Luftfahrt, Raumfahrt und Rüstungsaktien – Stabiles Erfolgsmodell oder verwerfliche Anlage?



Wenn es einen Sektor im Markt gibt, mit dem wir im letzten Jahr bei sehr geringen Risiken immer wieder schöne Gewinne gemacht haben - und diese Entwicklung auch frühzeitig erkannt haben - dann waren das die Aktien des Sektors Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung.

Erkannt haben wir das schon Mitte 2014 mit der Ukraine Krise. Die Verteidigungshaushalte der europäischen Staaten waren so ausgedünnt und die Materialbestände so veraltet, dass man gar nicht die peinlichen Nachrichten über die mangelnde Einsatzbereitschaft der Bundeswehr hören musste um zu wissen, dass sich hier erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte.

Dann kam ja aber auch noch die absehbare Entwicklung zur multipolaren Welt hinzu, mit der sich nun statt einer alleinigen Weltmacht ein zunehmendes Ringen mehrerer Blöcke abzeichnet, wobei der Aufstieg Chinas dabei der am stärksten wirkende Faktor ist.

Auch diese Entwicklung zur multipolaren Welt, bringt absehbar wieder grössere Verteidigungsanstrengungen mit sich und das nicht nur in den europäischen Ländern, sondern auch in den US und in China und Russland sowieso. Das zunehmende militärische Involvement durch die Krise im Nahen Osten, tut dann ein Übrigens, denn das dort verbrauchte Material, muss auch ersetzt werden.

Aber auch im zivilen Bereich boomt der Absatz, wie wir an Airbus immer wieder sehen können. Eine Umwältzung hin zu Drohnen und -> neuen Transportarten <- steht vor der Tür und auch im Weltraum, geraten die Dinge in Bewegung. Neue Spieler wie Elon Musks Space-X treten auf den Plan und wirtschaftliche Interessen an Mond und Asteroiden beginnen sich zu formieren - auch in China.

Alles in allem also die perfekten Ingredienzien für einen Sektor, dem der Wind der Nachfrage auf Jahre mit Macht in die Segel blasen wird. Dann noch ein Sektor mit hohen Eintrittsbarrieren, denn so "mal eben" wird man nicht zum Flugzeug- oder Raketenproduzenten.

In Summe also ein Sektor, der von stabilen und wachsenden Ertäge gekennzeichnet ist und in geopolitischen Krisenszenarien eher steigt, als zu fallen, wie die meisten anderen Aktien. Sicherheit und Wachstum also im Depot.

Alles in Butter?

Rein vom Blick auf die Aussichten dieser Aktien her eigentlich ja, wenn da nicht diese moralische Frage wäre, ob man denn in so einen Sektor investieren "darf"?

Nun man "darf" schon, wir leben in einem freien Land und auch wenn die politische Korrektheit uns manchmal vorschreiben will, wie wir zu leben haben, sind das alles erst einmal seriöse und legale Unternehmen.

Aber die Frage, ob es denn moralisch geboten ist, in Aktien zu investieren, die eben auch Rüstung herstellen, steht ja berechtigterweise im Raum. Und dieser Frage kann und sollte man sich auch nicht entziehen.

Dabei kann man dummerweise in diesem Sektor zwischen zivilen und militärischen Anwendungen selten trennen, weil viele Unternehmen bedienen beide Segmente mit ihren Produkten, wie auch beispielsweise eine Airbus eine Verteidigungs-Sparte besitzt.

Darf man also die Airbus Aktie eines A320 nicht kaufen, weil es auch einen Militärtransporter A400 gibt?

Im Gegensatz zu sehr dogmatischen Menschen, will ich diese Entscheidung niemandem vorschreiben und darüber auch kein moralisches Urteil fällen. Denn ich bin überzeugt, dass das eine sehr individuelle, moralisch zu beantwortende Frage ist.

Sicher, man kann es sich einfach machen und einfach einen der derzeit beliebten "Ethik-Fonds" kaufen, die dann nach irgend welchen Kriterien beschliessen, dass das eine "gut" und "moralisch" geboten und das andere "unethisch" ist.

Wenn man sich aber nicht durch Delegation an so Fonds billige moralische Absolution verschafft, sondern sich mal ernsthaft damit beschäftigt, merkt man schnell, das dahinter höchst schwierige moralische Dilemmata stehen.

Nehmen wir das simple Gewehr oder die Pistole. Damit kann man ja jemanden ermorden. Stimmt. Ich kann damit aber auch meine Familie beschützen, die vielleicht von einem Mörder bedroht wird.

Wäre die Welt eine Bessere, wenn niemand eine Waffe hätte? Bestimmt! Ist das die Realität, kann mir also kein Mörder mit Waffe gegenüber stehen? Bestimmt nicht!

Oder nehmen wir die Granate. Eine Kriegswaffe. Damit kann man als Terrorist einen Ballsaal in die Luft sprengen. Man braucht Sie aber auch wie aktuell die französischen Spezialeinheiten, die bei der Razzia in Saint-Denis den Drahtzieher des Anschlags in Paris in einer mehrstündigen Aktion ausräuchern mussten, der sich hinter Panzerplatten verschanzt hatte.

Ist also die Granate schlecht? Wirklich ein schwierige Frage. Worauf man sich wohl einigen kann ist, dass das was Menschen damit machen gut oder schlecht, moralisch verwerflich oder sogar geboten sein kann.

Am Ende kommt es also vielleicht weniger auf das Hilfsmittel an, sondern auf den Menschen in seinen Handlungen und die Frage, was er damit tut. Moralisch gut oder schlecht, ist primär die Handlung des Menschen und weniger die Sache, die für die Handlung benutzt wird.

