Doch allmächtig?



Da liegt sie vor uns, die große Frage. Wird dieser Rebound wegkippen und zumindest zu einem Retest der Tiefs im Sinne des Szenarios (3a) führen?

Das Verrückte ist erneut, eigentlich nicht unähnlich dem Geschehen vor ein paar Wochen, dass sich die Community der Marktbeobachter mit längerer Erfahrung eigentlich recht einig ist und die Frage eher mit "Wegkippen" beantwortet.

Ich kopiere hier mal herein, was L.A. Little beispielsweise schreibt, den ich in der Vergangenheit auch schon ein paar Mal erwähnt hatte:

Finally, I have been tracking the COVID-19 rather closely now for a couple weeks and, assuming that the CDC allows greater numbers of testing to commence, then we will most likely see a large number of clusters communities where the virus has been quitely spreading and could easily see the logarithmic increase in identified cases here in the states just as we have seen happen in Italy, Korea, etc. If you don't test, you don't know and up until now, that has been what we have done - limited testing.

In conclusion, I don't expect the market is ready for widespread outbreaks in multiple cities in the US and the general work stoppage that will result if that happens. Odds of that happening - I would guess is 60 to 70% probability within the next couple weeks and that will likely lead to the failed bounce even if they can keep the balls in the air that long.

Generally I am positive or at least try to be. In this case, my negativity is growing on that same exponential curve.

Das könnte von mir stammen und dass die Mehrzahl der erfahrenen Marktteilnehmer das so sieht und ich Gefahr laufe, nun vielleicht meine zweite Dissonanz in kurzer Zeit zu bekommen, ist keinesfalls der Contraindikator, für den man ihn halten könnte.

Denn diese ausgewählten Leute machen den Markt nicht, sie sind eine Minderheit und jeder der sich intensiv mit den Folgen von Covid-19 beschäftigt, wird zumindest diese Sorge im Hinterkopf haben, auch wenn er vielleicht zu anderen Prozentsätzen für die Wahrscheinlichkeit kommt.

Die Mehrheit der Marktteilnehmer hat nach meiner Wahrnehmung eher die Erwartung, dass der Stimulus der Notenbanken so groß und gnadenlos ausfallen wird, dass dem Markt gar nichts anderes möglich ist, als wieder zu steigen. Ich halte das für den Konsens, die Tatsache dass der Markt nun mit -> 100% einen 50 Punkte Rate-Cut im März <- erwartet, passt da hervorragend ins Bild.

Nein, was wir in meinen Augen viel eher hier sehen, ist etwas was ich schon länger sage und mit den Automatismen, den Algos und den passiven Investment-Vehikeln zu tun hat, die alle den Markt in eine Richtung drücken, in der er störrischer als früher einer einmal gefundenen Richtung folgt.

Wenn man so will ist die "Price Discovery" des Marktes gestört bzw nicht mehr so gut wie früher, weil der Herdentrieb größer geworden ist. Wobei Herdentrieb hier eben keine Menschen meint, sondern Algos und Momentum-Strategien, die einfach einer Richtung folgen und damit diese in Länge und Intensität verstärken.

Man kann das doch auch mit Zahlen belegen, dass die letzte Woche der schnellste und pausenloseste Wochen-Einbruch seit Lehman war, ist doch kein Zufall und das obwohl wir weit von Lehman-Szenarien entfernt sind.

Oder schauen Sie sich die Pausenlosigkeit der Rally seit Oktober an oder die Pausenlosigkeit des Absturzes im Dezember 2018, das deutet alles in die gleiche Richtung, dass hier sich Bewegungen an sich selber nähren und sich um die fundamentalen Hintergründe dabei den berühmten "Scheissdreck" scheren.

Auch das Geschehen rund um das Virus hat doch mit einer effizienten Price-Discovery nichts zu tun. Das Virus so lange zu ignorieren war einfach unrealistisch, dann in einer Woche in völlige Panik zu verfallen war ebenso unrealistisch. Intelligente, eine Lage einschätzende Menschen denken so nicht, die können auch in Panik verfallen, aber eben nicht von 0 auf 100 in 24 Stunden und auch nicht ohne Pausen dazwischen.

Ich vermute also, dass der Markt "dümmer" und "technischer" geworden ist und die Price-Discovery schlechter wurde.

"Dümmer" heisst dabei, das der Markt weniger individuell bewertet und einfach der Herde (dem Trend) automatisiert nachläuft. "Technischer" heisst, dass für die Richtungsentscheidung fundamentale Überlegungen immer weniger eine Rolle spielen, dafür aber immer mehr das Momentum an sich.

Wenn man so will, ist auch hier die Reflexivität am Werk, denn wenn alle dem Markt nur noch folgen und keiner mehr denkt, kann die Herde irgendwohin rennen. Das Prinzip der Marktfolge ist ideal für "kleine Leute" wie uns, die wir den Markt nicht machen. Wenn aber das große Geld sich selbst "zu Folgen" beginnt, wird es zwangsläufig problematisch.

Wenn Sie jetzt aber denken, dass das eine "früher war alles besser" Rede ist, liegen Sie völlig falsch. Im Gegenteil, ein derart im technischen Herdentrieb agierender Markt wird berechenbarer und man kann mit Intelligenz wieder einen Edge erzielen, weil der Markt wie eine Herde trottet und nicht differenziert nachdenkt. Die Lage für uns Anleger ist also interessanter geworden, weil die Price-Discovery an Qualität verliert.

Man muss sich dann aber auch klarmachen, dass viel mehr plötzlich an Bewegungen möglich wird, auch das, was logisch und rational völlig idiotisch wäre. So habe ich ein "V" ausgeschlossen, weil jeder der Nachdenken kann, doch zu ähnlichen Schlüssen wie oben kommen wird, das Virus ist ein erhebliches, wenn auch noch abstraktes Risiko, das in die Gleichung einbezogen werden muss.

Diese Sicht kann am Ende auch durchaus richtig sein, so wie der Markt ja letzte Woche plötzlich doch das Risiko des Virus gewürdigt hat. Ein rein vom Momentum getriebener und ansonsten "gedankenloser" Markt von Algos, kann aber vielleicht nun unter dem Eindruck der gebündelten Aktion der Notenbanken doch wieder zu den Hochs laufen, nur um dann in Wochen genau so wegzukippen wie letzte Woche, wenn er erkennt, dass die Wirtschaft erheblich leidet.

Für einen denkenden Menschen wäre das idiotisch, weil das doch schon jetzt abzusehen ist, aber dieser "neue" Markt der Algos besteht eben nicht primär aus denkenden Marktteilnehmer, sondern automatischen Logiken, die sich selbstreferentiell an der Bewegung selber nähren.

Das nur als kleine Reflektion zu dem was hier vielleicht passiert. Ich werde bei meiner Gesamtsicht bleiben und wenn es sein muss, werde ich eine zweite Dissonanz entwickeln, werde wieder zähneknirschend trotzdem dem Markt folgen und wieder innerlich bereit für einen erneuten Absturz sein - sozusagen eine Replik des Geschehens der letzten Wochen.

Klar ist auf jeden Fall, dass bei aller berechtigten Unsicherheit, diese aber bei rationaler Einordnung keinen Grund für 15% Swings von oben nach unten in wenigen Tagen liefert. Diese Swings haben andere Ursachen, die wohl in der neuartigen Marktstruktur zu suchen sind, die ich ja schon oft kritisch thematisiert habe.

Der heutige Handelstag wird also wichtig, weil er entweder schon den Abverkauf des Rebounds bringt, oder uns einem "V" näher bringt und viele, viele damit kräftig ins Schwitzen bringen wird.

Die G7 haben -> viele warme Worte verkündet <-, aber keine echten Maßnahmen beschloßen, was eher eine Enttäuschung ist und auch schon zu einer kleinen "Sell the News" Reaktion geführt hat:

Im großen Bild des Weekly steht der Rebound nun genau an der oberen Begrenzung der alten Unterstützung, das wird wie gesagt heute wichtig:

Der Euro scheint jetzt doch zu drehen, was zum Prinzip des Carry-Trades passt, denn da leiht man sich zu Nullzinsen Geld in Euro und kauft Dollars, die man im Dollarraum anlegt.

Der Carrry Trade führt dazu, dass EURUSD sinkt und US Assets steigen, die Überperformance der US Märkte erleben wir ja seit Jahren und die hat *auch* mit diesem Effekt und den Zinsdifferenzen zu tun.

Letzte Woche hat man schön gesehen, wie im Risikomanagement US Assets verkauft wurden, damit auch Dollarpositionen aufgelöst wurden und so EURUSD stark gestiegen ist. Absolut folgerichtig.

Vor dem Hintergrund war es gestern erst einmal unlogisch, dass die US Märkte stark stiegen und EURUSD trotzdem *auch* gestiegen ist.

Es gibt dazu zwei sinnvolle Erklärungen:

(1) Big Money löst den Carry Trade unter der Decke weiter auf, was dafür sprechen würde, dass dieser Rebound eine "Falle" ist und wieder zusammenbricht.

(2) Die nun erwarteten starken Senkungen der FED verbilligen den Dollar unabhängig vom Carry-Trade, weil damit die Zinsdifferenz kleiner wird.

