Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?



In der Community hatte sich am letzten Freitag eine Diskussion um die Lage im Nahen Osten entfaltet, die von so allgemeinem Interesse sein dürfte, dass ich dazu auch im freien Bereich schreiben möchte.

Dabei geht es mir primär darum, Grundprinzipien klar zu machen, denn es gibt weit verbreitete Missverständnisse darüber, wie und warum Börsen Preise bilden.

Zur aktuellen, konkreten Lage um den Iran, will ich mich hier nicht äußern, das können Sie alles medial nachlesen. Faktum ist, dass die Spannungen steigen und wir alle nun rätseln dürfen, wer da nur pokert und wer es ernst meint.

Auch die konkreten Risikobereiche eines potentiellen Krieges um den Iran, können Sie leicht selber herausfinden, Stichworte "Nahost-Flächenbrand", "Atomwaffen" etc.. Alles keine Stichworte, die man gerne hört.

Die Frage hier im Artikel ist dagegen ganz abstrakt gestellt und der Iran ist nur ein aktuelles Beispiel:
Wie reagiert die Börse auf kriegerische Konflikte?

Es gibt dazu ja auch das Bonmot "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" und da ist durchaus was dran, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht.

Zunächst einmal ist entscheidend, dass man versteht, warum sich Kurse bewegen. Die meisten glauben, Kurse würden die Gegenwart bewerten, das ist aber *falsch*!

Denn Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen auswirken.

Das ist alles was man tief durchdringen muss, dann ist auch die Reaktion auf Konflikte klar.

Märkte sind dabei reine Preisfindungsmaschinen für die im Index enthaltenen Unternehmen, keine moralischen Bewertungsmaschinen

Wenn wir uns also mal als Beispiel den Verlauf des S&P500 zum Irakkrieg 2003 anschauen, dann sehen wir das:

Nun dürfen wir nicht glauben, dass hier nur der Irakkrieg im Zeitraum auf die Kurse gewirkt hat, die Haupttreiber sind auch damals weiter Konjunktur und Notenbanken gewesen. Aber die Kriegssorgen waren eben Teil des Bildes und haben es verändert.

Wir sehen, dass der Tiefpunkt praktisch mit dem Kriegsbeginn zusammenfällt, was es öfters gibt und worauf auch die Daumenregel "Kaufen, wenn die Kanonen donnern" beruht.

An diesem Bild können wir nun aber ein paar wichtige Erkenntnisse festmachen:

Erstens, dieses Chart sagt gar nichts über den Irak aus. Es bewertet nur die wirtschaftlichen Erwartungen an die Unternehmen die im S&P500 sind.

Wenn ein Krieg auf die Unternehmen keine Auswirkungen hat, bewegen sich die Kurse auch nicht. Zur Zukunft des Iraks oder der Sinnhaftigkeit dieses Krieges, der am Ende auf einer großen Lüge fusste, macht dieses Chart also *nicht die klitzekleinste Aussage!*

Zweitens, wir sehen wie Erwartungen die Märkte bewegen. Mit dem Irak-Krieg waren Sorgen einer Ausweitung bis zum Konflikt der Großmächte verbunden. Auch die Frage ob die Ölfelder des Nahen Ostens in Flammen aufgehen, sorgte die Märkte im Vorfeld und liess via Erwartungen die Kurse im Vorfeld fallen. Denn all das würde sich dann auf Unternehmen des S&P500 auswirken und deshalb wurden die Erwartungen im Vorfeld düsterer und die Kurse fielen.

Drittens, innerhalb von Tagen, wurde der durchschlagende Sieg der US-Truppen klar, weswegen diese Sorgen ausgepreist wurden und die Erwartungen an das Geschäft der Unternehmen im S&P500 sich normalisierte. Deshalb stiegen die Kurse wieder.

Erneute, eine Aussage über den Irak ist damit in keinster Weise verbunden gewesen! Der Irak ist nicht Teil des S&P500, also bewertet der Markt den Irak auch nicht.

Ich wiederhole also:

Aktienkurse preisen ganz grundsätzlich Zukunfts-Erwartungen an wirtschaftliche Entwicklungen ein, die sich auf die Unternehmen des Index auswirken.

Sonst nichts!

Wenn beispielsweise ein schrecklicher Krieg mit tausenden Toten zwischen verfeindeten Stämmen in Afrika losbricht, der aber ohne wirtschaftliche Effekte auf Lieferketten etc ist, interessiert das die Kurse gar nicht, weil es keine Auswirkungen auf die Unternehmen hat. Es gibt dann viele Gründe diesen Krieg zu verdammen und Mitgefühl zu haben, es gibt vielleicht auch Gründe zu helfen, die Börse wertet aber nur die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Unternehmen, so wie die Mathematik die Toten zählt.

Wenn aber auch nur das kleinste Risiko existiert, dass die Lieferketten wegen eines Konfliktes gestört werden könnten, fallen die Kurse schon bevor es passiert, weil die Erwartungen der erhöhten Unsicherheit angepasst werden.

So funktioniert Börse. So funktioniert Mathematik. So funktioniert alles, was Dinge "misst" und die Aktienmärkte bewerten (messen) letztlich wirtschaftliche Effekte auf Unternehmen. Sie geben der zukünftigen Entwicklung eines Unternehmens ein Preisschild.

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Öl und die 2015er Glaskugel

Der folgende Beitrag ist ein Auszug aus Hari Live von Montag 05.01.15 09:30

Ich habe keine Glaskugel und folge demütig dem, was der Markt mir anbietet. Aber trotzdem lebe ich ja nicht auf einem fernen Planeten und habe zu den grossen Makro-Themen daher ein Grundmodell im Hinterkopf, mit dem ich so lange operiere, bis mich der Markt eines Besseren belehrt.

