Warum SmallCaps und Pennystocks hier nicht besprochen werden und das gut so ist.



Warum werden hier im Blog eigentlich keine sehr kleinen SmallCaps besprochen? Ich meine nicht Unternehmen im SDAX, sondern noch kleinere Titel, bis herunter zu Pennystocks?

Diese Frage stellt sich Neumitgliedern immer wieder, denn es gibt eine faszinierende Konstante. Gerade relativ unerfahrene Anleger, werden durch die diversen Börsenbriefe am Anfang ihrer Börsenkarriere magisch von den SmallCaps angezogen.

Die Verheissung die da immer mitschwingt und ernsthaft geglaubt wird ist, dass man dort ja noch "unentdeckte Perlen" finden kann, die der Rest des Marktes übersieht. Das ist ein bischen wie bei der Schatzsuche und man selber ist natürlich smarter als der dumme Rest, auch das ist ja klar. Und weil es das Ego so pampert, ist der Gedanke so verlockend wie eine Honigfalle.

In diesem Tenor wird es ja auch von den diversen Börsenbriefen gerne verkauft, "geheim" ist da ein gerne benutztes Wort. Für 24,99€ zum Herunterladen, bekommen wir also "Geheimnisse" und neue "Kursraketen", alles klar, das müssen wirklich nette Menschen sein, die so gut zu uns sind. 😉

Die harte Wahrheit ist, von den wenigen Anlegern abgesehen, die wirkliche Branchenexperten oder sogar "Insider" bei diesen Klein-Unternehmen sind - von den wenigen Anlegern abgesehen, die im M&A Markt unterwegs sind und echten Einblick in solche Unternehmen haben - haben alle anderen wenig Chancen dort einen systematischen Blumentopf zu gewinnen. Es sind eher "Schafe" die irgendwann wenn sie das Glück verlässt geschoren werden, denn in Wahrheit ist die Lage der Anleger bei diesen kleinen Unternehmen schlechter, nicht besser als bei den Grossen, weil sie durch die geringere Bekanntheit einen Wissens-Nachteil und nicht einen Vorsprung haben. Und weil die Aktien leicht im Kurs manipuliert werden können.

Das muss ich nun natürlich erklären und da bitte ich Sie einen alten Artikel aus 2012 zu lesen der erklärt, was ich hier bespreche und was nicht: -> Zur Marktkapitalisierung - Warum ich Pennystocks nicht anfasse <-.

Ich kopiere mal einen relevanten Teil heraus:

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Ich wiederhole also klipp und klar, bei kleinen Unternehmen ist der Wissensvorsprung der Insider und sonstigen Unternehmenskenner *grösser* und nicht kleiner - Sie sitzen als Anleger da immer am Katzentisch, während Sie bei einer Apple durch die hervorragende Begleitung der Medien "fast" soviel wie die Insider wissen, selbst hoch geheime Produkte lecken ja frühzeitig heraus. Und wie wollen Sie denn eine "Perle" eines unbekannten SmallCaps von aussen entdecken, etwa in dem Sie einen Artikel in einem Magazin lesen? Soll ich jetzt lachen oder weinen? 😉

Nur wer fundamentale Dinge völlig ignoriert und rein die Price-Action handelt als ob es Kühlschränke am Nordpol wären, ist da nicht gefährdet, aber wer von den genannten "unerfahrenen Anlegern" macht das? Die fahren fast alle auf gute "Stories" ab.

Genau da kommt nämlich das nächste massive Problem, die Manipulation der Kurse und Frontrunning, was bei SmallCaps recht einfach ist und auch wenn verboten, garantiert immer wieder passiert.

Und da hat mich gestern unser "Leon" wieder -> hier im Thread <- bei einer Aktie darauf gestossen, bei der ich das selber gar nicht auf der Rechnung hatte. Es ist das gute alte -> Liebhaberinvestment OHB Systems <-, das ich wie treue Mitglieder wissen schon seit 2013 begleite, weil es so schön in mein Beuteschema passt. So viele reine Raumfahrtaktien gibt es ja wahrlich nicht und im Deutschland von Obert und von Braun nur noch diese Eine.

OHB ist mit einer Marktkapitalisierung von 730 Millionen € und mehr als 2.000 Mitarbeitern - einige bei mir in der Nähe in Oberpfaffenhofen - nun wahrlich ein seriöses Unternehmen, über das man ohne Hintergedanken schreiben kann. Allerdings hatte ich vor Leons Kommentar nicht mehr darauf geschaut, dass durch den geringen FleeFloat die Liquidität am Markt nur gering ist. In Summe aller deutschen Börsenplätze sind gestern nur 32.000 Stück a 43€ umgeschlagen worden, in Summe also ca. 1,37 Millionen€.

