Hari Live Stream 25.11.20

Traditionell Bullisch ZH2

Der heutige Mittwoch vor Thanksgiving und der handelsmässig bis 19 Uhr MEZ verkürzte Freitag (Black Friday) sind traditionell starke Börsentage, die fast immer einen positiven Ton haben. Bisher gibt es kein Indiz, dass es dieses Jahr anders ist.

Der kommende Montag nach Thanksgiving hat dann gerne Gewinnmitnahmen und leichte Schwäche, was aber in der Regel ein "One Day Wonder" ist und am starken Jahresende nichts ändert.

Der heutige Mittwoch hat deutlich herabgesetztes Volumen und ab Mittag ET - also bei uns ab 18-19 Uhr MEZ - geht der Markt in den Tiefschlaf über, das Volumen trocknet aus, weil die Händler schon damit beschäftigt sind, nach Hause zu ihren Lieben zu kommen.

Heute sieht das im Future so aus, leichte Abgaben nach der gestrígen Rally, was zunächst völlig normal ist:

Der Elfenbeinturm der EZB

Hier können sie den Elfenbeinturm der EZB bewundern:

-> EZB-Chefsvolkswirt: Höhere Inflation wichtiger als Finanzstabilität <-

Die EZB redet wie ein Blinder von den Farben erneut von der Inflation und einem "Inflationsziel", ja sogar von "makroprudenziellen Instrumenten" - hört sich doch klug an, oder? 😛 - hat aber nicht den blassesten Schimmer, warum die Güter-Inflation trotz eines QE nach dem anderen seit 10 Jahren nicht steigt. Dabei sollte sie doch und es war ausdrücklich gewünscht.

Was würden sie von einem Arzt halten, der bei ihnen 5 Medikamente ausprobiert hat um ihren Blutdruck zu heben, von denen aber keines funktioniert hat. Und der selber keine Idee hat warum die nicht funktionieren, sich aber auf Tagungen in gewichtigem Ton und "Experten-Sprech" über "medizinische Instrumente" zum Blutdruck auslässt.

Und noch schlimmer, was würden sie denken, wenn sie die Antwort zu kennen glauben und die so einfach wie "Asset-Inflation" ist? Wenn der Blutdruck also schon längst massiv steigt, vom Arzt aber mit dem falschen Gerät inkompetent gemessen wird?

Sie würden sich an den Kopf tippen und den Arzt für einen Quacksalber und Dummschwätzer halten. Oder? Vielleicht sind es aber auch nur die "intellektuellen Technokraten", über die Taleb sich immer auslässt.

Emerging Markets vs US Märkte ZH4 ZH5

Neben den ganzen Sektoren-Themen, ist auch das Verhältnis der Emerging Markets (incl China) zu den US Märkten für unsere strategischen Anlageüberlegungen interessant.

Dazu wollen wir uns mal die Korrelation der ETFs EEM und SPY anschauen und zunächst langfristig im Monthly.

Was wir sehen ist eine gewaltige Reise der Emerging Markets zu relativer Stärke im Jahr 2010 und dann seit einem Jahrzehnt wieder zurück.

Die Frage steht im Raum, ob da nun bald wieder eine Zeitenwende ansteht? Was ja nicht heisst dass die US Märkte schlecht laufen, aber die EMAs halt dann relativ besser:

Auf Ebene ZH5 ist da noch nichts Definitives zu sagen, aber auf Ebene ZH4 mit Wochenkerzen wird es langsam interessant, oder?

Die McKesson (MCK) Story ZH5

Eine Aktie, der ich einen eigenen Beitrag als langfristiger Trade oder als mittelfristiges Investment widmen will, ist der Medizin-Distributor McKesson.

Wenn sie schnell 2+2 zusammenzählen, dann ahnen sie die Logik schon. Denn bei MCK vereinen sich nun langfristige Aufholeffekte mit einem speziellen Trigger.

Dann was wird es ab Januar weltweit brauchen, wenn die Impfungen in Milliarden die Welt erreichen?

Genau es braucht die Logistik und Erfahrung um Medikamente in Massen zu verteilen und das in Mengen und zeitlich gepresst wie historisch bisher kaum, was wiederum auch erlauben wird, gute Preise dafür zu verlangen.

Und wer ist dafür gut positioniert? Eben, die Spezialisten für "Medical Distribution" wie MCK!

Die Staaten und Big Pharma werden bei Covid keine langen, zeitraubenden Ausschreibungen laufen lassen, sie werden auf die etablierten Marktführer zurückgreifen, um die Impfungen schnell zu verteilen.

Der Markt ahnt das wohl schon, schauen sie was seit November im Kurs passiert, wir sehen aber auch schnell im ZH5, dass das nicht das Ende der Bewegung sein muss.

MCK ist also einen perspektivischen Blick wert, ich bin kein Spezialist für diese Logistik und kann ihnen nicht sagen wie stark MCK wirklich profitieren wird, aber der Markt scheint das recht optimistisch zu sehen:

Aktien des Tages ZH3

Nicht viel los heute, nach der Party gestern aber kein Wunder.

Autodesk (ADSK)

-> Gute Zahlen bei Autodesk <-

Unilever (UN)

Aber Vorsicht, da kommt - ich glaube Anfang Dezember - die Konzentration auf die rein britische Notierung der Aktie. Die niederländische Notierung entfällt.

Ich habe mich *nicht* damit befasst was das bedeutet, die Zeit ist mir zu schade. Wer sich damit nicht befassen will, legt sich UN wie ich auf eine Watchlist bis das vorbei ist.

Nordstrom (JWN)

Noch einmal Läden, die aus dem Loch kommen:

Paypal (PYPL)

Paypal profitiert von der neuen Bitcoin-Phantasie:

Virgin Galactic (SPCE)

Thermo Fisher Scientific (TMO) ZH3 ZH5

TMO hat schön und sauber eine notwendige Korrektur vollzogen, zu weit war die Aktie von der langfristigen Steigung enteilt.

Es hätte nun durchaus Logik, wenn die Aktie hier im Sinne einer 3-stufigen Korrektur zur Trendfortsetzung ansetzt. Sollte das nicht der Fall sein und es zu einer 5-stufigen Korrektur kommen, spricht das Volumenprofil dafür, dass diese dritte Abwärtsphase dann nicht mehr sehr viel weiter nach unten geht.

Der langfristige Blick auf das Monthly (ZH5) offenbart, dass bis zur langfristigen Steigung, die ungefähr von den gleitenden Durchschnitten definiert wird, noch einiges Korrekturpotential existiert, ohne dass es die bullische Grundstruktur der Aktie in Frage stellen würde.

Das ist durchaus denkbar, ich kann ihnen aber nicht sagen, ob die Aktie mittelfristig noch weiter korrigieren will. Aus Sicht ZH3 sind die Chancen nicht schlecht, dass es nicht mehr viel weiter abwärts geht, aus Sicht ZH5 ist noch Luft.

Das ist also ein Moment, wo man einen Einstieg finden kann oder die Positionsgrösse wieder um eine Stufe erhöhen kann, nicht aber um "all in" zu gehen.

Verfehltes Klein-Klein

Ich bin seit Februar wahrlich milde mit der Politik in Sachen Covid, diese Güterabwägungen im Ungewissen sind alles andere als leicht und ich bin deswegen bereit bei Vielem ein wenig die Augen zuzudrücken, solange die Richtung stimmt.

Zunehmend verliert sich die Politik nun aber in verfehltem Klein-Klein, das mehr Aktionismus denn sinnvolle Planung ist, wie -> heute auch wieder mit den neuen Beschlüssen <-.

Es ist nicht Aufgabe des Kanzleramtes sich Gedanken über Fenstersitze in Zügen zu machen, diese frickelige "Optimimierung" im Kleinen generiert nur weitere Ungerechtigkeiten und unsinnige Vorschriften.

So stehen Schulkinder, die den ganzen Tag im Unterricht Maske tragen und auf Abstand achten sollten, dann in Schulbussen zB wieder eng gepresst eng an eng, während gleichzeitig Betriebe wie bspw gut organisierte Nagelstudios, die sowieso nur mit Masken arbeiten und hervorragende Sicherungsmaßnahmen haben, komplett schliessen müssen und von uns - dem Steuerzahler - durchgefüttert werden, wofür dann als "Dank" Steuererhöhungen kommen werden.

Und warum Kinder in Klassen und Mitarbeiter in Büros sitzen dürfen, Gäste aber nicht im Restaurant wenn das gut gelüftet ist und auf Abstand achtet, kann auch niemand erklären.

Wie gesagt, ich bin da sehr milde und will mich gar nicht über die Details echauffieren, aber die Politik ist eindeutig falsch abgebogen und befindet sich auf dem Pfad des dirigistischen Rumfrickelns am Detailzipfel, was auch beim Steuerrecht nur zu Chaos geführt hat.

Was es bräuchte sind klare, dauerhafte, strategische Vorgaben bundesweit, die dann lokal konkret umgesetzt und von den Behörden überprüft bzw interpretiert werden. Dafür braucht es nicht alle 2 Wochen Sitzungen im Kanzleramt, sondern einmal Hirn und einen langfristigen Kompass und eine Strategie.

Wenn Politiker mit dieser verfehlten Detaillogik das Grundgesetz geschrieben hätten, wäre es nicht so elegant geworden wie es ist, sondern ein Werk mit tausend Ausnahmen, dick wie die Encyclopedia Britannica. Und ein Programmierer der so programmiert wie die Politik Gesetze und Regeln macht - ohne Blick für die großen Linien - gehört schlicht rausgeworfen und zurück in die Schule geschickt.

Für die großen Linien war auch im Sommer genügend Zeit, was die Politik daraus (nicht) gemacht hat, kann man exemplarisch -> an den salbadernden Auftritten des Herrn Piazolo <- bewundern, der vor allem seine Unfähigkeit damit belegt.

