Aktien die man ignorieren sollte

Es gibt eine Art von Artikel, die viele Anleger aktiv suchen. Das sind die, die ihm die Zukunft weisssagen, also was er nun kaufen soll. Und wenn das dann noch mit Trigger-Worten wie "Value" und "Buffett" gewürzt wird, dann wird dieser Anleger ganz nervös. 😉 Natürlich sind diese Weissagungen durchweg sinnlos, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Wenn der arme Warren Buffett jede missbräuchliche Verwendung seines Namens abmahnen würde, wäre er wahrscheinlich alleine davon schon reich.

Dann gibt es aber auch die Artikel, die diesem Anleger einen finanziellen Vorteil verschaffen, so zum Beispiel weil sie verhindern, dass er einen schweren Fehler begeht. Diese Artikel sind nicht so beliebt, zumal sie oft unangenehme Wahrheiten mit sich tragen, die entgegen der eigenen Instinkte laufen. Aber es sind genau diese Artikel, von denen dieser Anleger wirklich profitieren würde.

Einen nach meiner Meinung Artikel der zweiten Kategorie, will ich nun mit Ihnen teilen, ich habe ihn im Premium-Bereich schon im März 2015 geschrieben. Es ging damals um einen Typus von Aktien, von denen ich lieber die Finger lasse und als Beispiel habe ich damals Euromicron (WKN: A1K030) benutzt. Das ist aber ausdrücklich nur ein Beispiel, der Artikel vermittelt ein Grundprinzip, das für viele derartiger Aktien gültig ist.

Bevor ich zum damaligen Artikel komme, will ich Ihnen noch den dann folgenden Chartverlauf von Euromicron zeigen, den Zeitpunkt des folgenden Artikels habe ich markiert. Dann können Sie selber sehen, was danach passiert ist und meine Worte von vor mehr als 3 Jahren daher besonders gut einordnen:

Nach dem März 2015 wurde die Aktie auch immer wieder von diversen Publikationen "empfohlen", so im Juli 2017 bei damals 8€, heute 3€. Immer "Morgen" wird die grossartige Zukunft für das sicher anbrechen, was bis dahin nie gelungen ist. Morgen aber schon! 😉

Nun lesen Sie mal, es verhindert hoffentlich ähnliche Dummheiten:

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Dienstag 24.03.15 16:40 - Aktien, die ich nicht mag - Der Fall Euromicron

Es gibt Aktien, die ich persönlich als Einzeltitel nicht mag. Und ein so ein Fall aus dieser Kategorie, liefert dafür heute perfektes Anschauungsmaterial.

Es ist Euromicron (A1K030), bei denen heute ein Bilanzskandal aufgedeckt wurde, der CEO muss gehen und die Aktie raucht um über 20% ab. Lesen Sie hier:

-> Euromicron hat Probleme mit der Bilanz < -.

Ich mag diesen Typus Aktien nicht, weil es bei denen ein Muster gibt. Und darüber will ich heute mit Ihnen sprechen. Euromicron ist dabei nur ein Beispiel, nicht mehr.

Typisch für so Aktien ist, dass diese vor allem in den bekannten Anlegerpostillen immer an die Privatanleger heran getragen werden. Zu Euromicron zum Beispiel, liest man seit Jahren immer die gleiche Geschichte davon, dass der Aktie ja "so eine grosse Zukunft" bevor stehen würde. Blöd nur, dass diese Zukunft seit Jahren irgendwo immer +12 Monate entfernt ist und nie näher kommt. 😉

Netzwerk, Datensicherheit und IT-Sicherheit hört sich ja auf den ersten Blick auch nach Wachstum an. Nur reichen die Schlagwörter halt nicht, man muss schon genauer schauen, was das Unternehmen macht und vor allem, ob es wirklich einen Wettbewerbsvorteil hat, der nachhaltiges Wachstum ermöglicht. "Me too" Lösungen braucht der Markt nämlich nicht, auch nicht bei Sicherheit und Netzwerken.