Nun beeinflusst der Ölpreis ja eine Menge Assetklassen und kann in 2015 sogar zu Staatsbankrotten und den damit verbundenen Verwerfungen an den Finanzmärkten führen. Insofern schadet es nicht, zum Ölpreis ein Modell zu haben.

Nun, mein Modell rechnet mit einem - zumindest in der ersten Jahreshälfte - dauerhaft niedrigen Ölpreis in einer Range von 40-70 USD. Warum diese Annahme?

WTI 05.01.14

Die Begründung hat mit der Ursache der niedrigen Preise zu tun.

Klar ist, dass Saudi-Arabiens strategische Interessen - neben schlichtem Überangebot durch neue Anbieter wie Irak - wesentlicher Faktor in der Gleichung sind und die Saudis die US Fracking Konkurrenz klein halten wollen.

Wie stark die Fracking Industrie schon getroffen wurde, kann man schön an US Gas Unternehmen sehen, die wie Linn Energy (A0H023, LINE) mit besonders viel Financial Engineering unterwegs sind. Das Chart von LINE ist desaströs und der Cashbestand fast bei Null angekommen. Die Lage wird kritisch:

LINE 05.01.14

Und hier liegt der Punkt. Saudi-Arabien hat diesen Job nun begonnen und dabei auch eigene Nachteile in Kauf genommen. Es ist aber bisher zu wenig Zeit vergangen, um den Job auch zu Ende zu bringen und einen guten Teil der US Fracking-Industrie zur Aufgabe zu zwingen. Wenn man nun nicht alles schlimmer machen will und massiv Glaubwürdigkeit und damit Einfluss auf den Ölpreis verlieren, *muss* der Ölpreis nun für einige Zeit - zumindest für das erste halbe Jahr - unten bleiben.

Richtig ernst wird es sowieso erst, wenn die US Fracking Industrie nach Staatshilfe zu schreien beginnt, aber da sind wir noch nicht. Denn dann muss sich das Weisse Haus entscheiden, ob es die positiven Effekte mit dem Druck auf Länder wie Russland, Iran oder Venezuela höher schätzt, als die negativen Effekte auf die strategische Fracking-Industrie. Denn durch Fracking von Öl Importen unabhängig zu werden, hat für die US strategische Bedeutung.

Insofern gehe ich davon aus, dass die US Regierung ihre Fracking Industrie letztlich nicht untergehen lassen wird, bevor es aber so weit ist, muss die Lage erst weiter eskalieren. Und deshalb macht es Sinn, zumindest im ersten Halbjahr 2015 weiter von niedrigen Ölpreisen auszugehen, die irgendwo zwischen 40 und 70 USD mäandrieren sollten.

Diese Sicht passt auch gut zu markttechnischen Erfahrungen. Nach so einem Einschlag kommt höchst selten eine sofortige Wende, sondern so ein Einbruch will verarbeitet sein und das dauert Monate und manchmal Jahre.

Richten wir uns also auf längerfristig niedrigere Ölpreise ein. Das ist das Makro-Modell, mit dem ich im Moment operiere.

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Gastkommentar: Summer’s over – DAX 8000 dank Super-Mario ?

Ein Gastartikel von Tokay

Allmählich trudeln die Urlauber aus den Sommerferien ein – einige davon werden sich sicherlich hinter ihren Desktop klemmen, sich ihr Depot anschauen und sich fragen, wie es denn nun an den Märkten weitergehen wird. Davon handelt dieser Beitrag. Ein heißer August wie kürzlich geschrieben war es in der Tat – aber doch nur meteorologisch. An den Aktienmärkten ist im vergangenen Monat nicht sonderlich viel passiert. Es scheint, als wäre dies ein Atemholen vor großen Ereignissen gewesen.

  • Soeben hat Draghi „geliefert“. Er hat auf einer Pressekonferenz die Absicht der EZB erklärt, unbegrenzt Staatsanleihen der südlichen Euroländer kaufen zu wollen und nur noch in gewissem Umfang Zinsspreads zu tolerieren. Es steht allerdings der Troika-Bericht zu Griechenland noch aus und außerdem sind demnächst Neuwahlen in den Niederlanden;
  • Es dümpelt allerdings die US-Ökonomie. Man liest bereits von einer milden Rezession. Was also wird die FED tun? Kommt QE3? Was ist mit dem „Fiscal Cliff“ und mit der gegenseitigen Blockade von Demokraten und Republikanern?
  • Was ist mit China? Was mit dem nahen Osten, Stichwort Israel/Iran?

Man muss allerdings sagen, dass die aktuellen EZB-Beschlüsse ein starkes Signal sind. Gemäß der alten Regel, nicht gegen die Notenbank zu spekulieren, kann man als Anleger nunmehr mit erheblichem Rückenwind operieren. Wenn die Zinsen der Südländer gedeckelt werden und diese Länder an ihrer Reformpolitik festhalten, ist das kurzfristige Aufwärtspotential beträchtlich.

Betrachten wir bei der Gelegenheit die Lage einmal aus einer längerfristigen Perspektive. Welchen Ertrag können uns Aktien prinzipiell bringen? Dies hängt vor allem ab von der absoluten Höhe des Gewinns und davon, wie groß der Anteil des Gewinnes ist, der ausgeschüttet wird. Es hängt außerdem ab vom Wachstum der Gewinne, von der Zinsentwicklung und von der Risikoneigung der Akteure. Hohe Marktzinsen und Risikoprämien mindern den Ertrag, dürften sich aber in sehr langer Sicht neutral, weil eher unsystematisch verhalten, so dass wir diese Komponenten in der nachfolgenden Rechnung vernachlässigen können.

