Die Rückkehr der Politik



Guten Morgen!

Die Politik mit klar erkennbaren, unterschiedlichen Positionen kehrt zurück nach Deutschland und das ist verdammt gut so. Denn diese Unterschiede sind das Futter einer lebenden Demokratie, ein Umstand der in Deutschland ohne demokratische Tradition leider nie richtig gelernt worden ist.

Darauf beruht auch diese Romantisierung von runden Tischen und die Furcht Dinge mal nicht im Konsens mit Händchenhalten zu entscheiden. Diese konsenssüchtige Grundhaltung, die nur zu Formelkompromissen statt demokratischen Alternativen führt, wurde von Merkel nicht nur gefördert, sondern geradezu personifiziert.

Das Ergebnis war eine Entpolitisierung, eine Demobilisierung des Politischen, eine moralisch verbrämte Gleichschaltung, die von den Medien willfährig auch noch befördert wurde. Diese hatte tatsächlich etwas von den Verlautbarungen des ZK der SED, man war immer moralisch auf der richtigen Seite der Geschichte, vorwärts immer, rückwärts nimmer.

Dieser dominanten Haltung der letzten Jahrzehnte, hat die FDP nun ins Gesicht gespuckt, auch weil sie gar nicht anders konnte, wenn sie bei der nächsten Wahl nicht wieder untergehen wollte. Insofern haben wir es hier tatsächlich mit einer Zeitenwende und einem historisch bedeutsamen Moment in der Geschichte der Bundesrepublik zu tun.

Selbstverständlich hat die FDP dabei auch taktische Erwägungen, ihr das aber vorzuwerfen erscheint mir zutiefst pharisäerhaft, denn die anderen Parteien haben natürlich keine taktischen Erwägungen, schon klar. 😉

Und dass jetzt fast 100 Jahre nach der letzten, eine neue Dolchstosslegende kreiert wird, nach der man doch einer Einigung "so nahe" war und nur die "böse FDP" das torperdiert hat, ist in den Absichten so offensichtlich, dass es schon weh tut. 4 Wochen lang hat man nur eckige Klammern produziert, hat gesabbelt, salbadert und in den Medien übereinander hergezogen und durchgestochen, nur inhaltlich hat man nicht viel auf die Reihe bekommen und Vertrauen ist so schon gar nicht entstanden. Und nun soll die FDP "schuld" sein, weil sie als Einzige irgendwann die Konsequenzen zieht, das war ja sowieso klar.

Wie verquer diese Argumentation ist, die an das emotionale Konsensbedürfnis der Deutschen appelliert, kann man leicht daran erkennen wenn man sich überlegt, was denn in anderen Szenarien passiert wäre. Hätte die FDP mit dem Argument "das wird sowieso nichts" die Sondierungen gar nicht erst aufgenommen, wäre man über sie als "Leichtmatrosen" und "Verantwortslose" hergefallen. Hätte die FDP nicht bis zur Nacht der langen Messer mitgemacht, hätte man ihr vorgeworfen, gar nicht ernsthaft verhandelt zu haben - was man nun auch wieder versuchen wird.

Dankbar muss man der FDP daher auch sein, weil im Auseinanderfallen die wahren Machtlinien und Absichten dieses "Projekts" deutlich werden. Dieses war ein zutiefst gewolltes Projekt der Realo-Grünen und der Merkel-CDU, treffend im menschlich hervorragenden Einvernehmen zwischen Merkel und Kretschmann repräsentiert. Folgerichtig ist das Entsetzen und die Enttäuschung auf dieser Linie auch am Grössten, Merkel wie Özdemir oder Kretschmann stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben, da wurden gerade politische Lebenshoffnungen begraben.

Das wirklich Projekt, auf das Merkel lange hingearbeitet hat und weswegen sie die CDU immer weiter nach links geschoben hat, war eben Schwarz-Grün als neue bürgerliche Mitte. Dafür hat man die FDP als Mehrheitsbeschaffer gebraucht und wohl unterschätzt, dass diese genau verstanden haben, dass das ihr Untergang gewesen wäre und man sie nur am Katzentisch dabei haben wollte.

