Wat is ene SPAC?

Sonderartikel bereite ich in der Regel vor und sind unabhängig von Aktualität. Aber manchmal gibt es auch aktuelle Gründe ein Thema genauer auszuarbeiten, so auch heute zum Thema SPACs (Special Purpose Acquisition Company).

Eigentlich wollte ich heute ein anderes Thema für Donnerstag vorbereiten, das verschiebe ich nun, schreibe ihnen stattdessen als "Lehrer Bömmel" zum Thema SPAC und morgen kommt dann kein Artikel. Der eigentlich geplante Artikel kommt dann nächste Woche.

"Wat is ene SPAC" ist die Frage und dass die Beantwortung dringend ist wurde mir heute schlagartig bewusst, weil ich gestern -> hier im Forum <- einen unscheinbaren und für mich unkritischen Kommentar zum ASTRA Börsengang und dem dazu gehörenden SPAC HOL abgegeben habe, der zwar richtig war, aber in Realität zu gefährlichen Fehleinsschätzungen einladen kann. Vielleicht sollte ich in Zukunft einen Disclaimer wie in Beipackzetteln von Arzneien hinzufügen. 😛

Der Kommentar lautete:

HOL hat derzeit eine Marketcap von 425 Millionen $, ASTRA dürfte nach Erfahrung mit ähnlichen Situationen deutlich mehr an der Börse wert sein und zwar im unteren einstelligen Milliardenbereich.

Das Chart dazu sah so aus:

Durch den heutigen Kommentar eines Mitglieds wurde mir dann überhaupt erst bewusst, dass etwas was für mich selbstverständlich klar war es für Dritte nicht ist und man meinen Kommentar daher instinktiv so lesen könnte:

"HOL ist heute 425 Millionen wert, ASTRA später 2,1 Milliarden, der Kurs von HOL muss sich bis zum IPO also *verfünffachen*"

Schön wärs, das ist völlig falsch und hat mich überhaupt erst deutlich darauf aufmerksam gemacht, dass viele gar nicht verstehen dürften, was diese SPACs eigentlich sollen und wie das überhaupt funktioniert.

Das wäre ja nicht schlimm und ist kein Grund sich zu schämen, niemand muss SPACs verstehen, aber wenn man auf diesem Nichtwissen dann Anlageentscheidungen trifft, dann wird es gefährlich und ich verstehe meine Rolle hier als Mentor auch so, dass ich sie auf Gefahren hinweise, wenn ich diese deutlich kommen sehe.

Also ist es dringend nötig, dass Lehrer Bömmel mal den Sinn von SPACs erklärt, danach werden sie den massiven Gedankenfehler und seine erheblichen monetären Folgen dann (hoffentlich) selber erkennen können.

Und wie das so die Art von Lehrer Bömmel ist, macht der das nicht abstrakt, sondern konkret am Beispiel erlebbar.

Da hier der Börsengang von ASTRA der Auslöser war, lehne ich mich im Beispiel an diesen Börsengang an und verwende ähnliche Größenordnungen. Es ist aber ganz wichtig sich klarzumachen, dass es trotzdem nur ein bewusst vereinfachendes *Beispiel* ist, um das Prinzip zu veranschaulichen.

Im realen Fall ist es dann noch komplexer, da sind zum Beispiel auch Optionen im Spiel und man müsste schon mit viel Zeit tief einsteigen, um das wirklich kompetent auszuarbeiten.

Darum geht es Lehrer Bömmel ja aber nicht, der will seinen "Schülern" nur ein *Prinzip* vermitteln, damit sie nicht mehr zu Fehleinschätzungen in Sachen SPACs neigen und deshalb kommt nun nach dieser Vorrede ein stark vereinfachtes Beispiel. Los gehts:

Wat is ene SPAC?

Da stelle mer uns janz dumm und stelle uns vor, wir sind ene Raketen-Dingsbums, ähhh -Wissenschafter.

Wir haben also als Gründer und Tüftler eine Firma geschaffen, die es tatsächlich geschafft hat Kleinstraketen ins Weltall zu schiessen und von der wir nach Gesprächen mit Investoren glauben, dass diese Firma locker eine Milliarde wert sein sollte.

Gesellschafter (Aktionäre) sind wir immer noch selber, ein paar Freunde und die Familie haben wir mit kleinen Anteilen ins Boot geholt, das sind die (Gründungs-)Gesellschafter.

Dummerweise ist keiner der Gesellschafter so reich, dass er nun das starke und teure Wachstum der Firma finanzieren könnte. Banken kann man bei Raumfahrtrisiken sowieso vergessen und außerbörsliche Finanzinvestoren die man an Bord holen könnte, sind im Milliardenbereich auch dünn gesät, Raumfahrt ist eben teuer.

Außerdem würden Finanzinvestoren dann typischerweise die Kontrolle übernehmen, das wollen wir aber nicht, wir wollen weiter der Herr im Haus des eigenen Unternehmens sein, wir brauchen einfach Risikokapital und zwar rund eine halbe Milliarde. Woher nehmen und nicht stehlen?

Da kommt der Gedanke an einen Börsengang (IPO) auf, der würde Kapital einspielen und man könnte als Management und vielleicht mit speziellen Aktienrechten für die Gründer (in D Stämme vs Vorzüge) trotzdem die Kontrolle behalten.

Dummerweise hängt an einem Börsengang ein riesiger regulatorischer Rattenschwanz, es bindet immense Energie und ist sehr teuer und langwierig. Wir wollen aber Raketen bauen und keine Weltmeister im Financial Engineering werden, was also tun?

