Stärke gebiert Stärke



Ich habe eine Frage an Sie: Wann ist ein Markt anfälliger für einen Crash?

a) Wenn er sehr stark gestiegen und massiv nach oben überdehnt ist?
b) Wenn er schon zu fallen begonnen hat und die Fallgeschwindigkeit zunimmt?

Hmm? Ich sage Ihnen, wie die Mehrheit der normalen Anleger instinktiv agiert.

Im Fall a) trauen sie dem Markt nicht, sind entweder nicht dabei oder wollen sogar klüger sein und den Markt shorten.
Im Fall b) sehen sie dass Ihre Lieblingsaktien nun 20% billiger sind und denken daran nun zu kaufen.

Soweit das instinktive Verhalten des normalen Anlegers. Und wann ist ein Markt nun objektiv anfälliger für einen Crash?

Ganz eindeutig im Fall b), wir nennen das das "Brösel, Brösel, Brösel" Szenario, dem bald der Schritt über die Klippe folgen könnte. Grosse Topbildungen haben gerne solche Strukturen, bevor es richtig "über die Klippe" abwärts geht, auch 2008 gehörte dazu.

Ganz starke Märkte dagegen, die wie im Fall a) neue Hochs generieren, sind vielleicht mal für eine kleine Korrektur gut, aber nicht für einen Crash. Topbildungen brauchen einfach Zeit und passieren nicht "mir nichts dir nichts" aus dem Nichts!

So weit das Grundsätzliche. Nun schauen wir auf das Spezielle.

Hier haben wir den -> CNN Fear and Greed Index <- von gestern Abend nach Schluss der Wallstreet, der den internen Zustand des US Marktes basierend auf vielen technischen Parametern in einer einfachen Anzeige zusammen fast:

Wir haben also aktuell "Extreme Greed" - extreme Gier - -> Nothings´s Gonna Stop Us Now <- sozusagen.

Der Markt ist also klar überdehnt und für eine Korrektur oder Konsolidierung überreif, die heute schon einsetzen könnte. Aber einen Crash und eine grundlegende Trendwende? Nein.

Stärke gebiert Stärke und damit ein Markt überhaupt so eine "Gier" entwickeln kann, muss er massive Treiber besitzen, die nicht einfach über Nacht weggehen. Damit so ein Baby nachhaltig dreht, braucht es Zeit und eine sich langsam ändernde Wahrnehmung der Marktteilnehmer. Alleine eine überraschende globale Katastrophe wie zum Beispiel ein Atomkrieg, könnte diesen zeitintensiven Prozess einfach so über Nacht ablaufen lassen und uns am nächsten Morgen mit einem Crash aufwachen lassen.

Stärke führt also in 9 Fällen zu weiterer Stärke und Stärke ist kein Grund sich dagegen zu stellen. Dass es auch einen Fall 10 gibt, in dem es dann völlig überraschend doch anders kommt, müssen wir einfach akzeptieren.

Lieber 9 mal richtig liegen und einmal falsch, sollte jeder vernünftige Mensch denken oder? Der Anleger, der klüger als der Markt sein will, neigt aber leider dazu, sich 9 mal dagegen zu stellen und wenn dann der Fall 10 eintritt, hat er die Nerven verloren und ist nicht mehr dabei, weil er statt die eigenen Fehler den "irrationalen Markt" zum Schuldigen erhoben hat.

Machen wir diesen Fehler nicht. Dieser aktuelle Markt ist extrem stark und gleichzeitig für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierungsphase nun überreif. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Korrektur aber mit Blick auf das Jahresende zum Jahresende wieder zu kaufen ist, ist auch sehr hoch. Topbildungen brauchen Zeit, wie haben derzeit nicht einmal den Ansatz einer Solchen!

Ihr Hari

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Langstreckenlauf mit Wahrnehmungsverzerrung



Guten Morgen!

Der blinde Fleck der Märkte wird nun aufgedeckt werden, aber nur wenn die FDP sich nicht zum Mehrheitsgeber einer Kanzlerin auf dem absteigenden Ast und einer Partei mit Generationenproblem machen lässt.

Dass der blinde Fleck immer noch ganz massiv existiert, kann man leicht hier an diesem Bloomberg Artikel von heute erkennen: -> Equity Bulls cheer as Merkel clears Europes last hurdle of 2017 <-

Hallo? Sind die im falschen Film? Merkels CDU ist der grösste relative Verlierer der Wahl und Merkel steht nun vor einer ganz schwierigen Regierungsbildung. Zitate dagegen hier:

Elections in France and Germany were flagged among the key risks for investors at the start of the year, and with Angela Merkel back at the helm of Europe’s largest economy the path is now clear for bullish investors.

With the German, French and Dutch elections now complete, the political risk from euro-skeptic parties -- one of the main concerns of 2017 -- is now largely alleviated,” said Peter Wilmshurst, who runs a global equities fund at Franklin Templeton.

Tja, so kann man die Welt auch sehen, wenn man alles über Personen definiert und Merkel ist ja weiter da. Nur wie lange noch?

Fakt ist, das ist die Sicht der Märkte fernab von der deutschen Innensicht. Und solange das die Sicht der Märkte ist, werden die Börsen weiter steigen, denn Erwartungen treiben die Kurse und sonst nichts. Ich halte das aber für eine Wahrnehmungsverzerrung wie Sie wissen, denn schon heute ist das Risiko eines instabilen Deutschlands viel höher, als es scheint wenn man von aussen nur Merkel sieht.

Ob das passieren wird, ob der blinde Fleck der Märkte aufgedeckt wird, vermag ich nicht zu sagen, ich kann nicht in Lindner hinein schauen. Die SPD hat mit ihrem schnellen Rückzug der FDP nun auf jeden Fall den schwarzen Peter zugeschoben. Denn die Grünen wollen regieren, Özdemir vibriert ja geradezu schon vor Vorfreude und Merkel wird auch weiter regieren wollen. Nur die FDP könnte diese Party also stören.

Man kann sich fragen, warum die FDP nicht sofort auch am Wahlabend die Tür zuschlägt, aber das wäre auch unglaubwürdig gewesen, man hat den Wählern ja gesagt, dass man nicht in die Fundamentalopposition gehen will, sondern regieren wird, wenn man genügend durchsetzen kann.

Insofern wird es nun auf die Verhandlungen ankommen, wobei ich davon ausgehe, dass die strategische Entscheidung im kleinen Kreis schon vorher getroffen wird. Entweder geht man sehr aggressiv in die Verhandlungen, um mit dem Scheitern dem gewollten Gang in die Opposition dann den argumentativen Unterbau zu verschaffen, oder man will die Regierung und wird entsprechend kompromissbereit sein.

Insofern sind nun alle Blicke auf die FDP gerichtet, mit einer waidwunden CSU als "Wildcard" in diesem Spiel. Es wird viel über die Absichten der FDP Führung herauszulesen sein, wenn man darauf achtet, wie aggressiv und bestimmt die FDP sich zu den Verhandlungen positioniert.

Aus Sicht der Märkte habe ich heute im freien Bereich in -> Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik <- heraus gearbeitet, was diese bewegen wird.

Eine Jamaika-Koalition wird es nämlich nicht sein, die wird nicht viel ändern in den Bereichen, um die sich die Märkte sorgen. Das Scheitern einer Koalitionsbildung und ein Deutschland als Wackelkandidat aber schon.

Ob es aber dazu kommt, steht weiter in den Sternen und dieser Erkenntnisprozess wird nun in den Märkten ablaufen. Insofern ist die heutige Reaktion typisch, eine verhaltene Vorsichtsreaktion in DAX und Euro, ohne aber schon grundlegenden Schlussfolgerungen zu ziehen - dafür ist es ja auch viel zu früh.

Achten wir nun also darauf, wie sich die Zwischentöne bei der Koalitionsbildung auswirken, erst wenn die zu scheitern droht und Unsicherheit steigt, wird der Markt wohl harsche Reaktionen zeigen. Die Wahrscheinlichkeit dass das passiert, ist nun aber höher geworden, obwohl es immer noch das Wahrscheinlichste ist, dass sich am Ende doch eine Koalition findet. Das dürfte aber wohl mindestens bis in den November dauern.