Und Horstie Drehhofer? Der steht nun endgültig ohne Hosen da, denn viele in seiner Partei hätten sich gewünscht, dass er und die CSU diejenigen sind, die diesen Schritt konsequent vollziehen, den Lindner nun gewagt hat. Die CSU wird wohl ihre Dominanz in Bayern verlieren, ich sehe nicht wie das Ding noch gerettet werden kann, denn AfD und FDP werden aus dem Fleisch der CSU weit ins Zweistellige bei der Landtagswahl rücken.

Verlierer des Geschehens der letzten Nacht, ist entgegen anders lautender Meinungen übrigens nach meiner Ansicht auch die AfD. Viele haben bei der Partei als "Denkzettel" ihr Kreuzchen gemacht, ohne deswegen mit dem Personal wirklich glücklich zu sein. Viele haben auch die FDP nur deshalb nicht gewählt, weil sie davon ausgegangen sind, dass Lindner umkippen würde und ihre Stimme die sich gegen Merkel richtet, damit verloren wäre.

Das wird sich nun ändern. Die FDP wird ein paar Konsensverliebte verlieren, die erschreckt aufwachen ob der Aussichten, dass politische Haltung in Deutschland wieder zu harten Konsequenzen führt und das korporatistische Gemauschel seine Grenzen hat. Die FDP wird aber in Zukunft viele Stimmen bekommen, die zuletzt der AfD zugeflogen sind. Für die AfD, die von der Antithese zu Merkel lebt, sind das gar keine guten Nachrichten. Für ein Deutschland das wieder anfängt Demokratie zu leben, aber sehr wohl.

Soweit mein kurzer, persönlicher Kommentar zum Geschehen. Über die politischen Folgen zu spekulieren ist nun müssig, da werden wir noch viel Überraschungen erleben und müssen das wie die Börse nun Stück für Stück und Tag für Tag nehmen. Ausserdem ist das hier kein Poltikblog, sondern ein Börsenblog. Man kann die Politik nicht ignorieren, weil sie sich natürlich auf die Kurse auswirkt, sie soll und wird hier aber nie das Hauptthema sein.

Was den Markt angeht, habe ich schon in der Lageampel heute früh meiner Erwartung Ausdruck gegeben, dass die Reaktionen sich noch im Rahmen halten werden. Denn für den Markt wird es erst dann richtig ernst, wenn der Euro wackelt und die Schuldenkrise wieder ihr Haupt erhebt. Von Aussen gesehen, erscheint das auch ganz einfach, solange Merkel immer noch Regierungschefin ist, besteht durch das Scheitern von Jamaika zwar eine leichte erhöhte Wahrscheinlichkeit für Unruhe, aber der Euro ist nicht in Gefahr.

Gleichzeitig sind die Anzeichen in den US Indizes weiter klar auf Grün, besonders schön kann man das am Nebenwerte-Index Russell 2000 sehen, der eine wunderbare Konsolidierung vollzogen hat, die bullisch zu werten ist:

Diese Woche ist ausserdem "Thanksgiving" und dann der Supereinkaufstag "Black Friday", eine traditionell fast immer starke Börsenwoche und dieses zu einem Zeitpunkt, wo das ->Sentiment eindeutig skeptisch geworden ist <- und damit Raum für eine positive Überraschung lässt:

Auch ein weiterer Faktor spielt hier herein, die -> Aufstellung der Funds-Manager im November <- wie jeden Monat von Merrill Lynch erfasst.

Seit Monaten bekommen wir von diversen Asset-Managern erzählt, dass wir ja die Eurozone übergewichten sollten, weil die Bewertungen in den US im Vergleich zu hoch seien. Mit Verlaub, das ist nach meiner Einschätzung eher Unfug.

Erstens sind Bewertungen kein Timing-Indikator für die kommenden Monate, dass das bei vielen immer noch nicht angekommen ist, ist faszinierend. Zweitens wirkt auch hier die Reflexivität. Gerade weil das lange die Haltung vieler Institutioneller war, sind diese nun im Euroraum investiert und darin relativ übergewichtet. Dieses Chart von Merrill Lynch zeigt das eindeutig:

Und wenn alle schon gekauft haben, fehlt der Nachschub, weswegen das Überraschungspotential eher in den US Indizes liegt. Die neuen Fragezeichen um Deutschland werden diesen Trend eher verstärken.

