Der schwachstarke DAX



Guten Morgen!

Ein schwacher DAX? Der ist doch gerade erst ausgebrochen? Und auch ein starker DAX? Wie geht das zusammen?

Doch, ich will genau das sagen und zwar historisch langfristig, ebenso wie kurz- bis mittelfristig in die Zukunft schauend.

Zunächst einmal muss ich daran erinnern, dass der DAX ein Performance Index ist und damit anders als die meisten Indizes der Welt die Dividenden inkludiert. Er sieht also besser aus, als er ist, ich habe das schon mehrfach thematisiert, so auch 2014 in -> Der Dow und der DAX, zwei Indizes mit Problemen <-.

Dabei ist die Konstruktion des DAX aus der Sicht des Anlegers ja ein Geniestreich. Denn genau genommen ist es eher eine thesaurierender ETF als ein Index. Denn im DAX werden recht aktiv die Mitglieder gewechselt und das führt auch zu richtigen "Sicherungsaktionen" wie weiland bei Volkswagen, als die Stämme herausgeworfen und die Vorzüge aufgenommen wurden. Das wurde aber zu einem Zeitpunkt gemacht, als die Stämme noch durch den Übernahmekampf rund um Porsche massiv aufgebläht waren, diese "Gewinne" wurden also sozusagen für den Index gesichert und dauerhaft eingebucht.

Und die Tatsache dass Dividenden "thesauriert" werden, führt zu einer geringeren Steuerbelastung beim Anleger, als wenn Dividenden erst ausgeschüttet, beim Anleger versteuert und dann wieder angelegt werden. Eigentlich dürfte der DAX also aktuell nach Mifid II auch nicht verkauft werden, weil noch "Fonds-Daten" und Besteuerungsgrundlagen fehlen, das sagen wir aber lieber nicht zu laut, es könnte ja jemand darauf aufmerksam werden. 😉

Spass beiseite, mit dem DAX bekommt der Anleger also nicht nur die Dividenden während der Laufzeit steuerfrei mitgeliefert, er bekommt auch ein verhaltenes "Management", das zu schwache Aktien konsequent raus schmeisst und durch andere ersetzt.

Und trotzdem ist der DAX seit 2012 ziemlich schwach, wie schwach historisch kann ich Ihnen nur dann fair zeigen, wenn ich den DAX Kursindex - also ohne Dividenden - dem Leitindex S&P500 gegenüber stelle. Hier ist das Chart:

Eindrucksvoll, oder? Ich denke das Bild ist selbsterklärend, bis ca. 2011-2012 liefen DAX Kursindex und S&P500 eigentlich parallel, so wie man das erwarten würde. Seit 2011-2012 öffnet sich aber ein riesiges Gap, der DAX hängt massiv hinterher.

Neben einer nicht besonders guten Struktur der 30 Topunternehmen Deutschland, in denen zuviel Finanzinstitute und zu wenig innovative Industrie ist, gibt es dafür noch eine sinnvolle Erklärung, die auch zeitlich zu dem Zeitpunkt passt, an dem sich die Schere öffnete - es ist die ungelöste Eurokrise.

Denn ungelöst ist sie selbstverständlich und offensichtlich, ganz anders als die Legenden die Merkels Spindoktoren um die grosse "Durchdenkerin" herum stricken. Nichts wurde bisher strukturell verbessert, die Scherkräfte werden nur durch die Geldpolitik der EZB und einen Transfermechanismus zugedeckt. Und der Markt deckt das gnadenlos auf, man muss nur mal den wahren DAX und den S&P500 nebeneinander halten.

Das ist übrigens auch der Grund, warum meine im Herbst 2013 hier avisierten -> DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt <- nun in Gefahr geraten.

Lesen Sie den Artikel vielleicht noch einmal, da war sehr viel Prophetisches drin, vor allem wenn Sie es vor dem Hintergrund betrachten, wie sehr der Markt in den letzten Jahren immer schlecht geredet und der nächste Crash herbei geredet wurde. DAX 20.000 bis 2020 habe ich damals gesagt, möglich ist es immer noch, aber es wird nun schwierig, weil der DAX eben so hinterher hängt.