Da bringt uns ein glücklicher Zufall mit einem Menschen zusammen, der ein sogenanntes SPAC aufgebaut hat, ein Vehikel das dazu dient mit einem operativen Unternehmen zu fusionieren und so eine börsennotierte Gesellschaft zu schaffen.

Der große Vorteil des SPAC besteht für uns aus zwei wesentlichen Elementen:

Erstens ist das SPAC schon an der Börse notiert, die ganzen nervtötenden regulatorischen Schritte sind schon vollzogen. Wenn wir unser Raketenunternehmen also auf dieses SPAC fusionieren, sind wir damit sofort an der Börse, ohne weitere Prospekte schreiben zu müssen. Das spart viele Millionen und jede Menge Zeit!

Zweitens aber bringt das SPAC auch die für uns nötige Finanzierung von 500 Millionen gleich mit, die liegt beim SPAC sozusagen "auf dem Konto", von den Investoren schon längst eingezahlt. Im Moment ist das SPAC also genau diese 500 Millionen wert, plus die ideelle Kosteneinsparung, weil ein Börsengang vermieden wird.

Denn da wir keinen Börsengang machen wollen, würden wir ja sonst auch kein frisches Kapital bekommen und genau das brauchen wir doch! Die 500 Millionen des SPAC ersetzen also, was wir ansonsten via IPO von den Zeichnern ins Unternehmen eingezahlt bekommen würden - wenn man so will, wurde die Kapitalausstattung via IPO einfach im SPAC zeitlich vorverlagert.

Der Trick und Deal ist jetzt also, das SPAC und unser Raketenunternehmen zu *mergen* (fusionieren) und so ein börsennotiertes Raketenunternehmen zu schaffen.

Viele Dinge wollen dabei beachtet werden, auch steuerlicher Art und die Verhandlungen sind alles andere als leicht, weil beide Seiten - wir als Altgesellschafter/Gründer und die SPAC-Investoren als Geldgeber - ja einen optimalen Deal machen wollen.

Letztlich sind das aber alles technische Details, der Kern der Frage ist ganz einfach. Es ist die Frage wie viel denn unser Raketenunternehmen im Vergleich zu den vom SPAC mitgebrachten 500 Millionen wert ist. Und da es dazu keinen objektiven Maßstab gibt, nur Annäherungsrechnungen diverser Art, ist das der "orientalische Basar" und wird heftig verhandelt.

Dieses Verhältnis des Wertes des operativen Geschäftes im Verhältnis zum via SPAC eingebrachten Cash von 500 Millionen, wird ja dann auch bestimmen, wer vom fusionierten Unternehmen wie viele Aktien bekommt! Wäre unser Raketengeschäft nur 500 Millionen wert, wäre die Antwort einfach, SPAC und wir als Gründer würden dann je 50% am fusionierten, börsennotierten Raketenunternehmen halten!

Glücklicherweise konnten wir uns gegenüber den Investoren des SPAC damit durchsetzen, dass unser Raketenunternehmen schon 1,5 Milliarden wert ist, die eingebrachten 500 Millionen Cash dann also 25% des fusionierten Unternehmens ausmachen, das dann einen geschätzten Unternehmenswert "Enterprise Value" von 2 Milliarden (1,5 + 0,5) haben wird.

Wir können uns einigen, unterschreiben die Verträge und wenden uns mit dem vereinten Unternehmenswert 2 Milliarden an die SEC, um die Fusion vorzubereiten.

Dass diese Einigung überhaupt so möglich war, liegt natürlich daran, dass der "Enterprise Value" ja nur eine Rechengröße ist und wir ebenso wie die SPAC-Investoren darauf wetten/hoffen, dass der erste Kurs nach der Fusion deutlich über 2 Milliarden Unternehmenswert liegen wird.

Denn warum sonst sollten SPAC-Investoren die 500 Millionen in Cash eingebracht haben, sich mit einer Bewertung von 500 Millionen zufrieden geben? Dann hätte man sich das alles auch sparen können!

Nein, diese Rechnung mit dem "Enterprise Value" ist nur ein Verrechnungsmaßstab, um die eingebrachten Millionen dem von uns als Unternehmer geschaffenen, operativen Wert gegenüber zu stellen.

Falls nach dem IPO also "nur" 2 Milliarden Marktkapitalisierung (Unternehmenswert) herauskommen würden, dann wären vor allem die SPAC-Investoren äusserst enttäuscht, denn ihre Investition hätte sich dann nicht rentiert.

Falls es aber doch 4 Milliarden Marktkapitalisierung werden sollten, weil die Anleger so von der Raumfahrt begeistert sind, dann haben die SPAC-Investoren ihren Einsatz verdoppelt, weil ihre 25% dann 1 Milliarde am Markt wert wären. Das ist das Ziel, das ist die Hoffnung, deswegen macht man so ein SPAC überhaupt!

....

So liebe Schüler, konnte Lehrer Bömmel sich verständlich machen? Sehen sie jetzt den gefährlichen und im Zweifel teuren Fehler im Gedankengang, wenn man ein SPAC wie HOL einfach mit dem dann börsennotierten Raketenbauer ASTRA gleichsetzt?

Die Realität im konkreten Fall ist wie gesagt noch weit komplizierter, da gibt es Optionen, da gibt es besondere Rechte der Gründer und all das will bewertet und gegeneinander aufgerechnet werden, auch der Wert der Kosteneinsparungen den das SPAC mitbringt, weil es den Börsengang schon vollzogen hat.

