Grundlagen rund um Aktien: Der Börsenwert



Ich nehmen wie angekündigt die offenen Fragen aus dem -> Thread zu Sonderthemen-Wünschen <- wieder auf und beantworte diese.

Ich hätte auch noch eine Frage zu den Basics. Was bedeutet denn der Börsenwert für das Unternehmen selbst? Sind hohe Kurse nur für die Aktionäre toll oder haben die Unternehmen davon auch einen direkten Nutzen z.B. bessere Möglichkeiten durch den Verkauf der eigenen Anteile zur Finanzierung von Investitionen?

Der Börsenwert eines Unternehmens ist die Anzahl der ausgegebenen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs. Theoretisch also das, was jemand "auf den Tisch" legen müsste, um das Unternehmen heute komplett zu kaufen. Das funktioniert aber nur theoretisch, denn praktisch würde der Kurs ja steigen wenn jemand versuchen würde, alle Aktien aufzukaufen.

Durch die Veränderung dieses Börsenwertes, fliesst dem Unternehmen zunächst einmal kein Geld zu oder ab. Ein Unternehmen nimmt nur dann Geld ein, wenn neue Aktien beim Börsengang oder einer Kapitalerhöhung ausgegeben werden - wenn also eine Aktie (ein Anteil am Unternehmen) gegen Bargeld getauscht wird.

Wenn aber der Anleger A vom Anleger B an der Börse zu einem höheren Kurs kauft, hat das keine direkten Auswirkungen auf das Unternehmen, nur der Eintrag im Aktienbuch ändert sich, weil sich die Gesellschafterstruktur ändert.

Es ist deshalb auch nicht ganz richtig, wenn gerne gesagt wird, man würde durch Kauf einer Aktie an der Börse einem Unternehmen bei der Finanzierung helfen. Das stimmt nur für den ersten Aktionär, der die Aktie bei Börsengang oder Kapitalerhöhung erworben hat. Alle weiteren Aktionäre tauschen mit diesem ersten Aktionär nur den Platz, ohne dass dem Unternehmen dadurch etwas zu- oder abfliesst.

Trotzdem hat ein höherer Aktienkurs indirekt positive Effekte für das Unternehmen bzw sein Umfeld und nicht nur für den Anleger, der sich über Kursgewinne freut.

Erstens für das Management, das in der Regel an Aktienoptionen verdient und das nicht zu knapp. Die freuen sich also am Meisten und haben daher auch ein Incentive, den Akienkurs "kreativ" nach oben zu treiben. Sicher ist das Management nicht synonym für "das Unternehmen", da die Manager aber das Unternehmen steuern ist eine Trennung auch nicht möglich.

Zweitens können die eigenen Aktien im M&A Geschäft in Form eines Aktientauschs vom Unternehmen als "Währung" eingesetzt werden. Das ist eine recht elegante Möglichkeit bei freundlichen Übernahmen, wenn beide Seiten sich auf eine Tauschquote einigen. Das grössere Unternehmen übernimmt das Kleinere dann komplett gegen Abgabe eines Teils der eigenen Aktien.

Ob so Übernahmen immer sinnvoll und den Unternehmenswert steigernd sind, ist eine andere Frage, auch hier ist es oft das Eigeninteresse des Managements, das den Ausschlag gibt. Denn mit einem grösseren Unternehmen ist mehr "Ruhm" und in der Regel auch mehr Gehalt verbunden. Bei der gescheiterten Fusion der Deutschen Börse mit der London Stock Exchange hatten wir zuletzt so einen Fall, wo die Vermutung für mich nahelag, dass hier auch Eigeninteresse des CEOs eine Rolle gespielt haben könnte.

Drittens können Unternehmen tatsächlich auch eigene Aktien (wie Anleger) halten, das ist zum Beispiel das Ergebnis von Aktienrückkaufprogrammen. Wenn diese Aktien im Kurs steigen, kann man damit theoretisch wie ein Anleger Gewinne realisieren. In der Praxis wird das aber kaum genutzt, weil dadurch wieder die Kurse fallen, was dem für das Management wichtigeren Kriterium des "Erstens" komplett zuwider läuft.

Viertens wird gerne die Fremdfinanzierung angeführt und ja, ein erfolgreiches Unternehmen bekommt leichter und billiger Kredit und kann so besser wachsen. Der Börsenkurs ist hier aber eher Folge des Erfolgs und nicht Ursache der Kreditwürdigkeit. Kredite werden eben nach Unternehmenskennzahlen vergeben und insofern ist der Börsenkurs hier nur Symptom und kein Vorteil für das Unternehmen.

Fazit:

Das Unternehmen selber profitiert nur marginal von höheren Kursen, bestenfalls indirekt. Eher ist es anders herum, ein hoher Börsenkurs ist Folge und Symptom eines gut laufenden Unternehmens.

Hauptprofiteur eines höheren Aktienkurses ist abseits des Anlegers das Management, das damit:

  1. höhere Gehälter begründen kann
  2. seinen Job behält weil die Aktionäre happy sind
  3. über Optionen happig mitverdienen kann
  4. bei einem grösseren Unternehmen auch jede Menge öffentlichen Ruhm einheimsen kann. Zur Kanzlerin ins Privatissimum kommt man halt nur, wenn man der bedeutende Herr Prof. Dr. Winterkorn und Co. ist und sich mit der Aura der Macht umgeben kann.

Ihr Hari

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Eine einfache Erkenntnis zum Markt

Ich bin ja "berüchtigt" dafür, lange Artikel zu schreiben. 😉 Die Realität des Marktes ist aber eben auch komplex und verweigert sich einfachen Weisheiten.

Trotzdem will ich heute mit so wenig Worten wie möglich, mal eine "einfache Erkenntnis" aufschreiben. Denken Sie mal bitte darüber nach.

Zunächst fünf Fragen und Antworten:

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Freitag und OpEx



Guten Morgen!

Nimmt man die reine Price-Action, scheint der gestern avisierte -> Retest <- im DAX, vielleicht schon erfolgreich gewesen zu sein:

DAX 20.11.15

Für ein endgültiges Urteil ist es aber zu früh, weil die Price-Action durch den kleinen Verfallstag verzerrt wird. Ein voller Retest bis knapp unter 11.000, ist heute also weiter gut denkbar. Und da die europäischen Märkte auch stark aus den US beeinflusst werden, ist der Verfallstag in seinen Auswirkungen erst am heutigen Abend vorbei.

Grundsätzlich bleibt das bullische Bild aber bestehen, die aktuelle Price-Action ist alles Mögliche und nicht ohne Risiken, aber bestimmt nicht bärisch!

Ich will an dieser Stelle auch darauf aufmerksam machen, dass auch im US Moneyflow es noch keinen markanten Selling on Strength Print für den SPY gab. Und das obwohl der teilweise klar überkauft war. Das ist klares Indiz, dass das grosse Geld (Big Money) weiter stur Kurs auf die Jahresendrally hält.

Bleiben wir also dabei und pflegen unsere Stops, das sollten wir ja nun langsam beherrschen. 😉

Heute früh (jetzt ab 9 Uhr) redet Mario Draghi auf dem European Banking Congress in Frankfurt. Ansonsten ist an Daten nicht so viel los.

Beobachten wir also die Post-OpEx Reaktion und bleiben ansonsten gelassen.

Ich werde es heute hier auch ruhig angehen, wenn nicht viel passiert, gibt es auch nciht viel zu schreiben.

Ihr Hari

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