Falls hier jemand von den Freien Wählern Bayern ist, mit dieser jammervollen Performance an einem zentralen Punkt kommt die 5% Hürde bei der nächsten Wahl schnell näher - von oben!

Da passiert nicht mehr viel ZH1

Der SPY Intraday, ich glaube nicht dass da heute noch viel passiert:

Morgen ist die Wallstreet geschlossen und es gibt daher auch keinen Stream. Am Freitag - meinem freien Tag - ist am "Black Friday" verkürzter Handel an der Wallstreet bis 1pm EST (19:00 MEZ).

Sie bekommen morgen von mir am Vormittag zwei Artikel, damit ihnen nicht langweilig wird. 😉

Ein Artikel von Lehrer Bömmel, der ihnen eine Methode nahebringt, wie man sinnvolle, automatische Stops setzen kann. Und eine Planung für den Blog im Jahr 2021 - langsam kann sich unser Blick auch nach 2021 richten.

Darauf folgt dann am Sonntag wieder der reguläre Wochenausblick auf die KW49, dann haben wir auch den 1. Advent. Wahnsinn!

Bis dahin wünsche ich einen schönen Abend!

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Hari Live Stream 21.04.20



15:25 MEZ - ZH2

Der Markt drückt erneut nach unten, das Chaos um die Ölpreise hilft dabei den Bären. Natürlich sind solche Minuspreise nur Folgen des Auslaufens von Futures mit Lieferverpflichtung, das Grundproblem hat doch aber der ganze Markt, der in einer Überproduktion bei gefüllten Lagern steckt.

Wohin also mit dem Zeug und etwas was nicht gebraucht wird, aber Lagerkosten verschlingt, hat eben eine negativen Wert - das ist ökonomisch völlig sinnvoll.

Gleich würde es übrigens auch Gold gehen, sobald man ala Startrek beim Beamen durch atomare Umformung das Edelmetall einfach erzeugen könnte - dann wäre es wertloses Metall. Nur da sind wir noch nicht. 😉

Damit hat der Markt seit Montag da wo er sollte auch die Richtung eingeschlagen die er sollte und am heutigen Dienstag steht der Markt damit vor einer wichtigen Entscheidung, die Sie auch erahnen können, wenn Sie den unteren Rand der Tagesboxen betrachten:

Noch klarer wird das bei Betrachten des Daily des SPX Futures, da ist sie die Linie, die bei Bruch nach unten, ein Ende des Rebounds implizieren würde:

Heute haben die Bären also wieder eine Chance, ob sie sie ergreifen, werden wir sehen.

16:00 MEZ

Ein Wort von mir zu der in der Gesellschaft aggressiver werdenden Corona-Diskussion, zwischen dem Clash derer, die auf Beschränkungen zum Wohl der Gesundheit drängen und denen, die das alles für Kokolores halten.

Mir gefällt die Aggressivität und Einseitigkeit nicht, mit der diese Diskussion von manchen da draussen geführt wird und ich schaue da mit intellektueller Ablehnung darauf. Denn wer zu diesem Thema mit seinen vielen losen Enden trotzdem mit fest gefügten Meinungen und lauter Bugwelle daher kommt, gibt damit vor allem einen Einblick in die eigenen Egozentrik, aber kann wenig zur Wahrheitsfindung beitragen.

Auch das Politik-Bashing das da teilweise schon wieder im Gange ist, halte ich hier für deplaziert. Ich bin wahrlich als Kritiker unseres politischen Personals bekannt, aber es hält sich in Deutschland im Angesicht der großen Unsicherheit und der Verantwortung für Millionen imho eigentlich recht gut. Selbst mit Merkel habe ich ausnahmsweise mal keine Probleme, auch wenn ihre Sprachwahl wie immer äusserst ungeschickt und vom Gestus des "Alternativlosen" geprägt ist, den ich an ihr so wenig verknusen kann.

Was ich erkenne ist, dass zu viele Menschen die Welt alleine aus der Perspektive ihres direkten Horizonts beurteilen, also aufgrund dessen was sie im Sichtfeld von 100 Metern um sich haben. Und da sieht die Welt ja auch völlig normal aus, wenn ich hier durch den Ort laufe ist es etwas ruhiger als sonst aber darüber hinaus geht die Welt weiter. Ob das aber der richtige Maßstab ist, ist höchst fraglich und der eigene Vorteil ist auch nicht immer mit dem Wohl der Gesellschaft deckungsgleich.

Was wir hier erleben ist letztlich in Realität ähnlich dem folgenden kleinen Szenario, nach den Mustern der Spieltheorie auf den Kern reduziert:

Sie sind darin der Quasi-Diktator in einem Präsidialsystem und für Millionen Menschen verantwortlich. In einem Jahr stehen Sie aber vor der Neuwahl und die läuft offen und ehrlich ab. Sie haben auch schon einen bekannten Konkurrenten.

Nun erhalten Sie überraschenden Besuch von irgendeiner Geheimorganisation, an deren Kompetenz aber kein Zweifel besteht. Diese sagt Ihnen, dass mit 30% Wahrscheinlichkeit in wenigen Wochen ein tötliches Virus durch das Land laufen wird, das große Teile der Menschen für die sie verantwortlich sind, dahinraffen wird. Die 30% sind sicher, nur ob diese eintreffen ist völlig unklar und wird man erst hinterher wissen.

Und dann erfahren Sie auch noch, dass der einzige Weg die Menschen zu schützen ist, sie nun für drei Monate *sofort* nach Hause zu zwingen und das öffentliche Leben knüppelhart zu unterbinden. In allen anderen Fällen wird es zuverlässig zur Katastrophe und Massen an Toten kommen, falls die 30% eintreffen.

Jetzt denken Sie mal ehrlich nach, versetzen Sie sich mal in die Lage. Wie würden Sie entscheiden?

Durchdenken wir es mal.

Wenn Sie die Menschen zu Hause einschliessen und das Virus kommt, wird man es Ihnen nicht danken, weil alle denken, dass ja gar nichts gewesen ist. Sie haben dann zwar die Welt gerettet, aber nicht sich selber.

Wenn Sie die Menschen zu Hause einschliessen und das Virus kommt nicht, sind Sie sowieso der Verlierer, denn die Wirtschaft wird zerstört sein und man wird sie verantwortlich machen. Sie werden nicht nur abgewählt, sondern potentiell noch vor ein Gericht wegen Machtmissbrauchs gestellt.

Wenn Sie die Dinge laufen lassen und das Virus kommt nicht, werden sie wiedergewählt und keiner hat etwas gemerkt.

Wenn Sie die Dinge laufen lassen und das Virus kommt, fangen sie erst nach der ersten Million Toten an heftig durchzugreifen. Das wird dann zwar zu spät sein und es werden trotzdem fast alle sterben, aber sie stehen beim überlebenden Rest positiv da, weil ihre Maßnahmen nun Konsens sind.

Es ist also ganz eindeutig so, dass Sie einen persönlichen Vorteil davon haben, die Dinge laufen zu lassen. Ihr Verantwortungsgefühl gibt Ihnen aber ein, dass Sie sich für die Gesellschaft hier opfern müssen, denn mit Macht kommt auch Verantwortung.

Und nun frage ich Sie: Wären Sie hier der Held den Ihr Land verdient oder der Politiker den es braucht? Würden Sie Ihren Arsch oder die ihnen anvertraute Bevölkerung retten?

Sehen Sie wie schwierig das ist? Und die Schwierigkeit entsteht aus dem Zeitverzug, dass wenn man das Richtige tut, es keiner mehr bemerken wird, ja man Ihnen sogar vorwerfen wird, es sinnlos getan zu haben!

Nun ist die aktuelle Situation natürlich nicht gleich zu dem kleinen Spiel oben, aber sie hat Ähnlichkeiten, die man damit herausarbeiten kann.

Gerade weil der Lockdown das große Problem verhindert hat, wird er nun von manchen angegriffen, weil ja kein Problem da gewesen sein soll. Wenn man den Kritikern die nicht lesen wollen was in anderen Ländern passiert aber den Gegenbeweis führen will, müsste man es erst zur Katastrophe kommen lassen.

Ein Kernproblem der aktuellen Lage, die Unsicherheit, arbeitet das Szenario auch heraus. Übertragen auf unsere Lage ist das die fehlende Faktenlage und die damit verbundene große Unsicherheit, ob bestimmte Maßnahmen wie zB die Schließung von Kindergärten nun sinnvoll oder Überreaktion sind. Die Realität ist: wir wissen es nicht, so oder so.

Es ist also seriös zu kritisieren, dass wir in diesen Bereichen noch keine besseren Statistiken haben, die Unsicherheit bleibt aber so oder so. Und die Politiker müssen mit dieser Unsicherheit umgehen.

Fazit:

Das Problem ist die Unsicherheit, die fehlenden Fakten. Wer diese Fakten nur durch Lautstärke der Meinung ersetzt, statt differenzierte Argumentation, hat sich meine Verachtung redlich verdient!

*Natürlich* besteht das Leben nicht nur aus völliger Keimfreiheit und es müssen gesundheitliche Risiken gegen gesellschaftliche und wirtschaftliche Risiken abgewogen werden.

Natürlich ist das Leid von Selbstständigen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen auch ein Leid und nicht nur das von Toten und Schwerkranken. Es muss eine Abwägung her.

Ich kann aber die Politik nicht kritisieren, dass sie diese Abwägung von der sicheren Seite aus angeht, ich halte es sogar für ethisch geboten. Trump, Johnson, sie alle haben den anderen Weg gewählt und er hat sich bisher nicht als besser herausgestellt.

