Apple, Europa und T-Bonds am Morgen



Guten Morgen!

Es gibt Dinge die "liebt man". Heute Nacht war bei uns zwischen ca. 1 und 4 Uhr Nachts ein totaler Stromausfall. Ich habe es gegen 02:30 Uhr durch allerlei Gepiepe insbesondere der USVs gemerkt.

So weit so normal, irgendwann passiert das halt. Dummerweise war nach 2 Stunden auch die USV leer, die die Server stützt. Auch noch nicht schlimm. Aber dann gegen 03:30 ging es Schlag auf Schlag. Stom wieder da, wieder weg, wieder da, wieder weg. Wenige Sekunden nach dem Start wieder abgewürgt. Ab ca. 4 Uhr lief der Stom dann wieder bei uns und in den Nachbarorten.

Heute früh stelle ich aber fest, dass einer meiner beiden Server nicht mehr startet und nach dem was ich auf die Schnelle sehen kann, ist es die Boot-SSD die es zerlegt hat. Das mehrfache An/Aus war wohl zu viel, irgendetwas ist kaputt. Und ich bin hier totmüde und muss nun Zeit verplempern den Server wieder ans Laufen zu bringen. Ich sagte ja, es gibt Dinge die "liebt man". Grummel.

So....

Da gestern ja mangels Wallstreet kein Stream war, will ich heute früh einen kurzen Blick auf die Lage an Europas Börsen werfen und dann ein Sonderthema behandeln, eine taktische Chance bei den US Staatsanleihen nämlich.

Vorher aber noch ein Wort zur Marktlage.

Marktlage am Morgen

Gestern Nacht bestätigt Apple das, was ich schon seit Wochen zum Virus sage: -> Apple Gewinnwarnung wegen Corona-Virus <-.

Auch wird meine Vermutung bestätigt, dass iPhones jetzt "on short supply" sind, also nicht mehr so einfach zu bekommen sind.

Klar ist auch, dass Apple nur die erste einer Reihe derartiger Meldungen sein wird, denn natürlich sind die Lieferketten betroffen und das nicht nur bei Apple. Wir werden jetzt schnell herausfinden, wo wir überall von China abhängig sind, denn die Zwischenlager der Firmen leeren sich.

Herausfinden werden wir damit aber auch, wie ernst es der Markt mit seiner Stärke im Angesicht des Virus meint. Bisher ist die Reaktion des Futures noch verhalten:

Ich gehe davon aus, dass den menschlichen Marktteilnehmern diese Entwicklung völlig klar war und sie davon nicht überrascht sind - ich hoffe es zumindest. Das konnte man hoffentlich gar nicht übersehen, so deutlich war das Problem, ich habe es ja auch gesehen und meine massive Dissonanz ist daraus entstanden.

Nur haben die die Kurse bestimmt? Waren es nicht vor allem trendfolgenden Algos, also Automatismen, die die Kurse so getrieben haben? Und warum sollten die nun aufhören?

Wir werden es bald wissen, meine Dissonanz ist damit gedämpft, denn jetzt weiss endgültig der Letzte im Markt, dass China ein Problem ist. Und die Reaktion darauf, wird uns auch endgültig sagen, wie das aus Sicht des Marktes zu werten ist, der offensichtlich auf die Fähigkeit der Notenbanken setzt, den Einschlag abzumildern.

Wenn man davon ausgeht, dass der Markt weiss was er tut, müsste die Reaktion auch verhalten bleiben. Denn wie gesagt musste das jedem halbwegs verständigen Marktteilnehmer klar sein und meine Dissonanz habe nicht nur ich gehabt. Aber wie stark dieses Wissen durch technisches Momentum und Herdeneffekt überlagert wurde, das ist offen und werden wir heute wohl herausfinden.

Europas am Morgen

Der Eurostoxx 50 hat gestern seine Aufwärtsbewegung weiter fortgesetzt und sieht vorbehaltlich des offenen weiteren Geschehens um das Virus bisher weiter bullisch aus. Auch im Eurostoxx ist die Reaktion auf Apple bisher nur verhalten:

Der Euro fällt zum Dollar weiter Richtung Parität, ist aber vielleicht bald mal wieder für eine Gegenbewegung gut:

Und in Brüssel -> geht das Geschacher weiter <-, das genau Ausdruck der Dysfunktionalität der EU ist. Von Aufbruch keine Spur, so wird das nichts und ich sage auch mit Traurigkeit: In dieser real existierenden EU wird das nichts mehr.

Wir können auf ein geeintes Europa nicht verzichten, wir können aber auch die real existierende EU nicht einfach abschaffen. Also bleibt nur die "Neugründung" im kleinen Kreis von innen, die sich dann hinter dem Euphemismus des "Europas der zwei Geschwindigkeiten" verbirgt.

Eine Neugründung mit wenigen, dafür aber starken Zentralfunktionen im Bereich Verteidigung und Außenpolitik, und dem Verzicht auf große Teile des Wasserkopfes, die in einem wahrlich föderalen Europa besser in den Nationalstaaten aufgehangen sind.

Eine Verteidigungsunion also mit gemeinsamer Außen- und Wirtschaftspolitik und ansonsten einem föderalen Wettbewerb freier Nationalstaaten bzw Regionen ohne Gängelung durch zentrale Bürokratie - das wäre ein Europa nach dem es wert wäre zu streben.

Für dieses Europa bräuchte es zumindest in Frankreich und Deutschland kreative Köpfe mit Gestaltungswillen, die wirklich in der Lage sind einen neuen Anfang zu machen, abseits von Formelkompromissen. In Macron ist dieser Charakter bei allen Fragezeichen an die Person vielleicht da, in Deutschland fehlt dieser Charakter und Gestaltungswillen völlig, weder Merkel noch die wahrscheinlichen Nachfolger Laschet oder Habeck haben dieses Format. Charakterlich traue ich Spahn diesen Gestaltungswillen durchaus zu, aber der ist in den geostrategischen Themen noch völlig unbeleckt, ebenso wie fast unser gesamtes Politpersonal in Deutschland.

"Europa am Morgen, Kummer und Sorgen" sozusagen. Europa ist und bleibt institutionell ein Trauerspiel und eine Baustelle von der Qualität des BER. Sad. 🙁

Taktische Chance bei US Staatsanleihen?

Was haben wir aktuell für eine Situation?

Wir haben einen Markt im massiven "Risk On" Modus, der irgendwann auch mal in eine Korrektur laufen wird - Abgaben bei Aktien (Risk Off) sind aufgrund von Umschichtungen aber tendenziell positiv für US Staats-Anleihen.

Wir haben einen Markt der vielleicht irgendwann doch noch vom Virus eingeholt wird, vielleicht geht es ja heute los - Abgaben bei Aktien (Risk Off) sind aufgrund eines "Flight to Safety" aber tendenziell positiv für US Staats-Anleihen.

Wir haben eine FED, die sehr klar gemacht hat, dass die Zinsen absehbar nicht steigen, aber vielleicht fallen werden. Das ist teilweise in den Kursen, aber nur teilweise, eine Senkung vollständig sicher nicht. Eine Zinssenkung ist tendenziell positiv für US Staats-Anleihen.

Wir haben einen Dollar, der derzeit immer weiter steigt. Ein steigender Dollar ist positiv für europäische Anleger in US Staatsanleihen.

Das hört sich ja nun schon interessant an und nun schauen wir mal, was der Markt dazu sagt.

Am "kurzen Ende", bei den ganz kurzlaufenden Anleihen wie hier den Renditen der 2-Jährigen, wird der Verlauf fast alleine von der Zinspolitik der FED bestimmt, weil es keine langfristigen Erwägungen über generelle Entwicklungen gibt.

Was wir sehen, ist die Zinspolitik der FED mit steigenden Zinsen bis ins 4. Quartal 2018 und dann die Zinswende, die nun zu Renditen im Bereich 1,4% führt:

Am "langen Ende", bei den ganz langlaufenden Anleihen wie hier den Renditen der 30-Jährigen, spielt die FED immer noch eine wichtige Rolle, das wird aber auch von ganz langfristigen Erwägungen an die Zinsentwicklung überlagert, die ja auch mit vielen anderen Faktoren wie Demographie aber auch Schuldensituation der öffentlichen Hand zu tun hat.

