Hari Live Stream 02.12.20

Zwei Schritte vor, einer zurück ZH2

Nach dem gestrigen starken Tag, ist heute ein kleiner Schritt zurück alles andere als überraschend. Ein gesunder Markt hat einfach diesen hochschaukelnden Rhythmus und das ist sogar positiv, weil richtig gefährlich werden Aufwärtsbewegungen meistens dann, wenn der Schritt zurück mal ausbleibt.

Bisher ist das alles stinknormal und kann mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen werden:

Entscheidende Schlacht um den VEB ZH5

Um den volkseigenen Betrieb in Wolfsburg tobt die entscheidende Schlacht, die durchaus über Wohl- und Wehe und langfristig die Existenz dieses Molochs entscheiden könnte.

Wie erbittert und mit offenem Visier diese Schlacht mittlerweile geführt wird, kann man - noch medial gedämpft - hier deutlich herauslesen:

-> Neuer Machtkampf bei Volkswagen: Scheitert Konzernchef Diess an Macht und Ego des Gewerkschaftsbosses Osterloh? <-

-> Unzulässige Vorteile für den Betriebsrat? VW nimmt Arbeitnehmervertretern die Dienstwagen weg <-

Da werden Vorstandsverträge zum Druckmittel und offen und medial wird sich Vorteilsnahme vorgeworfen, was so viel wie eine offene Kriegserklärung zwischen Diess und Osterloh ist.

Diess geht offensichtlich aufs Ganze, entweder setzt er sich durch oder er wird das Unternehmen verlassen und das im Wissen, dass das dicke Ende noch kommen wird - dann ohne ihn.

Man muss sich klar machen, wie VW so vergleichsweise stark geworden ist und das ist nach meiner Einschätzung nicht Osterloh und Vorgängern zu verdanken, die sich bei VW im wahrsten Sinne wie Fürsten aufführen und durch die Mitbestimmung im Aufsichtsrat plus die 20% des Landes Niedersachsen die faktischen Machthaber sind - eine absurde Verdrehung von Unternehmertum, VEB eben.

Nein, genau dieses System VEB-Volkswagen war 1993 unter Carl Hahn schon längt "im Arsch" und hatte keine Zukunft und dann kam ein Mann und der hiess Ferdi Piech.

Piech mit seinem unbedingten Machtwillen und seinem Benzin im Blut wusste nach meiner Einschätzung genau, dass er in diesem System nicht gegen die Volkerts und Osterlohs regieren kann und hat sich daher für den erfolgsträchtigen Weg entschieden, diese sich über Geld - über diverse Vorteile - gefügig zu machen. Was er im kleinen Kreis über Leute dachte, die man so kontrollieren kann, kann man sich denken.

Was auch gelang, aber immer wieder aufplatzende Eiterbeulen verursachte, wie zum Beispiel in der -> VW Korruptionsaffäre <-.

Letztlich halfen diese Eiterbeulen Piech aber, die Volkerts und ihre Nachfolger blieben so am Ende Im Griff, die Hand die füttert und die alles weiss - auch unangenehme Details von Lustreisen - beisst man halt nicht.

So konnte Piech faktisch *durchregieren* und die politisch gut vernetzen Betriebsräte waren ihm gegenüber unter Kontrolle und damit auch das Land Niedersachsen. So gelang es Piech ein Unternehmen zu führen, das mit dieser Dominanz der Gewerkschaft eigentlich unführbar ist. Vom Standpunkt Machiavellis aus, hatte Piech eine wahre Glanzleistung vollbracht und am Ende hat VW und das Land davon sogar profitiert.

Nun ist Piech Geschichte, die Peitsche die die machtbewussten Osterlohs zwei Jahrzehnte im Griff behalten hat ist nicht mehr da und so bricht nun der Machtkonflikt auf, der eigentlich schon entschieden ist - 70% für den trägen VEB im Aufsichtsrat.

Diess weiss also ganz genau, dass er nur eine Chance hat. Nicht sich einzufügen, nicht Osterloh die zu großen Stiefel zu lecken, sondern den Konflikt offen zu wagen.

Und entweder verliert er dann, womit er selber wohl rechnet oder er schafft es doch und kann Volkswagen wirklich in die Zukunft führen.

So stellt sich das für mich dar, Diess geht aufs Ganze, der Entzug der Dienstwagen und die Vorwürfe der Vorteilsnahme sind der Mittelfinger, mit dem er dem System Wolfsburg signalisiert, dass er keine Angst hat und nichts zu verlieren.

