Gold und Goldminen – zwischen Mythen, Crash, Eurokrise und Propaganda

In dem ganzen Meer der für Gold optimistischen Stimmen, habe ich in den letzten Monaten immer wieder einen pragmatischen Realismus angemahnt, der viel besser erlaubt, mit der Situation umzugehen, als wenn man sich den Kopf mit all den Geschichten füllen lässt, was Gold nun machen "müsste". Denn der Markt im allgemeinen und Gold im speziellen "muss" gar nichts.

Ich erinnere insbesondere an meinen Artikel aus dem März -> Das Schweigen im Walde - Gold und Goldminen weiter im Bärenmarkt <-

Aber auch die Artikel -> Auf Kompression folgt Expansion <- oder später -> der keineswegs so überraschende Short-Squeeze bei Gold und Goldminen <- gaben jeweils einen in den Wochen danach zutreffenden, realistischen Blick auf das Geschehen der Gegenwart.

Besonders auffällig ist für mich im Moment, dass die Edelmetall-Industrie ihre werblichen Anstrengungen steigert. Ja, die Edelmetall-Industrie - die gibt es. Denn gerade auch hier in Deutschland, ist bedingt durch den langen Bullenmarkt und das steigende Interesse von Privatanlegern an finanzieller Absicherung, eine ganze Industrie entstanden, die an den Edelmetallen verdient. Und dazu gehören Händler der Metalle ebenso, wie diverse Börsenbriefe, die die immer gleiche, grosse Erzählung von dem bald bevorstehenden Kollaps des Währungssystem unter die Leser bringen, natürlich verbunden mit dem dringenden Hinweis Edelmetalle zu kaufen.

Jetzt ist dieser Hinweis ja gar nicht mal falsch, auch ich bin der Meinung, dass zu einer guten Vermögensdiversifizierung ein gewisser Anteil physischer Edelmetalle gehört. Aber eben physisch und direkt zugreifbar, sozusagen "im Garten vergraben". 😉 Und für diese Art von "Notgeld" oder "Krisenwährung" ist es völlig egal, ob Gold nun aktuell bei 1000 oder 2000 USD notiert.

Was aber aktuell an werblichen Anstrengungen passiert, hat für mich einen anderen Charakter. Da schicken mir Goldhändler im Wochentakt und nun manchmal auch zweimal die Woche, per Mail "Hinweise" auf Artikel und "Analysen", die sich mit dem Goldpreis befassen, über Manipulation spekulieren, aktuell "die Wende" beim Goldpreis bejubeln und ansonsten wieder wie eine Schallplatte mit Sprung, vom kommenden Crash fabulieren. Dem Crash, von dem sie schon vor 3 Jahren und jedes Quartal wieder fabuliert haben - irgendwann werden sie dann bestimmt auch mal Recht haben. 😉

Diese Hinweise sind für mich ja nicht verwunderlich, denn zwischen denen die Edelmetalle verkaufen wollen und denen, die Leser und Aufmerksamkeit für ihre Crash-Geschichten suchen, bestehen ja nach meiner Wahrnehmung gleichgerichtete Interessen. Was dem einen gut tut, tut auch dem anderen gut.

Auffällig ist für mich aber dabei, dass nach meinem Erleben aktuell die Frequenz dieser werblichen Ansprache steigt, zum Höhepunkt des Edelmetall-Booms 2011 war das wohl nicht nötig. Woraus ich persönlich schliesse, dass die Industrie möglicherweise Absatzprobleme bekommt und für den deutschen Markt nun überdimensioniert sein könnte. Denn jeder Deutsche, der sich mit "Edelmetall unter dem Kopfkissen" absichern will, dürfte das nach meiner Einschätzung mittlerweile gemacht haben. Und wo alle schon haben was sie brauchen, fallen die Käufer aus. Die Logik der grossen Erzählung vom zusammen brechenden Währungssystem, dürfte doch mittlerweile selbst die sogenannten "bildungsfernen Schichten" erreicht haben. Eine Neuigkeit oder ein Geheimtipp, ist diese Geschichte auf jeden Fall nicht mehr.