  • Wie wir aus der Vergangenheit wissen, wird ein gewisser Teil der Unternehmensgewinne, sagen wir 30 bis 40 Prozent, ausgeschüttet. Man kann somit von einer Dividendenrendite von zuletzt etwa 2 bis 3 Prozent des eingesetzten Kapitals ausgehen.
  • Die Gewinne dürften langfristig so steigen wie die Volkswirtschaft selbst. Bei einer stark exportorientierten Ökonomie wie der deutschen kann man aber die Wachstumsrate getrost etwas höher ansetzen, denn es wird häufig in wachstumsstarke Regionen geliefert. Auch hier sind 2 bis 3 Prozent an realem Wachstum nicht unvernünftig, ja sogar eher konservativ.
  • Und da wir keine völlige Preisstabilität haben, ist außerdem die Inflationsrate zu berücksichtigen. Eine Spanne von 2 bis 3 Prozent kann man hier ebenfalls als plausibel ansehen.

Damit haben wir die drei Komponenten der langfristigen Aktienerträge. Diese Erträge schwanken je nach Zins- und Risikoerwartungen, und letztere sind also nicht seriös zu prognostizieren. Die drei Basiskomponenten summieren sich nach dieser Rechnung zu einem Ertrag von 6 bis 9 Prozent per annum.

Der DAX stand am 1. Januar 1988 bei 1.000 Punkten. Rechnet man also mit einem durchschnittlichen Wachstum von beispielsweise jährlich 8 Prozent, dann wäre am 31. Dezember 2012 ein DAX-Stand von ca. 6.850 Punkten zu erwarten. Augenblicklich(Donnerstag Abend) stehen wir bei gut 7.150 Punkten.Das Jahr 1988 ist deswegen ein sinnvoller Ausgangspunkt, weil beim vorangegangenen Crash im Oktober 1987 die Märkte zum ersten Mal in großem Umfang mit Geld geflutet wurden(damals vom gerade ins Amt gekommenen Chef der Fed, Alan Greenspan).

Diese Zahlen zeigen uns, dass wir im Augenblick keine Überhitzung vorliegen haben. Eine deutliche Unterbewertung liegt allerdings auch nicht vor. Nun wissen wir aus der Vergangenheit jedoch folgendes: Aktienkurse können längere Zeit vom normalerweise zu erwartenden Entwicklungspfad abweichen. Dies gilt insbesondere beim unerwarteten Eintreten bestimmter Ereignisse, die eine gewisse Aufwärts- oder Abwärtsdynamik in Gang setzen können. Somit können sich auch in naher Zukunft die Kurse ein gutes Stück vom langfristigen Pfad entfernen, ohne dass dies sogleich in einen Einbruch münden muss.

In dem oben vorgestellten Diagramm ist dies gut sichtbar; man vergleiche die Strecke ABC, die die Entwicklung der 90er Jahre kennzeichnet und die viel steiler ist als jener Entwicklungspfad, der unter Zugrundelegung eines gleichbleibenden Anstiegs von 8 Prozent p.a. generiert wird(gleiches gilt für die Strecke DE). Eine scharfe Korrektur ist umso wahrscheinlicher, je länger sich die tatsächliche Entwicklung vom Pfad der „Normalentwicklung“ entfernt. Besonders eindrücklich war das ab dem Jahr 2000 der Fall, als die Anleger für die Exzesse dieser „roaring nineties“ bezahlen mussten(Strecke CD und später EF während der Finanzkrise 2008). Dies ist beispielsweise für diejenigen von Belang, die auf das Eintreten bestimmter Entwicklungen spekuliert haben und daher unter Umständen etwa ihren Urlaub anstatt wie geplant in der Südsee auf Balkonien verbringen müssen. Indes sind die Tiefpunkte solcher Entwicklungen auf lange Sicht sehr profitable Einstiegsgelegenheiten. Gut zu sehen ist auch, dass die Einbrüche heftig sind, aber viel kürzer als die vorangegangenen Hausseentwicklungen.

Eine deutlich expansive Politik wird nun wahrscheinlich als Signal dafür gesehen werden, dass ein Abgleiten in eine starke Rezession von der EZB nicht zugelassen werden und in der Folge die Kurse beflügeln wird. Die EZB wird die Anleihekurse hoch, damit die Anleihezinsen tief halten und die Risikoprämien abbauen helfen.

Die Überlegungen der EZB selbst scheinen allerdings nicht ganz in diese Richtung zu gehen. Die Spreads zwischen den Anleihen der südlichen Euroländer und denen des Nordens werden von der EZB als Signal dafür interpretiert, dass die Märkte ein Auseinanderbrechen des Euro vorwegnehmen und den Transmissionsmechanismus der Geld- und Kreditschöpfung hemmen. Die EZB scheint daher entschlossen, bis an die Grenzen des ihr möglichen zu gehen, um die Märkte zu stabilisieren und durch die resultierende Liquiditätsschwemme diese Hemmungen zu beseitigen. Diese Politik ist riskant und wird insbesondere in Deutschland heftig angegriffen. Doch bergen auch die Alternativen zu dieser Strategie große Risiken. Bis auf eine Stimme – wahrscheinlich die deutsche – hat die EZB indes einvernehmlich entschieden.

Wir werden also mit großer Wahrscheinlichkeit einen Kursschub bekommen, der die kommenden Monate andauern und Richtung 8.000 Punkte zielen wird. Sollte er allerdings nicht eintreten, so würden Erwartungen, die im Vorfeld aufgebaut wurden, korrigiert werden und der Verkaufsdruck wieder zunehmen. Da die Sentimentindikatoren jedoch eher in Moll gestimmt sind, ist zu vermuten, dass sich viele Player an der Seitenlinie befinden und der Verkaufsdruck damit eher begrenzt ist. Eine grundlegende Absicherung ist vorhanden, wenn man die Tiefs der Einbrüche 2003 und 2008 miteinander verbindet(Strecke DF). Diese grüne Linie markiert die untere, parallel zur „Normalentwicklung“ verlaufende Begrenzung. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, aber bei einem Unterschreiten dieser Linie, wie etwa im Fall einer schweren Rezession, wäre der bislang gültige Pfad der Aufwärtsentwicklung für lange Zeit gebrochen.