Für mich ist völlig klar, dass das System VEB Volkswagen in diesem Umbruch der weltweiten Industrie *keine Chance* hat, wenn sich hier die alte Wolfsburger Mauschelei durchsetzt.

Dass Volkswagen noch so vergleichsweise gut dasteht, ist letztlich der Piech-Ära zu verdanken, die Stärke ist sein Werk und nicht das seiner Nachfolger, die mit den bekannten Affären es schon gefährdet haben.

Dieser Vorteil schwindet also und was VW nun braucht wäre genau der Veränderungswille, der den strukturkonservativen Osterlohs abgeht. Jemand muss bei VW wieder "durchregieren", sonst ist dieser Moloch unführbar.

Falls Diess diesen Konflikt verlieren sollte wovon ich eher ausgehe - der Bruch dürfte nun unkittbar sein, Dienstwagen für Betriebsräte sind heilig 😛 - dann kann ich allen raten die die Aktie noch im Depot haben schreiend wegzurennen.

Um es so deutlich wie möglich auf den Punkt zu bringen:

VW braucht einen neuen "Diktator" ala Piech der durchregiert und die Zukunftsanpassungen erzwingt, sonst wird dieser Konzern langsam wimmernd schwinden wie weiland unter Hahn.

So stellt sich das Geschehen für mich als auswärtiger Beobachter seit nun 30 Jahren dar. Ich habe kein Insiderwissen und keine Insiderkontakte, es ist alles nur das Ergebnis der öffentlich sichtbaren Quellen und meiner eigenen Einordnung.

Einen Grund darin investiert zu sein, liefert das Chart sowieso nicht.

Der Euro und der Fleck im Hemd ZH4 ZH5

Im Forum war es schon Thema, der Euro ist nach oben ausgebrochen und das sieht nun nach einer bedeutenden Bewegung aus.

Wenn man im ZH4 einen Measured Move errechnet, kommt man nach dem Prinzip der Symmetrie Pi-Mal-Daumen in die 1,25er Region, also noch ca. 4% höher als heute.

Dass das Sinn macht sieht man auch im ZH5, denn genau dort liegen die Hochs von Anfang 2018:

Jetzt habe ich wieder Kommentare gesehen, dass mit dem starken Euro das Depot ja nicht richtig mitlaufen würde. Als der Euro fiel, kamen diese Beschwerden komischerweise nicht. 😉

Ich kann da nur sagen: Machen sie sich keinen Fleck ins Hemd! Das spielt überhaupt keine Rolle, weder sind sie prinzipiell reicher geworden, als sie nominelle Gewinne mit fallendem Euro hatten, noch werden sie prinzipell ärmer, wenn diese mit steigenden Euro wieder schwinden.

Um sich das klarzumachen, muss man einen extremeren Fall nehmen, zum Beispiel die türkische Lira. Wenn die Dank der großartigen Führung des Reis weiter abschmiert und sich zum Euro oder Dollar halbiert, haben sie als Börsianer in Istanbul plötzlich nominell 100% Gewinn in ihren Aktiendepots, die in der Lira geführt werden. Und, sind sie dann reicher?

Wohl kaum und in dem Fall versteht es auch jeder schnell, weil die Türkei das Allermeiste an hochwertigen Gütern importieren muss und diese auch doppelt so teuer werden. Und Reisen ins Ausland kann sich der Türke mit Gehalt in Lira dann ebensowenig leisten, wie der brave deutsche Arbeiter mittlerweile einen Urlaub in der Schweiz - die schwache Währung hat auf dem Papier reicher gemacht - wie die Lira im Italien vor dem Euro - objektiv aber ärmer, auch wie die Lira vor dem Euro.

Warum aber glauben sie, dass das im Euro prinzipiell anders ist? Ist es nicht, es ist aus mehreren Gründen nur träger und weniger leicht zu erkennen.

Denn erstens ist der Wirtschaftsraum in Europa viel größer und weniger von Importen abhängig. Und zweitens ist der Euro selber die zweitwichtigste Währung der Welt, was den Effekt deutlich dämpft, weil der Euro direkt eine theoretische "Weltwährung" in Form der Sonderziehungsrechts beeinflusst.

Trotzdem ist der Effekt da und wir wissen doch dass Europa strategisch nicht wirklich autonom ist und daher auch auf diverse Importe aller Art angewiesen.