Was es genau ist, werden wir bestenfalls im Nachhinein wissen. Rein vom Carry-Trade her, ohne Notenbankeffekte, hätte EURUSD gestern auf jeden Fall wieder fallen müssen.

Ich vermute, es war gestern Powell, also die FED, denn wir hatten tatsächlich eine starke Verschiebung hin zu der 100% Erwartung eines 50% Notfall-Cuts. Und das drückt natürlich den Dollar.

Die schon am Freitag und am Sonntag genannten Utilities haben übrigens tatsächlich eine brutale Wende hingelegt, es gab auch keinen logischen Grund außer dem "Alles-raus-Effekt", warum die durch das Virus besonders betroffen sein sollten. Die von mir beschriebene Logik das als Chance zu nutzen, hätte also schon Sinn gemacht und zwar in den US wie in Europa:

Und das verrückteste Chart hat für mich die bekannteste und größte Aktie Apple (AAPL), man sieht an der Entwicklung eigentlich meine einleitenden Sätze bestätigt. Hier findet keine überlegte "Price Discovery" statt, sondern riesige Volumina werden nach technischen Mustern rein und raus geschoben, der Markt nährt sich eher an sich selber:

Damit gehe ich agnostisch und ergebnisoffen in diesen wichtigen Handelstag, der entweder die Rally fortsetzt und vielen Schweißperlen auf die Stirn treiben wird, die sich gerade noch gefreut haben, dass sie dem Einbruch aus dem Weg gegangen sind. Oder der bestätigen wird, was man mit Ratio eigentlich erwarten muss, dass nämlich die Notenbanken eine Pandemie nicht beenden können und in jedem Fall über Wochen ein abstraktes Risiko eingepreist werden muss - was schnelle neue Hochs eigentlich unsinnig macht.

Ich rate dringend, dass Sie nicht schwitzend und hoffend nur auf eine Richtung setzen, sondern sich für beide Fälle Ihre Vorgehensweise überlegen. Noch ist 40 Minuten Zeit, es ist jetzt 14:50 MEZ.

Ihr Hari

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Hari Live Stream 27.06.19



15:05 MEZ - ZH2

Jedes Mal, wenn ich heute aus unserem 24 Grad Erd-Kälte-Gebäude heraus trete, um die paar Meter zu unserem kleinen Pool zurück zu legen, trifft mich der Schlag. Das sind wahre Luxus-Probleme. 😛

Auf jeden Fall hat jeder von Ihnen, die/der nun in unklimatisierten Büros hockt, mein volles, ehrliches Mitgefühl. Das hat nun Temperaturen, bei denen man keinen klaren Kopf mehr haben kann.

Beim Markt müssen wir davon ausgehen, dass der so weitermacht wie die letzten Tage, will sagen ohne echte Richtung und ohne Überzeugung.

Das Wall Street Journal macht -> hier <- in einem Artikel klar, dass echte Ergebnisse beim G20 am Wochenende in Sachen Handel sehr unwahrscheinlich sind. Aber der Markt erwartet auch kaum etwas, was bedeutet, dass schon eine Stimmungsverbesserung und neue Verhandlungen wohl sehr positiv aufgenommen würden.

15:15 MEZ

Auch Österreich -> konnte nun eine 100-jährige Anleihe platzieren <- und dass für nur 1,2% Prozent!

100 Jahre, es gibt historisch meines Wissens keine 100 Jahre in der Geschichte Mitteleuropas ohne Kriege und Verwerfungen. Und das in einer Zeit massiver Umbrüche, die Welt wird in 100 Jahren eine *völlig andere* sein als heute, der Wandel wird noch stärker sein, als die letzten 100 Jahre.

Wer gibt einem Land sein Geld für 100 Jahre und das für nur 1,2% Risikoausgleich pro Jahr? Eigentlich nur Idioten, oder eben alternativlose, institutionelle Anleger, die gar nicht anders können, weil sie in diese Anleihen investieren *müssen*.

Wer immer noch nicht akzeptiert, dass die Politik der Notenbanken eine einzige, skandalöse Verzerrung von Marktkräften ist, sollte es im Lichte solcher Absurditäten nun mal tun.

Ohne die finanzielle Repression der Notenbanken, würde es in einem wirklich freien Markt solche Absurditäten nie geben!

15:48 MEZ - ZH3

Boeing (BA) -> hat ein neues Problem <-, der Kurs entwickelt aber scheinbar keinerlei echten Abwärtsdruck mehr:

Wie wir darüber denken, ist völlig egal, der Markt hat immer Recht und selbst wenn er Unrecht hat, nützt es uns nichts Recht zu haben, wenn der Markt beschließt einfach weiter die Kurse nach dem "Unrecht" zu bilden. 😉

Der Abschlag für das 737 Desaster war erstaunlich wenig, das muss man als Ausdruck großer Stärke der Aktie werten.

16:10 MEZ - ZH3 - ZH4

Es ist ja schon länger ein offenes Geheimnis, dass der aggressive Paul Singer mit seinem Hedgefonds Elliott nun bei Bayer (BAYN) drin ist.

Schon im Dezember letzten Jahres habe ich -> hier <- darüber geschrieben mit den Worten:

Und dann haben wir bei Bayer ja nun Paul Singer von Elliott im Rennen, mit dem nicht gut Kirschen essen ist und der dem guten Baumann nun sicher Beine machen wird. Wie hieß es so schön beim Militär: Die Beine propellerartig!!

Natürlich ist klar wo Singer ansetzen wird, er wird die Zerschlagung verlangen, am Ende ist Monsanto dann wieder unabhängig, ein Treppenwitz der Geschichte und Sinnbild des Scheiterns des Managements, wenn es so kommt.

Natürlich ist auch klar welche Abwehrstrategie das Bayer-Management fahren wird, es wird nach innen die Mitarbeiter und Gewerkschaften mit der Angst vor Zerschlagung und Arbeitsplatzabbau zu aktivieren versuchen, was aber ziemlich verlogen wäre, ich hoffe die Mitarbeiter sind klug genug das zu erkennen.

Denn in diese Situation wurden sie durch Vorstand und Aufsichtsrat gebracht, nicht durch Singer und auch der große Arbeitsplatzabbau jetzt hat nichts mit Singer zu tun.

Nun ist es offiziell und die Tonlage wird rauher: -> Unverhohlene Drohung an das Bayer Management <-

Und der Kurs reagiert heute massiv, woran man sieht, was der Markt will - er sucht jemanden, der Baumann und Wenning Beine macht. Sofort wird eingepreist, dass Bayer nun versuchen könnte, das Problem loszuwerden, statt es gesundzubeten.

Man sieht daran auch sehr schön, wodurch Kurse gemacht werden, durch Erwartungen, nicht Fundamentaldaten! Fundamentaldaten können zu Erwartungen beitragen, sie machen die Kurse aber nicht.

Für uns steckt im Chart aber eine weitere Botschaft, ich hatte die -> Volumen-Wetterscheide <- ja sogar in einem eigenen Artikel zum Thema gemacht.

Natürlich kann man jetzt noch keine neue Volumen-Wetterscheide ausrufen, wir haben ja bis auf heute noch kein Volumen, das werden erst die nächsten Tage zeigen.

Aber das Chart soll deutlich machen, dass diese Chance bei Bayer nun da ist. Nicht mehr und nicht weniger.

PS: Der lange Volumendocht letzten Freitag ist zu ignorieren, der stammt von der OpEx. Faktisch hatte Bayer die letzten Wochen nur noch dümpelndes, durchschnittliches Volumen, was nun die Chance auf Expansion schafft.

16:30 MEZ - ZH3

First Solar (FSLR) mit Aufwärtstrend:

16:55 MEZ

Unser "Leon" kopiert -> hier in Post 3 <- einen Kommentar des Brokers "DeGiro" zum Thema Schweiz und Börsenäquivalenz.

Ich teile seine Einschätzung "fast könnte man das Verfahren chaotisch nennen" und würde dabei das "fast" streichen.

In meinen Augen bestätigt das, was ich -> am Dienstag <- schon vermutet hatte, es scheint so zu sein, dass auch die Broker nichts wissen und daher lieber schweigen, statt Halbwissen zu verbreiten.

Manchmal ist Schweigen ziemlich dröhnend und das sollte unbedingt aufmerksam machen, wenn man schweizer Aktien besitzt. Kurzfristig unberechenbare Risiken sind durchaus vorhanden, auch wenn ich mir weiter kaum vorstellen kann, dass es langfristig keine Lösung gibt!

17:10 MEZ - ZH3

Ich will noch einmal auf Electronic Arts (EA) zurück kommen, die ich ja -> am Montag <- mit einem Setup im Stream hatte.

Der Retest hat stattgefunden, nun gilt es:

17:50 MEZ - ZH5

Becton Dickinson (BDX) langfristig:

18:05 MEZ - ZH1

Wie erwartet, scheint es so zappelnd weiter zu gehen. Nichts also, was man bei der Hitze zwingend verfolgen muss.

Da beim blauen Pfeil hat Präsidentenberater Larry Kudlow was dazu abgelassen, dass -> die neuen Zölle sehr wohl kommen könnten und alles offen sei <-.

Die Algos leben und zucken also noch. 😛

Ich nenne das einfach nur "Gebrabbel", kann man sich wirklich sparen und ich befürchte, dass morgen auch so wird und dann sehen wir weiter.