Weswegen das hier auch nur ein Beispiel ist, weil ich so tief nicht auf die Nahtstelle will und dafür auch gar nicht die Zeit habe. Aber das Prinzip wollte ich ihnen klarmachen, ich hoffe das ist gelungen!

Bis dieser Merger-Vertrag unterschrieben ist, sitzen sich mit Gründern und SPAC-Investoren auf jeden Fall zwei gegengerichtete Interessengruppen gegenüber, die alle den maximalen finanziellen Vorteil erlangen wollen.

Wenn der Merger-Vertrag aber steht, dann sind diese Interessen vereint, dann geht es nur noch darum einen möglichst erfolgreichen IPO hinzulegen.

Das Ziel am IPO Geld zu verdienen hätten dabei ohne besondere Management-Optionen vor allem die SPAC-Investoren, das operative Management hat so oder so seine 500 Millionen frisches Kapital, die im SPAC ja auf dem Konto liegen und das weitere operative Geschäft finanzieren sollen. Und genau das ist auch ein Vorteil für das Unternehmen gegenüber dem im Wert unsicheren, direkten Börsengang!

Konnte Lehrer Bömmel sich verständlich machen? Sehen sie nun klarer?

Wenn ja, dann ziehen sie nun die richtigen Schlüsse zu ihren Investitionen und Trades was Chancen und Risiken angeht. Wenn nein, sollten sie unbedingt die Finger von SPACs lassen.

Ihr Lehrer Bömmel (Hari)

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Wann Börsengänge (IPOs) für Anleger interessant sein können


Haben Sie sich eigentlich schon einmal gefragt, warum ein Unternehmen überhaupt ein Intial Public Offering (auch Börsengang oder kurz "IPO" genannt) macht?

Haben die Unternehmen damit eine Verbesserung der Aktienkultur im Sinn und wollen uns Anleger zu Reichtum verhelfen? Die spöttische Art zu fragen, impliziert ja schon die Antwort die Ihnen natürlich klar ist: Nein!

Im Gegenteil, mit Tesla und seinem Chef Elon Musk haben wir ja gerade wieder einen Fall gehabt, in dem genervt darüber nachgedacht wurde, die Börse zu verlassen und andere wie Dell haben es unlängst vorgemacht. Was sind also die Motivationen für beide Richtungen, warum streben die Einen an die Börse und die Anderen verlassen diese wieder? Und was bedeutet das für uns als Anleger? Das ist Thema dieses Grundlagenartikels.

Bevor ich aber zum Allgemeinen komme, betrachten wir doch mal Dell konkret und beispielhaft, die sich 2013 von der Börse zurückgezogen haben und bei denen Gründer und CEO Michael Dell jetzt wieder -> an einem Börsengang bastelt <-.

Was ich Ihnen hier vorsorglich gleich sagen und dann begründen will ist, dass falls es zum erneuten Dell Börsengang kommt ich diesen *nicht zeichnen* werde. Dell ist im Massengeschäft die gleiche durchschnittliche Dell wie vor ein paar Jahre, gerade nur wieder aufgehübscht.

Ich bin Dell Kunde seit 1991, als Dell erst sehr kurz davor überhaupt nach Deutschland gekommen ist. In all den Jahren hatte ich fast ausnahmslos nur Geräte von Dell bzw der Untermarke „Alienware“, im Laufe der Zeit sind sicher mehr als 100 Geräte durch meine persönlichen Hände gegangen.

Dann war ich als Firmenchef eines Software-Unternehmens natürlich auch geschätzter „Großkunde“, mit dem Dell viel Geld mit Servern und Workstations für Entwickler gemacht und viele Notebooks für Außendienstler verkauft hat.

Ich kenne Dell Deutschland also recht gut und auch einige Personen, zu denen ich mal Kontakt hatte. Schon immer waren bei Dell Arbeitsspeicher und Festplatten gegenüber den Marktpreisen zu teuer, eine Methode, die die ganze Industrie pflegt.

Solange sich das im Bereich von Aufschlägen von 30% und ähnlichem bewegte, habe ich das auch immer toleriert, denn diese Hardware wird ja konfiguriert und mit Garantie ausgeliefert. Letztlich ist es aber eine Art „Unerfahrenheits-Steuer“, mit der die Hersteller ihre knappen Margen heben. Denn jeder halbwegs Versierte kann Speicher und Platten selber tauschen. Die Hersteller – wie gesagt nicht nur Dell – generieren hier also Marge mit der Unwissenheit und Unerfahrenheit vieler Kunden im technischen Bereich.

Wie gesagt, das ist völlig in Ordnung, solange es im Rahmen bleibt. Ein Komplettangebot bei dem man sich nicht mehr kümmern muss und das man als Otto Normalkunde einfach startet und läuft, hat eben seinen Wert. Und am Ende zählt der Gesamtpreis im Bezug auf die Gesamtleistung. Auch bei Apple zahlt man Hardware ja zu teuer, weil man im Gesamtwerk dafür etwas anderes bekommt.

In der letzten Zeit beobachte ich aber, dass bei Dell hier krass überzogen wird und ein Niveau erreicht wird, das man nur noch *Wucher* nennen kann. Nehmen wir als die Beispiel die derzeit sehr beliebten NVMe SSDs in der Größe 1 Terabyte und zwar in Form der 970 EVO von Samsung.

Der Marktpreis einer Samsung 970 EVO 1TB beträgt derzeit -> ca. 220-230€ Netto (ohne MwSt) <-. Dell will mir dafür aber 600-700€ Netto abknöpfen, wenn ich einen PC mit einer 1TB NVMe konfiguriere. Dabei ist das was ich bekomme, dann in der Regel keine Samsung 970, sondern eine billigere NVMe von Hynix oder Toshiba.