Und damit sich das ändert, müsste der Grund für die Unterperformance beseitigt werden. Wenn ich Recht habe und es die schwelende Eurokrise ist, dann haben wir mit der neuen Groko wenig Hoffnung auf Änderung, im Gegenteil, die kranken und nicht tragbaren Transferstrukturen werden festgezurrt und vertieft. Und dann wird der DAX wohl weiter eine klare Unterperformance zum S&P500 zeigen.

Auch mittelfristig muss man skeptisch sein, denn wir haben doch nun einen Schwall an guten Nachrichten, die aber schon bekannt sind. Die Konjunktur brummt, das Steueraufkommen hat sich in den letzten 10 Jahren fast verdoppelt, der Staat ist (noch) stabil und die Firmen ringen eher um qualifizierte Arbeitskräfte als um Aufträge.

In dieser Situation erleben wir die typischen Blüten die immer nur kommen, wenn es zu gut geht und die Verantwortlichen das Wort "prozyklisch" nicht buchstabieren können. Gewerkschaften reden von 28 Stunden-Woche, Regierungsparteien von weiteren Steuererhöhungen, die Ausgaben der Sozialsysteme werden fröhlich aufgeblasen, nach uns die Sintflut.

All das sind die Signale eine wirtschaftlichen Hochs, das nicht ewig währt und dessen Wandel in eine Krise Börse gerne vorweg nimmt. Während dessen werden in den US die Steuern gesenkt und man besinnt sich wieder auf "schaffe, schaffe Häusle baue". Dass diese Bewegung von einem Pubertisten im Erwachsenenkörper ausgeht, ist dafür völlig nebensächlich, alleine das was "hinten raus kommt" zählt. Und vom Aufstiegswillen Chinas muss ich ja gar nicht reden, die gerade unsere Industrie aufkaufen.

Ich frage Sie, muss man vor dem Hintergrund was den DAX angeht besonders optimistisch sein? Sollte man den DAX gegenüber anderen Indizes als Anleger nun für die Zukunft bevorzugen?

Die Antwort ist klar und einfach Nein und so verhalten wir uns ja hier im Blog. Unsere Augen als Anleger gehören in die weite Welt, dorthin wo die Musik des Fortschritts spielt. Im Euro und in Mitteleuropa haben wir doch sowieso ein "Klumpenrisiko" weil wir hier leben und arbeiten.

Deswegen dürfen und sollten wir immer noch Opportunitäten im deutschen Markt mitnehmen und das tun wir ja. Denn man darf den DAX auch nicht auf Deutschland verallgemeinern, der MDAX sieht *viel* besser aus und in dem sind ja die Unternehmen, die Deutschlands industrielle Stärke gerade abbilden. Und der Markt hat das mit einer klaren Überperformance des MDAX auch zum SP500 sofort honoriert. Der MDAX ist der "echte deutsche Index", der die industrielle Basis repräsentiert, nicht der DAX.

Es gibt also auch hier weiterhin Opportunitäten und solange diese industrielle Kraft, die sich bei den mittleren und kleineren Unternehmen zeigt, nicht endgültig erdrückt wird, ist "Polen nicht verloren" und gibt es attraktive Aktien im deutschen Aktienuniversum.

Aber der Fokus gehört eben strukturell woanders hin, einfach weil diese Probleme wohl strukturell sind und nicht weggehen werden, bis die Lebenslügen rund um Europa und den Euro endlich offen einer Lösung zugeführt werden.

Und den noch gut laufenden Mittelständlern werden doch eher Knüppel zwischen die Beine geschmissen, statt Unternehmertum gefördert, um das zu sehen, muss man nur nach Berlin blicken. Ein normaler Arbeitsnehmer macht sich keine Vorstellung von dem Gesetzesirrsinn der einen da als Unternehmer überfällt. Der deutsche Mittelstand ist nicht wegen Berlin, sondern trotz Berlin so stark. Was wäre mit einer wirtschaftsfreundlichen und wirtschaftskompetenten Regierung möglich, man mag es sich gar nicht ausmalen.

