Warum das „Smart Money“ mehr groß als „smart“ ist


Der folgende Grundlagen-Artikel erschien Anfang diesen Jahres im Premium-Bereich. Für die Lesbarkeit im freien Bereich, wurde er bei Referenzen und Links leicht überarbeitet

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In diesem Artikel, möchte ich für Sie einordnen, was sich hinter dem Begriff "Smart Money" verbirgt, für den es auch andere Begriffe gibt wie das "Big Money" oder die "Markt-Elefanten".

Und auch der "Composite-Operator" der sogenannten -> Wyckoff-Terminologie <- beschreibt die gleiche Gruppe, der Begriff ist eine abstrakte Metapher für die Gruppe im Markt, die alleine durch Größe und Wissen, die Richtung des Marktes ganz wesentlich beeinflussen kann.

Auch ich spreche oft flapsig vom "Smart Money" oder von den "Marktelefanten" und meine damit die gleiche Gruppe, die mit dem Begriff "Composite Operator" in ein eingängiges Bild gefasst wird. Womit sich vielleicht doch mal die Frage anschliesst, wer damit überhaupt gemeint ist und ob das "Smart Money" wirklich so smart ist?

Vor allem, wir lesen und erleben doch immer wieder, dass Hedgefunds zu Hunderten auch 2018 Pleite gegangen sind, dass Fondsmanager sich 2018 durchweg nicht mit Ruhm bekleckert haben und im tiefen Minus mit ihren Fonds hängen und selbst "Helden" wie David Eichhorn, der in der Reihe der -> greatest Investors <- genannt wird, in 2018 mal eben -> 28% Verlust gemacht haben <-.

Wie "smart" ist dieses "Smart Money" also eigentlich und stehen hinter dem "Composite Operator" konkrete Namen mit besonderem Insiderwissen?

Die wichtige Antwort drauf ist Nein! Alle kochen nur mit Wasser, auch die Einhorns dieser Welt! Und es gibt dieses "Smart Money" und diesen "Composite Operator" gar nicht als dedizierte Personen oder Gruppen, das ist eine Fiktion. Es sind einfach abstrakte Konzepte, die einen Sinn haben.

Bevor ich zum Sinn komme sei gesagt, dass es natürlich echtes Insiderwissen im Markt gibt. Wir erleben das immer wieder bei Einzelaktien, wenn schon Stunden oder einen Tag vor einer wichtigen Nachricht, die Kurse in die (im nachhinein) richtige Richtung zu laufen beginnen. Da wissen dann schon welche was, die gleicher als gleich sind und starten faktische Insidertrades, die in der Regel unentdeckt bleiben.

Nur das sind keineswegs immer die gleichen Personen und es ist vor allem spezifisches Wissen zu einem Ereignis oder einem Unternehmen - was den ganzen Markt angeht, ist das weit schwieriger bis unmöglich.

Schauen wir doch die letzten Wochen des Jahres 2018 an. FED-Chef Jerome Powell hat mit seiner Kommunikation schwer überrascht, wahrscheinlich er sich auch selber, weil ihm gar nicht klar war, welche Lawine des Missvergnügens er da vor Weihnachten in Gang setzen würde. Und Trump kaspert mit Chinas Xi herum und selbst seine eigenen Berater die um ihn sind wie Larry Kudlow, werden immer wieder von seiner nächsten Volte überrascht, siehe seine überraschende Entscheidung im Telefonat mit Erdogan aus Syrien abzuziehen.

Und dabei sind die beiden Themen FED und Handelskonflikt, die großen Sorgen die den Markt gerade bewegen und ich garantiere Ihnen, das "Smart Money" bzw der "Composite Operator" rätselt genau so über Trump wie wir. Wie will ein Dritter auch etwas wissen, das Powell nicht bewusst ist und Trump nicht mit seinen Beratern bespricht, bevor er es verkündet?

Ja, vielleicht bekommen die mal was von Kudlow gesteckt, der es wieder seinem alten Partner Jim Cramer steckt, wer weiss das schon? Und die haben die besseren Daten zu dem was im Markt passiert, als wir kleinen "Blindfische". Aber trotzdem, wirklich etwas "wissen" tun sie nicht und ökonomische Daten sind auch mehrdeutig und so besonders "smart" können sie dann auch nicht sein, wenn man sich - siehe oben - die Ergebnisse vor Augen führt.

