Das erstaunliche Reversal bei Gold und den Goldminen – XAUUSD wieder über 1250 USD

Es gibt zwei Arten, auf die Mr. Market besonders gerne einen Boden und eine nachfolgende Wende generiert.

Die eine ist sozusagen "mit Karacho". Typischerweise an einem lange vorher medial aufgeblasenen Tag, an dem alle Welt angespannt auf die Kurse starrt, weil ein wichtiger Katalysator ansteht. Nervös haben dann alle den Griff zum Notausgang in der Hand und starren auf eine wichtige Marke. Dann taucht der Kurs unter diese Marke und löst eine Kaskade von Stops aus. Artikel erscheinen, die das Ende von XYZ erklären und alles schaut unter grosser medialer Aufmerksamkeit nur in eine Richtung. Und in diesem Moment dreht der Kurs, erobert die wichtige Marke wieder und beginnt weiter zu steigen. In Folge schaut der Kurs nie wieder zurück und lässt fast den gesamten Markt auf dem falschen Fuss hinter sich. Der Weg des maximalen Schmerzes oder auch "Bärenfalle" genannt.

Und dann gibt es diese anderen, leisen Momente. Wenn keiner mehr hinschaut, weil alle aufgegeben haben und keiner sich mit diesem Asset mehr abgeben will. Ideal an einem nachrichtenlosen Tag, wo sowieso die Hälfte der Marktteilnehmer nicht am Desk sitzt. In diesem Moment beginnt der Kurs ganz still, leise und heimlich in eine unerwartete Richtung zu kriechen. Und man sucht nach einem Katalysator dafür, findet aber keinen. Das sind die Momente, in denen eine lang andauernde Bewegung manchmal ihr Momentum aufgebraucht hat. Und der Boden ist für ein "Reversal aus dem Nichts" bereitet, das der breite Markt erst wieder viel später wahrnehmen wird.

Sie wissen als Premium-Mitglieder, dass mir schon gestern Abend dieses Intraday-Reversal bei Gold - und später auch bei den Minen - ins Auge gesprungen ist. Und ich mich gefragt habe, was da los ist.

Nun, heute morgen bin ich vielleicht etwas klüger.

Denn eine Nachricht, die das ausgelöst haben könnte, kann ich auch heute morgen nicht erkennen. Dafür hatte ich aber gestern übersehen, das gestern wohl Options Expiration (OPEX) für die Gold Futures war. Um so interessanter war diese Wende, denn nach der OPEX, begannen die Kurse wieder nach oben zu kriechen. Die nahe liegende Erklärung ist, dass sich der Druck von "Big Money" nach unten nun langsam aufgebraucht hat. Sobald der Druck vom Markt genommen wird, kriecht er wieder nach oben. Und wenn das so wäre, wäre das eine sehr bemerkenswerte Entwicklung !

Schauen wir auf das Tageschart, sehen wir im blauen Kreis sehr deutlich die Struktur eines Reversals:

XAUUSD 26.11.13

Wie geht es nun weiter ? Nun, da wir alle keine Glaskugel haben, ist die Zukunft unbestimmt. Aber trotzdem sagt uns diese Struktur eine Menge und wir müssen nun genau aufpassen, was heute und morgen passiert, dann sind wir erheblich schlauer.

Im Szenario (1) war das gestern einfach eine unbedeutende "Post-OPEX" Anomalie und es geht heute und morgen weiter runter. In Anbetracht der klaren Reversal-Struktur, ist das in meinen Augen zwar möglich, aber nicht zwingend das wahrscheinlichste Szenario.

Im Szenario (2) werden wir heute oder morgen einen weiteren Schub weg von der 1250er Marke bei Gold - und damit XAUUSD - sehen. Das wäre dann eine klare Bestätigung eines temporären Bodens und würde den Weg bis zur Trendlinie in der Nähe der 1300er Marke freimachen.

Da aber der übergeordnete Abwärtstrend voll intakt ist, wäre das dann einfach nur eine Gegenbewegung im Abwärtstrend und danach geht es endgültig nach unten. Nach heutiger Datenlage, erscheint mir das als das wahrscheinlichste Szenario.

Ja und dann haben wir da noch das "Undenkbare" - das Szenario (3). Ein Szenario, nach dem sich nun still, leise und heimlich der Abwärtsdruck abgebaut hat und wir ein bedeutendes Tief gesehen haben. Und vor allem ein höheres Tief als am 28.06.

Zum heutigen Zeitpunkt kann man seriös darauf nicht wetten. Aber im Auge behalten sollten wir es, denn eine nachhaltige Bewegung über 1300 USD, hebt dieses Szenario ins Rampenlicht. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Abwärtsdruck still, leise und heimlich aufbraucht. Und das Sentiment im Sektor passt ja dazu. Alle haben nun aufgeben, auch die härtesten Goldbugs haben Zweifel und stehen in der Mehrzahl an der Seitenlinie.

