Die Evergrande-Krise 2022



Das "Montags-Video" kommt auch dieses Mal schon am Sonntag, nach 18 Uhr heute werden alle Deutschen sowieso erst einmal nur Anderes diskutieren. 😉

Wenn jetzt Nicht-Mitglieder im freien Bereich diesen Titel sehen, dann werden sie - geprägt von Börsenpornographie - natürlich denken, dass hier jetzt ein "Oberschlauer" eine ganz tolle Prognose zum Geschehen abgibt. Hehe 😀

Schauen sie einfach mal, das Video vermittelt wieder etwas ganz Grundsätzliches und ja, es geht mal wieder um das "Spiel auf dem Platz". Manche Dinge kann man eben nicht oft genug kommunizieren. 😉

Und ja, ich bin in dem Video nun spekulativ davon ausgegangen, dass Evergrande erst im Januar endgültig in den Exitus geht. Vielleicht passiert das auch schon im Oktober oder November oder gar nicht - das ist offen.

Nichts davon ändert aber etwas an den grundsätzlichen Aussagen, nur der Zeitstrahl verschiebt sich, der ist aber sowieso spekulativ um den Punkt deutlich zu machen.

Viel Spaß!

Ihr Hari

Houston, we have a problem!



Guten Morgen!

Heute etwas später, aber ich bin ja im Ferienmodus. Wobei der mal wieder etwas theoretisch ist, ich schreibe schon wieder viel zu viel und bin viel zu präsent. Weswegen ich morgen auch mal gar nichts schreiben werde, ich muss mich dazu einfach mal zwingen.

Dieser Beitrag ist also voraussichtlich der Letzte für diese Woche, am Montag geht es normal weiter. Ins Forum schaue ich aber immer wieder. Denn wenn ich ein spezielles Problem habe, dann dass mein Gehirn dazu neigt ein "Workaholic" zu sein. Ich muss mich zwingen, mir die Auszeiten zu nehmen, sonst knockt mich am Ende mein Körper aus, wie über Weihnachten/Neujahr.

Heute will ich daher noch einmal etwas sehr Grundsätzliches los werden. Ich habe das zwar schon öfter gesagt, es ist aber dringend nötig, es immer wieder eindringlich zu wiederholen. Und ich will mal drei theoretische "Kategorien" von Mitgliedern hier im Blog betrachten.

Wir haben hier mittlerweile eine zunehmende Zahl von Mitgliedern in der Community, die gelernt haben den Markt zu fühlen und auch auf die richtigen Quellen schauen. Diese Mitglieder brauchen meine eindringlichen Mahnungen gar nicht mehr, die sehen selber, dass wir in einem -> Bärenmarkt <- sind und wissen, was das bedeutet.

Es kommt nun immer öfter vor, dass schon im Forum geschrieben wird, worüber ich parallel in einem Artikel schreiben wollte, so zum Beispiel heute den Yen. Dass das so ist, ist aber nicht schlecht, sondern toll und ich bin sehr stolz darauf! Und ich werde trotzdem hier schreiben, was ich schreiben wollte, denn erstens schadet es nicht die Wahrheit zweimal zu hören und zweitens gibt es eben auch andere Mitglieder, die noch nicht so weit sind.

Denn dann gibt es auch noch die Mitglieder, die den Markt nicht selber fühlen, die aber wenigstens ernst nehmen, was hier geschrieben wird und sich damit langsam von der ganzen Desinformation lösen, die an zu vielen Stellen zu den Märkten betrieben wird.

Nehmen wir meinen Wetterbericht. Der stand am Anfang der Woche bei 40% Long und 10% Short. Wer wenigstens so aufgestellt ist, wie der Wetterbericht, also in den 40% Long einige Gold- und Silberminen hat, dann noch etwas Healthcare - der Sektor hat schon sehr stark abgegeben und ist vom Grundsatz her recht krisenresistent - und dann noch etwas Rüstungsaktien und ein paar echte Bluechips der Kategorie Johnson&Johnson, der ist eigentlích ganz gut unterwegs. Wenn man dann mit den 10% noch konsequent die "Gurken" shortet, wird dieses Depot - trotz immer noch vorhandenem Long-Überhang - bestenfalls wenig im Minus sein.

Hinzu kommt, dass Ihnen hoffentlich klar ist, dass ich ohne den festen Wochenend-Rhythmus, gestern Abend das Long-Exposure auf 30% reduziert und das Short-Exposure auf 20% erhöht hätte. Warum? Weil ich doch immer predige, dass uns Art und Umfang eines Rebounds eine Menge sagen und das was gestern nach der FED kam, gibt zu grösster Sorge Anlass.

Diese Mitglieder der zweiten Kategorie, sollten einfach weiter machen und dran bleiben. Das eigene Gefühl für den Markt, stellt sich erst mit viel, viel eigener Beobachtung und Wiederholung ein, theoretisch kann man so etwas nicht lernen, der aktuelle Thread -> Erkenntnisgewinn <- im Forum kündet davon.

Und dann gibt es noch eine dritte Kategorie von Mitgliedern. Das sind die, an die sich meine nun folgenden, mahnenden Worte primär richten.

Denn diese Mitglieder sitzen nun auf immer noch recht grossen Depots, sind 10 oder 20% unter Wasser, ärgern sich einerseits, sind aber andererseits auch wie blockiert, da jetzt zu verkaufen. Denn nun zu verkaufen, würde ja den Fehler eingestehen lassen und dagegen wehrt sich unser "Affenhirn" mit Vehemenz. Wenn dieser Typus dann irgendwann verkauft, dann schaut er typischerweise danach gar nicht mehr hin, weil man den Schmerz nicht erträgt.

Ich kann nur dringend warnen - diese Haltung ist hoch gefährlich!