Und damit sind Rüstungsaktien für mich persönlich keineswegs perse moralisch verwerflich und kommen sehr wohl als solide, krisensichere Geldanlage in Frage. Zumal ich dann den ganzen, spannenden Luft- und Raumfahrt-Sektor links liegen lassen müsste, weil er sich auch mit Rüstung beschäftigt. Es gibt aber auch ein paar Dinge wie Streubomben, bei deren Produktion ich beim besten Willen keine defensive, schützende Verwendung mehr erkennen kann und die als Investition für mich damit keinesfalls diskutabel sind.

Aber das sind nur meine ganz persönlichen Massstäbe und ich verneine vehement, dass es bei diesem schwierigen Thema voller moralischer Dilemmata, eine "allumfassende" Wahrheit gibt, der sich jeder zwingend zu unterwerfen hat.

Und deswegen will ich hier auch Niemandem eine moralische Sicht aufzwingen, sondern nur erklären, warum Aktien aus dem Sektor Luft-, Raumfahrt und Verteidigung, derzeit einen Lauf haben und sich diese positive Entwicklung wohl auf Jahre fortsetzen wird.

Wer also stabile, krisensichere Aktien sucht und das mit seiner Vorstellung von Ethik verantworten kann, wird hier wohl fündig.

Wenn Sie an dem Sektor interessiert sind, finden Sie hier 20 Ideen aus dem Bereich Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung, die Sie mal einer genaueren Prüfung unterziehen können. Nicht alle der Aktien sind auch im Rüstungssegment tätig, aber viele eben schon. Viele dieser Aktien haben wir in der Community im letzten Jahr auch intensiver besprochen:

  1. Airbus Group (938914)
  2. BAE Systems (866131)
  3. Boeing (850471, BA)
  4. Dassault Systems (901295)
  5. Finmeccanica (A0ETQX)
  6. General Dynamics (851143, GD)
  7. Lockheed Martin (894648, LMT)
  8. MTU Aero Engines (A0D9PT)
  9. Northrop Grumman (851915, NOC)
  10. OHB (593612)
  11. Orbital ATK (A14NES, OA)
  12. Precision Castparts (865685, PCP)
  13. Raytheon (785159, RTN)
  14. Rheinmetall (703000)
  15. Rockwell Collins (694062, COL)
  16. Saab (914879)
  17. Teledyne Technologies (926932, TDY)
  18. Textron (852659, TXT)
  19. Thales (850842)
  20. United Technologies (852759, UTX)

Bei Precision Castparts ist übrigens vor wenigen Monaten Warren Buffetts Berkshire Hathaway massiv eingestiegen.

Sie werden durch die Bank feststellen, dass diese Aktien in der Regel im letzten Jahr schon sehr gut gelaufen sind und das hat Gründe, auf die ich hier hinweisen wollte und die wohl über den Tag hinaus Gültigkeit behalten.

Bleibt am Ende wieder die individuelle Frage, ob wir diese Aktien im Depot haben wollen. Denn glücklicherweise leben wir in einem freien Land und können uns diese Frage individuell stellen.

Würde man sich eine Welt wünschen, in der wir uns nicht permanent an die Gurgel gehen? Bestimmt!

Ist das die reale Welt die wir haben? Bestimmt nicht!

Machen wir das besser oder schlechter, wenn wir in solche Aktien investieren? Oder ist es egal?

Das ist die Frage, auf die Sie Ihre persönliche Antwort brauchen.

Ihr Hari

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Indus Holding (620010) – Ablauf einer perfekten Topbildung

Der folgende Artikel erschien in Hari Live schon am 14.10.14 11:30

Vielleicht erinnern Sie sich ja an meinen Artikel in Hari Live vor nicht mal einem Monat am Donnerstag 18.09.14 16:15: "Indus Holding (620010) – nun ist es auch mal gut!"

Darin habe ich eine sich entwickelnde Topbildung bei diesem Wert thematisiert, die bei ca. 38€ Realität werden würde. Schauen Sie noch einmal rein.

Was danach kam war ein Klassiker. Verfolgt habe ich das in Hari Live am Dienstag 23.09.14 14:55 und am Mittwoch 24.09.14 09:25.

Zunächst war da der initiale Bruch, dann die Gegenbewegung, die wieder nach oben führte und alles wie eine grosse Bärenfalle aussehen liess. Und dann im zweiten Anlauf der grosse Absturz in klassischer Manier:

Indus 14.10.14

Heute nun hat die Aktie in einem grossen Ausverkauf, auch die 200-Tage-Linie verloren. Dieser Ausverkauf birgt aber in den kommenden Tagen auch die Chance für einen kurzfristigen Rebound in sich und passt daher zu anderen Eindrücken von überverkauften deutschen Industrieaktien. wie den erwähnten Leoni und Rheinmetall.

Der Blick auf das Wochenchart offenbart aber auch, dass nach einer Gegenbewegung immer noch viel Luft nach unten ist und es verfrüht sein könnte, auf ein Ende der Abwärtsbewegung zu setzen:

Indus 14.10.14 2

In sofern könnte Indus durchaus "Blueprint" für DAX & Co. sein. Kurzfristig Stabilisierung, danach weitere Risiken.

Und eine Lehre können Sie von Indus mitnehmen: man kann sehr wohl Topbildungen erkennen und ihnen aus dem Weg gehen. Man muss sich nur konsequent an die Muster und die Price-Action halten. So richtig schwierig ist das eigentlich gar nicht, wenn man zwei Augen im Kopf und klare Gedanken hat. Und ich habe es ja vor Ihren Augen sozusagen "Live" bei Indus getan.

Das wirkliche Problem, ist wie fast immer aber die Disziplin bei der Umsetzung!

