Wochenausblick KW13 2019


Vor uns liegt eine sehr spannende Handelswoche, denn was am Donnerstag und Freitag passiert ist, war sehr bemerkenswert und durchaus ungewöhnlich.

Ich kommentiere heute ausführlich das Geschehen im S&P500 und reduziere alles Andere auf das Nötigste, weil der Artikel sonst zu lang würde.

Hier haben Sie den Verlauf der Woche, zu der lila Linie komme ich noch:

Denn die scharfe Entwicklung beider Tage war überraschend und aus den Marktdaten direkt vorher nicht ableitbar, sehr viele wurden jeweils auf dem falschen Fuß erwischt.

Hinterher gibt es dann medial natürlich jede Menge Klugschnacker, die das Prinzip "hinterher ist man immer klüger" dazu nutzen, um sich zu produzieren und den einen oder anderen Indikator nehmen und sagen "siehste, da war doch das Warnsignal".

Das ist aber Unfug, denn zu keinem Zeitpunkt sind immer alle Indikatoren und alle Indizien gleichgerichtet, es gibt immer gegenläufige Indikatoren, selbst im extremsten Bullenmarkt gibt es bärische Indikatoren und sei es nur, dass der Bulle vermeintlich "zu lange" gelaufen ist. Erst die Summe der Beobachtungen, die intelligente Gesamtbewertung, macht es dann aus - der Einzelindikator nie.

Erinnern Sie sich, wir hatten am Mittwoch diese noch taubenhaftere FED, als die meisten erwartet haben. Denn warum sollte die FED in einem so gut laufenden Markt sich jegliche Flexibilität nehmen und Erhöhungen in 2019 ganz ausschliessen und den Abbau der Bilanz endgültig beenden? Ich sehe nach wie vo keinen Grund sich diese Restflexibilität zu nehmen, die FED hat es aber trotzdem getan.

Als Reaktion kam ein Pop des Marktes, der aber schon am Mittwoch Abend abverkauft wurde. Das sah doch eher bärisch aus, alte Hasen werden vorsichtig, wenn "gute" Nachrichten abverkauft werden.

So dürften viele verhalten und abwartend in den Donnerstag gegangen sein, mich eingeschlossen und was haben wir bekommen? Eine brutale Rally ohne Pause, die den Charakter eine Kauf-Panik hatte!

Nach gängiger Lesart war damit die Entscheidung über die 2.800er Widerstandszone gefallen, ein Retracement am Freitag war zwar zu erwarten, auch weil diese Kauf-Panik etwas Erschöpfendes hatte.

Aber ein völliges Reversal, ein Rücklauf auf die Widerstandszone? Nein, das war nach "normaler" Logik nicht zu erwarten und habe ich auch vom Freitag nicht erwartet. Retracement ja, brutales Reversal nein.

Bekommen haben wir aber dieses brutale Reversal, das fast alle überrascht hat und ebenso wie es am Donnerstag hoch ging, ging es am Freitag noch schlimmer runter.

Als Begründung musste dann das erneute Geschnatter zur "Inverted Yield Curve" herhalten, sofort gefolgt von den Erklärungen, dass genau das der Zustand auch 1998 war und eine Rezession statistisch 19 Monate weg ist. Das kennen wir alles schon und sollte bei klugen Beobachtern nur ein Gähnen hervor rufen.

Als Begründung diente auch die Schwäche in Europa, wobei man sich fragen muss, seit wann die US Märkte etwas auf deutsche Wirtschaftsdaten geben. Aber wenn man eine Begründung braucht, ist alles gut. 😉

Als Begründung wurde dann für die sehr schwache letzte Stunde am Freitag - der Markt schien vorher drehen zu wollen - auch herumgereicht, dass die Kunde von Muellers Bericht schon vorab gesickert war. Das kann ich mir sehr gut vorstellen, zumindest Trump wird es gewusst haben und auch der ist ja am Markt aktiv - und nicht nur er. 😛

Was auch immer, Begründungen gab es viele, für mich sah das aber eher orchestriert-technisch aus, dazu gleich mehr.

