Pfingstausblick



In diesem abschliessenden Artikel vor meinem 2-wöchigen Ferienmodus in den bayrischen Pfingstferien, will ich versuchen, Ihnen einen zusammenfassenden Lagebericht und groben Ausblick auf die kommende Woche zu geben.

Wie immer im Ferienmodus, bin ich in den kommenden beiden Wochen zwar weiter präsent, mache im Blog aber nur das Nötigste und befreie mich vor allem von der Pflicht täglich zu schreiben. Vielleicht kommt mal ein Artikel hier und da, vielleicht auch nicht, diese Freiheit von der Verpflichtung nehme ich mir aber und ist auch dringend nötig, damit es danach auch wieder Spaß macht.

Rechnen Sie also mit nicht mehr als 1-2 Lebenszeichen pro Woche von mir, ins Forum schaue ich sicher einmal am Tag, das aber auch ohne festen Rahmen. Ab 24.06. ist der Blog dann bis zum Beginn der Sommerferien am 26.07. wieder im Normalmodus.

Die Lage ist derzeit so komplex und voller verschiedener Einflussfaktoren, dass ich diese nun Schritt für Schritt mit Ihnen durchgehen möchte.

Zunächst einmal hatten wir gestern keine Einigung zum Thema Mexiko, diese ist auf heute vertagt. Die Futures am frühen Morgen weisen eher leicht nach oben, man kann also festhalten, dass der Markt von einer Einigung überzeugt ist:

Wir sehen, dass der SPY jetzt schon *oberhalb* der Niveaus notiert, die er hatte als die Zolldrohungen in Richtung Mexiko in den Markt kamen. Das schafft durchaus ein taktisches Problem.

Denn wenn es heute zu einer Einigung kommt und die Zölle am Montag nicht in Kraft treten, dürfte der positive Effekt begrenzt sein, weil schon weitgehend verfrühstückt. Einen langfristig positiven Effekt gibt es noch, weil Trump damit zeigt, dass er Handelskriege nicht nur beginnen, sondern auch beenden kann. Wie stark der sich aber auswirkt, erscheint unklar.

Wenn dagegen heute die Lage eskaliert, muss man mit einer Enttäuschungsreaktion rechnen, zumal der Bounce nun sowieso das Niveau erreicht hat, an dem er wieder zusammenfallen *könnte* - Konjunktiv.

In diesem Zusammenhang möchte ich Sie noch auf ein spezielles Pfingst-Risiko aufmerksam machen, das Sie in Ihre Überlegungen einbeziehen sollten.

Denn am Pfingstmontag sind in Deutschland, Schweiz und Österreich die Börsen geschlossen. Wer also nur über "normale" Direktbanken einen Marktzugang besitzt, dürfte am Pfingstmontag handlungsunfähig sein, weil selbst Kurse von Derivaten auf die US Indizes dann nicht gestellt werden.

Fast überall sonst in der Welt, in Asien wie an der Wallstreet, wird aber gehandelt. Wenn der Markt am Montag also eine starke Bewegung zeigen sollte, sind nur die handlungsfähig, die bei internationalen Brokern wie IB ein Depot haben. Berücksichtigen Sie das unbedingt bei Ihren Planungen.

Neben dem Thema Mexiko, wird heute um 14:30 MEZ der große US Arbeitsmarktbericht die Kurse bewegen. Denn aus den Arbeitsmarktdaten wird das Verhalten der FED extrapoliert und da hat der Markt ja zumindest eine Zinssenkung in 2019 nun schon fest eingeplant, hat aber noch *keine* starke Rezession eingepreist.

Daraus folgt meine Erwartung, wie der Markt auf die Arbeitsmarktdaten reagieren wird.

Optimal wären ganz leicht schwächere Werte, die kein wirkliches Problem darstellen, die Zinssenkungsphantasie aber erhalten - das wäre sozusagen "Goldilock". Auch noch OK, wären wohl leicht stärkere Werte als erwartet.

Problematisch wären zu starke Werte, die die Zinssenkungs-Phantasie wieder aus dem Markt nehmen, ebenso wie extrem schwache Werte, die den Gedanken an eine Rezession wieder in den Vordergrund schieben.

Heute Nachmittag sollten die Bullen also auf einen moderaten Arbeitsmarktbericht ohne Überraschungen hoffen.

Womit wir bei der Frage sind, auf welche Ausgangslage in den Indizes dieser Bericht trifft? Hier ist sie:

Der SPY ist nun also genau in der Zielzone zwischen Abwärtstrendlinie und 50-Tage-Linie, in der eine Wende nach unten logisch wäre und ein Ausbruch nach oben das Modell eines reinen Bounce in Frage stellen würde.

Gleichzeitig ist das Sentiment immer noch vorsichtig und insofern eher bullisch, aber auch nicht so extrem, dass man daraus zwingend weiter steigende Kurse herleiten muss:

Es bleibt also dabei, dass uns nichts und niemand diesen unmittelbaren Ausgang bis Montag vorhersagen kann, bereiten wir uns auf beide Szenarien vor und legen uns zurecht, wie wir uns dann verhalten wollen.

Wenn ich nun den Blick weite und meine große, bekannte Projektionen zum Jahresende für die kommenden Wochen detailliere, dann fallen mir 2 grobe Szenarien ein.

Im ersten, negativen Fall, ist das was wir sehen tatsächlich nur ein Bärenmarkt-Bounce, der nun bald zusammenfallen wird.

Dann kann man sich so einen Verlauf gut vorstellen, der bis zur 2.600er Widerstandszone herunter geht und erst Ende Juni mit dem G20 Gipfel in Osaka und dem Treffen Trump-Xi ein Ende findet.

