Kurz zum Wochenende



Eine ereignisreiche Börsenwoche liegt hinter uns, die heute den erwarteten, neutralen Tag mit leicht positivem Unterton gebracht hat.

Der S&P500 hat nun sogar ganz knapp über 2.100 geschaut und bestätigt damit erneut grosse Stärke. Nach drei so massiv positiven Tagen doch noch ein wenig zu steigen, statt zu korrigieren, zeigt eindeutig, in welche Richtung hier der Druck existiert.

Auch die Wirtschaftsdaten in Form des heutigen -> Einkaufsmanagerindex <- weisen klar in diese Richtung.

Für kommende Woche muss man trotzdem mit einer Konsolidierung rechnen, darüber hinaus bin ich aber für S&P500 eher positiv gestimmt, vorbehaltlich der bekannten Überraschungspotentiale aus dem politischen Umfeld.

Auch im DAX haben wir eine erneute Bestätigung, der heute schon leicht konsolidiert hat. Mit starken US Märkten wird auch der sich etwas weiter hoch robben, Wunderdinge sollte man aber nach oben wohl nicht erwarten.

Und auch Gold und vor allem Silber ist wie erwartet: einfach stark. 🙂

Bei Silber kann man von einem Befreiungsschlag sprechen und im Chart sieht man wieder wunderbar, warum der Retest einer Wendeformation als Trade oft so ein idealer Zeitpunkt ist, um einzusteigen:

XAGUSD 01.07.16

Einen möglichen, weiteren Verlauf, habe ich eingezeichnet. Kommen wir noch kurz zu einzelnen Aktien:

Micron wird nach Zahlen zerlegt. So ist das halt, der Schweinezyklus scheint seinen Tiefpunkt noch nicht ganz erreicht zu haben, vom Investment-Standpunkt ist das aber etwas, was immer im Bereich des Möglichen war.

Aus der Sicht eines mittelfristigen Long-Trades, ist dieser für mich aber auch noch nicht negiert, solange die Struktur höherer Tiefs erhalten bleibt und die Nackenlinie nicht wirklich gebrochen wird.

Auch wenn sich das merkwürdig anhört, sind aktuell 9% Minus noch im Rahmen für so einen sehr volatilen Wert:

MU 01.07.16

Richtig in Bewegung, setzt sich heute Suncor (SU), die nun auf eine interessante Struktur zulaufen:

SU 01.07.16

Sie erinnern sich sicher auch an den Twitter (TWTR) Trade, den ich im Nachgang zur LinkedIn Übernahme durch Microsoft vor einer Woche thematisiert habe.

Der robbt sich weiter hoch und könnte durchaus zu einem attraktiven Thema werden:

TWTR 01.07.16

Das Hauptthema ist aber - und "Scapaflow" hat es im Forum schon thematisiert - dass ganz viele Bluechips der Kategorie "solide", die eigentlich schon "teuer" sind, immer weiter gnadenlos steigen.

Johnson & Johnson hatte ich schon erwähnt, man kann viele Beispiele nehmen, auch die hier mehrfach besprochene Procter & Gamble (PG) zeigt dieses Bild:

PG 01.07.16

Was ist dahinter?

Ich glaube das ist ganz einfach. Es ist die Verknüpfung grosser Sorge um Finanzsystem, Weltwirtschaft, Brexit, Währungen - you name it - mit der Nullzinspolitik der Notenbanken, die Anlegern die halbwegs sichere Rendite suchen, eigentlich kaum Alternativen als diese Aktien lässt.

Erinnern Sie sich mal daran, was ich in -> Was nun tun? <- empfohlen habe. Genau diese Art Aktien und andere sehen das auch so und deswegen laufen diese Aktien in diesem Umfeld so, wie sie halt laufen.

Und so sind diese Aktien eigentlich heute schon "sportlich" bewertet und können trotzdem unter diesem Liquiditätsdruck weiter kräftig steigen.

Wer den Mut und das Risikomanagement hat, jetzt noch mitzugehen, kann da im Moment recht "leichte" Gewinne machen. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass man einem hohen Bewertungsrisiko in einer plötzlichen Krise unterliegt, aber für welches Asset gilt das denn im Moment nicht?

Vielleicht nicht für Gold und Silber, aber davon abgesehen bleiben solche cashstarken Bluechips wohl die "Einäugigen unter den Blinden", denn das massive Risiko der von den Notenbanken hochg-gepimpten Asset-Märkte, hat man praktisch überall, nicht nur bei PG und Co.

Damit schliesse ich diese spannende Woche, die einerseits exakt wie erwartet am dritten Tag nach dem Brexit den Rebound gebracht hat, die mich aber andererseits in der Intensität und Härte des Rebounds überrascht hat.

Wie schon mehrfach gesagt, ich sehe dahinter keine Menschen mehr, deren Emotionen würden so eine pausenlose Rally gegen die massive Unsicherheit eigentlich eher nicht zulassen. Ich sehe hier die kalte Hand von auf Dip-Käufen programmierten Algos am Werk.

Wir dürfen nur nicht vergessen, dass diese Härte der Algos in beide Richtungen wirkt. Denn wenn wir mal wieder in einem Bärenmarkt sind, wird der Druck ebenso gnadenlos nach unten wirken.

Da sind wir aber noch nicht, jetzt freuen wir uns erst einmal auf den Juli mit der Quartalssaison und auf ein hoffentlich sonniges Wochenende.

Die Mitspieler beim Tippspiel vergessen bitte die Abstimmung nicht, die wie immer bis Sonntag Abend 18 Uhr offen ist:
-> Abstimmbereich Tippspiel <-

Machen Sie es gut!

Ihr Hari

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Der TransDAX



Wenigstens am S&P500 kann ich mich in dieser Schaukelphase noch halbwegs verlässlich orientieren und wenn ich auf das Chart und das Verhalten schaue, würde ich sagen, nach einer Phase der Gewinnmitnahmen, will der weiter hoch:

S&P500 11.05.16

Aber wir werden sehen, denn zuletzt war es immer so, dass sich die wahre Tendenz des Marktes erst in der zweiten Handelshälfte offenbarte.

Und was macht der DAX? Fragen Sie mich nicht, ich habe heute keine Ahnung. Der hängt weiter zwischen Baum und Borke und wenn ich Anhänger der "Genderitis" wäre, würde ich nun sagen, das ist nun der/die/das DAXin, oder vielleicht auch DAXine oder auch DAXx. Denn der DAX weiss heute wirklich nicht, ob er Männlein oder Weiblein ist.

Wobei, dabei kommt mir ein Gedanke, denn das dazwischen trifft es heute eigentlich recht gut. Einigen wir uns also darauf, der DAX ist heute ein TransDAX und sein Geschlecht im Fluss. 😉

Zu Öl haben wir zwei Faktoren, die in die entgegen gesetzte Richtung weisen.

Einerseits einen neuen Öl-Minister in Saudi-Arabien und Interpretationen über die Konsequenzen, die wie folgt aussehen: -> Saudis wollen den Ölmarkt fluten <-

Und dann haben wir das Chart, das eher nach einer Bullenflagge aussieht, denn der Markt weiss das, was die Redakteure der Süddeutschen ahnen, natürlich schon lange:

Öl 11.05.16

Sie ahnen, wem ich mehr vertraue. 😉 Und natürlich hat der Markt mit seinen Signalen nicht immer recht. Aber eben ein klein wenig mehr, als unrecht. Und genau auf dieses "klein wenig", kommt es an. 😉

Schaukelbörse

Zur Schaukelbörse, haben wir auch wieder Anschauungsmaterial. War der Solar Sektor gestern mit schlechten Zahlen von SolarCity voller Verluste, erzeugen die -> guten Zahlen von Canadian Solar (CSIQ) <- heute das genaue Gegenteil:

CSIQ 11.05.16

Ehrlich gesagt, wirkt das langsam surreal, so als ob der Markt jede Fähigkeit zur Differenzierung verloren hätte. Denn Canadian Solar - ich hatte das Unternehmen hier schon positiv erwähnt - ist eher ein solides Unternehmen im Sinne First Solar, auf jeden Fall nicht so finanziell gehebelt wie eine SolarCity.

