Hari Live Stream 12.11.20

Beruhigung ZH2

Der Markt zeigt eine Beruhigung, heute ist vergleichsweise wenig los, es sieht so aus, als ob man den Tag gleich "skippen" könnte.

Wir haben in den letzten Tagen ja auch mehr als genug Aufregung, Überraschung und marktbewegende Nachrichten bekommen, da ist so ein Tag sehr willkommen, zumindest bei mir.

Was wir im Future auf Basis des Hourly sehen, ist nach dem "Pop" von Montag eigentlich genau das, was ich für diese Woche erwartet hatte, wenn sie sich an den Wochenausblick erinnern. Da hiess es unter anderem:

Der wahrscheinliche Pfad der kommenden Woche ist dabei: Sektorenselektion, Geschaukel, Konsolidierung.

Genau das scheint zu passieren. Auch die kommende Woche könnte noch so weitergehen, dann kommt aber die Thanksgiving-Woche in der KW48 und die ist traditionell stark und leitet gerne endgültig die Jahresendrally ein.

EURUSD ZH3

Euro-Dollar weigert sich weiterhin hartnäckig, eine belastbare Richtung einzuschlagen. Immer wieder denkt man "jetzt aber" und dann passiert doch nichts.

Da bleibt nur die Hände in den Schoss zu legen und erst wieder zu zucken, wenn sich der Markt wirklich für eine Richtung entschieden hat:

Europäische Telekommunikation ZH4 ZH5

Sektor der Woche sind die Telekommunikations-Unternehmen und dabei auch die Europäischen. Seit Bidens Wahl geht es massiv aufwärts und ich kann ihnen gar nicht mal sektorbezogen genau sagen "warum".

Denn ich sehe nichts, was nun so besonders und herausgehoben genau diesen Unternehmen hilft. Auch die Impfung und der Blick über Covid hilft natürlich etwas, weil Mobilfunk-Umsätze durchaus mit Nachtleben und Sozialgeschehen auf den Straßen korrelieren. Wenn alle im Lockdown zu Hause sind, werden eben vor allem die Festnetze genutzt, die kaum Umsatzhebel bei mehr Last besitzen.

Aber das alleine reicht auch nicht als Argument, weswegen ich vermute, dass es gar keinen Grund gibt, der direkt im Sektor liegt.

Ich vermute hier kommt einfach die Rotation in "Value" zum Tragen, denn wir haben hier einen "sicheren Sektor" der extrem abverkauft wurde und deutliche Aufhol-Chancen bsitzt. Und in den Sektor scheint nun bewusst von institutionellen Anlegern rotiert zu werden.

Der euopäische ETF EXV2 zeigt uns im Weekly einen wunderbaren Doppelboden, der sehr gut für einen langfristigen Rebound handelbar und abzusichern ist:

Und wie weit und tief der Sektor abverkauft wurde, zeigt uns das Monthly. Selbst wenn man da keine Blütenträume erwartet - und das sollte man bei den Unternehmen auch definitiv nicht - scheint doch noch einiges Erholungspotential da zu sein:

Wenn diese Erholung abgefackelt ist, kann man sich vom Sektor aber wohl wieder abwenden, großes Wachstum sehe ich da weiter nicht. Zu schwer wiegt auch die Last der 5G Investitionen.

Aktien des Tages ZH3

China Aktien

Es fällt auf, wie stark bestimmte China-Aktien sind. Ich handele diese aus bekannten Gründen nicht, aber ich will mal beispielhaft Pinduoduo (PDD) aus dem Sektor "Internet Retail" zeigen. In China sind die Kurse weiter im Positiven in Bewegung:

NIO (NIO)

Auch bei der hier bekannteren NIO geht es steil weiter aufwärts:

SNAP (SNAP)

"Snapped" es bei SNAP schon bald wieder? Der Verlauf der Konsolidierung lässt diese Interpretation - wenn auch nicht eindeutig - durchaus zu:

Natera (NTRA)

Aufgrund des markanten Dochtes letzten Freitag konnte man kurz den Gedanken denken, dass hier ein Top ausgebildet wird. Wenn dann so eine Struktur aber so überzeugend aufgefangen wird und das im Rhythmus eines extrem überzeugenden Trends, dann dreht sich die Interpretation ins Gegenteil, denn was nicht fallen kann, muss eher steigen!

Mannkind (MNKD)

Erinnert sich noch jemand an Mannkind? Die haben uns vor einiger Zeit ein paar schöne Trades erlaubt. Seit Bidens Sieg, ist die Aktie auch wieder "on Fire", könnte heute aber vielleicht ein temporäres Hoch ausbilden - analog zum Geschehen im Juni:

Was normale Anleger anzieht ZH5

Hier haben wir in Sachen AT&T (T) wieder so einen klassischen Artikel, von dem sich der normale Anleger angezogen fühlt, wie eine Biene von der Blüte:

-> This stock may never be this cheap again <-

Der Artikel ist nur ein Beispiel, in diesem Stil gibt es jeden Tag hunderte und ich will sie nur erneut sensibilisieren.