Natürlich kann es dann auch erst so richtig abkippen, wenn die beiden sich im Streit trennen, aber das erzeugt zu viele Varianten und zu viel der Spekulation, über diese Brücke gehen wir, wenn wir vor ihr stehen. Wenn wir heute davon ausgehen, dass Ende Juni eine Chance darstellt, ist so ein Verlauf im bärischen Fall logisch und deckt sich mit meiner bekannten Jahresprojektion.

Im zweiten, positiven Fall, hält dieser Bounce und die Tiefs liegen mit ca. 8% Minus schon hinter uns. Dann würde ich aber trotzdem nicht von einem sofortigen Lauf zu den Hochs ausgehen, das bräuchte wirklich gute Nachrichten zum Handel, die aber vor Ende Juni wohl unrealistisch sind.

Dann erscheint - bei angenommen positiven Signalen vom Gipfel - so ein Verlauf denkbar:

Sie sehen, selbst dann gehe ich nicht von einem "V" zu den Hochs aus, womit das wirkliche Überraschungs-Risiko im Markt präzise beschrieben ist.

Denn das Überraschungs-Risiko ist nicht ein markanter Einbruch, mit dem rechnen viele derzeit und sind skeptisch. Es ist eine plötzliche, bullische Expansion, obwohl das Handelsthema nicht gelöst ist.

Ich sage nicht dass diese kommt, genau genommen weiss ich nicht, woher sie kommen sollte - deswegen male ich die Projektion ja wie oben und habe auch im positiven Fall nur eine Seitwärtsbewegung zu bieten.

Aber da ich mich damit wohl im Konsens bewege, ist das Risiko eindeutig, dass ich hier zu pessimistisch bin.

Wie auch immer, ich hoffe die obigen Worte geben Ihnen ein Gefühl dafür, womit Sie sich potentiell in den beiden kommenden Wochen auseinander setzen müssen, die dann langsam zum G20 Ende Juni führen.

Am 19.06. ist dann übrigens auch noch eine FED-Sitzung, nur damit Ihnen nicht langweilig wird. 😉

Noch ein kurzer Blick auf den DAX offenbart uns, dass dieser in den letzten Tagen große Unsicherheit an den Tag gelegt hat. Auch heute vormittag schwankt er in Erwartung des Kommenden recht volatil um 12.000 und ist bereit für eine starke Bewegung.

Wenn wir aber berücksichtigen, dass zum Beispiel heute miese Wirtschaftszahlen herein kamen und auch -> die Bundesbank die Wachstumsprognose deutlich senkt <-, muss man das als relative Stärke betrachten.

Es scheint mal wieder so zu sein, dass der kluge Markt diese Schwäche zumindest teilweise schon in die Kurse eingepflegt hat, so schwierig war und ist es ja wahrlich auch nicht, Deutschland eine negative Fortführungsprognose auszustellen.

Im Saldo will ich nicht versuchen, den volatilen "Pudding-DAX" mit einer Projektion an die Wand zu nageln, wenn mich aber jemand mit einer Pistole an der Schläfe zwingen würde, mich hier für eine Richtung zu entscheiden, würde ich beim DAX nun eher nach oben tippen.

EURUSD kämpft übrigens immer noch mit dem fallenden Trendkanal, das ist im Auge zu behalten, weil hier tatsächliche die Chance auf eine Trendwende existiert. Trotzdem rate ich dringend dazu, diese erst Realität werden zu lassen, bevor man hier Schlüsse zieht.

FED wie EZB sind im Race-to-the-Bottom, die Frage ist nur, wer schneller und aggressiver agiert. Und da die FED mehr Potential nach unten hat, scheint der Markt nun vielleicht die Chance auf ein steigenden EURUSD Währungspaar zu sehen.

Das macht Sinn, kann sich aber schnell mit einem starken Arbeitsmarktbericht heute Nachmittag ändern, der die Zinssenkungserwartungen des Marktes an die FED wieder dämpft.

So weit zur Lage, wie ich sie am heutigen Freitag Vromittag sehe.

Damit endet dieser Pfingstausblick, ich wünsche Ihnen heute Nachmittag nach den Arbeitsmarktdaten gute Entscheidungen!

Und in den kommenden beiden Wochen wünsche ich Ihnen auch: Schöne, erholsame Ferien!

Ihr Hari

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Pfingstliche Spekulatius



Sie wissen liebe Mitglieder, dass ich kein Freund der -> Prognosiritis <- bin. Diese führt außer bei Zufallstreffern, nicht zu wiederholbarem Erfolg an den Märkten.

Mit weit weniger Bugwelle und weniger öffentlicher Ehre, ist dagegen das demütige Beobachten der Marktbewegungen versehen, es ist dabei aber ungleich profitabler auf der langfristigen Ebene.

Statt jetzt im Mai viel Energie auf das Herumrätseln zu verwenden, ob der Markt im Juli hier und im September da steht, stehen wir einfach jeden Tag und jedes Wochenende gelassen auf, öffnen die Tür unseres Marktzugangs und recken die Nase in den frischen Wind der Kursbewegungen. Da bekommen wir schon mit, was die Stimmung des Tages bzw. der Woche ist und mehr brauchen wir nicht um erfolgreich zu sein, weiter kann sowieso niemand die Zukunft antizipieren.

Ich sage immer, wir nehmen den Markt Schritt für Schritt, Tag für Tag und so kommt man nämlich zum Gipfel, in dem man beständig und diszipliniert einen Fuß vor den anderen in die richtige Richtung setzt, den Blick nicht in den Wolken, sondern am Boden, um nicht über Wurzeln zu stolpern und abzustürzen.

Trotzdem gibt es auch mal Ausnahmen, in denen auch ich Ihnen ein wenig Spekulatius - eine festliche Spekulation sozusagen - biete. Und heute ist es wieder so weit.