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Hari´s Märkte am Abend – 06.03.12 – Risk OFF – von volkswirtschaftlichen Irrlehren

22 Uhr - Handelsschluss

Na endlich möchte man sagen. Die Bären leben und haben ihre Zähne doch nicht verloren. In vielen Aktien hat man heute zum ersten Mal dieses Jahr fühlen dürfen, wie sich der schmerzhafte Biss eines Bären anfühlt. Mit dem Bruch der DAX 6800 nach unten, haben sich die Bären heute wieder meinen Respekt erworben und ich nehme sie seitdem wieder ernst.

Und - man glaubt es kaum - aber Mr. Market macht auch mal was die Mehrheit erwartet. Alles was ich bisher sehe, spricht aber dafür, dass das nicht mehr ist, als die lange erwartete Korrektur in der Aufwärtsbewegung.

Denn der kommunizierte "Auslöser" in Form von erneuten Ängsten um den griechischen Schuldenschnitt ist für mich eher ein schlechter Witz. Insbesondere dieses "überraschend aufgetauchte" vertrauliche IIF Dokument vom 18.02.12, in dem wohl vor Schäden im Bereich von einer Billion im Falle einer Pleite Griechenlands gewarnt wird, kann ich nicht ernst nehmen. Wer immer dieses Dokument in den Markt lanciert hat, dürfte wohl einen schönen Schnitt gemacht haben, denn die Wirkung 2 Tage vor dem Fristende ist nun wirklich berechenbar, wenn sie auf einen ziellosen Markt trifft, der durch das China Thema schon angeschlagen ist.

Inhaltlich gibt es zu diesem Dokument von mir auch nur zu sagen: wenn Banken nach über 2 Jahren der Vorbereitung und nach der Möglichkeit selbst Fussballer-Darlehen an die EZB abzuschieben, nun immer noch von Griechenland oder ihrem CDS Engagement in den Orkus gezogen würden, dann sollte man die verantwortlichen Manager nach meiner Ansicht wegen erwiesener Unfähigkeit und grober Fahrlässigkeit am besten gleich vor ein Schnell-Gericht stellen. Das wird aber nicht passieren, denn so unfähig wird wohl keiner sein. Das Risiko liegt schon lange primär beim Steuerzahler und wurde sozialisiert. Das IIF Dokument halte ich für Theater um die Beteiligung an der Umschuldung zu erhöhen und die Lancierung heute hat für mich ein ziemliches Geschmäckle.

Auf jeden Fall ist der heutige - teilweise brutale - Abverkauf quer durch alle Bereiche ganz typisch für eine Korrektur aufgrund plötzlich aufwallender - und damit irrationaler - Angst. Der steile Anstieg des VIX bestätigt das auch. Dabei gibt es heute keine wirklich neuen Erkenntnisse, die sich vor allem im ungewöhnlichen Bewegungen in bestimmten Segmenten zeigen würden. Hier wird einfach alles rausgeworfen und was vorher am besten lief, leidet am stärksten - Risk OFF halt.

Und das gerade die deutschen Industriewerte am meisten leiden ist auch nichts Neues, es liegt schlicht daran, dass die Investoren der Wallstreet in jeder Korrektur zunächst die ausländischen Werte verkaufen. Deshalb fällt der DAX auch wieder viel stärker als der S&P 500. Kennen wir alles aus dem letzten Herbst.

Bleibt die Frage WANN und WO man in diesen Markt wieder einsteigen sollte. Denn sobald diese Korrektur ausläuft - unter der Annahme, dass es bei einer kurzen Korrektur bleibt - bekommt man möglicherweise den sichersten Einstieg seit Jahresanfang, weil dann gerade ein reinigendes Gewitter hinter uns liegt.

Was das "WANN" angeht, rechne ich am morgigen Mittwoch eher noch nicht mit der Wende. Für eine sofortige V-förmige Wende fehlt es Morgen unter Umständen am Katalysatoren und nach diesem langen Anstieg, wäre eine mehrtägige Korrektur auch äusserst normal. Ausserdem wird bei einigen institutionellen Investoren heute wohl erst einmal überlegt und morgen dann möglicherweise noch einmal auf den "SELL" Knopf gedrückt.

Erst ab Donnerstag wird es wohl interessant. Denn am Donnerstag haben wir die Entscheidung um die Umschuldung Griechenlands und die EZB Sitzung und am Freitag die US Arbeitsmarktdaten. Ich halte das nach meinem heutigen Erkenntnisstand für einen möglichen, groben zeitlichen Rahmen der Korrektur, also mit einem möglichen Ende im Bereich Donnerstag bis Montag kommende Woche. Jedes dieser Ereignisse hat das Potential, nach dem heutige Abverkauf das Signal zur Rally nach oben zu geben. Sollte der Donnerstag enttäuschen und von erneuten Abgaben geprägt sein, reichen am Freitag möglicherweise schon durchschnittliche Arbeitsmarktdaten für eine Erleichterungsrally.

