Hari´s Märkte am Abend – 17.04.12 – Turnaround Tuesday

22 Uhr - Handelsschluss

Wie schon gestern antizipiert, machte der heutige Dienstag seinem Ruf als "Turnaround Tuesday" alle Ehren.

Nach der erfolgreichen spanischen Anleihen-Auktion, zogen die europäischen Finanzwerte auf breiter Front an und der breite Markt folgte - das hatte heute alles den Charakter einer echten Erleichterungsrally. Der gute Wert beim ZEW-Indikator und gute Daten zum Häusermarkt in den USA, haben heute sicher auch etwas geholfen. Da sich aber am grundlegenden Umfeld in der Euro-Zone nichts geändert hat, besteht aber durchaus die Gefahr, dass die positive Stimmung Morgen im Laufe des Tages schon wieder abflaut und die Geister rund um Spanien wieder zurück kehren.

Anders sieht es dagegen in den US Indizes aus. Mit einem Schlussstand von über 1390 ist der S&P500 überzeugend wieder in die bisherige kurzfristige Range und fast sogar wieder in den steigenden Trendkanal zurück gekehrt und hat die Korrektur damit möglicherweise abgeschlossen. An der grundlegenden Lage, dass die US Indizes den europäischen Indizes derzeit vorzuziehen sind, dürfte sich nach meiner Erwartung also zunächst nichts ändern. Sollte sich die Rückkehr in den steigenden Trendkanal im S&P500 morgen durch weitergehende Stärke bestätigen - denken Sie immer an die notwendige Bestätigung einer Bewegung am Folgetag ! - besteht durchaus die Möglichkeit, dass die Kurse in Folge erneut an die obere Begrenzung des Trendkanals laufen, die je nach Zeitpunkt irgendwo bei 1450 liegen sollte. Aber ein Schritt nach dem anderen, erst muss die Bewegung zurück in den Trendkanal morgen durch erneute Stärke bestätigt werden.

Im DAX gehe ich bis Juni weiter von einer volatilen Seitwärtsbewegung aus, die sich nach meiner unveränderten Erwartung im weiten Bereich zwischen 6400 und 7100 abspielen könnte. Sollte der S&P500 tatsächlich bis zur oberen Begrenzung des Trendkanals laufen, dürfte der DAX selbst bei fortgesetzter relativer Schwäche wieder an der 7000er Marke schnuppern.

Aktie des Tages war für mich ganz klar Daimler (WKN 710000). Die geballten Call-Optionen der führenden Investmentbanken waren mir einen eigenen Artikel wert, den Sie -> hier <- nachlesen können, falls Sie den Artikel bisher übersehen haben. Das diese Spekulation bei Daimler nun schon läuft, legt auch die Tatsache nahe, dass Daimler heute mit fast 4% Plus weit stärker stieg, als BMW oder VW.

Und ich habe möglicherweise auch ein Indiz für den unbekannten Daimler Investor gefunden. Schauen Sie in -> diesen <- Bericht des Manager Magazins von Ende letzten Jahres, der im Vorweihnachtstrubel etwas untergegangen ist und dann zählen Sie 2 + 2 zusammen. Es könnte sich also möglicherweise um den Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) handeln, für den die Investmentbanken hier ihre Call-Optionen vorrätig halten.

Ein derart seitens Daimler gewolltes Investment würde auch dazu passen, dass es von Seiten des Daimler Managements bisher keinerlei Reaktion gab, obwohl ihnen diese massiven Call-Optionen mit Sicherheit aufgefallen sind. Nur bei einer freundlichen, bekannten und gewollten Aktion dürfte man wohl auf Seiten des Managements so ruhig bleiben. Im übrigen, falls es sich um den chinesischen Staatsfond handeln sollte, hat sich dieser dann mit Sicherheit auch das Wohlwollen der Bundesregierung eingeholt. Ich betone ausdrücklich, das ist oben alles nur Spekulation aufgrund öffentlich verfügbarer Informationen, verbunden mit logischem Denken, aber es ist eine Spekulation, die sich sehr vernünftig anhört.