Denn die beiden kommenden Pfingstferien-Wochen in Bayern, vom 21.05. bis 01.06. bin ich in Ferien und diese Ferien werden etwas Besonderes für mich sein. Es werden die einzigen 2 Wochen im Jahr sein, in denen ich komplett abschalte.

Im normalen Ferienmodus, so auch dann in den Sommerferien, bin ich ja weiter präsent, schreibe brav meinen Wochenausblick und täglich eine Meldung zum Markt. In den kommenden zwei Wochen mache ich nichts von Alledem - keine Verpflichtungen, Null, Nada!

Es wird also an den kommenden beiden Sonntagen keinen Wochenausblick geben und durch die Woche auch keinen Artikel pro Tag. Ich schließe nicht aus, dass ich mich mal melde und administrativ muss ich im Hintergrund ja sowieso weiter werkeln, das ist alternativlos. Aber ich verpflichte mich zu gar nichts und rechnen Sie auch mit Nichts.

So eine totale Auszeit ist für mich jetzt mal wichtig, der tägliche Rhythmus zehrt und 2 Wochen im Jahr werden Sie den Markt mal ohne mich navigieren, Sie schaffen das. 😉

Da ich dann aber weg bin und 2x auch keinen Wochenausblick schreibe, mache ich hier und heute für Sie einen groben 2-wöchigen Ausblick. Dabei ist natürlich dann auch ein gerütteltes Maß Spekulatius, aber anders geht es nicht.

Legen wir uns los. Alle Angaben mache ich wie immer anhand des Leitindex S&P500, des wahrscheinlich bedeutendsten Aktien-Index der Welt.

Was haben wir an Terminen in den 2 Wochen?

FED und EZB treffen sich erst wieder nach meiner Rückkehr, am 13.06. (FED) und am 14.06. (EZB) im Doppelpack sozusagen. Von der Seite ist also Business as Usual.

Die Quartalssaison ist im Wesentlichen vorbei, auch von der Seite herrscht Ruhe.

Wirtschaftsdaten sind an Inhalt und Umfang normal, besondere Termine wie die US Arbeitsmarktdaten, sind auch erst nach meiner Rückkehr.

Das Treffen Trump-Kim ist - falls es stattfindet - am 12.06. in Singapur. Merken Sie die Termine 12., 13. und 14.06.? Die KW 24 können Sie sich also schon ganz dick im Kalender anstreichen. 😉

Sie sehen, die kommenden 2 Wochen ist so viel nicht los, nicht der schlechteste Zeitraum für Urlaub.

Wie sehe ich die grosse Marktlage?

Weiter unverändert, bin ich nicht pessimistisch für 2018.

Weiter unverändert denke ich, dass das Potential des Marktes nach oben wie unten in den kommenden Wochen begrenzt ist.

Weiter unverändert, erwarte ich bis in den Sommer eher eine große Seitwärtsbewegung des Marktes - wie hier gezeigt:

Sie kennen dieses grobe Bild seit Jahresanfang. Dabei haben die lila Linien keine konkrete Bedeutung im Sinne eines prognostizierten Verlaufes. Sie sollen nur einen Markt symbolisieren der:

  1. Tendentiell eine bullische Note hat, im Mittel also steigt, nicht fällt.
  2. Keine zweite scharfe Korrektur wie im 1. Quartal generiert. Die 1995-2000er Analogie ist mir immer noch sehr nahe.
  3. Bis in den Spätsommer hinein aber trotzdem die Hochs von Januar nicht überwinden kann.
  4. Zum Jahresende dann 3.000 erreicht und vielleicht überschreitet, aber mehr nicht auf der Pfanne hat.

Das ist mein Grundmodell seit der Korrektur und es hat mir gute Dienste geleistet. Es bleibt mein Modell, bis der Markt mir durch sein Verhalten ein anderes Modell als wahrscheinlicher nahe legt.

Können wir den Verlauf 1995 - 2000 noch einmal als mögliche Analogie sehen?

Aber gerne, hier ist er. Das Chart ist klickbar, weil sehr groß und detailreich:

Wenn ich raten müsste, wie würde ich den S&P500 in den 2 Wochen Pfingstferien zeichnen?

Ich rate wirklich nicht gerne, all meine Erfahrung macht aus 50% Zufall dann vielleicht 52%, mehr nicht. Aber versuchen wir es trotzdem. Ich sehe den S&P500 eher verhalten bullisch und den Ausbruch aus dem Dreieck als richtungsweisend für die naheliegenden Wochen.

So etwas könnte also denkbar sein, Schwäche Anfang nächster Woche und dann ein "welliges" Hocheiern:

Natürlich kann das jederzeit durch neue Nachrichten überschrieben werden, das wissen wir alle. Eine richtig schlechte Nachricht zum Thema Handelskonflikt China-US - zum Beispiel eine Retourkutsche zu ZTE gegen Apple von Seiten Chinas - und schon kann man den Verlauf knicken.

Deshalb halte ich furchtbar wenig von so konkreten Ratereien, aber zumindest kann ich Ihnen so vermitteln, wie ich den Markt aktuell aufgrund der vorhandenen Informationen werte. Verhalten bullisch.

Sehe ich besonders herausragende Chancen oder Risiken in den 2 Wochen?