Insofern lassen Sie uns nun genau hinschauen, der Markt wird uns heute und morgen viel dazu sagen, ob wir hier ein ernst zu nehmendes, zumindest temporäres Tief erlebt haben, oder eben nicht. Wenn dieses Tief bedeutend sein soll, muss heute oder morgen ein impulsiver Schub nach oben folgen. Ohne diesen Schub war gestern einfach eine Anomalie.

Ihr Hari

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Marktupdate – zur Taktik in Bullenmärkten

17.01.12 10 Uhr

Ich hatte ja schon Freitag eine positive Sicht auf den Markt und habe die durch die Rating Agenturen induzierten Wirrungen nur noch mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Auch Mr. Market scheint diese Sicht zu teilen und interessiert sich herzlich wenig dafür, ob Frankreich oder der EFSF nun AA+ oder AAA ist. Das ist ein Ausdruck ausserordentlicher Stärke und damit hat der Markt nun eindeutig seinen Ton gegenüber 2011 geändert. Als Anleger sollte man diese grundlegenden Änderungen im Marktverhalten tunlichst respektieren, wenn man sich nicht auf der falschen Seite des Trades wiederfinden will.

Trotz meines grundsätzlichen Optimismus ist die Bewegung im DAX nach oben heute aber stärker, als selbst ich erwartet hatte. Der Markt zeigt nun zunehmend die Charakteristik eines neuen Bullenmarktes, der dadurch geprägt ist, dass Überraschungen vor allem nach oben stattfinden. Und wir haben gerade in den deutschen Aktien noch viel, viel Luft nach oben für den Rest des Jahres !

Das sind doch endlich mal wieder schöne Aussichten auf ein gutes Börsenjahr ! Aber trotzdem - oder gerade deswegen - möchte ich nun kurzfristig taktisch warnen. Auch Bullenmärkte werden regelmässig von scharfen und reinigenden Korrekturen unterbrochen. In sauber trendenden Bullenmärkten kommen diese Korrekturen sogar in wiederkehrenden Zyklen, fast wie ein Uhrwerk. Schauen Sie sich mal lange nach oben trendende Märkte wie zb Gold im langfristigen Chart an und Sie werden schnell sehen, was ich meine.

Und bei allem mittelfristigen Optimismus für 2012 haben wir sehr kurzfristig nun:
- Die Indizes im Bereich von Widerstandszonen von 6300-6400 im Dax und gut 1300 im S&P 500.
- Einen kurzfristig deutlich überkauften Markt, mittelfristig sind die Indikatoren aber noch nicht im überkauften Bereich
- Ende der Woche "Options Expiration" an der Wallstreet mit hoher Volatilität
- Negative Saisonalität bis Ende Januar
- Jede Menge Quartalszahlen von Blue Chips mit Überraschungspotential, Microsoft, Google, Intel, IBM - alle sind diese Woche dran.

All diese Faktoren bedeuten nicht zwingend, dass die Korrektur diese Woche kommt. Wie gesagt, Bullenmärkte neigen dazu "nach oben" zu überraschen. Aber für einen rational agierenden Anleger sollten diese Indikatoren Anlass sein, nun kurzfristig bei DAX 6300 nicht "all in" zu machen, sondern eher auch mal einen Gewinn mitzunehmen und auf einen besseren Rückkaufskurs zu lauern.

Dienstag nach dem Martin Luther King Day ist historisch ein guter Tag für die Märkte und es kann gut sein, dass der DAX Intraday noch einen Anlauf auf 6400 startet. Am Dienstag - also heute - vor Handelsschluss zu verkaufen war dann aber in der Vergangenheit auch die richtige Entscheidung für den Rest der Woche. Auch hier gilt wieder, die Tendenz der Vergangenheit ist keine Garantie für die Gegenwart, ein weiteres Indiz ist es aber schon.

In diesem Sinne sollten Sie sich daran erinnern, dass man besser an schwachen Tagen in den Markt einsteigt. Denn dass uns der DAX nun über die 6400 hinweg in einem Zug nach oben wegläuft ohne zurück zu schauen, ist zwar theoretisch möglich, aber aus meiner Sicht unwahrscheinlich. Und die Angst davor eher irrational. Umgedreht, wenn Sie meine Sicht teilen das wir möglicherweise gerade die Geburt eines neuen Bullenmarktes erleben, dann sollten Sie Rücksetzer aber auch konsequent zum Einstieg nutzen und nicht zu lange den Pessimismus der Vergangenheit pflegen.

Denn so ist man in trendenden Bullenmärkten erfolgreich und kann den Markt schlagen: überkaufte Markttechnik verkaufen und wenig später in der Korrektur wieder konsequent auf den Zug springen.

In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Handeln !