Verrückte Börsenweihnacht



Guten Morgen!

Wie versprochen ein Lebenszeichen vor dem Jahreswechsel. Statt eines geschlossenen, konsistenten Artikels, reihe ich heute einfach ein paar Beobachtungen und Gedanken aneinander.

Erstens

Das Geschehen um Weihnachten am 24. und 26. war das verrückteste Börsenweihnachten, das ich je erlebt habe, seit ich 1987 in den Markt gekommen bin.

Dass es zu diesen Extremen kommt, hat ganz wesentlich mit dem Aufstieg der passiven Investmentvehikel (wie ETFs) und dem algorithmischen Handel zu tun. Hier ist das auch gut dargestellt: -> Behind the market swoon: The herdlike behaviour of computerized trading <-.

Dabei muss man sich das mit den "Algos" nicht als etwas Geheimnisvolles vorstellen, die heutigen Algos setzen einfach bekannte und bewährte Strategien automatisiert um. Und es gibt viele Strategien und daher auch viele unterschiedliche Algos.

Das heisst, es passiert im Markt nicht wirklich Neues, aber das was passiert, findet härter, konsequenter und gnadenloser statt, als es Menschen mit ihren Zweifeln und Stimmungen je könnten.

Wenn also ein Trend mal etabliert ist, wird er solange geritten, bis er tot umfällt. Wir haben das 2017 nach oben erlebt und haben es in den letzten Wochen nach unten erlebt.

Verstärkt wird das durch das passive Investieren, wodurch die Anleger keine Meinung mehr zu Einzelaktien haben und die Flut bzw Ebbe dann uniform alles senkt oder hebt. So entstehen dann Tage wie gestern, die historisch einmal sind, obwohl es in der Geschichte viel stärkere Rallies gab. Aber so uniform, so gleichmässig, war eben keine und das ist eindeutig Folge des passiven Investierens:

Zweitens

Man könnte sich ja jetzt fragen, ob dann Stockpicking noch Sinn macht.

Ich glaube, dass diese Entwicklung den langfristigen Stockpickern sogar zum Vorteil gereicht. Denn abseits der großen Flutwellen, findet ja nach wie vor eine individuelle Bewertung im Markt statt. Wir haben immer wieder Tage mit einem Flickenteppich an Plus und Minus, das sind die Tage die nicht von den großen Bewegungen der passiven Vehikel dominiert werden.

Diese breiten Flutwellen, machen den Markt ja nicht effizienter, im Gegenteil. Wenn man so will, zerstört das passive Investieren die eigene Grundlage, weil die "Price Discovery" des Marktes gestört wird.

Das bedeutet, in starken Phasen wie 2017 werden auch Aktien mit nach oben gespült, die da eigentlich gar nicht hingehören. Und in Ausverkaufsphasen wie zuletzt, werden Aktien in den Boden getrampelt, die das eigentlich nicht verdient haben.

In Summe wird der Markt ineffizienter, was besondere Chancen für mittel- und langfristige Stockpicker generiert.

Drittens

Machen wir uns nichts vor. In der weiten Mehrzahl der Fälle, bedeutet so eine brutale Monatskerze wie diesen Dezember nicht den Tiefpunkt, sondern weiteren Schmerz voraus.

Aber es gibt Ausnahmen, die letzte Ausnahme war 1998 der LTCM Crash:

Wir müssen also gedanklich für alle Alternativen offenbleiben, sollten uns aber primär an der Wahrscheinlichkeit ausrichten und die sagt, dass noch etwas nachkommt, selbst wenn es nicht der Beginn eines großen Bärenmarktes ist.

Viertens

Vergessen Sie alles, was ich zum schwachen Jahresanfang gesagt habe. Diese ganzen Aussagen beruhten auf den Analogien zu 2007/2008 und 2015/2016. In diesen beiden Fällen wurde der Markt aber im alten Jahr noch zusammengehalten, bevor sich dann im neuen Jahr die Schleusen öffneten.

Diese Voraussetzung wurde nun *nicht* geschaffen, stattdessen haben wir bis zum 24.12. einen brutalen Ausverkauf gesehen, der nun durchaus für eine mehrwöchige Beruhigungsphase gut sein könnte.

