Dies & Das 15.05.20


Marktlage & Markttechnik

Wir hatten gestern im SPY einen wunderbaren Abpraller von Unterstützung und 50-Tage-Linie. Dieser Abpraller macht die Unterstützung nun richtig bedeutend und liefert uns ein wunderbares Triggerniveau nach unten für unser Risikomanagement.

Noch immer aber kann das am Ende so eine Art Topbildung werden, der Abpraller spricht nicht dagegen:

Es kann aber auch das Ende der Seitwärtsrange einläuten und so nach oben wegbrechen, oder eben einfach in der Range verbleiben:

Wenn sie jetzt denken "na toll, alles ist möglich", sind sie noch in der völlig falschen Denkstruktur, im Versuch die Zukunft zu erraten.

Es geht *nicht* darum zu erraten ob das nun das erste oder zweite Szenario wird, das wissen wir nicht. Es geht darum im *Hier und Jetzt* zu erkennen, dass wir immer noch in der Range sind und beide Möglichkeiten existieren.

Und wenn wir das erkennen, wissen wir plötzlich dass ein Rutschen unter die Unterstützung ein Grund wäre in Deckung zu gehen. Und wir wissen, dass ein Schub über die Hochs vom 29.04. und 12.05. die potentielle Topstruktur invalidieren würde und wir mit Präferenz nach oben schauen könnten.

Die Marktstruktur weiss also auch nicht, wo die Kurse in 2 Wochen sind. Sie liefert uns aber Korsettstangen des Handels, sie ordnet unsere Gedanken *und* unser Handeln, wenn wir dem Markt und seinen Signalen folgen.

Und darum geht es bei Markttechnik, nicht um das Raten. Wenn ich ihnen Charts zeige, in denen sich ein Ausbruch zusammenbraut, garantiert das auch nicht dass er kommt. Es richtet und fokussiert aber unsere Aufmerksamkeit auf das Geschehen und wenn der Ausbruch kommt, wissen wir was wir zu tun haben.

Ja noch besser, wir können den Ausbruch sogar antizipativ spielen, weil uns die Struktur zeigt, wo unser Versuch als gescheitert zu gelten hat und beendet werden muss.

Also ..... wir haben eine etablierte Range zwischen grob 50- und 200-Tage-Linie. Und wir wissen wo der Markt sich anschicken würde, diese zu verlassen. Das ist eine Menge mehr, als nur blind irgendwann irgendwas zu machen.

Das erlaubt kontrolliertes und rationales Handeln, das Zeichen eines kompetenten Anlegers.

Applied Materials (AMAT)

AMAT ist nach Zahlen gestern nachbörslich massiv im Plus und wird heute wohl den ganzen Chipsektor beflügeln:

Die Zerstörung der Wirtschaftsordnung

So richtig unbürokratische Hilfen in der Krise waren, so sehr wird in meinen Augen nun von wirtschaftsfernen Politikern als "Elefant im Prozellan-Laden" überzogen und die Axt an die Wirtschaftsordung gelegt. Da kann einem Angst und Bange werden.

Neuestes Beispiel ist das Aussetzen der Insolvenzantragspflicht, ein Wahnsinn ohne Sinn und Verstand:

-> Die Bundesregierung züchtet Zombieunternehmen <-

Natürlich hat niemand mal an die Folgeeffekte gedacht und dass es ja nicht nur Unternehmen vor unnötiger Insolvenz zu schützen gilt, sondern auch Kunden und Partner davor, noch Geld in ein Fass ohne Boden und schon insolventes Unternehmen zu werfen.

Das ganze Insolvenzrecht ist historisch lange, lange gereift und integraler Bestandteil einer Wirtschaftsordnung, die Verlässlichkeit erzeugen will. Mit solchen idiotischen Adhoc-Maßnahmen, wird die Axt daran gelegt und die Kollateralschäden werden höher sein als der Wert der Unternehmen, die plötzlich ihre Insolvenzpflicht ignorieren können.

Auch für Betrug macht das nun die Tore weit auf. Findige Kriminelle werden so schnell wie ich erkennen, dass man daraus nun ein Geschäft machen kann, mit Firmen Gelder einsammeln, abziehen, noch Corona-Förderung kassieren und dann die Schulter zucken. Wie wollen die Staatsanwaltschaften denn betrügerischen Konkurs noch identifizieren, wenn es keine Pflicht zur Insolvenzanmeldung mehr gibt? Idiotie!

Und es erlaubt dem Lufthansa-Vorstand nun bei der HV offen zuzugeben, dass -> 1,8 Milliarden € an Kundengeldern <- rechtswidrig zurückgehalten werden, obwohl oder vielmehr weil -> im Juni das Geld ausgeht und die Insolvenz droht <-, was dann aber nach bisherigem Recht den Straftatbestand der Insolvenz-Verschleppung zumindest diskutierbar machen würde, denn 1,8 Milliarden nicht zahlen zu können, ist auch Zahlungsunfähigkeit.

Ihnen kann ich mit diesem Gesetz nur *dringend* raten, zahlen Sie bis auf sehr gut bekannte Ausnahmen *nirgendwo* mehr eine Anzahlung, zahlen sie erst, wenn sie Ware oder Leistung in der Hand haben!

Und damit sehen sie schon, was diese wahnsinnige Änderung erreichen wird, eine Zerstörung des Solvenz-Vertrauens im Wirtschaftsleben, das ja gerade erst durch das scharfe Insolvenz-Recht entsteht!

Auch das ist *Facepalm*, wie beim folgenden Thema.

Phantasielose Kultuspolitik mit Scheuklappen

Ich habe mich ja zuletzt mehrfach sehr kritisch zur Kultuspolitik geäussert, weil sie die Krise nicht zum Anlaß und zur Chance nimmt, grundlegende Modernisierungen anzustossen, sondern versucht den alten Stiefel des 19. Jahrhunderts weiterzumachen.

Bei uns zu Hause ist gerade allerlei an Kommunikation mit der Schule und Vorbereitung, der Sohn geht am Montag wieder für eine Woche in die Schule, das ganze Setup ist aber eher eine Farce.

So gibt es eine dreiseitige Vorgabe zu Hygiene-Regeln, die Kindern die Bewegung brauchen und sich auf ihre Freunde freuen, jegliche Motivation und jeden Spaß nimmt.

Die Gedanken der Kultuspolitiker sind nicht dabei, wie man auf eine neue Welt - die absehbar so bleiben wird - mit kreativen neuen Methoden reagiert, sondern wie man die alte Welt des 19. Jahrhunderts irgendwie mit Würgen weiterlaufen lässt.

So haben Kinder der 5. und 6. Klasse, die nur einzeln aufs Klo und nicht in den Pausenhof sollen, nun Sport als "Theorie" im Klassenraum. Warum? Na weil Sport halt auf dem Lehrplan steht. Facepalm!

Auf den Gedanken nach draussen zu gehen, sie auf eine Wiese mit Abstand zu setzen und dann Kraft- und Gymnastik-Übungen machen zu lassen, kommt man nicht. Und wenn ein Lehrer doch diese Idee hat, wird er bestimmt hören dass es entweder nicht im Lehrplan steht oder die Haftung, die Haftung! Wie gesagt: Facepalm!

Wenn die Kultuspolitiker ihren Fokus darauf legen würden, nun schnell klare Unterrichtskonzepte für räumlich verteilten Unterricht zu erstellen, die Lehrpläne zu entrümpeln, massiv in IT und Videosysteme zu investieren und Unterricht bei gutem Wetter je nach Thema nach draussen auf die Wiese zu verlegen - in Geschichte und Ethik wäre das zB problemlos möglich - dann könnte Schule produktiv und für die Kinder etwas Schönes sein.

So aber bringt es eher nichts und auch nicht den Eltern, die mit wenigen Tagen auch nichts anfangen können, die brauchen dauerhafte Berechenbarkeit.

Kurz, das könnte man gleich sein lassen, es schafft nur Risiken ohne Mehrwert, denn im Klassenzimmer wird ohne Mundschutz gesprochen und die Indizien werden immer klarer, dass Covid sich vor allem in geschlossenen Räumen über Tropfeninfektion beim Sprechen verbreitet.

Draussen zu sein, verringert die Risiken dagegen massiv. Kurz gesagt, es ist sicherer Kinder draussen Fußball spielen zu lassen, als sie 6 Stunden in einen Raum zu pferchen, selbst wenn man 1,5 Meter Abstand hält.

Das einzig Positive ist, dass die Kinder sich mal sehen und zuwinken können. Ansonsten kann ich in Richtung Kultuspolitik nur ausrufen:

Wacht mal auf Ihr Schnarchnasen! Wir haben eine neue Welt des distanzierten, verteilten Lernens und leben im 21. Jahrhundert, in dem wir von Apple bald -> Brillen mit Augmented Reality <- bekommen!