Wir reden also über den dreifachen Preis bei weniger Leistung! Das darf man wohl „Wucher“ nennen.

Jetzt kann man sich ja fragen, was die sich dabei denken, denn auch wenn sicher eine Mehrheit das einfach zahlt ohne zu begreifen wie sie abgezockt werden, gibt es doch eine starke, technisch versierte Minderheit, die sich dem verweigert und damit zu fehlenden Umsätzen führt.

An dieser Stelle kommt nun der Börsengang ins Spiel. Ich vermute nämlich – ausdrücklich nur eine Vermutung – dass man die etwas geringeren Umsätze ganz bewusst in Kauf nimmt, um um jeden Preis zum Börsengang die Marge aufzuhübschen!

Denn das Geschäft ist margenarm und neben dem neuen Arm im Bereich Server/Cloud den man sich durch Übernahme von EMC erschlossen hat, schadet es der Börsenstory sicher nicht, wenn man auch das Brot & Butter Hardware-Geschäft margenstärker darstellen kann. Ist es aber nicht, es ist wie immer.

Haben wir das also im Blick, wenn der IPO kommen sollte. Sicher ist die Hauptstory dann das, was sich Dell via EMC eingekauft hat. Aber zumindest im Massengeschäft wurde massiv „aufgehübscht“ und das lässt sich so nicht dauerhaft durchhalten.

Und damit kommen wir vom Speziellen zum Allgemeinen. Warum also hat Michael Dell sein Unternehmen 2013 von der Börse genommen und will es nun wieder dahin bringen?

Ganz einfach, weil er Geld verdienen will. Massiv Geld verdienen. Denn - und das ist die erste Lektion - eine Firma hat nicht immer ein Interesse an einem Börsengang, die Gesellschafter haben es bzw das Management mit seinen Optionen, wenn es keinen starken, dominierenden Gesellschafter gibt wie bei vielen Publikumsgesellschaften.

Ganz konkret hat die Börse 2013 doch begriffen gehabt, dass in Dells Geschäftsmodell kein großes Potential mehr steckte und die Aktie entsprechend kurstechnisch nur vor sich hindümpeln lassen. Weder Michael Dell als Gesellschafter, noch er als CEO, hatten von der Börsennotierung noch einen einzigen Vorteil, sondern nur Aufwand und Ärger in Form von Regularien, AdHocs und einer SEC im Nacken.

Also hat Michael Dell zusammen mit Finanziers Dell 2013 wieder von der Börse genommen und dafür Kapital eingesetzt, das er teilweise fremdfinanziert hat. Er hat also die Aktienbesitzer am Markt "billig ausbezahlt".

Nun hatte er 5 Jahre Zeit, die langweilige Braut wieder bunt anzustreichen und einem Facelifting zu unterziehen, auch der Kauf von EMC ist Teil dieser Story, die für Dell wieder Zukunftspotential darstellen soll.

Mit dieser "neuen" Story geht er dann wieder an die Börse und sucht Menschen, die ihm seine Anteile wieder für Kapital+X abkaufen, wobei X eben möglichst hoch sein soll. Und dafür braucht er eine überzeugende Story.

Nachdem der Börsengang dann vollzogen ist, kann die Aktie wieder bröseln und dümpeln, das "geliftete Geschäftsmodell" haben dann ja wie beim "schwarzen Peter" teilweise andere Gesellschafter in den Händen, auch "Aktionäre" genannt.

So weit die zugegeben böse und zugespitzte Erklärung. Ja ich weiss, das ist ein bischen unfair wie ich den Vorgang jetzt als "geliftete alte Schachtel Dell" darstelle, der Kauf von EMC hat schon was im Unternehmen geändert.

Ich will damit ja auch nur zuspitzen und einen Punkt machen und der lautet:

Börsengänge liegen primär im Interesse der Altgesellschafter und die wollen damit primär Geld machen. Punkt.

Denn an der Börse bekommen sie durch gute, medial aufbereitete "Stories" in der Regel mehr, als sie im privaten Umfeld bekommen, wo sie es dann nur mit Großinvestoren und damit Profis zu tun haben.

Man könnte also noch böser formulieren: An der Börse profitiert ein Altgesellschafter vom "Klein-Fritzchen-Bonus" und "Klein-Fritzchen" sind dabei Sie und ich. 😉

Ganz grundsätzlich gilt also, dass wir bei allen IPOs erst einmal skeptisch seien müssen, die "Cui Bono" Frage führt dabei zuverlässig zu den Altgesellschafter und seltener zum Unternehmen selber, als medial dann verkauft wird.

Gerade bei alten Firmen mit abgehangenem Geschäftsmodell wie Dell gilt diese Regel, die ja dann auch professionelle Unterstützung haben, um mit böser Zunge gesprochen, "die Sau mit Lippenstift anzumalen". 😉

Trotzdem sind Börsengänge manchmal ein Erfolg und das auch für die Anleger. Und das ist dann der Fall, wenn ein paar Sonderfaktoren zusammen kommen.

Und genau diese Fälle möchte ich nun mit Ihnen teilen, damit wir da in Zukunft die Spreu vom Weizen trennen können.

Fall 1 - Echter Finanzierungsbedarf

Ein Börsengang ist dann ein Positivum für ein Unternehmen, wenn damit echter Finanzierungsbedarf gedeckt wird und nicht nur Altgesellschafter ausbezahlt werden.