Wir sind mit diesem Dezember in historisch einmaligen Gewässern, insofern gibt es auch keine Schablonen, aus denen wir logisches Marktverhalten ableiten können. Das müssen wir einfach so akzeptieren.

Fünftens

Das Beste war dem Markt nun passieren kann und dem Jahr 1998 nahekommen würde, wäre ein klassisches 5-teiliges Korrekturverhalten.

Demnach hat gerade die Gegenbewegung 4 begonnen, die dann von dem finalen Tief 5 abgelöst wird:

Sechtens

Man kann problemlos diverse Horrorcharts malen, die derzeit auch fröhlich herumgereicht werden. Wir sollten uns aber klarmachen, dass diese Charts auch vor 1, vor 3 und vor 5 Jahren so herumgereicht wurden und jedes Mal gruselig aussehen, weil sie extra dafür hergestellt werden.

Die Hauptmotivation sind dabei Klicks und die Befriedigung des Confirmation Bias derer, die sowieso davon ausgehen, dass die Welt untergehen wird.

Uns bringt das nichts und wir sollten davon Abstand halten, gerade in so Phasen, wo diese "Fear Monger" leichtes Spiel haben und eine emotionale Seite in uns angesprochen wird, weil wir im Lichte sichtbarer Verluste unsicher werden.

Wenn wir uns rational im S&P500 anschauen, was realistisch ein langfristiges Worst-Case Szenario sein könnte, entstehen zwei wichtige Unterstützungszonen:

Die obere Zone ist das Ausbruchsniveau nach Trump bei ca. 2.130. Wenn Trump alles falsch macht und das Handelsthema mit China weiter eskaliert, ist das für 2019 als Worst Case realistisch. Das würde auch noch zur obigen 5-stufigen Korrekturstruktur passen.

Die untere Zone ist der theoretische Worst-Case, wenn sich aus diesen Anfängen eine grundlegende Krise entwickelt. Das wäre bei etwas unter 1.600 der Retest der Hochs von 2000 und 2007 von oben und würde einer Korrektur von fast 50% entsprechen.

Ausschließen kann man das nicht, deswegen heute aber zu hyperventilieren ist einfach Unsinn und dient nur den Weltuntergangs-Propheten. So eine Bewegung gibt es auch nicht einfach so, dafür muss schon ein systemisches Problem sichtbar werden.

Und genau von diesem systemischen Problem, ist derzeit weit und breit nichts zu sehen. Die Behauptungen der Weltuntergangs-Propheten, dass das überdehnte Kredit-Fiat-Money-System nun einstürzen muss, sind nun genau so Alarmismus wie schon in den letzten Jahren. Irgendwann wird es passieren, aber nicht notwendigerweise 2019. Und wenn es passiert, ist man wie schon mehrfach beschrieben nirgendwo sicher, auch nicht in Cash und nicht mal in Gold.

Auch wenn es uns nicht gefällt, das aktuelle System dürfte noch einige Schüsse in seiner Kanone haben, bevor es endgültig "out of options" ist. Wer auf Basis solcher theoretischer Risiken anlagetechnisch im Hier und Jetzt handelt, dem ist nicht zu helfen und der sollte besser Abstand von den Märkten suchen und sich einen Bunker zulegen und Vorräte horten. 😉

Siebtens

Die gestrige starke Rally bedeutet noch nichts, das war einfach ein schnappendes Gummiband und überfällig. Und weil das Gummiband so gedehnt war, ist es auch besonders stark geschnappt.

Heute sehen wir erst einmal Gewinnmitnahmen und einige nutzen das, um zu besseren Kursen noch aus dem Markt zu kommen. Das ist normal, wichtig ist, was danach passiert.

Entweder bröselt der Snapper nun wieder voll weg, dann ist das klar bärisch und tiefere Kurse liegen dann unmittelbar vor uns. Solche eintägigen Snapper gibt es in Bärenmärkten und es gibt keinen sicheren Weg das vorher zu wissen, man weiss es erst hinterher.

Oder es kommt alternativ nach einer Konsolidierung heute oder morgen ein "Follow Through". Ich halte das nun für wahrscheinlicher.

