Festigung der Stellung


Guten Morgen!

Die US Zwischenwahlen haben dieses Mal keine große Überraschung, sondern das vorher erwartete Ergebnis gebracht. Die Demokraten kontrollieren nun das Repräsentantenhaus, die Republikaner weiter den Senat.

In der Art wie dieses "Patt" zustande kommt, liegt aber ein weiterer Triumph für Trump. Vergessen wir nicht, dass noch vor 2 Jahren davon geredet wurde, dass er ja nur ein "Betriebsunfall" der Geschichte sei. Erinnern wir uns auch, wie extrem Obama bei seinen letzten Zwischenwahlen abgestraft wurde.

Denn Zwischenwahlen gehen eigentlich fast immer negativ für den Amtsinhaber aus, ein ganz normaler demokratischer Mechanimus, den wir auch in Deutschland haben. Die Regierungsparteien in Berlin tun sich bei Landtagswahlen auch immer schwer, das ist ein ganz natürlicher Ausgleichsmechanimus.

Wenn also Trump tatsächlich ein "Idiot" und ein "Betriebsunfall" wäre, wenn Amerika wirklich "fertig" mit diesem narzistischen Präsidenten hätte, müsste heute ein rauschender Sieg der Demokraten sichtbar sein. Das Gegenteil ist der Fall, es ist eher ein laues Lüftchen, das Minimum sozusagen, was man von einer Zwischenwahl erwarten kann, um sie für die Demokraten nicht zur Katastrophe werden zu lassen.

Denn im Senat, in dem die Mehrheit der Republikaner bisher knapp war, wird diese ausgebaut, was Trumps Position stabilisiert, zumal einige Kritiker innerhalb der Republikaner nun auch nicht mehr im Senat sind.

Die Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus dagegen, ist nicht so massiv, dass die Demokranten nun schalten und walten könnten wie sie wollen. Dazu muss man wissen, dass das US System insofern weit demokratischer als das deutsche Listenwahl-System ist, weil die Abgeordneten ihr Mandat ausschließlich von ihren Wählern haben und diesen daher primär verpflichtet sind - nicht der Partei. Eine starre Fraktionsdisziplin wie in Berlin, die Abgeordnete zu "Stimmvieh" nach dem Wunsch der Regierung macht, gibt es dort also nicht.

Sicher gibt es auch in den US Disziplinierungsmittel, mit denen die Parteien Einfluß auf die Abgeordneten nehmen können, es geht ja auch um Unterstützung und Parteigelder. Diese sind aber viel weniger wirksam und der Wille der Abgeordneten die Wünsche ihrer Wähler umzusetzen, ist weit ausgeprägter als bei uns - ganz einfach weil *nur* die Wähler eine Wiederwahl garantieren können und nicht eine Parteiliste zur Wahl, die in der Parteizentrale ausgeheckt wird.

Kurz gesagt, der deutsche Abgeordnete denkt zuerst daran, im Machtsystem der eigenen Partei einen Listenplatz möglichst weit oben zu ergattern, der ihn vom Ergebnis der Wahl und damit dem Wähler unabhängig macht. So entstehen diese Politiker-"Karrieren" völlig unfähiger Gestalten, die im Leben nie etwas anderes getan haben, als in den Parteigremien zu antichambrieren. Der amerikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus denkt dagegen zuerst daran, seine Wähler glücklich zu machen, weil nur diese seine Wiederwahl ermöglichen können und niemand sonst.

Das Parlament dort ist also selbstständiger und so gibt es auch unter den Demokraten zu diversen Themen diverse Abweichler und es gibt keinen monolithischen Block, der nun immer zusammen abstimmen wird. Die Mehrheit der Demokraten ist nicht groß genug, um massiven Druck aufzubauen, es wird bestenfalls für ein wenig Destruktionspotential reichen.

Dieser Nachteil der Wahl für Trump, wird aber durch den gefestigten Senat ausgeglichen, der bisher mit Trump-Gegnern wie McCain auch kein leichter Partner war. Hinzu kommt ein Faktor, den viele derzeit noch nicht richtig auf dem Radar haben, die Wiederwahl Trumps in 2 Jahren dürfte heute wahrscheinlicher geworden sein.

Nicht nur, dass er seinen Wahlsieg vor 2 Jahren in ungünstigem Umfeld der Zwischenwahlen faktisch bestätigt hat, er kann nun auch die Demokraten mit einbeziehen und alles was nun schief läuft, ihnen und ihrer "Blockadehaltung" in die Schuhe schieben. Und wir wissen, das genau das - das "Blaming" und mit dem Finger auf andere zeigen - Trump ganz meisterlich beherrscht.

Trump wird also diverse kontroverse Themen aus dem Hut ziehen, die seiner Wählerschaft nützen. Statt diese bisher mit Gegnern im eigenen Lager zu verhandeln, werden diese nun von Demokraten blockiert, was Trump wunderbare Argumentationshilfe bietet, um mit dem Finger auf die Demokraten zu zeigen und alles was schief läuft dort abzuladen.

Und genau das wird er tun und es wird wirken. Die Demokraten haben also nichts wirklich gewonnen, genau genommen stecken sie jetzt mit im "Salat" der Trump-Präsidentschaft und können diese nicht mehr so einfach von der Seitenlinie kritisieren.

Summa Summarum haben wir ein erwartetes Ergebnis mit leichtem Vorteil für Trump, ein Ergebnis mit dem der Markt zunächst einmal hervorragend leben kann, bevor in 2019 der "Gridlock" dann tatsächlich seine Wirkung entfaltet.

Dieses Ergebnis war auch definitiv schon in den Kursen, ja sogar ein engeres Rennen war in den Kursen, weswegen eine Erleichterungsreaktion nun recht wahrscheinlich ist.

Ein positiver Jahresabschluß ist letzte Nacht also wahrscheinlicher geworden.

Gleichzeitig sollte der Effekt der Wahl nur zeitlich begrenzt sein, gerade weil das Ergebnis erwartet wurde. Besondere "Schnäppchen" aufgrund unseres zeitlichen Vorsprungs heute früh, sind also nur schwer auszumachen.

Auch zeitlich gesehen wird der Markt die Wahl nun sehr schnell abhaken und sich wieder dem zuwenden, was ihn wirklich umgetrieben hat, den Zinsen und dem Handel.

Ich hatte ja schon im Vorfeld betont, dass die Wahl nicht das wichtigste Thema für den Markt war, sondern dieser vor allem von den Makrothemen wie Zinsen und Handel bewegt wurde, verbunden mit seiner inneren Marktmechanik, in der eine Korrektur schon lange fällig war. Diese Themen rücken jetzt wieder in den Fokus, die FED am morgigen Donnerstag ist der nächste Meilenstein.

Hier sind die US Futures heute früh Stand 08:45 MEZ, der gestrige Tag ist die schwarze Box, die US Futures seit heute Nacht sind in Gelb zu sehen:

Was die Sektoren angeht, hat der wegen der politischen Risiken verprügelte Aerospace & Defense Sektor damit Chancen, zu einer Erleichterungsbewegung anzusetzen.

Bei Healthcare hatte die demokratische Mehrheitsführerin Nancy Pelosi heute Nacht nichts Besseres zu tun, als sofort wieder von-> Preisdeckelung bei Medikamenten <- zu reden. Das wird zwar gegen einen republikanischen Senat nur schwer möglich sein, der den Demokraten keinen Erfolg erlauben will, ganz unmöglich ist es aber nicht, dass hier eine überparteiliche Bewegung in Gang kommt. Der Stimmung im Sektor tut es heute wohl eher nicht besonders gut.

Fazit:

Die Wahl wird schnell im Rückspiegel verschwinden. Die Chance auf einen starken Jahresausklang ist heute größer und nicht kleiner geworden, ohne dass das ein durchschlagendes Argument ist.

Wir können und sollten uns wie der Markt also wieder mehr auf die Marktmechanik konzentrieren und damit wir belastbar glauben können, dass die Tiefs des Oktobers nun hinter uns liegen, sollte die 200-Tage-Linie im SPX nun überzeugend zurück erobert werden:

Das ist nicht mehr weit und ich gehe auch davon aus, dass die Linie heute zumindest touchiert wird, wahrscheinlich auch erobert wird.