Wie passt das dann denn überhaupt alles zusammnen?

Eigentlich gibt es also kein konsistentes Smart-Money und doch funktionieren Konzepte, bei denen man genau schaut, was diese Markt-Elefanten treiben und diese Konzepte führen zu besseren Anlageentscheidungen.

Es lohnt sich also den Handlungen der "Markt-Elefanten", des "Composite Operators" zu folgen und gleichzeitig ist der aber meistens gar nicht so smart und weiss nicht viel mehr als wir.

Erneut, wie passt das zusammen?

Meine Antwort ist einfach und elegant und sie ist absolut faszinierend, weil es mal wieder die -> Reflexivität <- ist, die hier den entscheidenden Faktor ausmacht.

Die Antwort ist verkürzt gesagt:

Die Markt-Elefanten bestimmen den Markt, weil sie Elefanten sind. Weil sie Elefanten sind, können sie von dieser Dominanz aber nicht immer profitieren.

Denn das "Smart Money" ist gar nicht besonders "smart", es ist aufgrund seiner schieren Feuerkaft aber trotzdem marktbestimmend.

Stellen Sie sich eine Kugelpyramide vor und nun will einer seine Kugel heraus ziehen, eine Kugel die so groß ist, dass die Statik der Pyramide davon abhängt. Wenn diese Kugel gezogen wird, fällt die ganze Pyramide zusammen.

Die Pyramide fällt aber nicht zusammen, weil der so "smart" war und das vorher geahnt hat. Sie fällt zusammen, weil die Kugel zu gross und wichtig war, um auf sie in der Pyramide zu verzichten.

Die großen Adressen bestimmen also wesentlich den Markt, aber nicht weil sie - von Ausnahmen abgesehen - die Zukunft besser kennen als wir, sondern ganz profan, weil sie der Markt sind!

Es ist also eine selbsterfüllende Prophezeihung, ein Markt erreicht sein Top dann, wenn die großen Adressen denken, dass er sein Top erreicht hat und deshalb zu verkaufen beginnen. Genau das haben wir diesen Oktober beobachtet, als der Markt fiel, obwohl es dafür keinen harten Anlass in den Wirtschaftsdaten gab.

Und noch schlimmer, diese großen Adressen können davon selber auch nur begrenzt profitieren, weil sie eben so groß sind, dass sie ihre Verkäufe über einen langen Zeitraum verteilen müssen, weil sie ansonsten sich durch einen zusammenbrechenden Markt selber ins Knie schiessen würden.

Genau das nennt man die Distributionsphase, genau das ist das Wirken des "Composite Operators". Und dahinter verbirgt sich kein konkreter, besonders "smarter" Mensch, sondern dahinter verbirgt sich einfach das große Volumen, das den Markt bestimmt und lange braucht, um sein Geld abzuziehen oder wieder zu investieren.

Es gibt also genau genommen gar kein "Smart Money", von Ausnahmen echten Insiderwissens abgesehen. Es ist im reflexiven Markt einfach so, dass das große Geld "der Markt ist" und wenn das verkauft, wird der Markt fallen - einen Grund braucht es dafür dann nicht, den liefern die Medien nach.

Dieses "große Geld", dieser "Composite Operator", sieht also smart aus, weil er Bewegungen auslöst, er weiss aber eigentlich gar nicht so viel, er reisst eher den Markt durch seine schiere Größe nach unten.

Deswegen sind die abstrakten Konzepte der "Markt Elefanten" und des "Composite-Operators" wichtig, weil wenn wir lernen zu erkennen, was die großen Institutionen machen, wir auch wissen wohin der Markt will. Denn die sind der Markt - mehr als wir auf jeden Fall!

Wirklich "smart" sind die aber auch nur in Ausnahmefällen, wenn sie wirklich Insiderwissen haben, ansonsten kochen die genauso mit Wasser wie wir.