Wir sehen im Langfristchart einen gnadenlosen Abwärtstrend, der eine Botschaft eindeutig vermittelt: Der Zins kommt in diesem Geldsystem nicht wieder.

Und das ist ja auch ganz logisch, wenn man sich die Schuldenberge der öffentlichen Hand anschaut. Das ist in diesem System nicht mehr lösbar, nur noch mit "kreativen Maßnahmen".

Da wir nun beide Pole kennen, ist es Zeit uns die wichtigste Renditeklasse, die 10-jährigen Staatsanleihen anzuschauen, die zwischen diesen Polen liegen. Die Renditen sind im Weekly wie folgt:

Wir sehen also den Abwärtstrend seit dem 4. Quartal 2018, sehen eine Gegenbewegung, die aber schon wieder ausläuft und zur Fortsetzungsformation zu werden droht.

Und da Renditen ja invers zu Anleihen-Kursen sind, können wir uns nun den großen ETF IEF der 10-jährigen T-Bonds anschauen und haben dann auch Volumendaten:

Was wir sehen ist potentiell attraktiv und beinhaltet die Chance zur Trendfortsetzung nach oben, die dann im Sinne einer Symmetrie nach dieser potentiellen "Mittelformation" erhebliche weitere Anstiege bedeuten könnte.

Die möglichen fundamentalen Gründe dafür habe ich oben beschrieben, im Falle eines "Risk Offs" zum Beispiel durch das Virus, wäre das ein Ort an dem man sein möchte, weil die FED dann wohl zu weiteren Zinssenkungen greift.

Insofern können US Staatsanleihen in den kommenden Monaten vielleicht auch wieder einen sinnvollen "Hedge" zu einem Long-Depot darstellen.

Das Risiko ist für Europäer die Dollar-Entwicklung, sollte der Dollar doch zu fallen beginnen, werden hier Währungsverluste auflaufen.

Und ganz langfristig sind Anleihen wegen der von Notenbanken aufgeblasenen Schuldenberge sowieso problematisch, wie uns die 30-jährigen Renditen zeigen. Denn ohne "Reset", ohne Schuldenschnitt auf Kosten der Gläubiger, wird es nicht ewig weitergehen.

Die US haben aber noch Luft nach unten, ganz im Gegensatz zu Europa, wo man negative Zinsen nicht mehr beliebig weiter drücken kann.

Fairerweise muss man aber auch festhalten, dass wenn dieser Punkt kommt, auch die Märkte generell wackelig sein werden und auch Aktien wohl fallen werden. Insofern muss man das Langfristrisiko zwar im Hinterkopf haben, aber bitte nicht überbewerten.

Fazit: US Staatsanleihen sind taktisch in den kommenden Monaten wieder einen Blick wert.

Ihr Hari

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Wochenausblick KW43


In Anbetracht der Lage und einer potentiell bedeutenden Woche, kommt die Wochenvorschau schon am Sonntag Nachmittag.

Am morgigen Montag früh kommt dann kein Morgenbericht, der neue "Sekunden-Zahlen-Review" kommt dann aber am Montag im Laufe des Tages.

Ereignis der Woche

Das Ereignis der Woche dürfte die EZB-Sitzung am Donnerstag sein. Denn Mario Draghi sitzt zumindest vordergründig zwischen Baum und Borke und es wird spannend, wie er sich da heraus windet.

Denn die neue italienische Regierung ignoriert offen den Stabilitätspakt und sagt mehr oder weniger wortwörtlich, dass sie den berühmten "Fliegenschiss" interessiert, was Brüssel dazu zu sagen hat.

Gleichzeitig schiebt die italienische Regierung nach, dass der Euro aber nicht verlassen wird - welche Überraschung. 😉 Hinter dem ganzen Gejammer ist völlig klar, dass der Euro für Italien im Saldo ein klarer Gewinn ist - im Gegensatz zu Deutschland - und Italien ohne den Euro in eine Staatsinsolvenz laufen würde.

Was die italienische Regierung will ist ganz klar, im Euro bleiben und den endgültig zur neuen Lira, einer Weichwährung machen, in der man beliebig Schulden machen kann, die idealerweise andere Länder dann mittragen müssen. Ein klarer Fall von "Moral Hazard", der eben in den Genen des fehlkonstruierten Euros begründet liegt.

Draghi kann dem nicht nachgeben, wenn die EZB nicht jede Glaubwürdigkeit verlieren und den Euro auf eine Talfahrt schicken will, die dann auch der EZB wohl nicht recht wäre. Draghi kann aber auch nicht hart durchgreifen, weil Italien für den Euro defintiv "too big to fail" ist.

Eigentlich gibt es für das Dilemma keine Lösung, wenn man offen und ehrlich mit der Problematik umgeht. Und trotzdem bin ich recht sicher, dass Draghi am Donnerstag eine "italienische Lösung" finden wird.

Die wird wie in Italiens Politik üblich, aus harten Worten bestehen, die für die Galerie der Medien die Form des Stabilitätspaktes wahrt und die italienische Regierung in die Schranken weist. Objektiv wird er aber geldpolitische Maßnahmen andeuten, die außerhalb der Märkte sowieso niemand versteht, die faktisch Italiens Defizit weiter finanzieren und den Märkten signalisieren, dass sie sich keine Sorgen machen müssen.

Wortgeklingel, hinter der Fassade aber ein "weiter so", das ist meine zutiefst zynische Prognose, hier habe ich eine. 😉

Auch das Chart der Renditen der 10-jährigen italienischen Anleihen stützt diese Erwartung:

Wir sehen Draghis "Whatever it takes" in 2012, wir sehen aber auch, wie der Markt schon seit Ende 2016 ein zunehmendes Problem in Italien einzupreisen beginnt. Und zwischen einer neuen Eurokrise und uns, steht eben nur die EZB mit ihrer Glaubwürdigkeit.

Wir sehen aber auch, dass charttechnisch die Aufwärtsbewegung nach der Mittelkonsolidierung in 2017 ihren "Measured Move" schon erreicht hat und für eine neue Konsolidierung reif ist.

Und genau das, könnte - wenn meine Vermutung oben richtig sein sollte - am Donnerstag Mario Draghi wieder mit seinen "betörenden Lippen" einleiten. Die Chance dafür ist auf jeden Fall da und im Zweifel macht es Sinn darauf zu setzen, dass Draghi den Markt beruhigt und nicht ihn weiter verunsichert.

Man muss das - wie ich - nicht mögen und man muss - wie ich - Draghis Selbstgefälligkeit nicht mögen, mit der er die alte Geldpolitik der Bundesbank beerdigt hat. Aber man muss Draghi trotzdem professionelle Hochachtung für seine Fähigkeit zukommen lassen, mit den richtigen Worten die Märkte dahin zu bringen, wo er will - betörende Lippen eben.

Wenn ich aber falsch liege, wenn Draghi am Donnerstag die Märkte verunsichert, dann ist das in der sowieso wackeligen Lage mit dem *Knall* eines gespannten Gummibandes gleichzusetzen. Dann gehen die Renditen nach oben raus und wir bekommen an den Märkten wohl ein echtes Problem.

Von den Wahrscheinlichkeiten her macht es aber Sinn auf Draghis Fähigkeiten zu setzen und das würde dann am Donnerstag sicher auch dem ausgebombten DAX gut tun.

Weiter unten werden wir sehen, dass der Donnerstag auch was die Quartalszahlen angeht, der absolute Höhepunkt ist. Donnerstag ist also vielleicht *der* Tag der Woche, mit dem Potential den Märkten einen entscheidenden Stoß zu geben.

Thema der Woche

Das Thema der Woche dürfte die nun heisslaufende Quartalssaison sein, wir haben die aktivste Woche dieses Quartals vor uns. Dienstag bis Donnerstag werden beeindruckend, mit dem Höhepunkt am Donnerstag. Hier sind die hier bei uns bekannten und besprochen Namen.

