daher wohl vergessen haben.

Dummerweise läuft der Markt der Wahrnehmung des Mainstreams immer voraus, weswegen Anleger, die sich nach den medialen Stimmungen richten, immer wieder feststellen, dass sie im genau falschen Zeitpunkt handeln und der Markt kurz danach dreht. Man könnte fast meinen, der "fiese Mr. Market" würde einem über die Schulter schauen und dann genau das Gegenteil machen. Und das ist auch tatsächlich so, wenn man den medialen Stimmungen nachläuft, denn genau die machen die Kurse und die Kurse sind genau da, wo sie sind, weil die Stimmung ist, wie sie ist.

Wer also noch keine objektiven Indikatoren hat und nun über die Zukunft rätselt, dem will ich heute mal einen der vielen möglichen Indikatoren zeigen.

Es ist der VIX, der die Schwankungsbreite des Leitindex S&P500 darstellt, hier in einer kontinuierlichen Darstellung des Futures:

VIX 05.02.14

Was wir sehen, sticht sofort ins Auge. Der Markt ist schon auf den Zehenspitzen. Die Volatilität ist stark gestiegen. Und sie ist nun genau in den Bereich gestiegen, der zuletzt immer wieder für eine Beruhigung und Gegenbewegung gut war.

Wird es dieses mal anders sein ? Vielleicht, es ist nicht ausgeschlossen, dass der Markt nun crash-artig zusammen bricht und dann wird der VIX noch weit höher steigen. Und es spricht nichts dagegen, dass der VIX auch wieder in die Regionen der Eurokrise 2011 steigt. Aber es ist nicht das wahrscheinlichste Szenario und mehr als Wahrscheinlichkeiten haben wir nicht am Markt.

Wahrscheinlich ist eher, das schon bald eine Beruhigung ansteht, die den VIX wieder fallen lässt und typischerweise wieder mit steigenden Kurse korreliert. Auf jeden Fall ist das im Moment nicht der optimale Zeitpunkt, um als Letzter auch noch in Panik zu verfallen.

Und gegen die zwar geringe, aber fraglos vorhandene Wahrscheinlichkeit eines nun bevor stehenden massiven Einbruches an den Märkten, haben wir Stops. Diese schützen uns zuverlässig, wenn wir sie mit Überlegung unter die wichtigen Unterstützungen legen.

Ich möchte betonen, dass sich aus diesem Chart des VIX keine Aussagen über die mittelfristige Kursentwicklung ableiten lassen. Es kann sehr wohl sein, dass der Markt sich nun in einem Prozess einer langfristigen Topbildung befindet. Und dann wird der VIX irgendwann weit höher stehen.

Dieses Chart sagt uns nur, dass in der nahen Zukunft der kommenden Tage in den Märkten sehr wohl die Chance auf eine Überraschung nach oben existiert. Die Stimmung und Nervosität ist dafür nun gross genug geworden. Über diese wenigen Tage hinaus, hat dieses Chart des VIX keine weitere Botschaft.

Aber so ein objektiver Indikator ist alle mal aussagekräftiger und besser, als nur den medialen Stimmungen hinterher zu laufen und damit zwangsläufig immer zu spät auf die Party zu kommen.

Ihr Hari

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Chart ohne Worte – 15.10.12 – Leitindex S&P500 im 10 Minuten Chart

22:02 Uhr - Ganz frisch nach Handelsschluss. 🙂

Ich finde den aktuellen Chart des Leitindex S&P500 aus 10 Minuten Sicht sehr eindrucksvoll und möchte, dass Sie das nicht übersehen.

Schauen Sie mit mir also auf den S&P500 Future vom 12.10 und 15.10.

Und dann auf den eigentlichen S&P500 für den längeren Zeitraum seit dem 03.10.

Spannende Charts wie ich finde. Bleibt die Frage: Was sehen Sie ? 😉

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