Sicher, kurzfristig sieht es so aus, als ob man weniger im Depot hätte und man sich so weniger iPhones, Teslas und Samsungs kaufen kann.

Das ist aber ein temporärer Effekt, weil die Endpreise sich nicht so schnell anpassen wie die Devisenkurse. Diese Anpassung kommt aber, bei einem schwachen Euro werden die iPhones und Teslas in Euro am Ende immer teurer.

Ein stärkerer Euro ist also positiv, er lässt zwar unsere Anteile an Apple und Co. nominell billiger erscheinen, das ist aber nur eine Zahl, wir haben immer noch die gleichen Anteile. Dafür steigt mit einer starken Währung langfristig unsere Kaufkraft, ich persönlich begrüsse einen Anstieg des Euros ohne jeden Zweifel, weil er am Ende Europa und damit uns stärkt und nicht schwächt.

Als Investor aber, habe ich Anlagen im Dollar *und* im Euro und noch ein paar andere Währungen und mich interessieren diese Schwankungen daher nicht, weil sie keinen echten Einfluß auf mein Vermögen haben, sondern nur nette Zahlen im Schaufenster sind.

Zum Thema ausführlicher auch hier:
-> https://www.mr-market.de/waehrungen-im-allgemeinen-und-der-euro-im-speziellen/ <-

Aktien des Tages ZH3

Heute sind es wieder die Rohstoffe, die vorne mit dabei sind. Die Öl & Gaswerte zeige ich heute aber nicht, die sehen alle ähnlich aus.

BHP Group (BHP)

Spotify (SPOT)

SPOT will schon wieder nicht vom Tisch runter, das hatten wir doch schon:

Ring Central (RNG)

NetApp (NTAP)

Coty (COTY)

Sehr starke steigende Konsolidierung. So eine Struktur nach einem ersten Schub führt ohne neue Überraschung deutlich wahrscheinlicher weiter nach oben als umgedreht:

AT&T (T) ZH3 ZH5

Im Forum war ja auch wieder das Thema, ob man als Investor T wegen seiner Dividende im Depot haben kann.

Die Antwort ist nicht Schwarz/Weiss und ich denke alle haben nun erlebt, dass einem die Dividende wenig nützt, wenn eine Aktie abschmiert. Sicher kann man dann sagen "ja aber langfristig", aber erstens weiss man das nicht sicher und zweitens hätte man ja auch nach dem Abschmieren kaufen können.

Auch eine T ist im Depot also besser dran, wenn sie in den Kursen wenigstens seitwärts läuft und nicht jedes Jahr um 10% verliert. Andererseits ist der Cashflow von T wirklich gut genug, dass man sich keine großen Sorgen machen muss, man kann diese Dividende also durchaus langfristig betrachten.

Womit das so ein Ding ist das man machen kann, aber nicht machen muss - je nach Strategie und Erwartungen kann das Sinn oder weniger Sinn machen.

Schön wäre aber in jedem Fall, wenn man wüsste dass der Kurs sich stabilisiert und da habe ich eine gute Nachricht für sie: Es sieht aktuell so gut aus wie lange nicht:

Das könnte ein Boden werden - Konjunktiv. Es ist bei T auf jeden Fall die relativ beste Ausgangslage seit Jahren, um sich diese Dividende ins Depot zu legen, wenn man denn unbedingt will, weil man auf solche Aktien steht.

Ganz brav ZH1

So, heute war der Tag der längeren Texte im Stream, der SPY dagegen hat ganz brav schon wieder das Grün erobert, im Westen also nichts Neues!

Der Markt macht weiter ganz berechenbar was er sollte. Irgendwann wird das anders werden, ob noch vor dem Jahreswechsel ist aber keineswegs klar.

Wir sollten das daher auch geniessen, statt uns jeden Tag Sorgen um hätte/könnte/würde/sollte zu machen. Wenn sich diese berechenbare Stabilität ändert, merken wir das hier als Erste und dann reagieren wir halt.

Einen schönen Abend wünscht

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Kolben und Getriebe(ne)



Wie ein Pferdchen vor einer zunächst zu beeindruckenden Hürde, hat der DAX kurz vor den Allzeithoch "verweigert" und sicherheitshalber den Rückwärtsgang bis 12.300 eingelegt und damit das Gapfill des Eröffnungsgaps vollzogen. Viel hinein geheimnissen muss man da aber nicht, es kann auch noch etwas weiter runter gehen, ein weiterer Versuch dürfte aber folgen:

Der S&P500 eröffnet durchwachsen, für den Ersten des Monats eher schwach. Da hilft auch Tesla nicht, die wie erwartet anziehen und das mit Karacho, ca. 5% stehen nun zu Buche und damit Allzeithochs die bisher vom September 2014 mit 291,42 USD notierten.