Wenn der Markt ganz fies ist, läuft er heute in einer kurzen Erleichterungsreaktion bis zur 200-Tage-Linie und startet dann im Zuge der FED doch den Retest nach unten, wenn er die Wahl hinter sich lässt.

Das ist keineswegs undenkbar, nicht mal unwahrscheinlich, denn ein *All Clear* Signal zum Jahresende ist diese Wahl nicht, einfach nur ein wichtiges, aber nicht alles entscheidendes Positivum.

Im DAX sind Blütenträume weiter nicht angesagt, solange der die 11.800er Zone nicht zurückerobern kann, würde ich dem nicht viel Vertrauen schenken. Eine weitere Abwärtsbewegung bis 10.800 ist jederzeit in den Karten. Am Ende wird der DAX aber nur machen, was die US Futures vorgeben.

So weit meine Einordnung des Geschehens, die ich bis 09 Uhr zu Ihnen bringen wollte. Wir lesen uns am Nachmittag zum Stream, an den US Märkten wird heute viel Bewegung sein.

Ihr Hari

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Die US Sektoren vor der Wahl


Nach den Indizes, will ich mit Ihnen vor der Wahl auch einmal durch einige US Sektoren gehen und diese dabei unter der Perspektive betrachten, was wohl im Falle des Falles passieren wird.

Um die Darstellung zu vereinfachen, gehen wir daher hier davon aus, dass der Markt den wahrscheinlichen Ausgang schon eingepreist hat. Der wahrscheinliche Ausgang ist eben das Patt, nachdem die Demokraten das Repräsentantenhaus erobern und die Republikaner den Senat verteidigen können.

Sollte dieser wahrscheinliche Ausgang Realität werden, können wir davon ausgehen, dass der Markt das Thema Wahl recht schnell hinter sich lässt und dann liegt auch ein latent positiver Katalysator vor, weil die allgemeine Unsicherheit die nun im Markt existiert, entweichen kann. Und Unsicherheit belastet immer, weswegen es eine statistische Tendenz gibt, dass Märkte nach wichtigen Wahlen eher steigen als fallen.

Im Folgenden betrachte ich einige Sektoren-ETFs daher unter dem Blickwinkel, was eine Abweichung von der Erwartung bedeuten würde, wenn also die Republikaner beiden Häuser verteidigen oder die Demokraten beide erobern könnten.

Healthcare (XLV):

Der Healthcare Sektor könnte ein deutlicher Profiteur sein, wenn sich das "Patt" bestätigen sollte. Denn der Sektor steht für sich gut da, das größte Risiko - das auch immer wieder den Untersektor Biotech belastet - sind politische Eingriffe zum Beispiel zur Preisdeckelung bei Medikamenten.

Jedweder politischer Eingriff ist erst einmal disruptiv, weswegen das Beste was dem Sektor passieren könnte das "Patt" ist, in dem keine Seite ohne die andere kann. Das würde zuverlässig zu starke, populistische Eingriffe verhindern.

Healthcare wird also ein Profiteur eines Patts sein, die beiden "Durchmarsch-Szenarien" sind weniger positiv, dann wird politisch mehr "herumgefummelt".

Banken (XLF)

Trump betreibt eine Deregulierung, weswegen ein Durchmarsch der Republikaner ein klares Positivum für den Sektor wäre. Aktuell sind die Sorgen eines Patt aber weitgehend eingepreist, weswegen beim Patt auch eine Erleichterungsreaktion kommen kann.

Klar negativ für den Sektor wäre dagegen ein Durchmarsch der Demokraten.

Technology (XLK)

Der Technologie-Sektor ist vergleichsweise unabhängig von der Wahl, weder Demokraten noch Republikaner sind besondere Gegner oder Befürworter dieses Sektors. Dass eine Tendenz existiert, die großen Konzerne wie Google und Facebook stärker an die Kandarre zu nehmen, gilt für beide Lager, ansonsten will niemand die Innovationskraft des Sektors dämpfen oder in Frage stellen.

Hier werden also keine ideologischen Grabenkämpfe geführt, weswegen der Sektor von einem Ende der Unsicherheit nach markanter Korrektur, durchaus profitieren könnte.

Industrie (XLI)

Auf dieser Ebene schwierig zu besprechen, weil in Industrie extrem viel enthalten ist, von Rüstungsunternehmen bis zu Konstrukteuren von Brücken und Bahnen.

Ich will daher zwei Untersektoren herausgreifen, die interessant erscheinen.

Auf der einen Seite der US Infrastruktur Sektor. Für den gab es lange keine sinnvollen ETFs, nun ist mit dem IFRA einer da, der ist aber noch zu jung um belastbare Charts zu liefern.

Das Verrückte aber auch Spannende am Thema ist, dass sich beide Parteien eigentlich einig darin sind, dass die US einen dringenden und grundlegenden Infrastruktur-Refresh benötigen.

Trotzdem sind alle Versuche einer Einigung im Sande verlaufen, was eben auch mit der Polarisierung zu tun hat. Denn die beiden Parteien setzen unterschiedliche Schwerpunkte und man hat in den letzten 2 Jahren dann lieber gar nichts gemacht, statt sich zu einigen.

Sollte sich eine Seite durchsetzen, dürfte das so weitergehen. Genau darin liegt aber die Chance eines Patt. Sicher ist es nicht, aber zumindest die Chance eröffnet sich, dass man dann einen Kompromiss finden kann, denn auch die Wähler machen zunehmend Druck, die mit kaputten Straßen und maroden Stromleitungen tagtäglich leben müssen.

Für die US Infrastruktur-Aktien eröffnet ein Patt also Chancen.

Der zweite Untersektor ist Aerospace & Defense (ITA). Dieser hat vor der Wahl stark korrigiert und Unsicherheit eingepreist, die sich nach der Wahl auflösen könnte, auch wenn es beim Patt bleibt.

Hier ist es recht einfach, je stärker die Republikaner sind, desto besser für den Sektor und umgedreht.

Energy (XLE)

Der Energie-Sektor ist von der Wahl relativ unbetroffen, der wird mehr von geopolitischen Fragen bestimmt. Insofern ist die Frage von Iran-Sanktionen relevant, die den Ölpreis massiv bewegen, diese machen aber nicht die Abgeordneten sondern die Regierung, was den Einfluß der Wahl begrenzt.

Mehr Effekt wird im Clean Energy Sektor (ICLN) zu sehen sein, der von einem Durchmarsch der Demokraten profitieren sollte:

Ganz grundsätzlich ist es also keineswegs so, dass der eine Ausgang der Wahl prinzipiell immer positiv und der andere prinzipiell immer negativ wäre. Das behaupten nur die Ideologen der jeweiligen Lager.

Richtig dürfte sein, dass im Markt nun Unsicherheit eingebacken ist, die sich nach der Wahl auflösen kann, wenn das wahrscheinliche Szenario des "Patts" eintrifft. Das ist also latent positiv für den Markt.

Richtig dürfte auch sein, dass wegen der für den Markt wichtigen Steuerreform, ein kompletter Sieg der Republikaner eine noch stärkere Erleichterungsreaktion bringen dürfte, dann gehen wir wohl schon Morgen massiv nach oben in den Indizes.

Aber auch ein Durchmarsch der Demokraten kann in einzelnen Sektoren positive Effekte verursachen, im breiten Markt ist Schwäche dann aber doch wahrscheinlich und wir müssen uns mit einem volatilen Retest der Tiefs arrangieren.

Denn unabhängig von politischen Überzeugungen, würde ein Durchmarsch der Demokraten massive Unsicherheit wegen des dann angestrebten Impeachment-Verfahrens bedeuten und Unsicherheit mag der Markt nicht, selbst wenn das am Ende ebenso ausgeht wie bei Clinton.

