Finanzpolitisches Dynamit



Die wirklich wichtigen Dinge, gehen nicht nur am deutschen Michel, sondern allen Menschen gerne vorbei, da sie keine leichten Aufreger bieten, sondern struktureller Natur sind.

Denn da ist vor einer Woche vom IWF eine "echte Granate" gekommen, in Form dieses Artikels:
-> How to make negative interest rates work <-

Medienbashing wäre hier aber ungerecht, denn die Welt hat sogar in -> diesem Artikel <- das Thema aufbereitet und das sogar recht umfassend und gut verständlich. Und diverse Fachleute haben sich dazu schon geäussert.

Trotzdem, trotz dieser potentiell desaströsen Konsequenzen - denn faktisch wird der Bürger in dem Konzept in die Sackgasse buchsiert, um seine Geldbestände dann zu entwerten - erzeugt es keine Schwingung beim deutschen Michel in den sozialen Netzen, denn für den ist das zu abstrakt und "weit weg", so weit weg wie Negativzinsen noch vor 10 Jahren waren. 😉

Was der IWF sagt, kann man auf eine einfache Aussage reduzieren:

Schafft das Bargeld ab, bzw. beraubt es seiner Wirkung - dann kann man Negativzinsen beliebig nach unten drehen.

Denn die EZB ist doch mit ihrer Politik faktisch gescheitert, die Zinsen sind 7 Jahren nach der Eurokrise immer noch bei Null und Europa steuert gerade auf die nächste Rezession zu und ist nie richtig auf die Beine gekommen.

Sie wissen wie ich darüber denke, nicht *trotz* der EZB-Politik sondern auch *wegen* der EZB-Politik sieht es in Europa so schlecht und anämisch aus, denn Null- und Negativzinsen befördern den Schlendrian bei Staaten und halten Zombie-Firmen am Leben - sie setzen die normalen Marktkräfte der Selektion ausser Kraft und schaffen eine geschützte Wiese, auf der man sich vieles erlauben kann, was in einem normalen Geld-Environment zum zuverlässigen Exitus führen würde.

Nun naht die nächste Rezession und die EZB steht perspektivisch mit heruntergelassenen Hosen da. Statt aber zu erkennen, wie verfehlt und kontraproduktiv die eigene Politik war, statt zu akzeptieren, dass der einzige Weg der Gesundung der Eurozone über eine schmerzhafte Gesundschrumpfung läuft, drehen diese Alchemisten der Geldpolitik einfach die Dosis hoch und empfehlen noch mehr von der abhängig machenden Droge, die schon bisher nicht funktioniert hat.

Mich macht das zwar immer noch fassungslos, aber es überrascht mich nicht mehr - da sitzen Dogmatiker und Technokraten, die nicht mehr von wissenschaftlichen Zweifeln an ihrem Tun erleuchtet werden und spielen höchst gefährliche Spielchen in historisch unbekannten Gewässern mit ganzen Volkswirtschaften. Vorwärts immer, Rückwärts nimmer!

Auf jeden Fall haben die Autoren messerscharf erkannt, dass die Existenz von Bargeld, beliebigen Negativzinsen im Wege steht. Denn tiefe Negativzinsen sind einfach eine Form von Zwangs-Enteignung, man könnte auch wie Hans-Werner Sinn sagen eine andere Form von "Währungsreform". Und solange die Menschen dem ausweichen können, werden sie es mit Bargeld tun.

Also weg mit dem Bargeld!, beziehungsweise nach der Idee der Autoren formal nicht weg damit, sondern durch eine Aufspaltung zwischen E-Geld und Cash die Grundlagen schaffen, um Ausgleichsbewegungen der Bürger in Cash zu unterbinden und beide um mehrere Prozent pro Jahr abzuwerten.

Und wissen Sie was? Das dürfte beim finanzpolitisch strunzdummen Michel sogar funktionieren. Bargeld kann man nicht wegnehmen, dann geht der "kleine Mann" auf die Straße und die Oma mit dem Bargeld unter dem Kopfkissen, strikt die Protest-Pullis dazu. Das ist politisch nicht durchzusetzen.

Aber so eine Doppelwährung, das blickt sowieso keiner so richtig, das lässt sich durchsetzen wie Negativzinsen, die vor 10 Jahren auch jeder für eine Wahnphantasie gehalten hat - das ist nicht griffig genug für Widerstand.

Und wenn Sie jetzt denken das seien nur Spinner, die so etwas schreiben, dann weist die "Welt" zurecht darauf hin:

IWF-Blogautorin Signe Krogstrup hat im August 2018 schon einen Aufsatz zu dem Thema verfasst, der Tenor war seinerzeit der gleiche. Krogstrups damalige Co-Autorin heißt Katrin Assenmacher-Wesche. Die arbeitet im Hauptberuf als Abteilungsleiterin für geldpolitische Strategie. Bei der EZB.

Wie hiess es so schön bei Raumpatrouille:

Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.

Ich bin sicher, diese Gedanken werden in den Alchemisten-Kammern der EZB schon definitiv gedacht.

Und ich bin sicher, bevor die Eurozone final explodiert, wird man auch so etwas noch versuchen, um die Blechkanne noch ein wenig weiter die Strasse herunter zu treten.

Wenn Sie das Ganze durchdenken, dann hat das Thema weitere, harte Konsequenzen. Und wenn Sie denken wie Hans-Werner Sinn es formuliert, dass Deutschland dann den Euro verlassen muss, sollten Sie sich in meinen Augen von dieser Illusion lösen. Das wird eine dann absehbare Schwarz-Grüne Regierung *in keinem Fall* tun, es wird immer argumentiert werden, dass Europa mit dem Euro falle und man wird weiter mitmachen - bis zum bitteren Ende, bis zum Bunker unter dem Reichstag sozusagen.

