Eine Range ist eine Range – Die Lehre des August



Eigentlich ist Börse ja ganz einfach und die Regeln die man braucht, um erfolgreich am Markt unterwegs zu sein, kann man in ein oder zwei Bücher stecken und mehr braucht es nicht. Insofern wiederhole ich hier auch immer wieder Dinge, zumal ja auch jedes Jahr neue Mitglieder dazu stossen, die diese Wahrheiten vielleicht erst aufnehmen müssen.

Das wirkliche Problem des Börsenerfolges, ist nicht zu wissen, wie es theoretisch geht, sondern es dann tatsächlich auch so zu tun und wer uns da immer mal wieder im Wege steht, wissen wir. Deswegen ist meine Gebetsmühle so wichtig für Sie, die immer wieder das Gleiche sagt, es aber immer wieder an anderen aktuellen Facetten festmacht. Und irgendwann geht diese Erkenntnis dann in "Fleisch und Blut" über.

Abgesehen davon, in jedem Geschehen kann eine lehrreiche Botschaft liegen und für das Geschehen des August, gilt das auch. Eigentlich ist es eine Trivialität, die ich Ihnen nun darstelle, aber auch Trivialitäten sollten - siehe oben - immer mal wieder in den Vordergrund gehoben werden.

Sie erinnern sich ja, dass ich für den August eine volatile Seitwärtsbox erwartet hatte, das wurde es dann auch, nur eine halbe Etage tiefer, "Dank" einer völlig überraschenden Eskalation von Trump Anfang August:

Und jetzt hat es im August sozusagen zwei Wirklichkeiten gegeben.

Die erste Wirklichkeit konnte man im Forum auch merken, die Wirklichkeit derer, die an den täglichen Swings emotional Teil hatten und die darauf reagiert haben. Selbst mich hat dann ja Trumps "außer Kontrolle geraten" am Freitag 23.08. im Urlaub an die Tasten gezwungen, der Artikel -> möglicher Wendepunkt <- war ein Ergebnis davon.

Nun hat Trump aber schon am Freitag Abend seinen Fehler erkannt, fallende Kurse sind offensichtlich das beste Signal, das man ihm senden kann, einen Fehler gemacht zu haben. So hatte er schon am Wochenende überfreundlich beim G7 und direkt am Montag mit diversen Tweets versucht, die Scharte auszuwetzen und da die Chinesen mitgespielt haben, ist ihm das auch gelungen und der "mögliche Wendepunkt" blieb eben ein "möglicher" - mal wieder.

Die zweite Wirklichkeit, waren aber die, die von dieser Range ausgegangen sind, in Ruhe Urlaub gemacht haben und sich von dem Gezappel nicht haben irritieren lassen. Die haben ihre Energie nicht ohne Ergebnis verbraucht und stehen nun genau so da, wie Anfang August - nur ausgeruhter.

Ich selber habe 80% der Zeit zur zweiten Kategorie gehört, so wie ich das im Urlaub ja auch sein will. Und die restlichen 20% waren die Zeit, in der mich Trump mit seiner Unberechenbarkeit dann doch an den Schirm gezwungen hat, weil es zu riskant zu werden schien.

Nun spielen natürlich auch immer die Absichten eine Rolle, für einen kurzfristigen Swing-Trader, der auch im August handeln will, gehört es eben zum Geschäft, bei so etwas dabei zu sein.

Für die große Mehrheit hier, der eher mittel- und langfristig Orientierten, war der Börsen-August aber schlicht vergeudete Zeit - viel Drama um Nichts - denn diese wollen die 2 oder 3 großen Bewegungen des Jahres mitnehmen, aber nicht so ein Gezappel. Eine mögliche Jahresendrally, darf man da nicht verpassen, den August sehr wohl.

Trotzdem dürften viele sich haben hereinziehen lassen, die das eigentlich nicht wollten. Wenn das nur zur Unterhaltung war und man ansonsten Langeweile hatte, war das ja OK. Es war *sehr* unterhaltend! 😀

Wer sich aber reaktiv hat zu Handlungen hinreissen lassen, die der Markt dann gleich durch den nächsten Swing zerrieben hat, der muss sich fragen, wie man das in Zukunft vermeiden kann.

Eine mögliche Antwort ist ganz simpel, denn eine Range ist eine Range. Wir wissen ja, solche Strukturen dienen ja gerade dazu, dass wir sie handeln.

Und hier hätten Trader wie mittelfristige Anleger besser damit gelegen, diese Range zu beachten, nachdem sie sich entwickelt hatte.

Denn Trader hätten die jeweiligen Grenzen invers gespielt, wie das die Algos ja auch gemacht haben. Und damit schöne Gewinne eingefahren, statt den Kursen hinterher zu laufen. Und Anleger hätten die Swings ignoriert, bis ein wirklicher Ausbruch da ist und Energie gespart.

Natürlich musste man an Tagen wie dem 23.08. informell aufmerksam werden und sich zurechtlegen, was man tun würde, wenn. Aber eben erst *wenn*, wenn die Range gebrochen wurde und eine starke Bewegung im Gange ist.

Zu Handlungen, hatten aber nur die Trader Anlass, die so eine Range bewusst spielen, denn die Range blieb eben den ganzen August eine Range.