Besonders gefährlich ist es dann auch, sich im Web auf die Suche nach einer Bestätigung des eigenen Bias zu machen, denn wenn man eine bestimmte Meinung hat, gibt es immer irgend jemanden, der sie auch hat und mit dem man sich dann zusammen wohlig im eigenen Saft suhlen kann, frei nach dem Motto: "Millionen Fliegen können sich nicht irren". 😉

Bei diesen innerlich wackeligen Anleger, wirken dann solche intellektuell äusserst dünnen Artikel wie -> Kaufkurse <- auf das Gehirn, wie sonst klebrige Süssigkeiten auf die Zähne wirken. Sie machen kurzfristig ein gutes Gefühl, erzeugen aber Karies, wenn man sich nicht schnell wieder von ihnen befreit.

An diese Mitglieder, will ich mich nun im Besonderen richten. Denn wir haben ein Problem im Markt.

Das Problem ist die Liquidität!

Machen wir uns bitte klar, dass die Liquidität der wichtigste Faktor ist, der die Märkte bewegt.

Nein, es sind nicht ökonomische Daten. Und es sind auch nicht Sentimentdaten. Beide sind sehr wichtig und beeinflussen die Märkte, über allem dominiert aber die Liquidität.

Stellen Sie sich einen sehr kleinen Markt vor, der nur aus 10 Aktien besteht. Und nun nehmen Sie mal an, alle Unternehmen darin sind im Boom. Die Umsätze steigen, die Gewinne steigen, die Aussichten sind hervorragend.

Wenn nun aber aus übergeordneten Gründen, die Anleger in diesem Markt Kapital abziehen müssen, weil sie es zum Beispiel brauchen, um Kredite zurück zu zahlen, dann wird dieser Markt fallen!

Und umgedreht wird dieser kleine Markt steigen, wenn Geld hinein drängt, auch dann, wenn die 10 Aktien die allerschlimmsten Gurken des Planeten sind.

Liquidität dominiert alles. Und das Problem ist, dass wir eine von den Notenbanken geschaffene Überliquidität im System haben, die - wenn sie abgebaut werden muss - brutale Konsequenzen haben wird.

Wie das Geschäft dieser Aktien aussieht, ist dann nebensächlich und auch dass das Sentiment nach unten überdehnt ist, spielt keine Rolle mehr, wenn -> der Sensenmann umgeht <- und an alle Türen klopft, um seine Kredite zurück zu fordern.

Sie wissen ja, ich bin ein Fan des Sentiments und arbeite viel damit. Aber es ist vor allem dann ein guter Indikator um Hochs und Tiefs in einer Seitwärtsbewegung ohne grosse Verwerfungen zu erkennen. Wenn aber ein Markt aus strukturellen Gründen stark steigt oder fällt, schwebt das Sentiment permanent an der Decke oder liegt am Boden und verliert in der extremen Bewegung seine Ausagekraft.

Dieser Effekt entsteht daraus, dass die Anleger dann nicht mehr so agieren, wie sie *wollen*, sondern so, wie sie *müssen*. Das Sentiment misst aber nur das *wollen*, weswegen der Margin-Call so tückisch ist.

Das ist das wahre Problem, das sich hinter so sperrigen Begriffen wie "Carry-Trade", "Kreditkrise" oder "Margin-Call" verbirgt, mit denen unerfahrene Anleger nicht viel anfangen können und sich dann lieber den süssen Zuckerguss der langfristigen Kaufkurse zu Gemüte führen.

Es ist übrigens richtig, dass das sehr langfristig Kaufkurse sind, die wir hier vor uns haben. Sicher wird der DAX auch noch 20.000 ereichen, das ist praktisch sicher. Nur "wann" ist die Frage und was nützen ihnen die "langfristigen Kaufkurse", wenn Sie das Geld vielleicht in 1,3 oder 5 Jahren brauchen und der DAX dann bei 6.000 steht?

Ich sage zu diesen beruhigenden Placebo-Aussagen immer nur: Langfristig sind wir alle tot! Denn auch das ist wahr und zeigt exemplarisch, dass eine Aussage zum Markt, die zu weit in die Zukunft geschoben wird, jeden Wert verliert. Ausserdem, selbst wenn der DAX in 3 Jahren bei 20.000 ist, warum muss man dann vorher den Weg auf 6.000 und tiefer unbedingt mitmachen?

Aber zurück zur Liquidität.

Ein wichtiger Indikator dafür ist der Yen, da in dieser Währung die "Carry-Trades" generiert werden. Man leiht sich billig Geld im Yen, man holt sich also Kredit und investiert das dann in attraktivere Anlagen, zum Beispiel Aktien.

Tragisch wird es aber, wenn der Yen zu steigen beginnt. Dann frisst das die Gewinne auf, also zahlen die Investoren lieber ihren Kredite zurück. Um das tun zu können, müssen sie aber erst ihre Aktien verkaufen, womit dem Markt Liquidität entzogen wird. Und genau das passiert hier:

JPYUSD 11.02.16

Das ist hoch gefährlich, was hier passiert! Dazu kommen dann noch die ganzen Staatsfonds der Ölländer, die nun Assets auflösen müssen, um den Staatsbankrott zu verhindern. Es kommt China hinzu, das Kapitalreserven verbrennt, um den Yuan zu stützen. Und im Hintergrund droht die Eurozone aus verschiedensten strukturellen Gründen zu kollabieren.

Und wenn die Entwicklung weiter fort schreitet, kommt dann noch der "Margin Call" hinzu, sprich Investoren müssen ihre Anlagen gegen ihren Willen auflösen, weil sie sonst die Kreditfinanzierung nicht aufrechterhalten können.