Das ist vor allem bei kleineren Unternehmen der Fall, die tatsächlich auf der privaten Ebene oft nicht den Zugang zu den großen Finanziers haben, wie es ein Michael Dell hat.

Gleichzeitig können diese Unternehmen aber auch keine Werbekampagnen bezahlen, die Fachleute die "Säue mit Lippenstift bemalen" sind hier also weniger vorhanden und schlagen wegen mangelnder öffentlicher Aufmerksamkeit auch weniger durch.

Wenn also ein kleines Unternehmen mit einer innovativen Geschäftsidee einen Börsengang wagt und gleichzeitig der Emissionserlös primär dem Unternehmen zur Finanzierung des Wachstums zugute kommt, dann kann das sehr interessant sein.

Man hat dann die Chance, sich sehr früh in ein innovatives Geschäftsmodell einzukaufen, dafür muss man sich aber fundamental sehr tief mit dem Unternehmen beschäftigen. Aber - und das ist die Botschaft - hier können eher Chancen für Anleger liegen, als wenn eine Sau nur Lippenstift bekommt.

Fall 2 - Ungewünschte Töchter von Großkonzernen

Ein Blick auf die Altgesellschafter und deren Motivation ist bei einem IPO immer einen Blick wert. Wenn ein dominierender Gesellschafter wie Michael Dell, der das Unternehmen aus dem EffEff kennt einen Börsengang forciert, ist die Wahrscheinlichkeit dass er dabei Rabatte verteilt extrem gering. Warum sollte er auch, er weiß mehr als alle anderen und wenn der IPO für ihn kein Vorteil wäre, würde er ihn einfach wieder absagen und fertig!

Ganz anders geht es manchmal in Großkonzernen zu, da beschliesst die Unternehmensleitung, dass ein bestimmtes Geschäftsfeld nicht mehr zum "Kerngeschäft" gehört und schon ist dieses Geschäftsfeld mit einem Fingerschnippen dann aus dem Fokus des Vorstands und sozusagen nur noch "in der Besenkammer" angesiedelt.

Die Abwicklung dieses Geschäftsfeldes, die Veräußerung, die eben auch ein IPO sein kann, ist dann in die "zweite Reihe" delegiert, die einfach den Job hat, für den Konzern noch genügend hereinzuholen.

Gleichzeitig hat man aber an der Unternehmensspitze nun andere Sorgen und Ziele und hat den Aktionären auch schon signalisiert, dass das Geschäftsfeld abgestossen wird.

Das stösst manchmal - nicht immer aber manchmal - dann Mechanismen an, in denen die Unternehmen bei einem IPO bereit sind auch Kompromisse zu machen und auch geringere Preise zu aktzeptieren, nur um "das Ding" damit vom Hof zu bekommen.

Als Beispiel passt es nicht ganz, aber ein bischen ging das bei Siemens Healthineers in diese Richtung, es war Siemens wichtig, die Einstieg in den IPO überhaupt hinzubekommen und dafür war man auch bereit den Emissionspreis nicht brachial auszureizen.

In so Szenarien können also auch mal Chancen liegen, dafür muss man aber genau hinschauen und die Motivation der abgebenden Gesellschafter - hier des Siemens Managements - einzuschätzen versuchen.

Fall 3 - Themenaktien bei heiß gehandelten Modethemen

Den Fall kennen alle, die schon etwas länger auf diesem Planeten wandeln, es ist der "Jahr 2000 Fall", denn es auch immer mal wieder in besonders angesagten Sektoren geben kann.

Auch wenn, wie ich oben beschrieben habe, bei einem IPO sehr wohl auch aufgehübscht wird und die Braut mit frischer Schminke angemalt wird, der Emissionsprozeß mit Banken die auch eine Reputation zu verlieren haben, hat doch institutionelle Schranken, die zu extreme Übertreibungen dämpfen.

Wenn die Aktie aber aus einem Sektor kommt, der bei Anlegern besonders begehrt ist, weil sich mit ihm hohe Zukunftserwartungen verbinden ... und wenn dann auch noch das Börsenenvironment stimmt ... dann kann so ein IPO schon zu einer schnellen Rally und sogar Verdoppelung führen.

Wenn man so will ist diese Rally dann das Ergebnis des Übergangs von einer zwar optimistischen, aber doch halbwegs noch mit Realismus unterlegten Bewertung, hin zu echter -> Irrational Exuberance <-.

Was davon dann langfristig zu halten ist, ist eine andere Frage und haben wir dann nach 2000 gesehen, aber so etwas gibt es einfach. Themenaktien in heißen Bullenphasen, können beim IPO also mal ein profitabler Zock sein.

Fall 4 - Der Markt unterschätzt wirklich

Zu guter Letzt gibt es dann auch noch den Fall - selten zwar aber den gibt es - dass der Markt eine Aktie trotz der frischen Schminke die bei der Emission aufgetragen wird, trotzdem noch unterschätzt.

Das sind eigentlich die Fälle, die man am liebsten und öfter sehen möchte, weil man hier wirklich beim IPO substantiell "billig" gekauft hat. Wenn die Skepsis aber groß ist, kann eben auch die beste Schminke keinen überhohen Preis erzwingen.

So einen Fall hatten wir im Kern mit dem Facebook (FB) IPO. Die Skepsis war 2012 hoch, ich habe mir diese profitable Entwicklung dieser Datenschleuder selber auch nicht vorstellen können und war damit bestimmt nicht alleine. Und da es so ein riesiger und publikumswirksamer IPO war, hatten die Emissionsbanken auch ein hohes Interesse, sich hier nicht zu blamieren.

So kam eine Emissionspreis zustande, der noch Luft nach oben hatte, weil die Fähigkeit von Zuckerberg aus den Daten der Menschen Profit zu schlagen, offensichtlich von der Mehrheit unterschätzt wurde. Das war ja damals auch noch etwas ganz Neues.

So hatte Facebook ab dem IPO 2012 diesen Verlauf, auf initiale Abgaben die der weit verbreiteten Skepsis entsprachen, folgte dann diese Erfolgsstory, die nun aber vielleicht zu Ende geht. Vielleicht kann man die Menschen ja wirklich nur begrenzt an der Nase herum führen, da ich mir ein positives Menschenbild bewahren will, will ich mir diese Hoffnung noch bewahren:

So ..... damit hoffe ich Ihnen einen Überblick zu Motivationslagen bei IPOs gegeben zu haben.

Das Fazit lautet:

Seien wir bei einem IPO grundlegend skeptisch, die Frage "Cui Bono" deutet in der Regel auf die Altgesellschafter und nicht auf die neuen Aktionäre.

Nur wenn wir wie oben bei den 4 Fällen konkret argumentieren können, warum dieser IPO eine davon abweichende Sondersituation ist, dann können wir einer Zeichnung auch nähertreten.

Ihr Hari

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Coherus BioSciences, die Biotech Branche und die Biosimilare

Der folgende Beitrag ist ein kleiner Auszug aus Hari Live von Montag 05.01.15 14:00

Ohne Zugang zu den genannten Referenzen im BioTonicum, ist das Thema Biosimilare im freien Bereich vielleicht nicht ausreichend zu verstehen, aber der Beitrag soll Ihnen wenigstens zeigen, dass wir in der Community nicht nur die grundsätzlichen Themen besprechen, sondern unseren Blick auch auf einzelne "Hot Stocks" richten, in denen besonders viel Potential liegt.

Übrigens hat Coherus gestern bei 19,79 USD geschlossen und steht damit nach 2 Tagen genau 25% höher als in meinem nun folgenden Beitrag. Aber keine Sorge, das wird auch mal wieder in die Gegenrichtung ebenso runter gehen. 😉

Vergessen Sie also nie, dass solche Aktien seriös eigentlich nur im Rahmen eines breit aufgestellten Sektoren-Investments betrachtet werden können, in denen der einzelne Wert bei kleiner Positionsgrösse dann einer unter vielen ist.

Mit solchen Aktien kurzfristig zu "zocken", ist dagegen auch nicht viel anders, als einen Würfel zu werfen und würfeln und herumraten tun wir hier auf Mr-Market.de nicht. Denn mit der Markttechnik kann man bei so kleinen Werten nicht belastbar arbeiten und welche Nachricht den Kurs morgen um 10% bewegen wird, kann man von aussen nicht antizipieren.

Was man aber erkennen und antizipieren kann ist, in welchen Aktien langfristig grosses Potential steckt. Und damit zu meinem Beitrag von vor zwei Tagen:

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Heute will ich ein Biotechnologie-Unternehmen mit Ihnen teilen, das ich nun mit einer kleinen Position in meinen diversifizierten Biotech-Basket gelegt habe und dort im Sinne eines Investments, ein paar Jahre ganz ruhig liegen lassen werde.

Es ist -> Coherus BioSciences (A12ETZ, CHRS) <- und nach meiner Kenntnis der einzige "Pure Play" im Zukunftsmarkt der Biosimilare. Toni hat ausführlich über Biosimilare geschrieben, ich verweise unter anderem auf seinen Beitrag am Samstag 17.05.2014 im BioTonicum.

Bevor ich aber erkläre, warum ich Coherus BioSciences nun aufgenommen habe, muss ich noch den dringenden Hinweis loswerden, dass das keine Aktie für ein kleines Depot ist und diese einen sehr langen Atem erfordert.

Denn Coherus hat erst vor 2 Monaten im November seinen IPO gemacht und besteht im Wesentlichen aus Hoffnung und Erwartung. Solche Aktien können extrem volatil sein und reagieren massiv auf Einzelnachrichten, die man von aussen sowieso nicht antizipieren kann. Mit der Markttechnik lässt sich hier wenig ausrichten und so eine Aktie ist in 3 Jahren entweder von der Bildfläche verschwunden oder notiert um den Faktor 100 höher - beides ist denkbar.

CHRS 05.01.15

Das ist also ein klarer Fall für ein Investment im Sinne eines Biotech-Baskets, das man so konzipiert, dass man bewusst die Pleite einiger Titel in Kauf nimmt, diese aber durch wenige Volltreffer überkompensieren will. Wenn man so will, ist das die Strategie eines Schusses mit der Schrotflinte nach dem Motto: eine Kugel wird schon treffen. Ich habe diese für klassische Seed-Finanzierung typische Strategie hier letzten Sommer im Forum mit dem Stichwort "Sequoia Capital" schon einmal im Forum thematisiert.

Das nur zur Klarstellung, nun aber zu den Gründen, warum Coherus BioSciences nun Teil meines Baskets ist. Die Ursache sind die BioSimilare und die Tatsache, dass Coherus der nach meiner Kenntnis einzige "Pure-Play" in diesem neuen Segment ist, noch dazu geführt von einer im Thema sehr erfahrenen Führungscrew. Ich habe schon den IPO aufmerksam bemerkt, ein paar Wochen die erste Marktreaktion abgewartet und nun im Januar 2015 erscheint mir die Zeit reif.