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Rheinmetall (703000) im Aufwärtstrend

Heute nur kurz und knapp der Hinweis, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall (WKN: 703000) nun vom Chart her aussichtsreich aussieht:

Rheinmetall 22.04.14

Wir sehen, dass Rheinmetall eine 5-teilige Korrektur abgeschlossen und dabei genau auf die Aufwärtstrendlinie aufgesetzt hat.

Wir sehen weiter, ein auf hohem Niveau stabiles "On-Balance" Volumen, das weitere Akkumulation in der Aktie impliziert.

Wir haben das für Rheinmetall negative Gerücht, eines möglicherweise scheiternden Panzerdeals mit Saudi-Arabien, zur Kenntnis genommen und sehen, dass es im Kurs verarbeitet wurde.

Und wir wissen, dass die Geschehnisse in der Ukraine Westeuropa und die NATO nun aus der Illusion aufwecken, als ob in Europa nur noch "Blümchenkriege" möglich wären. Die Wehretats in Europa sind weit herunter geschrumpft und nach unten gibt es kaum mehr Bewegungsspielraum, wenn man die Existenz eines eigenen Militärs nicht ganz aufgeben will. Was nach dem "Wachrüttler" der Ukraine wohl kaum passieren wird.

Alles in allem ist das charttechnisch wie fundamental, wohl nicht die schlechteste Ausgangslage, um der Aktie von Rheinmetall mit mittelfristigem Horizont näher zu treten. Allerdings muss man natürlich überhaupt erst einmal bereit sein, in diesen Sektor zu investieren - diese moralische Frage muss aber jeder Anleger für sich selber beantworten.

Negativ schlägt bei Rheinmetall, wie bei allen Rüstungskonzernen, das Korruptionsrisiko und die Abhängigkeit von Staatsaufträgen zu Buche - wobei das Eine durchaus mit dem Anderen zu tun hat.

Aber für dieses Risiko gibt es Stops, die sich nun durch die Trendlinie und das Tief vom 14.04. sauber definieren lassen und damit das Risiko minimieren.

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Charts ohne Worte – 04.12.12 – Leoni, Rheinmetall, Vivendi, SAP, Intel

Heute früh kurz nach Handelsstart, will ich Ihnen mal ein paar interessante, längerfristige Charts ohne Worte zeigen. Die Strukturen dürften inklusive meiner Markierungen und Symbole selbsterklärend sein.

Und vergessen Sie nicht, dass sind alles nur mögliche Szenarien - Szenarien die man gut abgesichert traden kann wenn man will - aber keine Gewissheiten und Prognosen ! Die Zukunft ist unbestimmt und bleibt es auch. 😉

Was ich aber den "Chartverächtern" unter Ihnen mit diesen Beispielen vermitteln will, ist das Charts sehr wohl zu Ihnen sprechen können. Sie sollten das aber nicht damit verwechseln, dass Charts die Zukunft vorhersagen können, denn das können sie nicht. Charts sind das Abbild der Vergangenheit. Aber es macht trotzdem Sinn, die Aktien die Sie interessieren auf diese Art und Weise zu studieren.

Denn wie ich Ihnen hoffentlich mit den folgenden Charts vermitteln kann, bringt das Ordnung in die von Emotionen verwirrten Gedankengänge. Und gedankliche Ordnung und Struktur ist die zwingende Voraussetzung um einen erfolgreichen Trade abschliessen zu können. Haben Sie diese gedankliche Ordnung nicht, werden Sie jeden Tag von Mr. Markets Pirouetten hin und her geworfen und sind im Ergebnis immer zu spät dran.

Leoni (WKN 540888) Tageschart

Rheinmetall (WKN 703000) Wochenchart

Vivendi (WKN 591068) Wochenchart

SAP (WKN 716460) Wochenchart

Intel (WKN 855681) Wochenchart in USD

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Price Action – S&P500, DAX, E.ON, Apple, IBEX35, Salzgitter, Nokia – 20.11.12

Heute möchte ich mit Ihnen vor Eröffnung der Wallstreet eine Rundtour durch verschiedene Aspekte des Marktes machen. Und dabei das Augenmerk auf die Nachrichten legen, die uns Mr. Market mit seiner Price Action selber gibt.

Was ich dagegen nicht tun möchte, ist hier Unternehmenszahlen nacherzählen, die man immer noch am besten beim Unternehmen selber oder den diversen Nachrichtendiensten wie Reuters erfährt. Ich würde auch keinen Mehrwert für meine Leser damit schaffen, mich jetzt hier als oberflächlicher "Bilanzanalyst" zu betätigen.

Denn gerade weil ich aufgrund meiner beruflichen Historie gut in der Lage bin Unternehmenszahlen und Bilanzen wirklich zu verstehen, weiss ich, dass es da draussen jede Menge Profis gibt, die die Unternehmen hauptamtlich beobachten. Und die durch ihre Fokussierung auf das Unternehmen viel besser als ich in der Lage sind, die Zahlen zu durchleuchten. Schlicht weil sie viel mehr Zeit dafür verwenden.

Und deren Wissen und Erkenntnisse sind über die Investitionsvolumina von Big Money schon längst in den Kursen verarbeitet. Denn für Big Money arbeiten diese Profis. Zu glauben, durch oberflächliche Analyse da noch Mehrwert zu produzieren und sich einen "Edge" gegenüber dem Markt zu erarbeiten, würde schon an Naivität grenzen.

Das nur zur Erklärung, warum gerade jemand wie ich, der eigentlich aussergewöhnlich qualifiziert wäre die Fundamentaldaten und Bilanzen unter die Lupe zu nehmen, dafür nur ein eher desinteressiertes Schulterzucken übrig hat. Würde ich mich jetzt hauptberuflich auf ein oder zwei Unternehmen spezialisieren und die permanent begleiten, würde ich mir sogar zutrauen daraus einen Mehrwert zu generieren. Aber nicht mit einer zweistelligen Zahl von Unternehmen in der Watchlist und nicht durch nacherzählen der sowieso öffentlich bekannten Zahlen und Daten.