Gleichzeitig wurden nun nacheinander zwei Gaps aufgerissen, von deren Schliessen man "normalerweise" in der Nähe von Allzeithochs ausgehen sollte. Allerdings bin ich bei Tesla nun nicht sicher, da ist scheinbar richtig Druck darauf und der Markt weiss, dass die Aktie immer noch zu "billig" ist, falls der Durchbruch mit dem Model 3 gelingt.

Der grosse Ausbruch nach oben aus der mehrjährigen Konsolidierung ist also nicht mehr weit. Und wenn der Markt davon überzeugt ist, dass Tesla das Model 3 wie geplant auf die Strasse bekommt, wird er mit seiner Bewegung auch nicht warten, bis das Faktum ist. Sie wissen ja, "Buy the Rumor - Sell the Fact" ist eher das Motto des Marktes.

Das wäre jetzt ein guter Moment, um das ganze bärische Gebrabbel der letzten Jahre von der überbewerteten Tesla-Aktie mal einem Review zu unterziehen, ich will aber gnädig sein und den Mantel des Schweigens über all diese Aktienversteher decken. Der Punkt ist ja nicht, dass Tesla nicht hätte scheitern können und sie können immer noch scheitern.

Der Punkt ist, dass wenn der ganze Markt so einer immens gut beobachteten Aktien eine bestimmte Wertung zubilligt, es schon eine gehörige Portion Selbstüberschätzung dazu gehört, das vom Küchentisch fundamental alles besser einschätzen zu wollen. Alles was wir als Anleger am Küchentisch wirklich hatten und haben ist das Chart und das war eben lange in einer breiten Range, in der Tesla seinen ursprünglichen Schub abgebaut hat - nicht mehr und nicht weniger.

Und weil es diese Range gab, bin ich dieser Aktie seit 2014 auch fern geblieben. Nun aber, seit einigen Wochen, ist mit dem Näherkommen des Model 3 klar, dass das die grosse Entscheidung werden dürfte und die Range sich auflösen dürfte. Entweder schafft Tesla nun den Model 3 Rampup und dann werden sie deutlich teurer notieren. Oder sie laufen in ein ernst zu nehmendes Problem und dann geht es nach unten weg.

Mit dem letzteren, bärischen Szenario hätte ich auch kein Problem, dann wird eben wieder verkauft, die Stops erlauben jetzt schon eine Sicherheitsmarge, so dass man in jedem Fall im Grünen aussteigt. Ärgerlich wäre es nur, weil die ganzen Tesla-Versteher dann "siehste!" rufen könnten und 100% würden, dabei hat dann ein blindes Huhn auch mal nur ein Korn gefunden, denn wenn das Schicksal würfelt, kommt irgendwann auch mal die Zahl die man geraten hat. 😉

Wenn man sieht, wie sich gerade der VW Konzern in selbst induzierter Paralyse befindet und sich in Selbst-Beschwörungen ergeht, kann einem bei der Dynamik des Geschehens auf jeden Fall Angst und Bange um die bisher weltweit im oberen Segment dominierende deutsche Autoindustrie und damit den stärksten Jobmotor des Landes werden.

Wobei um die Top-Zulieferer braucht man sich wohl keine Gedanken machen, so sie nicht Kolben und Getriebe herstellen. Die sind einfach gut und werden immer an wen auch immer verkaufen, der dann die Welt des Fahrens dominiert. Auch BMW und Mercedes werden als etablierte Oberklassen-Marken sicher ihren Weg machen, die sind ja heute schon eher Reseller und Systemintegratoren als echte Auto-Hersteller. Im Zweifel werden sie übernommen. Aber der Bauchladen Volkswagen mit seiner schwierigen, Innovation eher abträglichen Polit-Kultur? Ich weiss nicht, ohne einen kreativen Diktator ala Piech wird das schwer und vom Bonvivant Wolfgang Porsche erwarte ich da wenig bis nichts an positivem Einfluss. Aber sie werden bestimmt eine Arbeitsgruppe bilden, das hilft dann sicher .... 😉