Für den Daimler Kurs wäre ein solcher Einstieg eines grossen Staatsfonds natürlich nicht der "Kracher" einer feindlichen Übernahme, aber positiv und kurssteigernd dürfte es nach meiner Erwartung trotzdem sein, denn falls die CIC-Theorie stimmt, sollte alleine die Schlussfolgerung, das Daimler damit sein immer wichtiger werdendes China-Geschäft absichert, für steigende Kurse gut sein. Warten wir einfach ab, in Anbetracht der Laufzeit der meisten Optionen könnte man vielleicht mit einer Meldung im Laufe des zweiten Quartals rechnen.

Auch zum Drama um den spanischen Ölkonzern Repsol (WKN 876845) möchte ich noch ein paar Zeilen verlieren. Was da gerade los ist, können Sie zum Beispiel -> hier <- bei der FTD noch einmal nachlesen. Die Lehre daraus ist, welche Bedeutung politische Sicherheit für Aktionäre hat. Und einige Teile Südamerikas machen in den letzten Jahren primär durch Verstaatlichungen von sich reden, dass das nicht nur auf Hugo Chavez sozialistisches "Paradies" Venezuela beschränkt ist, kann man ja nun an den Handlungen der populistisch agierenden, argentinischen Staatspräsidentin bewundern.

Der Vorgang ist in seiner Art natürlich ein Skandal und wird massiv auf Argentinien zurück fallen. Wenn sich zwischen Privatpersonen jemand derart das Recht des Stärkeren heraus nimmt, würde man das "Raub" nennen und strafrechtlich verfolgen. Welcher internationale Konzern wird denn jetzt noch im grösseren Umfang in Argentinien investieren ? Dabei wäre eine Verstaatlichung im nationalen Interesse ja noch diskutabel und nicht perse ein Skandal, wenn sie geordnet, mit nachvollziehbaren Begründungen ausgestattet und begleitet von fairen Ausgleichszahlungen ablaufen würde. Aber diese handstreichartige Übernahme mit in meinen Augen vorgeschobenen, lächerlichen Begründungen - und das nachdem der argentinische Staat YPF ja erst Ende der 90er Jahre privatisiert hatte - spottet in meinen Augen jeder Beschreibung.

Insofern halte ich es für sehr wichtig - gerade auch bei Minenunternehmen, von denen viele in Südamerika unterwegs sind - immer genau hinzuschauen in welchem Land die Aktivitäten statt finden. So liegt zum Beispiel bei der in einigen Kreisen beliebten Silber Aktie: Silver Standard Resources (WKN 858840) die einzige grössere in Produktion befindliche "Pirquitas Mine" mitten in Argentinien. Alle anderen Lokationen des Unternehmens sind im Projektstadium oder tragen noch nicht signifikant zum Output bei. Was würde mit der Aktie von SSRI passieren, wenn Frau Kirchner zum Thema Silber theoretisch die nächste populistische Anwandlung haben sollte ? Die Aktie von SSRI dürfte dann ins Bodenlose fallen, ein Risiko, bei dem ich nicht sicher bin, ob sich jeder Aktionär dessen bewusst ist.

Was den Kurs von Repsol angeht, sieht es für mich so aus, als ob der Markt gerade eine nahezu entschädigungslose Enteignung einpreist. Nachdem diese Bewegung ausgelaufen ist, könnte Repsol vielleicht wieder kaufenswert werden, denn noch ist nicht aller Tage Abend und auch wenn die prinzipielle Verstaatlichung sicher nicht mehr zurück genommen wird - dem steht die Gesichtswahrung eines gerade erst bestätigten Staatsoberhauptes entgegen - wird um die Entschädigung noch ein Ringen einsetzen. Und wenn die EU und Spanien wollten, könnten Sie Frau Kirchner wohl die Hölle heiss machen und Argentinien als Reaktion weitgehend vom Welthandel abschneiden - denn immerhin ist Spanien der grösste Investor in Argentinien - ein Pfund mit dem sich beim Entschädigungs-Geschacher trefflich wuchern liesse.