Wenn das passiert, wird es die "fear of missing out" (FOMO) richtig in Gang setzen und einen deutlichen Rebound im Sinne (4) befeuern.

Da hier wieder die Regeln der ETFs und Algos gelten, macht es dann Sinn davon auszugehen, dass dieser Rebound auch länger und höher läuft, als man sich das jetzt vorstellen kann, der Hebel wird eben wieder umgelegt.

Der Rebound könnte dann selbst bis 2.700 im SPX hochziehen, um große Unsicherheit zu verbreiten, ob man jetzt nicht doch besser wieder in den Markt geht. Und dann kommt die Abwärtsphase (5) eben doch noch und daher besonders schmerzhaft.

Also, wichtig wird nun das "Follow Through", ohne dass der Snapper von gestern vorher wieder voll abgegeben wird. Falls das so kommt, könnte es bis Mitte Januar positiv weitergehen.

So ...

Überwerten wir den gestrigen Tag also nicht, der war nur der notwendige Ausgleich einer vorherigen Übertreibung nach unten. Die Fragen sind alle dieselben und selbst wenn sich jetzt ein ausgedehnter Rebound in Gang setzt, kann das alles immer noch im Rahmen eines Bärenmarktes stattfinden, der erst im Verlauf von 2019 seinen Boden findet.

Nun wünsche ich Ihnen einen guten Rutsch in das neue Jahr 2019. Ich melde mich im Zeitraum 02.-04.01.19 hier noch einmal mit einem Lebenszeichen.

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 14.03.12 – Industrie oder Rohstoffe – wer liegt hier falsch ?

21 Uhr - Handelsschluss

Wie gestern nach der starken Bewegung der Wallstreet im späten Handel zu erwarten, hat der DAX heute noch eine Schippe drauf gelegt und ganz kurz sogar die 7100 touchiert. Dann reichte die Kraft nicht mehr und der DAX verharrte im oberen Bereich der alten Widerstandszone von 7000-7100, die von den diversen Tiefs und Wendepunkten des letzten Jahres herrührt. Ich wäre auch sehr überrascht gewesen, wenn wir durch diese Zone einfach so durchgelaufen wären, schon die Bewegung bis 7100 war Ausdruck grosser Stärke des Marktes.

Damit bestehen nun aber durchaus Chancen, das wir noch ein paar Tage in dieser Zone bleiben und auch die DAX 7000 noch einmal von oben testen. Sicher ist das in Anbetracht dieses Bullenmarktes aber definitiv nicht, insofern würde ich nicht allzu viel auf diese Möglichkeit wetten. Dennn der Bulle ist so unglaublich stark, dass es auch schon Morgen weiter nach oben gehen könnte.

Unabhängig von den kurzfristigen Erwägungen zum morgigen Tag, hat aber die heutige Stärke den gestrigen Ausbruch deutlich bestätigt. Die Bullen haben scheinbar die volle Kontrolle und viel spricht dafür, dass wir bis Ende März noch deutlich nach oben laufen, vielleicht sogar schon in die Nähe von DAX 7500 kommen.

Trotz allem ist nie alles perfekt und es gibt auch heute wieder Auffälligkeiten, die zumindest für ein sehr nervöses Kopfkratzen gut sind.

Denn es ist schon irritierend, wie stark die Marktentwicklung bei den Rohstoffaktien und den Industrieaktien divergiert.

Auch heute, während der DAX kurz die 7100 touchierte, waren fast alle Rohstoffaktien - auch die Industrierohstoffe - sehr schwach. Teilweise wurden die Aktien geradezu geschlachtet und fielen um 5 und mehr Prozent. Gleichzeitig stiegen heute aber die klassischen Autobauer, Maschinenbauer usw. um teilweise 3% und mehr. Wesentlicher Grund für die Schwäche der Rohstoffe, dürfte nach wie vor die Angst um die Nachfrage aus China und damit um die Weltkonjunktur sein. Aber auch unsere exportorientierte Wirtschaft mit ihren Auto- und Maschinenbauern ist ebenso massiv von dieser Nachfrage abhängig. Wie passt das zusammen ?