Nun stellen wir uns also vor, ich sei unseriös und wollte auf Ihre Kosten einen monetären "Free Lunch" für mich erzielen. Dann kaufe ich mich über Tage still und heimlich massiv in OHB ein. Dann schreibe ich einen extrem bullischen Artikel, garniert mit allerlei Einschätzungen und Andeutungen über Kontakte in Oberpfaffenhofen und so. Geraune um Wissen also, nach dem Motto "ich darf Ihnen ja nicht sagen, aber.....".

Ich setze also meine Reputation und Glaubwürdigkeit bei Ihnen ein und trommele für OHB. Ich würde damit garantiert einen dicken Gewinn machen, das ist dann praktisch ein "Free Lunch" für mich. Denn es reichen von Ihnen nur 200 Mitglieder die darauf anspringen und im Mittel 5.000€ in Bewegung setzen und schon fackeln wir alleine das Tagesvolumen ab. Ergo OHB wird zuverlässig einen Satz um 3-5% machen und ich werde auch noch Recht behalten, nett oder? 😉

Nun will ich ja aber in diesem theoretischen Beispiel meine Reputation bei Ihnen nicht verlieren und muss daher dafür Sorge tragen, dass Sie auch was davon haben. Ich setze den Artikel also einen Tag später in den freien Bereich und verweise dabei perfiderweise darauf, dass die Aktie ja schon steigt - darin steckt die Botschaft "kauf mich jetzt". Das funktioniert wegen der sich nie ändernden menschlichen Psyche zuverlässig, andere werden nachspringen und am Folgetag stelle ich das als Artikel bei Tichy ein, wo eine 5-stellige Zahl an Lesern so ein Ding zumindest überfliegt und auch dort wecke ich die Gier - das Ding steigt ja schon, jetzt aber schnell!!

Noch einmal macht die Aktie mit der Veröffentlichung bei Tichy also absolut zuverlässig und berechenbar einen Satz und in diese Liquidität hinein, verkaufe ich dann mit 10-20% absolut berechenbarem Gewinn und mache mich aus dem Staub. Danach fällt die Aktie wieder, gegenüber Ihnen haben ich aber keinen Reputationsverlust, erst einmal ist sie ja wirklich gestiegen auch bei Ihnen und danach? Nun wir haben halt alle keine Glaskugel. 😉

Sie sehen, wie leicht ich mich bereichern könnte. Und keiner würde es merken, wenn ich es nicht übertreibe. Faszinierend oder?

Und nun beachten Sie, dass das bei einem Wert mit 730 Millionen€ Marktkapitalisierung möglich wäre, bei dem man das gar nicht erwartet! Nun stellen Sie sich aber vor, was bei einem echten SmallCap, einer Aktie mit 70 Millionen€ Marktkapitalisierung, bei der am Tag vielleicht 100.000€ oder weniger umgehen, möglich wäre!

Ich könnte mich dumm und dämmlich verdienen und das völlig berechenbar. Sie würden mir doch abkaufen, wenn ich da nun von einem kleinen Software-Wert in meiner Nähe erzählen würde, andeuten würde dass ich die gut kenne, dass ich auch darin investiert bin - was ja perfiderweise sogar stimmen würde, nur mit anderer Agenda als Sie ahnen. 😉 Und Sie würden die Aktie auch kaufen und den Kurs treiben. Ich weiss dass es Mitglieder unter Ihnen gibt, die mir so vertrauen, dass Sie in dem Moment wo sie das lesen sofort kaufen würden, nur weil ich das sage. Ich mag das zwar nicht und rede immer dagegen an, weil es mir beim Schreiben so eine blöde Schere im Kopf macht, aber es ist wohl nicht zu ändern. Dieser Reflex mir zu folgen wäre aber eine ideale Ausgangslage für mich, wenn ich ein unseriöses, gierzerfressenes Arschloch wäre.

Also noch einmal, für mich wäre es ein Leichtes, mir so einen goldenen Hintern zu verdienen. Ein "Free Lunch" für mich im wahrsten Sinne des Wortes - sabber ... 😉

Ich tue es aber nicht. Und das müssen Sie mir nicht einmal glauben, sondern können Sie leicht überprüfen, weil ich über solche Aktien bei denen diese Gefahr besteht, bewusst schlicht nicht schreibe!