Statt dessen sollten wir genauer auf das schauen, was uns Mr. Market mit seiner Price-Action sagt. Denn diese Kursbewegungen sind höchst "demokratisch" und egalitär.

Denn erstens sieht Big Money die Kurse genau so schnell wie wir und kein bischen früher, wenn wir mal von dem Sonderfall HFT absehen. Bei Analyse der Kursbewegungen haben wir also eine Chance mit dem grossen Geld gleichzuziehen.

Zweitens basieren die Kursbewegungen auf den echten Absichten der Marktteilnehmer, denn da wo reales Geld eingesetzt wird fängt die Wahrheit an und hört das Gesabbel auf. Geschrieben wird nämlich viel und Papier ist geduldig. Echtes am Markt eingesetztes Geld, ist da ein weit bedeutenderes Testimonial.

Und drittens erleben wir in den Kursen genau die gebündelte Einschätzung des Marktes, was die Zahlen und Daten der Vergangenheit und die daraus resultierende Erwartung der Zukunft angeht. Wer will schon mit Mr. Market argumentieren, der sowieso immer Recht hat. Ich nicht !

Soweit der Einleitung - gehen wir also in medias res:

S&P 500 und DAX:

Der Bounce hat richtig Kraft und viel spricht dafür, dass er bis Ende der Woche laufen kann. Denn im Moment beruht er neben der technischen Überdehnung auf der Annahme, dass die Fiscal Cliff Verhandlungen doch zügig zu einem guten Ende kommen. Da die nächsten Verhandlungen aber erst nächste Woche nach Thanksgiving anstehen, bleibt diese Woche Zeit die Hoffnungsrally zu spielen.

Heute dürfte erst eine leichte Konsolidierung des gestrigen Anstiegs folgen, dann rechne ich mit Wahrscheinlichkeit eher damit, dass der Bounce noch weiter geht und im S&P500 auch die 1400 noch testet. Dann wird es spannend.

Denn niemand sollte vergessen, dass wir uns in einem bestätigen Abwärtstrend befinden und erst ein Closing oberhalb der rechten Schulter der SKS bei 1434 könnte das ändern. Ich persönlich sehe immer noch eine gute Wahrscheinlichkeit, dass wir gerade nur eine weitere Schulter im neuen Abwärtstrend erleben und wir im S&P500 noch in die Zone 1300-1320 laufen werden.

Was den DAX angeht, hat der seine relative Stärke in den letzten zwei Tagen komplett verloren und auch der aktuelle Bounce ist in der Dynamik eher enttäuschend. Auch beim DAX sollte man also das Risiko nicht übersehen, dass der Markt die 7200 nicht mehr nachhaltig überwinden kann und wieder nach unten dreht.

Insofern werde ich nun opportunistisch den Kursen nach oben folgen, gleichzeitig meine Stops aber so mitziehen, dass ich schnell wie der Wind auch wieder draussen bin. Frei nach dem Motto "Das Beste hoffen und sich für das Schlimmste vorbereiten".

E.ON

Ist die aktuelle Kursbewegung eine Übertreibung oder ist sie nun aufgrund der unsicheren Aussichten gerechtfertigt ? Nun in Anbetracht von 12% Minus an einem Tag, war der Gedanke an eine emotionale Übertreibung nach unten ja naheliegend. Auch ich habe diesen Trade ja versucht. Jetzt ein paar Tage später, gibt uns die Price-Action aber die eindeutige Antwort. Nein - das ist keine Übertreibung, sondern in Wertung der Nachrichten gerechtfertigt. Denn glauben Sie mir, wenn all die Profis die E.ON en Detail verfolgen nun auch nur die kleinste Hoffnung hätten, dass die Welt bei E.ON nun zu schwarz gemalt wird, dann wäre E.ON in diesem Bounce um 3-5% nach oben geschossen. Ist die Aktie aber nicht - quod erat demonstrandum.

Apple

Ganz anders bei Apple. Die Dynamik und das in die Aktie strömende Geld im zweistelligen Milliardenvolumen an einem Tag, impliziert bei dieser best analysierten Aktie der Welt für mich persönlich nur eines: wir haben ein temporäres Tief gesehen und es spricht wenig dafür, dass die Bewegung von gestern nur ein "One Day Wonder" war. Ich rechne eher mit noch einigen Tagen Stärke bei Apple und halte es für wahrscheinlich, dass wir die 600 USD wieder testen werden. Erst wenn diese Stärke ausläuft, sehe ich Anlass im Lichte der dann vorhandenen Kursbewegungen, die Frage zu stellen, wie es nun weiter geht. Denn Art und Umfang des ersten schwachen Tages nach dieser aktuellen Rally, wird uns mehr über den weiteren Kursverlauf sagen als jede aktuelle Spekulation.

Spanischer Aktienmarkt IBEX35

Was ich Ihnen -> hier <- nahe gebracht hatte, wurde auch durch die Kursentwicklung der letzten Tage bestätigt. Der spanische Aktienmarkt hält sich stabil oberhalb der 200-Tage-Linie und bildet scheinbar eine Bullenflagge aus. Auch wenn man auf die Geschehnisse unter der Oberfläche schaut, ist in Spanien viel mehr positive Bewegung hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit, als in Italien oder erst recht dem verkrusteten Frankreich. Auf den Turnaround des spanischen Aktienmarktes zu setzen, erscheint mir also weiter als eine gute Idee, zumal man sich damit defacto auch in die südamerikanischen Märkte einkauft, die durch Historie und Sprache mit Spanien verbunden sind.