Ich habe hier mal den Kurs von Volkswagen und dem DAX im Vergleich. Mehr muss man wohl nicht zeigen um zu beweisen, dass meine Skepsis oben eher Marktkonsens denn konträre Sicht ist. Auch hier argumentiere ich also nicht gegen den Markt sondern mit ihm und das ist gut so. 🙂

Aber zurück noch einmal zum US Markt. Die Schwäche am Ersten des Monats die sich gerade entwickelt, ist nicht besonders schön. Wir sehen daran, dass wir es letzte Woche wie ich mehrfach sagte eben mit dem typischen Window-Dressing zu tun hatten und wir nun vor einem neuen Spiel im 2. Quartal stehen. Auf jeden Fall wurde nun in kurzer Zeit der halbe Anstieg der letzten Woche schon wieder wett gemacht:

Wir sollten auch nicht ignorieren, dass wir damit immer noch im Abwärtstrend seit dem 01.03. sind, das Chart habe ich schon letzten Freitag gezeigt, fügen Sie die heutige Abwärtsbewegung rechts gedanklich an:

In den US Indizes, schwebt also immer noch diese vermaledeite Korrektur über unseren Köpfen, was die Navigation schwierig macht. Auf die europäischen Märkte, schaue ich weiter optimistischer.

Ich kann aber nur erneut appelieren ruhig zu bleiben, auch wenn es sich wie eine gesprungene Schallplatte anhört. Wir müssen nach dieser initialen Schwäche erneut schauen, ob sich wieder Stärke im späten Handel anschliesst, dann sind wir weiter im alten Environment. Wenn nicht, dann wird es interessant.

So weit für heute, machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Volkswagen – Das Debakel geht weiter

Der folgende Artikel weiter unten, erschien letzten Freitag 18.09.15 09:20 in Hari Live.

Da wusste ich von dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei US Dieselfahrzeugen natürlich noch nichts.

Aber die Markttechnik hat uns trotzdem den Weg gewiesen - nach unten!

Zum Sachverhalt kann ich, wie am Wochenende im Forum der Mr-Market Community geschrieben, nur festhalten, dass damit den Aktionären und dem Image der ganzen deutschen Autoindustrie schwerster Schaden zugefügt wurde. Da müssen in meinen Augen Köpfe rollen und nicht nur Bauernopfer!

Denn entweder hat es die Zentrale nicht gewusst, dann zeigt es mir persönlich, dass die Zentrale den Konzern mit dem gelebten Zentralismus nicht mehr im Griff hatte. Oder die Zentrale hat es gewusst.

Ich bin nicht sicher, was schlimmer wäre. Wahrscheinlich wäre es weniger schlimm, wenn es die Zentrale wusste und bewusst toleriert hat. Dann wäre wenigstens noch sicher gestellt, dass der Konzern nicht aus dem Ruder gelaufen ist.

So aber kann ich nur die Worte des alten Fuchs Ferdinand Piëch im Sinne "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn" in Erinnerung rufen. Schauen wir doch mal, wie sich die VW Aktie entwickelt hat, seit diese Worte von Piëch gefallen sind und ihn interessierte Kreise, dann nach meiner damaligen Wahrnehmung medial als "alten, störrischen Mann" haben aussehen lassen, der "endlich mal weg muss" .....

Übrigens, die Charts des DAX werden dadurch auch mal wieder verzerrt, ganz so schwach wie er heute aussieht, ist der DAX dann doch nicht. Aber das kennen wir ja schon aus den Zeiten der Porsche Übernahme, damals in die Gegenrichtung.

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Freitag 18.09.15 09:20

Sie erinnern sich ja sicher an meinen Artikel von Montag 13.07. zum -> Problemfall Volkswagen <-

Der war offensichtlich prophetisch und hätte einen sehr profitablen Short generiert. Da können wir nun doch noch einmal auf das Chart schauen:

VW 18.09.15

Die harte Wahrheit, die VW Aktionären nicht gefallen dürfte ist:

Das Chart ist extrem schwach, VW hat nach dem 24.08. keinen überzeugenden Rebound zusammen bekommen. Vergleichen Sie das mal mit Charts unserer "guten Reversal", die wir zuletzt besprochen haben.

Weiter signalisiert das OBV keinerlei Besserung und die Struktur hat den Charakter eines zulaufenden Keils, der eher zur Trendfortsetzung (hier nach unten) neigt.

Nun steigt auch noch der Euro zum Dollar. In Summe gibt es daraus eine naheliegende Schlussfolgerung: weiter Finger weg!