Ich wünsche einen schönen Abend!

Ihr Hari

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Aufsteigende Angst



Guten Morgen!

Vor uns liegt eine geschäftige Notenbankwoche mit der FED am Mittwoch Abend, der Bank of Japan und Schweizer Notenbank am Donnerstag vormittag und jeder Menge Wirtschaftsdaten wie Einzelhandelsumsätze, Verbraucherpreise, Baugenehmigungen, Philly Fed und und und.

Trotzdem habe ich keine grossen Erwartungen an die drei Notenbank-Termine und rechne mit keinen Überraschungen auf der Ebene der echten Entscheidungen. Wie der Markt, rechne ich also auch nicht mit einer Zinserhöhung der FED.

Alles wird sich eher wieder um "Wortklauberei" drehen und die wird besonders intensiv, weil durch das kommende Brexit-Referendum, alle besonders nervös sein werden.

Übrigens ist der 23.06. nicht am Wochenende, sondern ein Donnerstag. Was nächste Woche Freitag der 24. dann los sein wird, können wir uns also schon in bunten Farben ausmalen: so oder so eine Menge! Die Händler in London, werden wohl "durchmachen" und die ganze Nacht vor den Schirmen sitzen, irgend eine Börse ist ja auf der Welt immer auf.

Diese Woche aber, sollten wir mit hoher Volatilität, Zögerlichkeit, Ängstlichkeit und Risikoaversion rechnen, durchaus also mit weiteren Abgaben, aber ich glaube nicht mit entscheidenden Bewegungen.

Hätte der DAX die letzten 2 Wochen nicht schon korrigiert, würde ich für kommende Woche eindeutig den Blick nach unten richten. Das ist aber schon passiert und insofern erscheint selbst an Europas Märkten offen, wohin die Reise diese Woche geht, nachdem der negative Auftakt aus Asien verdaut ist.

Denn die Industrieproduktion aus China ist heute Nacht ganz brauchbar herein gekommen, das hat den asiatischen Markt aber nicht davon abgehalten, massiv abzugeben und damit einen sehr negativen Ton für den Wochenauftakt anzuschlagen.

Es ist aber völlig offen, ob damit die unmittelbare Risikoaversion vor dem Brexit völlig eingepreist ist oder nicht. Sehr viel wird auf jeden Fall von den Umfragen abhängen, dass der Markt nun so wackelig wird liegt eben auch daran, dass diese zum ersten Mal die realistische Chance eines Sieges der Brexit-Befürworter aufzeigen.

Auf jeden Fall hat der Yen genau da gedreht, wo ich das am 02.06. in -> Murphys Beobachtungen <- verortet hatte:

JPYUSD 13.06.16

Im bärischen Fall, der durchaus relevante Eintrittswahrscheinlichkeit hat, drückt der Yen die kommenden zwei Wochen eine weitere "Treppenstufe" bis 0,01 hoch und zerrt damit die Märkte nach unten.

JPYUSD 13.06.16 2

Ich kann in Anbetracht dieser immer nervöser werdenden Lage nur dazu raten, Ruhe zu bewahren.

Es ist auf jeden Fall *keine* gute Idee, sich von der aufkommenden Hektik der Märkte anstecken zu lassen, sondern wir sollten in diesen Tagen stur unsere (hoffentlich) vorhandene und durchdachte Strategie einfach durchzuziehen.

Aus Sicht des DAX, ergibt sich mit der aufkommenden Angst und damit einher gehenden Schwäche eine Handelschance. Denn letztlich wird das Gummiband des DAX nun wie bei einer Zwille mit Macht nach hinten gezogen.

Und nun stellen wir uns mal vor, der Brexit würde abgesagt, weil die Umfragen daneben liegen. Was dann passiert, dürfte nach oben höchst dynamisch sein!

Das Problem ist halt, das ist ein höchst digitale Entscheidungssituation, bei der uns kein Chart und keine Markttechnik helfen kann. Es ist ganz simpel, entweder die Briten entscheiden sich dafür oder dagegen.

Wenn man dieses Szenario spiele will, wird es also den Charakter eines "Zock" haben. Wer das nicht will, muss einfach Abstand und die Füsse still halten.

Ich versuche die Situation, wie ich sie sehe, mal anhand eines hypothetischen Szenarios deutlich zu machen.

Nehmen wir mal an, die Umfragen werden nun beständig bis zur Abstimmung, auf die Möglichkeit des Sieges der Brexit Fraktion hindeuten. Und dann kommt es zum Brexit oder eben nicht. Dann hat so ein Bild im DAX gute Chancen:

DAX 13.06.16

Zunächst besteht weiteres Abwärtspotential bis 9.500 und darunter. Dann aber existiert ein positiver Edge in die Entscheidung hinein, weil das Upside im einen Fall dann wohl höher ist, als das Downside im anderen Fall.

Damit es zu diesem Bild kommt, müssen die Umfragen aber mitspielen, sehr viel wird nun davon abhängen und jede Entwicklung die wieder das EU Lager im Vorteil sieht, wird auch den DAX wieder stabilisieren.

Setzen Sie also nicht darauf, dass es im DAX nun einfach wie eingezeichnet runter geht, gerade im Bereich 9.700 kann jederzeit ein "Snapper" nach oben kommen. Eine Umfrage mit dem EU Lager vorne und *Peng*.

Also noch einmal, bleiben wir ruhig und verstehen wir das aktuelle Geschehen als das was es ist: aufkommende Nervosität und Angst des Marktes. Vor ein paar Tagen hatte ich noch gefragt, ob der Markt nicht zu gelassen ist. Nun brauche ich diese Frage nicht mehr zu stellen.

Beim COT Report von Freitag für Gold war der Anstieg der Short-Positionen im Vergleich zum Anstieg der Kurse nur verhalten. Von dieser Seite steht einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung nichts entgegen.

Wer in diesem Sektor aggressiv unterwegs ist, sollte aber anfangen sich darüber Gedanken zu machen was passiert, wenn der Brexit abgesagt werden sollte und die Märkte dann zur Rally ansetzen. Das Risiko, dass es dann im Sektor noch einmal deutlich runter geht, erscheint hoch und erst danach ist der Boden für die zweite Jahreshälfte dann bereitet.

Sollte der Brexit aber stattfinden, dürfte Gold zumindest kurzfristig einen Satz nach oben machen. Und auch im Vorfeld bis zum 23.06., sollte die wachsende Unsicherheit das Edelmetall stützen.

Der Beginn des Tippspiels hat bei mir leichte Verwunderung ausgelöst. 83 angemeldet, teilgenommen nur 53. Ich denke viele haben das schlicht über das Wochenende vergessen. Nun gut, wer nicht teilnimmt, bekommt eben auch keine Punkte.

Das Ergebnis ist aber ganz interessant. Die Teilnehmer erwarten in Mehrheit diese Woche:

Erstens einen mehr oder weniger unveränderten S&P500 mit leichte negativem Unterton. Also eine Fortschreibung der letzten Woche.

Neutral, nicht mehr als 20 Punkte Plus oder Minus (40%)
Negativ, mehr als 20 und bis zu 40 Punkte Minus (37%)
Positiv, mehr als 20 und bis zu 40 Punkte Plus (21%)
Sehr Negativ, mehr als 40 Punkte Minus (2%)
Sehr Positiv, mehr als 40 Punkte Plus (0%)

Zweitens einen eher negativen DAX, auch eine Fortschreibung der letzten Woche.

Negativ, mehr als 150 und bis zu 300 Punkte Minus (48%)
Neutral, nicht mehr als 150 Punkte Plus oder Minus (31%)
Positiv, mehr als 150 und bis zu 300 Punkte Plus (17%)
Sehr Positiv, mehr als 300 Punkte Plus (4%)
Sehr Negativ, mehr als 300 Punkte Minus (0%)

Drittens eine weitere, positive Woche für Gold, auch eine Fortschreibung der letzten Woche.

Positiv, mehr als 15 und bis zu 30 USD Plus (49%)
Neutral, nicht mehr als 15 USD Plus oder Minus (23%)
Negativ, mehr als 15 und bis zu 30 USD Minus (21%)
Sehr Positiv, mehr als 30 USD Plus (4%)
Sehr Negativ, mehr als 30 USD Minus (4%)

In Summe erwartet die Mehrheit also keine Änderung des aktuellen Marktgeschehens. Wir werden sehen. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Einschätzung grundlegend falsch finde, sie entspricht dem, was sich am Anfang der Woche gerade abzeichnet. Gerade im DAX sind aber einige Überraschungen drin, auch nach oben je nach Umfragen-Lage.

Die erste Tabelle kommt nach Ablauf der zweiten Tippwoche, also übernächstes Wochenende.

Die neuen Tipps für die folgende Woche, die dann das Brexit-Referendum beinhaltet, sind ab Mittwoch verfügbar. Ich werde noch einmal darauf hinweisen.

So, nun atmen wir tief durch, ziehen uns für die kommenden zwei Wochen entweder unseren "Kampfanzug" an oder verkriechen uns im Loch, denn es dürfte wild zugehen diese Woche.

Machen wir gemeinsam das Beste daraus!