Rheinmetall

Wie Sie sicher wissen, ist Rheinmetall eine der Aktien, die ich permanent begleite. Das liegt vor allem an dem Rüstungsgeschäft. Denn der Nachteil der Abhängigkeit von öffentlichen Aufträgen, wird durch die Tatsache mehr als aufgewogen, dass die Einstiegshürden in dieses Geschäft sehr hoch sind. Rheinmetall muss also nicht so sehr wie andere Branchen Angst haben, dass neue Mitbewerber für Preisdruck sorgen. Schaut man dann noch auf die Fundamentaldaten von Rheinmetall und die Höhe in der Rüstungsfirmen wie Lockheed Martin oder General Dynamics in den USA bewertet werden, sieht man schnell, dass das Unternehmen aktuell vom Markt höchst attraktiv bewertet wird. Auch ein Übernahmeversuch ist deswegen keineswegs undenkbar.

Der Markt scheint zur gleichen Ansicht gekommen zu sein, anders lässt sich nicht interpretieren, wie aggressiv Rheinmetall gestern von den Tiefs im Bereich 31,x € weggekauft wurde. Kurzfristig sollte man bei der Aktie keine grossen Sprünge erwarten, die durch die Eurokrise bedingte schlechte Auftragslage im Rüstungsgeschäft wird wohl auch weiterhin eine Schleifspur ziehen. Und die Aktie deshalb wahrscheinlich eine zeitlang in der Nähe der 30er Marke herum krebsen, diese vielleicht sogar mal kurz unterschreiten. Aber von einer massiven Rezession abgesehen, sagt uns Mr. Market mit seiner gestrigen Reaktion, dass Rheinmetall bei den aktuellen Kursen langfristig ein attraktives Investment sein könnte.

Salzgitter und Stahlsektor

Wird das Stahlgeschäft in 2013 besser oder nicht ? Ich will mich an dieser Spekulation nicht beteiligen und kann dazu auch keinen Mehrwert liefern. Das wissen die Verantwortlichen in der Branche besser als ich. Aber was als Folge des vollzogenen Machtwechsels für Nachrichten aus China kommen, lässt hoffen. Und der Markt sagt auch: ja, 2013 wird besser. Denn objektiv hat der Kurs nicht in Richtung der Tiefststände gedreht und der Aufwärtstrend bei Salzgitter ist so lange intakt, wie das Tief 28.09. nicht unterschritten wird. Kluge Trader spekulieren nicht über die Zukunft, sondern kaufen Aktien, die den unteren Trendkanal eines Aufwärtstrends testen und sichern sich nicht weit davon entfernt direkt unter dem Trend ab. Das wird auch meine Strategie sein, falls Salzgitter noch etwas zurück kommt. The Trend is your friend - until it ends.

Nokia

Im amerikanischen gibt es den Spruch "Hope is a four letter word" ... so wie einige unfeine Kraftausdrücke, die ich hier lieber nicht niederschreibe. Was so viel bedeuten soll wie, wer sein Handeln nur auf Hoffnung basiert, ist schnell verlassen.

Eine Hoffnungsrally ist aber genau das, was gerade bei Nokia passiert. Denn Nokia hat diesen Winter nach meiner Einschätzung wohl seinen letzten Schuss im Köcher. Wenn auch dieser Winter keine Wende bringt, wäre ich überrascht, wenn es in einem Jahr noch ein unabhängige Nokia gäbe. Mit einer Pleite rechne ich nicht, dafür ist zu viel Substanz - alleine die Patente - im Unternehmen. Aber seine Unabhängigkeit könnte Nokia wohl nicht verteidigen, wenn jetzt nicht echter Erfolg eintritt.

Nun hat Nokia aber mit dem Lumia 920 einen Treffer gelandet. Einfach ein tolles Smartphone mit superben Bewertungen und in vielen Shops erst einmal ausverkauft. Das setzt die Phantasie von Mr. Market nun also in Bewegung. Denn wenn Nokia die Kurve bekommen sollte und wieder Marktanteile gewinnt und Gewinne schreibt, dann sind die aktuellen 2,x € Kurs ein Witz und eine Verdoppelung eher noch eine konservative Schätzung.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Stärke zu sehen. Und die dürfte weitergehen, solange die Hoffnung im Raum steht. In dem Moment wo echte Absatzzahlen bekannt werden, dürfte es ernst werden. Wenn die Zahlen dann die nun hoch gefahrenen Erwartungen des Marktes nicht befriedigen sollten, wird ein Schlachtfest folgen. Wenn die Zahlen aber überzeugen, wird der Kurs dann erst so richtig gewaltigen Schub aufnehmen.

Insofern scheint Nokia eine spannende Wette zu sein, die ich aber nur mit entsprechendem Stop eingehe. Alle andere wäre in meinen Augen unverantwortlich. Eine Investition kann eine Nokia im jetzigen Zustand nicht sein, eher eine aggressive Wette auf Hop oder Flop.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg !

Ihr Hari

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Aktientip – 25.07.12 – Aktien die attraktiv aussehen

17:00 Uhr

Im folgenden möchte ich ein paar Aktien-Ideen mit Ihnen teilen, die ich im Moment - mit einem Horizont bis zum Ende des 3. Quartals - als attraktiv erachte. Attraktiv deshalb weil sie entweder:

(a) von der Eurokrise unabhängig sind, oder
(b) attraktive technische Setups haben, oder
(c) eine besondere Wachstumsstory besitzen.

Die meisten wurden hier schon besprochen oder in den "Tips" zumindest schon erwähnt. Mit der folgenden Übersicht, möchte ich sie aber explizit in Erinnerung rufen.

Zu Beginn sei an die vor zwei Wochen -> hier <- vorgestellten Aktien von Linde (WKN 648300), SAP (WKN 716460) und ABB (WKN 919730) erinnert. Meine Sicht auf diese drei Titel ist unverändert positiv und die Entwicklung der letzten beiden Wochen unterstreicht das.