Zum "WO" habe ich mich in Sachen DAX schon geäussert. Eine erste Auffangzone ist bei ca. 6650, die Marke die ich heute früh um 10 Uhr schon nannte und an der der Markt heute auch konsequent zunächst zum Stehen kam, bevor er in der Schlussauktion dann doch darunter schaute. Ob diese Marke aber morgen im echten Handel hält, ist für mich zweifelhaft, dafür ist sie auch nicht ausgeprägt genug. Viel wohler fühle ich mich bei der massiven Unterstützung oberhalb 6400 und es würde mich eher wundern, wenn wir im Rahmen dieser Korrektur da einfach durchfallen. In diesem Fall müsste man dann wohl auch die Frage stellen, ob es wirklich nur eine simple Korrektur der Aufwärtsbewegung ist. Aber an dieser Stelle sind wir noch lange nicht, denn solange wir oberhalb DAX 6400 drehen, ist für den Aufwärts-Trend eigentlich nichts passiert.

Und was die richtigen Aktien für einen theoretischen Rebound wären, ist auch leicht zu beantworten, denn für eine nachhaltige Sektorrotation halte ich die Aufwärtsbewegung noch für zu jung. Kaufenswert sind also in meinen Augen die klassischen Industrie-Werte, die in den letzten Wochen am besten gelaufen sind und nun in der Korrektur auch am stärksten verprügelt werden. Viele Qualitätsaktien die wir hier in den vergangenen Wochen besprochen haben, wurde heute um 5-7% nach unten geprügelt. Wenn da in den kommenden Tagen noch ein Schub nach unten kommen sollte, haben wir in meinen Augen bei einigen Titeln attraktive Kaufkurse.

Insofern erübrigen sich heute auch Kommentare zu Einzelaktien, das heutige "Meer in Rot" birgt für mich keine grossen Überraschungen was Einzelbewegungen angeht. Wenn überhaupt ist zu bemerken, dass die gestern massiv verprügelten Rohstoffwerte heute nur noch mässig im Rahmen des Marktes abgaben. Der gestern von mir am Beispiel Rio Tinto skizzierte Punkt, könnte also näher rücken.

Warten wir also einfach ab, wann und wo der Markt dreht und versuchen wir diese Korrektur optimal für unser Depot auszunutzen.

Was das Thema Iran angeht, kann ich mir gut vorstellen, dass im Weissen Haus als Kompromiss zwischen beiden Positionen nun ein letzter diplomatischer Versuch vereinbart wurde und entsprechende Aktivitäten entfalten sich ja gerade in Form von erneuten Atomverhandlungen. Sollte auch dieser diplomatische Versuch scheitern, vermute ich, dass die US aber Israel Unterstützung für einen Militärschlag zugesichert haben. Und ich denke auch, wie schon seit Monaten, dass Israel nicht nur blufft, sondern diesen Schlag auch führen wird.

Hoffen wir also, dass der Iran den Ernst der Lage und die allerletzte Chance zur friedlichen Lösung endlich erkennt. Denn eigentlich ist doch alles ganz einfach, niemand spricht dem Iran das Recht zur friedlichen Nutzung der Atomenergie ab. Lässt er also ohne Bedingungen und mit aller Offenheit internationale Inspektoren ins Land, wäre der Konflikt wohl schnell gelöst. Und wenn man den permanenten Beteuerungen Irans zur rein zivilen Nutzung der Kernenergie Glauben schenkt, gäbe es ja auch keinerlei Problem internationalen Inspektoren überall Zugang zu gewähren. Ich befürchte aber, man hat doch etwas zu verbergen. Und Israel kann und wird nicht zulassen, dass eine Regierung die Israel die Existenzberechtigung abspricht, Atomwaffen in die Hand bekommt.

Insofern halte ich die Tage und Wochen nach dem Scheitern der jetzigen - wahrscheinlich letzten - diplomatischen Initiative für die wirklich kritische Zeit. Diese Woche geht der Kelch des Krieges aber wahrscheinlich noch einmal an uns vorbei.

Zum Schluss noch ein ganz anderes Thema, das aber gut zu dem heutigen Tag passt: Die Volkswirtschaftslehre mit ihren Irrlehren. Denn glauben Sie wirklich, es gäbe heute objektive neue Erkenntnisse im Markt, aufgrund derer wir gerade heute "höchst effizient" korrigieren und nicht schon gestern oder vorgestern ? Glauben Sie wirklich dieses Verhalten des Marktes heute sei rational und es basiere auf effizienter Informationsverarbeitung, dass wir heute bei vielen Qualitätsaktien um 5-7% nach unten rauschen, aber eben nicht gestern ?

Ihnen wird nicht entgangen sein, dass ich mir immer mal wieder eine deutliche Spitze gegen die traditionelle Volkswirtschaftslehre erlaube. Besonders die Adepten der "Efficient Market Hypothesis" (EMH) haben es mir schon seit Jahren angetan, die es ja immer noch schaffen für derartige Ergüsse Nobelpreise zu bekommen. Und falls Sie sich in dem Thema nicht so auskennen, dabei handelt es sich nicht um eine obskure Theorie, sondern um einen der Grundpfeiler der gängigen volkswirtschaftlichen Lehre in den letzten Jahrzehnten.

Denn ich halte die EMH - als immerhin diplomierter Wirtschaftswissenschafter, aber vor allem als erfahrener Beobachter von Märkten - für eine dogmatisch verengte Irrlehre, die schon lange hätte im Müllkorb landen müssen. Es ist nur deshalb nicht passiert, weil sich diese Herren nach meiner Ansicht nicht dazu bequemen wie eine wirkliche Wissenschaft zu agieren und ihre Hypothesen einer rationalen Überprüfung mit der wissenschaftlichen Methode zu unterziehen. Da suhlt man sich lieber über Jahrzehnte im Wohlwollen anderer Apolegeten der gleichen Irrlehre und erfreut sich an gegenseitiger Bestätigung, statt den einzigen wirklich objektiven Richter anzurufen: Mr. Market. Denn der würde ein klares Urteil sprechen, genau das ist aber scheinbar das Problem.