Gestern hat also ein Langstreckenlauf mit Wahrnehmungsverzerrung begonnen, auch an den Börsen.

Richtig spannend wird es nun bei EURUSD. Charttechnisch konnte die SKS nun nicht negiert werden und die oben beschriebenen Fragezeichen dienen nicht der Stärkung des Euros. Einiges spricht also dafür, dass diese SKS nun bald triggert, dem entgegen stehen aber Fragezeichen in den US, die den Dollar schwächen.

Deutlich bärischer sieht der Euro zum britischen Pfund in EURGBP aus, das derzeit keine eigene Schwächephase hat und insofern zeigt dieses Bild klarer als EURUSD die Reaktion des Devisenmarkts auf die Wahl in Deutschland, denn das ist eine bärische Fortsetzungskonsolidierung, die wir da sehen:

Spannend wird auch sein, wie die Anleihen der Euro-Südländer reagieren, aber auch dort ist die Reaktion heute noch sehr verhalten, kein Wunder bei so bullischen Interpretationen wie oben gezeigt.

Alles in allem macht diese Wahl und die vorhandene Wahrnehmungsverzerrung zur deutschen Stabilität, die mittelfristige Anlage für uns nicht einfacher.

Wir haben nach wie vor einen Bullenmarkt, gute Konjunktur und sehr resiliente Märkte, die kaum etwas in Unruhe versetzen kann und immer die bullische Interpretation nach vorne stellen, wie wir das heute wieder gesehen haben.

Wir haben aber auch weiter das Fehlen einer echten Korrektur - selbst im September noch - haben diverse geopolitische Brandherde und mit der Wahl als deutsche Anleger nun einen weiteren Risikofaktor, der grösser zu sein scheint, als es die ausländischen Investoren derzeit wahrnehmen.

Was da zu tun bleibt ist weiter dieser schwierige Kompromiss zwischen Mitgehen (und nicht zu bärisch werden) bei doch vorhandener grosser Aufmerksamkeit und Vorsicht, der uns schon das ganze Jahr 2017 begleitet. So ein Environment macht es Anlegern schwer, aber das ist nun einmal der Markt den wir haben.

Bis später!

Ihr Hari

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Der Erkenntnisprozess von Börsen und Politik



Zum Zusammenspiel zwischen Börsen und Politik, gibt es viele Fehlkonzeptionen. Die Eine ist der Spruch von den politischen Börsen die kurze Beine haben, denn dieser ist richtig und falsch zugleich - er verkennt den wahren Zusammenhang.

Richtig ist der Satz, weil vieles von dem, was Politik so bewegt, an den weltweiten Märkten eher ein Schulterzucken auslöst.

  • Ob eine grosse Koalition oder eine Jamaika-Koalition gebildet wird? Schulterzucken bis auf geringe Branchenanpassungen.
  • Ob die AfD 5 oder 15% bei der Wahl hat? Schulterzucken.
  • Was mit "Horstie" und der CSU nun passiert? Schulterzucken.
  • Der Wirrwarr in der deutschen Bildungspolitik? Schulterzucken.
  • Ob in Deutschland 1 oder 2 Millionen Migranten dazu kommen? Schulterzucken.
  • Ob der Diesel nun in 2025, 2030 oder gar nicht verboten wird? Schulterzucken bis auf Einzelaktien.
  • Ob der Genderismus sich durchsetzt oder eine Marotte verirrter Wohlstandsbürger bleibt? Schulterzucken.
  • Die Rente mit 65, 67 oder 70? Schulterzucken.

Und so weiter und so fort. Ja, wenn es um all die Themen geht, die Politik gerne ins Schaufenster stellt, weil sie so schön greifbar sind, haben politische Börsen eher kurze Beine - das stimmt. Und selbst Krieg hat kurze Beine, solange man von einem baldigen Ende und begrenzten Folgen ausgehen kann.

Aber falsch ist der Satz auch, denn es gäbe da schon grundlegende Entwicklungen, die den Markt so richtig in Wallung bringen würden und das nicht nur kurzfristig. Und das sind die grossen tektonischen Verschiebungen.

  • Ob Deutschland weiter den (via EZB) Transfermechanismus Richtung Südeuropa stützt?
  • Ob Deutschland vom stabilen Zentrum der Währungsunion zum Wackelkandidaten wird?
  • Ob die von Macron gewünschte Vertiefung der Eurozone eine Chance hat?
  • Ob Deutschland eine wirtschaftsfreundliche Regierung bekommt oder das Gegenteil?

All das hat erhebliche Auswirkungen auf die Märkte, sobald sich da Entwicklungen anbahnen. Und das sind keine kurzfristigen Auswirkungen. Nein, was das angeht, haben politische Börsen ganz lange Beine, die Eurokrise beschäftigt uns ja nun auch seit Jahren.

Wenn man so will, schaut der Markt bei der Politik eben hinter die Fassade. Er unterscheidet zwischem dem täglichen politischen Hin und Her und den grundlegenden Entwicklungen bei den Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Finanzen. Der Rest ist den Märkten egal, das sind aus Sicht der Märkte sozusagen "Orchideenthemen für die Talkshows" oder von rein nationaler Bedeutung.

Die beste Politik ist für die Märkte eine, die gar nicht stattfindet, in der die Politik also ihre Finger aus Wirtschaft und Finanzen lässt. Diese Weisheit ist nach wie vor gültig.

Und weil das so ist, sind die Folgen der Bundestagswahl auch so spannend. Das von mir -> hier <- beschriebene Risiko eines Scheiterns der Regierungsbildung, ist mit dem gestrigen Abend erheblich wahrscheinlicher geworden. Denn die SPD hat sich aus der klein-grossen Koalition zurück gezogen und Jamaika ist alles andere als einfach und immer noch unwahrscheinlich.

Möglicherweise wird sich die SPD am Ende aus "Staatsräson" doch bitten lassen, aber eine stabile Regierungsbildung ist nun definitiv nicht mehr sicher.

Diese Erkenntnis trifft auf einen Markt, der was das angeht zu sorglos war. Und auch heute merkt man in den Kommentaren der internationalen Pressen immer wieder, dass auf den "Sieg" von Angela Merkel abgehoben wird und die anderen Entwicklungen unter dem Motto "wird schon werden" abgehakt werden. Das Zutrauen in das "weiter so" ist gross, dabei ist ein "weiter so" nach meiner Wahrnehmung endgültig vorbei.

Wir stehen nun also vor einem langsamen, inkrementellen Erkenntnisprozess der Marktteilnehmer, der stark von der Positionierung der Politik beeinflusst werden wird. Solange "Jamaika" realistisch erscheint, gibt es keinen Grund für Sorgen, diese Koalition wäre für den Markt im Saldo nicht schlechter als die "Groko".

Sobald aber im Verlauf klar werden sollte, dass Deutschland nun zum politisch unsicheren Kantonisten wird, wird das erhebliche Auswirkungen auf den Euro und die Eurozone haben.

Es wird spannend für uns werden, diesen Erkenntnisprozess nun in den nächsten Wochen zu beobachten. Politische Börsen können schon lange Beine haben, aber eben nur wenn es an das Grundsätzliche geht, an die Grundlagen von Wirtschafts- und Währungspolitik, an die Ordnungspolitik.

Mit einer Jamaika-Koalition, würde an diesen Grundlagen wenig geändert werden, es würden nur in Nuancen ein paar Schwerpunkte verschoben. Und mit einer doch klein-grossen Koalition, würde sich erst recht nichts ändern. Insofern hat der Markt recht noch ruhig zu bleiben.

Wenn aber gar keine Koalition möglich sein sollte und Deutschland auf Instabilität und Neuwahlen zusteuern sollte, dann wird das nicht folgenlos an den Börsen bleiben. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios ist nun deutlich gestiegen, das verstehen wir nun besser, als die US Investoren die vor allem in der Kategorie" Merkel denken. Dabei hat die "Rautendämmerung" mit dem gestrigen Sonntag richtig Fahrt aufgenommen.