Wann der Zeitpunkt ist, zu dem die Lebenslügen endlich offen angesprochen werden, vermag ich nicht zu sagen. Ich hoffe bald, aber meine Hoffnung hat wenig Chance auf Erfüllung.

Ihr Hari

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Der DOW und der DAX – zwei Indizes mit Problemen

Wissen Sie hier im freien Bereich eigentlich, warum ich immer über den S&P500 rede und nicht über den bei Laien bekannteren Dow Jones Industrial Average (DJIA), kurz auch DOW genannt?

Wissen Sie, dass der DOW ein Anachronismus ist, ein obskurer Index ohne eigene Aussagekraft?

Und wissen Sie auch, dass der bekannte DAX ein "Performance-Index" ist und fast alle anderen Indizes nicht und der DAX deswegen im Vergleich eine Stärke vorgaukelt, die in der Realität gar nicht gegeben ist?

Und wissen Sie auch, dass es den DAX auch als "Kursindex" gibt, der vergleichbar zu fast allen anderen Indizes wäre, den aber kaum jemand kennt und benutzt?

Wenn ja, werden Sie nun nichts Neues erfahren. Wenn nein, sollten Sie das wissen.

Das Problem, das beide teilen:

Der DOW - wie der DAX - besteht nur aus 30 Aktien. Das ist gerade für den riesigen US Markt nicht breit genug, um ernsthaft den Markt zu repräsentieren. Der S&P500 mit seinen 500 grössten US Aktien, ist dagegen eine sinnvolle Repräsentierung des US Aktienmarktes und damit der wichtigste Index weltweit.

Dieses Problem hat der DAX aber auch und wenn wir seinen Verlauf mit dem des MDAX vergleichen, der viel mehr "typisch deutsche" Mittelstandsaktien beinhaltet, sehen wir auch schnell, dass der DAX keine perfekte Repräsentierung des deutschen Aktienmarktes ist. So ist der MDAX in den letzten Jahren deutlich besser gelaufen, weil im DAX eben mit den Autobauern oder Banken Werte versammelt waren, die durch eine tiefe Baisse gegangen sind.

Dieses Problem ist ja aber noch erträglich, denn es gibt viele Indizes mit wenigen Werten, der spanische IBEX hat 35, der italienische MIB 40 und der französische CAC auch 40. Das macht die Aussagekraft dieser Indizes nicht besser und mit einem S&P500, Nasdaq100 oder Russel2000 (dem US Nebenwerte-Index) können die in ihrer Aussagekraft alle nicht ansatzweise mithalten. Aber immerhin ist der DAX keine Unikum in seiner Bandbreite, der DOW ist eben nicht besser.

Das Problem des DAX

Dieses Problem ist grösser, der DAX ist sozusagen ein "Scheinriese". Denn in der uns allen bekannten Form, ist der DAX als "Performance Index" konstruiert, der Dividenden inkludiert. Der DAX bildet also nicht die Summe der aktuellen Kurse bzw die Summe der aktuellen Marktkapitalisierung ab, sondern er führt auch aus der Vergangenheit alle ausgeschütteten Dividenden mit, so als ob man von Anfang an ohne Unterbrechung im DAX investiert gewesen wäre.

Nun kann man eine längliche Diskussionen darüber führen, ob Kurs- oder Performance-Index die bessere Variante wäre, die ein getreueres Abbild der echten beim Anleger ankommenden Performance liefert. Diese Diskussion ist aber akademisch, denn man kann ganz legitim beides machen und beide Varianten haben Vor- und Nachteile.