Für alle Arten kurz- und mittelfristiger Anleger gleichermassen, hat diese Range des August den ganzen "Noise", das ganze mediale Informationschaos zum Thema Trump und China, also in ein wunderbar, mit ruhiger Hand handelbares Muster gepackt. Und alles was man tun musste, war dieses Muster zu beachten. Hört sich doch einfach an, oder? Passt locker in ein Buch. 😛

Wer war also besser dran frage ich Sie? Der, der jede Nachricht sofort mit Aktionen nachhandeln wollte oder der, der einfach dieses Muster zum Maßstab gemacht hat? Wer mit ruhiger Hand agieren will, tut also gut daran, wichtige technische Strukturen zu beachten und nicht jeder medialen Tendenz nachzulaufen.

Sie wissen natürlich, dass ich so denke, insofern sind diese Worte weder neu, noch innovativ, noch überraschend. Aber alle paar Monate kann und soll man sie in Erinnerung rufen, denn "wir handeln was wir sehen" und "die Wahrheit liegt auf dem Platz".

An diesem August, ist auf jeden Fall wieder wunderbar nachzuvollziehen, warum das Prinzip so wichtig und allen anderen Deutungsversuchen überlegen ist.

Amen 😀

Ihr Hari

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Pasolinis Investmentkonzept

Ich freue mich heute besonders, dass uns unser "Pasolini" im Folgenden sein persönliches Investmentkonzept vorstellt, das er insbesondere auch durch den Input hier im Blog, nun für sich gefunden hat.

Sie werden darin einige Elemente wiederfinden, die Sie hier im Blog schon gelesen haben. Das alles ist aber so angepasst, dass es seinen persönlichen Bedürfnissen entspricht und genau das ist der Sinn einer eigenen Strategie.

Denn wir werden nicht alle die Art wie man Investments verwaltet, neu erfinden können, das wäre noch nicht einmal wünschenswert. Bei der eigenen Strategie geht es also weniger darum "Neues" zu erfinden, als die bekannten und bewährten Techniken so zu selektieren, strukturieren und anzupassen, dass diese den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Übrigens ist auch völlig klar, dass keine Strategie bis ins letzte Detail ausformuliert und ohne jede Inkonsequenz sein kann. Der Markt ist immer in Bewegung und so muss auch unsere Strategie flexibel sein. Man kann bei der Dokumentation einer Strategie zu oberflächlich sein, dann ist es keine. Man kann aber auch zu detailverliebt sein, dann wird diese von der Realität schnell auf den Boden der Tatsachen zurück geholt.

Die Kunst einer praktikablen Strategie liegt darin, so präzise wie möglich, aber gleichzeitig so flexibel wie nötig zu sein.

Nach dieser Vorrede danke ich Pasolini und wünsche viel Spaß beim Lesen:

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Mein Investmentkonzept

Es hat ein paar Jahre gedauert, aber wie sagt man so schön: gut Ding will Weile haben. Diese Zeit hat es gebraucht, um ein Investmentkonzept zu entwickeln, das meinen Vorstellungen nahekommt, dem KISS‒Prinzip verpflichtet ist und in einem überschaubaren Rahmen dargestellt werden kann.

Viele Anregungen verdanke ich diesem Blog, im Besonderen natürlich den Beiträgen von Hari, aber auch den Posts zahlreicher anderer Mitglieder. Dafür möchte ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken. Ideen beigesteuert haben auch verschiedene amerikanische Seiten, von denen ich Seeking Alpha und StockCharts.com hervorheben möchte.

Welche Erwartungen richten sich an ein solches Konzept? Für mich sind es drei Anforderungen, die es zu erfüllen gilt. Es muss:

  • eine Strategie für den Aufbau eines Investmentdepots liefern,
  • eine Auswahlliste mit Investmentkandidaten bereitstellen und
  • ein Monitoring‒Verfahren für die Überwachung des Depots vorsehen.

Die drei Bestandteile werden in der Folge dargestellt.

Investmentstrategie C & E

Meine Investmentstrategie folgt einem Core and Explore–Modell, bei dem um einen Kern von Langfristinvestments herum weitere Anlagen als Erweiterung und Ergänzung angesiedelt werden. Dabei entscheiden Fundamentaldaten über die Kandidatenauswahl, während die Positionsgrößen von der Markttechnik bestimmt werden. Ihre Umsetzung im Depot sieht einen Aufbau in Form von drei Säulen vor:

Säule A enthält die Kernpositionen des Depots, die als Langfristinvestments angelegt sind. Dabei handelt es sich um Dividendenwerte, deren Ausschüttungen wieder angelegt werden. Die Strategie ist als Dividenden-Wachstums-Strategie (DWS), englisch Dividend Growth Investing (DGI), bekannt.
Als zweiter Wachstumstreiber kommt hier der Zinseszinseffekt ins Spiel, der mit Fortschreiten der Zeit einen starken Beitrag zum Anstieg der Rendite leistet.
Geeignete Kandidaten finden sich unter Asset Managern, Konsumartiklern und Dienstleistern, Rückversicherern, sowie Infrastrukturunternehmen.

Säule B erweitert die Depotbasis und verfolgt dabei eine variable Trendfolge–Positionsgrößen‒Strategie mit internationalen Blue Chips aus den Sektoren zyklische Konsumwerte, Medtech, Industrie sowie Technologie.

