Apple, der Markt und die Erwartungen

Heute ein paar Zeilen im Nachgang der Quartalszahlen von Apple, die gestern zu einem deutlichen Kurs-Minus an der Börse geführt haben.

Überall liest man nun Unverständnis darüber, warum der Markt eine Apple Aktie so abverkauft, nach dem diese ja objektiv ganz ausgezeichnete Quartalszahlen abgeliefert hat, die man kaum besser machen kann.

Selbst im Handelsblatt, dass ja theoretisch der Hort von Finanz- und Börsenkompetenz sein sollte, versteigt sich der Herausgeber Gabor Steingart im -> heutigen "Morning Briefing" <- zum für mich ziemlich platten Satz: "Dieser Kursverlust sagt nichts über Apple aus, aber viel über die Investoren. Die Börse ist der einzige Ort, an dem Verrückte wie Propheten behandelt werden."

Ach Gottchen, da ist es wieder, dieses nicht ausrottbare Märchen, dass "die Börse" etwas Abstraktes sei, "herum spinnen" würde und die Realitäten nicht sehen würde. Und übrigens, das mit den "Verrückten als Propheten" findet sich noch in vielen anderen Bereichen des Lebens, aber das Thema will ich nun hier nicht vertiefen. 😉

Das Gegenteil ist aber bei der Börse der Fall, es gibt kaum einen besseren Frühindikator. Sie reagiert schneller und oft klüger, als wir es als Individuen in der Regel können und die Selbstüberschätzung, klüger als der Markt zu sein, ist der garantierte Weg zu Verlusten und Scheitern.

Aber auch überall in anderen Medien, konnte man dieses Unverständnis zur Marktreaktion auf Apple gestern wieder lesen und ich habe da mehrfach nur meine Hände vor dem Gesicht zusammen schlagen können, als ich die immer gleichen Texte dazu las.

Deshalb nun ein erneuter Versuch, auf ganz einfache Art und Weise zu erklären, wie wir Menschen agieren und wie deshalb der Markt zwangsläufig auch agiert. Denn ein Markt - nicht nur die Börse, auch andere Märkte - wird von Erwartungen geprägt.

In Grossbuchstaben, von ERWARTUNGEN! Die Zahlen und Fakten der Gegenwart, sind dagegen schon wieder Vergangenheit und kalter Kaffee - ausser sie verändern auch die Erwartungen.

Und der Markt ist auch nicht abstrakt, sondern besteht aus uns. Ja aus uns! Denn wir sind die, die mit unseren Handlungen die Kurse machen - plus ein paar Algorithmen, die aber von "uns" programmiert wurden. 😉

Nehmen wir also zwei hypothetische Beispiele um zu zeigen, wie wir agieren und wie deshalb zwangsläufig auch der Markt agiert:

Grundstücksverkauf

Nehmen wir an, Sie besitzen ein Grundstück, das Sie bald mal zu Geld machen wollen. Die Preise für Grundstücke steigen und steigen aber in Ihrer Umgebung und Sie haben keinen zeitlichen Druck und brauchen das Geld nicht sofort.

Was machen Sie? Sie warten mit dem Verkauf.

Ein halbes Jahr später kommt eine Marktanalyse zum Immobilienmarkt und die weist schon wieder deutlich gesteigerte Grundstückspreise aus und kein Indiz für eine Trendwende.

Was machen Sie? Sie warten.

Noch ein halbes Jahr später das gleiche Spiel. Wieder höhere Preise.

Was machen Sie? Sie warten.

Dann plötzlich eine Analyse, die erneut höhere Preise aufzeigt, Sie erleben nun die höchsten Grundstückpreise der Geschichte. Eigentlich ein Grund zum Jubeln! Aber da gibt es in dieser Studie diese feinen Hinweise, dass der Nachfragedruck auf die Makler abnimmt und auch aus Ihrem Freundeskreise hören Sie Signale von Leuten, die von anderen Regionen schwärmen, in denen das Leben auch schön und vor allem billiger sei. Sie hören sozusagen die "Flöhe husten".