Dass die Darstellung des DAX als Performance-Index ein Problem ist liegt also nicht daran, dass die Darstellung perse "falsch" wäre, sondern an der mangelnden Vergleichbarkeit. Fast alle Indizes der Welt sind Kursindizes, die also mit verschiedenen Methoden die aktuellen Kurse summarisch abbilden, keine alten Dividenden inkludieren und damit auch keine Vergangenheitsdaten mitschleppen, um eine langjährige Pseudo-Performance zu errechnen. Eine Pseudo-Performance deshalb, weil diese wegen Steuereffekten bei den Dividenen-Zahlungen gar nicht zu erreichen ist, in dem man alle Aktien des DAX ins Depot legt.

Beim DAX ist es aber noch schlimmer, der schleppt durch seine Berechnungsmethode indirekt sogar noch die alten 1000er Kurse der Volkswagenstämme mit, weil durch die Umstellung auf die Vorzüge im Winter 2009, der alte Zustand sozusagen "eingefroren" wurde und von dort aus weitergerechnet wurde.

Aber wie auch immer, der Punkt ist, ein fairer Vergleich des DAX mit den meisten anderen Indizes müsste mit dem Kursindex erfolgen, denn auch S&P500 und Co. schütten ja Dividenden aus und das kräftig. Ein paar grobe Vergleiche können Sie sich -> hier <- anschauen, wenn es Sie interessiert. Dann wird klar, wie viel schwächer der DAX in Realität als die US Indizes ist, kein Wunder bei dieser nicht vorhandenen, inländischen Aktienkultur. 😉 Nur gegenüber dem Eurostoxx liegt der DAX richtig vorne, wer das "warum" verstehen will, muss nur auf die Eurokrise schauen.

Der DAX, so wie er uns immer als Perfomance-Index verkauft wird und am Jahresende mit seiner Performance dem S&P500 gegenüber gestellt wird, ist also ein "Scheinriese", der Vergleich ist so eigentlich unzulässig.

Wir haben aber in Deutschland keine Alternative wie den S&P500. Sicher gibt es breitere Indizes, wie zum Beispiel den CDAX, der das ganze deutsche Aktienuniversum abdeckt. Bei Indizes gilt aber die Regel, dass nur relevant ist, was auch beobachtet wird. Denn nur Indizes, die die Anleger vor Augen haben und auf die es viele Derivate und ETFs gibt, haben auch Aussagekraft im Sinne der Marktmuster. Insofern müssen wir hier weiter mit dem DAX leben, auch wenn er eher aus der Reihe fällt und die deutschen Akienmärkte nur höchst unzureichend abbildet.

Dieses markante Problem des DAX, das diesen im internationalen Vergleich als Scheinriesen aufpumpt, ist aber noch beherrschbar und nichts gegen das zweite grosse Problem des DOW.

Weiterlesen ...

DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt. Und was das mit dem DAX – Kursindex zu tun hat.

Wer meinen gestrigen Lunchtalk mit der Wirtschaftwoche gesehen hat, hat auch bemerkt, wie viel Spass wir dabei hatten DAX 10.000 und 20.000 auszurufen. Und wer nicht, kann das -> hier <- nachholen.

Diese Prognosiritis - übrigens eine ansteckende, geistige Virus-Krankheit 😉 - ist ja eine beliebte Methode, um sich später als Guru feiern lassen zu können. Man macht das so wie ein Fischer, der sein Netz aufwirft. Man hat zwar ebenso wie alle anderen keinerlei Ahnung was die Zukunft bringt, macht aber immer mal wieder eine ebenso wahllose, wie "mutige" Prognose abseits der Norm. Crash-Weissagungen sind dafür ebenso gut geeignet, wie markante Kursmarken weit über den aktuellen Kursen.