Im Gesamten ergibt sich also ein Bild von Chancen zum Jahresende, die aber vor allem auf der anderen Seite des Atlantiks gesucht werden sollten.

Natürlich ergeben sich durch das Scheitern von Jamaika aber auch hier in Deutschland selektive Chancen, wie angekündigt gehört natürlich RWE dazu. Denn dass es nun bis zu Neuwahlen keine Regierung mit den Grünen geben wird - die SPD ist ja keineswegs kohlefeindlich und den in RWE dominierenden Gemeinden und den Gewerkschaften nahe - ist für RWE ein dicker Pluspunkt.

Wir sehen im Chart schnell, dass da noch Einiges aufzoholen ist, das könnte nun zu einem wunderbaren Fakeout und einer Rückkehr in den Trendkanal führen.

Also, lassen wir uns nicht aus der Ruhe bringen.

Freuen wir uns darauf, dass endlich echte politische Gegensätze demokratisch ausgetragen werden. Was bei der AfD noch leidlich gelungen ist, nämlich Abweicher vom Groko-Konsens moralisch auszugrenzen, wird nun mit der FDP schwieriger werden, wiewohl es mit Sicherheit reflexartig wieder versucht werden wird. Wer Schwarz-Grün wirklich wollte, wer für dieses Projekt steht, wird anhand der grössten Enttäuschung nun leicht zu identifizieren sein.

Sicher bedeutet das für Deutschland nun eine Phase der Unsicherheit, aber mit dem Argument könnte man auch das Regiment jedes Potentaten unendlich weiter schreiben, denn in jedem Wandel liegt immer erst einmal Unsicherheit begründet. Im Wandel liegt aber auch Chance und wer das als Börsianer nicht versteht, ist an der Börse sowieso deplatziert.

Freuen wir uns auch auf gute Chancen zum Jahresende, die Kombination von mässigem Sentiment, abgelaufener leichter Konsolidierung und einem sehr starken Trend n den US ist immer eher aussichtsreich. Ganz sicher ist auch da nichts, aber viel besser bekommen wir so ein Setup derzeit wohl nicht mehr.

So .... ich werde nun für Tichy ein kurzes Statement zum Markt schreiben, in dem ich ein paar Versatzstücke dieser Worte wiederverwenden werde, dann wende ich mich den einzelnen Opportunitäten zu und schreibe dazu am Nachtmittag im Detail.

Ihr Hari

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Pensionszusagen – Warum alle Politiker „REICH“ sind !

Ich hoffe Sie verzeihen mir einen kurzen Ausflug ins Politische. Normalerweise nehme ich davon ja hier Abstand. Aber wenn ich sehe, was die Grünen – angeführt vom Möchtegern-Finanzminister Trittin – da als „Steuerkonzept“, genauer gesagt Steuererhöhungsorgie, beschlossen haben, kommt mir die Galle hoch. Das muss ich mir einfach in Form eines bitterbösen Kommentars von der Seele schreiben. Und der Zusammenhang zu Finanzen und Geldanlage ist ja eindeutig da.

Ignorieren wir mal, dass dieser Staat derzeit die höchsten Steuereinnahmen seiner Geschichte verzeichnet und im wahrsten Sinne des Wortes im Geld schwimmt. Vergessen wir, welche gigantischen Verschwendungen und Fehlallokationen von Kapital mit diesem Steuergeld angestellt werden und wie hoch die Staatsquote mittlerweile wieder liegt. Ignorieren wir auch, dass ein Staat und seine Repräsentanten seinen Bürgern zu dienen hat und nicht diese auszuquetschen.

Ignorieren wir weiterhin, das schon heute nur 10% der Bevölkerung 52% des Einkommensteuer-Aufkommens herbei schaffen und grosse Teile der Bevölkerung gar keine Steuer mehr zahlen. Vergessen wir, dass die von der Politik hoffierten internationalen Grosskonzerne, wie gerade auch Banken, kaum Steuern in Deutschland zahlen und sich trickreich mit Auslandsgesellschaften entziehen können. Nein, vergessen wir das alles und betrachten nur einmal, was die Grünen da zur Vermögensabgabe aufgeschrieben haben.