Erst am 01.03.15 hat "Finanzen" dazu den folgenden Artikel Online gestellt: -> Euromicron: massiv unterbewertet < -

Da schreibt mal wieder jemand von "Value", weil das KBV bei 0,7 ist und fusst das Ganze auf die Aussagen und Hoffnungen des Managements bzw öffentlichen Zahlen. Sie wissen wie ich dazu stehe und in Artikeln wie -> Das Zerrbild des Value-Investing < - habe ich ausführlich dargelegt, was davon in meinen Augen zu halten ist: Nichts!

Ich hoffe, Ihnen als treue Leser ist schnell klar, wie verfehlt diese ganze Argumentation ist. Denn die könnte nur dann zutreffend sein, wenn man davon ausgeht, dass der ganze Rest des Marktes schlicht zu blöd und beschränkt ist, diese "offensichtliche Unterbewertung" aufgrund öffentlich sichtbarer Zahlen selber zu erkennen. Ein Kurswert unter dem Buchwert ist deswegen ohne tiefgehende Kenntnisse erst einmal ein Problemindikator und kein Kaufgrund!

Jetzt ist der Markt ja sehr wohl immer wieder lokal ineffizient und neigt zu Übertreibungen und auch dazu, Dinge temporär zu übersehen. Aber so "blöd", eine in den Anleger-Medien über Jahre immer wieder breit getretene Aktie permanent völlig falsch einzuschätzen - so blöd ist Mr. Market dann doch nicht!

Nein, die Realität ist, dass die geballte Intelligenz des Marktes der Euromicron gerade einmal 100 Millionen € Marktkapitalisierung zubilligt. Und da wir ja auch verstanden haben, dass der Markt Erwartungen einpreist und auch Unternehmen ohne Umsatz schon einmal ein paar Milliarden Marktkapitalisierung gewährt, wenn die Aussichten gut sind, heisst das umgedreht, dass hier niemand grosse Erwartungen hat. Ausser den Gläubigen solcher "Value-Analysen" natürlich, das sind die einzig Intelligenten im Markt. 😉

Auch zum Thema -> Marktkapitalisierung < - habe ich mich ausführlich geäussert und ich mache um so Unternehmen eine Bogen, weil wie in dem Artikel argumentiert, ist der Informationsnachteil für Anleger viel zu gross - wie wir ja heute wieder bei Euromicron sehen.

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MiFID II, Inducement und die Marktkapitalisierung

Der Finanzmarkt ist komplex. Das stimmt. Er ist aber noch weit komplexer und weit stärker miteinander verwoben, als wie wir uns das gemeinhin als "unbedarfte" Anleger vorstellen.

Wenn wir zum Beispiel unser sauer verdientes Kapital am Finanzmarkt anlegen und dafür einen Fonds kaufen, dann gehen wir ja auch unausgesprochen davon aus, dass das Fondsmanagement für die typischerweise 1,5-2% Gebühr pro Jahr, ausschliesslich unsere Anleger-Interessen optimiert.

Tja .....

Die Realität ist wohl weit komplexer. Weil haben Sie sich mal gefragt, woher die Fondsmanager eigentlich die Research-Informationen haben, aufgrund derer diese dann Anlage-Entscheidungen treffen?

Klar, ohne nachzudenken, gehen wir davon aus, dass die ihren eigenen Research machen. Und bei den sehr guten Top-Managern, ist das wohl auch der Fall. Aber gilt das so uneingeschränkt und wenn nein, wer beeinflusst die Anlage-Entscheidungen dann?

Um dieses eminent wichtige Thema geht es in einem Artikel, den ich am Donnerstag 16.07.15 16:40 in Hari Live geschrieben habe und den Sie unten nun etwas überarbeitet und aktualisiert finden. Und ja, das Thema ist sehr komplex, aber in dieser Komplexität ist eine Menge Information versteckt, mit der andere dickes Geld verdienen.