Und dann ist es ganz einfach. Irgendwann fängt dieses Netz mal einen Fisch, in der Form, dass die Realität zufällig mit einer der Prognosen überein stimmt. Und dann ruft man laut: "Ich habe es vorher gesagt, ich habe es vorher gesagt !" Und lässt sich feiern. Und wird zum "Gottweissnichtwas" ernannt oder wie auch immer diese lächerlichen Pseudo-Titel lauten. Man wird herum gereicht, darf Interviews geben, taucht auf Magazinen auf und der gemeine Anleger hält einen für einen ganz Schlauen. Dabei ist man einfach nur ein guter Fischer. Und das Spiel funktioniert, weil man zuverlässig auf die Vergesslichkeit der Menschen setzen kann. Denn all die Weissagen und Prognosen in denen man grottig falsch lag, über die redet man einfach nicht und das Publikum vergisst sie schnell.

So läuft die Methode, die man auch immer wieder in Werbe-Bannern bewundern kann, wo irgendwelche selbsternannten Gurus Sie natürlich unbedingt "reich" machen wollen und Ihnen entweder wahlweise "den grossen Crash" oder "DAX irgendwas" versprechen. Hauptsache ist aber, dass Sie natürlich vorher ein Abo abschliessen. 😉 Ich bekomme da per Mail auch immer wieder so Angebote, wo mir jemand den ich gar nicht kenne, in schlechtem Englisch unbedingt eine Erbschaft anbieten will. Natürlich muss ich vorher einen "geringen" Betrag von ein paar tausend Kröten ins Ausland zahlen, aber das sind ja "Peanuts", in Anbetracht der grossen Zahlung, die ja auch gaaanz sicher bei mir eintreffen wird. 😉

Soviel also zu der Virus Krankheit der Prognosiritis. Und trotzdem steckt in DAX 10.000 und DAX 20.000 ein wahrer Kern, auch wenn niemand weiss, ob das in 6 Monaten oder 16 Jahren erst erreicht werden wird. Und ich wiederhole deshalb hier laut und deutlich für die Nachwelt:

DAX 10.000 kommt ! Und DAX 20.000 auch !

Warum will ich Ihnen nun erklären, denn es hat mit dem DAX Performance-Index und seinem kaum bekannten Gegenpart dem DAX Kurs-Index zu tun.

Was ist der Unterschied ? Im DAX Performance Index werden die ausgeschütteten Dividenden von derzeit 2-3% per Annum inkludiert. Damit unterscheidet sich der DAX, den Sie alle kennen, von nahezu allen anderen Indizes der Welt. Egal ob S&P500 oder Eurostoxx, das sind alles Kursindizes, in denen die ausgeschütteten Dividenden nicht hinein gerechnet werden.

Der DAX ist also die Ausnahme und er ist sozusagen im Vergleich aufgepumpt. Denn auch in den anderen Indizes erhalten die Anleger ja Dividenden und nicht zu knapp. Nur tauchen die im Kurs der Indizes nicht auf. Womit ein direkter Vergleich der Performance von DAX und S&P500 in die Irre führt und den DAX besser aussehen lässt, als er ist.

Übrigens, will ich an dieser Stelle auch gleich mit einem Missverständnis aufräumen, das bei vielen auftritt, die im ersten Schritt den Unterschied zwischen den beiden Index-Formen schon verstanden haben. Die Dividenden werden bei der Berechnung des DAX Performance-Index eben nicht als Sockel mitgeführt, was dazu führen würde, dass der DAX gar nicht mehr unter einen bestimmten Wert fallen könnte. Nein, die Dividenden werden in die Aktien rechnerisch "re-investiert", was bedeutet, dass wenn alle Aktien auf Null fallen, auch die reinvestierten Dividenden bei Null sind. Der DAX kann also rein theoretisch und rechnerisch sehr wohl auf Null fallen.

Das aber nur am Rande. Der Punkt ist: der DAX steigt jedes Jahr sowieso um 2-3%, auch wenn sich die darin enthaltenen Aktien nicht bewegen und deren Börsenbewertung gleich bleibt, weil sich am Geschäft gar nichts ändert. Und deshalb wird der Ihnen bekannte DAX definitiv auf 10.000 steigen. Und auch auf 20.000. Meine Prognose wird also eintreten und ist keineswegs "mutig". Fragt sich nur, wie lange das dauert.