Unser wirkliches Problem ist das Fehlen von Daten, das Fehlen echter Entscheidungsgrundlagen. Auf dieser wackeligen Grundlage liefert unsere Politik eine ordentliche Vorstellung ab, die ich ausnahmsweise mal nicht kritisiere, auch wenn *hinterher* im Lichte des Wissens, dann manches falsch oder verspätet oder verfrüht gewesen sein dürfte.

Ich würde mir wünschen, dass diese Diskussion mit mehr Augenmaß geführt wird und nein, eine freiwillige Corona-App ist auch nicht der Beginn des Orwellschen Überwachungsstaates. Der kommt sehr wohl, aber auf ganz anderen, ganz leisen Sohlen.

Ich betone an der Börse auch immer, wie wir uns im Lichte von Unsicherheit vortasten müssen, statt die großen Prognosen vor uns herzutragen. Das ist hier im Blog hoffentlich Konsens.

Bei dem Thema ist es nicht anders und es ist kaum zu glauben, da bin ich auch mal mit der Politik einer Meinung.
Vortasten und Abwägen ist angesagt und der einzige, seriöse Weg.

16:40 MEZ - ZH3

Nach diesem langen Text vorher - aus dem ich vielleicht besser einen eigenen Artikel gemacht hätte, aber hinterher ist man immer klüger 😉 - nun aber zurück zum Marktgeschehen.

Wir hatten heute vor dem Handelsstart mit Coca-Cola (KO) und Lockheed Martin (LMT) zwei Aktien, die ich schon im heutigen Video positiv als "investierbar" besprochen habe.

KO wie LMT zeigen sich vom Virus nur mässig (KO) und praktisch gar nicht (LMT) beeinflusst und ich sehe auch keinen Grund, warum sich das nun ändern sollte. Bei KO ist sogar ein potentieller Swing-Trade nun sichtbar, das höhere Tief:

17:00 MEZ - ZH3

Ganz anders als LMT oder KO stellt sich IBM dar, die schon gestern mal wieder -> katastrophale Zahlen <- abgeliefert haben, die zu 5% Minus führen. Das Quartal davor war also ein Ausreisser, aber kein Trendwechsel.

Arvind Krishna ist nun an der Spitze, aber es sind natürlich noch nicht *seine* Zahlen, sondern noch immer die von Rometty, frühestens in einem halben Jahr wird man die Handschrift Krishnas in den Zahlen merken können.

Bei IBM kann man es sich in meinen Augen ganz einfach machen. Aktuell sind die "uninvestierbar", wer hier nur auf die Dividende schielt, wird wohl gleichzeitig auch Kraft Heinz (KHC) die ganze Zeit gehalten haben und dann ist da von meinen vielen Predigten rein gar nichts angekommen.

Aber es kann durchaus sein, dass Krishna die Wende bringt, der Mann macht einen guten Eindruck. Falls das passiert, wird es uns aber das Chart sagen, weil dieser Abwärtstrend überzeugend gebrochen wird. Und *dann* ist der richtige Zeitpunkt zu dem kluge Anleger sich wieder langfristig für die Aktie interessieren. Und wenn nicht, dann nicht.

17:15 MEZ

Übrigens, da ich um 16 Uhr den langen Text zur Corona Diskussion geschrieben habe und die Frage in den Raum gestellt habe, ob Sie in so einer Situation der Held wären, den ihr Land verdient, oder der Politiker den es braucht, habe ich dazu auch eine filmische Vorlage, die ich schon ein paar Mal erwähnt habe.

Vorangestellt sei, dass ich persönlich mit Marvell und den Superhelden nichts anfangen kann, das ist aber kein Urteil und hat einfach mit der eigenen Jugend zu tun. Wer Marvell liebt, tut das mit dem gleichen Recht, wie ich Star Wars oder den Herrn der Ringe.

Ich persönlich mag Superhelden mit Superfähigkeiten nicht, weil die wahren Helden die sind, die aus innerer Stärke agieren, das war mir schon in der Jugend klar.

Wenn ich überhaupt mit einer Figur etwas anfangen konnte, dann mit "Batman", weil es der einzige *Nicht-Superheld* ist, ein Mensch aus Fleisch und Blut, Bruce Wayne, der etwas Besonderes vollbringt. Trotzdem konnte ich auch da nie etwas mit den Verfilmungen anfangen, das war mir immer zu viel Krach-Bumm, Klamauk und oberflächlich.

Und dann kam aber -> Christopher Nolan <-, hat sich mit -> Hans Zimmer <- zusammengetan und eine neue und ganz andere Batman-Trilogie gedreht. Eine Trilogie voller Tiefsinn, voller Psychologie und voller Dialoge, einer geschliffener und überlegter als der andere.

Ich hatte den ersten Film "Batman Begins" nicht im Kino gesehen, weil wie gesagt, hatte ich kein Interesse an dem "Superhelden-Gedöns" und es gab schon so viele furchtbare Batman-Filme, ein weiterer liess mich die Schultern zucken.

Zu Hause habe ich mich dann auf DVD breitschlagen lassen und war wie vor den Kopf geschlagen und sprachlos. Ein *Meisterwerk* kündigte sich da an, das sich mit "The Dark Knight" fortsetzte. Ich halte Nolans Trilogie als Cineast und mit vollem Bedacht für eine der handwerklich besten Trilogien, die je in der Filmgeschichte gedreht wurden! Ich sage handwerklich, weil über Geschmack kann man streiten, über handwerkliche Qualität aber nicht.

Hier das Ende des zweiten Teils "The Dark Knight", genau zum Thema des Helden den wir verdienen, oder den wir brauchen. Bruce Wayne nimmt die Last der Schuld auf sich, damit die Bevölkerung endlich mal einen Politiker verehren kann und sich an seinem Handeln festhalten. Passt durchaus zu dem Dilemma des kleinen spieltheoretischen Experiments von oben:

17:50 MEZ - ZH3

Heute habe ich wenig zu Einzelaktien geschrieben und das ist richtig so, denn die Kernfrage ist eine andere und die wird gerade beantwortet.

Im Wochenausblick habe ich geschrieben:

Solange wir keine klaren Abgaben und neue Schwächephase haben, kann man bei einem mittleren Exposure verbleiben und einfach abwarten. Ich würde aber von hier aus zunächst nicht weiter erhöhen, sondern nach unten wieder aufmerksamer werden - und ansonsten abwarten, wie der Markt nun auf die diversen Zahlen reagiert. Besonders die bisherigen Gewinner müssen wir dabei im Auge behalten, denn wenn die abverkauft würden, wäre das ein starkes Signal, dass der Rebound gefährdet ist.

Und genau das passiert nun, hier der ETF SOXX der Chipaktien und Amazon (AMZN):

Auch die heute Eingangs gezeigte Linie ist gebrochen:

Und die Marketmap ist wieder eine "Sea of Red" wie Anfang März:

Damit ist die Lage klar. Das ist das Signal, das am Wochenanfang schon zu erahnen war: Der Rebound ist zu Ende!

Nun werden wir sehen, ob es die skizzierte, volatile Schaukelbewegung wird oder doch noch eine Art Retest der Tiefs.

Aber hoch wahrscheinlich und recht klar, hat der Rebound nun über dem 50er, aber unter dem 62er Fibo Retracement, sein vorläufiges Ende gefunden!

Wenn Sie meine Worte aus dem Wochenausblick gehört haben, waren Sie darauf wieder auf den Punkt vorbereitet. Nun heisst es wieder abwarten.

Im psychologisch einfacheren Fall bekommen wir nun weitere, klare Abgaben und am Ende im Mai ein klares höheres Tief und *das* ist dann vielleicht das Einstiegsignal, auf das so viele nun gewartet haben.

Im psychologisch schwierigeren Fall, geht es morgen wieder hoch und wir schaukeln nun sorgenvoll mit ungewissem Ausgang, so wie ich das hier mehrfach skizziert habe. Sie sehen wie schön die Kurse sich in die vorher gezeichnete Formation eingebettet haben:

Das iat alles, was wir jetzt wissen müssen. Der Rebound und damit Phase 2 der Krise ist vorbei. Phase 3 hat heute begonnen und was diese am Ende wird, wissen wir noch nicht.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Rückblick 2018 Ausblick 2019


Ein mal im Quartal, mache ich ein "Sabbelvideo", in dem ich frei von der Leber weg dies und das bespreche. So will ich das auch diesen Montag machen.

Allerdings geht es im Video nur am Rande um Börse, es ist sehr persönlich, geht um den Blog, meine Familie, meine Sorgen, Wünsche und Hoffnungen und auch manch politischen Frust.

Summa Summarum ist es ein Video, auf das jeder verzichten kann, der hier primär harte Börseninformation sucht, denn die ist im Video nur Teil-Thema. Wer das aber hier als Community versteht und an den Menschen und auch am Menschen "Hari" interessiert ist, wird wahrscheinlich mit diesen knapp 30 Minuten voller pausenlosem Text, ein wenig Freude haben. 😉

Ich wünsche viel Spaß:

Ihr Hari

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Eine andere Bilanz des Zustands Europas – 7 Jahre nach der Eurokrise

Bald 7 Jahre ist es her, dass die Eurokrise im Herbst 2011 massiv ihr hässliches Haupt erhoben hat. Und nun im Jahr 2018, befindet sich Europa wieder in einer existentiellen Krise, die nur vordergründig auf einer ganz anderen Problematik beruht.

Denn hintergründig, sind nach meiner Ansicht die gleichen Mechanismen am Werk, die 2011 erst die Lage haben so eskalieren lassen: Formelkompromisse, Machterhalt, wirtschaftliches Analphabetentum, Schaufensterpolitik, Etatismus und Kuhhändel, sind die Stichworte dieses Politikstils, der die Lösung nicht in der Substanz, sondern im kleinsten gemeinsamen Nenner findet.