Ich habe schon oft gesagt -> Leverage kills <- und das gilt nicht nur für sich selbst überschätzende, junge Trader, sondern auch für den ganzen Markt, wenn der es übertreibt. Und der Markt hat es übertrieben und daran waren massgeblich die Notenbanken als "Drogenkartelle" beteiligt, die die Droge überhaupt erst gefördert haben.

Houston, we have a Problem. Wir haben ein Liquiditätsproblem und diese Abflüsse generieren wieder neue Abflüsse, eine sich selbst verstärkenden Schleife, die einen Bärenmarkt so auszeichnet.

Wer in diesem Markt blauäugig voll investiert ist, dem kann wirklich nur noch ein Wunder helfen. Und glauben Sie ja nicht, dass wir zwingend schon genug korrigiert haben. Der DAX ist gar nicht mal das Problem, der hat durch die Banken und die Autoindustrie tatsächlich schon so viel abgegeben, dass der nun vielleicht sogar mal relative Stärke zeigen kann. Aber schauen wir doch mal auf den MDAX, der von Grenzschliessungen und China besonders betroffen wäre:

MDAX 2008-2016 11.02.16

Keine Fallhöhe mehr? Sichere Kaufkurse? Ich bitte Sie!

Damit will ich es heute erst einmal gut sein lassen. Ich könnte weitere Daten und Analysen verlinken und liefern, warum wir nun ein Liquiditätsproblem haben und die Abflüsse strukturell sind. Das ist aber nicht nötig, wir sehen doch in der Price-Action schon ganz einfach, dass jeder Bounce sofort verkauft wird.

Und wir sehen auch, wie Gold als Krisenindikator nun steigt. Wobei man auch hier vorsichtig sein muss, das Jahr 2008 hat uns gezeigt, dass wenn durch den "Margin-Call" alles verkauft werden muss, auch Gold verkauft wird, in diese Verkäufe hinein dann aber der "Long-Trade des Jahrzehnts" ist.

Das Problem ist, wenn Sie nun einer dieser Anleger sind, die bisher störrisch nichts verkauft haben und nun meine mahnenden Worte oben lesen, die sich in viele ähnliche Kommentare der letzten Monate einreihen, dann werden Sie nun vielleicht vom einen Extrem ins Andere rutschen und nun alles verkaufen.

Aber auch das ist Unfug!

Denn ich sage doch nicht, dass der DAX nun zwingend auf 6.000 rutscht und der S&P500 zwingend auf 1.500. Ich weiss es auch nicht, ich kenne aber die Risiken und die versuche ich Ihnen gerade klar zu machen.

Wenn nun aber die FED im März auf dem Fuss kehrt macht und ein massives QE4 generiert, dann dreht sich die Liquidität wieder um, die Märkte erhalten Zuflüsse und steigen. Ich weiss das nicht, ich bin nicht die FED. Ich mache Ihnen hier realistische Risiken klar, Risiken sind aber keine Gewissheiten!

Was nun sehr kurzfristig auch passieren kann - und was gar keine geringe Wahrscheinlichkeit hat - ist das, was ich Ihnen am Montag im Artikel -> Zwei Seelen in der Brust <- geschrieben habe. Dort habe ich das folgende Chart des S&P500 gezeigt:

S&P500 07.02.16 3

Und das ist immer noch eine sehr realistische Möglichkeit, die Alternative ist dann - wie am Montag gesagt - die 2008er Replik.

Was sollten Sie also tun, wenn Sie es nicht schon getan haben?

Ganz einfach, den Markt ernst nehmen und nicht das Geschwätz vieler Prognostiker da draussen, von denen viele Eigeninteressen haben, die Anleger zu beruhigen, insbesondere wenn sie von Provisionen leben. Sie wissen ja, Prognosen sind Unfug.

Statt dessen ist eine abgewogene, auf Sicherheit ausgerichtete Aufstellung zu finden, die Chancen nicht negiert, aber auch nicht blauäugig alles festhält. Eine Aufstellung, wie ich sie beispielhaft im Wetterbericht skizziere.

Ob das dann aktuell 30% Long und 20% Short oder 40% Long und 10% Short ist, ist weniger wichtig, als überhaupt so eine abgewogene, auf Sicherheit spielende Aufstellung zu haben! Und in jedem Fall viel Cash zu haben!

Und wenn man so eine gesunde Basis hat, dann kann man auch ganz gelassen mal Chancen nach oben ergreifen, wie für den Fall, dass sich der oben skizzierte Undercut nun realsiert.

Ich werde diesen Undercut auf jeden Fall aggressiv mitnehmen, wenn er sich realisieren sollte. Das kann ich aber nur, weil ich nun ganz gelassen in einer sicheren Position mit viel Cash sitze.

So...

Das war heute nun hoffentlich deutlich genug. Deutlicher kann ich es nicht. Sagen Sie nie, ich hätte Sie nicht gewarnt!

Damit wünsche ich uns allen nun ein gutes Händchen und wenn Sie unsicher sind, schauen Sie ins Forum. Die Qualität der Marktbeobachtung wird dort immer besser. Wir lesen uns hier regulär am Montag wieder!

Ihr Hari

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Lehrer Bömmel und die Kreditkrise

In einer lockeren Reihe von Artikeln - nach "Lehrer Bömmel" aus der Feuerzangenbowle benannt - erkläre ich im Premium-Bereich immer wieder wichtige Zusammenhänge der Finanzmärkte.

Bei den Erklärungen geht es dabei nicht um "wissenschaftliche Exaktheit", sondern darum, Lesern die sich bisher nicht ausreichend mit den Themen befasst haben oder sie nie richtig verstanden haben, auf unterhaltsame Art und Weise ein Gefühl dafür zu vermitteln, worum es wirklich geht. Wer dann tiefer einsteigen will, kann das ja im Nachgang selber tun, Quellen gibt es genug.