Spannende und bewegte Zeiten liegen definitiv vor uns!

Ihr Hari

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Jens Rabe trifft Michael Schulte



Jens Rabe von -> Optionsstrategien.com <- - der auch hier bei Mr-Market Mitglied ist - hat mit mir Ende Juli in Zwickau ein Interview geführt.

2 Teile davon konnten Sie schon in seinem -> Youtube-Kanal <- sehen.

Nun ist hier das komplette Video am Stück, inklusive neuer Teile, die bisher noch nicht zu sehen waren.

Darin unter anderem eine Darstellung, wie ich 2008 den Lehman-Crash erlebt habe, ein Gespräch über unsere Emotionen und unser "Affenhirn", sowie eine ausführliche Sicht auf Tesla und warum ich denke, dass die Bullen und Bären da aneinander vorbei reden.

Wichtig ist noch der Hinweis, dass wir das Video ohne jegliche inhaltliche Vorbereitung einfach adhoc abgedreht haben. Nichts war abgesprochen und ich wusste nicht, was Jens Rabe mich konkret fragen würden. Sie hören hier also "O-Ton frei Schnauze", so wie ich halt rede, wenn man mich fragt. 😉

Ich danke Dir Jens für einen schönen Tag in Zwickau und Ihnen wünsche ich viel Spass beim Anschauen!

Ihr Hari

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Ruhiger Wochenschluss



Eine interessante Frage ist, was man am späten Nachmittag wünscht. Für "guten Abend" ist es zu früh, für "Mahlzeit" zu spät und "guten Tag" ist auch nicht mehr recht passend, wenn der Tag fast vorbei ist. Nun gut, sagen wir einfach:

Einen verfrühten guten Abend! Wenn Sie das lesen, ist es wohl auch schon Abend. Denn hier oben beginne ich um 16:30 Uhr zu schreiben und unten ist es dann eher 18:00 Uhr.

Der letzte Bericht dieser Woche wird lang, aber nicht ganz so lang wie sonst. Das liegt nicht an mangelnder Lust - ich habe an einigen Stellen dieser Woche ja wieder weit ausgeholt 😉 - sondern es liegt am trägen Markt, der nicht viel Berichtenswertes produziert.

Wenn nichts völlig Überraschendes passiert, steht uns also ein träger Wochenschluss bevor, zu dem man nicht mehr unbedintgt anwesend sein muss. Die Woche bracht im Saldo das von mir erwartete Ergebnis - einen starken DAX mit dem man Geld verdienen konnte und neutrale US Indizes.

Die seit Monaten herbei gewünscht Korrektur steht weiter aus, James DePorre bringt die Lagebeschreibung -> hier <- mal wieder auf den Punkt:

Despite the North Korean situation, two major hurricanes, political chaos in Washington, central banker rumination and seasonal weakness, the indices remain quite sedate.

The pattern for a while has been a one-day selloff followed by a quick recovery and then very limited volatility. The dips create some hope that we finally will see increased volatility, but it dries up quickly and we end up with action such as yesterday when the indices barely budged and breadth was dead flat.

The bears use this action to predict that the market is set up for the long-awaited correction, but they keep waiting for it to come to fruition. The market keeps shrugging off the bearish arguments and the computer algorithms continue to operate with a bullish bias.

Genau so ist der Markt schon das ganze Jahr und deshalb lohnt es sich auch weiter davon auszugehen. Zur kommenden Woche habe ich mir noch keine Gedanken gemacht - das mache ich immer erst am Sonntag Nachmittag - aber Eines kann man weiter klar sagen:

Wir haben eine starken Markt vor uns. Und auch wenn nun irgendwann endlich mal eine 5-10% Korrektur kommen würde, wäre es immer noch ein starker Markt. Da die Lage nach so einer Korrektur aber viel zu einfach wäre, sollten wir davon ausgehen, weiter mit dem Fehlen derselben leben zu müssen und einen Markt zu erleben, der sich weiter "hochwürgt". Übung darin, sollten wir nun ja haben. 😉

Kommen wir zu ein paar lockeren Marktbeobachtungen.

Aus der Kategorie "wenn man vom Teufel spricht" kommen die Pluszeichen, die der Finanzsektor heute aufs Parket legt, auch im ETF XLF zu sehen:

Ich halte das für klassische "Mean Reversion", genau wie heutige Abgaben bei den Tech-Bluechips. Grosse Schlüsse daraus ziehe ich nicht, die genannten Trends bleiben erhalten.

Darüber hinaus korrigiert heute der ganze Rohstoffsektor mal wieder, von Öl über Kupfer bis zu den Edelmetallen. Auch das ist aber erst einmal nur "Mean Reversion" für mich und löst ein Schulterzucken aus. So ist er eben der Markt, eine Richtung in einem trendenden Markt entsteht durch 2 Schritte vor und einen zurück und nicht durch ein langes, gleichmässiges Pressen in eine Richtung.

Der französische Rüstungshaushalt wird -> 2018 erheblich aufgestockt <-, Schulz hat dagegen das Wunschdenken des "Frieden schaffen ohne Waffen" wieder als Wahlkampfschlager entdeckt. Retro kann er eben der Martin. 😉
[Ich weiss, das ist ganz fies, aber der musste sein - verzeihen Sie mir. ;)]

Den französischen Luftfahrt und Rüstungsaktien wird es nicht schaden, hier sind drei langfristige Charts mit Monatskerzen von Thales, Safran und Dassault.

Der Markt weiss das aber alles schon seit Jahren und gewährt praktisch keinen einfachen Einstieg mehr, bestenfalls bei Dassault war eine Chance da, die sind aber auch in der zivilen Luftfahrt stark. Genau das - keinen mehr rein zu lassen - zeichnet einen starken Bullenmarkt aus!

Irgendwo ist eben immer ein Bullenmarkt, man muss nur genau hinschauen und in dem Sektor haben wir das wahrlich seit Jahren getan!

Ob es so weiter gehen kann, da bin ich zwiespältig. Die Faktoren die den Sektor treiben, bleiben mit hoher Sicherheit erhalten. Insofern drin bleiben kann man. Aber grosse Sprünge würde ich bei den grossen Werten nun nicht mehr erwarten, da ist schon eine Menge Erwartung eingebacken.

Wie schon gesagt würde ich mittelfristig nun eher auf die Unternehmen der zweiten Reihe schauen, wie zum Beispiel die vor Monaten im März in -> mühsam <- genannten Harris (HRS), Hexcel (HXL), FLIR (FLIR) und Heico (HEI).

Die sind zwar bis auf FLIR in den letzten Jahren auch alle schon sehr gut gelaufen, aber so kleine Unternehmen haben einfach mehr Wachstums- und Überraschungspotential, inklusive von Übernahmephantasie. Hier sind die Charts dazu:

Sunpower (SPWR) zerlegt es heute massiv und der Kurs testet die Trendlinie, als Ursache kann ich nur einen Downgrade erkennen:

Die anderen Aktien im Sektor bleiben aber weitgehend stabil, was immer es ist, es scheint lokal zu sein. Diese Stabilität im Lichte einzelner schlechter Nachrichten, ist für den Sektor ein positives Zeichen.

Die Cyber-Security Aktien springen wie Pawlowsche Hunde hoch, weil Equifax gehackt wurde - schön am Marktführer Symantec (SYMC) zu sehen:

Ich persönlich halte wenig von solchen Reaktionen, die Logik erschliesst sich mir auch nur begrenzt, ich vermute daher eher automatische Systeme dahinter, die auf Nachrichten reagieren.

Und am Schluss, wenn ich vor dem Wochenende noch etwas Spass haben will, schaue ich mir immer mal gerne meinen Lieblings-Short an, die E-Coli-Spezialisten von Chipotle Mexicacn Grill (CMG). Sie wissen ja, dass ich da oft "put, put, put, komm zu Papa!" ausgerufen haben. Nun kann man langsam sagen:

Mission accomplished! 😛

Ich wünsche uns allen ein schönes Wochenende!