Säule C stellt eine Ergänzung dar und wendet eine reine Trendfolgestrategie auf deutsche und europäische Nebenwerte mit guten Wachstumsperspektiven und internationale Unternehmen an, die Zukunftstechnologien besetzen. Die Auswahl wird von aktuellen Trends bestimmt.

In einem Aufwärtstrend sind alle 3 Säulen investiert und erreichen im Idealfall ihre maximale Gewichtung. Dabei nimmt die Positionsgröße von A nach C ab, während die Anzahl der Positionen in Säule B am höchsten ist.

In einer Abwärtsbewegung wird die Säule C auf Null reduziert, von den Werten in Säule B bleiben allein die Basispositionen im Rennen und nur die Positionen in Säule A bleiben als Ganzes erhalten und werden durch einen Index‒Put abgesichert.

Die Gewichtung der Säulen wird neben Anlagezielen und Risikoneigung von der langfristigen Zinsentwicklung bestimmt und kann unterschiedlich ausfallen. Im Regelfall wird die Säule B bei mir doppelt so stark gewichtet wie sie Säulen A und C.

Anzahl der Positionen
A: 5 - 8
B: 10 - 12
C: 5 - 10

Kommentar zur Auswahlliste

Die Liste enthält insgesamt 75 Positionen, die sich auf 8 Sektionen verteilen. Auswahlkriterien sind Wachstumsperspektive und Kurshistorie über ein bis zwei Dekaden, sofern vorhanden.

Es ist davon auszugehen, dass es noch einmal mindestens die gleiche Anzahl an Titeln mit ähnlichem Anspruch auf einen Listenplatz gibt, die hier nicht auftauchen. Das spielt aber im Rahmen meines Konzepts keine Rolle, denn die Strategie folgt dem Prinzip des "Reduce to the max.", was bedeutet, dass sie das Aktienuniversum auf eine für meinen Anlageerfolg minimal notwendige Auswahl reduziert.

Zudem handelt es sich bei der Liste nicht um ein statisches und in Stein gemeißeltes Dokument, sondern um eine dynamische Vorlage, die in regelmäßigen Abständen überprüft und angepasst wird. Vor kurzem erst wurde z.B. Red Hat ausgetauscht.

Von den 75 Positionen kommen aktuell 45 aus den USA und 16 aus Deutschland, während sich die übrigen 14 auf neun Länder verteilen: je zweimal vertreten sind CH, CN, F, GB, N, je einmal tauchen B, CDN, DK und RC auf.

Die Sektionen

Die DGI‒Abteilung enthält 10 Positionen, davon stammen 2 aus dem Finanz‒ (Asset Manager und Rückversicherer) und 3 aus dem Konsumsektor. Dazu kommen fünf Infrastrukturwerte. Die meisten sind schon länger am Markt tätig, während die beiden REITs, die Liegenschaften mit Mobilfunktürmen (American Tower) bzw. Serverfarmen (Cyrus One) betreiben, jüngeren Datums sind, aber über gute Perspektiven verfügen dürften.

Bei den Konsumwerten fällt das Fehlen der großen Dickschiffe ― die mit den Dickmachern, wie z.B. Nestlé, Unilever, Coca Cola, Kellogg's, Kraft Heinz Ketchup u.a. ― ins Auge. Da ich ihnen keine großen Sprünge mehr zutraue, sind sie für mich nur noch Tradingkandidaten.

Ähnlich sieht es in der Sektion Drug & Med aus, die ohne die großen Pharma‒ und Biotech‒ Konzerne auskommt. Das liegt daran, dass ich zu deren Perspektiven eine andere Ansicht vertrete als die Mehrheit der Mitglieder in der community (Vielleicht schreibe ich dazu mal einen eigenen Beitrag). Daher dominieren in meiner Auswahl die Medizintechnikwerte.

Bei den Holdings (und ähnlich diversifizierten Unternehmen) finden sich die bekannten und im Blog häufig erwähnten Namen. Dazu kommt mit Interactive Corporation ein Konzern, dessen Aktivitäten und Beteiligungen ganz auf Medien‒ und Internetdienstleistungen ausgerichtet sind.

Von den 10 Werten im Industriesektor kommen 5 aus den USA und 5 aus Deutschland / Europa. Vertreten sind Branchen und Unternehmen mit guten Zukunftsperspektiven, und die gibt es auch in Europa. So sieht das Chart von Legrand über die letzten sieben Jahre eindeutig besser aus als das von Johnson Controls, die in ähnlichen Geschäftsfeldern tätig sind. Warum also in die Ferne schweifen, wenn bessere Lösungen vor der Haustür warten? ― Für das Recycling‒Thema stehen Tomra (Plastik) und Umicore (Batterien).

Im Technologiesektor präsentieren sich die bekannten Platzhirsche mit Marktkapitalisierungen im dreistelligen Milliardenbereich, während die zur Säule C gehörende Sektion Technology B Werte der zweiten Reihe mit Marktkapitalisierungen im ein‒ und zweistelligen Milliardenbereich enthält. Zweite Reihe bedeutet dabei nicht zweitklassig, im Gegenteil, die hier versammelten Unternehmen glänzen mit hohen Wachstumsraten, die allerdings auch mit hohen Bewertungen einhergehen. Daher sind sie eindeutig volatiler als ihre größeren Brüder und bedürfen einer engeren Überwachung im Depot. Auch ist die Fluktuation in dieser Sektion höher als in der vorangehenden.