Wie kann der Markt also unbesehen alles runter prügeln, wenn Solar City schlechte Zahlen liefert und alles hoch kaufen, wenn Canadian Solar gute Zahlen liefert? Eigentlich nur, wenn er jede Fähigkeit zur Differenzierung verloren hat. Und das ist natürlich die Folge der Sektoren-ETFs.

Denn der Markt hat natürlich keineswegs die Fähigkeit zur Differenzierung verloren. Wenn aber alle nur noch über ETFs handeln, sehen wir genau das nun zu beobachtende Verhalten. Der Markt weiss zwar, dass Canadian Solar keine Solar City und schon gar keine SunEdison ist, es spielt aber keine Rolle mehr, weil alles über die ETFs läuft.

Sie wissen, ich halte das für eine fatale Fehlentwicklung, die uns in einer Krisenphase noch böse auf die Füsse fallen wird. Denn die ETFs sorgen dann dafür, dass auch die klassischen Safe-Havens nicht mehr funktionieren werden und das verstärkt dann den Absturz, wenn er denn mal rollt.

Aber auch im Aerospace & Defense Sector sehen wir heute diese Schaukelbörse. Gestern alles deutlich hoch, heute alles (etwas weniger) runter. Ebbe und Flut. Ein Schritt vor, ein halber zurück. Das ist der aktuelle Markt.

Suncor steigt übrigens weiter, das gestern skizzierte Szenario, hat sich kurz danach in Bewegung gesetzt, weil die Meldungen kamen, dass das Feuer weiterzieht. Und aus 1% Plus zum Zeitpunkt meines Artikels, wurden am Ende 4% Plus und heute geht es weiter hoch:

SU 11.05.16

Eine grosse Enttäuschung war gestern Disney (DIS) mit seinen Zahlen. Hier hat die -> die Phantasie wohl die Realität etwas überholt <-, gerade durch den Kauf des Star Wars Imperiums von George Lucas, haben die Erwartungen in den letzten Jahren abgehoben.

Nun wird Disney wohl auch mal die dunkle Seite der Macht kennen lernen. Das Chart sieht anfällig für einen erneuten Test der 90 USD Zone aus:

DIS 11.05.16

Bei den Goldminen, haben wir gerade wieder ein hartes Reversal, das nicht gut aussieht. Aber auch so etwas wurde in den letzten Tagen am Folgetag gleich wieder negiert.

Wir haben hier jetzt aber niedrigere Hochs, aber auch immer noch höhere Tiefs. Ist das nun kurzfristig bullisch oder bärisch? Weder noch, es ist Hin- und Her, dessen Entscheidung noch aussteht. Die beiden Gorillas rangeln immer noch und wir als Mäuse, müssen vor allem sehen, nicht zertreten zu werden:

GDX 11.05.16

Machen Sie es daher doch einfach so wie ich. Denn ich kann diesen Markt nun auch nicht mehr sinnvoll auf Tagesbasis lesen.

Schenken Sie dem Markt über Basispositionen Ihr Vertrauen, denn das hat er verdient, weil es mittelfristig nach einem neuen Bullenmarkt riecht. Halten Sie aber darüber hinaus genügend Pulver trocken, das Sie erst zu tieferen Kursen einsetzen um zu erhöhen. Und wenn die tieferen Kurse nicht kommen? Dann ist das halt so, es gibt Schlimmeres.

So weit für heute, warten wir ab, ob der S&P500 sich in der zweiten Handelshälfte noch zu einer klaren Richtung aufraffen kann. Der DAX scheint dagegen ernsthaft über seine Geschlechtsorientierung nachzudenken und will wohl länger ein TransDAX bleiben. Aber auch das ist OK, wir sind schliesslich tolerant.

Ihr Hari

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Taktische Opportunitäten



Sie wissen, dass ich im grossen Bild eher ruhig und mit Cash abseits stehe. Aber auch ein geringeres Exposure zum Markt, kann immer noch geeignet sein, um sinnvolle taktische Opportunitäten zu spielen.

Gerade im S&P500, fehlen mir aber gerade die überzeugenden Chartformationen, die mich für Monate nach oben zugreifen lassen. James DePorre, hat das gestern -> sehr schön und lesenswert dargestellt <-.

Aber auch wenn es derzeit wenig überzeugende, mittelfristige Setups gibt, kurzfristige Opportunitäten, sind doch immer wieder vorhanden.

Der DAX ist zum Beispiel so eine, die gestern Früh zum Wochenstart indizierte Stärke, hat sich eindeutig in Bewegung gesetzt. Ein Hoch heute von 10.100 sagte klar: der DAX will nach oben!

DAX 10.05.16

Und trotzdem bleibt die Lage im DAX schwierig, schuld daran waren auch die US Märkte, deren Futures über Tag nicht in Bewegung kamen und wie ein Klotz am Bein des DAX verhindert haben, dass dieser in Richtung nach oben wirklich Land gewinnen kann.

Dass der S&P500 sich hier schwer tut, überrascht natürlich gar nicht, genau das war meine Erwartung. Auch hier bringt James DePorre die Lage heute wieder treffend auf den Punkt: -> Looks like the Buy-Programs are ready to work <-.

Zu sicher kann man sich schon alleine deshalb nicht sein, weil gestern Abend im SPY wieder ein vergleichweise grosses SoS Signal im Moneyflow war. Hier zerren starke Kräfte an beiden Richtungen und am Ende, kann nicht viel passieren, weil weder die Bullen noch die Bären die Überhand bekommen können.

Ich sehe aber im S&P500 weiter gute Chancen, dass wir noch marginal neue Hochs sehen, dann sollte man aber keine Wunderdinge mehr erwarten.

Für uns, habe ich daher nichts Neues zu vermelden. Freuen wir uns, nun eine Aufstellung zu haben, die uns gelassen dem Geschehen folgen lässt. Und nutzen wir diese emotionale Freiheit und "Leichtigkeit", um hier und da nette Opportunitäten mitzunehmen, mit denen wir uns aber nicht verheiraten und die wir nach ein paar Tagen oder maximal Wochen, auch wieder "locker und flockig" abstossen.

Es gibt schlimmere Situationen, als einen Börsensommer so gelassen und opportunistisch handeln zu können.

Eine taktische Opportunität, könnte auch Suncor (SU) werden. Warum, werden Sie fragen?

Nun zunächst einmal dürfte Suncor bekannt sein - es handelt sich um Ölsande in Kanada und damit ist die Aktie mehr oder weniger vom Ölpreis abhängig. Davon abgesehen, ist das Unternehmen aber auch eine "Buffett-Aktie", -> Berkshire Hathaway hält eine Beteiligung im Wert von einer guten Milliarde USD <-.

Die Opportunität entsteht nun durch die massiven -> Waldbrände in Kanada <-, denn die haben den sowieso korrekturanfälligen Kurs von Suncor, in den letzten Tagen besonders einbrechen lassen - eben weil Sorgen existieren, -> dass die Brände auf die Ölfelder übergreifen könnten. <-.

