High Yield Anleihen signalisieren Risiko

Der folgende Artikel erschien schon Dienstag 29.09.15 17:10 in Hari Live und reiht sich in eine Kette von Beobachtungen zum Thema ein.

Aber auch im freien Bereich habe ich den Indikator schon 2013 im Artikel -> Die Märkte und der Junk Indikator <- eingeführt und davon abgeleitet, dass damals noch keinerlei Gefahr für die strukturelle Rally bestand - was dann ja auch eintrat.

Nun, im Herbst 2015 ist die Lage aber anders. Lesen Sie hier:

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Ich habe schon oft über die High Yield Anleihen als Indikator dafür geschrieben, ob wir ein ernst zu nehmendes Problem haben, oder nur eine "Garden Variety" (Feld- Wald und Wiesen) Korrektur vor uns, die man schnell abhaken und deren Dip man mit guten Chancen kaufen kann.

Am Mittwoch 29.07.15 hatte ich vor der Urlaubsphase im Premium Bereich unter dem Titel "Trade with Carl - Short Junk" einen Beitrag, der sich mit dem Shorten des ETFs JNK befasste, der die US High Yielder umfasst und dabei besonders die bedrängten Energie-Unternehmen im Fracking-Bereich im Fokus hat.

Dieser Trade war sehr erfolgreich, wie wir dem folgenden Chart entnehmen können:

JNK 29.09.15

Wir hatten eine perfekte, bärische Gegenbewegung nach dem 24.08., die es aber nicht bis zum Widerstand geschafft hat und dann ging es wie erwartet wieder runter.

Und nun hat der JNK im Gegensatz zum S&P500 schon neue Tiefs erreicht, was unterstreicht, dass wir es aktuell im Markt mit einer ernst zu nehmenden Korrektur zu tun haben, hinter der substantielle Sorgen stehen.

Dass der JNK nun so viel Boden verloren hat und schon zu neuen Tiefs aufgebrochen ist, sollten wir als deutliches Warnsignal nehmen, dass wir in keinem gefahrlosen Bullenmarkt mehr sind, in dem früher oder später jeder Dip zu kaufen ist.

Und dass das in einer Phase passiert, in der die Notenbanken einen guten Teil ihres Pulvers ohne nennenswerte Effekte auf die Realwirtschaft schon verschossen haben, sollte uns im langfristigen Bild nur noch vorsichtiger machen, auch wenn es kurzfristig stark nach Rebound riecht.

Auch die FuW, hat das im -> Chart des Tages <- zum Thema gemacht und wenn wir da von gestiegenen CDS Prämien hören, kommen alten Hasen schnell ungute Erinnerungen an 2007 hoch.

Ich will aber noch einen darauf setzen und die aktuelle Korrektur über den JNK mal in die grössere Perspektive stellen:

JNK 29.09.15 2

Sie sehen eindeutig, dass es nun - im Gegensatz zum Oktober 2014 - "ernst" ist. Wir haben bei den High Yieldern schon heute einen Einbruch, der sich nur noch mit der Lage 2010 zum "Flash Crash" bzw der "Griechenland 1.0 Krise" und mit der Lage 2011 zur Eurokrise vergleichen lässt.

Bei aller berechtigten Erwartung an eine denkbare Wende und ein bald bevorstehendes "Undercut & Rebound" Szenario an den Aktienmärkten, das dann zu einer Jahresendrally führt, sollte uns das vorsichtig genug machen um zu verhindern, dass wir zu gierig jedem Bounce gleich nachlaufen.

Die langsame und stufenweise Erweiterung des Depots mit Qualitätsaktien, lässt sich sicher auch heute rechtfertigen. Dafür sind die Kurse tief genug.

Um aber aus Überzeugung nun Kaufkurse auszurufen, wie das viele Mainstream-Medien in Deutschland schon letztes Wochenende getan haben, ist es nach meiner Einschätzung noch zu früh.

Das endgültige Urteil über diese Korrektur steht noch aus und wir wissen noch nicht, welchen Namen wir beim Fragezeichen mal in der Zukunft hinschreiben werden.

Das nur zur Einordnung für alle, die nun zu gierig nur nach oben schauen. Man kann zur Lage auch kurz und knapp sagen:

Kurz- und Mittelfristige Chancen? Ja!

Es spricht nun viel für eine Jahresendrally, die sich bald (im Oktober) in Bewegung setzen könnte. Und auch ein potentieller Doppelboden entsprechend der -> 2011er Analogie <- hat nun gute Chancen. Der JNK dürfte also kurzfristig auch wieder steigen und eine Gegenbewegung einleiten.

Generelles Feuer frei? Nein!

Auch wenn wir nun eine Jahresendrally sehen sollten und der JNK eine Gegenbewegung vollzieht, kann diese im grossen Bild immer noch nur die rechte Schulter eine Topbildung sein. Auch 2007 kamen die Märkte zum Jahresende noch einmal in die Nähe der Höchststände, bevor es dann 2008 richtig abwärts ging.

Der "Junk Indikator" signalisiert ganz klar strukturelle Gefahr und das sollten wir nicht einfach ignorieren.

Ihr Hari

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Die Lage im DAX – Von Mass und Mitte

Mittwoch 23.09.15 Morgens vor Handelseröffnung.

Sie kennen sicher auch Marktkommentatoren, die je nach momentaner Stimmung des Marktes von "Himmel-hoch-jauchzend auf "Zu-Tode-betrübt" wechseln - und zwar immer schön brav prozyklisch. 😉

Als der DAX vom Paniktief am 24.08.15 bei 9.338 in den Tagen danach nach oben drehte, wurde sofort "der Boden" und die neue Rally hoch Richtung 12.000 und darüber hinaus beschworen.

Und nun, wo der DAX sehr angeschlagen und die Stimmung im Zuge des VW Desasters mies ist, dürfen wir uns von diesen Leuten dann die Angst machenden Katastrophencharts anschauen, wie tief der DAX und S&P500 nun fallen *könnte*.