Wer den Ansatz der Autorin versteht, wird nun sofort denken: Kein Problem, ich kaufe dann Gold. Wenn so etwas kommen würde, würde es definitiv eine gigantische Welle hinein in die Edelmetalle auslösen, gegen die die Rally bis 2011 ein laues Lüftchen war.

Stimmt. Denn mit Gold und Silber gibt es eben doch noch ein -> Geld <-, in das man wechseln könnte, ohne sich der permanenten Abwertung auszusetzen.

Theoretisch ja, das wissen aber auch die geldpolitischen Alchemisten in der EZB und ich sage Ihnen schon jetzt was dann kommt: Das Verbot von Gold. Hat es in den US alles schon gegeben, wird auch hier kommen, bevor der Euro zerbirst.

Ha! sagen Sie, ich wechsele dann einfach in eine andere Weltwährung! Auch theoretisch richtig. Aber auch das ist den Alchemisten klar, wenn man so etwas machen will, braucht es Kapitalverkehrskontrollen. Und die werden dann kommen, auch das hat es schon gegeben. Dann können Sie eben nicht mehr so einfach Dollars kaufen, schauen Sie doch in Katastrophen-Staaten wie Venezuela wie so etwas läuft - verboten.

Wir können doch jetzt schon keine US ETFs mehr kaufen, weil man uns vor uns selber "schützen" muss - glauben Sie ja nicht, dass das bei Währungen nicht auch geht, auch wenn die Implikationen bei Firmen sicher höher sind.

Vielleicht denken Sie jetzt ich male hier Schwarz und spinne herum. Nein, das tue ich nicht. Ich erinnere erneut daran, dass Negativzinsen noch vor 10 Jahren ein theoretisches, akademisches Konstrukt waren, an das sich kein seriöser Geldpolitiker real heran getraut hat. Unter dem Druck der Umstände, wurde das Experiment dann gewagt - ohne positiven Effekt, wie wir jetzt sehen.

Ich behaupte ja auch nicht, dass das nun zwingend kommt. Die Chance dass die Vernunft siegt, ist ja immer noch da. Vielleicht tut uns Italien ja auch den Gefallen und lässt den kaputten Euro durch einen Austritt zerplatzen, *bevor* die Alchemisten zu solchen Mitteln greifen werden.

Alles was ich sage ist, dass die Chance dass das so kommt, weit höher und realistischer ist, als wir uns nun vorstellen. Denn es hat eine gewisse Zwangsläufigkeit, wenn man vom Mantra nicht abweichen will, dass der Euro um jeden Preis zusammengehalten werden muss. Und zwangsläufig sind dann eben auch das Verbot von Gold und Kapitalverkehrskontrollen.

Bleibt die Frage ob es einen Ausweg für uns gibt? Ja zwei.

Einerseits aus dem Euroraum auswandern, das ist für die Mehrheit hier aber keine Lösung. Vielleicht reicht es ja auch schon aus, vorher Teile des Kapitals aus dem Euroraum heraus gebracht zu haben, zu sicher wäre ich mir da aber nicht, denn wo wir als Menschen körperlich sind, sind wir auch durch Verbote und Gesetze angreifbar.

Andererseits Aktien als Cash-Ersatz. Nicht Derivate, die dann jetzt durch die "grandiose Spekulationssteuer" auch noch gefördert werden, nein Aktien direkt.

Denn den Kauf von Aktien wird man auch in der Krise nicht unterbinden können und wollen, ohne das ganze Wirtschaftssystem zum Sozialismus umzuformen. Und große cash-starke Unternehmen mit hoher Dividende, wie eine Shell, sind zwar aktuell als Investment nicht besonders attraktiv, weil auf der Kursseite nicht viel zu erwarten ist.

Aber in so einem Environment, sind sie mit ihren 5% Dividende als Geldspeicher hoch attraktiv, statt das Kapital mit 3% pro Jahr oder mehr auf dem Konto entwerten zu lassen. Und der Markt wird das natürlich frühzeitig erkennen.

Heisst konkret, wenn solche Überlegungen lauter und realer werden, werden wir eine gewaltige Rally in solchen liquiden und dividendenstarken Produktiv-Assets erleben, weil das smarte Geld sich frühzeitig dahin auf den Weg macht.

Und zu diesem "smarten Geld" sollten wir dann gehören. Oder?

Auf jeden Fall kann ich Menschen verstehen, die vor solchen Entwicklungen und am Ende einer Währungsreform Angst haben. Da gibt es viele Deutsche und insofern sind die so dumm dann doch nicht.

Dass genau diese Menschen aber *am meisten* Angst vor Aktien, vor Beteiligungen an Produktivkapital haben, die relativ noch am Sichersten sind, während vermeintlich sichere Lebensversicherungen und Einlagen zuverlässig entwertet werden, ist zutiefst irrational.

Gut, dass wir hier klüger sind, wir kennen wenigstens einen der wenigen Notausgänge die verbleiben. So richtig beruhigend ist das alleine aber auch nicht. Beruhigend wäre eine Politik, die die Fehlentwicklungen und Lebenslügen der Eurozone erkennt und angeht - daran glaube ich aber nicht mehr, weil der Preis des Festhaltens und Weitermachens kurzfristig und politisch immer geringer ist, als die grundlegenden und sehr schmerzhaften Umbauten anzugehen.

So ist das nun einmal in Demokratien, die kommen erst dann in Bewegung, wenn es schon brennt - das liegt unvermeidlich im System. Und trotzdem ist Demokratie immer noch die Beste aller schlechten Regierungsformen.

Ihr Hari

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FED und EZB haben fertig!