Übrigens, falls Ihnen nicht klar ist, welchen Geistes Kind die Verantwortlichen in der argentinischen Regierung sind, empfehle ich noch einmal einen Blick auf -> diese -< Meldungen aus letztem November. Man könnte meinen, die argentinische Regierung wolle den Tauschhandel der Steinzeit wieder einführen. Der Irrglaube, ein Land mit solchen dirigistischen Knebelvorgaben wieder auf einen Weg der wirtschaftlichen Prosperität zu führen, wird Argentinien nach meiner Überzeugung endgültig ins Aus führen. Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit lässt sich nicht durch dirigistischen Staats-Aktionismus beheben. Spassig formuliert, wissen die BMW Mitarbeiter ja nun scheinbar, woher der Reis aus der Betriebs-Kantine kommt - falls BMW ihn nicht lieber auf See verklappen sollte, um die unsinnigen Transportkosten zu sparen. 😉 Ernsthaft, konkrete Aussagen von BMW zum neuen "Geschäftsfeld" als Reis-Importeur sind nicht bekannt ...

Richtig Leben kommt nun auch in den Rohstoffsektor. Möglicherweise hat die China Analyse doch recht, die Reuters -> hier <- in einem Artikel ausgeführt hatte, den ich Ihnen ja schon am Wochenende per Kommentar nahegebracht hatte. Egal wohin man heute schaute, waren die Rohstoffwerte nahezu alle deutlich im Plus. So lieferte die hier vor kurzem beispielhaft besprochene Anglo American (WKN A0MUKL) heute zum Beispiel ein Plus von über 4% ab, eine positive Bewegung, wie wir sie in dem Titel schon seit Wochen nicht mehr gesehen haben.

Ich bin im gesamten Rohstoff-Aktien-Sektor nun gut investiert, bin aber auch bereit jederzeit wieder heraus zu springen, wenn wir doch nach unten drehen. Denn denken Sie daran, wie -> hier <- ja ausführlich dargestellt, sind wir bei vielen Rohstoffaktien in einer entscheidenden Phase, in der wie eine bärische Schulter-Kopf-Schulter Formation entweder bestätigen oder negieren. Sollte die Formation aber negiert werden und der Markt hier drehen, weil China doch eine weiche Landung vollzieht, hat der ganze, weitgehend überverkaufte Sektor nach meiner Ansicht nun deutliches Potential nach oben !

Besonders erwähnenswert finde ich in diesem Zusammenhang den Marktführer für Uran Cameco (WKN 882017), der exakt wie -> hier in meinem Artikel vom 30.03.12 <- antizipiert, die Schulter-Kopf-Schulter Formation abgearbeitet hat, kurz unter 20 USD schaute um eine paar Stops zu ziehen und dann heute mit fast 4% Plus nach oben zog. Ich bin neben anderen Werten auch Long bei Cameco.


Source: Finviz.com

So weit für heute, ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 13.04.12 – Wochenabschluss – Woche der Volatilität

22 Uhr - Handelsschluss

Im Lichte der gestrigen Gewinne bin ich ja skeptisch geblieben und noch nicht in Begeisterung ausgebrochen. Heute konnten Sie sehen warum. Es ist immer die Bestätigung am Folgetag, die erratische Bewegungen an der Börse von ernst zu nehmenden Entwicklungen unterscheidet. Und diese Bestätigung ist heute nicht gekommen.

Und heute sahen wir erneut hinlänglich bekannte Muster. Während der DAX am Vormittag seine "Kinderspielchen" machte, ging es dann pünktlich um 15.30 Uhr mit Eröffnung der Wallstreet zur Sache und die "Erwachsenen" begannen das wahre Spiel. Zu Beginn der Session wurde gleich alles wieder massiv abverkauft, was den DAX unter 6600 drückte und bei 6553 im DAX Future den Tiefpunkt markierte. Der S&P500 konnte sich dann lange im Bereich des 50er Moving Average bei 1374 stabilisieren. In den letzten Handelsminuten setzten aber auch dort wieder Abgaben ein, was dafür spricht, dass Big Money nicht von steigenden Kursen in der kommenden Woche überzeugt ist.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang erneut, wie viel relativ schwächer der DAX war. Auf dem Tiefpunkt hatte der DAX im Future 2,8% verloren, während der S&P500 gerade mal 0,9% im Minus war. Mehr als 2% hat der DAX also alleine heute gegenüber der Wallstreet abgegeben. Das ist nicht nur bemerkenswert, sondern erneute Bestätigung für meine hier mehrfach getätigte Aussage, dass man in der jetztigen Phase in den US Indizes besser aufgehoben ist, als in europäischen Aktien. Aber auch gegenüber MDAX und SDAX war der DAX überdurchschnittlich schwach, das liegt sicher an der weit höheren Gewichtung von Banken und Versicherungen im DAX und ist auch ein Spiegelbild der Sorgen um die Eurozone.

