Euro an der Wegscheide

Die Quartalssaison läuft diese Woche an den Märkten heiss und gleichzeitig hat das Währungspaar EUR/USD einen Stand erreicht, den man glasklar als Wegscheide bezeichnen kann.

Was das bedeutet, soll dieses Chart verdeutlichen:

Seit Anfang 2015, also seit über 2 Jahren, ist der Euro zum Dollar unter 1,15 hin und her mäandriert und hat mehrfach einen Anlauf Richtung Parität vollzogen. Zweimal hat EURUSD darüber hinaus geschaut, einmal in 2015 und einmal in 2016 und in beiden Fällen war spätestens bei 1,17 Schluss und es wurde ein sogenannter "Fakeout", der dann das Signal für eine starke Bewegung in die Gegenrichtung gab. Die Bauernregel dazu lautet im Englischen "From false Moves come fast Moves".

Nun sind wir diesen Sommer - genau jetzt - wieder an so einer Wegscheide. Draghi hat mit seiner Rede in Sintra vor nun bald 4 Wochen dabei kräftig und unfreiwillig mitgeholfen und es ist ihm letzte Woche nicht gelungen, das in seiner Pressekonferenz sofort wieder einzufangen.

Und wie es der Zufall will, steht diese Woche am Mittwoch eine FED-Sitzung an, deren Wortwahl im FOMC Statement erheblichen Einfluss auf den Dollar und damit auf EURUSD nehmen wird.

Wer sich nicht regelmässig mit Börse beschäftigt, wird sich nun vielleicht fragen, was das denn mit dem DAX und anderen Indizes zu tun hat? Die Antwort ist ganz einfach:

In Euro notiert, also am Kursstand des DAX gemessen - wie wir das in der Regel in unseren Euro-Depots haben - ist ein starker Euro Gift für die Kursnotierungen, ein schwacher Euro stützt diese dagegen.

Dass das nur eine nominale Darstellung in Euro ist und die Welt aus Dollarsicht schon wieder ganz anders aussieht, ist denen klar, die die Welt der Währungen durchdringen. Für diesen Post im freien Bereich genügt aber zu verstehen, dass ein Euro, der potentiell nun nach oben wegbricht und die 1,15 nachhaltig hinter sich lässt, massiven Druck auf den DAX ausüben würde.

Diese Lage trifft aber auf einen DAX, MDAX und Co. der nicht nur durch das Desaster um die deutschen Autobauer sowieso schon angeschlagen ist, sondern auch eine derartige Chartstruktur hat, die einiges an Fallhöhe impliziert, falls der Index hier nun nicht bald nach oben dreht:

Auch Sie sollten also diese Woche ein Auge auf den Euro haben. Dreht der hier wieder nach unten, haben wir vielleicht den Tiefpunkt der aktuellen Korrektur schon gesehen bzw sehen ihn bald. Bricht der nun aber nach oben aus, dürfte sich ein Einbruch im DAX unter 12.000 nur schwerlich vermeiden lassen.

Der zweite Hauptfaktor für DAX & Co. dürfte diese Woche die Entwicklung rund um die Autobauer werden. Ohne dass diese sich stabiliseren, wird es der DAX auch ohne den Euro schwer haben, hier wieder nach oben zu drehen.

Das nur zur groben Einordnung dieser Woche aus Sicht der deutschen Indizes.

Im grossen Bild ist das aber wahrscheinlich nichts weiter als die erwartete Unruhe in der grossen "Rumpelphase" des Sommers, deren Umfang und Dauer ich Ihnen schon in -> Der Gründler und der Measured Move <- nahegebracht habe.

Es gibt also Grund zur Vorsicht, Grund zur Panik und für eine bärische Grundhaltung, sehe ich nach wie vor nicht.

Ihr Hari

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Der “Gründler” und der “Measured Move”

Es gibt eine gewisse Art von Denkstrukturen, die sich ganz besonders schwer am Markt tun. Wir nennen das immer den "Gründler", das ist der durchweg gebildete, gut ausgebildete Anleger, der aber - zum Beispiel als Ingenieur - in Fachdisziplinen zu Hause ist, in denen man die Dinge exakt "messen" kann und in denen die Investition in eine noch tiefergehende, feingliedrige Analyse, zusätzliche Erkenntnisse verschafft.