Ihr Hari

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Lehrer Bömmel und die Korrelation zwischen Aktien und Anleihen



Im Foren-Thread -> Lehrer Bömmel bittet um Fragen <- war einer der Wünsche, dass das Zusammenspiel zwischen Aktien und Anleihen beschrieben und aufgezeigt wird, wie es sich zeitlich verhält, wenn die Zinsen steigen oder fallen und was das dann für die Anleihen bedeutet.

Das will ich gerne tun, aber wie immer bei Fragen an Lehrer Bömmel, muss der davon ausgehen, dass es Mitglieder gibt, bei denen er sozusagen bei "Adam und Eva" anfangen sollte.

Und deshalb stelle mer uns janz dumm und fragen zunächst: Was ist überhaupt eine Anleihe?

Das ist ganz einfach, wenn man keine formal präzise, sondern bildhafte Beschreibung verwendet, so wie das Lehrer Bömmel besonders gut kann:

Eine Anleihe ist eine Form von "Darlehen", das in eine formale Form (Schuldverschreibung/Anleihe) gegossen wird, die erlaubt das "Darlehen" an Börsen zu handeln.

Konkret, Sie geben beispielsweise der Bundesrepublik Deutschland Geld (ein "Darlehen") und bekommen dafür ein Blatt Papier (die Schuldverschreibung), auf dem exakt steht, wie viel Zinsen Sie für das Darlehen erhalten und wann Sie das Geld von der Bundesrepublik Deutschland zurück erhalten werden.

Stimmt so natürlich nicht ganz, weil nicht Sie entscheiden Geld zu verleihen, sondern die Bundesrepublik Deutschland konstruiert den Inhalt des Blattes Papiers (der Anleihe) und "emittiert" diese dann, was nicht anderes bedeutet, als dass Sie nun diese Anleihe kaufen können.

Wenn Sie diese Anleihe aus der Emission kaufen, setzen Sie Ihr Geld ein, um das Blatt Papier zu bekommen. Ihr Geld fliesst dann zur Bundesrepublik Deutschland. Deutschland wird dann (hoffentlich ;)) Ihr Blatt Papier (die Anleihe) bedienen, in dem es Zinsen zahlt und am Ende ihr Geld zurück zahlt.

Das genau ist ein Anleihe, wenn die Schuldverschreibung an der Börse handelbar ist, wobei Sie Bundesrepublik Deutschland auch gegen andere Staaten oder Firmen ersetzen könnnen. Und da Sie ja nun über das Blatt Papier Ansprüche auf Zins und Rückzahlung an die Bundesrepublik Deutschland haben, können Sie dieses Blatt Papier (die Anleihe), auch an Dritte verkaufen und zwar idealerweise über die Börse.

So weit so hoffentlich klar. Jetzt stellt sich aber gleich die nächste Frage:

Wie hoch ist denn dann der "Preis" (an der Börse der Kurs) für diesen Verkauf und wie entwickelt der Preis sich im Laufe der Zeit?

Machen wir es an einem einfachen Beispiel fest.

Sie haben Deutschland im Jahr 2010 via Staatsanleihe 10.000€ geliehen mit einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Zinssatz von 3%.

Wenn Sie nichts machen, kann Ihnen die Kursentwicklung der Anleihe völlig "schnuppe" sein, denn Sie bekommen Ihre 3% pa und im Jahr 2020 Ihre 10.000€ zurück. Fertig!

Nun haben Sie aber schon heute - in 2016 - Kapitalbedarf und wollen Ihre Anleihe über die Börse verkaufen. Sie warten also nicht das Ende der Laufzeit ab, um Ihre 10.000€ zurück zu bekommen.

Sie schauen auf die Kurse und - was ist das? - Sie sehen, dass der Kurs der Anleihe nicht bei 100 wie am Start, sondern zum Beispiel bei 108 steht. Wenn Sie die Anleihe heute verkaufen, bekommen Sie also 10.800€ über die Börse dafür.

Toller Deal, sofort machen! Ist das ein "Free Lunch" und die anderen nur zu doof?

Nein, Pustekuchen, denn der Wert Ihrer Anleihe im Jahr 2016 besteht ja nicht nur aus dem Anspruch 10.000€ zurück zubekommen, sondern zusätzlich noch aus dem Recht, genau 4 Jahre lang bis 2020, 3% Zinsen zu erhalten!

Nur gibt es im Moment eben keine Bundesrepublik Deutschland mehr, die einem 3% Zinsen für geliehenes Geld bietet. Aktuell bietet Deutschland nur noch 0% Zinsen. Und diese jährliche Differenz ist bares Geld wert, dessen Wert über den Kurs dargestellt wird.

Heisst konkret: Wenn Sie eine Anleihe im Depot haben, die Sie zum Kurs 100 gekauft haben und ...

(1) die Marktzinsen fallen in der folgenden Zeit, wird die Anleihe mehr wert und der Kurs steigt.
(2) die Marktzinsen steigen in der folgenden Zeit, wird die Anleihe weniger wert und der Kurs fällt.

Aber..... je näher die Laufzeit dem Ende der Anleihe entgegen strebt, desto mehr nähert sich der Kurs wieder 100 an. Denn die Differenz zu 100 kommt ja über die Zinsdifferenz in der Restlaufzeit und wenn die Restlaufzeit gegen Null geht, geht auch die Differenz gegen Null!

Womit wir wieder beim Statement des Anfangs sind: Wenn Sie eine Anleihe von der Emission bis zum Laufzeitende halten, muss Sie das alles nicht interessieren.

Ach ja und warum notieren dann Anleihen von Griechenland manchmal bei 40%?

Ganz einfach, weil die Aussagen oben nur richtig sind, wenn die Rückzahlungswahrscheinlichkeit immer nahe 100% ist. Wenn es aber plötzlich fraglich wird, ob Sie in 2020 Ihr Geld überhaupt zurück bekommen, sinkt der Wert der Anleihe stark und könnte selbst wenige Monate vor Rückzahlung theoretisch immer noch deutlich unter 100 liegen.

So funktionieren Anleihen. Wir merken uns also:

Wenn die Zinsen steigen, sinken die Kurse der bestehenden Anleihen. Wenn die Zinsen sinken, steigen die Kurse der bestehenden Anleihen. Bei Rückzahlung, ist der Kurs aber wieder am Ausgangspunkt - sozusagen 100.

Und wie korreliert das nun mit steigenden oder fallenden Aktienmärkten?

Die vielleicht erstaunliche Antwort ist: direkt eher gar nicht! Beide Dinge haben direkt nicht viel miteinander zu tun.

Aber indirekt gibt es doch eine Korrelation und die rührt unter anderem daher, dass ja beide Anlageformen um den gleichen Euro konkurrieren, der angelegt werden soll. Ein Euro kann eben nur in einer Aktie *oder* einer Anleihe *oder* einer Immobilien *oder* Gold *oder* *oder* angelegt werden. Auch wirken Finanzierungskonditionen ja wieder auf die Gewinne der Unternehmen, womit die Dinge am Ende eben doch miteinander verwoben sind.

Wenn zum Beispiel eine Anlageform besonders attraktiv ist, leidet die andere Anlageform indirekt darunter. Wobei es durchaus sein kann, dass beide Anlageformen gleichzeitig steigen, wenn nämlich so viel Anlagegeld in den Markt "strömt", dass es für alle reicht. Und damit sind wir wieder bei den Notenbanken, der Geldmenge und der Flutung der Märkte mit Liquidität.

Denn theoretisch, in der idealen Welt normaler Konjunkturzyklen ohne aufgeblähte Geldmengen, gibt es eine Korrelation zwischen Anleihen und Aktien und die kann auch invers sein.

Und diese Korrelation hat mit einem sauberen Konjunkturzyklus zu tun und Notenbanken, die diesen Konjunkturzyklus ideal begleiten. Und das geht so:

Die Konjunktur zieht nach der letzten Krise langsam an, die Aktien beginnen zu steigen, weil die Gewinnaussichten besser werden. Gleichzeitig erhöht die Notenbank die Zinsen von den stimulierenden Niveaus der Krise und diese steigenden Zinsen drücken die Anleihenkurse.

Wir haben also die inverse Korrelation steigender Aktienkurse und fallender Anleihenkurse.

Am Höhepunkt ist die Konjunktur so stark, dass die Notenbank eine Überhitzung vermeiden muss und daher die Zinsen weiter erhöht. Kurz vor dieser Überhitzungsphase, erreichen die Aktienkurse ihren Hochpunkt und die Anleihenkurse ihren Tiefpunkt.

Dann beginnt der Wirtschaftszyklus zu fallen. Die Aktienkurse fallen, weil die Gewinnerwartungen sinken. Die Notenbank erkennt das und beginnt gegen zu steuern und die Zinsen zu senken. Und die Anleihenkurse steigen wieder. So geht es weiter bis zum Tiefpunkt, an dem hoch verzinste Anleihen sehr viel wert sind und Aktienkurse am Boden liegen.

Und der nächste Zyklus beginnt. Rinse & Repeat.

Jetzt ist das wiederum eine stark vereinfachende Darstellung, denn sie berücksichtigt nicht den Zeitverzug bei den Handlungen der Notenbanken und den Verlauf der Aktienkurse. Faktisch führt das dazu, dass es auch im normalen Konjunkturzyklus lange Phasen der Parallelität geben kann, eben zum Beispiel wenn die Notenbank die Zinsen noch senkt, weil die Konjunktur noch mies aussieht, die Kurse aber schon zu steigen beginnen, weil der Aktienmarkt die Wende in ein paar Monaten schon riecht.

