Hari´s Märkte am Abend – 30.03.12 – Wochenabschluss – Resistance is futile

22 Uhr - Handelsschluss

So geht im DAX das beste erste Quartal seit über 10 Jahren nun mit 18% Plus zu Ende.

Eigentlich war ich ja recht optimistisch, dass wir das Quartal im DAX noch über 7000 abschliessen. Die Gelegenheit war auch da und der S&P500 hat mit 1408 nicht nur über der 1400er Marke, sondern sogar weniger als 1% von den 2012er Höchstständen entfernt geschlossen.

"Eigentlich" hätte der DAX da heute locker die 7000er Marke schaffen können und mehr. Es sollte aber nicht sein und die relative Schwäche des DAX ist mal wieder augenfällig. Bei identischem Stand des S&P500 waren wir vor kurzem im DAX noch 200 Punkte höher bei über 7100.

Ob hier schon wieder Sorgen um die Eurozone zuschlagen, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen, die Vermutung ist aber sehr naheliegend und 200 Punkte relativer Verlust in wenigen Tagen sind schon bemerkenswert. Sollte sich das Anfang April fortsetzen, wäre das wohl ein Signal, dass man in Anbetracht der Frankreich-Wahl und diverser anderer Sorgen rund um Spanien, zunächst einmal seinen Blick vom DAX weg über den grossen Teich richten sollte, wie ja schon im Herbst letzten Jahres.

Trotzdem sehe ich gute Chancen für einen "First of Month Jumper" am Montag und danach wird es richtig spannend wohin der Markt läuft.

Die letzten Tage habe ich ja ausgiebig zur allgemeinen Marktlage geschrieben und mit dem gestrigen Beitrag -> hier <- meine Erwartungen an den April auch auf den Punkt gebracht. Dem habe ich heute nichts hinzu zu fügen. Warten wir demütig ab, womit uns Mr. Market "beglückt".

Zum Abschluss des Quartals möchte ich deshalb heute mal etwas anderes machen, als lange über den Gesamtmarkt zu reden. Ich möchte Ihnen eine Liste von 5 hier schon besprochenen Ideen, für das 2. Quartal 2012 erneut in Erinnerung rufen. Ich werde diese Ideen jeweils nur mit einem Chart und ganz wenigen Zeilen präsentieren, die Logik dahinter müssen Sie selber finden und sich eine eigene Meinung bilden. Für alle diese Aktien gilt aber: Ich habe sie entweder schon im Depot oder habe vor, das bei nächster Kurs-Gelegenheit zu tun.

Cameco (WKN 882017)

Sie erinnern sich an meinen Artikel -> hier <- vom 16 Januar zu Cameco und Uran, als Cameco noch bei 20 USD notierte ? Alle damals getroffenen Aussagen sind in meinen Augen nach wie vor gültig. Cameco steht kurz davor seine SKS Formation abzuarbeiten und hat im Zuge der allgemeinen Schwäche der Rohstoffe gut abgegeben. Ein Rückgang bis zum GAP vom Januar ist wohl noch möglich, dann sehe ich durchaus Chancen, dass der Kurs oberhalb 20 USD wieder dreht und in der nächsten Bewegung dann die 26 USD hinter sich lässt.

Suncor Energy (WKN A0NJU2)

Hier schon mehrfach im Zusammenhang mit dem Iran-Risiko erwähnt, stellt der kanadische Förderer von Öl aus Ölsanden eine in meinen Augen interessante Möglichkeit dar, auf den Ölpreis zu wetten, ohne dabei Risiken wie Nahost oder defekte Tiefseequellen ala BP, Total im Depot zu haben. Die Förderung von Ölsanden ist zwar ökologisch umstritten, weil sie wie der Braunkohle-Tagebau temporär ganze Landstriche zu Mondlandschaften macht, aber das Risiko, das ein kleines Ventil gleich 10 Milliarden Kosten verursacht, dürfte hier nicht in dem Masse vorhanden sein. Und nachdem die Natur wieder nachgewachsen ist, haben auch die Braunkohlelandschaften ja durchaus ihren Reiz. Auch Suncor hat nun mit dem ganzen Sektor abgegeben und könnte möglicherweise bald zum nächsten Schub im Aufwärtstrend ansetzen, der im Herbst letzten Jahres begann.