Das ist auch bei allen "Dingen" und Naturgesetzen so, die nach replizierbaren und berechenbaren Mechanismen funktionieren. Die Charakteristika eines Automotors kann man messen. Und wenn man dann am Folgetag wieder zur Testinstallation tritt und die Messung erneuert, nur im Detailgrad vertieft, wird man - von geringen und auch wieder replizierbaren und berechenbaren Umwelteinflüssen wie Temperatur abgesehen - wieder zum nahezu identischen Ergebnis kommen, nur eben mit einem höheren Detailierungsgrad.

Dieses Prinzip, durch tiefere Analyse zu besseren Ergebnissen zu kommen, weil das Objekt der Untersuchung eben ein zuverflässig replizierbares Verhalten nach festen Naturgesetzen zeigt, ist bei diesen "Gründlern" so tief in die Denkstrukturen eingegraben, dass es unreflektiert auf den Aktienmarkt übertragen wird.

Deswegen ist auch das gerade in Deutschland gerne verbreitete -> Zerrbild des Value-Investing < - bei diesen Anlegern so beliebt, obwohl es gar nicht mehr so wie dargestellt funktionieren kann. Benjamin Grahams Buch "The intelligent Investor", das diesem Blog auch seinen Namen gab, ist immer noch ein Meilenstein der Börsengeschichte. Aber die darin dargestellten Methoden können im Jahr 2017 nur einen viel kleineren Edge als damals generieren - wenn überhaupt, weil alles für jeden mit einem Fingerklick verfügbar ist, wofür ein Graham viel Fleiss in Bibliotheken aufbrachte und sich damit einen Vorteil gegenüber dem Rest der Herde verschaffte.

Die Illusion, durch intensives Studium der öffentlichen Zahlen eines Unternehmens sich einen Vorteil am Markt zu verschaffen, ist für die Denkstrukturen des Gründlers aber so attraktiv, dass er von diesen Logiken geradezu angezogen wird. Und deshalb werden sie natürlich auch vermarktet, sie verschaffen Abonnenten und bei Fonds zufliessende Gelder.

Nur dummerweise funktioniert der Markt nicht so und was jeder mit einem Klick zur Verfügung hat, verschafft keinen Vorteil mehr. Der Markt ist ein -> reflexives < -, selbstreferentielles soziales System, was bedeutet dass wenn man zu lange "misst", die Messung unsinnig wird, weil der Markt sich schon längst weiterbewegt hat.

Es ist nicht Thema dieses Artikels, in die reflexiven Mechanismen einzusteigen, klar ist nur, dass der Typus "Gründler" mit seinem Ansatz zwangsläufig scheitern muss und es regelmässig auch tut.

Es geht eben nicht um die Tiefe der Messung, es geht darum die systemischen Tendenzen und Richtungen schnell und grob zu erfassen, so dass man daraus mit Wahrscheinlichkeit einen profitablen Schluss ziehen kann.

Lassen Sie mich das Prinzip als Metapher an einem weiteren, chaotischen System beschreiben, das *weniger* komplex als der Aktienmarkt ist und trotzdem immer noch zu komplex ist, um vollständig "berechenbar" zu sein: Das Wetter.

Stellen wir uns vor wir stehen auf einer Wiese und über uns ziehen die Wolken an uns vorbei. Der Wind frischt auf und die Frage ist, wie wird das Wetter?

Der "Gründler" würde im übertragenen Sinne hingehen, von den Wolkentürmen Schnappschüsse machen und diese aufwändig vermessen. Eine halbe Stunde später macht er wieder Schnappschüsse, vermisst diese wieder und wundert sich, dass diese so völlig anders sind. Dann fängt er an zu theoretisieren, warum die einen Wolkentürme zu den anderen geworden sind und was das bedeuten könnte. Während er theoretisiert, ist das Wetter aber schon wieder ganz anders geworden. Der Wind hat nachgelassen, die Wolkendecke ist geschlossen und ein leiser Nieselregen hat eingesetzt.

Was hat es dem "Gründler" nun gebracht, die Wolken im Detail zu vermessen? Ich sage es Ihnen, er wurde nass. 😉

Ein "Bauer" steht neben ihm. Er hebt seinen Daumen in den Wind, schnuppert herum, schaut zum Horizont und sagt das Wetter wird so und so und wendet sich ab. Und die Wahrscheinlichkeit dass der Bauer die Wetterentwicklung besser voraussagt, ist verdammt hoch.

Was ist der Unterschied? Der Bauer erkennt die grossen systemischen Linien, weil er Erfahrungsmuster die in mehreren Jahrzehnten gewachsen sind, auf die Wetterlage anwendet. Die Details interessieren ihn dabei nicht. Er muss nicht wissen wie gross die Wolken nun genau sind, er muss auch nicht die exakte Windstärke und Richtung kennen und auch nicht den auf einen Kommapunkt berechneten Feuchtigkeitsgehalt.

Es reicht, die grossen Linien der Entwicklung, die Muster einer typischen Wetterentwicklung, schnell zu erkennen und man erreicht damit eine hohe Prognosegüte mit minimalem Aufwand und kann sofort handeln, während der "Gründler" noch rechnet.

Natürlich kann auch mal etwas passieren, was nicht in das Muster des Bauern passt, aber damit muss man leben.

Wetter ist eben keine exakte Wissenschaft und Börse auch nicht! Beide bemühen sich um stochastische Annäherungen und nicht um Exaktheit.

Wie beim Wetter ist es auch an der Börse. Das Ziel ist nicht eine 100% Exaktheit der Analyse und Prognose zu erreichen, das ist sowieso nicht möglich, weil der Markt sich permanent weiterbewegt.

Das Ziel ist, mit 20% des Aufwands 80% der weiteren Entwicklung halbwegs passend zu antizipieren. Und nicht anders herum!

Und dafür ist Mustererkennung und sind Mechanismen hilfreich, die auch der Bauer anwendet. Bauernregeln eben, die zu 80% eintreffen und auf die man sofort und elegant handeln kann.

Eine dieser "Bauernregeln" ist der "Measured Move". Zu deutsch vielleicht "berechenbare Folgebewegung".

Der Measured Move ist wie jede Bauernregel ein höchst unpräzises Konstrukt, er macht ausschliesslich Aussagen im Sinne "Pi mal Daumen" und ist trotzdem oder gerade deswegen hilfreich.

Lassen Sie mich das Prinzip anhand der steinzeitlichen Jagd erklären, auch ein Fall, in dem der Gründler scheitern würde.

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Die Börse im Sommer 2016

Mit dem Beginn des Juni, liegt auch der "Börsensommer" vor uns, der die Monate Juni, Juli und August umfasst und in der Regel von geringeren Volumina geprägt ist.

Dieses Jahr, müssen wir damit aber wohl bis Ende Juni warten, denn mit der EZB am 02.06., der FED am 15.06. und der Abstimmung über den "Brexit" am 23.06., liegen noch drei Termine vor uns, bevor der Markt dann die Chance hat zur "Sommeruhe" zu finden.

Damit stellt sich uns natürlich die Frage, was von diesem Börsensommer zu erwarten ist?

In meinen Artikel -> Sommerstarre statt Sell in May < - vom 02.05., hatte ich schon eine klare Erwartung formuliert, die Erwartung einer breiten Range im Leitindex S&P500, bei der weder nach oben, noch nach unten, besonders viel gehen dürfte.

Diese Sicht auf den Markt, hat uns im abgelaufenen Mai gute Dienst getan, denn genau dieses Schwanken zwischen den Begrenzungen haben wir nun erlebt.

Heute, einen Monat später, will ich Ihnen aber nicht verhehlen, dass die "Sommerstarre" immer noch eine hohe Wahrscheinlichkeit hat, mein Sicht auf den Markt aber deutlich positiver geworden ist, als vor einem Monat.

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Der “Schland-DAX” im Sommer

Guten Morgen !

Das war das sechste WM-Endspiel einer deutschen Fussball-Nationalmannschaft, das ich in meinem Leben vor dem Fernseher verfolgt habe. Und der dritte Titel. Und es war zusammen mit 1990 der für mich verdienteste Titel, denn 1974 wurde zwar auch eine ausgezeichnete Mannschaft Weltmeister, die aber ihren spielerischen Zenit schon in der Europameisterschaft 1972 vorher erreichte (Netzer kam aus der Tiefe des Raumes ;-)) und im Finale sich nur mit Glück und dem Heimvorteil, gegen die Niederländer rund um Johann Cruyff durchsetzen konnte.

Sind "wir" jetzt Weltmeister ? Nein, bestimmt nicht, wir waren nicht auf dem Platz, ausserdem sind wir hier im Blog nicht alle Deutsche. 😉 Und Deutschland wurde auch nicht Weltmeister, nur seine besten Fussballer.

Und trotzdem steckt eine gewisse Wahrheit in dem "Deutschland ist Weltmeister", denn wenn eine Marketingagentur das perfekte Imageprogramm für ein Land erzeugen müsste, dann wäre es so ein Sieg, beziehungsweise die positive Fussball-Geschichte, die 2006 mit dem "Sommermärchen" ihren Anfang nahm.