Das gerade Gesagte gilt für das Nebenwertesegment gleichermaßen, in dem eine Auswahl deutscher und europäischer Nebenwerte versammelt ist.

Wer die Liste genauer studiert, dem werden sicher einige Inkonsequenzen auffallen, z.B. die, dass mit Wirecard ein Wert, der gerade in den DAX aufgenommen wurde, unter Nebenwerte erscheint, während Titel, die in den Nebenwerteindices der Deutschen Börse geführt werden, in meiner Liste in ihren Branchensegmenten auftauchen. Das liegt an der Systematik des Listenaufbaus und ist eine bewusste Entscheidung. Zudem sind Titel wie Carl Zeiss Meditec und MTU Aero Engines mit Marktkapitalisierungen von sieben bzw. zehn Milliarden EURO keine ganz kleinen Fische mehr.

Und natürlich kann auch der Fall eintreten, dass Titel dieser Liste zusätzlich im Tradingdepot erscheinen, z.B. dann, wenn ich eine bestimmte Konstellation / ein bestimmtes Chartmuster für besonders aussichtsreich erachte. Dabei können dann auch Hebelprodukte zum Einsatz kommen.

Monitoring

Neben Auswahl und Einstieg ist die Überwachung des Depots entscheidend für den Anlage-erfolg. Zahlreiche Blogbeiträge zeigen an, dass das Thema ein Dauerbrenner ist. Mein Ansatz ist ein abstract aus eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen aus eben diesen Beiträgen.

Mein Monitoring erstreckt sich auf drei Ebenen, die Ebene des Gesamtmarktes, die Ebene der Sektoren / Industrien ( Branchen) und die der Einzelwerte.

Gute Dienste als Proxy für den Gesamtmarkt leistet der S&P 500, und als Demarkationslinie zwischen Bullen‒ und Bärenland der SMA 12 im Monatsfenster, alternativ der EMA 10 (Hari hat es mehr als einmal demonstriert). Gefahr ist aber nicht nur dann im Verzuge, wenn der Kurs des Index in einer Abwärtsbewegung diese Linie durchstößt, sondern auch dann, wenn er sich in einer Aufwärtsbewegung zu schnell zu weit nach oben von dieser Linie entfernt und ein Umkehrsignal ausbildet, wie z.B. Ende Januar/Anfang Februar 2018.

Neben dem Kursverlauf gilt es auf dieser Ebene einen weiteren Punkt zu beachten, und das ist die Marktbreite. Wenn die Aufwärtsbewegung des Index nur noch von ein oder zwei Sektoren oder einigen wenigen hochkapitalisierten Werten getragen wird, während der Rest des Markts stagniert oder den Rückwärtsgang einlegt, ist erhöhte Vorsicht geboten, denn das könnten Vorboten für ein nicht so fernes Trendende und den Beginn einer Korrektur sein.

Als Proxy für die Sektoren und Branchen bieten sich die entsprechenden ETFs an. Eine einfache Übung beim Monitoring besteht darin, ihre Kursentwicklung in Relation zum Gesamtmarkt im Wochenchart zu beobachten. Wenn dabei auffällt, dass sich einzelne Bereiche vom Gesamtmarkt abkoppeln, wie 2014 der Energiesektor oder 2015 die Pharma‒ und Biotechwerte, besteht Handlungsbedarf.

Ein zeitlich näherliegendes und besonders interessantes Beispiel liefert hier der Halbleiter‒ETF SMH, der bereits im November 2017 eine erste scharfe Korrekturwelle durchlief, also schon etwa acht Wochen vor dem Nasdaq 100 und dem Gesamtmarkt. Ob das ein zufälliges Zusammentreffen war, oder ob der SMH auch bei anderen Gelegenheiten seine Qualitäten als Frühindikator offenbart, vermag ich (noch) nicht zu sagen, richte aber inzwischen besondere Aufmerksamkeit auf den Verlauf dieses Proxys.

N.B.: Zu beachten ist auch, dass nicht immer alle Werte eines Sektors oder einer Branche sich im Gleichschritt bewegen. Um bei den Halbleitern zu bleiben, Nvidia z.B. beteiligte sich nicht an der seit einem knappen Jahr laufenden Konsolidierung der Branche, sondern ging erst Anfang Oktober 2018 zusammen mit dem Gesamtmarkt in eine Konsolidierung über, und Advanced Micro Devices hatte seine bereits im Frühjahr 2018 beendet und einen neuen Aufwärtstrend begonnen.

Was zuvor über die Ebene der Sektoren und Branchen gesagt wurde, gilt auch bei den Einzelwerten. Neben dem absoluten Kursverlauf widme ich der Entwicklung in Relation zur Branche, zum Sektor und zum Gesamtmarkt besondere Aufmerksamkeit, denn mit ihr fallen (Fehl‒)Ent-wicklungen wie z.B. die bei General Electric schnell ins Auge.