Ihr Hari

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Sommerpläne



Guten Morgen!

Wir haben Hochsommer und viele von Ihnen dürften im Urlaub weilen. Ich merke das auch an zurück gehenden Klickzahlen auf die Artikel im internen Bereich.

In dem Zusammenhang wollte ich Ihnen ja noch eine Info geben, wie ich mit der Auswertungsthematik nun umgehe. Nun, ich habe im Ergebnis kein Tool gefunden, das mich wirklich überzeugt bzw das mir Daten liefert, die mich wirklich interessieren.

Insofern ist die einzige Erweiterung die ich nun auf Ebene Ihrer Klicks habe ein schlichtes, anonymes Zähltool, das mir zeigt wie oft ein Artikel angeklickt wurde. Nicht von wem, sondern nur wie oft. Dabei gilt eine Lockup-Periode von einem Tag. Wenn also innerhalb eines Tages die selbe IP-Adresse wieder klickt, wird es nicht mehr gezählt. Erst wenn Sie am Folgetag wieder auf den Artikel gehen, erhöht es den Zähler.

Noch im Mai und Juni hatte ich bei den regulären Premium-Artikeln eine Klickquote von 70-80%. Heisst die Anzahl der Aufrufe am ersten Tag entspricht 70-80% der Mitglieder. Das ist ein normaler bzw guter Wert, Werte von 90-100% sind irreal, denn irgendjemand hat immer keine Zeit, ist auf Reisen, ist krank, hat kein Interesse oder was auch immer Gründe sein können, warum man nicht mitliest.

Diese Quote ist nun im Juli auf 50% gefallen. Genau das ist der Hochsommer mit seinen Ferien. 😉

Für mich macht es aber keinen rechten Sinn, mit voller Energie dabei zu sein, wenn nicht mal die Hälfte von Ihnen überhaupt liest und nur weil ein Klick gemacht wurde, heisst es ja auch nicht zwingend, dass der Artikel gelesen wurde.

Es ist also sehr sinnvoll, dass ich über den Sommer zwar jeden Börsentag präsent bin und Sie sich insofern darauf verlassen können, immer eine gewisse Begleitung hier zu finden. Ich mich aber gleichzeitig freier mache und mir Luft verschaffe.

So wird das dann 5 Wochen lang in meinem klassischen Ferienmodus vom 31.07. bis 01.09. sein, der mit den ersten 5 Wochen der bayrischen Schulferien korreliert. In dieser Zeit werde ich mich im Mittel einmal pro Tag mit einem Artikel melden, der aber nicht mehr in einem festen Rhythmus sondern dann, wenn ich dazu Zeit und Lust habe.

In den 2 Wochen bis zum Beginn des Ferienmodus, als den nächsten Handelstagen, werde ich langsam "loslassen" und die Menge meiner Themen und Artikel herunter fahren. Es wird in den kommenden beiden Wochen weiter einen Morgen-Artikel und einen Nachmittag/Abend-Artikel geben, der sich vor allem mit den Quartalszahlen beschäftigt. Die Artikel ausser der Reihe zu Grundlagenthemen, werde ich aber zunehmend sein lassen und spare mir das lieber auf, wenn alle da sind. Ab und zu werde ich im Sinne "Perlen Reloaded" mal einen alten Artikel aus der Versenkung holen.

Ihr Input zu -> Sonderthemen <- ist weiter wichtig und ich werde auf alle Wünsche auf die eine oder andere Art und Weise eingehen. Nur eben nicht zwingend und vollständig gleich jetzt, wo viele in Urlaub sind. Ich werde die Beantwortung ganz locker über Sommer und Herbst streuen. Bitte machen Sie also mit Ihrem Input weiter!

Also in Kurzform. In den kommenden zwei Wochen werden meine Texte etwas kürzer und erscheinen aber zuverlässig Morgens- und Nachmittag/Abends zum Markt. In den 5 Wochen des Ferienmodus gibt es nur eine Wortmeldung am Tag von mir, ich bin aber da und wenn es im August tatsächlich mal "Katzen regnen" sollte wie weiland am 24.08.15, dann werde ich auch präsenter sein und das entsprechend begleiten. Aber nur dann. Die Kolumnisten machen weiter was sie wollen und ihrem eigenen Rhythmus, auf den ich keinen Einfluss nehme.

Ab 03.09. ist der Blog dann wieder im Modus "Alarmstufe Gelb", denn dann gehen die 4 ereignisreichsten und wichtigsten Börsenmonate des Jahres los, bis Weihnachten schnell auf den Radar kommt.

Soweit meine Sommerpläne zu Ihrer Kenntnis.

Der Markt wirkt unverändert zum Status der letzten Woche. Wie ich ja schon vor einer Woche antizipiert habe, sind wir mitten in einer typischen Stärkephase, die mit dem Beginn der Quartalssaison korreliert und typischerweise im August ein Ende findet.

Im SP500 sehen wir einen sauberen Ausbruch aus der Flagge, der nun zu neuen Hochs geführt hat:

Ein weiterer Ablauf des Sommers und Herbst könnte also rein spekulativ so aussehen:

Sie sehen eine August- und Herbstkorrektur und das alles eingebettet in eine grosse Konsolidierung, die dann zum Jahresende doch in einen Run auf neue Hochs überleitet.

Ich betone erneut, es ist ein reines Szenario. Es ist aber - und das ist wichtig - im Moment das "bärischte" Szenario, das ich mir derzeit vorstellen kann. Auf gut Deutsch, ein echter scharfer Einbruch, ist zwar immer eine Restwahrscheinlichkeit, aber bei mir für 2017 bisher nicht ernsthaft auf dem Radar der Möglichkeiten.

Nun kann man fraglos sagen, dass so eine Haltung gefährlich ist, aber ich bin ja nicht der Markt. Im breiten Markt sehe ich weiter viel Angst vor so einem grossen Einbruch, was sein Eintreffen eher unwahrscheinlich macht.

Auf der positiven Seite dagegen, kann der Markt in meinen Augen viel eher überraschen. Vielleicht verweigert er sich ja weiter so einer Konsolidierungsstruktur und schiebt weiter hoch - das halte ich für eine recht realistische Möglichkeit.

Wir dürfen bei all den Szenarien also nicht vergessen, dass wir weiter in einem klaren Bullenmarkt sind. Sich gegen den Markt zu stellen, ist weiter der grösste Fehler den man machen kann.

Diese Woche geht die Bilanzsaison richtig los, heute folgen über Mittag Blackrock (BLK) und Telenor und nach Handelsschluss dann Netflix (NFLX).

Aus China kamen heute Nacht schon positive Daten zur Industrieproduktion und dem BIP, dort passiert genau das Erwartete, hin zum grossen Parteitag gibt sich der gelenkte Staats-Kapitalismus keine Blöße.

Im weiteren Verlauf stehen heute um 11 Uhr die Verbraucherpreise der Eurozone an, ansonsten ist dieser Tag eher ruhig.

Passend zu China laufen die grossen Rohstoffwerte in ihrer Struktur immer weiter, hier Rio Tinto, die ich vor 2 Monaten und zuletzt vor 5 Tagen in -> Yellen_Day again <- schon als Ausbruchskandidat genannt hatte. Nun sind wieder ein paar Prozent dazu gekommen und das Chart sieht so aus:

So weit an diesem Morgen, bis heute Nachmittag!

Ihr Hari

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Perlen Reloaded – Ein Börsentag im Leben des Hari



Der Blog existiert nun seit Ende 2011 und es wurden darin Unmengen Grundlagen-Artikel geschrieben. Bis Ende 2015 hatten wir ja auch das alte Blogformat, in dem pro Woche alles in ein grosses File geschrieben wurde und dadurch schlechter zu finden war.