Die Welt ist gross und andere Länder erlebt die Menschheit halt vor allem über Symbolik. Was wissen denn die durchnittlichen Deutschen zum Beispiel über Argentinien? Nicht viel wahrscheinlich.

Und so sind es Stereotypen der Vergangenheit wie der "Blitzkrieg" und die deutschen "Panzer", die das weltweite Bild eines Landes prägen. Und dieses Bild wird durch den Fussball nun zum Positiven beeinflusst und hinterlässt Spuren bei jungen Menschen in der ganzen Welt, die mit Deutschland nun ein starkes Team identifizieren, das schönen Fussball spielt.

Das schadet dem Land und auch seiner Wirtschaft sicher nicht, im Gegenteil. Und insofern ist Deutschland tatsächlich gestern auch irgendwie "Weltmeister" geworden.

Insofern stellt sich auch die Frage, ob der Titelgewinn gestern nun dem DAX nützt ? Ich würde sagen minimal ja, aber bestenfalls Zehntelpunkte in den kommenden Tagen. Börse ist zwar im hohen Masse Psychologie und auch von Stimmungen geprägt. Und wenn der DAX nun ausschliesslich von deutschen Privatanlegern bewegt würde, würde man wohl einen deutlicheren positiven Effekt verspüren. Denn Anlageentscheidungen von Individuen sind zu oft reine Stimmungsentscheidungen und bei guter Stimmung drückt man halt schneller auf den Kauf-Knopf.

Der DAX gehört aber in Mehrheit "Ausländern" und dabei primär der Wallstreet. Und die deutschen Marktteilnehmer, die DAX-Aktien halten, sind wiederum in der Mehrheit institutionelle Anleger, wie zB die Versicherungen. Und bei denen werden Anlageentscheidungen nicht von einzelnen Menschen getroffen, sondern von Anlage-Teams.

Insofern könnte heute ein kleiner, positiver Effekt im DAX vorhanden sein, das war es dann aber auch. Eher könnte die Binnenkonjunktur Deutschlands und vor allem der Handel etwas länger von der guten Stimmung profitieren. Und im Ausland profitieren eben deutsche Firmen, die sich leichter tun, gute Mitarbeiter zu bekommen und deren Produkte beliebter werden, wenn sich mit Deutschland nicht das Stereotyp der Panzer, sondern das eines kreativen, engagierten und vor allem sympathischen Teams verbindet.

Schaue ich in diese Börsenwoche hinein, dürfte diese primär von dem Beginn der Quartalssaison geprägt sein. Und der Verlauf der Berichtssaison wird wohl auch darüber entscheiden, ob die Aktienmärkte sich noch einmal zu Hochs aufraffen können, oder wir die Hochs für diesen Sommer schon gesehen haben.

Die europäischen Märkte haben nach der Schwäche der letzten Woche nun die Chance zur Stabilisierung und Verarbeitung der Ereignisse der letzten Woche. Das Beste was DAX & Co. nun machen könnte, wäre den Einbruch der letzten Woche schnell zu negieren und neutralisieren.

Im grossen Bild wirken die europäischen Aktienmärkte und der DAX aber für mich weiter nicht wie der Ort, an dem man im Vergleich zu anderen Märkten nun unbedingt sein muss. Gerade im DAX ist die Unfähigkeit der letzten Woche von den Tiefs wegzukommen - und das trotz einer Ende letzter Woche positiven Wallstreet im Rebound - eher ein Zeichen relativer Schwäche.

Und schaut man auf das Chart, sieht man ganz klar, dass der DAX nun einen Bruch nach unten vollzogen hat und er schnell die 9750 zurück erobern sollte, wenn er nicht Gefahr laufen will, noch weiter abzusacken. Und das am besten gleich heute, die Chance dafür ist heute da:

DAX 14.07.14

Die relative Schwäche des DAX bedeutet aber nicht im Umkehrschluss, dass wir nun unbedingt vor einem grossen "Crash" stehen. Nein, das weltweite Umfeld für Aktien bleibt bis auf weiteres positiv. Aber zwischen permanent steigen und einbrechen, gibt es halt noch einen dritten Markt-Zustand. Und das ist ein Seitwärtsbewegung, die Bullen wie Bären gleichermassen frustriert und in keine der beiden Richtungen eine Entscheidung herbei führen kann. Und das könnte für den DAX der Zustand des Sommers 2014 werden. Wenn das so kommt, wäre es also eine gute Gelegenheit für Anleger, den Markt mal in Frieden zu lassen und sich der Sonne zuzuwenden. 😉

Es gibt also diesen Sommer sicher interessantere Aktienmärkte mit mehr Potential, als den DAX. Wo diese liegen und wo heute konkrete Chancen existieren, besprechen wir wie immer im Premium-Bereich.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche !

Ihr Hari

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Herbststürme im DAX – Der DAX am Scheideweg

Herbststürme im DAX – Der DAX am Scheideweg

Ein Gastkommentar von Tokay

Der Sommer neigt sich so langsam dem Ende, bald werden auch die letzten wieder vom Strand oder aus den Bergen zurückkehren, sich hinter ihre Notebooks klemmen und sich fragen, wie es denn so weitergeht an den Börsen. Wer Zeitung gelesen oder sich im Internet etwas um getan hat, ahnt, dass die Rahmenbedingungen turbulent werden könnten: Da ist die ungewisse Lage in Syrien, da ist der ungewisse Ausgang der deutschen Bundestagswahl, da ist die bevorstehende Sitzung der Fed Mitte September, auf der eine Kehrtwendung der amerikanischen Geldpolitik beschlossen werden könnte. Die Eurokrise, das sei „nebenbei“ bemerkt, ist auch noch nicht so restlos ausgestanden. Jedes dieser Ereignisse hat Potential genug, für Nervosität an den Börsen zu sorgen, und die vergangene Woche hat dafür einen Vorgeschmack geliefert. Anlass genug also, sich die Situation einmal näher anzuschauen.

Betrachten wir dazu das folgende Langfrist-Chart. Die Erholung nach der kurzen, aber scharfen Baisse im Spätherbst 2011, markiert durch Linie C, ist nach wie vor intakt. Diese Linie ist am vergangenen Freitag im durch D markierten Bereich touchiert worden und insofern sind wir erneut an einem Scheideweg angelangt. Denn sollten ungünstige Nachrichten aus den Risikobereichen eintreffen, so wäre leicht eine Panikreaktion an den Börsen vorstellbar. Sollten diese jedoch positiv ausfallen, so markierte unser Bereich D wieder einmal nur ein Zwischentief auf dem Weg nach oben und es würde jene belohnt werden, die den Mut zum Einstieg gefunden hätten.

Herbststürme im DAX

Überlegen wir uns einmal kurz, wie die allgemeine Situation ohne diese Risikofaktoren wäre: Eigentlich gar nicht mal so ungünstig. Die amerikanische Wirtschaft erholt sich zäh, aber sie erholt sich. Das deutsche Wirtschaftsklima stellt sich günstig dar, ablesbar am zuletzt veröffentlichten Ifo-Index. Die Inflationsrate ist weiter rückläufig und für eine Erhöhung des Euro-Leitzinses besteht weiterhin kein Anlass. Dies sind also im Grunde sehr gute Rahmenbedingungen. Allenfalls ließe sich sagen, dass der September noch nie ein guter Monat zum Einsteigen gewesen ist.

Eine Eskalation in Syrien würde aber zweifellos zu Verwerfungen an den Weltbörsen führen, also auch und gerade im DAX. Eine unklare Mehrheitssituation im Bundestag bzw. eine prononciert linksorientierte Bundesregierung(Rot-Grün unter Tolerierung der Linkspartei etwa) würde den DAX ebenfalls beeinträchtigen, zumindest kurzfristig. Und sollte die Fed das Ende der monetären Expansion einläuten, dann stünden die Zeichen vollends auf stürmische Zeiten im Herbst.

Doch kann man der Ansicht sein, dass, gerade weil das so ist, sich die Börsen, sich der DAX in den vergangenen Tagen eingetrübt haben. Weil die Sorgen um Syrien, weil die Ungewissheit um den deutschen Wahlausgang, weil ein Ende der monetären Expansion mutmaßlich bevorsteht, sind diese Sachverhalte bereits zu einem guten Teil eingepreist und könnte sich der DAX entlang unserer Linie C – der Linie des Zweifels sozusagen – nach oben hangeln. Es spricht aus heutiger Sicht also nichts dagegen, dass wir im Laufe von 2014, wenn nicht schon vorher, im DAX bei 9000 Punkten ankommen werden. Der DAX sollte sich damit weiterhin entlang seines langfristigen Wachstumspfades bewegen – wenn auch eher im oberen Bereich. Die Möglichkeit, aufgrund einer stürmischen Großwetterlage ein vorübergehendes, jedoch markantes Zwischentief zu erleben, muss dabei stets in Betracht gezogen werden.

Tokay

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