Broadcom (WKN 913684) ist Weltmarktführer im Bereich der Kommunikationschips, die in Smartphones, Notebooks etc eingesetzt werden. Für einen Bluechip im Techbereich ist Broadcom attraktiv bewertet und legt gerade eine fulminante Wende hin, die durch die guten Quartalszahlen von gestern unterstrichen wird. Im Bereich Tech ist Broadcom ein Basisinvestment. Wer es im Bereich Kommunikationschips etwas aggressiver mag, kann ja alternativ mal einen Blick auf Marvell Technology (MRVL, WKN 930131) werfen.

iRobot (WKN A0F5CC) , der innovative Roboterhersteller im Bereich Home und Militär, litt zuletzt unter verschobenen Aufträge des US Governments, während die Home-Sparte ausgezeichnete Zahlen lieferte. Die Börse hat iRobot übertrieben abgestraft, denn das Problem der Government-Aufträge scheint mir ein temporäres zu sein und ansonsten ist das Unternehmen ausgezeichnet aufgestellt. Damit reichten heute besser als erwartete Zahlen um den Kurs um 18% nach oben zu katapultieren. Aber auch nach dieser Bewegung hat iRobot nach meiner Erwartung noch jede Menge Luft nach oben, basierend auf einer überzeugenden Wachstumsstory und einem profitablen Geschäftsmodell. Schauen Sie sich einfach mal den Chart mit dem riesigen Gap vom Februar an, das durch die verschobenen Government-Aufträge aufgerissen wurde.

Der Energiedienstleister Halliburton (WKN 853986) profitiert wie sein Mitbewerber Baker Hughes (WKN 8729339) vom Boom der Förderung unkonventioneller Energiequellen, insbesondere im Bereich Gas. Die Aussichten der Industrie sind mittelfristig ausgezeichnet, während die Aktien gerade eine Bodenbildung abschliessen bzw wie Halliburton eine klare inverse "Schulter-Kopf-Formation" vollendet haben. Hier empfehle ich, sich mit den Aussichten der Förderindustrie einmal ausführlich zu beschäftigen. Die aktuellen Kurse sehen in meinen Augen nach Einstiegschancen aus.

Rheinmetall (WKN 703000) ist - Überraschung 😉 - auch dabei. Zum Geschäft habe ich schon mehrfach alles gesagt, das Rüstungsgeschäft ist in meinen Augen gegenüber anderen Firmen zB in den US deutlich unterbewertet. Und sollte die Bundesregierung die Richtlinien für Rüstungsexporte den EU Standards angleichen, sollte Rheinmetall massiv profitieren, denn "German Engineering" ist weltweit heiss begehrt. Weitere Kurstreiber könnten der weiterhin offene Börsengang von Kolbenschmidt-Pierburg oder eine mögliche Fusion mit Krauss-Maffei-Wegmann sein. Und der Kurs zeigt relative Stärke, die Aktie zeigt keinen grossen Abgabedruck mehr, was Kurse über 40€ beim nächsten Aufwärtstrend für mich wahrscheinlich macht. Sollte Rheinmetall die 38€ nicht nachhaltig verlieren, ist der Aufwärtstrend völlig intakt. Und fundamental gesehen gilt für mich, dass ich nicht ernsthaft über einen vollständigen Verkauf meiner Positionen nachdenke, solange Rheinmetall nicht über 50€ notiert. Denn dort - erst über 50€ - würde ich persönlich den fairen Wert des Unternehmens ansiedeln.

Attraktiv bewertet, im Aufwärtstrend und mit relativer Stärke ist auch ganz klar K+S (WKN KSAG88) unterwegs. Ein Basisinvestment im Bereich Agrardünger und Salze, alternativ könnte sich der Blick auch auf die norwegische Yara (WKN A0B07F) richten. Der ganze Sektor ist aktuell von attraktiven Aussichten geprägt und zeigt das auch mit grossen Zuflüssen von "Big Money".

Soweit eine kleine Auswahl aus meinen aktuellen Favoriten, ich wünsche Ihnen viel Erfolg und ein gutes Händchen !

Ihr Hari

PS: Ich vergass: Qiagen (WKN 901626) die "SAP unter den Biotechunternehmen". Von mir am 09. November -> hier <- vorgestellt und seit dem über 25% im Plus. Trotzdem für mich immer noch ein klarer, langfristiger Kauf im Sinne "Buy and Hold".

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Hari´s Märkte am Abend – 18.06.12 – Rheinmetall, FED, POMO

18 Uhr - Handelsschluss in Deutschland

Ich will heute Abend mal in Form eines Q+As auf ein paar Fragen eingehen, die sich vielleicht aktuell aufdrängen.

(1) Wie weit kann Rheinmetall (WKN 703000) noch steigen ?

Fundamental habe ich hier schon mehrfach geschrieben, dass ich Rheinmetall zu Kursen unter 40€ nicht hergebe, da ich den Wert des Unternehmens höher einschätze. Der aktuelle Anstieg von ca. 15% in 2 Tagen beruht auf 2 Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:

Erstens einem Analystentag, auf dem das Management offensichtlich eine gute Figur abgegeben hat und die Analysten unisono überzeugt hat, dass zu grosse Sorgen um den Auftragseingang im Rüstungsgeschäft unberechtigt sind.

Zweitens den Meldungen über den gewaltigen Auftrag der Saudis zum Kauf von Leopard Panzern, der einer der grössten Rüstungskäufe in der Geschichte der Bundesrepublik wäre.

Insofern bin ich zuversichtlich, dass Rheinmetall in der mittelfristigen Zukunft auch wieder zu Kursen oberhalb 40€ notieren wird, einfach weil das nach meiner Ansicht dem inneren Wert des Unternehmens eher angemessen ist, als Kurse um 32€. Was wir heute mit zeitweise +9% im Kurs erlebt haben, ist schlicht die Erkenntnis des Marktes, dass er zuletzt nach unten übertrieben hatte.