Krones (WKN 633500)

Der grundsolide Maschinenbauer Krones musste fast seine gesamten 2012er Gewinne wieder abgeben, weil ein Rechtsstreit aus der Vergangenheit und Einmaleffekte auf die Zahlen drückten. Gleichzeitig haben wir aber eine ausgezeichnete Marktposition, einen positiven Ausblick des Managements und die Ankündigung deutlich gesteigerter Ertragskraft. Weiterhin hatten wir vor kurzem einen signifikanten Insiderkauf über rund 380.000€. Ich persönlich sehe bei Krones aktuell nur noch wenig Risiko nach unten, da viele negative Erwartungen eingepreist sind, dafür aber einige Chancen nach oben.

DIC Asset (WKN 509840)

Auch schon im Februar hier besprochen, steigt dieser Spezialist für Gewerbeimmobilien immer weiter. Mein Kursziel bleibt 9€ und wenn man bedenkt, dass der Titel immer noch nur bei ca. 50% des Net Asset Value (Buchwert der Immobilien) notiert, sind 9€ auch gut vorstellbar. DIC Asset litt lange unter Fragezeichen zur Finanzierung und der Vermietungssituation des grossen Projektes "Maintor". Nun lichtet sich der Nebel scheinbar, weswegen gute Chancen bestehen die Lücke zum NAV zu verkleinern. Die allgemein gute Lage auf dem deutschen Immobilienmarkt und bei der Konjunktur, schadet der Aktie sicher auch nicht. Bei so einem kleinen Wert würde ich aber immer mit Stops operieren, das Tief vom 23.03.12 bei ca. 6,6€ bietet sich dafür an.

K+S (WKN KSAG88)

Eine Aktie die ja nun wirklich kein Geheimtip ist, aber ich muss es einfach noch einmal sagen: Ich bin bei K+S davon überzeugt, dass Kurse unter 40€ langfristige Kaufkurse sind. K+S ist höchst solide, gut finanziert, wächst jedes Jahr und hat Übernahmephantasie als I-Tüpfelchen. In meinem Investment-Depot ist die Aktie eine der grössten Langzeitpositionen, die ich ganz gelassen laufen lasse.

Zum Abschluss noch ein Lesetip. Wenn man frühzeitig neue Entwicklungen antizipieren will und damit an der Börse Geld verdienen, kann es nicht schaden diese zu erkennen, bevor es die breite Masse tut und Artikel in den bekannten Anleger-Postillen erscheinen. Und dazu sollte man auch mal über die Gegenwart hinaus, die Gedanken in die Zukunft streifen lassen. Ein guter Ideengeber über den täglichen Tellerrand hinaus, inklusive Stoff zum Nachdenken, ist dabei für mich die "Telepolis" aus dem Heise Verlag.

Und nun kommt ein neues Sonderheft zu dem sehr spannenden Thema "Human Enhancement" oder kurz "Cyborg" auf den Markt, dass Sie sich -> hier <- anschauen und bestellen können. Auch ich glaube, dass "Human Enhancement" das Potential hat das "nächste grosse Ding" nach der IT-Revolution zu werden - und damit auch an der Börse neue Weltkonzerne hervor zu bringen, deren Namen wir heute noch gar nicht kennen. Genau so wenig wie wir 1980 Apple, Microsoft oder Google kannten. Schon alleine deshalb kann es nicht schaden, den Blick für eine mögliche Zukunft frühzeitig zu schärfen.

Und nein, ich bekomme kein Geld von Heise und stehe auch ansonsten in keiner Beziehung zum Verlag, die wissen noch nicht einmal von meiner Empfehlung hier. Für mich persönlich waren vergangene Telepolis Sonderhefte aber immer wieder spannend zu lesen und hatten auch den einen oder anderen Augenöffner. Deshalb werde ich auch dieses sofort bestellen und mit Spannung lesen.