Was machen Sie? Sie verkaufen nun!

Warum? Wegen der Erwartungen! Weil die Flöhe husteten. Nicht weil der Immobilienmarkt wirklich eingebrochen ist. Denn objektiv sind die Preise jedes Mal gestiegen. Aber Ihre Erwartungen bestimmen eben Ihr Handeln!

Was dann tatsächlich danach passiert, ist dass ein paar Monate nach dem Sie verkauft haben, ein grosser Konzern mit tausenden Arbeitsplätzen sich bei Ihnen in der Region nieder lässt. Und die Grundstückspreise steigen weit über Ihren Verkaufspreis.

Da Sie aber klug sind, ärgern Sie sich nicht. Denn das konnte man zum Zeitpunkt Ihrer Entscheidung nicht wissen. Ihr Handeln aber war damals aufgrund der Erwartungen rational und richtig.

Hochspringer

Sie sind Sportmanager und verdienen Ihr Geld damit, Talente zu finden und diese zu lukrativen Verträgen zu führen und daran mit zu verdienen. Sozusagen wie Willi Weber und Michael Schumacher.

Derzeit haben Sie den Dauerweltmeister im Hochsprung unter Vertrag, der den Wettbewerb seit Jahren dominiert. Beständig und zuverlässig produziert der Höhen von 2.40 Meter und mehr und ist unangefochten.

Dann gibt es da auch noch den jungen, 17-Jahre alten aufstrebenden Hochspringer, der grosses Potential zu haben scheint, dessen Rekord noch bei 2,20 Meter steht, aber er ist ja erst 17!

Im Sommer nun gewinnt Ihr Klient die Olympischen Spiele und springt dabei Weltrekord. Er steht auf dem Höhepunkt des Erfolges, höher scheint es nicht mehr zu gehen.

Da Sie ihn aber gut kennen wissen Sie auch, dass die Wehwehchen langsam los gehen, Jahrzehnte harten Trainings fordern halt ihren Tribut.

Für welchen Sportler interessieren Sie sich nun als Manager mehr. Für den der 2,40 springt oder den der 2,20 springt?

Die Antwort dürfte klar sein. Es sind die Erwartungen, die Ihr Handeln bestimmen.

Aber auch hier kann Ihre Erwartung sich im Nachhinein als falsch heraus stellen. Der junge Sportler hat bald danach einen Unfall und wird zum Sportinvaliden. Und der Champion, überwindet durch Umstellung des Trainings seine Wehwehchen und dominiert den Wettbewerb noch 5 Jahre, in denen ein anderer Manager mit ihm reich wird.

Apple

Und genau das ist nun das Problem der Quartalszahlen von Apple.

Apple hatte als "Dauersieger" die Anleger darauf konditioniert, die bewusst niedrig gehaltenen Prognosen, dann bei den Quartalszahlen jedes Mal in den Boden zu stampfen und deutlich zu übertreffen.

Nun ist das zum ersten Mal seit langer Zeit nicht passiert. Und die Prognosen sind noch vorsichtiger geworden.

Und das ruft wie beim Hochsprung-Weltmeister und wie bei dem Gerede Ihrer Freunde zu den Immobilienpreisen Fragezeichen hervor. Und da alle gerne am Hochpunkt verkaufen wollen, wie Sie mit Ihrem Grundstück auch, rennen alle gleichzeitig schnell zum Ausgang. Und das produziert so einen Tag wie gestern bei Apple.

Ist das nun übertrieben oder werden die schnellen Verkäufer am Ende bei Apple doch Recht haben? Das kann nur die Zukunft zeigen, wer behauptet er wüsste es heute, leidet unter Selbstüberschätzung.

Wenn Sie mich fragen, glaube ich auch, dass die Reaktion zwar verständlich, aber etwas übertrieben ist. Ich bin immer noch optimistisch, was Apples weitere Kursentwicklung angeht, aber ich verstehe solche Bewegungen und respektiere sie.

Und ich bin weit davon entfernt im Brustton der Selbstgewissheit zu sagen, dass ich klüger als der Markt bin und der Markt "spinnen" würde.