Aber wie oben mehrfach gesagt, muss ich stark vereinfachen, um das Prinzip zu verdeutlichen. Also um es präzise zu sagen: auch im normalen Konjunkturzyklus, gibt es lange Phasen der Parallelität zwischen Aktien und Anleihenkursen.

In der idealen Welt, wäre aber eine inverse Beziehung immer wieder existent. Wir haben diesen Effekt wie im Brennglas 2007-2009 sehen können.

Die Zinsen waren oben, die Aktienkurse begannen abzustürzen. Die FED hat mit massiven Zinssenkungen in kurzer Zeit gegengesteuert und das wurde noch durch einen massiven "Flight to Safety" Trade überlagert, da die Staatsanleihen die letzte Rettung waren.

Wir hatten also in 2008 - einer Phase einer extrem schnellen Konjunkturabkühlung und sehr harten Reaktionen der Notenbanken - die oben beschriebene inverse Korrelation zwischen Aktien und Anleihen. In ruhigeren Marktphasen dagegen, kann auch eine Parallelität sehr lange andauern.

Aktuell leben wir aber nicht in der idealen Welt und unzählige andere Parameter wirken auch auf Anleihen und Aktien ein. Auch Regulierung gehört dazu, grosse Versicherer können zum Beispiel gar nicht frei zwischen Aktien und Anleihen wählen. Und die Menge der Liquidität, die angelegt werden muss, ist natürlich auch ein Faktor, ebenso wie die Zinspolitik der Notenbanken.

Und die FED hat eben seit 2009 *nicht* die Zinsen erhöht, während die Konjunktur langsam in Fahrt kam, sondern das Zinsniveau durch diverse QE Programme faktisch weiter verringert.

Als Folge sind seit 2009 Anleihenkurse *und* Aktienkurse gestiegen, eine Folge der Notenbankpolitik, die den oben beschriebenen Zyklus eben nicht mehr so begleitet und damit ein historisches Experiment begonnen hat.

Wir hatten also zuletzt ein paar Jahre der Besten beider Welten mit dem "Bernanke/Yellen/Draghi Put" im Markt, in denen sich gleichzeitig manche Menschen von "Gold-Bugs" haben dazu verleiten lassen, ihr ganzes Kapital in eines der wenigen Assets zu stecken, die in dieser Phase nicht gestiegen sind: Gold. Manipulationsgerüchte brauchte es nicht, um das zu erklären. Wozu in so einer Phase Gold kaufen, wenn der Bernanke/Yellen/Draghi Put im Markt ist?

Das heisst aber umgedreht fatalerweise auch, dass wenn mal die Zinsen steigen sollten, Anleihenkurse *und* Aktienkurse wohl gleichzeitig fallen würden. Auch eine Notenbank kann ein Gummiband halt nicht beliebig dehnen und auf ewig verhindern, dass es auch mal zurück schnappen muss.

Die Notenbanken, haben uns nun in diese Ecke gebracht und versuchen, diesen parallelen Wertvernichtungs-Effekt so lange wie möglich zu vermeiden. Und zwar, in dem sie das Gummiband mit Negativzinsen noch weiter spannen.

Wohin das irgendwann führt, kann sich jeder selber ausrechnen, nur das *wann* und *wie schlimm* erscheint offen.

Fazit:

Es gibt keine direkte und fixe Korrelation zwischen Aktien- und Anleihenkursen. Aber es gibt eine indirekte Abhängigkeit aus vielen Faktoren, unter anderem auch, weil beide Anlageformen um das gleiche Anlagegeld konkurrieren.

In der idealen Welt der normalen Konjunkturzyklen, wäre die Korrelation beider Anlageklassen wechselnd, aber durchaus auch invers.

Nur leben wir in keiner idealen Welt mehr und es ist zu befürchten, dass wir eine Phase erleben werden, in der beide Anlageklassen gleichzeitig fallen. Das wird dann nicht lustig.

Soweit der Versuch, einen komplexen Sachverhalt einfach und verständlich zu erklären. Wie immer leidet darunter natürlich die Präzision und formale Korrektheit der Erklärung, aber man kann nicht Beides haben. Lehrer Bömmel braucht einfach grobe Vereinfachungen und Bilder, um die Funktionsweise einer Dampfmaschine zu vermitteln. 😉

Ihr Hari

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Der psychologische Ankereffekt oder: Es ist eben nur eine Zahl!

Der folgende Artikel erschien schon Donnerstag 12.03.15 09:30 in Hari Live

Heute mal etwas Grundsätzliches zur Entwicklung im DAX.

Denn die Fixierung der Menschen auf diese Zahl - heute 11.800 - führt zu psychologischen Fehlbewertungen der Situation. Und die Folge davon sind dann Schlagzeilen wie "Wahnsinn" oder "Übertreibung" oder "DAX ohne Hemmungen".

Das liegt daran, dass wir im Sinne des psychologischen Ankereffektes, "Normalität" über die nahe Vergangenheit defínieren. Und wir uns aber auch an eine "neue Normalität" ganz schnell gewöhnen und unsere Einschätzung daran ausrichten.

Stellen wir uns mal vor, der DAX würde nun ganz schnell auf 15.000 hoch schiessen. Jedermann würde das als "übertrieben" werten. Würde dann aber ein Jahr folgen, in dem der DAX seitwärts läuft, wäre am Ende des Jahres 15.000 "ganz normal" und niemand würde sich wegen der vermeintlichen Höhe sorgen.

Es ist eben nur eine Zahl!

Dass das so ist, können wir validieren, wenn wir in die Vergangenheit schauen. Der DAX stand vor 20 Jahren bei ca. 2000. Und klar, man muss die Dividenden nun raus rechnen, wenn man die Unternehmen heute und damals vergleichen will, aber trotzdem: haben sich Unternehmen wie Siemens in den 20 Jahren wirklich so grundlegend verändert, dass Sie heute ein Vielfaches Wert sind? Einen DAX bei 4000, was vielleicht nach Abzug der Dividenden dem 2000er DAX von 1996 entspricht, würden wir heute aber als Ausdruck einer schweren Wirtschaftskrise betrachten. Passt das zusammen?

Es ist eben nur eine Zahl!

Es ist eben nur eine Zahl, die da rechnerisch nun steht. Und dass die Zahl so hoch steht, dafür gibt es viele gute Gründe.

Nominelle Gewinnsteigerungen durch Bilanzakrobatik ala IFRS sind einer davon. Echte Gewinnsteigerungen durch effizientere Operation sind ein anderer. Höhere Multiples durch Anlagedruck im Null-Zins-Umfeld sind ein weiter Grund. Und der brutal fallende Euro ist der letzte Sargnagel, der dem DAX letztlich Scheingewinne verschafft, die nämlich nur für Bürger in voller Höhe sichtbar sind, die im Euro rechnen und daher nicht sofort merken, wie ihre Währung und damit auch Ihr Wohlstand, im weltweiten Massstab abwertet.

Es ist eben nur eine Zahl!

Eben, so ist es! Und wer sich nun von der vermeintlichen Höhe der Zahl irritieren lässt, weil sie sozusagen "Gestern" noch bei 8500 war, macht einen schweren Fehler. Die Höhe alleine sagt gar nichts. Null und Nichts. Erst der Kontext sagt etwas aus.

Gewinne in unseren Depots entstehen auch nicht, weil die Zahl "hoch" oder "tief" ist, sie entstehen nur, wenn die Zahl morgen höher ist als heute. Und das wäre auch wahr, wenn der DAX heute bei 100.000 stehen würde.

Dass wir Menschen uns durch den Ankereffekt zu falschen Schlussfolgerungen verleiten lassen, können Sie auch an der Tatsache sehen, dass Aktiensplits so beliebt sind. Denn eigentlich ändert sich durch einen Split gar nichts, der Wert der Firma ist völlig identisch. Und trotzdem "fühlt" es sich für uns eine Zeit lang so an, als ob die Aktie "billiger" geworden sei. Und das führt zu statistisch beweisbarem Kaufdruck nach so Massnahmen. Was sind wir doch für Affen, oder? 😉

Insofern wäre das Beste, was die Macher des DAX für die Aktienkultur in Deutschland machen könnten, beim DAX nun einfach eine Null zu streichen. Dann notiert er aktuell bei 1.180 und das würde es vielen leichter machen, nun zuzugreifen. Absurd? Ja! Realität? Auch!

Es ist eben nur eine Zahl!

Wir sollten uns diese Mechanismen unbedingt klar und uns davon so weit wie möglich frei machen. Hören wir also nicht auf den gedanklichen Reflex von "zu weit" und "Übertreibung", nur weil die Zahl nun so hoch ist - das ist alles irrelevant. Alles was für uns zählt ist, dass bei den Assets in unseren Depots die Zahl morgen höher ist als heute.

Und was heisst das nun konkret?

Eigentlich ist es recht einfach. Es gibt gute und fundamentale Gründe, warum der DAX so nach oben schiesst. Ich habe sie oben genannt, im Moment sind das vor allem der Anlagedruck und der Absturz des Euros, der "die Zahl" nach oben schiebt, ohne den Wohlstand wirklich im gleichen Masse zu heben.