Ohne diese Mechanismen, statt dessen mit zupackenden, pragmatischen, realitätsbezogenen Maßnahmen im europäischen Geiste, hätte es zu dieser Strukturkrise Europas in 2018 nie kommen müssen. Denn auch die Migrations-Krise hat wenn man sie ohne Scheuklappen betrachtet, logische Lösungsansätze, die sich allerdings wie jeder Realismus, nicht mit Hypermoralismus vertragen. Viele negative Entwicklungen die Europa in den letzten Jahren erlebt hat - der Brexit gehört auch dazu - sind nach meiner Ansicht letztlich die Folge des oben beschriebenen Politikstils.

Und viel Wasser ist seit dem Herbst 2011 den Rhein herabgeflossen und viel Papier wurde mit wohlklingenden Formulierungen bedruckt, wie der Euro doch so wunderbar "gerettet" wurde, alles ganz fundiert vom Ende her gedacht - schon klar.

Auch zum Thema Griechenland dringen nun Nachrichten zu uns, dass das Land ja die Krise überwunden hätte. Das glaubt zwar nur, wer der Grundrechenarten nicht fähig ist, da sich aber die Öffentlichkeit herzlich wenig für die Hintergründe dieser Behauptung interessiert, kann man alles Mögliche zur gefühlten Wahrheit umdefinieren.

Das soll jetzt hier aber nicht Thema sein, weil mit länglichen Argumentationen, mit Zahlen und Herleitungen, erreicht man nur die kleine Minderheit, die sowieso schon von alleine in der Lage ist, die Insolvenzverschleppung in Griechenland zu erkennen. Einen Aha-Effekt, erreicht man bei der Mehrheit so nicht.

Ich will mich daher dem europäischen Problem mal auf ganz andere Art und Weise nähern, vielleicht ist das ja eindrucksvoller, gerade weil es nicht argumentiert, sondern nur etwas zeigt.

Wir wissen, dass die Aktienmärkte der Vorlaufindikator der Wirtschaft sind und ihre Kursentwicklung in der Regel ein getreuliches Bild der wirtschaftlichen Leistungskraft abgeben. Wenn die Aktienmärkte am Boden sind wie 2008, dann gibt es in der Regel auch ein substantielles Problem in der Weltwirtschaft. Und wenn sie auf Höchstständen sind, zeigt es wie die Wirtschaft "brummt".

Ich denke das ist unstrittig, auch wenn die Kursentwicklung nicht alleine davon abhängt. Aktienmärkte sind primär von Zukunftserwartungen geprägt und werden auch von schierer Liquidität bewegt, trotzdem bleibt es dabei, dass sie auch ein Indikator für die wirtschaftliche Entwicklung sind, denn in ihnen werden die Wachstum- und Gewinnerwartungen mit einem Preisschild versehen.

Deshalb wäre es doch mal eine gute Idee zu schauen, wie sich denn die US Aktienmärkte und die europäischen Aktienmärkte seit 2011 im Vergleich entwickelt haben. Ich meine, wenn ich den Tenor einiger Medien nehme, müsste es doch klar sein. Dann haben wir in den US ein dysfunktionales, politisches System am Werk, das mit Donald Trump seinen Höhepunkt der Lächerlichkeit erreicht hat. Kurz, knapp und flapsig gesagt, da drüben scheinen ja nur "Idioten" am Werk zu sein. Nur gut, könnte man da meinen, dass wir in Europa leben, wo wir so gut, nachhaltig und wirtschaftsfreundlich geführt werden - immer vom Ende her gedacht natürlich! Und besser als die "Amis", verstehen wir die Welt ja sowieso. Oder nicht? 😉

Also schauen wir mal und vergleichen seit 2011 den großen S&P500 Index der 500 größten US Unternehmen und den Eurostoxx 50 Index, der 50 grössten europäischen Unternehmen:

Upps! Da muss wohl jemand die Skala vertauscht haben, kann das wirklich sein, dass die US Märkte so nach oben geflogen sind und die europäische Wirtschaft nicht vom Fleck kommt?

Das kann doch nicht sein, so gut wie wir regiert werden und so furchtbar die US!

Halt, da gibt es ja einen Fehler im Vergleich, die Indizes werden in Landeswährung verglichen und da es ja zwischen Euro und Dollar auch Währungseffekte gibt, sollte man den Vergleich fair auf Basis eines Maßstabs, einer Währung also, machen.

Nun gut, machen wir das in der Weltwährung Dollar und nehmen auf beiden Seiten ETFs aus dem Dollarraum, womit die Vergleichbarkeit perfekt gegeben ist. Wir nehmen den größten S&P500 ETF SPY und auf der anderen Seite den größten Eurostoxx 50 ETF FEZ. Und nun schauen wir mal, nun wird man die Leistung unserer europäischen Rettungspolitiker bestimmt sehen können:

Autsch, das ist ja noch schlimmer? Und an dieser Stelle verlasse ich den Boden des obigen Sarkasmus wieder und werde wieder ernst.

Denn es ist tatsächlich schlimmer, weil der Euro in der Zeit zum Dollar weiter gefallen ist, sprich an Außenwert verloren hat, sprich alle Besitzer von Eurobeständen im Vergleich zu Dollarbesitzern ärmer geworden sind.

Da haben Sie also den Vergleich der wirtschaftlichen Entwicklung in Europa im Vergleich zu den USA aus Sicht der Kursentwicklung der größten Unternehmen. Und selbst wenn man ein paar Faktoren wie Liquidität aus der Gleichung nimmt, bleibt immer noch genügend Differenz übrig, um das zu einem Dokument der europäischen Schwäche zu machen.

Da sehen Sie, wie gut die Eurozone wirklich "gerettet" wurde. Sie wurde am Leben gehalten, das stimmt. Die Musik wirtschaftlicher Expansion und Innovation, findet aber woanders statt und zwar da drüben über dem Atlantik, wo aus Sicht vieler Europäer die "Idioten" wohnen - je wirtschaftsferner der Autor, desto zuverlässiger wird dieses Urteil gefällt.

Warum der Aufschwung in Europa so jämmerlich ist, hat mit vielen Faktoren zu tun, im Saldo aber mit den Strukturproblemen und Lebenslügen dieses Brüsseler Europas und des Euros, die sich politisch wie oben zeigen.

Dass sich Großbritannien bei der Gestaltung des Brexits nun gerade in den Fuß schießt, ist dabei kein Gegenargument, denn deren politische Vertreter sind auch nicht anders als unsere. Und sich aus dem Brüsseler Verordnungsgewirr zu lösen, wäre eine Aufgabe für einen echten Entfesselungskünstler, den die Briten aber derzeit nicht an der Spitze haben. Die Klebrigkeit des Brüsseler Verordnungsgewirrs und die Schwierigkeit sich daraus zu lösen, sagt aber nichts über die Qualität desselben aus. Die Qualität im Sinne der Auswirkungen auf die Unternehmen, können wir oben im Chart bewundern.

Europa hat einfach ganz tiefgehende strukturelle Probleme, die unter anderem in strukturellen Fehlkonstruktionen wie dem Euro begründet sind, die aber permanent nur mit Formelkompromissen und "weißer Salbe" zugeschmiert werden. Ich nenne das einfach strukturelles Politikversagen, ein anderes Wort fällt mir dafür nicht ein.

Und wissen Sie eigentlich, was das ganz Schreckliche an den obigen Charts ist?

Ich sage es Ihnen: Unsere Leitzinsen sind immer noch bei Null. Was machen wir eigentlich im nächsten Abschwung, der so sicher wie das Amen in der Kirche kommt?

Ihr Michael Schulte (Hari)

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Vorweihnachtliche Diskrepanz



Guten Morgen!

Ich weiss nicht wie es Ihnen geht, aber ich versuche gerade jetzt vor dem Jahreswechsel alles Mediale so weit wie möglich auszublenden. Was die Börse angeht sorgt es nur für "Sensory Overload" und lenkt von den vielen Dingen ab, die man dringend noch erledigen will. Und emotional frustet es mich sowieso nur, den Irrsinn zu sehen, der in diesem Land abläuft.

Ich habe hier einfach mal zwei eher nebensächliche Nachrichten, die man einfach exemplarisch nebeneinander auf sich wirken lassen sollte, mehr muss ich dazu dann gar nicht sagen:

-> Rechtsstaat wird vorgeführt <-. Der Autor ist übrigens Stadtrat der Grünen in Balingen.
-> Beschämender Brief <-

Sie sehen, was dieser Staat besonders gut kann und was nicht. Und verantwortlich sind dafür nicht die einzelnen Sachbearbeiter oder Polizisten, sondern der Fisch stinkt vom Kopf her.

Frustrierend ist das nicht mal wegen der Paralleluniversen, in denen die Verantwortlichen vor sich hindämmern, man könnte die ja demokratisch hinwegspülen. Frustrierend ist es wegen der von mir empfundenen Bräsigkeit von Teilen der Bevölkerung, die mit Fixierung auf die eigene Brieftasche nur sieht "dass es uns ja gut geht". Es geht uns aber nicht gut wegen der klugen Politik der Verantwortlichen, sondern wegen kluger Politik der Vergangenheit und einer Geld-Bazooka der EZB, die Deutschland eine überhitzte Konjunktur verschafft. Aber das wird sich wieder ändern, wie jeder Konjunkturzyklus und eine starke Eiche verfault auch nicht von aussen, sondern von innen.

So bin ich für die einen ein "Miesmacher" und für die anderen jemand, der "noch mit beiden Füssen auf dem Boden der Realität steht". Und in genau dieser Diskrepanz der Wahrnehmung liegt das massive Problem das wir haben und das uns noch heftig auf die Füsse fallen wird. Das einzig Schöne ist, die Zukunft wird zweifelsfrei beweisen, wer ich bin, nur will ich diese Zukunft gar nicht erleben und meinem Sohn wünsche ich eine andere.