Und warum tue ich das nicht? Warum verzichte ich auf Millionen schnellen Geldes, die ich so zuverlässig machen könnte? Weil ich wirklich seriös und vertrauenswürdig bin, aber das wussten Sie ja schon. Ich brauche das Geld ja auch nicht, ich verdiene auf ehrliche Art und Weise genug.

Bei mir sind Sie was diese Dinge angeht also in Abrahams Schoss, ich meide solche Aktien bei denen das denkbar wäre und selbst meine zukünftigen Kommentare zu OHB muss ich nun in Frage stellen, weil da ist weniger Liquidität als mir bewusst war. Und noch besser, ich mache Ihnen mit so Artikeln wie diesem sogar das Spiel klar, das gespielt wird. Jemand der davon profitieren will, würde das wohl kaum tun.

Nun stelle ich aber die Frage an gerade Sie, der Sie bisher irgendwelche Jubelartikel zu SmallCaps in Magazinen und Börsenbriefen verschlungen haben und sich die "grosse Entdeckung" davon erhofft haben, frei nach dem Motto "Gier frisst Hirn auf":

Warum glauben Sie eigentlich, dass alle so ehrlich und zurückhaltend sind wie ich? Wenn Sie in so einem Magazin oder einem Forum so einen Artikel lesen, was glauben Sie zu welcher Position in der informationellen Nahrungskette Sie gehören? Ist Ihnen nicht klar, dass Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit das letzte Rad am informationellen Wagen sind, der dann den nassen Sack in die Hand gedrückt bekommt?

Sicher gibt es da draussen ebenso seriöse Magazine, Börsenbriefe und Blogs wie hier Mr-Market, ich will niemandem konkret etwas unterstellen und die Mehrheit wird wohl so ein Spiel auch nicht betreiben. Aber ich garantiere Ihnen aus reiner Lebenserfahrung, es gibt auch die anderen und das mehr als Sie ahnen. Ich garantiere Ihnen, bei den SmallCaps werden solche Spiele öfter gespielt als Sie ahnen und höchst selten werden diese aufgedeckt, denn eigentlich ist -> Front-Running <- illegal, nur ist es eben extrem schwer nachzuweisen.

Glauben sie wirklich in so einem Umfeld als Anleger ohne Spezialwissen einen Vorteil bei kleinen Aktien zu haben? Ich bitte Sie!

Fassen wir also zusammen:

Erstens, ich werde weiter bewusst keine illiquiden SmallCaps besprechen, bei denen ich befürchten muss, dass eine reflexiven Beeinflussung meiner Artikel auf den Preis stattfindet. Das ist einfach eine Frage der Seriosität.

Zweitens, ich bedauere. Wir haben da zwar einen echten "FreeLunch" und könnten das sogar als Community orchestrieren und Kurse anschieben, auf die andere dann aufspringen und die Bewegung verstärken, unser Volumen reicht dafür durchaus aus, wenn die Titel im SmallCap-Bereich sind. Das ist aber mit mir nicht zu machen. Glauben Sie deswegen aber nicht, dass alle andere es auch so strikt ausschliessen wie ich. Gehen Sie davon aus, dass die Gier und das leicht verdiente Geld ein mächtiger Motivator ist und gerade bei SmallCaps dieses Spiel gespielt wird.

Drittens, Sie sollten sich deshalb nur dann für SmallCaps interessieren, wenn Sie die nur rein charttechnisch betrachten oder wenn Sie einen echten Edge haben, weil Sie das Unternehmen wirklich besser kennen als der Markt, wenn Sie also sozusagen eine Art "Insider" sind, wenn auch nicht im engen Sinne der Definition.

Falls Sie an solchen Werten bisher interessiert waren, hinterfragen Sie das mal nach meinen obigen Worten. Und schauen sich vielleicht mal bewusst Kursbewegungen an, wenn in bekannten Postillen illiquide Werte promotet werden.

All das ist nur eine weitere Facette der -> Reflexivität <-, die Sie in ihren Konsequenzen unbedingt durchdringen müssen, wenn Sie am Markt auf einen grünen Zweig kommen wollen. Es ist das Beobachterproblem, denn die Nachricht, der Artikel über den SmallCap, verändert selbstreferentiell das Beobachtungsobjekt, weswegen eine objektive Beobachtung gar nicht möglich ist.

Wir hier sollten also klug genug sein, nicht freiwillig Schafe zu sein. Wölfe sind wir zwar auch nicht, dafür ist unsere Feuerkraft zu gering, aber wir sind wenigstens freilaufende Hunde, die den Wölfen aus dem Weg gehen können, weil sie dafür klug genug sind.