Vom Beobachten zum Handeln: dabei orientiert sich der regelbasierte Ansatz an einer (oder mehreren) Hilfslinien, die in das Chart eingezeichnet werden. Dazu zählen die Primärtrendlinie, Widerstands‒/Unterstützungslinien, sowie gleitende Durchschnitte. Ich selbst bevorzuge einen gleitenden Durchschnitt über 20 Perioden (SMA 20) im Wochenfenster.

Natürlich gibt es auch hier immer wieder knifflige Situationen, z.B. dann, wenn der Kurs die Linie nur für kurze Zeit unterschreitet und dann wieder nach oben dreht. Das ist aber ein inhärentes Problem jedes regelbasierten Ansatzes und spricht nicht gegen dieses Vorgehen.

Und natürlich gibt es auch Entwicklungen, die nach diskretionärem Handeln verlangen. Das ist z.B. dann der Fall, wenn ein Kurs sich relativ weit (20%, 30%, oder mehr) nach oben von der Primärtrendlinie oder dem gleitenden Durchschnitt entfernt und dann ein Umkehrsignal ausbildet. Bei einer solchen Konstellation reduziere ich die Position (und freue mich, dass Haris Darstellungen mir diese Handelsstrategie nahegebracht haben).

Wichtig ist, sich immer wieder vor Augen zu führen, dass bei Anwendung eines systematischen Analyseverfahrens auf eine dynamische Entwicklung wie die von Aktienkursen, bei denen es keine Sicherheiten, sondern nur Wahrscheinlichkeiten gibt, Reibungsverluste nicht vermieden, sondern nur verringert werden können.

Chartanalyse und Handelsentscheidungen sind und bleiben permanente Herausforderungen.

Fazit

  • Das Handeln auf der Grundlage eines eigenen Konzepts verleiht dem Investmentprozess Struktur und Sicherheit.
  • Ein solches Konzept ist niemals statisch, sondern immer dynamisch, denn der Markt selbst ist ein dynamisches Gebilde, das ständig in Bewegung ist. Daher sollte das Konzept so angelegt werden, dass sein Rahmen robust genug ist, um über einen längeren Zeitraum Bestand zu haben, zugleich aber so elastisch, dass notwendige Anpassungen in Form von Feinjustierungen jederzeit vorgenommen werden können.
  • Ein solches Konzept entsteht aus der Synthese eigener Erfahrungen am Markt und vieler Anregungen von außen und bedarf einer längeren Inkubationszeit.
  • Die wohl wichtigste Erkenntnis: eigene Erfahrungen können nicht durch fremde ersetzt werden. Daher können meine Ausführungen immer nur als Anregung dienen, niemals als Blaupause.

Pasolini

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31. Die Trennung


Im Anlageuniversum gibt es eine Vielzahl romantischer Ansätze. Ein sehr beliebter ist das Erwerben eines Wertpapiers für die Ewigkeit. Gleichsam dem Führen einer Ehe, die nur noch durch den Tod geschieden werden kann. Diese Endgültigkeit kann auf vielen Ebenen unbefriedigend und einengend sein. Im schlimmsten Fall in eine Art der Midlife-Crisis führen, die alles zunichtemacht und einen am Ende allein dastehen lässt. Dabei gibt es für Wertpapiere eine einfache Lösung:

Die Trennung.

Anders als beim Beenden einer Ehe, ist dieser Schritt im Rahmen einer Wertpapierdisposition wesentlich unkomplizierter durchzuführen. Voraussetzung: Internet, Endgerät, PIN/TAN und Willenskraft. Nach einer knappen Minute kann so das Grauen beendet sein, wenn es sich als solches darstellt. Bei einer guten Diversifizierung im Depot, sollte diese Maßnahme auch wesentlich kostengünstiger über die Bühne gehen.

Aber bitte nicht die falschen Schlüsse ziehen: Haremsbildung und Vielweiberei -auch im Sinne einer Diversifizierung- bleibt hierzulande illegal! 😉

Wenn ich meine eigenen Depots betrachte, so haben sich diese im Laufe der Jahre stark verändert. Ich besitze nur noch einen Titel aus 2008, dem Jahr vor Einführung der aktuellen Kapitalertragssteuerregelung mit Wegfall der Spekulationsfrist von einem Jahr. Das ist eine Basisposition in MunichRe - übrigens zugleich der einzige deutsche Titel, der mir verblieben ist. Nebenbei, sehe ich bei diesem Titel aktuell weder Bedarf zum Verkauf noch zum Aufstocken, ich nehme hier eine neutrale Position ein.

Zurück ins Jahr 2008. Hier war ich noch ein anderer. Ich griff damals beherzt zu, um ein ewiges Depot zu schaffen, welches ich oder meine Erben zu meinem Lebensende dann steuerfrei auflösen könnten. Nur hatte ich einen ganz blöden Denkfehler gemacht. Ich investierte ausschließlich in Dividendentitel. Warum Fehler? Die Erfahrenen unter uns werden sofort die Antwort wissen. Dividenden unterliegen vollständig der Kapitalertragssteuer zzgl. Soli und ggf. Kirchensteuer, d.h. meinen avisierten Steuervorteil genieße ich nur bei einer stark positiven Entwicklung meines Underlyings. Das kann auch bei dividendenstarken Aktien der Fall sein, traf aber in der Nachbetrachtung bei meinen Anlagen nicht zu. Die Aktie der MunichRe bestätigt dies gut, die Kursentwicklung ist zwar insgesamt positiv, aber die Summe der Ausschüttungen über die vergangenen Jahre und die darauf fällige Kapitalertragssteuer liegen deutlich darüber. Eine Anlage in einen Wachstumstitel, der die Gewinne thesauriert und für unternehmerische Expansionen erfolgreich einsetzt, wäre womöglich die bessere Wahl gewesen.