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Hari Live – Archiv 12.04.15 – 18.04.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 12.04.15 - 18.04.15

Freitag 17.04.15 19:05 - Morbus Ursachus

Ich habe zum Abend noch etwas zum Schmunzeln. Ich habe mich ja gestern Donnerstag 16.04.15 14:50 im Artikel "Warum", ausführlich über diesen medialen Blödsinn ausgelassen, unbedingt immer einen singulären Grund für eine Marktbewegung finden zu wollen.

Nach den von mir hier zitierten Medien, hatten wir ja schon als "Gründe":

1) Technische Überdehnung
2) Opex
3) China
4) Draghi
5) Griechenland
6) Schäuble

Ich bitte um Nachsicht, falls ich etwas vergessen habe. 🙂

Nun haben wir aber noch einen siebten Grund. Lesen Sie hier auf Reuters zum heutigen Bloomberg-Desaster:
-> Bloomberg Ausfall sorgt für Aufregung an den Märkten <-.

Ich zitiere:

Händlern zufolge war die Panne einer der Gründe für einen rasanten Rutsch an den europäischen Börsen

Aha! Ich weiss zwar nicht so recht, warum Kurse von Geisterhand fallen, wenn Händler nicht mehr an ihre Terminals kommen und dann auch nur in Europa fallen, aber "you never know". 😉 Folgerichtig haben wir nun also als weitere "Ursache":

7) Bloomberg

Ich finde diese Liste ebenso lustig wie bezeichnend. Denn wissen Sie, was die Wahrheit ist?

Weiterlesen ...

Tesla Motors – Eine Ohrfeige für Winterkorn, Piëch, Zetsche und Co.

Treue Leser dieses Blogs erinnern sich sicher an meinen Artikel zu Tesla Motors von Februar 2012, mit dem Titel
-> Tesla Motors - die Zukunft des Automobils <-

Schon damals habe ich die provokante Frage gestellt, Zitat: "ob nicht die etablierten Konzerne bewusst die Entwicklung hemmen, weil sie Angst um Ihre gewaltigen Margen im Premium-Segment haben".

Nun ist im letzten Jahr viel passiert. Tesla hat den entscheidenden Sprung hin zur Serienproduktion geschafft. Die Autos verlassen nun die eigenen Bänder und die Produktion ist schon auf absehbare Zeit ausverkauft. Die Marke wächst in ihrer Strahlkraft und Elon Musk, als der ausgewöhnliche Mann der nicht nur Tesla nach vorne schiebt, sondern mit Space-X "nebenher" mal eben als erstes privates Raumfahrtunternehmen die ISS versorgt, trägt natürlich zur Strahlkraft bei.

Gleichzeitig begann die deutsche Autoindustrie in den letzten Monaten, das Thema der Elektromobilität klein zu reden. Elektroautos werden als nicht ausgereift dargestellt und in die Ecke kleiner unattraktiver "Nuckelpinnen" für den Stadtverkehr geschoben. Ich nehme dabei Norbert Reithofer ausdrücklich aus und sein Name taucht daher auch nicht im Titel auf. Denn BMW ist ausdrücklich die löbliche Ausnahme, die sich mit Innovation und unternehmerischen Risiken aktiv um den Einstieg in diese neue Welt bemüht.

Das Daimler unter Zetsche sich weiter verzettelt und selbst noch mit der Brennstoffzelle zugange ist, ist nicht sehr überraschend. So wird auf jeden Fall kein produktiver Fortschritt erreicht. Da muss wohl erst ein Führungswechsel her, bevor Daimler endlich wieder in die Spur findet.

Ein Trauerspiel finde ich persönlich aber die Aufstellung des VW Konzerns. Es gibt dort wahrlich genügend Marken mit benzingetriebenen PS Kolossen, dass man eine zum innovativen Flagschiff machen und auch mal etwas riskieren könnte. Ob Bentley, Bugatti, Lamborghini oder Porsche ist letztlich egal. Auch wenn die Blechkarosse anders aussieht, ist unter jeder Marke doch letztlich die gleiche, abgehangene Motor und Antriebs-Technik - nur teilweise zur Dinosaurier-Grösse aufgeblasen. Wirkliche Innovation wird dagegen schmerzlich vermisst und durch technischen Firlefanz ersetzt. Zumindest erlebe ich persönlich das aktuelle Angebot so.