Kursfristig ist aber auch klar, dass nach solchen Anstiegen auch eine technische Gegenbewegung folgt. Insofern könnte die 200-Tage-Linie die bei ca. 38,9€ verläuft, den "Deckel" der kurzfristigen Bewegung darstellen. Ein temporärer Rückgang Richtung 35,5€ (im Chart die feine waagerechte Linie) wäre dann nur normal und gesund. Diese "Zone" zwischen 38,9 und 35,5 habe ich im Chart mit zwei Pfeilen markiert.

Übrigens, um das Thema der Divergenz zwischen Kurs und RSI in Erinnerung zu rufen, schauen Sie doch mal genau auf den Chart und betrachten Sie das Tief von Anfang Juni im Vergleich zu den (höheren) Tiefs von Mitte Mai. 😉

(2) Wie wird der Markt am Mittwoch auf die FED reagieren ?

Da wir nicht wissen, was Ben Bernanke plant, lohnt es sich auch nicht darüber zu spekulieren. Das überlasse ich lieber all den sogenannten "Experten", die von Medien gerne zitiert werden. 😉 Viel interessanter ist aber für mich, was der Markt aktuell schon eingepreist hat. Und im Moment ist es wohl Marktkonsens, dass Bernanke liefern wird.

Sollte der Markt also bis Mittwoch früh weiter hoch laufen, erhöht dass das Risiko einer "Sell the News" Enttäuschung erheblich. Einen starken Markt bis Mittwoch früh, werde ich also eher nutzen um Risiko heraus zu nehmen und nicht um dem Markt hinterher zu laufen. Ein geradezu ideales Setup wäre es, wenn der DAX morgen die Widerstandszone um 6400 von unten testen würde, dass wäre für mich dann möglicherweise eine Gelegenheit, um vor der FED im Handelssystem eine kurzfristigen Short-Trade auf den DAX einzugehen.

Für die neuen Leser weise ich aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Aussage keinerlei Richtungsaussage für den mittelfristigen Kursverlauf des DAX ist ! Es geht dabei nur um eine kurzfristige Positionierung für die Marktreaktion am Mittwoch auf die FED, nicht mehr und nicht weniger. Und diese kurzfristige Positionierung ist immer und zwingend mit Stops versehen, denn auch eine gute Wahrscheinlichkeit ist nicht mit "Sicherheit" gleichzusetzen !

(3)Was verbirgt sich hinter dem Begriff "FED POMO Operation" ?

POMO steht für "Permanent Open Market Operations", also sozusagen die Operationen der FED am offenen Herzen des Marktes. Dahinter stehen die konkreten Käufe und Verkäufe, die die FED im Rahmen ihrer QE1, QE2, Twist Programme vornimmt. Diese Operationen haben deutliche und recht zuverlässig vorhersehbare Effekte auf den Kursverlauf Intraday, weswegen das Wissen darum eine grosse Bedeutung hat.

Glücklicherweise werden Zeitpunkt und Umfang der Operationen für jeden sichtbar -> hier <- veröffentlicht. So hatten wir heute eine grosse POMO Sell-Operation, die der Markt aber gut aufgenommen hat, ein positives Zeichen. Ich rate dazu, diese Schedules immer im Auge zu behalten, da sie oft den Unterschied zwischen einem schwachen und einem starken Börsentag ausmachen können !

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Hari´s Märkte am Abend – 06.06.12 – Es grünt so grün ….

22 Uhr - Handelsschluss

Meine Wende hin zu einer positiveren Marktsicht gestern und vorgestern, war auf den Punkt ein Treffer. Selbst die fehlende Zinssenkung der EZB konnte den Markt heute nur kurz verunsichern, es fehlt zwar noch an der richtigen Überzeugung, aber das muss nicht schlecht sein und kann noch kommen. Wie schon die letzten Tage antizipiert, will Mr. Market nun kurzfristig hoch und zumindest ein Test der 200 Tage Linie von unten bei ca. 6200 sollte nun im DAX drin sein, wenn uns nicht wieder irgendwelche politischen Nachrichten mitten im Flug absschiessen. Möglicherweise kommt dieser Test schon am morgigen Donnerstag.

Auch die Performance des S&P500 sah sehr gut aus, erneut schoben die Kurse ruhig hoch, auch das "Beige Book" um 20 Uhr sorgte nur für kurze Verunsicherung, bevor der Index dann im späten Handel noch einmal richtig Fahrt aufnahm, um auf Höchststand zu schliessen.

Das Potential mir den Tag zu verderben, hatten dann aber Berichte aus dem politischen Raum, wie -> dieser <- hier zu Obama und Cameron. Ich empfinde es als bodenlose Frechheit, wie sich die beiden Herren aus für mich höchst eigensüchtigen Motiven bemühen, Deutschland den Arm umzudrehen. Insbesondere dem guten Cameron steht es ja frei, als "solidarisches" EU Mitglied die spanischen Banken mit britischen Steuermitteln zu stützen. Aber für Solidarität hat der Herr ja keinen Cent, dafür aber um so mehr Chuzpe diese medial von anderen zu fordern. Ich empfinde das als dreist und abstossend, tut mir leid für diese harten Worte.

Aber auch die spanische Regierung hat für mich die Grenze des Erträglichen überschritten, wenn sie einerseits unbedingt Hilfen für die Banken will - die ihr ja auch niemand verwehren will und die schon längst bereit stehen - sich aber andererseits nicht den gleichen Bedingungen der Rettungsschirme wie das Nachbarland Portugal unterwerfen will, weil sie dafür zu stolz ist. Seit neuestem diktieren die Schuldner also den Rettern die Bedingungen - o Tempora, o Mores ! Mir wird da ganz schlecht, was die Zukunft Europas angeht, "Gemeinschaft" und "Solidarität" fühlen sich eigentlich anders an.