In diesem Sinne: We are the Borg - Resistance is futile ! 😉

Ich wünsche Ihnen (trotzdem) ein guten Schlaf und ein schönes Wochenende !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 27.02.12 – Von Öl und Ordnungspolitik

22 Uhr - Handelsschluss

Wie erwartet geht die Konsolidierung weiter. Die Indizes halten sich weiter recht gut, obwohl es heute unter der Decke bei einzelnen Titeln teilweise erhebliche Abschläge gab. Dazu später mehr.

Sehr positiv war, dass wir heute im DAX auf dem Niveau von 6740 erneut - wie am 23.02. - eine starke Gegenbewegung nach oben bekamen, die uns wieder bis über 6850 brachte. Beim S&P 500 waren es analog die 1355 die für einen erneuten Rebound sorgten. Es könnte sein, dass die Konsolidierung auf diesem Niveau gerade einen Boden ausformt. Und es würde zu meinem letzte Woche beschriebenen Bild passen, dass der Markt noch einige Tage Konsolidierung benötigt, bevor er dann möglicherweise den nächsten Schub nach oben nimmt. Vielleicht mit einem "First of Month Jumper" am Donnerstag den 01. März.

Der Dow Jones ist heute übrigens zum Handelsschluss ganz knapp an der 13000 gescheitert, steht aber nichts desto trotz so hoch wie nicht mehr seit der Finanzkrise 2008. Dem DAX fehlen dazu aber noch rund 700 Punkte, ein Argument mehr, warum der DAX noch Luft nach oben haben sollte, denn die Unterperformance des letzten Jahres ist nun zwar verringert, aber immer noch nicht ausgeglichen.

Langsam scheint nun auch der Ölpreis auf den Radar des Marktes zu geraten. Wie ich ja letzte Woche schrieb, braucht Mr. Market immer einige Zeit, um sich darüber klar zu werden, was nun der nächste "Aufreger" sein soll, wenn der alte (hier Griechenland) weggefallen ist. Vielleicht wird ja in den nächsten Wochen nun der Ölpreis dieser Aufreger sein. Für konjunktursensible Aktien wären das eher schlechte Nachrichten.

Bedeutende objektive Effekte des Ölpreises sehe ich auf dem derzeitigen Niveau aber noch nicht wirklich und zu Panik und Aufregung gibt es eigentlich noch keinen Anlass. Denn die Unternehmen sind bei dem Thema wesentlich flexibler geworden und arbeiten auch oft bewusst mit Hedging an den Finanzmärkten. Aber wir wissen ja, dass Mr. Market sich nie um die Gegenwart kümmert, sondern immer die Zukunft diskontiert. Und in diesem Sinne werden nun vielleicht die Konjunktur-Sorgen bei potentiell noch weiter steigenden Öl-Preisen gespielt. Auch wenn man sich andere Bereich anschaut, scheint der Markt unter der Decke schon den "Iran-Trade" zu spielen: Öl stark, Gold stark, Rüstungsunternehmen stark. Schauen Sie sich mal an, wie sich in den letzten Monaten die gerade in der Luftrüstung (Drohnen, F-22, F-35) starke Lockheed Martin (WKN 894648) entwickelt hat. Zufall ? Vielleicht.

Wenn ich dann aber zum Thema Ölpreis wieder die populistischen Forderungen des ADAC höre, der eine Anhebung der Pendlerpauschale aufgrund der derzeit hohen Benzin-Preise fordert, könnte ich vor Verzweiflung permanent mit dem Kopf gegen die Wand schlagen. Vor allem auch, weil ja genügend Politiker nichts besseres zu tun haben, als sich den Stammtischen mit zustimmendem Gerede anzudienen und mit dem Finger auf die "bösen" Ölkonzerne zu zeigen. Diese sind nun bestimmt keine Waisenknaben und nutzen ihr Oligopol natürlich um Profite zu erzeugen, nicht anders als es andere Branchen machen, in den sich Oligopole (zb Strom) ausgebildet haben. Statt zu lamentieren sollte die Politik daher via Kartellrecht einfach ihren Job machen.