Falls sich jemand für solche Techniken interessiert, könnte man bei der relativen Schwäche des DAX über einen "Straddle" nachdenken. Sprich Long im S&P 500 und Short im DAX mit jeweils identischem Volumen. Bleibt uns die Unterperformance des DAX wie im letzten Herbst nun für Wochen erhalten, hätte man so Chancen auf nette Erträge, ohne sich all zu grossen Risiken auszusetzen.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch eine Warnung an die aktiveren Anleger unter meinen Lesern los werden. Wie Sie wissen, habe ich Ende März eine "volatile Seitwärtsbewegung mit Tendenz nach unten" für das 2. Quartal beschrieben. Und was diese Volatilität bedeutet, konnten Sie heute wieder beobachten. Geben Sie sich also keiner Illusion hin, die Zeit der ruhigen Aufwärtsbewegung des ersten Quartals ist erst einmal vorbei. Ich bin ziemlich sicher, die Volatilität bleibt uns nun für Wochen erhalten.

Das bedeutet aber auch, dass es kaum mehr Trends gibt, die länger als einen Tag halten. Was gestern richtig war, wird morgen schon wieder falsch sein - der Markt schwingt wild hin und her. Wenn man nicht ganz aus dem Markt gehen will, was sicher aktuell nicht die schlechteste aller Alternativen ist, gibt es zwei Arten, wie man erfolgreich mit dieser Volatilität umgehen kann:

1) Wenn man so viel Zeit mit der Börse verbringt wie ich und während der Handelszeit präsent ist, kann man diese Volatilität spielen, denn darin liegt nicht nur Risiko, sondern auch grosse Chance für kurzfristige Trades.

2) Man kann das Ganze aber auch mit einer ruhigen Hand angehen, sich überlegen wie man die Grosswetterlage sieht und sich dann ruhig die richtigen Titel ins Depot legen. Dafür Stops definieren, diese aber je nach Titel deutlich von den Einstandskursen entfernt legen, um nicht durch die Volatilität dumm ausgestoppt zu werden. Oder mit Stops "Auf Papier" operieren, wenn man dafür diszipliniert genug ist. Und dann könnte man die wilden Swings einfach ignorieren.

Beide Methoden können in solchen volatilen Phasen funktionieren. Was aber nach meiner Erfahrung in solchen Phasen nicht funktioniert, ist der Versuch kurzfristiges Markttiming zu betreiben, während man noch seinem normalen Job nachgeht und nur sporadisch auf die Börse schaut. Dann ist man garantiert immer zu spät dran und kann nur verlieren. So etwas kann in Phasen mit klaren Trends wie im 1. Quartal durchaus funktionieren, nicht aber in einer Phase, wie wir sie augenscheinlich im Moment durchlaufen.

Insofern mein gut gemeinter Hinweis: prüfen Sie, ob Ihre zeitliche Verfügbarkeit zu dem aktuellen Markt passt und bedenken Sie, dass tägliche Swings nun wohl der Normalfall sein werden. Sollten wir im 2. Halbjahr wieder einen klaren Trend bekommen, sieht die Welt wieder anders aus, aber wir müssen den Markt so nehmen, wie er aktuell ist. Wir haben ja sowieso keine Wahl.

Zum Wochenende möchte ich hier nun tabellarisch die wichtigsten Botschaften auflisten, mit denen mich Mr. Market heute nach meiner höchst subjektiven Interpretation des Geschehens ins Wochenende schickt:

(1) Die Volatilität ist im Markt und wird nicht so schnell weggehen, man stellt sich entweder darauf ein oder geht aus dem Markt.

(2) Die europäischen Aktienmärkte werden weiter von der Eurokrise belastet und es ist unwahrscheinlich, dass sich das ändert, bevor nicht in Frankreich ein neuer Präsident gewählt wurde.

(3) In den Edelmetallen und Minen haben wir heute nur einen Teil der gestrigen Gewinne wieder abgegeben. Auf den ersten Blick scheint der Tag heute weit negativer, ein guter Teil der Schwäche war aber nur das Spiegelbild der Stärke des USD. Das Bild einer Stabilisierung bleibt also auf der Agenda, wirklich bestätigt ist es aber auch noch nicht.

