Hari Live Stream 18.10.21

Erwartete Konsolidierung

Nach den beiden extrem starken Tagen der Vorwoche war heute eine Konsolidierung wahrscheinlich und habe ich -> hier im Wochenausblick <- thematisiert.

Darin steht auch, was ich im negativsten Fall realistisch erwarte, ein Schließen der beiden gerissenen Gaps nämlich, dann sollte es normalerweise wieder nach oben gehen.

Wie tief diese Konsolidierung nun geht, ist zumindest von mir nicht vorherzusehen, nun ist einfach Abwarten angesagt:

Renditen am kurzen Ende steigen ZH3

Die Renditen der US Staatsanleihen steigen wieder, das Luftholen war nur von kurzer Dauer:

Das gilt aber vor allem für das kurze Ende, während das lange Ende der 30-jährigen kaum verändert ist. Hier dürfte also die Inflation sich auswirken, die vermuten lässt dass die FED doch früher mit dem Tapering beginnen muss.

Prinzipiell ist das für den Aktienmarkt negativ, auf den aktuellen Niveaus aber noch verhalten, es ist einfach Teil des großen Ringens vieler Makro-Einflüße, die nun gleichzeitig auf den Markt wirken.

Hier das Bild der 2-jährigen Renditen um zu zeigen, was da gerade abgeht:

Industrie-Rohstoff-Bonanza ZH3

Hektisch und volatil geht es auch bei den Industrie-Rohstoffen zu, hier ist beispielsweise Kupfer mit seinem Ausbruch:

Aber auch Aluminum-Aktien heben gerade ab, hier ist mal Alcoa (AA) als Beispiel, die hatten letzten Donnerstag Zahlen:

Das Problem beim Thema sind solche -> Katastrophennachrichten wie zu Magnesium <-, weil die sind nicht klar einzuschätzen.

Eine Magnesium-*Knappheit* kann positiv für die Kurse der Aluminiumhersteller sein, weil es die Preise treibt. Was aber wenn die Produktion zum Erliegen kommen wird? Dann ist es desaströs und wirkt anders herum.

Und auch der Markt kann das nicht wirklich antizipieren, weil der es auch nicht weiss, irgendwann kann das Mantra einfach kippen und dann ist das was vorher gut war plötzlich schlecht und umgedreht.

Ich will damit sagen dass das heisse Themen sind, bei denen man sich auf *immense Volatilität* einrichten sollte. Traden sollte man das also nur dann, wenn man mit so einer Volatilität auch umgehen kann und ein sauberes Risikomanagement besitzt.

Aktien des Tages ZH3

Coinbase (COIN)

War hier schon mehrfach Thema. Jetzt aber?

Cameco (CCJ)

Auch schon mehrfach erwähnt wurde CCJ. Kurzfristig bin ich mir gar nicht so sicher, ob es von hier kurzfristig weiter hoch geht. Möglich aber nicht zwingend:

Langfristig machen Nachrichten wie -> diese <- dass Japan 30 Reaktoren wieder anfahren wird sehr optimistisch.

Die Welt nimmt nun langsam doch die Verringerung des CO2 Ausstosses ins Visier und ganz egal ob sich deutsche Grüne das vorstellen können oder nicht, weltweit wird die Atomenergie dabei eine ganz zentrale Rolle spielen.

Aber auch die Ampel wird sich die Frage stellen müssen, ob der geplante, massive Ausbau von Gaskraftwerken geostrategisch wirklich so eine gute Idee ist, während man gleichzeitig Putin unterstellt Gas als strategische Waffe zu missbrauchen. Denn damit liefert man die deutsche Stromversorgung diesem Einfluss aus und macht sich erpressbar.

Da liegt ein eklatanter Widerspruch in der Argumentation der deutschen Klimaschützer, für den es auch nur einen schnellen Ausweg gibt: Kernenergie, zumindest die 6 bestehenden Kraftwerke mal weiter laufen lassen und damit massive Ersatzinvestitionen sparen.

Ob die Grünen dazu die Kraft haben, darf aber derzeit noch bezweifelt werden, es würde sie intern zerreissen und wohl zu einer Abspaltung ala Linke oder AfD führen. Die FDP hätte sicher nichts dagegen, die "Seeheimer-SPD" und Scholz sicher auch nicht. Die Grünen müssen diese Lebenslüge ihrer Bewegung erst abstreifen, das wird dauern und braucht mehr "Schmerz" in Form von Druck der normativen Kraft der Physik und Mathematik. Das wird spannend. 😛

Aber ganz egal was im diesbezüglich unwichtigen Deutschland passiert, weltweit -> kommt die Kernkraft mit Macht wieder <-:

Das Langfristchart von Cameco zeigt eindeutig, dass der Markt genau das verstanden hat:

Etsy (ETSY))

Macy´s (M)

Eigentlich hat Macy´s erst morgen Zahlen, der Einstieg von Jana Partners kann es auch nicht mehr sein, der war letzten Donnerstag bekannt. Was ist da los? Ist da etwas im Vorfeld gesickert?

FuelCell (FCEL)

Langam, still und heimlich?

Bitcoin ETF vor dem Start ZH4

Der erste -> Bitcoin ETF steht vor dem Start <- und das ist derzeit nur einer der Faktoren, die den Preis treiben.

Sie wissen dass ich in den letzten Wochen mehrfach ausgedrückt habe, wie beeindruckt ich vom Bitcoin-Kurs bin, unter anderem -> hier am 06.10.21 <- und jetzt laufen wir auch zu neuen Hochs, was für diesen Aufwärtszyklus einen Measured Move im Bereich 100.000 ins Spiel bringt, wie schon -> hier am 08.09.21<- als Option skizziert:

Eine Sache ist aber auch wichtig zu verstehen. War Bitcoin in den ersten Jahren noch stark von den privaten "HODLern" geprägt und mangelte es an Handelsmöglichkeiten, haben all die Vehikel wie Futures und ETFs einen grundlegenden Effekt, weil sie nämlich institutionelles Geld in die Cryptos bringen.

In den Gesamtvolumina wird dieses institutionelle Geld nun immer wichtiger werden und das hat in Krisen aber die Tendenz "sell first ask later" als Maßstab zu benutzen. Da ist also dann kein "Glaube" mehr vorhanden, sondern nur noch hartes Risikomanagement.

Das ist nicht schlimm, es ist einfach eine Professionalisierung, macht die Cryptos aber immer mehr zu normalen Assets die im Sinne "2 Schritte vor 1 Schritt zurück" halt durch ganz normale Abgabenzyklen gehen.

Der Measured Move stellt in den Raum, dass dieser nächste Abgabenzyklus vielleicht erst bei 100.000 einsetzen wird, aber er wird einsetzen, darauf kann man eigentlich wetten.

Temporäres Top bei den Semiconductor-Aktien? ZH4

Wir folgen dem Markt und reagieren auf das was er tut, statt ihm anmaßend unseren Willen aufzwingen zu wollen. Das gilt für Trader wie Investoren gleichermaßen.

Das bedeutet aber wie sie wissen nicht, dass wir nicht über die Zukunft nachdenken, wir tun das aber in Form von Szenarien, möglichen Abläufen die wir im Auge behalten und mit denen wir unsere Handlungen strukturieren.

Handeln tun wir dagegen nur, wenn sich diese Szenarien tatsächlich realisieren, weil wir sie aber vorher durchdacht haben, treffen sie uns nicht unvorbereitet.

Sie wissen weiter, wie extrem positiv ich dem Chipsektor gegenüber eingestellt war und bin, so habe ich -> hier im Herbst 2018 <- das Bild von den Fördertürmen des 21. Jahrhunderts geprägt, ich werde das gleich im Chart des Sektor-ETFs SOXX noch ganz links am Rand markieren, nur damit die ein wenig Weinen können, die diese Chance haben vergehen lassen. 😛

Nun sehe ich aber ein Szenario als denkbar an, in dem der Sektor nun erst einmal ein temporäres Top hinlegt. Katalysator dafür wären die Knappheiten und Verwerfungen rund um den sich entwickelnden technologischen Graben zwischen China und dem Westen.

Einerseits haben diese Knappheiten zu höheren Preisen geführt, solche Verwerfungen haben aber auch echte Umsatzeffekte, zum Beispiel weil Firmen nach alternativen Lösungen suchen. Und diese Umsatzeffekte könnten wenn es schlecht läuft, in den Ausblicken der kommenden Quartalssaison sichtbar werden.

Das wird dann den prinzipiellen, langfristigen Aufstieg der Chipaktien nicht verhindern, es kann aber zu einem temporären Schluckauf führen, der dann so wie eingezeichnet aussehen würde - demnach bilden wir gerade die rechte Schulter.

Ich betone dass das nur ein mögliches Szenario ist, die Ausblicke der Firmen in den kommenden Tagen und Wochen werden uns das beantworten. Aber es ist nun eine reale Möglichkeit, denn langandauernde Knappheiten sind auch für die Hersteller ein zweischneidiges Schwert, die würden ja auch gerne mehr verkaufen als sie können.

Wetten wir also nicht darauf, weil der Aufwärtstrend ist intakt. Haben wir das als Variante aber im Hinterkopf, dann wissen wir was los ist, falls es dazu kommen sollte.