Wenn Sie jetzt denken, ich mache mich hier über die Geschichten von der kommenden Währungsreform lustig, liegen sie völlig falsch. Ich denke auch, dass das grosse Experiment, das die Notenbanken gerade am Herzen des Weltfinanzsystems veranstalten, so nicht dauerhaft tragfähig ist und zumindest eine relevantes Risiko besteht, dass das nicht gut endet. Und das deshalb ein Anteil an Edelmetallen als Diversifizierung in jedes grössere Vermögen gehört. Insofern bin ich da ganz auf Linie und keineswegs Gegner dieser Denkstrukturen.

Nein, der Punkt ist ein ganz anderer. Er dreht sich um diese Fixierung auf den Goldpreis, all das Manipulationsgerede und das mediale Hochbeten des Preises. Denn die, die Gold als Absicherung des Vermögens wie oben betrachten, muss das alles nicht interessieren. Wenn dieser Moment der Währungskrise kommt, ist sowieso alles anders und völlig egal ob Gold vorher noch bei 1000 USD war.

Die aber, für die der aktuelle - an der Comex aufgerufene - Goldpreis wichtig ist, wollen damit offensichtlich Handelsgewinne machen. Sprich billig kaufen und teuer verkaufen. Auch das ist legitim und das nennt man "Trading". Wenn man das aber tut, sollte man auch die richtigen Techniken einsetzen, um in diesem Umfeld erfolgreich zu sein.

Dann ist es nämlich völlig egal, ob ein Preis an der Comex langfristig "manipuliert" ist oder nicht. Alles was zählt, ist der Preis der heute aufgerufen wird und der morgen kommt. Und um diese Bewegungen zu antizipieren, muss man die Techniken der Markttechnik einsetzen.

Völlig verfehlt ist es aber, kurzfristige Handlungen ob man heute kauft, von diesen herzwärmenden Geschichten abhängig zu machen, die erklären warum man langfristig Gold braucht. Denn das eine, hat mit dem anderen nichts zu tun. Oder in anderen Worten, sie müssen sich schon entscheiden, ob Sie heute Trader sein wollen oder eine langfristige Vermögensdiversifizierung suchen. Und wenn Sie Trader sein wollen und Handelsgewinne suchen, dann sind diese netten Geschichten rund um Manipulation nur klebrige Masse, die die wirklich wichtigen Gedanken um das Marktgeschehen im Hirn zukleistert.

Ich will das mal konkret machen. Denn schaut man sich die aktuelle Entwicklung im Goldpreis an, dann wird eher das bestätigt, was meine oben genannten Artikel auch schon thematisieren: grosse Stärke ist nicht sichtbar. Im Gegenteil, das aktuelle Verhalten des Goldpreises ist eher ein Zeichen von Schwäche. Denn im Lichte der aktuellen geopolitischen Risiken, müsste da viel mehr gehen. Und erneut, als jemand der Handelsgewinne mit Gold oder Goldminen mitnehmen will, ist es völlig irrelevant, ob dieser Goldpreis nun das Ergebnis echten Angebots und Nachfrage oder das Ergebnis einer Manipulation von FED, Goldman Sachs, JP Morgan und des Gottseibeiuns ist. Es ist völlig egal, denn nur der Preis den Sie zahlen oder bekommen zählt!

Und nehmen wir doch mal theoretisch an, es gäbe diese konzertierte Manipulation, an der Staaten, Notenbanken und Grossbanken mitwirken. Was verleitet jemanden dann zu der völlig naiven Vorstellung, dass dieses Kartell dann in Kürze aufbrechen würde? Im Gegenteil, wenn das Kartell Realität wäre, könnte es auch noch Jahre und vielleicht Jahrzehnte weiter machen. Der Punkt ist, diese Überlegungen sind keine! Grundlage für Handelsentscheidungen. Vergessen Sie die Themen also, vielleicht sind sie wahr. Es hilft Ihrer Entscheidung aber nichts!