Vom Standpunkt der medialen Vermarktung her, ist das auch die richtige Vorgehensweise. Denn es ist erwiesen, dass die Menschen am liebsten die Dinge lesen, die sie in einer vorgefassten Meinung bestärken. Wenn also Gier vorherrscht, werden die Artikel mit den Kurszielen goutiert, die das Wasser im Mund zusammen laufen lassen. Und wenn man selber Angst verspürt, suhlt man sich gerne im allgemeinen Gruseln, in der Herde stirbt es sich halt angenehmer. 😉

Sie merken ja den Sarkasmus in meinen Worten, denn es ist wohl offensichtlich, dass mit solcher Art von "Marktanalyse" zwar die Klickzahlen gefördert werden, der Börsenerfolg aber weniger.

Deswegen sind Fondsmanager, die komplett versagt haben, auch immer sehr motiviert in die "Herde" zurück zu kehren und darauf hinzuweisen, "dass man ja den Absturz nicht ahnen konnte". Stimmt, ist aber eine Nullaussage. Denn wenn das ganze Risikomanagement nur darauf beruhte, die Zukunft erahnen zu wollen, muss man sich über gar nichts wundern, denn das geht sowieso nicht, niemand hat eine Kristallkugel. Niemand. Bei gutem Risikomanagement geht es ja gerade darum, das Unerwartete trotzdem zu überleben.

Nein, was wirklich nötig ist, ist dagegen "Mass und Mitte" bei der Betrachtung des Marktes. Und die Bereitschaft, sich auf verschiedene Szenarien einzustellen, ohne vorher zu wissen, welches eintritt.

Und es ist ganz normal, dass der Markt Phasen hat, in denen er selber nicht weiss, wohin die Reise geht, weil er eben keinen klaren Trend mehr hat. Und dann hilft es nicht, Extremszenarien je nach Stimmung zu verkünden, denn wenn der Markt nicht weiss wohin er will, kann es ein objektiver Beobachter auch nicht wissen. Zum Raten könnten wir auch zur Lotto-Annahmestelle gehen, Erfolg an den Börsen entsteht so eher nicht.

Aktuell ist wieder so eine Phase der Unsicherheit, denn die FED hat mit ihrer "Hasenfuss-Politik" nun grosse Unsicherheit gestreut und es war absehbar, dass der Markt so verstört reagieren wird, falls die FED keine Sicherheit schafft. Nicht was die FED gemacht hat war absehbar, sondern wie der Markt darauf reagieren wird. Ich verweise auf Punkt 5 meines Artikels -> Das grosse Warten auf die FED <-, der genau das präzise thematisiert hat.

Letztlich befinden wir uns im DAX im reinen Kursverlauf (nicht in den wirtschaftlich/politischen Rahmenbedingungen) aber immer noch nur in einer groben Analogie zu 1998 oder 2011, wie ich das im Artikel -> Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015? <- dargestellt habe. In beiden Jahren, gab es im Verlauf den Retest des ersten Tiefs, das wir dieses Jahr am 24.08. hatten. Und wie wahrscheinlich dieser Retest immer war, habe ich dann erneut im Artikel -> Retest des Tiefs oder erneuter Rebound? <- erst vor knapp 2 Wochen heraus gestellt, als viele dachten, nun ginge es nach oben raus.

Was will ich Ihnen mit diesen diversen Verweisen sagen?

Dass der Markt sich bisher keineswegs ungewöhnlich verhält. Und auch nicht unberechenbar, lesen Sie einfach die drei Artikel oben noch einmal. Und trotz der Belastung durch das VW Desaster, das auf die ganze Autoindustrie ausstrahlt, bewegt sich der DAX immer noch in einem zu erwarteten Rahmen, wie schon oft nach so massiven Einschlägen.

Nein, die Entwicklung könnte zwar nun, muss aber auch keineswegs zwingend in ein negatives Extrem abgleiten, sondern das Szenario von "Mass und Mitte" hat immer noch hohe Relevanz. Und dieses Szenario geht eben schon seit Wochen von einem erneuten Retest des Tiefs aus, der dann aber in Form einer Art Doppelbodens eine belastbare Grundlage schafft, von der der Markt zum Jahresende durchaus wieder steigen kann:

DAX 22.09.15

Sicher springt die bärische Struktur des DAX im Sinne (2) nun geradezu ins Auge und auch dass der Bounce exakt am 38er Fibonacci Retracement mit Hoch am 09.09. wieder drehte, wirkt nicht gerade vertrauensfördernd.

Auch fundamental hat das Desaster um VW durchaus das Potential, auf die ganze deutsche Autoindustrie mit allen Zulieferern abzustrahlen und das wird dann alle deutschen Indizes massiv belasten. Und heute Nacht kam dann noch ein sehr schwacher Caixin PMI aus China herein, der nicht nur die asiatischen Märkte, sondern auch den DAX belasten wird.

Es gibt also viele gute Gründe nun bärisch zu sein und das Risko eines massiven Einbruches Richtung 8.500 ist real da. Aber diese bärische Struktur ist nun so offensichtlich und die Stimmung auch im Zuge des VW Desasters so schlecht und angeschlagen, dass die Frage berechtigt ist, ob etwas so Offensichtliches noch so einfach eintreten kann.

Im Moment wird in der allgemeinen "Düsternis" aber eher übersehen, dass schon kurz nach einem zweiten Tief, sich die bärische Struktur in einen aussichtsreichen Doppelboden wandeln könnte. Und so schnell, wie die auf solche Strukturen getrimmten Algos dann diesen potentiellen Doppelboden handeln werden, können wir als Menschen gar nicht "Papp" sagen.

Akzeptieren wir doch einfach, dass der Markt derzeit selber massiv unsicher ist und wir deswegen auch nicht sagen können, ob der Einbruch noch in eine zweite Phase tritt oder nun einen Doppelboden findet. Es ist vielmehr ein Zeichen der Reife, zu wissen, was man nicht weiss.

Wir brauchen es auch gar nicht wissen, weil diese Struktur macht es uns doch recht einfach. Wir müssen jetzt vor allem hinschauen, wie sich der DAX im Bereich der Tiefs verhält. Und dann handeln wir "einfach" das, was wir sehen.