Man könnte also sagen, der normale Aktienmarkt rechnet nicht mehr mit einer Rezession, der Rohstoffmarkt aber sehr wohl. Einer dieser beiden Märkte muss also ziemlich falsch liegen, worin dann massive Chancen und Risiken für uns begründet sind. Ich kann die Frage natürlich auch nicht mit Sicherheit beantworten.

Ich habe aber eine leichte Tendenz und die schenkt den Industrieaktien mehr Vertrauen. Ich glaube einfach nicht an eine neue Rezession und auch nicht an einen Zusammenbruch in China. Und wenn das so ist, dann dürfte sich im Segment der Rohstoffaktien nun langsam eine Menge Nachholbedarf aufstauen. Leicht unterstützt wird diese Sicht, wenn man sich die Preisentwicklung eines klassischen Industrierohstoffes wie Kupfer direkt anschaut. Der Kupferpreis schwankt seit Mitte Januar in einem Seitwärtsband, von einem aktuellen, starken Abwärtstrend kann keine Rede sein. Bei Aluminium sieht es ähnlich aus.

Ein weiteres Erklärungsmodell könnte sein, dass bei den Rohstoffaktien generell nun die Inflations-Prämie aus den Kursen weicht, nachdem Ben Bernanke zuletzt die Hoffnung auf weiteren Stimulus zunichte gemacht hat. Sollte das der Fall sein, wären die derzeitigen Bewegungen wohl überzogen, denn die grossen Konzerne ala Rio Tinto (WKN 852147) oder BHP Billiton (WKN 908101) sind fundamental sauber bewertet, von einem "Inflations-Premium" kann ich in der Bewertung nichts erkennen.

Ich kann Ihnen also nicht sicher sagen, was diese Schwäche der Rohstoffaktien gerade auslöst, für mich sieht diese Schwäche aber etwas unlogischer und unberechtigter aus, als die DAX 7000, die in der Gewinnsituation der Unternehmen sauber begründet sind. Wirklich sicher bin ich mir aber bei dieser Einschätzung nicht, insofern sollten wir diese augenfällige Divergenz besser nicht aus den Augen verlieren, den dahinter könnten sich sehr unerfreuliche Wahrheiten verbergen !

Ganz besonders schlimm hat es heute die Edelmetalle getroffen, nachdem diese schon seit Tagen abbröseln, seit Ben Bernanke weiteren Gelddruck-Operationen erst einmal eine Absage erteilt hat. Eine kurze Gegenbewegung über 1700 USD bei Gold hat sich als Bullenfalle heraus gestellt und nun geht es richtig bergab. Selbst bei Schwergewichten wie Barrick (WKN 870450) war heute ein Minus von 5% auf dem Kurszettel.

Der prinzipielle Absturz des Edelmetall-Segments ist während einer solchen Hausse-Phase nicht verwunderlich, denn hier finden sicher Umschichtungen in den haussierenden Aktienmarkt statt. Der Ablauf der tagelangen Abwärtsbewegung mit einer Beschleunigung heute, erzeugt nun aber die Chance auf eine Gegenbewegung. Denn eine Beschleunigung eines Trends markiert nach meiner Erfahrung oft das nahende Ende einer Bewegung - denken Sie an das Gummiband. Aber wie immer ist keine Regel ohne Ausnahme, insofern sollte man auch hier erst wieder zugreifen, wenn sich tatsächlich erste Anzeichen einer Gegenbewegung zeigen.

Und noch etwas ist ebenso auffällig wie erfreulich: der Markt ist eindeutig wieder zu einem "Stockpicker" Markt geworden. Die Zeit in der alles mehr oder weniger parallel stieg oder abstürzte ist scheinbar vorbei. Das ist auch nicht so ganz überraschend, weil die Makro-Risiken und Themen wie zb die Euro-Krise nun etwas in den Hintergrund treten. So können sich die Börsianer wieder auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Unternehmen konzentrieren und so wird es wieder möglich, dass im gleichen Index eine Aktie heute +7% Plus produziert und andere im Minus liegen.