Wie soll das auch wahr sein, denn der Markt sind wir - Sie und ich und viele andere, die auch Intelligenz haben und denken können.

Letztlich zeigt der Markt also nur das Verhalten, das auch wir, die Marktteilnehmer, in so Situationen zeigen. Wir leiten unser Handeln aus den Erwartungen an die Zukunft ab und nicht aus den Fakten der Gegenwart.

Und diese Denkstrukturen führen bei Apple zu Kursbewegungen. Die objektiven Gewinne des alten Quartals sind dagegen kalter Kaffee und haben keine Relevanz für unser Handeln mehr, ausser die Zahlen verändern durch Überraschungen auch unsere Zukunfts-Erwartungen.

Wer diesen Mechanismus versteht, nimmt die gestrige Kursbewegung bei Apple ohne grosse Verwunderung zur Kenntnis. Und wer ihn nicht versteht, ist dazu verdammt, an der Börse immer auf der falschen Seite zu stehen.

Da bleibt mir nur angelehnt an Clintons berühmtes "It´s the economy stupid!" zu sagen:

"It´s the anticipation stupid!"

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Wirtschaftlicher Analphabetismus, die Koalitionsvereinbarung und die Mietpreisbremse

Ein bissiger Kommentar zu einem aktuellen finanzpolitischen Thema und dem Koalitionsvertrag in einem Börsenblog ?

Nun es sollte die Ausnahme bleiben, aber manchmal muss es sein - auch um sich den Frust von der Seele zu schreiben. Insofern verzeihen Sie mir meine folgende Philippika gegen den wirtschaftlichen Analphabetismus in der Politik.

Denn schon in den letzten Jahrzehnten, ist eine sinnvolle Ordnungspolitik bei uns in Deutschland immer mehr zugunsten eines dirigistischen Populismus unter die Räder gekommen. Aber nun stellen die Einigungspunkte der grossen Koalition, für mich einen ebenso unrühmlichen, wie ärgerlichen Höhepunkt dar. Und ich muss meinem Unmut einfach irgendwo Luft verschaffen. Besonders tragisch ist dabei, dass der letzte Koalitionsvertrag der alten schwarz-gelben Koalition, bei mir die identischen Abstoßungsreaktionen hervor gerufen hat. Indiz dafür, dass wir es hier mit einem grundlegenden Mangel wirtschaftlichen Grundwissens in der Politik zu tun haben.

Ich könnte nun über vieles schreiben, zum Beispiel auch erneut über die Finanztransaktionssteuer, alle diese Themen hören sich ja oberflächlich gut gemeint und ehrenwert an, sind aber in der Umsetzung unter der Oberfläche eher durch wirtschaftlichen Analphabetismus gekennzeichnet. Der Unterschied zwischen „gut gemeint“ und „gut gemacht“, scheint bei vielen Politikern nicht bekannt zu sein. Die wirklich grundlegenden, strukturellen Fragen unseres Landes aber, werden nicht betrachtet und unter den Teppich gekehrt.

Unserer zukünftiger Platz in Europa - in welchem Europa eigentlich ? - geschenkt, kein Thema. Die zwingenden Notwendigkeiten um eine fehl konstruierte Währungsunion zum Erfolg zu führen - geschenkt, kein Thema. Die Folgen der Vermögensvernichtung bei den Bürgern durch die finanzielle Repression - geschenkt, kein Thema. Die absehbaren harten Konsequenzen für unsere Alterssicherungssysteme durch demographische Falle und Niedrigzinspolitik - geschenkt, kein Thema. Ich könnte endlos weiter machen. Alles kein Thema. Man hat ja genügend Placebo- und Orchideen-Themen, um dem Volk Aktionismus vorzuführen.