So werden auf derartige, schon lange empirisch falsifizierte Ideologien - denn um nichts anderes handelt es sich für mich - fröhlich abgehobene mathematische Modelle darauf gesattelt, auf Basis derer nicht nur arme Studenten gequält und Nobelpreise eingeheimst werden, sondern noch schlimmer auch Risiko-Modelle der Finanzindustrie aufgebaut werden. Die "Güte" dieser Modelle konnten wir ja vor erst kurzem in Sachen Lehman beobachten. Mathematisch gesehen sind diese Modelle ja auch durchaus anspruchsvoll, aber auch ein Haus kann so stabil konstruiert sein wie man will, wenn das Fundament auf Sand steht, ist all der Aufwand sinnentleert.

Dabei hat die EMH ja durchaus auch ihre interessanten und bedenkenswerten Ansätze und nicht alles an der EMH ist Unfug. Das Problem entsteht eher durch den dogmatischen Wahrheitsanspruch, verbunden mit der Weigerung eine wissenschaftliche Falsifizierung ernst zu nehmen. Dogmatismus und Wissenschaft sollten eigentlich ein Widerspruch in sich sein, bei bestimmten Volkswirten ist diese Erkenntnis aber scheinbar noch nicht angekommen.

Glücklicherweise mehren sich nun langsam die Stimmen der Kritiker aus der Wirtschaftswissenschaft, die sich nicht mehr länger blind diesen Irrlehren anschliessen wollen. Paul Krugman ist schon länger so einer und nun auch Thomas Straubhaar, dessen sehr lesenswertes Interview zum Thema ich Ihnen daher -> hier <- auf keinen Fall vorenthalten will.

Seien Sie also sehr kritisch, wenn Sie in Medien von irgendwelchen Volkswirtschaftsprofessoren - die sich gerne auch mal "Weise" nennen lassen - mal wieder abstrakte Vorhersagen im Diktus der Alternativlosigkeit hören. Denn wie Thomas Straubhaar richtig bemerkt, sind diese Dogmatiker mit ihrem Wahrheitsanspruch in Deutschland noch der Mainstream an den Universitäten. Und wenn Ihnen jemand erzählen will, dass Märkte in der Regel effizient seien, weil alle relevanten Informationen angemessen eingepreist seien, dann suchen Sie sich ganz schnell einen anderen Gesprächspartner, denn Ihr Gegenüber hat absolut keine Ahnung wovon er redet, Professor hin oder her ! Es ist eine Schande, dass unzählige deutsche Studenten auch im Jahr 2012 immer noch nur dann gute Noten erzielen können, wenn sie diesen Irrlehren folgen.

Vielleicht werden Sie sich fragen, warum ich bei dem Thema so aggressiv und gnadenlos reagiere. Ganz einfach, weil wir gerade eine grundlegende Krise unseres an sich ausgezeichneten Wirtschaftssystems erleben, die noch schlimme Folgen für kommende Generationen haben kann, weil sie Radikalen, Spinnern und längst vergessenen Ideologien wieder Wasser auf die Mühlen liefert. Und diese Krise wurde ganz grundlegend gerade von diesen Theorien der "effizienten Märkte" befeuert. Letztlich baut das, was man das "angelsächsische Finanzsystem" nennt, zu einem guten Teil auf diesen Irrlehren auf. Und es macht mich wütend, dass man dafür immer noch Nobelpreise bekommt, statt geächtet zu werden.

An dieser Stelle möchte ich Ihnen auch noch ein kleines, aber ebenso unterhaltsames wie lesenswertes Buch empfehlen: Kenneth Galbraith: Eine kurze Geschichte der Spekulation. Dieser schon 1990 veröffentlichte Klassiker spannt den Rahmen von der Tulpenblase des 17. Jahrhunderts bis Heute, ist ungeheuer lehrreich und von jedermann zu verstehen - in meinen Augen ein Muss für jeden, der an den Märkten unterwegs ist. Wer danach immer noch an effiziente Märkte glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 20.02.12 – Es grünt so grün …

17.45 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Heute mache ich es kürzer als sonst. Der Markt steigt weiter in freudiger Erwartung einer "Rettung" Griechenlands durch eine erneute Ladung Geld aus dem Steueraufkommen europäischer Bürger. Wir allen wissen, dass es keine echte Rettung sein wird, denn dazu müsste Griechenland seinen Staat und seine Organe komplett neu aufsetzen. Aber es wird zumindest erneut ein paar Monate Zeit erkaufen, Zeit in der man die anderen Länder der EU so sattelfest machen kann, dass Griechenland am Ende wirklich keine Rolle mehr spielt.

Mit der heutigen Stärke von Mr. Market hat sich auch meine Vorsicht vor dem Wochenende als unnötig erwiesen. Es grünt massiv in den Depots - auch in meinem - und wenn dann noch das Wetter draussen endlich mal etwas von Frühling zeigen würde, dann könnte dieser Rosenmontag zusammen mit dem Glück einen charakterstarken Bundespräsidenten zu bekommen, eindeutig als besonders erfreulicher Tag in die Annalen eingehen.

Ich denke allerdings auch, dass der Freudeneffekt über die nächste Geldspritze an Griechenland nun weitgehend verarbeitet ist und der Markt zwar schnell an die DAX 7000er Marke stossen kann, diese aber wohl nicht in einem Rutsch nachhaltig nehmen wird. Denn im Band etwas oberhalb 7000 Punkten liegt ein ziemlich starker Widerstand, der durch eine Unnmenge an Tiefs aus dem letzten Frühjahr / Sommer definiert ist.