SU 10.05.16

Jetzt ist es mit so Katastrophen-Ängsten an der Börse aber wie mit politischen Börsen: sie haben eher kurze Beine. Sicher, wenn die Ölfelder tatsächlich betroffen sind, ist alles anders. Aber selbst dann, neigt der Markt dazu, bei so Nachrichten erst einmal zu übertreiben. Und wenn diese nicht betroffen sind, dann wird das Risiko auch schnell wieder ausgepreist.

Wer also sowieso in den Ölsektor wollte, findet in Suncor nun vielleicht eine taktische Opportunität.

Gold, verhält sich so, wie ich das gestern erwartet habe. Ein schwacher - oder sogar ganz ausfallender Rebound heute - indiziert zumindest einen weiteren Abwärtsschub. Auch das Chart weist für mich kurzfristig eher in diese Richtung, als nach oben:

XAUUSD 10.05.16

Auch daraus können kurzfristige Opportunitäten entstehen, denn einen GDX kann man auch Shorten bzw seine Long-Positionen in Minen, durch einen Short auf den GDX hedgen.

Charttechnisch hochinteressant, verhält sich der im ETF XLB zusammen gefasste "Materials"-Sektor. Schauen Sie, welchen Test der XLB gerade vollzieht:

XLB 10.05.16

Je nachdem, wie dieser Test ausgeht, bieten sich hier interessante Chancen in beide Richtungen.

Ein ähnliches Szenario in beide Richtungen, bietet derzeit Apple:

AAPL 10.05.16

Der potentielle Rebound weg von der Unterstützung war wenig überzeugend, den Trade musste man daher Null-auf-Null wieder auflösen. Diese Schwäche, selbst im Angesicht massiver Unterstützung nicht nach oben in Bewegung zu kommen, erhöht nun die Risiken nach unten.

Denn wenn Apple diese wichtige Unterstützung verlieren sollte, sind wir im Kurs wohl ganz schnell 10 Punkte tiefer.

Ein absolutes Desaster, ist weiter der Solar ETF TAN, aber auch andere ETFs des Sektors. Ich habe von diesen Sektor-ETFs wie Sie wissen, seit letztem Jahr völlig Abstand genommen und das ist auch gut so.

Wurden diese Sektor-ETFs erst durch die Betrugsvorwürfe an Hanergy geschlachtet, kam dann SunEdison (SUNE) mit seiner Insolvenz und nun zerlegt es endgültig wohl Solar City (SCTY), die heute um 25% abrauchen, nachdem die Zahlen mies und die Guidance enttäuschend war:

SCTY 10.05.16

Und immer ist man im ETF mitgefangen, mitgehangen und auch alle Aktien im ETF, werden über die Verkäufe der ETFs mit nach unten geprügelt.

Da lobe ich mir meine First Solar Position. Die leidet zwar auch, da weiss ich aber, was ich habe. Ein stocksolides Unternehmen und Marktführer, das derzeit zu 0.9 Buchwert zu haben ist und unter dem "Financial Engineering" der oben genannten Unternehmen mit leidet, obwohl FSLR höchst solide bilanziert und das völlige Gegenmodell zu diesen "kreativen Buden" ist. Hier bin ich bereit, im Sinne Investment einfach Geduld zu haben. Wenn Solar, dann FSLR!

Sehr stark ist dagegen der Aerospace & Defense Sektor, was man am ETF ITA leicht sehen kann:

ITA 10.05.16

Sie wissen, dass ich das Upside hier auch für begrenzt halte, weil sehr viel Erwartung schon in den Kursen ist. Aber nach unten, muss man sich auch wenig Sorgen machen, weswegen der Sektor eine klassische Halteposition im Investment-Sinne ist. Und Kursrückschläge, dürften hier Kaufgelegenheiten sein, denn die Zukunftsaussichten, werden ausgezeichnet bleiben. Und wenn sie nicht ausgezeichnet bleiben, weil die Welt plötzlich ein friedlicher Ort wird, nehme ich für diesen grossen Mehrwert, gerne Verluste in Kauf.

So weit für heute, bleiben wir also gelassen und opportunistisch. Nutzen wir Chancen, in beide Richtung, ohne uns dem Markt zu stark zu exponieren. Das erscheint mir die Einstellung, die gerade von uns gefordert wird.

Ihr Hari

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Mean Reversion Sektoren



Wenn Ihnen der DAX heute Mittag auch merkwürdig blutleer vorgekommen ist - noch blutleerer, als er um die Zeit sowieso ist - dann haben Sie das richtig bemerkt und es gab einen Grund dafür, den es nicht alle Tage gibt: -> Eurex setzt Handel aus <-.

Und natürlich hat ein Stillstand an der Eurex auch Auswirkungen auf den DAX selber, dessen deutliche Aufwärtsbewegung damit wohl etwas gebremst wurde.

Trotzdem hat der initiale Schub gereicht, um den DAX nahe an 9.600 heran zu bringen und die Signale des Marktes auf eine Fortsetzung des Rebounds einzustellen. Ob das nun die ganze Woche so weiter geht oder die berühmte Wende in der Mitte der Woche nun vor uns liegt, ist derzeit nicht seriös zu beantworten.

Stockbee zeigt uns, -> dass sich die Marktbreite verbessert <- und auch das deutet in die Richtung einer Fortsetzung des Rebounds, die ich ja heute früh auch tendentiell eingenommmen habe. Trotzdem müssen wir jetzt die "Mitt-Wochen-Hürde" erst einmal unbeschadet überstehen, die Chancen dafür erscheinen aber nicht schlecht.

Der S&P500 hat die Nackenlinie des potentiellen Doppelbodens nun auch fast erreicht, wir werden es also wohl bald wissen:

S&P500 22.02.16

Dass wir nun an einer wichtigen Stelle sind, an der entweder bald wieder die Bären das Zepter übernehmen, oder der Markt zu einer mehrwöchigen Erholung ansetzt, können wir auch am "VIX", dem Volatilitätsindex des S&P500 sehen:

VIX 22.02.16

Wir sehen den Anstieg zum Jahresanfang und den zweiten Peak Anfang Februar und das ist natürlich das inverse Bild des potentiellen Doppelbodens im S&P500. Ob der VIX von hier signifikant weiter fallen kann, wird also durchaus indikativ sein.

In dem Zusammenhang erinnere ich an unseren spannenden Thread -> Der Free Lunch und die Frage des Jahres <-

Als das konkrete Beispiel kam, den VIX via Vehikeln wie dem UVXY zu shorten, wurde es plötzlich still. Shorten nun alle still und heimlich - profitabel wäre es die letzten Tage gewesen - oder warum das plötzliche Schweigen? 😉

Qualcomm

Vielleicht erinnern Sie sich, dass der Chip-Gigant Qualcomm ja Teil des -> Mean Reversion Depots <- ist.

Nun, nachdem klar ist, dass -> LG und Samsung den Snapdragon in ihren neuen Smartphone Flagschiffen einsetzen <-, hat die Aktie eine erneute, schöne Chance, eine Wende hinzulegen:

QCOM 22.02.16

Man kann im Chart übrigens sehr schön sehen, dass der Markt das scheinbar schon seit einer Woche ahnt oder weiss. Vor Mr-Market bleibt eben nur geheim, was extrem gut gehütet wird oder zufällig mal ausserhalb seiner Aufmerksamkeit liegt.

Goldminen

Die Goldminen zeigen eine erstaunliche Resilienz gegen den fallenden Goldpreis, auch heute wieder wird die Schwäche zum Handelsstart sofort wieder gekauft und das ist nicht das erste Mal in den letzten Tagen:

GDX 22.02.16

In Summe kann in so einer Konsolidierung nach oben natürlich nicht viel gehen, aber relative Stärke ist das Verhalten auf jeden Fall und insofern weiteres Indiz, dass wir hier wohl einen echten Wendepunkt erlebt habt.