Ihr aber könnt nicht mal einen regelmässigen Videounterricht und interaktive Lernmethoden organisieren, etwas was schon vor 20 Jahren technisch möglich war. Ein Trauerspiel, bei dem der Fisch vor allem vom Kopf stinkt.

Die Schule meines Sohnes ist übrigens recht engagiert, daran liegt es nicht. Von oben kommt einfach nichts, was mal grundsätzlich eine neue Richtung etablieren oder in diese investieren würde. Mit dem bestehenden Personal in der Kultuspolitik ist das auch eher ausgeschlossen.

Der Krieg im Netz

Wir lesen von -> mehreren Hochleistungsrechenzentren die in Europa angegriffen wurden <-, ähnliche Angriffe auf amerikanische Netze gab es vor Kurzem auch. Es wird viele weitere Angriffe in alle Richtungen geben, von denen wir nur nicht lesen.

Das wahre Gefechtsfeld des 21. Jahrhunderts wird die IT und insbesondere die Netze werden, sie sind es genau genommen schon.

Weswegen jeder Staat bzw jeder Staatenbund, so wie es früher auch nationale Strategien für die Versorgung mit Wasser, Essen und Medikamenten gab, zwingend eine Strategie der vertrauenswürdigen IT braucht.

Vorgehensweisen wie bei uns immer noch in Sachen Huawai, sind unverantwortlich und machen erpressbar, wenn kritische Infrastruktur im Spiel ist. Ich habe mich ja ausführlich zum Trauerspiel geäussert, dass Europa mit Nokia und Ericsson sogar zwei Anbieter für kritischen Netzwerktechnik hat, aber nicht in der Lage ist, diese strategisch zu positionieren und für die Zukunft abzusichern.

Die vor ziemlich genau einem Jahr in -> Weltgeschichtliche Zeitenwende <- beschriebene Blockbildung im Bereich IT wird aber trotzdem ziemlich sicher kommen - sie ist unvermeidlich und würde wohl nur durch eine theoretische Implosion der KP Herrschaft in China in Frage gestellt. Aber selbst dann wird China seinen Aufstieg fortsetzen und der Konflikt fortbestehen, wenn auch vielleicht weniger virulent.

In Europa und Deutschland wird man auf diese Idee aber wohl erst dann kommen, wenn der Ausverkauf schon stattgefunden hat und das Kind in den Brunnen gefallen ist.

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133. Die Marktlage 01.09.2019 – Glaskugel für das Halbjahr 2



Hallo zusammen,

Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Gerade habe ich mich in die Sommerferien verabschiedet, da sind sie hier in NRW auch schon wieder vorbei...Trotzdem schön war's! Wir haben mit Wohnmobil das erste Mal Kroatien unsicher gemacht. Neben den Plitvicer Seen waren wir insbesondere auf der Insel Losinj. Dort haben wir, meine 2 Töchter und ich, den Basisschein Windsurfen bestanden! Eine tolle Zeit ist zu Ende, nur wie immer zu kurz... 🙁

0. Zusammenfassung
In meinem Jahresend-Artikel 2018 habe ich folgendes Szenario beschrieben:

Herausgekommen ist folgendes - bitte beachten, dies ist nur ein Szenario:
- wir bekommen mit Jahresanfang eine Rally in die Widerstandszone des Keils. Warum? Weil die Lage nach fast 20%$ Korrektur sowie der Zeitpunkt (Jahresanfang) reif für eine Rally ist. Vor Erreichen des SMA 200 vertrocknet der Kaufhunger und führt zu einer Korrektur zum Doppelboden. Diese Rally wird von den Investoren mit Handbremse mitgenommen, da ihr noch nicht zu trauen ist. Ich glaube, nach einem solchen Drawdown ist der Markt für ein V-Reversal und einem Durchziehen durch die Widerstände nicht bereit.
- von Frühjahr bis Sommer bekommen wir unsere "richtige Rally", die maximal mitgenommen werden wird - der Bruch des Keils führt zu höherem Kaufvolumen
- dann die Sommerpause mit einer kleinen Korrektur
- dann die Jahresendrally - die Käuferschar wird maximal unsicher in das Jahr 2020 gelassen: wir gehen am Top aus 2018 in den Jahreswechsel.

In der Summe führt das zu folgendem langfristigen Szenario: eine 3. Konsolidierungsbox, die sich von der Länge her in etwa den anderen beiden in den Vorjahren ähneln würde. Diese 3. Konsolidierungsbox kann zu einem langfristigen Top auswachsen oder der Beginn eines weiteren Laufs zu neuen Höhen...

Aus meinem erhofften Doppelboden ist aufgrund des reflexiven Marktes, des extrem unterinvestierten Geldes und der FED nichts geworden. Die Kursentwicklung war deutlich volatiler, das Hoch wurde deutlich schneller erreicht als erwartet.

Nur wie geht es weiter?

Nach Bewertung aller Informationen aus meinem Artikel sind 4 mögliche Szenarien mit den Wahrscheinlichkeiten herausgekommen:
Szenario 1 (40 % Wahrscheinlichkeit): Der Kurs bleibt weiterhin in der "Augustbox". Der Handelsstreit zwischen US und China wird im Herbst deeskaliert, der ISM Indikator findet einen Boden und die Kurse gehen in 2019-10 durch die Decke mit einem Jahresende auf All-Time-High 3.200 Punkte

Szenario 2 (30 % Wahrscheinlichkeit): Melt-Up: der ISM findet laaangsam einen Boden, US/China wird nicht weiter eskaliert und so schmelzen die Kurse zum Entscheidungspunkt der Umkehrformation bzw. Jahresendekurs: 3.050 Punkte. Eine Auflösung der Formation wird auf das nächste Jahr vertagt.

Szenario 3 (20 % Wahrscheinlichkeit): Der Weg des maximalen Schmerzes: maginal neues Jahrestief, um dann bereinigt eine Jahresend-Rally zu starten. Jahresendekurs: 3.050 Punkte bzw. Entscheidungspunkt der Umkehrformation. Eine Auflösung der Formation wird auf das nächste Jahr vertagt.

Szenario 4 (10 % Wahrscheinlichkeit): Die Rezession kommt näher und die Kurse purzeln ins bodenlose. Neues Jahrestief, Retracement mit anschließenem weiteren Schub nach unten. Jahresendkurs: 2.450 Punkte.

1. Das große Bild

Gehen wir wie gewohnt von der Makrosicht immer weiter ins Detail.

Fangen wir mit der Großwetterlage an:

Die positiven Aspekte:

Das kumulierte Advance Decline zeigt keine Anstalten von Schwäche, ein sauberer Aufwärtstrend - positiv

Weiterhin sieht der Dow Jones Global nicht schlecht aus. Konsolidierung, Ausbruch, Retracement auf der sekundären Trendlinie? Der PPO und der RRG Indikator ebenfalls nicht schlecht aus....

Auch der S&P 500 Equal Weight hat einen klaren Aufwärtstrend - positiv

Kommen wir zu den Fragezeigen/ Warnsignalen in der aktuellen Lage:

Der US Dollar Index hat nach monatelanger Hängepartie zwischen 94 und 96 den Angriff auf 100 und mein seit letztem Jahr stehendes Target 101 gestartet. Ein steigender Dollar ist nicht für alle gut. Ich denke an die Emerging Markets und die international agierenden US-Konzerne. Dies *könnte* den Small Caps etwas helfen.

Das Waterfall-Chart kommt langsam auch wieder in "Aufwärtstrend-Fahrwasser". Weiterhin irritiert mich die schwache Entwicklung des SMH:TLT Ratios (rot) - dieses hat kein höheres Hoch gebildet und nun kam ein Doppelboden mit Anfang Juni 2019 dazu. Ein Run auf Risk-Off Unternehmen sieht anders aus. Ein Zeichen der Wall of Worry?

Alle bullishen Ratios sind weiterhin in einer seit (teilweise) Anfang 2018 herrschenden Konsolidierung. Extrem geprügelt werden die Small Caps gegenüber dem S&P 500 und der Transport-Sektor. Ein Boden ist nicht in Sicht. Abwarten ist angesagt...

Der wesentliche Leading Indikator für die Marktlage ISM Manufacturing Index (Quelle Leo Nelissen) ist in einem klaren Abwärtstrend nahe der vergangenen Tiefs. Auch hier ist ein Boden nicht in Sicht...