Das ist der Sinn von Szenarien, nicht mehr und nicht weniger. Die Zukunft ist unbestimmt, man kann sich aber auf ihre wesentlichen Varianten gedanklich vorbereiten und wird dann nicht überrascht, falls sie Realität werden sollten - Konjunktiv.

Einstundenfliege ZH2

Na die Frage nach der Dauer der Konsolidierung wurde schon beantwortet: nicht mal eine Stunde, der Gapdown wurde sofort gekauft:

Das ist massives FOMO, in der Haut eines Bären der jetzt an seinen Shorts festhält will ich nun nicht stecken. 😉

Ich schliesse damit im Wissen, dass die Bullen die Macht übernommen haben. Ich bin aber heute noch nicht fertig, weil ich habe da eine kleine, spannende Aktie, in der nun viel Bewegung ist.

Ich wollte die ihnen mal in Ruhe zeigen, jetzt setze ich mich aber für sie heute Abend noch hin und mache einen kleinen Artikel daraus.

Es ist eine Aktie in einem massiven Zukunftsmarkt, die derzeit gerade mal 600 Millionen Dollar Marktkapitalisierung auf die Waage bringt. Vielleicht ist es ein fauler Apfel, das kann man jetzt noch nicht sagen, aber wenn nicht dann ... könnte es zu einer Art TMO in einem anderen Sektor werden, einer Art Schaufelaktie.

Bis später. Und ja, das nennt man einen *Cliffhanger* 😛

Rechnen sie mit der Auflösung im Bereich des Handelsschlusses.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Hari Live Stream 20.09.21

Katalysator statt Ursache ZH2

Gestern im Wochenausblick sagte ich noch abschliessend zur anstehenden Frage, ob der Markt erneut vom SMA50 abprallt oder es dieses Mal anders ist:

Kurz und knapp, ich weiss es nicht. 50/50 ob der SPX nun abkippt oder nach oben vom SMA50 abprallt, nach Montag und Dienstag sind wir sicher klüger.

Heute hat der Markt die Frage klar nach unten beantwortet, der Future sieht Stand 14:30 MEZ so aus:

Ich begrüsse das wie sie wissen, es schafft eine echte Bereinigung und damit gute Ausgangslage zum Jahresende. Das soll hier aber nicht Thema sein, sondern mal wieder was daraus medial gemacht wird und was demgegenüber die Realität ist.

Medial liest man nun überall, die Börse würde *wegen* der Krise um den chinesischen Immobilienkonzern Evergrande einbrechen. Wie immer bei solche Zuweisungen ist daran ein Korn Wahrheit und trotzdem ist es nicht die volle Realität.

Natürlich - ich verweise auf meine Kommentierung von gestern - ist Evergrande ernst zu nehmen, für China allemal. Aber das angstmachende Crash-Gerede ist verfrüht und medialen Klicks geschuldet, Krisen die jedermann erwartet weil es eine Vorlage gab, treten sowieso äusserst selten ein.

Heute ist das vor allem ein Problem für China und die "Powers that be" dort in China, die KP und die PBOC sind ja noch gar nicht in den Ring getreten, man spekuliert halt wild. Also Gemach, ernst nehmen, hinschauen, aber wenn sich daraus ein chinesisches Lehman entwickeln würde, wird man das sehen und es wird dauern.

Über das Wochenende ist auch nichts wirklich Neues da passiert, was einen Wechsel der Haltung erzwingen würde, es ist halt einfach so, dass Hongkong wegen der Unsicherheit weiter abgegeben hat und Evergrande selber darin über 13%.

Diese Abgaben in Hongkong in der Nacht waren ein *Katalysator*, der auf einen Markt und westliche Großanleger trifft, die sowieso überlegen ob sie den SMA50 nun kaufen sollen oder nicht.

Dann kam ja aber noch eine dickere Nummer dazu, die medial aber nicht so für Klicks ausgeschlachtet wird wie eine vermeintliche Lehman-Analogie. Das liegt daran dass die Menschen zu 99% sowieso nicht verstehen worum es da geht und "Et hätt noch immer jot jejange" - nicht wahr Herr Laschet? 😛

Die dicke Nummer war Janet Yellen mit einer immer eindringlicher werdenden Warnung:
-> Yellen warnt vor Zahlungsunfähigkeit der USA <-.

Und diese Warnung - sie sprach von einer *historischen Finanzkrise* - hat weit mehr Substanz als die Angst vor weltweiten Effekten von Evergrande. Evergrande könnte sich vielleicht, wenn vieles schief geht und dumm läuft, zu so etwas auswachsen - ernst zu nehmen, aber mit vielen Wenns und Abers. Aber ein echter US Default würde absolut zuverlässig zu einem Desaster führen, das größer als Lehman sein dürfte. Das ist wie mit der Maus und dem Elefanten.

Nur rechnet halt niemand damit, weil diese Situationen im US-Kongress immer politisch im letzten Moment gelöst wurden, viel Drama, wenig Änderung. Falls es aber dieses Mal anders laufen sollte, ist *das* ein echtes Problem, dann kann man den Bullenmarkt wohl knicken. Wir haben hier also ein Risiko mit kleiner Eintrittswahrscheinlichkeit und potentiell riesigem Impakt.

So... und nun frage ich sie. Da sitzen sie als institutioneller Anleger und fragen sich ob sie diesen Dip kaufen sollten. Und dann ist Hongkong schwach, um Evergrande gibt es Unsicherheit, die Tiefs geben in den Futures nach und Yellen warnt immer dringender vor einem ernsten Problem. Was machen sie?

Eben, wir haben hier Katalysatoren im Spiel, die den Markt nun vielleicht in eine bei mir willkommene, tiefere Korrektur zwingen. Wie ein Reh im Scheinwerferlicht nun auf Evergrande zu starren, nur weil medial mit der Angst und der netten Lehman-Analogie Klicks gemacht werden können, wäre ziemlich dumm und so dumm sind wir hier bei Mr-Market nicht.

Der Markt macht was er sowieso schon vorbereitet hatte, die Themen oben sind Katalysatoren, aber ohne dass der Markt dafür am Entscheidungspunkt SMA50 bereit war, würde der Katalysator nicht so wirken.

Wie es weiter geht, auch mit Evergrande, ist ganz einfach, die Price-Action (Kurse+Volumen) wird es uns zeigen. Wir haben nun die Chance auf eine tiefere Korrektur im SPX bis zum 8-10% Bereich. Und spätestens dann, vielleicht in 2-3 Wochen, werden die bekannten Indikatoren alle laut *KAUFEN* schreien, mit dem Jahresende voraus.

Ausser eben, es kommt dieses Mal wirklich zum US Default. Weil "this time is different". Das würde alles ändern, mit solchen fatalen Restrisiken müssen wir als Börsianer aber immer leben, die sind immer da.

PS:

Passend dazu gerade -> hier <-bei Twitter der von mir geschätzte Ben Carlson:

"Is this the next Lehman Brothers? I'm just saying..."

-someone literally every time some company gets in trouble since 2008

Sic!

Und ja, irgendwann wird es wahr sein. Theoretisch vielleicht auch bei Evergrande und Dirk Müller hat wieder "einen Crash vorhergesagt", der Tiefseher. 😛 Aber was bringt es unseren Depots, uns vorher 49x sinnlos in Angst zu wälzen? Eben.

Wie tief? ZH3

Wenn Kurse fallen, macht es immer Sinn sich die Prinzipien von Unterstützung und Widerstand klarzumachen und damit auch, wie tief eine Bewegung erst einmal gehen kann.

Zur Korrektur hatte ich das schon vor mehr als einer Woche in -> das übelste Geschehen <- beschrieben, nämlich die Zone um 4.200 im SPX.

Das will ich nun mit einem anderen Blick unterstreichen und dafür nehmen wir uns mal die Volumensignatur des SPY vor, weil der ETF brauchbare Volumendaten besitzt. Der lila Stern bezeichnet den Punkt, an dem ungefähr der SPX in wenigen Minuten um 15:30 MEZ eröffnen wird:

Wir sehen, dass die Unterstützung um den SMA50 verloren scheint. Der Kurs ist in dem riesigen "Loch", in dem wenig Gegenwehr nach unten kommen sollte. Allerdings gilt das nur, wenn die Kurse nun nicht Intraday *sofort* wieder an den SMA50 gekauft werden. Wenn das nun Intraday passiert, ist auch das ein Wendesignal und *bestätigt* die Unterstützung um den SMA50.

Aber nehmen wir mal an, das passiert heute nicht und wir schliessen irgendwo im "Volumen-Loch", dann können wir fest von einem Taucher in die schon vor gut einer Woche skizzierte 4.200er Zone ausgehen mit jeder Menge Unterstützung. Von da aus wird es dann wieder interessant und die Chance ist nicht klein, dass eine Korrektur da schon einen Boden findet. Außer eben - sie wissen schon - US Default und so...

Die Hauptlast der Abgaben

Die Hauptlast der Abgaben tragen heute die Sektoren, die ganz logisch am schnellsten unter einer Finanzkrise leiden würden, egal ob das durch Evergrande oder einen US Default ausgelöst wird.