Ganz konkret schaue ich mit Ihnen nun mal auf ein ganz langfristiges Chart von Gold bis 2002 zurück. Und nun machen wir mal ein Gedankenexperiment. Erstens, ich nehme mal an, dass die Sorgen um das Währungssystem berechtigt sind und wir in den nächsten Jahren stark steigende Goldpreise haben werden. Zweitens basiere ich die kurzfristige Projektion aber auf dem, was die Markttechnik der Gegenwart sagt. Und die ist für mich nicht übermässig bullisch für Gold, sondern erzeugt das Bild eines zulaufenden Dreiecks, das mit höherer Wahrscheinlichkeit nach unten Richtung 1000 USD aufgelöst wird, als direkt nach oben.

Die Markttechnik hat als Alternativszenario auch eine potentielle inverse Schulter-Kopf-Schulter Formation, die falls getriggert, dann bullisch wäre. Aber noch ist sie nicht getriggert und das zulaufende Dreieck ist eben auch da. Ebenso wie die relative Schwäche im Licht der geopolitischen Krisen und für die Bullen sehr zweifelhafte Daten im COT-Report. Beides ist ohne Frage möglich, die Richtung ist prinzipiell offen, die Signale der Markttechnik machen aber nach meinem Eindruck eine Auflösung nach unten etwas wahrscheinlicher.

Nehmen wir also diese Parameter in einem Zukunftsszenario mal einfach theoretisch an, dann bekommen wir das folgende, völlig logische und mit Markttechnik konsistente Chart:

Gold 2002 24.07.14

Der Punkt ist, in dem Bild fällt Gold noch bis 1000 USD, bevor es dann in eine Währungskrise hinein steigt. Und erneut, das Bild ist nur ein Szenario unter vielen, aber eines das im Einklang mit der aktuellen Markttechnik steht und auch keinen Widerspruch zu den ganzen Geschichten um Währungsreform und Co. hat. Ein anderes Szenario ähnlicher Art hatte ich im "Das Schweigen im Walde"-Artikel - da war es eine längere, frustrierende Seitwärtsbewegung, bevor es hoch geht.

Und nun frage ich Sie, der Sie heute fest daran glauben, dass der Goldpreis nun direkt steigt: was werden Sie machen, wenn Gold sich 1000 USD nähern sollte und die Presse voll ist mit den Berichten vom "Ende der Gold Hausse" und auch die ersten Goldhändler schliessen bzw verkleinern müssen ?

Ich hoffe Sie sehen meinen Punkt. Entscheiden Sie sich. Wenn Sie Gold als Krisengeld sehen und deswegen halten, muss Sie der aktuelle Goldpreis an der Comex nicht interessieren. Wenn Sie aber aktuell auf Gold oder Goldminen wetten wollen, dann beschäftigen Sie sich besser mit Markttechnik.

Was Ihnen aber auf keinen Fall hilft, ist heute eine Wette auf steigende Preise einzugehen, weil wieder jemand die schöne Geschichte vom Zusammenbruch des Euros erzählt. Denn selbst wenn das passieren sollte, kann Gold trotzdem noch vorher unter 1000 USD fallen. Und dann verkaufen Sie wahrscheinlich entnervt Ihre Goldminen, denn dann ist die Presse mit Pleitegeschichten voll. Und bei der Fähigkeit des Marktes, den maximalen Schmerz bei allen Akteuren hervor zu rufen, ist das keineswegs weniger wahrscheinlich, als das Gold nun sofort weiter steigt!

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 25.08.13 – 31.08.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 25.08.13 - 31.08.13

Samstag - 31.08.13 09:05 - Gold, Goldman Sachs und wir: die Muppets

Sie erinnern sich doch sicher an diesen Tag im zweiten Quartal, als Gold durch 1500 USD nach unten weg brach und sich damit die massive Korrektur in Gang setzte ?

Sie erinnern sich auch, dass Goldman Sachs kurz davor eine vielfach beachtete "Sell-Empfehlung" in den Markt gab, die ich damals hier schon spöttisch kommentiert hatte ?

Sie erinnern sich auch, dass direkt nach dieser Sell-Empfehlung an der COMEX Verkaufsorders in gigantischem Volumen in den Markt kamen, einem Volumen dass überhaupt keinen Sinn machte, weil jemand der wirklich einen guten Preis erzielen wollte, hätte das gestückelt. So - in einem Stück - konnte das nur zum Einbruch des Marktes führen, zumal direkt unter 1500 Unmengen an Stops lauerten. Auch das habe ich damals kommentiert.