Metals & Mining Sektor

Beeindruckende Stärke, zeigt heute wieder der Metals & Mining Sektor. Der ETF XME steht nun kurz davon, die Nackenlinie zu triggern, Kursziel wäre dann 20 USD:

XME 22.02.16

Hier geht ganz eindeutig eine Menge und wer attraktive Reversal-Setups sucht, kann hier im Sektor fündig werden.

Energie Sektor

Gleiches gilt auch für den Energie-Sektor, schauen wir nur beispielhaft auf die schon besprochenen Suncor Energy (SU) und Kinder Morgan (KMI), sehen wir attraktive, sich aufbauende Strukturen:

KMI 22.02.16

SU 22.02.16

3D Systems

Im Forum wurde es schon erwähnt, auch der 3D Druck Sektor zeigt Lebenszeichen und 3D Systems eine interessante Reversal-Spekulation:

DDD 22.02.16

Summa Summarum ist klar zu sehen, dass der Markt fast alles hoch kauft, was in 2015 abverkauft wurde. Es hat ganz eindeutig ein Favoriten-Wechsel stattgefunden und viele, viele Reversals dieser Art sind nun im Gang.

Es ist natürlich nach wie vor offen, ob das zu grundlegender "Mean Reversion" führt, oder hier nur ein wenig von der Überdehnung nach unten abgebaut wird. Klar und eindeutig ist aber:

Wer in diesem Rebound mit begrenztem Risiko richtig Geld verdienen will, kann das aktuell weniger mit den alten Favoriten, dafür aber um so eindrucksvoller mit obigen Sektoren, die sich in der Mean Reversion befinden.

Nur einen Stop muss man einfach mitführen, denn Bärenmarktrallies tendieren dazu, brutal zusammen zu brechen und noch wissen wir eben nicht, ob diese Sektoren eine Bärenmarktrally oder eine echte Trendwende generieren.

So weit für heute, machen Sie es gut bis Morgen!

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 27.09.15 – 03.10.15

Premium gross

Hari Live - Archiv 27.09.15 - 03.10.15

Freitag 02.10.15 21:30 - Krokus im Schnee

Nun kommt doch noch ein längerer Artikel am späten Freitag Abend. Weil es kann nun sein, dass das heute ein wichtiger Tag war, das "Geschmäckle" eines Wendepunktes liegt nun in der Luft.

Erinnern wir uns, heute früh um 08:50 Uhr habe ich das gestrige Reversal im S&P500 wohlwollend wie folgt kommentiert:

Wenn wir das auf den gestrigen Tag anwenden, können wir erfreulicherweise eine leichte Verbesserung der Marktlage feststellen! Der S&P500 hätte gestern wegkippen können und er hat mitten im gestrigen Handel dazu auch Anstalten gemacht. Hat er dann aber nicht und hat auf Tageshöchstständen geschlossen!

Das ist ein kleines, aber positives Indiz, dass da Kaufinteresse ist und sich der Druck nach unten abbaut. Für sich alleine noch nicht sehr bedeutend, aber die Summe der Wellen und Täler macht es dann und wenn sich das wiederholt, dass Rückgänge wieder gekauft werden, würde sich eine Wende zum Besseren (zur Flut) damit andeuten.

Und heute hatten wir nach den schlechten US Arbeitsmarktdaten dann noch ein weit beeindruckenderes Reversal, das wir Live und in Perfektion verfolgen konnten und erkannt haben. Schauen Sie auf das Chart des S&P500 und die beiden Reversals:

S&P500 02.10.15 3

Unter der Annahme, dass sich da in der letzten halben Stunde des Handels nichts Negatives mehr am Bild ändert, ist Ihnen nun hoffentlich klar, was das bedeutet, wenn ein angeschlagener Markt bei sehr schlechten Nachrichten, diese völlig abschüttelt und mit Macht ins Plus dreht: Das ist sehr, sehr positiv!

Und weil damit das gestrige Reversal bestätigt wurde, ist es doppelt positiv! Es dringen sozusagen die ersten Krokusse durch den Schnee der Angst und diese Änderung des Tons des Marktes, sollten wir nicht übersehen.

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Hari Live – Archiv 28.04.13 – 04.05.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 28.04.13 - 04.05.13

Freitag - 03.05.13 19:55 - Wochenende

So, ich verabschiede mich ins Wochenende. Es sieht nicht mehr so aus, als ob noch viel passiert. Leichte Gewinnmitnahmen und das war es dann wohl.

Dieser Schub heute war schön, weil er sich gestern schon andeutete. Das war sozusagen mit Ansage und ich habe es ja im Artikel auch explizit thematisiert. Eine aggressive Long Wette auf die Arbeitsmarktdaten bei gleichzeitig engem Stop unter den Tagestiefs, hatte heute ein schönes CRV und hat ja auch toll geklappt.

Anfang kommender Woche werden die neuen Höchststände wahrscheinlich noch Geld von der Seitenlinie anziehen. Danach geht das alte Spiel aber wieder los, nur noch verschärfter. Und das lautet: Eigentlich ist der Markt zu gedehnt, um den noch zu kaufen ... aber ....

Das "aber" der Notenbanken haben wir ja nun x-mal besprochen. Insofern geht es mir mit meiner Strategie mich auf kurzfristige Mitnahmen zu konzentrieren gut. Heute schön und schnell mitgenommen und schnell wieder auf Defensive und Vorsicht wechseln.

Ach, was wünsche ich mir mal wieder einen echten, gesunden Markt. Einen Markt, der im Wind der Makrodaten hin- und her schwingt und von Sentiment getrieben wird. Aber träumen nützt nichts, wir müssen aus der Realität das Beste machen. Mehr haben wir nicht.

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E.ON, Tesla, Suncor, Vivendi und 3D Systems – Gedanken zu einzelnen Aktien – 02.04.13

Zum Beginn des 2. Quartals und am Vormittag des ersten Handelstages, möchte ich ein paar kurze Gedanken zu ausgewählten Einzelaktien mit Ihnen teilen. Vielleicht bringt Sie das ja auf Ideen. Keine grossen Analysen und keine Charts, nur kurze Hinweis:

(1) E.ON (WKN: ENAG99)

Ich habe zuletzt -> hier <- und -> hier <- ausführlich zur Aktie geschrieben. Man kann über das Unternehmen und die fundamentalen Entwicklungen denken was man will. Der Tageschart beginnt aber für mich nun gut auszusehen. Wir arbeiten an einer Cup&Handle Formation, die 50-Tage-Linie wird bald nach oben drehen und die Bullen scheinen nun vom Momentum her die Oberhand zu gewinnen. Das könnte eine schöne Wende werden und ist allemal einen Blick wert.

(2) Tesla Motors (WKN: A1CX3T, TSLA)

Mit der gestrigen Meldung, dass demnächst der erste Quartalsgewinn folgt, verlässt Tesla die Phase, in der die Existenz des Unternehmens in Frage stand. Der Markt honorierte das gestern mit 16% Plus und weitere spannende Neuigkeiten sollen in Kürze folgen. Heute wird ein Teil der Gewinne typischerweise wieder abgegeben, trotzdem spricht viel dafür, dass dieser Ausbruch nun von grundsätzlicher Natur war.

Ich hatte Tesla ja -> hier <- im Blog vor über einem Jahr zum ersten Mal ausführlich besprochen. Und seit dem war es mit dem Titel eine volatile Reise, die aber letztlich immer weiter hoch führte. Man sieht daran, dass der Glaube an ein hervorragendes Management Anlass sein kann, auch so eine volatile Aktie einfach im Sinne "Buy and Hold" zu halten und Geduld aufzubringen, damit das Management zeigen kann, was es drauf hat. Ich war seit dem dauerhaft mit einer kleinen Position drin, alleine weil ich diese extrem spannende Story nicht verpassen will. Und werde es weiter sein. Fürs Trading halte ich Tesla für eher ungeeignet, weil die Aktie zu stark von News getrieben wird.