Ich weiss, ich weiss, "einfach" ist das nicht wirklich, wir Menschen tun uns damit schwer und wollen immer schon vorher wissen, was passieren wird. Wenn wir aber die Bewegung handeln könnten, die sich real ergibt, könnten wir in beiden Fällen, bei (1) wie bei (2) etwas profitieren. Und eigentlich wünschen wir uns doch genau das, oder?

Wenn ja, warum schränken wir dann unsere Wahrnehmung mit Extremszenarien ein, die in unseren Köpfen nur einen hinderlichen Bias erzeugen? Bleiben wir doch einfach bei Mass und Mitte und dabei, dass die Zukunft erst noch geschrieben wird.

Dieser Markt ist nun wackelig und unsicher. Das ist Faktum. Und weil das so ist, ist er auch sehr gefährlich. Auch das ist Faktum.

Risiko generiert aber auch immer Chancen und heute um 15 Uhr redet mal wieder Mario Draghi, vielleicht genau dann, wenn der DAX sein Tief vom 24.08. testet - eine wahrlich interessante Ausgangslage.

Eine hohe Cashquote macht also seit letzten Mai jede Menge Sinn und tut es immer noch. Und wer nun diese hohe Cashquote hat, muss nun auch nicht raten und schwanken, sondern kann ruhig abwarten was passiert.

Denn "Hopium" und "Panik" sind nie gute Ratgeber, in der Ruhe liegt die Kraft.

Ihr Hari

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Welches Börsenjahr reimt sich auf 2015?

Das grosse Rätselraten ist im Gange - mal wieder. 😉 Ist das nun eine Kaufgelegenheit oder steht uns noch weiteres Ungemach an den Märkten bevor?

Letztlich ist dieses Rätselraten sinnlos und wird medial von Leuten beherrscht, die ihre Meinung mit besonderer Verve zu Markte tragen. Erfahrene Anleger - und Trader sowieso - wissen aber, dass der dauerhafte Erfolg am Markt sich umgekehrt reziprok zur Lautstärke der Prognosen einstellt und vor allem mit Beobachtungsgabe, Strategie und Disziplin zu tun hat.

Denn die Zukunft ist unbestimmt und nur aufmerksame Beobachtung der Signale des Marktes erlaubt uns, diesem zu folgen oder ihn sogar manchmal zu antizipieren. Eine Kristallkugel zur zuverlässigen Vorhersage der Zukunft hat aber niemand.

Bei der Frage, wie es nun an den Märkten weiter geht, sind einfach zu viele noch unbestimmte Variablen im Spiel. So hat die FED in Person des FED Vize Stanley Fisher, gerade wieder auf der Notenbanktagung in Jackson Hole mit eigenen Worten bewiesen, dass sie selber noch nicht weiss, ob der erste, lang erwartete Zinsschritt nun im September kommt oder nicht.

Und Fisher hat die US Arbeitsmarktdaten vom kommenden Freitag zum entscheidenden Kriterium gemacht. Wir können uns also schon wieder auf eine massive, inverse Reaktion des Marktes am Freitag einrichten. Sprich zu gute Daten werden schlecht sein und umgedreht. In dieser inversen Logik haben wir ja nun jahrelange Übung. 😉

Der Punkt ist, wenn die FED als wichtiger Marktfaktor selber noch nicht weiss, ob sie nun Taube oder Falke sein will, wie sollen wir das dann wissen? Und welchen Sinn haben dann zu überzeugte Prognosen mit "Egowelle", ausser um sich selbst im medialen Wettbewerb mit Kompetenzanmutung zu verkaufen?

Auch heute haben wir durch schlechte chinesische Daten ja wieder einen unberechenbaren Einflussfaktor, der initiale Schwäche an den Märkten generiert. Auch da fragt man sich aber eher, wie schlimm es denn nun wirklich ist, wenn solche Werte überhaupt zugelassen werden. Denn nachdem sogar Journalisten lächerlicherweise für den Kurssturz verantwortlich gemacht werden, dürfte dem Letzten klar sein, dass den offiziellen chinesischen Daten sowieso nicht zu trauen ist.

Und am Donnerstag kommt die EZB und es wurde von Seiten der EZB ja schon darüber spekuliert, dass auch eine Ausweitung des Kaufprogramms im Rahmen des QE denkbar ist.

Aber trotz all dieser unberechenbaren Einflussfaktoren, sind wir trotzdem nicht blind. Im Gegenteil. Es gibt unzählige Faktoren und Indikatoren, die uns seriös etwas über den Marktzustand sagen und die ein komplexes Gesamtbild formen.

Es ist unmöglich im Rahmen so eines Beitrages im freien Bereich diese Faktoren alle zu betrachten, das tun wir im Premium-Bereich täglich und haben damit in den letzten 2 Wochen fast auf den Punkt den beginnenden Einbruch und vor allem sehr profitabel, den Rebound ab Montag letzter Woche getroffen.

Diese Faktoren und Marktdaten schaffen aber auch keine absolute Sicherheit, Sicherheit gibt es am Markt nicht. Sie definieren aber Wahrscheinlichkeiten. Es gibt einfach Szenarien, die jetzt wahrscheinlicher sind als andere und das aus guten Gründen. Das ist keine absolute Sicherheit, aber es ist eine Menge mehr, als blindes und panisches Herumraten.

Besondere Bedeutung kommt dabei dem Verhalten des Marktes zu, wenn der im Rebound in die wichtigen Widerstandszonen bei 2.040 - 2.050 im S&P500 und bei 10.6xx im DAX hinein läuft. Und diese Zonen haben wir noch nicht heute erreicht, noch hat der Rebound Luft nach oben.

Wie es von da weiter geht, ist die Frage, für die uns die intensive Marktbeobachtung Wahrscheinlichkeiten liefert.

