IBEX35 vor dem nächsten Schub ? – Update zur Bullenflagge

Der spanische Aktienmarkt in Form des IBEX35 hat uns 2013 hier auf Mr-Market sehr, sehr viel Freude gemacht.

Oft habe ich darüber geschrieben, so zuletzt am 24.09.13 unter dem Titel -> IBEX35 oder Viva España ! <- oder am 23.10.13 die aktuelle Korrektur bis ca. 9500 unter dem Titel -> IBEX35 - Der Dip der erfrischt <- angekündigt.

Nun ist es mal wieder Zeit, auch im freien Bereich auf den IBEX35 zu schauen, denn der hat in seiner Korrektur eine wunderschöne Bullenflagge gebildet, die möglicherweise letzten Donnerstag am 21.11.13 bei 9.457 ihren Tiefpunkt gesehen hat:

IBEX35 26.11.13

Noch hat der Kurs die Bullenflagge nicht verlassen, insofern steht der Ausbruch noch aus und das Tief vom 21.11. ist noch nicht endgültig bestätigt. Aber es fehlt nicht mehr viel und nächste Woche könnte dieser Ausbruch auf der Agenda stehen.

Schauen wir auf das längerfristige Chart mit Wochenkerzen seit 2009, in dem man die wunderschöne Umkehrformation des IBEX35 erkennen kann, sehen wir auch, wo das Potential liegt:

IBEX35 26.11.13 Wochen

Sollte der Ausbruch kommen, hat der IBEX35 Potential um schnell bis zur 11.000er Marke zu laufen. Das könnte im Idealfall schon bis Ende des Jahres bzw Anfang Januar 2014 erreicht sein.

Jetzt ist so eine Entwicklung natürlich nicht sicher - nichts ist sicher an den Märkten. Aber mit einer Absicherung unter dem Tief vom 21.11.13, generiert der IBEX35 aktuell ein potentiell attraktives Long-Setup, mit begrenztem Risiko nach unten.

Eine ähnliche Struktur mit nahezu identischen Implikationen, sehen wir übrigens auch im italienischen MIB40 Index. Ich ziehe aber im Zweifel den IBEX35 vor, da Spanien politisch stabiler und mit seinen Reformen auf dem richtigen Weg ist, während in Italien ausser dem bekannten politischen "Ringelpietz mit Anfassen", eher wenig an strukturellen Reformen passiert ist.

Ihr Hari

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DAX & IBEX35 – Der Dip der erfrischt !

Heute kann man richtig froh sein, dass der Markt auch einmal wieder etwas Schwäche zeigt. Froh deshalb, weil leichte Korrekturen im Aufwärtstrend Zeichen eines gesunden Marktes sind. Rennt der Markt dagegen ohne zu verschnaufen nur nach oben, erhöht dass das Risiko eines euphorischen Tops ganz erheblich. Und der Absturz nach so euphorischen Hochs ist selten erfreulich.

Insofern können alle, die sich weiter steigende Kurse zum Jahresende wünschen, diese kleine Korrektur nur begrüssen. Man sieht den Korrektur-Charakter auch daran, dass alles was zuletzt gut gelaufen ist - egal ob Spanien, Telekom-Unternehmen oder "Hot Stocks" im Bereich Solar - nun mit Gewinnmitnahmen leben muss. Es wurde ja auch Zeit, nachdem der DAX fast 9.000 Punkte und der spanische Aktienindex IBEX35 sogar 10.000 Punkte erreicht hatte.

Schauen wir auf das Chart des IBEX35 mit Tageskerzen, sehen wir, das nun idealerweise eine klassische Korrektur nach der 1-2-3 Logik ansteht:

IBEX35 23.10.13

Sollte diese so durchlaufen, eröffnen sich vielleicht schöne Chancen, den "Dip" dann zu kaufen. Zu diesem Zeitpunkt ist die Börsen-Luft dann nicht mehr schwülwarm und überhitzt wie aktuell, sondern dann hat ein frischer Lufthauch die Grundlagen für die nächste Phase des Trends gelegt.

Denn unter der Annahme, dass die Eurozone auf dem Erholungspfad bleibt, hat der spanische Aktienmarkt auch von IBEX35=10.000 ausgehend, noch ein Menge nachzuholen.

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IBEX35 oder Viva España !

Wir sind hier bei Mr. Market schon über ein Jahr am spanischen Aktienmarkt in Form des IBEX35 Index dran. Eigentlich seit sich dieser beeindruckende Doppelboden gebildet hat.

Auch Artikel hat es immer wieder gegeben, so zuletzt am 01.08. unter dem Titel -> IBEX35 vor dem Ausbruch <-.

Genau dieser Ausbruch hat sich nun bewahrheitet und für mich stellt der spanische Aktienmarkt eine der interessantesten Gelegenheiten im Universum der Indizes dar, um mit langfristigem Zeithorizont deutlich zu profitieren.

Das ich Spanien aus den Euro-Ländern des Mittelmeeres so heraus greife liegt daran, dass das Land nicht diese politische Lähmung wie Italien besitzt und bei allen Problemen die auch Spanien mit Korruption hat, doch am Ende immer noch vergleichsweise funktionierende staatliche Institutionen besitzt, zumindest wenn man es relativ mit Griechenland vergleicht.

Gleichzeitig ist Spanien durch eine Rosskur gegangen, die zwar im Binnenmarkt noch zu keinen grossen Verbesserungen geführt hat - wiewohl auch dort erste Pflänzchen blühen - die aber zunächst den exportorientierten Unternehmen bessere Wettbewerbsfähigkeit verschafft hat. Und mittlerweile zeigen auch die Daten zur industriellen Produktion langsam nach oben.