Ich hoffe nur, dass unsere Regierung hier hart bleibt, habe aber allergrösste Bedenken ob das wirklich der Fall ist. Auf jeden Fall ist Deutschland mal wieder der Bösewicht, das kennen wir geschichtlich ja zu Genüge, dieses mal aber wirklich ohne Schuld. Solange man um jeden Preis den Euro retten will und die anderen das wissen, wird man halt immer erpressbarer. Das würde sich erst ändern, wenn man den anderen klarstellt, dass man auch ohne Euro kann. Ein einschneidender Schritt, den ich der vorsichtigen Frau Merkel leider nicht zutraue. Den passenden Kommentar dazu können Sie -> hier <- lesen.

Morgen und am Freitag gibt es dann eine ganze Reihe von Wirtschaftsdaten, die das Potential haben den Markt zu bewegen. Allerdings sagt die Erfahrung, dass wenn der Markt an so Wendepunkten beschlossen hat die Richtung zu ändern, die guten Nachrichten dann hinterher kommen, unter anderem weil einfach positiv interpretiert wird, was vielleicht vor Wochen davor zum Absturz geführt hätte. Denn nicht die Fakten bewegen die Kurse, sondern die Interpretation derselben, gemessen an der Erwartung, was ein bedeutender Unterschied ist !

Bei aller Freude und allen Signalen für eine (zumindest kurzfristige) Wende, bitte ich aber nicht zu vergessen, dass wir uns in einem etablierten Abwärtstrend befinden, der auch durch eine Bewegung bis 6200 nicht ausser Kraft gesetzt würde ! Je nachdem wie man eine Trendlinie beim DAX zieht und wann der Markt versucht diese zu schneiden, kommt man auf einen Abwärtstrend dessen obere Begrenzung irgendwo zwischen 6200 und 6400 verläuft. Erst wenn wir die 200 Tage Linie hinter uns gelassen haben und den Abwärtstrend mit Schlusskurs gebrochen haben, kann man mit gutem Gewissen anfangen von einer nachhaltigen Trendwende zu reden !

Schauen Sie bitte genau auf den folgenden Tages-Chart des DAX, in dem ich einen möglichen Trendkanal eingezeichnet habe.

An der Stelle des Fragezeichens bei etwas über 6200, dort wo der DAX einerseits die 200-Tage-Linie testet und sich andererseits wieder der oberen Trendbegrenzung nähert, findet eine ganz wichtige Entscheidung statt. Aber erst ungefähr dort bei über 6400, wo der grüne Stern eingezeichnet ist und man das Zwischenhoch vom 29.05. hinter sich gelassen hat, hat man Anlass ernsthaft davon auszugehen, dass der aktuelle Bounce mehr als eine Bärenfalle ist ! Und bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Insofern warne ich davor, unvorsichtig zu werden. Ich geniesse den Anstieg und hoffe, Sie sind mit mir zusammen eingestiegen, aber meine Stops führe ich auch mit und bin auch schnell wieder draussen, wenn wir erneut drehen. Denn zu einem Bärenmarkt gehören auch Bärenmarkt-Rallys - und ob das, was wir gerade erleben, mehr als eine Bullenfalle ist, werden erst die kommenden Tage zeigen.

Auch bei den Einzelaktien grünte es heute ganz erheblich in den Depots. Alleine die sechs gestern hier im Blog genannten Titel brachten folgende Performance mit den Schlusskursen:

  • Rheinmetall (WKN 703000) +7,0%
  • Leoni (WKN 540888) +5,5%
  • Continental (WKN 543900) +4,5%
  • Broadcom (WKN 913684) +4,5%
  • Cisco (WKN 878841) +3,5%
  • Apple (WKN 865985) +1,5%

Es gab schon schlechtere Tage als heute. 😉

Erwähnenswert sind aber auch eine ganze Reihe anderer, hier schon mehrfach besprochene Titel wie zb Veolia (WKN 501451) mit 6% Plus, Klöckner (WKN KC0100) mit 6,5% Plus oder auch Anglo American (WKN A0MUKL) mit 7% Plus. Diese Bewegungen sind Signal, dass der Markt bei diesen Aktien wohl nach unten übertrieben hat und sich diese Erkenntnis heute Bahn bricht.

Bemerkenswert ist für mich auch erneut die Performance des Edelmetallsektors. Nicht nur dass Gold (XAUUSD) heute zeitweise 1640 USD erreichte, auch Silber (XAGUSD) sprang heute mit bis zu 4% massiv an. Mir drängt sich im Moment das Gefühl auf, als ob sich im Edelmetallsektor etwas Bedeutendes zusammen braut.

Eher eine Bestätigung dieser Sicht war für mich auch, wie der Sektor dann um 20 Uhr die Enttäuschung des "Beige Book" aufnahm, denn im "Beige Book" wurde ein positives Bild der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA gemalt und insofern nahm das Spekulationen um weitere fiskalische Massnahmen der FED erst einmal etwas die Grundlage. Gold fiel in Folge auch Richtung 1620 USD zurück, konnte aber wie der GDX am Ende doch im Plus schliessen, ein positives Signal der Überzeugung der Marktteilnehmer. Trotzdem wäre es nun nur normal und gesund, wenn bei den Goldminen ein paar Tage der Konsolidierung und leichter Gewinnmitnahmen einsetzen würden.

So weit so gut für heute, ich wiederhole, geniessen Sie den Flug, aber werden Sie nicht unvorsichtig ! Und ich gönne mir jetzt einen guten Wein als Belohnung und versuche den Ärger über die politischen Erpresser um uns herum runter zu spülen. 😉

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

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