Statt Ihnen nun aber unzählige Wenns und Abers und Szenarien zu zeigen, will ich als Kunstgriff statt dessen die Vergangenheit bemühen. Denn Geschichte wiederholt sich zwar nicht, sie reimt sich aber und das gerade an der Börse. Alles schon einmal da gewesen, sozusagen. 😉

Schauen wir also auf 4 mögliche Vorlagen für 2015 und versuchen die Frage zu beantworten, welches Jahr sich am ehesten auf 2015 reimt:

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So sah es 2008 aus. Wir wären dann gerade im ersten Rebound nach dem ersten Einbruch, dem sich damals schweres Ungemach angeschlossen hat:

S&P500 2008

Das Szenario ist denkbar, erscheint mir in Würdigung der Gesamtumstände derzeit als Analogie aber eher unwahrscheinlich.

Nun aber schauen wir auf den gnadenlosen Rebound im Herbst letzten Jahres:

S&P500 2014

Aber auch hier gilt für mich nach Sichtung aller Daten, dass das zwar etwas wahrscheinlicher als die 2008er Analogie, aber auch eher unwahrscheinlicher ist als das, was nun folgt.

Weit besser passt mir da die 2011er Analogie ins aktuelle Bild, die übrigens auch im August den Einbruch begann. Hier markierte zwar der erste Einbruch fast das Tief, aber es folgten eben 2 Monate markanter Swings, die mit einem marginal tieferen Tief im Oktober endeten, bevor es zum Jahresende wieder hoch ging:

S&P500 2011

Das reimt sich auf die aktuellen Rahmenbedingungen schon viel besser und erscheint im Gesamtbild eine gut vorstellbare Vorlage für das aktuelle Geschehen.

Aber es gibt noch eine, zunehmend vergessene Parallele, die mir noch einen Tick besser gefällt. Und das ist 1998, woran sich noch 2 Jahre harte Rally anschlossen, bevor dann im Jahr 2.000 eine echte Blase platzte:

S&P500 1998

Diese Struktur eines Doppelbodens passt sehr gut zu einem Ablauf, in dem die Indizes nun noch bin zu den genannten Widerstandszonen laufen, dann im Zuge einer Erwartung der Zinserhöhung der FED in die FED Sitzung hinein fallen und nach dem die Kuh endlich vom Eis ist und klar wird, dass nach der ersten pro-forma Erhöhung sowieso nichts nachkommt, dann zum Jahresende hin wieder in den Rallymodus gehen.

Alles Spekulation? Stimmt, das betone ich ja immer. Aber es spricht viel dafür, dass die 2011er und 1998er Analogie näher an den Realitäten der Gegenwart ist, als die extremen Crash- und Rebound-Szenarien, die man von den grossen -> Crashpropheten und Gesundbetern <- nun mal wieder lesen kann.

Für die Anleger bedeutet das, nicht zu schnell das ganze Pulver zu verschiessen und sich auf weitere, wilde Volatilität einzurichten - aber Schwäche trotzdem Zug um Zug zu nutzen, um langfristige Posititionen wieder aufzubauen, die aufmerksame Markt-Beobachter Anfang August abgebaut haben.

Und woran erkennt man, dass wir doch in 2008 sind und man doch schnell raus muss? Wenn das Tief vom letzten Montag nicht nur kurz für ein oder zwei Tage marginal unterschritten, sondern nachhaltig nach unten verloren wird. Dann hätten wir Alarmstufe Rot an den Märkten, aber da sind wir noch nicht.

Am Ende ist es aber alleine die Price-Action die für uns Relevanz haben sollte. Wir dürfen uns deshalb auch nicht in obige Vorlagen verbeissen, vielleicht hat 2015 sein ganz eigenes Muster, das noch nicht geschrieben ist.

Aber eine grobe Orientierung können die alten Verläufe schon geben und solche Szenarien erlauben uns, das reale Geschehen dann auch schneller einzuordnen. Und das ist eine Menge wert, nur verheiraten und verlieben dürfen wir uns in diese Analogien eben nicht. Es sind gedankliche Krücken, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ihr Hari

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S&P500 und DAX und der Turnaround Tuesday

Der DAX hat vorgestern am Dienstag, seinen bisherigen Tiefpunkt erreicht und dann eine markante Rally hingelegt, die erst ab Dienstag aus einer überverkauften Markttechnik und später dann ab Mittwoch Nachmittag aus neuer Hoffnung um eine Lösung des griechischen Dramas entstand. Zumindest scheint es so.

Bei so massiven Bewegungen ist es immer das Gleiche. *Nachdem* diese durchgelaufen sind, haben es immer alle vorher gewusst. 😉 Das ist das beliebte mediale Spiel, das dort besonders intensiv gespielt wird, wo man von hohen Klickzahlen lebt, weil nur so die Werbung auf der Seite genügend Einnahmen bringt.

Nun war es ja aber tatsächlich so, dass einige wenige erfahrene Marktbeobachter, diesen Rebound am Dienstag wirklich antizipieren konnten, weil der Markt dafür halt reif war. Das Problem dabei ist immer, man kann zwar eine Wahrscheinlichkeit im Vorfeld identifizieren, aber der exakte Zeitpunkt liegt im Dunkeln, denn ein überdehnter Markt kann auch temporär noch mehr überdehnt werden. Erst hinterher kennt man dann den exakten Zeitpunkt der Wende.

Ein Aspekt, der in Deutschland dabei aber immer wieder auf erstaunliche Art und Weise unterschlagen wird, ist der massive Einfluss der Wallstreet und der US Investoren. Denn es ist ein Faktum, dass die Mehrheit der deutschen DAX Aktien in der Hand ausländischer Investoren ist und unter denen wiederum die institutionellen US Investoren dominant sind. Und deshalb wird auch das Volumen im DAX nicht von deutschen Anlegern dominiert, sondern eben von US Investoren und die sehen schon alleine aus Währungssicht den DAX ganz anders als wir.

Wer also verstehen will, was beim DAX passiert und dabei den bedeutendsten Faktor unterschlägt - die Sicht der US Investoren - handelt nicht wirklich auf belastbarem Boden. Demgegenüber sind beliebte Spekulationen um Dinge, wie beispielsweise die Positionierung der Stillhalter an der Eurex schon Wochen vor dem Verfallstermin, für mich eher irrelevant. Diese Dinge sind zwar ein Faktor unter vielen, aber im Vergleich zur Positionierung der US Investoren eben nebensächlich.