Es gibt keine besonderen Termine und keine besonders absehbaren Ereignisse. Besondere Chancen sehe ich nicht, wenn überhaupt das Risiko, dass diese doch sehr markante Bewegung bei den Renditen der US Staatsanleihen, den Markt irgendwann doch ins Wackeln bringt:

Grundsätzlich, das habe ich schon oft gesagt, ist eine Rendite von 3,x% kein Grund für den Aktienmarkt zu fallen - das ist x-fach historisch bewiesen. Auch eine langsame Steigung der Renditen ist nicht wirklich ein Problem, auch das ist historisch erwiesen und im Bereich 3,x% auf keinen Fall. Insofern kann man das Thema weiter zwar aufmerksam, aber doch gelassen betrachten. Dieses zumal ich Renditen deutlich über 4% bei den 10-jährigen US Bonds für nicht besonders wahrscheinlich halte, denn auch die US haben ein Schuldenproblem und brauchen niedrige Zinsen.

Trotzdem gibt es ein Szenario das Unsicherheit verbreiten könnte und sich dann auch auf die Aktienmärkte negativ auswirken würde. Und das wäre ein zu schneller zu starker Anstieg und wir haben leider gerade in den letzten beiden Tagen schon einen markanten Schub.

Es wäre dann die damit verbundene Unsicherheit und die Fragezeichen, die den Markt ans Wackeln bringen, nicht die absolute Höhe der Renditen. Wenn ich ein Risiko auswählen muss, dass mir für die kommenden 2 Wochen real denkbar erscheint, ist es neben plötzlicher Eskalation in der Handelsthematik das, was Verwerfungen verursachen könnte.

Wo sollten Sie besonders Ihre Augen hin richten?

Ich denke der Markt hat uns ein paar Signale der Sektor-Rotation gegeben. Darauf würde ich schauen. Die Chance dass die Retailer und Dividenden-Titel zum Leben erwachen, habe ich erwähnt.

Auch dass der Semiconductor-Sector doch noch nicht am Ende des Zyklus ist, ist weiter eine Chance, kann aber auch weiter eine Topbildung sein:

Auf den Sektor würde ich genau schauen, der hat hohe Bedeutung für die "Risk On" Mentalität und den NASDAQ und damit für den ganzen Markt.

Dann ist natürlich der Biotech-Sector weiter eine Chance nach Trumps erleichternden Aussagen. Das sollte durchaus für 2-3 Wochen Anpassung der Kurse gut sein, im Zweifel nach oben.

So .... das wars auch schon. Sie sehen, mit ein wenig Glück wird es eher ruhig. Verlassen würde ich mich darauf aber nicht, der Markt braucht nicht unbedingt Gründe um in Bewegung zu geraten.

Nehmen Sie den Markt einfach Tag für Tag, Stück für Stück, dann wird das schon. Und halten Sie sich an die alte Bauernregel:

Kräht der Börsenguru auf dem Mist, ändert sich die Marktlage oder bleibt wie sie ist!

Die Wahrheit liegt auf dem Platz, am 14.06. geht übrigens auch die Fussball WM los, was für eine KW24! 😉

Ihr Hari

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Einfach UN! – Urlaub vorbereitet



Mit diesem Beitrag möchte ich meinen zweiwöchigen Urlaub ab Pfingsten vorbereiten. Und Ihnen ein paar lockere Hinweise für diese Zeit geben, organisatorisch und zum Markt.

Ich werde heute und am morgigen Freitag weiter je einen Morgen- und Nachmittags-Bericht schreiben, dieser hier ist aber der letzte Sonderartikel vor dem Urlaub.

Im Zeitraum vom 03.06. - 18.06. werde ich mal *gar nichts* machen, was die Börse und diesen Blog angeht. Das ist UNglaublich, UNmöglich, UNfassbar, UNwahrscheinlich, einfach UN! 😉

Treue Mitglieder die hier seit fünf Jahren dabei sind, wissen wie aussergewöhnlich das ist, denn ich bin fast immmer da. Im Urlaubsmodus zwar mit deutlich gebremstem Schaum, aber ich bin da und schreibe.

So wird das auch im August wieder sein, wenn ich für einen Monat in den traditionellen Ferienmodus während der Sommerferien gehe. Aber da werde ich präsent sein, wenn auch unregelmässig und mit herab gesetzter Intensität. Ab Übermorgen aber, bin ich für 2 Wochen definitiv weg, auch wenn es börsentechnisch "Katzen hagelt". 😉

Tja, so ganz weg dann natürlich doch nicht. Ich muss als Einzelkämpfer natürlich schauen, dass Blog und Server weiter laufen. Ich muss administrative Dinge weiter machen und ich schliesse nicht aus, dass ich mich auch mal im Forum melde und vielleicht sogar mal was schreibe. Das dann aber nur, wenn mir danach ist - rechnen Sie nicht damit und gehen Sie davon aus, dass ich von der Bildfläche verschwunden bin und nur in sehr dringenden Fällen über Mail erreichbar bin.

Warum ich diese 2 Wochen konsequenten Abstand mal brauche, bedarf wohl keiner näheren Erläuterung mehr: Wer viel schreibt, fühlt sich irgendwann "leer". Dieser Markt, der so störrisch hochschiebt, während man gleichzeitig unbedingt auf den Zehenspitzen bleiben muss, laugt noch zusätzlich aus. Und es ist schwierig über so einen Markt intelligentes zu schreiben, weil man sich nur immer wiederholen könnte.

Diese zwei Wochen werden für mich also ein kreativer Schub sein, damit ich danach wieder richtig in den Börsenapfel beissen kann. Und ich habe auch so einige grundsätzliche Gedanken mit denen ich schon länger schwanger gehe, die ich mal in Ruhe im Liegestuhl mit Cocktail in der Hand durch meine Gehirnwindungen diffundieren lassen werde. 😉

Nur in Einem können Sie sicher sein. Ich mache das hier immer noch gerne und ich mache weiter. Allerdings - auch das muss gesagt sein - besonders gerne wenn von Ihnen auch etwas kommt. Das grosse Schweigen der letzten Wochen (die letzten Tage wurde es etwas besser), macht mir weniger Freude beim Schreiben. Ich schreibe und erkläre gerne *für* andere und nicht für eine Wand.