Und solange diese Gründe so dominant sind, gibt es keinen Grund, warum der DAX nicht weiter steigen kann und sogar 15.000 im Verlauf der kommenden Jahres erreichen. Merken wir uns: es gibt keinen zwingenden Grund warum nicht!

Ist das nun "sicher" und darf man deswegen "sorglos" werden? Gott bewahre! Schwere Dummheit!

Was wir hier erleben, ist ein historisch einmaliges Experiment der Notenbanken. Jeder - absolut jeder, inklusive Draghi himself - der behaupten würde, er wüsste wie das ausgeht und welche Fallstricke auf dem Weg lauern, würde an massiver Selbstüberschätzung leiden und sollte von uns tunlichst ignoriert werden!

Schaut man in die Vergangenheit hinein, wodurch starke Bullenmärkte abgeschossen wurden, waren es nie die Dinge, um die sich der Markt sorgte. Worum sich der Markt sorgt, ist in den Kursen und stellt selten ein echtes Risiko dar. Wirklich riskant sind die Dinge, um die sich der Markt *nicht* sorgt, weil er sie nicht auf dem Radar hat. Und wie will man Dinge voraus sehen, die man nicht erkennt - das ist ein Widerspruch in sich.

Und hier - in der aktuellen Situation - ist dieser "blinde Fleck" in unserer Wahrnehmung noch viel grösser als sonst, weil wir uns in unerforschten Gewässern befinden. Wie kann man da seriös sorglos sein? Nein, so eine Haltung wäre völlig falsch.

Was man aber nicht machen darf, ist sich durch die berechtigte Vorsicht und Aufmerksamkeit lähmen lassen. Und das passiert leider gerade bei den meisten deutschen Anlegern, auch eben, weil "die Zahl" so ungewohnt hoch aussieht.

Es ist eben nur eine Zahl!

Vergessen wir also diese Zahl. Stellen wir Sie uns geistig mit einer Null weniger vor. Und denken wir wieder daran: es kommt nur darauf an, dass diese Zahl morgen höher ist.

Deshalb - genau deshalb - machen wir Trendfolge. Deshalb gehen wir solche Bewegungen mit, egal wie die Zahl ist. Und wir gehen solange mit, wie der Trend erhalten bleibt.

Und im Moment ist nichts am Horizont zu erkennen, was den Trend der durch die EZB in Gang gesetzt wurde, schnell beenden könnte. Aber was heisst das schon, dass im Moment nichts zu erkennen ist? Schon kommende Woche steht die FED an und theoretisch könnte die den Spieltisch durchrütteln und den Dollar wieder runter reden.

Und obwohl wir mitgehen, bleiben wir deshalb paranoid. Denn wir wissen, dass unter der stillen Wasseroberfläche der schönen neuen Nullzinswelt, Ungeheuer lauern. Es macht definitiv keinen Sinn, aus abstrakter Angst dem Trend nicht mehr zu folgen. Aber wir beobachten. Und wenn wir sehen, dass sich ein Ungeheuer zeigt - und der Markt wird uns das durch sein Verhalten signalisieren - dann sind wir draussen.

DAX 11.800 ist auf jeden Fall nur eine Zahl. Mit der Zahl ist kein bisschen gesagt, dass 10.800 in einem Monat wahrscheinlicher ist als 12.800. Kein bisschen!

Lassen wir uns also nicht von der Zahl verrückt machen und folgen dem Trend. Bis er endet. Gnadenloser Opportunismus im positiven Sinne, ist das, was man am Markt braucht um erfolgreich zu sein.

Ob diese Zahl nun "zu hoch" oder "zu weit" ist, überlassen wir der Diskussion anderer, die damit ihre Zeit verbrauchen wollen. Wir akzeptieren einfach: wir wissen es nicht. Und es ist auch egal.

Ihr Hari

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Schaukelbörse bei DAX, S&P500 und Co. – Und täglich grüsst das Murmeltier

Dieser Filmtitel ist wirklich passend für das, was uns der Markt derzeit bietet. Wir erleben eine richtungslose Schaukelbörse, die jeden zerreibt, der nicht das tut, was wir hier im Premium-Bereich seit Wochen besprochen haben:

Mehr Cash aufbauen, Risiken abbauen, eher weniger statt mehr am Markt machen und Geduld haben. Und gelassen auf die kommenden Chancen warten.

Neben unserem monetären Kapital, ist unser psychisches, emotionales Kapital mindestens ebenso wichtig und auch das muss man in so Phasen bewahren und schützen. Erfolg an der Börse hat eben nichts mit Entertainment zu tun, sondern ist harte Arbeit. Und wenn der Markt selber nicht weiss, was er will, haben wir daher in ihm auch nichts verloren, wir reiben uns ansonsten nur psychisch auf.

Auf jeden Fall hatte der Markt diese Woche zwei! perfekte Gelegenheiten für einen Ausbruch. Yellens Rede am Dienstag einerseits und Draghis Rede am Donnerstag andererseits.

Und in beiden Fällen hatte der Markt im Vorfeld perfekt alles zurecht gelegt und sich in die Startlöcher begeben, um den Ausbruch vollziehen zu können. Und in beiden Fällen haben die Notenbanker dann sogar geliefert, in dem sie Sätze sagten, die der Markt liebt.

Besonders lustig war diese Abhängigkeit des Marktes von den Lippenbewegungen der Notenbanker, gestern während Draghis Rede zu bewundern. Da können die Notenbank-Gläubigen zwischen 14:30 Uhr und 14:50 Uhr nur sagen: "Der Draghi hats genommen, der Draghi hats gegeben, gelobt sei der Draghi" 😉

DAX Future 08.05.14

Und in beiden Fällen, trotz freundlicher Worte von FED Chefin Janet Yellen wie EZB Chef Mario Draghi, scheiterte trotzdem der Ausbruch, den die Märkte sich schon zurecht gelegt hatten.

Was sagt uns das, wenn selbst die Lippen der Notenbanker, den Markt nicht mehr nach oben treiben können ?

Im S&P500 können wir den Verlauf der aktuellen Woche mit all seinen sinnlosen Zuckungen bewundern. Wir bleiben weiter, wo wir seit Wochen sind: in einer engen Tradingrange gefangen.

S&P500 09.05.14

Umgedreht aber - und das ist sehr bemerkenswert - ist aber Abgabedruck nach unten, in den grossen Indizes wie S&P500 oder DAX nahezu nicht existent und das liegt daran, dass zwar jede Menge Geld aus heiss gelaufenene Momentum-Aktien abfliesst, dieses Kapital aber sofort wieder in defensivere Bluechips hinein fliesst. So bewegen sich die Indizes kaum und der Markt bleibt in einer sehr engen, frustrierenden Trading-Range.

Dabei hatten wir in den letzten Wochen wirklich genügend Katalysatoren, die für eine Korrektur gut gewesen wären. Eine FED, die die monetären Zügel anzieht. Eine EZB, die tatenlos einem zu teuren Euro zuschaut. Ein China, das miese Wirtschaftsdaten liefert. Eine Währungskrise in den Emerging Markets und last but not least, geopolitische Risiken in der "South China Sea" im Pazifik und natürlich die Geschehnisse rund um die Ukraine.

Und all das hat der Markt nahe der Höchststände verdaut, ohne zu einer ernsthaften Korrektur anzusetzen. Auch das sollte uns unbedingt etwas sagen.

Festzuhalten ist daher, dass die aktuelle Distribution des Kapitals von Momentum-Titeln in solide Aktien erneut beweist, dass Aktien in der "schönen neuen Welt" der finanziellen Repression einfach alternativlos sind. Gäbe es eine attraktive Anlage-Alternative, wäre das derzeit aus den Momentum-Titeln abfliessende Kapital dort hin geflossen und nicht in andere Bereiche des Aktienmärkte. Und dann hätten wir schon längst die Korrektur gehabt, die in Anbetracht der Gesamtlage, inklusive der geopolitischen Risiken, schon seit März auf der Agenda stand.

Wir hatten diese Korrektur aber nicht und auch wenn sie immer noch im Mai oder Juni kommen kann, muss man im grossen Bild doch konstatieren, dass gute Chancen für die Märkte bestehen, nach dieser Konsolidierung bzw Korrektur weiter nach oben zu laufen.

Schaut man auf die Positionierungen vieler Profis, wie Sie sich zum Beispiel in der -> Marktstimmung an der deutschen Börse <- zeigen, wird offensichtlich, dass viele sich schon für eine Korrektur ausreichend positioniert haben. Wie übrigens auch wir hier im Premium-Bereich, nun eine weit defensivere und abwartendere Aufstellung haben, als noch 2013. Und das ist gut so !

Aber weil viele auf die Korrektur warten - und auch ich fände es toll, bestimmte Aktien 20% tiefer einsammeln zu können, denn auch ich habe nun freien Cash - ist es fraglich, ob sie noch kommt. Am Ende werden die Märkte nämlich in der aktuellen Phase dominant von Liquidität bewegt und nicht von Wirtschaftsdaten. Die ganzen guten Wirtschaftsdaten nutzen nichts, wenn die Liquidität austrocknet und damit kein Geld da ist, um zu investieren. Umgedreht verhindern schlechte Wirtschaftsdaten keine steigenden Kurse, wenn der Liquiditätsdruck so hoch ist, dass das Geld einfach irgendwo hin muss.