Die wirklich spannende Frage ist doch also: war dieser Rebound von Dienstag aus Sicht der US Investoren schon im Vorfeld zu sehen? Und die Antwort ist klar und deutlich: Oh Ja!

Ich stellte hier weiter unten meinen Live-Post aus Hari Live von Dienstag 09.06.15 08:40 ein, den ich "Turnaround Tuesday?" genannt hatte. Zu dem Zeitpunkt war der DAX noch vor dem Tiefpunkt und war kurz davor, massiv unter die 11.000er Marke zu tauchen.

Sie sehen daran, der S&P500 hat einfach nur exakt getan, was zu erwarten war, einfach weil es seit Jahren den dominanten "Buy the Dip" Trade darstellt. Und wir hier im Premium-Bereich haben es tatsächlich vorher antizipiert.

Und vor allem, das "US Big Money" hat es sich schon am Tag vorher für kundige Augen sichtbar zurecht gelegt. Wer wissen will, was es mit dem "Buying on Weakness" und "Selling on Strength" Konzept auf sich hat, muss Mitglied werden. 😉

Und nun frage ich Sie: Warum hat der DAX am Dienstag tatsächlich gedreht? Ist der DAX nun der Hund oder nicht doch eher nur der Schwanz des Hundes, der immer etwas wackelig mit seiner Rute wedelt?

Die Antwort ist:

Der DAX ist der Schwanz des Hundes. Und es gibt keine simplen zweidimensionalen Kausalbeziehungen! Die Märkte sind miteinander verwoben und das gilt ganz besonders für DAX und S&P500.

Und noch etwas ist eine Wahrheit, die leider zu oft einfach ignoriert wird:

Wer sich nicht ausführlich mit der Sicht der US Investoren beschäftigt, kann die Bewegungen des DAX nicht vollständig verstehen.

Ihr Hari

Und hier nun mein Post in Hari Live von Dienstag 09.06.15 08:40 MEZ

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Guten Morgen!

Der DAX ist durch fühlbaren Käuferstreik langsam bis zur 11.000er Marke gebröselt, dazu zeige ich Ihnen nachher noch ein interessantes Chart.

"Käuferstreik" heisst, dass es nicht wirklich massiven Abwärtsdruck gab. Aber das Fehlen von Käufern und der steigende Euro, haben den DAX langsam abwärts bröseln lassen.

Heute kommt aber vielleicht der Tag der Markttechnik. Denn nach Tagen - wenn nicht Wochen - der Indifferenz, sehe ich im S&P500 für den heutigen Tag mal wieder ein interessantes taktisches Setup. Und das ist der alt bekannte "Turnaround Tuesday".

Der grosse Vorteil des heutigen Tages ist, dass es kaum Wirtschaftsdaten gibt und auch aus der Richtung Griechenland erst einmal keine grundlegende Veränderung zu erwarten ist. Der Markt kann heute also in sich schwingen.

Und der S&P500 hat nun wieder einen überverkauften Zustand erreicht und ist an der unteren Begrenzung der Range angekommen:

S&P500 09.06.15

Man kann solche Strukturen vielfältig zeichnen, zwei Varianten habe ich oben eingezeichnet. Aber die Kernaussage bleibt gleich: Es hat sich in den letzten Jahren immer gelohnt, die untere Begrenzung des Trends zu kaufen. Und deshalb macht es Sinn, auch jetzt eher auf eine Fortsetzung dieser Struktur zu setzen, als auf einen Bruch dieser Übung, die so lange so erfolgreich war.

Sollte aber hier nun *keine* Gegenbewegung kommen und der S&P500 einfach weiter fallen, hätte auch das grosse Bedeutung. Denn es würde uns signalisieren, dass dieser Markt nun ein Anderer geworden ist. Was bedeutet, dass man mit einer echten, grossen Topbildung und dem Ende des jahreslangen Aufwärtstrends im S&P500 rechnen müsste.

Das ist nun also ein wichtiger Moment. Und dass das grosse Geld die Wahrscheinlichkeiten ganz genau so sieht wie ich, können wir daran erkennen, dass wir gestern - mitten im negativen Closing - mal wieder einen markanten Buying on Weakness Print (BoW) im SPY hatten. Was für eine Überraschung.... 😉

Der typische Ablauf des heutigen Tages wäre dann also, dass sich ab 15:30 Uhr erst einmal frühe Schwäche anschliesst, die den S&P500 noch etwas drückt - im Maximum sollten vielleicht 206x nach unten noch drin sein. Dann aber - eine Stunde nach Handelsschluss, gegen 16.30 Uhr MEZ - steigen die Kaufprogramme ein, die sich schon gestern Abend sichtbar im BoW auf die Lauer gelegt haben. Und erzeugen in dem Szenario dann ein markantes Reversal - den "Turnaround Tuesday" eben.

Es ist dieser Ablauf, der seit 2012 so oft und so profitabel, immer wieder funktioniert hat. Für den heutigen Dienstag, hat sich der Markt dieses Setup wieder wunderbar zurecht gelegt.

Und wenn uns heute keine geopolitische Nachricht herein spuckt, die das Spiel völlig verändert, haben wir heute die Chance anhand des Verhaltens des US Marktes zu studieren, ob dieser Bulle immer noch intakt ist und noch nach den bewährten Mustern tickt.

Oder ob er in der Transition in einen neuen, negativeren Zustand ist, was uns zwingend wesentlich skeptischer und vorsichtiger machen sollte.

Ihr Hari

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Last des Euro und Widerstand des DAX

Wohin bewegt sich der DAX? Haben wir den Boden der Korrektur schon mit den zwei markanten Tiefs vom 07. und 14. Mai gesehen? Oder taucht der Index noch unter 11.000?

Das ist die Frage, die uns nach den wilden Swings der letzten zwei Wochen, nun alle umtreibt. Eine definitive Antwort wird Ihnen aber keiner geben können und wer das Gegenteil behauptet, ist schlicht ein Scharlatan.