Wie immer ist die Liste nicht 100% verlässlich, weil es immer kurzfristige Verschiebungen gibt. Oft ist die genaue Uhrzeit noch unklar, ich schreibe diese Namen dann hier in "vorbörslich", was sich aber ändern kann. Ich veröffentliche im Stream des Vortages immer noch ein Update zum Folgetag, in dem ich alles noch einmal geprüft habe:

Montag vor US Handelsstart: China Mobile, EssilorLuxotica (ESLX), Halliburton (HAL), Hasbro (HAS), Michelin (MICP), Kimberly-Clark (KMB), Philips, Ryanair (RYA)

Montag nach US Handelsschluss: Cadence Design (CDNS), Hexcel (HXL), TD Ameritrade (AMTD)

Dienstag vor US Handelsstart: 3M (MMM), Anglo American, Atos (ATOS), Biogen (BIIB), Caterpillar (CAT), Corning (GLW), Harley-Davidson (HOG), Lockheed Martin (LMT), Logitech (LOGN), Mc Donalds (MCD), NextEra Energy (NEE), Pentair (PNR), PulteGroup (PHM), Reckitt Benckiser (RB), Renault, (RENA), Saab, Safran (SAF), Sartorius (SATG), United Technologies (UTX), Verizon (VZ), Vinci (SGEF), Whitbread (WTB)

Dienstag nach US Handelsschluss: Chubb (CB), Edwards Lifesciences (EW), Illumina (ILMN), iRobot (IRBT), Juniper (JNPR), Texas Instruments (TXN), Valmont Industries (VMI)

Mittwoch vor US Handelsstart: AT&T (T), Air Liquide (AIRP), Alexion (ALXN), Amphenol (APH), Barclays (BARC), Boeing (BA), Boston Scientific (BSX), Capgemini (CAPP), Check Point Software (CHKP), Dassault Systems (DAST), Deutsche Bank, DTE Energy (DTE), DWS (DWSG), Freeport McMoran (FCX), General Dynamics (GD), Heineken, Iberdrola, Illinois Tool Works (ITW), Ingersoll-Rand (IR), Klöckner (KC0100), KWS Saat, LG Display (LPL), Nasdaq Inc (NDAQ), Northrop Grumman (NOC), Novozymes (NVZMY), Peugeot, STMicro (STM), Teledyne Technologies (TDY), Telenor, Thermo Fisher Scientific (TMO), UPS (UPS), Vale (VALE)

Mittwoch nach US Handelsschluss: AMD (AMD), Agnico Eagle Mines (AEM), Allegiant (ALGT), Baidu (BIDU), Barrick Gold (ABX), Citrix Systems (CTXS), F5 Networks (FFIV), Ford Motor (F), Goldcorp (GG), Microsoft (MSFT), Morningstar (MORN), New Gold (NGD), Sangamo Therapeutics (SGMO), Service Now (NOW), Visa (V), Xilinx (XLNX)

Donnerstag vor US Handelsstart: ABB (ABBN), Ambev (ABEV), American Electric Power (AEP), Anheuser Busch (BUD), Baker Hughes (BHGE), Bristol-Myers Squibb (BMY), Celgene (CELG), Cemex (CX), CME Group (CME), Canon, Conoco Philips (COP), Covestro (1COV), Daimler, Equinor (EQNR), Eurosfins Scientific (EUFI), General Electric (GE), Flex (FLEX), Galapagos (GLPG), Hershey (HSY), International Paper (IP), Kion, Krones, L3 Tech (LLL), Lloyds Banking (LLOY), Merck&Co (MRK), MTU Aero Engines (MTU), Newmont Mining (NEM), Oaktree (OAK), Orange, Puma, Raytheon (RTN), Saint Gobain (SGOB), Schneider Electric (SCHN), Sherwin-Williams (SHW), Shire (SHPG), Sika (SIKA), Siltronic, Southern Copper (SCCO), Sulzer (SUN), Teck Resources (TECK), Twitter (TWTR), UBS Group (UBSG), Under Armour (UA), Union Pacific (UNP), Valeo, Valero Energy (VLO), Wacker Chemie (WCHG), Waste Management (WM), Worldpay (WP), Xerox (XRX)

Donnerstag nach US Handelsschluss: AK Steel (AKS), Alphabet (GOOGL), Amazon (AMZN), Biomarin Pharmaceuticals (BMRN), Cerner (CERN), Chipotle Mexican Grill (CMG), Cypress (CY), Expedia (EXPE), First Solar (FSLR), Flowserve (FLS), Fortive (FTV), Gilead (GILD), Intel (INTC), Pacific Biosciences (PACB), ResMed (RMD), Snap (SNAP), Verisign (VRSN), Western Digital (WDC), Wynn Resorts (WYNN), Yamana Gold (AUY)

Freitag vor US Handelsstart:American Airlines (AAL), BASF, Charter Communication (CHTR), Colgate Palmolive (CL), ENI,Fujitsu, Gemalto (GTO), Glencore, Lafarge Holcim (LHN), Linde, Philips66 (PSX), Moodys (MCO), Ricoh, Rockwell Collins (COL), Royal Bank of Scotland (RBS), Total, Ventas (VTR), Weyerhaeuser (WY)

Chance und Risiko der Woche

Letzte Woche habe ich Ihnen mit folgenden Worten den "Moment der Wahrheit" prophezeit, der uns noch bevorsteht:

Ich glaube dass uns der Moment der Wahrheit noch bevorsteht - vielleicht sogar in dieser Woche noch, im Zweifel aber erst Ende Oktober. Und das ist der Moment, wenn der Markt den Trend erneut testet...

...

Einen scharfen Einbruch kann es immer mal geben, wie geschehen. Daran schliesst sich fast sicher eine Gegenbewegung an. Es kann sein, dass diese nun begonnen hat.

Wie stark diese Gegenbewegung aber ist, wird ultimativ im zweiten Anlauf auf die Tiefs getestet und diese zweite Bärenattacke ist auch recht wahrscheinlich.

Das ist dann der Moment, in dem große Chancen und große Risiken bestehen und wir recht gnadenlos sein müssen.

Das ist immer noch die Lage, der Rebound ist wie angekündigt letzte Woche gekommen - sehr eindrucksvoll am Dienstag - und auch der Einbruch ist wieder wie angekündigt gekommen, am Donnerstag letzte Woche. Und ich habe Ihnen in den letzten Tagen ausführlich und in wiederholten Artikeln die Lage beschrieben und kann nun nicht mehr tun, als das zu wiederholen, weil es immer noch wahr ist.

Ich kopiere beispielhaft hier die Kernaussage des Artikels -> Trübe Stromschnellen <- herein:

Vor uns liegen wohl trübe Stromschnellen im Markt, ich habe gestern im Forum schon deutlich gesagt, dass wir selbst für den Fall, dass der erneute Retest der Tiefs erfolgreich ausgeht, besser in Analogie zum Februar davon ausgehen, dass nach dem ersten schnell Test der Tiefs letzten Donnerstag, der zweite Test weit langwieriger und zappeliger ablaufen wird.

Und ich habe Ihnen verschiedene Szenarien gezeigt und hier auch eine besonders fiese Projektion, mit der der Markt wohl Bullen wie Bären in den Wahnsinn treiben würde:

Das ist aber nur eine - besonders fiese - Variante unter vielen, die Ihnen nur visualisieren soll, womit wir nun alles rechnen müssen.

Gleichzeitig habe ich aber keinen Zweifel daran gelassen, dass für mich praktisch alle Parameter in den US darauf hindeuten, dass wir hier eine zum Jahresende kaufbare Korrektur vor uns haben, wo auch immer diese dann dreht.

Ich bin also mittelfristig weiter bullisch, bin aber kurzfristig für die kommende Woche nicht in der Lage, den weiteren Verlauf genau zu antizipieren - zu viel Gischt in den Stromschnellen eben.

Ich habe aber trotzdem eine persönliche Erwartung - nennen wir es nicht eine Prognose, denn das ist es nicht, es ist eher ein Bauchgefühl. Und das sagt, dass wir am Anfang der kommende Woche noch Schwäche sehen, der Donnerstag aber einen Katalysator nach oben bringen könnte.