(3) Suncor Energy (WKN: A0NJU2, SU)

Zunehmend spannend finde ich auch vom Chartbild her wieder Suncor Energy. Der kanadische Ölsand-Förderer würde von der von der Obama Administration forcierten "Keystone" Pipeline massiv profitieren, die das kanadische Öl an die US amerikanische Westküste bringen soll. Fundamental ist die Bewertung sowieso in Ordnung, geopolitische Risiken spielen Suncor eher in die Hände, da man sich im sicheren Kanada bewegt und schauen Sie mal auf das Tages- bzw. Wochenchart und auf das riesige zulaufende Dreieck, das sich da seit 2011 bildet.

(4) Vivendi (WKN: 591068)

Ich hatte Vivendi schon mehrfach erwähnt, allerdings ist seitdem nicht so furchtbar viel passiert. Aber immer noch hat die Aktie eine riesige Cup&Handle Formation in 2011/2012 und leidet unter einem Konglomeratsabschlag. Sollte sich dieser auflösen - und das könnte schnell passieren, wenn ein Verkauf der Maroc Telecom gelingt - dürfte die Aktie schnell bei 20€ stehen, oder gute 20% höher. 6% Dividendenrendite versüssen die Wartezeit. Das Risiko nach unten sieht dagegen recht begrenzt aus.

(5) 3D Systems (WKN: 888346, DDD)

Ich hatte bei der Aktie zuletzt mehrfach zu mehr Geduld gemahnt. Und zuletzt vor gut 2 Wochen -> hier <- das grosse Bild dargestellt. Ich will Ihnen nun nicht verhehlen, dass ich das Chartbild der Aktie immer besser finde. Wer die relativ geringe Aufwärtsbewegung nun negativ wertet, weil man zuletzt riesige Swings gewohnt war, macht möglicherweise einen Fehler. Nehmen Sie doch einfach mal das Tageschart und schauen sich an, wie die Aktie aus dem Tief vom September 2012 heraus gekommen ist, bevor der gewaltige Anstieg so richtig begann. Sehen Sie Parallelen ?

Auch heute haben wir wieder diese eher zaghaft beginnenden höheren Hochs und Tiefs. Und fundamental halte ich die Story für völlig intakt. Ich finde, es gab schon schlechtere Szenarien, als hier mittelfristig Long zu sein, zumal die potentiellen Stopniveaus mit den Tiefs vom 18.03. und vom 26.03. sehr präzise definiert sind. Wenn der neue Aufwärtstrend wirklich der Beginn von mehr seien sollte, dürften wir die 29,88 USD vom 26.03. nicht mehr sehen und die 27,88 USD vom 18.03. erst recht nicht.

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Hari´s Märkte am Abend – 24.05.12 – Non-Event

22 Uhr - Handelsschluss

Das war irgendwie ein komischer Tag an den Börsen. Nachdem ich gestern damit rechnete, dass der EU Gipfel als Katalysator dafür sorgen würde, dass sich Mr. Market für eine Richtung entscheidet, hat es die Politik nun geschafft aber wirklich exakt und auf den Punkt die Erwartung des Marktes zu treffen.

Und die lautete wohl: da kommt nicht viel bei raus, aber es kommt auch nicht zum offenen Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich. Denn genau das ist passiert und Mr. Market reagierte heute mit einem vernehmlichen Gähnen. Es ging zwar Intraday etwas runter, aber am Ende hat es der S&P500 Future geschafft, exakt auf Vortagesniveau zu schliessen. Das war heute also ein "Non-Event".

Damit sehe ich aber meine Sicht bestätigt, dass es dem Markt gar nicht um Griechenland geht, Griechenland ist irrelevant und abgehakt. Denn andernfalls müsste die Angst sofort wieder losgehen, es wurde ja nichts entschieden was beruhigen könnte. Es geht Mr. Market aber primär um die Zukunft der Euro-Zone, die im Tauziehen zwischen Frankreich und Deutschland gestaltet wird. Der Markt hat nur deshalb Angst vor einem "Grexit", weil er (nicht ganz zu Unrecht) befürchtet, dass Panik und Chaos dann auf andere Länder wie Portugal und Spanien überschwappen und damit die ganze Eurozone gefährdet würde. Es geht also nicht um Griechenland, sondern um die möglichen Kollateralschäden in der Eurozone, für die ein "Grexit" nur der Auslöser wäre.

Wenn meine Sicht richtig ist, leitet sich daraus aber auch ab, dass es Europa theoretisch leicht fallen könnte einen "Grexit" zu beherrschen. Und zwar dann, wenn Frankreich und Deutschland sich sichtbar unterhaken und Einigkeit demonstrieren würden, einen "Grexit" um jeden Preis zu beherrschen. Wenn...

Denn damit ist traurigerweise nicht zu rechnen, da Hollande unbedingt auch noch die Parlamentswahlen gewinnen muss, damit er nicht schon frühzeitig in seiner Präsidentschaft gegen eine "feindseliges" Parlament regieren müsste. Bis dahin ist von Hollande also weiter Wahlkampfrhetorik zu erwarten. Und nun raten Sie mal, wann die Parlamentswahlen sind ? Am 10. und 17.06.12. Richtig, genau dem 17.06., an dem auch Griechenland wählt. Tragisch oder ? Es gibt also leider wenig Chance auf "Unterhaken" und ein starkes Signal der Einigkeit vor den Wahlen in Griechenland.

Nebenbei bemerkt will Hollande nach Presseberichten vor den Parlamentswahlen nun wohl auch ganz schnell sein "Rente mit 60" Versprechen einlösen. Wie das bezahlt werden soll ist scheinbar egal. Eine öffentliche Diskussion, die sich primär an dem Renteneintrittsalter festmacht, ist für mich ein Ärgernis, auch hier in Deutschland wird oft ähnlich plump argumentiert. Ich gönne jedem seine frühe Rente und ich würde auch gerne mit 50 in den "Ruhestand" gehen, wie so mancher Staatssekretär einer abgewählten Partei. Aber die Finanzierbarkeit einer Rentendauer hängt halt primär von dem Verhältnis der Beitragsjahre zu den Rentenjahren ab und das gilt unabhhängig davon ob man ein Umlage- oder Kapitalverfahren hat. Das ist simpelste Grundschul-Mathematik, aber selbst die scheinen nicht alle zu begreifen.

Früher haben die Menschen 40 Jahre eingezahlt, wurden 75 Jahre alt und hatten daher 10-15 Jahre Rentenbezugszeit. Die jetzige Generation wird aber im Schnitt 90 Jahre alt werden und hat daher 20-30 Jahre Rentenbezugszeit. Kann mir jetzt mal bitte jemand erklären, wie das bei immer noch 40 Jahren Anspardauer funktionieren soll, ohne dass entweder die Leistungen massiv gekürzt werden oder signifikant mehr in der Ansparphase eingezahlt wird ? Ich finde derartige Versprechungen deswegen in höchstem Masse unseriös. Ich habe nichts dagegen, den Menschen weiterhin eine Rente mit 60 zu gönnen, dann muss die Politik aber auch die Seriosität besitzen, den Wählern die Konsequenzen zu erklären: entweder mehr ansparen oder niedrigere Renten. Im Falle unseres Generationenvertrages würde sich die Last des "mehr ansparen" dann auf unsere Kinder verlagern, was es aber auch nicht besser macht, ausser das Wohl unserer Kinder wäre uns egal. Mathematik lässt sich halt nicht populistisch bestechen.