Und weil das so ist und es nur frustriend ist, mit diesen offensichtlichen, scheunentorgrossen Strukturproblemen nicht durchzudringen, bleibt nur das Ausblenden und Verdrängen, der Rückzug in die (noch) heile Welt der eigenen vier Wände. Bis es einen auch dort einholt, dem Sohn eines Freundes und Mitglieds hier im Blog, wurde vor kurzem mitten im Supermarkt hier im Dorf angedroht ihn abzustechen, wenn er nicht Geld rausrückt. Raten Sie mal von wem.

Aber wenigstens der Markt macht Freude und tut was zu erwarten war. Heute sollte eigentlich ein kleines Retracement nach dem gestrigen Schub folgen und auch die Sell-the-News Frage stellt sich noch für einen massiv überdehnten US Markt. Aber zumindest dem DAX traue ich nun wirklich was zu, neue Allzeithochs allemal, zumal eine Absicherung ja nun wirklich trivial und naheliegend ist:

Gold zieht weiter an, das kann aber immer noch eine Bärenfalle sein. Jetzt steht das Edelmetall vor dem ersten ernst zu nehmenden Test in dieser Widerstandszone und erst wenn der überwunden ist, fange ich an die Bewegung ernst zu nehmen:

Was den deutschen Markt angeht, sieht Hugo Boss trotz des Einbruchs Anfang November immer noch gut aus:

Denn wir haben hier einen klaren Trend, der mit dem heutigen, markanten Schub bestätigt wird. Und dieser Trend ist nun zu lange und zu stabil, um im grossen Bild noch als Bärenflagge durchzugehen. Das ist ein Aufwärtstrend, dem man durchaus folgen kann.

Ein sehr schönes Chart hat übrigens am deutschen Markt auch Kion Group. Starker Trend, dann Absturz, Gap und nun eine fast perfekte Wendeformation, die noch unter der Nackenlinie verharrt. Das schreit nach Gapfill:

Und für die Investoren unter uns, wird die Zurich Versicherung nun wieder taktisch interessant, die ja sowieso -> seit Ende 2015 <- hier zu den Favoriten gehört, was die Abbildung des Versicherungs-Sektors angeht.

Nun aber haben wir taktisch eine Konsolidierung seit Anfang 2017 in der Eurosicht, die sich nun vielleicht nach oben auflöst:

In CHF haben wir dagegen einfach einen steigenden Trend. Nun kann man fragen, warum ich hier die Eurosicht bemühe, denn es zählt ja immer nur die Sicht auf den liquidesten Handelsplatz.

Das stimmt und bei US Aktien gibt es deswegen nur die Charts aus USD Sicht und bei Aktien des Eurolandes nur die aus Eurosicht, alles andere ist irrelevant, weil Dollar und Euro dominant genug sind, dass sich die Liquidität darin sammelt.

Bei den Weltwährungen der zweiten Reihe, dem britischen Pfund und dem schweizer Franken ist es aber nicht ganz so einfach, dafür sind die Währungen nicht dominant genug. Die Schweiz ist im Euroland eingebettet und viele schweizer Unternehmen werden von Euro-Handelsplätzen aus gehandelt. Und Grossbritannien ist immer noch eng mit den US verbunden und viele britische Unternehmen werden auch direkt an der Wallstreet gehandelt.

So ist es bei beiden Ländern legitim, die Kurse aus zwei verschiedenen Währungssichten zu betrachten und während Zurich in CHF im Aufwärtstrend ist, bildet sich im Euro ein interessantes Ausbruchszenario aus dieser Konsolidierung. So weit für heute.

Übrigens, falls es jemanden interessiert, ich habe mich nun auch für das Tool entschieden, mit dem ich in 2018 kleine Chartvideos erstellen will. Es ist -> Camtasia <-, "Caput" hatte es im Forum schon erwähnt aber unabhängig davon bin ich nach einigen Test auch zum Ergebnis gekommen, dass es für meine Zwecke wohl das beste Tool unterhalb der Adobe Premier Ebene ist.

Damit niemand Sorge bekommt, Chart Videos werden weiter Ausnahme und Ergänzung sein, das Geschriebene ist und bleibt der Schwerpunkt von Mr-Market.

Bis heute Nachmittag!

Ihr Hari

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Der Loch Ness Markt



Guten Morgen!

Ein neuer Tag, eine neue Woche und nichts hat sich an den Märkten geändert. Man hat wirklich den Eindruck, als ob die Märkte in eine "neue Wirklichkeit" eingetreten sind, in der sich die Wasseroberfläche in Form der Indizes nur noch leicht kräuselt, wie der stille See Loch Ness in Schottland. Hoffen wir mal, dass das Ungeheuer darunter wirklich nur eine Legende ist. 😉

Diese Woche startet die Quartalssaison ernsthaft mit den folgenden Namen:

Montag: Interactive Brokers (IBKR), Kühne & Nagel, Netflix (NFLX), Charles Schwab (SCHW)

Dienstag: Amphenol (APH), Citrix (CTXS), Cree (CREE), Goldman Sachs (GS), IBM (IBM), Johnson & Johnson (JNJ), Kinder Morgan (KMI), Morgan Stanley (MS), Temenos, United Health (UNH)

Mittwoch: ASML, Abott Labs (ABT), Alcoa (AA), American Express (AXP), Hexcel (HXL), Valmont (VMI), eBay (EBAY)

Donnerstag: Danaher (DHR), Honeywell (HON), Intuitive Surgical (ISRG), Nucor (NUE), Paypal (PYPL), Philip Morris (PM), Roche, SAP, Textron (TXT), Blackstone (BX), Unilever, Verizon (VZ)

Freitag: BB Biotech, Daimler, General Electric (GE), Ericsson, Manpower, Procter & Gamble (PG), Schlumberger (SLB), Software AG

Viele von uns sind ja Kunden bei Interactive Brokers (IBKR) und werden sicher interessiert auf die Zahlen schauen, denn die Börsennotierung sorgt für eine erfreuliche Transparenz und solange das Chart so aussieht, muss sich wohl niemand Sorgen um seine Einlagen machen:

Fans von Marktmustern fasziniert dabei das deutliche, zulaufende Dreieck, das Mitte diesen Jahres nach Lehrbuch nach oben aufgelöst wurde. Ein Blick auf den "Measured Move" indiziert, dass die Bewegung noch nicht zu Ende sein muss.

An Wirtschaftsdaten liefert bringt diese Woche den ZEW-Index und den Verbraucherpreisindex der Eurozone. In den US Daten zu den US-Baugenehmigungen und Baubeginnen, sowie der wichtige Philly-Fed-Herstellungsindex. Aus China kommt das chinesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das dritte Quartal sowie die Industrieproduktion für September. Im Saldo also eine durchschnittliche Woche.

Was die politische Lage angeht, bringt ein Händler gegenüber "Dow Jones" auf den Punkt, was ich schon vor der Bundestagswahl sagte:

"Für die Märkte ist nur wichtig, dass Deutschland weiter Europa stützt, solange Merkel Kanzlerin bleibt"

Deswegen haben wir auch diese Stabilität in Europa, weil davon ausgegangen wird, dass Jamaika sowieso kommt und wenn nicht, dann doch die SPD einspringt. Solange das Eine oder das Andere passiert, solange Merkel also Kanzlerin bleibt, dürfte es die ausländischen Investoren nicht gross interessieren, wie die Details der Regierung aussehen und sich die neue Regierung bestenfalls auf einzelne Branchen auswirken.

Erst wenn Jamaika scheitern sollte und die SPD hart bleibt, wenn die Merkeldämmerung also richtig Fahrt aufnimmt, werden die Investoren in Europa in einer plötzlichen Schreckreaktion Südeuropa zu verkaufen beginnen.

Nun könnte man daraus ja ableiten, wie toll und martkfreundlich doch Merkel als Kanzlerin regiert, das ist aber eine Fehlinterpretation. Genau so wenig, wie wir uns für die Details der politischen Prozesse in anderen Ländern interessieren, interessieren sich US Investoren die den DAX kaufen für die Details hier. Von aussen kann man es sich einfach machen, Merkel bedeutet ein "weiter so" und vor allem eine fortdauernde Stützung Südeuropas via EZB.

Und Zuverlässigkeit und gleichbleibende politische Rahmenbedingungen findet der Markt immer gut, selbst wenn die Rahmenbedingungen nicht optimal sind. Veränderung dagegen schafft erst einmal Unsicherheit und in Unsicherheit wird erst verkauft und dann nachgedacht.

Dass Merkel nach meiner festen Überzeugung massgeblich am Brexit mitgewirkt hat - ohne die Flüchlingsromantik des Jahres 2015 und die daraus resultierenden Ängste hätten den "Leavern" wohl entscheidende Themen und damit auch Prozente gefehlt - ist da für den Markt keine Kategorie. Merkel steht von aussen und oberflächlich für Stabilität und ein "weiter so" und Stabilität mag der Markt. So einfach ist das.

Dass Merkel vielfach bewiesen hat - in der Wahlschlacht mit Schröder, in der Eurokrise, bei Fukujima und auch 2015 - wie wenig rational-stabil ihre Entscheidungen unter Druck sind, sondern wie sprunghaft und emotional geleitet, ist etwas das von aussen nicht so leicht zu sehen ist. Merkel unter Druck ist eine, die massive Fehler macht. Und sobald Merkel politisch wackelt, werden Europas Märkte wackeln, davon gehe ich weiter aus. Ob es aber passiert, ist eher unwahrscheinlich, denn die Annäherung zwischen Gelb und Grün scheint ja schon einzusetzen und Kubicki scheint besonders "geil" auf ein Amt in Berlin zu sein, da will wohl jemand doch noch -> Hurenbock <- werden. 😉

Der Markt macht es sich auf jeden Fall ganz einfach: bleibt Merkel, bleibt alles wie es ist.