Daher orientiere ich die Erklärungen auch immer wieder an konkreten, aktuellen Sachverhalten, so dass sich auch ein konkreter Erkenntnisgewinn damit verbinden kann, der zu besseren Anlageergebnissen führt.

Im freien Bereich hatte ich vor 1,5 Jahren schon beispielhaft einen Artikel aus dieser Reihe. Und zwar die Erklärung, wie "Shorten" eigentlich funktioniert und was eigentlich ein Leerverkauf ist. Lesen Sie hier, falls Sie den Artikel übersehen haben. Der Artikel war der Beginn einer Artikelreihe zum Thema "Shorten".

-> Grundlagen des Shortens - Wat is en Dampfmaschin? <-

Heute nun will ich Sie an einem weiteren Artikel teil haben lassen, der erst gestern im Premium-Bereich erschienen ist. Er adressiert die Frage, wie Aktien sich in einer Kreditkrise verhalten und warum das so riskant ist.

Ich wünsche gute Erkenntnisse!

Ihr Hari

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Lehrer Bömmel und die Kreditkrise



Lehrer Bömmel fragt: Was haben diese drei Unternehmen und Charts gemeinsam?

Peabody Energy (BTU) - Kohle - Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,06

BTU 13.01.16

Freeport McMoran (FCX) - Kupfer, Gold - Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,40

FCX 13.01.16

Linn Energy (LINN) - Öl, Gas - Kurs-Buchwert-Verhältnis: 0,17

LINN 13.01.16

Also, was haben die drei Unternehmen gemeinsam?

Das sind alles drei in der Vergangenheit respektable Unternehmen, die auch jetzt noch auf riesigen Assets sitzen. Hört sich gut an? 😉

Eher schlichten Anlegern, die meinen, aus einem Wert wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) einfach so unreflektiert etwas Definitives ablesen zu wollen, müsste nun also das Wasser im Mund vor Vorfreude zusammen laufen.

Nehmen wir mal BTU, die haben riesige Ländereien, die ein Vielfaches des heutigen Marktwertes von nur noch 83 Millionen USD darstellen. Alleine die Cash-Bestände von BTU waren im letzten Quartal noch bei 18 USD pro Aktie und die Aktie notiert nur noch bei 4 USD.

Das ist doch ein Witz!? Sofort kaufen, tolles Schnäppchen?

Nein, eher das Gegenteil: Finger weg! Und warum erklärt nun Lehrer Bömmel.

Denn die wirkliche Gemeinsamkeit der drei Aktien sind nicht "phantastische Buchwerte", sondern ein Hauptprodukt (Öl, Gas, Kohle, Kupfer), das so schnell im Preis auf dem Weltmarkt fällt, dass die Kosten gar nicht mitkommen können. Die Unternehmen verbrennen also im rapiden Tempo Geld - jeden lieben Tag.

Und die weitere Gemeinsamkeit ist, dass die drei Aktien alle schon auf viel zu hohen Schulden sitzen, die auch in einem positiven Umfeld schwer zu bedienen sind. Wenn aber die Preise der Produkte wegbrechen, ist das völlig hoffnunglos.

Und hier, bei den Krediten, liegt das Kernproblem. Denn wenn ein Unternehmen mal für ein oder zwei Jahre deutliche Verluste produziert, ist das ja nicht tragisch, wenn es Geldgeber gibt, die das finanzieren. Geldgeber können Aktionäre sein über eine -> Kapitalerhöhung <-. Es können aber auch Kreditgeber sein, die zum Beispiel Anleihen des Unternehmens kaufen.

Wenn aber die Unternehmen schon riesige Kredite haben und die nicht zurück zahlen können, wer wird dann weitere Kredite geben?

Eben .... Niemand! Und dann droht die Pleite.

Und wenn das vielen Unternehmen droht - und das passiert gerade, weil grosse Teile der Rohstoff-Industrie solche Probleme haben - dann nennt man das Kreditkrise. Und das hasst der Markt wie die Pest, denn wenn Unternehmen Pleite gehen, zieht das einen Rattenschwanz an Folgen nach sich. Geldgeber kippen selber, deren Kredite notleidend werden, Arbeitnehmer verlieren ihre Jobs und die Kaufkraft entfällt usw.

Wenn Sie also verstehen wollen, warum der Markt aktuell so sorgenvoll ist, dann ist das nicht direkt wegen der Entwicklung in China oder dem Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran selber. Nein, es ist - neben anderen Gründen - indirekt wegen der Folgen eines Abrutschens der Konjunktur in China, oder der Ölpreise, die zu weiteren Pleiten wie oben führen und so die westlichen Märkte anstecken. Kreditkrise ist das Stichwort und auch ein starker Dollar befeuert die, weil viele Kredite in Währungen der Emerging Markets so noch schwerwiegender werden.

Jetzt gehen zum Thema "Pleite" unter normalen Bürgern aber unglaubliche viele Halbwahrheiten und Missverständnisse um. Typischerweise stellt man sich unter "Pleite" etwas vor, was alle Werte verloren hat. Also kann eine BTU doch gar nicht "Pleite" gehen, wenn die noch so viel Cash haben und die Ländereien für sich schon ein Vielfaches des Börsenwertes an Wert haben?

Doch, das kann und wird das Unternehmen sehr wohl. Denn "Pleite" heisst auch einfach "Insolvenz", also "Zahlungsunfähigkeit". Und das ist ein Unternehmen, das seine Verpflichtungen schlicht nicht mehr bedienen kann, unter anderem eben die Kredite.