Klar ist aber auch, dass diese mittelfristig bullische Aussage sich an den US orientiert. Wenn die Weltwirtschaft in der aktuell wackeligen Lage nun noch eine Krise in China (unwahrscheinlich) oder eine neue Eurokrise (wahrscheinlicher siehe oben) oben auf die bestehenden Unwuchten darauf bekommt, dann haben wir ein echtes Problem und dann kann man für nichts mehr garantieren, dann ist nichts mehr sicher.

Trotzdem, es lohnt sich statistisch, im Zweifel auf die Bullen zu setzen. Die haben zwar nun ein paar Treffer bekommen, sind aber keineswegs ausgenockt. Vergessen dürfen wir dabei auch nicht, dass die Aktienrückkaufprogramme der großen Firmen, nach Bekanntgabe der Quartalszahlen nun mit Macht wieder losgehen.

Und abgesehen davon bin ich sicher, dass schon ein paar Zeilen von Jerome Powell ausreichen würden, in denen er seine etwas zu falkenhaften Worte von vor 2 Wochen wieder einholt und wir sehen eine Rally die sich gewaschen hat!

Mit dieser Unsicherheit in den nächsten Tagen müssen wir nun einfach leben, ich kann die uns nicht nehmen, ich habe keine Glaskugel. Ich will aber erneut betonen, dass in den allgemeinen Pessimismus nun noch einzustimmen, statistisch keine gute Idee ist. Wir müssen auf das Beste hoffen und uns auf das Schlimmste vorbereiten. Das ist in einem immer noch eher nach oben strebenden Markt die richtige Schwerpunktsetzung!

Die beste Art damit umzugehen, ist sich auf die wesentliche Eventualitäten vorzubereiten und sich einen Plan zurecht zu legen. Und die bestehen ebenso aus so fiesen Szenarien wie oben, wie auch aus der immer noch vorhandenen und gar nicht kleinen Chance, dass der Markt plötzlich zur Rally ansetzt.

Klare Handlungspläne an klaren Marken, sind noch das Beste was ein Anleger für so eine Unsicherheit ins Auge fassen kann. Denken Sie aber auch an die Möglichkeit von Fakeouts, auch das ist ja in der "fiesen Projektion" zu sehen. So schnell man draußen ist, so schnell muss man auch bereit sein, wieder einzusteigen.

Oder man muss wahlweise sagen, dass man im schlimmsten Fall 20% Minus einfach akzeptiert und aussitzt, dann kann man auch ganz entspannt und ohne Handlungen dabei bleiben. Das ist auch legitim, man sollte sich dann aber auch sicher sein, dass man das im Falle des Falles wirklich durchhält.

Also: Alles ist gesagt und wurde letzte Woche gesagt. Nehmen wir die Unsicherheit an und suchen wir die Chancen in ihr. Atmen wir die Unsicherheit ein und akzeptieren sie, dann verströmt sie wirkungslos in uns.

Hinweis der Woche

7 Wochen sind nun schon wieder vergangen, seit ich am 03.09. aus den Ferien gekommen bin. Wahnsinn wie die Zeit vergeht!

Die nun beginnende Woche ist die Letzte dieser Präsenzphase, die Woche darauf bin ich dann während der bayrischen Herbstferien für eine Woche wieder im "Ferienmodus". Bis auf ganz neue Mitglieder sollten nun alle wissen was das bedeutet - ich bin präsent, es gibt aber keine regelmässigen Morgen- und Wallstreet-Artikel, sondern ab und zu mal eine Meldung "irgendwann" nach Lust und Laune meinerseits.

Eine Übersicht über diese "Ferienmodus-Phasen" und die wesentlichen Notenbank-Termine finden Sie bis zum Jahresende hier:

Chart/Grafik der Woche

Die Grafik der Woche ist zwecks Einordnung des Geschehens ein Blick auf den langfristigen Verlauf des VIX, des US Volatilitäts-Index:

Wir sehen dass die aktuelle Korrektur von der Volatilität und Unsicherheit her noch nicht mit dem Februar zu vergleichen ist. Das spüren wir ja auch, es ist noch recht viel Zuversicht im Markt. Vielleicht braucht es wirklich noch einen Absacker, um auch das zu zerstören.

Trotzdem sieht man aber auch, dass die Unruhe schon groß genug ist, um das zu einer echten, relevanten Korrektur zu machen. Von der Seite spricht nichts dagegen, dass diese auch bald zu Ende ist - wir haben "genug" korrigiert, um die Überdehnung des Marktes zurückzusetzen.

Index der Woche

Letzte Woche war Gold der Index der Woche, dieses Mal sind es die Goldminen in Form des Sektor-ETFs GDX:

Das ist schon eine schöne Wendestruktur, *aber* ich warne davor, hier zu blind nun "die große Wende" auszurufen.

Das Chart sagt eindeutig, dass das erst einmal der Retest des großen Einbruchs von unten ist, nicht mehr. Und wenn wir mal gedanklich weiterspinnen, könnte der Zeitpunkt zu dem der GDX die alte Unterstützung - nun Widerstand - um die 21USD erreicht, in 1-2 Wochen auch der genau der Zeitpunkt sein, zu dem der breite Markt die Korrektur beendet und wieder nach oben dreht.

Ich will damit sagen, das Risiko dass der GDX bei 21USD wieder nach unten dreht ist hoch und sollte man nicht ignorieren. So richtig vertrauenswürdig wird die Bewegung erst wieder darüber.

Bis dahin ist es ein schöner Trade, der aktuell auch einen netten Hedge gegen den breiten Markt darstellt, aber noch nicht mehr. Behalten wir also die Perspektive!

Ihr Hari

Disclaimer:

Der Wochenausblick ist ein im Jahr 2018 wöchentlich wiederkehrendes Format, dessen Sinn, Inhalt und Logik -> hier <- erläutert wurde.

*** Bitte beachten Sie bei der Nutzung der Inhalte dieses Beitrages die -> Rechtlichen Hinweise <- ! ***

Überblick zum Start



Guten Morgen!

Der Normalmodus hat den Blog wieder. Ich habe mich in der zweiten Woche dann richtig erholt, während ich in der ersten Woche dank eines wild schwingenden Marktes keinen richtigen Abstand finden konnte. Die nächste Ferienphase sind dann die Pfingstferien in 5 Wochen. Danach geht es fast 8 Wochen durch bis Ende Juli und dann kommen die traditionellen Sommerferien im August.

Naturgemäß hat sich zum Wochenstart gegenüber dem Status von Sonntag Mittag nicht viel geändert. Ich gebe Ihnen daher einfach einen Überblick über die Marktlage via Charts und dann sehen wir im Laufe des Tages weiter. Der Wallstreet Stream kommt heute wieder ganz normal ca. zwischen 15:20 und 18:00 Uhr.

Die US Futures eröffnen wie erwartet mit einem positiven Ton und sind ca. 0,5% im Plus. Das war klar, nachdem die Militäraktion der westlichen Mächte weit begrenzter und kontrollierter war, als befürchtet. Die Sorgen waren schon Ende letzter Woche eingepreist, nun werden die Sorgen teilweise wieder ausgepreist. Einen großen Impact hatte dieses Thema aber sowieso nie.

Das Bild des S&P500 kennen Sie, hier ist das Chartbild des NASDAQ 100, der nach wie vor in einem Aufwärtstrend ist, denn dieser wird durch höhere Tiefs und Hochs definiert:

Ob die US Indizes die Kraft haben, von hier nach oben durchzuziehen, ist offen. Ich vermute es braucht noch ein paar Tage und braucht gute Ausblicke von Unternehmen bei den Quartalsberichten, die dann die Sorgen um eine konjunkturelle Delle dämpfen würden.

Auch Öl kommt wenig überraschend mit den abflauenden Sorgen um einen Krieg etwas zurück. Damit kommt nun der grosse Test des Ausbruch, eine Bestätigung würde so wie im Chart aussehen. Die dazu passenden -> 100 Dollar Szenarien <- werden schon durch die Medien gejagt:

Und Gold macht mal wieder nichts. Wenn ich nach dem gehe, was in Blogs und auf Twitter so geschrieben wird, wird das Edelmetall permanent hochgebetet, von den Firmen mit Eigeninteressen die Gold verkaufen, ja sowieso. Eine mediale Gegenposition, die Gold bald wieder bei 1.000 USD sieht, ist kaum vorhanden, was für sich alleine schon zu einem Kopfkratzen sorgen und die Bullen nicht zu sicher machen sollte.

Nur ich kann keine wirkliche Eigenstärke sehen, der kurze Pop der letzten Woche waren einfach die geopolitischen Sorgen. Insofern interessiert mich das Edelmetall weiter nicht, das erst einmal eine Menge zu beweisen hat:

-> Spekulationen über einen baldigen Rücktritt von Japans Premier Abe <- machen einen Blick auf den Nikkei225 interessant. Den scheint es aber nicht besonders interessiert zu haben:

Bei den US Staatsanleihen - hier den 10-jährigen - steht weiter dieser potentielle Verlauf im Raum, den ich Ihnen schon vor Wochen gezeigt habe. Ich halte den Verlauf weiter für gut denkbar:

EURUSD eiert immer noch unentschieden in der Box, die schon seit fast 3 Monaten, seit Mitte Januar, Bestand hat. Auch hier ist eine starke, direktionale Bewegung im Sinne "auf Kompression folgt Expansion" zu erwarten:

Ja und der DAX, bei dem kann man zwei Trendlinien einzeichnen und man sieht dann schnell, dass von hier nach oben allerlei an Widerstand lauert, spätestens im Bereich 12.800. Ich kann mir daher nur schwer vorstellen, dass der DAX von hier nun nach oben durchzieht und rechne eher mit weiterem Geschiebe ohne klare Richtung. So lange, bis auch die Wallstreet sich ernsthaft entschieden hat:

So weit an diesem Morgen, alles weitere findet sich im Laufe des Tages und der Woche, die von der ersten Welle der Quartalszahlen geprägt sein wird. Ich rechne heute eher mit Geschiebe ohne klare Richtung, aber wir werden sehen.

Ich wünsche einen guten Start in die Woche!

Ihr Hari

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Déjà-vu und Distribution



Guten Morgen!

Gestern hatte ich ein Deja Vu (schreiben wir es der Einfachheit halber mal ohne die ganzen Häkchen), das darauf beruhte, dass ich das Marktverhalten nur zu gut aus dem alten Jahr kenne.

Die Bären haben einen sauberen Aufschlag mit medialer Untermalung, "Gurus" malen Horrorszenarien an die Wand, aus Europa kommen richtig schwache Kurse in Richtung der Wallstreet und es könnte sein, dass sich eine echte Korrektur in Gang setzt.

Die Kurse an der Wallstreet beginnen auch schwach und dann? Dann ...... nichts. Nichts!

Die Abwärtsbewegung hört einfach auf, wie ein Rasenmäher dem der Sprit ausgeht. Erst stottert es, dann wird es still. Faszinierend und klassisch 2017 - Deja Vu eben.

Was wir hier sehen ist der Effekt eines starken Marktes und der Grund, warum Topbildungen Zeit brauchen. Der "BTFD" Reflex ist nun so fest verankert, dass man wirklich einen sehr zuverlässigen Trade darauf bauen kann und um diesen Reflex abzubauen braucht es viel Zeit und viele Momente, in denen er nicht mehr befriedigend funktioniert.

Wenn man so will muss langsam Zweifel in die Wahrnehmung des Marktes steigen, dass BTFD noch gültig ist, erst dann wird es riskant. Dass dann die Geschichte vom Abbau der US Staatsanleihenkäufe von China auch noch dementiert wurde, ist dabei fast eine Nebengeschichte. "Die Nachrichten dürften auf falschen Informationsquellen basieren und 'Fake News' gewesen sein", heißt es dazu bei der chinesischen Devisenbehörde.

Trotzdem gehe ich davon aus, dass der Zweifel bleibt und das Dementi nicht recht geglaubt wird. Denn China hat gerade erlebt, warum Grossanleger immer eine stille und leise Distribution wollen, weil sie anders sonst nicht aus ihren Positionen heraus kommen.

Stellen Sie sich vor, Sie heissen Buffett und wissen, dass jede Ihrer Bewegungen beobachtet und ziseliert wird. Nun wollen Sie bei einer sehr gut gelaufenen Aktie mit Ihren riesigen Aktienpaketen raus, weil Sie in der Zukunft grosse Risiken sehen. Dummerweise reicht die Liquidität der Börsen nicht ansatzweise aus, um Sie in einem Stück heraus zu bringen. Und einen ausserbörslichen Käufer Ihres riesigen Pakets haben Sie auch nicht.

Würden Sie dann im Vorfeld hingehen und Ihren anstehenden Verkauf ankündigen? Ich bitte Sie, nur wenn Sie sehr dämlich wären. Denn alleine weil Sie - Buffett - den Verkauf ankündigen, werden die Kurse deutlich fallen und andere vor Ihnen verkaufen. Und die Liquidität der Käufer, die Ihnen also Ihre Pakete abnehmen sollen, wird weiter austrocknen und nur mit viel niedrigeren Kursen wieder zu aktivieren sein.

Mit diesem einen Satz der Verkaufsabsicht, haben Sie sich dann also in gewaltiger Grössenordnung selber ins Knie geschossen. Gleiches gilt für China, alleine durch den Satz ist sein Bestand an US Anleihen viel weniger wert geworden.

Nein, wenn Sie raus wollen, müssen Sie als Grossanleger stückchenweise raus, solange die Stimmung noch gut ist. Unseriöse Großanleger befeuern die gute Stimmung sogar noch, in dem Sie während Sie schon zu verkaufen beginnen, noch positive Analystenkommentare heraus geben, um bei der Herde mehr kauforientierte Liquidität in den Markt zu bringen. Hinterher kann man dann behaupten, dass beide Seiten des Unternehmens nichts voneinander wussten, weil da ja "Chinese Walls" seien - jaja. 😉 Seriöse Großanleger wie Buffett halten einfach die Klappe. Und Idioten reden im Vorfeld darüber.

Genau diesen Vorgang, wenn grosse Adressen in gute Stimmung hinein abladen, nennt man übrigens "Distribution" und die kann man nur durch die Markttechnik erahnen, mit Blick auf Chart, Volumen und ein paar Indikatoren.

Distribution gibt es übrigens auch bei einer Bodenbildung, dann eben umgedreht. Die Stimmung ist noch mies, die grossen Adressen beginnen aber zu akkumulieren.

Und deshalb ist das Dementi in Zweifel zu ziehen und deshalb und aus anderen Gründen die von den Notenbanken ausgehen, gehe ich davon aus, dass die Bond-Renditen weiter unter Druck bleiben. Und China muss sehen, wie es die Abhängigkeit vom Greenback verkleinert, denn man sitzt da in der Falle. Jede Schwäche des Dollars schädigt nicht nur die eigenen Exporteure, sondern auch den Anleihenbestand. Man sollte also besser nett zum Dollar sein und hat da wenig Drohpotential.

Das Geschehen um die US Staatsanleihen, wird übrigens -> hier <- schön in eine Perspektive gebracht.

Zurück zum Markt. In dem ist also doch weniger passiert, als es gestern noch aussah. Alles was wir haben, ist bisher die mehr als überfällige Konsolidierung nach dem starken Start ins Jahr. Ich gehe auch davon aus, dass sich das diese Woche fortsetzt, genau das war ja auch meine Annahme für diese Woche.

Auch der DAX weiss heute früh noch nicht was er will, ich gehe nach wie vor eher davon aus, dass es erst einmal Richtung 13.200 runter geht, als sofort wieder hoch, aber wir werden sehen - im großen Bild ist das alles Geplänkel:

Sehr stark und sehr erfreulich stark war übrigens auch gestern wieder Biotech. Der XBI, der ETF der kleineren Unternehmen während im IBB auch die Schwergewichte sind, hat nicht lange gezögert und ist gestern wie ein Strich vom Start weg hoch ins Plus gestiegen:

Und im grösseren Bild sieht das nun so und damit kein bischen weniger interessant aus:

Wenn ich durch einzelne Aktien im deutschen Markt gehe, tue ich mich schwer. Einerseits sehe ich Aktie die schon "extended", also zu überdehnt sind, um jetzt ohne Dip dort einzusteigen.

Die gute alte Rheinmetall ist so ein Fall:

Andererseits sehe ich Aktien mit zweifelhafter Chartstruktur, die nicht dazu einladen jetzt aktiv zu werden. Henkel ist so ein Fall:

Was ich aber wenig sehe, sind überzeugende Ausbruchs- oder Basis-Strukturen, aus denen sich eine grössere Bewegung aufbauen kann. Die Autobauer sind Ausnahmen, die habe ich schon genannt.

Heidelberg Cement sieht als Trendfortsetzung noch ganz brauchbar aus, die hatte ich Ihnen am 15.11. in -> hier <- schon gezeigt und so wie indiziert, ist es dann auch gekommen:

Akzeptieren wir das einfach, dass es so ist. Der DAX ist in seinen Einzelwerten nicht mehr uneingeschränkt bullisch und da ein Index nur die Summe der Einzelwerte ist, betrachten wir auch den Index distanziert und differenziert. Die Zeit des "leichten Geldes" ist wohl hier vorbei.

Bis später.

Ihr Hari

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Korrekturgedanken



So liebe Mitglieder, wer im Forum aktiv ist, hat es ja schon mitbekommen, dass ich im "Ferienmodus" der letzten Woche eine Menge am Layout des Forums herum gewerkelt habe. Insbesondere habe ich endlich mal vernünftige Forenränge eingeführt und zwar eine Mischung aus dem schlichten Zählen der Posts, wie auch spezielle Ränge, die von mir verliehen werden.

Immer wenn Sie nun oben in den Header eines Forums gehen, finden Sie dort einen kleinen Doppelpfeil, mit dem Sie diese erklärende Gesamtübersicht aufrufen können:

Nach vielen Stunden des Gefummels, bin ich jetzt auch halbwegs zufrieden mit dem Aussehen. Die normalen Badges sind an die Ränge bei Star Trek TNG angelehnt, einen guten Teil davon habe ich mit Dank von -> Wikimedia Commons <-.

Wir haben übrigens noch 79 "Pioniere" an Bord, die schon im April 2013 sofort hier Mitglied im neuen Premium-Bereich geworden sind. Genau das ist die Definition, die ich bei diesem Titel angewandt haben.

Ich bin völlig offen dafür, auch weitere Titel einzuführen, wenn das sinnvoll erscheint. Wenn Sie da Ideen oder Wünsche haben, lassen Sie mich das wissen. Den ersten "Captain" mit tausend Posts werden wir auch bald im Forum begrüssen, es sieht so aus, als ob das dann "Captain Scapaflow" sein wird. 😉

Sie werden wenn Sie genau hinschauen, darüber hinaus eine Reihe kleiner Änderungen beobachten. So steht unten endlich eine sinnvolle Statistik, auch wenn diese Zahl wieder zu klein ist - die Reparaturteams sind schon auf dem Weg. 😉 In Summe hoffe ich, dass das neue Aussehen gefällt.

Nun zum Marktgeschehen.

Denn da starten die Bären einen erneuten Versuch, diesen störrischen Bullen mal ein wenig nach unten zu drücken. Das war absehbar, absehbar ist aber auch, dass es nicht einfach werden wird.

"Eigentlich" liegt hier ein Elfmeter für die Bären, genau genommen sogar nur ein 7-Meter auf ein Erwachsenentor so breit wie ein LKW. Denn dieser Markt ist klar nach oben überdehnt, er hat zu viel Hoffnung getankt und zu wenig Skepsis und erst ist reif wie ein fauler Apfel nun mal endlich vom Ast zu fallen.

Nur er tut es nicht, weil die Algos mit dieser Erwartung spielen und es ist absolut sinnlos herum raten zu wollen, ob das nun diese Woche gelingt oder ob das Spiel so weiter geht wie bisher.

Schauen wir aber mal, wo die wichtigen Marken sind. Im S&P500 habe ich sie heute früh schon gezeigt. Im DAX sieht das nun so aus:

Wir sehen die steigende Trendlinie seit Anfang Februar und solange die nicht in Frage steht, ist hier rein gar nichts passiert. Bei ca. 11.750 haben wir mit etwas Phantasie eine leichte Unterstützung und bei 11.400 dann die massive, die aus der langen Seitwärtsbewegung seit Jahresanfang resultiert.

Aber erneut, auch wenn wir nun zum Wochenstart 1% im Minus sind, bisher ist gar nichts passiert, was markttechnisch relevant wäre.

EURUSD ist extrem indifferent, die dazu passende Kerze, das "Indecision Candle" haben wir heute bekommen:

Es gibt hier Argumente für beide Seiten, das Chart neigt sich aber ganz leicht zur bullischen Seite, eine Auflösung nach oben erscheint logischer. Das kann man auch fundamental begründen, denn die Zinserhöhung der FED im März ist nun voll in den Kursen, weswegen das Überraschungspotential eher auf der Gegenseite liegt und die geht mit einem steigenden EURUSD einher.

Auch Draghi spielt hier natürlich eine Rolle und sollte er am Donnerstag irgend einen Halbsatz sagen, aus dem man schliessen könnte dass das QE der EZB seinen Höhepunkt hinter sich hat, wird auch das EURUSD stützen.

Ich bin beim Währungspaar nicht in der Stimmung mich hier committen zu müssen, wenn man mich aber zwingen würde, würde ich nun kurzfristig erst einmal nach oben schauen, mittelfristig aber nicht davon ausgehen, dass diese gezeigte Struktur triggert sondern davon ausgehen, dass der Dollar seine Stärke zum Euro weiter ausbaut.

Hoch interessant finde ich in dem Zusammenhang auch das Geschehen bei den langlaufenden US Staatsanleihen, dargestellt am ETF TLT. Denn dieses Chart will uns etwas sagen:

Bis ca. Anfang Februar konnte man im Sinne des blauen Kastens darauf spekulieren, dass sich hier eine Wendeformation bildet und hier Chancen liegen. Nun drängt sich aber immer mehr die schwarze Interpretation in den Vordergrund, der TLT konnte trotz massivster Überdehnung keinen wirklichen Rebound generieren und hat die Überdehnung nach unten nun weitgehend seitwärts abgebaut.

Das ist nicht gut für die Bullen, das stinkt nach der "was nicht steigen kann muss fallen" Regel. Dahinter steht wohl die Erwartung des Bondmarkts, dass die FED doch intensiver den Zinszyklus beginnt, während der Aktienmarkt das (wie alles) völlig entspannt sieht. Nur einer der beiden Märkte kann aber Recht haben. Es wird spannend welcher.

Wenn ich heute auf Einzelaktien schaue, sehe ich im Moment ein "Meer an Rot". Es sind keine grossen Verluste, aber doch Abgaben querbeet, das erste Mal nach langer Zeit, dass ich so eine Signatur im Markt wieder sehe.

Ich kann daher heute beim besten Willen nichts identifizieren, was ich nun kurzfristig unbedingt auf der Long-Seite besprechen muss. Wir haben vielmehr erneut eine markante Chance der Bären, den Markt endlich mal in echte, mehrtägige Abgaben zu treiben, ob es gelingt ist aber weiter völlig offen.

Wenn man darüber hinaus schaut, gibt es aber Sektoren, bei denen die aktuelle Schwäche nach einer bullischen Konsolidierung aussieht. Biotech scheint so ein Sektor zu sein:

Die Volatilität ist auf jeden Fall trotz eines heutigen Anstiegs weiter absolut sehr niedrig und noch nicht im Krisenmodus.

Die Bären haben nun so viel Kredit verspielt, dass man sie erst dann wieder ernst nehmen sollte, nachdem sie endlich mal was auf die Reihe bekommen haben. Warten wir also geduldig ab, ob der BTFD Trade heute in der zweiten Handelshälfte wieder einsetzt, wie er das nun seit Wochen zuverlässig getan hat.

Falls der BTFD Trade heute nicht kommen und sich ein schwaches Closing anschliessen sollte, wäre das ein erster Baustein um den Gedanken an eine nun endlich einsetzende Korrektur, mal konkret zu denken. Aber da sind wir noch nicht.

Bis Morgen!

Ihr Hari

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Procter & Gamble und Johnson & Johnson – Das Ende der Dividende als Anleihen-Ersatz?

Ich weiss nicht, ob Ihnen aufgefallen ist, dass im Rahmen der Sektor-Umschichtungen nach der Wahl Trumps, kleine Nebenwerte, die im Russell 2000 Index zusammen gefasst sind, massiv haussiert haben - wie hier zum Beispiel im ETF IWM zu sehen, der den Russell 2000 abbildet:
(All Charts from -> Finviz.com <-)

iwm-21-11-16

Gleichzeitig haben aber einige klassische Dividendentitel und grosse Bluechips, teilweise deutlich korrigiert - ausser sie gehörten zu Sektoren wie dem Industrie-Sektor, die von Trumps absehbarem Infrastruktur-Programm profitieren werden.

Diese Bewegung, hat übrigens schon vor Trumps Wahl begonnen, sie wurde durch seine Wahl nur beschleunigt bzw wieder neu in Gang gesetzt. Hier sind zwei Beispiele solcher Korrekturen von gross kapitalisierten Dividenden-Bluechips:

Procter & Gamble (PG):

pg-21-11-16

Johnson & Johnson (JNJ):

jnj-21-11-16

Damit stellt sich die Frage, was sich hinter dieser Schwäche verbirgt und die Antwort ist recht einfach:

Weiterlesen ...

EZB Tag



Heute früh eine Vorbereitung auf die EZB heute Nachmittag. Ein paar weitere Beobachtungen zum Markt, folgen etwas später am Vormittag.

Denn heute ist EZB Tag, die erste Notenbank, die im September ihre Karten auf den Tisch legt. Alle anderen werden folgen.

Um 13:45 Uhr kommt der EZB Entscheid und um 14:30 Uhr beginnt dann wieder Draghis Pressekonferenz, die Sie wie immer -> hier direkt bei der EZB <- verfolgen können.

Für uns ist die entscheidende Frage, was wir davon erwarten können und vor allem, was der Markt erwartet - sprich wo Überraschungspotential liegt und wo nicht.

Seit der letzten "wichtigen" Sitzung Anfang Dezember 2015, habe ich von den EZB Sitzungen selten viel erwartet und so ist es auch gekommen, oft haben wir im ersten Halbjahr nur ein "Non-Event" geboten bekommen.

Heute sind die Chancen da, dass das anders wird und wir eine bedeutende Sitzung vor uns haben.

Und das liegt daran, dass die EZB mit ihrem QE nun an Grenzen stösst, ohne dass die gewünschte Wirkung ernsthaft eingetreten ist. Die EZB steht also vor der wichtigen Frage: "Aufgeben oder Nachlegen?"

Grenzen entstehen schon alleine dadurch, dass die anteilig gleichverteilten Käufe von Staatsanleihen nicht mehr möglich sind, weil zum Beispiel die deutschen Staatsanleihen sozusagen "leergekauft" sind.

Was also tun Herr Draghi?

Ich gehe fest davon aus, dass "Aufgeben" keine Option ist. Dann könnte Draghi gleich zurück treten. Solche Organisationen mit inneren Machtstrukturen, haben einfach die Tendenz, selbst wenn sie grundlegend falsch liegen, den Krug solange zum Brunnen zu tragen, bis er bricht.

Heisst wir können fest von einem "Nachlegen" ausgehen und auch der Markt tut das. Und genau da liegt das Problem.

Denn eine Verlängerung des QE um 6 Monate ist das Mindeste, was der Markt heute Nachmittag sehen will. Weniger dürfte zu einer sehr verschnupften Reaktion führen. Aber selbst das, dürfte keine Begeisterung auslösen.

Begeisterung wird dann kommen, wenn Draghi eine Ausdehnung des Programms auf weitere Assets - im Extremfall auch Aktien - oder eine massive Senkung der Kriterien in den Raum stellen sollte. Dann bekommen wir eine massive Rally und der DAX dürfte aus seinem "Henkel" mit Macht nach oben schiessen.

Eine realen Beschluss wird es über solche Massnahmen in der Septembersitzung wohl nicht geben, zumindest erwartet das keiner. Aber alle werden an Draghis Lippen kleben, ob er solche Massnahmen in der Pressekonferenz als diskussionswürdig in den Raum stellt. Darauf kommt es an.

Dass der Markt in diesen Kategorien denkt, können wir im Artikel -> Im Stile von Ben Bernanke <- nachlesen, der in den Raum stellt, ob Draghi nun nicht auch - mit dem Rücken zur Wand - die ganz grosse Kanone heraus holen wird wie Bernanke 2012.

Zusammengefasst bekommen wir also:

- Eine verschnupfte Marktreaktion, wenn von der EZB keine neue Beschlüsse kommen und Draghi den Eindruck von Unentschiedenheit im Rat vermittelt.

- Eine neutrale Reaktion, wenn das bestehende Programm um 6 Monate verlängert wird, an ein paar kleinen Schrauben bei den Kriterien für Assets gedreht wird und sonst alles auf die kommenden Sitzungen verschoben wird. Das ist der Marktkonsens.

- Eine begeisterte Reaktion, wenn heute schon klare Aussagen zur Senkung der Kriterien, Erhöhung des Programms oder Ausweitung auf andere Assets kommen sollten. Das wäre das "Bernanke Reloaded" Szenario.

Der DAX hat sich auf jeden Fall klar zum Sprung in Position gebracht. Jetzt muss Draghi nur die Lunte anzünden:

DAX 07.09.16

Ich selber werden die Pressekonferenz zwar verfolgen, kann aber nicht direkt und Live schreiben, weil ich um 14:30 Uhr nicht am Rechner sitze. Ich schreibe dann ausführlich im regulären Nachmittagsbericht über das Ergebnis.

Bis später also, schauen wir auf Draghis Lippen!

Ihr Hari

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Aktien sind Teufelszeug und die Börse ist eine Zockerbude!

Dieser Artikel richtet sich an alle, die normalerweise *nicht* auf Mr-Market landen würden. Nämlich an alle, die Aktien für "Teufelszeug" halten und die Börse für eine einzige "Zockerbude".

Deshalb auch dieser Titel, vielleicht konnte ich Sie ja über eine Suchmaschine hier her "locken", weil Sie Ihr Anlage-Mantra eingegeben haben und Gleichgesinnte suchen. Dann wartet nun eine Überraschung auf Sie. 😀

Wenn nicht und wenn Sie schon an Aktien interessiert sind, werden Sie nun wenig Neues lesen, aber schaden kann es bestimmt auch nicht, das dann noch einmal zu lesen. Zumal ich auch 20 konkrete Aktien nenne. 😉

Denn ich bedauere Ihnen sagen zu müssen, Ihre Haltung, die Aktien als "Teufelszeug" und die Börse als "Zockerbude" betrachtet, schadet einer Person ganz massiv: Ihnen! Und Ihrem Vermögen!

Man muss sich doch fragen, worauf Sie noch warten wollen. Schauen wir doch mal, wie es um die Geldanlage derzeit wirklich aussieht, Notenbanken und Politik sei Dank:

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Risk-off!

Stets mit großem Interesse studiere ich die monatlich aktualisierten Daten der Webseite www.marktrisikoprämie.de. Hier werden für alle großen Länder die impliziten Aktienrenditen der größeren Unternehmen angegeben und das auch noch im Zeitablauf. Eine echte Fundgrube!

Was ist denn aber nun die implizite Aktienrendite, auch als ICC (internal cost of capital) bezeichnet ? Dazu kurz ein paar Grundlagen. Angenommen, es gäbe z.B. für alle großen Unternehmen eines Landes so etwas wie eine gemeinsame Anleihe, was für einen Zins müsste man dafür fordern z.B. gegenüber einer Anleihe des, sagen wir, deutschen, schweizerischen oder österreichischen Staates ?

Der Staat bezahlt im allgemeinen einen Zinscoupon, und das regelmäßig. Die Unternehmen erwirtschaften Gewinne und bezahlen daraus eine Dividende. Sie müssen aber entweder regelmäßig Gewinne erwirtschaften oder von ihrem erwirtschafteten Gewinn etwas zurücklegen, andernfalls kann keine Dividende bezahlt werden. Das Risiko, womöglich keine Dividende zu bekommen, will man als Anleger natürlich abgegolten bekommen. Und da ist jetzt die Frage, wie kann man ein solches Risiko messen ?