Und dann steht wenig dagegen, dass der DAX zum Jahresende von 13.000 noch nach oben wegzieht.

DAX 15.000 im ersten Halbjahr 2018? Hört sich unwirklich an, aber dieses Chart mit dem erfolgreichen Retest des grossen Ausbruchs impliziert das durchaus als sehr realistische Variante.

Vergessen wir nie, dass 13.000 und 15.000 nur Zahlen sind und wir zwischen 2015 und 2017 eine sehr grosse Basis im DAX gebildet haben, die durchaus die Kraft für so eine Bewegung getankt haben könnte.

Was langfristig gut für Deutschland und für die Wirtschaft ist, ist nicht das was der Markt abbildet. Denn der Markt schaut maximal für ein Jahr in die Zukunft, alles darüber hinaus hat immer weniger Einfluss auf die Kurse. Der Markt bildet also kurz- bis mittelfristige Erwartungen ab.

Man kann das schön an der Vorstellung festmachen, dass Deutschland aus dem Euro austritt und wieder eine eigene Währung einführt. Ich habe wenig Zweifel, dass diese dann sehr starke Währung, langfristig den Wohlstand der Bürger und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft massiv heben würde, so wie das ja bis 1999 mit der D-Mark auch der Fall war.

Mit Blick auf 1-3 Jahre, würde der Aufwertungsschock - wenn nicht intelligent abgefedert, in dem man die D-Mark zunächst als Buchwährung einführt und zwei Währungen parallel führt - aber zu grossen Abssatzschwierigkeiten und wieder steigender Arbeitslosigkeit führen und die Märkte würden den DAX deswegen verkaufen.

Auch hier ist also der Zeithorizont entscheidend. Es gibt keinen besseren Zukunftsindikator als den Markt, der hat aber vor allem das Geschehen in den nächsten 12 Monaten im Auge, alles darüber hinaus wird immer unwichtiger, je weiter es in die Zukunft geht. Und deshalb würde ein plötzlicher Abgang Merkels auch eine Unsicherheitsreaktion auslösen, völlig unabhängig davon, ob das dann langfristig dem Land und der Wirtschaft gut tut oder nicht.

So weit an diesem Morgen, ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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Kleiner Kläffer



Ich merke, dass Draghi mir zunehmend auf die Nerven geht. Ich habe die Pressekonferenz doch gesehen, hätte ich es besser gelassen. 😉

Es geht mir dabei gar nicht um die sachlichen Entscheidungen an sich, sondern um den politischen Stil den der Mann pflegt und der sich mit meinem Verständnis des zurückhaltenden Jobs eines Notenbankers beisst.

Die erste "Frage" war von einem italienischen "Jubelperser", der gerne immer am Anfang genommen wird und Draghi dann die Stichworte gibt für das, was er sagen will. An den Fürstenhäusern des Feudalismus gab es diese Stichwortgeber auch immer.

Das nahm Draghi zum Anlass um eine lange, vorbereitete Rede loszulassen, mit der er der EZB und damit sich selber auf die Schultern im Sinne "Mission accomplished" klopfte. Er entblödete sich nicht, Arbeitslosen und Wachstumszahlen zwischen 2009, 2011 und heute als "Beweis" der Richtigkeit der Massnahmen der EZB darzustellen. Politiker können das auch immer gut, die "schaffen" auch immer Arbeitsplätze. Trump lobt sich gerade auch für Börsenkurse und Arbeitslosenzahlen. Peinlich.

Warum niemand Draghi mal fragt, woher er weiss, dass diese Zahlen *wegen* der EZB und nicht *trotz* der EZB entstanden sind, ist einerseits faszinierend und gleichzeitig klar. Solche Leute sitzen da gar nicht und kommen nicht zum Zuge.

Ökonomischer Fakt ist, dass eine freie Wirtschaft die man in Ruhe lässt *nach* so einer Krise wie 2008/2009, von ganz alleine wieder Fahrt aufnimmt. Das ist die klassische Zyklizität. Die richtige Frage wäre eher, warum diese Recovery über Jahre in der Eurozone so anämisch ist. Und die Antwort ist vielschichtig, eine Teilantwort ist aber, dass das auch (nicht nur, auch) mit den Rettungsaktivitäten zu tun hat, an denen auch die EZB beteiligt ist.

Denn diese "Rettungen" verhindern die notwendige Bereinigung unwirtschaftlicher Geschäftsmodelle, wie man an der weiter schwelenden Bankenkrise in Italien ja auch sehen kann. Wer das faule Fleisch konserviert, muss sich nicht wundern, wenn der Körper weiter vor sich fiebert.

Es gehört schon Chuzpe dazu, das anämische Wachstum das wir nun nach Jahren in Europa immer noch haben, als Erfolg der EZB zu reklamieren. Das was wir haben, haben wir nach meiner Überzeugung nicht *wegen* der EZB, sondern *trotz* der EZB und vor allem der fehlgeleiteten Politik der Euroländer. Die EZB ist daran ja gar nicht die primär "Schuldige", es ist die Politik selber, die zu Strukturreformen unfähig ist. Diese fehlgeleitete Politik wird aber von der EZB gefördert, die immer wieder monetäre Fleischtöpfe hinstellt, die dann Raum für neue schuldenfinanzierte Wohltaten geben.

Und ich bin ja wahrlich nicht der Einzige der öffentlichen Argumentation fähige Mensch, der das so sieht. Aber Draghi hat ein Environment um sich geschaffen, in dem kritische Kommentare noch nicht einmal mehr an ihn heran kommen. Tolle "Pressekonferenz", Empfang eines Fürsten passt da eher.

Noch besser wurde es dann bei der zweiten (guten) Frage von jemandem von Reuters Frankfurt. Dabei ging es darum, dass die CDS Prämien gerade wieder steigen und ob dass denn nicht ein Zeichen für wieder hochkriechendes Misstrauen sei?

Die "Antwort" ging darauf gar nicht ein, wischte es vom Tisch und brachte dann statt einer Antwort eine längliche Rechtfertigung, dass der Euro unumkehrbar sei, verbunden mit dem lächerlichen Hinweis, dass ja in Umfragen 70% der Bürger in Europa für den Euro seien. So reden Staatsraatsvorsitzende. Für den Chef einer Notenbank der intelligenten Menschen gegenüber sitzt, die was zur Geldpolitik wissen wollen, eher eine Peinlichkeit.

Aber offensichtlich habe ich ein anderes Bild von dem was und wie ein Notenbankchef kommentieren sollte als Draghi. Und ich bin halt nur ein kleiner, unbedeutender "Kläffer", der sich an der italienischen Eiche scheuert. Immerhin kann ich als "Kläffer" das Bein heben und an den Stamm pinkeln und das mache ich ja gerade. 😉

Wer es mag, kann hier noch einmal einen Überblick lesen -> Unsere Geldpolitik war erfolgreich <-. Im Ergebnis war es der erwartete Non-Event und das zählt.

Zum Abschluss vielleicht noch ein versöhnlicher Satz in Richtung Draghi. Dass er hier im Stile des obersten Finanz- und Wirtschaftsministers der Eurozone agiert hat ja einen Grund, den man ihm gar nicht vorwerfen muss. Er ist es faktisch und das nicht, weil er den Job gefordert, sondern weil die Schwäche der Politik die EZB in diese Rolle zwingt. Trotzdem muss er sich fragen, ob er nicht gerade dadurch, dass er diese Rolle annimmt, das Leiden nur verlängert. Es ist doch offensichtlich, dass die Hilfen der EZB nicht für Strukturreformen genutzt werden, sondern um weiterzumachen wie bisher. Und wer auch nur ansatzweise begreift wie Demokratie funktioniert, kann darüber nicht erstaunt sein.

Draghi ist intelligent und weiss das sicher. Wenn man aber davon ausgeht dass er weiss, wie sinnlos seine mahnenden Zeigefinger zu Strukturreformen der EU-Staaten sind, bleiben nur noch unerfreuliche Interpretationen, warum er so systembewahrend agiert wie er agiert. Na gut, nun höre ich "kleiner Kläffer" aber lieber auf. 😉

Der Finanzsektor hat Draghis Beschwörungen auf jeden Fall gemocht, der jubelt eigentlich immer, sobald Mario Draghi der Arbeitsplätze-Beschaffer den Mund aufmacht. Wir schauen mal beispielhaft der Unicredit zu und sehen, wer wie so oft die wahren Profiteure der EZB Politik sind. Der Markt ist da ja geradezu erfrischend ehrlich. 😉

Nun aber zum breiten Markt. Der hat ja nun eine gute Woche lang etwas gebröselt. In den Indizes hat man es noch nicht so gemerkt, weil die grossen Werte die Indizes zusammen halten, in der zweiten und dritten Reihe gab es schon deutliche Verluste. Michael Batnick hat das in einem Tweet -> hier <- sehr schön zusammen gefasst. Der S&P500 ist 1,6% weg von den Hochs, die durchschnittliche S&P500 Aktie aber 9,6%. Heisst dass die kleineren Aktien erheblich nachgegeben haben.

Daraus folgt auch, dass der Markt nach dieser guten Woche des stillen Bröseln nun durchaus wieder für etwas kurzfristige Stärke gut ist.

Anfänger mögen das nun verwirrend finden, da habe ich doch gerade noch von ersten Regentropfen und Indizien geredet, dann spreche ich am Nachmittag schon von einem Schub, der nun anstehen könnte.