Hört sich ja für den Normalbürger auf den ersten Blick auch unkritisch an. 1 Million € Vermögen pro Person, wer hat das schon ? Diesen „Geldsäcken“ kann man ja getrost in die fetten Taschen greifen ! Und solange es einen selber nicht betrifft, sollen die anderen doch bluten. Denn „reich“, das sind ja immer die anderen.

Vergessen wir auch, dass im Betrieb gebundenes Vermögen ebenso wenig liquide ist wie eine Immobilie. Vergessen wir die Unmöglichkeit einen Betriebswert von aussen zu ermitteln, selbst die Schwarmintelligenz der Börse tut sich damit ja bekannter Massen schwer. Aber was die Börse nicht kann, das schafft ein braver deutscher Finanzbeamter natürlich mit links ! Und wie schnell sich alleine eine Immobilie im Süden der Million € nähert, vergessen wir auch.

Nein, sind wir mal nett zum „tollen“ Konzept der Grünen und betrachten mal nur das sonstige private Vermögen der Bürger, die sich nicht wie die wirklich Reichen schnell ins Ausland absetzen können. Denn wer privat 1 Million € besitzt, der ist doch wohl unverschämt reich. Oder ? Oder ?

Eben nicht. Denn nicht jeder bezieht zur Alterssicherung wie Trittin & Co. eine staatlich garantierte Pension enormer Höhe. Normale Arbeitnehmer haben Ansprüche gegen die gesetzliche Rentenversicherung und Selbstständige müssen komplett selbst vorsorgen.

Damit eine Vermögensabgabe verfassungskonform ist, darf sie daher auch keine Form der Vermögensbildung diskriminieren. Das hat das Verfassungsgericht ja mehr als deutlich gemacht. Ob der Bürger sein Kapital zur Alterssicherung in eine Rentenpolice steckt, dafür eine Immobilie kauft, eine Pensionszusage besitzt, Aktien kauft oder das Geld liquide auf Tagesgeldkonten hält, ist die freie Entscheidung des Bürgers. Und jede dieser Formen stellt Vermögen dar. Und ist laut Verfassung gleich zu behandeln. Die Verfassung verbietet keine Vermögenssteuer – nein. Sie verbietet aber die steuerliche Diskriminierung der einen Art der Vermögensbildung, zugunsten einer anderen.

Und gerade auch die Pensionszusagen des Staates sind Vermögen ! Hier genau liegt für mich auch Lüge oder Dummheit des Konzeptes der Grünen, je nach persönlichem Blickwinkel.

Dankenswerterweise hat ja unser Finanzminister Schäuble erst vor kurzem im Zuge der Diskussion um die laut EZB im Vergleich geringen Vermögen der Deutschen darauf abgehoben, dass die Renten und Pensionsansprüche der Bürger ja auch „Vermögen“ seien und deshalb die Deutschen gar nicht so arm im Vergleich zu Italienern und Griechen wären. Nun gut, folgen wir unserem Finanzminister. Pensions- und Rentenansprüche sind Vermögen. Und zwar in Form des Kapitalwertes, der sich durch Abzinsung ergibt. Das ist der Wert, den man kurz vor der Rente in eine Sofort-Rentenversicherung einzahlen müsste, um einen lebenslangen Anspruch in Höhe der Pension/Rente zu erlangen. Natürlich ist das Vermögen, was denn sonst ?

Also machen wir uns mal an die genau 5 Minuten dauernde Arbeit, die für die Delegierten des Grünen-Parteitages scheinbar zu anspruchsvoll war. Rufen wir mal die Berechnung eines bekannten Direktversicherers auf und ermitteln, wie viel wir als Rentenzusage bekommen, wenn wir:
- Im Alter von 60 Jahre eine Million € in eine Sofortrente einzahlen.
- Daraus ab 65 Jahren eine lebenslange Rente beziehen.
- Da wir Familie haben eine 20-jährigen Rentengarantiezeit und eine Hinterbliebenenrente von 60% vereinbaren.

Der Betrag lautet für 100.000€ = 302€ garantierte Rente. Bei 1 Million also nur 3.020€ garantierte Rente ! Das ist der wahre Wert einer Million: 3.020€ monatliche Rente bis zum Lebensende !