Nun lesen Sie hier. Und ja, manchmal kommt man sich im realen Leben wie in einem B-Movie vor:

-> Die Muppets sind wir < -

Damit kann man heute als fast gesichert festhalten, was ich damals schon hier vermutet und diskutiert habe:

Der Einsturz bei Gold war "engineered" und zwar von grossen Spielern, die den sowieso an der Klippe befindlichen Markt bewusst zum Einsturz gebracht haben, um sich in das dann ansteigende Volumen hinein massiv einzudecken. Diese Spieler haben erstens Ihre Bestände nun massiv verbilligt, weil teurer verkauft und billiger unten wieder von denen eingesammelt, die in Panik aus dem Markt sprangen. Und haben zweitens wahrscheinlich für ein paar Tage auf der Short-Seite massiv Gewinn gemacht.

Ich habe ja schon oft gesagt, dass Spielfeld des Marktes ist weder eben noch fair. Wir kleinen harmlosen Goldfische versuchen uns in Gewässern etwas Seetang zu erhaschen, in denen auch grosse Haie schwimmen. Und das beste was wir Goldfische tun können, um in Ruhe an unserem Seetang zu knabbern, ist genau zu verfolgen, was die Hai - auch "Big Money" genannt - so machen.

War das also Manipulation ? Jein, der Begriff ist schief, Manipulation wäre für mich, wenn eine staatliche Institution wie die Notenbanken den Kurs bewusst in eine Richtung drückt und zwar aus Erwägungen, die nicht direkt mit dem Markt zu tun haben. Dafür habe ich aber keine Indikationen und ich finde diese Thesen auch sehr unwahrscheinlich bis unlogisch.

Was wir hier erlebt haben, war eher einfach "der Markt" und ein grosser Walfisch kann, wenn er will, halt so hohe Wellen schlagen, dass er damit einen Teil des Meeres zeitweise in Turbulenzen bringt. Ist das moralisch in Ordnung ? Mit Sicherheit nicht und es ist der wahre Skandal, dass sich die Aufsichtsbehörden, insbesondere in Deutschland, um allerlei sinnlose bürokratische Formulare für den Kleinanleger bemühen, hier aber völlig blind sind. Denn in meinen Augen ist so etwas strafbares Handeln und eine besondere Form von Insidergeschäften - sozusagen mit sich selber.

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Hari Live: Märkte im Sommer, Diamond Top im S&P500, Linde

Wenn man, wie ich hier auf Mr-Market.de, mit einem geschlossenen Premium-Bereich beginnt, hat man immer das gleiche Dilemma. Die die drin sind, sehen was da so passiert und geniessen (hoffentlich) glücklich den Inhalt.

Denen die draussen sind, ist aber nicht so richtig klar was sie erwartet. Und um über die Kluft zwischen diesen beiden Zuständen eine Brücke zu spannen, muss man immer mal wieder einen Einblick gewähren.

Jetzt kann man natürlich alte Archive dafür benutzen, nur die Realität zeigt, die liest niemand mehr ernsthaft. Es gibt halt nichts Älteres als alte Zeitungen. 😉

Deshalb will ich heute mal einen anderen Weg gehen. Ich nehme vier Informationsschnipsel aus "Hari Live" aus den letzten Tagen heraus, die immer noch aktuell sind und deshalb für Sie interessant zu lesen sein dürften. Und ich stelle diese den freien Mitglieder mit 1-3 Tagen Verspätung hier im Artikel zur Verfügung. Das sollte einen Eindruck vermitteln, was sie in Hari Live erwartet. Typischerweise stelle ich am Tag so 5-15 Informationsschnipsel in Hari Live ein, manchmal nur einen Link oder Zweizeiler, manchmal einen Text, der eines eigenen Artikels würdig wäre.