Denn was darin steht, ist mehr als trivial. AT&T hat ein niedriges KGV, einen guten Cashflow und eine hohe Dividendenrendite und sieht "billig" aus. Ach was! 😛

Weitere Erkenntnisse sind nicht zu finden. Dafür aber Worte wie "Huge Opportunity" oder im Titel "may never be this cheap again", was nach dem Motto von Rabatten ala Black Friday funktioniert, oder den bekannten "nur noch 2 vorhanden" Anzeigen in Shops.

*KAUF* *MICH* *JETZT*! Der Leser soll den Drang spüren, jetzt ganz schnell zuzuschlagen, bevor die "Huge Oppritunity" vorbei ist. *Börsenpornographie* nenne ich so etwas!

Denn die entscheidende und wirklich wichtige Frage wird natürlich nicht gestellt. Warum ist denn AT&T trotz dieser offensichtlichen "Huge Opportunity" so "billig"? Implizit beantwortet der Artikel das: alle anderen sind Idioten, dieses "Geheimnis" AT&T können nur Eingeweihte sehen. 😛

Sie sind hoffentlich schon gegen solche substanzlose Börsenpornograhie immun und wenn nicht, soll dieser Post dazu beitragen. Wenn es so einfach wäre, wären Normalanleger alles schon mit so Aktien reich und das noch ohne je zu schwitzen. Offensichtlich ist es schwieriger. 😉

Dabei habe ich konkret gar nichts dagegen, sich jetzt als Anleihenersatz AT&T ins Depot zu legen - kann man durchaus machen. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass nirgendwo steht dass diese Aktie nicht noch ein Jahr weiter bröselt und auch 8% Dividende, die nach Steuern dann sowieso weniger sind, dann schnell weg sind.

Um es noch einmal überdeutlich zu sagen, man sollte eine Aktie *nie* nur wegen der Dividende kaufen! Die Dividende ist ein Sahnehäubchen, nicht mehr und nicht weniger, die Substanz und Entwicklung der Aktie selber muss vor allem stimmen!

Denn es gibt harte Gründe warum AT&T so schwach ist, Gründe die informiertere und finanzkräftigere Marktteilnehmer als dieser Autor sehr genau sehen und weswegen der Kurs ist wo er ist.

Wirklich interessant wird so eine Aktie dann, wenn sie vom Markt wieder entdeckt wird - wann immer das der Fall ist, vielleicht erst in 2 Jahren. Dann ist da wirklich eine "Opportunity". Dann!

Die Risiken auf der anderen Seite des Zauns

-> Jim Cramer hat hier <- eine berechtigte Warnung geschrieben, dass wir hinsichtlich Covid und einer möglichen konstitutionellen Krise nicht zu selbstgefällig und unaufmerksam werden dürfen.

Der Markt war vor der Wahl auf der einen Seite des Zaunes, er hat sich immense Sorgen um den Ausgang der Wahl, um Unruhen und um Covid gemacht. Nun sind wir auf der anderen Seite, Unruhen hat es nicht gegeben, jeder hält Trumps Tiraden für reine Schau ohne konstitutionelle Wirkung und der Blick auf die Impfung lässt Covid schon verblassen.

Richtig ist aber, dass nicht nur uns, sondern auch den US zunächst ein übler Covid-Winter bevorsteht, in dem viele Firmen gerade im Gastgewerbe in den Exitus gehen werden.

Und richtig ist auch, dass Trump sehr wohl noch für massive Probleme sorgen kann, ich zitiere mal Jim Cramer:

Ever since the press called the election, the president has doubled down on the idea that he isn't going anywhere. I know that there are plenty of people who say don't worry, he can't do anything. Those people are wrong. I think that it is entirely possible that Attorney General Bill Barr could find a sympathetic judge who allows him to seize election materials in disputed states. That would cause the Electoral College to miss the December 14 deadline to vote. Who knows, Barr could seek a search warrant to prove that there's fraud, perhaps from any state that's run by Democrats.

You could argue it is all for show. President Trump isn't going to orchestrate a coup from what I can tell. But his tweets are begging a response that would most certainly hold up the whole Electoral College process. Maybe at that point he quits the battle. Maybe he just wants to be able to say that he lost the race because it was not legit. No matter, I just don't hear enough people talking about the constitutional crisis that could befall us if Trump gets Barr to do his bidding -- not hard -- or we get dueling Electoral college electors or if we actually get not a recount but a revote.