Und was haben wir damit am Ende der Woche?

Genau da kommt die lila Linie ins Spiel, denn faktisch hatten wir nur eine Anomalie nach oben von etwas, was ansonsten eine ganz saubere Retracement-Bewegung der starken Vorwoche gewesen wäre.

Man kann hier also argumentieren, dass nach klassischer Lesart dieses Reversal unter hohem Volumen bedeutend ist. Das Prinzip "From false Moves come fast Moves" kennen Sie ja sicher, ich habe es oft thematisiert.

Und es gibt nun gute Gründe, die Bewegung von Donnerstag als Fakeout zu werten und den Freitag dann in Folge als eine Replik des 04.12.18 - was bedeuten würde, dass nun Schmerz vor uns liegt.

Man kann aber auch ganz anders argumentieren, denn das Marktenvironment ist anders geworden als "klassisch" und man sieht oben durch die lila Linie sehr schön, dass da ein übles Spiel von den Maschinen gespielt wurde - die Gnadenlosigkeit von Donnerstag und Freitag und ein Closing exakt auf 2.800 ist einfach typisch.

Und wenn es nur eine Anomalie einer ansonsten normalen Retracementwoche war, werden wir am Montag wieder überrascht werden, denn genau dieses Spiel lieben die Maschinen - die sehen in den Futures- und Options-Märkten und vorbörslichen Systemen der Großbanken die Positionierung des Marktes in den Tag hinein - dann kann man die Messer wetzen, wie am Donnerstag und Freitag jeweils.

Viele neigen in so Momenten dazu sich festzulegen und damit auch noch ihr Ego zu verknüpfen, sich dann in Foren Rechthabe-Schlachten zu liefern und am Montag dann "siehste" zu rufen oder wahlweise ganz still zu werden.

Ich halte diese Rechthabe-Schlachten für das Verhalten von Anfängern oder wahlweise Menschen mit zu viel Hormonen und Ego, ein Profi zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er erkennt wenn der Ausgang offen ist und auch gar kein Problem damit hat, sich auf diese Offenheit einzulassen.

Diese Offenheit schafft nämlich die Grundlage dafür dann schnell agieren zu können, wenn sich die Richtung offenbart, denn wer sein Ego mit einem Pfad verknüpft, ist nicht in der Lage schnell umzuschalten.

Ich bin viel eher ein Fan davon, sich einfach vergleichbare Situationen der nahen Vergangenheit vor Augen zu führen, in denen das Marktenviroment ähnlich war, denn Vergleiche mit 1995 sind schwierig, weil sich der Markt gewandelt hat.

Und diese Vergleiche will ich mit Ihnen durchführen und dafür schauen wir uns die Lage im S&P500 Daily an:

Wir betrachten von (1) - (3) drei vergleichbare Situationen mit bärischen Reversals unter jeweils *erhöhtem* Abwärtsvolumen gegenüber dem Vortag.

Unter (1) sehen wir den berühmten 04.12., der durch massive Verkäufe des großen Geldes den gruseligen Dezember letzten Jahres einleitete. Im Nachhinein kann man sagen, da hat das Big Money wohl beschlossen, der FED den Arm umzudrehen und ihr zu zeigen, wo der Hammer hängt.

Der Umfang der Abwärtsbewegung ist heute viel geringer, trotzdem ist nicht ausgeschlossen, dass wir in abgeschwächter Form nun etwas Ähnliches vor uns haben, eine Rückkehr zur 2.600er Unterstützung nämlich.

Aber sicher ist das keineswegs, es gibt ein paar Signale die das stützen - wie die Schwäche des Russell2000 - aber auch vieles was dagegen spricht. 25-30% würde ich dem Szenario geben, nicht mehr.