Sie sind schockiert ? Dann rechnen Sie mal selber nach. Das bedeutet, jeder Pensionär des öffentlichen Dienstes, der in der Nähe seines Renten/Pensionsbeginns eine Pensionszusage oberhalb 3.000€ pro Monat besitzt, besitzt damit einen Vermögenswert von ca. 1 Million€ und mehr. Aber auch die eher spärlichen Renten der gesetzlichen Rentenversicherung, haben durch die Bank hohe 6-stellige Kapitalwerte.

Und ich wiederhole noch einmal: ein Selbstständiger, der für seinen Lebensabend selber vorsorgen muss, hat dieses Geld eben in anderen Anlageformen. Aber ist ein Rentner/Pensionär mit 3.000€ pro Monat reich ? Noch dazu, wenn man berücksichtigt, dass das ja nur der Kapitalwert ist. Die meisten werden daneben auch sonstiges Vermögen in Form von Sparbüchern, Immobilien, Autos, Gold etc besitzen und auch schon mit 2.000€ Pensionsanspruch schnell die 1 Million € Vermögenswert erreichen.

Und deshalb sind nach der Logik der Grünen Sie reich ! Ja, genau Sie, mit dem durchschnittlichen Einkommen und den Pensionsansprüchen ! Sie sind der „Geldsack“, der hier gemolken wird. Die wirklich Reichen sind doch schnell im Ausland. Und für alle Parlamentarier gilt nach der Logik der Grünen: Alle Politiker sind reich !

Ist Trittin jetzt also so doof, nicht zu erkennen, dass er gerade seine eigene Pension durch die Vermögensabgabe um 15% kürzt ? Ehrlich, für dumm halte ich ihn nicht.

Will Trittin also all seinen Kollegen in Bundes- und Landes-Parlamenten erklären, dass sie auf ihre Pensionszusagen seine 15%ige Vermögensabgabe zu zahlen haben, weil sie zusammen mit sonstigem Vermögen garantiert darüber liegen ? Von der Ministerialbürokratie ganz zu schweigen, die aufgrund ihrer Pensionszusagen auch ausnahmslos alle unter diese Grenze fallen ! Auch das kann ich mir nicht vorstellen. Wenn das den Parlamentariern klar würde, ist die Vermögensabgabe der Grünen sofort tot. Denn jeder der zwei Legislaturperioden in einem Parlament gesessen hat, dürfte zusammen mit sonstigem Vermögen genügend Kapitalwert bei seinen Pensionsansprüchen haben, um die Million € zu reissen. Und reich sind ja immer nur die anderen !

Bliebe also nur eine Möglichkeit. Und die halte ich persönlich für die Wahrscheinlichste. Man wird versuchen, diese Pensionszusagen heraus zu rechnen und nicht als „Vermögen“ zu deklarieren. Und damit andere Formen der Vermögensbildung diskriminieren. Und damit gerade die Selbstständigen und Unternehmen schädigen, die keinen Zugang zu Staatsversprechen haben. Was aber ein klarer Verfassungsverstoss wäre, klarer geht es kaum. Nur vergehen zwischen Gesetz und Urteil ja Jahre und bis dahin kann man schön abkassieren.

Ob die Grünen nun zu dumm sind, diese Problematik zu durchdringen, oder ob sie nur die Wähler mit billigem Neid-Populismus für dumm verkaufen wollen, überlasse ich Ihnen.

Logik hat dieses Konzept auf jeden Fall vorne und hinten nicht. Und „reich“ sind nach der Definition der Grünen …. SIE ! … ja genau SIE !

Wer braucht denn auch schon 3.000€ monatlich im Alter. Unerhört ! Unsozial ! Ungerecht ! Solche Geldsäcke müssen zum Wohle der Gerechtigkeit unbedingt gemolken werden. Also seien Sie still und seien Sie Herrn Trittin dankbar, was er alles Gutes mit Ihren Ersparnissen machen wird. Haben Sie einfach Vertrauen !

Amen

PS: Ich hoffe Sie verzeihen mir diese politische Wutrede. Aber das musste mal sein und mir geht es danach etwas besser.

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Finanztransaktionssteuer – Von Ahnungslosigkeit und Lobbyismus – Eine Wutrede

Nachdem die EU-Kommission einen ersten Vorschlag zur Finanztransaktionssteuer vorgelegt hat, gehen die Berichte über erste Einzelheiten durch die Welt, nachzulesen unter anderem -> hier <-.