Was könnte Ihnen passieren, während ich total abwesend bin?

Ohne Frage auch, dass es "Katzen hagelt", reif ist der Markt dafür, wie ich zuletzt in -> Der Juni vorbereitet <- ja ausführlich dargestellt habe.

Trotzdem ist ein richtig herber Einbruch nach wie vor eher unwahrscheinlich. Ich habe schon oft gesagt, dass grosse Tops Zeit und ein Hin- und Her brauchen und das gilt nach wie vor. Eine 5-10% Korrektur ist aber problemlos drin, sie muss nicht kommen, kann aber. Denn in den fraglichen 2 Wochen, ist im Bereich der Notenbanken und Politik eine Menge geboten.

Zunächst sticht natürlich die FED Sitzung am 13./14.06 heraus, bei der der Markt von einer Zinserhöhung ausgeht, falls die morgigen Arbeitsmarktdaten dem nicht entgegen stehen.

Weiterhin kommt nächsten Donnerstag am 08.06. die EZB-Sitzung in Tallinn, bei der der Markt einen sprachlichen Einstieg in ein "Tapering" (das Ende des QE) erwartet. Wie immer das ausgeht, wird massive Auswirkungen auf EURUSD haben.

Am 08.06. ist dann auch die Wahl in Grossbritannien, die der Markt auch mit Spannung betrachten wird. Das britische Pfund in GBPUSD und GBPEUR dürfte dabei eng an einen Erfolg oder Misserfolg von May gekoppelt sein.

Und am 11. und 18.06. ist die Parlamentswahl in Frankreich, bei der Macron derzeit vorne liegt, was der Markt honorieren dürfte, wenn es so bleibt.

Das grösste politische Risiko für DAX & Co., dürften aber derzeit schlechte Nachrichten aus Italien sein. Da steht die Wahl zwar erst im September an, wenn Umfragen aber weitere Zugewinne für die eurokritische Fünf-Sterne-Bewegung zeigen, dürfte das den Markt immer wieder nervös machen. Denn eine Krise in Griechenland kann die Eurozone gut aushalten, eine solche in Italien, der drittgrössten Volkswirtschaft der Eurozone, eher nicht.

Und dann haben wir natürlich die bekannten Grundrisiken die mit Themen wie Kim, Trump und Terror verbunden sind, die aber auf keine Daten einzugrenzen sind.

Im Saldo werde ich in den zwei Wochen fast ganz aus dem Markt sein - was bei mir "fully hedged" heisst. Nicht weil ich einen Crash erwarte, sondern weil ich mir im Urlaub keine Gedanken um die Börse machen will, auch wenn es die genannten "Katzen hagelt".

Ihnen kann ich für diese Phase aber auch nur raten, das Exposure auf ein gesundes Mass zu verringern, wenn Sie das nicht schon haben. Auch wenn der Markt in Einzelfällen immer wieder gute Opportunitäten bietet, erscheint er im grossen Bild doch müde und überreif für eine Korrektur oder zumindest Konsolidierung. Nur gegen ihn stellen, das sollten wir auf keinen Fall, es ist immer noch ein Bullenmarkt.

So weit ein paar einordnende Worte. Nun wende ich mich wieder den Aktualitäten zu und am Freitag Nachmittag heisst es dann frei nach J.R.R. Tolkien:

Die Straße gleitet fort und fort,
weg von der Tür, wo sie begann,
weit über Land, von Ort zu Ort,
ich folge ihr, so gut ich kann,
ihr lauf’ ich raschen Fußes nach,
bis sie sich groß und breit verflicht’
mit Weg und Wagnis tausendfach.
Und wohin dann? Ich weiß es nicht.

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 17.05.15 – 23.05.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 17.05.15 - 23.05.15

Samstag 23.05.15 23:00 - Pfingsten Links

Hier mal nach langer Zeit wieder eine umfangreiche und kommentierte Linkliste, damit Ihnen über Pfingsten nicht langweilig wird: 😉

Steigen wir ein mit etwas Augenzwinkern: -> This is the top! <-

Passend dazu, was die deutsche "Wirtschafts"-Presse dazu verzapft, wobei die "Zeit" sowieso, was Wirtschaft angeht, eher blind ist, daher die Anführungszeichen: -> Gefahr eines Aktiencrashs nimmt zu <-

Darin finden sich die üblichen (gähn!) Argumente zu KGV, KBV und Co, die wir genau so 2013 und 2014 lesen konnten und die auch da wahr und trotzdem irrelevant waren. Das ist ja auch das, was für so viele so schwer zu verstehen ist: Was da steht, ist ja nicht falsch. Aber auch kein bisschen hilfreich.

Ich wiederhole, was ich vor ein paar Tagen wieder geschrieben habe: das aktuelle Niveau der Märkte hat sich von der konjunkturellen Entwicklung entfernt. Also JA, der Markt ist auch in meinen Augen "überbewertet", zumindest aus ein paar der vielen, möglichen Perspektiven.

Und nun? 😉 Und nun Nichts! Denn das habe ich auch 2014 schon so gesehen, aber auch nicht danach gehandelt, weil ich weiss, wie wenig diese Erkenntnis für Timing taugt.

Solche Artikel sorgen nur wieder dafür, dass die Anleger, die schon vor 3 Jahren bei so Artikeln heftig genickt haben, wieder heftig nicken und die nächsten 1,2 oder 3 Jahre auch verpassen. Bezeichnenderweise lautet der Untertitel etwas anmassend: "So funktioniert Kapitalismus". Sorry, so funktioniert er überhaupt nicht und Märkte auch nicht.