Dann hatten wir unter (2) das Szenario eines scharfen, schwachen Tages, der durch erhöhtes Volumen das Risiko einer Trendwende beinhaltet und viele haben das nach dem 03.01.19 auch befürchtet.

Dann wurden die Bären damals aber überrollt. Am Freitag um 22 Uhr hätte ich dem Szenario für Montag bestenfalls 10-15% gegeben, dann kam aber die Kunde, dass von Mueller keine neuen Anklagen zu erwarten sind.

Das klärt nicht alles, ist aber für Trump eine große Erleichterung und daher am Montag markt-positiv, denn der Markt hasst Unsicherheit und genau das hätte ein angeschossener Trump bedeutet. Das hat nichts mit einer Liebe der Marktteilnehmer zu Trump zu tun, aber keine Firma kann Chaos in Washington mögen, das potentiell Gesetze wie die Steuerreform wieder in Frage stellt. Unsicherheit ist eigentlich immer markt-negativ.

Weil das also eher eine gute Nachricht ist, gebe ich auch dem Szenario nun 25-30% Eintrittswahrscheinlichkeit.

Tja und dann haben wir unter (3) noch den 04.03.19 vor zwei Wochen, auch ein Reversal unter Volumen, das eine einwöchige Schwächephase einleitete.

Da irgendwo mit 40-50% verorte ich den moderaten, wahrscheinlichen Pfad, der erneut die 200- und 50-Tage Linie testet und dann mit marginal höheren Tief eine Schaukelphase um den 2.800er Widerstand fortsetzt, bis sich Ende April/Anfang Mai der Himmel zum Handelsthema klärt.

Das würde dann in dem Szenario hypothetisch ungefähr so aussehen:

Mein Punkt ist also, dass jedwede Behauptung man könnte sich heute zuverlässig für eines der drei Szenarien entscheiden, kompletter Bullshit und von Selbstüberschätzung geprägt ist.

Der Markt weiss es selber nicht und überlegt nun auch, wie Muellers Bericht zu werten ist. Und wir wurden jeweils Donnerstag und Freitag so von den Maschinen überrascht, warum sollte man davon ausgehen, dass das am Montag nicht wieder passiert?

Wobei man schon unterscheiden muss, richtig überraschend war die massive Stärke am Donnerstag direkt nach Handelsstart an der Wallstreet, die war auch im Future vorher nicht zu sehen. Die Schwäche Freitags konnte man antizipieren, eben weil der Donnerstag eine Kaufpanik war. Nur dieser extreme Abverkauf in einem negativen Trendtag, den hatte wohl niemand am Morgen auf der Rechnung.

Mein Fazit zum S&P500:

Wir haben mal wieder so eine offene Lage verschiedener Wahrscheinlichkeiten. Wir könnten fraglos gerade eine Trendwende erleben, sicher ist das aber keinesfalls und die Positionierung der großen Adressen die überwiegend unterinvestiert sind - ich habe Ihnen das zuletzt mehrfach gezeigt, auch im letzten Wochenausblick - spricht sowieso gegen ausgedehnte Schwäche und für ein kaufbares Retracement.

Gehen wir also abwartend und gedanklich offen in den Montag und vermeiden uns von all den "Weisen aus dem Morgenland" aus dem Konzept bringen zu lassen, die uns nun erklären wollen, dass genau das oder das passieren wird. Alles Quatsch.

Wir sollten aber zur Kenntnis nehmen, dass das massive Reversal von Freitag ein Risiko geschaffen hat, das vorher *nicht* da war. Und zwar das Risiko einer Replik des 04.12.18.

Ich würde also - abhängig von ihrem Risikomanagement - nun nicht selbstgefällig sein und weitere Schwäche - ein Follow Through also - ernst nehmen.