Gleichzeitig ist dieser Durchmarsch der Demokraten aber das Szenario mit der laut Umfragen geringsten Wahrscheinlichkeit und ist deswegen im Markt *nicht* eingepreist.

Heisst zusammengefasst, bei einem Patt wie einem Sieg der Republikaner darf man gelassen-optimistisch sein und davon ausgehen, dass die Wahl schon bald aus dem Blick des Marktes verblasst. Ein Durchmarsch der Demokraten dagegen, würde wohl erhebliche Verwerfungen verursachen.

Morgen in aller Frühe werden wir es wissen. Unser Vorteil in Europa ist mal wieder, das wir schon auf die Wahl reagieren können, während die US Anleger noch passiv abwarten müssen und schlafen.

Ihr Hari

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Wochenausblick KW45


Ereignis der Woche

Thema der Woche

Das Ereignis und Thema der Woche sind die US Zwischenwahlen. In denen geht es darum, wie die Mehrheitsverhältnisse in den beiden Kammern des Repräsentantenhauses und des Senats in der zweiten Hälfte des Presidentschaftszyklus aussehen.

Seit der "Trump-Wahl" vor 2 Jahren, haben die Republikaner die Mehrheit in beiden Häusern, die derzeitigen Umfragen zeigen aber eine Wahrscheinlichkeit von 80-90%, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen. Gleichzeitig zeigen die gleichen Umfragen aber auch eine 80-90% Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Republikaner die Mehrheit im Senat behalten.

Nun sind Umfragen nur begrenzt zuverlässig, wie wir seit 2016 mit Brexit und Trump-Wahl endgültig wissen. Und das Wahlsystem ist in den US sowieso komplex, hier geht es nicht um landesweite Durchschnitte, sondern um teilweise knappe Mehrheiten in teilweise kleinen Bundesstaaten, die mit wenigen tausend Stimmen kippen können.

Trotzdem sind diese Umfragen alles was wir haben und und wir können daher fest davon ausgehen, dass der Markt dieses Ergebnis auch heute schon eingepreist hat.

Wäre es positiv für den Markt, wenn die Republikaner die Mehrheit in beiden Häusern behalten?

Ja, aber nur marginal. Der Markt hat nicht so viel gegen ein sich gegenseitig blockierendes Patt - wenn Washington nicht funktionsfähig ist, kann es auch keinen Unfug beschließen. Es gibt sogar Vorteile für ein Patt das Trump ein wenig dämpft, wir wissen ja zum Beispiel, wie sehr sich der Markt um den Handel sorgt. Trotzdem wäre ein Sieg der Republikaner nocht etwa besser, das wäre also ein leichtes Positivum nach der Oktoberkorrektur.

Wäre es negativ für den Markt, wenn die Demokraten beide Häuser erobern?

Ja definitiv und vermutlich deutlich. Dann würden Sorgen entstehen, dass zum Beispiel die Steuerreform zurückgedreht wird und das Land wegen eines Impeachment-Verfahrens gegen Trump in eine Art Bürgerkrieg gestürzt wird, denn die Trump-Unterstützer werden das nicht hinnehmen, auch nicht wenn sie nur48% sind.

Sofort nachdem solche Vorab-Ergebnisse herein kommen, werden wir den Markt wegknicken sehen und insbesondere die von Aufträgen des Verteidigungsministeriums abhängigen Konzerne des Aerospace & Defense Sektors, werden schlicht geschlachtet werden.

Eher weniger betroffen wird alles sein, was aus dem Silicon-Valley kommt, das war schon immer eher den Demokraten nahe und eine Tesla beispielsweise, wird eher profitieren, weil man sofort ähnliche Strafmaßnahmen gegen Verbrenner vermutet, wie es sie ja auch in Europa gibt.

Also, eigentlich sollte die US Zwischenwahl keine massiven Marktbewegungen verursachen, außer wir haben eine "invertierte Trump-Überraschung", dass nämlich die Demokraten gegen die Umfragen beide Häuser erobern. Das wäre eher negativ.

Chance und Risiko der Woche

Letzte Woche habe ich Ihnen zusammenfassend hier geschrieben:

Wir haben derzeit eine 80-90% Chance dass bald ein Rebound kommt. Und ein 10-20% Risiko, dass wir in so einen Crash laufen.

Und weiter:

Ein perfekt bullischer Ablauf wäre Schwäche noch am Montag, der die Indizes auf die genannten Unterstützungen führt und dann Stärke für den Rest der Woche.

Genau das ist in Perfektion passiert. Mittwoch auf Donnerstag Nacht habe ich Sie dann in -> Vom leichten Geld <- auf ein kommendes Retracement aufmerksam gemacht und noch gesagt:

Um einen recht sicheren Boden zu haben, braucht es jetzt das höhere Tief das wieder mit Volumen gekauft wird. *Dann* wäre der Boden mit Wahrscheinlichkeit drin. *Dann*.

Auch das Retracement hat sich in Gang gesetzt, auch wenn es am Ende letzter Woche zweimal durch Manipulationsversuche von Trump kurzgeschlossen wurde. Trump hat natürlich ein Interesse an guter Stimmung bei der Wahl, denn die US Bürger sind durch ihre 401K Konten weit mehr mit dem Aktienmarkt verbunden, als wir uns das hier auch nur in unseren Träumen vorstellen können.

Trotz Trumps Intervention hat der Markt also Ende letzter Woche zu einer Konsolidierung angesetzt und damit sind wir bei der Kernfrage und Chance/Risiko dieser Woche:

Bekommen wir nun ein höheres Tief, vollenden eine Bodenbildung und drehen von da an zum Jahresende nach oben?

Oder erleben wir gerade das letzte Hurrah vor großen Schmerzen?

Meine Antwort ist erstens, dass ich das Risiko der "Durchmarsch-Szenarios" der Demokraten nicht beziffern kann. Das sollen die Demoskopen machen und wenn das doch passieren würde, würde es auch die folgenden Aussagen ungültig machen.

Wenn ich aber rein von den aktuellen Marktinternas ausgehe, die bisher nach Lehrbuch aussehen und wenn ich die Wahl ignoriere, dann würde ich mit 70% Wahrscheinlichkeit nun von einem höheren Tief und einem daraus folgenden Boden ausgehen. Die beiden logischen Alternativen sind dabei weiter die Alternativen (A) und (B) aus -> Vom leichten Geld <-, einerseits eine Wende nach dem Gapfill um 2.680 und andererseits ein sauberer Doppelboden:

Das Szenario (C) besteht dabei aus verschiedensten Varianten, vom Beginn einer goßen Baisse, einem üblen Crash ala 1987 am "Black Monday" (ich habe Ihnen den vor einer Woche gezeigt), bis zum Undercut unter die Tiefs von Februar. Ich werde das gleich in der "Warnung der Woche" vertiefen.

Erneut, bitte bedenken Sie auch, dass dieses Bild rein das Bild der aktuellen Marktmechanik ist. Es wird durch die Wahl überlagert und ich bin nicht in der Lage die Wahl vorherzusagen, würde ich anderes behaupten wäre ich ein Scharlatan.

Als Fazit kann man sagen, dass wir diese Woche durch die Wahl einen erhöhten Unsicherheitsfaktor haben. Davon abgesehen, haben wir aber immer noch eine gute Chance für einen belastbaren Boden in Form eines höheres Tiefs. Aber auch massive Risiken nach unten. Wir sind an der Wegscheide, der Moment der Wahrheit naht.

Ob dieser potentielle Boden dann den Bullenmarkt erhält und zu neuen Hochs führt, oder am Ende in 2019 doch nur der "Last Gasp" vor einer größeren Topbildung ist, ist eine Frage die im Raum steht, der wir uns aber im Moment nicht stellen müssen, das lenkt nur ab. Im Artikel -> Düstere Parallelen <- habe ich das letzte Woche thematisiert.

Warnung der Woche

Diese Kategorie ist neu und einmalig, denn ich stehe vor einer kommunikativen Herausforderung, die mit der massiven Heterogenität von Ihnen zu tun hat. Und es ist jetzt immens wichtig, dass Sie die Lage richtig einschätzen und dann für sich selber diese Lage auf Ihre Bedürfnisse übersetzen.