Oder wäre im Sinne von Trapattonis berühmter Wutrede, vielleicht "Was erlauben Mario?" der bessere Titel gewesen? 😉

Ernsthaft, wenn man es vom medialen Standpunkt der Wiederholung und Neuigkeit betrachtet, ist das "Notenbank-Bashing" ja eigentlich langweilig, weil es wurde fast alles schon so oft gesagt.

Wir leben ja aber nicht nur in einer medialen, virtuellen Welt, sondern auch in einer ganz realen, in der es um unseren Wohlstand, unser Land, unsere Kultur, unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder geht.

Und dafür lohnt es sich zu kämpfen und deshalb müssen wir in dieser realen Welt, so lange penetrant auf etwas herum reiten, bis es sich unter der Last der tausend Nadelstiche und des öffentlichen Drucks, dann doch ändert.

Und deswegen schreibe ich schon wieder zu den Notenbanken, denn die haben mir in den letzten beiden Tagen bewiesen, dass sie "fertig haben" und am Ende ihrer "Alchemie" angekommen sind.

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Makro-Betrachtung: This time is different ?

Die Börse ist ein Auf und Ab, und zwar ein mehr oder minder regelmäßiges Auf und Ab. Daß das so ist, liegt wohl daran, daß der Markt ein sich selber regulierendes System ist. Die zwei zentralen Komponenten dieser Selbststeuerung sind die Konjunktur und der Zins. Es ist schon verblüffend, mit welcher Regelmäßigkeit sich die Marktbewegungen vollziehen. Das liegt aber nicht nur an der berühmten unsichtbaren Hand, sondern an vielerlei Einflüssen, die sich der Vorhersage entziehen und den Markt daher nur schwer prognostizierbar machen. Und es liegt vor allem an den Eigenschaften der Börse als eines dynamischen Systems.

Unter Börsianern ist ein Phasenmodell des Börsenzyklus verbreitet, es sieht wie folgt aus:

This time is different II

Unter Zinsen verstehen wir in diesem Zusammenhang herkömmlicherweise den kurzfristigen Zins, der von der Notenbank gesteuert wird. Sie verändert damit nicht nur die absolute Höhe des Zinses, sondern auch die Differenz zwischen lang- und kurzfristigem Zins. Diese Differenz ist für das Kreditgeschäft der Banken von zentraler Bedeutung. Ist diese Differenz groß, lohnt es sich unter sonst gleichen Umständen, mehr Kredite zu vergeben. Ist sie klein oder gar negativ, werden die Banken knausern, wenn es um neue Kredite geht, was natürlich Einfluß auf die Konjunktur und damit auf die Gewinnerwartungen hat.

Nehmen wir einmal den deutschen Aktienmarkt, widergegeben durch den DAX, und den Leitzins in der Zeit nach der Wiedervereinigung. Dies war bis Ende 1998 der Diskontsatz der deutschen Bundesbank und ab Januar 1999 der Hauptrefinanzierungssatz der EZB. In folgender Grafik sehen wir, wie sich der DAX und der Leitzins jeweils entwickelt haben:

This time is different I

Übersetzen wir das Geschehen seit 1992 in das Phasenmodell, dann kommen wir zu folgender Einteilung:

This time is different III

Wir sind somit noch immer in Phase 1, also der Anfangsphase des Zyklus. Vor einem nachhaltigen Markteinbruch wäre es gemäß dem Modell zufolge erforderlich, daß vorher der Leitzins steigt. Nun rechnet aber kaum jemand damit, daß dies so bald passieren wird, sondern die allgemeine Erwartung ist, daß der Leitzins noch recht lange bei Null Prozent verharren wird. Ein Zustand, der der gut laufenden deutschen Wirtschaft nicht angemessen sein dürfte. Bedeutet das, daß der Aktienmarkt gegen Einbrüche gefeit ist ?

Nicht automatisch. Denn wir sehen zum Einen, daß die Phasen recht schnell durchlaufen werden können. So war man im April 2011 noch in der ersten Phase des Börsenzyklus, aber im Dezember desselben Jahres war er bereits zu Ende. Urheber war die Geldpolitik der EZB; die Zinserhöhung im Frühjahr 2011 erwies sich als schwerer Fehler, der korrigiert werden musste. Bereits im September 2011 musste die Leitzinserhöhung rückgängig gemacht werden.

Zum Anderen können Änderungen in der Geldpolitik währungspolitische Turbulenzen hervorrufen, was 1992 der Fall war, als die Bank of England nicht mehr bereit war, der Hochzinspolitik der Bundesbank unter Schlesinger zu folgen und das Britische Pfund aus dem Europäischen Währungssystem ausschied. Marktturbulenzen waren die Folge. Und es können Marktturbulenzen auch ohne Eingreifen der Notenbanken auftreten, was 1998 geschah, als die russische Regierung den Staatsbankrott erklärte. Die Phasen 2 und 3 können also sehr schnell durchlaufen oder sogar ganz übersprungen werden.

Turbulenzen gab es ja auch infolge der Griechenlandkrise. Eines war tatsächlich anders: Die Leitzinsen waren bereits gesenkt, eine weitere Leitzinssenkung kaum möglich, sondern nur der Übergang zu unkonventionellen Maßnahmen der Geldpolitik, welcher Anfang 2015 verkündet wurde. Das Ausscheiden der "Wackelkandidaten" aus dem Währungssystem wurde anders als bei der Pfundkrise 1992 zudem nicht angestrebt.