Es sind die Banken und die Zykliker, insbesondere die Rohstoffe. Relativ stark und unbetroffen sind dagegen Software, Healthcare, die Consumer-Werte, Media&Entertainment. Die Market Map zeigt den Schwerpunkt deutlich:

Für eine Krise sind die Rohstoffwerte immer auch Seismograph, das gilt auch bei einer Krise des chinesischen Immobilienmarktes, weil da jede Menge Eisenerz, Kupfer etc "verballert" werden, wenn er läuft.

Charts des Tages

Heute mal nicht "Aktien", sondern Charts des Tages, um den Bogen etwas weiter zu spannen:

Kupfer Future Comex ZH3

Dr. Copper mag nachlassende Bautätigkeit im Reich der Mitte nicht, weil da auch viel Kupfer verbraucht wird, aber noch signalisiert das Chart nur eine normale Korrektur nach immensem Anstieg. Eine echte Krise ist hier noch nicht in den Kursen:

Bitcoin ZH3

Dass wir es hier mit einem "RiskOff-Event" zu tun haben, sehen wir mit 7% Minus auch bei Bitcoin, das ja von sich behauptet vom Finanzsystem unabhängig und ein "Store of Value" zu sein. Naja, na gut, dann muss man aber noch üben, diese Reaktion auf ein wenig Angst ist das Gegenteil:

DAX ZH3

Letzte Woche noch gelobt, hat der DAX nun doch seine Lungenentzündung, wenn die Wallstreet Schnupfen hat. Auch das passt zu einem RiskOff-Event, die US Anleger "repatriieren" ihre Anlagen, hinzu kommt dass Deutschland wirtschaftlich überdurchschnittlich mit China verknüpft ist:

Volatilität VIX ZH3

Auch ein Blick auf den VIX darf an so einem Tag nicht fehlen, ganz links ist Covid im Frühjahr 2020 aufgetragen.

Wir haben nun die Höhe der beiden kleinen Sommerkorrekturen erreicht, natürlich kann das noch mehr werden und erst der Anfang sein, aber Stand jetzt noch nichts Besonderes, einfach mal wieder ein wenig Unruhe, nach einem sedierenden August:

Mirati Therapeutics (MRTX) ZH3

Eine Aktie des Tages mit wunderbarer Wendestruktur gibt es aber auch heute, irgendwas geht immer irgendwo:

Atomgewinner ZH4

An einem schwachen Tag möchte ich ihnen einen "Atomgewinner" in Erinnerung rufen, der immer noch ein interessantes Chart hat.

Es ist Rolls-Royce und die hatte ich ihnen ausführlich hier im -> Stream vom 19.05.21 <- nahegebracht und zwar aufgrund deren -> Mini-Atomreaktoren <-, die sie neben den bekannten Flugzeugturbinen im Programm haben.

Damals habe ich das rein perspektivisch gesehen, da konnte ich ja aber auch nichts von dem überraschenden -> U-Boot Deal um Australien <- wissen, der nun Schockwellen in der Nato erzeugt.

Nun sieht das Weekly so aus und könnte nun ernsthaft nach oben interessant werden, wenn der Volumen-Schub der letzten Tage nach der Nachricht ein "Follow-Trough" durch die Nackenlinie bekommen sollte:

Nachtrag: Auch beim elektischen Fliegen ist Rolls-Royce unterwegs: -> Jungfernflug mit vollelektrischem Flugzeug geglückt <-

Der wahre Wert

Mir ist völlig klar, was für viele der wahre Wert von Mr-Market ist. Das Glück wenn es mal brennt, einen einordnenden Ort zu haben, der wieder Sicherheit vermittelt. Und bei der nächsten Krise wird es wieder so sein.

Ich habe das zum Beispiel während des Covid-Absturzes gemerkt, nie sind so viele Neumitglieder gleichzeitig gekommen wie da.

Wenn es mir um Geld gehen würde, könnte ich dann um Faktoren höhere Beiträge ausloben, es würde ohne zu Zögern gemacht werden, weil man dann den Atem der Angst im Nacken spürt.

Aber auch an Tagen wie heute kann man das eindeutig merken, wenn es mal markant abwärts geht. Weit mehr als sonst lesen schon am Nachmittag mit, siehe Rechts, an ruhigen Tagen ist die Liste kürzer.

Daran ist nichts Schlimmes, das ist völlig in Ordnung, ich bin mir dessen einfach nur bewusst. Die vielen Erklärungen und Anleitungen - nett, liest man wenn man mal Zeit hat. Aber wenn die Unsicherheit hoch kriecht, dann ist Vertrauen und Sicherheit das Gebot der Stunde. Wie gesagt, nichts daran ist schlimm, es muss so sein.

Das ist ja auch politisch so. Wenn es den Leuten zu gut geht, dann interessieren sie sich für allerlei Manierismen und "Orchideenthemen", genau genommen ist vieles was derzeit politisch nach vorne geschoben wird von dem Charakter und nur in einer Wohlstandsgesellschaft ohne echte Probleme Grund zur Aufregung.

Wenn es aber mal Katzen hagelt und ganz ernsthaft um Leben, Gesundheit, Vermögen und Hab&Gut geht, dann sucht man die "Anführer", die Sicherheit und Vertrauenswürdigkeit vermitteln.

Schade nur, dass das immer wieder in Vergessenheit gerät, dann würden wir uns als Gesellschaft vor der Bundestagswahl vielleicht mal kompetenter über Themen wie Aussen- und Geopolitik unterhalten. Aber Fehlanzeige.

Denn das Dumme ist, wenn man sich in guten Tagen nicht um vertrauenswürdige Anführer kümmert, könnte es zu spät sein, wenn es ernst wird. So wie wenn ich dann keine Neumitglieder mehr annehmen oder den Preis als Hürde drastisch erhöhen könnte, wenn es mal wirklich ala Lehman "Katzen hagelt", wovon wir aber noch weit, weit entfernt sind.

Werbespruch Champions-League

Aus Deutschland gibt es auch eine Aktie des Tages und das ist Sixt nach -> optimistischem Ausblick <-. Das Chart sieht gut aus und generiert einen markanten Volumenschub nach Konsolidierung:

Wenn es aber einen Aktienindex für die besten Werbesprüche gäbe, wäre Sixt in der absoluten Championsleague, ich kann mich fast immer "ömmeln", unten sind zwei der letzten Sprüche.

Und nein, das hat keine politische Schlagseite, da wird jede(r) mal durch den Kakao gezogen, egal von welcher politischen Farbe:

Wohl weiter abwärts & Rohstoff-Chance ZH2 ZH5

Stand Mitte des US Handels ist rein gar nichts von einer potentiellen Bodenbildung zu sehen. Wie in den beiden Eingangspposts erklärt, macht es daher Sinn von einer bis in die 4.200er Zone des SPX fortschreitenden Korrektur als Standard-Szenario auszugehen:

Neben den bekannten Technologie-Werten, die schon in Basenbildungen sind, beginnen mich auch die großen Rohstoffwerte dann taktisch zum Jahresende zu interessieren, sobald diese Korrektur einen Boden findet- wann immer das ist.

Ich will mal am Beispiel Rio Tinto (RIO) zeigen, wo die Korrektur dann wohl einen Snapper und damit eine Chance generieren dürfte:

Das aber wie gesagt nicht heute, heute ist es ein fallendes Messer, sondern perspektivisch - ich halte da einfach die Augen auf, was in der eingezeichneten Unterstützungszone passieren wird.

Damit schliesse ich für heute, wir haben also die von mir erhoffte, markantere Herbst-Korrektur. Eine zeitlang habe ich befürchtet, dass auch die ausfällt und ich bin ehrlich ein wenig erstaunt, dass es nun doch möglich wurde, obwohl das Risiko so offensichtlich, weil saisonal typisch war.

Aber ich nehme es gerne so wie es ist, meine Gedanken sind jetzt schon mehr bei den Chancen zum Jahresende als bei grundlegenden Sorgen, aber ich betone ausdrücklich, dass man jetzt erst einmal eine Bodenbildung abwarten muss, weitere 5% Minus sind nun auch im SPX problemlos drin und gar nicht mal unwahrscheinlich.

Bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

8 Risikobegrenzte Planlosigkeit



Zurück zum vorherigen Beitrag: -> 7 Spieglein, Spieglein <-

Back to the past. Aber: Mr. Market ist nicht mehr weit.

-> Das erste Jahr <- mit nie für möglich gehaltener Rendite abgeschlossen - auf in die nächste Runde und weitere 40 Prozent erwirtschaften. So etwa waren meine Gedanken im Frühjahr 2015. Mit dem Schwung des Erfolges im Rücken konnte ja nicht viel schief gehen.

Um es mit den Worten des mehrfach ausgezeichneten Spieleautors Reiner Knizia zu sagen, dessen Vortrag ich vor Jahren auf einer Absolventenfeier hörte: "Was machen Sie, wenn Sie erfolgreich eine Erweiterung zu einem Spiel veröffentlicht haben? Richtig, noch eine Erweiterung."

Wenn man einen Weg gefunden hat der Erfolg verspricht, dann sollte man ihn auch weiter beschreiten. Also suchte ich im Internet weiter nach vielversprechenden Trade-Ideen anderer.

