Weltgeschichtliche Gezeitenwende



Dieser grundlegende Artikel erschien im Mai diesen Jahres im Premium-Bereich und zeigt, dass wir uns bei Mr-Market auch jenseits von Börse und Finanzen mit Grundsätzlichem beschäftigen.

Der Artikel wurde nur marginal um interne Referenzen bereinigt und steht Ihnen im freien Bereich nun nahezu unverändert zur Verfügung.

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Die Gedanken, die ich heute mit Ihnen teilen will, habe ich eigentlich alle schon geäussert, in kurzen Kommentaren, in Streams, oder im Forum. Nur nicht als ein zusammenhängender Gedankengang und heute will ich den aufschreiben.

Denn das was gerade in der Welt passiert, erscheint mir so bedeutend - auch für unsere Anlagen bedeutend - dass ich dem Thema einen eigenen Artikel widmen will, damit es genügend Aufmerksamkeit bekommt und wir auch idealerweise in eine spannende Diskussion dazu einsteigen.

Denn in den letzten Jahrzehnten, eigentlich seit dem Fall des eisernen Vorhangs vor knapp 30 Jahren, hat die Welt nur eine Richtung gekannt, das Zusammenwachsen. Gerade auch im Handel hat man das gemerkt, neue Absatzmärkte wurden erschlossen, für die Firmen wurden große, neue Umsatzpotentiale erschlossen. Und der Aufstieg Chinas, wäre ohne freien Handel gar nicht denkbar gewesen, denn nur so konnte China erst zur Werkbank der Welt aufsteigen und sich dann gezielt Technologien aneignen, deren Eigenentwicklung ansonsten eher Jahrzehnte gedauert hätte.

Der Welthandel war also eine Win-Win-Situation für alle und gerade China hat davon am meisten profitiert, weil es Jahrzehnte des technologischen Aufholens einfach überspringen konnte und ihm der Westen dafür in einer Mischung aus Wohlwollen und Naivität, noch den roten Teppich ausgelegt hat.

Ich persönlich vermute, dass wir nach knapp 30 Jahren gerade das Ende dieser weltgeschichtlichen Phase erleben und in eine neue Phase eintreten. Und der derzeit laufende Handelskonflikt, ist nur ein Symptom einer weit generellen Entwicklung, das Pendel schwingt sozusagen zurück.

Der Grund ist, dass das Zusammenwachsen der Welt überdreht hat, es ist zu schnell, zu übertrieben abgelaufen und die Gegenbewegung hat schon begonnen.

Auf der gesellschaftlichen bzw politischen Ebene, erleben wir das mit dem Aufstieg von Identität stiftenden Bewegungen in allen politischen Lagern, die offensichtlich das Herz der Menschen erreichen.

Auf der "rechten" Seite nennen sich diese "Identitär" und vertreten einen "Ethnopluralismus", der den alten Rassenbegriff durch eine kulturelle Identität ersetzt, diese aber wie beim alten Rassebegriff auch gegen "Verfremdung" beschützen und zu anderen Kulturen deutlich abgrenzen will. Es ist diese Ähnlichkeit der Abgrenzung zu anderen, die der Denkschule den Vorwurf des "Rassismus" einbringt.

Wenn man so will, ist der "Ethnopluralismus" die politische Entsprechung zum allgemein akzeptierten Bild einer multipolaren Welt, die aus wenigen, mächtigen Blöcken besteht. Und diese Blöcke haben eine hohe kulturelle Identität, wie eben "der Westen" gegenüber China und seinen Satelliten. Das zu erkennen, heisst ja aber noch nicht, die Kulturen gegen andere abzuschotten, insofern gibt es bei dieser Denkschule viele Facetten, von denen einige harmlos und andere nahe an alter Rassenlogik sind.

Auf der "linken" Seite, wird in extremer Form eine entgrenzte Welt im Sinne "Niemand ist illegal Nirgendwo" vertreten, gleichzeitig entfaltet die Linke aber auch massiv Identität stiftende Aktivitäten, die sich in immer feiner ziselierten Minderheiten zeigen, zu denen man sich zugehörig fühlen und durchaus aggressiv zu anderen abgrenzen kann.

Wenn man so will ist das ein Widerspruch in sich, denn in einer entgrenzten, "flachen" Welt, sollte die Betonung des "Anderssein" gar nicht mehr nötig sein. Das wärmt aber nicht das Herz der Menschen, die sich als soziale Wesen zu einer (idealerweise herausgehobenen) Gruppe zugehörig fühlen wollen, weswegen auf der Linken die "Minderheiten" spriessen, zu denen sich jeder irgendwie zugehörig fühlt.

Dieses irreale Menschenbild, war schon einer der Widersprüche des Sozialismus. Die Menschen wollen aber gar nicht alle "gleich" sein, sondern legen großen Wert darauf "besonders" und "anders" zu sein. Sie wollen nur nicht, dass es anderen besser geht als ihnen. In einer gemässigten Form ist das eine positive Triebfeder sich zu engagieren, in einer übersteigerten Form, nennt man das auch Neid. 😉

Beide Denkschulen, die Identitären wie die Identitätsströmungen, fussen aber imho auf einem Grundbedürfnis der Menschen, dem Zugehörigkeitsgefühl zu einer halbwegs homogenen Gruppe. Gerade auch in der Abgrenzung zu anderen, definieren wir soziale Wesen ja unser Selbst, denn wer wir sind, wird auch dadurch definiert, zu welcher Gruppe wir gehören.

Nebenbei gesagt, ist der neue Aufstieg religiösen Denkens nach meinem Eindruck auch Folge dieser Suche nach Identität, denn Religionen stiften sozialen Zusammenhalt und erlauben sich gegen "die Anderen" abzugrenzen und zu "erheben".

Insofern ist der politische Aufstieg dieser Denkschulen auf beiden Seiten Ausdruck einer zu weit und zu schnell gegangenen Entgrenzung der Welt in den letzten Jahrzehnten, für die auf der Linken der "weltweite Kapitalismus" und auf der Rechten die "Entgrenzungs-Ideologie" verantwortlich gemacht wird.

Ich denke beide Seiten haben da nicht ganz Unrecht, die Welt hat sich einfach zu schnell aufeinander zu bewegt und da wir als Menschen noch keine globale Identität besitzen - die bräuchte wohl die Herausforderung bzw Gefahr von außen, die "Aliens" sozusagen - werden menschliche Urbedürfnisse der Zugehörigkeit derzeit nicht ausreichend befriedigt und brechen sich Bahn. Die unterschiedlichen politischen Label sind aber nur Ausprägungen, des gleichen Grundproblems, auch wenn das beide Seiten vehement abstreiten werden.

Ein etablierter, saturierter Bürger in einem homogenen, kulturellen Umfeld, braucht diese Denkschulen auf beiden Seiten nicht, weil er sich eingebettet in einer Identität stiftenden Kultur wohl fühlt, die ihn umgibt. Er kann Fremden daher aufgeschlossen und interessiert gegenüber treten und braucht sich auch nicht über Kleingruppen oder die Zugehörigkeit zu einer konstruierten Minderheit definieren.

Das war zum Beispiel eher die Welt der Bundesrepublik vor dem Fall des eisernen Vorhangs, sie hatte zwar auch etwas Spiessiges, es gab aber genügend bürgerliche Stabilität um einen herum, so dass nicht Zugehörigkeit und Abgrenzung, sondern die Neugier und das persönliche Erobern der Welt, erstrebenswert erschienen.

Auch auf der Linken gab es diese Identitätspolitik damals nicht so stark, dabei waren doch spezifische Gruppen wie beispielsweise LGBT, damals unter weit stärkerem Druck als heute und damals noch wirklich gesellschaftlich geächtet.

Wenn man so will, steigt das Ausmaß der lautstark deklamierten Identität, mit der sinkenden Diskriminierung dieser Gruppen. Ein Widerspruch in sich, der eben nur wie oben als die Befriedigung eines menschlichen Grundbedürfnisses erklärt werden kann.

Denn in einer flachen Welt würde es genügen, dass alle genügend Toleranz haben, um jedem seine Vorlieben zu lassen und niemanden deswegen zu diskriminieren. Die neuzeitliche Obsession, sich über immer kleinere Spezialgruppen zu definieren, die wir ja auch bei den -> mittlerweile bis zu 60 <- phantasierten "Geschlechtern" finden, ist für mich nur vor dem Hintergrund der Lust an der eigenen Identität, der Abgrenzung zu anderen also, zu erklären.

Zusammenfassend kann man in meinen Augen sagen, dass viele Menschen die "Entgrenzung" der Welt der letzten Jahrzehnte als einen unguten Stressfaktor empfinden. Die einen suchen kulturelle Identität, die anderen Zugehörigkeit zu einer Subgruppe (Minderheit), beide versuchen aber nach meinem Eindruck ein unbewusstes Unbehagen aufzulösen, das uns fast alle befallen hat, weil es eben menschlich ist. Jemand der gelassen und selbstbewusst in sich ruht, muss sich weder schnell vor Fremden fürchten, noch seine Identität über die Zugehörigkeit zu immer kleineren Minderheiten definieren.

Diese Parallelität einer Identitätssuche in beiden politischen Lagern, würde natürlich vehement bestritten werden, weil jeweils immer nur die anderen "bekloppt" sein können. Auch das ist ja Identität, wie bei verfeindeten Fussballvereinen. Ich bin aber sicher, wenn man mal unvoreingenommen darüber nachdenkt, wird man ähnliche, höchst menschliche Instinkte hinter diesen Mechanismen finden.

Der Mensch braucht Zugehörigkeit und Zugehörigkeit kommt mit Abgrenzung.

Die Auswirkungen dieser Bedürfnisse, können wir auf jeden Fall überall im westlichen Politbetrieb wiederfinden. Auch Trump ist selbstverständlich Produkt dieser Entwicklung, er ist eine Reaktion auf Entgrenzung und mangelnden Halt.