Last but not least: Die aktuellen Yields (siehe Bild unten mittlerer Indikator (Differenz 10-jährige und 2-jährige Yields) - wir sind da, wohin die Bären schon lange wollten: die 10-jährigen werden größer als die 2-jährigen Yields. Damit wird das große Rad einer drohenden Rezession durch das Dorf getrieben. Kommt diese kurzfristige oder kommt diese nicht - das ist die große Frage.

2. Die Kauf-Lageampel

Die Langfristige Sicht

Wir haben weiterhin seit 05/2019 einen fallenden, langfristigen Ampelindikator mit einem aktuellen Wert von 6. Dieser Wert ist nicht schlecht, es geht aber auch noch besser.

Grund für den Rückgang in der Ampel sind die Wirtschaftsdaten, die sukzessive immer schlechter wurden. Das schlechter werdende Chart gab sein weiteres.

Folgende Gedanken kommen mir bei dem Monats-Chart (siehe unten) des S&P 500 in den Sinn:
- Der Kurs befindet sich in einem langfristigen Trendkanal seit 2009
- Wir befinden uns in einer charttechnischen "Raute" aus Unterstützungen und Widerständen (2015 bis heute) - Ausgang offen
- Seit 2009 haben wir nun die 3. Konsolidierungsformation; diese Konsolidierungen sind mit jedem Mal länger und volatiler geworden. Sollte es noch eine Stufe weiter nach oben gehen, wie sieht die nächste aus? Noch volatiler?
- Die aktuelle Konsolidierung bildet aktuell eine Wendeformation in Form einer inversen Schulter Kopf Schulter aus; aus meinen Augen habe ich jedoch hierbei 2 Fragezeichen: 1. warum haben wir keine horizontale Nackenlinie (eine tiefer liegende rechte Schulter wäre womöglich besser...) 2. Ist die rechte Schulter schon ausreichend ausgeprägt, damit die Wendeformation nach oben getriggert werden kann?
- Die Indikatoren PPO und der RRG sind seit 2018 ausreichend konsolidiert, damit ein Ausbruch ausreichend Momentum mitbringen würde

Weiterhin sollten wir für die Bewertung der Lage im Hinterkopf behalten:
1. Der aktuelle Kurs des S&P 500 ist im Vergleich zur aktuellen wirtschaftlichen Lage nicht überbewertet (siehe mein letzter Artikel). Trotz Rückgang der wesentlichen Leading Indikatoren haben wir aufgrund des Seitwärtspattern seit 2018 keine Überbewertung.

2. Wir haben aktuell weiterhin eine historisch hohe Cash-Quote des großen Geldes. Dieses muss irgendwann investiert werden.

Ich nehme folgendes aus langfristiger Sicht mit:
Aufgrund der historisch hohen Cashbestände und der Leading Indikatoren nahe an Tiefpunkten vergangener Jahre sehe eine Fortsetzung des Aufwärtstrends mit Triggern der Umkehrformation zum Jahresende hin realistischer als einen großen Einbruch.

Die Mittelfristige Sicht

Meine mittelfristige Lageampel hat den Abwärtstrend seit Anfang Juni gebrochen, jedoch noch keinen neuen Aufwärtstrend gefunden: es ging in einen Seitwärtstrend über. Mit einem Wert von ca. 5 befindet sie sich im Mittelfeld.

Schauen wir etwas genauer hin, wieso die Werte so schlecht sind:

Der Bullish Percent Index steht auf einem "Bear Confirmed Status" mit einem Wert von 54%.

Im nächsten Chart eine Übersicht des S&P 500 mit meinen 2 Haupt-Indikatoren Bullish Percent ($BPSPX) und dem "Prozent-der-10" ($SPXA50R). Wir erkennen, dass der Bullish Percent Index nach dem Abfall auf ca. 20% letztes Jahr einen perfekten Lauf auf > 70% hatte. Dies ist ein deutliches Stärkezeichen. Im Anschluss ist ein Mäandrieren zwisch 70% und 50% zu erkennen, was aus meinen Augen ein bullishes Zeichen ist - der Druck aus der überkauften Lage muss abgearbeitet werden, was aktuell noch passiert. Sollte der BPI nicht deutlich unter 50% fallen, steht bei Betrachtung dieses Charts höheren Kursen nichts im Wege.

Dass AAII Sentiment zeigt eine verängstigte Lage: überdurchschnittlich viele bearish eingestimmte Marktteilnehmer; vice versa mit den bullishen. Ein reflexives Marktverhalten angenommen, sollte der Kurs mittelfristig keine all zu großen Setzer nach unten machen.

Das Wochenchart des S&P 500 zeigt einen Status, der weder hüh noch hott aussagt:

Auf der einen Seite sehen wir einen Aufwärtstrend aus höheren Hochs und höheren Tiefs. Weiterhin sehen wir einen Ansatz eines aufsteigenden Dreiecks im Augustverlauf ca. 2950 Punkte (Top August) und 2.810 (Boden August).

Auf der anderen Seite ist das PPO wie auch der RRG Indikator nicht so weit abgeklungen, wie es für eine ausreichende Konsolidierung notwendig wäre. Zu viel gaben die Unterinvestierten nach einem Boden wieder "Gas" und kauften, was das Zeug hielt. Ausreichend Zeit zum Verschnaufen und Boden finden gab es nicht.

Aussage aus diesem Chart: 50/50% nach oben oder nach unten. Mein persönlicher Favorit wäre nach unten, um noch einmal mehr Luft aus dem Kessel zu bekommen, die ängstlichen Hände aus dem Markt zu drängen und nach dem bereinigenden Gewitter ein gute Grundlage für eine Herbst/ Winter-Rally zu bekommen.

Bei Betrachtung des Kaufvolumens kann ich auch nicht die bullishe Auflösung erkennen. Anstatt eines gesteigerten Kaufvolumens in dieser Woche, hatten wir in den letzten 4 Wochen sukzessive abflauendes Kaufinteresse.

Ich nehme folgendes aus der mittelfristigen Sicht mit:
Die Konsolidierung ist noch nicht ausreichend abgeschlossen. Das aktuelle Patt zwischen Bullen und Bären dauert noch an. Abwarten ist angesagt.

Die kurzfristige Sicht

Meine kurzfristige Lageampel sieht am positivsten aus. Ein Abwärtstrend beginnend mit Anfange Juni wurde im August gebrochen. Die Ampel befindet sich nahe der grünen Zone.

Schauen wir uns an, warum das so ist:
Wir haben weiterhin auch kurzfristig eine ängliche Käufer-Schar: der Fear & Greed Index steht auf "Extreme Fear"

Das Daily Chart des S&P 500 zeigt ein eher positives Bild. Der Kurs konnte aus einem sekundären Abwärtstrend ausbrechen und befindet sich aktuell in einer Seitwärtsbewegung, die sich weiter verengt. Die Indikatoren PPO und RRG zeigen ein positives Bild. Nach einer ausreichenden Konsolidierung haben sie den Vorwärtsgang eingeschaltet.

Gleiches gilt für meinen kurzfristigen Breadth Indikator "Prozent-der-10", welcher nach 3 Tiefs (2 Tiefs unter 30%) aktuell am steigen ist.

Im nachfolgenden Chart wird die August-Box und die ganze Volatilität des Monats deutlich. Nach unten hat sich ein gespreizter Doppelboden und nach oben ein 4-fach-Top ausgebildet. DIE Preisfrage ist nun, wohin die Bewegung ausgelöst wird. So oder so wird der Impuls in die entschiedene Richtung enorm sein!

Aus dem Kaufvolumen ist leider keine bullishe Auflösung herauszulesen.

Ich nehme folgendes aus der kurzfristigen Sicht mit:
Eine kurzfristige Aussage in Zeiten von Trump-Tweets und diesen politischen Börsen zu machen ist schwierig. Charttechnisch sehe ich kurzfristig leicht die Nase vorn bei einem bullishen Auflösen der aktuellen Lage. Mein Favorit wäre jedoch, wie oben beschrieben, eine Auflösung nach unten und damit verbunden der Weg des maximalen Schmerzes.

3. RRG-Chart - Die anderen Assets und Sektoren

Fangen wir bei der Analyse der RRG-Charts wieder bei der Makro-Sicht an: was machen im Allgemeinen die verschiedenen Assets, und im Speziellen die Aktien (vertreten durch den S&P 500).

Wir sehen im Weekly RRG Chart, dass es den Aktien im Moment nicht gut geht. Der S&P 500 befindet sich im gelben Sektor mit einem Trend Richtung und kurz vor rotem Sektor.

Gut und damit tief im grünen Sektor laufen die konservativen Assets Gold und TLT (Long-Bonds). Ggfs. machen sich die Real Estates an, Richtung grün zu maschieren.