Ein bisschen was von Allem

Da ich mit den Empfehlungen bzgl. Öl und EUR/USD von Axel Retz, Herausgeber verschiedener Börsendienste und seinerzeit Kolumnist bei Börse online, gut gefahren war, schaute ich immer genau hin wenn er neue Ideen verlauten ließ. Eine davon war um den Jahreswechsel 2014/15 ein Short auf den Kupferpreis.

Die potentielle Fallhöhe sah beeindruckend aus und ich tat mich nicht schwer davon zu träumen, dass der Kurs bis zum Tief von 2009 durchsacken könnte. Damit war auch die Frage nach einem guten CRV sofort beantwortet und ich gab mir grünes Licht. Einstieg (blauer Pfeil) und Ausstieg wegen Stop Loss (roter Pfeil) zeigen, wie man es machen kann, aber nicht zwingend sollte:

Eine gute Idee und viel Fantasie macht halt noch lange keinen guten Trade. Technische Analyse war mir damals nur in den grundlegendsten Zügen bekannt. Sonst wäre mir vielleicht aufgefallen, dass ich sinnvollerweise früher short gegangen wäre und der Stop Loss vielleicht oberhalb des Widerstandes und nicht unterhalb vor einem potentiellen Test des Widerstands hätte liegen sollen. Gut, wenn man sich den weiteren Verlauf anschaut wäre ich vermutlich auch dann ausgestoppt worden.

Es war einer meiner ersten Verlusttrades. In der Theorie hatte ich mir vorher durchaus Gedanken darum gemacht hatte, dass ich nicht immer gewinnen würde. Dennoch fühlte es sich in der Praxis deshalb nicht schöner an, Geld abzugeben. Hinzu kam, dass aus dem Chart ersichtlich wurde, dass ich an der Erzeugung dieses Verlustes nicht ganz unbeteiligt war. Ich war zwar garantiert nicht der Erste der am Tief verkauft hat, aber besser fühlte ich mich deshalb trotzdem nicht. Schließlich hatte ich die Entscheidung getroffen und konnte daher mit dem Finger wohl oder übel nur auf mich selbst zeigen. Die Idee des Shorts war definitiv valide, meine Umsetzung davon allerdings irgendwo zwischen suboptimal und grauenhaft. Dass die Umsetzung eine wesentliche Rolle spielte musste ich erst einmal lernen. Unschön.

Trotz des versemmelten Trades erfreuten sich Kolumnisten von Börse online bei mir damals einer gewissen Beliebtheit. Franz-Georg Wenner war ein weiterer aus diesem Club. Er schlug Ende Februar 2015 vor, auf eine Fortsetzung des Trend bei Axel Springer zu setzen:

Schauen Sie an den rechten Rand des Charts. Wie ich hier auf ein gutes CRV gekommen sein will ist mir rückblickend schleierhaft. Sich in einen bereits länger laufenden Trend einkaufen kann man schon machen, aber war das wirklich ein so geeigneter Zeitpunkt? Mir ist auch nicht klar, warum diese Idee zu diesem Zeitpunkt vorgeschlagen wurde. Dennoch ging ich den Trade ein. Stop Loss unter den Trendkanal und auf das Beste hoffen.

Wenige Tage später wurde ich mit größerem Verlust als geplant ausgestoppt. Gap down zur Eröffnung, das hatte ich vorher noch nicht erlebt. Quartalszahlen, die dem Trend ein jähes Ende bereiteten. Man lernt beständig dazu:

Den Ausbruch über (1) oder den Ausbruch über die Konsolidierung bei (2) zu kaufen hätte mit Sicherheit mehr Sinn ergeben. Gesehen habe ich das damals nicht. Ich hatte die Fortsetzung des Trendkanals vor Augen und war damit beschäftigt, mir die künftigen Gewinne auszumalen.

Ebenso wenig war mir bewusst, dass ich prinzipiell hätte wissen können, dass wenige Tage später Quartalszahlen anstanden. Einen Trade in diese hinein zu halten ist mit Risiken behaftet. Nach diesem Trade wusste ich das. munstermac würde das vielleicht mit einem freundlichen "Do your homework before entering a trade" kommentieren. 😉 Recht hat er. Aber Hausaufgaben? Davon wusste ich nichts. Ich wollte doch traden. Und Geld verdienen. Und Spaß haben. Hausaufgaben? Jetzt echt? Aber Unwissenheit (ebenso wie akute Unlust) schützt bekanntlich vor Strafe nicht.

Ich hätte noch das ein oder andere Beispiel dieser Art im Angebot, will es hier aber dabei bewenden lassen. Nicht dass es falsch ankommt - diese Trades konnte man machen. Die Ideen die ich aufgriff waren ok, ich kann den Schreibern da keinen Vorwurf machen (und ich wurde ja auch nicht gezwungen, genau diese Trades zu machen).

Ob das wirklich gute Ideen waren sei dahingestellt, aber das konnte ich damals mangels Kenntnissen nicht einschätzen. Ein wesentliches Problem war aber die Umsetzung. Ein erfahrener Trader hätte vermutlich ordentliche Gewinne mit den Ideen machen können. Bei mir hakte es aber an den unterschiedlichsten Punkten: Timing, Platzierung der Stops, Unkenntnis diverser Risiken,...

Und noch ein bisschen mehr

Fakt war, es lief nicht. Ich handelte querbeet alles, was ansatzweise vielversprechend aussah:

AUD/USD short (kleiner Verlust), Fresenius long (kleiner Gewinn), Brent short (Verlust initiales Risiko), Bilfinger long (großer Verlust), Shanghei Composite ETF long (kleiner Gewinn), Axel Springer long (Verlust initiales Risiko), Exelixis long (kleiner Gewinn), Salzgitter short (Verlust initiales Risiko), Netflix long (ordentlicher Gewinn), Siemens long (Verlust initiales Risiko), UBS long (Verlust initiales Risiko), Hang Seng long ((Verlust initiales Risiko).

In Summe verlor ich. Und es wurde auch nicht besser, denn im Frühjahr 2015 fehlten die für mich "offensichtlichen" und "einfachen" Trades. Der DAX erreichte sein Top, EUR/USD und Öl waren in Seitwärts- bzw. Korrekturphasen übergegangen und ich fand keine guten Einstiege mehr.

So gut die CRV-Idee anfänglich geklappt hatte, so sehr bekam ich sie nun nicht umgesetzt. Auch wenn ich mich irgendwie der technischen Analyse bediente, so hatte ich eigentlich keine Ahnung davon. Das spiegelte sich z.B. darin wider, dass ich meine Stopp Loss-Marken nicht zwingend an sinnvolle Stellen legte, sondern mich eher daran orientierte, den Stopp Loss so zu wählen, dass ein gutes CRV dabei heraus kam (und mich das Chart dabei hoffentlich nicht direkt anbrüllte, dass das totaler Käse sei).

Erfolgsdruck

In dieser Zeit war ich gestresst und frustriert. Immerhin hinkte ich weit hinter meinem inoffiziellen Ziel von 40 Prozent Rendite her. Ich setzte mich selbst ohne es wirklich zu merken unter Erfolgsdruck, versuchte den nächsten erfolgreichen Trade zu erzwingen. Gleichzeitig hatte ich zunehmend Angst, dass der nächste Trade wieder nichts wird - es machte keinen Spaß mehr.

Mir war dabei nicht einmal bewusst, dass ich mich an einem völlig verrückten Maßstab orientierte. 40 Prozent Rendite jährlich von einem Anfänger, das ist schon eine Hausnummer. Ich hatte davon gelesen, dass die langfristige durchschnittliche jährliche Rendite der Aktienmärkte im einstelligen Prozentbereich liegen. Eigentlich hätte es da mal Klick machen dürfen, dass ich absurde Vorstellungen hatte. Aber ich war so gefangen in der Erwartung der Fortsetzbarkeit vergangener Erfolge, dass es Zeit brauchte, bis sich diese Erkenntnis tatsächlich durchsetzte.

Als sie es dann tat, setzte allerdings auch Ernüchterung ein. Sollte ich mich tatsächlich mit weniger als den 40 Prozent zufrieden geben? Eher in der Größenordnung "kleiner 10 Prozent" denken? Das klang ja eigentlich immer noch ganz nett, insbesondere im Vergleich zum Nullzins. Aber so richtig reizvoll war es plötzlich auch nicht mehr.

Wie weiter?

Sollte ich den nächsten Ansatz über Bord werfen? Offensichtlich klappte es mit der Vorgehensweise "Idee mit gutem CRV hernehmen, Risiko begrenzen, also Stop Loss drunter und dann Geld verdienen" nicht so gut. Grundsätzlich hatte ich immer noch den Eindruck, dass technische Analyse ein sinnvoller Ansatz sei, aber vermutlich wusste ich noch zu wenig über die Feinheiten. Eine grandiose Einschätzung - "wusste vermutlich noch zu wenig über die Feinheiten". Ja, es waren nicht nur die Feinheiten... 😉

Also versuchte ich mehr über technische Analyse zu lernen,las und las, schaute Webinare und stolperte dabei über eines mit dem schönen Namen "Setup & Trigger". Vorgetragen wurde es von Rüdiger Born, der mich mit seiner launigen Art und der spannenden Thematik begeisterte. Eigentlich sagte er nichts, was ich nicht irgendwie schon mal irgendwo gelesen hatte. Trotzdem setzte er damit für mich die Puzzle-Stücke zusammen, die ich bei der Flut an Informationen, die ich mir zu Gemüte führte, nicht zusammengesetzt bekommen hatte.

