Leverage kills – Von Selbstüberschätzung und Tail Risks

Der folgende Artikel erschien schon Freitag 10.07.15 14:10 in Hari Live

Nach Europäern, die im Januar kreditfinanziert gegen den scheinbar "sicher" durch die SNB begrenzten Franken gewettet und sich dabei blutige Nasen geholt haben, trifft es nun Chinesen, für die "sicher" war, was die Regierung promoted hat:
-> Wie der Sozialismus Chinas Börsen retten soll <-

Wenn etwas scheinbar "sicher" ist, ist es am Markt in der Regel ganz besonders gefährlich. Eine Regel ist dabei universell: Leverage (hier Kredithebel) kills.

Denn wer nur eingesetzt hatte, was er tatsächlich besessen hat oder zumindest bereit zu verlieren war, ist nun zwar auch unter Wasser, kann aber vergleichsweise ruhig und gelassen abwarten, ob die Kurse nicht wieder zurück kommen.

Wem nun aber der "Margin Call" droht, weil der Kredithai zur Zurückzahlung drängt, ist nackt und dann nicht mehr dabei, wenn es später wieder hoch geht.

Ich weiss, ich weiss, immer wenn ich so etwas schreibe, erklären mir manche - je männlicher und jünger desto wahrscheinlicher 😉 - dass man das ja nicht so hart sehen muss und sie persönlich aber, das im Griff hätten.

Darauf kann ich dann nur die Schultern zucken und mit meiner ganzen Erfahrung und Autorität sagen: FALSCH!

Das ist wie beim Truthahn vor Thanksgiving, für den ist auch alles in Ordnung und er hat alles im Griff, bis ihm der Hals umgedreht wird. Plötzlich und unerwartet sozusagen. 😉

Männer, jung noch dazu, neigen einfach zur Selbstüberschätzung. Diese Selbstüberschätzung hat auch einen evolutionären Sinn, denn ohne den Mut sich etwas zuzutrauen und sich sozusagen auf einen Säbelzahntiger zu stürzen, wäre die Menschheit schon verhungert. Deshalb setzt man in jungen Jahren, wenn man vor Energie fast platzt, auch gerne das Auto gegen den Baum. 😉 Mir ist das zwar nicht passiert, dafür habe ich aber in Selbstüberschätzung andere Dinge gemacht, die nicht weniger idiotisch waren. Ich weiss also schon, worüber ich da rede.

Und es fehlt vielen ganz eindeutig die Phantasie, was alles schief gehen kann und nach Murphy auch irgendwann schief gehen wird. Die berühmten "schwarzen Schwäne" und ihre Auswirkungen eben, die spezielle Ausprägungen des allgemeineren Begriffs vom -> Tail Risk <- sind.

Wo steht zum Beispiel geschrieben, dass nicht in 10 Minuten eine massive, von einem Staat gesteuerte, Cyberattacke gegen die NYSE beginnt, deren Ziel nicht der "Denial of Service" (DoS) ist, sondern deren Ziel Chaos ist, weil Kurse willkürlich beeinflusst werden?

In dem folgenden Chaos würde Schlimmeres passieren, als beim Franken Anstieg im Januar. Da würden Margin Calls durch das System laufen, die es zum völligen Zusammenbruch bringen. Und alle, die das ja dann "im Griff" zu haben glaubten, würden sehr schmerzhaft aus ihrer selbstgefälligen Kontrollillusion aufwachen.

Auch hier wären natürlich auch die Anleger ebenso betroffen, die nicht gehebelt auf Kredit (mit Leverage) gewettet haben. Aber auch hier ist wieder der entscheidende Unterschied, ob man nach den Events weiter leben kann, oder aus finanzieller Sicht das Schicksal des Truthahns teilt.

Denn auch dieses Chaos wird durch Eingreifen der staatlichen Organe im Nachgang irgendwie bereinigt werden. Kurse werden zurück gerechnet werden und am Ende wird sich eine halbwegs akzeptable Lösung finden.

Wer nur mit Geld dabei war, das er wirklich hatte und/oder entbehren kann, kann diese Bereinigung abwarten, ohne dass die Existenz in Frage steht. Diese Anleger haben keinen Druck und keine unmittelbare Not. Sicher wird da auch jede Menge Sorge um das Kapital sein, aber es gibt eben keinen sofortigen Exitus.

Wer aber über seine eigene Finanzkraft hinaus mit Kredit spekuliert hat, der ist schlicht "platt". Und wenn Monate später Ausgleichszahlungen kommen und Kurse zurück gerechnet werden, ist das für diese armen Seelen zwar nett, löst aber das Problem des geplatzten Kredites nicht mehr.

Der entscheidende Unterschied, ist also wie beim Truthahn, dass man unbedingt das kurzfristige Fallbeil verhindern muss! Denn dann hat man auch die Chance, später bei wieder steigenden Kursen oder im Zuge einer Regelung wieder zu profitieren.

Wer aber mitten im Absturz vom Fallbeil getroffen wird, ist danach schlicht: tot!

Also: Leverage kills. Davon bin ich fest überzeugt. Und es gibt auch keinen Grund auf Kredit zu spekulieren. Ich mache es jedes Jahr vor, dass man auch ohne Leverage gute Performance erzielen kann. Und wer ein zu kleines Depot hat und glaubt, das mit Hebel aufpeppen zu müssen, um das grosse Rad zu drehen, ist mit Verlaub naiv. Denn ein Hebel wirkt in beide Richtungen und zu glauben, man würde sicher die richtige Richtung treffen, ist das Zeichen grosser Selbstüberschätzung.