Wissen sollten Sie auch, dass das Konzept von "Hari Live" auf dem Gedanken der täglichen gedanklichen Mitarbeit beruht. Der gewünschte Effekt - den Lesern eine professionelle Sicht auf die Märkte zu vermitteln - entsteht nicht durch einen einzigen "geheimnisvollen" Artikel, sondern in dem Sie jeden Tag diszipliniert den Gedankengängen und Infoschnipseln folgen, die ich dort zur Verfügung stelle. Oft sind auch einfach mal Links von anderen Seiten dabei, die ich zur aktuellen Lage wichtig finde. Und oft referiere ich in späteren Kommentaren auch darauf. Es ist also wichtig den Inhalten zu folgen.

Hari Live macht also für aktive Anleger Sinn, die aus den börslichen Kinderschuhen heraus wachsen, lernen wollen wie der schizoide Mr. Market wirklich tickt und bereit sind, die Märkte täglich zu verfolgen.

In diesem Sinne folgen nun die vier Informationsschnipsel zu den Themen "Märkte im Sommer", einer Topformation im S&P500, dem Abverkauf der Momentum Aktien und Linde, jeweils mit Datum und Uhrzeit des Erscheinens:

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Chart ohne Worte – Gold (XAUUSD) zwischen 16:16 Uhr und 17:20 Uhr

Heute ein kurzes Chart ohne Worte. Gold (XAUUSD) zwischen 16:16 Uhr und 17:20 Uhr im Minutenchart.

Beachten Sie auch, dass die Kommunikation von Medien, Analysten und grossen Banken wie Goldman Sachs zum Thema Gold nun durchweg skeptisch und negativ geworden ist.

Viel Spass beim Betrachten: 🙂

Gold 26.02.13

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Marktupdate – 06.08.12 – Ist etwas Grosses auf dem Wege ?

15:00 Uhr

Heute ein kurzes Update vor Eröffnung der Wallstreet. Ich tue mich im Moment schwer hier viel Neues zu schreiben, weil es keine neuen Entwicklungen gibt.

Vor uns liegt eine von den Nachrichten und Terminen her relativ ruhige Woche. Die Rally läuft mit Macht, auch heute sehen wir wieder Stärke, von Korrektur ist selbst nach dem beeindruckenden Wochenausklang keine Spur. Wer die aussergewöhnliche Stärke nun immer noch nicht wahrhaben will, leidet unter einer Wahrnehmungsstörung.

Ich wiederhole wie hier schon letzte Woche gesagt, für mich hat diese Rally Substanz, das sind nicht mehr die kurzen Rallys des 2. Quartals, die dann sofort wieder abverkauft wurden. Hier fliesst echtes Geld mit "Conviction" in den Markt und auf die unterinvestierte Mehrheit entsteht Performance-Druck. So sieht das Verhalten eines Bullenmarktes aus, ein Verhalten das wir im ganzen 2. Quartal nicht hatten.

Auch Jim O’Neill, Chairman von Goldman Sachs giesst Öl in dieses Feuer, wie Sie -> hier <- nachlesen können und ich muss gestehen, auch mir drängt sich der Eindruck eines "Game Changers" auf, der im Raum steht. Wie Sie wissen, habe ich diese Einschätzung einer konzertierten Aktion schon vor Tagen in den Tips vertreten.

Ich unterschätze aus Erfahrung auch keineswegs die Fähigkeit von Mr. Market, solche Entwicklungen und grundlegende Trendwenden frühzeitig zu riechen und wie Mr. Market denkt, zeigt er uns gerade mit Macht. Vor diesem Hintergrund ist es gefährlich, seinen eigenen Überzeugungen und Einschätzungen nachzuhängen. Profitabler ist es in der Regel, einfach dem Markt auf seinem Weg nach oben zu folgen und die Absicherung brav mitzuziehen.

In diesem Zusammenhang passt es auch ins Bild, das zur Eurokrise plötzlich immer mehr Berichte auftauen, die von ersten Erfolgen der Spar- und Reformpolitik berichten, so zb -> hier <- oder -> hier <-. Auch das ist ganz typisch für solche Situationen, an denen sich am Horizont eine andere Wahrnehmung der Wirklichkeit zeigt.