Auf einmal öffnete sich mir die Tür in die Welt der Setups - richtiger Setups und nicht die halbgare Variante, die ich bisher angewendet hatte. Das war ein bisschen wie Weihnachten und Geburtstag an einem Tag. Aber mehr davon beim nächsten Mal.

Ihr calvin

Weiter zum nächsten Beitrag: -> 9 Flasche leer <-

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Wallstreet Stream 07.06.18



15:40 MEZ

Die EZB hat klar gemacht, dass sie am Donnerstag tatsächlich das Ende des Tapering diskutieren wird. Die Reaktion des Marktes ist klar:

15:45 MEZ

Als ob wir kommende Woche nicht schon genug Trubel haben, ist am Wochenende ja zu allem Überfluß auch noch G7 in Kanada. Inhaltlich kann man das wie all diese Meetings vergessen, aber es könnte ein Katalysator für den Markt sein, die -> Handelskrieg Ängste <- wieder mehr zu spielen als zuletzt.

Für kommende Woche, G7, Trump-Kim, FED und EZB gilt also ganz eindeutig: All Hands - Brace for Impact!

15:55 MEZ

Tesla (TSLA): Klarer Durchbruch durch die letzte Verteidigungsstellung und Squeeeeze ......

Nächstes Ziel 360, die fallende Trendlinie ist nicht so wichtig wie die horizontale Unterstützung.

Und es soll keiner sagen, Musk wäre nicht so human gewesen, das anzukündigen: burn, burn, burn ... 😉

PS: Wobei wenn ich vermute, wie die Shorties aufgestellt sind, die allermeisten eine Bewegung bis 360 wohl als Möglichkeit auf dem Radar haben und daher potentiell aktuell festhalten, weil ihr Stop noch nicht erreicht ist. Erst über 360 dürfte der volle Überraschungseffekt wirken und wirklich alle 30% Shorties gezwungen sein, das Risikomanagement anzuschmeissen.

16:15 MEZ

Die uns als interessanter Aerospace & Defense Nebenwert wohlbekannte Harris (HRS) hat sich nun auch in eine interessante Ausgangslage manövriert:

16:45 MEZ

Im SPY ein ähnliches Bild wie gestern. Gap-Up wird abverkauft. Ob der Markt auch dieses Mal so eindrucksvoll nach oben dreht? Ich kann es mir heute nur schwer vorstellen, sieht für mich schwächer aus als gestern, aber "you never know":

16:50 MEZ

McDonalds (MCD) heute nach Bekanntgabe -> neuer Kosteneinsparung und Personalreduktion <-.

Chart ohne Worte und selbsterklärend:

17:05 MEZ

Man hat den Eindruck bei Chesapeake (CHK) wurde eine neue Gas- oder Ölquelle gefunden, so wie das abgeht. Schub, Konsolidierung nun wieder Schub?

Dann habe ich aber noch die große Perspektive für Sie und nein, diese Kurse aus der Zeit des Größenwahns von Aubrey McClendan kommen nicht wieder:

Übrigens, Aubrey McClendan ist 2016 in einem Autounfall gestorben, nachdem er bei Chesapeake raus war. Man munkelt Selbstmord. Wissen Sie jetzt, warum ich oben James Dean aus "Giganten" im Video habe? 😉

-> Aubrey McClendan dies <-

Das Chart ist für Sie eher ein kostenloser Test für das Affenhirn. Merken Sie, wie das jetzt in Ihnen sagt *KAUF MICH JETZT* nur weil der Vergleich mit der Vergangenheit impliziert, dass das der "wahre Wert" von Chesapeake wäre und es jetzt dahin wieder zurück geht?

Ist Ihnen klar, dass Sie das völlig identische Chart der letzten 2 Jahre *völlig anders* einschätzen würden, wenn es in den Jahre davor von links unten kommen würde und wir nun nahe der Allzeithochs wären?

Genau so funktioniert unser Affenhirn! Wir können das nicht abstellen, wir können aber lernen solche Reflexe in uns zu erkennen und uns über sie zu erheben!

17:25 MEZ

Einfach nur aus Spass, weil wir es im Forum gerade von Tom Wolfe hatten, der vor Kurzem gestorben ist und uns viele tolle Romane, unter anderem auch "The right Stuff" hinterlassen hat. Er ruhe in Frieden!

Hier die einfach köstliche Szene von 1957 mit dem späteren Präsidenten Lyndon B. Johnson, der vom Start des Sputnik erfährt. Und dem Satz am Ende: "Our Germans are better than their Germans". 😉

17:34 MEZ

Nein, so richtig nach oben wie gestern kommt der Markt heute nicht, das kann man nun wohl annehmen.

Aber der Markt ist im Saldo stabil, während FAANG weiter deutlich korrigiert. Und das ist mal wieder Rotation und das ist bullisch, nicht bärisch!

17:42 MEZ

Interessant übrigens, was seit Tagen in den Copper (Kupfer) - Futures passiert. Bärisch ist das nicht, oder?

17:46 MEZ

Statt bei Kupfer mit Einzelaktien zu hantieren, ist als Trade vielleicht dieser ETF COPX auch ganz interessant:

18:00 MEZ

Also wenn ich mal meine nicht vorhandene Glaskugel bemühe, dann denke ich dass der Markt sein Aufwärtspotential für diese Woche erschöpft hat und sich nun langsam auf die kommende, extrem spannende Woche vorbereitet.

Denn alle wissen was uns da bevor steht und insofern wird jeder, der Geld halbwegs professionell verwaltet, da nun die Aufstellung definieren und Anpassungsmaßnahmen machen.

Das heißt nicht zwingend, dass wir von hier nun korrigieren, nach den abgelaufenen, starken Wochen heisst es aber, dass die Wahrscheinlichkeit für verhaltene Gewinnmitnahmen und Absicherungsgeschäfte hoch ist.

Ich habe das heute schon gemacht und bin nun wie angekündigt nur noch sehr verhalten bullisch aufgestellt, dann schauen wir mal wir mal wie es nächste Woche wird. Bis dahin rechne ich noch mit allerlei Gezappel, aber nicht mehr wirklich klarer Richtung.

So weit für heute, machen Sie es gut bis Morgen!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Überblick zum Start KW19



Guten Morgen!

als neue Tradition gehe ich mit Ihnen am Montag früh nun einfach durch die Lage der Indizes, weil sich gegenüber dem Status von Sonntag Nachmittag kaum etwas geändert hat. Das verschafft hoffentlich einen Überblick und einen guten Start in die Woche.

S&P500, NASDAQ und DAX waren schon im Wochenausblick, ich will hier aber auch noch einmal auf das Langfristchart des SP500 hinweisen, das ich gerade auch in einem Artikel im freien Bereich gezeigt habe:

Was genau ist hieran bärisch? Was genau deutet hier auf eine Topbildung hin? Die Antwort lautet: Nichts. 😉 Der Markt als Frühindikator konsolidiert, er dreht aber nicht, das ist die Botschaft des Index.

Ich gehe trotzdem davon aus, dass die Lage über den Sommer weiter rumpelig bleibt, aber im großen Bild ist der Aufwärtstrend intakt.

Damit sage ich nicht, dass nicht in 2018 eine Topbildung kommen könnte und der Markt nach unten drehen könnte. Doch sicher kann er das, ich kenne die Zukunft nicht. Der Punkt ist aber, dass der Markt der beste Frühindikator überhaupt ist, "früher" geht es nicht. Es gibt also auch kein besseres Signal für ein Problem, als dass der Markt real fällt. Die Wahrheit liegt eben auf dem Platz und nicht in medialen Ergüssen.

Und was macht unser zappeliger MDAX? Der versucht sich zu lösen:

Jetzt kann man sich beim MDAX ja aber mal ganz nach hinten lehnen und das ganz große Bild betrachten, dann bekommen wir das:

Ups .... das ist ja einfach nur eine rhythmische Konsolidierung!? Richtig, das könnte es im großen Bild sein.

Ich gestehe, ich stehe von meiner fundamentalen Warte da nicht voll dahinter. Ich habe Zweifel an diesem Boom in Deutschland, das liegt aber vielleicht an dem gleichen Problem, das ich gestern im Video zu NVidia beschrieben habe: ich weiß zuviel und daher auch zuviel über Probleme.

Aber die Wahrheit liegt auf dem Platz und dann muss man auch zum MDAX festhalten, dass der objektiv bisher nur gezappelt hat, aber nicht wirklich nach unten Abwärts-Momentum aufgenommen. Auch hier ist der Trend im großen Bild also intakt.