Ich begrüsse dieses Entwicklung sehr. Denn wenn es letztlich nur darum geht einzuschätzen was 27 Regierungschefs in Brüssel wieder auskochen, haben wir alle keinerlei Chance uns irgend einen Vorteil zu erarbeiten. Wir werden von den Nachrichten dann hin und her geworfen, wie alle anderen Marktteilnehmer auch. Die einzige Leistung die wir in solchen Phasen erbringen können, ist schnell zu reagieren und sich ohne zu zögern zu adaptieren. Wenn es jetzt aber an der Börse wieder auf die konkreten Geschäftsentwicklungen der einzelnen Unternehmen ankommt, dann zählt endlich wieder Wissen und Verständnis für die individuellen Geschäftsmodelle. Nur in einem solchen Markt haben wir als private Anleger wirklich eine Chance, uns durch Spezialisierung einen signifikanten Vorteil gegenüber den anderen Marktteilnehmern zu erarbeiten.

Aktie des Tages war heute natürlich die E.ON (WKN ENAG99) mit zeitweise 7% Plus. Was da heute passiert ist, ist ein Klassiker. Die Erwartungen vor den Zahlen waren so grottenschlecht und das Sentiment so negativ, dass trotz mieser Zahlen ein halbwegs optimistischer Ausblick des Managements ausreichte um dieses Feuerwerk heute zu zünden. Es war halt niemand mehr da, der noch verkaufen wollte. Ein Muster das ganz typisch für solche Wendepunkte ist.

Mit der Lufthansa (WKN 823312) und K+S (WKN KSAG88), die beide am morgigen Donnerstag Zahlen liefern, stehen zwei weitere stark verprügelte Aktien an, bei denen es einen ähnlichen Effekt geben könnte, falls der Ausblick des Managements positiv sein sollte. Die Lufthansa hat allerdings nach der gestrigen Stärke heute mit erneut über 3% Plus schon etwas vom negativen Sentiment abgebaut, insofern ist unklar wie stark der Effekt dort morgen noch sein kann.

Übrigens, zurück zu den Versorgern wie E.ON, rein vom Chart und von der Bewertung her, bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass die Aktie in diesem Jahr ihren Kurs normalisiert und die 22€ Zone wieder erreicht - was immer noch rund 20% Plus bezogen auf Heute wären. Mittel- und langfristig müssen E.ON und RWE aber ihr Geschäftsmodell umstellen. Und solange das neue Geschäftsmodell nicht steht und sich nicht als ebenso profitabel wie das alte erweist, ist eine gesunde Skepsis bei den Versorgern wohl angebracht.

Denn die Annahme "Strom braucht man immer" ist in meinen Augen etwas zu kurz gedacht. Natürlich braucht man Strom immer, aber nicht notwendigerweise Strom von einem zentralen Versorger in 500km Entfernung. Denn dezentrale Stromerzeugung, zum Beispiel in Privathaushalten, ist nicht mehr sehr weit vom Durchbruch entfernt und ich rechne damit, dass Stromerzeugung in den nächsten 10 Jahren immer dezentraler und vielfältiger wird. Die grossen zentralen Stromversorger werden damit von unverzichtbaren Monopolisten mehr und mehr zu reinen Netzdienstleistern, die für Lastverteilung, Lastausgleich und die Versorgung grosser Industriebetriebe im Spitzenlastbereich benötigt werden. Und ob es vor dem Hintergrund so glücklich war, sich teilweise von den vermeintlich "lästigen" Netzen zu trennen, ist noch nicht endgültig sicher.

Auf jeden Fall wage ich es stark zu bezweifeln, das eine E.ON in dieser weit dezentraleren und wettbewerbsintensiveren Energiewelt des Jahres 2020 immer noch die Monopol-Renditen des Jahres 2007 erzielen kann. Die Computer-Mainframe Hersteller der 60er und 70er Jahre hat letztlich auch nicht gerettet, dass sie in einem Wachstumsmarkt waren, als die dezentralen Personal Computer in den 80ern die Welt eroberten. Sehr viel wird also bei den grossen Versorgern davon abhängen, wie gut es dem Management gelingt, sein Geschäftsmodell der sich verändernden Welt anzupassen und da werde ich persönlich erst einmal abwarten.

Ich wünsche Ihnen einen schöne Abend !