Wenn ich lese, was sich da wieder ausgedacht wurde, steigt mir die Zornesröte ins Gesicht und ich kann nicht anders, sondern muss zu einer sehr persönlichen Wutrede ansetzen. Wer klare Worte in einem persönlichen Kommentar nicht erträgt, möge nicht weiterlesen.

Zunächst ist es mir wichtig festzuhalten, dass ich durchaus ein Freund der Idee einer - richtig umgesetzten - Börsenumsatzsteuer (Tobin Tax) bin. Die Absichten die sich damit verbinden, sind nicht nur ehrenhaft, sondern sogar sehr sinnvoll.

An erster Stelle steht für mich die Entschleunigung der Märkte. Man sollte sich darauf zurück besinnen, was der volkswirtschaftliche Sinn eines Aktienmarktes ist. Er dient dazu den Wert von Firmen und Geschäftsmodellen festzulegen und die Unternehmen daher mit Kapital für ihre Aktivitäten zu versorgen.

Über die Pervertierung des Marktes als Spielplatz von wild gewordenen Algorithmen wurde völlig vergessen, dass die Erfindung eines Marktes zum Austausch von Waren und zur Festlegung von Preisen im freien Spiel von Angebot und Nachfrage, eine der ganz wesentlichen zivilisatorischen Errungenschaften der Menschheit ist. Ohne die Erfindung des Marktes wäre zum Beispiel Arbeitsteilung nicht möglich gewesen, denn der Bauer der im Herbst seine Ernte zu Geld machen will, hätte keine Chance gehabt auf genügend Käufer zu treffen. Ohne Markt keine Arbeitsteilung. Und ohne Arbeitsteilung keine Zivilisation. Dieser Zusammenhang ist ebenso wahr, wie von der breiten Masse unverstanden.

Dieser volkswirtschaftliche Sinn der Aktien-, Devisen- und Anleihenmärkte ist extrem hoch und kluge Politik würde alles unterlassen, was diese wichtige Funktion der Märkte behindert. Umgedreht würde kluge Politik alles unterbinden, was das Funktionieren des Marktes als Preisfindungsorgan in Frage stellt. Und multi-millionen Pseudotransaktionen im Millisekundenbereich im High Frequency Trading (HFT) haben schlicht null volkswirtschaftliche Bedeutung, im Gegenteil, sie stellen die Funktionsfähigkeit der Märkte in Frage. Und Millionen an Derivaten, in denen die vorhandenen echten Assets in Form von Aktien, Anleihen oder Devisen nur umverpackt und duchgequirrlt werden, um in der komplexen Konstruktion die Ertäge des Finanzsektors zu verstecken, haben auch keine volkswirtschaftliche Bedeutung. Zumal keiner dann mehr versteht, was hinter der vierten Umverpackung überhaupt noch enthalten ist, wie ja wunderbar 2008 zu beobachten. Die Welt wäre eine bessere, gäbe es diese Derivate nicht. Die Welt wäre aber nicht die gleiche, gäbe es keine freien Märkte für Aktien, Anleihen und Devisen.

Vor diesem Hintergrund könnte eine kompetent ausgeführte Finanztransaktionssteuer eine gute Sache sein. Sie könnte den Finanzsektor tatsächlich beteiligen, weil sie jede Transaktion einer kleinen Umsatzsteuer unterzieht. Und sie könnte die Finanzmärkte entschleunigen, weil nur noch echte Transaktionen mit echten Assets im Hintergrund wirtschaftlichen Sinn machen. Die Algorithmen des HFT wären auf jeden Fall sofort unwirtschaftlich. Und von den Börsenbetreibern abgesehen, die weniger Umsatz machen, würde niemand auf der Welt HFT vermissen.

So weit doch eigentlich eine schöne Ausgangslage und nun schauen wir mal, was unsere ach so kluge EU-Kommission daraus gemacht hat.