Darin ist aber überhaupt kein Widerspruch. Wenn Sie das nicht verstehen, übersehen Sie dann einfach den Charakter des Marktes als Abfolge von Ebbe und Flut. Es gibt immer Flut und hohe Wellen, selbst in der Baisse. Und es gibt immer Ebbe und ausbleibende Wellen, auch im Bullenmarkt.

Ein Trend bedeutet nicht, dass es nur in eine Richtung geht, eine Trend bedeutet, dass sich die Wellentäler und Höhen in eine Richtung bewegen. Und das ist auch jetzt das Thema. Mit dem Bröseln und der leichten Schwäche der letzten guten Woche, hat der Markt eine Charakteränderung vorgenommen. Wenn im jetzt bevor stehen Hüpfer, dieser *schwächer* als die voran gegangenen ausfallen sollte, wäre das ein weiteres Signal einer sich entwickelnden Trendänderung. Wenn nicht, dann nicht.

Merken wir uns also: Trendwenden sind ein Prozess. Sie finden nicht wie ein Strich als 180 Grad Wende statt, ohne dann gar nicht mehr zurück zu schauen. Und diesen Prozess kann man beobachten. Insofern wird es nun sehr wichtig sein zu sehen, ob und wie stark der Markt nun nach oben in Bewegung kommen kann. Wenn das schwach sein sollte, ist das ein weiterer, fetter Regentropfen!

Stockbee weist auch in einem Kommentar genau auf diesen Umstand hin: -> Breadth continuous to worsen <-.

Ich hoffe ich konnte mich deutlich ausdrücken. Ich versuche es mal als Chart zu malen. Wenn das gerade eine Trendwende sein sollte (Konjunktiv), dann sind wir nun ungefähr hier:

Und wenn das keine Trendwende sein sollte, dann gehen wir jetzt bald zu neuen Hochs. Jetzt alles klar? 😉

Übrigens, wer sich gewundert hat, warum von Mosaic (MOS), über Potash (POT), Agrium (AGU) bis K+S alles wo Dünger drauf steht, massiv nach oben geflogen ist, der bekommt als alter Hase ungute Erinnerungen, denn der Name "Uralkali" ist wieder im Spiel: -> Hoffnung auf steigene Kali Preise treibt <-.

Diese Form von "Kursunterstützung" kann ich nun gar nicht gebrauchen, zumal wenn Namen wie Lukaschenko eine Rolle spielen, die ja ganz sicher für belastbare Investitionsgrundlagen stehen. 😉 Solche Spekulationen machen den Sektor für mich eher wieder unattraktiv, denn Kurse die deswegen steigen, können ebenso schnell wieder fallen, wenn Lukaschenko mal Dünnpfiff hat. Lieber wären mir langsam steigende Preise, weil die Nachfrage das Angebot übersteigt, nicht oligopolige Spielereien.

Trotzdem, das reine Chart von K+S ist zwar nicht rundweg überzeugend, hat aber auch seine positiven Interpretationsmöglichkeiten, die man als eine von mehreren Möglichkeiten auch so darstellen könnte:

Das ist aber ausdrücklich nichts, worum ich mich nun reisse. Kursbewegungen auf denen Lukaschenkos (oder anderer Potentaten) Absichten drauf stehen, finden nicht das Wohlgefallen meines Kapitals. Mein Kapital mag belastbare Entwicklungen von Angebot und Nachfrage in einem freien Markt. Ja, ja ich Träumer, ich weiss schon. 😉

Unser alter Bekannter Orbital ATK (OA) hat nach Ausbruch und gestern Zahlen nun eine Hochstufung auf 120 USD bekommen. Im Chart sieht das dann so aus, heisst dabeibleiben, aber auch langsam über Trailingstops nachzudenken.

So weit für heute, morgen kommen dann die grossen US Arbeitsmarktdaten und die haben wahrscheinlich nur dann markantes Überraschungspotential, wenn sie nicht so gut sind, wie nun erwartet.

Bis Morgen!

Ihr Hari

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Es sind die Erwartungen, Dummkopf!

Erfahrene Marktteilnehmer werden nun nichts Neues lesen. Und trotzdem, sobald man den sehr kleinen Kreis der Marktkenner verlässt, stösst man bei der Frage, was die Märkte bewegt, auf breitestes Unverständnis, bis in die "Tagesschau" und die hohe Politik hinein.

Theoretisch Dinge zu erklären, ist ja schön und gut. Aber es tatsächlich zu erleben, hat eine ganz andere Qualität. Und deshalb will ich heute in Anlehnung an Bill Clintons "It´s the economy stupid" laut und deutlich zum Markt sagen: "Es sind die Erwartungen, Dummkopf"

Es sind wirklich einzig und alleine *nur* die (Zukunfts-)Erwartungen, die die Märkte bewegen. Nichts sonst. Nicht die Ereignisse selber, wie über 90% der Menschen glauben und deswegen den Markt immer für ein Buch mit sieben Siegeln halten.

Sicher haben die Ereignisse Bedeutung für die Kurse, aber eben *nur* über den Transmissionsriemen der Erwartungen. Nur wenn Ereignisse die Erwartungen verändern, wirken sie sich auch auf die Kurse aus. Nur dann! Ein Ereignis, das schon erwartet wurde, bedeutet dagegen nur ein grosses Gähnen!

Das hört sich vielleicht wieder theoretisch an, aber heute ist es ganz praktisch vor unseren Augen. Gerade läuft das "Brexit"-Referendum in Grossbritannien. Ergebnis werden frühestens in der Nacht auf Freitag zu vermelden sein, endgültige wohl erst zum morgigen Frühstück.

"Eigentlich" sollte der Markt nun also gespannt abwarten. Und was tut er? Im britischen Pfund zum Dollar gerade langfristig das:

GBPUSD 23.06.16 2

Und der DAX war heute schon bei 10.300 und im Rally-Modus mit mehr als 2% Plus, wie andere europäischen Märkte auch.

Was ist passiert? Ganz einfach, durch Umfragen und Buchmacherwerte, haben sich die Erwartungen des Marktes angepasst. Der Markt hat einen Brexit nun fast völlig ausgepreist.

Was umgedreht aber auch heisst, wenn der Brexit doch noch kommt, bekommen wir am morgigen Freitag einen Crash-Tag, denn darauf ist der Markt nun überhaupt nicht mehr vorbereitet.

Der Markt als perfekter Zukunftsradar, braucht aber die reale Abstimmung nicht mehr. Er schaut in die Zukunft und glaubt schon sicher zu wissen, wie die Briten heute abstimmen werden. Und fast immer hat der Markt recht, wenn er sich so eindeutig festlegt wie heute.

Und wenn er mal - ganz selten - nicht recht hat, dann wird es richtig übel. Der Markt sagt heute aber voller Überzeugung: Die ganze Aufregung, die Medien und Politik nun zum Brexit veranstalten, ist Bullshit. Das Ergebnis steht schon fest.

Es sind eben die Erwartungen - und nur die Erwartungen - die den Markt bewegen. Die echte Ergebnisse Morgen? Bah - kalter Kaffee - uninteressant. Ausser, ja ausser, es verändert wieder die Erwartungen, weil es eine böse Überraschung beinhaltet.

So funktioniert er, unser Mr. Market. Heute und hier bekommen wir es auf offener Bühne vorgeführt, man muss es nur sehen können.

Ihr Hari

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33. Die Unruhe



Wir haben neulich unter Kollegen in der Mittagspause über die aktuellen Ereignisse und den spürbar politischen Wandel in unserem Land und bei unseren Nachbarn diskutiert. Ja, es gibt auch noch Themen jenseits der Arbeit, des Fußballs und der Automobilindustrie! Über Geld und Kapitalanlagen spricht bedauerlicher Weise aber niemand.

Erstaunlich dabei war, wie der Einzelne das aktuelle Geschehen wahrnimmt. Da gibt es den Optimisten, der denkt, dass das schon wird und alles halb so schlimm ist. Da gibt es den Realisten, der denkt, dass dies doch alles absehbar und unvermeidlich war. Da gibt es den Pessimisten, der denkt, dass wir eh alle vor die Hunde gehen werden und dies erst der Anfang von etwas ganz Schrecklichem ist.

Alles ganz unterschiedliche Auffassungen, die mir zu sehr in sich abgegrenzt erscheinen. Der Schwarz-Weiß-Blick, sozusagen. Ich selbst, repräsentiere hier eher eine Schnittmenge aus diesen Gedanken. Das soll jetzt keine Eigenlob sein. Ich maße mir auch nicht an, den vollen Überblick zu haben. Ganz im Gegenteil, denn die Gemengelage erzeugt in mir ein ganz blödes Gefühl, gleichsam einer inneren Unruhe.

Besonders besorgt bin ich über die Umgangsformen und die Art der Kommunikation, die sich in unseren politischen und diplomatischen Kreisen in den letzten Jahren etabliert haben. Man schreckt hierbei nicht mehr vor Gebärden und Worten zurück, die sich in den Nachkriegsjahren von selbst verbaten. Es wird ganz unverhohlen gedroht und gepöbelt, wie am Kneipenstammtisch nach durchzechter Nacht - nur bei vollem Bewusstsein.

Das ist nicht nur unprofessionell und gewöhnlich, sondern auch sehr gefährlich. Möglicherweise können wir uns hier in Deutschland, trotz aller berechtigten Kritik, mit Frau Merkel als Kanzlerin glücklich schätzen, dass diese in der Lage ist, die Contenence zu bewahren. -Hier habe ich den Eindruck, dass uns Männer dies auch besonders auf die Palme bringt.- Sich zwischen den ungehobelten Boys zu bewegen, deren Handeln dem Denken stets vorauszueilen scheint, ist sicherlich nicht einfach. Der Vergleich zu dem vor dem Weibchen imponierenden Silbernacken drängt sich hierbei regelrecht auf.