Ich möchte daher nur ein Muster-Beispiel für den grassierenden, wirtschaftlichen Analphabetismus heraus greifen, und wähle dafür das leidige Thema "Mietpreisbremse". Die "Mietpreisbremse" - das prophezeie ich hier - wird zu einer "Wohnraumbremse" werden und stellt für mich eine absurde "Wünsch-Dir-Was-Politik" von Menschen dar, deren Verständnis von wirtschaftlichen Zusammenhängen nach meinem Eindruck irgendwo zwischen Kindergarten und Grundschule stehen geblieben ist. Denn schon in der Grundschule wird ja mit "Panini Bildern" und ähnlichem auf dem Schulhof "gehandelt". Und Kinder die das machen, haben schon mehr von Preisfindung in Märkten und wirtschaftlicher Logik begriffen, als manch unsere Polit- oder Verbands-Funktionäre.

Das die Mieten in den grossen Ballungsräumen zu schnell steigen, ist offensichtlich und auch ein offensichtliches Problem. Wer aber ein Grundverständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge hat, wird zunächst mal die berechtigte Frage stellen, warum die Mieten das tun. Und dann bei den Ursachen ansetzen. Und wird dabei auf viele Ursachen stossen, für die der Staat die unmittelbare Verantwortung trägt - wie die exorbitant steigenden Baukosten im Neubestand durch immer höher gedrehte Dämmvorschriften. Oder eben die finanzielle Repression zwecks "Rettung" Südeuropas, die die Menschen in Immobilien flüchten lässt und so das allgemeine Preisniveau massiv treibt. Oder auch die mangelnde Bereitschaft der Städte und Gemeinden, günstiges Bauland für den Mietwohnungsbau auszuweisen.

[---> Anmerkung : Ich habe hier ein Beispiel heraus genommen, in dem ich den Fall eines Vermieters dargestellt hatte, der seine hohe Miete nun senken musste. Im Koalitionsvertrag ist aber noch ein Satz aufgetaucht, nach dem hohe Mieten Bestandsschutz haben. Damit gilt das alte Beispiel nicht mehr, dafür wird aber umgedreht ein Schuh daraus und das Ergebnis bleibt das gleiche. Denn das wird nun umgedreht dazu führen, dass Mieten noch schnell vor Einführung der "Bremse" erhöht werden, da man es danach nicht mehr so einfach machen kann. Jeder Eingriff in die freie wirtschaftliche Entscheidung, führt sofort zu einer Gegenreaktion, die das Ergebnis verzerrt und teilweise ad absurdum führt.]

Wer vermietet, will damit einen wirtschaftlichen Ertrag erzielen und daran ist zunächst nichts Unzüchtiges. Und wenn er das nicht mehr kann, wird er die Vermietung einstellen oder - noch besser - die Mietwohnung als Eigentumswohnung verkaufen. Denn der direkte Wettbewerber des Mietmarktes sind die Preise am Wohnungsmarkt. Und wenn der Vermieter beim Verkauf einer Wohnung einen schnellen Gewinn erzielen kann, den er über gedeckelte Mieten in 20 Jahren nicht herein bekommen wird, wird die Mietwohnung bei nächster Gelegenheit vom Markt verschwinden.

Die langfristigen Folgen der "Mietpreisbremse" ?

Erstens werden die Mieten in den Ballungsräumen nun kurzfristig einen richtigen Schub nach oben machen, weil die Vermieter durch den Bestandsschutz der Altmieten ein Interesse daran haben, die Mieten vor Einführung der "Bremse" so hoch wie möglich zu drücken.

Zweitens werden Wohnungen, die sich mit "Bremse" nicht mehr ausreichend profitabel vermieten lassen, vermehrt zu Eigentumswohnungen umgewidmet und verschwinden ganz vom Markt.

Drittens wird wegen der "Bremse", keine einzige Familie eine Wohnung finden, die schon jetzt im Wettbewerb um den knappen Mietraum die schlechtesten Karten hatte. Diese Familie hat auch nach der "Bremse" immer noch die schlechtesten Karten.

Viertens führen die herab gesetzten Gewinnaussichten und staatliche Gängelung nicht zu vermehrten Investitionen in den Mietwohnungsbau, sondern werden diese weiter drücken.