Jetzt kann man lange theoretische Diskussionen darüber führen, was die "richtige" Berechnung eines Index ist. Da gibt es keine objektive Antwort, aber ich bin der Meinung egal welche Methode man wählt, sollten die Berechnungen vergleichbar sein. Und insofern ist der DAX "falsch" und gaukelt eine Stärke vor, die gar nicht vorhanden ist.

Denn die meisten anderen Indizes stellen einfach die Marktkapitalisierung der darin enthaltenen Unternehmen dar. Also exakt den Wert, den die Börse den Unternehmen in genau diesem Moment beimisst. Beim DAX (Performanceindex) ist das nicht der Fall, der schleppt auch die Vergangenheit in Form der alten Ausschüttungen mit. Nur die haben eigentlich nichts mit der aktuellen Bewertung der Unternehmen zu einem Zeitpunkt zu tun.

Welche Auswirkungen das hat und warum DAX 20.000 in diesem Jahrzehnt gar nicht so unwahrscheinlich ist, will ich Ihnen nun zeigen. Schauen wir zunächst auf den klassischen, allgemein bekannten DAX (Performance-Index) mit Monatskerzen seit 1995:

DAX monatlich 25.09.13

Ein Chartist würde nun sagen: WoW ! Ausbruch ! Und so sieht es aus. Grosse Stärke, die nun endlich oben den langjährigen Deckel weggehauen hat. Und DAX 10.000 sind nicht mehr weit. Ein bedeutender Moment also. Dumm nur, das es gar nicht stimmt mit dem bedeutenden Moment. Denn die im DAX enthaltenen Unternehmen sind kein bisschen mehr wert, als sie es schon 1997 oder 2006 waren. Und das zeigt uns der DAX Kursindex, der wirklich mit einem S&P500 zu vergleichen wäre.

Ich habe dieses Chart, das bis zur Begründung des DAX im Jahr 1988 zurück reicht, mit Daten der Bundesbank erstellt, die Sie selber -> hier <- nachvollziehen können, wenn Sie wollen.

DAX Kursindex 1988-2013

Dieses Chart spricht eine ganz andere Sprache. Und diese Sprache ist viel aussagekräftiger. Die deutschen Aktien befinden sich in dem, was man ein zulaufendes Dreieck nennt. Seit nun fast 14 Jahren gab es bei der Bewertung deutscher Aktien nicht wirklich viel zu gewinnen, ausser man tradete diese Hochs und Tiefs aktiv. Für Trader war das eine schöne Zeit, für Buy & Hold Anleger eher grausam. Nur die Dividenden von im Mittel 2-3% gab es sicher.

Nur bekam man ja für andere Anlagen wie Staatsanleihen im Mittel auch solche Renditen. Diese 2-3% sind nichts Besonderes, sondern einfach die Basisrendite jeder halbwegs vernünftigen Anlage und insofern nichts, was Aktien langfristig besonders auszeichnet. Zumal man bei Ihnen ja auch grössseren Schwankungen ausgesetzt ist, die eigentlich eine höhere Rendite als andere Anlagen erfordern, um die Anlage attraktiv zu machen.

Einen Mehrwert bei Buy & Hold generieren Aktien nur dann jenseits dieser Basisrendite aus Dividenden, wenn die Firmenbewertungen selber steigen, weil die Firmen wirklich "mehr wert" werden. Das war in den letzten 14 Jahren nicht der Fall und ist auch kein Wunder. Denn "mehr Wert" können Firmen nur werden, wenn echte Innovation auftritt, die die Wertschöpfung massiv erhöht.

