Alibaba und IPOs – Sinn oder Unsinn für Anleger?

Der folgende Beitrag erschien am 15.09.14 09:45 in Hari Live und wurde für den freien Bereich leicht angepasst, um den Kontext verständlich zu halten

Im Zusammenhang mit einem Kommentar zu Charly Mungers Interview in Sachen Buffett und Berkshire Hathaway, habe ich daran erinnert, dass sich die Wissenden gegenüber den Ahnungslosen dadurch auszeichnen, dass sie wissen, was sie *nicht* wissen. Dieser wichtige Punkt passt in meinen Augen sehr gut zum Thema Alibaba und Börsengängen generell.

Sie haben bisher hier auf Mr-Market nichts zum Börsengang von Alibaba gelesen. Ein Börsengang, der übrigens weniger ein Börsengang, als eine Kapitalerhöhung ist, denn Alibaba ist mit seinem Businessportal alibaba.com schon -> 2007 in Hongkong an die Börse gegangen <- und wurde aber -> 2012 wieder delisted <-. Formal war das natürlich eine andere rechtliche Einheit, dahinter stand aber auch damals Jack Ma und die Internet Plattform Alibaba. Von dieser Geschichte liest man aber nun nichts mehr, warum wohl? Die Antwort erscheint mir persönlich klar: rein - raus - wieder rein ist nicht wirklich vertrauenerweckend. 😉

Aber darüber will ich hier gar nicht schreiben, ich will eigentlich zu Alibaba gar nichts sagen. Ich will Ihnen aber erklären, warum Sie dazu hier auf Mr-Market nichts lesen und auch nicht zu anderen IPOs.

Der Grund ist ganz einfach, weil ich grundsätzlich *NIE* an IPOs teilnehme, sondern immer abwarte, was der Markt daraus macht, nachdem Lockup-Periode und Kurspflege durch die Investmentbanken ausgelaufen sind und sich erstmalig unbeeinflusste Kurse ergeben.

Wenn ich die drei wichtigsten Eigenschaften aufschreiben müsste, die man braucht um konsistent am Markt erfolgreich zu sein, wäre eine der drei Eigenschaften ganz eindeutig der Satz:

-> Man muss gnadenlos rational sein und nur dort agieren, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann, der die eigenen Chancen zumindest zu einem 51 zu 49 Verhältnis führt. Wo man diesen Vorteil rational nicht sehen kann, bleibt man konsequent und ohne Reue fern.

Und es gibt wohl kaum einen Moment bei Aktien, an dem man ein schlechteres Chance/Risiko Verhältnis hat, als bei einem IPO - und zwar egal bei welchem. Warum wird auch schnell klar, wenn man sich mal überlegt, wer sich da mit welcher Motivation gegenüber steht.

Einen IPO, verbunden mit der Last der öffentlichen Berichtspflichten, machen Altgesellschafter nur, wenn sie auf diese Art und Weise zu guten Konditionen aussteigen können und/oder sich Cash ins Unternehmen holen können, auf jeden Fall zu besseren Konditionen, als sie ohne IPO selber erzielen könnten.

Da das Unternehmen aber noch nicht öffentlich ist, wissen genau genommen nur die Altgesellschafter sicher, was im Unternehmen wirklich los ist und was es wert ist. Und ab welcher Schwelle ein IPO ein Premium erzeugen würde, das diesen aufwendigen Weg lohnend macht.

Neben den Altgesellschaftern stehen dann noch die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die "Wissenden" dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind.

Und auf der anderen Seite haben wir die Schafe - Entschuldigung ich meinte natürlich die Investoren 😉 - die zur Tränke geführt werden müssen, aber gar nicht die Daten und Mittel haben, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen, wie die auf der anderen Seite des Deals.

Und um die Investoren zur Tränke zu führen, wird natürlich massiv beworben, gute Stimmung gemacht usw. Und eben Themen wie 2007-2012 dezent unter dem Tisch deponiert. "Roadshow" nennt man das, in der die potentiellen Investoren vom Einstieg überzeugt werden sollen, man kann das also mit einer gewissen Logik auch eine "Verkaufsveranstaltung" nennen. 😉 Sicher, wer in den Roadshows sitzt, bekommt sicher tieferen Einblick und die institutionellen Investoren haben ganze Teams, die sich in die Zahlen zum IPO vergraben können. Aber trotzdem bleibt auch da immer noch eine Restunsicherheit, den man kann nur analysieren, was einem von den Altgesellschaftern auch gesagt und gezeigt wird.