(4) Ähnliches in den Rohstofftiteln. Wir haben zwar wieder kräftig abgegeben, aber es war am Ende trotzdem nur ein Teil der gestrigen Gewinne. Das ist kein schlechtes Zeichen, ein Beweis einer Wende aber auch noch nicht.

(5) Die chinesischen Wirtschaftsdaten waren eigentlich nicht schlecht und viel spricht dafür, dass wir dort wirklich eine "weiche Landung" erleben - wovon der Markt auch ausgeht, siehe (4). Sollte sich das bewahrheiten, dürfte der Unsicherheits-Abschlag aus den Rohstoffaktien weichen und diese wieder deutlich steigen. Bestätigt sich die "weiche Landung" Chinas dagegen nicht, haben die Rohstoffaktien noch gewaltige Fallhöhe, ebenso wie unsere Autobauer und der gesamte DAX und MDAX !

(6) Apple hat heute fast 3% abgegeben, etwas was wir schon lange nicht mehr gesehen haben. Bedenkt man, dass Apple auch am starken gestrigen Tag schwach war, könnte sich hier eine Korrektur andeuten. Den Indizes und insbesondere dem NASDAQ, dürfte eine solche Entwicklung in Anbetracht der hohen Gewichtung von Apple nicht gut tun.

(7) Die deutschen Autowerte produzieren eine gute Nachricht nach der anderen, und können trotzdem nicht mehr steigen. Auch wenn man das in Anbetracht der guten Aussichten nicht glauben mag, derartiges Verhalten des Marktes signalisiert oft eine Topbildung. Allerdings glaube ich in diesem Fall eher, dass die gleichen Gründe die die Rohstoffaktien am Boden halten - die Sorge um China - auch für die Schwäche der Autoaktien verantwortlich zeichnet. Insofern ist zwar Vorsicht angesagt, von einer originären Topbildung gehe ich aber im Falle der Autobauer nicht aus.

(8) Rein technisch gesehen, ist mit dem Bruch der 6600 im DAX nun der Weg herab in die Unterstützungszone oberhalb 6400 frei. Ich wäre nun eher überrascht, wenn wir im 2. Quartal nicht mehr in diesen Bereich abtauchen. Sollte dort die Abwärtsbewegung aber auch nicht zum Stillstand kommen, würde ich deutlich skeptischer als aktuell, was die weitere Marktentwicklung in diesem Jahr angeht.

Wie Sie sehen, stellen die obigen Punkte ein sehr gemischtes Bild dar. Und genau so ist auch der Markt, je nachdem welche Nachricht gerade die Schlagzeilen beherrscht, schwankt er wild und panisch von links nach rechts. Stellen Sie sich darauf ein !

In diesem Sinne verabschiede ich mich ins Wochenende. Ich wünsche Ihnen ein paar schöne Tage !

Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 28.03.12 – Am Scheideweg – Umfrage


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22 Uhr - Handelsschluss

Wie sagte ich vor knapp 2 Wochen frei nach Han Solo : "Ich habe da ein ganz mieses Gefühl". Dieses Gefühl habe ich heute wieder und da es letztes Mal wie oft bei Gefühlen eher ein Kontraindikator für den Markt war, besteht ja noch Hoffnung. 😉

Aber was der Markt heute gemacht hat, gefällt mir nicht. Jeder Anstieg Richtung DAX 7100 wurde sofort wieder abverkauft, so als ob jemand sich bei jeder Gelegenheit von Aktien trennt. Was ich im Markt derzeit sehe, kann zwar eine Konsolidierung vor einem weiteren Anstieg sein, aber ebenso gut auch eine Distribution, bei der die Aktien von den institutionellen Anlegern in die Hände der Privatanleger wechseln, typischerweise wäre das dann ein Zeichen einer Topbildung mit folgendem Absturz.

Ich glaube aber immer noch nicht daran, dass die Indizes schon vor dem Quartalsende wirklich zusammen klappen und denke, dass diese verteidigt werden. Insofern könnten Morgen und Freitag mal wieder eher starke Tage werden. Trotzdem sind bei mir nun seit heute alle Warnlampen an ! Auch das so eindeutige Setups wie der Ausbruch bei Gold keine Fortsetzung finden, sondern sofort wieder wegbröseln, ist ungewöhnlich und ein schlechtes Zeichen. Auch die Cup&Handle Formation im S&P500 von gestern, wurde heute gleich wieder negiert. Das alles macht mich nachdenklich.

