Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

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Der DOW und der DAX – zwei Indizes mit Problemen

Wissen Sie hier im freien Bereich eigentlich, warum ich immer über den S&P500 rede und nicht über den bei Laien bekannteren Dow Jones Industrial Average (DJIA), kurz auch DOW genannt?

Wissen Sie, dass der DOW ein Anachronismus ist, ein obskurer Index ohne eigene Aussagekraft?

Und wissen Sie auch, dass der bekannte DAX ein "Performance-Index" ist und fast alle anderen Indizes nicht und der DAX deswegen im Vergleich eine Stärke vorgaukelt, die in der Realität gar nicht gegeben ist?

Und wissen Sie auch, dass es den DAX auch als "Kursindex" gibt, der vergleichbar zu fast allen anderen Indizes wäre, den aber kaum jemand kennt und benutzt?

Wenn ja, werden Sie nun nichts Neues erfahren. Wenn nein, sollten Sie das wissen.

Das Problem, das beide teilen:

Der DOW - wie der DAX - besteht nur aus 30 Aktien. Das ist gerade für den riesigen US Markt nicht breit genug, um ernsthaft den Markt zu repräsentieren. Der S&P500 mit seinen 500 grössten US Aktien, ist dagegen eine sinnvolle Repräsentierung des US Aktienmarktes und damit der wichtigste Index weltweit.

Dieses Problem hat der DAX aber auch und wenn wir seinen Verlauf mit dem des MDAX vergleichen, der viel mehr "typisch deutsche" Mittelstandsaktien beinhaltet, sehen wir auch schnell, dass der DAX keine perfekte Repräsentierung des deutschen Aktienmarktes ist. So ist der MDAX in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen, weil im DAX eben mit den Autobauern oder Banken Werte versammelt waren, die durch eine tiefe Baisse gegangen sind.

Dieses Problem ist ja aber noch erträglich, denn es gibt viele Indizes mit wenigen Werten, der spanische IBEX hat 35, der italienische MIB 40 und der französische CAC auch 40. Das macht die Aussagekraft dieser Indizes nicht besser und mit einem S&P500, Nasdaq100 oder Russel2000 (dem US Nebenwerte-Index) können die in ihrer Aussagekraft alle nicht ansatzweise mithalten. Aber immerhin ist der DAX keine Unikum in seiner Bandbreite, der DOW ist eben nicht besser.

Das Problem des DAX

Dieses Problem ist grösser, der DAX ist sozusagen ein "Scheinriese". Denn in der uns allen bekannten Form, ist der DAX als "Performance Index" konstruiert, der Dividenden inkludiert. Der DAX bildet also nicht die Summe der aktuellen Kurse bzw die Summe der aktuellen Marktkapitalisierung ab, sondern er führt auch aus der Vergangenheit alle ausgeschütteten Dividenden mit, so als ob man von Anfang an ohne Unterbrechung im DAX investiert gewesen wäre.

Nun kann man eine längliche Diskussionen darüber führen, ob Kurs- oder Performance-Index die bessere Variante wäre, die ein getreueres Abbild der echten beim Anleger ankommenden Performance liefert. Diese Diskussion ist aber akademisch, denn man kann ganz legitim beides machen und beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Dass die Darstellung des DAX als Performance-Index ein Problem ist liegt also nicht daran, dass die Darstellung perse "falsch" wäre, sondern an der mangelnden Vergleichbarkeit. Fast alle Indizes der Welt sind Kursindizes, die also mit verschiedenen Methoden die aktuellen Kurse summarisch abbilden, keine alten Dividenden inkludieren und damit auch keine Vergangenheitsdaten mitschleppen, um eine langjährige Pseudo-Performance zu errechnen. Eine Pseudo-Performance deshalb, weil diese wegen Steuereffekten bei den Dividenen-Zahlungen gar nicht zu erreichen ist, in dem man alle Aktien des DAX ins Depot legt.

Beim DAX ist es aber noch schlimmer, der schleppt durch seine Berechnungsmethode indirekt sogar noch die alten 1000er Kurse der Volkswagenstämme mit, weil durch die Umstellung auf die Vorzüge im Winter 2009, der alte Zustand sozusagen "eingefroren" wurde und von dort aus weitergerechnet wurde.

Aber wie auch immer, der Punkt ist, ein fairer Vergleich des DAX mit den meisten anderen Indizes müsste mit dem Kursindex erfolgen, denn auch S&P500 und Co. schütten ja Dividenden aus und das kräftig. Ein paar grobe Vergleiche können Sie sich -> hier < - anschauen, wenn es Sie interessiert. Dann wird klar, wie viel schwächer der DAX in Realität als die US Indizes ist, kein Wunder bei dieser nicht vorhandenen, inländischen Aktienkultur. 😉 Nur gegenüber dem Eurostoxx liegt der DAX richtig vorne, wer das "warum" verstehen will, muss nur auf die Eurokrise schauen.

Der DAX, so wie er uns immer als Perfomance-Index verkauft wird und am Jahresende mit seiner Performance dem S&P500 gegenüber gestellt wird, ist also ein "Scheinriese", der Vergleich ist so eigentlich unzulässig.

Wir haben aber in Deutschland keine Alternative wie den S&P500. Sicher gibt es breitere Indizes, wie zum Beispiel den CDAX, der das ganze deutsche Aktienuniversum abdeckt. Bei Indizes gilt aber die Regel, dass nur relevant ist, was auch beobachtet wird. Denn nur Indizes, die die Anleger vor Augen haben und auf die es viele Derivate und ETFs gibt, haben auch Aussagekraft im Sinne der Marktmuster. Insofern müssen wir hier weiter mit dem DAX leben, auch wenn er eher aus der Reihe fällt und die deutschen Akienmärkte nur höchst unzureichend abbildet.

Dieses markante Problem des DAX, das diesen im internationalen Vergleich als Scheinriesen aufpumpt, ist aber noch beherrschbar und nichts gegen das zweite grosse Problem des DOW.

Weiterlesen ...Der DOW und der DAX – zwei Indizes mit Problemen

Die EZB Rally oder: Der beste DAX heisst MDAX

In den letzten beiden Jahren gab es eine feste Grösse, auf die wir uns bei einer strategischen Asset Allokation zuverlässig verlassen konnten. Und das war die Tatsache, dass die US Indizes besser laufen, als die europäischen.

Das war ja auch kein Wunder, denn während die Konjunktur in den USA wieder Tritt fasste, woran billiges Gas seinen Anteil hatte, dümpelte Europa anämisch vor sich hin.

Verstärkt wurde der Effekt durch die Stärke des US Dollar, die die grossen Kapitalströme in die US Märkte zog. Denn wenn ich ein weltweit agierender Asset-Manager bin, dann wähle ich doch bevorzugt Märkte, bei denen schon alleine die Währungsentwicklung für Gewinne sorgen wird, völlig unabhängig von einer Kursentwicklung.

Wobei der Dollar und die Stärke der US Märkte ja ein bisschen wie das "Henne und Ei" Problem ist. Einerseits spielt die Zinserwartung an die Notenbank natürlich auch eine Rolle und die FED signalisiert ja, dass sie in 2015 die Zinsen wieder erhöhen will. Anderseits sorgt aber gerade eine starke Wirtschaft für eine harte Währung, Deutschland hat das ja in den Zeiten der Bundesbank (sie ruhe in Frieden - ich trauere ihr nach) immer wieder vorgemacht.

Insofern ist der starke Dollar nicht nur Auslöser für Kapitalströme, sondern er ist auch Folge der starken US Wirtschaft und letztlich haben wir es hier mit einer sich gegenseitig verstärkenden Wirkung wie in kommunizierenden Röhren zu tun.

Nun aber, mit dem Beginn von 2015, scheint sich eine Änderung dieser Überperformance der US Märkte anzudeuten. Zumindest ist das in den Charts klar zu sehen, die ich Ihnen nun zeigen will.

Schauen wir erst einmal auf den S&P500, der in 2015 wild schwingt und relativ richtungslos ist, mit der Gefahr eine Topbildung zu vollziehen:

S&P500 15.01.15 2

Zum Vergleich schauen wir auf den DAX, der das Dreieck schon nach oben verlassen hat und eine klar bullische Grundstruktur besitzt:

DAX 15.01.15 2

Wir sehen deutlich, wie viel besser der S&P500 in ganz 2014 gelaufen ist. Dort war ein klarer Aufwärtstrend, während der DAX richtungslos vor sich hin eierte.

Deutlich wird aber auch, ab wann sich ein Unterschied zu dieser Entwicklung andeutete: eigentlich erst ab Anfang 2015, nachdem klar wurde, dass die EZB tatsächlich ein Anleihenkaufprogramm starten wird.

Damit wird die EZB Sitzung am kommenden Donnerstag 22.01.15 zum extrem wichtigen Faktor für die Märkte. Denn der Markt hat offensichtlich schon einen "Buy the Rumor" Trade aufgelegt, der derzeit im vollen Gange ist.

Abhängig davon, was die EZB real macht, wird dieser Trade wieder in sich zusammen fallen oder, wir erleben den Start einer grundlegenden Änderung der Kapitalströme, dieses mal aus den US Indizes in die europäischen Märkte.

Die Chancen für Letzteres sind gar nicht schlecht, denn der starke Dollar entfaltet zunehmend seine Wirkung und macht der US Industrie das Leben nicht leichter, zumal nun durch den einbrechenden Ölpreis auch Sorgen um die Fracking-Industrie hinzu kommen.

Und der Fracking-Boom hat natürlich in der Vergangenheit massive Investitionen ausgelöst, von denen viele Industrieunternehmen wie General Electric (851144, GE) profitiert haben. Der absehbare Zusammenbruch dieser Industrie, hinterlässt nun eine Schleifspur bei den Zulieferern und Dienstleistern, auch die schwache Kursentwicklung von GE hat genau mit dieser Erwartung des Marktes zu tun.

Gleichzeitig sollte der schwache Euro die europäische Exportwirtschaft zunehmend stützen. Das ist sicher nur ein kurzfristiger Effekt, Währungsabwertungen haben noch nie zu einer starken Wirtschaft geführt und die US Industrie wird langfristig unter dem Druck des Dollar nur noch stärker und wettbewerbsfähiger werden. Mittelfristig, mit der Sicht auf Monate, ist das aber ein positiver Faktor für die europäischen Unternehmen und die Sicht auf die kommenden Monate ist ja die, die uns beim Handel an den Märkten besonders interessiert. Langfristig sind wir sowieso alle tot. 😉

Auf jeden Fall haben die europäischen Aktienmärkte sowieso eine Menge nachzuholen, die Erwartungen an eine positive Überraschung sind gering und gleichzeitig deuten aber makroökonomische Entwicklungen und die Politik der Notenbanken dahin, dass Europa die Chance hat zu überraschen.

Nun ist Mr. Market ja der beste Frühindikator den man sich vorstellen kann und deshalb ist es besonders interessant zu sehen, wo nun die stärksten Gewinne im "Buy the Rumor" Trade in die EZB hinein sind.

Da fällt mir einerseits der spanische Aktienindex IBEX35 ein, was kein Wunder ist, denn hier treffen die positiven Effekte eines möglichen Anleihenkaufprogramms auf schon vollzogene Strukturreformen, die im Gegensatz zum erstarrten Italien schon für sich alleine leichte Hoffnung für das Land machen.

Auffällig ist aber auch, dass der MDAX nun seit kurzer Zeit noch viel besser als der DAX aussieht und schon den Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen hat. Schauen wir auf das Chart und vergleichen wir das mit S&P500 und DAX oben, der Unterschied ist augenfällig!

MDAX 15.01.15

Die Gründe dafür sind offensichtlich. Der MDAX ist industrielastiger als der DAX, Maschinenbau ist hier ein wichtiger Faktor. Damit schlägt hier der schwache Euro besonders stark zu und auch die niedrigen Ölpreise sind ein positiver Katalysator.

Es könnte für die kommenden Monate also Sinn machen, auf Europas Exportindustrie zu setzen. Und wenn man das tut, führt kein Weg am MDAX und seinen Unternehmen vorbei.

Damit das Wirklichkeit wird, muss die EZB aber nächsten Donnerstag erst einmal liefern. Ich glaube übrigens kein bisschen daran, dass die Notenbank mit ihrer Geldpolitik die prinzipiellen Erstarrungen in Europa überwinden kann. Das könnte nur eine andere Politik, als wir sie haben und langfristig macht es daher jede Menge Sinn, weiter auf die US Industrie zu setzen, die ungleich bessere Voraussetzungen hat.

Aber für eine ein paar Monate andauernde Hoffnungsrally an den europäischen Märkten, ist die aktuelle Ausgangslage auf jeden Fall gut und wenn die EZB liefert, wird es der Markt wie ein Drogensüchtiger erst einmal goutieren. Was danach kommt, ist eine ganz andere Geschichte.

Achja .... und dann war da ja noch Griechenland. Aber "Who cares"? Die Schulden liegen mittlerweile bei der öffentlichen Hand, also uns, den Steuerzahlern. Und wir werden dafür blechen, das war schon immer klar, allen Beteuerungen unserer politischen "Elite" zum Trotz. Den Markt interessiert das aber nur noch am Rande, wenn es nicht zu völlig unkontrolliertem Chaos, bei einem möglichen "Grexit" kommen sollte.

Aber selbst der "Grexit" wird wohl ein schöner Traum bleiben, die absurde Logik des "Zusammenhaltens um jeden Preis" feiert in der Eurozone immer noch Urstände. Und solange die, die das bezahlen müssen, nicht die sind, die die Entscheidungen treffen, wird das auch so bleiben. Mit dem Geld Dritter lässt sich immer besonders freigebig um sich werfen.

Vielleicht sollte die Eurozone sich aber mal an der Medizin orientieren, in der sogar wichtige Körperteile wie Finger und sogar ein Bein bei einer unkontrollierbaren Infektion amputiert werden, um den Hauptkörper zu retten. Und auch der Körper ist ein komplexes System, dessen Reaktionen nur schwer vorher zu sehen und bestenfalls mit Wahrscheinlichkeiten zu fassen sind. Man macht es aber trotzdem, zum Wohl des grossen Ganzen.

Ihr Hari

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Betrachtung Deutsche Aktienindizes: Klimawandel – Ende der Liquiditätshausse ?

Betrachtung Deutsche Aktienindizes: Klimawandel – Ende der Liquiditätshausse ?

Ein Gastkommentar von Tokay

In den letzten Wochen kam gewaltige Bewegung in die Aktienmärkte, insbesondere in den deutschen Markt. Die neuerliche Verschärfung der Krise in der Ukraine wirkte sich hier besonders stark aus. Die Nerven zumal der Privatanleger wurden heftig auf die Probe gestellt. Man mochte sich nach der Annexion der Krim noch beruhigt haben mit „Politische Börsen haben kurze Beine“. Doch es steckt wohl noch etwas mehr hinter den Kursturbulenzen.

Betrachten wir zunächst wieder einmal das Chart des DAX. Seit Herbst 2011 ging es mit nur geringfügigen Unterbrechungen bergauf, der Trend war nach unten begrenzt durch die Linie ABC, nach oben war er begrenzt durch die Linie DEF. Seit etwa Jahresanfang ist nun der Aufwärtstrend ins Holpern gekommen. Die Kurse unterliegen ja immer gewissen Schwankungen, und es mag sein, dass der Aufwärtstrend nur zeitweilig verletzt wurde. Aber sicher ist das keineswegs. Ein Ansteuern des Bereichs um die 9000 Punkte kommt zunächst in Betracht. Sollte auch die 900er Marke nachhaltig verletzt werden, hätte man wahrscheinlich eine längere Korrekturphase zu gewärtigen.

DAX 2009 bis heute

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn man sich den kleinen High-Tech-Bruder des DAX anschaut, den TecDAX. Seit Herbst 2011 haben sich die Kurse der TecDAX-Aktien nahezu verdoppelt, und es ist völlig klar, dass ein solches Wachstum nicht unbegrenzt fortgeschrieben werden kann. Das Wachstum des TecDAX hat sich in dieser Zeit von der Geraden BD auf die Gerade DG beschleunigt, nach oben wurde es begrenzt durch die Linie EF. Diese Woche war es nun soweit und der Aufwärtstrend DG wurde deutlich gebrochen. Und doch könnte der TecDAX noch auf 1050 Punkte fallen, ohne dass sein übergeordneter Aufwärtstrend in Frage gestellt wäre. Indes hätte man dann aber bereits einen Rückgang von 20 Prozent gegenüber dem Kurshöchst hinzunehmen. Die Psychologie der Anleger dürfte bei solch beträchtlichen Verluste leiden. Eher trübe Aussichten also beim TecDAX.

TecDAX 2009 bis heute

Ganz ähnlich wie beim TecDAX die Situation beim MDAX: Dem Aufwärtstrend AB folgte die Trendbeschleunigung BC, begrenzt nach oben durch die Linie DE. Der Aufwärtstrend BC wurde nun in dieser Woche gebrochen. Eine Rückkehr auf die frühere Trendlinie AB wäre mit einem Fall auf 12000 bis 13000 Punkte verbunden, dies entspräche einer Kurseinbuße von immerhin ca. 25 Prozent. Und dennoch wäre der seit Herbst 2011 laufende Aufwärtstrend nicht verletzt, so dynamisch war dieser bisher. Freilich gelten Kursverluste von mehr als 20 Prozent als Baisse, und dem sollte man nicht schicksalsergeben zuschauen.

MDAX 2009 bis heute

Die neuerliche Entwicklung bei TecDAX und MDAX ist also bislang nur als Korrektur einer sehr dynamischen Aufwärtsentwicklung zu sehen. Von einer echten Korrektur oder gar einer Baisse kann man noch nicht sprechen, genausowenig beim DAX.

Dennoch sollte man die bisherigen Rückgänge nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn es sind durchaus bereits einige Wolken am Horizont aufgezogen:

  • Die Entwicklung des Anleihenmarktes, ablesbar am Kursverlauf des REX, hat bereits im vergangenen Frühjahr einen Höhepunkt erreicht, oder anders ausgedrückt, die Anleihezinsen haben zu jenem Zeitpunkt ein historisches Tief erreicht. Immer, wenn am Anleihenmarkt ein neuer Höchststand erreicht war, folgte bald darauf ein Markttop am Aktienmarkt. Im Rahmen der langjährigen Zyklizität ging es dann bei den Aktien nach unten.
  • Die monetäre Expansion ist weitgehend ausgereizt. Natürlich kann die EZB den Leitzins noch weiter senken, natürlich kann sie Anleihekaufprogramme starten, jedoch ist die Frage, ob sie damit die Entwicklung auf den Zinsmärkten nachhaltig beeinflussen kann. Die Erfahrungen in den USA sind eher ernüchternd.
  • Das Konjunkturklima hat bereits ebenfalls einen Höchststand erreicht. Die entsprechenden Befragungen des Ifo Instituts und des ZEW zeigen an, dass das Geschäftsklima wieder abnimmt. Wenn aber die Spitzenleute in den Unternehmen Verschlechterungen bei Umsätzen, Kosten und Gewinnen erwarten, dann werden diese Erwartungen demnächst ihren Niederschlag in den tatsächlichen Unternehmenszahlen finden. Auch trägt die aktuelle Regierungspolitik nicht eben zu einer Verbesserung der längerfristigen Rahmenbedingungen bei.
  • Und schließlich das an dieser Stelle unvermeidliche Stichwort „Sell in May“: Wie wir im letzten Jahr ausführlich untersucht haben, ist es so, dass das Gros der Gewinne am Aktienmarkt in der Wintersaion erzielt wird. Warum das so ist, íst umstritten. Die gängige Meinung ist wohl die, dass das Gros der Börsianer in der Sommersaison vornehmlich auf dem Golfplatz oder am Badestrand anzutreffen ist, aber nicht vor dem Computerbildschirm. Ausnahmen ausgenommen....

Wie es weitergeht, weiß natürlich niemand. Zu Überschwang besteht aber jedenfalls erst einmal kein Anlass. Es scheint, dass die Liquiditätshausse, die im Herbst 2011 begann, nun allmählich ausläuft und irgendwann übergeht in – ja was eigentlich ? Möglicherweise in eine später einsetzende Gewinnhausse, möglicherweise in eine Zeit der Unsicherheit, die geprägt ist von großer Volatilität. Die Entscheidung darüber wird, wie könnte es anders sein, jenseits des großen Teichs fallen. Denn die USA sind der große Taktgeber und sie sind es auch, die das Quantitative Easing irgendwann werden beenden müssen.

Tokay

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Eine dramatische Börsenwoche – Teil 1: Bernankes Nachfolge und die Bundestagswahl

Eine der wichtigsten Börsenwochen des Jahres hat begonnen.

Eröffnet wurde sie standesgemäß. Und zwar mit dem Paukenschlag, dass der Favorit auf die Bernanke Nachfolge Larry Summer zurück gezogen hat und das offensichtlich unter massivem öffentlichen Druck. Die Wallstreet liebt es, denn deren Favoritin ist Janet Yellen, von der man erwartet noch aggressiver auf Stimulus zu setzen, als das Bernanke schon tat. Und so finden wir logischerweise den DAX heute früh auf historischen Höchstständen oberhalb 8600 wieder.

Allerdings wird die Freude wohl nur dann andauern, wenn es Yellen dann auch wird. Wie vom Wall Street Journal kolportiert, soll Obama nach einem "dritten" Kandidaten suchen und das würde die Unsicherheit eher erhöhen, der Markt mag Unsicherheit einfach nicht.

Am Ende der Woche dräut dann auch noch die Bundestagswahl und auch diese hat es in sich, denn bedingt durch unsere Wahlrecht mit der 5-Prozent-Hürde, wird die Regierung der grössten Volkswirtschaft der Eurozone möglicherweise nur von sehr wenigen Stimmen abhängen und damit eher "ausgewürfelt", als nach dem exakten Volkswillen festgelegt werden.

Denn es gibt 3 Parteien in Form der FDP, den Piraten und der AfD, bei denen völlig unklar ist, ob sie die 5-Prozent Hürde überspringen werden. Und so lassen sich, abhängig vielleicht von nur ganz wenigen realen Stimmen, unterschiedlichste Regierungsszenarien kreieren. Gewiss ist nur eines: Sie sollten unbedingt zur Wahl gehen, denn selten war das Ergebnis so unbestimmt wie dieses mal.

Die 5 Prozent Hürde macht das möglich, die damals von den Verfassungsvätern gewählt wurde, um "Weimarer Verhältnisse" zu verhindern. Das ist auch gelungen, hat aber umgedreht die Politverdrossenheit gefördert, denn es hat die Macht der schon im Bundestag vertretenen Parteien zementiert und dauerhaft ist es nur der Öko-Bewegung durch die "Grünen" in der Geschichte der Republik gelungen, dieses Kartell der Etablierten ein einziges Mal aus eigener Kraft aufzubrechen. Die Linke kann man da nicht zählen, die hat ja ihre Wähler durch die Wiedervereinigung mitgebracht und war quasi sofort oberhalb der Schranke.

Ich persönlich würde eine Absenkung auf zum Beispiel 2-3% für demokratisch geboten halten, um im Bundestag wirklich den Volkswillen abzubilden und für ein lebendigeres Parlament zu sorgen. Mit einer Hürde von 2-3% kann man immer noch eine zu grosse Zersplitterung verhindern. Aber das ist nur meine Meinung, um unsere Demokratie lebendiger zu gestalten. Es wird kaum passieren, denn welches Interesse sollen die etablierten Parteien daran haben, die das Wahlrecht ändern müssten ?

Aber wie auch immer, die meisten der Szenarien der Bundestagswahl, werden die Märkte völlig unbeeindruckt lassen, da die aktuell im Bundestag vertretenen Parteien in ihrer Ausrichtung Richtung Europa und Aussenpolitik kaum zu unterscheiden sind. Und ob die aktuelle Koalition erhalten bleibt oder es eine grosse Koalition gibt, wird den Märkten bestenfalls ein Gähnen abringen.

Aber es gibt zwei Szenarien, über deren Folgen Sie sich im klaren sein sollten:

(1)

Falls Rot-Grün eine Mehrheit bekommt, zum Beispiel weil FDP und AfD gleichermassen an der 5-Prozent-Hürde scheitern - oder noch stärker, wenn es eine Rot-Grün-Linke Regierung gibt - sollten Sie nicht in deutschen Nebenwerten sein. Die internationalen Börsen wird das nicht weiter interessieren, im Gegenteil, den Südländern und ihren Renditen und damit dem Eurostoxx wird so ein Wahlergebnis eher gut tun, weil diese Parteien die Euro-Rettungspolitik der aktuellen Regierung monetär noch toppen wollen. Perse ist eine Rot-Grüne Regierung für die internationalen Märkte also auch eher "Schulterzucken" bzw. für Südeuropas Märkte positiv.

Aber bei der deutschen mittelständischen Exportindustrie, die man typischerweise in MDAX und SDAX wieder findet, dürfte das zu bösen Verkäufen führen. Und zwar neben der erwarteten Schwächung der Wettbewerbskraft, primär aus der von den Parteien verfolgten Vermögenssteuer heraus. Denn hier gibt es viele Familienunternehmen mit Ankeraktionären, die im Falle so einer Steuer Aktien verkaufen müssten, um die Steuer bedienen zu können und das wird der Markt sofort antizipieren. Das Musterbeispiel dieser Problematik unter den DAX Konzernen ist BMW, die Familie Quandt hält hier die Fäden in der Hand und die Börse würde die BMW Aktie in so einem Fall deshalb wohl erst einmal verkaufen und erst dann nachdenken.

(2)

Falls die AfD einen Überraschungserfolg gegen die Demoskopen Richtung 8-10% landet und - zum Beispiel weil FDP und Piraten draussen bleiben - defacto zum Zünglein an der Waage wird, könnte der einzige Fall eintreten, in dem die Bundestagswahl über den rein deutschen Aktienmarkt hinaus zu Verwerfungen führt. In diesem Fall darf man keine Aktien aus den europäischen Südländern haben und Bonds dieser Länder schon gar nicht. Die Märkte werden schnell die Frage stellen, ob sich durch die Existenz dieser Proteststimme im Parlament nicht sofort die Merkelsche "Rettungspolitik" ändert. Sich geänderten Strömungen anzupassen, darin hat die Bundeskanzlerin ja Meisterschaft entwickelt. 😉

Vordergründig würde es dann natürlich auf eine grosse Koalition hinaus laufen. Aber mit einer starken AfD im Nacken, wird entweder diese Koalition ihre Europa-Politik anpassen und schärfer deutsche Interessen vertreten. Oder es wird gar nicht zur grossen Koalition kommen, weil Merkel bewusst ist, dass die grossen Parteien dabei nur verlieren können. Wie man einen vermeintlichen Partner so umarmt, dass man ihn dann erdrückt, verdaut und ausspuckt - hat Merkel ja nicht nur mit der SPD vorgeführt, sondern eindrücklich auch an der FDP vorexerziert. Insofern werden sich die Märkte in dem Fall noch in der Wahlnacht die Frage stellen, ob wir hier eine erneute Wende der Regierungschefin ala "Energiewende" erleben, mit der sie sich der öffentlichen Stimmung anpasst. Und dieses Risiko würden die Aktienmärkte sofort in die Kurse der Aktien und Anleihen Südeuropas einpreisen. Ob es dann ein paar Wochen später tatsächlich eintritt, ist eine ganz andere Frage.

So weit meine Sicht auf die Bundestagswahl aus der Warte der Märkte. Das wahrscheinliche Szenario ist also ein grosses Gähnen und nur in den beiden obigen Szenarien sehe ich direkte Auswirkungen, die uns im Vorfeld bewusst sein sollten.

Das wichtigste Thema der Woche ist aber die FED Sitzung am Mittwoch mit der Frage des "Tapering". Dazu folgt heute noch ein zweiter Teil der Vorschau.

Ihr Hari

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DAX, S&P500 und Co. – Gedanken zum Wochenbeginn – 07.04.13

In Anbetracht der doch spürbaren Verunsicherung, die die Korrektur der letzten Tage ausgelöst hat, möchte ich am heutigen Sonntag versuchen, die Ereignisse in die notwendige Perspektive zu rücken.

Ich habe viel gelesen und mir angeschaut. Und habe nun ein Bild entwickelt. Der Markt hat am Donnerstag und Freitag zum ersten Mal seit Monaten deutlichen technischen Schaden verarbeiten müssen. In Summe hat der Dax damit schon ca. 5% vom Höchststand abgegeben. Die Indizes, die von Telecom, Nahrung und Healthcare zusammen gehalten wurden, kaschieren dabei aber mit vermeintlicher Stabilität, die zum Teil deutlicheren Einbrüche, die gerade Industrieaktien erlebt haben. Viele MDAX Werte haben deutliche Narben davon getragen.

Am Freitag Abend war dann an der Wallstreet der "Buy the Dip" Trade wieder da und der wichtige Transportsektor hat die 50-Tage-Linie zurück erobert und eine grosse Fahne ausgebildet. Allerdings war der "Buy the Dip" Trade auch nicht so eindrucksvoll, dass die Bären damit schon wieder aus dem Rennen sind. Der Freitag hat uns leider also nicht den Gefallen getan, eine klare Entscheidung herbei zu führen. Ein blutarmer Bounce ist halt alles ein bisschen und nichts so richtig.

Für kommende Woche haben wir damit gemischte Signale ohne eindeutige Tendenz. Und wenn das so ist, sollte man auch nicht versuchen zu raten, sondern abwarten, was der Markt Anfang kommender Woche wirklich macht. Der Freitag hat aber gezeigt, dass ein Zusammenbruch des Marktes wohl nicht auf der Agenda steht. Für übergrosse Vorsicht oder sogar aggressives Shorten gibt es also keine hinreichenden Indikatoren. Das wäre eine "Schuss ins Blaue" und solche Ratespiele mache ich nicht, die kosten am Ende nur Geld.

Aus Sicht der Zeithorizonte sieht meine Welt am heutigen Sonntag daher so aus:

Wer sehr kurzfristig agiert, kann Anfang kommender Woche durchaus mit einem weiteren Schwächeanfall rechnen, sollte aber trotzdem wohl anfangen, auch mal wieder selektive Kaufchancen zu identifizieren. Ein Szenario, dass ich mir gut vorstellen kann, ist ein erneuter Schwächeanfall Anfang kommender Woche, der dann gekauft wird und sich in einen neuen Anlauf zu den Höchstständen wandelt. Wonach der Markt in eine volatile Seitwärtsphase eintritt, die das 2. Quartal prägt. Kommende Woche gehen mit Alcoa auch in den US die Quartalsergebnisse los.

Wer mittelfristig agiert, tut gut daran in diesem 2. Quartal etwas verhaltener zu agieren. Es gibt gute Argumente, den kommenden Wochen ein erhöhtes Korrekturrisiko zuzuordnen. Die ruhige Aufwärtsbewegung des ersten Quartals dürfte sich wohl nicht so leicht fortsetzen. Andererseits gibt es derzeit auch keine sichtbare Gefahr eines Einbruchs ala August 2011. Eine selektive, eher defensive Aufstellung mit ausgewählten Longs, ein paar wenigen sinnvollen Shorts und relativ viel Cash, erscheint mir für die kommenden Wochen sinnvoll. Stockpicking dürft nun Trumpf sein.

Wer langfristig agiert, muss sich um all das nicht so sehr kümmern. Der Aufwärtstrend ist voll intakt und die Parameter die ihn treiben - Liquiditätsflut der Notenbanken und der Run auf "Sachwerte" - sind voll intakt. Auch wenn das 2. Quartal vielleicht etwas rumpeliger wird, sind die weiteren Aussichten für die Märkte in der zweiten Jahreshälfte gar nicht mal so schlecht.

Also bleiben Sie rational, respektieren Sie die erste deutliche Schwäche der Märkte seit Monaten als ein Zeichen an der Wand und schieben Sie das nicht aus reiner Hoffnung weg. Aber kippen Sie auch nicht vorschnell in pauschalen und ungerechtfertigten Pessimismus. Folgen Sie dem Markt. Folgen Sie den Trades die bisher funktioniert haben, denn warum sollten die plötzlich die Richtung drehen ? Sollte sich kommende Woche doch massive, nachhaltige Schwäche anschliessen, dann ist was Grösseres im Busch für das 2. Quartal. Aber da sind wir noch nicht und ich zweifele eher, ob es dazu kommt.

Ich wünsche ihnen einen schönen Sonntag Abend

Ihr Hari

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Von wegen Debt Ceiling Panik

Ich glaube nicht, dass der Markt wg der Debt Ceiling Debatte so abgestürzt ist. Das Thema ist schon lange durch, der Markt schaut schon weiter in die Zukunft. Der Markt macht sich massive Sorgen um die weltweite Konjunktur. Nach schlechten Daten aus den USA, nervös machenden Nachrichten aus China, nach unten drehenden Indikatoren in
Deutschland und den nun anstehenden und nicht gerade Konjunktur fördernden Einsparungen in den USA gibt es allergrösste Sorge, dass die USA wieder in die nächste
Rezession abkippen und die Weltwirtschaft mit den USA.

Deshalb wird auch der DAX schon so brutal abverkauft, viel mehr als der S&P500, denn der DAX und MDAX würde unter einer abflauenden Weltkonkunktur am meisten leiden ! Gestern hatten wir im DAX intraday einen Verlust von nahezu 5%, das hatte schon Crash-Charakter ! Deshalb ist auch de Dollar relativ stark – flight to safety !

Der Markt schaut aktuell ganz panisch auf die Wirtschaftsdaten und die am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten werden dabei wieder ein Katalysator sein. Für Freitag 14.30 Uhr kann sich schon jetzt jeder auf massive Volatilität einstellen.

Aufgrund der aktuell massiv überverkauften Lage kann man eigentlich von einer kleineren Rally heute oder Morgen ausgehen. Aber dann wird es wieder sehr spannend und der Freitag wird uns die Richtung der nächsten Wochen weisen. Wenn wir am Freitag abkippen und S&P500 1250 von oben durchschlagen, dann sind “all Long Bets off” und wir müssen uns auf harte Zeiten einstellen. Der DAX würde dann wieder die Zone
6300-6500 ins Visier nehmen, an der er lange von unten geknabbert hat und die
er auch während des Erdbebens von oben kurz touchierte. Wenn die Arbeitsmarktdaten dagegen positiv ausfallen, sind die Inkredenzien für eine Sommerrally da.

Harte Zeiten aber nur ein paar Wochen, bis dann Ben Bernanke im Herbst im Anblick der einbrechenden Kurse wieder QE3 (es wird so nicht heissen aber das gleiche sein) ankündigt. Wie ein Kokainsüchtiger wird der Markt sich das sofort die Nase hochziehen und ein paar Monate positiv lachend und angekifft durch die Gegend rennen. Einer
Jahresendrally steht dann nichts im Weg.