Damit es keine Missverständnisse gibt, ich rufe hier nicht das Ende der Krise aus, ich glaube vielmehr, wir werden noch einige Eskalationen erleben, an deren Ende ein anderes Europa und ein anderer Euro steht, wenn es denn überhaupt noch der Euro ist. Ich rede hier nur über die nächsten Wochen, konkret den Monat August. Und da bleibt mein tendentieller Eindruck, dass der Markt noch mehr Luft nach oben hat, als die meisten im Moment ahnen. Klar ist aber auch, dass der Höhepunkt der aktuellen Bewegung, wann immer er kommt, wahrscheinlich eine hervorragende Short-Gelegenheit sein wird. Denn vorbei ist die Krise mit Sicherheit nicht !

Konkret kann es gut sein, dass der Markt nun erst einmal die runden Marken 1400 im S&P500 und 7000 im DAX sehen will, bevor die nächste ernst zu nehmende Runde der Gewinnmitnahmen einsetzt. Zumindest im S&P500 könnte die 1400 schon heute Realität werden. Nach der dann anstehenden Korrektur besteht aber durchaus die Chance für neue Jahreshöchststände.

Denn die Kombination von massiver Hoffnung in die Notenbanken, verbunden mit der Ruhe des Sommers und einem verbreiteten negativen Sentiment, das von Markt nichts erwartet, hat das Potential uns höher zu treiben, als in Anbetracht der realen Lage in der westlichen Welt wohl gerechtfertigt ist. Denken Sie daran, Börsen übertreiben in beide Richtungen und nicht nur nach unten !

Übrigens, noch ein für Sie vielleicht überraschender Hinweis. Ich bin der Meinung dass viele konservative Aktien im Bereich Nahrung/Konsum nun zu weit gelaufen sind. Gemeint sind Titel wie Nestle, Kraft Foods, Johnson & Johnson etc. Das sind hervorragende Aktien, die man dauerhaft halten kann, keine Frage. Aber das schnelle Geld ist damit nun gemacht und die Risikoprämie aus der Eurokrise vereinnahmt. Ich würde in dem Segment nun nicht mehr von grossen Zugewinnen in der überschaubaren Zukunft ausgehen. Übrigens habe ich gerade heute gesehen - und das ist auch der Grund das ich das hier erwähne - das auch das "Orakel von Omaha" in diese Richtung denkt, wie Sie -> hier <- nachlesen können.

Alles in allem stehe ich wirklich unter dem Eindruck, das der Markt gerade dabei ist einen Paradigma-Wechsel zu vollziehen - man könnte das auch einen "Leap of Faith" nennen, der erneut diejenigen am Strassenrand zurück lassen wird, die nicht schnell genug gedanklich umschalten können und den alten, eingeübten Reflexen nachhängen.

Ich kann daher gerade in dieser Phase nur zu allergrösster gedanklicher Flexibilität und Offenheit raten. Nehmen Sie die Wirklichkeit, wie sie sich Ihnen in Form der Kurse offenbart. Und nicht so, wie Sie glauben das sie sein sollte, dafür interessiert sich Mr. Market nämlich gar nicht !

Und bei alledem - und trotz des "Geruchs" einer Trendwende in der Luft - sollten wir die hervorragenden Stopniveaus nicht vergessen, die uns die Bärenfalle von Donnerstag nun verschafft hat. Den "Vorsicht ist die Mutter der Porzelankiste" und gut abgesichert, lässt sich auch mal aggressiver spielen, ohne gleich Haus und Hof zu verlieren, wenn Mr. Market doch wieder eine überraschende Volte schlagen sollte !

In diesem Sinne viel Erfolg !

Ihr Hari

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Daimler im Visier der Investmentbanken

15 Uhr

Als Spekulation sehr spannend, finde ich nach wie vor die hier schon mehrfach besprochene Daimler (WKN 710000). Die Aktie ist in meinen Augen fundamental sauber bewertet und im Vergleich leicht günstiger zu haben als BMW oder Volkswagen. Das alleine wäre aber kein Grund, Daimler gegenüber den anderen Autobauern vorzuziehen, den der leichte Abschlag war ja in der Vergangenheit auch gerechtfertigt, die operative Performance von BMW oder Volkswagen war einfach besser.

Der Grund warum ich mit so viel Spannung gerade auf Daimler schaue ist, dass sich grosse namhaften Investmentbanken mit Call-Optionen auf Daimler eingedeckt haben !

So hält die Deutsche Bank laut Stimmrechtsmitteilung derzeit Call-Optionen auf Daimler, die wohl einem Stimmrechtsanteil von ca. 18% entsprechen. Goldman Sachs von geschätzt ca. 10-15%, der Anteil ist bei Goldman nicht ganz klar, da einige der in der Stimmrechtsmitteilung vom 19.03. gemeldeten Call-Optionen bzw CFDs mittlerweile schon ausgelaufen sind. Und nun, nach der allerneuesten Information, hält auch Morgan Stanley Call-Optionen im Wert von ca. 10% !

Die Daten habe ich von der offiziellen Daimler Investor Relations Seite und können Sie selber -> hier <- bei "Stimmrechtsmitteilungen" nachlesen und werten.

Ich finde diesen Gleichklang der grossen Investmentbanken äusserst bemerkenswert ! Ebenso bemerkenswert ist, dass das bisher kaum öffentliches Thema wurde, scheinbar hat kaum jemand diese Einzelinformationen zusammen gesetzt.

Natürlich weiss ich auch nicht was dahinter steckt, aber logisch wäre, wenn da jemand - zum Beispiel einer der arabischen Aktionäre wie Abu Dhabi - einen grösseren Anteil an Daimler übernehmen will und die namhaften Investmentbanken beauftragt hat, das abzuwickeln. Der ganz grosse Knaller wäre natürlich, wenn sich einer der weltweiten Autokonzerne in die deutschen Premiumanbieter einkaufen will. Denn Daimler ist im Gegensatz zu BMW oder Volkswagen nicht durch einen Ankeraktionär geschützt und der Wert von Daimler für einen aufkaufenden Autokonzern ist sicher höher, als die derzeitige Marktkapitalisierung von ca. 44 Milliarden €. Eine andere Erklärung fällt mir persönlich nicht ein, ich kann mir nicht vorstellen, dass die grossen Namen der Investmentbanken alle in die gleiche Richtung auf eigene Rechnung spekulieren, zumal der Eigenhandel bei den US Banken ja nun stark eingeschränkt ist.

Aber Vorsicht, nicht immer realisieren sich solche Spekulationen und mehr als eine Spekulation sind die obigen Gedanken nicht. Insofern sind die Call-Optionen keine Garantie für gar nichts ! Aber da Daimler auch ohne diese Spekulation in meinen Augen bei ca. 41€ fair bewertet ist, finde ich das eine interessante Wette mit nettem "Sahnehäubchen" in Form von Übernahmephantasie und bin Long bei Daimler.

Hari´s Märkte am Abend – 07.02.12 – Commerzbank, Metro, Daimler

21 Uhr, 1 Stunde vor Handelsschluss.

The same procedure as every day !

Tja, so viel dazu, dass es heute anders läuft. 😉 Oder in anderen Worten: dont fight the incredible Ben !

Als der DAX nach meinem Marktupdate hier - so zwischen 13 und 14 Uhr - heftig mit der 6680 kämpfte und mehrere kleine Tiefs produzierte, sah es wirklich so aus, als ob endlich mal ein erfrischender Regen ins Haus steht. Zumal es auf dem Stundenchart deutlich nach einem Doppel-Top bei ca. 6780 aussah.

Ich war zu diesem Zeitpunkt mit einem grossen Short im Markt, mit dem ich meine zahlreichen Long-Positionen als "Hedge" neutralisiert hatte. Der Markt versuchte dann um 15 Uhr herum eine Wende nach oben, die gelang mangels Kraft nicht mehr und der Markt näherte sich den Tiefstständen und sah nach einem weiteren Absturz aus. Und dann kam - um genau 16 Uhr - der Meister des Helikopter-Geldes, FED Chef Ben Bernanke ans Mikrofon und schon waren die Kaufprogramme wieder da und jede Schwäche wurde gnadenlos gekauft. Und ich musste meinen Short fast auf Kaufniveau wieder covern, ausser Spesen also nichts gewesen.

Trigger der 180 Grad Wende war also erneut Ben Bernanke, der -> hier <- ab genau 16 Uhr allerlei Negatives sagte, was von Mr. Market in seiner perversen Logik positiv aufgenommen wurde, weil es die Wahrscheinlichkeit eines QE3 erhöht. Denn für den massiv von der Droge des billigen Geldes abhängigen Mr. Market, bedeutet Geldschwemme=Kaufen und Geldknappheit=Rette sich wer kann ! Weitere Parameter sind da gar nicht notwendig, wer nur auf eine Droge fixiert ist, reagiert auch primär wie ein pawlowscher Hund auf genau den Stimulus und sonst nichts.

Schauen Sie sich das ganze Spektakel noch einmal auf dem Intraday Chart mit Skala 5 Minuten an:

Trotz dieser Rettung des Marktes durch Ben Bernanke fand ich die Schwäche Intraday heute bemerkenswert, denn zum ersten Mal seit Tagen sind dem Markt temporär die Käufer ausgegangen. Schauen Sie auf den sehr schwachen RSI den ganzen Vormittag lang. Das könnte ein erstes kleines Indiz sein, dass diese Rally langsam eine Pause oder sogar eine Korrektur braucht. Ohne weitere klare Indizien sollte man das aber auch nicht überbewerten. Es ist ein Indiz, nicht mehr aber auch nicht weniger.

So haben wir heute also trotz allem eine Wiederholung der letzten Tage und um so stärker kann ich nur empfehlen, sich die weisen Worte zu Gemüte zu führen, die Charles Kirk -> hier <-zum Thema zu sagen hat.

Schauen wir nun auf einzelne Aktien:

Aktie des Tages war heute für mich die Commerzbank (WKN 803200) mit 3% Plus, die so aussieht, als ob sie jeden Moment die tagelange Konsolidierung um 1,9€ herum verlassen will. Natürlich haben heute auch die Nachrichten um die Eurohypo eine Rolle gespielt, aber rein vom Chart her, signalisiert eine Aktie die nach einem derartigen Anstieg tagelang knapp unter den Hochs konsolidiert, für mich eher, dass sie Luft holt um einen erneuten Satz nach oben zu machen.

Die gestern genannten K+S (WKN KSAG88) und Itron (WKN 888379) waren heute weiter stark, während bei der Metro (WKN 725750) noch kein rechtes Leben in die Glieder fahren will. In Anbetracht der bei der Metro anstehenden Änderungen und der absehbar guten Binnenkonjunktur in Deutschland, bin ich aber weiter optimistisch, dass auch dieser Titel irgendwann anspringen wird.

Auch Veolia (WKN 501451) zieht ohne Nachrichten weiter Richtung 10€ hoch, ein gutes Zeichen dafür, dass bei der Aktie nun ein Boden drin ist. Das langfristige Potential des Titels ist enorm, allerdings ist dazu wohl viel Geduld gefragt.

Auffällig war heute die Schwäche der Autobauer im DAX, als Begründung wurden Aussagen der chinesischen Regierung zur Konjunktur herum gereicht. Ich stufe das aber eher als schlichte Gewinnmitnahmen ein, für die diese Aussagen ein willkommener Anlass waren.

Bei Daimler (WKN 710000) habe ich die Schwäche genutzt um meine Position aufzustocken. Wie aus einer Pflichtveröffentlichung von Daimler ja vor einigen Tagen zu entnehmen war, hat sich Goldman Sachs wohl Call-Optionen auf Daimler im Umfang von über 5% (kolportiert werden 7%) des Stammkapitals besorgt. Ganz ohne Grund ist das sicher nicht geschehen ....

Die Bewegung von Gold und Silber heute korrelierte überwiegend mit der Stärke im EUR/USD und war insofern ohne grosse Aussagekraft. Das "Kräuseln an der Oberfläche", das ich letzten Freitag registriert hatte, steht also als Fragezeichen noch im Raum, ohne das es klare Hinweise in die eine oder andere Richtung gibt. In den letzten Stunden während des Schreibens dieses Artikels, scheinen die Edelmetalle dann aber doch nachhaltig nach oben zu drehen.

Ich wünsche eine gute Nacht !