Und zu allem Überfluss könnte es sein, dass sich im S&P500 gerade eine grosse Schulter-Kopf-Schulter Formation bildet, deren rechte Schulter sich nun durch ein paar gute Tage zum Quartalsende bzw Quartalsanfang formen würde und deren Ziel dann in der Grössenordnung von S&P500 1360 läge. Im DAX wären das dann wohl Kurse um die 6700. Die hier schon mehrfach besprochenen Makrorisiken der Wahl in Frankreich und des Thema Iran brauche ich ja nicht mehr weiter erwähnen.

Und wem das noch nicht reicht, erinnern Sie sich, wie mich letzte Woche Dirk Müller mit DAX 8000 auf Focus-Money anlächelte ? Heute sticht mir "Starstratege" Folker Hellmeyer (wie wird man das eigentlich, ist das ein Ausbildungsgang ? ;-)) mit dem Zeigefinger fast ins Auge und rechnet laut Schlagzeile vor:" DAX steigt bis 2014". Keine Sorge, es ist das Jahr gemeint und nicht der Kurs. 😉 Ich glaube ja sogar, das der Mann Recht hat, denn das Umfeld sehe ich mittel- und langfristig positiv für Aktien und auch mit dem Inhalt des Artikels gehe ich im Kern d’accord. Und auch die genannten DAX 10000 sind bis 2014 gar nicht mal mutig, ehrlich gesagt wäre ich eher überrascht, wenn wir die bis 2014 nicht sehen. Aber der Zeitpunkt zu dem solche Jubelartikel erscheinen, macht mich doch mal wieder sehr, sehr nachdenklich.

Auf der Habenseite des Marktes steht aber nach wie vor eine gewaltige Liquiditätsversorgung, faire Bewertungen und ein im langfristigen Blick immer noch wenig euphorisches Sentiment, so dass ich unabhängig von der kurzfristigen Entwicklung im April und Mai, nach wie vor mit weit höheren Kursen als heute zum Jahresende rechne.

Ganz übel steht es übrigens aktuell um den Rohstoffsektor, die Aktien bluten geradezu aus und davon ist der ganze Sektor querbeet betroffen. Seit Wochen macht es immer nur "drip, drip, drip" bei geringen Umsätzen. Man kann da langsam schon von einem Bärenmarkt reden, denn wir sind nun wieder auf den Niveaus des letzten Herbstes angekommen. Und wer zum Beispiel bei den Kohlewerten dachte, dass die Titel nun nicht mehr fallen können, wurde heute ganz übel eines besseren belehrt, wieder ging es um 3-4% nach unten.

Schauen wir uns beispielhaft mal Freeport McMoran (WKN 896476) an, eigentlich bin ich für Kupfer recht optimistisch, der Forward P/E liegt bei nur 7 und erst heute gab es wieder eine Hochstufung durch Analysten - aber der Kurs macht nur "drip, drip, drip" nach unten, heute wieder 4% Minus.


Source: Finviz.com

Grund für diese Schwäche ist natürlich die Sorge um China, aber wie ich schon -> hier <- vor 2 Wochen fragte, ist es eine für uns ganz entscheidende Frage wer hier falsch liegt, die Rohstoffe oder die Industrieaktien ! Am 14.03. bei obigem Artikel, hatte ich in die Industrieaktien noch mehr Vertrauen und rechnete mit einer Anpassung der Rohstoffwerte. Schaue ich mir den Markt nun 2 Wochen später an, ist diese Sicherheit verflogen.

Denn die Charts der Rohstofftitel haben nun bedenkliche Formen angenommen. Und ich bin sicher, dass wir da vor einer ganz starken Bewegung stehen, in die eine oder andere Richtung. Entweder schnappen wir an einem Tag um 10% nach oben oder wir werden kräftig abstürzen.

Auf jeden Fall kann einer nicht recht haben, die Kurse der Rohstoffaktien ala Rio Tinto, Freeport, Alcoa & Co. passen definitiv nicht zu den Kursen der Industrieaktien ala BMW, Linde & Co. Und das macht mich zunehmend unruhig.