Eine solche Phase - einen echten Bullenmarkt - hatten wir in den 90ern durch die Veränderung der Welt durch den Aufstieg der Computer, verbunden mit der Friedensdividende des fallenden eisernen Vorhangs und des damit verbundenen Eintritts von Milliarden Menschen in die Weltwirtschaft. Das hat die Produktivität und Wertschöpfung weltweit massiv erhöht. Und damit waren die Firmen wirklich und zu recht "mehr wert". Und auch wenn es dann in 2000 eine Übertreibung nach oben gab, ist das Ergebnis dieses Produktivitätsschubs immer noch erhalten, das zeigt auch der Kursverlauf des DAX Kursindex.

Seit 2000 aber, gab es keine umwälzenden Änderungen mehr in der Welt, keine neue Phase der Produktivitätssteigerung, die prinzipiell eine höhere Bewertung von Firmen rechtfertigen würde. Aber - auch die langfristige Wirtschaft beliebt in Zyklen zu schwingen - dieses Chart mit seinem zulaufenden Dreieck deutet etwas an. Irgendwann wird dieses Dreieck enden und nach dieser jahrzentelangen Kompression und Seitwärtsbewegung, werden die Bewertungen dann wirklich nach oben ausbrechen. Und zwar massiv. Denn dann wird ein neuer bullischer Zyklus aus der Asche dieser Seitwärtsbewegung geboren.

Und der Katalysator dafür werden nicht irgendwelche Notenbank-Aktionen sein. Nein, die schaden eher und führen nur zu diesen sinnlosen Schwingungen, wie wir sie hier sehen. Boom & Bust. Echte Innovation entsteht eben nicht aus fiskalischen Spielereien und dem Bedrucken von Baumwollpapier, um Geldscheine zu produzieren. Nein, der nächste Zyklus wird durch das "nächste grosse Ding", die nächste Innovation induziert, die die Welt erneut so umkrempelt, wie zuletzt die Computer. Vielleicht wird es der Biotech Bereich sein, im Sinne "Human Engineering" - das ist mein "heisser" Tip für das "nächste grosse Ding". Oder es wird aus dem entstehen, was wir heute 3D Druck nennen, um am Ende die industrielle "Replikation aller Dinge" darzustellen. Oder es wird etwas ganz anderes, das wir noch nicht auf dem Radar haben.

Der Punkt ist: Der bedeutende Ausbruch ist nicht das, was wir heute im verzerrenden DAX Performance Index sehen. Der grosse Ausbruch kommt dann, dann aber richtig, wenn der DAX Kursindex mit Macht diese Konsolidierung seit 2000 verlässt. Denn dann ziehen die Bewertungen der Unternehmen wieder wirklich an. Und dann, wenn der Kursindex das tut, dann wird der DAX Performance-Index auch ganz schnell bei 20.000 stehen. Das ist dann einfach nur noch simple Mathematik.

Insofern sind DAX 20.000 noch in diesem Jahrzehnt keineswegs völlig unwahrscheinlich. Es braucht nur das "nächste grosse Ding", das die Welt in einen neue Phase der Produktivitätsgewinne katapultiert. Und wenn der Fall in diesem Jahrzehnt noch eintritt, bitte ich doch herzlich darum, dass ich dann auch den Titel "Mr. 20000" bekomme und bitte auch durch Fernsehen und Magazine herum gereicht werde. 😉

Ihnen einen schönen Tag !

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Wohin treiben inflationäre Erwartungen DAX, S&P500 und Co. ? Parallele zu 2011 ?

Sie werden fragen: Welche inflationäre Erwartungen ? Die Antwort ist, die Erwartungen, die Ben Bernanke vorgestern Abend ausgelöst hat und die zu dem grossen Schub an den Märkten geführt haben.

Denn darum geht es, einem aufmerksamen Beobachter der Märkte wird nicht entgehen, wie Bondrenditen, Gold und Öl gleichzeitig steigen, das typische Zeichen inflationärer Erwartungen. Und auch ganz typisch, auch Aktienmärkte steigen am Beginn inflationärer Entwicklungen. Das ändert sich erst im Verlauf, weil die drastisch steigenden Öl und Rohstoffpreise dann in einem inflationären Spike die Konjunktur abwürgen.