Fünftens werden sich die grossen Wohnungsgesellschaften die verringerten Renditen zurück holen, in dem sie bei Instandhaltung und Aufwertung noch weniger tun als jetzt schon. Die Qualität des Bestands wird weiter sinken.

Am Ende wird es in Folge der "Mietpreisbremse" also weniger Mietwohnungen geben, diese werden in der Bestandsqualität sinken und es bleiben noch stärker die Randgruppen ohne Wohnung, die bisher auch schon die schlechtesten Karten im Wettbewerb um Wohnraum hatten.

Um das als logische Folge zu erkennen, muss man kein Nobelpreisträger sein. Es reicht der gesunde Menschenverstand, der noch weiss, wie damals der Markt der Panini-Bilder auf dem Schulhof funktioniert hat. Aber selbst das zu erkennen, überfordert scheinbar viele unserer Politiker und Funktionäre.

Alles in allem ist das Thema für mich Ausdruck von grassierendem, wirtschaftlichem Analphabetismus in unseren politischen „Eliten“, den wir auch an vielen anderen Stellen bewundern dürfen. Eine fatale Mischung, die uns alle noch teuer zu stehen kommen wird.

Und ich bin unglaublich froh, dass ich nie in Mietwohnungen investiert habe. Genau aus Sorge vor derartigen Eingriffen in die wirtschaftliche Freiheit. Und nach der "Mietpreisbremse", werde ich es erst recht nicht tun. Menschen zu Investitionen in den Mietwohnungsbau zu motivieren, sieht auf jeden Fall ganz anders aus.

Wie kann man es besser machen ?

Auf vielfältige Art und Weise. Ich will ja hier nicht nur schimpfen. Ich bin bestimmt dafür, dass sich der Staat bezahlbaren Wohnraum auf die Agenda scheibt. Das ist tatsächlich ein Grundrecht und hier hat der Staat für seine Bürger sinnvollen Einfluss zu nehmen. Aber eben nicht nach so dirigistischen Logiken auf Kindergartenniveau.

Der Staat könnte mit Ordnungspolitik vieles tun.

(1)
Er könnte (über die Gemeinden) massiv billiges Bauland exklusiv für den Mietwohnungsbau ausweisen und damit die stark anziehende Grundstücksspekulation eindämmen und so das Preisniveau senken. Aber das ist aktuell ja nicht gewollt, weil da gibt es ja – ganz politisch korrekt – die "böse" Zersiedlung der Landschaft. Ob die dadurch schlimmer wird, das diverse Gülle-Äcker direkt am Ortsrand nun als billiges Bauland ausgewiesen werden, wage ich aber zu bezweifeln. Niemand wünscht sich neue Siedlungen mitten in Naturschutzgebieten und den wenigen weitläufigen Naturzonen, die uns überhaupt geblieben sind. Aber in direkter Nähe der Städte und Dörfer gibt es mehr als genug Brachland, dessen Verschwinden im Gegengeschäft gegen billigen Wohnraum zu verschmerzen wäre. Lieber Neubau als Schweine-Gülle sozusagen. Vielleicht dämmt das ja auch den Fleisch-Konsum, wäre doch auch politisch korrekt. 😉

(2)
Er könnte das Bauen und damit die Preise von Wohnraum viel billiger machen, in dem völlig überzogene Vorschriften – insbesondere im Bereich -> Dämmung <- – fallen gelassen werden. Aber auch das ist ja politisch korrekt, wir "retten" ja mit viel Styropor das Weltklima. Retten ist momentan en Vogue. Wir "retten" damit zwar auch den krank machenden Hausschimmel und schaffen Sondermüll, aber das ignorieren wir mal. 😉 Faktum ist auf jeden Fall, durch überzogene Bauvorschriften, wird Bauen über das sinnvolle Mass hinaus teurer gemacht. Unsere Eltern und Grosseltern haben in Ihren Häusern Baujahr 1890, 1930 oder 1960 auch glücklich leben können. Und besser als keine bezahlbare, ist eine grosse, billige 1930er Wohnung allemal. Und genau diese Wohnungen sterben langsam aus und daran hat der Staat erhebliche Mitschuld.