Ich habe zwar in einer grossen Fleissarbeit Referenzfiles erstellt, die man unter -> Wissenswertes für Neueinsteiger <- in einem Archiv finden kann und eine Sektion -> Grundlagen <- des neuen Einzelartikelformats seit November 2015. Beides werden aber nur sporadisch besucht, auch viele neue Mitglieder, werfen da wohl keinen Blick herein. Dabei gibt es auch in den alten Artikeln jede Menge auch heute Lesenswertes und Grundsätzliches. Ich erwecke deshalb in der lockeren Reihe "Perlen Reloaded", jeweils einen alten Artikel wieder zum Leben.

Hier ist der fünfte Artikel dieser Reihe, eine Darstellung eines normalen Tagesablaufs bei mir. Ich habe einige geringe Änderungen gegenüber dem Originalartikel aus 2014 vorgenommen, die den Inhalt aber nicht ändern, sondern ihn nur der Aktualität anpassen. So habe ich damals halt noch meinen Sohn zum Kindergarten gefahren, nun bringe ich ihn zum Schulbus.

Sie werden erkennen, dass es beim Thema keine "Geheimnisse" gibt, ich habe auch keine geheimnisvollen "Tools". Entscheidend sind die Dinge, die von Grünen wie Joschka Fischer als "Sekundärtugenden" verunglimpft wurden, "mit denen man auch ein KZ führen könne": Fleiss, Disziplin, Struktur im Handeln. Kurz harte Arbeit, genau das was ein Agitator nie gelernt hat. 😉

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Freitag 07.03.14 12:00 – Ein Börsentag im Leben des Hari

Im Forum war zuletzt die Bitte, doch mal darzustellen, wie so ein normaler Börsentag bei mir abläuft. Dem will ich gerne nachkommen, passt ja auch in einige grundsätzlichen Thematiken.

Ich werde die Frage aber so interpretieren, dass aus der Erzählung für Sie auch ein Mehrwert wird. Denn klar ist es eine nette Anekdote zu hören, dass ich in der Regel um 6.30 Uhr aufstehe, dann bei einem Kaffee die Börsengeschehnisse der Nacht an meinem Tablet lesen, mir dann anschaue, was einige weitere Nachteulen im Forum geschrieben haben, dann meinen Sohn zum Schulbus bringe, bevor ich mich nach Körperpflege gegen 08:00 Uhr vor meine diversen Schirme setze und den Börsentag real beginne.

Nur bringt Ihnen das ausser einer netten anekdotischen Geschichte nichts. Denn meine Lebensumstände sind nicht die Ihren und die wenigsten Mitglieder haben den ganzen Tag Zeit, sich mit den Märkten zu beschäftigen. Die meisten werden Börse in ihren sonstigen Tag irgendwo hinein schieben.

Deswegen will ich das Thema nutzen, um Ihnen klar zu machen, dass egal wann und wie lange Sie sich mit Börse beschäftigen, es immens wichtig ist, dass Sie dabei feste Rituale und Abläufe haben.

Ich weiss, es wird selbst hier unter den Mitgliedern – und trotz meiner diversen Reden – bestimmt eine ganze Menge geben, die Börse eher aus der Warte von Unterhaltung betrachten. Sie beschäftigen sich also damit, wenn sie Lust haben. Und wenn nicht, dann nicht. Und sie lesen das, was sie interessiert. Und was mühsam ist und in was man sich einarbeiten müsste, das wird halt gerne liegen gelassen. Diese Anleger verhalten sich wie eine Biene, die fröhlich, unverbindlich und summend, von einer Blüte zur nächsten fliegt, ohne je länger zu verweilen. Und im Zweifel wird es der Hari mit einem Kommentar schon richten, bis dahin kann ich ja fröhlich summen. Zumindest glaubt die Biene das. 😉

Wenn Börse für Sie eine Form von Unterhaltung ist, ist das ja auch völlig in Ordnung. Börse und Wirtschaft ist extrem unterhaltend und besser als sich vom platten Fernseh-Geschehen berieseln zu lassen, ist die Zeit damit allemal verbracht !

Nur eines muss ich Ihnen ganz klar sagen: es ist ein Irrglaube zu denken, so würde sich Börsenerfolg und ein dauerhaft schön grünes Depot einstellen. Die Suche nach der schönen Blüte, die einen mit einem Klick reich macht, wird unerfüllt bleiben. Und wenn Sie durch Zufall mal auf einer solchen Blüte landen, werden sie nicht lange dort bleiben und weiter summen, weil woher sollen Sie denn wissen, genau da nun zu verweilen ?

Nein Börsenerfolg ist Arbeit, da will ich klar und deutlich jede Illusion rauben. Und das gilt uneingeschränkt für das "Traden", ebenso wie für das "Investieren". Zu "investieren" und dann die Augen zu verschliessen und sich nicht mehr zu kümmern, ist nicht investieren, sondern schlichte Bräsigkeit. Buffett ist nicht dadurch reich geworden, dass er sich um seine Investitionen nicht mehr gekümmert hat.

Und Arbeit am Börsenerfolg kann ungeheuren Spass machen und auch unterhaltend sein – ich liebe das, was ich mache, es ist mein Leben. Aber ohne Fleiss, Disziplin, Routine und die Bereitschaft zu ackern, wird sich kein Erfolg einstellen. Das ist bei Börse nicht anders, wie bei jedem anderen intellektuell anspruchsvollen Beruf.

Und deshalb ist es immens wichtig, dass Sie feste Abläufe und Rituale haben, die sie immer wieder ausführen und die damit Ihr Handeln in geordnete Bahnen lenken. Und diese definierten Abläufe muss jeder haben, auch der Anleger, der bestenfalls eine Stunde am Tag hat. Und es ist auch für alle die Möglichkeit vorhanden, nur die Menge und die zeitliche Position, passt sich halt den Lebensumständen an.

Während ich also jeden Tag bestimmte, umfangreiche Rituale durchlaufe, wird das ein langfristiger Anleger vielleicht alles am Samstag einmal die Woche zusammen fassen und an dem Tag gleichzeitig Nachbearbeitung der abgelaufenen Woche und Vorbereitung für die kommende Woche durchführen. Und natürlich wird die Menge der Dinge, die da angeschaut werden, wesentlich kleiner sein, als bei mir. Am Prinzip ändert es aber gar nichts.

Was sind denn nun die Dinge, die idealerweise „ritualisiert“ regelmässig nach dem gleichen Schema ablaufen.

Die Watchlist

Ich habe das ja schon mehrfach thematisiert, es macht keinen Sinn überall mal „mitschlecken“ zu wollen. So läuft man nur den Themen hinterher, die eigentlich schon ausgelutscht sind. Es macht dagegen Sinn, sich nach irgend einer Logik ein Universum an Aktien und ETFs zu definieren, das man dann auch dauerhaft und intensiv verfolgt. Und aus diesem Universum, entwickeln sich dann auch die konkreten Handlungen am Markt.

Die Informationsquellen

Gerade im weiten Meer des Internets, kann man vom „höcksken aufs stöcksken“ kommen und am Ende trotzdem nur Unsinn und Plattheiten gelesen haben. Es ist wichtig, sich eine begrenzte Menge zuverlässiger Informationsquellen für die Börsen zurecht zu legen, und die aber auch wirklich jedes mal konsequent und diszipliniert durch zu gehen.

Zukünftige Termine

Der Markt hat immer eine Menge an Terminen und Ereignissen in der nahen Zukunft, die ihn absehbar bewegen werden. Diese nicht zu kennen und sich nicht immer wieder vor Augen zu führen, ist grob fahrlässig.

Die Bewegungen des Marktes

Die wichtigsten Hinweise geben uns oft keine externen Informationsquellen, sondern der Markt selber. Deswegen sollte man Marktphasen nachbearbeiten und genau schauen, ob einem da Besonderheiten auffallen. Das kann die Suche nach den Aktien mit den grössten Gewinnen und Verlusten sein. Oder die Suche nach Aktien mit neuem All-Time-High. Es können Sektorenanalysen sein, um zu erkennen, welche Themen der Markt gerade liebt. Oder eine statistische Auswertung der eigenen Watchlist.