Auffällig ist, daß die aktuelle Haussebewegung in keiner Weise mit den Bewegungen der Jahre 1992 bis 1998 oder 2003 bis 2007 vergleichbar ist, wie aus der ersten Grafik sichtbar wird. Selbst bei Ähnlichkeit mit der letzteren hätte der DAX schon längst bei 16.000 Punkten ankommen müssen, und das, obwohl die Geldpolitik nun schon seit ca. 4 ½ Jahren expansiv ist. Man tritt, bildlich gesprochen, nun schon jahrelang aufs Gaspedal, aber wesentlich schneller ist das virtuelle Fahrzeug dadurch nicht geworden. Das deutet daraufhin, daß die Wirksamkeit der Geldpolitik tendenziell abgenommen hat.

Fassen wir als zusammen: Der Börsenzyklus ist noch immer in seiner ersten Phase, die nun aber schon ungewöhnlich lange andauert. Die Geldpolitik der EZB hat ihn hinausgezögert, was wohl mit der abnehmenden Wirksamkeit ebenjener Geldpolitik zu tun hat. Der Börsenzyklus wird dadurch aber nicht außer Kraft gesetzt.

Auch dieses Mal ist nicht alles anders.

EZB Nebeneffekt: Der Euro als Carry Trade Währung

Dass nach einem Panik-Tief wie am Montag, erst einmal wilde Swings auftreten, die dann auch länger andauern, bis sich der Markt beruhigen kann, ist ebenso völlig normal, wie die schwappenden Wellen, die von einem grossen Stein ausgelöst werden, der in einen vorher stillen Teich geworfen wird.

Trotzdem fielen in diesen wilden Swings, besonders die wilden Zuckungen des Euros, insbesondere im EURUSD Verhältnis auf. Anleger mit Euro-Depots, haben das schmerzhaft gemerkt, denn ebenso wie der fallende Euro im ersten Quartal auf dem Papier schnelle Gewinne ermöglichte, verstärkte der steigende Euro im Absturz die Minuszeichen, wenn man US Werte im Depot hatte.

Die klassische Erklärung, die nun wieder von den meisten Kommentatoren reflexartig aus der Westentasche gezogen wird, ist der Hinweis, dass die Euro Stärke das Ergebnis geänderter Zinserwartungen in den USA sei. Auf gut Deutsch, der Markt schreibt die erste Zinserhöhung der FED zunehmend ab und das schwächt den Dollar und stärkt relativ den Euro.

Diese Erklärung ist auch sicher nicht völlig falsch, denn natürlich wirken Zinserwartungen auf die Währungen, zumal ja FED Mitglied Dudley gestern schon selber Zweifel an der ersten Zinserhöhung gesäht hat. Für das Geschehen der letzten Tage, springt diese Standarderklärung aber viel zu kurz.

Denn wenn man nach Ursachen sucht, sollte man die inverse Beziehung zwischen EURUSD und den Indizes, insbesondere dem Leitindex S&P500, auch mal ernsthaft anschauen. Und dann fällt einem auf, was ich im Handel der letzten Tage massiv bemerkt habe:

Fast auf den Punkt genau, gibt es eine nahezu perfekte, inverse Beziehung zwischen S&P500 und EURUSD.

Ich habe diese hier mit Stundenkerzen über die letzten Tage dokumentiert und das Ergebnis ist sehr beeindruckend. Fast perfekt ergeben sich die inversen Wendepunkte und zwar mehrfach im Tagesverlauf:

ES 26.08.15

So eine inverse Parallelität aber, lässt sich mit einer sich generell ändernden Zinserwartung überhaupt nicht erklären, das ist dann als Analyse schlicht viel zu kurz gesprungen.

Für so eine inverse Beziehung gibt es für mich nur eine logische Erklärung: es muss einen direkten Zusammenhang im Handel des grossen Geldes geben. Sprich wir sehen hier nur zwei Seiten der selben Medaille.

Und wenn man das begriffen hat, ist auch schnell klar und völlig logisch, was hier wirklich los sein muss:

Der Euro ist zur massiven Carry Trade Währung für grosse US Investoren geworden.

Ich hatte das schon länger vermutet, aber so wie das hier in den letzten Tagen ausgesehen hat, ist das Ausmass noch weit grösser, als ich mir habe vorstellen können.

Für die Leser, die nicht wissen was ein "Carry Trade" ist: Es bedeutet, dass massive Zinsunterschiede ausgenutzt werden, um Geld in der niedriger verzinsten Währung auf Kredit zu leihen und in der höher verzinsten Währung dann in attraktiveren Anlagen (also auf Kredit) anzulegen und die Zinsdifferenz einzustreichen.

Nun ist es aber so, dass "Dank" unserer Notenbank EZB mit der "Nullzinspolitik", die Zinsen vergleichbarer Anleihen (zb BUNDs vs US T-Bonds) in Europa bei fast Null liegen und damit 1-2% unter den Renditen vergleichbarer US Papiere.

Heisst konkret, die grossen Adressen der Finanzwelt - das US "Big Money" also - verschuldet sich zu fast Nullzinsen in Europa in Euro und kauft damit - gehebelt, weil fremdfinanziert - zum Beispiel US Anleihen und Aktien, die eine höhere Rendite versprechen. Und das lässt dann auch die US Indizes so lange so weit nach oben schieben. Nur wehe, wenn dieser Trade aufgelöst werden muss und das haben wir die letzten Tage hautnah erlebt.

Diese Transaktion, mit der US Anleger sich Euro leihen und dann in Dollar konvertieren um US Anleihen oder Aktien zu kaufen, schwächt logischerweise den Euro, denn der wird im Rahmen der Transaktion ja verkauft. Und stärkt den Dollar, der gekauft wird.

Und so haben wir über Monate erleben dürfen, wie der Euro ins Bodenlose fiel und der Dollar stieg. Dieser Anstieg schaffte dann den Emerging Markets massive Probleme und nun haben wir den Salat.