Wirkliche Innovation wird aber vielleicht nicht gewollt, anders kann ich persönlich die derzeitige gefühlte Tatenlosigkeit von Winterkorn und Piëch zum Thema nicht werten. Denn an Marken und Kapital für einen innovativen Ausflug mangelt es im VW Konzern nun wahrlich nicht. Man muss sich ja auch klarmachen, dass diese neue Welt die Kernkompetenzen deutscher Autobauer massiv bedroht. Denn deren Kernkompetenz liegt gerade in der komplexen Technologie rund um Otto- und Diesel-Motor. All das wäre aber mit einem rein elektrischen Antriebsstrang mit einem Schlag weg und irrelevant. Hundert Jahre altes Wissen würde in kurzer Zeit zu altem, rostigen Plunder, über den die Geschichte hinweg gegangen ist.

Insofern macht es rein wirtschaftlich jede Menge Sinn, das Thema Elektroantrieb klein zu reden und möglichst lange noch die Margen der Sprit-Dinosaurier mitzunehmen. Und insofern kann ich die Bremsversuche der deutschen Autoindustrie gut verstehen.

Nur darf man dabei nicht den Fehler machen, anderen die im Premium-Bereich frei werdende Nische für innovative Fahrzeuge zu überlassen. Und man darf nicht glauben, dass man den Lauf der Geschichte aufhalten kann. Zu offensichtlich sind die systembedingten Vorteile eines rein elektrischen Antriebsstrangs. Denken Sie alleine an die Spritkosten für 100km versus die Stromkosten. Und das man den Platz unter der Fronthaube bei einem Elektroantrieb ganz erstaunlichen Verwendungen zuführen kann, hat ja dieser Test des Tesla Model S des österreichischen -> ÖAMTC <- eindrucksvoll bewiesen. 😉 Nein, man muss die Zeit die man mit Bremsversuchen geschenkt bekommt unbedingt nutzen, um selber an der Spitze der Technologie dabei zu sein.

Nun waren das aber bis vor kurzem in Deutschland alles abstrakte Überlegungen und insofern hatte die Autoindustrie mit ihren Bremsmanövern leichtes Spiel. Wer hatte auch schon von Tesla gehört und selbst wenn Elon Musk ohne jede Frage eine der herausragendsten unternehmerischen Persönlichkeiten der Gegenwart ist, wer kannte den schon, ausserhalb einer kleinen, eingeweihten Gemeinde ?

Das ändert sich aber gerade. Tesla Motors kommt nach Europa und auch diese Produktion ist schon wieder ausverkauft. Den Test des ÖAMTC habe ich oben schon verlinkt. Noch wirksamer dürfte aber der Langstreckentest sein, den nun Redakteure des angesehenen Manager-Magazins gemacht haben. Das für Winterkorn & Co. eher peinliche Fazit lautet:
"Dieses Auto ist zu gut für Deutschland ! "Lesen Sie unbedingt nun selbst:

-> Tesla Model S Fazit I: Dieses Auto ist zu gut für Deutschland ! <-
-> Tesla Model S Fazit II. Anti Verzichtsmobil mit kleinen Makeln <-

Glauben Sie jetzt noch die ganzen Geschichten, dass Elektroautos noch nicht reif seien und bestenfalls als unattraktiver Kurzstreckenwagen durch die Städte schaukeln können ? Fühlen Sie sich nun nicht auch etwas veräppelt ?

Und bitte bedenken Sie, dass das Manager Magazin bei den Entscheidern der deutschen Industrie eine sehr hohe Reichweite hat. Denn während die deutsche Autoindustrie versucht Elektroautos in die Verzichtsecke unattraktiver "Nuckelpinnen" zu stellen, erwächst hier am oberen Ende des Marktes grosse Gefahr.

Wir haben hier mit Tesla eine echte Marke, die in Kalifornien schon von nahezu jedem begehrt wird, der Rang und Namen hat. Verbunden mit dem charismatischen Elon Musk an der Spitze, hat diese Marke all die Inkredenzien, die auch Apple unter Steve Jobs auszeichnete.

Und das verfehlt schon jetzt nicht seine Wirkung. Ich war in diesen Fragen schon immer gerne bei der Avantgarde dabei, bin seit über 20 Jahren - dank eines genialen Ingenieurs namens Ferdi Piëch - treuer Audi Kunde und habe noch genau in Erinnerung, mit welchen grossen Augen mein nach Mercedes und BMW süchtiges Management schaute, als der Chef damals mit einem neuen Audi auf den Hof fuhr. Einem "Wackeldackel-Audi". Igitt ! Ein paar Jahre später war allen klar, dass Audi damals eher die Avantgarde der Marken war und der Wackeldackel wurde an die Mercedes Fahrer weiter gegeben.