Aber wenn man den Markt liest, gibt es Indikationen, die einem wichtige Hinweise geben können. Ein bischen so wie früher ein Indianer, der sein Ohr auf den Boden gelegt hat und schon von Ferne hören konnte, dass da ein "Eisernes Pferd" heran schnaufte. 😉

Hinweise sind keine Garantien und Sicherheiten, aber klare Hinweise sind auch mehr, als reines Raten und deshalb sehr wichtig. Und wer wissen will, wie es im DAX weiter geht, darf dabei den Euro nicht vergessen.

Denn seit einiger Zeit besteht eine klare inverse Korrelation zwischen Euro (hier ausgedrückt im EURUSD Währungspaar) und dem Verlauf des DAX. Und diese Korrelation will ich Ihnen mit diesem eindrucksvollen Chart zeigen, welches die inverse Entwicklung zwischen DAX und Euro seit letztem Jahr darstellt.

Diese inverse Korrelation hat übrigens eine Menge mit der Tatsache zu tun, dass es nicht deutsche Anleger, sondern US Anleger sind, die den Verlauf DAX mit ihren Volumina dominieren. Und aus der Sicht eines institutionellen Anlegers im Dollarraum, stellt sich die Lage des DAX eben ganz anders dar als für uns, die wir hier im Euro als Währung sitzen. Das aber nur am Rande, diese Thematik besprechen wir immer wieder im Detail im Premium-Bereich.

Zurück zum Euro und zum DAX. Schauen wir auf das Chart:

DAXEUR 19.05.15

Was wir sehen ist eindrucksvoll und erklärt sich von alleine. Es hat also lange genügt, auf den Euro zu schauen, um zu wissen, wohin der DAX geht. Wer sich mit der Chartstruktur des Euros befasst sieht schnell, dass sich hier eine veritable Wendeformation aufzubauen scheint, die EURUSD durchaus über 1,15 bis zum Beispiel 1,20 bringen könnte. Ich gehe zwar davon aus, dass wir früher oder später die Parität sehen, aber vorher kann der Euro durchaus noch einen stärkeren Rebound hinlegen, als wir uns im Moment vorstellen.

Würde der Euro weiter steigen, wäre das für den DAX nach der aktuellen Korrelation fatal. Aber es naht vielleicht Rettung!

Denn wenn Sie genau hinschauen, sehen Sie im grünen Bereich im rechten Teil des Charts, wie sich der DAX zunehmend vom steigenden Euro abkoppelt. Wir beobachten das im Premium-Bereich schon seit Wochen und ziehen unsere Schlüsse daraus. Immer wieder gab es zuletzt Tage, in denen der DAX trotz starkem Euro auch steigen konnte. Dazwischen waren dann aber auch wieder Rückfälle in die Zeit der inversen Korrelation.

Was kann man aus dem zunehmenden Widerstand des DAX ableiten?

In meinen Augen, dass der DAX stärker ist, als er ausschaut und die Chancen für eine positive Entwicklung im weiteren Jahresverlauf gar nicht schlecht sind - selbst wenn der Euro noch weiter steigen sollte. Solche Korrelationen zwischen Währung und Index sind auch nicht in Stein gegossen, sondern ändern sich. Und diese Änderungen markieren oft wichtige Wendepunkte im Marktgeschehen, aber auch das ist ein anderes Thema, ich kann hier in einem kurzen Artikel im freien Bereich nicht alles adressieren.

Umgedreht hat der Leitindex S&P500 zwar gerade einen kleinen Ausbruch zu neuen Hochs vollzogen, das aber derart zäh und unter geringem Volumen, dass man befürchten muss, dass hier nicht mehr all zu viel Upside existiert. Der S&P500 ist also in meinen Augen schwächer als er aussieht.

Sicherheit über den weiteren Verlauf des DAX in diesem Jahr verschafft uns das natürlich nicht. Aber wer in den Märkten oder bei "Gurus" Sicherheit sucht, ist sowieso noch völlig auf dem falschen Dampfer und hat keine Chance auf dauerhaften Erfolg.

Unsere Aufgabe als erfolgreiche Anleger ist viel mehr, mit der Unsicherheit umzugehen und kleine Signale und Indizien für uns zu nutzen, in dem wir konsequent auf Wahrscheinlichkeiten setzen.

Und in diesem Sinne sagt uns der zunehmende Widerstand des DAX gegen den starken Euro, dass man die DAX-Bullen wohl noch nicht so einfach abschreiben sollte!

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Bilfinger macht *Pling*

Der folgende, kurze Hinweis, erschien schon Mittwoch 15.04.15 17:15 in Hari Live

Irgendwie bekommt der Markt langsam etwas Absurdes. Man kann anfassen, was man will, es funktioniert. 😉

Und in diesem Markt wäre auch ein Affe erfolgreich. Ich erinnere an meinen Post "Wir sind Helden!?" in Hari Live, in dem ich klar gemacht habe, dass nicht wir plötzlich zu "Anlage-Helden" geworden sind, sondern das Markt-Environment seit Mitte Januar so klar ist, dass auch ein Affe darin Geld machen könnte. 😉

So können wir nun auch bei Bilfinger Vollzug melden. Ich hatte die Aktie ja in Sachen "Rebound" und "Rounded Bottom" mehrfach besprochen, zuletzt am Freitag 06.03.15 12:50 mit dem Hinweis des Ausbruches aus der Bullenflagge, damals bei 53,88€.

Nun hat es bei 60€ *Pling* gemacht und das eindrucksvolle Chart sieht nun so aus:

Bilfinger 15.04.15 2

Wir sehen, dass die Aktie damit 2 Gaps geschlossen hat. Das ist erst einmal eine Hausnummer, die für eine Verschnaufpause in dieser Region gut sein sollte.

Trotzdem ist da nach oben noch mehr drin und nach der Verschnaufpause, ist auch ein Angriff auf das grosse Gap gut vorstellbar.

Taktische Naturen nehmen also nun vielleicht mal Teilgewinne mit. Langfristige Anleger können einfach drin bleiben, solange sich an dieser perfekten Trendstruktur nichts ändert.