Der Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt und die Daten die man sich anschaut, sollten natürlich mit der Strategie zu tun haben, die man verfolgt. Aber eine gewisse Menge an standardisiertem Input, braucht jeder unbedingt.

Die Dokumentation und Reflektion

Man kann nur dann aus seinen Fehlern lernen, wenn man hinterher noch weiss, wann und warum man sie gemacht hat. Deswegen sollten wir unsere Handlungen in geeigneter Form dokumentieren. Das ist höchst individuell, für die einen eine reine Excel-Statistik, für die anderen ein richtiges „Trader-Tagebuch“. Aber wir müssen uns notieren, was wir gemacht haben, damit wir später überhaupt daraus lernen können.

Soviel zunächst um Ihnen eine Idee zu vermitteln, wie ein Börsentag bei mir aussieht. Ich könnte endlos so weiter machen. Ich denke sie wissen, worauf das hinausläuft. Sie brauchen definitiv ihren eigenen Rhythmus und eine Regelmässigkeit bei der Informations-Gewinnung und Verarbeitung. Man könnte auch sagen, Sie brauchen eine Professionalisierung Ihres Handelns an den Märkten, falls Sie diesen Schritt nicht schon getan haben. Machen Sie sich unbedingt darüber Gedanken und seien Sie ehrlich zu sich, ob Sie vielleicht doch noch ein „freischaffender Künstler“ sind, die/der voller Freude von einer Blüte zur nächsten summt. 😉

Ich kann es nur wiederholen, als „freischaffender Künstler“ ohne Strategie und System, sind die Märkte zwar extrem unterhaltsam, auf einen grünen Zweig kommt man aber nicht.

An dieser Stelle will ich Ihnen auch noch einmal klar machen, welchen fast unbezahlbaren Wert "Hari Live" für Sie hat. Denn ich nehme Ihnen eine Menge dieser zeitaufwändigen Arbeit, ja mit den Inhalten und meinen Kommentaren ab. Damit kann ein Feierabend-Anleger durchaus zu einem Gefühl für den Markt kommen, das man normalerweise nur mit viel mehr Zeitaufwand selber erlangen könnte. Sie profitieren also von dem Zeitaufwand und den Ritualen, die ich selber jeden Tag durchlaufe, weil ich meine Schlussfolgerungen an Sie teilweise weitergebe.

Trotzdem darf Mr-Market für Sie nur eine Informationsquelle sein – vielleicht die Wichtigste, aber nur eine. Und Sie brauchen eine Systematik und Rituale, die Sie auch ohne Mr-Market weiter führen können. Sie brauchen eine eigene Systematik und Regelmässigkeit, die zu Ihren Lebensumständen passt und trotzdem mit dem Markt in Einklang ist!

Machen Sie sich darüber mal Gedanken, ob Sie schon genügend gut organisiert sind, damit Börsenerfolg überhaupt entstehen kann. Die kommenden Wochen des Sommers, sind dafür ja die ideale Situation zum „Üben“. 😉

Im Forum war der Wunsch, dass ich eine konkrete Checkliste liefere, was ich alles mache. Das wäre aber erstens viel zu viel Aufwand, weil ich vieles überhaupt erst erklären müsste. Und zweitens hat es sowieso keinen Sinn, weil meine Strategie und Umstände sind nicht exakt die Ihren. Parameter auf die ich schaue, kennen Sie zu einem guten Teil, weil ich hier darüber geschrieben habe. Informationsquellen auch. Sie sind absolut in der Lage sich das zusammen zu stellen, was zu Ihnen passt. Und das ist auch das Einzige was zählt: das was zu Ihnen passt !

Ihr Hari

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Alles versandet



Es scheint diese Woche nicht tragisch zu sein, dass ich durch meine gesundheitlichen Beschwerden gerade etwas gehandicapt bin. Denn im Markt scheint alles zu versanden, er wirkt wie festgetackert.

Nehmen wir Gold als Beispiel. Gestern der Einbruch, heute der vermutliche "Rückkauf", falls es ein "Fat Finger" war. Im Saldo nichts passiert. Wer die erste Bewegung ernst genommen und darauf reagiert hat, ist angeschmiert.

Oder der DAX. Immer wenn man denkt, nun würde der Index mal zusammen fallen - heute früh sah es wieder kritisch aus - kommt zuverlässig die Gegenbewegung und hält den DAX in der Range, immer nah am Abgrund entlang. Wer die erste Bewegung des Tages ernst genommen und darauf reagiert hat, ist angeschmiert.

Oder der SP500. Vom Hin und Her Anfang letzter Woche abgesehen, ist der nun so eng zusammen geschnurrt, das nicht mehr viel Raum für Bewegung bleibt. Das reicht aber scheinbar, auch heute wird jede Bewegung schnell wieder ins Gegenteil verkehrt und am Ende versandet alles. Wer hier auf irgendeine Richtung wettet, ist angeschmiert.

Und so könnte ich weiter machen. Unter normalen Umständen würde so ein Marktverhalten am Ende so einer langen Rallyphase einem die Nackenhaare aufstellen, denn dieser Momentumverlust kommt typischerweise vor dem dann folgenden Abschmieren und Einbruch.

In diesem von Algos dominierten Markt, ist diese Schlussfolgerung aber nicht mehr valide und wir sollten besser gar nichts hinein interpretieren. Der Markt ist das was er scheint, richtungslos und alle Bewegungen versanden lassend. Und solange er das ist, versuchen wir nicht im Markt zu finden, was nicht da ist.

Wenigstens ein mächtiges Signal gab es aber heute. Draghi hat -> den Euro hoch geredet <-, weil er wenigstens anfängt, über Anpassungen an den geldpolitischen Stimulus zu reden.

Wie absurd die Lage dabei in Deutschland schon geworden ist, habe ich in Twitter verlinkt. Ifo auf Maximum und Renditen der 10-jährigen Bunds auf Minimum - das passt eigentlich nur im Delirium zusammen.

Natürlich muss die EZB für die ganze Eurozone agieren und deshalb eine Mittelposition zwischen starken und schwachen Volkswirtschaften einnehmen. Von einer Mittelposition kann aber in meinen Augen schon lange keine Rede mehr sein, Draghi hält sein Heimatland am Leben, so einfach ist das. Immerhin will er da ja wieder zurück, während ihn Frankfurt nach Ende seiner Amtszeit wohl kaum oft wiedersehen wird. "Blut ist dicker als Wasser" heisst es im Volksmund und das heimatverbundene Erwägungen hier auch eine kleine Rolle spielen, entspricht dem gesunden Menschenverstand und wäre nur menschlich, auch ohne Draghi da irgendetwas unterstellen zu wollen. Nein, ein Freund der Politik dieses Mannes werde ich nicht mehr.

Der Euro hat die potentielle Topformation zum Dollar auf jeden Fall mit Macht negiert und deutet nun weiter nach oben:

Im grösseren Bild könnnte das nur eine Mittelkonsolidierung gewesen sein, an die sich nun eine weitere Aufwärtsphase anschliesst. Bei 1,15 steht dann aber ein ganz massiver Widerstand im Weg:

Was ist ansonsten am Markt zu berichten?

Passend zum "versanden" nicht viel. Solar korrigiert nun mal, was völlig normal und gesund ist, solange es verhalten bleibt und danach sieht es im Moment aus.

Auch im Biotech-Sektor sieht die Konsolidierung konstruktiv aus:

Ansonsten ist da nicht viel, das mich anmacht und mich motivieren würde, hier aktiv zu werden.

L Brands (LB) kriecht schön hoch, wurde schon im Forum erwähnt. Das könnte was werden, 100% überzeugt bin ich aber nicht:

Eine ähnliche Struktur hat AK Steel (AKS) nun, wobei sich meine Motivation mich da zu exponieren noch in Grenzen hält, das kann auch nur eine schwache Gegenbewegung sein:

Ja und zum Schluss mit CARA und ESPR noch der erneute Beweis, dass ein starker initialer Schub entgegen des instinktiven Reflexes unseres Affenhirns (Mist verpasst) ein Anfang und kein Ende ist. Beide steigen weiter nach oben, ESPR hat heute eine Hochstufung auf 60 bekommen.