Worauf ich aber hinaus will: Die zunehmende Respektlosigkeit gepaart mit ungezügelter Selbstdarstellung könnten die Ingredienzen sein, die das Fass zum überlaufen bringen. Einen Prozess in Gang setzen, der nur noch schwer aufzuhalten ist und darin gipfeln könnte, dass wir unseren Nachbarn wieder mit Kanonen und Bajonetten gegenüberstehen. Die Gefahr besteht meiner Meinung nach und man darf sie nicht unterschätzen, auch wenn sie noch so unwahrscheinlich erscheint.

Aus dem Handgemenge erwächst stets eine Schlägerei, wenn man nicht rechtzeitig eingreift und die Gemüter besänftigt. Diese Fähigkeit der Schlichtung scheint abhanden zu kommen. Sie bedarf des Verstandes und der Geduld, aber auch diese Eigenschaften sind in zunehmendem Maße Mangelware. Leider sterben uns in den letzten Jahren auch die Personen weg, die die Erfahrung und das Vermögen besaßen, aus dem Geschehenen zu lernen.

Ich beschreib es mal so: Wer noch nie ein Ohrfeige hat einstecken müssen, weiß nicht, wie es sich anfühlt eine geknallt zu bekommen. Manch einer behauptet ja auch, dass dies der Grund für die eskalierende Gewalt unter Kindern und Jugendlichen erklären könnte, die im elterlichen Haus nur noch mit Samthandschuhen angefasst werden - selbst bei den größten Vergehen! Verstehen Sie das aber bitte nicht als Aufforderung Ihre Kinder durchzuprügeln, es gibt da viel bessere Methoden der Erziehung. Das eine oder andere mag aber in der antiautoritären Erziehung der vergangene Jahrzehnte verloren gegangen sein.

Ich gehe noch einen Schritt weiter und behaupte, dass derjenige, der den Krieg noch nicht erlebt hat, nicht einschätzen kann, was dieser bedeutet. Vielleicht hat es aber die Generation der Kriegsüberlebenden versäumt, ihren Nachkommen die Konsequenzen eines aggressiven Auftretens gegenüber seinen Mitmenschen vor Augen zu führen. Dass ein freundliches und friedfertiges Miteinander, wesentlich fruchtbringender ist, als die kraftraubende und frustrierende Konfrontation. Schweigen, Verdrängen und Wegsehen dominierten hier. Ob durch Scham, Uneinsicht oder Unfähigkeit bleibt für mich offen.

Jedes Handeln führt zu Konsequenzen. Diese müssen aufgezeigt und erklärt werden. Wie soll sich sonst ein Lerneffekt einstellen? Die Weisheit, dass jeder erst einmal auf die Schnauze fallen muss, kann im geopolitischen Umfeld ein gewagtes Experiment sein. Lassen wir es bitte nicht so weit kommen, sondern lenken rechtzeitig ein.

Wir hier, die wir an den Finanzmärkten unterwegs sind, haben doch die besten Voraussetzungen und Erfahrungen diese innere Unruhe in Opportunitäten umzuleiten. Durch aktives Handeln Risiken zu reduzieren und negative Eskalationen zu vermeiden. Zugegeben: Unser wesentlicher Vorteil gegenüber der Politik besteht darin, auch mal auf die Schnauze fallen zu dürfen. Die Folgen hieraus können zwar verheerend sein, aber sie betreffen nur uns selbst. Da kann man, außer der Familie, niemanden mit hineinziehen. Aber auch das ist eine Verantwortung, der nicht jeder gewachsen ist.

Ich habe gelernt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Vielleicht tue ich mich aber auch daher im politischen Umfeld so schwer. Da gibt es zwar einfache Losungen, aber wenig einfache Lösungen. Die Gemengelage ist da wesentlich komplexer.

Zumindest eines haben Politik und Geldanlage gemeinsam: Es bedarf einer geeigneten Strategie.

Let's Pix it!

Ihr StockPix

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Die politische Dysfunktion und der Mangel an Anführern

Darf man sich in Finanzblogs auch zur Politik äussern? Warum eigentlich nicht und am Vatertag darf ich sowieso machen, was ich will. 😉

So will ich einen kleinen Beitrag, den ich am Dienstag 12.05.15 09:00 in Hari Live eingestellt habe, auch im freien Bereich veröffentlichen.

Denn es zeigt, dass wir uns in der Community auch zu (finanz-)politischen Themen austauschen, das aber freundlich, nicht konfrontativ und im Geiste gegenseitiger Wertschätzung - Erkenntnisgewinn suchend und nicht Rechthaberei.

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Ein lesenswerter Artikel zum damaligen Ablauf der Rettungsversuche in Sachen Griechenland, findet sich hier:
-> Heute würden wir Griechenland Pleite gehen lassen <-.

Das Fazit, dass man daraus auf heute übertragen kann ist, dass scheinbar niemand etwas daraus gelernt hat.

Ich könnte mich jetzt selbstzufrieden in den Sessel zurück lehnen und sagen: "Ich habe es doch schon damals gesagt". Und das ist objektiv sogar wahr, ich habe immer die Position vertreten, die Sie aus den letzten Jahren hier von mir kennen.

Das wäre aber eindeutig zu selbstzufrieden, weil gerade ich jemand bin der weiss, wie sich Verantwortung für viele andere Menschen anfühlt. Es ist leichter, von aussen klug daher zu "schnacken", statt mitten im Getümmel die schweren Entscheidungen treffen zu müssen.

Trotzdem zeigt mir persönlich der Ablauf erneut ein massives Defizit, nämlich eine Dysfunktion unseres politischen Systems, das eher den Typus "Antichambrierer" und "Lavierer" in politische Ämter befördert, weil man sich nur so in politischen Parteien hoch arbeiten kann. Wer dagegen mit einer starken Persönlichkeit zu sehr aneckt und zu klare Kante hat, fliegt im politischen System einfach raus, weil er/sie sich zu viele Feinde macht.

Und klar gibt es lobenswerte Ausnahmen, die sich trotz des Anpassungsdrucks in den Partei-Schornsteinen nicht verbiegen lassen. Es sind aber Ausnahmen. Wir müssen uns nur das Abstimmungsverhalten bei wichtigen Themen im Bundestag anschauen, dann wissen wir, wie gross der Anpassungsdruck ist.

Die tragische Folge davon ist, dass der Typus "Hasenfuss" und "Symbolpolitiker" im politischen Prozess eher gefördert und der Typus "Anführer" und "Gestalter" massiv unterrepräsentiert ist. Auch das erklärt übrigens, warum sich Wirtschaft und Politik so wenig zu sagen haben und es fast keinen Austausch gibt. Und wenn, wie bei Koch oder Stollmann, geht er in die Hose.

90% der Zeit, in denen letztlich Politik nur den Status Quo verwaltet und sich den Orchideenthemen widmet, fahren die Menschen im Lande mit dem Typus "Symbolpolitiker" auch sehr gut, immerhin macht der auch nicht viel kaputt.

Aber das Leben und das Schicksal, hält halt auch manchmal die besonders wichtigen Momente bereit, in denen es auf Führungskraft und Gestaltungswillen ankommt. Und dann bräuchte man einen ganz anderen Typus von Politiker, als den, den wir typischerweise haben - lobenswerte Ausnahmen bestätigen die Regel.

Insofern wundert mich das Zaudern und Zagen, das aus obigem Artikel zum Thema Griechenland hervor geht, kein bisschen. Und es ist heute wieder kein bisschen anders und in ein paar Jahren wird man wieder entschuldigend sagen: "hätten wir damals gewusst"....

Was natürlich in meinen Augen eine ebenso billige, wie unzutreffende Entschuldigung ist. Man konnte damals wie heute durchaus "wissen". Viele kluge Leute haben "gewusst" und wissen auch heute was nötig ist. Was wirklich fehlte und fehlt, waren und sind aber "Anführer und Gestalter", die bereit sind, die Last einer schweren Entscheidung mal auf ihr breites Kreuz zu nehmen und für Konsequenzen einzustehen. Aber dieser Typus ist halt in der Regel nicht in der Politik - eben weil er auf dem Weg in höhere Ämter schon abgeworfen wird.

So hängt der Verlauf der Geschichte halt manchmal doch von einzelnen Personen ab und ganze Völker werden für den Zufall bestraft oder belohnt, an ihrer Spitze Idioten oder Anführer und Gestalter im positiven Sinne zu haben.

Wer sich ein wenig in der Geschichte auskennt weiss, dass auch Churchill im Politbetrieb Großbritanniens lange ein Aussenseiter war, weil er eben war, wie er war. Erst als es dem Land richtig dreckig ging, erinnerte man sich an den "Pitbull" Churchill und der Ruf nach einem Retter wurde laut. Und ganz klar, hätte England damals keinen Churchill gefunden, wäre die Geschichte völlig anders abgelaufen.

Man muss Anführer begrenzen und kontrollieren, damit aus ihnen keine Diktatoren werden, die ihre eigenen Anschauungen zum Nabel der Welt erklären. Insofern ist Demokratie definitiv schon "die Beste aller schlechten Regierungsformen", weil nur so der notwendige Wandel erzwungen wird und sich starke Persönlichkeiten nicht das ganze Land zum "Eigentum" machen können.

Aber es wäre trotzdem wünschenswert, wenn der politische Selektionsprozess im Vorfeld des Regierungsamtes, mehr Anführer und Gestalter und weniger Symbolpolitiker selektieren würde. Dem Land würde es sicher gut tun.

Und wir hätten dann garantiert schon lange sinnvolle und strategisch konsequente Entscheidungen zum Thema Griechenland und zur Zukunft Europas und der Eurozone. Denn genau diese fehlen uns schmerzhaft.

Soweit meine persönliche Meinung zum Thema.

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