Es ist also ganz wichtig zu verstehen:

Egal wie viel ein Unternehmen real "besitzt" und wie wertvoll seine Assets sind - wenn es diese Assets nicht zu Geld machen kann und wenn es keine Geldgeber findet und seine Rechnungen nicht mehr bezahlen kann, ist es Pleite!

Peabody Energy und Linn Energy stehen ganz kurz davor. Freeport McMoran ist noch etwas weiter davon entfernt, aber auf dem Weg. Freeport braucht nun ganz schnell steigende Kupferpreise oder lukrative Verkäufe von Assets.

Und was passiert dann - insbesondere mit Aktionären - wenn ein Unternehmen "Pleite" ist?

Dafür gibt es ein landestypisches Insolvenzrecht, insofern machen Details hier keinen Sinn. Aber es gibt ein grobes Muster und das lautet:

(1) Die (alten) Aktionäre verlieren alles zu 100%. Ihre Aktien werden wertlos ausgebucht und noch schlimmer, nach Ansicht der deutschen Finanzverwaltung, kann man die Verluste noch nicht einmal steuerlich realisieren, weil ja technisch gesehen nichts "verkauft" wurde, sondern bis zum bitteren Ende gehalten wurde.

(2) Die Kreditgeber (Anleihengläubiger) bekommen je nach ihrem Status und ihren Vertragsbedingungen Teile zurück, sie werden also aus der "Insolvenzmasse" bedient.

So kurz und einfach ist die Realität.

Nun dürfte hoffentlich klar sein, warum den Markt ein "sensationeller" KBV von 0,06 bei Peabody Energy nicht mehr interessiert. Es ist eine wertlose Information, die Aktionäre werden trotzdem alles verlieren.

Deswegen fallen Aktien dann so gnadenlos, wenn die Sorge vor einer Insolvenz mal auf die Agenda kommt. Auch bei SunEdison (SUNE) konnnte wir das übrigens beobachten. Fundamentale Argumente zu den Assets und "Aussichten", sind dann schlicht dummes Gerede von Ahnungslosen. Pleite ist Pleite und die Aktie wertlos. Punkt.

Nun kommt es aber noch schlimmer. Denn diese Unternehmen wie Peabody Energy, haben ihre wertvollen Assets ja tatsächlich, die sind ja nicht gelogen, sie können halt dadurch nur die Insolvenz nicht verhindern.

Und das Insolvenzrecht der meisten Staaten hat wegen der Arbeitsplätze in der Regel eine "Fortführungspräferenz". Sprich, das Recht tut viel dafür, dass die Unternehmen unter neuem Mantel weitergeführt werden, damit die Arbeitsplätze und manchmal auch aus staatlicher Sicht strategischen Technologien nicht unter gehen. Das nennt man dann in Deutschland eine -> Auffanggesellschaft <-.

Und das funktioniert im Prinzip so, wie damals bei General Motors (GM), in dem eine Peabody II, eine Linn II und eine Freeport II gegründet werden, die aus der Insolvenzmasse Assets des alten Unternehmens übetragen bekommen oder zum Insolvenzpreis kaufen. Oft ist dabei auch ein Deal mit den alten Kreditgebern beteiligt, nach dem Motto: "Wollt Ihr Anteile an einem neuen Anlauf, oder wollte Ihr lieber alles zu Schrott gehen lassen". Meistens nimmt man dann lieber die Anteile.

Diese Freeport II ist rechtlich völlig von der alten Freeport getrennt. Aber viele der Grossaktionäre wie ein Carl Icahn, haben durchaus Chancen - je nachdem wie Ihre Verträge aussahen und wie sie sich abseits der reinen Aktien abgesichert haben - sich unter Verlusten in die neue Gesellschaft zu retten. So ist für diese Spieler zwar viel verloren, aber nicht alles und die Chance zur Wiedergutmachung ist da.

Nach einer Schamfrist geht die Freeport II dann auch wieder an die Börse (auch wie GM) und ein Aussenstehender, der nicht aufgepasst hat fragt sich: Waren die jemals weg, die machen doch immer noch das Gleiche? Selbst die Namensrechte der Produkte wurden doch übernommen!

Nur eine Gruppe steht mit Null da. Die alten Gesellschafter (Aktionäre) ohne besondere Absicherung und ohne Chance, an der neuen - typischerweise erst einmal nicht börsennotierten - Auffanggesellschaft mitzuwirken.

So ....

Jetzt hat Ihnen Lehrer Bömmel hoffentlich klar gemacht:
(1) Warum Aktien ins Bodenlose fallen, wenn die Insolvenz auch nur gedanklich ins Spiel kommt.
(2) Warum fundamentale Argumente wie Buchwert dann keinen Wert mehr haben.
(3) Warum man also - egal wie "solide" ein Unternehmen aussieht - immer raus muss, wenn sich so etwas in Bewegung setzt.
(4) Warum der Markt aktuell so nervös ist und warum immer weiter fallende Öl- und Rohstoff-Preise, zu einem ernsthaften Problem für die Märkte werden.

Ich hoffe es war ein wenig lehrreich für alle, denen diese Sachverhalte bisher nicht so klar waren.

Ihr Lehrer Bömmel (Hari)

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Bärenfalle oder Kreditkrise?



Achtung, das IST sozusagen der Morgenbericht für den kommenden Montag mit Ausblick auf die kommende Woche.

In Anbetracht der Bedeutung der Situation, habe ich Ihn auf Sonntag vorgezogen. Am morgigen Montag kommt dann kein Morgenbericht mehr, ich melde mich dann im Laufe des Tages zum ersten Mal.

Guten Abend am Sonntag!

die letzte Woche vor Weihnachten steht vor uns, die gleichzeitig wahrscheinlich die erste Zinserhöhung der FED seit über 10 Jahren bringen wird und am Ende auch noch den grossen "Hexxensabbat" (OpEx) hat - nur um für so richtig Hektik kurz vor Weihnachten zu sorgen. Uff!