Letztendlich ist es aber unwichtig, was die bessere Wahl gewesen wäre, denn ich habe meine damalige Strategie kritisch hinterfragt und erkannt, dass ich nicht nur einen Denkfehler bei der Auswahl der Titel hatte. Es hat sich in meinem Fall erwiesen, dass eine ewigen Anlage -gerne auch als Investment- oder Valuestrategie umschrieben- nicht funktioniert. Es behindert mich, mir Fehler einzugestehen und die notwendigen Korrekturen vorzunehmen. Zudem möchte mein Kapital auch gerne neuen Trends folgend investieren sowie das Anlagerisiko durch Streuung und Umschichtung minimieren.

Hierzu bedarf es einer flexiblen Strategie. Dies bedeutet nicht, alle zwei Wochen eine vollständige Depotumstellung vorzunehmen. Ganz in Gegenteil. Dadurch, dass ich mich gedanklich von einer starren Betrachtung gelöst habe, halte ich die Titel im Durchschnitt länger, denn ich lasse den positiven Entwicklungen freien Lauf. Die Fehlgriffe aber, die immer wieder vorkommen, werden sehr schnell und konsequent korrigiert. Diese "sekundären" Umschichtungen erzeugen lediglich ein leichtes Flimmern im Depot. Die gut laufenden Primärinvestitionen dagegen liefern Ruhe und Kontinuität. In Kombination mit dem konsequenten Eingehen von Basisposition zu Beginn und dem bei positiver Entwicklung anschließenden schrittweisen Ausbau dieser, ist man insgesamt gut abgesichert. Der Fehlgriff wird also niemals die Größe einer Basisposition überschreiten und zu überproportionalen Verwerfungen führen können. Gleiches gilt auch für den sukzessiven Abbau der Primärinvestitionen, wenn sich hier eine Trendumkehr und Distribution abzeichnet oder das Marktumfeld zur Reduzierung des Risikos insgesamt zwingt.

Ein angenehmer Nebeneffekt dieser Herangehensweise ist, dass sich das Depot immer "grün" darstellt. Die Rohrkrepierer werden halt sofort eliminiert. Das schützt natürlich nicht vor einer insgesamt negativen Vermögensentwicklung. Hier muss abseits des aktuellen Depots saldiert werden. Sollte sich dabei herausstellen, allzu viele Schnellkorrekturen vornehmen zu müssen, dann ist die Einstiegsstrategie wohl tiefgreifend zu überdenken. Problematisch wird es für diejenigen, welche den Empfehlungen unermüdlicher Marktschreier folgen und die Selektion der Wertpapiere anderen überlassen. Ich darf aber an dieser Stelle davon ausgehen, dass wir hier an Bord diese Schwelle längst überschritten haben. Andernfalls bestünde die wahrscheinlich beste Absicherungsstrategie in einer Marktaskese.

Für mich gilt es daher, vor Eröffnung einer ersten Position, eindeutige technische Signale abzuwarten, die einen Einstieg zumindest mittelfristig rechtfertigen. Gleiches gilt für etwaige Zukäufe. Damit definiert sich auch mein Zeithorizont, innerhalb dessen ich am Markt agiere. Ich persönlich handle auf Wochen- bzw. Monatsbasis. Das daraus auch mal Jahre werden, geschieht dabei ganz ohne Vorsatz und vollkommen zwanglos. Dennoch bin ich bereit, die Verbindung sofort zu trennen, wenn es die Situation verlangt.

Anders als bei einer Scheidung ist die endgültige Trennung von einem Wertpapier ein wichtiger und notwendiger Schritt zum Vermögenserhalt. Es besteht hier auch überhaupt keine Notwendigkeit mittels Therapeuten, Wahrsagern und Rechtsanwälten an einer Rettung der Beziehung zu arbeiten. Hier dürfen Sie beruhigt die Sau rauslassen, Widerspruch und Fehlentwicklung mit kompromissloser Härte bestrafen. Ein Wertpapier, welches keinen positiven Ertrag erwirtschaftet, hat weder unserer Aufmerksamkeit noch Liebe verdient! Hier denke ich ausnahmsweise mal ganz in Schwarz und Weiß.

Let's Pix it!

Ihr StockPix

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Der Trader Kodex



Es gibt Prinzipien, Grundregeln und Philosophien rund um den erfolgreichen Handel an Märkten, die kennen Sie als treue Leser sozusagen "rauf und runter", weil ich darauf immer beispielhaft verweise und manchmal sogar darauf "herum reite".

Und trotzdem macht es Sinn, diese noch einmal explizit aufzuschreiben. Das will ich heute rund um das Thema "Gelassenheit" tun und dafür das Geschehen bei Gold als aktuelles Beispiel benutzen.

Denn Sie wissen, dass ich die Rally bei Gold und den Goldminen, seit dem Jahresanfang 2016 auf dem Radar hatte, oft darüber in 2015 geschrieben habe und hoffentlich wie Sie auch, daran im Januar und Februar grossartig partizipiert habe.