Konkret gesagt, gib theoretisch einem Affen 20% der Marktkapitalisierung einer Aktie und lass ihn Stück für Stück verkaufen. Der Affe wird im Nachhinein unglaublich "smart" aussehen, weil er im Wesentlichen ab dem Hochpunkt des Kurses zu Verkaufen begonnen hat und danach ist der Markt nur noch gefallen.

Genau das ist aber die Reflexivität, das ist ein selbstreferentieller Markt. Der Affe war gar nicht "smart", er war einfach nur "gross". 😉

Ich hoffe das hilft ein wenig, diese Begriffe besser einzuordnen. Es gibt kein pauschales "Smart Money" und doch ist es für uns wichtig, seinen Bewegungen zu folgen. Ein vermeintlicher Widerspruch, den die Reflexivität auflöst.

Und die beste Methode das Verhalten des großen Geldes zu erkennen, ist auf die Preisstrukturen des Marktes zu schauen und dabei immer das Volumen im Auge zu behalten. Denn zum Ein- wie Ausstieg wird am Markt nicht geklingelt, der Erste der davon weiß, ist in der Regel der Kurs selber. Erst dann fangen andere an, darüber zu schreiben.

Ihr Hari

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Das frühe und das kluge Geld im DAX

Bei einigen professionellen Diensten der Wallstreet, gibt es in der Marktanalyse die Unterscheidung zwischen dem "Smart-Money" und dem "Dumb-Money", dem "klugen" und dem "dummen" Geld. Diese etwas künstliche Unterscheidung, versucht zwischen der Positionierung der kleinen (Retail) Anleger und dem professionellen Geld zu unterscheiden.

Nun kann man einem Dollar, der dem Markt zufliesst, ja nicht direkt ansehen, von wem er in Bewegung gesetzt wurde, aber es gibt indirekte Indikatoren, die darauf hin deuten. wer hier unterwegs ist. Die grösse der Transaktion spielt eine Rolle, die Handelsplattform, aber auch der Zeitpunkt und andere Faktoren.

Hinter dieser Unterscheidung steckt die sich immer wieder bewährende Logik, nach der das Verhalten der kleinen Retail-Investoren (von Mom & Dad sozusagen) dann ein Kotraindikator ist, wenn sich eine grosse Divergenz zum Verhalten der professionellen Marktteilnehmer mit der grossen Feuerkraft auftut.

Gerade im DAX gibt es dabei ein Muster, das wir am gestrigen Montag wieder wunderbar, wie im Brennglas beobachten und ausnutzen konnten...

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Turnaround Tuesday – das neue Muster für den S&P500?

Seit über einem Jahr nun, ist der Dienstag der statistisch erfolgreichste Börsentag der Woche an den US Märkten. Und viele aufmerksame Marktbeobachter, sind schon auf dieses markante Muster aufmerksam geworden und haben dem Tag den treffenden Titel "Turnaround Tuesday" verpasst.

Wer die -> Reflexivität <- der Märkte wirklich begriffen hat, dem ist klar, dass solche Muster erst einmal stärker, stabiler und profitabler werden, bis sie dann irgend wann unter dem eigenen Erfolg und Gewicht krachend scheitern müssen und Geschichte sind.

Das liegt eben an dem Herdenverhalten der anderen Marktteilnehmer. Am Anfang werden immer mehr Marktteilnehmer auf das Muster aufmerksam und spielen es. Und es wird dadurch durch das Handeln der Marktteilnehmer im Sinne einer "selbsterfüllenden Prophezeihung" immer zuverlässiger und profitabler. Was wiederum noch mehr auf das Muster aufmerksam macht. Diese Phasen, haben wir im Premium-Bereich beim Turnaround Tuesday alle durchlebt und er hat uns in den letzten Monaten gute Dienste geleistet, so auch letzten Dienstag, mit einem perfekten, profitablen Ablauf.

Und heute ist wieder Dienstag und der US Markt hat sich diesen Trade wieder mit Macht zurecht gelegt. Wir hatten gestern wieder diese so typische Stärke der letzten halben Stunde am Ende des schwachen Handelstages:

S&P500 04.08.15

Und wir hatten gestern im "Moneyflow" deutliche Signale, dass das grosse Geld gestern in den letzten Minuten massiv akkumuliert hat.