Der allem zugrunde liegende Ölpreis wird aber nicht von den Öl-Multis bestimmt - derartige Darstellungen sind einfach grober Unfug. Wäre es anders, würde er bestimmt nicht in wenigen Jahren zwischen 40 und 120 USD schwanken, diese Volatilität läuft den Interessen der Öl-Multis nämlich komplett zuwider, die an stabilen Einnahmeströmen interessiert sind. Der Versuch einen komplexen, weltweiten Markt mit vielen Spielern und unterschiedlicher Interessenlagen auf ein paar Sündenböcke zu reduzieren ist zwar sehr populär, aber trotzdem immer noch an der Realität vorbei.

Verstärkt wird meine Verzweiflung, wenn ich vom Kartellamtspräsidenten Andreas Mundt in der Presse lese, dass das Kartellamt keine verbotene Preisabsprachen nachweisen könne, weil die Konzerne alleine durch ihre "Reaktionsverbundenheit" in der Lage seien, den Preiswettbewerb auszuschalten (auf Deutsch: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus). Solche Sätze, ohne daraus Konsequenzen abzuleiten, sind für mich ein Armutszeugnis.

Denn entweder ist der jetzige Zustand von Politik und Kartellrecht gewollt und legal, dann sollte man sofort aufhören populistisch über die Ölkonzerne zu lamentieren. Oder es ist nicht gewollt, dann müssen Politik und Kartellamt endlich ihren Job machen und für echten Wettbewerb sorgen, der derartig stillschweigende Übereinkünfte dann von ganz alleine unterbindet. Im schlimmsten Fall ist halt eine Zerschlagung und Aufspaltung der integrierten Konzerne notwendig, eine Waffe die das Kartellrecht sehr wohl im Köcher hat. Und wenn diese Waffe noch nicht scharf genug ist, muss halt die Politik ran und das Kartellrecht nachschärfen.

In jedem Fall ist aber überlegte Ordnungspolitik notwendig und nicht peinlicher Populismus. Ach übrigens, können Sie sich daran erinnern, dass der ADAC eine Verringerung der Pendlerpauschale forderte, als der Ölpreis 2009 bei fast 40 USD war ? Ich nicht, aber das hatte bestimmt gute Gründe, die ich dummer Mensch nur einfach nicht sehen kann.

[Satire On]

Als williger Schüler eines derartigen politischen Aktionismus, fordere ich daher nun, dass Gesetze von der Politik permanent je nach Marktpreis dynamisch angepasst werden. In Frage kommt dafür natürlich nicht nur der Ölpreis, sehr geeignet sind auch der Strompreis oder besonders die Getreidepreise auf den Weltmärkten. Ich plädiere daher für eine innovative und selbstverständlich nachhaltige "Bauern-Solidar-Abgabe", die vom Bäcker als verlängertem Arm des Finanzamtes am Tresen eingezogen wird und sich dynamisch und reziprok zu den Getreidepreisen verhält, so dass Bauern mit ihrer Ernte immer die selben Einnahmen erzielen. Die Unterstützung des Bauernverbandes ist mir dabei bestimmt gewiss.

Der dadurch hohen Belastung finanziell schwacher Bevölkerungschichten durch hohe Brotpreise, könnte man ja durch Einrichtung einer neuen Behörde begegnen, die nach ausführlicher Bedarfsprüfung einen entsprechenden Aufschlag auf das ALG 2 veranlasst. Der arbeitenden Bevölkerung (also den "Reichen") könnte man dagegen durch eine Brot-Kopf-Pauschale gerecht werden, die dynamisch berechnet und von allen Unternehmen mit der Lohnabrechnung auszuzahlen ist.

Alternativ wäre natürlich auch ein weiterer Mehrwertsteuersatz von 4,7% nur für Brot vorstellbar. Natürlich nur für Schwarzbrot aus ökologisch unbedenklichem Anbau, das Gewerbeaufsichtsamt möge das stichpunktartig prüfen. Weissbrot ist bitte mit 13,1% zu vesteuern, über Graubrot beraten noch die Finanzbehörden und bereiten einen Erlass vor, der die schwierigen Abgrenzungsfragen klären soll.