Sie wissen auch, dass mir der Absprung nach dem grossen Schub, dann im Februar/März sehr gut geglückt ist und ich seitdem die Konsolidierung im 2. Quartal im Auge habe, die in der zweiten Jahreshälfte dann in eine Fortsetzung der Rally überleitet. Bis dahin ist alles perfekt "nach Plan" gelaufen, wie es besser kaum laufen kann.

Sie wissen aber auch, dass es mir Gold die letzten Wochen nicht leicht gemacht hat. Das Edelmetall eierte nahe am Desaster einer markanten SKS entlang und lange war unklar, in welche Richtung sich die Formationen auflösen werden. Widerstreitende Signale von Markttechnik und Marktdaten, machten die Einschätzung nicht leichter.

Weil das so war, habe ich mich - wie im Artikel -> Goldenes Rätsel <- beschrieben - auf meine Basispositionen zurück gezogen. Und habe der Versuchung widerstanden, mich auf eine Richtung festzulegen, weil einfach die Indikatoren zu diffus waren.

Nun scheint das Edelmetall nach oben auszubrechen und andere würden nun vielleicht hektisch werden, würden "hinterher laufen" wollen, würden sich über "verpasste Chancen" grämen und sich über sich selber ärgern, weil man vermeintlich "zu vorsichtig" war.

Ich aber, bin ganz ruhig und habe dieses Gefühl zu verpassen *nicht*.

Dabei hilft mir natürlich das Prinzip der Basisposition, die ich deshalb gehalten habe, weil ich von den mittelfristigen Aussichten des Sektors immer überzeugt war. Nur kurzfristig war die Lage indifferent.

Durch die Basisposition bin ich ja "dabei" und das streichelt die Seele. Dass ich aktuell nicht so stark dabei bin, wie es hätte sein können, ist emotional nicht so kritisch, wie das Gefühl ganz "zu verpassen". Und im Übrigen, wird sich das ja bei der nächsten guten Gelegenheit wieder ändern.

Aber abgesehen von diesem Emotions-Management, sehe ich es tatsächlich ganz gelassen. Denn ich habe mir in vielen Jahren antrainiert, mich nicht vom Markt treiben zu lassen, sondern mich nur dann festzulegen und etwas zu riskieren, wenn ich auch ein Setup vor mir habe, das aussichtsreich aussieht.

Dazu gehört dann aber auch die Fähigkeit hinterher sich nicht zu grämen und zu ärgern, sondern schlicht die Schultern zu zucken. Wenn man sich im Nachhinein die Situation erneut vor Augen führt und auch im Nachhinein zum Ergebnis kommt, dass die Gelegenheit nicht ausreichend klar war, dann war die Entscheidung völlig richtig, auch wenn der Markt dann einen anderen Weg gegangen ist.

Oder in anderen Worten: "Man kann am Markt alles richtig machen und trotzdem falsch liegen". Ziel muss sein, "alles richtig zu machen" - nicht aber, immer richtig zu liegen, denn das schafft man sowieso nicht.

Wir sollten uns also auf den Prozess der Entscheidungsfindung konzentrieren (alles richtig machen) und nicht auf das Ergebnis (richtig liegen), denn das Ergebnis kommt von ganz alleine.

Oder in anderen Worten:

Um Erfolg an den Märkten zu haben, muss man nicht jede Gelegenheit ergreifen. Wenn man aber eine Gelegenheit ergreift, muss es eine Gute sein!

Eine Sache so betrachten zu können, ist aber das Ergebnis von viel Reflektion, Übung und Arbeit an den eigenen Emotionen. Das kann man auch nicht in einem Lehrbuch lesen und dann hat es man es "intus", sondern das muss man sich hart erarbeiten.

Gerade aber diese Gelassenheit, die den Markt zu sich kommen lässt, statt ihm hinter her zu laufen, ist nach meiner festen Überzeugung ganz wichtige Grundlage für Erfolg an den Märkten. Ohne diese, wird man vom Markt getrieben und gehetzt wie ein wildes Tier bei der Treibjagd, wir aber müssen Jäger sein und nicht Gejagte.

Ich habe mir daher mal erlaubt, den "Jedi Kodex" umzuwandeln und daraus so etwas wie meinen Trader Kodex zu machen. Vielleicht sollten Sie mal darüber nachdenken:

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Es gibt kein impulsives Handeln, nur definierte Setups und Strategien.

Es gibt keine Sicherheiten am Markt, nur Wahrscheinlichkeiten und Opportunitäten.

Es gibt keine Angst vor dem Verlust, nur den ruhigen Schutz des eigenen Kapitals.

Es gibt keine verpassten Gewinne, nur die Harmonie der guten Gelegenheit.

Es gibt keinen Druck zum Handeln, nur Demut, Gelassenheit und Konsequenz.

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Ihr Hari

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Vorsicht versus Handeln: Rising Wedge im S&P500

Ende letzter Woche, habe ich Ihnen ja -> hier <- noch einmal den wichtigen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln dargestellt. Nun möchte ich diesen Unterschied auch an einem konkreten und aktuellen Beispiel deutlich machen.