Ganz übel wird solche Wohltatenpolitik dann aber, wenn gleichzeitig Eurobonds verlangt werden, die defacto eine Vergemeinschaftung der Schulden und damit der Staatsfinanzierung wären. Als Ergebnis würde dann der deutsche Rentner der mit 67 in die Rente geht, die Rente mit 60 des französischen Rentners finanzieren. Das ernsthaft zu verlangen ist für mich eine Frechheit. Als Konsequenz sollten wir dann die Rente mit 50 einführen um den Spiess umzudrehen. Worauf die anderen mit der Rente mit 40 antworten. Wohin das führt, sollte selbst der verbohrteste Ideologe sehen, auf jeden Fall nicht zu mehr Wohlstand in Europa.

Ich habe auch nichts gegen Eurobonds, aber bitte nachdem wir in Europa alle die gleichen Sozial- und Steuersysteme haben und wir nach dem demokratischen Prinzip "ein Mensch eine Stimme" alle darüber abstimmen können, wenn jemand seine Wähler mit Geschenken beglücken will. Wenn die Eurozone so weit ist, dann sofort her mit den Eurobonds, dann bin ich sofort dafür. Davon sind wir aber noch Jahrzehnte entfernt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang zu sehen, dass auch SPD-Chef Gabriel nun scheinbar begriffen hat, welche Sprengkraft das Thema bei den deutschen Wählern hat. War Hollande bisher sein Held und wurde gefeiert, so heisst es nach einer Präsidiumssitzung der SPD, in der laut Presse Franz Müntefering seine Stimme erhob, nun plötzlich: der (Hollandes) Vorschlag sei "skurril". Lesen Sie zum Beispiel -> hier <- in der FAZ. Naja kann ich dazu nur sagen, besser eine späte Erkenntnis als nie.

Nun aber genug auf unsere "sozialistischen Freunde" in Frankreich geschimpft, kommen wir zurück zum Markt. Eben weil Hollande bis zum 17.06.12 Wahlkampf machen wird, dürfte das Ergebnis in Griechenland höchst riskant sein, weil es auf keine geeinte Eurozone trifft. Und deshalb dürfte auch die klare Botschaft der EU an die griechischen Wähler im Vorfeld der Wahl fehlen.

Insofern bin ich Stärke des Marktes gegenüber weiterhin eher skeptisch eingestellt. Und ich werde mich auch so weit es geht aus der Eurozone heraus halten, Anlagen erfolgen also primär im Dollarraum. Denn bis zur Entscheidung in Griechenland halte ich einen nachhaltigen Anstieg des Marktes für unwahrscheinlich, ausser die Umfragen würden schon vor der Wahl eine klare Mehrheit der Parteien vorausssagen, die die Vereinbarungen weiter honorieren wollen.

Da wir aber alle wissen, dass Griechenland so oder so keine Vereinbarungen einhalten kann - denn das würde vor allem anderen eine grundlegende Reform der staatlichen Institutionen mit Massenentlassungen bei Staatsbediensteten erfordern - hoffe ich persönlich zum Wohl der Eurozone, dass nach der Wahl endlich der "Grexit" kommt, die Folgen halte ich für beherrschbar, wenn man wirklich will. Eine Eurozone der 16 ohne diese schwelende Wunde hätte dann tatsächlich die Chance die Reihen zu schliessen. Und Griechenland könnte man dann gerne mit einer Art Marshallplan helfen. Denn nachdem die ganzen Illusionen der griechischen Radikalen dann endlich an der Realität gescheitert sind, würde man dann vielleicht ein Land vorfinden, dass sich wirklich helfen lassen will, statt den Helfern als Dank ins Gesicht zu spucken oder wie in Berlin beim Leiter der Griechenland-Task-Force geschehen, ihre Autos anzuzünden. Das wäre eine Chance für einen echten Neuaufbau zum Wohle des griechischen Volkes. Manchmal müssen die Dinge halt erst schlimmer werden, bevor sie besser werden können. So traurig das auch ist.

In dem Zusammenhang habe ich dank eines Leserkommentar in obigem FAZ Artikel einen Hinweis auf ein tolles Zitat zum Thema gefunden:
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Der Staatshaushalt muß ausgeglichen sein.
Die öffentlichen Schulden müssen abgebaut, die Arroganz der Behörden muß gemäßigt und kontrolliert werden.
Die Zahlungen an ausländische Regierungen müssen verringert werden, wenn der Staat nicht bankrott gehen soll.
Die Leute sollen wieder lernen zu arbeiten, statt auf öffentliche Rechnung zu leben.
Der Staatsdienst muß zum Nutzen derer geführt werden, die ihm anvertraut sind, nicht zum Nutzen derer, denen er anvertraut ist.

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Und jetzt raten Sie mal, von wem das ist: Marcus Tullius Cicero, Römischer Redner, Politiker und Schriftsteller, 106-43 v. Chr. Kaum zu glauben wie sich Geschichte immer wiederholt.....

Kommen wir zu dem, was man in so einer dramatischen Phase mit seinem Kapital machen kann.

Zunächst einmal ist Kapitalerhalt und Schutz allererste Anlegerpflicht, wie ich hier schon mehrfach schrieb. Das ist in meinen Augen definitiv nicht die Zeit für aggressive Wetten egal in welche Richtung, zu unsicher und erratisch ist die politische Grosswetterlage.

Ich will deswegen aktuell auch gar keine Tips oder Hinweise zu konkreten Anlagen geben, zu gross ist das Risiko durch eine politische Volte innerhalb 24 Stunden völlig falsch zu liegen. Statt dessen finden Sie es aber vielleicht interessant zu lesen, was ich persönlich in den letzten Tagen für Depotbewegungen vorgenommen habe. Ziehen Sie daraus Ihre eigenen Schlüsse.

Hier ist also als Premiere (*Fanfare* ;-)), die grobe Liste meiner Aktivitäten von Montag bis Donnerstag dieser Woche:

(1)
Positionen in den Gold- und Silberminen wurden teilweise verdoppelt und zwar im ETF GDX und in Einzelaktien.

(2)
Erste kleine Basis-Positionen bei Ölkonzernen wurden aufgebaut, nachdem ich diese vor ein paar Wochen fast auf Null herunter gefahren hatte. Im Depot sind nun wieder:
BP (WKN 850517), Apache (WKN 857530), Statoil (WKN 675210), Repsol (WKN 876845), Suncor (WKN A0NJU2).

(3)
Der Düngemittelsektor wurde ausgebaut, neben K+S (WKN KSAG88) sind nun auch Mosaic (WKN A1JFWK) und Yara (WKN A0BL7F) wieder im Depot. Darüber hinaus Bunge (WKN 762269) als Wette auf den Agrarsektor.

(4)
Erste kleinere Basis-Positionen bei Bluechips des NASDAQ wurden wieder aufgebaut, nachdem ich seit Wochen dort fast nicht mehr investiert war. Im Depot sind nun wieder: Sandisk (WKN 897826), Cisco (WKN 878841) und Broadcom (WKN 913684).

(5)
Short Euro im Verhältnis zur Norwegischen Krone aufgebaut, also Short EURNOK.

(6)
Heute (Donnerstag) bei S&P500 > 1320: Short auf die breiten Indizes S&P500 und DAX wieder aufgebaut. Stop bei S&P500 1345 und DAX 6620.