Fundamental ist Bilfinger sowieso ein Langstreckenlauf, denn es ist noch nicht einmal ein neuer CEO an Bord und es wird deswegen noch Monate, wenn nicht ein Jahr dauern, bis das Geschäft neu ausgerichtet ist. Und insbesondere wenn der neue CEO dann den typischen bilanziellen "Kehraus" veranstaltet, um sich von Altlasten zu befreien, muss man bei Bilfinger auch mal wieder mit einer mehrmonatigen Schwächephase rechnen. Schnelle, hohe Gewinne sollte man hier also nicht erwarten.

Trotzdem muss das die Aktie im grossen Bild nicht davon abhalten, unter Schwankungen wieder in das Normalniveau zurück zu kehren. So viele breit aufgestellte und zu Grossprojekten befähigte Baukonzerne, gibt es in Deutschland ja nicht mehr.

Ich wünsche einen schönen Tag!

Ihr Hari

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Raptoren im DAX

Der folgende Beitrag ist ein kleiner Auszug aus Hari Live von gestern Dienstag 06.01.15 14:30

Ich weiss nicht, ob Sie es bemerkt haben, aber wir hatten heute im DAX wieder so einen massiven Fakeout - ohne Sinn und Verstand sozusagen.

Derartiges Geschehen beobachte ich nun zunehmend im DAX und denke, dass dahinter wahrscheinlich aggressive Raubtier-Algorithmen stehen, sozusagen die "Raptoren des DAX Handels".

Schauen Sie mit mir mal auf das Intraday Chart des DAX Futures:

DAX 06.01.15

Sie sehen eine perfekte Wende, die sich da andeutete. Ich hatte diese heute früh angekündigt und sie ist ja nun auch gekommen, wir sind im DAX nun Stand 14:30 Uhr unter 9600 und damit genau da, wo ich die Gegenbewegung vermutet hatte.

Nur um ziemlich genau 09:38 Uhr brach der DAX "ohne Sinn und Verstand" massiv ein. Einfach aus dem Nichts, ich kann dafür keinen Auslöser verorten. Der S&P500 hat diesen Einbruch auch nicht bestätigt und sich im Zeitraum kaum bewegt, da war also nichts Relevantes. In anderen europäischen Märkten sieht man auch solche Effekte, wenn auch oft schwächer, das können aber "Schatten" der DAX Bewegung sein, denn die Märkte sind durch automatische Handelssysteme miteinander verknüpft.

Auffällig ist einfach, dass damit eine ganz logische Erholungsbewegung noch einmal abgeschossen wurde und alle frühen Bullen vernichtet wurden, obwohl die Bewegung danach doch wie geplant und als ob nichts passiert wäre, abgelaufen ist.

Ich erinnere mich besonders an den denkwürdigen 16.10.14, als der DAX auf der wichtigen Unterstützung von 8500 sass und ganz klar für einen deutlichen Rebound reif war. Auch an dem Tag kam am Vormittag dann noch ein massiver Einbruch "ohne Sinn und Verstand", der alle frühen Bullen zerstörte und danach, am Nachmittag begann dann - initiiert durch die Wallstreet - doch die V-förmige Bewegung, die den DAX in kurzer Zeit von 8.354 bis über 10.000 Punkte brachte.

Eine gewaltige Rally also, bei der alle besonders gekniffen waren, die eigentlich richtig positioniert waren und dann aber durch diesen plötzlichen Einbruch rausgekegelt wurden und den Einstieg nicht mehr schafften. Aber auch in den folgenden Wochen, habe ich im kleineren Massstab im DAX immer wieder solche Fakeouts am Vormittag erlebt, bevor dann eine echte Erholungsbewegung einsetzte.

Es ist mir unmöglich die Quelle dieser Bewegungen genau zu verorten, ganz klar ist aber für mich, dass das kein normales Marktgeschehen ist, sondern hier grosse Kräfte ihr Spiel mit den Anlegern treiben. So viel gehört im vormittäglichen Handel im DAX gar nicht dazu, der DAX ist halt einfach nur ein Index der zweiten Reihe mit beschränktem Volumen und ein Algo, der gut getimed und mit genügend Feuerkraft, den Index an der richtigen Stelle über die Klippe schiebt und dabei vielleicht noch Zugriff auf die Order- und Stopdaten hat, kann schnell eine Kaskade der Verkäufe in Gang setzen und davon selber profitieren, weil er unten - nach der Kaskade - wieder covered und die Gewinne einstreicht.

Für uns bedeutet das Geschehen ein weiteres klares Indiz dafür, dass wir uns bei mittelfristigen Trades von im System liegenden und Intraday scharf geschalteten Stops mehr und mehr verabschieden müssen. Nur bei echtem Intraday-Handel kann man darauf trotz dieser Einflüsse nicht verzichten.

Ich selber traue mich mit Stops im System eigentlich nur noch an die sehr liquiden S&P500 und NASDAQ heran, die noch am verlässlichsten und ruhigsten agieren. Im DAX und bei Einzelaktien, stelle ich bei mittelfristigen Anlagen aber zunehmend auf Stops auf Basis von Tagesschlusskursen um, die ich händisch kurz vor Handelsschluss in die Wege leite. Diese Technik ist mit mehr Disziplin und Zeitaufwand verbunden, schützt aber dagegen, durch solche Spielereien wie heute permanent rasiert zu werden.

Denn es gibt fast nichts Schlimmeres, als den Markt auf den Punkt exakt antizipiert zu haben und dann durch solche Eingriffe doch heraus geworfen zu werfen, bevor genau das passiert, was man sowieso erwartet hatte. Der Begriff "Raptoren" ist für diese Art Algos völlig zutreffend.

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Trading – Von Abwehr auf Angriff umschalten

Der folgende Artikel erschien 21.10.14 18:20 in Hari Live und wird hier in gekürzter Form in den freien Bereich gestellt

Kennen Sie das auch? Wenn eine Mannschaft beim Fussball zu stark in die Defensive gerät und sich zurück drängen lässt und nur auf die Verteidigung konzentriert, dann sehen wir oft am Spielfeldrand den Trainer mit den Armen rudern und "Raus! Raus!" schreien.