0,1% Transaktionssteuer pro Aktientransaktion und 0,01% pro Derivat. Hallo ? Warum wohl soll der volkswirtschaftlich sinnvolle Transfer von Unternehmensanteilen 10x so stark besteuert werden, wie so ein sinnloses Derivat ? Kann mir das einer von den EU-Bürokraten bitte erklären ? Und damit das híer kein EU Bashing wird, weite Teile der deutschen Politik, angeführt von SPD und Grünen begrüssen das ja scheinbar auch. Von dem Teil der Bevölkerung mal ganz abgesehen, der schon bei der Prozentrechnung in der Schule abwesend war.

Ich habe eine starke Vermutung woran das liegt. Und ja, es ist meine persönliche, gemeine, unfaire und höchst subjektive Meinung und reine Vermutung. Ich habe dafür keine Beweise, nur meinen in Jahrzehnten gestählten Riecher.

Aber ich vermute stark, dass die Finanzlobby bei der Definition des Vorschlages kräftig mitgemischt hat. So läuft es halt in Brüssel. Und das ist halt die Folge davon, wenn die Politik nicht wirklich etwas von Themen versteht, über die sie Gesetze verfassen will. Wenn Ahnungslosigkeit und Lobbyismus zusammen treffen, wird es für die Bürger und Firmen die nicht mit am Tisch sitzen und keine Lobby haben, halt oft sehr teuer.

Wobei, so sehr überrascht bin ich ja nicht. Denn aus der globalen Sicht eines ideologisch beseelten Politikers ist die Welt doch auch mal wieder ganz schlicht: Aktien und dieses ganze "Zockerzeug", das muss doch was mit der bösen Finanzindustrie zu tun haben. Und wenn man das irgendwie besteuert, trifft man schon den Richtigen. Jawoll !! Leider Nein, meine lieben gerechtigkeits-beseelten Politiker, leider Nein !

An einer realen Aktientransaktion, wenn also Bürger/Firma A über die Börse von Bürger/Firma B ein Aktienpaket kauft, verdient die Finanzindustrie so gut wie nichts. Alleine die Broker und die Börsen verdienen ein bisschen Transaktionsgebühr, das ist aber nicht das Geschäft der gelgehaarten Jünglinge des Herrn Jain in London. An solchen realen Aktiengeschäften, hat die Finanzindustrie kein besonderes Interesse, daran verdient sie nicht viel.

Ein Interesse hat die Finanzindustrie aber daran, ihre unzähligen Derivate als "Produkte" umzuverpacken und teuer in die Welt zu bringen. Ein Interesse hat die Finanzindustrie daran, wenn mit diesen "Produkten" fröhlich Handel betrieben wird, je mehr desto besser.

Und jetzt frage ich Sie vor diesem Hintergrund: warum sollen volkswirtschaftlich sinnvolle Aktiengeschäfte 10x so stark besteuert werden wie Derivate ? Wer hat da "beratend" mitgewirkt ? Fakt ist, Bürger und Firmen die mit realen Assets am Markt agieren wollen, haben keine Lobby.

Richtig wäre es genau umgedreht. Wenn überhaupt, dürften alle Geschäfte mit realen Assets wie Aktien, Anleihen und Devisen nur sehr minimal besteuert werden. Gerade so, dass das HFT unprofitabel wird. Alle Derivate aber sollten einen hohen Steuersatz haben. Genau dann würde der Finanzsektor beteiligt. Das würde 90% des derivativen Mülls im Markt einfach tot schlagen. Und übrig bleiben würden nur die wenigen derivativen Konstruktionen, die tatsächlich einen volkswirtschaftlichen Mehrwert schaffen, so zum Beispiel beim Währungshedging, das viele Firmen betreiben müssen. Denn nicht alle Derivate sind perse unsinnig, weite Teile des Wildwuchses aber schon. Die Finanztransaktionssteuer wäre so das Medium, das die Spreu vom Weizen trennen würde.

Warum also 0,1% auf Aktiengeschäfte und 0,01% auf Derivate ? Kann mir das einer mal erklären und meinen Verdacht ausräumen, dass hier Ahnungslosigkeit auf Lobbyismus getroffen ist ? Ich wäre wirklich dankbar, wenn mir jemand meinen Glauben an die Kompetenz der Politik wieder geben könnte. Also her mit den Argumenten, BITTE !

Aber als ob das nicht reichen würde, um mir die Frustration ins Gesicht zu malen, tut dann "Volkes Stimme" in Form der Meinungen der durchschnittlichen Foristen zum Thema ihr Übriges, wie oben im Artikel im Forum nachzulesen.