Welcher Teufel die FED geritten hat, so eine wichtige Entscheidung in die sowieso viel zu hektische Vorweihnachtszeit zu legen, in der der Markt auch noch von grundlegenden Repositionierungen zum Jahreswechsel geprägt ist, möchte ich mal gerne wissen. Ich finde es völlig idiotisch und auch das ist Folge der durch die FED "vergeigten" Chance von September.

Aber das ist, was vor uns liegt, nehmen wir es also an. Vor der Notwendigkeit, diese Wegscheide richtig zu treffen, verblassen auch alle anderen Erwägungen und auch das Betrachten von einzelnen Aktien.

Ich werde mich die kommende Woche daher auch ganz bewusst fast ausschliesslich auf die grosse Wetterlage und Sektorensicht konzentrieren und Detailthemen einzelner Aktien, sowie erklärerische Beiträge der Reihe "Lehrer Bömmel" ganz sein lassen.

Dazu trägt auch die - auch bei mir - herab gesetzte Aufnahmefähigkeit in der hektischen Vorweihnachtszeit bei, unser Stockpix hat ja in -> Advent, Advent <- sehr schön darüber geschrieben, wie in diesen Wochen alle verrückt spielen, weil sie noch erledigen wollen, was zu lange liegen geblieben ist.

Und auch mich trifft das, ich habe diverse Termine, muss x Arztbesuche machen, weil ich viele gesundheitliche Dinge mit mir herum schleppe, die ich über die Feiertage endlich mal auskurieren will und muss. Das Jahr war lang und hart und irgend wann ist es mal gut. Bringen wir die FED und diese Woche hinter uns und dann ist erst mal Finito 2015!

Also: Ich will uns diese Woche gut durch die grossen Trends und Entscheidungen führen, alles andere, muss diese Woche dem gegenüber mal zurück stehen!

Damit stellt sich die Frage: Wo stehen wir nun?

Der Freitag war mit seinem Abgabedruck ja bemerkenswert und mit dem Freitag haben die Indizes die erwartete Seitwärtsbewegung auch nach unten verlassen.

Dafür gibt es aber einen klar zu definierenden Grund, denn ansonsten haben die Indizes sich geradezu fühlbar an den Fahrplan der Seitwärtsbewegung halten wollen, den ich ja hier vor einer Woche skizziert habe.

Der Faktor, den aber niemand in diesem Ausmass auf der Rechnung hatte, war der brutal einbrechende Ölpreis. Und der wäre für sich ja gar nicht so dramatisch, er löst aber Ängste vor einer Kreditkrise aus. Und zwar nicht nur bei der US Fracking-Industrie, sondern auch in den Rohstoff-Lastigen Emerging Markets generell!

Die Angst vor einer Kreditkrise überträgt sich dann auf die Banken und Hedge Fonds - auch das haben wir schon letzte Woche gesehen - und erfasst über diesen Transmissionsriemen dann die ganze Wirtschaft und führt zu Rezessions-Ängsten. Und da die Börse der Realität voraus läuft, reagieren die Kurse schon jetzt mit Macht.

Worum es hier geht, kann man wiederum an zwei Chart sehen, dem ETF JNK für die High Yield Anleihen und den Emerging Markets hier mit dem ETF EEM:

JNK 13.12.15

EEM 13.12.15

Was da los ist, kann man schön auch in diesem Bloomberg Artikel sehen, den unser Mitglied EQTrader neben anderen interessanten Artikeln am Sonntag -> hier im Forum <- verlinkt hat: -> Barrells of Oil vanish in a puff of accounting smoke <-

Sagen wir es klipp und klar: das Ding ist durchaus gefährlich! Wenn die Situation hier ausser Kontrolle gerät und die Angst vor einer Kreditkrise sich ausbreitet - und das wird sie wohl, wenn der Ölpreis zu schnell und hart wie im Crash weiter fällt - dann haben wir ein Problem.

Das ist das, was letzte Woche die Indizes aus der ansonsten ganz eindeutigen Seitwärtsbewegung nach unten gedrückt hat. Lange haben sich S&P500 und selbst der DAX mit seiner 10.500er Zone dagegen gewehrt, aber spätestens am Freitag, wurde diese erdrückende Last zu viel.

So stieg die Volatilität am Freitag drastisch und die Quote der Absicherungen auf High Yield Anleihen schoss durch die Decke.

Ganz hervorragend, wird das auch diese Woche mal wieder bei -> The Fat Pitch <- dargestellt, diese wöchentliche Betrachtung ist einfach ein "Must Read" jedes Wochenende. Darin wird auch das folgende Bloomberg Chart gezeigt, das die Dramatik vom Freitag eindrucksvoll verdeutlicht:

panic in HY

Und so sieht der S&P500 nun in Folge aus:

S&P500 13.12.15 W

Und das ist doch noch aller Ehren Wert! Aus Jahressicht ist eigentlich noch gar nichts passiert. Das zeigt erneut, wie stark der Index ist und dass eine Seitwärtsbewegung ohne diese sich anbahnende Kreditkrise fast sicher gewesen wäre.

Aber in der kürzeren Betrachtung mit Tageskerzen sieht man, dass der Index am brutalen Freitag die Seitwärtsbewegung fast verlassen hat und ein niedrigeres Tief generiert hat:

S&P500 13.12.15 T

Das ist durchaus gefährlich. Hier braucht es also nun ein schnelles Reversal. Aber selbst jetzt, ist eigentlich noch nichts passiert, wenn der Index nun schnell wieder dreht und das zur Bärenfalle macht.