Damit ist doch offensichtlich und klar, dass bei so einem Setup - so einem Ungleichgewicht zwischen den Wissenden im Unternehmen und denen, die ihnen ihr Kapital geben sollen - kein 50/50 Chancengleichgewicht existieren kann. Nein, so ein IPO ist strukturell immer eher ein 40/60 Szenario zu Gunsten der Altgesellschafter.

Das heisst nicht, dass nicht auch mal IPOs für die Anleger gut ausgehen können. Auch 40% treffen oft ein. Und es gibt auch IPOs, bei denen es den Altgesellschaftern nicht auf einen schnell Cash-Out, sondern wirklich auf langfristige Aktionäre ankommt und die deswegen auch beim Emissionspreis sehr fair und realistisch sind.

Aber der entscheidende Punkt ist der, den ich oben gemacht habe: es ist sonnenklar, dass wir als kleine Anleger hier keinen Edge haben können! Und deshalb halte ich mich von IPOs generell fern und warte ab, bis Mr. Market Monate später ein unbeeinflusstes Urteil fällt. Und habe keine Reue, wenn dann auch mal ein IPO gut läuft und ich etwas "verpasst" habe.

Denn erneut: Man ist dann erfolgreich, wenn man gnadenlos rational ist und nur dort agiert, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann! Bei IPOs aber kann das strukturell gar nicht der Fall sein.

Ihr Hari

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Daimler im Visier der Investmentbanken

15 Uhr

Als Spekulation sehr spannend, finde ich nach wie vor die hier schon mehrfach besprochene Daimler (WKN 710000). Die Aktie ist in meinen Augen fundamental sauber bewertet und im Vergleich leicht günstiger zu haben als BMW oder Volkswagen. Das alleine wäre aber kein Grund, Daimler gegenüber den anderen Autobauern vorzuziehen, den der leichte Abschlag war ja in der Vergangenheit auch gerechtfertigt, die operative Performance von BMW oder Volkswagen war einfach besser.

Der Grund warum ich mit so viel Spannung gerade auf Daimler schaue ist, dass sich grosse namhaften Investmentbanken mit Call-Optionen auf Daimler eingedeckt haben !

So hält die Deutsche Bank laut Stimmrechtsmitteilung derzeit Call-Optionen auf Daimler, die wohl einem Stimmrechtsanteil von ca. 18% entsprechen. Goldman Sachs von geschätzt ca. 10-15%, der Anteil ist bei Goldman nicht ganz klar, da einige der in der Stimmrechtsmitteilung vom 19.03. gemeldeten Call-Optionen bzw CFDs mittlerweile schon ausgelaufen sind. Und nun, nach der allerneuesten Information, hält auch Morgan Stanley Call-Optionen im Wert von ca. 10% !

Die Daten habe ich von der offiziellen Daimler Investor Relations Seite und können Sie selber -> hier <- bei "Stimmrechtsmitteilungen" nachlesen und werten.

Ich finde diesen Gleichklang der grossen Investmentbanken äusserst bemerkenswert ! Ebenso bemerkenswert ist, dass das bisher kaum öffentliches Thema wurde, scheinbar hat kaum jemand diese Einzelinformationen zusammen gesetzt.

Natürlich weiss ich auch nicht was dahinter steckt, aber logisch wäre, wenn da jemand - zum Beispiel einer der arabischen Aktionäre wie Abu Dhabi - einen grösseren Anteil an Daimler übernehmen will und die namhaften Investmentbanken beauftragt hat, das abzuwickeln. Der ganz grosse Knaller wäre natürlich, wenn sich einer der weltweiten Autokonzerne in die deutschen Premiumanbieter einkaufen will. Denn Daimler ist im Gegensatz zu BMW oder Volkswagen nicht durch einen Ankeraktionär geschützt und der Wert von Daimler für einen aufkaufenden Autokonzern ist sicher höher, als die derzeitige Marktkapitalisierung von ca. 44 Milliarden €. Eine andere Erklärung fällt mir persönlich nicht ein, ich kann mir nicht vorstellen, dass die grossen Namen der Investmentbanken alle in die gleiche Richtung auf eigene Rechnung spekulieren, zumal der Eigenhandel bei den US Banken ja nun stark eingeschränkt ist.

Aber Vorsicht, nicht immer realisieren sich solche Spekulationen und mehr als eine Spekulation sind die obigen Gedanken nicht. Insofern sind die Call-Optionen keine Garantie für gar nichts ! Aber da Daimler auch ohne diese Spekulation in meinen Augen bei ca. 41€ fair bewertet ist, finde ich das eine interessante Wette mit nettem "Sahnehäubchen" in Form von Übernahmephantasie und bin Long bei Daimler.