Umgedreht läuft es aber leider genau so, Märkte sind keine Einbahnstrasse.

Wenn US Investoren nun panisch US Aktien verkaufen wie am Montag, nehmen sie die Dollars, wandeln diese zurück in Euros und lösen damit ihre Kredite ab. Und das treibt EURUSD so massiv wie die letzten Tage in die entgegengesetzte Richtung des Marktes - nach oben.

Ich bin zu 99% sicher, dass dieser Mechnismus wesentlicher Teil der Währungs-Bewegungen ist, die wir sehen und die man oben eindrucksvoll im Chart erkennen kann. Nicht der einzige Faktor natürlich, aber definitiv ein ganz wesentlicher Teil.

Das ist für mich auch ein weiteres Beispiel dafür, welche Kollateralschäden diese gnadenlose Nullzinspolitik der Notenbanken und der EZB im Speziellen auslöst. Denn letztlich wird damit die Spekulation auf billigen Kredit gefördert und nicht die Stabilität des Finanzsystems.

Und wenn wie gestern bei Reuters Meldungen herum gehen, -> nach denen die EZB laut ihrem Chefvolkswirt das Wertpapier-Kaufprogramm falls nötig ausweiten will <-, können sich die "Carry-Trader" schon die Finger reiben. Die Zinsdifferenz bleibt oder wird erhöht, der Carry Trade kann wieder los gehen und was machen die US Märkte heute Abend? Sie steigen - Überraschung. 😉

Und wenn uns als Bürger und Gesellschaft, dann irgendwann die Folgen dieser Geldpolitik um die Ohren fliegen, war es dann natürlich der "Gottseibeiuns" aller links beseelten Ideologen gewesen, "der böse Kapitalismus" nämlich. Der muss dann exorziert werden, damit die Welt wieder "gut und rein" werden kann. 😯 Die geldpolitischen "Planwirtschaftler", die hier wesentlich ihre Finger im Spiel hatten und das mit angerichtet haben, waschen ihre Hände dann natürlich in Unschuld, die wollten ja nur "das Beste" und was will man schon gegen so viel Bemühen sagen? 😉

Für uns erfahrene Anleger heisst das übrigens auch, dass ein Long auf EURUSD wohl ein guter Hedge für den nächsten Einbruch ist. Er gleicht den Effekt der Euro-Stärke in Euro-Depots aus und schwingt gegenläufig synchron gegen weitere Einbrüche an den Märkten.

Ach ist das nicht schön, wie "stabil" das Finanzsystem nun dank all der angestrengten Bemühungen von Politik und Notenbanken wurde? Wir können wirklich stolz sein, wie "viel" wir aus 2008 gelernt haben. Wer hier Sarkasmus findet, kann ihn behalten. 😉

Ein weiteres, für uns wichtiges und unerfreuliches Thema ist übrigens, dass im Einbruch von Montag die ETFs gezeigt haben, dass sie durch ihre Dominanz nun zu einem systemischen Problem geworden sind. Das diskutieren wir aber intensiv in der Community, ich habe das Thema aber auch schon hier im freien Bereich angerissen: -> Momentum Factor ETFs - Ausdruck einer Fehlentwicklung? <-

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 10.05.15 – 16.05.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 10.05.15 - 16.05.15

Freitag 15.05.15 20:15 - Geldpolitik

Eine sehr, sehr interessante Entwicklung und bedeutsame Änderung der Tonlage: -> Draghi warnt vor Folgen der Geldpolitik <-

In vielem finde ich meine Kritik an dem aktuellen Notenbank-Interventionismus wieder. Wenn das tatsächlich die ersten zarten Andeutungen eines sich langfristig wandelnden Konsens in FED und EZB sein sollten - und das erscheint denkbar - hätte das immense Konsequenzen. Und für bisher recht stark aufgeblasene Assetklassen nicht besonders gute.....

Sehr passend und interessant in der Parallelität, ist dieses Interview von jemandem, der jedes Recht hat, sich dazu zu äussern:
-> Zentralbanken agieren wie der Einäugige unter Blinden <-

Ich kann das Interview nur dringend zum Studium empfehlen, sehr wichtig, sehr klug und inhaltsreich. Wer es nicht weiss, die BIZ ist sozusagen die "Zentralbank der Zentralbanken" und seit einiger Zeit latent kritisch zum aktuellen Notenbank-Verhalten.

Und auch bei William White kommt meine Kernkritik durch, dass durch die aktuelle Notenbankpolitik der natürlich Anpassungzyklus im Sinne "Boom and Bust" unterbunden wird und deshalb das System nicht stabiler, sondern fragiler wird. Zu einem gesunden System gehört zwingend, dass man nicht lebensfähige Einheiten auch absterben lässt. Wie in der Natur, macht das Platz für die gesunden, nachkommenden Wirtschaftszweige und Modelle. Diese notwendigen Pleiten werden aktuell unterbunden, das unterbindet aber auch die zwingend notwendige Anpassung und lähmt die Wirtschaftsentwicklung wie Mehltau.

Ich verweise auf meinen Artikel Montag 20.04.15 09:05 - Bilanzrezession, in dem ich genau das erst vor wenigen Wochen thematisiert habe.

Und hier noch ein herrliches Zitat von William White:

Weiterlesen ...