Schauen wir auf die verschiedenen Länder im Vergleich zum amerikanischen Markt, sieht die Lage in anderen Ländern auch nicht viel besser aus. Einzig Japan könnte hier ein Kandidat für Überperformance sein. Der stärker werdende Dollar gibt sein weiteres dazu...

Schauen wir zum Abschluss auf die einzelnen Sektoren in Amerika: Es zeigt sich ein sehr durchmischtes Bild ohne klare Trends und ohne Aussagekraft.

4. Point and Figure Charts

Anbei die von mir beobachteten Point and Figure Charts, heute mit etwas mehr Text:

Das 3-er Umkehr 40 Punkte Chart des S&P 500
Dieses Chart zeigt die ganze Stärke des aktuellen Marktes. Seit dem Tief im Dezember (4. Säule von rechts) ist der Markt OHNE eine Konsolidierung von 3x40 Punkten nach oben gerauscht. Diese insgesamt 14 "X" (3. Säule von rechts) über die letzte O-Säule hinweg (low pole reversal) sind die Grundlage für die Kursziel-Berechnung zum einen und ein Zeichen der Dominanz der Bullen zum anderen. Durch das Kaufsignal im Juli ist das Kursziel nun aktiviert worden: 4.000 Punkte.

Das 3-er Umkehr 20 Punkte Chart des S&P 500

Auch dieses Chart zeugt von Stärke. Zum einen ist das bearishe Kursziel von 2.250 Punkten nicht erreicht worden, zum anderen haben wir das erste vertikale Kursziel nach der Konsolidierung im Dezember 2018 von 2.860 Punkten bereits erreicht. Ein zweites bullishes Kursziel ist noch nicht aktiviert. Sollte der Kurs nun in eine O-Säule drehen und danach ein Kaufsignal generieren, würde ein Kursziel von 3.540 Punkten aktiviert werden. Eine gute Unterstützung bildet die Marke 2.840 und seinem 3-Fach-Boden.

Das 1-er Umkehr 20 Punkte Chart des S&P 500

Nach einer Seitwärtsbewegung haben wir in diesem 1-Umkehr-Chart das erste Kaufsignal nach dem Hoch im 1. Halbjahr. Das Chart sieht bullish aus.

Das 1-er Umkehr 10 Punkte Chart des S&P 500

Auch das volatile 1-er Umkehr 10 Punkte Chart zeigt ein bullishes Chartbild. Höheres Hoch, impulsiver Ausbruch nach einer Konsolidierung.

Ich wünsche allen eine schöne 2. Jahreshälfte und einen guten Start nach dem Urlaub!

Euer

Hullahuppi

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130. Die Marktlage 12.05.2019



Hallo zusammen,

und wieder seit der letzten Marktlage ein Monat vorbei. An solch einem verregneten Tag kann man auch mal gut am Rechner sitzen und seine Gedanken zum Markt ordnen. Dies heute zum 130. Male...wie die Zeit vergeht...

0. Zusammenfassung

Die Marktlage ist diese Woche nicht einfach einzuschätzen. In der Summe aller Informationen, die ich gesichtet und bewertet habe, gehe ich von einem Seitwärtsgeschiebe zwischen 2.820 und 2.950 Punkten in den nächsten Wochen im amerikanischen Markt aus. Aufgrund der Reflexivität des Marktes könnte auch ein leichtes Nach-Oben-Schmelzen herauskommen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Unterperformance zu anderen Ländern (Japan, Eurozone, UK) hoch. Weltweit zeigen aktuell folgende Länder Stärke und Überperformance: DAX und der indische Nifty.

Die Techs und die Consumer Disc sind nach wie vor Garant für eine gute Stabilisierung/ Ansteigen des Marktes

1. Das große Bild
Beim Anblick des Dow Jones Global sieht die langfristige Lage vollkommen in Ordnung aus. Check!

- Konsolidierung in 2018
- Abpraller Ende 2018 von einer 10-Jahre-langen Unterstützungszone
- Ausbruch in 2019 aus der Konsolidierungsformation
- aktuell sitzt der Index direkt auf der fallenden Trendlinie der Konsolidierung.
- PPO und RRG Indikator zeugen vom gleichen Bild, dass hier weitere Stärke kommen könnte.

Kommt nun der Abpraller und es geht weiter nach oben?

Das kumulierte Advance Decline Diagramm sieht ebenfalls gut aus. Check!

Betrachten wir uns die wichtigen bullishen Sektoren-Ratios (siehe Bild unten):

Die Small Caps (RUT) haben seit Mitte Februar nicht mehr viel zusammen bekommen. Diese haben definitiv Nachholbedarf. Jedoch sieht das RRG Chart unten aktuell nicht danach aus.

Weiteres die Banken: Diese haben aufgrund des Rückgangs der Zinsen seit letztes Jahr Februar gegenüber der Immobilien das Nachsehen haben müssen. Aktuell *könnte* das Ratio einen Doppelboden und einen Ausbruch aus der Flagge ausbilden. Long Banken?

2. Die Kauf-Lageampel

Die Langfristige Sicht
Meine selbst erstellte langfristige Kauflage-Ampel sieht sehr gut aus. Aktuell kratzt sie die 7 Punkte Marke.

Schauen wir uns das S&P 500 Monthly Chart an:

Wir können 2 Widerstände direkt über dem Kursgeschehen ausmachen. Diese könnten der Grund sein, dass der Kurs mittelfristig erst einmal etwas Erholung benötigt, bevor es richtig nach oben geht:
- das 161.8 Fibonacci aus 2008 und 2015/2016 (rote gestrichelte Linie)
- die Trendlinie aus den vorigen 2 Hochs aus 2018 (blaue ansteigende Linie)

Weiterhin sehen wir eine negative Divergenz zwischen PPO und dem Kurs - ebenfalls ein Argument für eine weitere Erholung/ Seitwärtsbewegung.

Einziges Argument für steigende könnte das bereits ausreichend gefallene Momentum im RRG Indikator sein.

Bei Betrachtung der Asset Allocation per April ist zu erkennen, dass die enorme Spreizung Cash/Equities (extrem viel Cash - extrem wenig Aktien) aus Dezember bis März nun etwas abgebaut wurde - Seitwärtsbewegung voraus?

Interessant ist, die extreme Abneigung der Anleger, in UK zu investieren. Hier *könnte* es irgendwann einmal einen richtigen Schub geben, wenn endlich mal das Brexit Thema geklärt ist.

Tech ist auf einem sehr moderaten Niveau und könnte weiterhin für steigende Kurse mit verantwortlich sein.

In der Summe bin ich bei Betrachtung dieser Charts eher bei der Variante einer mittelfristgen Seitwärtsbewegung.

Die Mittelfristige Sicht

Die mittelfristige Lageampel hat eine Delle bekommen.

Der Bullish Percent Index ist in den Bear Alert Status übergegangen.

Ebenfalls haben wir ein über die Maßen bullishes Bild im AAII Sentiment (7-Monats-Hoch), was eher für keine weiteren steigenden Kurse spricht.

Bei Betrachtung des Weekly Chart des S&P 500 ist eine Indicision Kerze und 2 Indikatoren zu erkennen, die dabei sind, ein Top auszubilden (PPO und RRG)

Positiv sieht anders aus...

Die kurzfristige Sicht

Die kurzfristge Sicht der Ampel sieht wiederum deutlich positiver aus.

Auch das Daily Chart des S&P 500 sieht gut aus. Wir erkennen eine regelmäßige Konsolidierung in Form einer Flagge und einen Ausbruch am Freitag. Einzig auch hier sehen die beiden Indikatoren PPO und RRG noch nicht ganz so weit aus, einen Boden gefunden zu haben. Brauch es noch Zeit? Eine sehr stablile Unterstützung bietet die Gegend um 2820 - 2800 Punkte, die eher gegen ein Fallen unter diese Marke spricht.

Der Fear and Greed Index ist gut zurückgekommen.

Bei Betrachtung der Volatilität könnte man zum Schluss kommen, dass der Kurs auf diesem Niveau drehen *könnte*. Alle drei Indikatoren sind erhöht, noch nicht auf maximalem Niveau, jedoch könnte das mit einem weiteren Rücksetzer nächste Woche kommen.

3. RRG-Chart - Die anderen Assets und Sektoren

Bei Betrachtung des RRG Charts der verschiedenen Asset könnte man zum Schluss kommen, dass die Anleger vermehrt in den nächsten Wochen auf konservative Assets wie Bonds und Gold setzen könnten und Aktien reduzieren. Die Kanonenkugel des SPY ist am Fallen, das Momentum lässt nach - steht hier eine Seitwärtsbewegung an?

Schauen wir uns die verschiedenen internationalen Indexe an: Zwei strahlende Sterne erscheinen hier...der DAX und der indische Nifty....der Rest ist am Schwächeln

Sektoren, die gut laufen sind Technologie und die Consumer Disc. Richtig unter die Räder kommen Biotech, Energie (teilweise) und die Gold Miners.

4. Point and Figure Charts

Anbei die von mir beobachteten Point and Figure Charts mit Kommentaren.

Das 3-er Umkehr 40 Punkte Chart des S&P 500

Das 3-er Umkehr 20 Punkte Chart des S&P 500

Das 1-er Umkehr 20 Punkte Chart des S&P 500

Das 1-er Umkehr 10 Punkte Chart des S&P 500

Ein schönes Wochenende noch!

Euer

Hullahuppi

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Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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125. Marktlage Jahresende 2018 und die Glaskugel 2019



Guten Abend,

das Jahr 2018 ist fast vorüber und ich habe entspannte 3 Wochen ohne Twitter und Mr-Market hinter mir. Keine "Influencer", die mich entgegen meiner Strategie in andere Trades/ Investitionen drücken wollen. Ich fühle mich "sauwohl". Genau diese Auszeit habe ich gebraucht und werde sie weiterhin erst einmal genießen und mich auf mich und die Charts alleine konzentrieren.

Wie sehe ich aktuell den Markt?

1. Das große Bild
Bevor wir auf meine selbst generierte Marktlage und den S&P 500 kommen, kurz einige Charts zum Vergegenwärtigen des langfristigen, großen Bildes.

Der Dow Jones global Index DJW hat einen langfristigen Aufwärtstrend gebrochen und ist diesen Monat von einer langfristige Unterstützungszone abgeprallt. War es das schon? Bei Prüfung des PPO (oben) und des RRG Indikators (unten) sieht das eher nicht danach aus: Der PPO Indikator hat kürzlich erst ein Verkaufsignal generiert und der RRG Indikator ist kurz davor, in den roten Quadranten einzutauchen. Stärke sieht anders aus...

Der Value Line Geometric Index (XVG) hat ebenfalls einen langfristigen Aufwärtstrend gebrochen und eine langfristige Unterstützungsebene nicht halten können.

Das langfristige Verhältnis zwischen Aktien und langfristigen Bonds ist noch in einem Aufwärtstrend und über einer Unterstützungszone.

Die meisten Ratios, deren Aufwärtstrend den Lauf des Marktes nach oben unterstützen, zeigen noch keine Anzeichen für eine Erholung. Einzig die Consumer Disc. sind gegenüber den Consumer Staples aus einem Wedge ausgebrochen.

Der Rest (Transport vs. Utilities, Small Caps vs. Market und Banken vs. Real Estate) ist noch in einem klaren Abwärtstrend.

Das Wasserfall-Chart des SPY mit dem 30/40/ und 50 Wochen-Durchschnitt zeigt einen 30-Monate-Indikator kurz vor dem Abtauchen unter die anderen beiden. In Kombination mit dem CMF Indikator sieht die Situation nicht besser aus.

Eine ähnliche Darstellung mit den Daily-Durchschnitten SMA 100 - SMA 220. Es zeigt sich, dass alle Durchschnitte am Fallen sind, jedoch die kurzfristigen sich noch wacker über den langfristigen halten. Bleibt das weiter der Fall oder kommt der Strömungsabriss und die Kurse fallen noch weiter?

Schauen wir uns dafür die Lageampel im Detail an.

2. Die Kauf-Lageampel

Die Langfristige Sicht

Auf langfristige Sicht hat sich die Lage seit Anfang August kontinuierlich verschlechtert (siehe dazu oberer Indikator im unteren Bild; unterer Graph zeigt den Verlauf des S&P 500 verfärbt mit den Ampelfarben dar). Die Lageampel ist von >7 im Sommer in einem Sinkflug, der aktuell bei 4,7 Punkten von max. 10 ist.

Woran liegt das? Nun, zum einen hatten wir Anfang des Jahres bei den Fondsmanagern eine komplett andere Asset Allocation. Anstatt aktuell (vor der Korrektur...das ist die letzte, die existiert) einer extremen Übergewichtung von amerikanischen Aktien hatten wir Anfang des Jahres eine deutliche Untergewichtung.

Gespannt können wir auf die nächste Asset Allocation sein - mal sehen, wie sich die Kräfte verschoben haben.

Ansonten haben sich die anderen Prüfpunkte meiner Matrix ebenfalls kontinuierlich verschlechtert - im wesentlichen die Price-Action.

Die Mittelfristige Sicht

Aus mittelfristiger Sicht sieht das ganze auch nicht viel besser aus (siehe dazu oberer Indikator im unteren Bild; unterer Graph zeigt den Verlauf des S&P 500 verfärbt mit den Ampelfarben dar). Einzig zeichnet sich in den letzten Tagen eine Bodenbewegung aus. Woran liegt das?

Der Bullish Percent Index ist in den letzten Wochen richtig "runter gebrettert" und steht bei nur noch 18%. 18 % der 500! Unternehmen im S&P 500 stehen auf einem Point & Figure Kaufsignal. Das ist nicht mehr viel. Wir sehen im historischen Vergleich, dass nur noch 2008 schlimmer war mit seinen 2% ! Das riecht nach guten Einkaufskursen...

Jedoch: der Status des Indikators ist Bear Confirmed, gleich bedeutend mit: "Lass die Finger vom Markt"

Interessant ist der historische Vergleich der Drawdowns von Doug Short: kurz vor Erreichen der -20%-Korrekturmarke (Start Bear Market) hat der Markt wieder gedreht. Interessant oder? Maschinen am Werk?

Andere Aspekte machen ebenfalls Mut:

Das AAII Sentiment ist verängstigt: wir haben überdurchschnittlich viele bearish eingestellte Marktteilnehmer.

Ebenfalls steigt die Anzahl der Unternehmen im S&P 500, die über dem SMA 200 sind, wieder an.

Die Price Action macht noch keinen Sonnenschein (siehe Bild unten):
Für mich schreit hier alles im Wochen-Chart des S&P 500 nach "Lass die Finger weg":
- Der PPO Indikator (oben) ist noch am Fallen, aber im überverkauften Bereich): bald werden gute Kaufkurse kommen
- Der RRG Indikator (unten) ist ebenfalls extrem überverkauft, aber ebenfalls noch nicht am drehen.
- Die Price Action des S&P 500 zeigt Anzeichen eines Keils.
- Die Volumenverteilung ist mit roten Balken deutlich in der Überzahl

Die kurzfristige Sicht

Kurzfristig sehe ich die schönsten Blütenknospen von allen Zeit-Horizonten.
- der Fear and Greed Index ist am Boden (extrem Fear)
- der Prozent der 10 Indikator ist mit 8% am Boden, aber am steigen; einziger Wehmutstropfen ist, dass der High-Low-Indikator noch am Fallen ist.
- der PPO Indikator hat angefangen, zu drehen.

Wenn wir genauer hinschauen, sehen wir, dass die letzten Tage einfach nur eine Rally mit Ansage war: der Markt war einfach so überverkauft, dass es nicht mehr weiter runter gehen konnte. Aktuell haben wir nur ansatzweise das 38-er Fibonacci Retracement erreicht. Um einen richtigen Frühling zu erreichen, braucht es etwas mehr Bounce, als das. Der SMA 200 ist noch weit entfernt - das ist die Hürde, die zum Beispiel zu nehmen ist. Hat der Markt diese Kraft? Mehr im Ausblick unten...

3. RRG-Charts - Die anderen Assets und Sektoren

Wie sieht die Gesamtlage in den anderen Assets und Sektoren aus? Ups - der S&P 500 fliegt ganz allein im roten Sektor herum, ohne Anzeichen einer Drehung...Alles andere verhält sich zur Vergleichsbasis, dem VBINX, besser als der S&P 500.

Das RRG-Chart der anderen Länder und Assets zum VBINX sieht wie folgt aus:

Schauen wir auf die Sektoren im amerikanischen Markt:

Hier zeigt sich eine interessante Entwicklung: der konservative Consumer-Trade der letzten Wochen long Staples/ short Disc. findet so langsam ein Ende. Die Consumer Staples (XLP), Health Care (XLV) und die Utilities (XLU) fangen an, im grünen Bereich zu drehen. Auf der anderen Seite sehen wir bei den spekulativen Sektoren eine Drehung in den blauen Sektor (allen voren der ARKW)

4. Der Ausblick

Ich habe wie Hari es gerne macht meine Glaskugel vom Dachboden geholt - sollte dieses ähnlich dem von Hari sein, tut es mir leid, ich kenne seines nicht aufgrund meiner Offline-Zeit:

Herausgekommen ist folgendes - bitte beachten dies ist nur ein Szenario:
- wir bekommen mit Jahresanfang eine Rally in die Widerstandszone des Keils. Warum? Weil die Lage nach fast 20%$ Korrektur sowie der Zeitpunkt (Jahresanfang) reif für eine Rally ist. Vor Erreichen des SMA 200 vertrocknet der Kaufhunger und führt zu einer Korrektur zum Doppelboden. Diese Rally wird von den Investoren mit Handbremse mitgenommen, da ihr noch nicht zu trauen ist. Ich glaube, nach einem solchen Drawdown ist der Markt für ein V-Reversal und einem Durchziehen durch die Widerstände nicht bereit.
- von Frühjahr bis Sommer bekommen wir unsere "richtige Rally", die maximal mitgenommen werden wird - der Bruch des Keils führt zu höherem Kaufvolumen
- dann die Sommerpause mit einer kleinen Korrektur
- dann die Jahresendrally - die Käuferschar wird maximal unsicher in das Jahr 2020 gelassen: wir gehen am Top aus 2018 in den Jahreswechsel.

In der Summe führt das zu folgendem langfristigen Szenario: eine 3. Konsolidierungsbox, die sich von der Länge her in etwa den anderen beiden in den Vorjahren ähneln würde. Diese 3. Konsolidierungsbox kann zu einem langfristigen Top auswachsen oder der Beginn eines weiteren Laufs zu neuen Höhen...

Feedback, andere Meinungen, andere Szenarien?

Einen guten Rutsch wünscht

Euer

Hullahuppi

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Die erwartete Korrektur

Was wir in den letzten zwei Wochen erlebt haben, muss man wohl als ideale, erwartete Korrektur bezeichnen. Monatelang haben alle Marktteilnehmer darauf gewartet und dass in 2018 eine 10-20% Korrektur anstehen würde, war wenig überraschend und habe ich mehrfach geschrieben, so auch hier im freien Bereich zum Beispiel in -> Auf ein Neues! <-

Aber noch besser, nicht nur abstrakt war diese Korrektur zu erahnen, auch konkret haben wir sehr früh die Witterung aufgenommen, ein -> gelber Alarm <- am 02.02.18 kündet auch von aussen sichtbar davon, auch wenn dieser Artikel auf den Premium-Bereich begrenzt war.

Dann hatten wir am Freitag 09.02. ja dieses markante und denkwürdige Reversal am späten Abend, das gegen 19:30 Uhr einsetzte. Darauf haben wir schnell reagiert und am folgenden Sonntag 11.02. habe ich den Mitgliedern dann ein Chart für drei weitere Verlaufsszenarien gezeigt, das ich Ihnen hier nun auch im freien Bereich zeigen will und mit einem lila Kreis eingezeichnet habe, wo wir gerade stehen. Der Pfad (1) war dabei von den Wahrscheinlichkeiten her meine Präferenz:

Aber selbst wenn Sie in der Community nicht dabei sind und diese Infos und intensive Begleitung im "Schlachtengetümmel" nicht hatten, waren die letzten 2 Wochen immer noch die wahrscheinlich meist antizipierte und bestens vorbereitete Korrektur der letzten Jahre.

Und trotzdem konnte man wieder erleben, wie viele Anleger davon doch aus der Spur geworfen wurden. Auch im Herbst erlebt man ja immer wieder, wie die Autofahrer von den ersten Schneeflocken "überrascht" sind. Und Marktteilnehmer, die vorher noch davon geredet hatten, wie gerne sie doch zu besseren Kursen nachkaufen wollten, waren verunsichert, als die Kaufkurse dann da waren.

So ist das immer, von einer Korrektur zu reden und Sie zu erleben, sind eben zwei verschiedene paar Schuhe. Ich kann Ihnen nur wärmstens ans Herz legen, dazu meine folgende halbfiktionale Geschichte zu lesen:

-> Wie die Assyrer mir das Geheimnis der nächsten Börsenkrise offenbarten <-

Prüfen Sie sich also selber, wie Sie mit dieser Korrektur bisher umgegangen sind. Wenn schon diese sie in Unsicherheit gestürzt hat, haben Sie ein grundlegendes Problem, das Sie lösen müssen. Denn wenn es dann wirklich mal ernst wird und der Rebound nicht gleich kommt, werden sie von ihren Ängsten mit hoher Wahrscheinlichkeit überwältigt werden. Die Lösung dafür, ist eine eigene, belastbare Strategie und dabei kann Ihnen diese Community helfen.

Wie geht es nun weiter?

Folgt man dem alten Erfahrungswissen, wäre ein erneuter Taucher zu den Tiefs im Sinne des Pfades (2) oben nur völlig normal. Dieses alte Erfahrungswissen ist aber durch die mehr und mehr dominanten Algos teilweise obsolet geworden, denn diese Algos sind darauf programmiert genau das Erfahrungswissen abszuschöpfen, was im reflexiven Markt zu verändertem Kursverhalten sorgt.

Ein weiterer Anstieg im Sinne eines "V" in den US-Indizes würde also dem 2017er Muster entsprechen, allerdings bin ich nicht überzeugt, dass der Markt nach oben noch sehr viel Kraft hat und vermute um die 3.000 im S&P500 einen mittelfristigen Deckel, wie auch in -> Crash, Boom, Bang! <- erläutert.

In dem Artikel habe ich dieses langfristige Chart des S&P500 gezeigt, das eine langfristige Konsolidierung zeigt, die bei ca. 3.000 einen Deckel bekommt - ein Szenario, das ich mir sehr gut vorstellen kann:

,

Und der DAX? Der ist weiter relativ zu den US Märkten sehr schwach, was mit hoher Wahrscheinlickeit an Abgaben von US Investoren liegt. Man schaue sich nur mal den deutschen Markt aus Sicht eines US ETFs in Dollar an, dann erkennt man wie stark die Abgaben waren, während es kaum zu Aufwärtsvolumen gekommen ist:

Das sieht nicht sehr gut aus und ohne Käufe der dominanten US Investoren kann man sich das ganze Gerede vom "besser als die US Märkte bewerteten DAX" sonst wohin schmieren. Bewertungskennziffern sind kein Timing-Indikator, waren es nie und werden es nie sein, auch wenn permanent anderes geredet wird. Der Markt ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage und wenn keine Nachfrage da ist, ist eben keine da und die Kurse können nicht steigen.

Summa Summarum war die Korrektur bisher ein Weckruf, mehr nicht. Kluge Anlager betrachten diese als Testfall für die eigene Psychologie, wer schon damit nicht gut klargekommen ist, hat dringenden Handlungsbedarf.

Über den aktuell laufenden Rebound hinaus, ist die Frage berechtigt, ob dieser Markt nun noch so furchtbar viel Potential nach oben hat. Ich bezweifele das aktuell und rate daher dazu nun ganz kritisch hinzuschauen, insbesondere wenn der Markt nun seitwärts zu laufen beginnt. Eine temporäre Topbildung in den US Indizes ist nun absolut denkbar und wir wissen, dass Topbildungen Zeit brauchen und von mehrfachen Versuchen geprägt sind, die wieder zu den Hochs führen oder scheitern.

Ob wir so etwas im Sinne Pfad (1) gerade erleben, wird für alle Anleger eine wichtigen Information sein. Nur ein klarer Anstieg über 3.000 hinweg, kann im S&P500 diese grundsätzliche Frage aus dem Spiel nehmen.

Ihr Hari

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Der Börsen-Juni kurz und klar

Ach würden wir alle gerne wissen, wie die nächsten Börsenwochen konkret werden und was könnten wir dann toll Geld verdienen. Konjunktiv eben - hätte, hätte, Fahrradkette. 😉

Dass wir aber die Zukunft nicht kennen und auch Prognosen umso unwahrscheinlicher werden, je lautstärker und überzeugter sie vorgetragen werden, heisst ja im Umkehrschluss nicht, dass wir gar nichts wissen.

Denn der Juni steht nun bevor und mit ihm der Sommerhandel. Da liste ich hier doch mal ein paar Dinge auf, die wir Stand heute 29.05.17 wirklich wissen. Mit diesem Wissen durch die Märkte zu navigieren, ist aber immer noch unsere eigene Aufgabe.

Erstens steht im Juni am 14.06. die nächste FED-Sitzung an, an der schon jetzt in Mehrheit eine weitere Zinserhöhung erwartet wird. Die US Arbeitsmarktdaten diesen Freitag 02.06., werden dafür den Weg weisen.

Zweitens fallen Zinserhöhungen der FED - auch wenn sie in Mehrheit schon erwartet wurden - gerne mit leichter Marktschwäche zusammen. Ein Positivum für den Markt ist es auf jeden Fall nicht.

Drittens haben Juni und August historisch keinen guten Ruf und sind traditionell die beiden schlechtesten Börsenmonate des Jahres an den US Märkten. Nun sind so historische Saisonalitäten keine Garantie, wenn der Markt aber sowieso korrekturreif ist, sollte man sie nicht völlig ignorieren.

Viertens läuft der Markt nun seit der Wahl Trumps im November letzten Jahres ohne ernst zu nehmende Korrektur und jede derartige Strähne endet mal, auch in Bullenmärkten.

Fünftens wird eine Korrektur, wenn sie denn kommt, sich ebenso scharf und schnell in Bewegung setzen, wie der Einbruch am Mittwoch 17.05. vor knapp zwei Wochen, als Enttäuschung über Trump doch plötzlich dem Markt etwas bedeutet hat. Rechnen wir also nicht mit einer langen Vorwarnung.

Sechstens ist der übergeordnete Aufwärtsrtrend aber so stark, dass man von seiner Fortsetzung ausgehen kann. Eine potentielle Juni-Korrektur ist also auch Chance, wenn sie denn überhaupt kommt.

Für mittel- und langfristige Anleger ist die grosse Lage also recht klar. Man kann und darf nun mal ein paar Teilgewinne mitnehmen und das Exposure im Markt über den Sommer hinweg verringern, der Aufwärtstrend dürfte aber auch durch eine theoretische 5-10% Korrektur im Juni nicht in Frage gestellt werden.

Was diese grobe Marktlage für Sie persönlich und Ihr Depot bedeutet, müssen Sie selber wissen, oder zu uns dazu stossen und es mit uns diskutieren.

Ihr Hari

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Kein Sommertrend absehbar



Guten Morgen!

Der Brexit ist mit Unterschrift vollzogen, für den Markt dürfte das aber "kalter Kaffee" sein, denn dass das Ende März passiert, war ja lange bekannt. Die Kurse werden von Erwartungen und damit von der Zukunft bewegt und insofern richtet sich das Augenmerk des Marktes nun darauf, wie diese Verhandlungen laufen werden und welche Ergebnisse absehbar sind.

Wir laufen nun am Freitag auf das Quartalsende zu und da wir ein gutes Quartal hatten, dürfte das Window Dressing sich auch in bullischer Richtung manifestieren und ich gehe daher davon aus, dass bis Freitag korrekturtechnisch nichts mehr anbrennen wird.

Kommende Woche, mit dem Beginn des zweiten Quartals, sind wir dann in einem ganz anderen Spiel. Und da sollten wir uns ganz trocken an den harten Fakten von Trends orientieren.

Solange der SP500 das Hoch von der FED vom 15.03.17 bei 2.390 nicht nimmt, bleibt eine Korrektur auf der Agenda und der seit 01.03. bestehende Abwärtstrend in Kraft!

Auch wenn es aktuell nicht mehr so aussieht, als ob die Bären Krallen haben, ein Trend ist ein Trend bis er endet.

In Summe sind wir damit leider weiter in der schwierigen Sandwich-Position zwischen einem starken Markt, den man nicht bekämpft und einem deutlichen Korrekturbedarf, der immer noch unbefriedigt ist.

Diese unklare Lage zeigt sich auch im grösseren Bild. Wenn Sie sich erinnern, habe ich mich letztes Jahr im Premium Bereich schon im April und im freien Bereich dann am 02.05. auf die -> Sommerstarre <- als grosse Wetterlage bis in den Herbst hinein festgelegt. Und das war ja nun wirklich eine zutreffende Beschreibung dessen, was uns dann bevor stand.

Damals war die Marktlage für mich auch recht klar, dieses Frühjahr ist sie das nicht, das Fehlen der Korrektur macht es sehr schwierig, hier mittelfristige Aussagen zu treffen. Und dass ich dieses Mal noch keine Aussage zum Sommer machen kann, ist ja auch eine Aussage.

Ich werde auf jeden Fall nun nicht irgendwelche Prognosen generieren, nur um den Eindruck von Kompetenz vorzuschützen - wie so viele das gerne tun und damit in der Regel auch durchkommen. Der weise Mann weiss, was er nicht weiss und ich weiss im Moment leider noch nichts über den Sommer, selbst die Wochen im April sind noch im Nebel. Und wenn wir so eine undurchsichtige Lage vor uns haben, sollten wir den Markt auch einfach Schritt für Schritt nehmen und uns die grossen Prognosen tunlichst verkneifen.

Aber wenigstens bis Freitag haben wir vermutlich ruhiges Fahrwasser vor uns. Dem DAX könnte das einen Angriff auf die Allzeithochs vom 06.04.15 bei 12.390 ermöglichen. Das wäre dann ein Punkt, ab dem ab Anfang April sicher auch mal wieder eine Konsolidierung einsetzen wird:

Ganz wichtig ist nach wie vor die Enttscheidungssituation beim Dollar, die ich Ihnen gestern in -> Der Zwergenmarkt <- nahe gebracht habe. Davon hängt viel ab, auch der Ausbruch bei Gold.

Das Edelmetall wurde gestern beim ersten Versuch den Ausbruch über die 200-Tage-Linie hinweg und über die fallende Trendlinie hinweg (siehe gestern) zu vollziehen, hart abgewiesen.

Das ist aber nicht ungewöhnlich und sagt noch nichts darüber, ob es dann nicht doch diesen Verlauf nimmt. Der Dollar dürfte bei dieser Frage die Hauptrolle spielen:

Im Saldo machen wir also weiter, bleiben dabei und bleiben vorsichtig. Und vergessen nicht, dass wir im ganz grossen Bild trotz aller Korrekturgefahren eher Mitten in einem neuen Bullenmarkt sind, der noch Luft nach oben hat und hier nicht enden muss:

Bis später.

Ihr Hari

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Marktbetrachtung: Börsenindikatoren – Kaufen oder Verkaufen ?

Wir befinden uns in volatilen Börsenzeiten. Die Orientierung fällt schwer. Der Markt macht, was er will und nicht das, was wir wollen. Märkte sind aber letztlich menschengemacht; also machen Märkte das, was Menschen in ihrer Gesamtheit wollen oder nicht wollen. Dieses Wollen oder Nicht-Wollen spiegelt sich in den Kursen. Aber was steuert dieses Wollen oder Nicht-Wollen ?

Die Summe der Faktoren, die dieses Wollen oder Nicht-Wollen beeinflusst, kann verdichtet und die Komplexität des Marktgeschehens damit reduziert werden. Einige Leute haben Börsenindikatoren entwickelt, die diese Einflussfaktoren messen und anhand derer Entscheidungsregeln abgeleitet werden können. Manche davon sind sogar öffentlich zugänglich.

Da gibt es die Börsensignale des „Börsenpfarrers“ Uwe Lang. Er wurde damit bekannt, als sein Signalsystem 1987 vor einem Aktiencrash warnte und damit recht behielt. Dieser Indikator umfasst wesentliche makroökonomische Indikatoren und hat seit Bestehen sehr gut abgeschnitten. Es wurden aber nicht alle Börsenphasen gleich gut „erwischt“; so haben die „Börsensignale“ den Peak im Frühjahr 2015 nicht als solchen erkannt und sind dem sinkenden DAX nach unten gefolgt. Aktuell zeigt sich der „Börsenpfarrer“ unentschieden; für ihn steht der DAX momentan auf der Kippe. Er ist allerdings etwas schwankend in seiner Bewertung der kursbestimmenden Faktoren: Hat er lange Jahre einem sinkenden Ölpreis einen positiven Einfluss auf den Aktienmarkt zugebilligt, so tut er dies seit einigen Monaten nicht mehr. Natürlich können sich Marktkorrelationen im Zeitablauf verändern; dann aber wird es schwer, Markteinschätzungen auf solchen Faktoren zu basieren. Zum Thema Ölpreis selber übrigens gäbe es einiges zu sagen, aber das würde den Rahmen des heutigen Beitrags sprengen.

Da gibt es außerdem die „Börsenampel“ oder den „Bampex“ der Vermögensverwalter von „Galiplan“. Die „Börsenampel“ hat, ebenso wie „Börsenpfarrer“ Lang, den DAX klar geschlagen. Wir wissen allerdings nicht, wie sich diese Börsenampel zusammen setzt; wir wissen nur, dass es etwa 30 verschiedene Faktoren sind, die über die Einstufung entscheiden. Das ist eine ganze Menge. Momentan lautet die Einstufung auf Neutral. Hier liegt ein Unterschied zum vorgenannten System, es kennt die Zustände „Kaufen“, “Halten“ und „Verkaufen“, ersteres nur „Kaufen“ und „Verkaufen“.

Einer der bekanntesten Börsenindikatoren ist der Gebert-Indikator. Er stützt seine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen für den DAX auf vier Faktoren, die Saison, den Notenbankzins, den US-Dollar und auf die Inflationsrate. Ich habe große Sympathie für den Gebert-Indikator. Zum einen habe ich einige der Gebert-Faktoren ja selber schon in Beiträgen sehr ausführlich behandelt („Sell in May“, „don't fight the fed“ - ich kannte den Gebert-Indikator damals allerdings noch nicht), zum andern ist das Entscheidungssystem denkbar einfach und transparent; man könnte nachts aufwachen und es sich aus dem Stand herleiten. Und vor allem hat auch das Gebert-System in der Vergangenheit den DAX klar geschlagen. Nun hat es Anfang Mai erstmalig seit Anfang 2012 ein Verkaufssignal geliefert.

Ich habe mir von der Web-Seite www.daxjaeger-blog.de die Monatsdaten des Gebert-Systems heruntergeladen und mir darauf aufbauend die Kauf- und Verkaufsempfehlungen des Systems abgeleitet. Das Ergebnis seit Anfang 2000 ist in folgender Grafik zu sehen:

Gebert System ab 2000

Hätte man zu Anfang des Jahres 2000 „den DAX“ zu 100.000 Euro gekauft und sich an die Empfehlungen des Gebert-Systems gehalten, so wäre man am 01. Mai 2016 bei ca. 331.300 Euro gelandet. Dabei wird angenommen, das keine Transaktionskosten angefallen wären und auch keine Zinserträge aus Festgeldern bei Fernbleiben vom Aktienmarkt. Man hätte dann eine Jahresrendite von ca. 7,6 Prozent erzielt.

Zum Vergleich: Hätte man damals „den DAX“ bei 6.835,60 Punkten gekauft und einfach behalten, dann läge man jetzt bei ca. 140.500 Euro; der DAX stand per Anfang Mai bei 10.038,97 Punkten. Das entspricht einer annualisierten Rendite von 2,1 Prozent. Der Gebert-Indikator hätte also den DAX klar geschlagen. Wohldefiniertes Markt-Timing erweist sich damit dem „Buy and Hold“ als klar überlegen.

Der Gebert-Indikator hat mich zu einem ähnlichen Indikator inspiriert, welcher eine vergrößerte Anzahl von Makrovariablen umfasst. Er ist hierin ungefähr dem Indikator von „Börsenpfarrer“ Lang vergleichbar. Das Strickmuster ist ähnlich: Kaufe, wenn die Mehrzahl der Indikatoren ein positives Signal liefert; verkaufe, wenn in der Mehrzahl der Fälle die Signallage negativ ist. Bei der Auswahl der Indikatoren war neben den bisherigen Erkenntnissen auch die ökonomische Theorie maßgeblich. Mit den so ausgewählten Indikatoren wurden folgende Signale ab Anfang 2000 erzeugt:

Eigenes System ab 2000

Zuletzt war es hier so, daß Anfang 2012 ein Kaufsignal erzeugt wurde, welches bis Februar 2016 Bestand hatte. Dann entstand ein Verkaufssignal, wenn auch ein schwaches. Es war jedoch nur bis April gültig, als die Konjunkturlage(was sonst ?) wieder besser wurde und die EZB eine weitere monetäre Lockerung ankündigte. Der Indikator schaltete wieder auf „Kaufen“. Das Signal vom Mai war wieder neutral. Ändern sich also die Bedingungen, ändert sich auch die Einschätzung des Indikators.

Hätte man seit Anfang 2000 nach den Empfehlungen dieses Indikators gehandelt, so läge man jetzt bei etwa 867.000 Euro – das macht ca. 14,1 Prozent pro Jahr. Damit wurde nicht nur der DAX, sondern auch der Gebert-Indikator klar abgehängt . Auch Starinvestor Warren Buffett dürfte kaum besser abgeschnitten haben. Das fantastische Ergebnis liegt darin begründet, daß die großen Kursbewegungen nicht nur korrekt, sondern auch relativ zeitnah erfasst wurden.

Eine Ausnahme bildet leider auch hier das Frühjahr 2015. Zu dieser Zeit wurde wie bei Gebert und bei „Börsenpfarrer“ Lang kein Verkaufssignal erzeugt und der seitherige Abstieg mitgemacht. Das liegt wahrscheinlich daran, daß die Dynamik der monetären Expansion sich verändert hat. Eine expansive Geldpolitik ist immer am wirkungsvollsten zu ihrem Beginn; im Zeitablauf lässt sie nach, da ihre Wirkung zunehmend eingepreist wird. Auch wurden exogene Schocks wie die Griechenlandkrise nicht ausreichend erfasst. Damit werden zugleich die Grenzen eines Makromodells aufgezeigt, bei dem zeitlich invariante Auswirkungen von Variablenänderungen unterstellt werden. Es würde dem Modell wahrscheinlich gut tun, wenn die Geldpolitik wieder „normaler“ werden würde. Zudem enthält der DAX einige „schwierige Passagiere“, so daß er auf negative Einflüsse überproportional schwach reagiert.

Ein Caveat: Es war in der Vergangenheit sehr gut möglich, das Marktverhalten anhand der Faktoren zu erfassen, die dieses langfristig beeinflusst haben. Ob das auch in Zukunft so sein wird, vermag ich nicht vorherzusagen. Modelle können auch einmal danebenliegen, wie die Entwicklung in 2015 gezeigt hat; aber der Markt hat nie unrecht. Auch in Zukunft nicht.

DAX-Betrachtung: Ende der Korrekturbaisse ?

Aktiencharts verraten viel über die Verfassung eines Indexes oder eine Aktie. Deswegen sind für mich bestimmte Linien von Interesse. Beim aktuellen DAX sind das folgende Linien:

Entscheidung vertagt !

1. Der langfristige, seit Herbst 2011 gültige log-lineare Trend (gestrichelte Linie), um den der Kursverlauf schwankt. Er wird nach unten begrenzt durch die Linie ACEH. Noch immer liegt der aktuelle DAX unterhalb dieser Geraden. Diese Linie zeigt die gemittelte Dynamik des langfristigen Aufwärtstrends.

2. Die seit Frühjahr 2015 gültige obere Begrenzungslinie des mittelfristigen Abwärtstrends, bezeichnet durch die Gerade FGH. Ein Überschreiten dieser Linie würde diesen mittelfristigen Abwärtstrend invalide machen.

3. Die Resultante dieser beiden Linien ergibt einen Schnittpunkt bei Punkt H. Dieser Schnittpunkt wurde verfehlt. Der DAX läuft damit immer noch im Korrekturmodus. Dazu passt, daß auch die 200-Tage Linie (blau markiert) noch nicht wieder überschritten wurde. Auch befindet sich die 50-Tage-Linie (orangefarbene Linie) unterhalb der 200-Tage-Linie, was einen weiter gültigen Abwärtstrend signalisiert. Da der DAX als Performanceindex jedoch die meiste Zeit über der 200-Tage-Linie läuft, dürfte er diese früher oder später nach oben überschreiten.

4. Die Unterstützungslinie bei 9.500 Punkten. Diese Linie hat letzte Woche gehalten, so daß einiges dafür spricht, daß die Marktteilnehmer sie als Untergrenze ansehen. Denn der DAX wird gekauft, sobald sich die Kurse dieser Linie nähern. Im Februar wurde der DAX kurzzeitig und mit Macht unter diese Marke gedrückt. Diese Attacke hatte aber nicht Bestand.

Summa summarum ist noch nicht zu sehen, dass die Korrekturbaisse bereits zu Ende ist, aber sie ist gebremst, so wie es aussieht.

Schauen wir uns noch die aktuelle Entwicklung in der Nahaufnahme an. Hier sieht man noch die Fortschreibung des mittelfristigen Abwärtstrends, welche zu einem DAX-Stand von 9.200 Punkten gegen Jahresende führen würde, sollte der negative Trend anhalten. Ein Überschreiten der Linie FGH würde ihn hinfällig machen.

Entscheidung vertagt II

Wird der DAX weiter abwärts tendieren oder ist die Korrektur zu Ende ? Sollten die Gewinnaussichten der Unternehmen wieder besser eingeschätzt werden, dann wird sich das auch in den Kursen niederschlagen. Das Vorhandensein von Trends indiziert jedoch eine gewisse Eigendynamik der Entwicklung. Vom erstmaligen Betätigen der Bremse bis zum Stillstand vergeht eine gewisse Zeit.