Auch kulturell muss man positiv sagen, dass die Spanier ein stolzes und zur harten Arbeit bereites Volk sind. Und der brutale Einbruch fusste ja auch nicht perse auf breiter gesellschaftlicher Korruption und Misswirtschaft wie in Griechenland, er fusste auf einer Immobilienblase, die durch die Verzerrungseffekte des Euros hervor gerufen wurde und nicht dem einzelnen spanischen Bürger anzulasten ist.

So hat Spanien in meinen Augen alle Voraussetzungen, um nach dieser Rosskur wieder Hoffnung zu schöpfen, wenn die Politik nun nicht in der Eurozone das grosse Chaos anrichten sollte. Und genau das kann man auch am IBEX35 bewundern, hier im langfristigen Wochenchart:

IBEX35 24.09.13

Sie sehen, dass man die über ein Jahr andauernde Seitwärtskonsolidierung nach dem Doppelboden 2012, im Nachhinein auch als zwei Bullenflaggen interpretieren kann. Der am 01.08. im Artikel indizierte Ausbruch hat nach Lehrbuch stattgefunden, inklusive Re-Test des Flaggen-Ausbruch von oben am 30.08.

Das sieht sehr gut aus und aus langfristiger Perspektive erscheint mir der IBEX35 als eine der attraktivsten Wetten im Universum der Indizes. Kurzfristig ist ein Re-Test der Ausbruchszone von oben durchaus denkbar.

Um das Bild dabei in eine grössere Perspektive zu stellen, zeigen ich Ihnen nun auch noch den IBEX35 im Chart mit Monats-Kerzen. Eine Darstellung die höchst selten zu sehen ist, die bis 1994 zurück reicht und interessante Einblicke ermöglicht.

IBEX35 24.09.13 Monat

Sie sehen sofort die Parallelität der Strukturen. Wie der IBEX35 2003 aus den Tiefs heraus kam und nun heute wieder, hat grosse Ähnlichkeit.

Ich bin in meinem Investmentdepot auf jeden Fall im IBEX35 auf der Long-Seite dabei. Die Risiken liegen primär im politischen Bereich der Eurozone. Und eine sinnvolle Absicherung dagegen, wäre ein Stop unter dem Retest vom 30.08.. Wenn der Ausbruch Bestand hat, sollte der IBEX35 nicht mehr unter 8200 tauchen.

Von diesem Risiko abgesehen - ohne Risiko gibt es auch keine Chancen - spricht aber viel dafür, dass ich in den kommenden Monaten und Jahren noch öfters aus vollem Halse rufen kann:

Viva España ! 😉

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Charts des Sommers – IBEX35 – der spanische Aktienmarkt vor dem Ausbruch

Der spanische Aktienmarkt in Form des IBEX35 im langfristigen Chart seit 2010 mit Wochenkerzen.

Sie sehen den massiven Doppelboden von vor genau einem Jahr. Und nun steht der IBEX35 nach einer einjährigen Konsolidierung kurz vor einem wichtigen Ausbruch.

Seit Mitte Juli haben wir massive Stärke im Markt, die Überzeugung, dass die Konjunktur der Eurozone langsam dreht, bricht sich Bahn. Und bei den niedrigen Bewertungen der Unternehmen, ist noch viel Luft nach oben.

IBEX35 01.08.13

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Die absurde Diskussion um Austerität versus Wachstum in der Eurozone

Schaut man in die Presse und sieht, was selbst höchste Politiker bis hin zu Staatspräsidenten so von sich geben, könnte man ja meinen, als gäbe es eine wichtige ökonomische Diskussion, die man als "Austerität versus Wachstum" umschreiben könnte.

Ich kann mit dieser Diskussion wirklich nichts anfangen. Sie ist für mich persönlich einfach lächerlich und absurd und wer sich nicht entblödet, dabei nur auf einer Seite der Medaille zu argumentieren, der ist für mich sowieso nicht ernst zu nehmen. Und um das zu erkennen, muss man nicht einmal Ökonom sein. Dafür reicht einfach ein durchschnittlicher IQ und eine Prise Realismus.

Denn an dieser Stelle ist die Wirklichkeit ganz einfach: Wir brauchen Beides ! Austerität und Wachstum ! Und das Eine kann ohne das Andere gar nicht funktionieren. Der vermeintliche Gegensatz ist konstruiert, um medial damit das eigene politische Süppchen zu kochen. Mit der Realität hat der vermeintliche Gegensatz aber nichts zu tun.

Nehmen wir doch mal den menschlichen Körper. Nehmen wir einen Menschen der jeden lieben Tag verfettet und vollgefressen in seinem Sessel hängt, drei leere Chips-Tüten daneben und die Fernbedienung in der Hand, unfähig sich selber aufzuraffen und mit seinem Leben etwas Sinnvolles anzustellen. Und nun soll dieser Mensch wieder fit und gesund werden.

Glauben Sie, es würde reichen, ihm nur die Chipstüten wegzunehmen und ihn ansonsten weiter im Sessel vegetieren zu lassen ? Nur mit dem Unterschied, dass er nun auch noch hungert ? Wird das den Menschen glücklicher, erfolgreich und gesünder machen ? Wohl kaum, nur mit dem Einsparen von Nahrung wird man gar nichts bewirken. Man wird den Menschen nur noch mehr frustrieren und unglücklich machen. Und sobald er dann irgendwo eine versteckte Chipstüte in die Hand bekommt, wird er sie gierig hinein stopfen. Und der Körper wird im Jojo-Prinzip noch fetter werden.