Letzte Woche habe ich geschrieben, ich wiederhole das:

Wir haben derzeit eine 80-90% Chance dass bald ein Rebound kommt. Und ein 10-20% Risiko, dass wir in so einen Crash laufen.

Heute sage ich oben:

Wenn ich aber rein von den aktuellen Marktinternas ausgehe, die bisher nach Lehrbuch aussehen und wenn ich die Wahl ignoriere, dann würde ich mit 70% Wahrscheinlichkeit nun von einem höheren Tief und einem daraus folgenden Boden ausgehen.

Warum ist der Wert der positiven Wahrscheinlichkeit nun kleiner?

Ganz einfach, weil bei eine rmassiven Überdehnug wie wir sie Anfang letzter Woche hatten, fast immer ein Snapper kommt. Den hatten wir nun aber, nun kommt aber der Moment der Wahrheit. Wir kommen diese Woche an eine ganz wichtige Wegscheide!

Jetzt wird sich entscheiden, ob wir kurz vor dem Ende der Korrektur sind, oder Schlimmes vor uns liegt. Und die endgültige Scheidelinie ist hier in Blau:

Wenn wir die Tiefs von letzten Montag nun also verlieren, eröffnen sich dramatische Risiken, Chris Ciovacco hat das in seinem Video -> Last hurrah for stocks before brutal global selloff? <- sehenswert dargestellt.

Jetzt bin ich kein großer Fan von Trendlinien über Jahrzehnte und man muss festhalten, dass das Marktenvironment heute ein anderes als vor 20 Jahren ist und nun zu ca 60% von unemotionalen Algorithmen beherrscht wird.

Trotzdem ist sein Video insofern wichtig, als es noch einmal klar macht, dass es auch Crash-Szenarien mit einem riesigen Gapdown gibt. Die kommen nicht oft vor, aber wenn sie vorkommen, richten sie immensen Schaden an.

Und er hat im Video auch an 1987 erinnert, wie ich vor einer Woche hier im Wochenausblick. Denn 1987 sind die Anleger am "Black Monday" mit einem 20% Gapdown aufgewacht! Ja, ein 20% Gapdown.

Wenn der Markt über die Klippe geht, wird sich das ungefähr so anfühlen, von analytischem Blick zu Panik in kürzester Zeit:

Und nun frage ich Sie, könnten Sie das ertragen? Könnten Sie ertragen, dass aus einer Million Ihres Kapitals nach einer Nacht 200.000 fehlen?

Dieses Risiko ist nun da. Das Risiko so eines Gaps ist nicht 30%, sondern eher einstellig unter 10% in meinen Augen, die Variante (C) hat die unterschiedlichsten Szenarien. Aber es ist nun real da, falls wir durch die Unterstützung durchfallen, weil dann werden alle gleichzeitig zum Ausgang rennen.

Könnten Sie damit leben? Würden Sie ruhig bleiben und bei Ihrer Strategie bleiben? Würden Sie dann vielleicht sogar kaufen? 1987 war genau das das Erfolgsmodell - zu kaufen.

Und das ist mein kommunikatives Problem im Moment. Mit einer überwiegenden Wahrscheinlichkeit, haben wir nun ein kaufbares zweites Tief vor uns, das uns dann zumindest einen tollen Jahresabschluß ermöglicht, wenn nicht sogar ein Februar 2016 Event. Der Moment der Wahrheit, die Wegscheide, ist nun wohl diese Woche da, den Ablauf "erstes Tief -> Rebound -> Neue Schwäche" hatten wir schon, jetzt kommt die Entscheidung.

Mit geringerer Wahrscheinlichkeit laufen wir nun aber in große Risiken und selbst ein Crash ist nicht undenkbar, wenn unter den Tiefs vom letzten Montag alle panisch verkaufen wollen.

Und wir haben sogar einen möglichen Trigger für so einen Moment, sollte das Unwahrscheinliche passieren und die Demokraten beide Häuser erobern, kann ich für nichts garantieren.

Das ist das Risiko das wir haben. Es ist also mal wieder ein Moment des asymetrischen Risikos mit großen Chancen bei gleichzeitig immensen Risiken.

Wie Sie damit umgehen sollen, kann ich Ihnen nicht sagen, weil Sie sind nicht ich und Sie sind alle zu verschieden, um meinerseits einen pauschalen Rat zu geben.

Für alle "normalen" Anleger, die sich noch nicht als "Ritter" mit dicker Rüstung und guten Nerven bezeichnen würden, würde ich aber wie Chris Ciovacco sagen, dass es weniger schlimm ist, die ersten Prozent eines Rebounds zu verpassen, als in so einen Crash zu laufen.

Am Ende ist die Abwägung aber ihre. Wir haben wie letzte Woche mit guter Wahrscheinlichkeit bald gute Chancen mit einem höheren Tief. Und mit geringerer Wahrscheinlichkeit massive Risiken, wenn wir durchfallen. Ganz ähnlich wie Anfang letzter Woche, nur ist das Risiko des "Durchfallens" nun etwas höher.

So ist die Lage immer in so Momenten, ich erinnere mich eindrücklich an 2011, wie das damals war - großes Kino. Ich habe das hier lesenswert dargestellt: -> Es ist so artiziell! <-

Machen Sie also Pläne, bereiten Sie sich vor - lassen Sie sich aber nicht blockieren. Wenn man in unerforschte Bereiche der Galaxis aufbricht, muss man das aushalten, denn wahrscheinlicher ist die Chance. Aber das Risiko dürfen Sie auch nicht ignorieren und Sie müssen darauf eine Antwort haben. Die Realität ist halt differenziert.

Hinweis der Woche

Ich habe schon oft gepredigt, dass es absolute Sicherheit am Markt nicht gibt, sondern die Kunst der Geldanlage daraus besteht, in Unsicherheit die optimalen Entscheidungen zu treffen und dann Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Das gilt für Trader wie Investoren gleichermaßen, wer wartet bis er sich "sicher" fühlt, kauft in der Regel zu einem ungünstigen Punkt, denn wenn sich der Letzte "sicher" fühlt, hat die große Mehrheit schon gekauft und die Rally ist alt. Auch das gilt für Trader und Investoren gleichermaßen, die Rally 2009 zu kaufen war beispielsweise sicher besser als 2015.

In diesem Zustand der permanenten Unsicherheit, gibt es manchmal Momente, in denen die Wahrscheinlichkeit sehr stark in eine Richtung gedehnt ist. Das kommt selten vor und es ist daher ein Geschenk, aber es kommt vor.

Anfang Oktober war so ein Moment, kommende Schwäche war zu "riechen", wie Sie hier erlebt haben. Und vor einer Woche war so ein Moment, ich habe mich mit der obigen, bei mir höchst seltenen Aussage von der 80-90% Chance aus dem Fenster gelehnt und so ist es gekommen - auf den Punkt, inklusive der Schwäche am Montag und Wende am Dienstag. Klar, man musste sich wegen der massiven Risiken nach unten absichern, die Chance nach oben war aber real wie selten.

Was ich nun sage, richtet sich nicht an die, die aufgrund einer langfristigen Strategie - zum Beispiel mit Wochenkerzen - in der letzten Woche keinen Handlungsbedarf hatten. Wer so eine Strategie hat und ihr gefolgt ist, hat alles richtig gemacht und ist nun ausdrücklich *nicht* angesprochen.

Aber die anderen, die solche potentiellen Rallys eigentlich mitnehmen wollten, die auch bewusst kurzfristig agieren wollten, die sollten sich nun unbedingt fragen, ob Sie diese außergewöhnliche, taktische Chance genutzt haben oder nicht - 80-90% Chancen sind eben höchst selten!

Wenn nicht, warum nicht? Fragen Sie sich das, es ist wichtig. Nicht ich will die Antwort hören, das ist Ihre Sache, ich will Sie ermuntern Ihrem Spiegelbild diese Frage zu stellen.