Wir wissen nie was die Zukunft bringt. Wir kennen aber Wahrscheinlichkeiten. Am Donnerstag war das Risiko einen harten Reversals hinab zur 2.600er Marke fast Null. Nach dem Freitag ist es nicht mehr fast Null, sondern wie oben gesagt immerhin 20-30%. Das hat der Freitag hervorgebracht, der bitte ernst zu nehmen ist.

Zum Schluß noch ein sehr kurzer Blick über den SPX hinaus.

Der MDAX hat auch scharf korrigiert unter leicht erhöhtem Volumen, zwanghafte Panik muss das aber nicht auslösen, das kann problemlos eine Korrektur im neuen Aufwärtstrend sein, der zuletzte durch die 20-Tage-Linie definiert wurde:

Der chinesische Markt schaukelt wild, das kann aber auch noch alles Mögliche sein und drückt nur die Unsicherheit um den Handel aus:

Und der britische FTSE100 hat nun eine recht üble Wochenkerze gebildet, was davon aber nun die Marktschwäche und was nun doch aufkommende Panik vor einem "No-Deal" ist, werden wir wohl nie auseinander sortieren können:

Auch hier ist das aber noch nicht weltbewegend was wir sehen, solche Kerzen wurden in der Vergangenheit auch schon einfach negiert.

Was haben wir sonst noch in der Woche?

Jede Menge FED-Sprech und den Ifo-Index am Montag. Verbrauchervertrauen am Dienstag, EZB-Sprech am Mittwoch und das US BIP am Donnerstag. Und am Freitag das britische BIP und Verbraucherpreise aus Europa.

Nichts wirklich Weltbewegendes also, am Montag dürfte sich alles um zwei Fragen drehen:

Erstens: Wie reagiert der Markt auf Mueller und was ist bis dahin "geleakt"?

Zweitens: War der Freitag der Auftakt einer deutliche Schwächephase oder ein "One-Day-Wonder"?

Und natürlich hängen beide Fragen zusammen und wir sollten unsere Energie darauf richten, dann schnell und konsequent zu reagieren und nicht den Ausgang heute erraten zu wollen.

Ihr Hari

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Die Marktlage Ende Februar

Kommende Woche mit den bayrischen Faschingsferien, ist auch dieser Blog im Ferienmodus, es gibt dann im freien Bereich keinen Artikel.

Daher will ich heute auch mal einen groben Blick auf die Marktlage werfen, mein letzter Kommentar dazu hier im freien Bereich ist ja hier in -> Das endlose Zögern und die Unsicherheit <- auch schon wieder 3 Wochen her.

Seitdem hat der Leitindex S&P500 auch die 200-Tage-Linie genommen und klopft nun an die Verlaufshochs des letzten Oktobers und Novembers an. Hinter uns liegt seit dem 26.12.18 eine brutale Stärkephase ohne grössere Pausen, die sich Weihnachten kaum jemand hätte vorstellen können.

Erneut wurde damit das bewahrheitet, was ich Ihnen vor mehr als einem Monat in -> Der neue, alte Markt - Alles wie immer? <- geschrieben habe:

Der Markt ist also ganz der Alte geblieben, aber die Bewegungen laufen länger, uniformer und störrischer als in der Vergangenheit, einer Vergangenheit in der Menschen primär einzelne Aktien gehandelt haben.

....

Dieses Herumraten ist sowieso Unfug und in diesem veränderten Markt erst recht. Viel profitabler ist es, eine grundlegende Richtungs- oder Logikänderung abzuwarten und dann erst auf diese aufzusatteln, denn diese dauert im aktuellen Markt länger als früher und läuft uniformer in die gleiche Richtung, als wir uns vorstellen können.

Auch vor einem Monat wäre es also richtig gewesen, dem Trend weiter zu folgen, hier ist der heutige Stand:

Ein Geruch von 2017 liegt nun in der Luft, als es auch beständig nur nach oben ging und man über Monate auf ein Retracement wartete, das dann nie kam.