Der Leitindex S&P500 befindet sich nun am Ende eines ziemlich eindeutigen "Rising Wedge" - zu deutsch "steigender, zulaufender Keil". Eine solche Formation im Aufwärtstrend ist tendentiell bärisch - ausser in einer sehr starken, bullischen Bewegung wie aktuell, deren Momentum noch nicht nachlässt. In so Fällen ist sogar eine erneute Beschleunigung nach oben denkbar - so verrückt sich das anhört. Wie hatten aber erst vor ein paar Wochen im Solar ETF "TAN" so einen Fall, wo aus so einem "Rising Wedge" eine weitere Beschleunigung resultierte. Auch dort war das unterliegende Bid im Markt aber extrem stark, wie auch aktuell im S&P500. Weswegen so eine Ausnahme auch nun wieder denkbar ist.

S&P500 Rising Wedge 02.12.13

Aber selbst in so einer dynamischen Bewegung wie aktuell, generiert so eine Formation bei Markttechnikern trotzdem jede Menge Warnsignale - und das völlig zu Recht. Da stellen sich einem sozusagen die "Nackenhaare auf". Auf der anderen Seite, hat der Markt dieses Jahr ja oft bewiesen, dass die Einflüsse der Notenbanken die natürlichen Schwankungen verzerren. Insofern ist eine solche Formation Anlass zur Vorsicht, aber eben (noch) nicht zum Handeln !

Noch ist der Aufwärtstrend voll intakt und hat unser Vertrauen verdient. Insofern wäre Handeln - nur weil man so einen "Rising Wedge" sieht - zunächst verfehlt. Der Zeitpunkt zum Handeln kommt aber dann, wenn diese Formation klar gebrochen wird. Und dafür habe ich Ihnen die beiden naheliegenden Stopmarken eingezeichnet, die jeweils mit Tiefs im Aufwärtstrend korrelieren.

Mein eigenes Risikomanagement funktioniert dabei so, dass ich bei Erreichen der ersten Stopzone eine Reduktion des Exposures vornehme. Und erst bei der zweiten - bedeutenderen - Stopzone endgültig aussteige.

Bitte beachten Sie dabei aber auch, dass sich die Aussage oben nur auf den Zeithorizont der Trendbeschleunigung bezieht, die seit Mitte Oktober im S&P500 eingesetzt hat. Wer mit einem grösseren Zeithorizont agiert, muss noch gar nichts machen, denn der übergeordnete Aufwärtstrend ist völlig intakt, wie das Chart seit Ende 2012 eindeutig zeigt.

S&P500 Aufwärtstrend 021213

Sie erkennen an dem von mir eingezeichneten, theoretischen Verlauf auch leicht, dass ein möglicher Bruch des "Rising Wedge" nichts weiter sein könnte, als eine schon längst fällige Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend, die diesen aber gar nicht in Frage stellt.

Bitte achten Sie bei Ihrem Agieren an den Märkten also unbedingt darauf, dass Sie.

(1) Vorsicht und Handeln auseinander halten

Die Formation, die ich Ihnen oben gezeigt habe, erzwingt Vorsicht - aber noch kein Handeln. Gehandelt wird erst, wenn der Markt real fällt und das erkennt man daran, dass wichtige Tiefs unterschritten werden.

(2) Den Zeithorizont Ihrer Geldanlage im Auge haben

Und Ihr Handeln mit Ihrem Zeithorizont in Einklang bringen. Denn ob ein Bruch einer solchen Struktur für Sie Bedeutung hat, ergibt sich erst aus Ihrem Anlagehorizont. Ein Ausstiegssignal auf einer niedrigeren Zeitebene muss kein Ausstiegssignal auf einer übergeordneten Zeitebene sein.

Das mangelnde Bewusstsein über den eigenen Zeithorizont, ist übrigens eine der grössten Fallen, in die Laien bei der Aktienanlage gerne gehen. Beim Einstieg fühlen sich viele gerne wie "Warren Buffet" und reden von "Value" und langfristiger Anlage. Wenige Wochen danach steht die Aktie vielleicht ein paar Prozent im Minus, während sich das mediale Grundrauschen ins Negative dreht. Und in diesem Moment verliert der vermeintliche Langfristanleger dann seine Geduld und verkauft aufgrund von kurzfristigen Schwankungen, die aber mit der eigentlichen Strategie der Anlage wenig zu tun haben.

Machen Sie sich also unbedingt vorher Ihren Zeithorizont klar und definieren Sie für sich im Vorfeld klare Ausstiegspunkte, die für diesen Zeithorizont logische Marken sind.

Wer also aktuell - mit Sicht auf Tagen und Wochen - versucht von dieser Rally noch zum Jahresende möglichst viel mitzunehmen, der sollte aufmerksam auf diesen "Rising Wedge" im S&P500 schauen. Denn wenn der richtig bricht, könnte das für alle Aktienindizes Bedeutung haben.

Wer dagegen langfristig den Aufwärtstrend im S&P500 spielen will, hat seine Stops viel tiefer und achtet vor allem auf den übergeordneten Aufwärtstrend. Ein Bruch des "Rising Wedge" wäre auf dieser Zeitebene vielleicht Anlass, das Exposure im Markt leicht zu reduzieren. Ein Ausstiegssignal käme auf dieser Zeitebene aber erst viel tiefer.

Ihr Hari

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