Hatten Sie vielleicht Angst? Wenn ja, wovor? Mein Antwort ist, dass die großen Wenden und die größten Chancen immer im Moment der größten Gefahr und Angst existieren. Was hätte also dagegen gesprochen, nach dem Tief von Montag, am Dienstag mal was zu wagen und sofort unter dem Tief nahe abzusichern?

Erneut, ich spreche hier *nicht* darüber nach Bauchlage alles fallen zu lassen und einfach mal zu kaufen weil andere Chancen sehen. Ich spreche darüber, dass wir ja objektive Parameter hatten, die diese Überdehnung des Gummibandes und die Chance indiziert haben, ich habe einige davon hier besprochen.

Wenn ich sage "was spricht dagegen?" meine ich also was spricht dagegen eine Strategie zu haben, die in so Momenten anhand von Parametern mal zupackt und unter den Tiefs absichert und dann mal schaut was geht? Indikatoren an die man so eine Strategie objektiv binden kann, gibt es genug, man muss es nur tun!

Vielleicht haben Sie das letzte Woche getan, dann haben Sie einen wichtigen Schritt getan. Wenn aber nicht und wenn diese Abstinzen keine bewusste Entscheidung war, sondern eine Blockade, wenn Sie also untätig waren und es nun nachträglich bereuen, müssen Sie sich fragen: Warum nicht? Was hat Sie gebremst? Das müssen Sie unbedingt heraus finden, denn es hat höchst wahrscheinlich mit unser aller Affenhirn zu tun, mit Angst und Gier und allem was zum "Affen" dazu gehört.

Entweder müssen Sie in der Zukunft lernen das abzustellen und das geht nur über eine definierte Strategie, die in so Momenten einen klaren Trigger setzt, so wie ich so eine Lage ja auch anhand von Marktinternas erkenne. Oder Sie müssen zur Erkenntnis kommen, dass Sie auf diesen kürzerfristigen Zeitebenen nicht klar kommen und dann brauchen Sie eine längerfristige Strategie wie oben, die Sie anhand anderer Indikatoren führt. Und das kann dann auch ein guter Weg sein, dann haben Sie vielleicht letzte Woche die Schultern gezuckt und erneut, wenn das Teil der Strategie war, ist es "richtig" und gut so!

Die Botschaft dieses Hinweises ist aber die Gleiche, die ich Ihnen schon am Anfang des Jahres nach dem 09.02.18 gegeben habe. Denn auch letzte Woche war ein wichtiger Moment und noch dazu ein Moment, den ich Ihnen hier im Vorfeld! auf dem Silbertablett präsentiert habe. "Sicherer" ging es kaum, höhere Wahrscheinlichkeiten für eine Richtung sind am Markt faktisch unmöglich. Hat Ihre Strategie das auch erkannt? Wenn nein warum?

Was hat bei Ihnen letzte Woche also geklappt, was ist misslungen? Wenn Sie sich diesem ehrlichen Review Ihres eigenen Handels in den wenigen wichtigen Wochen des Jahres verweigern, können Sie nicht erwarten, es beim nächsten Mal besser zu machen!

Betrachten Sie diese Zeilen also als Aufruf zur Reflektion. Nicht ich will Ihre Antwort hören, Sie sind sich diese selber schuldig!

Viel Erfolg!

PS: Ich bin übrigens auch direkt als Mentor da, ich erinnere an -> Mentoring mit Hari <-. Das ist aber sehr intensiv und teuer, es muss teuer sein, weil es auch für mich anstrengend ist und ich nehme auch nicht jeden Wunsch an, der an mich heran getragen wird.

PPS: Zum Thema "teuer" eine Relativierung. Friedrich Merz soll bis zu 5.000€ pro Stunde abgerechnet haben. Nun gut, das hat im Umfeld von Großadressen und der öffentlichen Hand stattgefunden (der Steuerzahler hats ja ;)) aber es ist schon eine bemerkenswerte Hausnummer.

Im Vergleich dazu bin ich unglaublich billig. Denn ich sage voller Selbstbewusstsein, meine Kompetenz zu diesen Themen muss sich vor Herrn Merz nicht verstecken. Nur mein Netzwerk ist eindeutig *viel* schlechter. 😉

Chart/Grafik der Woche

Wie so oft finden wir bei DShort -> hier <- viele Artikel mit vielen Charts, die den Marktzustand und den Zustand ökonomischer Daten aus der Vogelperspektive verdeutlichen.

Ich kann nur empfehlen, da einmal die Woche darüber zu schauen und will hier mal wieder 2 Charts herausgreifen, um deutlich zu machen, was Sie da finden können.

Hier ist das hier schon bekannte Drawdown-Chart. Ähnlichkeiten des aktuellen Geschehens mit dem Flash Crash August 2015 und der Jahresanfangskorrektur 2016 sind nicht völlig von der Hand zu weisen, zumal auch dieses Jahr am Anfang eine Art technisch induzierter "Crash" stand, Sie erinnern sich das Thema des "Short Vola Trades" im Februar.

Dann haben wir hier ein spannendes Chart des US Marktes im Vergleich zum langfristigen Mittel, es ist Teil -> dieses <- Artikels:

Das sieht ziemlich gruselig aus, weswegen ich hier ausdrücklich warnen will: Das ist *kein* Timing-Indikator auf der Ebene von Tagen, Wochen, Monaten, nicht mal unbedingt auf Basis von Jahren.

Nur auf Basis von Jahrzehnten würde ich da Schweißperlen bekommen. Lassen Sie also Ihre Sicht auf die nächsten Monate *nicht* davon beeinflussen, das wäre ebenso dumm, wie auf die ganzen Weltuntergangspropheten zu hören.

Trotzdem ist das Chart wichtig, denn diese Überdehnung hat ja eindeutig mit der Geldflut der Notenbanken zu tun, ohne diese, würde das Chart nicht so aussehen. Auch dieses Chart sagt also nichts anderes, als was ich schon seit Jahren sage, dass das nämlich wahrscheinlich nicht gut enden wird. Es ist aber eindeutig *kein* Grund, jetzt sein Anlageverhalten zu ändern, das kann noch Jahre so weitergehen und wir sind im Vergleich vielleicht gerade in 1997/1998 mit seinen Korrekturen, aber eben nicht im Jahr 2000.

Index der Woche

2017 und 2018 waren die Jahre der Überperformance der US Märkte gegenüber dem Rest der Welt. Schon Ende 2017 wurde auf die US von vielen Fondsmanagern wegen "Überbewertung" der Abgesang gesungen und Sie wissen, dass wir das Gegenteil gemacht haben und damit in 2018 genau richtig gefahren sind.

Im Laufe des Sommers, hat dann das institutionelle Geld auch in die US gewechselt, wir haben das anhand des Funds-Manager-Survery verfolgt und prompt sind diese dann auch in den US in eine Korrektur gelaufen - "gutes" Timing. 😉 Da stellt sich doch die Frage, wie es in Sachen relativer Performance der Märkte 2019 weitergeht?

Ich glaube weiter nicht, dass die US relativ abzuschreiben sind. Die Faktoren, die die US Märkte bevorzugen, sind weiter vorhanden und werden sich ebensowenig schnell ändern, wie wir in Deutschland schnell keine wirtschaftsfreundliche Politiker-Kaste bekommen werden, die den lähmenden Stillstand und Substanzverlust umkehrt.

Kurz, die US werden weiter brummen und innovativ sein und wir werden uns in Deutschland weiter selber auf den Füßen stehen, von der Substanz leben und den schon überdehnten Sozialstaat weiter aufblähen. Auch in 2019 wird das so sein und die US Märkte relativ bevorzugen.

Trotzdem bin ich der Meinung, dass nun tatsächlich die Zeit der Mean-Reversion im Vergleich zu den US-Märkten kommen könnte und dabei denke ich vor allem an die Emerging Markets und China im Speziellen als Teil dieser.