Erneut, ich will diese Werte gar nicht speziell promoten, es sind kleine Biotech-Werte die halt massiv volatil sind. Ich will nur fest verankern, dass man solche Ausbrüche ernst und als Chance nimmt und nicht zu schnell beiseite legt. Stärke führt eben zu Stärke, diese beiden Charts zeigen es erneut:

Und klar, irgendwann wird auch hier eine scharfe Korrektur wie bei Inpinj (PI) heute kommen. Wer mit dieser Volatilität nicht umgehen kann, sollte solche heissen Reifen gar nicht erst anfassen:

Es gibt aber eine einfache Lösung dafür, die ich schon mehrfach empfohlen habe. Nämlich so wie ich das zuletzt auch in -> Der Tag an dem der Erfolg kommt <- beschrieben habe: Handeln Sie mit kleinen Positionsgrössen!

Wenn Ihre Positionsgrösse klein genug ist, können Sie solche Volatilität aushalten, ohne sich sofort "ins Hemd zu machen". So können Sie die Techniken üben und Sicherheit gewinnen und später können Sie die Positionsgrössen immer noch vergrösseren, wenn Ihr Affenhirn ein Gefühl für das entwickelt hat, worauf es sich bei so volatilen Momentum-Werten einlässt.

So weit an diesem ruhigen Tag, bis Morgen.

Ihr Hari

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Achtung Serverwechsel!



Guten Abend!

Heute Abend müssen Sie mit einem eher kurzen Marktbericht vorlieb nehmen, denn mich "plagen" eher unerwartete Serverprobleme. Mein Hoster (1und1) hat Mitte Januar neue Betriebssystem-Software auf den Server gespielt, weil dieses Upgrade mittlerweile unvermeidbar war.

Dummerweise ist mein alter Server, der als Dualcore mit nur 4GB eher schwachbrüstig war, damit aber offensichtlich überfordert, denn er steuert nun immer mal wieder in die Unerreichbarkeit und Überlastung, im Internet als "500 Internal Server Error" sichtbar.

Das Perfide dabei ist, dass es nicht die Last des Blogs ist, die die Überlast generiert, für diese Last war auch der alte Server mehr als in Ordnung. Es ist die Betriebssystem-Umgebung. Wir kennen dieses Spielchen ja aus Windows, wo neue Versionen immer neue Hardware erforderten und zum Upgrade zwangen, die Linux-Fraktion kann das aber offensichtlich auch. 😉

Lange Rede kurzer Sinn, ich bin deswegen gezwungen, auf einen grösseren Server zu wechseln, das wird nun ein klassischer Quad-Core Xeon mit 16GB sein. Und dieser Server-Umzug, zieht bei mir nun Aufwand in Form von vorbereitenden Aktionen, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Ich kann Ihnen auch nicht präzise sagen, wann der Wechsel über die Bühne gehen wird.

Mr-Market wird also in den kommenden Tagen mal für eine knappe Stunde nicht erreichbar sein. Wenn Sie das bemerken keine Panik, Sie kennen die Ursache. Sie können ganz gelassen sein, ich schwitze ja schon. 😉

Zum Markt ist es doch faszinierend. Gestern hat er wieder Sorgen verbreitet und ist an der unteren Begrenzung entlang geschrammt - gerade der DAX hat mit dem "Desaster" bei 11.500 geflirtet - und heute geht es wieder nach oben.

Wir kennen das Spiel doch mittlerweile, weswegen ich da auch so zurückhaltend bin und lieber abwarte. Man spürt fast, wie da kalte Algos einen bis kurz vor die Klippe führen, nur damit man "ugly bad of mostly water" dann vor Angst über die Klippe springt. Dann drehen die Algos wieder und fahren wieder gemütlich hoch - Cyberdyne Systems ich hasse Dich! 😉

James DePorre kommentiert das -> hier <- so:

The theory is that Donald Trump causes uncertainty and uncertainty causes market volatility. That seems quite logical -- but it isn't working. We have tight ranges, flat intraday action and limited movement, especially to the downside. We are seeing a record set for the length of time the S&P 500 has gone without a 1% pullback.

I suspect that this is due in large part to computer algorithms, which feast on very minor movements and indexing that help to suppress intraday swings. But it is still surprising that the dramatic headlines about all the political battles has had so little impact on the market.

As I've discussed, the media attacks on Trump have probably helped to put a bid under the market, as the hysteria causes poor positioning, but it doesn't explain how slow the intraday action has been at times.

Trotz der heutigen, frühen Stärke, ist im Markt nicht wirklich etwas Relevantes passiert, auch nach oben mitzugehen wäre falsch gewesen - das Schieben und Ziehen dauert an, ohne dass dieser Markt wirklich Land gewinnen kann.

Gold hält sich trotz des starken Dollars gut und gewinnt in Euro weiter hinzu, der Trend zeigt hier nun klar nach oben. Wenn es also ein Asset gibt, das nun ernsthaft unterstützt aussieht, sind es die Edelmetalle.

Insofern wenig Neues, so dass ich mich in aller Kürze ein paar Quartalszahlen zuwenden kann:

Der Traktorenbauer Agco liefert eigentlich -> gute Zahlen <- und steigt leicht weiter. Trotzdem sieht mir das nun zunehmend ausgereizt und korrekturreif aus:

Der hier mehrfach besprochene "World of Donald" Profiteur Aecom (ACM) bestätigt die gute Lage und wird nach Zahlen 4% hoch gekauft. Hier war der Dip wieder zu kaufen:

Unser Dividenden-Aristokrat Archer Daniels Midland (ADM) zeigt ein interessantes Verhalten. Die -> Zahlen enttäuschen <- aber eine kleine Dividendenerhöhung reicht für einen Intraday-Swing im Kurs, der ins Positive dreht. Wir sehen daran, dass ADM zu den Werten gehört, die derzeit niemand so richtig los werden will.

Auch Mosaic (MOS) zeigt ein ähnliches Bild, die Zahlen sind durchwachsen, der Markt kommt trotzdem damit zurecht, klares Zeichen für Aktien, in denen keine grossen Erwartungen stecken. Die Wendeformation bei MOS ist damit intakt:

So weit so kurz heute, das ist aber auch OK, der Markt ist derzeit von einem Charakter, der nicht unbedingt zu intensivem Handel einlädt.

Ich bastele jetzt am Server-Thema, machen Sie es gut bis Morgen!

Ihr Hari

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Halb was?



Die US Arbeitsmarktdaten kamen gut herein, weil 227K Jobs geschaffen wurden, mehr als erwartet. Aber waren sie das wirklich? Denn man kann sein Augenmerk auch darauf richten, dass die Arbeitslosgenquote leicht auf 4,8% hoch getickt ist, oder dass die Löhne nicht stark gestiegen sind. So liegt es wieder im Auge des Betrachters, on man das Glas als halbvoll oder halbleer bezeichnen würde - halb was? ist vielleicht die treffendere Definition.

Nimmt man das WSJ zum Massstab, hängt der Markt -> wieder eher der inversen Interpretation an <-, weil das der FED mehr Spielraum gibt und die Zinsen nicht so schnell erhöht werden müssen. Es könnte sein, dass das tatsächlich wieder das Spiel ist, das nun gespielt werden wird.

Was wir aber mit Bestimmtheit sagen können ist, dass wir in keiner Rezession sind, sondern die -> weltweiten Frühindikatoren eher gut aussehen <-, von der konkunkturellen Seite, ist derzeit kein Gegenwind zu spüren.

Und hilft uns das dabei einzuschätzen, wie es nun an den Märkten weiter geht? Nein, eher nicht. Denn der Markt ist ein konjunktureller Vorlaufindikator, der läuft schon nach unten, bevor es die Konjunkturdaten anzeigen und manchmal fallen die Konjunkturdaten dann auch später, weil der Markt vorher gefallen ist. Denn es ist keineswegs so, dass der Markt als Hund nur einseitig von den realwirtschaftlichen Daten des Herrchens abhängt.