So funktioniert das halt mit Marken, bevor sie die breite Masse erreichen, werden sie vom Image der Wenigen aufgeladen. Denken Sie erneut an Apple und warum es jahrelang ein "must have" war, so ein weisses Ding mit sich herum zu schleppen.

Und heute ? Heute ärgert mich Audi - wie andere deutsche Marken auch - mit lächerlichen, 50 km weit reichenden Hybriden und überteuertem technischen Firlefanz, der zwar ganz nett ist, aber auch nicht wirklich nötig, um mit Spass Auto zu fahren. Und wenn ich mir anhören muss, dass Elektroautos noch nicht reif wären, komme ich mir veräppelt vor.

Um es den Herren bei Audi, Volkswagen und Daimler mal ins Stammbuch zu schreiben: Ich habe auf diese spritfressenden Karossen keine Lust mehr, ich will nun einen Tesla haben - oder ein Auto deutscher Prägung mit gleichem Leistungsvermögen. Und wieder steht die Zeitenwende an und Chefs und Prominente werden als Erste mit Teslas auf den Hof fahren. Und die Hälse werden sich drehen. Und die Benzin-Dinosaurier dagegen unglaublich alt aussehen.

Das ist die Zeitenwende im Automobilbau, die nun nur noch Jahre entfernt ist. Und wen könnte ich besser als Testimonial dafür aufrufen, als die Schwarmintelligenz von Mr. Market. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart von Tesla Motors (WKN: A1CX3T) seit Mitte 2012:

Tesla 29.04.13

Mr. Market hat sein Urteil gesprochen. Tesla hat seine kritische Phase mit dem Anlauf der eigenen Produktion überwunden. Aus Tesla Motors ist nun ein echter Automobilhersteller und eine vollwertige Marke geworden. Das rechtfertigt eine komplette Neubewertung des Titels.

Und natürlich, nach diesem parabolischen Anstieg steht nun auch früher oder später mal wieder eine Korrektur an. Aber diese könnte eher Kaufgelegenheit sein. Denn wenn die deutschen Premiummarken Tesla weiter so eine offene Flanke bieten, bei den "Early Adaptors" wie mir abzuräumen, dann wird die Aktie noch in weit höhere Regionen steigen.

Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Artikel am wohlig, selbstgefälligen Gefühl rüttele, die deutsche Autoindustrie sei unangreifbar. Und das man meine Worte daher nicht gerne lesen wird. Aber Hochmut kommt vor dem Fall. Und die Dinosaurier sind dann ausgestorben, als sie oberflächlich betrachtet am grössten und mächtigsten waren. Und natürlich sind die Batterien noch nicht so billig, dass man damit wirklich im Massenmarkt bei Autos für 20.000€ erfolgreich sein kann. Dieses Argument ist geschenkt.

Aber Marken - die dann später auch die Masse will - werden immer bei den Early-Adaptors geschaffen. Und sinkende Preise für die Batterie-Technologie sind nur eine Frage der Zeit, sobald ein Hersteller mal wirklich in Serie produziert und steigende Stückzahlen erzeugt. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass man in absehbarer Zeit auch Autos wie einen Tesla in Preisregionen von 30.000 und 40.000€ bauen kann. Es weiss nur keiner, wie viele Jahre das noch dauert. Je schneller Tesla aber Erfolg hat und die Stückzahlen steigen, desto kürzer wird dieser Zeitraum.

Die entscheidende Schlacht wer für innovative Autos steht, wird aber gerade geschlagen. Hier in der Gegenwart, einer Gegenwart in der es für die deutschen Autobauer vermeintlich so rosig aussieht. Und mit Ausnahme von BWM träumen die deutschen Hersteller zum Thema vor sich hin. In Anbetracht der extremen Bedeutung, die die Wertschöpfungsketten der Autoindustrie für Deutschland als Industrienation haben, muss man in Richtung von Winterkorn, Zetsche und Co. einfach rufen:

Hört auf zu bremsen und wacht endlich auf ! Ich will keinen Sprit-Fresser mehr !

Und wenn bis dahin nicht endlich hier im Lande was passiert, dann wird wohl eher das kommende -> Tesla Model X <- mein nächstes Familienauto. Und Audi hat einen treuen Kunden verloren, der durch Ferdi Piëch vor langer Zeit zur Marke kam.

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