Falls die US Märkte hier nun einen Boden bilden und falls die Handelsthematik dieses Jahr doch noch einer Einigung zugeführt wird, wird das Erholungspotential in diesen Märkten dem der US-Märkte deutlich überlegen sein. Und deshalb sollten wir unseren Blick nun zunehmend auf Märkte richten, wie sie durch die ETFs EEM und ASHR dargestellt werden und sollten eine mögliche Wende dort nicht übersehen, sondern nutzen:

In beiden Fällen ist eine Wende *noch nicht da* und ich rede hier definitiv keinem Griff ins fallende Messer das Wort. Aber auf die Watchlist gehören diese Märkte nun, inklusive der Untermärkte wie Brasilien, da liegen nun potentiell große Chancen für 2019.

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

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Können sie es doch?



Guten Abend!

Was wir heute im US-Markt sehen, ist das typische Geschehen, das wir nun schon so lange haben.

An der Oberfläche sehen die Indizes gut aus, einige Aktien laufen auch gut, aber im Mittel wird doch gerade in der 2. und 3. Reihe deutlich korrigiert. Auch heute ist der Russell 2000 der Nebenwerte wieder schwächer als SP500 und NASDAQ und dieses Muster haben wir ja nun schon einige Zeit.

Wie ich schon sagte, ist das ein Warnzeichen, aber auch nicht mehr. Es braucht viele so Warnzeichen, bevor es sich lohnt proaktiv tätig zu werden. Nur wegen eines einzelnen Warnzeichens gerät man nicht in Wallung, nimmt das interessiert und aufmerksam zur Kenntnis und macht weiter im Text.

Es gibt aber auch immer wieder Themen, die den Markt stabilisieren, wenn man denkt nun müsste er mal korrigieren. Heute früh in Europa war das das Ergebnis des Disputs zwischen Macron und LePen, in dem das Restrisiko dass Macron es versaut nicht eingetreten ist und insofern alle Umfragen einen Sieg Macrons mit mehr als 10% Vorsprung vorher sagen - eine Sicherheitsmarge, die selbst bei unfähigen Demoskopen ausreichen sollte.

Der Markt hat das in Europa heute früh leicht gefeiert und auch deshalb steht der DAX nun über 12.600 auf Allzeithoch. Damit ist aber der Sieg Macrons weitgehend eingepreist. Sollte doch LePen gewinnen, wäre das wohl eine sehr massive Überraschung, grösser als der Sieg Trumps oder der Brexit, wo die Umfragen enger waren. Diese extreme Überraschung würde dann erhebliche Verwerfungen produzieren, aber es ist eben nur noch eine Restwahrscheinlichkeit.

Heute Abend haben wir dann einen weiteren Faktor, der den Markt positiv in Wallung bringen dürfte, dieses Mal auf anderen Seite des Atlantiks. Denn die Republikaner behaupten nun genügend Stimmen zu haben, um die ursprünglich gescheiterte -> Health Care Bill heute Abend zu verabschieden <-.

Das wäre ein erhebliches Positivum für den Markt. Nicht wegen der Health Care Bill, die den Markt nur peripher interessiert, sondern wegen der dann gezeigten Geschlossenheit und damit Fähigkeit, auch zukünftig Gesetze durch die beiden Häuser zu bringen. "Können Sie es doch?" ist also die Frage heute Abend und wenn die positiv beantwortet wird, die Glaubwürdigkeit von Trumps Steuerreform-Versprechen erheblich erhöhen würde - mit positiven Folgen für die Kurse.

In dem Zusammenhang glaube ich, dass ein unterschätztes Damoklesschwert über den Bären hängt. Wir sehen im Chart diese Struktur des Aufwärtstrends, die theoretisch ein Doppeltop formen könnte. Ja könnte es, denkbar:

Es wird aber auch umgedreht ein Schuh daraus und ehrlich gesagt halte ich das für die wahrscheinlichere Interpretation, weil der Markt uns ja nun oft genug bewiesen hat, wo der Weg des geringsten Widerstands hin geht - nach oben.

Denn oberhalb dieser Linie werden ganz, ganz viele Stops für Shorts und Hedges liegen, die eben versuchen das mögliche Doppeltop zu spielen. Nun lassen wir die Kurse da mal durchziehen, weil zum Beispiel die Republikaner ihren Act zusammen bekommen oder die Arbeitsmarktdaten morgen einen Schub auslösen. Dann wird der Schub dynamisch sein, weil oberhalb 2.400 einiges zu covern sein sollte.

Das ist zwar Spekulation, sollten wir aber nicht aus dem Auge verlieren. Der Weg des geringeren Widerstands ist es allemal, denn wer rechnet damit, dass der SP500 nun Mitte Mai *nochmal* kräftig nach oben anzieht? Wir werden sehen.

Gold schmiert wieder ab und ich kann nur wiederholen was ich schon oft gesagt habe, dass wir solche Bewegungen nicht bekämpfen sollten, weder nach oben, noch nach unten. Deswegen ist es wichtig eine klare Vorstellung zu haben, wann man verkauft bzw mit wieviel Exposure man eine Baisse durchlaufen will. Und wenn man diese Strategie konsequent umsetzt, kappt man mit scharfem Schnitt früh und beobachtet dann ruhig und mit Schulterzucken, bis das Wetter wieder besser wird.

Leider treibt uns auch hier wieder unser Affenhirn in die entgegengesetzte Richtung. Erst zu lange wartend, weil man Hopium inhaliert, dann permanent von Angst geplagt doch am Tiefpunkt auszusteigen. Am Ende fällt das Asset aber doch weiter und wenn man dann aufgibt, dann ist wirklich kurz danach der Tiefpunkt da. Ich kann also immer nur wiederholen: Klare Strategie - Klares Risikomanagement - Konsequenz. Punkt!

Die Schwierigkeit dabei ist nicht die intellektuelle Erkenntnis der Richtigkeit dieser Worte. Die Schwierigkeit ist es zu tun. Und den Grund dafür kennen wir, fängt mit "A" an. 😉

Ich selber habe zum Beispiel schon letzte Woche, als der GDX ein niedrigeres Hoch gebildet hatte *und* die erste Aufwärts-Trendlinie nach unten geschnitten hatte, meine Minenpositionen hart auf die Basisgrössen herunter gefahren. Diese Basispositionen halte ich aber auch und mache mir da derzeit Null Gedanken darum und ob der Gold und der GDX fällt, verursacht bei mir derzeit bestenfalls ein Schulterzucken und deswegen schreibe ich auch kaum darüber.

Erst wenn die Assets wieder zum Leben erwachen, Wendeformationen bilden und nach oben zucken, dann erwacht auch mein Interesse an ihnen wieder zum Leben. Und genau so - opportunistisch reaktiv und konsequent in der Umsetzung der Strategie - ist es auch richtig!

Was die Quartalszahlen angeht, ein kurzer Blick auf drei Werte die heute berichtet haben.

Regeneron (REGN), der mit 40 Milliarden Market Cap schon fast grosse MidCap im Biotech Sektor, springt nach -> überzeugenden Umsätzen <- nach oben, der Markt hat es aber wohl schon vorher geahnt, wie wir hier unzweideutig im Verlauf der letzten Tage sehen können:

Was wir auch sehen und noch attraktiver ist, ist diese unzweideutig hoch spannende Situation kurz vor dem Ausbruch aus einer grossen Bodenbildung. Regeneron gehört nun auf die Watchlist, falls man nicht schon drin ist:

Chesapeake Energy (CHK) hat eigentlich -> recht überzeugende Zahlen <- geliefert und an denen liegt es wahrlich nicht, dass der Kurs heute um 8% abschmiert.

Grund sind vielmehr überraschend hohe -> Lagerdaten <- und ein heute erneut mit 3% abschmierender Ölpreis. Das ist einfach ein toxische Mischung und der permanente Druck auf dem Ölpreis hat aus einer noch Anfang April sehr aussichtsreichen Lage nun das gemacht und da kann man nur sagen: Respektieren und abseits stehen. Wer sich in den Rohstoff-Bereich begibt muss einfach wissen, dass solche brutalen Trendwechsel dazu gehören. Wer das nicht mag, sollte dem Sektor fern bleiben.