Was andere Indizes angeht, setzt der UK FTSE seine Rally fort:

Ebenso der französische CAC, der seit Ende März ohne Unterlass steigt:

Und der italienische MIB40 bricht sogar auf der rechten Schulter aus dieser riesigen iSKS aus, die ich Ihnen mit Monatskerzen schon ein paar Mal gezeigt habe:

Das alles wird natürlich vom Euro unterstützt, der seit April auch markant zum Dollar fällt:

im großen Bild, kann man daraus aber noch keine Richtungsentscheidung ableiten:

Öl steigt weiter, wie es die Struktur impliziert hatte:

Der Kupfer-Future konsolidiert seitwärts:

Und Gold ist weiter "dead in the water" und zeigt kein systemisches Risiko an:

So .... und nun frage ich noch einmal, was ist an diesem Gesamtbild nun konkret bärisch?

Es gibt immer wieder irgendwelche Indikatoren, Korrelationen oder Koeffizienten, die komisch aussehen und aus denen man eine Gefahr ableiten kann. Seit 2012 findet die "Fear-Monger-Industrie" jede Woche eine neue Sau, die man durchs Dorf treiben kann, nur Relevanz hat diese nicht.

Einzelne Indikatoren sind aber nur einzelne Indikatoren, die dann zum Grundsatzproblem aufgeblasen werden. In Summe konsolidiert dieser Markt gerade, ist deswegen aber nicht bärisch.

Womit sich die Frage stellt, was diesen Markt wirklich zum Absturz bringen kann? Da gibt es schon ein paar Dinge, es ist ja nicht so, dass die Welt ohne Risiken wäre:

Erstens hätten wir da ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump, das die US für Jahre lahm legt und bei den nächsten Wahlen zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen zwischen den verfeindeten Lagern führen würde.

Zweitens dann natürlich einen echten, eskalierenden Handelskrieg zwischen US und China.

Drittens weltweite Notenbanken, die zu falkenhaft überdrehen - davon sind wir unendlich weit entfernt, es sei der Vollständigkeit halber aber erwähnt.

Viertens ein heißer Krieg im Dreieck Israel-Iran-Saudi Arabien. Das würde den Ölpreis explodieren lassen und trotz reduzierter Abhängigkeit doch zu einem Konjunkturschock führen.

Fünftens Unruhen in China, die die KP nicht unterdrücken kann. In Folge eine schwere Kreditkrise, die ja schon jetzt unter der Decke schwärt.

Und es gibt sicher noch andere Szenarien. Nein, die Welt ist kein sicherer Ort, das ist aber nichts Neues. Die Frage ist, wie wahrscheinlich ist das?

Und die noch wichtigere Frage, was es bringt vorher herum zu raten, ob das eintritt? Ich sage es Ihnen: Nichts.

Das sind die geopolitischen Risiken, mit denen jeder Anleger einfach leben muss. Entscheidend ist, was die Kurse indizieren und die sorgen sich gerade vor nichts von alledem so richtig ernsthaft. Das ist das Urteil der Schwarmintelligenz Markt. Wir selber sind nicht der liebe Gott, der das einfach vom Küchentisch zu Hause aus in Frage stellen sollte.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Scheinrealität



So liebe Mitglieder, das Wochenende der "Woche nach der Wahl" naht, die - das kann man jetzt am Nachmittag schon sagen - im grossen und Ganzen die Seitwärtsbewegung gebracht hat, die ich nach dem initialen Trump-Schub erwartet hatte.

Vor uns liegt die Woche mit dem Thanksgiving-Feiertag und dem Black Friday in den US, die traditionell eher freundliche Börsen generiert. Sie sehen selber, dass der Markt diese Woche alle echten Korrekturversuche abgeschüttelt hat und das obwohl es im Sinne "Chaos bei Trump" ja den Versuch gab, die Stimmung zu Fall zu bringen.

Wie ich nun schon oft geschrieben habe denke ich, dass der Markt - vorbehaltlich massiver, völlig neuer Entwicklungen - diese Stimmung auch gerne behalten möchte und deshalb die Chancen für eine Jahresendrally dann gut sind.

Auch ein direkter Einbruch zum Jahreswechsel scheint - aus jetziger, noch etwas verfrühter Sicht - eher unwahrscheinlich, zweimal direkt hintereinander, passiert das eher nicht.

Eher gibt es den typischen Verlauf eines neuen Jahres, in dem der Markt bis Mitte Januar recht stark ist und es dann aber in den März hinein, zu einer scharfen Korrektur kommt. Mit Trumps Amtseinführung und den ersten echten Schwierigkeiten zwischen Theorie und Praxis, würde das hervorragend zusammen passen. Mit aufsteigenden Ängsten zur Wahl in Frankreich am 07.05., würde das auch zusammen passen.

Ich würde also gerne nun noch etwas Party feiern und dann langsam im neuen Jahr, alle Risiken heraus nehmen und den Markt erst einmal sich selber überlassen. Wir werden sehen, ob der Markt beliebt, sich genau an diesen meinen Gameplan zu halten, es passiert eher selten so gut wie zum letzten Jahreswechsel, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. 😉

Die kommende Woche, ist durch die US Feiertage an Wirtschaftsdaten eher arm, Notenbanken stehen meines Wissens auch nicht auf der Agenda. In der Woche darauf, wird sich der Blick dann zunehmend auf Italien am 04.12., die EZB am 08.12. und die FED dann am 14.12. richten. Und dann ist schon Weihnachten und 2016 bald herum, absolut irre, wie die Zeit vergeht.

Heute leiste ich mir mit Ihnen noch einen lockeren Ritt durch allerlei Themen und Charts, die ich nur kurz anschneide:

Die grosse Zinswende ist wieder ein Stück wahrscheinlicher geworden, die FuW beschreibt -> das Ende der Negativzinsen <-. Rein aus Sicht des Marktes könnte das wirklich die "grosse Wende" sein. Ein fundamentaler Blick erinnert aber daran, dass die Staaten mit ihren immensen Schulden, sich eine echte Zinswende gar nicht leisten können und die Notenbanken, bei all ihrer viel beschworenen Unabhängigkeit, das am Ende auch nicht wollen können.

Das ist auch das grosse Fragezeichen und Dilemma um Trumps potentielle Politik und damit auch um den Dollar herum. Eigentlich stärkt ein massives Konjunkturprogramm die Wirtschaft und den Dollar, zumal dann auch die Inflation ans Laufen kommen sollte. Das ist das Szenario, das der Markt aktuell exklusiv spielt.

Wenn aber das Geld für das Programm, aus einer massiven Erhöhung des sowieso schon zu hohen Staatsdefizites kommt, dann läuft der Staat bei steigenden Zinsen noch schneller und härter gegen die Wand.

Eine Seite wird also "nachgeben" müssen und ich befürchte, es werden am Ende wieder die von den Notenbanken gesteuerten Zinsen sein, weil das System - dessen intergraler Teil die Notenbanken sind - einen massiven Selbesterhaltungstrieb hat. Ob wir hier mit den steigenden Renditen, also vielleicht nur ein kurzes Intermezzo einer Scheinrealität erleben, oder doch die nachhaltige Zinswende im Gange ist, das ist die grosse 100 Milliarden Frage, die ich gerne beantwortet hätte.

Tom McClellan erwartet übrigens, dass Kupfer wieder nach unten dreht, was sich übrigens mit eher verhaltenen Aussagen deckt, die zuletzt vom Freeport McMorran (FCX) Management kamen:
-> Copper Spike <-

Das mittelfristige Chart sage aber eher "kaufen", wobei das langfristige Chart schon zeigt, an welch wichtiger Stelle wir nun sind und dass der Kurs hier eigentlich ein grosses Risiko hat, wieder zurück zu kommen:

fcx-18-11-16

fcx-18-11-16-2

Erinnern möchte ich an Lafarge Holcim, die "World of Donald" Idee aus Europa, die ich vor einer guten Woche in -> Ruhe kehrt ein <- hier eingeführt habe.

Dort konsolidiert der initiale Schub in einer geordneten Art und Weise und heute war Investorentag, der eher verhalten aufgenommen wurde. Lesen Sie über -> Dividenden Phantasie <- und die Tatsache, dass der Konzern in den US mit einem Marktanteil von 20% die Nummer 1 ist.

Richtig gut sieht weiter Murphy Oil (MUR) aus, mit zwei anderen auch nach wie vor interessanten Werten in -> Ölaktien <- eingeführt.

mur-18-11-16

mur-18-11-16-2

Öl selber riecht nun zunehmend nach Seitwärtsbewegung, die grosse iSKS ist langsam keine mehr. Nun muss die OPEC liefern, wobei unklar ist, ob das reicht, selbst wenn sie liefert. Obama hätte die Fracking-Industrie wohl im Zweifel Pleite gehen lassen und dabei bei der Marktbereinigung geholfen, Trump wird das wohl eindeutig nicht tun.

Aber mit einem KBV von 1, mässiger Verschuldung und einer Dividendenrendite von über 3%, ist MUR wohl auch für den aktuellen Ölpreis kein schlechter Kauf.

Gold dagegen, kommt nun an die letzte Verteidigungslinie. 50% des Anstieges des letzten Jahres wieder verloren und direkt auf einer sehr wichtigen Unterstützung. Wenn Gold von hier weiter fällt, sind wohl "All Bets off" und der übergeordnete Abwärtstrend hat Bestand:

gold-18-11-16

Klar ist, dass steigende Zinsen und ein weiter steigender Dollar, absolut Gift für das Edelmetall sind. In Euro sieht die Rechnung dann gar nicht so gruselig aus, aber positiv ist sie auch nicht.