Auf jeden Fall würden so die Bürger dank einer engagierten Politik vor den skandalösen Unbillen schwankender Marktpreise geschützt. Und der allen so wichtigen "Gerechtigkeit" wäre erneut genüge getan, das wollen wir doch alle, oder ? Oder ?? 😉

[Satire Off]

Aber keine Sorge, nach diesem satirischen Ausflug werde ich nun wieder ernsthaft, entsorge meine naiven Träume durchdachter Ordnungspolitik im Müllkorb und wende mich den Aktien des Tages zu:

Nordex (WKN A0D655) war vor den morgigen Zahlen - und vor allem dem weiteren Ausblick - mit zeitweise 6% Minus sehr schwach. Die Nervosität ist also scheinbar gross. Ich weiss nicht, was da Morgen raus kommt, aber nach der heutigen Schwäche, könnte das möglicherweise für einen sehr kurzfristigen Trade ein interessantes Chance/Risiko Verhältnis im Bereich 60/40 sein. Denn wenn der Kurs schon vor der Bekanntgabe potentiell schlechte Zahlen verarbeitet hat, ist die Chance für eine positive Überraschung höher als das Gegenteil. Das es sich bei den heutigen Abgaben um Insider handelt, halte ich zwar für möglich, aber eher unwahrscheinlich. Insider haben es in der Regel nicht nötig, einen Tag vor den Zahlen geballt zu verkaufen, die wissen schon Tage und Wochen vorher was im Gange ist.

Weiterhin schwach war Veolia (WKN 501451), auch wenn der Titel sich im späten Handel etwas erholte. Ich bin froh, da erst einmal "Adieu" gesagt zu haben. Denken Sie bei Veolia unbedingt an den Mittwoch 29.02. mit dem Board-Meeting ! Erst danach sollte sich das Bild aufklären. Sollte ich nach dem Board-Meeting Nachrichten hören, die nahelegen dass das Management die Konsolidierung und Restrukturierung ungestört fortsetzen kann, ist für mich ein sofortiger Wiedereinstieg vorstellbar. Bestätigen sich dagegen die Gerüchte um einen Machtkampf oder einen erneuten Wechsel des Managements, werde ich dem Titel weiter fern bleiben.

Richtig war es auch, bei Nokia (WKN 870737) und Aixtron (WKN A0WMPJ) auszusteigen, die heute beide ohne jede Nachricht mit intraday bis zu 5-6% Minus stark abgaben. Derartige Schwäche macht mich eher skeptisch und in beiden Fällen ist man im Moment an der Seitenlinie wohl besser aufgehoben. Besonders irritierend ist die Schwäche bei Aixtron, die rein vom Chart her eigentlich schon nach oben ausgebrochen waren und nun unter 12,6€ zurück gefallen sind.

Bei Aixtron wird wohl erneut bestätigt, was ich ja hier schon mehrfach skeptisch angemerkt hatte: Förderungen in China bedeuten nicht notwendigerweise Aufträge für deutsche Unternehmen und auch nicht zwingend eine Verringerung des Preisdrucks. Bei Aixtron ist auch die Nachrichtenlage zum Auftragsbestand aus dem Unternehmen heraus sehr dürftig, man hört gar nichts, völlige Stille seit Wochen, was eine Anlage zu einem rechten Blindflug macht. Denn weder für den Anstieg der letzte Zeit noch für die aktuelle Korrektur gab es belastbare Hinweise aus dem Unternehmen. Wie bei Nordex werden auch bei Aixtron vom Markt nun ängstlich die Zahlen erwartet, die am Donnerstag kommen sollen. Sollte Aixtron vor den Zahlen noch weiter abrutschen, könnte auch hier eine kurzfristige Spekulation auf eine positive Überraschung möglich sein. Allerdings drängt sich mir aufgrund meiner grundsätzlichen Skepsis eine Spekulation hier im Moment nicht zwingend auf.