Ebenso wie übrigens die Aggressivität der "Schneeflöckchen" gegen alles, was die eigene Weltsicht in Frage stellen könnte, ein Symptom dieser Haltlosigkeit und der Identitätssuche ist. Denn man kann nur dann offen und aufgeschlossen anderen Gedankenwelten begegnen, wenn man selber auf stabilem, psychologischem Grunde steht.

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Hari Live Stream 07.05.19



14:50 MEZ - ZH2

Ich habe heute zwei (für mich) erfreuliche Dinge zu vermelden.

Erstens lasse ich ja meine Hornhaut wegen der unvermeidbar kommenden Transplantation nun alle halbe Jahr untersuchen. Heute war es wieder der Fall und es gab keine weitere Degeneration.

Auf gut Deutsch, eine OP steht in 2019 nicht an und das ist eine gute Nachricht, weil in jedem gewonnenen Jahr der medizinische Fortschritt fortschreitet und man irgendwann wohl um diese Transplantation herum kommt.

Zweitens habe ich heute meine Steuererklärung 2018 fertig gestellt und verschickt. Uff - auch das ist immer befreiend, weil die Arbeit aufwändig und extrem lästig ist.

Damit kann ich mich dem Markt zuwenden und der verharrt in Wartestellung, nachdem die US Adiministration gestern gegen 23 Uhr nach Handelsschluss klar gemacht hat, dass die Zollerhöhungen auf 25% am Freitag wohl unvermeidlich sind.

Der Markt hat mit mässigen Abgaben reagiert und warte nun auf diesen Niveaus. Heute wird es für die Bullen etwas schwieriger sofort wieder zu steigen, sollte es aber auch heute gelingen, im vollen Wissen um die kommenden Zölle, darf man das sehr wohl als Komplettkapitulation der Bären interpretieren.

15:30 MEZ - ZH5

Henkel ist ein schönes Beispiel dafür, wie unglaublich mächtig Trends sind.

In der Aufwärtsbewegung konnte die Aktie kaum etwas falsch machen und der Kurs stieg und stieg. Nun haben wir eine sehr deutliche Topbildung vor uns und der Kurs fällt und fällt.

Da wird -> heute die Prognose bestätigt, das reicht aber nicht <- und der Kurs fällt deutlich.

Die Kurse werden eben durch Erwartungen gemacht und die Erwartungen bei Henkel sind nun negativ und deshalb fällt der Kurs und wird ein zu 50% gefülltes Glas als halbleer betrachtet.

Ein Blick auf das langfristige Chart zeigt auch schnell, warum Skepsis hier angebracht ist. Diese Nackenlinie sollte besser nicht fallen, es sieht aber danach aus, als ob das bald passiert.

Henkel ist keine Aktie, in der ich mit so einem Chart investiert sein will:

15:36 MEZ - ZH3 - ZH5

Ich hatte den Solarsektor ja vor Tagen schon thematisiert, gestern lieferte SolarEdge (SEDG) gute Zahlen und sieht nun so aus:

Der Sektor erscheint mittelfristig attraktiv, das Thema kommt wohl wieder.

15:45 MEZ - ZH3

Ist das jetzt ein kaufbarer Dip bei Disney (DIS)?

Sicher ist nichts, aber das kann schon gut sein. Der Markt ist derzeit so überzeugt von Disney, dass ein vollwertiger Retest aus sich heraus - ohne neue Nachrichten - eher unwahrscheinlich erscheint.

Aber Achtung, Zahlen kommen morgen und bringen damit neue Nachrichten in den Markt. Dann werden wir es wissen, in die eine oder andere Richtung:

16:05 MEZ - ZH4

Qiagen (QGEN) liefert -> ein durchwachsenes Zahlenwerk <- und wird vom Markt mit 3% Minus abgestraft.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung zeigt eine ganz typische, langsam steigende Schaukelstruktur, bei der Schubphasen von längeren Seitwärtsphasen abgelöst werden.

Insofern macht es Sinn, bei Qiagen nun von einem Jahr der leicht abwärts gerichteten Seitwärtsphase auszugehen.

16:40 MEZ - ZH1

Ich sagte schon Eingangs, dass es heute schwieriger wird sofort zu steigen. Nun ist nach einer guten Stunde ein negativer Trendtag durchaus möglich:

Ich erinnere aber daran, dass wir heute nur bekommen, was gestern verwehrt wurde: eine sinnvolle Reaktion auf die erhöhten Risiken in Sachen Handel.

Wir sollten also die Füße still halten und die Schlußkurse abwarten, ich sehe nichts, was man jetzt sinnvoll tun sollte. Auch eine 5% Korrektur wäre mehr als normal, die habe ich ja schon länger auf dem Radar.

17:15 MEZ - ZH3

Der DAX zeigt ein typisches Verhalten, wenn er kippt, dann richtig. Der DAX kann lange einen Trend halten, aber wehe der wechselt, dann muss alles raus:

Die DAX-Anleger haben im Vergleich zum S&P500 wenig Überzeugung, da sind einerseits viele schwache Hände und andererseits viel taktisches Geld aus Amerika, das als erstes wieder abgezogen wird, wenn es irgendwo unangenehm wird.

Hinzu kommit nächste Woche eine kleine OpEx am Freitag, die Chancen dafür, dass der DAX die 12.000 anläuft und zum Ausbruchsniveau marginal untertaucht, sind eher hoch. Von da aus, könnte der DAX aber wieder eine Chance sein, wenn der Leitindex mitspielt.

17:55 MEZ - ZH3

Bemerkenswert ist, wie unbemerkenswert sich EURUSD das ganze Jahr verhält. Das Währungspaar schaukelt abwärts, ein Trendwechsel ist nirgendwo zu sehen, egal was FED oder EZB machen:

18:15 MEZ - ZH3

So, hier ist der VIX im Vergleich zum Stand im Dezember:

Wir sehen, dass wir gerade das bedeutendste Volatilitäts-Event des Jahres 2019 bisher erleben, ausgelöst von Donald himself am Sonntag!

Das hat durchaus das Potential, die schon die beiden letzten Wochen thematisierte 5% Korrektur endgültig in Gang zu setzen, vielleicht sind wir heute schon mittendrin.

Wirklich wohl, wird man sich als Bär damit aber nicht fühlen können, weil jederzeit in Sachen Handel auch eine positive Meldung kommen kann und dann rappelt es nach oben.

Auch Fear & Greed hat sich schon massiv normalisiert, während die Kurse gleichzeitig kaum nachgegeben haben:

Vieles spricht also für die Interpretation einer kaufbaren Korrektur eines bärenstarken Marktes.

Ob wir das Tief dieser Korrektur heute, morgen oder erst Ende nächster Woche sehen, kann niemand sagen.

Insofern sollten wir nun nicht zappelig sein und einfach mal schauen, wie es weiter geht.

Wer langfristig investiert ist, braucht sich aktuell noch nicht verrückt machen zu lassen. Wer wie von mir empfohlen, schon letzte Woche vom Gas gegangen ist, hat genau das Richtige getan und kann das ruhig beobachten.

Ich schließe damit für heute, einen schönen Abend!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Wann dieser Markt einbrechen wird



Jetzt lesen Sie alle ganz aufmerksam, nicht wahr? Endlich mal wieder so eine richtig fette Prognose und Handlungsanleitung und kein kryptisches Orakeln mehr. 😛

Schaun mer mal, ich erlaube mir heute früh auf jeden Fall mal wieder einen Blick in die nicht vorhandene Glaskugel und auf das, was ich immer das Szenario mit der höchsten Wahrscheinlichkeit nenne.

Denn diese Rally die am 26.12.18 begann, hat ja etwas Gnadenloses, ja Unwirkliches, weil sie einfach keine relevante Pause macht.

Seit Wochen ist der Markt nun eigentlich korrektreif und überkauft, nur können die Bären nie wirklich etwas daraus machen.

Dabei wirkt neben der Skepsis und dem Unterinvestment großer Adressen, auch deutlich ein Mechanimus, den ich -> letzten Freitag hier <- beschrieben habe.

Denn es sind immer wieder positive Gerüchte zu dem wichtigen Thema der Handelsgespräche, die den Markt nach oben treiben, obwohl eigentlich nicht viel passiert ist.

Und das hat in der schönen neuen Algo-Welt damit zu tun, dass es jede Menge Algos gibt, die Nachrichten nach Keywörtern scannen. Und es gibt jede Menge Algos, die Momentum folgen, egal aus welchem Grund es sich auftut.

Wenn sich jetzt jemand aus der Administration jeden Tag einmal hinstellt und in Mikrofone von "Optimismus" und/oder "Fortschritt" spricht, springen jeden Tag die Algos auf diese Wörter an. Immer wieder neu, wie eine gesprungene Schallplatte. Diese Initialkäufe bringen dann die Momentumfolge-Algos auf den Plan und hoch geht es.

Dass das jeden Tag die gleiche Nachricht ist, ist in der Programmierung kein Thema und kann auch nur schwerlich überprüft werden, da dafür Kontextwissen nötig wäre und das erfordert echte KI, die die Algos so nicht haben.

So oder so ähnlich, steigen wir seit Jahresanfang nun zum gefühlt 20. Mal wegen eines positiven Gerüchts zu China, obwohl objektiv kaum etwas passiert ist.

Und das wird solange so weiter gehen, wie das Thema die Gedanken der Anleger und damit der von ihnen programmierten Algos dominiert. Und es wird solange weiter gehen, bis die Anleger ihren unterinvestierten Status weit genug aufgeholt haben. Was aber durchaus noch etwas dauern kann.

Und ich behaupte, genau dann - genau dann wenn diese Schleife endet - kann und wird der Markt fallen.

Das heisst, der Markt wird unabhängig vom Ergebnis der Handelsgespräche, also auch bei einer positiven Lösung, erst einmal fallen. Das nennt man den "Sell the News Effekt", der sich hier sehr markant aufzubauen scheint.