Mir ist völlig klar, dass ich mit diesem Artikel hier im freien Bereich nicht viele Leser finden werde. Zu "sperrig" und "schwierig" ist das Thema. Aber versuchen Sie es doch mal. Und wenn Sie das dann zum ersten Mal überhaupt lesen, fragen Sie sich mal warum?

Wenn Sie dann wirklich bis zum Schluss gelesen und sich auch die Links angeschaut haben, dann gehören Sie auch zu denen, die bei uns in der Mr-Market Community bestimmt sehr gut aufgehoben sind. 😉

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Sie wissen ja, dass ich bei zu kleinen Unternehmen immer sehr skeptisch bin, was die Marktkommunikation und den Einfluss von Insidern angeht. Im Artikel -> Warum ich Pennystocks nicht anfasse <- hatte ich das dargelegt.

Sie wissen auch, wie oft ich mich schon über so "Jubelperser" Analysten-Kommentare gerade bei kleineren Unternehmen mokiert habe. Ein offenes Geheimnis ist dabei nämlich, dass Unternehmen ihre Analysten manchmal selber "incentivieren" und "motivieren", damit es überhaupt mal jemand tut. Und umgedreht werden solche Analysen auch als "Zuwendung" und "Anreiz" (Inducement) an Fondsmanager weiter gegeben, was einen Vorteil im Spiel um Wissen darstellt. In beiden Fällen sitzt der normale Anleger aber unwissend am Katzentisch.

Das ganze Thema ist hoch komplex und die Abhängigkeiten vielfältig und verwoben. Es ist für mich persönlich hoch problematisch, wenn ein Fondsmanager, der eigentlich das Geld seiner Anleger objektiv verwalten soll und dafür von denen per Management-Fee bezahlt wird, dann eben nicht objektiv handelt, weil ihn sich Dritte mit "Inducements" gewogen halten.

Natürlich läuft das schon heute alles "total sauber" und "total objektiv". 😉 Die Lebenserfahrung gebietet aber, dass Analysen genau so objektiv sind, wie zwei Sachverständigengutachten, die in einem Gerichts-Verfahren von miteinander streitenden Parteien aufgeboten werden und sich problemlos völlig widersprechen können, alles ganz "objektiv" natürlich. 😉

Es ist halt einfach so, dass viele Dinge nicht objektiv sind und mit subjektiver Einschätzung zu tun haben. Und selbstverständlich wird niemand in diesen Graubereichen seinem Auftraggeber bewusst gegen das Schienbein treten. Und so entstehen dann so gegensätzliche Gutachten und eben auch Analystenkommentare. Ganz "objektiv subjektiv" sozusagen. 😉

Und natürlich macht es für die grossen Marktspieler auch Sinn, sich die Verwalter grossen Geldes gewogen zu halten und so in ihrem Investitionsverhalten zu beeinflussen, auch wenn das für die Geldverwalter natürlich die Gefahr eines Interessenkonflikt gegenüber den eigentlichen Auftraggebern - den Anlegern - herauf beschwört.

Das Thema ist sehr schwierig, weil nur weil man etwas von Dritten liest, wird der Fondsmanager ja in seiner eigene Entscheidung nicht objektiv zu einem abweichenden Handeln gezwungen. Insofern kann man argumentieren, dass hier gar kein Problem existiert, Papier ist geduldig und die Entscheidung trifft am Ende der Fondsmanager.

Andererseits hat jede Information ihre Wirkung und die verändert dann das Investitionsverhalten. Insofern ist da schon ein Problem.

Legal ist das bisher alles, da habe ich keinen Zweifel. Aber ist es auch legitim und sollten wir Anleger dafür unsere Kapital geben? Das ist die schwierige Frage, um die es hier geht.

Mit MiFID II soll hier nun eine Änderung kommen, mit der nicht mehr alle "Inducements" in Form von Research legal wie bisher sind. Und das bedeutet einen wichtigen Einschnitt.