An obigen Bewegungen der bisherigen Woche sehen Sie, dass ich mich im Moment komplett aus dem europäischen Aktienmarkt fern halte, auch aus der DAX Familie. Ich habe zwar einige Positionen in Deutschland, die baue ich aber nicht aus und warte ab. In den US und im Bereich Öl und Agrar traue ich mich aber schon wieder einen ersten Zeh in den Markt zu stecken, aber auch nicht mehr. Meine Shortpositionen sind primär ein Hedge, ich bin in Summe aktuell 25% Net-Long, weit überwiegend im Dollarraum.

So weit so gut zu meiner aktuellen Aufstellung. Bedenken Sie dabei, dass ich meine Meinung blitzschnell ändern kann und wenn Morgen zum Beispiel im Ölsektor etwas passiert, was ich als "Gamechanger" betrachte, bin ich auch schneller wieder draussen, als ich hier im Blog "buh" schreiben kann. Treffen Sie also Ihre eigenen Entscheidungen, es ist Ihr wertvolles Kapital. Tun Sie alles dafür, es zu erhalten - wenn Sie das schaffen und damit lange genug im Spiel bleiben, kommt der Ertrag irgendwann von ganz alleine !

Zum Schluss vielleicht noch ein Hinweis: es gibt eine wichtige psychologische Voraussetzung so eine Phase gut zu überstehen. Man muss sich von der Angst lösen, nach oben etwas zu verpassen. Ich denke wir kennen alle den Reflex "oh es dreht, schnell noch aufspringen". Bedenken Sie, solche massiven Bewegungen wie aktuell enden nicht "mal eben". Und wie ich schon in einem Kommentar schrieb, in 9 von 10 Fällen stellt sich das "Oh es dreht" Gefühl als Bullenfalle heraus. Und selbst wenn Sie ein paar Prozent des Wiederanstiegs verpassen sollten, es bleibt danach immer noch genug Zeit Geld zu verdienen. Denken Sie an letzten Herbst, das Gezappel im Bereich 5000-5500 hätte man sich sparen können. Es hätte gereicht, gelassen bei 6000 einzusteigen als sich der Trend nach oben etablierte und gelassen bei 7000 auszusteigen.

In diesem Sinne, lassen Sie uns unser Kapital erhalten und gelassen auf bessere Börsenzeiten warten - glauben Sie mir, Sie werden definitiv kommen !

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend !

Ihr Hari

** Bitte beachten Sie bei der Wertung der Inhalte dieses Beitrages den -> Haftungsausschluss <- ! **

Rheinmetall, iRobot und der Iran

Der Markt hat ja eigentlich immmer recht, aber keine Regel ohne Ausnahme und eine solche Ausnahme sehe ich persönlich gerade bei Rheinmetall (WKN 703000). Heute ist Rheinmetall wieder recht schwach und wenn man sich den Chart anschaut, dann hat Rheinmetall gegenüber anderen Industrie-Konzernen noch eine Menge nachzuholen. Grund der Unterperformance ist offensichtlich, dass der Markt Sorgen davor hat, dass die ganzen Sparmassnahmen in den Staaten der westlichen Welt zu geringeren Rüstungsausgaben führen. Völlig verfehlt ist der Gedanke sicher nicht, aber in meinen Augen doch übertrieben.

Denn erstens ist Rheinmetall weltweit aktiv und hat gerade im Nahen Osten eine Menge Chancen, der in Anbetracht der aggressiven Politik des Irans gerade vor einer gewaltigen Rüstungsspirale steht. Zweitens haben Schulden die Staaten noch nie gehindert für Rüstung Geld auszugeben, das völlig überrüstete Griechenland ist da so ein klassisches Beispiel. Drittens sind Radfahrzeuge und leichte Panzer wie die von Rheinmetall nicht nur im Militär, sondern in vielen Ländern auch bei der Polizei im Einsatz, Uno-Truppen eingeschlossen und derartige Einsätze werden eher steigen. Und last but not least ist Rheinmetall in seinem zweiten Geschäftssegment ein normaler Automobilzulieferer, mit der Option mit diesem Geschäft sogar an die Börse zu gehen.

Alles in allem genügend Argumente, warum ich Rheinmetall bei 43€ immer noch für einen Kauf halte. Kurzfristig kann die Aktie natürlich auch mal eben um 5% fallen, aber mittelfristig bin ich sehr zuversichtlich das wir wieder Kurse über 50€, wenn nicht 60€ sehen. Zu guter Letzt ist Rheinmetall im Depot sicher auch eine ganz gute Absicherung gegen einen Irankrieg, denn der Titel sollte im Falle des Falles sehr stabil bleiben, möglicherweise sogar steigen. Ich bin deswegen schon länger bei Rheinmetall investiert.

Apropos Iran und die Strasse von Hormus, was ich -> hier <- ja schon am 18. November letzten Jahres in einem eigenen Artikel thematisiert hatte als daran noch niemand glauben wollte, schiebt sich nun in einem klassischen Eskalationsablauf unerbittlich Richtung Krieg. Wenn nicht ein Wunder passiert - und an Wunder glaube ich nicht - wird Iran nicht nachgeben. Und Israel wird nach meiner Erwartung angreifen, weil sich Israel der stillschweigenden Sympathie der meisten arabischen Staaten sicher sein kann und ein Angriff bei allen Risiken immer noch das kleinere aller Übel ist.

Denn über die Satelliten wie die Hisbollah befindet sich Israel doch heute schon defacto im Krieg mit Iran. Ich sehe nur einen internen Umsturz im Iran als einzige Hoffnung, mit dem die Kleriker die Riege um Ahmadinedschad absetzen, mit der sie nach dem was aus dem Land dringt sowieso schon einen internen Machtkampf austragen. Gut für den Frieden wäre es, denn der Iran des Klerus ist eher nach innen gekehrt, der Iran Ahmadinedschads aber aggressiv mit Machtanspruch im Nahen Osten. Wetten würde ich auf dieses "Wunder" aber nicht, so sehr ich mir das für die Welt und all die Menschen wünsche, die bei einem derartigen Konflikt verletzt oder getötet würden.

Die mittel- und langfristigen Folgen eines solchen Angriffs kann niemand seriös abschätzen, das hängt schlicht vom Verlauf ab. Aber kurzfristig ist für uns Anleger klar, dass die Börsen weltweit massiv abstürzen werden. "Gewinner" werden ein paar Rüstungsfirmen, aber vor allem der Ölpreis sein. Und daher möchte ich Sie hier noch einmal daran erinnern, wie sinnvoll ich es finde im Moment Ölkonzerne im Depot zu haben, die genau nicht im Nahen Osten, sondern in politisch weit entfernten Regionen aktiv sind. Vier Namen fallen mir da sogleich ein, die kanadische Suncor (WKN A0NJU2) mit ihren Ölsanden, die norwegische Statoil (WKN 675213) mit ihrem Nordseeöl, die spanische Repsol (WKN 876845) mit ihren Ölfunden in Argentinien - die übrigens im Moment auch vom Chart her attraktiv aussieht und zum Schluss der brasilianische Staatskonzern Petrobas (WKN 899019 für die Vorzüge) mit seinen riesigen Vorkommen im Atlantik. Leider ist die Petrobas-Aktie in Deutschland sehr illiquide.

Wichtig ist auch zu verstehen, dass ein Iran-Konflikt deshalb das Potential hat den Markt massiv zu bewegen, weil Mr. Market die Risiken derzeit noch ignoriert und nach dem Motto "alles nur Gerede" mit den Schultern zuckt. Man merkt das Risiko etwas beim starken Ölpreis, das war es dann aber auch schon. Sobald sich das ändert und Mr. Market plötzlich eine Problemwahrnehmung entwickelt, werden sich die Kurse massiv in Bewegung setzen und dazu ist nicht einmal ein echter Angriff notwendig - es reicht die Erwartung, dass es zu einem kommt.