-> Durchwachsene Zahlen <-, hat der Strom-Infrastruktur-Dienstleister Quanta Services (PWR) geliefert. Wir sehen hier im Chart eine milde Konsolidierung des ersten Trump-Schubes, aber doch vergleichsweise geringe Abgaben bei weiter moderater Bewertung:

Hier kann man vielleicht nun wieder mit einem Zeh herein, denn die Stromnetze der US sind noch genau so marode wie vorher und Trumps Pläne hin oder her, da muss und wird einiges passieren, von dem ein spezialisierter Dienstleister wie PWR profitieren sollte.

Bei First Solar (FSLR) ist der Käse übrigens noch nicht gegessen. Der erste Schub war genau da bei knapp 20% zu Ende, wo ich das ja gestern erwartet hatte, weil da eben alle Shorts gecovered sein dürften. Nun wird die Frage ausdiskutiert, ob das mittel- und langfristig zu einer Neubewertung der Aktie führen sollte. Der Markt hat dazu noch keine klare Meinung und dann sieht das so aus:

Und wenn der Markt noch keine klare Meinung hat, brauchen wir nicht nach einer suchen, ohne bessere Informationen als der Markt zu besitzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Abend! Morgen wartet dann der grosse, böse Arbeitsmarktbericht auf uns und das Gebrabbel diverser FED-Mitglieder, die nach der Quiet-Period endlich wieder vor ein Mikrofon dürfen. 😉

Ihr Hari

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Über Algos, unfreie Märkte und die Guillotine der Kurse

Kurz vor Handelsstart an diesem Mittwoch, haben wir noch einen Tag bis zum Erreichen der Schuldengrenze in den USA. Und keine wirklich Einigung in Sicht. Die Parteien sind in ihren Schützengräben eingegraben.

Der Markt hält aber störrisch an seiner Sicht fest, das es keinen Grund gibt sich zum US Debt Limit Fiasko sorgen. Wahrscheinlich ist bei vielen Marktteilnehmern die Sorge grösser, die nächste Rally zu verpassen, als die Sorge vor einem Desaster an den Anleihenmärkten. Der Markt ist durch die Eingriffe der Notenbanken nun wie ein pawlowscher Hund dressiert, jeden Dip kompromisslos zu kaufen.

Zwei weitere Faktoren spielen bei der Gelassenheit des Marktes sicher auch eine Rolle:

Auf der einen Seite die immer mehr dominierenden Algos, die stur nach technischen Parametern agieren und so die Trends verstärken. Und der Trend ist aufwärts. Die Algos interessiert nicht, was wir Menschen über die politische Dysfunktionalität in Washington denken und welche langfristigen Folgen wir dem beimessen. Die Algos starren auf die Kurse und die steigen.

Und auf der anderen Seite gibt es noch den Recency Bias des Marktes, der dieses politische Kasperletheater schon mehrfach erlebt hat. Und der immer wieder erlebt hat, dass sich dann doch in der letzten Sekunden geeinigt wurde. Warum soll es dieses Mal also anders sein ?

Ausserdem ist da ja noch die FED. Die wird sowieso aus allen Rohren schiessen wenn nötig, das Wort "Tapering" dürfte nun auf die Liste der bedrohten Arten kommen. Und es gibt vielleicht auch noch eine kleine Wildcard, um das Problem im schlimmsten Fall "kreativ" lösen zu können.

Denn die FED ist ja durch die Ankäufe der Staatsanleihen ein grosser Gläubiger der US in einer Grössenordnung von Billionen Dollar. Diese "Schulden" der US sind für die FED aber einfach ein Buchungsposten in ihrer Bilanz. Und klar, wenn der einfach ausgebucht wird, kommt die FED Bilanz wohl in Schieflage, aber interessiert das irgend jemanden ? Die FED ist ja kein Wirtschaftsunternehmen, sondern hat unbegrenzten "Kredit" und zwar bei ihren eigenen Gelddruckmaschinen.

Würde die FED auf diese Forderungen gegen den US Staat verzichten, wäre das Debt Limit auf einen Schlag weit weg und den Extremisten bei den Republikanern wäre ihr Druckmittel aus der Hand geschlagen. Jetzt würde so ein Schritt unzählige juristische und fiskalpolitische Fragen aufwerfen. Und die FED würde damit endgültig den Boden seriöser Notenbankpolitik verlassen. Aber hat sie das nicht schon längst ? Die eher vorsichtigen FED Gouverneure werden so einen Schritt aber sicher nur dann andenken, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gibt und dieser Tag ist (noch) nicht heute.

Ein Notausgang könnte dieses Szenario aber schon darstellen. Viele gute Gründe für den Markt also, trotz des Wahnsinns der politischen Kaste in Washington ruhig zu bleiben.

Nun hat der Markt in der Regel recht. Aber manchmal - sehr selten, aber es kommt vor - liegt der Markt in einer Form kollektiver Illusion auch völlig daneben. Und das sind diese Momente, in denen die grossen Abstürze einsetzen, wenn der Markt seine Fehleinschätzung plötzlich bemerkt. Und dieses Risiko besteht aktuell.

Denn die Parteien in Washington sind so ineinander verbissen, dass es nun schon eher wahrscheinlich als unwahrscheinlich ist, dass der Default zumindest technisch für ein paar Tage eintreten wird, bevor man irgend eine "Pseudolösung" zusammen schustert.

Und hier kommen wieder die Algos ins Spiel. Es würde jetzt reichen, dass eine der grossen Adressen der Wallstreet heute oder morgen oder übermorgen beschliesst: "jetzt reicht es". Die dann folgenden Verkäufe würden die Algos sofort erkennen und selber verkaufen. Und so setzt sich eine Kettenreaktion in Gang. Eine Kettenreaktion die im Jahr 2013 mit seiner Dominanz der algorithmischen Handelssysteme noch schneller und härter ablaufen würde als 2008.

Wir müssen uns einfach klar machen, dass auch wenn der Markt mit seiner Ruhe wahrscheinlich wieder Recht hat, diese Möglichkeit nun ganz real besteht. Und wer nun ungesichert und mit Dollars in den Augen voll Long im Markt investiert ist, legt seine Hand sozusagen unter eine Guillotine, deren scharfes Messer von dünnen, angewetzten Fäden gehalten wird.

Und einen weiteren Aspekt sollten Sie nicht übersehen. Das institutionelle Geld, das auf eine Lösung und eine anschliessende Rally setzt, ist wohl weitgehend im Markt. Wenn die Lösung dann kommt, kann es gut sein, dass es gar nicht mehr so viele potentielle Käufer gibt und die Rally dann in einer klassischen "Sell the News" Reaktion ausfällt. Das ist um so wahrscheinlicher, als mit jedem Tag an dem die US tiefer ins Schlamassel geraten, die Chance für eine saubere, langfristig tragbare Lösung geringer wird. Was dann unter Not zusammen geschustert wird, dürfte eher ein "Quick Fix" sein, der das Problem nur verschiebt.

Summa Summarum gibt es gute und rationale Gründe, das derzeitige Kursniveau zur Absicherung und Reduktion der Risiken zu nutzen. Auf die Short-Seite sollte man aber erst wechseln, wenn der Markt wirklich fällt. Und ob das passieren wird, ist in Anbetracht der riesigen Geschützrohre der FED die auf uns gerichtet sind, äusserst fragwürdig.

Mit einem gesunden, freien, in sich aufgrund wirtschaftlicher Parameter schwingenden Markt, hat das auf jeden Fall alles nichts mehr zu tun, was wir hier dank der permanenten Interventionen von Politik und Notenbanken im Jahre 2013 erleben dürfen. Freie Märkte ? Das ich nicht lache !

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Marktupdate – 07.11.12 – Gedanken zum Markt nach der US Wahl

Zum Handelsstart in Europa, ein Marktupdate im Nachgang der US Präsidentenwahl:

(1)

Der Sieg Obamas hat den Status Quo einfach fortgeführt, denn im Repräsentantenhaus haben sich die Mehrheitsverhältnisse nicht geändert. Damit bleibt das Blockadepotential der Republikaner erhalten. Echte Klarheit sieht anders aus. Trotzdem dürfte das für die Märkte zunächst eine Erleichterung sein, weil zumindest die Angst vor unklarem Gewürge nach der Wahl nun weggefallen ist.