Wenn Sie das aber bisher alles für ein Gerücht gehalten haben, dann lesen Sie in dieser Branchennachricht mal, was von einer Tagung des -> DVFA <- als Verband der "Investment Professionals" berichtet wird, in dem die bekannten Fondsgesellschaften sitzen: -> MiFID und "Inducement" <-

Zitat:

"MiFID II schränkt die Gewährung von "Inducements" erheblich ein. Sie gestattet unabhängigen Beratern und Portfolio-Managern nicht, für die Erbringung ihrer Dienstleistung monetäre oder nichtmonetäre Vorteile von Dritten anzunehmen."

Aha. 🙂 Das war also bisher scheinbar der Normalzustand. Haben Sie es gewusst, liebe Anleger? Und mit MiFID II soll das anders werden. Ist das nun schlimm oder überfällig?

Nun nimmt der DVFA hier lobenswerterweise keine rein schwarz/weisse Position ein und ja, es wird auch negative Seiteneffekte dieser Reform geben. Wer in so komplexe Zusammenhänge eingreift, erzeugt nicht ausschliesslich positive Effekte. Aber auf den Saldo und die Richtung kommt es am Ende an und mit der Richtung habe ich keinerlei Problem, auch wenn die MiFID in Summe ohne jede Frage ein "bürokratisches Monster" ist.

Hier muss ich die Bürokratie aber auch mal zumindest teilweise in Schutz nehmen, denn sie ist auch deshalb so kompliziert, weil es eben ohne diese Regeln jede denkbare Vorteilsnahme geben würde und dabei grosse Kreativität herrscht.

Im Gegenteil, ich halte diese Änderung für uns Anleger für einen Vorteil. Denn wenn es weniger "Jubelperser-Analysen" gibt, muss man bei Kleinunternehmen wieder das tun, was zwar mühsam ist, aber einen echten Edge generieren kann: sich intensiv damit beschäftigen. Oder eben die Finger ganz weg lassen, wenn man den Zeitaufwand nicht betreiben kann und will, was meine Strategie ist.

Natürlich habe die Stimmen recht die sagen, dass damit kleine Unternehmen noch seltener vom Research erfasst werden. Die Frage ist halt, wie viel ist Research wert, dem vielleicht ein Interessenskonflikt zu Grunde liegt?

Wer es genau wissen will, findet -> hier internationale Anwälte zum Thema <- und -> hier die BAFIN zum Thema <-

Wer übrigens die ganze Problematik in ihrer extremen Komplexität noch nicht begriffen hat - was wirklich keine Schande ist, auch ich will nicht behaupten alles zu durchdringen - für den zitiere ich hier aus dem obigen kenntnisreichen Artikel der Anwälte:

This view holds that if MiFID II requires fund managers to either pay for the research information themselves, charge their clients or build the information systems in house, medium and small fund management houses may be driven to closure or merger, presenting less choice for investors.

Nun alles klar?

Sie lieber Anleger, der Sie Ihrem Fondsmanager bisher 1,5 oder sogar 2% per Annum dafür gegeben haben, dass er mit seinem ganzen Wissen und Können und seinem eigenen Research Ihr Geld verwaltet, können aus diesem Satz indirekt entnehmen, dass es im Moment eben zu oft wohl nicht "Inhouse Informationen" und "eigenes Research" sind, mit denen Ihr Fondsmanager agiert, sondern Informationen, die die grossen Adressen der Branche "kostenlos" verteilen - natürlich nur ganz objektiv und ohne jedes Eigeninteresse. 😎

Wundert sich da noch jemand, dass so wenige Fondsmanager den Markt schlagen können und so viele einen Gleichlauf zeigen? Die Fondsmanager, die immer wieder eine sehr gute Performance zeigen - und in unserem Forum besprechen wir davon ja auch immer wieder eine Auswahl - gehören möglicherweise zur lobenswerten Minderheit, die mit eigenem Hirn und Research agieren und nicht nur nachkauen, was die "Big Boys" so verlauten lassen.

Und das ist der Punkt. Wenn MiFID II das ein wenig verbessert: be my guest!

Was denken Sie?

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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