Dieses Mal haben wir aber eine andere Grundlage, man sieht im Chart sehr gut, dass die Bewegung unter die 2.600er Zone, die Anfang Dezember begann, eine "Anomalie" war.

Denn eigentlich war der Markt am 03.12.18 mit dem G20 Treffen bereit, einen Boden zu finden und in das traditionell starke Jahresende zu wechseln. Was dann ab dem 04.12. kam, waren aber brutale Abgaben des großen Geldes, die auf zwei Faktoren beruhten, die sich gegenseitig bedingen:

Einerseits machten Rezessionsängste die Runde, die aber unsubstantiiert waren. Ich erinnere als ein Beispiel nur an das ganze Gerede um die invertierte Zinskurve, das ich schon letzten Sommer kritisch kommentiert habe. In einem reflexiven Markt reicht es aber, dass die einen verkaufen, damit auch andere verkaufen und sich die Karawane in Bewegung setzt.

Andererseits machte die FED mehrere kommunikative Fehler, von denen Jerome Powell in der FED-Sitzung vor Weihnachten den Allergrößten gemacht hat und damit die obigen Ängste erst richtig befeuert hat. Powell wurde vom Markt schwer bestraft und schon wenige Tage danach merkte man, wie die FED versuchte zurückzurudern.

Mittlerweile sind die unmittelbaren Rezessions-Ängste wieder vom Tisch, das Geraune von einer Rezession in der Zukunft gibt es immer und hat als Geraune ohne harte Daten, keinen gesteigerten Wert. Und die FED hat sich 180 Grad gedreht und ist nun so taubenhaft, wie man nur sein kann. Natürlich ist das in die Zukunft hinein ein Problem, weil nun Mittel schon verschenkt wurden, aber es hat eben diese Rally befeuert.

Was wir oben im Chart vor uns sehen, ist also kein 2017, es ist die Korrektur einer Anomalie, einer Fehlbewertung des Marktes, die zu einem guten Stück mit der Richtungsänderung der FED zu tun hat. Ein schönes Sprichwort zum Vorlaufindikator Aktienmarkt sagt ja:

The stock market hat predicted 9 of the past 5 recessions

Das war also wieder so ein Fall, der Vorlaufindikator des Marktes ist höchst sensibel und ahnt Ungemach immer lange *vor* den ökonomischen Daten, was aber das Risiko in sich birgt, dass nicht jeder Warnung dann auch wirklich ein Problem folgt. Trotzdem lohnt es sich den Markt ernster zu nehmen als ökonomische Daten, denn es gab keine Rezession, die der Markt nicht als Erster gerochen hat, nur sind leider auch ein paar Fehlsignale dabei, wie im Dezember.

Nun sind wir also eigentlich nur da, wo wir auch ohne diesen verrückten Dezember und Januar hätten sein müssen, streichen Sie den Bereich unter der grünen Unterstützung einfach gedanklich weg. 😉

Stand heute haben wir also einen sehr starken Markt, der nun aber klar überkauft ist und im Bereich ca 2.800 im S&P500 in eine erneute Widerstandszone läuft.

Von hier ein Rücksetzer in den kommenden 2 Wochen, wäre also alles andere als ein Wunder, der Markt ist aber so stark, dass man davon ausgehen kann, das die Unterstützung um 2.600 mit Präferenz auch bei einem Retracement halten wird.