Womit sich die für uns entscheidende Frage stellt, wird das wirklich eine Bärenfalle? Haben wir gerade eine geniale Kaufgelegenheit in die FED und Jahresendrally hinein vor uns?

Die verrückte Antwort ist: Die Chance auf taktische, kurfristige Gewinne auf der Long Seite, ist kommende Woche wahrscheinlich so gross, wie seit dem 24.08. und 02.10. diesen Jahres nicht mehr! Den ganzen November hindurch bis Anfang Dezember, war ich eher skeptisch und nur mässig am Markt interessiert, Sie wissen ja, wie oft ich zum Beispiel zum DAX gesagt habe, dass ich dem eigentlich nicht mehr so furchtbar viel zutraue.

Aber nun bin ich hellwach, denn nun laufen wir wieder auf so einen Punkt zu, an dem Chancen und Risiken sehr hoch sind. Dass es am 24.08. und 02.10. jedes Mal zur Auflösung nach oben gelangt hat, heisst aber nicht, dass dieses Mal das Gummiband nicht doch reissen kann.

Doch, irgendwann wird das Gummiband mal reissen und alle Bullen dumm aus der Wäsche schauen. Wir stehen jedes Mal an so wichtigen Punkten wieder vor dieser quälenden Frage.

Und nie - wirklich nie - sind am Markt grosse Chancen ohne grosse Risiken zu haben. Auch dieses Mal nicht.

Was spricht also konkret für eine Bärenfalle und damit für eine Rally nach der FED?

  • Die Saisonalität. Schwäche in der ersten Dezember-Hälfte ist durchaus normal, auch in diesem Umfang. Nun kommt die zweite, typischerweise starke Hälfte.
  • Die FED. Die wird alles tun, um den Dollar herunter zu reden und nicht noch Öl ins Feuer zu giessen.
  • Das Sentiment, das nun sehr sauer geworden ist.
  • Das massive Hedging, das zum Beispiel oben im Chart von Bloomberg zu sehen ist. Wer abgesichert ist, verkauft nicht mehr, womit der Abwärtsdruck abflaut.
  • Am Wochenende kamen -> Hoffnungszeichen aus China <-, die den Indizes und speziell dem DAX helfen werden.

Die Wildcard ist der Ölpreis. Der darf nicht brutal weiter fallen, sondern muss nun Halt machen. Und das Risiko einzelner Pleitemeldungen aus dem Fracking-High-Yield Bereich, die dann eine Panik-Welle auslösen.

Und noch eine Wildcard, die in meinen Augen eine Katastrophe wäre: Wenn die FED doch wieder kalte Füsse bekommen sollte. Denn wenn sie nun wieder zurück zuckt, wird das als Eingeständnis grosser Probleme verstanden werden und nach kurzer Freude, wohl zu massiver Verunsicherung der Märkte führen. Aber ich rechne nicht damit, dass Yellen den Fehler von September noch einmal macht. Sie muss jetzt erhöhen UND sofort ganz viel weisse Salbe verstreichen, um zu beruhigen. Diesen Weg halte ich nun für "alternativlos", um dieses bescheuerte und missbrauchte Wort auch mal zu verwenden.

Jetzt wollen Sie natürlich von mir wissen, was von den beiden Alternativen uns zum Jahresende bevor steht. Bärenfalle oder Kreditkrise?

Und natürlich kann ich es Ihnen nicht mit Bestimmtheit sagen. Denn ich weiss nicht, was der Ölpreis macht. Und ich weiss nicht, ob nicht am Montag schon Pleiten durch die Presse laufen, die Angst und Schrecken und Margin Calls verbreiten. Auch hier verweise ich auf einen guten Artikel, den EQTrader schon gestern verlinkt hat: -> A junk bond fund freezes out investors <-.

Aber ich kann Ihnen ein grobes Gefühl geben, wie ich am Anfang dieser wichtigen Woche unter Würdigung aller Umstände die Wahrscheinlichkeiten einschätze und das ist ganz ähnlich, wie ich es vor dem 24.08. empfunden habe.

Ich würde Stand Heute, Sonntag Abend, sagen: 60-70% für die Bärenfalle und eine Rally, die um die FED herum einsetzt. 30-40% für die Kreditkrise, die gerade los geht und sich ausbreitet.

Wobei es gut möglich ist, dass die Angst am Montag und vielleicht auch am Dienstag noch ihre Urstände feiert. Aber je stärker der Markt sich nun vor der FED nach unten überdehnt, desto grösser wird letztlich die Chance des zurück schnappenden Gummibandes.

So sehe ich die Lage, mit der wir in diese wichtige Woche hinein gehen.

Ach ja, Mario Draghi redet am Montag mal wieder um 12 Uhr. Vielleicht kommt ein erneuter Versuch, dem Euro doch noch die Richtung nach unten zu geben. Und am Dienstag ist bei uns der ZEW mal wieder dran. Am Donnerstag haben wir dann hier den IFO und den Philly Fed in den US. Und am Freitag eben OpEx.

Ansonsten sind alle Augen auf die FED und die Entwicklung einer möglichen Kreditkrise gerichtet. Auch unsere.

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

PS: Als Vorankündigung:

Wie die meisten von Ihnen, wird auch dieser Blog über die Feiertage für zwei Wochen in den Ferienmodus gehen und zwar konkret vom Montag 21.12.15 bis Sonntag 03.01.16. Das bedeutet dieses Mal, dass es keine Artikel gibt, auch keine Marktberichte. Wobei, ein paar Artikel gibt es vielleicht schon, die aber nach "Lust und Laune" zwischendurch zu grundsätzlichen Themen, ohne dass Sie da fest mit etwas rechnen sollten.

Die tägliche Aktualität, muss in den zwei Wochen aber mal ruhen. "Normal" passiert an diesen Tagen des Jahresendes aber auch nichts mehr an den Börsen, ausser dass der Markt ruhig hoch schiebt. Weswegen man auch gut mal Abstand halten kann. Aber was ist im Moment am Markt schon noch normal? 😉

Ab 04.01.16 geht es hier dann - hoffentlich gesund, erholt und voller Tatkraft - wieder los.

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Hari Live – Archiv 07.12.14 – 13.12.14

Premium gross

Hari Live - Archiv 07.12.14 - 13.12.14

Freitag 12.12.14 23:30 - Trading

-> Short Selling <-

Freitag 12.12.14 23:20 - FED & Märkte

-> Stock market tail wags the Fed dog <-

Freitag 12.12.14 17:15 - Momentaufnahme, Öl, Telenor und Wochenabschluss

Tja, die Skepsis gegenüber dem unmittelbaren Rallyversuch der Bullen war gerechtfertigt. Selten wird das Schicksal des Börsen-Tages in den ersten Handelsminuten entschieden.

Im Minutenchart sieht das nun nach zwei SKS hintereinander aus. Und das Ergebnis, ist ein Bruch der 2020er Zone nach unten:

S&P500 12.12.14

Damit ist das heute Morgen skizzierte Szenario noch wahrscheinlicher geworden, schauen Sie noch einmal auf das Chart von 09:00 Uhr.

Weiterlesen ...

Kreditkrise 2015 in den Emerging Markets?

Der folgende Beitrag erschien schon Dienstag 09.12.14 08:55 in Hari Live

Es gibt ein paar Geschehnisse an den Märkten, bei denen kann man durchaus ein mieses Gefühl bekommen ......

Im Community-Forum wurde es schon anhand der ETFs JNK und HYLD erwähnt und ich will hier einmal den Gesamtkontext darstellen. Denn da könnte sich tatsächlich etwas zusammen brauen, was sich in 2015 dann entladen könnte: eine Kreditkrise in den Emerging Markets.

Denn durch den starken Dollar und den massiv fallenden Ölpreis, braut sich für einige Länder gerade ein perfekter Sturm zusammen.
-> Hier in der Welt <- gab es zuletzt einen Artikel, der die Zusammenhänge brauchbar darstellt, insofern muss ich das hier nicht selber tun.

Nun sind wir ja aber Fans davon, dem Markt zu folgen und nicht irgend welchen Berichten in Mainstream Medien, die typischerweise schon längst kalter Kaffee sind, wenn sie dann erscheinen. Schauen wir also mal, was Mr-Market und seine Price-Action dazu sagt.

Zunächst sehen wir am brasilianischen Aktienmarkt, dass ein fast perfektes "W" als Wendeformation - das normalerweise ein sehr starkes und belastbares Signal ist - ohne sichtbaren Anlass brutal zerlegt wurde und nun haben wir ein neues Verlaufstief. Das ist bedenklich:

EWZ 09.12.14

Wir sehen aber auch im übergeordneten weltweiten ETF der grossen Emerging Market Aktien EEM, dass auch hier eine valide Wendeformation kurz davor steht negiert zu werden. Hier besteht zwar noch Hoffnung, aber auch das ist sehr ungewöhnlich:

EEM 09.12.14

Und wir sehen im High Yield ETF JNK - der ein hervorragender Gratmesser für Stress im Kreditmarkt ist und den ich deshalb als "Junk-Indikator" benutze, dass dieser ein neues Verlaufstief generiert hat:

JNK 09.12.14

In Summe sendet die Price-Action also klare Signale, dass die oben verlinkte Story zu einer Kreditkrise in den Emerging Marktes - von medialen Übertreibungen abgesehen - durchaus Hand und Fuss hat.

Kann man daraus nun zwingend ableiten, dass diese Krise in 2015 so kommt?
Nein, denn letztlich hängt alles vom Dollar und vom Ölpreis ab.

Und ich habe den Mitgliedern ja zuletzt anhand des US Dollar Index mehrfach dargestellt, dass hier nun eine sehr gute Chance auf eine zumindest temporäre Wende besteht, die mit temporärer Dollar Schwäche einher geht. Hier ist das Chart erneut:

US Dollar Index

Und auch der Ölpreis ist so überdehnt, dass ein Snapper in die Gegenrichtung mehr als überfällig ist:

WTI 09.12.14

Insofern könnte dieser Artikel der Welt kurzfristig wieder den Punkt markieren, an dem eine Entwicklung im Mainstream ankommt und daher an den Börsen schon weitgehend verfrühstückt ist.

Trotzdem, nach einer recht wahrscheinlichen, temporären Gegenbewegung, bestehen im 2015 hinein gute Chancen, dass sich die Dollarstärke und die Ölpreisschwäche fortsetzt. Und dann spricht wirklich Einiges für eine Kreditkrise in einigen Emerging Marktes. Das Risiko ist also real und der Junk Indikator lügt hier nicht.

Ich sagte schon mehrfach im Mitglieder-Bereich, so sehr ich aktuell zum Jahresende mitnehme was geht, werde ich aber zum Jahreswechsel hin erst einmal abbauen und mit eher vorsichtiger Aufstellung in 2015 hinein gehen.

Denn die Erinnerung an den Jahreswechsel 2007/2008 sitzt mir noch im Nacken und ich sehe in Betrachtung des grossen Bildes keinen Grund, zu optimistisch und vor allem blauäugig in 2015 zu gehen - der Markt darf mich dann ja gerne vom Gegenteil überzeugen.

Und Börse - wie Geschichte - wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber manchmal. Deshalb hier das Chart des Jahreswechsels 2007/2008 zur Erbauung: 😉

S&P500 2007

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