Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den -> CNN Fear and Greed Index <- von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - -> Nothings´s Gonna Stop Us Now <- sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der DAX, sein Momentum und der 200er Durchschnitt

Will man den ganzen Wald sehen, muss man aus ihm heraus treten und ihn von einem nahe gelegenen Hügel betrachten. Andernfalls würde man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.

Will man den Charakter eines Marktes verstehen, helfen viele bunte Linien und Details eher wenig. Das grosse Bild erschliesst sich eher aus der Ferne und in der Beschränkung auf das Wesentliche.

Schauen wir auf das grosse Bild des DAX im Chart seit 2009 mit Wochenkerzen, sehen wir einige klare Aussagen:

DAX 30.10.13

1.

Das Momentum ist gewaltig und hat historische Ausmasse angenommen. Das diese Entwicklung mit den Notenbanken zusammen hängt, ist für Marktbeobachter offensichtlich und kann man auch nachweisen, wenn man die Effekte der Notenbankpolitik im Detail analysiert.

Wir sind Zeitzeugen eines historisch einmaligen Experiments. Und offensichtlich ist, dass in den Asset-Märkten - im Gegensatz zu den Waren-Märkten - die Inflation schon längst angekommen ist.

2.

Der DAX hat sich nun so weit vom 200-Wochen-Durchschnitt entfernt, wie nie in den letzten Jahren. Damit steigen auch die Risiken immer weiter. Aber - ein Markt auf Steroiden kann das Gummiband noch viel weiter dehnen, als wir uns alle vorstellen können und unser Depot aushält, wenn wir auf der falschen Seite des Marktes stehen.

Vielmehr ist es so, dass derartiges Momentum immer wieder neue Käuferscharen anzieht, die wiederum die Kurse treiben. Dieser Feedback-Zyklus geht so lange, bis der letzte potentielle Käufer eingestiegen ist und dann gibt es ein böses Erwachen.

Aber nichts in diesem Chart gibt das zwingende Signal, das dieser Zeitpunkt nun da ist. Nein, der DAX kann durchaus zum Jahresende/Jahresanfang 2014 bis 10.000 steigen. Das ist nicht sicher und ungesichert darauf zu wetten, ist keine gute Idee. Aber es ist auch keineswegs unmöglich.

3.

Da das Risiko immer weiter steigt, gleichzeitig aber die Tendenz des Marktes klar nach oben zeigt, bleibt uns als Anleger keine Wahl. Wir müssen auf dieser Party tanzen, um mit der Performance der Indizes mitzuhalten. Wir müssen aber gleichzeitig den Notausgang jederzeit im Blick haben. Denn wenn die Wende kommt, wird sie schnell und schmerzhaft sein.

Nehmen Sie sich den Verlauf im August 2011 als warnendes Vorbild. Da ist der Markt im wahrsten Sinne des Wortes "über die Klippe" gegangen. Nur weiss niemand, ob dieser Tag schon heute, morgen oder erst in 2014 oder noch später kommt.

4.

Ein Markt auf Steroiden geht und geht und geht und geht ....... bis er plötzlich mit Herzinfarkt umkippt. Normale Mechanismen von Angebot und Nachfrage wirken hier nicht mehr, wie man es gewohnt ist. Weswegen normale Analysemethoden auch falsche Signale generieren. Schauen Sie im Chart alleine mal, wo sich der RSI seit einem Jahr bewegt. Das ist beeindruckende Stärke, während die reale Welt-Wirtschaft bestenfalls so "lala" vor sich hin dümpelt.

So weit zum grossen Bild des Waldes.

Heute Abend um 19 Uhr kommt das FED Statement. Und der Markt geht ganz fest davon aus, dass ein "Tapering" in 2013 nicht mehr stattfinden wird. Davon abweichende Aussagen könnten ein Katalysator für eine Wende sein. Und "FED-Days" haben sowieso einen Trackrecord, für bedeutende Marktwenden gut zu sein.

Darauf wetten würde ich aber nicht. Die FED ist in Ihrer eigenen Politik gefangen und auch ich rechne nicht damit, dass wir so bald eine Reduktion des Stimulus erleben, wenn überhaupt.

Aber - "you never know" - und deshalb kann es sicher nicht schaden, rund um das FED Statement etwas mehr Vorsicht walten zu lassen. Zu enge Stops machen heute auf jeden Fall keinen Sinn, denn die Volatilität dürfte heute Abend wieder hoch sein.

Ansonsten denken Sie bitte daran, dass es keinen Sinn macht, sich mit seinem Depot vor eine Dampfwalze zu stellen. Man wird platt gewalzt. Und ja, ich kenne all die Argumente genau, die dafür sprechen, dass mit einer baldigen Korrektur zu rechnen ist.

Aber diese Argumente sind offensichtlich und das Offensichtliche macht Mr. Market ungern. Und selbst wenn die Korrektur genau heute kommen sollte, ist es früh genug auf die andere Seite des Marktes zu wechseln, wenn die ersten Einschläge sichtbar werden. Jetzt aber blind gegen einen Markt mit so einem Aufwärts-Momentum zu wetten, macht eher keinen Sinn. Geld kann man nur mit dem Markt verdienen und nicht gegen ihn. Und schon gar nicht, in dem man sich einbildet, klüger als all die anderen Marktteilnehmer zu sein.

Ihr Hari

Diskutiere diesen Beitrag im Forum

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***