Und übrigens, auch das ist ein Grund für den US Markt. Dort sind selbst kleine Aktien sehr, sehr liquide. Heisst eine derartige Manipulation ist viel schwerer. Bei vielen illiquiden Werten in Deutschland sieht es da ganz anders aus.

All das oben ist eigentlich nichts Neues, es erschien mir aber nötig, das mal wieder ins allgemeine Bewusstsein zu rufen.

Ihr Hari

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Sektor-Rotation und deutsche Oberkluge



Guten Abend!

Nach dem weiteren Schub hat das erwartete Zögern eingesetzt, das ich heute früh beschrieben habe. Jede Bewegung braucht eine Pause und der NASDAQ 100 bei der wichtigen 6.000er Marke ganz besonders:

Die unterliegende Struktur ist klar bullisch, ich rechne schon damit, dass die 6.000er Markte bald fällt, aber eben nicht Heute.

Heute haben wir nämlich mal wieder schlichte Sektor-Rotation im Sinne der Mean-Reversion. Gut gelaufene Sektoren wie Biotech oder die grossen BigTech Namen werden leicht verkauft und die überverkauften Financials dafür gekauft:

Das ist aber alles völlig normal und völlig im Rahmen, insofern kein Grund hier eine Trendwende hinein zu interpretieren. Auch mit einem Minus sieht der Biotech-Sektor zum Beispiel nach wie vor sehr stark aus und hat noch Luft nach oben:

In dem Zusammenhang will ich noch einmal ganz grundsätzlich an meine sehr gelassene Akkumulationshaltung erinnern, die ich im Investmentbereich immer wieder an den Tag lege. Im Fall General Electric hat das ja zuletzt wieder zu Fragen geführt.

Diese Technik ist aber nichts Neues, auch beim IBB habe ich sie schon mehrfach angewandt, so zuletzt im Juli 2016 in -> Biotech - Qualität und Wachstum <- sogar im freien Bereich.

Vielleicht lesen Sie die damalige Argumentation im Artikel noch einmal, wer das getan hat, hat nun viel Freude gehabt. Eigentlich musste man letzten Sommer nur diesen Artikel ernst nehmen und der Logik gelassen folgen und man hätte nun ein Jahr später dickes Grün im Depot. Die damalige Akkumulationszone habe ich oben im Chart noch einmal eingezeichnet.

Ich zitiere noch einmal aus dem alten Artikel:

Wie ich schon vor drei Monaten sagte: Die technische Diskussion, ob der IBB schon um die 240 USD einen Boden ausgebildet hat, oder ob der Sektor vor der US Präsidentenwahl noch einen weiteren Schub nach unten Richtung 200 USD generiert, ist aus langfristiger Investmentsicht eher müssig.

Denn die langfristigen Aussichten des Sektors sind ausgezeichnet und es spricht viel dafür, dass Kurse des IBB im Bereich 200-260 USD, langfristig viel Freude machen werden. Und zwar unabhängig davon, ob politische Ängste um Preiskontrollen, den Sektor vor der Präsidentschaftswahl noch einmal nach unten zwingen, oder nicht.

Sie sehen erneut, im langfristigen Bereich argumentiere ich anders, als wenn ich im mittel- und kurzfristigen Bereich mich strikt an die Markttechnik halte. Auch dieser Weg kann aussichtsreich sein, er erfordert aber eine Menge Gelassenheit und eine ruhige Hand.

Man kann auch sagen, der IBB war damals bei 240 USD schon "gut genug", er war eben in der Akkumulationszone. Und "gut genug" reicht völlig aus.

Ein kurzfristiges, opportunistisches Setup, das kurzfristig gesehen auch "gut genug" ist, ist Southwestern Energy (SWN). Ich habe die Aktie hier noch nie besprochen, es geht um Öl und Gas und mich interessiert hier auch nur das Chart:

Gestern habe ich Ihnen mit Mannkind (MNKD) etwas zum Zocken geboten, das Setup sieht immer noch gut aus. Heute ist es SWN, die immerhin fast 3 Milliarden MarketCap haben. Sie sehen, es braucht keine Pennystocks zum Zocken. Auch hier sind im Idealfall prozentual dreistellige Gewinne drin und das ohne das Risiko, bei einem Pennystock in einem "Pump and Dump Scheme" zu landen.