Denn wenn der Gedanke an die Reflexivität in Sie gesickert ist, können Sie über so Marktsichten nur schmunzeln. Denn diese definitiven Aussagen wie "Aktien sind überbewertet" und "Crashgefahr nimmt zu" (warum muss es eigentlich immer gleich ein "Crash" sein?), implizieren ja ohne es zu merken, dass der Rest der Marktteilnehmer, die diese Aktien kaufen, ja aktuell völlige Idioten sein müssen, die das Offensichtliche nicht sehen können. Ach wäre das schön, wenn Markttiming so einfach wäre..... 😉

Für neue Leser will ich noch einmal klarstellen, was treue Mitglieder sofort verstehen werden. Mit den obigen Zeilen spreche ich nicht gegen die Möglichkeit, dass wir insbesondere in den US Märkten gerade Zeuge einer Topbildung werden. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die das als möglich erscheinen lassen und Sie wissen, wie nervös ich auf das nach oben fehlende Momentum reagiere.

Der Punkt ist vielmehr, das diese Bewertungsdiskussion völlig ungeeignet für das Timing am Markt ist. Und das gilt selbst für mittelfristiges Timing über Monate und wenige Jahre. Und deshalb nehmen wir das schulterzuckend zur Kenntnis und konzentrieren uns auf das, was wichtig ist.

Ärgerlich ist nur, dass seit Jahren dieses "das geht doch nicht mit rechten Dingen zu" Mantra solcher Quellen, Millionen Anleger davon abgehalten hat, ausreichend von dieser sensationellen Rally mitzunehmen und es nun vielleicht weiter tun.

Weitere Links:

Schön passend zu oben vom wie immer sehr kompetenten "Fat Pitch": -> There is no smoking gun! <-

Holperig, könnte es kommende Woche trotzdem werden: -> A setup for volatility to rise soon <-

Auch sehr passend vom geschätzten L.A.Little und nicht nur für ökonomische Vorhersagen von Notenbanken passend: -> Crystal ball and other such nonsense <-

Aber zumindest Janet Yellen hat Selbsterkenntnis. Sehr sympathisch: -> Yellen and here projections <-

Ja, das kann einem schon Sorgen machen, aber auch das ist für Timing nicht geeignet, denn nirgendwo steht, das es nicht auch 4,5 Jahre werden können:
-> Three and a half years since the last 10% correction <-

Immer interessant, die Top und Flop Liste: -> Best and worst performing stocks 2015 <-

Wenn Sie in der Liste auf den grössten Flop schauen, sollte Ihnen dieser Artikel vom 27.11.2014 in Erinnerung kommen:
-> Sandisk und der Zyklus der Chipindustrie <- 😉

Weiterlesen ...

Pfingsten 2013 – Die Ruhe Europas vor dem heissen Herbst

Pfingsten steht vor der Tür und leitet an den Börsen langsam die ruhigere Sommerphase ein. Die Strassen sind heute hier schon halbleer, halb Bayern flieht in vorgezogene Sommerferien. Eine Gelegenheit die ich nutzen möchte, um mit Ihnen ein paar emotionale Gedanken meinerseits zur Lage in Europa zu teilen.

100 Jahre ist nun der Sommer 1913 her. Ein Sommer, den meine Grosseltern noch als Kinder erlebt haben. Ein Sommer der oberflächlichen Ruhe und Gelassenheit, die Welt schien damals an der Oberfläche noch in Ordnung und fest gefügt. Man hätte damals meinen können, Europa sei in Bernstein gegossen, alles war wie es sein sollte - so schien es zumindest. Dabei waren unter der Decke schon all die Spannungen spürbar, die sich ein Jahr später so furchtbar entladen würden.

Ein Jahr später zerplatzte Europas alte Welt wie ein Spiegel, in den man einen Backstein geworfen hatte. Was sich anschloss, waren zwei Weltkriege, unsägliches Leid und brutaler Umbruch, an dessen Ende im wahrsten Sinne des Wortes kein Stein mehr auf dem anderen stand. Die Folgen dessen, was nach diesem letzten Sommer des alten Europas passierte, beschäftigen uns noch heute. Und niemand, absolut niemand, konnte sich 1913 vorstellen, wo die Welt schon Jahre später stehen würde.

Heute, 100 Jahre später, beschleicht mich ein ähnliches Gefühl einer unwirklichen Ruhe, so wie wenn sich der Himmel schon gelb in Erwartung des kommenden Gewitters färbt, während die Luft noch warm und ruhig wirkt.

Dieses Gefühl einer untergehenden Welt, wird auch schön von Tolkien im "Herrn der Ringe" durch die Worte "Galadriels" vermittelt. Was kein Wunder ist, denn Tolkien (1892 geboren) war ein Kind dieser Zeit, in der das alte Europa unterging : "
Die Welt ist im Wandel
Ich spüre es im Wasser.
Ich spüre es in der Erde
Ich rieche es in der Luft.
Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.

Jetzt werden Sie denken: ja spinnt denn der Hari ? Ist er jetzt zum neuen Nostradamus geworden ?

Definitiv nein. Erstens steht uns in Europa kein neuer Krieg bevor, zumindest kann ich mir das nicht vorstellen. Und zweitens bin ich sehr optimistisch, was die Entwicklung der Welt als Ganzes angeht. Die Welt ist auf einem guten Weg und es gibt keinen Grund für Weltuntergangsromantik. Machen wir doch die Menschen und ihr Wohlergehen - ihr Leben in Freiheit und Wohlstand - zum Massstab und vergleichen 1913 mit 2013. Dann sehen wir schnell, wie positiv sich diese Welt verändert hat. Und ich bin voller Optimismus, dass die Welt das weiter tun wird. Dafür sorgt schon der technologische und kulturelle Fortschritt, der gerade in Deutschland immer gerne mit Skepsis betrachtet wird, ohne den wir aber noch Leibeigene eines Landvogtes wären.