Nur mittelfristig, bei der Frage wie tief der negative Effekt geht und wie schnell er endet, spielt díe Art der Lösung im Sinne positiv vs negativ eine entscheidende Rolle.

Aber solange die Bären davor Angst haben, dass eine positive Nachricht zum Handel ihre Positionen schreddern wird, werden sie keine eingehen und daher bleibt der Markt so störrisch an der Oberseite und steigt und steigt.

Nun fragt sich ja, wie lange das noch geht und wann man mit einem Ende rechnen kann? Nachdem was man aus dem Weißen Haus hört potentiell bis März, ca. Mitte März. Denn Trump geht ja jetzt schon davon aus, die 1. März Deadline für die 25% Steuern ein paar Wochen zu verlängern.

Wenn wir mal annehmen, dass eine Entscheidung dann Mitte März ansteht, befinden wir uns laut Glaskugel in einem der folgenden Szenarien:

Szenario (1)

Wenn es eine befriedigende Einigung gibt, wird der markante "Sell the News" Effekt auch dann kommen.

Der Markt fängt sich dann aber spätestens oberhalb 2.600 und bleibt positiv. Wahrscheinlich fängt er sich schon viel früher wie eingezeichnet, weil zu viele das zum Einstieg nutzen werden.

Ich gehe aber davon aus, dass er die 200-Tage-Linie noch einmal unterschreiten wird, einfach weil das so Spaß macht. 😉 Achten Sie darauf, wie auch bei der Abwärtsbewegung im Herbst, die 200-Tage-Linie mehrfach getestet wurde. Eine deartige Schaukelphase wäre auch im positiven Fall nur logisch.

Szenario (2)

Wenn es keine Einigung gibt, wird viel davon abhängen, wie sehr die Lage eskaliert oder ob es eine Art verlängerten Waffenstillstand gibt, an dem beide Seiten ein Interesse haben sollten.

In dem Fall des Waffenstillstands, wird der Markt sich wohl auch spätestens bei der 2.600er Unterstützung fangen.

Nur im Falle einer echten Eskalation, gehen wir wohl zu den Tiefs. Die anderen Regionen der Welt - auch Europa - signalisieren gerade einige Fragezeichen und einen heißen Handelskrieg halten diese kaum aus, ohne in eine markante Rezession zu fallen.

Und wenn Sie mich nach der Wahrscheinlichkeit fragen, würde ich sagen von oben nach unten. Heisst der milde "Sell the News" Effekt und eine wie auch immer geartete Einigung, die den Konflikt vermeidet, ist deutlich am Wahrscheinlichsten und das totale Scheitern und Durchfallen am Unwahrscheinlichsten.

(3) Das Risiko

Und was ist das Risiko in obigen Szenarien? Was ist der Pfad der großen Überraschung?

Ganz klar erneut, dass selbst ich, der ich dem Markt ja durchaus was zutraue und optimistisch für 2019 bin, wieder nicht bullisch genug bin.

Nämlich dass es einfach weiter hoch geht und auch dieser "Sell the News" Effekt ausfällt. Und das ist wohl wahrscheinlicher, als man instinktiv denkt - wieder mal. 😉

Mir ist also die Schwäche der beiden Szenarien bewusst, sie sind zu rational, zu logisch.

Und hier wird es für mich wieder ganz schwierig, denn ich weiss, dass wenn ich hier jetzt keinen Schlenker mache, einige von Ihnen das einfach so lesen werden, als ob ich mit Ihnen persönlich reden würde und Ihnen eine Handlungsempfehlung für Ihre individuelle Aufstellung geben würde.

Das tue ich aber *nicht*, unter anderem, weil ich nicht mit Ihnen persönlich rede und Ihre Aufstellung und Strategie nicht kenne!

Ich spreche hier alle Typologien von aggressiven Tradern, bis zu zögerlich-vorsichtigen Investoren an. Und ich kann keine pauschale Handlungsempfehlung für alle gleichzeitig geben!

So hat der aggressive Trader zum Beispiel überhaupt kein Problem mit dem beschriebenen Risiko der Überraschung nach oben. Der sieht vielleicht heute ein sauberes Setup, steigt ein, sichert ab und gut ist es.

Und vielleicht handelt er sogar den ganzen Index, dann kann er aber immer noch einsteigen, absichern und gut ist es! Wo ist das besondere Risiko, welches sich daraus ergibt, dass der Markt viel stärker ist, als alle glauben? Es ist für ihn schlicht nicht da.

Für den heute immer noch unterinvestierten Investor, der auf einen Rücksetzer wartet, ist es aber vielleicht ein Risiko. Denn der spürt jetzt schon massiv FOMO (Fear Of Missing Out) und was macht er, wenn der Markt wirklich keinen Rücksetzer produziert? Weinen? Den Markt verfluchen?

Ich will damit eindringlich sagen, dass ich *nicht* mit Ihnen *persönlich* rede. Es ist *Ihre* Aufgabe, sich für diese Szenarien eine Handlungsfolge zurecht zu legen, die zu Ihren Rahmenbedingungen und Ihrer Strategie passt!

Ich kann nur aus der Sicht eine rationalen, ruhigen, auf Sicherheit bedachten Anlegers sagen, dass dieser Markt bärenstark ist, man aber trotzdem rational diesen Pfad der Überraschung nach oben nicht aktiv in den Vordergrund stellen kann, das wäre wie blind über einen Schwebebalken zu laufen und zu hoffen, dass man nicht herunter fällt.

Als ruhiger Anleger ist es vor allem wichtig, nicht in einen großen Abwärts-Rutsch zu geraten und ansonsten dabei zu bleiben. Und den Fall der Überraschung nach oben, kann man durch seine Aufstellung abdecken, indem man seine Positionen so lange hält, bis *wirklich* eine Abwärtsbewegung eingesetzt hat. Das hat mit intelligentem Risikomanagement zu tun.

Und natürlich ist man mit so einer Herangehensweise nach oben nicht immer voll dabei, auch ich bin es aktuell nicht. Ich sagte vor Kurzem erst im Forum, ich sei aktuell "nur" ca. 70% Long im Investmentdepot und das ist im Wesentlichen immer noch richtig. Aber dazu muss man dann "so what?" sagen, es ist einfach Folge der Strategie und spielt keine Rolle, solange man es schafft, den großen Einbrüchen aus dem Wege zu gehen und bei denen im Mittel tiefer wieder einzusteigen, als man vorher ausgestiegen ist.

Also, mein Motto im Sinne des Hauptszenarios lautet: Es geht wohl mit Schwankungen etwas weiter hoch, bis das Ende der Handelsgespräche kommt. Das löst mit guter Wahrscheinlichkeit dann einen "Sell the News" Effekt aus - unabhängig vom Ergebnis und auch, falls vorher ein kurzer Freudenhüpfer kommt. Ob der Markt sich danach mittelfristig stabilisiert und positiv bleibt, hängt vom Ergebnis ab.

Man kann also weiter optimistisch für das Börsenjahr 2019 sein, außer wenn die Handelsgespräche scheitern und eskalieren oder ein anderer katastrophaler Faktor alles verändert, wie bspw eine von Italien ausgehende Euro-Krise.

So sieht derzeit mein Hauptmodell aus, wie immer solange, bis mir der Markt ein besseres Modell aufzwingt. 😉

Ihr Hari

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Wochenausblick KW2 2019



Ich bin mit dem Auto im Acker und warte auf den Abschleppdienst. Das wird noch mindestens 2 Stunden dauern.

Den folgenden Draft hatte ich schon gestern nacht vorbereitet und wollte ich heute noch einmal überarbeiten. Jetzt schalte ich ihn von unterwegs so frei.

Hari

——

Guten Morgen liebe Mitglieder!

Eine neue Woche und ein neues Jahr liegen vor uns, wir haben es mit der ersten vollen Handelswoche des Jahres zu tun, in der das Volumen auch sein Normalmass wieder erreichen wird.

Bevor ich mich der Woche zuwende sei der Hinweis erlaubt, dass ich in 2019 im Wochenausblick das starre Raster des letzten Jahres weglasse und wieder den Text frei formuliere. Das wurde aus Ihrem Kreise angemerkt und ich bin auch der Meinung, dass das starre Raster keinen Mehrwert geliefert hat.

Mit Beginn des neuen Jahres steht natürlich eine Frage im Raum und die lautet:

Wie tief geht es noch oder war der 24.12.18 schon der Tiefpunkt?

Wir sind in den US seit Anfang Oktober in der Korrektur, die sich zuletzt im Dezember zu einem Bärenmarkt ausgewachsen hat. Wir sind aber im Rest der Welt schon im Wesentlichen seit Februar letzten Jahres im Bärenmarkt, sehr schön auch am DAX zu sehen:

Fast ein ganzes Jahr geht es nun abwärts und die große SKS hat ihren Measured Move weitgehend erreicht. Es gehört also nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass dieser Bärenmarkt in 2019 mal enden sollte.

In den Emerging Markets (ETF EEM) ein ähnliches Bild. Ein klarer Bärenmarkt seit einem Jahr, noch keine Wende, aber in der "FED-Woche" vor Weihnachten die Chance auf eine Ausverkaufswoche, die die Wende einleitet:

In den meisten Märkten haben wir also einen Bärenmarkt, der bald ein Jahr andauert und damit langsam für Bärenmärkte ein "gesetzes Alter" erreicht.

Wenn wir aber auf das Chart des Leitindex S&P500 schauen, könnte man in Anlehnungen an den EEM diese lila Linie zeichen und sagen, dass alles darüber eine temporäre Übertreibung der US Märkte war und diese durch den scharfen Einbruch seit Oktober nun endlich mit den anderen Märkten gleichziehen:

Das hilft uns alles nicht bei der Frage, ob und wann ein Tief erreicht wird und Bärenmärkte können auch 2 Jahre andauern, wiewohl das eher selten ist. Es erscheint mir aber wichtig diese Perspektiv zu verdeutlichen, damit wir die Phase richtig einordnen, in der wir uns befinden.