Der typische Ablauf wäre nun, dass es am Anfang nach Handelsstart der US Börsen ab 15:30 Uhr noch leichte Schwäche gibt, denn in der ersten Handelsstunde agieren in DAX wie S&P500 typischerweise die von Emotionen getriebenen Anleger, die am Vortag zu spät gekommen sind und daher noch die Bewegung des Vortages nachvollziehen.

Diese Anlegerkreis wird im amerikanischen leicht bösartig "Dumb Money" gennant, während die Bewegung der letzten 30 Minuten eher vom "Smart Money" kommt, das sich schon für die absehbare Entwicklung des Folgetages zu positionieren versucht. Und wenn das "Dumb Money" seine Käufe oder Verkäufe erledigt hat, kann ca. 1 Stunde nach Handelsstart, an der Wallstreet also ab ca. 16:30 Uhr MEZ, das grosse Geld zur wahren Richtung des Tages antreten.

So war es ganz oft in den letzten Monaten, nicht immer, aber sehr oft. Letztes Dienstag sah das so aus:

S&P500 04.08. nachtr

Und heute haben wir wieder das analoge Setup zum letzten Dienstag. Die Chancen sind gut, dass der US Markt auch heute einen starken Tag hinlegt. Es lohnt sich bei so Mustern oft, einfach auf die Wiederholung zu setzen, auch das ist eine Form von Trendfolge.

Aber nur so lange, bis das Muster irgend wann zu bekannt ist und dann wegen der Reflexivität zwangsläufig scheitern muss. Denn wenn alle das Gleiche erwarten, kann genau das zwangsläufig am Markt nicht mehr eintreten, weil die Gegenpartei fehlt.

Insofern ist die Tatsache, dass ich dieses Muster des "Turnaround Tuesdays" hier nun im freien Bereich thematisiere eher Indiz, dass es langsam zu offensichtlich wird und ein Scheitern nicht mehr so lange auf sich warten lassen dürfte. Gut verdienen konnte man an dem Muster in den vergangenen Monaten aber allemal, das war aber dem Premium-Bereich vorbehalten.

Ich bin gespannt, wie das heute ausgeht. Der Trade, den sich der US Markt heute zurecht gelegt hat, ist auf jeden Fall offensichtlich für alle, die Augen für den Markt haben: Turnaround Tuesday!

Und es lohnt sich wahrscheinlich immer noch, auf eine erneute Wiederholung zu setzen - bis es sich irgendwann auf katastrophale Art und Weise nicht mehr lohnt. So ist er nun einmal, der fiese, reflexive Mr. Market. 😉

Ihr Hari

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Kurzkommentar – 19.12.12 – Eine kleine Chance der Bären

Wenn dieser extrem starke Markt doch noch dieses Jahr kippen sollte und die Bären ihre Krallen zeigen wollen, wäre heute oder morgen ein guter Tag. Warum ?

  1. Der Markt ist technisch überkauft und schreit geradezu nach einer Pause.
  2. Das Sentiment ist durchweg bullisch und positiv.
  3. Ein positiver Ausgang der Fiscal Cliff Diskussionen wird nun fest erwartet, was viel Raum für Enttäuschungen lässt.
  4. Die Short Rate und das Hedging ist sehr gering, alle spielen die Jahresendrally, egal ob Smart- oder Dumb-Money.
  5. Die letzten Permabären geben auf, siehe auch -> Tim Knight <-.
  6. Es gibt keinerlei aktive bärische Chart-Formationen, dafür aber jede Menge bullische Chart-Formationen.

Nichts, absolut nichts spricht aktuell für fallende Kurse. Erfahrene Beobachter von Mr. Market macht so eine Situation nervös. Denn wenn sich der fiese Mr. Market den idealen Zeitpunkt aussuchen will, um alle auf dem falschen Fuss zu erwischen, könnte heute oder morgen so ein Tag sein.