Dieses voraus geschickt, beschleicht mich beim Blick auf Europa und Deutschland aber doch das Gefühl einer untergehenden Welt, die noch an der Oberfläche verzweifelt an ihrer Normalität festhält. Man könnte dazu viel schreiben, woher dieses Gefühl kommt, ich will nur zwei aktuelle Ereignisse beispielhaft heraus greifen.

Da haben wir auf der einen Seite den französischen Staatspräsidenten, der sich - wenn man den Medien -> hier <- glauben darf - nicht zu schade ist zu behaupten: "Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben." Wenn es nicht so traurig wäre, würde ich jetzt laut lachen.

Wir haben aber natürlich auch unsere Bundeskanzlerin, mit Ihrer ebenso verfehlten Logik der "Alternativlosigkeit". Und das bei einem Kernthema der Gestaltung unserer Zukunft, wirklich DER Frage unserer Generation. Und wir haben unzählige Parteisoldaten, die einfach nachplappern und damit gedankenlos das genaue Gegenteil von dem verkünden, was 50 Jahre lang seit Adenauer unter der Überschrift "eine starke Währung ist gut für Deutschland" das Mantra jeglicher bundesdeutscher Regierungspolitik war.

Wir haben also auf der einen Seite eine Politik, die sich den realen Problemen in eine Phantasiewelt entzieht und glaubt, wenn man nur immer wieder und ausreichend das eigene Mantra beschwört, würde ja alles gut. Gerade wir Deutschen haben ja eine traurige Tradition darin, über den rational vertretbaren Punkt hinaus an einer Überzeugung fest zu halten. Ich will dafür gar nicht die Reichskanzlei bemühen, sondern Honeckers "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" ist doch das viel schönere und passendere Zitat dieser Scheuklappenpolitik.

Und auf der andern Seite haben wir eine unglaubliche, unter der Decke brodelnde Wut im deutschen Bürgertum. Eine Wut, die medial nicht richtig an die Oberfläche tritt, weil ihr bisher das Vehikel fehlte, um sich zu artikulieren. Und weil die Presse in "diesem unserem Lande" eben doch eine teilweise Symbiose mit der Politik eingegangen ist - alleine der dominante öffentlich-rechtliche Rundfunk sorgt schon dafür. Das ist ja kein Wunder, wenn 65 Jahre lang letztlich die gleichen Parteien die Macht im Staate inne haben.

Diese Wut zeigte sich bisher eher in Resignation und in Form von immer weiter steigenden Nichtwählerzahlen. Mit der "Alternative für Deutschland" hat diese Wut nun aber einen Katalysator bekommen. Und einen treffenden Blick auf das Brodeln unter der scheinbar ruhigen Oberfläche erlaubt beispielsweise das, was aktuell im Handelsblatt passiert ist.

Da hat das Handelsblatt ein Interview mit Bernd Lucke, dem AfD-Chef gebracht und das unter eine - nunja, etwas populistisch überspitze - Überschrift gesetzt, die die AfD in Richtung NPD rückte. Nicht unüblich im "Kostenlos-Web", in dem man um Aufmerksamkeit ringen muss, aber deswegen keine hinreiche Entschuldigung. Insofern eigentlich geschenkt und nichts Überraschendes, der Artikel als solcher war aber überwiegend in Ordnung, da habe ich schon Schlechteres gelesen.

Darauf hin brach ein "Shitstorm" von Lesern des Handelsblatts los, den man teilweise hier nachlesen kann: -> Unverschämte und dreiste Beleidigung <-. Und die Leser des Handelsblatts entstammen im Schnitt ja schon dem, was man gemeinhin "gebildetes Bürgertum" nennt.

Und es gab eine (für mich persönlich) kleinkarierte Reaktion des Handelsblatt Chefredakteurs, die man hier nachlesen kann: -> Liebe AfD Freunde <-

Wäre ich der Verleger, würde ich den Mann sofort ablösen, denn auch wenn man inhaltlich schon seiner Meinung sein kann, ist es für eine Führungskraft ein absolutes "NoGo", den eigenen, nicht völlig grundlos empörten Kunden, mit einem beleidigten "you made my day" sozusagen den virtuellen Mittelfinger entgegen zu strecken.

Warum erzähle ich Ihnen diese Anekdote ? Weil sie bezeichnend für die wirkliche Stimmung in Deutschlands Bürgertum unter der Decke der "Alternativlosigkeit" ist. Und weil sie zeigt, wie offen die Nerven schon jetzt liegen. Schauen Sie einfach, was auch in anderen seriösen Publikationen wie der FAZ von gebildeten Bürgern geschrieben wird. Die unterdrückte Wut ist gewaltig. Und diese Wut sucht ein Ventil. Und nicht die Wut ist verwerflich, sondern die, die sie in einer für unser aller Zukunft entscheidenden Frage hervor rufen, weil sie sich einer ernsthaften Beschäftigung mit der Realität verweigern.

Zur Sache wissen Sie, dass ich kein Mitglied der AfD bin und auch keines werde. Wie ich auch kein Mitglied einer anderen Partei werde. Und das ich keineswegs alles gut und richtig finde, was die AfD vertritt. Das ich es aber massiv begrüsse, dass diese vermeintliche Alternativlosigkeit nun aufgebrochen wird und wir endlich über diese entscheidende Zukunftsfrage diskutieren. Dem Eindruck es mit "Blockparteien" zu tun zu haben, konnte man manchmal wirklich haben, wenn man von allen Parteien des Bundestages diese identischen Glaubenssätze zum Thema Euro hörte - einem Thema das hochkomplex und eben keineswegs "alternativlos" ist.