Mir ist klar, dass es wohl Einige gibt, denen diese Worte nicht gefallen werden. Aber es gibt wenig, wovon ich so überzeugt bin.

Und wenigstens wird man nie sagen können, ich hätte nicht eindringlich davor gewarnt.

Ihr Hari

PS:

Weitere Worte dazu hier:
-> Leverage can kill <-

Natürlich hat der Artikel recht, wenn er sagt: "Leverage itself doesn’t kill people, people kill people. And people who don’t understand leverage or abuse it will inevitably get killed by it."

Am Ende sind es natürlich immer die Menschen, die die Verantwortung tragen. Ein Gewehr tötet auch nicht, sondern der Mensch, der damit schiesst tötet.

Und wenn man die Sache wirklich "im Griff" hat, kann man auch Leverage selektiv und sinnvoll einsetzen, weil man sich immer über das reale Gesamtrisiko im Klaren ist, mit dem man im Markt unterwegs ist.

Für sehr erfahrene Trader und Anleger, kann Leverage also Sinn machen. Aber sehr erfahrene Spezialisten können auch im sonstigen Leben mit Gefahrengütern hantieren, die bei Normalbürgern zu schweren Gesundheitsschäden führen würden. Diese Profis versuche ich hier nicht zu adressieren, die wissen schon was sie tun.

Um aber den Punkt für alle normalen Anleger und Nicht-Profis unzweideutig klar zu machen und gerade die zu erreichen, die sich in der Sonne der eigenen Selbstgefälligkeit räkeln, formuliere ich es hier aber bewusst etwas überspitzt und plakativ:

Leverage kills!

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Margin Call & The Big Short

Was macht mich nervös ? Nicht diese bisher flache und überfällige Korrektur. Und nicht die blosse Tatsache, dass wir auf oder nahe historischen Höchstständen notieren. Denn das ist bloss eine Zahl und wenn ich nicht früh sterbe, werde ich auch noch DAX 20.000 erleben. Und die aktuellen Aufwärtstrends sind völlig intakt und können durchaus noch ein gutes Stück weiter laufen.

Was mich aber nervös macht, ist dieses -> Chart des Tages der FuW <-.

Das Dumme dabei ist, diese Daten sind für das Timing völlig ungeeignet. Diese Wetten können sich noch das ganze nächste Jahr erhöhen und die Märkte entsprechend weiter steigen. Insofern ist das Chart auch definitiv kein Grund für kurzfristiges Handeln.

Aber .....

Es zeigt uns etwas, das wir uns wirklich hinter die Ohren schreiben sollten und überall zur Erinnerung mit Zetteln hinkleben sollten: Wenn sich dieser Markt irgendwann richtig nach unten in Bewegung setzt, dann wird es keinen Platz geben, an dem man sich verstecken kann. Absolut keinen, auch nicht Gold !

Erinnern Sie sich bitte an 2008, als diese Margin Calls auch schon durch das „Big Money“ liefen. Was ist da passiert ? Da ist alles gleichzeitig gefallen. Einfach weil die Marktteilnehmer um den Margin Call zu bedienen, irgend etwas abstossen mussten. Egal was, Hauptsache man generiert Cash um den Margin Call zu befriedigen. Denn kann man es nicht, folgt Kontensperre und Exitus !

So wird es wieder sein. Alles wird gleichzeitig fallen, egal ob Top-Unternehmen oder Gurke. Die Top-Unternehmen sogar am Ende am stärksten, ganz einfach, weil dort noch das meiste in den Depots auszukehren ist.

Machen Sie sich das unbedingt klar. Es gibt in so einem Absturz nur 2 Orte, an denen Sie sich verstecken können. Der eine ist Cash – Cash is King ! Und der andere sind dann Shorts.

Beides aber auch nur, wenn Ihre Bank dann noch steht und Ihr Cash nicht gefährdet ist. Wenn auch die Bank wackelt, bleibt nur die Bettdecke zum verkriechen. 😉

Natürlich werden durch so einen Absturz auch wieder sensationelle Chancen in Qualitätsaktien entstehen, wie schon 2008. Und ja, die Welt dreht sich auch danach weiter.

Machen Sie sich aber klar, wie das System funktioniert und warum ein Absturz extrem schwer zu stoppen ist, wenn er mal damit begonnen hat, sich wie umfallende Dominosteine durch das System zu fressen. Das ist wie bei einem Feuer, das muss auch erst alles Brennbare abfackeln, bevor es dann erlöschen kann.

Deshalb ist es auch so wichtig, irgendwann konsequent auszusteigen. Und zwar wenn die Reise wirklich nach unten geht und man sieht, dass nun nicht mehr der Dip gekauft wird, sondern der Bounce verkauft wird. In dem Chart, das ich Ihnen gestern zu 2008 gezeigt habe, ist dieser Moment am Ende der Phase (3), wenn man merkt, wie der Trend klar nach unten zeigt.

Ob man den Ausstieg dann 10% oder 20% unter den Höchstständen macht, ist gar nicht so wichtig. Hauptsache man tut es überhaupt !

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