Bitte missverstehen Sie die obigen Zeilen nicht als Prognose. Alle rationalen Argumente sprechen für weiter steigende Kurse in den grossen Indizes ! Es kann auch gut sein, dass wir gerade einen Runaway-Move wie im ersten Quartal diesen Jahres erleben, der uns noch weit höher als aktuell treibt.

Es wäre also dumm, nur wegen des eigenen Instinkts aus dem Markt zu gehen. Und schon gar nicht sollte man sich gegen den Markt stellen. Nein, man sollte unbedingt von dieser Rally mitnehmen, was man kriegen kann !

Aber es sollte Anlass sein, seine Gewinne nun gut abzusichern. Denn "Complacency" im Sinne "Selbstgefälligkeit" oder "Nachlässigkeit" kann ganz schnell nach hinten los gehen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 16.10.12 – Warum der DAX nun unbedingt 7410 übersteigen sollte !

15.30 Uhr

Ein paar kurze Worte zur Lage parallel zur Handelseröffnung der Wallstreet.

Der am Sonntag schon antizipierte Bounce ist in voller Kraft im Gange. "The Bulls have returned". Die "Buying on Weekness" Zahlen von Freitag für den SPY waren also mal wieder ein guter Lead-Indikator.

Nun wird es spannend, ob der Markt Kraft hat wirklich zu neuen Höchstständen aufzubrechen, oder ob das Szenario vom Sonntag aktiv wird und wir in der zweiten Wochenhälfte erst einmal dynamisch nach unten laufen. Und als Folge das Heulen und Zähneklappern einsetzt. 😉

Der morgige Mittwoch wäre prädestiniert für so eine üble Wende, da die FED Morgen mit einer grossen POMO Sell Operation über 8 Milliarden USD im Markt ist.

Deswegen ist es nun von ungeheurer Bedeutung, was in der gerade begonnenen, heutigen Session der Wallstreet passiert. Insbesondere, was das Late Money = Smart Money in der zweiten Handelshälfte machen wird.

Auch aus Sicht des DAX sind wir nun bei DAX 7360 an einer entscheidenden Wegsscheide. Wenn diese Bewegung mehr sein soll als ein Intermezzo vor dem nächsten Rückfall, sollten wir nun unbedingt das Hoch vom 05.10. bei 7410 nachhaltig überschreiten und uns darüber halten.

Warum das so wichtig ist, zeigt Ihnen sofort das Stundenchart des DAX:

Sie sehen, wenn wir hier jetzt wieder drehen würden, hätten wir ein erneutes tieferes Hoch etabliert und damit einen klaren Abwärtstrend begründet. Und hätten dann eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Markt schon diese Woche bis Freitag nach unten läuft und mindestens die 7150 testet, möglicherweise sogar weiter bis knapp unter 7000 abstürzt.

Es ist deshalb sehr wichtig, dass die Bullen nun nachlegen und der DAX so schnell wie möglich die 7410 nimmt. Positiv stimmt, das im Leitindex S&P500 die Lage besser aussieht und wir gestern eine klare Umkehrformation vollzogen haben. Aber auch im S&P500 wäre mir wohler, wenn wir die 1450 sicher hinter uns lassen würden.

In diesem Sinne rate ich heute zu sehr grosser Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen gute Entscheidungen. Und falls Sie es noch nicht getan haben, sollten Sie vielleicht das Gedankenszenario im Artikel vom Sonntag -> hier <- lesen. Nur so, um gedanklich für alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. 😉

Ihr Hari !

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Marktupdate – Vorwärts immer, Rückwärts nimmer !

13:00 Uhr

Was wir heute bis zum Mittag am Markt erleben, ist so typisch, dass es mir ein Marktupdate wert ist. Und wie unsere Politik in der Illusion der "Alternativlosigkeit" gefangen ist, lässt mich so verzweifeln, dass ich einfach meine Stimme erheben muss !

(1)

Kaufe nie die Euphorie zum Handelsstart !