Faktum ist also, Einsparung und Reduktion alleine machen nicht gesund. Im Gegenteil, man kann sich auch tot hungern ! Und in der Wirtschaft ist es nicht anders. Gerade auch weil Wirtschaft auf Psychologie beruht und die Menschen brauchen einfach etwas Positives, wonach sie streben können. Hoffnung ist eine weit unterschätze Währung !

Bevor jetzt hier aber Vertreter der französischen Regierung jubilieren einen Deutschen zu finden, der reine Sparsamkeit schwachsinnig findet, muss ich klar stellen, dass das Gegenteil ebenso absurd ist.

Denn glauben Sie ernsthaft, dieser verfettete Mensch würde gesund werden, wenn man nichts an seiner Nahrungsaufnahme und seinem Lebensstil ändert und dem Menschen dafür nur teure Fitnessprogramme anbietet, ihn also massiv fördert ? Das Geld dafür könnte man auch gleich das Klo runter spülen oder zu einer Zigarre rollen und rauchen. Es ist völlig verschwendet. Denn ein derartiger Körper kann gar keine Freude bei Bewegung erleben. Und wird deshalb die teuren Programme bestenfalls halbherzig annehmen und nach drei Versuchen wieder fallen lassen. Und wieder Chips vor dem Fernseher mampfen, um im Bild zu bleiben.

Faktum ist also, wenn die Grundlage nicht da ist, bringen Wachstumsanreize gar nichts. Auch das ist so in der Wirtschaft. Wenn die Wirtschaft durch Bürokratie und Steuer- bzw. Regulierungs-Lasten erdrückt wird, ist es sinnlos, weisse Salbe zu verschmieren und irgendwelche Wachstumsprogramme aufzulegen. Die "süssen" Teile dieser Programme werden mit genommen, in den Mund gestopft und dann macht man weiter wie bisher.

Und deshalb braucht Europa beides. Die "Verfettung" des obigen Bildes ist dabei in vielen Ländern des "Club Med" ein übergrosser, ineffektiver und teilweise korrupter Staatsapparat, der wie Mehltau auf der Wirtschaftskraft des Landes liegt und letztlich die Menschen aussaugt. Darüber hinaus oft geschlossene Arbeitsmärkte und Branchen die von Bünden und illegalen Absprachen dominiert werden und sich gegen Wettbewerb und Wandel wehren. Und ebenso eine Kultur des gesellschaftlichen Egoismus, in der das Gemeinwohl im Wortschatz nicht vorkommt und jedes Individuum bereit ist, das Gemeinwesen - und damit letztlich den Nachbarn - gnadenlos zu "bescheissen", um einen eigenen Vorteil daraus zu ziehen.

In Ländern wie Griechenland kann man da nur sagen, der Fisch stinkt vom Kopf und "die da oben" machen "denen da unten" vor, wie man den eigenen Vorteil um jeden Preis maximiert. Nur ist das keine Entschuldigung für "die da unten", sich ebenso moralisch windschief zu verhalten. Genauso wenig wie ein Hoeness die ebenso verwerfliche Schwarzarbeit des kleinen Mannes legitimiert. Und es ist schon gar keine Rechtfertigung dafür, in Deutschland den Sündenbock zu suchen, nur um das eigene gesellschaftliche Versagen zu kaschieren.

Und dieses Fett zu reduzieren geht eben nicht ohne Schmerzen wie Entlassung und nicht ohne (Gehalts-) und (Bürokratie-) Verzicht. Wer den Menschen etwas anderes erzählen will lügt in meinen Augen !

Leider gibt es in Demokratien eine Besonderheit, die erzwingt, dass Austerität am Anfang des Prozesses stehen muss. Denn in Demokratien gewinnen immer die, die den Menschen schöne Versprechungen machen. Mit der Ansage von Mäßigung, Verzicht und Training ist noch niemand gewählt worden, auch nicht in Deutschland. Deshalb können Demokratien diese schmerzhaften Schritte nur dann angehen, wenn die Lage für jeden spürbar kritisch und dramatisch ist. Erst die Krise in der Realität gibt in einer Demokratie denen die Oberhand, die für einen schmerzhaften Wandel eintreten.

Deswegen gibt es auch keine andere Wahl, als in Europa erst die strukturellen und schmerzhaften Massnahmen anzugehen, bevor man dann auch fördern kann und den Blick auf Wachstum richten kann und muss. Bevor man den Menschen Hoffnung gibt. Zu frühe Hoffnung raubt die Kraft endlich mal hart in das eigene Fett zu schneiden. Erst Austerität und danach Wachstumsanreize ist in Demokratien leider eine zwingende Reihenfolge. Versucht man es anders herum, wird Austerität ausfallen und nichts wird sich an den Grundlagen ändern, die die Krise hervor gerufen haben.

Schaue ich persönlich auf die südlichen Länder der Eurozone, sehe ich da mit Spanien und Portugal zwei Nationen, die schon harte und strukturelle Änderungen auf den Weg gebracht haben. Diese Länder waren und sind bereit, ihre Chipstüten wegzuwerfen, zu trainieren und sich selber aus dem Loch zu befreien. Beide Länder brauchen jetzt Wachstumsanreize und die Bevölkerung braucht eine Perspektive. Das haben sich diese Gesellschaften verdient und dort einfach mit reinem Sparen weiter zu machen, führt in die Katastrophe und hat keinen Sinn.

Dann haben wir mit Italien und Griechenland zwei Länder, in denen das Thema Korruption besonders schwerwiegend ist. Diese Länder haben mit ersten Änderungen angefangen, sind aber bisher nicht sehr weit gekommen. Und natürlich wird von den lokalen Politikern etwas anderes erzählt, aber die Kernprobleme im Bereich Arbeitsmarkt und öffentliche Verwaltung sind in meinen Augen bestenfalls angekratzt. Und der viel gelobte Monti hat leider mehr mediale Bugwelle, als echte harte Änderungen bewirkt. Die Ursachen der Misere sind dort aber nicht ausreichend aufgearbeitet und hier schon wieder das Ende von Anpassungsbestrebungen auszurufen, wäre deutlich verfrüht. Jeder Euro der Förderung, würde im derzeitigen Zustand nur erneut wieder versickern.

Und dann haben wir mit Frankreich den schlimmsten Fall von allen, denn dort wird sich noch in Verweigerung geübt, der Verweigerung die harte Realität anzuerkennen, dass man die Wettbewerbsfähigkeit weitgehend verloren hat und in einer grossen Illusion lebt, die das Vermögen der jungen Generation verfrühstückt. Frankreich will bildlich gesprochen seine Chipstüten noch nicht loslassen und es gibt auch noch keine Akzeptanz für die Notwendigkeit harter Massnahmen. Aussagen aus diesen Reihen, dass mit Austerität nun Schluss sein müsste, sind für mich einfach lächerlich. Man hat noch nicht einmal angefangen, sich aus dem weichen Sessel aufzuraffen ! Man stellt ja sogar die Existenz eines weichen Sessels in Frage !

Und damit niemand denkt, hier urteile ein typisch arroganter Deutscher nur über andere, es gibt dann noch ein Land, Deutschland. Das glaubt alles richtig gemacht zu haben und anderen Lehren erteilen zu können. Und übersieht dabei, dass es gerade dabei ist alles zu verspielen. Denn dieses Land kann trotz rekordhoher Steuereinnahmen und niedriger Arbeitslosenzahlen immer noch nicht mit den Einnahmen haushalten und will wieder den einfachen Weg wählen, in dem sich der Staatssektor noch mehr Steuer-Chips-Tüten in den Rachen schiebt, statt endlich mal anzufangen für eigene Fitness zu sorgen und das Geld der Bürger sinnvoll und sparsam auszugeben. Und diese Gier und Masslosigkeit bei der Staatsquote, für die das Programm der Grünen nur das offensichtliche Fanal ist, legt jetzt schon den Samen für den kommenden Niedergang, wenn die Welt aus konjunkturellen Gründen mal nicht so nach deutschen Exportgütern schreit. Denn dieser Niedergang trifft dann auf noch mehr unbezahlbare Versprechungen und noch mehr unbezahlbare Pensionslasten als heute schon.

In Summe ist die Ökonomie eines Turnarounds aber ganz einfach und immer gleich, in einem einzelnen Unternehmen wie in einem ganzen Land. Es braucht immer beides: Erstens Sparsamkeit und Reform in Form einer Fitnesskur für die Gesellschaft und zweitens Hoffnung und Wachstum, die Motivation damit Menschen mit Optimismus aufstehen und positiv den Tag angehen.

Wenn jemand Ländern wie Spanien und Portugal, die schon so harte Schnitte hinter sich haben, nun Hoffnung auf Wachstum verweigern will, wäre das fahrlässig und dumm. Das wäre dann tatsächlich "Brüning Reloaded" und eine Sünde an Europa.

Und wenn jemand in Ländern wie Italien, Griechenland und erst recht Frankreich nun davon faselt, dass schon genug der Anstrengungen erfolgt wären, ist das für mich einfach nur dummes Geschwätz, das von eigenem Versagen ablenken soll. Dort ist man bestenfalls auf dem Weg der notwendigen Anpassung, aber keinesfalls am Ende.

Und wenn jemand in Deutschland glaubt, wir seien so toll und bei uns sei alles anders, dem sei gesagt: es gibt einen Grund, warum bei uns die Dinge besser sind. Weil wir eine erfolgreiche, international wettbewerbsfähige Wirtschaft mit motivierten, loyalen und kreativen Mitarbeitern haben. Und wer an dieser Grundlage aus ideologischen Gründen zündelt, ist nicht ganz klar im Kopf !

Und wenn jemand die ganze Eurozone in einen Topf wirft und nicht in der Lage ist die Situation der Länder einzeln zu betrachten, verabschiedet er sich als ernst zu nehmender Gesprächspartner.

So weit meine Meinung zum Thema.

Und finden Sie nun, dass dieser Artikel nur Offensichtliches wiederholt hat ? Dann sind Sie nicht alleine, ich finde das auch !

Umso erstaunlicher ist dann doch wohl diese für mich lächerliche Kontroverse in Europa, in der zwei Dinge in Gegensatz gesetzt werden, die immer, egal ob im Körper oder in der Wirtschaft, gleichberechtigt angegangen werden müssen:

Fordern und Fördern,
Zuckerbrot und Peitsche,
Schlankheit und Training,
Abwerfen von Ballast und das Setzen der Segel,
Austerität und Wachstum !

Über die Details, das Ausmass und den Zeitpunkt, kann man sich füglich streiten. Aber doch nicht über das Prinzip !

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Eurokrise oder: von Schafen, der Angst der Herde und den Wölfen – 27.03.13 11:45

Heute Mittag um 11.45 Uhr ein kurzes Statement zum Markt. Die Eurokrise scheint wieder ihr schmutziges Haupt zu heben. Der Bankensektor der Peripherie korrigiert ganz massiv und das zieht auch die Indizes in der Eurozone runter.

Der Hintergrund ist wie zu erwarten in der Zypern-Lösung zu suchen. Gelder werden von wackeligen Banken abgezogen und entweder in den Kern der Eurozone oder sogar aus dieser heraus transferiert. Wie gestern schon analysiert, hat diese Entwicklung das Potential, den Druck auf die wackeligen Institute so zu erhöhen, dass endlich eine ernsthafte Bereinigung stattfindet. Ohne Schmerzen an den Aktienmärkten dürfte das kaum abgehen. Insofern dürfte das 2. Quartal wie erwartet nicht ganz so gelassen werden, wie die letzten Monate.

Aber, wie immer wenn die Situation schwieriger wird, versuchen die Wölfe des Marktes - auch Big Money genannt - nun die Schafe (uns) in Angst und Schrecken zu versetzen. So lässt sich mit den Emotionen der Menschen auch wunderbar Geld machen.

Schauen Sie daher zum Beispiel auf das heutige perfekte Timing, mit dem -> Morgan Stanley <- den Euro-Absturz prophezeit. Gut gemacht oder ? Genau in die Schwäche hinein. Jetzt würden wir doch gerne wissen, auf welche Richtung Morgan Stanley in seinen Handelsräumen gerade wettet, oder ? 😉

Um - statt Panik - das Geschehen für Sie noch einmal in die richtige Perspektive zu rücken: Italien hat soeben eine 5- und 10-jährige Anleihen-Auktion mit sehr respektablen Renditen von 4,66% bei 10 Jahren und 3,65% bei 5 Jahren abgeschlossen. Diese Renditen liegen weit! unter dem, was Italien vor dem Euro zu Zeiten der Lira zahlen musste. Und das trotz der Unsicherheit um eine neue Regierung.

Aber nicht nur Morgan Stanley, beispielsweise unsere Helden in den Ratingagenturen wie -> Moodys <- verbreiten Warnungen. Ganz klar, zum ersten Mal seit Jahren hat Europa nicht gemacht, was der Finanzsektor am liebsten hat: das Geld der Steuerzahler unbegrenzt in den Bankensektor zu schaufeln. Da muss man nun unbedingt in Schwarz malen, um die Politik schnell wieder zu disziplinieren. Hinterher macht das noch Schule. Das wäre ja fürchterlich - für die Grossfinanz. 😉

Lassen Sie sich also nicht von den Wölfen in Angst und Schrecken versetzen. Ja, der Markt ist technisch mal für eine Korrektur reif, das ist offensichtlich. Und ja, es kann auch weiter runter gehen. Aber nicht wegen der Säue, die von Big Money nun durchs Dorf getrieben werden, nur um Sie alle in Furcht zu versetzen. Vorsicht ist also gerechtfertigt und wenn Big Money die Politik der Eurozone nun strafen will, kann das ungemütlich werden. Aber zur Panik gibt es keinen Anlass. Prognosen zu Wechselkursraten bis Ende 2014 sind im übrigen hochgradig unseriös, mein lieber Herr "Devisenstratege" von Morgan Stanley. Aber das wissen die Jungs in den Handelsräumen sowieso, hier werden eher die Schafe zusammen getrieben.

Bleiben Sie also gelassen und folgen Sie dem was der Markt tatsächlich macht und nicht dem, was andere reden. Und machen Sie sich klar, was Sie im Moment fühlen. Als Leser von Mr-Market habe ich Sie hoffentlich etwas resistenter gegen diese Versuche gemacht, mit Ihren Emotionen zu spielen.

Fragen Sie sich also heute: Fühlen Sie Angst ? Haben Sie Sorge mit Ihren Anlagen in eine neue Eurokrise zu geraten ? Macht Ihnen das was die Grossfinanz schreibt Kopfzerbrechen ?

Wenn ja, dann atmen Sie tief durch und lehnen sich zurück. Und handeln Sie nach einem wohl überlegten Plan und nicht nach den Gefühlen, die andere Ihnen nun unter die Haut reiben wollen !

Viel Glück !

Ihr Hari

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Die Dijsselbloem Korrektur – oder warum das gute Medizin ist – 26.03.13

Sie erinnern sich ja gestern an diese plötzliche Wende am Nachmittag, als der Euro plötzlich massiv abstürzte, die Märkte mit sich zog und man auf den ersten Blick dafür keine Ursache erkennen konnte. In den Live-Tips schrieb ich gestern um 16:24 Uhr:

"Der Euro steht seit Nachmittag ohne sichtbare Nachricht massiv unter Beschuss. Das spricht dafür, dass “Big Money” der Wallstreet Gelder aus der Eurozone abzieht. Kein Wunder nach dem Zypern-Debakel. Denn so sinnvoll die jetzige Regelung mittelfristig ist, sie zeigt den institutionellen Anlegern auch, dass ihre Gelder auf europäischen Banken nicht sicher sind. Das das der Grund ist, kann man auch am massiven Druck auf den europäischen Bankensektor erkennen. Hier sind Umschichtungen im Gange."

Mit dieser Vermutung lag ich ganz nahe an der Wahrheit. Denn Auslöser waren offensichtlich unbedachte? Aussagen des neuen Eurogruppenchefs Jeroen Dijsselbloem, der implizierte, die Bankenrestrukturierung in Zypern könne auch Vorbild für das Vorgehen in anderen Ländern sein.

Das der Markt darauf mit massiven Abzügen von "wackeligen" Banken in Italien, Spanien und Co. reagiert, ist ja mehr als naheliegend. Ich würde das auch tun. Und ich habe schon in meinem Artikel über -> den Zypern-Schock und seine langfristigen Kollateralschäden <- klar gemacht, dass internationales, institutionelles Geld sich nun gut überlegen wird, ob Guthaben auf europäischen Banken gehalten werden. Nach Dijsselbloems Aussagen nun um so mehr.