Das Edelmetall braucht entweder einen fallenden Dollar oder anziehende Inflation, dann kann es sich stabiliseren. Systemische Krisen, wäre auch nicht schädlich für Gold. An dieser Argumentation sehen Sie aber schon, dass echtes Eigenleben fehlt, wirklicher Kaufdruck ist nur bei den deutschen Münz- und Barrenhändlern, nicht aber an der Comex zu spüren. Und bei dem berechtigt gruseligen Ruf, den deutsche Anleger in Sachen Timing an den Märkten haben, stellt sich die logische Frage, warum sie dann gerade hier bei Gold richtig liegen sollen?

Trotzdem, Gold zum Hauptthema des Depots zu machen, war hier ja auch nie Thema und wäre irrational. Aber seine Funktion als "Hedge" gegen Unsicherheit, systemische Krisen und Inflation hat es weiter und insofern ist es weiter eine gute Beimischung zum diversifizierten Depot.

Taktisch gesehen, sind die Chancen auf eine Gegenbewegung nun nicht so schlecht, aber das haben wir ja beim Dollar auch ganz berechtigt gedacht und dann hat Yellen gestern wieder mit dem Zinshammer auf dieses Pflänzchen drauf gehauen.

Orbital ATK (OA) hat übrigens meinem vor 10 Tagen in -> Vorbereitungen <- gegebenem Vertrauensvorschuss alle Ehre gemacht. Schauen Sie auf das Chart vom Wahltag 08.10., das gerade mal aus der Seitwärtsrange heraus lugt, nun ist das grosse Accounting-Gap geschlossen:

oa-18-11-16

Von hier würde ich aber erst mal nicht so viel erwarten, bis das Accounting-Problem überzeugend gelöst ist. Falls das gelingt, ist OA aber im Vergleich zu den Peers immer noch vergleichsweise attraktiv bewertet und eben integraler Bestandteil des Sektors, der ziemlich sicher keinerlei Probleme mit Trump haben wird: Aerospace & Defense.

Hier noch einmal der überzeugende Sektor-ETF ITA:

ita-18-11-16

Was wir da mit fallendem Volumen sehen, ist eher eine bullische Konsolidierung. Wenn das Volumen abwärts anschwellen würde, das wäre negativ. Nicht aber das Austrocknen, das wir hier beobachten. Noch hat die Konsolidierung aber wohl etwas zu laufen, bevor wieder genügend Kraft nach oben vorhanden ist.

So weit für heute und damit schliesse ich diese Woche ab.

Ich wünsche Ihnen gute Erholung und ein schönes Wochenende, wir lesen uns hier am Montag und ansonsten im Forum.

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Edelmetallpreise & Minenkurse



Und weiter geht es bei der Adressierung von -> Themen, die Sie interessieren <-.

Heute greife ich mir eine Frage heraus, die ich weit schneller und einfacher beantworten kann, als die Letzte:

Die Auswirkungen der Edelmetallpreise (v.a. Gold aber ggf. auch Silber) auf Minenwerte -> in erster Linie natürlich Goldminenbetreiber aber auch Industriemetallförderer ala FCX etc - wäre ein Zusammenhang, der falls er überhaupt besteht mich enorm interessiert.

Das ist ganz einfach:

Erstens, Firmen werden an der Börse letztlich über Ihre Gewinne bewertet. Denn man ist ja Aktionär eines Unternehmens, damit das Gewinne macht, von denen man profitiert.

Heisst konkret, ein Unternehmen das absehbar auf die nächsten Jahrzehnte keinen Gewinn macht, ist von der Seite nichts wert. Was dann noch bleibt, ist der Substanz- oder Verkaufs-Wert. Weil selbst wenn das Unternehmen selber keine Gewinne macht, kann man seine Assets (seine Materialien, Minen, Ländereien, Geräte etc) ja vielleicht an Dritte verkaufen.

Wenn aber ein Unternehmen dauerhaft keine Gewinne macht und auch keine Assets hat, die man zu Geld machen kann, hat es den Kurs Null. Punkt.

Zweitens, es geht dabei aber nicht um die Gewinne der Gegenwart, sondern um die erwarteten Gewinne der Zukunft, um die Erwartungen also. Es ist also kein Problem, dass ein Unternehmen aktuell Verluste macht, wenn man das glaubhaft als Investitionen für viel grössere Gewinne in der Zukunft versteht. So ein Fall ist zum Beispiel Amazon. Wo aber die Erwartungen Null sind, sind auch die Kurse Null oder beim Substanzwert der Betriebsauflösung.

Drittens, bei Minen ist das Bild ganz einfach. Die haben einerseits Verkäufe, die vom Fördervolumen und zB Goldpreis abhängen. Also Volumen x Marktpreis. Und haben andererseits eine Kostenbasis, die relativ unreagibel ist, weil sie mit festen Mitarbeitern, Maschinen etc zu tun hat. Das Delta ist der Gewinn. Eine Änderung des Goldpreises, wirkt sich also unmittelbar auf den Gewinn und damit auf den Kurs aus. Und das sogar gehebelt.

Viertens, der Hebel entsteht aus einem ganz einfachen Basiseffekt. Stellen Sie sich beispielhaft einen Goldförderer vor, der aktuell eine Kostenstruktur von 1.100 USD pro gefördeter Feinunze Gold hat. Nehmen wir weiter an, Gold sei bei 1.200 USD. Damit hat der Goldminer 100 USD Gewinn pro Unze und aus dieser Erwartung entsteht der Kurs. Nun steigt Gold von 1.200 auf 1.300 USD, also um ca. 9%. Die Kostenstruktur bleibt aber weitgehend statisch, weswegen der Gewinn von 100 auf 200 USD pro Unze hoch geht. Der Gewinn hat sich also verdoppelt, der Kurs wahrscheinlich auch. Das ist der "Hebel" zwischen einer recht statischen Kostenstruktur und einem variablen Goldpreis.

Fünftens, ist die Kostenstruktur aber nicht völlig statisch, alle grossen Goldminen haben in der Baisse der letzten Jahre immens viel dafür getan, die Kosten (zb Personalkosten) nach unten zu bekommen. Das macht die Unternehmen aber im Anstieg des Goldpreises besonders profitabel, sprich der Hebel ist sehr hoch und wenn Gold um ein Prozent steigt, steigen die Minen um 4, 5 oder 6%.

Sechtens, kommt ein steigender Goldpreis einigen Minen aber nicht völlig zu Gute, wenn die ihre Goldförderung schon via Termingeschäften gehedged oder sogar an sogenannte "Streaming-Companies" verkauft haben wie Franco Nevada (FNV), Royal Gold (RGLD) oder bei Silber eben Silver Wheaton (SLW). In dem Fall freut sich die Streaming-Company über den steigenden Goldpreis, der Miner hat erst einmal nichts davon. Gemacht werden die Verträge trotzdem, weil sich die Minen so ihre Existenz sichern können, denn nach unten zieht eine Streaming-Vertrag natürlich auch einen Boden gegen fallende Edelmetallpreise ein.

Fazit:

Das sind die wesentlichen Faktoren die einwirken. Und das nicht nur bei Gold oder Silber, sondern ähnlich auch bei Kupfer und Co.

Verkaufspreis X Produktionsvolumen - Kostenstruktur = Gewinn pro Einheit.

Da die Minen durch die Bank ihre Kostenstruktur gegenüber 2011 massiv verbessert haben, sind diese nun auch so attraktiv als Aktien. Genau das weiss der Markt ja aber, weswegen er bei Erwartungen an einen steigenden Metallpreis die Minen um ein Vielfaches des Metallpreises hoch kauft - der Hebel eben, der prinzipiell aber in beide Richtungen wirkt.

Ganz einfach also. Alles klar?

Ihr Hari

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Der Mythos um Dr. Copper und den Baltic Dry Index



Einen sehr schönen, lesenswerten Artikel hat Chris Ciovacco hier, in dem er den Mythos zerlegt, nachdem Schwäche bei den Rohstoffen und insbesondere bei Kupfer (Dr. Copper) ein zuverlässiges Indiz für eine kommende Rezession und damit auch für fallende Kurse sei:

-> Myth: stocks are in trouble when commodities tank <-.

Ich will mit diesem Beitrag explizit auf den Artikel verweisen, in dem die Gegenbeispiele stehen und interessanterweise handelt es sich dabei auch unter anderem wieder um das Ende der 90er Jahre, das zumindest im Chart ja gewisse Parallelitäten zum aktuellen Geschehen aufweist.

Ich will aber das Thema um den "Baltic Dry Index" ergänzen, um den auch gerne mit wissendem Unterton herum geraunt wird, dass der ja ein Warnsignal sei. Auch das ist eher Unfug, wie ich in der Vergangenheit schon geschrieben habe.

Erstens geht der Baltic Dry Index primär auf die Grundstoffe (Kohle, Erz, Getreide) und unterliegt damit dem oben im Artikel dargestellten Sachverhalt.