Wir befinden uns definitiv *nicht* am Beginn eines Bärenmarktes, wir befinden uns schlechtestenfalls "mittendrin" und bestenfalls vor dem Ende. Es ist auch kein Zufall, dass der Handelkonflikt vor einem Jahr zu eskalieren begann. Der hatte eben schnell Auswirkungen auf China und damit den EEM und hat nun aber seit Oktober auch die US Märkte eingeholt.

Wenn wir uns nun dem Tageschart des SPX nähern ergibt sich daraus eine fast zwingende Aussage für den weiteren Verlauf und die ist bärisch:

Der Index ist im Dezember aus der Range heraus gefallen und der Retest von unten ist im vollen Gange, der durch ein am 24.12.18 final überdehntes Gummiband getriggert wurde. Dieser Retest, wird aber mit 70-80% Wahrscheinlichkeit von einem erneuten Rücksetzer abgelöst, der zumindest die Tiefs noch einmal testet.

Das ist was die Markttechnik eingibt und das ist was die Erfahrung und historische Statistiken eingeben. So ein Einbruch endet fast nie mit einem "V". Fast nie, man beachte das "fast". Die Börsenzeit um Weihnachten ist übrigens auch "fast nie" schwach. 😉

Demnäch wäre das Beste das nach normaler Erfahrung vor uns liegt der Doppelboden mit höherem Tief und das Schlechteste dann das hier, der Taucher bis zur Ausbruchszone von 2016:

Klare Aussage also .... und jetzt kommt aber das Problem, wegen dem ich doch offener für ein "V" bin, als es die obigen Charts implizieren.

Denn wir haben eine sehr ungewöhnliche Situation in den US und es ist eine sehr ungewöhnliche Korrektur.

Der Bärenmarkt im Rest der Welt ist leicht erklärt, der korreliert seit einem Jahr mit schwachen Wachstumserwartungen und die wiederum mit dem Handelsdisput, der sich immer weiter aufgeschaukelt hat. Ein starker Dollar und eine FED auf dem Kriegspfad machen dann noch doppelt Druck auf die Währungen der Schwellenländer und fertig ist die Delle und der Bärenmarkt.

Das ist einfach, das ist so wie eine Korrektur aussehen sollte und damit ist auch klar, was die Weltwirtschaft braucht, um da heraus zu kommen. Einen Frieden im Handelskrieg, einen schwächeren Dollar und eine FED die bedächtig agiert.

In den US ist die Lage aber anders, weil alle Binnendaten eigentlich immer noch eher positiv sind. So passen solche extrem guten Arbeitsmarktdaten wie letzten Freitag einfach nicht mit einer Rezession vor der Tür zusammen - überhaupt nicht!

Ja, es gibt den einen oder anderen Dämpfer in den Daten, das aber von hohem Niveau. Objektiv deutet in den US aber nichts auf eine Rezession hin und *trotzdem* hat der S&P500 20% abgegeben und die stärkste Korrektur seit 2008 generiert. Und das alles nur aus Angst, dass es schlechter werden *könnte*, aus reinem Konjunktiv heraus!

Das ist bemerkenswert und das ist anders als 2008 oder 2011 oder 2015/16. Da wurden die Daten schlechter bzw es gab ein echtes Problem wie die Eurokrise. Heute in den US nicht, heute ist alles nur Konjunktiv und Antizipation.

Und genau deshalb ist ein "V" in meinen Augen wahrscheinlicher, als es die historische Erfahrung nach so massiven Einbrüchen impliziert. Ich würde nicht sagen es ist wahrscheinlicher als der erneute Test der Tiefs, aber man darf das bullische Szenario nicht vom Tisch wischen.

Denn ganz eindeutig ist die US Korrektur der Realität schon deutlich voraus gelaufen. Und das weil der Markt zu zwei Themen eine negative Erwartungen entwickelt hat. Erstens zur FED, das hatte Powell Anfang Oktober ausgelöst und Mitte Weihnachten eskaliert. Zweitens zum Handelskrieg mit China, der das ganze Jahr schon seine Schleifspuren hinterlässt, siehe Apple.

Der Zusammenhang zur FED ist eindeutig zu sehen. Powell hat Anfang Oktober mit extrem falkenhaften Aussagen die Blase angestochen und die Abwärtsbewegung in Gang gebracht. Und Powell hat mit fatalen Kommunikationsmängeln in der Woche vor Weihnachten den folgenden massiven Einbruch getriggert, der für den 24.12., historisch wohl einmalig ist.

Genau dieser Powell hat sich aber offensichtlich über die Marktreaktion erschreckt, weswegen sofort der Vize noch vor Weihnachten zum Abwiegeln auf CNBC geschickt wurde. Und nun hat sich Powell letzte Woche dem Markt gebeugt und 180 Grad einen anderen Ton angeschlagen als vor Weihnachten. Das war der ganz wesentliche Auslöser der Rally letzten Freitag, das war eine kommunikative 180 Grad Wende, auch wenn er das nicht zugeben wird. Er hat seinen Fehler erkannt und klar korrigiert.

Machen wir uns also klar:

Der SPX korrigiert massive 20%, nur auf Basis von Furcht, ohne dass die Daten diese Furcht bisher rechtfertigen. Dabei spielen zwei Themen eine zentrale Rolle, erstens der FED Zinspfad und zweiten die Handelsthematik und damit verbundene Unsicherheit.

Und nun hat die FED ihren Rücken gebäugt und dem Markt gegeben, was er wollte. Was wird passieren, falls Trump und Xi doch einen Frieden schliessen können?

Ich sage es Ihnen, ich vermute dann haben wir das "V" und der 24.12.18 war der Tiefpunkt.

Machen wir uns also klar, wie besonders die Situation ist, weil wir nun eine 20% Angst-Korrektur hatten, deren Begründung noch nachgeliefert werden muss. Was aber wenn diese Begründung nicht geliefert wird?

Summa Summarum macht es immer noch Sinn diese obigen, bärischen Erfahrungswerte im Hinterkopf zu behalten. Die Chance auf einen "V" Rebound ist aber in meinen Augen aufgrund der besonderen Lage höher, als es die Erfahrungswerte eingeben und hängt sehr stark vom Einigungswillen von Trump und Xi ab.

Einen passenden Kommentar dazu hat Simon Betschinger -> hier <- abgegeben, auf den uns "Tibesti" aufmerksam gemacht hat:

Die größte Macht, die Welt zum Positiven zu beeinflussen, hat 2019 der chinesische Präsident Xi Jinping. Wenn China sich dazu entscheiden würde, den eigenen Markt für ausländische Investoren zu öffnen und auf eine Politik des fairen und des freien Handels umzusteigen, dann würde die Weltwirtschaft einen dreifachen Freudensprung vollführen.

Das Schicksal des Aktienmärktes liegt 2019 wohl in den Händen von Xi Jinping. Pessimismus für die Aktienmärkte kann sich in diesem Jahr schlagartig als falsch entpuppen, wenn es im Handelsstreit eine große Einigung gibt. Dann sind im DAX sogar neue Allzeithochs möglich.

Man sagt gerne, dass politische Börsen kurze Beine haben. Das ist oft richtig aber pauschal falsch, denn es hängt vom Thema ab. Schon letzten Februar, als viele die beginnenden Handelsfriktionen abgetan haben, habe ich dagegen anargumentiert und wie Sie wissen immer wieder betont, dass das ein reales Thema mit realen Auswirkungen ist.

Jetzt darf man es als bewiesen betrachten: "Trade matters". Und das gilt eben auch, wenn es da plötzlich gute Nachrichten geben sollte.

Wie soll man damit umgehen?

Nun eine pauschale Antwort kann es dazu natürlich nicht geben, weil das hängt von Ihren Absichten und Ihrer Strategie ab. Ein Investor muss weiter inkrementell agieren, darf aber nun auch schon mal wieder an den Positionsaufbau denken.

Ein Trader aber, hat eine wunderbare Ausgangslage. Das Tief vom 24.12.18 markiert eine markante Wetterscheide, die man als Stopniveau nutzen kann. Solange das hält, kann man was nach oben riskieren. Und wenn es bricht, schaut man nach unten Richtung 2.100 wie oben im Chart gezeigt.

Ich selber bewahre mir einen offenen Geist und bleibe optimistisch. Ich denke in Chancen und ergreife diese und wenn diese sich nicht realisieren, schneide ich sie halt ohne zu zögern ab.

Ich sehe eine Reihe von Aktien, die so tief korrigiert haben, dass das vielleicht nun "gut genug" ist. Ich werde also im Zweifel eher zu früh wieder drin sein - was heisst dass ich dann im negativen Fall wieder verkaufen muss - als dass ich zu zögerlich und lange warte und nicht dabei bin.

Ich war auch im März 2009 voll dabei und hatte das grandioseste Jahr meiner Anlagegeschichte. Und das kann man nur, wenn man in Unsicherheit bereit ist etwas zu riskieren und dann aber auch bereit ist, diese Positionen sofort wieder aufzulösen, wenn das Setup doch nicht tragen sollte. Das ist mehr eine Haltungs- und Philosophie-Frage, als die Frage konkreter Chartstrukturen.

So ... das zur Einordnung der Lage. Was haben wir sonst in der kommende Woche?

Wir haben eine ganze Reihe wichtiger Wirtschaftsdaten, die wenn sie gut ausfallen sollten, die Rally weiter befeuern werden, weil sie unterstreichen, dass eine Rezession eben nicht bevor steht. Darunter diverse Einkaufsmanagerindizes und Inflationsdaten sowie die FOMC Minutes der letzten Sitzung.

Und wir haben die Quartalssaison schon am Horizont, die kommende Woche dann los geht.

Nun wünsche ich uns allen eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Wochenausblick KW49


Der Wochenausblick erscheint heute in kompakterer Form schon am Sonntag Mittag. Denn am Montag Vormittag bräuchte man keinen Wochenausblick mehr zu schreiben, weil die wesentliche Bewegung dann nach dem G20 schon im Gange ist. 😉

Ich fasse daher alle ansonsten einzeln betrachteten Punkte zu einer geschlossenen, kompakten Gesamtbetrachtung zusammen, die den Blick auf das Jahresende richtet.

Ereignis der Woche

Thema der Woche

Hinweis der Woche

Chance und Risiko der Woche

Chart/Grafik der Woche

Index der Woche

3 Wochen noch bis Weihnachten und es liegt eine sehr aktive Woche mit mehreren Themen vor uns. Als Besonderheit bekommen wir wegen des Todes des 41. Präsidenten George H. W. Bush am Mittwoch überraschend einen handelsfreien Tag in den US.

So wird die Woche zweigeteilt sein, am Montag und Dienstag wird der Markt das Ergebnis der Gespräche Trump-Xi im Rahmen des G20 verarbeiten. Die dabei gefundene -> Verschiebung <- stellt das Optimum dar, das man realistisch erwarten konnte.

Niemand mit Verstand hat eine echte Einigung erwartet, das geht bei dem komplexen und vielschichtigen Thema schlicht nicht. Auf den Pfad des Dialogs zurück zu kehren und die Ultimaten abzuschwächen und mehr Zeit zu kaufen, ist daher das Beste was man erwarten konnte.

Wir können davon ausgehen, dass der Markt das wohlwollend aufnehmen wird, denn der hatte durchaus noch Angst vor einer Eskalation. Wirklich gelöst ist durch die Verschiebung aber auch nichts, auch das wird der Markt verstehen, der bei einer echten Lösung der Thematik sicher Potential für eine 10% Rally haben würde.

So ist es realistisch davon auszugehen, dass wir Montag und Dienstag mittlere Stärke sehen, die sicher geeignet ist, um die Nackenlinie der Wendeformation im S&P500 zu erreichen und vielleicht marginal zu triggern. Das entspräche einem Gewinn von ca. 2%.

Es ist also realistisch davon auszugehen, dass wir im Bereich des blauen Kreises in den handelsfreien Mittwoch gehen:

Auch für die Emerging Markets und Chinas Aktien im Speziellen, sollte das ein Positivum sein. Wir dürften schon in der Nacht auf Montag eine positive Reaktion aus Asien bekommen, der ETF ASHR der chinesischen Festlandsaktien, bekommt die Chance diese Abwärtstrendlinie zu brechen:

Auch dass die -> Margin Anforderungen in China wieder gesenkt werden, <- sollte ein Positivum sein.

Ab Mitte der Woche, ab dem börsenfreien Mittwoch, wird sich der Fokus des Marktes aber wieder massiv auf die Geldpolitik verschieben. Am Mittwoch spricht Mario Draghi, es war für Mittwoch aber auch ein Testimonial von Jerome Powell vor dem Kongress geplant, das eine Menge Aufmerksamkeit ziehen wird. Ich gehe davon aus, dass das auf Donnerstag verschoben wird, genaue Daten sind aber noch nicht bekannt.

Am Donnerstag und Freitag ballen sich dann viele wichtige, ökonomische Daten die in den großen US Arbeitsmarktdaten ihren Höhepunkt finden. In meinen Augen geben die bisherigen ökonomischen Daten der US inklusive der Vorlaufindikatoren keine unmittelbare Rezessionsgefahr her, es wäre ein weiteres Positivum, wenn der Markt sich in der kommenden Woche davon überzeugen lassen würde.

Die Woche besteht also in der ersten Hälfte aus einer Verarbeitung des G20 Ergebnisses und in der zweiten Hälfte aus dem Blick in die Zukunft auf 2019, auf die Konjunktur und Notenbankpolitik.

Die zwei wichtigstens Sorgen des Marktes, wurden in den letzten 7 Tagen zumindest teilweise beiseite geräumt. Jerome Powell hat am Mittwoch deutlich geblinzelt und die FOMC Minutes haben das bestätigt. Sorgen dass die FED beim Zinszyklus in 2019 überziehen würde, sind ungerechtfertigt. Und nun haben auch Trump und Xi einen Weg gefunden, der sich kooperativ anfühlt und das Risiko eines echten Handelskrieges zumindest verschiebt und die Hoffnung weiterleben lässt.

Es ist völlig klar, dass diese beiden Entwicklungen der letzten Woche, verbunden mit einer sowieso überverkauften Markttechnik, den Markt haben am Abgrund drehen lassen und den Beginn eines mittelfristigen Bärenmarktes erst einmal wieder verhindert haben.

Wenn ich hier Wahrscheinlichkeiten zu vergeben hätte würde ich sagen, ein versöhnlicher Jahresabschluss ist wahrscheinlich und ein Boden zu 80-90% temporär drin, also sehr wahrscheinlich temporär drin.

Ich betone das "temporär", weil auch wenn ein versöhnlicher Jahresabschluss nun wahrscheinlich ist, damit nicht die Frage beantwortet ist, ob wir gerade in einer großen Topbildung sind oder wir nur einen erfrischenden Dip hinter uns haben und der Bullenmarkt in 2019 weitergeht.

Diese Frage wird uns der Markt über die Stärke des kommenden Jahresabschlusses beantworten, wenn der mäßig bleibt und wir keine neuen Hochs erreichen, ist das Risiko einer Topbildung hoch. Laufen wir dagegen nun überzeugend zu neuen Hochs, liegt wohl ein Trendtief hinter uns und der Bullenmarkt setzt sich fort:

Die Stärke der nun wahrscheinlich folgenden Bewegung, wird uns also die Bedeutung einordnen, Topbildung oder Fortsetzung des Bullenmarktes, ist weiter die Frage im Raum.

Ich habe schon mehrfach auf die 90er Jahre als Proxy für das aktuelle Geschehen hingewiesen und da erscheint mir der 1998er LTCM Einbruch als sinnvolle Vorlage.

Auch da gab es einen scharfen und schmerzhaften Einbruch, worauf der Markt sich dann aber doch noch zu neuen Hochs aufgemacht hat, bevor dann gut ein Jahr später das wirkliche Top kam.

Ich kann mir das so auch aktuell gut vorstellen und präferiere dieses Bild leicht vor einer sofortigen Topbildung. Der blaue Pfeil zeigt, wo wir in der Gegenwart dann im Vergleich gerade wären:

Eine warnende Botschaft ist aber auch noch wichtig, denn 80-90% sind nicht 100% und absolut sicher ist nichts am Markt.

Ich glaube es zwar nicht, aber *falls*, nur *falls* der Markt trotz der "Powell-Taube" und trotz dieser konstruktiven Signale im Handelskonflikt jetzt *nicht* den Boden vollenden kann, falls der Markt also Montag und Dienstag doch wegknicken würde, dann sollten alle Alarmzeichen deutlich leuchten. Das wäre ein klares Exit-Signal, denn wenn ein Markt nicht macht was er sollte, wird es in der Regel ziemlich gefährlich.

Das Wissen um dieses Risiko, lässt sich sehr leicht mit klassischen Stops umsetzen, man sollte es nur tun und im Falle des Falles kein Hopium inhalieren.

Was den DAX angeht, wird der kommende Woche einer Sonderthematik unterliegen, weil er so "autolastig" ist. Denn voraussichtlich -> am Dienstag sitzen die deutschen Autobosse bei Trump <- um gut Wetter in Sachen Zölle zu machen. Das ist eine eher peinliche Angelegenheit für die EU und auch die deutsche Regierung, weil es zeigt wer den "Painstick" in der Hand hält und wer nur empörte Worte zu bieten hat.

Der DAX sieht sowieso schwächer aus, hat keine klare Bodenbildung wie der S&P500 und schwebt zwischen Baum und Borke. Eigentlich sollte auch der DAX am Montag profitieren, das Fragezeichen über den Autobauern macht aber eine Einschätzung hier weit unzuverlässiger - zu einer 80-90% Aussage bin ich hier nicht in der Lage:

Fazit:

Ein versönlicher Jahresausklang an den US Märkten ist nun wahrscheinlich, nach unten sichert man sich einfach hart ab. Bei in der Korrektur stark verprügelten Aktien bestehen nun durchaus attraktive Chancen, gerade die die besonders unter dem China-Fragezeichen gelitten haben, sollten profitieren, das gilt auch für Apple (AAPL).

Eine Schlussfolgerung ob der Bullenmarkt sich fortsetzt oder wir doch in eine Topbildung eintreten, ist aber noch nicht zu ziehen, das muss uns der Markt nun "beweisen".

Ich wünsche weiter einen schönen Sonntag!

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

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Wochenausblick KW39


Thema der Woche

Ereignis der Woche

Wir haben zwei Themen bzw Ereignisse der Woche.

Das erste Thema ist mal wieder der Handelskonflikt, denn China -> hat die Handelsgespräche mit den US gecancelt <-, weil man nicht unter Drohungen verhandeln will.

Das Thema schafft es nicht mal mehr in die Schlagzeilen, woraus man die mediale Ermüdung sehen kann, jeder denkt "da passiert ja sowieso nichts". Auch der Markt hat eine derartige Haltung, was aber ein "it doesn´t matter until it matters" Event riskanter macht.

Trotzdem betrachte auch ich das nur als abstraktes Risiko, als Waffengerassel - am Ende wird es wohl eine Einigung geben und wir haben ja bei Trump oft erlebt, wie schnell der plötzlich den Ton wechseln kann. Kim hat ja bewiesen, dass wenn Trump etwas will und Druck macht, es schon reicht ihm einen kleinen Finger zu geben, dass man zu seinem "Freund" wird. Die Chinesen wissen das sicher auch und werden im richtigen Moment einen Knochen hinwerfen, wenn sie nach innen hin genügend Stärke bewiesen haben um ihr Gesicht vor Bürgern un Parteikadern zu wahren.

Das zweite Thema ist die FED-Sitzung mit Pressekonferenz am Mittwoch. Eine weitere Zinserhöhung, die dritte in 2018, ist fest eingepreist und wird zu keiner relevanten Bewegung führen. Alleine der Ausblick wird den Markt bewegen. Der geht in Mehrheit - wie ich - davon aus, dass die FED irgendwo bei 3% - also nach weitere 4-5 Schritten, ans Ende in ihrem Zyklus kommen wird.

Wird diese Erwartung nicht verändert, passiert auch nichts und auch die Emerging Markets können eine Erholungsbewegung fortsetzen, da ein derartiger Zyklus eingepreist ist. Klingt die Projektion der FED weit falkenhafter, hat das Auswirkungen, vor allem eben auch in den Emergings Markets und bei den Anleihenrenditen.

Chance und Risiko der Woche

Letzte Woche schrieb ich hier:

Wir stehen also weiter vor der Frage, ob eine ausgedehnte Herbstkorrektur noch kommt, oder ob es das schon war. Die Warnzeichen sind weiter die selben und die Herbstkorrektur mit 5-10% im S&P500 ist weiter gut denkbar.

Nur sicher ist sie nicht und sie ist nach dem Verlauf der letzten Woche sogar wieder etwas unwahrscheinlicher geworden:

.....

Insofern darf man nun optimistischer sein und statt zu grübeln und sich mit dem bestehenden Risiko eines Herbsteinbruches zu quälen, sollte man es ganz pragmatisch angehen.

Die Nackenlinie ist nun die Wasserscheide und solange der SPX da jetzt darüber bleibt, kann man bullisch sein. Fällt er darunter, startet das Risikomanagement und man wird vorsichtiger.

Der SPX hat eine klare Entscheidung herbeigeführt und zwar in Richtung der präferierten bullischen Auflösung:

Der Restest war also erfolgreich und die Reise im Trend geht nach einem Retracement weiter klar nach oben. Logisch wäre damit eine Trendfortsetzung wie eingezeichnet. Das Risiko wäre, dass der Trend doch bricht und die ursprüngliche Nackenlinie zu neuen Hochs sollte weiter im Sinne des Risikomanagements ein wichtiger Meilenstein sein.

Im DAX sind Chance und Risiko der Woche auch klar. Im positivem Fall testet der DAX die 12.600er Zone und nimmt sie ideal. Damit würde die große SKS endgültig in Frage gestellt. Im negativen Fall haben wir letzte Woche ein niedrigeres Hoch gesehen, es geht runter und die SKS triggert. Ich präferiere hier etwas die bullische Variante.

Hinweis der Woche

Letzte Woche habe ich Ihnen unter diesem Punkt mit verschiedenen Charts erneut gezeigt, warum der Markt keineswegs nun drehen "muss". Meine Worte waren:

Auch wenn man meint, dass diese Bewegung im SPX doch mal enden muss, nein sie muss nicht, die Rally sieht immer noch gesund aus.

Rein medial gesehen, wenn der Sinn dieses Blogs nur wäre Sie zu unterhalten, wäre es nun höchst langweilig wenn ich hier wiederhole, was ich wie eine Gebetsmühle schon so oft gesagt habe.

Der Sinn des Blogs ist aber eben auch, Sie bei der Geldanlage zu unterstützen und weiter zu bringen. Und ich weiß genau, wie schwierig es ist, in einem beständig steigenden Markt dabei zu bleiben, weil selbst mir ja diese Gedanken im Sinne "dreht es vielleicht jetzt doch?" immer wieder in die Knochen fahren. Nur habe ich erlernte Abwehrmechanismen gegen genau eine derartige "Infizierung", die diese Gedanken schnell in die Mülltonne entsorgen.

Weil das aber so schwierig ist, bin ich überzeugt, dass ich gerade mit dieser gebetsmühlenartigen Wiederholung Ihnen den größtmöglichen Gefallen für Ihre Depots tue. Deshalb heute erneut:

Sie haben letzte Woche wieder gesehen wie richtig es war sich nicht verrückt machen zu lassen. Bleiben wir dabei und reagieren wir *erst dann* mit Sorgen, wenn der Markt wirklich fällt!

Die nächstliegende und logische Wasserscheide für erste Sorgen habe ich für den SPX genannt und ist völlig klar. Es ist die Nackenlinie des Ausbruchs des SPX zu neuen Hochs bei ca. 2.872.

Solange wir da darüber bleiben, gibt es aktuell keinen Grund unsere Zeit mit Crash- und Rezessions-Gedanken zu vergeuden.

Sobald wir darunter fallen, können wir uns solche Gedanken mal ganz langsam machen, dann ist mehr als früh genug dafür und ein Crash und eine Rezession immer noch weit weg!

Die Differenz zwischen den aktuellen Kursen und dem genannten Niveau beträgt aktuell sensationelle 2%! Wer nicht bereit ist, 2% vom theoretischen Top ganz gelassen wieder abzugeben und meint sich jeden Tag permanent sorgen zu müssen, hat im Markt als Investor sowieso nichts verloren!

Chart/Grafik der Woche

Die Grafik der Woche stammt vom BofA Merrill Lynch Global Fund Manager Survey und wurde von -> Urban Carmel hier in seinem immer lesenwerten Artikel <- ausführlich kommentiert:

Ich kann allen nur raten das ausführlich zu lesen, den diese Daten erlauben oft eine Mean Reversion sinnvoll zu timen. Nicht immer klappt das - nichts klappt immer am Markt - so war die Allocation für UK zum Beispiel schon zum Jahresanfang negativ und trotzdem hat es keine massive Mean Reversion gegeben.

Das liegt daran, dass auch so Daten ja nicht im luftleeren Raum existieren, sondern wie Kurse einfach nur das Abbild von Erwartungen sind. Die Erwartungen an UK waren zum Jahresanfang negativ, was eine gute Chance für eine Mean Reversion geboten hat, die auch sicher gekommen wäre, wenn die britische Politik wenigstens diese niedrigen Erwartungen befriedigt hätte.

Was aber passiert ist, ist dass die britische Politik selbst diese niedrigen Erwartungen noch locker unterschritten hat und nun im völligen Chaos festhängt. Das haben die Wenigsten erwartet, auch ich nicht. Demgegenüber haben sich die Märkte in UK noch vergleichsweise gut gehalten, was wieder bestätigt, wie viel Negatives schon in den Erwartungen war.

Wir sehen daran, dass auch die obigen Daten nur eine Aussage bezogen auf Erwartungen erlauben und auch niedrige Erwartungen können unterschritten werden, wenn die Politik ins völlig Chaos sinkt - auch wir hier in Deutschland sind davon ja nicht mehr weit entfernt.

Ganz grundsätzlich gilt aber auch für obigen Daten, dass ein Sektor in dem schon hohe Erwartungen stecken, anfällig für eine Korrektur wird und ein Sektor mit negativen Erwartungen, dagegen Chancen auf eine Überraschung in sich birgt.

Das ganze Gerede um "fundamentale Bewertungen" kann man sich demgegenüber sonstwohin stecken, wir haben ja zum letzten Jahreswechsel hier erlebt wie Vertreter der großen Fondsanbieter sich die Klinke in die Hand gaben, um uns "dummen Anlegern" an ihrer Weisheit laben zu lassen, nach dem man nun in Europa und nicht mehr in die US investieren sollte, weil die US doch so "überbewertet" seien. Lachhaft, warum Fundamentaldaten kein Timing-Indikator sind, habe ich ja oft erklärt und immer wieder bewiesen.

In diesem Survey von Merril Lynch hat man aber damals die unterdurchschnittliche Fokussierung auf US Aktien gesehen. Und ich habe darauf reagiert wie Sie wissen und die Fahne der US Investments weiter hoch gehalten.

Jetzt - und das dürfen Sie mit einem Fanfarenstoß unterlegen - hole ich die Fahne zwar noch nicht ein, ziehe aber daneben auch die Fahne der "Mean Reversion" am Mast hoch!

Das heißt nicht, dass die US Märkte nun einbrechen müssen, die Konjunktur brummt. Es heißt nur, dass jetzt endlich - wo die Fundmanager nun endlich in Mehrzahl auch im US-Zug sitzen - die Chance auf eine Überperformance der zurück gebliebenen Märkte gegeben ist. Aber auch nicht sofort, sondern perspektivisch in den kommenden Monaten.

Das ist wichtig zu beachten, denn wir reden beim Thema über die kommenden Monate und nicht über die kommende Woche! Solche Daten wie oben sind indikativ für die nächsten 6-12 Monate, nicht für die naheliegenden Wochen, in denen es durchaus noch weiter im Text gehen kann wie bisher.

Genau genommen rechne ich sogar damit, dass es in Richtung Jahresende noch im Text weitergeht, je weiter aber diese Schere aufgeht, desto stärker am Ende die Mean Reversion.

Index der Woche

Passend zur oben besprochenen "Grafik der Woche" habe ich ja schon in den letzten beiden Wochen die Emerging Markets zum "Index der Woche" gemacht und jeweils als Proxy den ETF EEM gezeigt. Das mache ich heute erneut, um die Bedeutung dieser potentiellen "Mean Reversion" zu unterstreichen.

Letzte Woche hatte ich eine grobe Projektion gezeichnet, die bisher wunderbar eingetroffen ist - ich lasse diese einfach unverändert im Chart. Der EEM hatte eine starke Woche und hängt nun an der Abwärtstrendlinie.

Nach der Projektion müsste sich nun etwas Schwäche anschließen, was mit der Absage von Handels-Verhandlungen durch China und einer FED die vielleicht falkenhaft klingt, diese Woche gut vorstellbar ist.

Danach könnte sich der Ausbruch anschließen, wenn doch ein Kompromiss im Handelskonflikt gefunden wird:

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

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Wallstreet Stream 12.09.18



15:10 MEZ

Die Indizes gaukeln uns vorbörslich wieder kaum Bewegung vor, aber in meinen Watchlisten zeigen die vorbörslichen Kurse einzelner Aktien doch an einigen Stellen interessante Bewegung.

Der wichtige Erzeugerpreisindex PPI ist aber um 14:30 Uhr etwas *schwächer* als erwartet herein gekommen. Das ist ein positiver Faktor und erhöht die Chancen, dass wir heute einen positiven Tag erleben werden:

15:15 MEZ

Schönes Stück hier bei TraderFox: -> Deutsche Aktien plötzlich teurer als US Aktien <-.

Es zeigt wieder beispielhaft, was zum Zwecke des Timings vom Gerede über Über- oder Unterbewertung ganzer Märkte aufgrund fundamentaler Daten zu halten ist: Nichts!

Erstens hat IFRS dafür gesorgt, dass der ausgewiesene Gewinn bestenfalls noch teilweise mit der wahren Gewinnkraft eines Unternehmens zu tun hat. Leider gilt das aus verschiedenen Gründen mittlerweile auch für den Cashflow, der zwar schwerer durch kreative CFOs zu beeinflussen ist, aber auch nicht mehr ist, was er mal war.

Zweitens aber selbst *wenn* diese Daten noch belastbar zur Bewertung geeignet wären, bringen sie trotzdem nicht weiter. Denn diese Daten sind in die Vergangenheit gerichtet, während der Markt in die Zukunft schaut und zwar ca. 1 Jahr weit recht präzise.

Es gibt einfach keinen besseren Bewertungsindikator als die Kurse selber und wenn die Kurse fallen, hat das fast immer einen guten Grund, der sich in den Bilanzen und Kennzahlen dann erst in der Zukunft zeigen wird.

Auch beim DAX hat der Markt schon früh Risiken geahnt, die sich nun in den Kennzahlen niederschlagen und diese verschlechtern. Für die Zukunft sagt aber auch das wieder nichts aus, weil vielleicht sind ja gerade Faktoren am Werk, die die Gewinnerwartungen wieder nach oben bringen.

Es ist also ganz einfach, ein guter Index ist einer der steigt. Und zwar so lange, bis er es nicht mehr tut. Das ist einfach eine andere Formulierung für "The Trend is your friend".

15:25 MEZ

Alles Family-Business: -> Erdogan macht sich selber zum Verwalter des Staatsschatzes <-

Falls das hier jetzt jemand komisch findet, kann man das leicht erklären: Große Männer können halt einfach alles. 😛

Wir wissen ja auch aus großen, einflußreichen Familien gerade im Mittelmeerraum, dass es sowieso besser ist, alles als "Family Business" zu machen.

Dass wir solchen Leuten auch noch Teppiche ausrollen, statt einen Staatsbesuch auf kleinster diplomatischer Flamme zu halten, dient natürlich dem deutschen Interesse. Schon klar, ich bin echt überzeugt. 😛

15:45 MEZ

Achtung jetzt bei Bausch Health (BHC), wohinter sich die alte Valeant (VRX) verbirgt. Das Chart zeigt schnell, dass wir so einen Schub schon ein paar mal gesehen haben und was dann folge:

15:50 MEZ

Kurz zur Info, für die die es interessiert. Bei Tichys Einblick mache ich erst einmal eine temporäre Schreibpause, bis ich in Ruhe bei einem Bier mit Tichy über das Thema gesprochen habe. Telefoniert haben wir schon, aber das reicht nicht. Dieses Gespräch wird irgendwann September/Oktober sein, je nachdem wann wir einen gemeinsamen Termin finden.

Bedingt durch die extreme Polarisierung der Gesellschaft, die ich fatal finde und an der ich mich auch nicht beteiligen will - siehe auch -> Differenzierung, die verlorene Kunst <- - dominiert natürlich auch bei TE massiv die politische Thematik und das sprachliche "Breitschwert" statt des "Floretts" und das drückt andere Themen eher an den Rand und selektiert natürlich auch die Interessen der Leser.

Das Ganze hat mittlerweile so eine Dynamik, dass ich mit meinen Themen dabei gefühlt nicht mehr wahrgenommen werde bzw untergehe. Die Gründe warum ich dort schreibe, die natürlich auch mit einer höheren Reichweite zu tun haben, werden so konterkariert.

Damit es keine Mißverständnisse gibt, damit ist keinerlei inhaltliche Distanzierung verbunden. Ich habe noch nie alles gut gefunden was da geschrieben wurde, oft passt mir der "Empörungs-Sound" persönlich nicht so recht. Das ist ja aber auch nicht nötig, dass ich alles gut finde und ist sowieso bei keinem Medium der Fall. Auch die "Welt" wird zunehmend pluralistisch und die NZZ war es schon immer und auch da gibt es Artikel die ich toll finde und andere, die ich als "neben der Spur" empfinde. Bei TE ist es nicht anders und das ist kein Problem, sondern zeichnet Pluralismus gerade aus.

TE steht aber fest mit beiden Beinen in der demokratischen Gesellschaft und ist eben eine wichtige Stimme im Sinne notwendiger Pluralität. Und Tichy ist als Person mMn genau der Gleiche geblieben, der er schon als Chefredakteur der Wirtschaftswoche war. Politisch gefühlt konservativ, wie es jahrzehntelang in der CDU die Menge der Mitglieder war und wirtschaftlich nach meinem Eindruck eher liberal. Was sich in den letzten Jahren geändert hat, ist die CDU unter Merkel und der Grundton der Medien, aber das Thema hatten wir ja schon zu Genüge und müssen wir hier nicht erneut durch den Wolf drehen und das dreht sich in den Medien erst jetzt wieder ganz langsam.

Insofern sind politisch gesehen diese Stimmen wie TE wichtig, die wieder mehr Pluralität in die mediale Meinung gebracht haben. Wenn sich der Diskurs dort aber dominierend nur noch um Politik dreht, ist es für andere Themen auf der Plattform schwierig, vor allem für solche wie meine, der ich ja ohne Bezahlung und nur für den Bekanntheitseffekt dort Artikel verfasse.

Es gibt zwei Wege wie sich das lösen kann. Einerseits kommt das Land vielleicht wieder zur Besinnung, so daß man mal auch über andere Themen breit diskutieren kann. Ich befürchte aber dafür muss erst einmal Merkel zurücktreten und das sehe ich noch nicht. Andererseits kann man die wirtschaftlichen und finanziellen Themen vielleicht besser bündeln und damit hervorheben und darüber wird zu reden sein.

16:20 MEZ

Nach positiven Studien-Daten für "Filgotinib" macht Gilead Sciences (GILD) heute einen Freudensatz nach oben.

Ob das aber reicht das Seitwärtsgezappel zu beenden, ist offen und weiter fraglich. Auch das Chart liefert trotz sichtbarer Chance noch kein klares Signal:

16:28 MEZ

Gestern hatte ich ja anhand von Applied Materials (AMAT) die Lage bei den Chipwerten thematisiert, die sich im "fallenden Messer" befinden. Bisher waren vor allem die Hersteller von Massenchips betroffen, jetzt erreicht der Zyklus auch die Spezialchip-Hersteller wie Infineon (IFX).

Schauen Sie mal wie brutal diese Woche dort die Range nach unten verlassen wurde. Das sind Signale, die kluge Anleger ernst nehmen und die in der Regel zu weiterem Schmerz führen:

Ich wiederhole zum Sektor., Hier bauen sich nun tolle Chancen auf, denn der Sektor ist offensichtlich nun in die Phase des freien Falls eingetreten und an den zukünftigen Aussichten gibt es in der Welt des 21. Jahrhunderts gar keinen Zweifel.

Aber es ist bei allen Aussichten nun ein fallendes Messer und kluge Anleger greifen da nicht rein. Wir beobachten und werden schon merken, wenn die Chance sich langsam aufbaut, weil der Abwärtsdruck nachlässt. Dieser Tag ist aber nicht heute.

16:38 MEZ

Wer heute Abend ab 19 Uhr Live selber sehen will, wofür er bald viel Geld ausgibt, kann das -> hier direkt bei Apple <- tun.

Die Aktie hat sich durch das Retracement und Geschaukel der letzten Tage in eine absolut neutrale Position gebracht, ich habe im Vorfeld keine Meinung zu unmittelbaren Kursreaktionen.

16:54 MEZ

Ist das hier eine sich anbahnende iSKS bei AT&T (T)?

Nicht idealtypisch, aber wie auch immer wir das Baby nennen wollen, eine Wendeformation die Aufmerksamkeit wert ist, ist es sehr wohl:

17:20 MEZ

Louisisana-Pacific Corp (LPX) hatte ich vorgestern genau wegen des bevorstehenden Ausbruchs. Nun ist er wohl im Gange, die kommenden Stürme werden schon eingepreist:

-> Hier ein Überblick <- über weitere, davon beeinflusste Aktien.

17:25 MEZ

Spannung nun bei Boeing (BA):

17:32 MEZ

Wie schon gesagt, das sieht stark danach aus, als ob der Weltmarktführer für Landmaschinen Deere (DE) nach oben raus will:

17:35 MEZ

Nach oben raus will offensichtlich nun auch der SPY, da hat jemand um 17:12 MEZ kräftig *Anblasen* gerufen:

Jawoll Herr Kaleu!

Auslöser ist das was ich schon länger als positiven Katalysator auf dem Radar habe, -> die Hoffnung einer Einigung mit China <-.

Wenn sich das bewahrheitet, kann das erhebliches Potential freisetzen, da ist einige Sorge eingebacken.

18:00 MEZ

Und schon wieder weg, Wasserbombe hat getroffen, U-Boot abgesoffen. 😉

Wie auch immer, es bleibt dabei. Die Handelsthematik drückt massiv auf China, auf Deutschland, auf die halbe Welt, nur nicht auf die US-Märkte. Und mit den kommenden US-Zwischenwahlen, steigen die Chancen auf einen Kompromiss.

Wenn so ein echter Kompromiss kommt und Trump den als "Sieg" vorweisen kann, setzt das in den Märkten einiges frei, weil Sorgen ausgepreist werden. Das größere Steigungspotential haben dann natürlich die, die bisher stark gefallen sind, also China, Deutschland und Co.

Ich schließe damit für heute und gehe um 19 Uhr mit einem Auge bei Apple zu schauen, während ich mit dem anderen Auge noch ein paar administrative Dinge mache.

Ihnen wünsche ich einen schönen Abend!

Ihr Hari

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Pfingstliche Spekulatius



Sie wissen liebe Mitglieder, dass ich kein Freund der -> Prognosiritis <- bin. Diese führt außer bei Zufallstreffern, nicht zu wiederholbarem Erfolg an den Märkten.

Mit weit weniger Bugwelle und weniger öffentlicher Ehre, ist dagegen das demütige Beobachten der Marktbewegungen versehen, es ist dabei aber ungleich profitabler auf der langfristigen Ebene.

Statt jetzt im Mai viel Energie auf das Herumrätseln zu verwenden, ob der Markt im Juli hier und im September da steht, stehen wir einfach jeden Tag und jedes Wochenende gelassen auf, öffnen die Tür unseres Marktzugangs und recken die Nase in den frischen Wind der Kursbewegungen. Da bekommen wir schon mit, was die Stimmung des Tages bzw. der Woche ist und mehr brauchen wir nicht um erfolgreich zu sein, weiter kann sowieso niemand die Zukunft antizipieren.

Ich sage immer, wir nehmen den Markt Schritt für Schritt, Tag für Tag und so kommt man nämlich zum Gipfel, in dem man beständig und diszipliniert einen Fuß vor den anderen in die richtige Richtung setzt, den Blick nicht in den Wolken, sondern am Boden, um nicht über Wurzeln zu stolpern und abzustürzen.

Trotzdem gibt es auch mal Ausnahmen, in denen auch ich Ihnen ein wenig Spekulatius - eine festliche Spekulation sozusagen - biete. Und heute ist es wieder so weit.

Denn die beiden kommenden Pfingstferien-Wochen in Bayern, vom 21.05. bis 01.06. bin ich in Ferien und diese Ferien werden etwas Besonderes für mich sein. Es werden die einzigen 2 Wochen im Jahr sein, in denen ich komplett abschalte.

Im normalen Ferienmodus, so auch dann in den Sommerferien, bin ich ja weiter präsent, schreibe brav meinen Wochenausblick und täglich eine Meldung zum Markt. In den kommenden zwei Wochen mache ich nichts von Alledem - keine Verpflichtungen, Null, Nada!

Es wird also an den kommenden beiden Sonntagen keinen Wochenausblick geben und durch die Woche auch keinen Artikel pro Tag. Ich schließe nicht aus, dass ich mich mal melde und administrativ muss ich im Hintergrund ja sowieso weiter werkeln, das ist alternativlos. Aber ich verpflichte mich zu gar nichts und rechnen Sie auch mit Nichts.

So eine totale Auszeit ist für mich jetzt mal wichtig, der tägliche Rhythmus zehrt und 2 Wochen im Jahr werden Sie den Markt mal ohne mich navigieren, Sie schaffen das. 😉

Da ich dann aber weg bin und 2x auch keinen Wochenausblick schreibe, mache ich hier und heute für Sie einen groben 2-wöchigen Ausblick. Dabei ist natürlich dann auch ein gerütteltes Maß Spekulatius, aber anders geht es nicht.

Legen wir uns los. Alle Angaben mache ich wie immer anhand des Leitindex S&P500, des wahrscheinlich bedeutendsten Aktien-Index der Welt.

Was haben wir an Terminen in den 2 Wochen?

FED und EZB treffen sich erst wieder nach meiner Rückkehr, am 13.06. (FED) und am 14.06. (EZB) im Doppelpack sozusagen. Von der Seite ist also Business as Usual.

Die Quartalssaison ist im Wesentlichen vorbei, auch von der Seite herrscht Ruhe.

Wirtschaftsdaten sind an Inhalt und Umfang normal, besondere Termine wie die US Arbeitsmarktdaten, sind auch erst nach meiner Rückkehr.

Das Treffen Trump-Kim ist - falls es stattfindet - am 12.06. in Singapur. Merken Sie die Termine 12., 13. und 14.06.? Die KW 24 können Sie sich also schon ganz dick im Kalender anstreichen. 😉

Sie sehen, die kommenden 2 Wochen ist so viel nicht los, nicht der schlechteste Zeitraum für Urlaub.

Wie sehe ich die grosse Marktlage?

Weiter unverändert, bin ich nicht pessimistisch für 2018.

Weiter unverändert denke ich, dass das Potential des Marktes nach oben wie unten in den kommenden Wochen begrenzt ist.

Weiter unverändert, erwarte ich bis in den Sommer eher eine große Seitwärtsbewegung des Marktes - wie hier gezeigt:

Sie kennen dieses grobe Bild seit Jahresanfang. Dabei haben die lila Linien keine konkrete Bedeutung im Sinne eines prognostizierten Verlaufes. Sie sollen nur einen Markt symbolisieren der:

  1. Tendentiell eine bullische Note hat, im Mittel also steigt, nicht fällt.
  2. Keine zweite scharfe Korrektur wie im 1. Quartal generiert. Die 1995-2000er Analogie ist mir immer noch sehr nahe.
  3. Bis in den Spätsommer hinein aber trotzdem die Hochs von Januar nicht überwinden kann.
  4. Zum Jahresende dann 3.000 erreicht und vielleicht überschreitet, aber mehr nicht auf der Pfanne hat.

Das ist mein Grundmodell seit der Korrektur und es hat mir gute Dienste geleistet. Es bleibt mein Modell, bis der Markt mir durch sein Verhalten ein anderes Modell als wahrscheinlicher nahe legt.

Können wir den Verlauf 1995 - 2000 noch einmal als mögliche Analogie sehen?

Aber gerne, hier ist er. Das Chart ist klickbar, weil sehr groß und detailreich:

Wenn ich raten müsste, wie würde ich den S&P500 in den 2 Wochen Pfingstferien zeichnen?

Ich rate wirklich nicht gerne, all meine Erfahrung macht aus 50% Zufall dann vielleicht 52%, mehr nicht. Aber versuchen wir es trotzdem. Ich sehe den S&P500 eher verhalten bullisch und den Ausbruch aus dem Dreieck als richtungsweisend für die naheliegenden Wochen.

So etwas könnte also denkbar sein, Schwäche Anfang nächster Woche und dann ein "welliges" Hocheiern:

Natürlich kann das jederzeit durch neue Nachrichten überschrieben werden, das wissen wir alle. Eine richtig schlechte Nachricht zum Thema Handelskonflikt China-US - zum Beispiel eine Retourkutsche zu ZTE gegen Apple von Seiten Chinas - und schon kann man den Verlauf knicken.

Deshalb halte ich furchtbar wenig von so konkreten Ratereien, aber zumindest kann ich Ihnen so vermitteln, wie ich den Markt aktuell aufgrund der vorhandenen Informationen werte. Verhalten bullisch.

Sehe ich besonders herausragende Chancen oder Risiken in den 2 Wochen?

Es gibt keine besonderen Termine und keine besonders absehbaren Ereignisse. Besondere Chancen sehe ich nicht, wenn überhaupt das Risiko, dass diese doch sehr markante Bewegung bei den Renditen der US Staatsanleihen, den Markt irgendwann doch ins Wackeln bringt:

Grundsätzlich, das habe ich schon oft gesagt, ist eine Rendite von 3,x% kein Grund für den Aktienmarkt zu fallen - das ist x-fach historisch bewiesen. Auch eine langsame Steigung der Renditen ist nicht wirklich ein Problem, auch das ist historisch erwiesen und im Bereich 3,x% auf keinen Fall. Insofern kann man das Thema weiter zwar aufmerksam, aber doch gelassen betrachten. Dieses zumal ich Renditen deutlich über 4% bei den 10-jährigen US Bonds für nicht besonders wahrscheinlich halte, denn auch die US haben ein Schuldenproblem und brauchen niedrige Zinsen.

Trotzdem gibt es ein Szenario das Unsicherheit verbreiten könnte und sich dann auch auf die Aktienmärkte negativ auswirken würde. Und das wäre ein zu schneller zu starker Anstieg und wir haben leider gerade in den letzten beiden Tagen schon einen markanten Schub.

Es wäre dann die damit verbundene Unsicherheit und die Fragezeichen, die den Markt ans Wackeln bringen, nicht die absolute Höhe der Renditen. Wenn ich ein Risiko auswählen muss, dass mir für die kommenden 2 Wochen real denkbar erscheint, ist es neben plötzlicher Eskalation in der Handelsthematik das, was Verwerfungen verursachen könnte.

Wo sollten Sie besonders Ihre Augen hin richten?

Ich denke der Markt hat uns ein paar Signale der Sektor-Rotation gegeben. Darauf würde ich schauen. Die Chance dass die Retailer und Dividenden-Titel zum Leben erwachen, habe ich erwähnt.

Auch dass der Semiconductor-Sector doch noch nicht am Ende des Zyklus ist, ist weiter eine Chance, kann aber auch weiter eine Topbildung sein:

Auf den Sektor würde ich genau schauen, der hat hohe Bedeutung für die "Risk On" Mentalität und den NASDAQ und damit für den ganzen Markt.

Dann ist natürlich der Biotech-Sector weiter eine Chance nach Trumps erleichternden Aussagen. Das sollte durchaus für 2-3 Wochen Anpassung der Kurse gut sein, im Zweifel nach oben.

So .... das wars auch schon. Sie sehen, mit ein wenig Glück wird es eher ruhig. Verlassen würde ich mich darauf aber nicht, der Markt braucht nicht unbedingt Gründe um in Bewegung zu geraten.

Nehmen Sie den Markt einfach Tag für Tag, Stück für Stück, dann wird das schon. Und halten Sie sich an die alte Bauernregel:

Kräht der Börsenguru auf dem Mist, ändert sich die Marktlage oder bleibt wie sie ist!

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, am 14.06. geht übrigens auch die Fussball WM los, was für eine KW24! 😉

Ihr Hari

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