Wirtschaftsdaten sind dann der dominante Faktor an den Aktien-Märkten, wenn die Liquidität halbwegs gleichbleibend ist und es für das Kapital rentable Alternativen zu Aktien gibt. Im Normalfall also, treiben Wirtschaftsdaten die Märkte. Dann wird nur gekauft, was wirklich "gut" ist. Wenn es aber keine Alternativen gibt und das Geld unbedingt investiert werden muss, weil es ansonsten auf dem Konto sicher an Wert verliert - und das ist derzeit die durch die Notenbanken erzwungene Lage - dann geht es nicht mehr darum, zu kaufen was "gut" ist, sondern nur noch darum das zu kaufen, was von allen teuren Aktien noch am wenigsten teuer ist. Und das ist ein erheblicher Unterschied.

Das ist nach meinem Eindruck das, was derzeit an den Märkten passiert. Weswegen es sich durchaus lohnen kann, nun nach Nachzüglern und zurück gebliebenen Sektoren Ausschau zu halten. Und weswegen es nach dieser aktuellen Konsolidierung - oder vielleicht sogar noch Korrektur - in der zweiten Jahreshälfte durchaus gute Chancen für weiter steigende Kurse gibt.

Zumindest solange, wie die Notenbanken die aktuelle Politik der finanziellen Repression nicht beenden. Und das werden die Notenbanken schon aus einem ebenso einfachen, wie überzeugenden Grund nicht tun können: mit einem "normalen", höheren Zinsniveau, würde die westliche Welt - inklusive Deutschland - schnell unter der Zinslast zusammen brechen.

Bis dahin, bis die Märkte wieder eine klare Tendenz zeigen, sollten wir aber unsere physisches wie emotionales Kapital bewahren und eher weniger als mehr am Markt machen und den mal alleine vor sich hin zucken lassen.

Glauben Sie mir, der Markt ist auch in ein paar Wochen oder Monaten noch da, der läuft nicht weg. Und wenn wir ein paar spastische Zuckungen von Mr. Market mal zu ignorieren lernen, schadet das unseren Depots auch nicht. Die besten Anleger und Trader zeichnet gerade aus zu wissen, wann sie an die Seitenlinie gehören, um dem Spiel nur zuzuschauen. Und wann sie wieder Risiken eingehen können, weil es sich im Verhältnis von Chance zu Risiko lohnt. Diese Fähigkeit müssen Sie sich unbedingt erwerben, wenn Sie dauerhaft an den Märkten Erfolg haben wollen.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

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FED: Die Geister die man rief ….

Heute ein persönlicher Kommentar zum gestrigen Geschehen rund um die FED. Ich muss gestehen, ich bin von der gestrigen Entscheidung und der damit verbundenen Inkonsequenz ebenso überrascht wie entsetzt.

Was hat FED-Chef Ben Bernanke nicht für Aufwand betrieben, um die Märkte auf ein langsames Ende des Stimulus vorzubereiten. Seit Ende Juni ging es nur um diese Frage und die Märkte hatten mit einer bevorstehenden Rückführung des Stimulus längst ihren Frieden gemacht.

Die Bondrenditen am langen Ende stiegen wieder, die Aktienmärkte konnten sich aber nach einem kurzen Erschrecken wieder stabilisieren. Und die Wirtschaftsdaten in den USA wiesen auf eine zwar langsame, aber doch real vorhandene Erholung hin.

Der Saal war also bestellt, die Musik stand bereit, jetzt hätte die FED nur noch tanzen müssen und der Einstieg in den Entzug wäre ohne weitere Schäden vollzogen gewesen.

Und was tut die FED ? Im letzten Moment bekommt sie kalte Füsse. Warum ? Keine Ahnung, ich kann keinen objektiven Grund sehen. Auch die Bondrenditen der 10-jährigen wären selbst mit einem mässigen Tapering wohl nicht weiter gestiegen, das war längst eingepreist.

Hinter der vordergründigen Begeisterung des Marktes über dieses unerwartete Geschenk lauern daher nun böse Geister, die nun möglicherweise freigelassen wurden.

Die Frage nämlich, ob die FED überhaupt noch einen Entzug hinbekommt, wenn sie es selbst nach so einer wunderbaren Vorbereitung nicht schafft.

Die damit verbundene Frage, ob wir nicht einen historischen Moment erlebt haben. Den Moment an dem die FED zu erkennen gegeben hat, dass sie ein Kaiser ohne Kleider ist. Der Moment in dem der Weg zu einer Währungskrise massiv Fahrt aufnahm.

Denn wir müssen uns unbedingt klar machen: die Macht der Notenbanken beruht nicht primär auf den monetären Entscheidungen die sie treffen, auch Geldpolitik ist nicht allmächtig. Sie beruht vielmehr auf dem Ruf wie Donnerhall, der sich im Sprichwort "Don´t fight the FED" wiederspiegelt.

Mit diesem Ruf kann die Notenbank mit wenigen Worten die Märkte bewegen. Was aber passiert nun, wo wir gesehen haben, das das Gerede der FED Spitze über Monate dann doch nicht ernst zu nehmen ist ?

Das der Markt sofort angefangen hat in diese Richtung zu denken, konnten wie am Dollar Index sehen, der massiv eingebrochen ist. Und am Edelmetallsektor, der in einem massiven Short-Squeeze dieses mal wahrscheinlich sogar die Goldmänner und JP Morgans dieser Welt überrollt hat. Denn wenn man eine Währungskrise und massive Abwertung erwartet, ist Gold die ultimative Alternativwährung, die man haben muss. Dieser Zusammenhang war zuletzt in Indien hervorragend zu bewundern, wo während der Abwertung der Rupie der Goldimport so hoch ging, dass die Regierung nun versucht mit Einfuhrsteuern gegen zu halten.

Es wird der indischen Regierung im übrigen nicht gelingen. Solange das Kernproblem - die brutale Schwäche der Papierwährung - nicht gelöst ist, macht jede Verteuerung und Erschwerung des Erwerb dessen, was man kaum mehr bekommen kann, nur noch attraktiver.

Insofern hat die Schwäche des Dollar nun auch etwas Gutes. Es gibt den Emerging Markets Luft und wird die Aktienmärkte von Brasilien bis Indonesien kurzfristig befeuern.

Umgedreht bin ich mir bei den langfristigen Bondrenditen aber nicht sicher, ob das Verhalten der FED nun nicht den gegenteiligen Effekt auslöst, als erwünscht. Hätte ich jetzt ein grosses Portfolio an US Staatsanleihen, würde ich jetzt erst richtig kalte Füsse bekommen. In dem Moment, wo mein Vertrauen in die FED schwindet, ob die die Lage im Griff hat. Ich würde nun jede temporäre Stärke zum Ausstieg nutzen.

Und wenn die institutionellen Anleger nun ähnliche Schlüsse ziehen, kann es der FED passieren, dass nach einem kurzen Bounce die Renditen nun richtig anziehen. Und dann sitzt die FED brutal in der Falle und der Markt wird das wittern und alles noch schlimmer machen, weil alle gleichzeitig zum Ausgang rennen.

Die Kernfrage bleibt also:

Macht sich der Dollar auf den Weg einer massiven Entwertung, weil die FED in der Sackgasse steckt ? Und wenn die FED dann doch die Zügel strafft, werden die Entzugserscheinungen der Märkte noch weit intensiver sein, als alles was wir im Sommer erlebt haben. Die FED spielt nun mit dem Feuer. Sie spielt mit ihrer Reputation und dem Glauben der Märkte, dass die FED alles im Griff hat. Diese Spiel ist brandgefährlich und ich kann einfach nicht verstehen, warum sich die FED Mitglieder darauf nun ohne zwingende Not eingelassen haben.

Insofern - mit Verlaub meine Damen und Herren im FOMC Ausschuss - war das für mich die dümmste und schlechteste Entscheidung, die sie hätten treffen können.

Und für uns als Anleger gilt: diese Entscheidung hat die Märkte nicht stabiler gemacht. Im Gegenteil, die Risiken sind weiter gestiegen, der Einsatz wird erhöht. Geht dieses historisch einmalige Experiment am Herzen des Weltwährungssystems gut aus ? Ich hoffe es sehr, weil ich mir die schlimmen Konsequenzen vorstellen kann, wenn nicht. Alleine mir fehlt zunehmend der Glaube.

Betrachten wir also die Gewinne die wir nun machen können, als Winterspeck, den wir uns auf die Rippen legen sollten. Die Winterstürme kommen, das erscheint mir sicher. Vorher dürfen wir aber vielleicht noch einen goldenen Herbst erleben, in dem die Natur typischerweise in einer letzten Aufwallung ihre Kraft verbraucht.

Ihr Hari

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Von Inflation und der Gezeitenwende an den Märkten

Mitglied

Es wird Zeit, einmal wieder das grössere Bild der Märkte zu betrachten, denn wenn man nur alleine auf die Indizes von DAX und S&P500 schaut, übersieht man die wichtigen und teilweise dramatischen Entwicklungen, die gerade an den Märkten stattfinden. Es hängt sozusagen der Geruch einer nahenden Gezeitenwende in der Luft.

Wir hier auf Mr-Market haben ja schon direkt nach Bernankes Rede im Juli die Zeichen richtig gedeutet und positionieren uns nun in den unterbewerteten Sektoren, in die auch das "Big Money" sein Kapital zunehmend hinein lenkt.