Herbststürme im DAX – Der DAX am Scheideweg

Herbststürme im DAX – Der DAX am Scheideweg

Ein Gastkommentar von Tokay

Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende, bald werden auch die letzten wieder vom Strand oder aus den Bergen zurückkehren, sich hinter ihre Notebooks klemmen und sich fragen, wie es denn so weitergeht an den Börsen. Wer Zeitung gelesen oder sich im Internet etwas um getan hat, ahnt, dass die Rahmenbedingungen turbulent werden könnten: Da ist die ungewisse Lage in Syrien, da ist der ungewisse Ausgang der deutschen Bundestagswahl, da ist die bevorstehende Sitzung der Fed Mitte September, auf der eine Kehrtwendung der amerikanischen Geldpolitik beschlossen werden könnte. Die Eurokrise, das sei „nebenbei“ bemerkt, ist auch noch nicht so restlos ausgestanden. Jedes dieser Ereignisse hat Potential genug, für Nervosität an den Börsen zu sorgen, und die vergangene Woche hat dafür einen Vorgeschmack geliefert. Anlass genug also, sich die Situation einmal näher anzuschauen.

Betrachten wir dazu das folgende Langfrist-Chart. Die Erholung nach der kurzen, aber scharfen Baisse im Spätherbst 2011, markiert durch Linie C, ist nach wie vor intakt. Diese Linie ist am vergangenen Freitag im durch D markierten Bereich touchiert worden und insofern sind wir erneut an einem Scheideweg angelangt. Denn sollten ungünstige Nachrichten aus den Risikobereichen eintreffen, so wäre leicht eine Panikreaktion an den Börsen vorstellbar. Sollten diese jedoch positiv ausfallen, so markierte unser Bereich D wieder einmal nur ein Zwischentief auf dem Weg nach oben und es würde jene belohnt werden, die den Mut zum Einstieg gefunden hätten.

Herbststürme im DAX

Überlegen wir uns einmal kurz, wie die allgemeine Situation ohne diese Risikofaktoren wäre: Eigentlich gar nicht mal so ungünstig. Die amerikanische Wirtschaft erholt sich zäh, aber sie erholt sich. Das deutsche Wirtschaftsklima stellt sich günstig dar, ablesbar am zuletzt veröffentlichten Ifo-Index. Die Inflationsrate ist weiter rückläufig und für eine Erhöhung des Euro-Leitzinses besteht weiterhin kein Anlass. Dies sind also im Grunde sehr gute Rahmenbedingungen. Allenfalls ließe sich sagen, dass der September noch nie ein guter Monat zum Einsteigen gewesen ist.

Eine Eskalation in Syrien würde aber zweifellos zu Verwerfungen an den Weltbörsen führen, also auch und gerade im DAX. Eine unklare Mehrheitssituation im Bundestag bzw. eine prononciert linksorientierte Bundesregierung(Rot-Grün unter Tolerierung der Linkspartei etwa) würde den DAX ebenfalls beeinträchtigen, zumindest kurzfristig. Und sollte die Fed das Ende der monetären Expansion einläuten, dann stünden die Zeichen vollends auf stürmische Zeiten im Herbst.

Doch kann man der Ansicht sein, dass, gerade weil das so ist, sich die Börsen, sich der DAX in den vergangenen Tagen eingetrübt haben. Weil die Sorgen um Syrien, weil die Ungewissheit um den deutschen Wahlausgang, weil ein Ende der monetären Expansion mutmaßlich bevorsteht, sind diese Sachverhalte bereits zu einem guten Teil eingepreist und könnte sich der DAX entlang unserer Linie C – der Linie des Zweifels sozusagen – nach oben hangeln. Es spricht aus heutiger Sicht also nichts dagegen, dass wir im Laufe von 2014, wenn nicht schon vorher, im DAX bei 9000 Punkten ankommen werden. Der DAX sollte sich damit weiterhin entlang seines langfristigen Wachstumspfades bewegen – wenn auch eher im oberen Bereich. Die Möglichkeit, aufgrund einer stürmischen Großwetterlage ein vorübergehendes, jedoch markantes Zwischentief zu erleben, muss dabei stets in Betracht gezogen werden.

Tokay

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Was das KGV aussagt – und was nicht

Was das KGV aussagt – und was nicht

Ein Gastkommentar von Tokay

Der DAX ist in den vergangenen Tagen beträchtlich gestiegen und eine Ende erscheint nicht in Sicht. Wohin wird der DAX gehen? Die einen sagen, aufgrund der monetären Expansion der EZB sei das Kursniveau überhöht und eine Korrektur unausweichlich. Die anderen meinen, der DAX habe doch eben erst alle historischen Marken gebrochen und einem Kursanstieg in zuvor unerreichte Höhen stünde damit nichts mehr im Wege. Wieder andere sind der Ansicht, dass der DAX auf seinem jetzigen Niveau ein realistisches Abbild der wirtschaftlichen Lage der großen deutschen Unternehmen sei.

Sehr häufig findet man die Ansicht, daß das KGV der großen deutschen Unternehmen auf einem historisch günstigen Niveau sei. Das Argument, der DAX sei mit einem KGV von aktuell 11,4 gegenüber einem langfristig gültigen Niveau von 15 bis 16 unterbewertet, lege den Schluß nahe, daß sich das DAX-KGV diesem langfristigen Niveau annähern müsse (mean reversion).

Im Monatsbericht der Bundesbank für den Mai 2013 beschäftigen sich die Autoren mit der Frage, inwieweit die gestiegenen Notierungen in den Fundamentaldaten verankert sind. Untersucht wird der langfristige Zusammenhang zwischen Kursen und Dividenden anhand der Dividendenbarwertmethode(Dividend Discount Model). Sie schreiben:

„Laut dem Dividendenbarwert-Modell entspricht der Kurs einer Aktie (P) dem Barwert aller zukünftig erwarteten Dividenden (D), die mit den Eigenkapitalkosten (EKK) abgezinst werden. Unter der Annahme konstanter Eigenkapitalkosten und einer konstanten Dividendenwachstumsrate (g) gilt für den Aktienkurs :
P=(D*(1+g))/((EKK-g))

Kurzfristig schwanken Aktienkurse erfahrungsgemäß zwar stärker als die von den Unternehmen meist möglichst verstetigten Dividendenzahlungen; langfristig legt die Formel aber ein identisches Wachstum beider Größen nahe. “

Dehnt man diese Überlegung auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bzw. (P/E) aus, dann ergibt sich das KGV quasi als Ausschüttungsquote (D/E), welche mit den Eigenkapitalkosten und unter Annahme einer konstanten Dividendenwachstumsrate abgezinst wird:
P/E=(D/E*(1+g))/((EKK-g))

Das hört sich zunächst reichlich abstrakt an. Was besagt dies?