Dieses Bild Kostolanys ist immer noch unglaublich beliebt, weil es so eingängig ist und dem Börsengeschehen im langen Bild eine scheinbare Berechenbarkeit und Nachrangigkeit gibt. Auch heute noch wird es deshalb von unzähligen Personen anekdotisch verwendet, auch von Otte und Co. und es ist trotzdem einfach falsch.

Wirtschaft wie Märkte sind vielmehr ein sich gegenseitig beeinflussendes System, der Markt beeinflusst die Notenbanken und auch die Realwirtschaft und diese wiederum den Markt. Ich habe das Beispiel der Geschehnisse 2008 ja schon oft gebracht, in dem die Realwirtschaft einknickte, weil die Börsen einknickten. Aufträge wurden in Wellen storniert, weil die Krise ausgerufen wurde und alle sich ins monetäre Schneckenhaus zurück zogen, nicht weil objektiv die Nachfrage weniger wurde. Wenn aber Aufträge aus der Erwartung schwerer Zeiten storniert werden, leidet die Realwirtschaft und die Stornierung beim nächsten Lieferanten in der Kette, ist dann keine Einbildung, sondern eine sehr Reale.

Und wenn man mal nachdenkt, statt einfach dieses Bild Kostolanys immer wieder unreflektiert nachzuerzählen, auch weil es einen so schönen Klang hat, werden einem sehr viele reale Szenarien einfallen, in denen Geschehnisse am Markt eine Anpassungsreaktion in der Realwirtschaft nach sich ziehen. Man muss dazu nur schauen, wie die Notenbanken nun ihre Politik datenabhängig gestalten und in Zeiten von "just in time" Logistik und einer vernetzen Welt, reagiert ein Manager doch nicht erst, wenn etwas nicht mehr lieferbar ist oder der Preis schon oben ist, er reagiert schon im Vorfeld, wenn sich die Entwicklung andeutet. Und was hat er dafür als Indikator? Sie ahnen es.;) Selbst der "Spiegel" hat das - > schon im Jahr 2000 begriffen <-, damals gab es da auch noch Redakteure mit Wirtschaftskompetenz. 😉

Um es klarer und einfacher zu formulieren: Das Bild davon, dass der Markt wie ein Messgerät "neben" der Wirtschaft steht und diese nur abbildet, ist viel zu simplizistisch. Richtig ist: Der Markt ist integraler Teil der Wirtschaft, denn über diesen finanziert sich die Wirtschaft ja auch und Preis wie Zins werden dort ausgehandelt. Mir ist unerklärklich, wie man überhaupt auf einen anderen Gedanken kommen kann.

So bleibt uns wieder nur zu schauen, was der Markt in der "Price-Action" macht, denn alleine die zählt. Und da sehen wir eine positive Reaktion im S&P500 und das Gap des Island Reversals, das nun endlich geschlossen ist:

Es ist faszinierend anzuschauen, nach wie vor haben die Bären keine Kraft den Markt mal nach unten zu drücken. Den Bullen fehlt bei aller Stärke, bisher aber auch das letzte Quäntchen, um nach oben richtig Land zu gewinnen. So sind wir - mal wieder - in einer nervigen aber gleichzeitig auch gefährlichen Phase, in der jederzeit eine starke Bewegung kommen kann, das tägliche Gewürge um Zehntelpunkte aber wenig inspirierend ist.

Wie gut und befreiend, wäre jetzt mal eine Korrektur! Das denken aber viele, warten darauf und deshalb kommt sie (erst mal) nicht - verdammter, fieser, reflexiver Mr. Market! 😉

Fakt ist auf jeden Fall, dass Trump den Dollar runter haben will und die FED nach Meinung der Spin-Doktoren nun Spielraum hat, die Zinsen nicht so schnell zu bewegen. Und das hat eine klare Konsequenz, EURUSD muss steigen. Und wenn wir auf das Chart schauen, weist die Struktur ja auch eher in diese Richtung:

Für Gold ist ein fallender Dollar natürlich ein Treibsatz und gut für den Kurs, ein echtes Eigenleben, hat das Edelmetall damit aber immer noch nicht. Als Objekt des Handels ist Gold ja aber auch entbehrlich, da gibt es für den Anleger und Trader genügend andere Opportunitäten. Als Notgeld und Alternativgeld ist Gold aber unersetzlich und Teil jedes grösseren und diversifizierten Depots, dann aber bitte physisch mit direktem Zugriff des Anlegers.

An Einzelaktien springt mir nun die Wright Medical Group (WMGI) ins Auge. Den Namen wird kaum jemand einordnen können aber doch, die habe ich hier im Sommer in -> Katastrophenhausse <- schon einmal angesprochen. Die Reaktion damals was aber null, leider auch von den vielen Medizinern, die wir im Blog haben, denn zumindest die Orthopäden und Chirurgen könnten die kennen. Hier ist der alte Beitrag:

Und zum Abschluss, will ich in schöner Tradition - und als Belohnung für alle, die bis hier unten durchhalten - mal wieder eine weniger bekannte Midcap-Aktie in den Raum werfen.

Wenig überraschend, ist es erneut eine Aktie aus dem Healthcare-Bereich, in dem man im Moment immer noch interessante Wachstums-Werte mit fairer Bewertung finden kann.

Es ist die -> Wright Medical Group (WMGI) <-, die sich, wie Sie der Website leicht entnehmen können, dem Thema der Orthopädie und dabei vor allem Chirurgie und Prothetik von Hand und Fuss verschrieben hat.

Die Aktie hatte vor wenigen Tagen Hochstufungen von Piper Jaffray und JP Morgan und hat nun dieses Chart:

WMGI 20.07.16

Zahlen kommen am 02. August. Schauen Sie mal darauf und sagen mir, was Sie davon halten. Vielleicht haben wir ja sogar Chirurgen hier, die deren Produkte kennen. Genügend Ärzte sind unter den Mitgliedern, wenn auch etwas scheu und zögerlich im Forum. 😉

Nun, es sind danach zwar keine Wunderdinge passiert, die positive Erwartung und Sicht auf das Chart war aber im Nachhinein richtig, es ging erst hoch und dann seitwärts und nun stehen wir knapp 20% höher als im Sommer, es gibt schlimmere Probleme. 😉 Jetzt sieht das Chart so aus und damit wieder interessant und aussichtsreich:

Vielleicht findet sich ja jetzt ein Mediziner unter uns, der zu Erfolg und Güte der Produkte etwas sagen kann? Denn auch Mediziner begegnen in ihrer Arbeit immer wieder Produkten, die sie gut finden und von denen sie wissen, dass die bei Kollegen beliebt und angesehen sind. Auf den Gedanken mal zu fragen, wer das herstellt und ob das börsennotiert ist, kommt kaum einer, dabei wäre man da sogar ein klein wenig "Insider". 😉

Damit lasse ich es heute mal gut sein, es war eine lange Woche. Da wir aber schon bei Aktien sind, die hier kaum bekannt sind, gibt es da ja auch so einen lustigen Fall, bei dem es sich um Laser dreht, ein eigentlich ja sehr spannendes Thema. Das Unternehmen erwähne ich alle Jubeljahre mal, aber nie findet sich jemand, der dazu etwas beizutragen hat und auch erwähnt wird es nie mehr.

Dabei ist das doch eigentlich schade bei so einem langfristigen Chart oder? Es ist IPG Photonics (IPGP) mit immerhin 6 Milliarden USD Marktkapitalisierung kein Kleiner. Schauen Sie mal, das erste Mal habe ich die glaube ich im Sommer 2013 erwähnt:

Hat jetzt jemand dazu eine Meinung? 😀

So..

Nun wünsche ich uns allen ein schönes Wochenende. Wir lesen uns hier am Montag wieder und im Forum sicher schon vorher.

Ihr Hari

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