Schauen wir doch mal was hier wirklich gespielt wird und was das für unsere Depots in der nahen Zukunft bedeutet ....

Weiterlesen ...

Der große Bluff – oder: Was erlauben Bernanke ?

Mitglied

Bevor ich mich zu Bernankes Aussagen am gestrigen späten Abend gegen 23 Uhr MEZ äussere, möchte ich Sie bitten, sich den Chart des US Dollar Index im gestrigen Artikel noch einmal zu Gemüte zu führen.

Und nun zeige ich Ihnen, wie der gleiche Chart wenige Stunden später, heute früh Stand 08:40 Uhr aussieht, nachdem Bernanke wieder einmal den Mund aufgemacht hat. Die beiden kleinen blauen Pfeile, sind genau die Zeitpunkte der letzten Reden des "grossen Chairman".

USD 11.07.13

Faszinierend oder ? Und irgendwie auch Irrsinn. Da kann man wirklich nur frei nach Trapattoni sagen: "Was erlauben Bernanke ?". Glaubwürdigkeit und Reputation baut man so auf jeden Fall nicht auf. Die auf Kontinuität bedachte, alte Bundesbank, dreht sich im Grabe um, wenn sie so etwas sieht.

Was ist passiert ? Hier ist meine persönliche Interpretation des Geschehens und der konkreten Folgen für unsere Depots:

Weiterlesen ...

Glosse: Mein Programm als Kanzler des Neuen Deutschland !

[Vorsicht Glosse]

Aktuell wird ja in Deutschland mal wieder kleinkrämerisch über finanzielle Repression gejammert. Und über zinsloses Risiko bei Staatsanleihen, obwohl das eigentlich risikoloser Zins sein sollte. Und über Unterfinanzierung der öffentlichen Infrastruktur in Deutschland. Und und und ...

Und überhaupt, nach Studien der EU sind deutsche Bürger sowieso weit ärmer als Italiener und Spanier. Das ist nicht nur unerhört, das gehört geändert. Sofort ! Dafür habe ich die neue Partei des "sozialistischen Staatskapitalismus" (STUSS) gegründet, deren Führer, Kanzlerkandidat und erster Bannerträger meine Wenigkeit ist.

Und da ich das "finanzielle Perpetuum Mobile" (Patents pending) erfunden habe, brauche ich mir um das Wahlergebnis auch keine Sorgen zu machen. Schnell werden die Bürger die bestechende Logik meines Programms erkennen.

Denn am Ende werden die Deutschen unermesslich reich sein. Reicher als jede andere Nation auf diesem Planeten. Jeder - auch Hans Hosenträger aus Büllerbeck - wird Besitzer von Länderreien in der Welt sein und sich an all den dienstbaren Geistern erfreuen, die er auf seinen Latifundien aus aller Herren Länder beschäftigt.

Und hier - exklusiv für die Leser von Mr-Market.de - ist mein geheimer Plan, der gar nicht fehlschlagen kann:

Deutschland tritt aus dem Euro aus und hat damit wieder eine eigene Notenbank, die der KfW als Unterabteilung angegliedert wird. Denn nun machen wir mal richtig, was Bernanke und Draghi typisch angelsächsisch nur pragmatisch/halbherzig angefangen haben. Wir Deutschen sind doch mehr für die grundsätzlichen end(gültigen) Lösungen zu haben.

Unterabteilung der KfW deshalb, weil diese neue Notenbank der direkten politischen Weisung unterliegt, die Unabhängigkeit der Notenbank war schon immer eine sinnlose Fehlentwicklung, die das Volk nur in die Zinsknechtschaft gezwungen hat.

Nachdem diese organisatorischen Vorbereitungen getroffen wurden und ich als Kanzler des "Neuen Deutschland" mit historischem Wahlergebnis gewählt wurde, kann endlich die Vision Realität werden, die mein unermesslicher Ratschluss hervor gebracht hat und in meinem Buch "Mein Kapitalismus" (9,98€ bei Amazon) nachzulesen ist:

Deutschland gibt Staatsanleihen im Billionen-Umfang heraus, bis das kreditfinanzierte Geld aus jedem Ministerium durch die Ritzen heraus quillt. Diese Anleihen erhalten einen Coupon von 0,1%, um den Angelsachsen mal zu zeigen, wie man zinsloses Risiko wirklich konsequent angeht.

Nun werden sicher wieder einige verwirrte Ökonomen mit ihrem professoralen Geschwätz behaupten, dass zu einem Kreditgeschäft immer zwei gehören und dem deutschen Staat daher niemand diese Staatsanleihen abnehmen wird. Aber das zeigt wieder nur mal, wie beschränkt der Horizont all dieser Ökonomen ist, die dem Fetisch einer sogenannten soliden Haushaltsführung huldigen.

Denn diese Multi-Billionen an neu ausgegeben Kreditverpflichtungen, kauft einfach die neue Notenbank auf - sie wissen schon, diese neue Unterabteilung der KfW. Wer braucht schon reale Käufer für Staatsanleihen - baaahhh ... phantasielose Ökonomen. Und auch das Geschwätz von Geldmengen ist einfach nur unnötig !

Um die nötige Liquidität auf Seiten der Notenbank sicher zu stellen, wurde der Hauptrechner in Serverraum der Unterabteilung mit neuen Prozessoren und mehr Arbeitsspeicher ausgestattet, damit es nie Mangel an frisch geschöpftem Notenbankgeld gibt. Und für den Fall, dass der Finger des Sachbearbeiters erlahmt, mit dem er immer auf ENTER drücken muss um erneut eine frische Milliarde Liquidität zu schöpfen, habe ich sogar eine weitere Planstelle in der KfW genehmigt. Sie sehen, es ist an alles gedacht !

Nun aber zu dem wahren Schachzug meines genialen Plans.

Mit diesen Multi-Billionen werden wir die Massnahmen umsetzen, die Deutschland endlich zu Weltgeltung verhelfen.

1. Jeder deutsche Staatsbürger erhält einen Scheck über 10 Millionen zur persönlichen Wunscherfüllung. Das ist das Mindeste, was ich für meine Volksgenossen tun kann. Auch wird das die alten "linken" Parteien und Gewerkschaften beruhigen, denn endlich wird mal richtig was für die Binnenkonjunktur und Kaufkraft des "kleinen Mannes" getan. Keynes wäre glücklich. Klotzen, nicht kleckern ! Und überhaupt, all den Schwaflern mit ihrem Deflations-Gerede werden die Worte im Rachen stecken bleiben. Es gibt keine Deflation, wenn ich es nicht will !

2. Jeder deutsche Staatsbürger hat nach Genehmigung des Gemeinderates und Identitätsfeststellung im Postident-Verfahren, Zugriff auf bis zu 20 Milliarden pro Jahr, um Unternehmen und Wirtschaftsgüter der Welt aufzukaufen und zu übernehmen. Das wird wiederum die alten "rechten" Parteien und ihre Anhänger in Wirtschaft und Bürgertum beruhigen, denn so bekommt Deutschland Zugriff auf die realen Produktivmittel der Welt. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf den Aufkauf aller weltweit greifbaren Rohstoffquellen gelegt werden, man weiss ja nie !

3. Die deutsche Infrastruktur wird komplett erneuert, nur mit den feinsten und teuersten Materialien und Technologien versteht sich ! Das wird alle erfreuen, ein neues Autobahnwunder steht bevor !

Am Ende wird die Welt deutschen Bürgern gehören. Jeder Deutsche wird unermesslich reich sein. Und falls doch die Mittel dafür nicht ganz reichen, muss ich wohl in den sauren Apfel beissen, und einen zweiten Computer zur Geldschöpfung in der Unterabteilung der KfW genehmigen.

Jetzt hören ich natürlich schon wieder diese verbohrten Ökonomen, die mir erzählen wollen, dass wir diese Billionen-Schulden doch nie werden zurück zahlen können.

Quatsch kann ich da nur sagen ! Bornierte, einfallslose Theoretiker sind das ! Die Lösung ist doch ganz einfach. Die Unterabteilung der KfW geht Pleite und wird dicht gemacht. Und eine andere Währung wird erfunden, die von einer anderen Unterabteilung betreut wird.

Na, was sagen Sie jetzt ? So entledigt sich das Neue Deutschland elegant all seiner Schulden. Sie werden einfach im Computer der Unterabteilung gestrichen ! Die Unternehmen, Ländereien und Technologien gehören den Deutschen weltweit aber immer noch, denn die wurden ja mit Papierschnipseln erworben, die damals ganz legal und echtes Geld waren !

Genial oder ? Von wegen zinsloses Risiko. Nein, wir von STUSS bieten den Deutschen "anstrengungslosen Reichtum" ! Wer kann da schon nein sagen !

Und wenn jemand an diesem genialen Plan einen Haken erkennt, dann soll er jetzt aufstehen, oder für immer schweigen ! Ich höre !

Wählt STUSS !

Ihr geliebter, zukünftiger Kanzler des Neuen Deutschland

PS:

Wie bitte, was sagen Sie ? Was wäre wenn die anderen das genau so machen ?

Unfug, dafür sind die doch zu doof ! Die sparen lieber ..... (lacht laut)

...........

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