(2)

Die Rally die gestern an der Wallstreet schon vor der Wahl einsetze, war offensichtlich der Versuch diverser Hedgefonds (Hot Money) diese absehbare Entwicklung schon vorher mitzunehmen. Offensichtlich hatte auch das "Hot Money" die Erwartung, die ich gestern im Artikel formulierte, dass jede Form von Klarheit für eine Rally sorgen würde.

(3)

Ob diese Rally - die seit gestern läuft und heute weiter zu gehen scheint - dann nachhaltig wird und auch den heutigen Nachmittag überlebt, ist aber noch nicht zu beantworten. Denn nun richtet sich der Blick spätestens heute Nachmittag auf das "Fiscal Cliff".

Und durch die weiter gegensätzlichen Mehrheitsverhältnisse in Senat und Repräsentantenhaus, wird das Geschacher nun weiter gehen. Allerdings kann man nun hoffen, dass die Republikaner nun etwas gemässigter auftreten, denn die Blockade-Politik der Tea-Party hat ja nun nicht zum Sieg verholfen. Und hätte Romney auf diese Extremisten weniger Rücksicht nehmen müssen, hätte er wohl eine Chance zum Sieg gehabt, denn auch in den US werden die Wahlen in der Mitte entschieden und Obama war mehr als angeschlagen.

Es ist allerdings auch gut möglich, dass die Republikaner daher erst einmal in interne Richtungskämpfe geraten. Denn obige Analyse wird die Tea-Party-Fraktion sicher nicht teilen wollen. Ob die absehbaren internen Probleme der Republikaner einer schnellen Klärung der mit dem "Fiscal Cliff" verbundenen Fragen helfen oder diese eher verhindern, vermag ich nicht zu prognostizieren.

Aber das wird definitiv nun das Hauptthema sein, um das sich die Wallstreet gedanklich drehen wird. Und von dieser Einschätzung wird nach meiner Erwartung abhängen, ob wir nun nur eine kurze Erleichterungsrally oder den Beginn der umfangreichen Jahresendrally sehen. In diesem Zusammenhang erinnere ich noch einmal an die Übersicht von gestern, die die Sorgen der Wallstreet aufzeigt: -> hier <-

(4)

Mit dem Sieg Obamas bleibt auch "Helikopter-Ben" weiter auf seinem Posten und wird die bisherige Politik der Geldschwemme fortsetzen. Die Reaktion bei Gold liess nicht lange auf sich warten. Nun spricht sehr viel dafür, dass der Absturz vom 02.11. eine üble Bärenfalle war, in der "Smart Money" die Stops der schon auf die Wende setzenden Trader überrannte. Jetzt sind wir technisch in einer ganz einfachen Ausgangslage. Regelmässigen Lesern von Mr-Market.de dürfte nun sonnenklar sein, wo Stops bei Gold hinzulegen sind. Darüber hinaus kann man nun gelassen abwarten. Wenn sich das Szenario realisiert, dass ich immer noch für das deutlich wahrscheinlichste halte, steht uns nun eine schöne Rally zum Jahresende bevor, die das Potential hat Gold bis 1900 USD zu treiben. Und wenn nicht, dann halt nicht. Dann kann man mit den nun definierten Tiefs aber auch nicht viel verlieren. Gelassenheit und Geduld ist nun also in meinen Augen im Sektor gefragt.

(5)

Bei den Silberminen, insbesondere bei Hecla Mining (WKN 854693) und Coeur dAlene (WKN A0RNL2), gab es gestern üble Enttäuschungsreaktionen auf die Quartalszahlen, die auch den ETF SIL unter Druck gesetzt haben. In beiden Fällen waren Vergangenheitszahlen zum abgelaufenen Quartal der Auslöser und in beiden Fällen gebe ich der negativen Reaktion persönlich nur eine geringe Halbwertzeit. Denn es könnte gut sein, dass wir hier eine Parallelität zu den Ereignissen bei Salzgitter vorgestern haben.

Denn der Markt hat die ganze Zeit nur auf die zukünftigen Gewinne der Minen gestarrt, weswegen die Titel trotz vorangegangener Rally auch nicht abgegeben haben, obwohl der Silberpreis seit über einem Monat fällt und konsolidiert. Nun wurde die Vergangenheit mit einem Schlag in Erinnerung gerufen und der Markt reagiert "erstaunt", wie jemand der aus einem langen Schlaf aufwacht. Schon bald wird aber nach meiner Erfahrung wieder nur die zukünftige Entwicklung zählen.

Insofern kommt es für mich nun einfach darauf an, wie sich der Silberpreis zum Jahresende entwickelt. Und der wird sich erfahrungsgemäss ähnlich wie Gold entwickeln, siehe Punkt (4). Wenn Silber nun also weiter nach oben dreht, könnte die aktuelle Korrektur eine hervorragende Kaufgelegenheit sein. Insbesondere bei Hecla ist positiv zu vermerken, dass nun auch offiziell der erneute Produkionsanlauf der "Lucky Friday" Mine für das erste Quartal 2013 absehbar ist.

Vergessen sollte aber niemand, dass Silber-Minen extrem volatil sind und zwar in beide Richtungen. Erst gestern konnten wir das beobachten. Wenn man da mit Stops operiert, müssen diese sehr weit sein und man muss bereit sein auch signifikante Verluste in Kauf zu nehmen. Im Zweifel ist in meinen Augen der ETF SIL vorzuziehen, der sozusagen das Analog zum GDX bei Goldminen ist und einen von den volatilen Bewegungen der einzelnen Titel unabhängig macht.

(6)

Auch die Sektoren Stahl und Kohle, wenn Sie so wollen darüber hinaus die ganze Schwer- und Grundstoffindustrie, produziert nun Charts die auf eine Trendwende hindeuten. Eine Trendwende die nicht nur von der Geldpolitik der Notenbanken, sondern auch von China befeuert werden könnte. Aktienmärkte sind bekanntlich Vorlauf-Indikatoren und die chinesischen Bluechips sind seit September in Bewegung geraten, leicht zu erkennen an ETFs wie dem "iShares China Offshore 50" (WKN A0F5UE).

Ein perfektes Beispiel ist dafür sicher auch die Kursentwicklung bei Salzgitter (WKN 620200) mit einem klaren Aufwärtstrend, aber auch die Zahlen von Klöckner (WKN KC0100) von heute empfinde ich als konstruktiv. Es scheint als ob das Unternehmen die Lage im Griff hat und sogar von seiner Akquisition in den US profitiert. Damit könnte nun möglicherweise ein Kursniveau erreicht sein, von dem aus die Chancen deutlich grösser als die Risiken sind.

Um sich den Kohlesektor vorzunehmen, hat eine Aktie wie Peabody Energy (WKN 675266) als Beispiel, nun auch einen klaren, neuen Aufwärtstrend definiert, auch wenn kurzfristig ein Rücksetzer zur 200-Tage-Linie nicht ungewöhnlich wäre.

Die oben genannten Sektoren sind sicher nicht ohne Risiken und Stops sind nach wie vor zwingend. Aber ähnlich wie bei Gold hat die Abwärtsbewegung für mich nun klare Stopniveaus definiert, von denen ausgehend ich durchaus bereit bin, eine Spekulation auf den Turnaround zu wagen. Sie wissen wie sehr ich davor warne, einfach so ins fallende Messer hinein auf einen Turnaround zu wetten. Hier haben wir nun aber neu etablierte Aufwärtstrends und einen klaren Bruch der alten Abwärtstrends. Es spricht also viel dafür, dass das Messer nun schon so tief gefallen ist, wie es fallen konnte. Und bei der immer vorhandenen Restunsicherheit, dass es eben doch anders kommt, schützen mich Stops vor zu starken Schmerzen und monetären Wunden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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