Salzgitter und die ineffiziente Preisfindung des Marktes

Der folgenden Beitrag erschien schon Montag 17.11.14 15:05 in Hari Live

Dass der Markt lange nicht so effizient ist, wie sich einige einbilden, sondern dass er vielmehr immer wieder voller erstaunlicher Ineffizienzen und Übertreibungen ist, kann man wie im Brennglas mal wieder bei Salzgitter bewundern.

Sie wissen schon, Salzgitter der Stahlkonzern, über dessen Management ich vor gut einem Jahr den Stab gebrochen habe und dessen Kurs sich seitdem auch katastrophal entwickelt hat - auch im Vergleich zu anderen Unternehmen des Sektors.

Salzgitter 17.11.14

Nun schauen Sie mal im Chart, wie der Kurs ab September nur eine Richtung abwärts bis fast 20€ kannte, obwohl es eigentlich keine grossen neuen Nachrichten gab, die das rechtfertigten - die Lage war einfach stabil "bescheiden" und alle Fakten waren bekannt.

Und dann meldet Salzgitter einen Minigewinn nach einem Sparprogramm, das ebenso wie der Mini-Gewinn eigentlich keine grosse Überraschung ist. Und der Kurs braucht einen ganzen Tag um das zu verarbeiten. Und dann fängt er an zu steigen und hört nicht mehr auf zu steigen, genau wie er vorher nicht mehr aufhörte zu fallen.

Die Firma Salzgitter im September ist aber exakt die gleiche wie im Oktober und wie nun auch im November. Und auch die Erwartungen an die Zukunft haben keinen Anlass, sich in den drei Monaten gross zu unterscheiden. Und das Sparprogramm wurde schon lange vorher beschlossen und ist keine Überraschung.

Ist diese Bewegung dann "effizient" und der Lage angemessen? Ich habe meine Zweifel. Und das Problem ist weniger der aktuelle Anstieg als die Frage, ob der Rückgang ab September nicht völlig übertrieben und nur dem Herdentrieb geschuldet war.

Übrigens hat das Chart noch eine Botschaft. Es zeigt wie eine komplexe Bodenbildung aussieht - mit jeder Menge sinnlosem Hin und Her. Wer nun also bei Asset-Klassen wie Gold auf Reversals wettet, sollte sich solche Strukturen vor Augen führen, das könnte durchaus das Schicksal bis zum Jahresende sein.

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Der Stahlhändler Klöckner und die Macht der Wendeformation

Eine Aktie, die uns in der Community diesen Sommer ganz besonders viel Freude gemacht hat, ist der Stahlhändler Klöckner (KC0100).

Besonders viel Freude deshalb, weil seit Monaten alle Bewegungen hervorragend durch Markttechnik zu antizipieren waren und wir sehr frühzeitig eine inverse Schulter-Kopf-Formation (iSKS) erkannt haben, die uns dann erhebliche und schnelle Gewinne brachte.

Schon im Juni haben wir zu Recht vermutet, dass das Hoch vom Mai dazu diente, um dem Investor Knauf den Ausstieg zu guten Kursen zu ermöglichen. Mit dieser Vermutung war dann aber auch logisch verbunden, dass sobald die strategischen Verkäufe auslaufen würden, Klöckner eine ausgezeichnete Kaufgelegenheit generieren würde.

Das galt ganz besonders, weil in den US die Stahlbranche zunehmend brummt, was man in den Charts von US Steel oder AK Steel leicht nachvollziehen kann. Und Klöckner macht durch diverse Übernahmen mittlerweile 40-50% seines Umsatzes auf der anderen Seite des Atlantik. Klöckner ist also zur Hälfte ein amerikanischer Stahlhändler und kein rein deutscher oder rein europäischer - ein Umstand, der im Markt scheinbar erst langsam bei der Bewertung zum Tragen kommt.

Deshalb ist Klöckner auch grosser Profiteur der Dollar-Stärke, die ab Juli einsetzte und Klöckner mit rein in Europa fokussierten Stahlkonzernen wie Salzgitter in einen Topf zu werfen, ist deshalb schlicht verfehlt.

Aber all diese fundamentalen Argumente brauchten wir gar nicht, den das Chart hatte die nötigen Informationen in Perfektion für uns:

Klöckner 18.09.14

Da war zunächst die inverse Schulter-Kopf-Formation (iSKS), die dann an einer deutlichen Nackenlinie nach einigen Retests triggerte. Übrigens kann man zu Klöckner auch eine alternative Nackenlinie im Bereich des 38er Fibonacci-Retracements zeichnen - was ich hier nicht getan habe, um das Chart nicht zu unübersichtlich werden zu lassen.

Zu einer iSKS kann man ein Bewegungsziel errechnen, dass dann eine sehr gute Wahrscheinlichkeit hat, erreicht zu werden und das wurde auch kurz danach bei ca. 11,5€ erreicht, einer Marke die gleichzeitig nahezu das 61,8er Fibonacci Retracement darstellt. Das Bewegungsziel für die oben genannte alternative Nackenlinie liegt sogar bei über 12€.

Bewegt sich eine Aktie nach einem Einbruch schnell über das 50er Fibo-Retracement zurück, erhöht das deutlich die Wahrscheinlichkeiten, dass der Einbruch komplett wett gemacht wird.

So passte es perfekt ins Bild, dass Klöckner nach dem Erreichen des Bewegungsziels eine klare Bullenflagge ausbildete, die nun auch getriggert wurde und damit den Boden für eine Rückkehr zu den alten Hochs bereitet.

Wer nun also aggressiv in der Aktie Long ist, setzt seinen Stop unter das Tief der Bullenflagge, sichert so den überwiegenden Teil der Gewinne und geniesst ansonsten die weitere Bewegung.

Im grossen Bild macht Klöckner fundamental wie charttechnisch weiter einen guten Eindruck und man kann nun einfach dabei bleiben, nach unten abgesichert wie beschrieben.

Klöckner ist auf jeden Fall wieder ein Musterbeispiel dafür, wie alle relevanten Informationen im Chart enthalten waren, man brauchte nur die Disziplin, diese Signale auch für Handlungen zu nutzen. Manchmal ist Börse wirklich so einfach.

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