Unser neues Mitglied "Mauro" hat ja -> hier <- diesen engagierten Post geschrieben, in dem er einen Zock mit einem Pennystock durchführt. Meinen Segen hat er dazu, solange er sein Risiko über die Positionsgrösse managed, so dass er auch im schlimmsten Fall sich zwar was ärgert, aber keinen grundlegenden finanziellen Schaden erleidet.

Mein Punkt ist, man kann solche Erfahrungen bewusst mit Pennystocks machen, wenn man weiss worauf man sich einlässt. Man muss aber nicht, um grosse Gewinnchancen zu haben. Das geht auch mit Aktien besserer Qualität wie eben MNKD oder SWN. Und wenn Sie von mir einen Rat wollen, mit welchem Typus Aktien Sie aggressives Trading lernen sollten, dann eher mit den Letzteren. Pennystocks dagegen lassen Sie lieber links liegen, die Chancen sind da geringer, weil die Informationsnachteile erheblich sind. Dazu hatte ich vor 4 Jahren auch mal einen Grundsatzartikel geschrieben: -> Zur Marktkapitalisierung - Warum ich Pennystocks nicht anfasse <-

Tesla (TSLA) ist nun übrigens aus dem Dreieck endgültig raus, die Ankündigungen der diversen "Tesla-Killer" bei der IAA haben dem Kurs nicht geschadet. Offensichtlich weiss der Markt zwischen Ankündigungen und real fahrenden Autos zu unterscheiden.

Welche Urstände dabei die Tesla-Hasserei feiert, kann man dieses Mal wunderbar bei Tichy in -> Tesla und der Hurrikan <- bewundern.

Ich will den Artikel nicht weiter inhaltlich kommentieren, machen Sie sich selber ein Bild. Ich will nur *Gähn* sagen, weil die Beschreibung der Fakten und Probleme der Gegenwart allgemein bekannt und nur *Gähn* ist. Interessant ist dagegen der dahinter stehende negative Unterton, der im Gegensatz zu dem steht, was die Kurse bei Tesla "auf dem Platz" machen.

Und hinter den Kursen stehen viele intelligente Investoren, die Tesla genau folgen und die wahrlich keine Idioten sind. Wenn man dagegen die gehässigen Kommentare des Artikels liest, erlebt man warum Deutschland zwar in der Grundlagenforschung gut ist, diese aber nie richtig in Produkte für den Weltmarkt umsetzen kann - siehe MP3 und Co. Es gibt hier immer mehr die wissen wie etwas nicht geht, als wie es geht. 😉

Woher kommt diese Diskrepanz in der Wahrnehmung? Ich sage es Ihnen, an der Börse geht es um Zukunft. Ich buchstabiere Z U K U N F T !! Manchen deutschen Oberklugen muss man das wirklich immer wieder in Grossbuchstaben sagen. 😉 Die Hummel kann eben doch fliegen, sie kann aber auch abstürzen, die Zukunft wird es zeigen und wir betrachten das ganz gelassen chancenorientiert und werden es erleben.

Und um auf unsere Stromnetze und Elektromobilität zurück zu kommen, ja da muss sich etwas ganz grundsätzlich ändern an der vermurksten Energiewende. Das sind aber rein deutsche Probleme, niemand sonst hat sich durch politischen Aktionismus freiwillig so in die energiepolitische Bredouille gebracht wie wir. Und völlig fehlende Ladestrukturen sind in Deutschland auch kein Problem der Technik, sondern Folge der Hinhaltetaktik der Industrie.

Mit Teslas Erfolg hat das nichts zu tun, die Aktie kann auch dann steigen, wenn in Deutschland alle weiter Diesel fahren, der "Rest der Welt" reicht Tesla völlig. Zu China mit seiner Milliarde Menschen lese man hier: -> China Quote <-.

Der Zug fährt schon längst mit hoher Geschwindigkeit, ob es dem deutschen Foristen gefällt oder nicht. Tesla kann fraglos noch scheitern, die Finanzrisiken im Model 3 Produktionsanlauf sind ganz real. Aber wenn, werden andere seinen Platz einnehmen. Sich dagegen zu stellen ist so wie wenn man sich vor eine Dampfwalze wirft um die zu stoppen. Zumindest die deutschen Hersteller -> scheinen es ja nun langsam zu verstehen <-, jetzt muss man nur noch die Besitzstandsbewahrer überzeugen. 😉

So und nun schauen wir mal ganz ungespannt auf das zu Erwartende, das uns Tim Cook gleich ab 19 Uhr mitteilen will.

Ihr Hari

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Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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