Diese Regel hat sich im DAX heute mal wieder bewahrheitet. Das institutionelle Geld (gerne auch "Smart Money" genannt) wartet erst einmal ab, während sich im frühen Handel die privaten Anleger (gerne auch wenig schmeichelhaft "Dumb Money" genannt) euphorisiert oder frustriert (je nach Nachrichtenlage vom Vortag) exponieren. Dabei spielt die Angst etwas zu verpassen eine grosse Rolle. Fragen Sie sich liebe Leser heute mal selber: wer von Ihnen hat heute früh, bei DAX über 6300, die Angst verspürt etwas zu verpassen und musste deshalb in den Markt springen ? Hmmm ? 😉

Merken Sie sich deshalb die Regel, erst ab ca. 10 Uhr in den Markt zu gehen und warten Sie einfach ab was vorher passiert. Ausnahmen sind möglich, dann sollte man aber genau wissen, warum es an dem Tag anders als sonst sein soll.

Übrigens gilt die Regel auch an der Wallstreet, erst ab ca. 17 Uhr kann man halbwegs sicher sein, dass der wirkliche Trend des Tages sich offenbart. Deswegen werden wir auch erst heute Abend wissen, wie Mr. Market wirklich über die "Spanien-Rettung" denkt.

Ich persönlich rechne für diese Woche nach wie vor mit einem Potential im DAX von ca. 6400. Nach unten könnte die 200 Tage Linie bei ca. DAX 6210 nun Unterstützung darstellen. Zum Positiven verändert würde meine Erwartung, wenn Umfragen schon diese Woche einen klaren Sieg der bürgerlichen Parteien in Griechenland prognostizieren sollten. Dann wäre das Potential da, auch die 6400 hinter sich zu lassen.

(2)

Nach der Rettung ist vor der Rettung !

Auch ganz typisch für Mr. Market ist, das er in der Sekunde in der ihm eine Sorge genommen wurde, sich sofort um den nächsten Stolperstein Sorgen macht. Die vermeintlichen Gründe warum unsere Politik glaubte, sie sei "alternativlos" gezwungen Spanien unter den Rettungsschirm zu zwingen, sind nämlich gar keine. Unsere Politik lässt sich von der angelsächsischen Finanzwelt vor sich her treiben, der es natürlich gefällt, wenn Geld in die Banken gepumpt wird. Lesen Sie dazu -> diesen <- treffenden Artikel der Wirtschaftswoche oder -> hier <- einen Kommentar im Handelsblatt.

Was wäre denn so schlimm, wenn mal ein paar spanischen Regionalbanken Pleite gehen ? Und wäre es so schlimm, wenn der DAX mal wieder auf 4000 fällt ? Wenn sich dann endlich mal ein wirklicher, tragfähiger Boden bildet, weil der Moral Hazard der permanenten "Rettungsaktionen" aus dem Markt verschwindet, wäre ich unbedingt sehr dafür ! Denn nur so können wir wieder einen funktionierenden Markt und eine stabile, sich selbst tragende Wirtschaft bekommen.

Und wir "dummer" deutscher Michel zahlen fröhlich und übernehmen Risiken, weil wir einen historischen Schuldkomplex haben, der uns dazu zwingt immer die Muster-Europäer sein zu wollen, selbst wenn es unseren Interessen entgegen läuft. Viel schlimmer, wir verstehen unsere eigenen Interesse gar nicht mehr und glauben wirklich daran, dass die "Rettung" dieses fehlkonstruierten Euros in unserem eigenen Interesse läge. Vom Ausland wird das fröhlich gefördert, in dem Deutschland die Schuld am weltwirtschaftlichen Ungemach zugeschoben wird. "Haltet den Dieb" kann ich da nur sagen und bin wirklich entsetzt, wie blind unsere politische Kaste ist.

Und so kommt es wie es kommen muss, Mr. Market fängt sofort damit an, sich über den nächsten Kandidaten Sorgen zu machen. Und der lautet nicht Griechenland, sondern Italien ! Lesen Sie -> hier <- und weinen Sie mit mir. Wir lassen uns wie die Schweine durch Elektroschocks zur Schlachtbank treiben und merken es noch nicht einmal.

Dabei gäbe es einen einzigen Satz, der das ganze Spiel mit einem Schlag verändern würde. Und der müsste gar nicht mal öffentlich gesagt werden, sondern nur im Kreis der Regierungschefs der Eurozone. Und der lautet: Deutschland prüft die D-Mark wieder einzuführen.