Und Sie wissen, dass es für mich persönlich offensichtlich ist, dass dieser Euro - so wie er ist - eine völlige Fehlkonstruktion ist und uns ökonomisch zwangsläufig um die Ohren fliegt. Die einzige Frage ist, wann das passiert und ob wir damit geordnet umgehen, oder ob die Realität eine ungeordnete, chaotische Auflösung erzwingt. Und mit jedem Monat der "Alternativlosigkeit", wird das Risiko der ungeordneten Krise erhöht. Insofern ja, dieser Euro ist für mich der Spaltpilz an Europa. Und insofern liege ich in dieser Frage nahe an dem, was die namhaften Ökonomen, die die AfD mitgegründet haben, auch vertreten.

Möchte ich deshalb die D-Mark zurück. Nein, nicht notwendigerweise. Und Deutschtümelei und einen Rückfall in rein nationalstaatliches Denken möchte ich schon gar nicht. Gerade auch deshalb muss dieser Euro weg, weil er nationalstaatliche Egoismen und die alten Schubladen des alten Europas der Weltkriege befördert. Nein, ich möchte gerne eine starke, stabile Währung - egal wie sie heisst - und würde es sehr begrüssen, wenn es ein "Taler" eines Kern- oder Nord-Europas wäre, das kulturell besser zueinander passt und sich wirklich als echter integrierter Wirtschaftsraum vereint. Was dann zwangsläufig auch die Aufgabe nationaler Souveränität bedeutet.

Wenn ich diesen "Taler" aber nicht bekommen kann - und es spricht viel dafür, dass im aktuellen Europa so eine Entwicklung ohne einen Bruch unmöglich ist (was wieder an Frankreich liegt) - dann leben wir in Deutschland nach meiner Überzeugung mit einer neuen D-Mark weit besser. Die Schweiz macht es uns doch als Antithese vor unseren Toren vor, was von der Rhetorik des "Untergangs der deutschen Wirtschaft" in diesem Fall zu halten ist. Der Schweizer Franken ist völlig überbewertet und lastet schwer auf der schweizer Wirtschaft. Und die vergleichsweise kleine Schweiz hat viel geringere Möglichkeiten als ein Deutschland, das durch Binnenkonjunktur zu kompensieren. Und trotzdem, vergleichen Sie mal Arbeitslosenraten oder eben den Wohlstand und die Vermögen der Bevölkerung. Haben Sie das Gefühl, man lebt schlecht in der Schweiz ? Muss man noch mehr dazu sagen ?

Womit wir wieder zu diesem Gefühl kommen, das ich aktuell in mir drin habe. Dem Gefühl eine Welt zu beobachten, die sich in einer trügerischen Ruhe sonnt, bevor sich die Zukunft wild und dynamisch Bahn bricht. Das Gefühl nun ein paar Wochen des Sommers vor mir zu haben, bevor uns Krise und Chaos wieder einholen.

Denken Sie an diese Wut, die da latent im Bürgertum brodelt. Die manchmal noch als Resignation daher kommt, eine Resignation die sich aber schnell in Aggressivität wandelt, wenn sich dafür ein Katalysator bietet.

Denken Sie an die kommende Bundestagswahl. Denken Sie daran, wie die Börsen der Welt auf die Umfragen starren werden. Denn in Deutschland entscheidet sich die Zukunft des Euros. Denken Sie daran, was die Handelsprogramme der Grossfinanz machen werden, wenn die AfD in den Umfragen steigt und steigt. Denken Sie daran, wie sich dadurch das Haupt der Eurokrise wieder erhebt und wie es ausgeschlachtet werden wird, um Sündenböcke zu suchen. Denken Sie daran, wie hier im Lande die Stimmung giftig werden wird, wenn die Pfründe der vorhandenen Parteien in Gefahr geraten.

Vor uns liegt ein heisser Herbst. So viel ist sicher. Und wenn in diesem Prozess etwas schief geht, dann kann es auch einen Knacks geben, der weit über Deutschland hinaus geht. Und die weltweiten Börsen werden darauf in einer Art und Weise reagieren, gegen die die Sorgen um Griechenland ein laues Lüftchen waren. Und die Notenbanken werden versuchen, die Dosis der Medizin zu erhöhen und noch aggressiver Geld aus dem Helikopter werfen.

Der Einsatz steigt auf jeden Fall. Für uns in Europa geht es in den kommenden Monaten und Jahren ums Ganze. Und wenn überhaupt etwas alternativlos ist, dann die Zwangsläufigkeit, mit der uns die ökonomische Realität in Europa in diese Entscheidung hinein treibt. Denn die Realität lässt sich eine Zeit lang mit Plakaten nach dem Motto "Vorwärts zum x-ten Parteitag" überkleistern, irgendwann bricht sie sich aber Bahn.

Womit ich mit dem absurdesten Satz enden möchte, den ich seit langem gelesen habe:

Die Finanzkrise ist hinter uns, die Ursachen sind behoben.

Amen !

Geniessen wir deshalb diesen Sommer 2013. Wir werden die Ruhe brauchen. Der Herbst kommt mit Stürmen. Denn die Welt ist im Wandel ...

Ihr Hari

PS: Und ich beginne mit dem "Geniessen" am Pfingstmontag. Das ist ein normaler Handelstag, aber ich werde ihn überwiegend als Feiertag geniessen. Rechnen Sie also mit einer Meldung in "Hari Live", aber nicht mit einem Artikel. Am Dienstag bin ich wieder voll da. Wir sprechen uns auf jeden Fall vorher am Sonntag im Premium Bereich bei den "Sonntag Links".

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