Märkte haben die Tendenz, zu grosse Ausreisser bei den Margen auszugleichen. Denn wenn Unternehmen extreme Margen erzielen können, erhöht das den Wettbewerbsdruck von anderen, die auch mitverdienen wollen und steigert die Kreativität von Nachahmern.

Genau an dieser Wegsscheide könnten nun die grossen Biotech-Namen stehen und ich betrachte das Geschehen kurz vor Weihnachten rund um Gilead Sciences und Express Scripts als erstes Warnzeichen für die astronomischen Margen dieser Unternehmen - lesen Sie noch einmal meinen Post von Montag 22.12.14 20:00 in Hari Live.

Diese Margen sind dauerhaft nicht tragbar und könnten auf drei Arten unter Beschuss geraten:

Erstens durch regulatorischen Eingriff des Staates. Davon ist bisher in den US noch nichts zu sehen.

Zweitens durch die Marktmacht von Intermediären wie Express Scripts (A1JWJL, ESRX), die letztlich entscheiden, was dann wirklich beim Patienten im Gesundheitssystem ankommt und so die Preise drücken. Das Geschehen vor Weihnachten war ein klarer Warnschuss.

Drittens durch Nachahmer-Präparate, wie das im klassischen Pharma-Bereich ja schon durch Generika passiert ist. Und Biosimilare sind - ich weiss ein etwas schiefer Vergleich - ein wenig wie die "Generika der Biotech-Industrie" und werden absehbar eine preisdämpfende Wirkung haben.

Mit Coherus ist nun ein erstes Unternehmen auf dem Kurszettel, das gezielt auf Biosimilare setzt. Gerade wenn sich nun die Sorge um die Margen der grossen Blockbuster-Medikamente verstärken sollte, werden die Investment-Manager des Sektors vor allem auf Unternehmen schauen, die darunter nicht leiden, sondern davon profitieren. Oder die gar nicht davon betroffen sind.

Es könnte also Sinn machen, bei den breiten Biotech ETFs und den grossen Bluechips des Sektors, nun etwas vorsichtiger zu werden - die Margen könnten unter Druck geraten. Gleichzeitig macht es aber Sinn, weiter bei kleinen, aufstrebenden Unternehmen wie Coherus, erste langfristige Positionen zu eröffnen. Gleiches gilt nach wie vor für viele der von Toni im BioTonicum genannten, aufstrebenden Namen wie zum Beispiel ISIS Pharmaceuticals (881866,ISIS).

ISIS 05.01.15

Darüber hinaus macht es für mich persönlich weiter Sinn, meine Positionen bei Unternehmen wie Illumina (927079, ILMN) (Genom-Sequenzierer - Toni hat auch darüber geschrieben) oder Thermo Fisher Scientific (857209, TMO) mit langfristiger Perspektive zu erhöhen, denn diese verdienen ihr Geld mit den "Schaufeln" des Booms, also den Geräten und Verfahren, mit denen man neue Medikamente und Therapien überhaupt erst finden kann. Und diese Geschäfte dürften unter einem Aufkommen von Biosimilaren nicht leiden, eher im Gegenteil.

ILMN 05.01.15

TMO 05.01.15

So weit ein kurzer Ritt durch meine aktuelle Sicht auf den Sektor und ein Hinweis auf einen neuen "Hot Stock": Coherus BioSciences.

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Hari Live – Archiv 14.09.14 – 20.09.14

Premium gross

Hari Live - Archiv 14.09.14 - 20.09.14

Freitag 19.09.14 17:20 - S&P500 und Wochenabschluss

So liebe Mitglieder, am Ende einer Woche, die mir und hoffentlich auch Ihnen schöne Gewinne gebracht hat, noch ein Blick auf den S&P500:

S&P500 19.09.14

Dessen Ausbruch sieht bisher valide aus. Nach dem auch an der Wallstreet die OPEX ausgelaufen ist, kann man wie heute beim DAX von leichten Gewinnmitnahmen zum Wochenende ausgehen, die den S&P500 vielleicht wieder auf 2010 drücken.

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Alibaba und IPOs – Sinn oder Unsinn für Anleger?

Der folgende Beitrag erschien am 15.09.14 09:45 in Hari Live und wurde für den freien Bereich leicht angepasst, um den Kontext verständlich zu halten

Im Zusammenhang mit einem Kommentar zu Charly Mungers Interview in Sachen Buffett und Berkshire Hathaway, habe ich daran erinnert, dass sich die Wissenden gegenüber den Ahnungslosen dadurch auszeichnen, dass sie wissen, was sie *nicht* wissen. Dieser wichtige Punkt passt in meinen Augen sehr gut zum Thema Alibaba und Börsengängen generell.

Sie haben bisher hier auf Mr-Market nichts zum Börsengang von Alibaba gelesen. Ein Börsengang, der übrigens weniger ein Börsengang, als eine Kapitalerhöhung ist, denn Alibaba ist mit seinem Businessportal alibaba.com schon -> 2007 in Hongkong an die Börse gegangen <- und wurde aber -> 2012 wieder delisted <-. Formal war das natürlich eine andere rechtliche Einheit, dahinter stand aber auch damals Jack Ma und die Internet Plattform Alibaba. Von dieser Geschichte liest man aber nun nichts mehr, warum wohl? Die Antwort erscheint mir persönlich klar: rein - raus - wieder rein ist nicht wirklich vertrauenerweckend. 😉

Aber darüber will ich hier gar nicht schreiben, ich will eigentlich zu Alibaba gar nichts sagen. Ich will Ihnen aber erklären, warum Sie dazu hier auf Mr-Market nichts lesen und auch nicht zu anderen IPOs.