Mit einem Schlag wäre das Machtgefüge ein anderes. Und wir wären nicht mehr erpressbar. Aber dieser historische Satz wird wohl nie gesagt werden, zu sehr ist unsere Politik in dem Netz der Propaganda gefangen, die uns einredet, dass ein derartiger Schritt nur mit Nachteilen und unkalkulierbaren Kosten verbunden sei. Deshalb wird dieser Satz nicht gesagt. Und deshalb kommt auch niemand auf die richtige Idee, die D-Mark zunächst parallel zum Euro als reine Referenzwährung und zur deutschen Staatsschuldfinanzierung einzuführen. Eine Rückkehr muss nämlich keineswegs auf einen Schlag erfolgen, man kann im Euro bleiben und trotzdem Schritt für Schritt die Alternative vorbereiten.

Selbst unser Bundesbankpräsident Weidmann redet den "unkalkulierbaren Risiken und Kosten" einer Rückkehr zu D-Mark ja nun das Wort und blendet dabei völlig all die massiven Vorteile und Vermögensgewinne für Deutschland und seine Bürger aus, die eine Rückkehr zu D-Mark mit sich bringen würde. Lesen Sie -> hier <-. Weidmann war wohl doch zu lange an der Seite von Merkel, wie kann man da eine abweichende Weltsicht erwarten....

Herr Weidmann, beantworten Sie dem deutschen Bürger doch mal eine Frage: Wenn die neue D-Mark sofort um 30% gegenüber dem Rest-Euro aufwerten würde - was auch ich für realistisch halte - ist das dann ja wohl das korrekte Abbild der in den letzten 10 Jahren erarbeiteten Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Was bedeutet 30% Aufwertung für die Zahlungkraft eines deutschen Bürgers mit D-Mark in der Brieftasche ? Wie würden sich unsere Importpreise entwickeln ? Wie stark würden unsere alten Schulden in Euro entwertet und wir damit entlastet, wenn wir neue Schulden nur noch in D-Mark aufnehmen ? Hmmm ?

Besonders absurd und peinlich ist für mich die Argumentation: "Ein Zerfall der Währungsunion wäre mit extrem hohen Kosten und Risiken verbunden, die niemand wirklich vorhersehen kann". Was im Umkehrschluss dann ja wohl bedeuten soll, dass der nun von der Politik eingeschlagene Weg der Dauerrettung sicher vorhersehbar und ohne Kosten und Risiken ist, oder ? Besser kann man in meinen Augen nicht offenbaren, wie hoffnungslos man gedanklich in dem vermeintlichen Automatismus der "Alternativlosigkeit" gefangen ist. Schlimm so etwas vom Chef der Bundesbank hören zu müssen !

Herr Weidmann, die Welt ist nicht schwarz/weiss und man hat immer die Wahl ! Richtig ist, dass beide Wege mit erheblichen Risiken, aber auch erheblichen Chancen verbunden sind. Es gibt keine einfache Antwort und auch die Rückkehr zur D-Mark ist ohne Frage mit Risiken und Nachteilen verbunden. Aber: WIR HABEN SEHR WOHL DIE WAHL ! Das mal argumentativ gegenüber zu stellen, wäre für mich ein Zeichen intellektueller Redlichkeit !

Wir durchleben wahrhaft historische Zeiten und die Mehrheit der Bevölkerung merkt es nicht. Mit jedem Monat sinken unsere Chancen, den fatalen Weg noch stoppen zu können, der nun eingeschlagen wurde. Es kann gut sein, dass uns unsere Kinder später mal fragen werden: Papa, warum hast Du damals geschwiegen, wenn sie in den Geschichtsbüchern über die Geschehnisse der Jahre 2010-2015 lesen. Meine Grosseltern kennen diese Frage auch noch.

Mir bleibt daher leider nur, traurig mit dem bekannten Motto zu schliessen, mit dem unsere politische Führung uns in eine Zukunft zwingt, die Deutschlands Bevölkerung mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht will und die wirklich voller "extrem hoher Kosten und Risiken" steckt :

Vorwärts immer, Rückwärts nimmer !

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **