AWI – Alles Wie Immer



Kurz vor dem Wochenende, will ich noch einen Blick auf den Markt werfen.

Zu den Indizes sage ich nur *AWI*. Dieses *Awi* steht von nun an als Abkürzung für "Alles Wie Immer" und bedeutet, dass es nichts zu berichten gibt und die Indizes sich im unteren Kommabereich bewegen. So halt, wie man das nun gewohnt ist, AWI eben. 😉

Dass selbst der SP500 mit 500 Aktien im Index nun in Mehrheit nur noch von wenigen Schwergewichten bewegt wird, habe ich übrigens gestern schon -> hier via Tweet <- gezeigt.

Diesen Umstand sollten wir im Hinterkopf haben. Damit die Indizes korrigieren, müssen eben diese Aktien korrigieren. Und diese Aktien stecken in unzähligen ETFs, egal ob Index-, Branchen- oder sonstige ETFs. Und weil das so ist, werden sie permanent "mitgekauft" und hängen im Kurs ganz oben. Ich vermute also, es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen der Dominanz der ETFs und der Stabilität der Indizes und diese Bluechips sind dabei der Transmissionsriemen.

Zu Gold habe ich mich heute morgen schon neutral geäussert, kurzfristig ist eindeutig, dass wir in einem Rebound sind, der noch mehr Luft hat, mittel und langfristig lässt sich ausser Spekulation nicht viel sagen.

Vom Kern her, ist die Aussage zu den Minen natürlich ähnlich, die natürlich vom Edelmetall abhängen. Aber die langfristige Chartstruktur des GDX ist positiver:

Das Geschehen seit Mitte April ist zwar in seiner markanten Schwäche eindeutig dubios und wird hier durch die noch nicht richtige Monatskerze des Mai etwas geschönt, aber trotzdem lässt die langfristige Struktur die indikativ eingezeichnete, bullische Wendestruktur durchaus zu.

Mein Fazit ist, dass wenn man sich bewusst ist, dass das Bild oben nur ein Szenario ist und man bereit ist, bei einer erneuten bärischen Wende sofort die Reissleine zu ziehen, statt ins Atmen von Hopium zu verfallen, dann kann man die aktuelle Aufwärtsbewegung durchaus spielen, auch im GDX. Da sollte noch was gehen und wenn die Lage um Trump weiter eskaliert, sollte sich das auch auf den Goldpreis auswirken.

Unbedingt erwähnt werden muss, dass bei EURUSD der Retest des Ausbruches erfolgreich abgelaufen sein könnte. Von der Markttechnik her, weist das Ding also erst einmal weiter nach oben in Richtung der 1,15 - die spätestens dann wieder eine Hürde sein werden:

Wir sehen, wie sich da gerade ein Hammer zu formen scheint und EURUSD genau wieder steigt, wo es steigen sollte. Ganz durch ist das Thema noch nicht, aber zumindest die Tendenz weisst in diese Richtung und die Bedeutung des Bereiches ist wie Sie sehen, eindeutig zu erkennen.

Mitgeholfen hat dabei heute ein Bericht des Spiegels, dass die EZB ab Juni den Markt auf eine Ende des QE vorbereiten will. Eigentlich war das schon Markterwartung und insofern keine Überraschung, aber die Wahrscheinlichkeit dass es so kommt wurde zumindest weiter erhöht und rechtfertigt heute eben ein weiteres halbes Prozent.

Auch ein Impeachement-Verfahren gegen Trump, würde wohl den Dollar schwächen. Wobei ich nicht sicher bin, ob man sich da heran wagt, denn es würde den Graben im Lande vertiefen und selbst einen Bürgerkrieg nicht völlig undenkbar erscheinen lassen. Denn aus der Brille der überzeugten Trump-Fans - und die gibt es mit Sicherheit auch jetzt - wäre das der Versuch eines korrupten Systems, ihren legitimen Präsidenten abzusetzen und dann würden einige zur Waffe greifen. Man kann nur wünschen, dass das dem Land und der ganzen Welt erspart bleibt. Mögen seine Kinder helfen, dass Trump seine Impulse besser in den Griff bekommt und erst denkt, dann bespricht und dann - vielleicht - handelt. Zweifel ob das gelingt, sind aber berechtigt.

Ansonsten will ich daran erinnern, dass 3D Systems (DDD) seine Reise nach oben fortsetzt:

Wie ich das in anderen Fällen schon oft gesagt habe, will ich auch hier ausdrücklich betonen, dass eine derartige Abfolge von positiven Tagen unter hohem Volumen - und das aus einer grossen, zweijährigen Bodenbildung heraus - das klare Zeichen einer Charakteränderung ist. Ich bin seit Montag Abend taktisch dabei, das Ding sah zu verlockend aus. Am Mittwoch habe ich in -> Rohstoff-Durchschnaufer <- explizit auf das Setup hingewiesen.

Tesla steigt weiter und der Short aufgestellte David Einhorn schwitzt seine Hemden voll. 😉

Ich würde mich da überhaupt nicht wundern, wenn da über das Wochenende oder Anfang kommender Woche noch ein Versuch kommt, Tesla herunter zu reden. Denn viel weiter darf die Aktie nicht steigen, wenn die Bären die E-Walze aufhalten wollen, müssen sie *jetzt* was tun. Sonst haben wir Ausbruch *und* erfolgreichen Retest *und* neue Hochs!

Regenereon (REGN) - ich hatte das Setup nach den Zahlen schon vor einer guten Woche in -> Können Sie es doch? <- erwähnt - steht nun kurz vor dem Ausbruch.

Ein kleines Retracement wäre nun keine Überraschung, darüber hinaus sieht das für mich aber so aus, als ob danach die Nackenlinie fällt:

So weit für heute. Ich wünsche uns allen ein erholsames Wochenende. Wir lesen uns vielleicht im Forum, ab und zu werde ich auch einen Tweet einstellen und ansonsten hier wieder am Montag.

Denken Sie auch an das schöne Projekt -> Die schönsten Plätze der Heimat <-. Lassen Sie es nicht nach unten rutschen, wäre doch schade. 😉

Ihr Hari

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Die Märkte und der „Junk“ Indikator

Auf unzählige Art und Weise und mit hunderten von Indikatoren, versuchen Anleger dem Markt auf den Puls zu fühlen und so dem Schicksal einen Tag voraus zu sein. Ich mag dabei vor allem die Indikatoren, die direkt den Puls des Marktes fühlen, statt nur indirekt über kompliziert herzuleitende Daten, überhaupt eine Schlussfolgerung zu ziehen, die dann wiederum interpretierbar und damit angreifbar ist.

Denn wenn man nur direkt auf die Kurse geht, ist Manipulation und Fehlinterpretation weit schwieriger, denn die Wahrheit liegt auf dem Platz und da wo echtes Geld in Bewegung gesetzt wird, ist mehr Wahrheit dahinter, als bei dem, was so am lieben langen Tag daher geredet wird.

Um zu spüren, ob der Markt gesund ist oder angeschlagen, verwende ich dabei gerne meinen persönlichen "Junk"-Indikator. Das Wort "Junk" steht dabei für die deutschen Worte Abfall, Ausschuss, Plunder, Müll und wird typischerweise als "Junk-Bonds" im Zusammenhang mit Anleihen zweifelhafter Emittenten benutzt.

Solche Junk-Bonds sind hoch gefährdet und kippen in einer echten Kreditkrise typischerweise als Erstes um. Das weiss der Markt natürlich, weswegen der Kursverlauf von "Junk-Bonds" höchst sensibel auf Stress im Finanzsystem reagiert. Wenn sich also eine neue Kreditkrise zusammen braut, werden die Junk-Bonds diese mit als erster Indikator anzeigen.

Um mir die Junk-Bonds anzuschauen, benutze ich dafür gerne den US ETF "JNK" (-> SPDR Barcleys High Yield Bond ETF <-). Und auf dessen Chart mit Wochenkerzen, das bis 2008 zurück geht, schauen wir nun einmal gemeinsam:

Junk 09.12.13

Sie sehen die grossen Kreditkrisen, sie sehen auch, dass Ereignisse wie Fukujima keine Auswirkungen hatten. Das ist auch logisch, Fukujima hat zwar die japanische Wirtschaft und damit auch weltweit Aktien betroffen, die Stabilität der Anleihen stand dadurch aber nie in Frage. Der "Junk-Indikator" hat also zum Beispiel zum Thema Fukujima angezeigt, dass es sich um eine temporäre Wachstumsdelle, nicht aber um einen fundamentalen Grund zur Sorge für die Kreditmärkte handelt.

Umgedreht sehen Sie, wie sorgenvoll der Markt auf die überraschenden Tapering Gedanken von Bernanke im Juni diesen Jahres reagiert hat. Ich habe das ja damals hier ausführlich thematisiert. Einige haben zu dem Zeitpunkt ja geschrieben, der Markt hätte da was missverstanden. Was nach meiner Ansicht völlig falsch und noch dazu von unangemessenem Selbstbewusstsein geprägt ist, denn darin steckt ja die Behauptung, dass man selber mehr als der Markt verstanden hätte. Und das ist in der Regel eine grosse Illusion. Nein, der Markt in Form all der institutionellen Anleger, hat damals sehr genau verstanden und die Implikationen schnell begriffen. Und genau deshalb hat Bernanke ja dann auch im Juli die völlige Kehrtwende vollzogen, der FED ist es wohl kalt den Rücken runter gelaufen, als sie die Reaktion der Kreditmärkte sah. Der "Junk-Indikator" hat also im Juni laut "Gefahr" gerufen und die FED ist sofort über das Stöckchen gesprungen.

Und was sagt der "Junk-Indikator" jetzt ? Völlige Sorgenfreiheit. Stress im Kreditsystem scheint derzeit nicht vorhanden zu sein. Und deswegen sind Sorgen vor dem grossen Einbruch gleich morgen oder übermorgen auch eher unbegründet.

Bitte bedenken Sie, dass der Indikator aber nur anzeigt, wie viel Stress im Kreditsystem derzeit vom Markt wahrgenommen wird. Es bedeutet nicht, dass der Markt die mittelfristige Lage richtig einschätzt. Es ist also sehr wohl theoretisch möglich, dass der Markt sich schon morgen, plötzlich und unerwartet, wichtiger Risiken bewusst wird und der JNK sich schnell nach unten bewegt.

Dieser Indikator zeigt also den subjektiv empfundenen Stress im Finanzsystem. Er zeigt nicht, ob das Finanzsystem objektiv gesund ist ! Diesen Unterschied darf man nicht übersehen. Trotzdem ist der subjektiv empfundene Stress für uns der entscheidende Faktor. Denn der macht die Kurse in der Gegenwart, im "Hier und Jetzt". Die Zukunft kommt von ganz alleine. Und wenn Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems auftauchen, wird der "Junk-Indikator" schnell "Alarm" schreien, davon können Sie ausgehen. 😉

Ihr Hari

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