Zweitens aber, werden die Warenströme im 21. Jahrhundert vor allem durch den Container-Verkehr bestimmt und es gibt gar keinen Zweifel daran, dass der boomt. Und trotzdem sind die Frachtraten im Container-Verkehr seit Jahren am Boden. Wer aus diesen niedrigen Raten, aber auf eine schlechte Konjunktur schliesst, liegt eher daneben.

Denn diese seit Jahren niedrigen Raten liegen vor allem an einem massiven Überangebot an Containerschiffen auf dem Weltmarkt, dass ebenso deutsche Anleger in Schiffsfonds zu verantworten haben, wie auch die Reeder, die einfach einen massiven Preiskampf um Marktanteile über Jahre nicht beenden können.

Faktum ist, der Container-Markt ist vom Volumen her intakt und mit ihm, sieht es um die Weltkonjunktur nicht so schlecht aus, wie es die diversen Fracht-Indizes erscheinen lassen.

Wenn Sie also das nächste Mal so eine geraunte Warnung lesen, dass ja nun Dr. Copper, oder der Baltic Dry Index oder ein anderer Frachtindex bald abstürzende Aktienbörsen indiziere würde, blättern Sie schnell weiter. Oder beschäftigen sich wirklich ernsthaft damit, was die Daten wirklich sagen.

Es ist ja nicht so, dass diese Indizes keine Aussagekraft hätten. Doch, die haben sie. Man muss sich aber schon die Mühe machen, hinter die Daten zu schauen und nicht einfach nur unreflektiert vermeintliche "Weisheiten" nachzuplappern.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Trade with Carl II – Short Junk Update



Wir hatten ja zuletzt zwei "Trade with Carl" Szenarien. Bei Freeport McMoran muss "Carl" nach sehr gutem Beginn noch etwas üben. 😉
Immerhin kontrolliert er nun aber auch 2 Sitze im Board.

Fairerweise muss man aber auch feststellen, dass wenn der Basispreis so radikal fällt wie Kupfer in Dollar, auch das beste Management mit den besten Absichten und Ideen ein massives Problem hat.

Carl Icahn kann als aktiver Investor dafür sorgen, dass Unternehmen ihr Geld nicht verprassen, nicht als Boni vergeuden und sich wieder auf das Wohl der Aktionäre konzentrieren. Aber den Kupferpreis am Weltmarkt, kann auch er nicht hochbeten.

Wir hatten aber einen zweiten "Trade with Carl", der genau genommen der erste war. Den habe ich im Sommer in der "Idee des Tages" vom Mittwoch 29.07.15 10:10 vorgestellt und bei dem dreht es sich um einen Short auf die Junk-Bonds, den Carl Icahn damals zu Recht als "No Brainer" bezeichnete.

Und das war er bisher auch, der Trade wurde ein Erfolg, schauen Sie selber mal:

JNK 18.11.15

Wirklich bemerkenswert finde ich aber noch etwas anderes und das ist der Grund dieses Posts. Denn der "Junk-Indikator" hat ja in der Vergangenheit gute Dienste geleistet, um Stress im Finanzsystem über Probleme im Kreditmarkt zu indizieren.

Denn wenn Kredite nicht mehr so gerne vergeben werden und Pleiten drohen, merkt man das an den Renditen der Wackelkandidaten am schnellsten.

Und was das langfristige Chart des JNK hier indiziert, muss einfach nachdenklich machen:

JNK 18.11.15 2

Nun kann man argumentieren, dass der Indikator nicht mehr richtig funktioniert, weil durch den abschmierenden Ölpreis hier vor allem die Fracking-Industrie Probleme hat und sich in diesem Indikator zeigt. Und weil man daher keine Schlussfolgerungen für das generelle Geschäftsklima mehr daraus ziehen kann.

Da ist was dran, denn die Fracking Unternehmen sind teilweise Teil des JNK ETFs. Trotzdem hinterlässt dieses Chart bei mir einen sehr faden Nachgeschmack.

Irgend etwas ist nicht in Ordnung im Staate Dänemark, das zumindest, signalisiert dieses Chart. Und Carl Icahn hatte recht, das war ein "No Brainer".

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Kupfer, Gold und der Dollar



Ergänzend zu meinem gestrigen Artikel über -> den Dollar, die Rohstoffe und die Emerging Markets <-, den ich heute für den freien Bereich freigeschaltet habe, will ich auf einen treffenden Artikel von Tom McClellan hinweisen, der zwar ein paar Tage alt, aber trotzdem sehr aktuell ist:
-> Copper priced in Japanese Yen <-

Er weist darauf hin, dass Kupfer vor allem in Dollar so brutal im Abwärtstrend liegt, weil eben der Dollar so stark aufwertet. In Yen und Euro sieht die Welt schon wieder ganz anders aus.

Deshalb funktioniert "Dr. Copper" in Dollar auch nicht mehr als Indikator für die Weltkonjunktur, denn so gruselig ist die Nachfrage nach dem Metall gar nicht, wie es im Dollar-Chart aussieht.

Für uns bestätigt das erneut, was auch StockPix vor Kurzem so schön in seinem -> english breakfast <- auf den Punkt gebracht hat.

Mit Bill Clinton möchte man sagen: "It´s the currencies stupid!"

Allerdings nützt der Wert von Kupfer oder Gold in Yen oder Euro den Minenwerten herzlich wenig, weil diese ihre Geschäfte typischerweise in Dollar abwickeln. Und das relativiert die zutreffende Beobachtung von Tom McClellan dann wieder. Sie ist zwar richtig, aber der Dollar ist und bleibt halt die Weltreservewährung, in der die Rohstoff-Geschäfte typischerweise abgewickelt werden.

Wir müssen uns daher unbedingt im Klaren darüber sein, welche immense Bedeutung die Dezember-Sitzung der FED für den ganzen Rohstoff-Komplex hat. Auch für die Edelmetalle.

Dan Norcini hat gestern in -> gold stocks buckle <- mal wieder in überdeutlichen Worten auf den Punkt gebracht, wie schwachsinnig die Logiken der Gold-Bugs seit Jahren sind und wie diese unzählige Depots vernichtet haben. Könnte man das dort verabreichte Hopium in Dosen füllen, könnte man es als "Hopium exklusivster Qualität" sicher teuer weiter verkaufen. 😉

Denn tiefer geht immer und erst bei Null ist Schluss. Und Sie wissen, wie oft auch ich mich über diese Logiken der Gold-Bugs mokiert bzw lustig gemacht habe, die teilweise nicht einmal die - durchaus berechtigte - sehr langfristige Skepsis gegenüber dem Finanzsystem und die kurzfristigen Kursbewegungen der nächsten Wochen, gedanklich konsequent auseinander halten können.

Und man muss es nicht mögen, es ist aber leider Faktum, dass der Goldpreis nicht von fundamentalem Angebot und Nachfrage, sondern von der Preisgestaltungsmacht weniger grosser Adressen an der Comex bestimmt wird. Es ist richtig und lobenswert, das zu kritisieren, aber gleichzeitig idiotisch, dagegen zu wetten.

Nur wer die Edelmetalle als reines "Notgeld" betrachtet, dessen Wert sich erst im "Falle des Falles" offenbart, hat eine rationale Logik, die auf wohl überlegtem Grund steht. Auch ich folge dieser Logik und habe physisches Edelmetall im Bankschliessfach.

Wer aber mit Gold und Silber mittelfristige Handelsgewinne erzielen will, sollte sich mit den Preisen der Comex auseinander setzen, denn die bestimmen den Preis. Und wenn die fallen, dann fallen sie halt und wir haben das zu respektieren. Punkt!

Wir aber, sollten nach meinen unzähligen Artikeln zu diesem Thema von solchen Verirrungen frei sein und folgen konsequent dem Markt.

Und der zeigt im Sektor immer noch weiter nach unten, wie auch von mir in -> Gold ... eigentlich <- vorgestern klar gestellt.

Die Akkumulation ausgewähler Qualitätstitel wie Newmont Mining, mag nun trotzdem langfristig Sinn machen, denn auch dieses Schlachtfest wird irgendwann enden. Aber selbst da muss man sehr konsequent die Positionsgrössen begrenzen und das eher als "ersten Zeh im Wasser" betrachten, aber sich noch nicht auf den Sektor festlegen, der immer noch abwärts läuft. Denn auch eine NEM kann erst noch weit billiger werden, bevor ein Boden gefunden wird. Nur eine Pleite muss man da kaum befürchten, dass ist aber ein gewichtiger Faktor gegenüber anderen Titeln.

Also, "It´s the currencies stupid!"

Wenn Anlass besteht zu glauben, dass der Dollar seine Hochs hinter sich hat und wenn dann idealerweise auch die Inflationserwartungen wieder anziehen, *dann* kommt die Zeit, die ohne Frage vorhandenen, immensen Chancen des Edelmetall- und Rohstoff-Sektors zu ergreifen.

Vielleicht ist das ja Mitte Dezember der Fall, das müssen wir schlicht abwarten. Wir kaufen dann den Gold-Bugs ihre Aktien ab, wenn diese sie bei Gold 800 USD endlich verzweifelt weg werfen. 😉

Ihr Hari

PS: Ich bin jetzt wie angekündigt weg und komme erst am späten Nachmittag wieder.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***