Die Unternehmen brauchen steigende Gewinne, denn andernfalls müssen sie die Dividende irgendwann aus der Substanz bezahlen, und das werden sie dauerhaft nicht können. Also ist

(1) ICC = D/P + g

mit D als Dividende, P als Aktienkurs und g als Dividendenwachstum. Nun vergleicht man dieses ICC mit einem risikolosen Zins rf (risk-free interest rate), also der genannten Staatsanleihe, und erhält als Differenz die Risikoprämie des Aktienmarktes ERP(equity risk premium):

(2) ERP = ICC - rf

Das heisst, im Normalfall müssen die Unternehmen eine höhere Rendite als der Staat bieten, um die Investoren für das eingegangene Risiko zu entschädigen.

Was die kontinentaleuropäischen Märkte angeht, so gibt es eines, was auffällt:

Die Risikoprämien sind zuletzt stark gestiegen. Da der Zins für risikolose Anleihen bei nahe Null liegt ist die Aktienrendite ICC beinahe identisch mit der Risikoprämie ERP. Bei gleichbleibenden Gewinnen bewirkt der Anstieg der Risikoprämie einen deutlichen Kursrückgang. Und wir sind hier erst Ende Januar, die starken Rückgänge jetzt im Februar sind dabei gar nicht mit eingerechnet!

Man vergleiche das einmal mit dem US-Markt. Dort liegt der risikolose Zins höher, aber die Risikoprämie liegt viel tiefer. Das führt dazu, daß US-Aktien teurer bezahlt werden müssen, und diese sind deswegen im Grund auch rückschlagsgefährdeter als ihre europäischen Pendants.

Eine expansive Geldpolitik kann auf direktem Weg nur den risikolosen Zins beeinflussen. Da jener aber bereits fast bei Null liegt - in der Schweiz ist er mittlerweile sogar negativ - ist eine weitere Senkung kaum möglich. Allenfalls kann die Risikoprämie über die Psychologie der Investoren irgendwie günstig beeinflusst werden. Aber so ein Effekt nutzt sich irgendwann einmal ab.

Wenn man schon etwas beeinflussen sollte, dann sind es die Risikofaktoren, und zwar über Maßnahmen zur Förderung der Angebots- und Nachfragebedingungen, also etwa über die Fiskalpolitik oder über die Verbesserung der allgemeinpolitischen Bedingungen. Wie wir den aktuellen Tagesdiskussionen entnehmen, gibt es ja dafür jede Menge Potential. Die EZB hat ihren Job im Grunde erledigt, sie kann aber die Wirtschaft nicht im Alleingang nach oben pushen. Jetzt ist die Politik dran!

Men erkennt speziell für Deutschland, dass es immer wieder Peaks bei den Risikoprämien gab, etwa im Rahmen der Staatsschuldenkrise 2011 oder im Rahmen der Rezessionen 2003 oder 2009. Diese Peaks verschwanden sehr bald wieder. Insofern besteht doch eine gewisse Hoffnung, dass die Risikozuschläge nicht von Dauer sind und eine gewisse Normalisierung eintritt. Es besteht aber andererseits die Gefahr, daß eine solche "Normalisierung" wegen einer Abschwächung der weltweiten Konjunktur über verringerte Gewinne stattfindet.

Allianz Aktie – Wohin geht die Reise?

Der folgende Beitrag erschien schon Mittwoch 06.05.15 12:30 in Hari Live

Die Allianz hat heute überraschend gute Zahlen geliefert und der bisherige -> CEO Michael Diekmann übergibt an Oliver Bäte. <-

Da lohnt sich doch mal wieder ein Blick auf das Chart zu werfen, um zu schauen, was das zur Lage sagt. Dieses zumal die Allianz-Aktie ja über Monate zu meinen Favoriten gehörte und ich auch den Einbruch durch den Abgang von Gross bei Pimco, für übertrieben gehalten habe. Im Nachhinein war das ja auch eine geniale Kaufgelegenheit:

Allianz 06.05.15

Was wir sehen, ist erst einmal ein Chart, das danach schreit, dass es nun von 150€ erst einmal wieder hoch geht. Zu klar ist die Unterstützung und zu überverkauft die Lage. Die guten Zahlen sind nun ein Katalysator, der eine Wendeformation in Gang setzen sollte.

Berücksichtigen Sie aber bei der Betrachtung bitte den morgigen, massiven Dividendenabschlag, der dieses Chart-Bild optisch zerstören wird, ohne dass dem Einbruch ein wirklicher Vermögensverlust gegenüber steht. Nehmen Sie also bitte nicht 150€ als Stop. 😉

Nur wohin geht die Reise, nach dem dieser initiale Schub nach den Zahlen dann ausgelaufen ist? Dabei bin ich nun erst einmal latent skeptisch und kann mir einen Verlauf wie eingezeichnet gut vorstellen, der aber natürlich nur ein Szenario unter vielen ist.

Zwei Faktoren sind dabei dominant:

Erstens wäre die Allianz wohl eine der Hauptleidtragenden, falls sich der beginnende Anstieg der Renditen der Staatsanleihen weiter fortsetzt. Die Allianz ist durch regulatorische Anforderungen, wie andere europäische Versicherer, bis zur Halskrause mit Staatsanleihen voll geladen. Bis letzten Monat konnten diese Anleihen durch die sinkenden Zinsen Buchgewinne erzielen, nur was passiert in der Gegenrichtung? Und wie sind diese Buchgewinne bilanziert?

Denn die Interessen der Lebensversicherungskunden und der Aktionäre der Allianz sind nicht gleich gerichtet. Die extrem gefallenen Renditen sind gefährlich für die bestehenden Lebensversicherungsverträge, deren dauerhafte Tragfähigkeit in Frage gestellt werden könnte, wenn die Nullzinsphase lange andauern sollte. Für die Bewertung der riesigen Bestände an Staatsanleihen bei den Versicherern aber, waren die fallenden Renditen aber kurzfristig erst einmal positiv und das tat den Aktionären gut.

Langfristig werfen die Niedrigzinsen aber auch für die Aktionäre Fragen auf, denn wenn der temporäre Effekt der Buchgewinne ausgelaufen ist bleibt die Frage, wo denn die Erträge her kommen sollen. Das bei wieder steigenden Anleihen-Renditen auf die Versicherungskonzerne aber bilanzielle Fragezeichen zukommen, die die Börsen dann nicht kalt lassen werden, erscheint mir zumindest wahrscheinlich.

Aber auch ein zweiter Faktor ist am Werk und dass ist die Tatsache, dass der langjährige Chef Michael Diekmann nun seinen Abschied genommen hat und natürlich mit einer guten Zahlenbilanz. Es ist eine reine Vermutung meinerseits, aber es wäre nicht der erste Fall, bei dem zu so einer Abschlussbilanz dann allerlei "optimiert" wird, um das Bild zum Abschluss besonders gut aussehen zu lassen. Natürlich nur im legalen Gestaltungsrahmen, der ist aber im Bereich IFRS erheblich und gibt grossen Spielraum. Lesen Sie im Zweifel -> hier <-.

Und neue Chefs machen - wenn sie klug sind - dann am Anfang sowieso erst einmal ein bilanzielles "Grossreinemachen", weil sie bei den ersten Quartalen dafür noch nicht in persönliche Haftung genommen werden.

Beide Faktoren zusammen gemahnen in meinen Augen zur Vorsicht und das Risiko ist daher für mich da, dass wir am 13.04. bei 170€ bei der Allianz ein zumindest mittelfristiges Hoch gesehen haben.

Deswegen muss man nun nicht ins andere Extrem kippen und die Allianz zu einem Short erklären, dafür sehe ich keine Grundlage. Aber für mich ist die Allianz nun also kein zwingender Favorit mehr, sondern ich rechne eher damit, dass die Aktie dem Markt in den kommenden Monaten vielleicht sogar hinter hinken wird.

Wer in der Aktie drin ist, sollte den absehbaren Anstieg nach den guten Zahlen, nun also vielleicht kritisch beobachten.

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