Sie werden auch fragen: welche Inflation überhaupt ? Stimmt, aber darum geht es nicht. Treue Leser von Mr-Market haben verstanden, dass die Finanzmärkte keine Fakten einpreisen, sondern Erwartungen. Wie hoch die Inflationsrate derzeit ist, interessiert niemanden mehr. Die Kurse werden durch die Erwartung gemacht, wie die Inflation sich in Zukunft entwickeln wird. Und aufgrund dieser Erwartungen passt der Markt nun auch die Preise von Öl und Gold an. Ob diese Erwartung dann auch eintrifft, ist eine ganz andere Frage. Zu dem Zeitpunkt wo der Markt daran Zweifel bekommt, wird er auch seine Preisfindung entsprechend anpassen.

Und genau an dieser Stelle hat Ben Bernanke vorgestern massiven Impact erzeugt, als er klarstellte, dass die FED solange auf dem Gaspedal bleibt, bis die erwünschte Inflationsrate von 2% wieder erreicht ist. Die Märkte haben sofort begonnen das einzupreisen. Letztlich hat Bernanke damit wiederholt: es wird keine Deflation geben, weil er keine zulässt. Oder anders formuliert: im Zweifel schmeisst er noch mehr Liquidität auf den Markt. Wobei dann Bernanke wohl nicht mehr im Amt ist, er meinte damit eher Janet Yellen, die nach einem im Markt kursierenden Bonmot dazu neigen soll, Geldsäcke aus B52 Bombern abzuwerfen, statt nur so einen kleinen Helikopter wie Bernanke zu benutzen. 😉 Wer es nicht weiss, Yellen ist derzeit die Favoritin auf die Nachfolge von Bernanke.

Das es hier um inflationäre Erwartungen geht, kann man auch wunderbar an den Bondrenditen der langlaufenden US Staatsanleihen ablesen, die sich trotz der Intervention Bernankes kaum nach unten bewegt haben. Im übrigen ist es wichtig, einen bedeutenden Zusammenhang zu verstehen. Die US Kreditinstitute sitzen auf Horden von Cash, daran mangelt es nicht. Nur lohnt sich das Kreditgeschäft bei den Minizinsen auch nicht sehr, denn je geringer der Zins, desto geringer auch die Marge für die kreditgebende Bank. 10% aus Minizinsen sind halt weniger als 10% aus hohen Zinsen. Steigende Marktzinsen kurbeln das Kreditgeschäft also erst einmal kräftig an, erstens weil sich die Bürger noch schnell günstige Kredite besorgen wollen und zweitens weil die Banken mehr daran verdienen und mehr Interesse haben, die Kredite auch an Kunden mit geringerer Bonität auszureichen.

Erst im weiteren Verlauf, wenn die Zinsen weiter steigen, kehrt sich das ins Gegenteil, irgendwann sind zu hohe Zinsen dann wieder negativ für alle, weil sie die Wirtschaft abwürgen. Aber zunächst einmal spülen vom Tiefpunkt anziehende Zinsen jede Menge Liquidität aus dem Bankensystem in die Hände der Verbraucher. Und das bedeutet ? Genau: steigende Inflation.

So hat der Markt also vorgestern Abend mit einem Schlag auf Inflationserwartungen umgestellt und alles was wir derzeit an Kursbewegungen sehen, muss man vor dem Kontext werten. Bernanke hat also tatsächlich mal wieder eine temporäre Zeitenwende an den Märkten hervor gerufen. Und man muss diese Zusammenhänge verstehen, sonst stochert man recht planlos in der Gegend herum. Charttechnik von Aktien alleine, reicht halt auch nicht, sie ist ein wichtiges Element, aber eben nur ein Element eines konsistenten Marktverständnisses.

Was diese Entwicklung nun potentiell für die Indizes und damit unsere Depots bedeutet, will ich mit den Premium-Mitgliedern anhand drei grosser, langfristiger Charts besprechen. Sie werden staunen, welche Parallelitäten sich da ergeben ....

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