Etwas ratlos liess mich heute die grosse Schwäche der Commerzbank (WKN 803200) zurück, denn eigentlich sollte der Effekt der Kapitalerhöhung doch letzte Woche verarbeitet worden sein und die allgemeine Schwäche der Banken reicht als Erklärung für heute zeitweise 5% Minus wohl nicht aus. Meine Sicht ist unverändert wie letzten Donnerstag hier kommuniziert und ich sehe diese Schwäche nun eher als Chance, denn die Visibilität der Entwicklung bei der Commerzbank hebt sich nun langsam, nachdem das Thema Stammkapital nun wohl endgültig im Griff zu sein scheint. Im späten Handel hat die Commerzbank auch erneut die 1,9€ zurück erobert. Sollte sich hier ein Boden ausbilden, wäre die Grundlage für einen neuen Schub nach oben möglicherweise gelegt.

Relative Stärke hatte heute erneut Rheinmetall (WKN 703000), die nur wenig abgab und für mich weiterhin eine attraktiv bewertete Aktie ist. Sicherlich ist es für Rheinmetall ein Problem, dass durch die Überschuldung einiger europäischer Staaten nun gute Kunden ausfallen. Gerade Griechenland hat ja das Geld, das es eigentlich nie hätte haben dürfen und das ihm von Anleihenkäufern geliehen wurde, besonders gerne in Panzer und Schiffe investiert. Insofern hätten doch die Banken, bevor sie einem Schuldenschnitt zustimmen, vielleicht besser auch ein paar Panzer pfänden sollen, mit denen sie ihre Türme dann gegen den wütenden Mob schützen können 😉 Aber Spass beiseite, ich bin zuversichtlich, dass eine Rheinmetall in Anbetracht der Güte der Produkte und des hervorragenden Rufs von "German Engineering" auch andere Absatzmärkte finden wird. Insofern ist weitere Schwäche der Rheinmetall Aktie bei Bekanntgabe der nächsten Zahlen durchaus möglich, ich halte das dann aber eher für eine mittelfristige Kaufgelegenheit. Und auch als Übernahmeziel ist Rheinmetall durchaus vorstellbar.

Beeindruckend stark war heute auch wieder BASF (WKN 936785). Ohne Frage ein tolles Unternehmen mit einem völlig intakten profitablen Geschäftsmodell und hervorragender Marktposition. Bei aller Begeisterung wird mir bei Kursen über 65€ aber doch langsam plümerant zumute, bis 70€ sind der Aktie vielleicht noch zuzutrauen, dann dürfte aber auch mal eine deutliche Korrektur des beeindruckenden Anstiegs fällig sein. Bei BASF ein paar Gewinne mitzunehmen, kann in meinen Augen also jetzt nicht schaden.

Ein Aktie die jetzt langsam auf meinen Radar gerät, ist die des Klinikbetreibers Rhön Klinikum (WKN 704230), die nach einer Akquisition ziemlich verprügelt wurde und auf dem derzeitigen Niveau nun vielleicht für einen längerfristigen "Buy and Hold" Ansatz geeignet ist. Ich habe mir zu dem Titel noch keine abschliessende Meinung gebildet, ein Grund mehr mal in die Runde zu fragen: hat jemand von Ihnen zu Rhön Klinikum eine Meinung ?

Ich wünsche einen schönen Abend !

Crash und Panik an den Rohstoffmärkten

Ein Bounce, wie von mir gestern Abend für heute oder Freitag als gut möglich erachtet, sieht wirklich anders aus. Eine Mischung aus Enttäuschung über die FED, Ratingabstufungen bei Banken und vor allem grosse Ängste vor einem Konjunkturabriss in den Emerging Markets und insbesondere China, haben die Märkte in einen Sturzflug versetzt, dessen brachiale Dynamik ich so nicht erwartet hatte.

Über 3% Minus im S&P500 sind schon übel, aber besonders schlimm wurden nahezu alle Rohstoffe getroffen. Der rohstoffreiche russische Aktienmarkt fiel heute 10% ! Silber -10% ! Öl -6% ! Goldminen, Kupferminen ganz egal – alles was mit Rohstoff zu tun hat, wurde heute brutal abverkauft. Ehrlich gesagt, kann ich heute Abend mitten im Gefechtslärm der Märkte ausser diffusen Ängsten auch noch keine Gründe erkennen, warum gerade heute die Rohstoffe so abgestürzt sind. Denn diese Faktoren gibt es ja nun schon seit Wochen und sind nichts Neues.

Eine mögliche Erklärung und ganz typisch für Mr. Market ist, dass nun schlicht die Zeit dafür reif ist. Denn bei jeder grösseren Baisse werden am Ende auch die bisherigen sicheren Häfen zerlegt. Und die Rohstofftitel hatten sich bisher ganz passabel gehalten. Die Baisse scheint nun also in die entscheidende Phase zu treten, die typischerweise noch einmal von massiven Verlusten geprägt ist.

Kurzfristig sind wir nun aber technisch so nach unten überdehnt, dass Morgen Freitag oder nächste Woche durchaus noch die eine oder andere Gegenbewegung kommen kann, zumal das Window-Dressing zum Quartalsende sicher stützen wird. Ausserdem gab es heute wenigstens den Lichtblick, dass wir die 1120 im S&P500 verteidigt haben. Aber für Oktober sind nun Zielkurse von 1000 im S&P500 und 4500 im DAX im Visier. Schon faszinierend, wenn man sich vor Augen hält, wo wir vor 2 Monaten noch standen.

Wer so klug war sein Pulver trocken zu halten, kann sich nun zunehmend die Hände reiben. Denn wenn diese Phase durch die Märkte gelaufen ist, werden wir bei vielen Titeln wieder Niveaus erreicht haben, die höchst attraktive Einstiegskurse darstellen. Auch wenn es sich heute Abend verrückt anhört, es wird auch wieder die Sonne scheinen. Das gilt insbesondere für die Rohstofftitel, denn die grundlegenden Treiber bleiben intakt. Es kann gut sein, dass wir nach einem schwierigen Oktober deswegen noch eine mächtige Jahresendrally erleben, so fern sich das heute auch anhören mag.

Und vielleicht lernen unsere europäischen Politiker ja auch irgendwann, dass man Griechenland in die Insolvenz schicken und gleichzeitig die Reihen der verbleibenden Euro-Mitglieder kompromisslos schliessen muss. Dann sehen wir auch schnell wieder eine Stabilisierung der Euro-Zone. Jeder Mediziner weiss schliesslich auch, dass man infiziertes Fleisch heraus schneiden muss, wenn man vermeiden will das der ganze Körper infiziert wird.

Bis die Politik zu dieser Erkenntnis kommt und der EFSF endlich steht, haben wir aber wohl noch turbulente Wochen vor uns. Sollte zum Quartalsende noch ein kleiner Bounce kommen, ist das möglicherweise der letzte Exit vor dem Tunnel. Mal schauen wo wir auf der anderen Seite des Tunnels dann im Oktober rauskommen.

Noch ein Wort zum Gold. Sollte Gold jetzt endlich korrigieren, würde ich mich darüber freuen. Bei 1400-1500 USD liegen starke Unterstützungen und spätestens da ist Gold dann wieder ein hoch attraktiver Kauf. Denn die Probleme der Staaten mit ihren Schulden werden uns auf Jahr begleiten und letztlich gibt es neben dem kompletten Zusammenbruch des Weltfinanzsystems nur eine Lösung für die Schulden: diese durch Drucken von Geld weg zu inflationieren - so wie die USA das auch nach dem zweiten Weltkrieg schon gemacht haben. Das ist ein ideales Umfeld für Gold auf Jahre. Sollten die schwachen Hände Gold jetzt panisch verlassen, ist das wahrscheinlich eine grosse Chance.

Auf jeden Fall wünsche ich uns allen einen goldenen Herbst und insbesondere Oktober … zumindest beim Wetter haben wir da ja auch Chancen …