  • Der Zusammenhang zwischen Fundamentaldaten und Kursen ist langfristig gültig. Daher kann auf lange Sicht nicht mehr an die Aktionäre ausgeschüttet werden, als an Gewinn erwirtschaftet wird. Die Ausschüttungsquote ist daher konstant und nicht der bestimmende Faktor des KGV;
  • Die Eigenkapitalkosten messen die Renditeerwartung an den DAX. Steigt diese Renditeerwartung, dann sinkt das KGV. Dann wären die Anleger nur bei einem tiefen KGV bereit, in den DAX einzusteigen. Sinkt die Renditeerwartung hingegen, dann akzeptieren die Anleger auch ein höheres KGV;
  • Erwarten die Anleger ein hohes Dividendenwachstum, dann billigen sie dem DAX ein hohes KGV zu – das künftige Dividendenwachstum bewirkt dann heute schon eine deutliche Wertsteigerung. Erwarten sie überhaupt kein Wachstum, muß das KGV sinken, damit die Anleger den DAX für kaufenswert erachten;

Es zeigt sich also, daß das KGV für sich genommen nur wenig darüber aussagt, ob der DAX gerade billig oder teuer ist. Das KGV sagt lediglich aus, welche Erwartungen über die erwartete Kapitalrendite bzw. über das Dividendenwachstum gerade vorherrschen.

Ein ganz wesentlicher Punkt dabei ist, daß die Eigenkapitalkosten nicht beobachtbar sind. Sie ergeben sich im Prinzip aus einem risikolosen Zins plus einer Risikoprämie.Diese Prämie wird dafür bezahlt, daß der Anleger daß Risiko trägt, etwa aufgrund einer Rezession weniger oder gar keine Dividende ausbezahlt zu bekommen.

Diese Überlegung darf nicht unterschätzt werden. Mit der Verschärfung der Eurokrise stieg die allgemeine Erwartung einer Rezession und es wurden folglich höhere Risikoprämien gefordert, was sich in z.T. sehr deutlichen Abschlägen gegenüber den bis dahin geltenen Kursen bemerkbar machte. Mit der Ankündigung einer deutlich expansiveren Politik steuerte die EZB dieser Erwartung entgegen. Zwischen den Bestimmungsfaktoren des KGV bestehen Wechselbeziehungen. Denn wenn die Risikoprämie sich auf hohem Niveau befindet, dann müssten die Unternehmen einen beträchtlichen Gewinnanstieg erzielen, um das erhöhte Anlagerisiko zu kompensieren. Wenn die Anleger aber zu dem Ergebnis kommen, dass ein solches Wachstum nicht zu erzielen ist, werden Gelder vom Aktienmarkt abgezogen und das Wirtschaftsklima insgesamt beeinträchtigt werden. Das erhöhte Risiko würde dann langfristig zu sinkendem Gewinn- und damit Dividendenwachstum führen. Dies dürfte bei der Geldpolitik der EZB eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Die Überlegung zeigt, daß tiefe KGV's nicht schon per se eine Voraussetzung für steigende Kurse sind. Die jüngere Entwicklung zeigt vielmehr, daß die Aktienkurse trotz niedrigem KGV auf einem tiefen Niveau verharren können; auch ein ausbleibendes Gewinnwachstum kann zu einer „Normalisierung“ des KGV führen, freilich auf dann reduziertem Niveau. Daraus ergibt sich, daß ein tiefes KGV kein stichhaltiges Argument für eine Investition in den DAX ist. Ein tiefes DAX-KGV besagt lediglich, daß die Anleger vom DAX im Moment nicht viel erwarten. Ob jedoch vom DAX in Zukunft mehr zu erwarten sein wird, das kann, so wie die Dinge liegen, niemand seriös prognostizieren.

Tokay

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DAX-Ausblick auf 2014: Anstieg auf 10000 ?

DAX-Ausblick auf 2014: Anstieg auf 10000 ?
Ein Gastkommentar von Tokay

Vorhersagen sind schwierig, besonders solche, die die Zukunft betreffen, sagte einst Karl Valentin. Und auch im Forum von „Mr-Market“ haben wir kürzlich darüber diskutiert, ob Börsenprognosen Unsinn sind oder nicht. Es ist klar, dass es aufgrund der Komplexität der Märkte nicht möglich ist, diese seriös zu prognostizieren. Es ist aber mithilfe der technischen Analyse möglich, zu veranschaulichen, welche Kräfte auf den Markt einwirken, wie diese zusammenwirken, und man kann daraus seine Schlussfolgerungen ziehen.