Meistens hören die Spieler das aber gar nicht mehr, zu sehr ist ihre Psyche nun auf Abwehr gerichtet. Dass man auch Angriff spielen könnte, scheint in der Dynamik des Momentes vergessen. Und schnell zwischen Abwehr und Angriff hin und her zu schalten, ist eine der Übungen, die nur gute Mannschaften so richtig "drauf" haben.

Auch an der Börse ist das für uns eine der schwierigsten Aufgaben. Und ich bin ganz sicher, einigen von Ihnen ist das in den letzten Tagen so gegangen.

Da dürften auch einige dabei sein, die eher etwas zu spät unter dem Eindruck der doch immer weiter fallenden Kurse ausgestiegen sind und erst spät das getan haben, was ich schon viel weiter oben gepredigt habe: Risikomanagement.

Und die dann bei dem brutalen und auch für mich überraschenden Taucher des DAX unter 8500 am Donnerstag Vormittag, ermattet aber glücklich durchgeschnauft haben, weil sie endlich draussen waren. Jetzt hätte es für diese Anleger immer weiter runter gehen können, nur will uns der reflexive Mr. Market diesen Gefallen nie tun, denn der hört systemimmanent genau dann auf zu fallen, wenn die Letzten raus geschüttelt wurden. Und so wurde der unerwartete Taucher unter 8500 zur brutalen Bärenfalle. Eine ähnliche Falle wurde den Bären noch einmal heute im frühen Handel aufgestellt.

So kam der Rebound über 8500, der ein erstes Zeichen einer möglichen Wende war. Und im S&P500 Future deutete sich parallel der Doppelboden an, den ich noch am Donnerstag 16.10. Nachmittag mit den deutlichen Worten "Achtung!" in Hari Live thematisiert hatte und von dem wir so schön profitieren konnten.

Jetzt hätten viele also ab letzten Donnerstag schnell und flexibel von Abwehr auf Angriff umschalten müssen, oder zumindest sich langsam eine Angriffsstrategie zurecht legen, wenn sie nicht kurzfristig, sondern mittelfristig agieren. Nur vielen dürfte das emotional gegen den Strich gegangen sein, endlich ist man draussen und will nun auch mal seine Ruhe haben!

Und deshalb machen wir Menschen dann erst einmal gar nichts und bleiben in unserem dominanten Modell (hier Defensive), das ja zuletzt so hervorragend funktioniert hat. Und wenn die Kurse dann doch steigen, kommt auch die Reue dazu, nicht dabei zu sein. Und die nagt an uns und macht unzufrieden.

Man könnte also sagen, unsere Psychologie ist ein Tanker, der zu lange braucht um sich zu lösen und zu drehen. Wie leicht oder schwer es uns dabei fällt, von Abwehr auf Angriff umzuschalten, ist aber auch stark vom Typus abhängig. Gerade der Typus "Gründler", den ich hier schon einmal beschrieben habe - Menschen also, die Dingen gerne auf den "Grund" gehen und typischerweise sich auch gerne in Details vertiefen - tut sich schwer damit, schnell umzuschalten. Wer dagegen eher immer das "grosse Ganze" im Blick behält, alles mitbekommen will und Details daher vermeidet wo möglich, hat es da psychologisch einfacher in einem volatilen Markt.

Und deshalb ist es so eminent wichtig, dass wir uns mit unserer Strategie, wie zum Beispiel mit dem Pattern Trading, das ich Ihnen zuletzt am S&P500 so erfolgreich gezeigt habe, einen objektiven Rahmen geben, dem wir dann auch folgen. Denn der Rahmen - wie bei mir die Muster (Pattern) - sagt einem dann schon, wann es Zeit wird von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Dass das funktioniert, haben wir gerade wieder gesehen.

In jedem Fall aber müssen wir dieses Grübeln vermeiden, wie die Kurse morgen sein werden. Das macht uns nur fertig und wir bleiben dann in der Regel im alten Verhalten und warten ab und sind dadurch gerade nicht in der Lage umzuschalten.

Also: es gibt viele Wege von Abwehr auf Angriff umzuschalten. Der "normale" und für die meisten auf der mittelfristigen Zeitebene wohl auch Richtige, ist der gleiche Weg, mit dem wir aus dem Markt ausgestiegen sind: der inkrementelle Einstieg in Schritten anhand der Marken und Muster.

Aber es gibt eben auch Methoden, mit denen man aggressiv solche Rebounds spielen kann und frühzeitig dabei sein - mit höherem Risiko natürlich. Dafür aber ist für diese Methoden egal, ob es sich um einen nachhaltigen Rebound oder nur um einen mehrtägigen Bounce im bestehenden Abwärtstrend handelt - Hauptsache der Kurs steigt die nächsten 24 Stunden, dann ist man bei solch aggressiven Einstiegen in Wende-Momentum, schon auf der sicheren Seite.

Welchen Weg man aber auch für sich persönlich geht, entscheidend ist, dass man den Wechsel von Abwehr auf Angriff überhaupt vollzieht und nicht verschläft, weil man keine Lust hat, sich schon wieder auf eine neue Situation einzustellen.

Denn ohne Angriff, kann man kein Spiel gewinnen. Beim Fussball ist das so. Ohne Abwehr aber auch nicht. Das Umschalten zwischen beidem, ist das grosse Geheimnis des Erfolges - nicht nur beim Fussball!

Und mit aktivem Handeln am Markt, können auf die Dauer nur die Menschen erfolgreich sein, die es lieben und es spannend finden, sich auf neue Situationen einzustellen.

Wer diese Psychologie nicht in sich hat, sollte sich eine langfristig orientierte, eher passive Strategie zurecht legen, die idealerweise rein von Indikatoren getrieben wird. Und die damit für Ruhe und Beständigkeit sorgt.

Oder er kann zwar aktiv handeln, muss aber den Zeithorizont so wählen, dass er nur auf langfristigen Charts agiert und sich daher für die täglichen Schwankungen nicht interessiert. Das erfordert aber auch die geistige Disziplin, das tägliche Geschehen und die Nachrichten in den Medien ignorieren zu können.

Den eines ist der Markt garantiert nicht: ruhig und beständig. Ich *liebe* ihn dafür! 😀

Ihr Hari

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