Ich will deshalb mal in Erinnerung rufen, was diese 0,1% pro Transaktion wirklich sind und was sie für uns Bürger, für die Volkswirtschaft und für die Aktienmärkte bedeuten werden:

1. Erstens ist es eine Steuer die auf den Umsatz und nicht auf den Gewinn anfällt. Die beste Entsprechung dazu wäre die Grunderwerbsteuer, auch eine Steuer die auf die gesamte Transaktion gewinnunabhängig anfällt. Jetzt beträgt diese aktuell ca. 3-5%. Nur kauft ein normaler Bürger ohne wirtschaftliches Interesse am Immobilienmarkt im Leben vielleicht 1-3 Objekte. Selbst ein konservativer Aktien-Anleger hat aber im Jahr eine kleine zweistellige Zahl von Transaktionen.

2. Addieren sich so pro Kauf plus Verkauf 0,2%. Multipliziert mit der Umschlaghäufigkeit, die bei Lesern dieses Blogs sicher im Bereich 2-10x pro Jahr liegen dürfte, kommen so schnell 2% zusätzliche jährliche Kosten zusammen. Das ist eine gewaltige Hürde um am Aktienmarkt überhaupt Geld verdienen zu können.

3. Werden diese neu anfallenden Kosten von der vermeintlich "beteiligten" Finanzindustrie einfach umgelegt und den Bürgern in Rechnung gestellt. Am Ende verteuern sich damit nicht nur Aktientransaktionen der "bösen" Zocker, sondern Fondsparpläne werfen niedrigere Renditen ab und die Lebensversicherungen sind noch weniger in der Lage, für ihre Versicherten eine auskömmliche Rendite zu erwirtschaften, denn mit Anleihen alleine geht das nicht mehr. Am Ende zahlen alle Bürger in Deutschland gleichermassen, die Geld anzulegen haben oder für ihren Ruhestand vorsorgen wollen.

4. Wird die Steuer damit zum Konjunkturprogramm für Derivate, denn plötzlich wird es Sinn machen, statt die Aktie direkt zu kaufen, ein "umverpacktes" Derivat zu kaufen. Die eine Hälfte dieses Vorteils steckt sich der Finanzsektor in die Tasche und freut sich über die tolle Finanztransaktionsteuer, die seine Taschen füllt, statt ihn zu "beteiligen". Über die andere Hälfte "freut" sich der normale Anleger und vergisst, dass er nicht 50% gespart hat, sondern ohne Grund nun eine Schuldverschreibung einer Bank (ein Derivat) im Depot liegen hat, wo er vorher zu geringeren Kosten wirklich Anteile an einem echten Unternehmen hielt.

5. Und zu guter Letzt wird der ganze deutsche Aktienmarkt leiden. Denn nach den Prinzipien der Kommission die in dem Artikel oben erklärt werden, müsste es auch der US Anleger mit US Broker zahlen, wenn er eine deutsche Aktie kaufen will. Was wird dieser institutionelle Anleger also wohl machen ? Genau: einen Bogen um den deutschen Aktienmarkt !

Short DAX und Long S&P500 dürfte dann eine sinnvolle Strategie werden. Aber bitte mit Derivat ! 😉 Ach schöne neue Finanztransaktionssteuer !

Jetzt höre ich schon die Stimmen, die mir erklären, so weit sei es ja noch nicht und es sei ja noch so vieles unklar. Das stimmt auch. Nur hat sich die Politik zu sehr auf die Einführung einer solchen Steuer festgelegt und sie hat die öffentliche Meinung hinter sich. Und es kommt die Wahl, die ein weites Feld für Populismus darstellt, zumal wenn Wähler keine Prozentrechnung beherrschen. Also wird eine solche Steuer kommen. Und wenn nicht so, dann noch schlimmer, Hauptsache man kann behaupten, man hätte "den Finanzsektor beteiligt".

Den Glauben, dass hier von alleine eine volkswirtschaftlich sinnvolle Lösung gefunden wird, habe ich nicht. Nennen Sie mich ruhig einen Defätisten. Ich nenne mich einen Realisten.

Ihr (frustrierter) Hari

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