Analysieren wir einmal anhand der folgenden DAX-Grafik, welche Kraftwirkungen es in der zurückliegenden Zeit gegeben hat:

DAX Projektion bis Herbst 2014

  • Wir befinden uns seit dem Frühjahr 2009 in einem Aufwärtstrend, der durch zwei äußere Linien markiert wird. Linie A markiert die obere Begrenzungslinie dieses Aufwärtstrends, Linie C die untere Begrenzungslinie dieses Trends. Sämtliche Bewegungen des DAX, die seither stattgefunden haben, ereigneten sich im Bereich zwischen diesen beiden Linien.
  • Seriöse Analytiker messen den „inneren Trend“ eines Marktes, indem sie möglichst viele Hoch- und Tiefpunkte miteinander verbinden. Mithilfe einer exponentiellen Regression ist es ebenfalls möglich, eine ähnliche Gerade zu konstruieren, welche die Abstände zwischen den Punkten des Beobachtungszeitraums minimiert(Methode der kleinsten Quadrate). Die Linie B bezeichnet die Linie des Exponentialtrends.
  • Aufgrund der Eurokrise sowie der Probleme mit der US-Staatsverschuldung schalteten die Märkte im Sommer 2011 in den Risk-on Modus. Das hatte starke Kurseinbrüche zur Folge. Dieser Modus wurde im Herbst 2011 wieder verlassen, und ein guter Teil der seitherigen Aufwärtsbewegung ist sicherlich als Aufholbewegung gegenüber den krisenbedingten Verlusten jenes Sommers zu interpretieren. Diese Aufholbewegung wurde entscheidend begünstigt durch die Geldpolitik der europäischen Zentralbank. Linie D kennzeichnet die untere Begrenzungslinie dieser dynamische Aufwärtsentwicklung.
  • Und schließlich gibt es noch die Linie E. Sie bezeichnet den Korrekturmodus, in den die Märkte verfallen, sobald die Zeichen auf „Risk on“ stehen. Dies kommt immer wieder vor, ist in letzter Zeit von kurzer Dauer.

Diese Kräfte dürften auch in der unmittelbaren Zukunft ihre Wirkung entfalten. Der Schnittpunkt der langfristigen Trendlinie A und der mittelfristigen Trendlinie D werden sich im Frühsommer dieses Jahres schneiden, und zwar in der Nähe von ca. 8.050 Punkten(Kreis mit Punkt a). Dementsprechend ist es gut vorstellbar, dass dieser Punkt a die obere Begrenzung der kurzfristigen Aufwärtsentwicklung darstellt, der DAX unter mehr oder weniger heftigem Rumoren weiter mäandert und ein Wechselspiel zwischen Aufwärts- und Abwärtsphasen nach bisherigem Muster stattfindet.

Aber wohin? Hier ist nun die Exponentialtrendgerade zu berücksichtigen, welche die langfristige Trenddynamik kennzeichnet. Zu beachten ist außerdem, dass Linie D weitaus dynamischer verläuft als die Exponentialgerade und diese wiederum sich dynamischer entwickelt als die äußeren Trendbegrenzungslinien. Selbstverständlich ist es möglich, dass die Kurse von diesem Pfad mehr oder weniger deutlich abweichen werden. Es ist jedoch durchaus wahrscheinlich, dass sie sich längerfristig gesehen auf die genannten Zielwerte hinbewegen.

Die Linie des Exponentialtrends wirkt zusammen mit der oberen Begrenzungslinie A der 2009er Hausse. Beide schneiden sich im Herbst 2014. bei etwa 8.500 DAX-Punkten bei dem eingezeichneten Kreis mit Punkt b. Dies ist die Zone, die der DAX wohl längerfristig ansteuern wird. Es fällt dann die Entscheidung darüber, ob es zu einer dynamischen Fortsetzung der Hausse kommt, der Markt in eine matte Seitwärtsbewegung übergeht, oder die Hausse gar ganz beendet ist.

Von einem DAX mit 10.000 kann daher in näherer Zukunft nicht die Rede sein. Es ist aber sehr gut möglich, dass nach Überwindung der Zielmarken eine solche Bewegung ins Haus steht. Bis dahin wird man aber voraussichtlich noch etwas Geduld haben müssen.

Tokay

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DAX Betrachtung – Doch eine Sommerrallye ?

Ein Gastartikel von Tokay

Dax Betrachtung - Doch eine Sommerrallye ?

Die Eurokrise, die Schuldenkrise und die Bankenkrise dauern an, und so könnte man meinen, dass sich die Märkte in einem Zustand hochgradiger Nervosität befinden. Das tun sie auch. Dennoch kristallisieren sich unübersehbar einige Grundtendenzen heraus:

Die seit März 2012 bestehende Abwärtsbewegung ABD wurde Ende Juni durchbrochen. Dieser Durchbruch fiel zusammen mit dem Bekanntwerden der Brüsseler Gipfelergebnisse, welche von den Märkten „gefeiert“ wurden.

Seither hat sich eine kurzfristige Aufwärtstrendlinie CD entwickelt. Die obere Begrenzungslinie BEF wurde zudem heute Abend überzeugend nach oben durchbrochen.

In Summe sieht dies nach einer positiven Entwicklung aus, die sich zu einer Sommerrallye entwickeln könnte. Dieses Szenario würde nur dann entkräftet, wenn der Bereich 6.350 bis 6.400 Punkte deutlich unterschritten würde bzw. die Kurse unterhalb der Fortsetzung der Linie CD zum Liegen kämen. Es spricht für eine positive Grundstimmung, daß sich die Kurse dieser Linie noch nicht wieder angenähert haben. Offenbar wurde die Großwetterlage(Geldpolitik der EZB plus US-Konjunktur) allgemein überwiegend positiv eingeschätzt.

Gestützt wird diese Erwartung außerdem durch eine langfristige Beobachtung:

Wir sehen hier, dass seit dem Beginn der Erholung 2009 sich ein Aufwärtstrend entwickelt hat, der durch die Strecke ABCDE charakterisiert ist. Wir befinden uns momentan noch unterhalb dieser Linie. Es besteht eine gute Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse sich in den kommenden Wochen diesem Entwicklungspfad annähern, wenn nicht ihn sogar übertreffen werden.

Tokay

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