Passend zum Thema Rüstung möchte ich Ihre Aufmerksamkeit heute auch noch auf eine ebenso spannende wie heisse Wachstums-Aktie richten: den US Roboterhersteller iRobot (WKN A0F5CC) dessen Website Sie -> hier <- finden. Sie haben sicher schon mal von dem Staubsaugerroboter "Roomba" gehört, bei uns zu Hause fährt er übrigens fröhlich in der Küche herum und wir möchten ihn nicht mehr missen. Wir haben ihm den Namen "R2" nach "R2D2" aus Star Wars gegeben, weil er ähnliche Fiepslaute von sich gibt. Aber neben dem zivilen Geschäft stellt iRobot auch Spezialroboter für das Militär und den Katastrophenschutz her, zum Beispiel um Bomben zu entschärfen. Und dieses Geschäftssegment ist nun von Kürzungen des Verteidigungsetats betroffen, weswegen der Vorstand vor kurzem die Guidance zurück nehmen musste. Als Folge hat es den Kurs von iRobot im wahrsten Sinne des Wortes zerlegt, wie Sie im folgenden Chart sehen können.


Source: Finviz.com

Eine interessante Frage ist nun, ob das nicht vielleicht eine hervorragende Gelegenheit ist, um in eine höchst spannende Aktie mit einem innovativen Geschäftsfeld einzusteigen. Denn das Roboter ein massiver Wachstumsmarkt sind und uns zunehmend riskante oder lästige Aufgaben abnehmen - und das nicht nur auf dem Mars - dürfte wohl unstrittig sein. Und iRobot hat seine Umsätze ebenso wie seinen Gewinn weiter gesteigert - es handelt sich hier also um ein schon heute profitables Wachstumsunternehmen. Ihre Meinung zum Thema würde mich interessieren.

Haris Märkte am Abend – 23.01.12

Zur allgemeinen Markteinschätzung, habe ich im Marktupdate heute Mittag -> hier <- alles in meinen Augen Notwendige gesagt. Eigentlich ist eine Korrektur nun überfällig und heute gab es auch erste Versuche in den US Indizes den Markt zu drehen. Aber solange der Markt so stark ist, sollte man das respektieren und sich nicht dagegen stellen. Seine Gewinne auf diesem Niveau erst einmal abzusichern, ist aber in meinen Augen eine gute Idee. Kurzfristiges Ziel ist nun der Bereich 1330-1340 im S&P500 bzw. 6500-6600 im DAX.

Die Aktie des Tages war heute erneut die Commerzbank (WKN 803200) mit einem zweistelligen Tagesplus. Man sieht daran, was ich ->hier<- schon zur Commerzbank und ähnlichen Situationen gesagt hatte. Es ist gar nicht so entscheidend vorher auf die richtige Richtung zu wetten. Wichtiger ist schnell und konsequent aufzuspringen, wenn sich die Richtung etabliert hat. Wer bei der Commerzbank nach dem ersten Sprung auf über 1,6€ nicht gezögert hat, hat nun in den Folgetagen trotzdem grosse Gewinne mitnehmen können. Und das bei weit geringerem Risiko, weil man einen etablierten Trend kauft, statt vorher zu raten wie das Ergebnis aussieht.

Wie der Schweinezyklus und die schizoide Logik von Mr. Market funktioniert, kann man heute wunderbar am grossen US Gas Förderer Chesapeake Energy (WKN 885725) beobachten. Chesapeake gibt eine drastisch Reduktion der Gas-Produktion bekannt und als Folge steigt der Kurs 6%. Die extrem niedrigen Preise, bedingt durch Überkapazitäten und einen warmen Winter, sind also komplett im Kurs verarbeitet. Die Produktions-Reduktion - obwohl theoretisch eine schlechte Nachricht - wird also deshalb vom Markt sehr positiv gesehen, weil sie Hoffnung auf eine Ende des Preisverfalls macht.

Ähnliches kann auch bei den US Kohle Aktien nun jederzeit passieren, da deren Preisverfall auf ähnlichen Ursachen wie bei "Natural-Gas" beruht und Kohle als Energiequelle für Industrie und Versorger im Wettbewerb mit Gas steht. Passend dazu sind die US Kohle Aktien heute in Folge von Chesapeake auch, teilweise deutlich, im Plus. Patriot Coal (WKN A0M5QB) zum Beispiel mit 8% Plus, weil sie bisher am meisten unter dem niedrigen Kohlepreis gelitten haben.

Sehr gut sah heute auch der Generika-Hersteller Stada (WKN 725180) aus, der sich nun endgültig von der Zone um 20€ lösen konnte und in meinen Augen noch Luft nach oben hat. Auch die "alten Verdächtigen" Salzgitter (WKN 620200) und Rheinmetall (WKN 703000) sind heute wieder sehr stark und bestätigen erneut den hier schon mehrfach diskutierten Aufwärtstrend. Bei beiden Aktien war es richtig, die kleine Korrektur am Freitag sofort wieder zu kaufen. Trotz des etablierten Trends sollte man nun in meinen Augen Stops nachziehen und die Gewinne bei diesen Titeln sichern.

Bei Thyssen Krupp (WKN 750000) wäre ich dagegen vorsichtiger. In meinen Augen muss man den Stahlsektor nicht unbedingt über diese Aktie spielen, weil die Probleme doch substantiell sind und möglicherweise noch über Monate für schwierigen Newsflow sorgen. Auch wenn die Aktie recht billig aussieht, setze ich persönlich im Moment lieber auf Salzgitter, bis Thyssen Krupp sein Problem in Brasilien und den USA wirklich gelöst hat und klar wird, wie hoch die Rechnung ausfällt.

Zum Abschluss noch der erneute Hinweis auf die Iran Problematik, die Strasse von Hormus und den damit verbundenen Ölpreis. Die Sprache auf beiden Seiten radikalisiert sich nun deutlich. Gleichzeitig nehmen die Märkte das Thema aber noch auf die leichte Schulter, bis auf Stärke des Ölpreises ist noch nicht viel zu merken. Ich vermute das liegt an einem allgemeinen Konsens der ungefähr lautet "ist ja sowieso nur Säbelrasseln, die werden sich doch nicht ins eigene Bein schiessen und einen Krieg anfangen".

Ein derartiger Konsens ist aber riskant, denn wenn es doch zu kriegerischen Handlungen kommt, hat das an den Märkten ganz erhebliches Überraschungs- und Korrekturpotential ! Und auch wenn ich ebenso wie die Mehrheit die "Säbbelrassel-Theorie" durchaus für wahrscheinlich halte, bin ich doch nicht so fest davon überzeugt, dass ich das Thema einfach ad acta legen könnte. Denn Rationalität ist nicht bei allen Beteiligten ausreichend vertreten und der innenpolitisch motivierte Drang zur "glorreichen Schlacht" durchaus vorhanden. Wenn eine Krise mal so weit eskaliert ist, braucht es gar keinen formalen Kriegsbeschluss der gesamten Regierung mehr, sondern es reicht das Zündeln radikaler Gruppen und schon sind die Jäger und Bomber in der Luft und die Märkte am nächsten Morgen wohl zweistellig im Minus.

Und Ölwerte wie Statoil (WKN 675213) oder Suncor (WKN A0NJU2), die ihre Vorkommen ausserhalb des Nahen Osten haben, wären dann wohl deutlich im Plus und zusammen mit ausgewählten Rüstungsaktien wohl die wenigen grünen Lichtblicke in einer ansonsten tiefroten Kurstafel !

Ich wünsche Ihnen trotzdem einen schönen Abend ! Hoffen wir, dass Vernunft und Rationalität die Oberhand behält.