Viele Marktteilnehmer sind beim Absturz im August letzten Jahrens auf diesen Niveaus unter Wasser geraten und werden nun, wenn ihre Positionen endlich wieder im Grünen sind, wahrscheinlich mit einem Verkauf liebäugeln - was es wiederum dem Markt schwer machen dürfte, diesen Bereich ohne Mühen in einem Schwung zu nehmen. So funktioniert nun einmal Widerstand und ich wäre überrascht, wenn es diesmal anders wäre. Nur den Banken traue ich nach einer konkreten Einigung in Brüssel Morgen noch einmal einen richtig guten Sprung ins Positive zu. Denn ich denke gerade für die Commerzbank, würde das eine erhebliche Erleichterung sein.

Insofern wäre ich überhaupt nicht überrascht, wenn wir nach einer positiven Griechenland-Entscheidung kurz über die 7000 schauen, nur um dann zunächst Richtung 6800 zu konsolidieren.

Wenn man etwas weiter auf die nächsten Wochen schaut, haben wir nun aber eindeutig Phase 2 einer solchen Hausse erreicht. Denn von überall her hört man nun, dass auch die Privatanleger wieder in den Markt zurück kehren und auch die Institutionellen an ihren Aktienquoten schrauben. Die Rally baut aber immer noch auf einer "Wall of Worry", einer gehörigen Portion Skepsis im Markt auf, die man als bullishes Signal werten muss. Denn es ist ja noch nicht so lange her, dass wir hier Angst hatten nachhaltig unter DAX 5000 zu fallen. Das hört sich heute wie ein Bericht aus einer anderen Welt an, liegt aber gerade einmal 4 Monate zurück - so schnell kann es gehen und so verändert sich unsere vermeintlich so "objektive" Wahrnehmung durch die Umstände.

Die "Wall of Worry" kann man auch daran erkennen, dass im Web nun schon wieder von "Übertreibung" und ähnlichem geredet wird. Das ist in meinen Augen kompletter Unfug, unter der Annahme einer halbwegs gesunden Konjunktur ist der DAX immer noch historisch günstig. Natürlich sind bestimmte technische Indikatoren nun im roten Bereich, das sind sie aber schon seit Wochen und ist für so Bullenmärkte ganz normal und kann noch weitere Wochen andauern. Und natürlich werden wir auch eine Korrektur bekommen, die die techischen Indikatoren wieder normalisiert, aber solange es nur eine begrenzte Korrektur bleibt, wird dieser Bullenmarkt dadurch nicht in Frage gestellt. Darüber hinaus kann selbstverständlich jederzeit etwas Überraschendes passieren und uns mal eben um 1000 Punkte nach unten schicken. Aber dieses Restrisiko hat man immer und obwohl immer die theoretische Gefahr besteht, dass einem der Himmel auf den Kopf fällt, steht man trotzdem aus dem Bett auf und fängt an zu leben.

Unter der Annahme, dass uns in den nächsten 2 Monaten ein Krieg um den Iran oder eine andere überraschende Katastrophe ala Fukujima erspart bleibt, glaube ich daher, dass der DAX bis April noch gut 10% Luft nach oben hat und bei diesem Momentum die 7500 gut erreichen kann. Ob es so kommt, werden wir sehen. Aber wenn man die Signale des Marktes rational betrachtet ohne sich von einem negativen Bias blenden zu lassen, kann man nur feststellen: alle Ampeln stehen objektiv auf Grün. Dieser Markt lebt von Liquidität und diese ist in Massen vorhanden.

Und glauben Sie mir, es ist wirklich ein dumme Idee sich gegen den Markt zu stellen. Man muss nicht immer alles voll mitmachen und kann auch mal an der Seitenlinie sein. Aber sich explizit gegen den Trend zu stellen - also zu shorten - ist in meinen Augen verfehlt. Denken Sie an die grossen "Helden der Chartkunst" über die ich mich erst vor gut 2 Wochen -> hier <- so aufgeregt habe. Zum Zeitpunkt des Interviews mit den Herren vor ungefähr 3 Wochen standen wir bei ca. DAX 6400. Lesen Sie deren Aussagen nochmal, das ist nun wie ein Artikel aus einem Parallel-Universum und passt durchaus zum heutigen Rosenmontag, dem Tag der Narren 😉

Damit mich keiner missversteht, natürlich können wir jederzeit wegkippen und auch ein Fukujima II kann jederzeit passieren, ebenso wie ein Krieg um den Iran. Aber wer sein Geld auf vage Vermutungen setzt, der kann nur verlieren. Alles was wir aber an harten Fakten zur Markttechnik haben sagt aber : Vorteil Bullen ! Und Korrekturen - die definitiv immer wieder kommen - sind Kaufgelegenheiten. Wenn sich die Signale des Marktes ändern, werde ich hier darüber schreiben. Und wenn Sie (zurecht) Angst vor einem Krieg um den Iran haben, dann habe ich ja mein probates Mittel dargestellt, wie ich am Aktienmarkt profitieren und trotzdem mein Depot absichern kann: Ölaktien ! Abgesehen davon, hindert uns niemand daran, unsere Gewinne nun mit Stops unter 6800 abzusichern.

Kommentare zu einzelnen Aktien gibt es heute nicht. Dafür einen Link zu einem Thema, dass durchaus das Potential hat die Hausse in Gold weiter zu befeuern. Lesen Sie -> hier <- zu Singapurs Plänen. Denn mit so günstigen Handelsmöglichkeiten ist es wie mit einer neuen Autobahn: eine neue Autobahn erzeugt auch neuen Verkehr, der vorher gar nicht dagewesen ist.

Hoffen wir nun, dass unsere Finanzminister heute Abend in Sachen "G" den Markt nicht nach Handelsschluss enttäuschen. Denn wenn das passiert, haben wir nun doch einiges an Enttäuschungs- und damit Korrektur-Potential aufgesammelt, das sich Morgen in Form eines GAPs nach unten entladen würde.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend !

Haris Märkte am Abend – 23.01.12

Zur allgemeinen Markteinschätzung, habe ich im Marktupdate heute Mittag -> hier <- alles in meinen Augen Notwendige gesagt. Eigentlich ist eine Korrektur nun überfällig und heute gab es auch erste Versuche in den US Indizes den Markt zu drehen. Aber solange der Markt so stark ist, sollte man das respektieren und sich nicht dagegen stellen. Seine Gewinne auf diesem Niveau erst einmal abzusichern, ist aber in meinen Augen eine gute Idee. Kurzfristiges Ziel ist nun der Bereich 1330-1340 im S&P500 bzw. 6500-6600 im DAX.

Die Aktie des Tages war heute erneut die Commerzbank (WKN 803200) mit einem zweistelligen Tagesplus. Man sieht daran, was ich ->hier<- schon zur Commerzbank und ähnlichen Situationen gesagt hatte. Es ist gar nicht so entscheidend vorher auf die richtige Richtung zu wetten. Wichtiger ist schnell und konsequent aufzuspringen, wenn sich die Richtung etabliert hat. Wer bei der Commerzbank nach dem ersten Sprung auf über 1,6€ nicht gezögert hat, hat nun in den Folgetagen trotzdem grosse Gewinne mitnehmen können. Und das bei weit geringerem Risiko, weil man einen etablierten Trend kauft, statt vorher zu raten wie das Ergebnis aussieht.

Wie der Schweinezyklus und die schizoide Logik von Mr. Market funktioniert, kann man heute wunderbar am grossen US Gas Förderer Chesapeake Energy (WKN 885725) beobachten. Chesapeake gibt eine drastisch Reduktion der Gas-Produktion bekannt und als Folge steigt der Kurs 6%. Die extrem niedrigen Preise, bedingt durch Überkapazitäten und einen warmen Winter, sind also komplett im Kurs verarbeitet. Die Produktions-Reduktion - obwohl theoretisch eine schlechte Nachricht - wird also deshalb vom Markt sehr positiv gesehen, weil sie Hoffnung auf eine Ende des Preisverfalls macht.

Ähnliches kann auch bei den US Kohle Aktien nun jederzeit passieren, da deren Preisverfall auf ähnlichen Ursachen wie bei "Natural-Gas" beruht und Kohle als Energiequelle für Industrie und Versorger im Wettbewerb mit Gas steht. Passend dazu sind die US Kohle Aktien heute in Folge von Chesapeake auch, teilweise deutlich, im Plus. Patriot Coal (WKN A0M5QB) zum Beispiel mit 8% Plus, weil sie bisher am meisten unter dem niedrigen Kohlepreis gelitten haben.

Sehr gut sah heute auch der Generika-Hersteller Stada (WKN 725180) aus, der sich nun endgültig von der Zone um 20€ lösen konnte und in meinen Augen noch Luft nach oben hat. Auch die "alten Verdächtigen" Salzgitter (WKN 620200) und Rheinmetall (WKN 703000) sind heute wieder sehr stark und bestätigen erneut den hier schon mehrfach diskutierten Aufwärtstrend. Bei beiden Aktien war es richtig, die kleine Korrektur am Freitag sofort wieder zu kaufen. Trotz des etablierten Trends sollte man nun in meinen Augen Stops nachziehen und die Gewinne bei diesen Titeln sichern.

Bei Thyssen Krupp (WKN 750000) wäre ich dagegen vorsichtiger. In meinen Augen muss man den Stahlsektor nicht unbedingt über diese Aktie spielen, weil die Probleme doch substantiell sind und möglicherweise noch über Monate für schwierigen Newsflow sorgen. Auch wenn die Aktie recht billig aussieht, setze ich persönlich im Moment lieber auf Salzgitter, bis Thyssen Krupp sein Problem in Brasilien und den USA wirklich gelöst hat und klar wird, wie hoch die Rechnung ausfällt.

Zum Abschluss noch der erneute Hinweis auf die Iran Problematik, die Strasse von Hormus und den damit verbundenen Ölpreis. Die Sprache auf beiden Seiten radikalisiert sich nun deutlich. Gleichzeitig nehmen die Märkte das Thema aber noch auf die leichte Schulter, bis auf Stärke des Ölpreises ist noch nicht viel zu merken. Ich vermute das liegt an einem allgemeinen Konsens der ungefähr lautet "ist ja sowieso nur Säbelrasseln, die werden sich doch nicht ins eigene Bein schiessen und einen Krieg anfangen".

Ein derartiger Konsens ist aber riskant, denn wenn es doch zu kriegerischen Handlungen kommt, hat das an den Märkten ganz erhebliches Überraschungs- und Korrekturpotential ! Und auch wenn ich ebenso wie die Mehrheit die "Säbbelrassel-Theorie" durchaus für wahrscheinlich halte, bin ich doch nicht so fest davon überzeugt, dass ich das Thema einfach ad acta legen könnte. Denn Rationalität ist nicht bei allen Beteiligten ausreichend vertreten und der innenpolitisch motivierte Drang zur "glorreichen Schlacht" durchaus vorhanden. Wenn eine Krise mal so weit eskaliert ist, braucht es gar keinen formalen Kriegsbeschluss der gesamten Regierung mehr, sondern es reicht das Zündeln radikaler Gruppen und schon sind die Jäger und Bomber in der Luft und die Märkte am nächsten Morgen wohl zweistellig im Minus.

Und Ölwerte wie Statoil (WKN 675213) oder Suncor (WKN A0NJU2), die ihre Vorkommen ausserhalb des Nahen Osten haben, wären dann wohl deutlich im Plus und zusammen mit ausgewählten Rüstungsaktien wohl die wenigen grünen Lichtblicke in einer ansonsten tiefroten Kurstafel !

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Hoffen wir, dass Vernunft und Rationalität die Oberhand behält.