(3)
Der Staat könnte aufhören, Wohnraum auch noch durch eine gierige Steuerpolitik weiter zu verteuern. Die Grunderwerbsteuer wird erhöht und erhöht, obwohl dem keine staatliche Leistung gegenüber steht. Die gemeindliche Infrastruktur wird mit der Grundsteuer finanziert und alle Leistungen von Behörden und Ämtern, werden sowieso separat mit Gebühren belastet. Die Grunderwerbsteuer ist aber der Umsatzsteuer ähmlich und dient nur der Füllung des Steuersäckels. Und macht neuen Wohnraum so signifikant teurer. Und teurere Grundstücks- und Bau-Kosten ziehen logischerweise auch höhere Mieten nach sich. Dieser Zusammenhang ist so trivial und offensichtlich, dass man schon heulen könnte, weil er im Koalitionsvertrag kein Thema ist.

(4)
Statt Vermieter zu gängeln und zu Ausweichreaktionen zu ermuntern, könnte der Staat Vermieter mit Förderung dazu motivieren, bestimmten gesellschaftlichen Gruppen Wohnraum anzubieten. Oder er könnte anders herum bedürftige Personengruppen mit Wohngeld-Zuschüssen fördern. Eine staatlich garantierte Mietzahlung, sieht ein Vermieter dann nämlich wieder genau so gerne, wie das sichere Einkommen des kinderlosen Doppelverdiener-Paares.

(5)
Oder der Staat könnte die gute alte Eigenheimförderung wieder einführen und so genau den Familien mit Kindern zu eigenem Wohnraum verhelfen. Statt dessen werden aber über die finanzielle Repression deren Ersparnisse zwangsweise entwertet.

(6)
Und zu guter Letzt könnte der Staat auch wieder in den "sozialen Wohnungsbau" einsteigen und selber als Vermieter aktiv am Markt agieren. So schlecht war der Gedanke damals nicht und hat durchaus auch positive Effekte gehabt. Vielleicht begreift der Staat dann auch, dass viele Bauvorschriften nur Preistreiber und völlig übertrieben sind.

Das nur als Beispiele, die mir mal eben zwischen "Tür und Angel" einfallen. Ich bin bestimmt kein Fachmann für den Wohnungsmarkt und will es auch nicht werden. Und es gibt bestimmt noch viele andere sinnvolle Ideen und es kann auch gut sein, das einige der obigen Ideen auch nicht funktionieren. Aber selbst die Schlechteste der obigen Ideen, ist immer noch besser, als diese "Mietpreisbremse". Und um den Aberwitz der "Mietpreisbremse" zu erkennen, die am Ende zur "Wohnraumbremse" werden wird, muss man auch kein Fachmann sein. Es reicht schon, kein wirtschaftlicher Analphabet zu sein. Offensichtlich gibt es aber genug von dieser Spezies, sonst würde so ein Unfug nicht zur Regierungspolitik erhoben.

Wobei, ein paar letzte Mohikaner mit Verständnis für die wirtschaftlichen Grundrechenarten gibt es schon: -> Unions Wirtschaftsflügel zerreisst Koalitionsvertrag <-. Aber die haben nicht genug Macht. Unter anderem auch, weil unser Wahlrecht 10% der abgegebenen Stimmen der Bevölkerung einfach unter den Teppich gekehrt hat, die von der Tendenz her am ehesten Interesse und Sinn für wirtschaftliche Fragen hatten.

Und damit schliesse ich frustriert. Denn was wird dieser Beitrag bewirken ?

Nichts. Gegen Ahnungslosigkeit, gepaart mit überdimensioniertem Sendungsbewusstsein, kommt man halt nicht an. Die schafft sich ihre eigene Wirklichkeit. Wäre es möglich, wirtschaftliches Grundwissen staatlich zu verordnen, wäre selbst ich für staatlichen Dirigismus. 😉

So, jetzt geht es mir wenigstens ein klein wenig besser. Das musste mal raus.

Ihr Hari

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