Kurzfristig sind die Aussagen nicht hilfreich, weil sie den Druck auf den gerade ein wenig stabilisierten Bankensektor in Südeuropa erhöhen. Dafür bekommt Dijsselbloem heute Prügel und von einem Eurogruppenchef kann man wirklich mehr Sensibilität bei den Aussagen erwarten.

Aber auch das wird der Markt verdauen und sich daran gewöhnen. Und mittel- und langfristig hat diese neue Wirklichkeit der Eurorettung zwei höchst erfreuliche Auswirkungen, die mich eher positiv stimmen:

Indem im Fall Zypern endlich die Geldgeber und Anleger der Pleitebanken zur Kasse gebeten wurden, wurde dieser unerträgliche Kreisschluss durchbrochen, dass immer der europäische Steuerzahler für das überzogene Geschäftsgebahren Dritter haftet. Im Nachhinein ist auch klar geworden, dass der idiotische Einschluss von Guthaben unter 100.000€ in das erste Lösungsszenario - das der EU ein massives Glaubwürdigkeitsproblem bescherte - im wesentlich auf dem störrischen Mist des zypriotischen Präsidenten gewachsen war, der unbedingt seine internationalen Geldgeber schützen wollte, um das Geschäftsmodell der Insel zu erhalten. Hier hatte unsere Politik nur insofern schuld daran, als sie das nicht energisch genug sofort unterbunden hat. Aber besser eine späte Erkenntnis, als nie !

Aber dieses Geschäftsmodell ist nun am Ende und das ist gut so. Zypern hat in der Eurozone eine Sumpfblüte erlebt, die sich aus einem überzogenen und wirtschaftlich irrealen Finanzsektor speiste. Sicher ist das für den einzelnen zypriotischen Bürger nun hart, aber der Wohlstand des Landes wurde zu einem guten Teil mit zweifelhaftem Geschäftsgebahren auf Kosten Dritter erkauft. Und dafür tragen primär die Zyprioten die Verantwortung, die diese Regierungen gewählt haben. Denn wer etwas anbietet, das er sich gar nicht leisten kann, schädigt damit Dritte. "Dumping" nennt man das gewöhnlich. Und ja, es gibt auch Steuerdumping und die Geschädigten sind Sie und ich - Bürger der Länder, die brav ihren Obolus an den Staat entrichten und dann solche korrupten Systeme finanzieren müssen. Und das das nun beendet wird, ist sehr zu begrüssen. Nachhaltig war es sowieso nie und das Ende nur eine Frage der Zeit.

Indem den weltweiten Anlegern nun aber - auch durch Dijsselbloem - klar wird, dass es keine generelle und uneingeschränkte Garantie des europäischen Steuerzahlers für ihre Einlagen mehr gibt, weil man Banken Pleite gehen lässt, bekommt Solidität endlich wieder die Bedeutung die ihr gebührt. Und damit erlangen die soliden Institute auch den Wettbewerbsvorteil, der ihnen gebührt. Wie Zyperns Bankensystem auf Kosten der Garantien Dritter ein übergrosses Rad zu drehen, wird nun in dieser neuen Rettungswelt nicht mehr funktionieren. Und indem die EU aber gezeigt hat, dass sie die Banken nicht ungeordnet Pleite gehen lässt, sondern geordnet auf Kosten der richtigerweise Haftenden abwickelt, haben wir nun die ideale Mischung zwischen systemischer Beruhigung und gleichzeitigem Risiko, für die selbst eingegangenen Risiken auch haften zu müssen.

So soll es sein. Und wenn die EU dieses neue Prinzip durchhält, wird das zwei Dinge bewirken.

Zunächst wird es den Druck auf die zu schwachen Institute erhöhen. Die Eurokrise und die Euroschwäche könnte also erneut ihr Haupt erheben, insbesondere in Italien, Spanien und Co. Und die zypriotischen Banken werden nicht die Letzten sein, die in der Eurozone geordnet abgewickelt werden müssen.

Mittelfristig ist damit aber der Boden für eine echte Gesundung bereitet. Denn wie auch beim Menschen muss man in der Krankheit faules Fleisch heraus schneiden, wenn man nicht den ganzen Organismus gefährden will. Viel zu lange wurde das verabsäumt und viel zu lange haben wir die Krise daher unnötig ausgedehnt. Nun endlich könnte sich das ändern.

Am Ende stünde dann eine Eurozone mit einem gesundgeschrumpften Bankensystem da, in dem wieder die haften, die auch die Risiken eingegangen sind. Und einen netten Nebeneffekt hat die aktuelle Diskussion auch: es schwächt den Euro im weltweiten "Race to the Bottom", ohne das die EZB die Gelddruckmaschine anwerfen muss. Am Ende könnte sich der Euro dann im Konzert der Währungsabwertung als Einäugiger unter den Blinden heraus stellen.

Mir macht die aktuelle Entwicklung bei der Zypern-Rettung auf jeden Fall Hoffnung. Bei allen unnötigen kommunikativen Pirouetten, ist das endlich mal eine vernünftige Lösung mit strukturell positiven Auswirkungen. Auch wenn es im Moment nicht so aussieht, für mich ist die gefunde Lösung ein echter Silberstreif, der Hoffnung auf eine grundlegende Besserung macht.

Denn das Kernproblem aller Finanzkrisen des letzten Jahrzehntes ist der "Moral Hazard". Die Tatsache, dass Gewinne privatisiert, aber Verluste des Finanzsystem auf Kosten der Steuerzahler sozialisiert werden. Endlich ist das durchbrochen und das ist zwar kurzfristig bittere, langfristig aber heilsame Medizin.

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Zur Marktkapitalisierung – warum ich Pennystocks nicht anfasse

Anmerkung: Dieser Artikel zu Pennystocks und Marktkapitalisierung erschien schon vor einem guten Jahr am 13.03.2012. Er ist aber sehr grundsätzlicher Natur und es dürften ihn viele nicht gesehen haben. Daher erlaube ich mir, ihn nach einem Jahr erneut hochzuschieben, in der Hoffnung er möge mehr Leser finden.

Mit diesem Artikel möchte ich Ihnen einen Einblick geben, wie und warum das Kriterium der Marktkapitalisierung in meine Entscheidungen einfliesst.

Zunächst einmal muss ich dabei auf ein Grundgesetz der Börsen-Anlage hinweisen. Im Lichte einer prinzipiell unbestimmten Zukunft, stehen wir mit unseren Entscheidungen immer im Wettbewerb mit anderen Marktteilnehmern um zukünftige Entwicklungen abzuschätzen.

Denn wenn alle anderen einen wichtigen Sachverhalt schon begriffen haben, wir aber als einzige noch nicht, dann sind die anderen alle schon positioniert und uns bleibt nichts übrig als hinterher zu rennen, was dann mit Verlusten endet.
Umgedreht, wenn wir wie ein Insider Zukunfts-Wissen haben, das die anderen noch nicht besitzen, haben wir einen entscheidenden Vorteil (Edge), den wir leicht zu hohen Gewinnen umformen können.

Bei jeder kurz- und mittelfristigen Anlage ist also die Frage wichtig, ob wir tatsächlich "mehr" wissen oder die Zukunft besser einschätzen können, als die anderen Marktteilnehmer. Wenn wir diese Frage nicht beantworten können, sollten wir uns keiner Illusion hingeben - wir können dann auch einmal Zufallstreffer landen, über die Zeit werden wir aber nicht in der Lage sein den Markt zu schlagen und wären dann mit einem Index-ETF wahrscheinlich besser beraten.

Und wenn sich ein derartiger Informationsvorsprung jetzt als fast unmöglich anhört, er ist es nicht. Er hat aber immer mit Fleiss und Informationsverarbeitung zu tun. Und es gibt unzählige Wege sich so einen Vorteil zu verschaffen. So schafft es der rein technische Trader zum Beispiel, in dem er sich auf wenige Titel beschränkt und bei diesen spezialisiert. Nach einiger Zeit kennt er die typischen Bewegungen und Muster des Titels so gut, dass alleine das einen Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern darstellt. Und ein Warren Buffet hat sich in seine Investitionen immer im Vorfeld so hinein gewühlt, dass er das Unternehmen manchmal besser als das Management selber verstand.

Ein ganz entscheidender Faktor in diesem Spiel ist dabei die Informationsversorgung. Wie kann ich denn zum Beispiel glauben, ich hätte bei einer chinesischen Aktie einen Vorteil gegenüber Millionen anderen Marktteilnehmern, wenn ich die Sprache nicht spreche und daher die Mehrzahl der Medienberichte gar nicht mitbekomme, von kulturellem Unverständnis ganz zu schweigen. Und dann erscheint einmal im Jahr in einer Anlegerpostille ein Jubelbericht zu der Aktie und nun bilde ich mir in meiner Selbstüberschätzung ein, ich hätte deswegen einen Vorteil ?

Nein, damit ist man eher die Sau die sich freiwillig zur Schlachtbank bewegt. Er vor kurzem berichtete die Wirtschaftswoche von aktuellen Ermittlungen (endlich!) der Münchener Staatsanwaltschaft gegen einen Ring von Aktien-Pushern, dabei wird laut Presse auch gegen einen ehemaligen Redakteur von Focus-Money ermittelt, der dort in der Vergangenheit viele "heisse" Aktientips zum besten gegeben hat.

Informationsversorgung ist also ein ganz entscheidendes Kriterium für Erfolg an den Märkten. Und das gilt sogar für den rein technisch agierenden Daytrader, denn auch der muss wissen um wieviel Uhr seine Aktie die Bilanzpressekonferenz macht und wie die Markterwartungen sind. Und wer über Wochen oder Monate Aktien halten will, kommt um ein grundlegendes Wissen um die "Mechanismen" des Geschäftes der Aktie nicht herum.

Und genau hier, bei der Informationsversorgung, kommt unter anderem die Marktkapitalisierung ins Spiel. Dabei gibt es mehrere Parameter die es zu beachten gilt:

Sprache: nur wenn man die Sprache spricht in der das Unternehmen die Informationen heraus gibt, hat man die Chance an ungefilterte Informationen zu gelangen. Bei mir sind das Deutsch und Englisch die ich fliessend spreche und verstehe. Das schränkt meine ideale Zone auf den deutsch und englischsprachigen Raum ein.

Kulturelle Nähe: um eine Nachricht einschätzen zu können, muss man auch den kulturellen Kontext verstehen, da wichtige Schlussfolgerungen oft zwischen den Zeilen gezogen werden. Hier ist mir die "westliche Welt" nahe, darüber hinaus fehlt es mir an ausreichender Kompetenz aus eigener Erfahrung.

Darüber hinaus kann auch räumliche Nähe zur Aktie von Vorteil sein. Wenn ich von grossen Investitionsplänen eines Konzerns in Brasilien lese, kann ich mangels kultureller Nähe dazu nur die Schultern zucken. Wird diese Investition aber hier in Bayern geplant, weiss ich genau wie stark mit Gegenwehr von Bürgerbewegungen etc. zu rechnen ist und wie die lokale Situation wirklich aussieht. Das verschafft mir einen Vorteil gegenüber anderen Anlegern in der Welt.

Grösse: Je grösser ein Unternehmen ist, desto mehr andere Marktteilnehmer beschäftigen sich damit. Und desto mehr Informationen gibt es auch. Gleichzeitig steigt der Druck und die Überwachung des Managements sich an die Regeln zu halten, während in kleinen, wenig beachteten Unternehmen viel mehr mit Informationen gespielt werden kann. Umgedreht wird es bei ganz grossen Unternehmen natürlich immer schwieriger sich einen Vorteil zu verschaffen, denn wenn 500 kluge Leute zum Beispiel die Commerzbank analysieren, was berechtigt mich dann zu der Annahme, dass ich da etwas neues erkennen kann ? Aber nur ein grösseres Unternehmen liefert so viele Informationen, dass ich damit als Aussenstehender "arbeiten" kann. Insofern macht eine Anlage nur Sinn, wenn genügend Informationen aus erster Hand verfügbar sind.

Insider: Jedes Unternehmen hat weit mehr "Insider", als der rechtliche Insiderbegriff fassen kann. Denn um die formalen "Insider", das Management herum, gibt es Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Partnerunternehmen, Lieferanten, Mitbewerber etc. etc. die alle einen tieferen Einblick in die wirkliche wirtschaftliche Situation haben als ein Aussenstehender. Es reicht doch schon als regelmässiger Lieferant anhand der Bestellmengen einen Einblick in den Rohwarenverbrauch des Unternehmens zu haben, um die wirtschaftliche Situation einschätzen zu können. Bestimmte Hedgefonds die in konkreten Titeln aggressiv investiert sind, setzen daher auch alle denkbaren Mittel ein (die Mittel die man auch aus der Spionage kennt, inklusive der Honigfalle) um an verwertbare Informationen zu kommen. Wenn eine schöne Nacht mit einem gutaussehenden "Mächtigen" einem ein paar Einsichten verschafft, die man dann an den Märkten zu Millionen machen kann, dürfte die moralische Hürde halt recht niedrig werden.

Wir als Aussenstehende dürfen also nie vergessen, dass wir gegen diese Insider antreten und die gibt es bei grossen wie bei kleinen Unternehmen. Der Unterschied ist, bei einem Grosskonzern verdient dieser Hedgefond vielleicht gutes Geld, der Kurs des Grosskonzerns wird dadurch aber nicht wesentlich zu meinen Ungunsten beeinflusst. Denn wenn am Tag die Aktie einen Umschlag von einer Milliarde € hat, dann geht auch der Hedgefond mit seinen 20 Millionen Profit im Rauschen unter. Wenn aber bei einem Pennystock Insider am Werk sind, verlieren wir als redliche Anleger immer und massiv ! Und der Wissensvorsprung der Insider ist bei Pennystocks gewaltig. Dort werden sich die "Analysten-Kommentare" manchmal sogar "erkauft", denn wer verplempert schon freiwillig seine Zeit mit solchen Aktien ? Am Ende ist aber immer der Aussenstehende der Dumme, denn da wo Informationen von wenigen Personen kontrolliert und selektiv nach aussen gegeben werden, kann man nur verlieren.

Jetzt will ich damit nicht alle Pennystocks perse unter Generalverdacht stellen, auch dort gibt es seriöse Unternehmen und seriöses Management. Die Risiken sind aber für uns Anleger so viel höher und die Möglichkeit das von aussen einzuschätzen so viel kleiner, dass man sich die Frage stellen sollte, warum man sich überhaupt in dieses Spiel begibt.

Dieses alles verstehend, habe ich mir daher ein paar Regeln zur Marktkapitalisierung und zum Aktienuniversum gegeben, in dem ich überhaupt aktiv bin. Ich habe dabei meine Aktienwelt in 4 Kategorien eingeteilt, wobei die unten genannten Grenzen nicht als harte Grenzen zu verstehen sind, sondern als Grössenordnungen, die ich bei meinen Entscheidungen mit pragmatischem Augenmass berücksichtige.

Kategorie A: Aktien aus dem deutschen Sprachraum (Deutschland, Österreich, Schweiz): Mindestens 100 Millionen MarketCap - ab 500 Millionen keine Bedenken mehr.

Kategorie B: Aktien aus dem angelsächsischen Sprachraum (USA, Grossbritannien, Kanada, Australien etc): Mindestens 500 Millionen MarketCap - ab 1 Milliarde keine Bedenken mehr.

Kategorie C: Europäisches Ausland (Frankreich, Spanien, Italien etc.): Nur die Aktien aus den Top-Indizes, also Frankreich zb CAC. Bei allen anderen ist mangels Übersetzung ins englische oder deutsche die Sprache eine so hohe Hürde, dass ich Hintergrundinformationen nicht richtig mitbekommen kann.

Kategorie D: Alle anderen Märkte (China, Indien, Brasilien etc.): Grundsätzlich keine Einzelaktien, mangels kultureller und sprachlicher Nähe. Nur ganze Märkte in Form von voll replizierenden ETFs.

Mit dieser Kategorisierung habe ich für meine Anlagestrategie guter Erfahrungen gemacht und sie bewahrt mich auch davor bestimmten vermeintlich "heissen" Aktien hinterher zu laufen, die gerade mal wieder gepusht werden.

Die für meine Anlagestrategie idealen Unternehmen sind dabei die mittelgrossen, mit einer Marktkapitalisierung im unteren einstelligen Milliardenbereich. Die sind gross genug um professionell zu agieren und von einigen anderen beobachtet zu werden. Und klein genug um noch einen Wissensvorsprung gegenüber dem breiten Markt haben zu können, inklusive der Chance von den Grosskonzernen aufgekauft zu werden.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit dieser Erklärung ein paar gute Hinweise gebe und wünsche Ihnen weiter viel Erfolg im harten Wettbewerb um Informationen an den Börsen.

Ihr Hari

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