Gleichzeitig zeigen andere Märkte, die ja teilweise das ganze Jahr 2018 im Bärenmarkt waren, nun auch klare Lebenszeichen, schauen Sie zum Beispiel mal auf die Struktur die sich im MDAX aufbaut, das sieht auch nicht so schlecht aus:

Summa Summarum ist die Lage geprägt von:

  • einem sehr starken Markt, dem mittelfristig noch Einiges zuzutrauen ist. Starke Märkte sterben nicht so schnell, wie wir oft erlebt haben.
  • kurzfristig einer überkauften Marktlage, so dass ein markantes, scharfes Retracement nun jederzeit um die Ecke kommen kann.
  • den Handelsgesprächen als dem großen Katalysator - ein Sell-the-News Effekt nach Abschluss einer eigentlich positiven Einigung, wäre kein Wunder, nachdem der Markt nun wochenlang in Hoffnung hochgeschoben ist.
  • einer starken Unterstützung im S&P500 bei ca. 2.600, die wenn sie überhaupt erreicht wird, mit Präferenz halten sollte.
  • anderen Weltmärkten in Europa und den Emerging Markets, die seit Anfang 2018 im Bärenmarkt waren und nun erhebliches Aufholpotential besitzen.
  • diversen abstrakten Risiken wie Brexit, den "Mueller Tapes", der Kreditsituation in China usw, die immer als gute Argumente der Bären dienen, aber der Regel "it doesn´t matter until it matters" unterliegen.

Wir sollten also kurzfristig etwas mehr Vorsicht an den Tag legen und auch mal mit einem scharfen Retracement rechnen, können aber mittelfristig für 2019 weiter positiv sein.

Und gibt es einen Faktor, der das ganze Gebäude zum Einsturz bringen könnte und uns in eine noch schlimmere Korrektur als im Dezember drücken? Ja zwei sogar!

Einerseits eine von Italien ausgehende Zerstörung der Eurozone. Ich rechne damit nicht in naher Zukunft, vorher wird die EZB noch "everything and the kitchen sink" auf das Problem werfen und auch Dinge wie noch tiefere Negativzinsen angehen. Und erst dann irgendwann in der Zukunft, ist die Eurozone wohl "reif", weil die Spannungen dann unerträglich werden.

Darauf jetzt zu wetten, wäre also wohl ein Verlustgeschäft, denn -> zu früh ist am Markt nur ein anderes Wort für falsch <-

Andererseits ein Scheitern der Handelsgespräche. Wenn diese Gespräche in Vorwürfen und einem Handelskrieg zwischen US und China enden sollten, dann wird das Gebäude kippen, davon bin ich überzeugt und dann sehen wir die Tiefs vom Dezember wieder.

Nur wie wahrscheinlich ist das? Xi wie Trump haben nun ein Incentive sich zu einigen und insbesondere Trump will in gut 18 Monaten wiedergewählt werden und kann daher keine Rezession gebrauchen, die seine Wähler im "Rostgürtel" besonders hart treffen würde.

Also, die Lage ist mal wieder schwierig aber nicht hoffnungslos. 😉 Dem -> Optimismus sollte mittelfristig weiter eine Chance gegeben werden <-, auch wenn kurzfristig nun erhöhte Vorsicht sinnvoll ist.

Und wenn doch eines der großen Desaster wie oben eintritt, dann sollte man *dann* darauf zügig und konsequent reagieren und nicht versuchen im Vorfeld auf etwas zu wetten, dessen Eintreffen völlig im Ungewissen ist.

Ich wünsche gute Entscheidungen und schöne Faschingsferien!

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Flynn-Überraschung und Steuerreform-Gezappel



Guten Abend!

Heute ist mal wieder so ein Tag an dem es eine dumme Idee ist, einen langen Nachmittags-Artikel zu schreiben. Ich werde das ja wie angekündigt im neuen Jahr auch wieder ändern und etwas dynamischer mit kleineren Kommentaren angehen und das ist auch gut so. Wenn mittendrin so etwas wie heute mit Flynn passiert, kann man Teile die man gerade geschrieben hat gleich wieder umschreiben und Charts sind überholt.

Denn was ich heute morgen skizziert hatte, war zunächst eingetreten.

Erstens hielt sich der US Markt im frühen Handel bis 17 Uhr noch recht stabil.

Zweitens war absehbar, dass der Markt nun mit den Nachrichten rund um die Steuerreform schwankte und insofern machte es absehbar heute Null Sinn, irgendwelche Schlüsse zu ziehen oder sich zu stark mit dem Markt zu beschäftigen. Es war und ist zu befürchten, dass eine endgültige Entscheidung im Senat erst nach Handelsschluss feststeht und dann ist die Frage ob es zu einer "Sell the News" Reaktion kommt auf Montag vertagt.

Drittens flatterte der DAX weiter wie Espenlaub im Dezemberwind, ich bin sicher viele auf den DAX fokussierte Händler und Trader fragen sich verzweifelt, wo diese wilden Schwankungen herkommen (Chart Stand 16:30):

In den letzten drei Tagen gab es Intraday hintereinander ein wildes Hoch-Runter, Hoch-Runter und heute Runter-Hoch und das während der SP500 ruhig wie ein Tanker schiebt. Und am Ende ist rein gar nichts passiert und der DAX wieder da, wo er vor 3 Tagen schon war.

Das ist schon sehr merkwürdig und lässt sich nur mit massiven Einflüssen ausländischer Institutioneller erklären, dabei weiss man aber immer noch nicht, was diese Einflüsse sind und was sie auslöst. Alles in allem ist und bleibt der DAX rätselhaft und indifferent schwankend.

Besonders vertrauenerweckend ist das Gezappel des DAX auf jeden Fall nicht, wer Deutschland im Depot haben will, fährt sowieso schon lange mit dem MDAX besser:

Der hat die letzten drei Tage zwar nicht weniger gezappelt als der DAX, ist aber immer noch in einem stabilen Aufwärtstrend mit einer Folge höherer Tiefs.

Soweit der Status bis 17 Uhr, alles war wie erwartet.

Dann aber kam etwas in den Markt, das ihn auf breiter Front hat abkippen lassen, vermutlich ist die Nachricht der Auslöser, -> dass Flynn gegen Trump aussagen wird <-. Ob parallele Gerüchte zur Steuerreform eine Rolle spielen, kann ich nicht sagen, aber die beiden Themen bedingen sich ja durchaus, weil Trump bei beiden Themen im Zentrum steht.

Das mit Flynn mag der Markt auf jeden Fall gar nicht, weil das massive Unsicherheit erzeugt. Nicht nur die Steuerreform, die ganze Trump-Administration gerät dadurch ins Visier, Sonderermittler Mueller ist im Herzen der Macht angekommen.

Die initiale Reaktion des Marktes sah so aus:

Kann das den Markt in eine echte Korrektur abkippen lassen?

Die Antwort ist, falls Flynn für Mueller Futter hat, das Trump direkt gefährlich wird, dann mittelfristig Ja, aber eher nicht sofort. Nicht weil der Markt so um Trump fürchtet, sondern weil das die US für das nächste Jahr in den politischen Tumult stürzen würde und man sich dann nicht nur die Steuerreform abschminken kann.

Es macht keinen Sinn da jetzt zu spekulieren, der Markt diskontiert nun die Gefahr besser, als wir das je könnten und wir müssen das abwarten. Aber eine neue mittelfristige Gefahr ist nun da, das ist eindeutig.

Absehbar ist aber, dass diese Mühlen langsam mahlen. Nach dem heutigen Aufreger wird es erst einmal wieder ruhig werden, bevor dann im neuen Jahr die nächsten Schritte aufschlagen. Die Kernfrage für die Kurse der nächsten Wochen wird sein, wie stark der "Fog of War", der Nebel der Unsicherheit über Washington liegt, denn den würde der Markt nicht goutieren.

Klar ist auf jeden Fall, dass heute die Risiken für einen sowieso korrekturreifen Markt gestiegen sind. Man sagt zwar grundsätzlich, dass der Markt super damit lebt, wenn Washington paralysiert ist, dann können die keine Dummheiten machen. Das stimmt auch, aber hier geht es ja nun nicht um eine politische Blockade wie bei Obama, hier geht es um die politische Stabilität der US und das kann die Firmen und damit den Markt nicht kalt lassen.

Michael Antonelli, managing director von Robert W. Baird in Milwaukee sagt dazu passend in Reuters:

"There's political drama swirling around the market now. The market hasn't priced in a former national security advisor testifying against the President. It potentially jeopardizes tax reform and the agenda of the administration and potentially reignites the bitter debate around the election. The Russian interference story never seems to go away."

Und noch ein beachtenswerter Gedanke aus der -> Reuters Live Coverage <-

“The fact that Flynn was charged with, and is pleading guilty to, such a minor crime, suggests a bombshell of a deal with prosecutors," said Cornell law professor Jens Ohlin. "Flynn was facing serious criminal liability for a variety of alleged missteps, including his failure to register as an agent of a foreign power. If this is the entirety of the plea deal, the best explanation for why Mueller would agree to it is that Flynn has something very valuable to offer in exchange: damaging testimony on someone else.”

Wir sehen, das Ding kann für Trump gefährlich werden und damit für den Markt problematisch, weil nicht nur die Steuerreform dann in Trümmern liegen wird.

Aber diese Entwicklung wird dauern. Es kann gut sein, dass sich der Markt davon erholt, noch gut zum Jahresende abschliesst und dann in 2018 holt das Thema die US Administration ein. Setzen wir kurzfristig also eher auf den Rebound, mittelfristig müssen wir uns bewusst sein, dass ein weiterer Risikofaktor vorhanden ist.

Witzig ist an so einem Tag auch zu sehen, wie das den DAX gleich mit runter zerrt, obwohl der ja erst einmal gar nicht betroffen ist. Aber der DAX ist halt der Schwanz und nicht das Hündchen. 😉

Damit will ich es auch zu den Indizes gleich gut sein lassen, wie gesagt bringt das Spekulieren aktuell nichts, weder zur Steuerreform und erst recht nicht zum Komplex Flynn-Mueller-Trump. Auch die klassischen Opportunitäten lasse ich heute mal sein und richte mein Augenmerk mal auf etwas anderes, auf Risiken im Technology-Sector.

Denn wir haben ja am Mittwoch diesen markanten Einschlag im NASDAQ gesehen und gestern den schwachen Rebound, der auf weiteren Schmerz hindeutete, ich habe das in diese Richtung kommentiert.

Heute will ich daher mal bekannte Namen des NASDAQ heraus kramen, die so aussehen, als ob da noch eine weitere Abwärtsphase bevorsteht. Ich zeige Ihnen mit einem schwarzen Strich und einem blauen Stern dabei jeweils die Bereiche, die ich mir für eine zweite, scharfe Abwärtsbewegung gut vorstellen kann, falls sie denn kommt. Danach wären da aber vielleicht auch wieder Kaufkurse.

Seien wir hier also vorsichtig. Und falls die Aktien diese Niveaus erreichen, können wir auch mal wieder ein wenig "gierig" werden.

So weit am heutigen Freitag. Beobachten wir weiter, wie der Markt mit der Steuerreform und der Flynn-Thematik umgeht. Es wird volatiler werden als bisher, so viel ist sicher. Denn die Steuerrreform ist für den Markt schon ein sehr wichtiger Einflussfaktor, der mal schnell darüber entscheiden kann, ob bei einem Unternehmen die Gewinne 10-20% höher oder tiefer sind.

Erinnern möchte ich auch noch an das Mean Reversion Projekt, dessen Sammelphase am Sonntag Abend geschlossen wird. Hier fehlen mir immer noch europäische und vor allem deutsche Aktien, sowie einige Sektoren.

Wir lesen uns wie immer im Forum und am Montag Morgen dann wieder hier mit der Lageampel.

Ihr Hari

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