Der Grund ist ganz einfach, weil ich grundsätzlich *NIE* an IPOs teilnehme, sondern immer abwarte, was der Markt daraus macht, nachdem Lockup-Periode und Kurspflege durch die Investmentbanken ausgelaufen sind und sich erstmalig unbeeinflusste Kurse ergeben.

Wenn ich die drei wichtigsten Eigenschaften aufschreiben müsste, die man braucht um konsistent am Markt erfolgreich zu sein, wäre eine der drei Eigenschaften ganz eindeutig der Satz:

-> Man muss gnadenlos rational sein und nur dort agieren, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann, der die eigenen Chancen zumindest zu einem 51 zu 49 Verhältnis führt. Wo man diesen Vorteil rational nicht sehen kann, bleibt man konsequent und ohne Reue fern.

Und es gibt wohl kaum einen Moment bei Aktien, an dem man ein schlechteres Chance/Risiko Verhältnis hat, als bei einem IPO - und zwar egal bei welchem. Warum wird auch schnell klar, wenn man sich mal überlegt, wer sich da mit welcher Motivation gegenüber steht.

Einen IPO, verbunden mit der Last der öffentlichen Berichtspflichten, machen Altgesellschafter nur, wenn sie auf diese Art und Weise zu guten Konditionen aussteigen können und/oder sich Cash ins Unternehmen holen können, auf jeden Fall zu besseren Konditionen, als sie ohne IPO selber erzielen könnten.

Da das Unternehmen aber noch nicht öffentlich ist, wissen genau genommen nur die Altgesellschafter sicher, was im Unternehmen wirklich los ist und was es wert ist. Und ab welcher Schwelle ein IPO ein Premium erzeugen würde, das diesen aufwendigen Weg lohnend macht.

Neben den Altgesellschaftern stehen dann noch die Investmentbanken, die den IPO begleiten und befeuern. Diese kommen gerade dann an das Mandat, wenn sie den Altgesellschaftern versprechen können, dass sie den IPO zuverlässig durchbringen und einen besonders hohen Emissions-Preis erzielen können. Und die Investmentbanken sind auch oft so incentiviert, diesen hohen Preis zu erzielen.

Wir haben also auf der einen Seite zwei starke Kräfte, die genau wissen was im Unternehmen los ist und ein massives, wirtschaftliches Interesse haben, den Preis hoch zu treiben. Er darf zwar nicht so hoch gehen, dass gleich eine massiver Einbruch droht, das würde an der Reputation der Investmentbanken nagen, aber er darf und soll schon 10 oder 20 oder mehr Prozent über dem liegen, was die "Wissenden" dem Unternehmen eigentlich zubilligen, sonst würde man ja keinen IPO machen. Und um trotz eines überhöhten Emissionspreises dann den folgenden Einbruch zu verhindern, gibt es eben Lockup-Perioden und vor allem die Kurspflege der Investmentbanken, weswegen sich ernst zu nehmende Marktpreise erst dann entwickeln können, wenn beide ausgelaufen sind.

Und auf der anderen Seite haben wir die Schafe - Entschuldigung ich meinte natürlich die Investoren 😉 - die zur Tränke geführt werden müssen, aber gar nicht die Daten und Mittel haben, um zuverlässig den Wert des Unternehmens einzuschätzen, wie die auf der anderen Seite des Deals.

Und um die Investoren zur Tränke zu führen, wird natürlich massiv beworben, gute Stimmung gemacht usw. Und eben Themen wie 2007-2012 dezent unter dem Tisch deponiert. "Roadshow" nennt man das, in der die potentiellen Investoren vom Einstieg überzeugt werden sollen, man kann das also mit einer gewissen Logik auch eine "Verkaufsveranstaltung" nennen. 😉 Sicher, wer in den Roadshows sitzt, bekommt sicher tieferen Einblick und die institutionellen Investoren haben ganze Teams, die sich in die Zahlen zum IPO vergraben können. Aber trotzdem bleibt auch da immer noch eine Restunsicherheit, den man kann nur analysieren, was einem von den Altgesellschaftern auch gesagt und gezeigt wird.

Damit ist doch offensichtlich und klar, dass bei so einem Setup - so einem Ungleichgewicht zwischen den Wissenden im Unternehmen und denen, die ihnen ihr Kapital geben sollen - kein 50/50 Chancengleichgewicht existieren kann. Nein, so ein IPO ist strukturell immer eher ein 40/60 Szenario zu Gunsten der Altgesellschafter.

Das heisst nicht, dass nicht auch mal IPOs für die Anleger gut ausgehen können. Auch 40% treffen oft ein. Und es gibt auch IPOs, bei denen es den Altgesellschaftern nicht auf einen schnell Cash-Out, sondern wirklich auf langfristige Aktionäre ankommt und die deswegen auch beim Emissionspreis sehr fair und realistisch sind.

Aber der entscheidende Punkt ist der, den ich oben gemacht habe: es ist sonnenklar, dass wir als kleine Anleger hier keinen Edge haben können! Und deshalb halte ich mich von IPOs generell fern und warte ab, bis Mr. Market Monate später ein unbeeinflusstes Urteil fällt. Und habe keine Reue, wenn dann auch mal ein IPO gut läuft und ich etwas "verpasst" habe.

Denn erneut: Man ist dann erfolgreich, wenn man gnadenlos rational ist und nur dort agiert, wo man für sich wirklich einen objektiven Vorteil (Edge) erkennen kann! Bei IPOs aber kann das strukturell gar nicht der Fall sein.

Ihr Hari

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