Da ein starkes Quartalsende uns ja nun scheinbar nicht geschenkt wird, gibt es also zwei widerstreitende Szenarien die ich für gut möglich halte und über die ich Sie gerne abstimmen lassen würde:

Szenario (1) läuft ähnlich wie das letzte Quartalsende vor 3 Monaten. Schon vor dem Quartalsende wird umgeschichtet und umgebaut und mit Beginn des April kommt dann noch einmal ein grosser Schub in den Markt, der uns bis Mitte/Ende April noch bis 7500 im DAX hoch schiebt. Auch letztes Quartal haben wir endlos auf die Jahresendrally gewartet, sie kam dann so richtig als Jahresanfangsrally im Januar. Wenn Szenario (1) Recht hat, erleben wir gerade eine Konsolidierung um die 7000er und 1400er Marke herum, die die Grundlage für den nächsten Schub liefert.

Szenario (2) bedeutet, dass wir gerade eine Topbildung für das Frühjahr erleben, die durch Distribution von den Institutionellen zu den Privaten geprägt ist. In diesem Szenario wird der S&P500 die Schulter-Kopf-Schulter Formation voll ausbilden, in dem er in den beiden letzten Tagen des Quartals und Anfang April noch leichte Stärke zeigt, dann geht es im April deutlich nach unten.

Und ja ich weiss, es gibt natürlich noch ein drittes Szenario, das wir einfach volatil seitwärts laufen. Aber ich möchte gerne, dass Sie für den April eine klare Tendenz bullish/bearish aussprechen, weil wir dadurch am meisten lernen.

Eine spannende Frage, zu der ich hier nun um Ihre Meinung bitte. Um abzustimmen zu können, müssen Sie bei Mr-Market.de registriert sein, was ganz leicht und schmerzfrei -> hier <- möglich ist.


Welches Szenario erleben wir derzeit im Markt

    Ergebnis der Umfrage - Teilnehmende Leser: 19

  • Szenario 1 - Konsolidierung und im April geht es weiter hoch (53%)
  • Szenario 2 - Topbildung und im April geht es abwärts (47%)

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Ganz egal was nun passiert, eines ist in meinen Augen aber definitiv der Fall und sollte nicht übersehen werden: derzeit haben wir erhöhte Risiken im Markt, höher als die gesamten letzten drei Monate. Absolut sind die Risiken noch nicht extrem und sicher nicht auf dem Niveau des letzten Herbst, aber Vorsicht ist nun bestimmt geboten.

Ich habe heute begonnen, mein gestern skizziertes Risiko-Reduktionsszenario in Bewegung zu setzen und habe erste Positionen verkauft und andere nun eng abgesichert. Denn viel tiefer als um die 6960 im DAX sollten wir nun nicht mehr fallen, dann steigt die Gefahr einer grösseren Korrektur in meinen Augen deutlich.

In so einer entscheidenden Phase ist es für mich auch nicht sinnvoll, zu viel über einzelne Titel nachzudenken. Viel Wert hatte es heute ja sowieso nicht, heute wurde einfach querbeet alles verkauft. Nur eine Aktie war heute wieder im Plus, Apple (WKN 865985). 😉 Es scheint mir so, als nähern wir uns im Markt einer Phase, in der es mal wieder vor allem wichtig ist, die nächste grosse Bewegung zu erhaschen.

Deswegen konzentriere ich mich nun darauf und habe dabei den Rohstoffsektor fest im Blick. Ich denke die nahe Zukunft des ganzen Marktes entscheidet sich hier. Sollte der Rohstoffsektor tatsächlich eine anstehende Konjunkturschwäche antizipieren, dürften für den DAX bald harte Zeichen anbrechen. Sollte die Sorge um China aber unbegründet sein, haben viele Rohstoffaktien nun ein Potential von schnellen 10-20% nach oben. Ich weiss nicht was passieren wird, aber ich weiss, dass sich der Markt nun am Scheideweg befindet. Seien Sie wachsam !

Zum Abschluss habe ich noch einen netten Spruch von Warren Buffet, der mir heute im Kirkreport in die Augen gesprungen ist:

"The market, like the Lord, helps those who help themselves. But, unlike the Lord, the market does not forgive those who know not what they do." - Warren E. Buffett

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend,
Ihr Hari

Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !