Bitcoin, Ethereum, die Tulpen, Panini-Bilder und Geld

Im internen Bereich war der Wunsch vorhanden, mal darzustellen warum ich mich von den Kryptowährungen noch weitgehend fern halte und diese (noch) *nicht* für ernst zu nehmendes Geld halte.

Das Interesse daran dürfte auch im freien Bereich deutlich vorhanden sein, weswegen ich Ihnen diesen Artikel nun auch hier zur Verfügung stelle, leicht angepasst, weil um interne Referenzen bereinigt und um einen Gedanken erweitert.

Viel Spass und gute Erkenntnisse wünscht Ihr Hari

---------------------------------------

Ein Thema das immer wieder angefordert wurde, war der ganze Komplex rund um Bitcoin und Ethereum. Nun, da das Interesse so gross zu sein scheint - war es bei Tulpen übrigens auch mal 😉 - will ich mich aufraffen dazu etwas zu schreiben.

Aufraffen muss ich mich dazu, weil mich das Thema Anlage- und Tradingtechnisch noch gar nicht interessiert. Null. Nada. Ich werde Ihnen also nur erklären, warum es mich (noch) nicht interessiert, für eine Diskussion um die einzelnen, aktuellen Entwicklungen brauchen Sie einen anderen Gesprächspartner.

Und nein, natürlich ist der Bitcoin Ansatz etwas anderes als die Tulpen der -> Tulpen-Manie < -, das war nur eine Spitze, weil es Ähnlichkeiten bei der Markttechnik gibt, die mit einem zu engen Markt und ganz viel Hype zu tun haben. Die Folge ist eben eine Fahnenstange.

Aber von Anfang an.

Ich bin Informatiker und Techie. Ich verstehe den Ansatz der Crypto-"Währungen" also voll und ganz, auch technisch. Nicht in dem Sinne, dass ich mich für die Details der Algorithmen interessiere, aber das Prinzip der Blockchain und die damit verbundene Begrenztheit und nicht beliebige Vermehrbarkeit, ist mir völlig klar.

Mein erster Satz wird sie vielleicht erstaunen, weil er zum klaren "Interessiert mich (noch) nicht" scheinbar nicht passt:

Das ganze Konzept ist intelligent, zukunftsträchtig und könnte tatsächlich die Grundlage eines zukünftigen Geldes sein.

Wow, der Hari ist ein Bitcoin Fan? Nein, ich bin ein Fan des Konzeptes. Aber das ist (noch) kein Geld, weil hier einige Irrtümer in den Köpfen interessieren.

Denn es geht ganz grundsätzlich um das was *Geld* auszeichnet und das ist primär Vertrauen. Dann wieder Vertrauen, erneut Vertrauen und dann lange nichts. Und dann erst die Vermehrbarkeit, Lagerbarkeit und viele andere Themen.

Alle Fiat-Währungen wie der Dollar sind auch beliebig vermehrbar und die Menschen trauen denen trotzdem, zumindest noch. Es gibt viele andere Dinge, die nicht beliebig vermehrbar und trotzdem kein stabiles Geld sind. Tulpen waren damals gerade eben auch nicht beliebig vermehrbar, sondern die Zwiebeln damals sehr selten und wertvoll.

Die Frage ist, was zeichnet Geld aus, damit es allseits akzeptiert wird und dauerhaft als Wertspeicher funktioniert? Was unterscheidet Geld von Tulpen? Und das hat in einer heterogenen Zivilisation immer auch mit Institutionen zu tun, an denen sich das Vertrauen festmacht. Oder wie bei Gold an vielen tausend Jahre zivilisatorischer Erfahrung und damit einem verdienten Grundvertrauen.

Die begrenzte Vermehrbarkeit ist also eher nebensächlich.

Der derzeitige Killer, der verhindert, dass Bitcoin und Co. "Geld" sein können, ist die fehlende Institution, die das Geld garantiert.

Denn es gibt einen ganz entscheidenden Unterschied zwischen Gold und Bitcoin. Gold ist Gold. Es gibt noch ein paar andere Edelmetalle, aber es gibt keine unbegrenzten Alternativen an physischen Gütern, die endlich, begrenzt und leicht lagerbar sind. Es gibt also im Bereich der lagerbaren Metalle keine sinnvolle Alternative zu den Edelmetallen.

Bitcoin aber, ist zwar in seinem System nicht beliebig vermehrbar, man kann und wird aber jederzeit beliebige "Bitcoins" daneben setzen. Ethereum ist der erste Fall. Sobald auch Ethereum hoch gestiegen ist, werden weitere folgen. Der Erfolg erzeugt weitere Alternativen - Konkurrenz belebt eben das Geschäft, drückt aber auch die Preise. 😉

Und weil zwar nicht Bitcoin selber, aber Alternativen zu Bitcoin beliebig vermehrbar sind, hält die Technik keinerlei Vergleich zu Gold und Co. stand.

Wenn man die Crypto-"Währungen" als Ganzes nimmt, sind sie eben doch beliebig vermehrbar. Die Edelmetalle sind es nicht.

Bitcoin und Co. beinhalten also durchaus die Technik und das Konzept, um daraus echtes elektronisches Geld werden zu lassen, sie sind im Moment aber eher sehr gehypte "Rabattmarken" die irgend ein Unternehmen heraus geben kann.

Auch Rabattmarken können begrenzt sein, wenn es das Unternehmen so will. Und wenn um das Unternehmen ein Hype entsteht, können auch dessen Rabattmarken stark im Preis steigen, wie auch Panini-Bilder auf dem Schulhof. Da aber jederzeit eine andere Firma eigene Rabattmarken heraus geben kann, haben sie einen rein spekulativen Wert und können durch den Hype auf dem Nebenhof jederzeit entwertet werden. Und sind als Geld ungeeignet.

Wir müssen uns immer klar machen, was Geld ist. Geld basiert auf Vertrauen. Dieses Vertrauen in den Werterhalt und die Handelbarkeit ist bei Gold in tausenden Jahren gewachsen. Bei den Fiat-Währungen wie Dollar und Euro wird dieses Vertrauen durch eine halbstaatliche Organisation erzeugt - die Notenbank - und durch den Staat gefördert, der es zum Zahlungsmittel erklärt und darauf zum Beispiel Anleihen begibt.

Dieses Vertrauen ist bei Bitcoin und Co. nicht nur noch nicht da, es ist auch (noch) ungerechtfertigt. Auf der einen Seite wird es technische "Glitches" geben, die eine Manipulation ermöglichen. Nicht im Basiskonzept selber, das erscheint mir geschlossen, sondern an den Schnittstellen, dort wo das elektronische Konstrukt in die reale Welt eintritt, wie zum Beispiel an den Handelsplätzen.

Auf der anderen Seite fehlt die glaubwürdige Institution, ich halte es für eher irreal und eine Verkennung dessen was Geld ausmacht zu glauben, dass das eine nicht-staatliche Stelle sein könnte. Das Vertrauen das mit der "Herausgabe" von Geld verbunden ist, muss immer institutionell untermauert sein - es geht einfach um zu viel. Da ist Bitcoin und Co. noch lange nicht.

Was sind die Crypto-"Währungen" also?

Read more