Come on, take stock here. Do you see any prominent Republicans saying that Trump should concede? I am not saying that the president fired the head of the Department of Defense because he wants "his generals" on his side. I am saying that when the president tweets regularly about how the election was rigged, he's not going to vacate without more of a fight than he has so far, especially because this Justice Department is a lot more sympathetic, say, than the Nixon Justice Department. Hate him or like him, would you really put it past the president, who got 70 million votes, to entrench himself with legal battles brought by his attorney general? At least call it a wild card, if not a doomsday one.

Spot on! So ist es, die Risiken waren nicht so groß, wie der Markt vor der Wahl fürchtete, sind aber nicht so klein, wie der Markt jetzt wohl denkt.

Diese Warnung ist also berechtigt und müssen wir im Hinterkopf haben, denn unsere Aufgabe ist die "Dialektik" beides zu sehen. Diese Risiken zu sehen und trotzdem zu erkennen, dass der wahrscheinliche Pfad zum Jahresende nach oben ist, weil eben die Liquidität uns dahin drückt.

Der Affe in uns würde immer gerne Schwarz oder Weiss, das Eine oder Andere als Klarheit haben. Aber das ist ein schöner Traum und nicht die Realität.

Die Realität ist, dass dieser Markt bullisch ist und wir gut darin tun, ihm darin zu folgen. Gleichzeitig müssen wir aber immer enen Blick über die Schulter werfen und wenn eines der Risiken doch zu scharfen Abgaben führt - wie am Montag vor 2,5 Wochen - dann müssen wir hart reagieren - auch wie am Montag vor 2,5 Wochen.

Das ist unser "Päckchen", das wir als intelligente Anleger zu tragen haben. Dabei sein, aber sich nicht einlullen lassen. Und immer schön paranoid bleiben, der Markt ist es manchmal auch. 😛

Weiter ruhig ZH2

Der Markt ist weiter ruhig wie eine glatte Wasseroberfläche, die darauf wartet, dass wieder ein Felsbrocken in sie geworfen wird:

Kein Grund hier für mich weiter zu verweilen, ich schliesse damit die Artikel für diese Woche.

Sicher kann dieser Markt jederzeit von Überraschungen in Bewegung gesetzt werden. Wenn es aber morgen so weitergehen sollte, wäre das genau die Woche die ich erwartet hatte - nur der Montag war dann eine Anomalie.

Wir lesen uns am Sonntag zum Wochenausblick der KW47 wieder, der dieses Mal (hoffentlich) kürzer werden kann, weil weniger Bedeutendes zu kommentieren ist.

Ihr Hari

*** END OF STREAM ***

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Sektoren-Picking



Stock-Picking ist ja schön und macht Spass. Ich bin aber davon überzeugt, dass für den "normalen" Anleger mit begrenzter Zeit, "Sektoren-Picking" die viel wichtigere Fähigkeit ist und auch bessere Ergebnisse produziert.

Denn um in einem Sektor zwischen zwei Mitbewerbern die "bessere" Einzelaktie heraus zu finden, muss man schon sehr tief in die Geschäftsmodelle einsteigen, eine Fähigkeit, die nicht jedermann gegeben ist und die auch viel Zeit erfordert.

Und selbst wenn man das schafft, sind die Unterschiede zwischen beiden Mitbewerbern im Kursverlauf oft minimal, weil die Flut eben alle Boote hebt und die Ebbe alle auf Grund laufen lässt.

Für normale Anleger einfacher zu erkennen und in der Wirkung nachhaltiger ist aber, immer die "richtigen" Sektoren zu finden, auf die man sich gerade fokussiert. Und auch die Sektoren am Wegrand liegen zu lassen, die ausgereizt erscheinen.

Wer das schafft - und das ist gar nicht so schwierig zu erkennen - hat gute Chancen eine Überperformance zum Markt hinzulegen.

Und weil das so ist, werfe ich in unregelmässigem Abstand immer wieder einen Blick auf die Sektoren die ich präferiere, so wie ich das zuletzt Anfang März in -> Dreimal Sektoren Orientierung <- getan habe.

Bitte beachten Sie, dass meine folgenden Aussagen sich auf einen mittel- bis langfristigen Horizont beziehen und aus einer Investmentsicht erfolgen. Ich mache damit keine taktische Aussage, was im Sektor in den kommenen Tagen und Wochen zu erwarten ist.

Meine präferierten Sektoren

Präferiert heisst, hier erwarte ich im genannten Zeithorizont grosse Chancen und deutliche Gewinne.

Agrar

Agrar ist weiter einer meiner Lieblinge. So richtig aus dem Loch gekommen, ist der Sektor im März noch nicht, obwohl Lebenszeichen da waren und sind. Am mittel- und langfristigen Ausblick ändert das gar nichts.

Biotech

Hierzu ist alles gesagt, warum und wieso ich diesen Sektor für aussichtsreich halte.

Healthcare

Auch dieser Sektor hat nun deutlich korrigiert und generiert zunehmend gute langfristige Einstiegschancen.

Gold- und Silberminen

Hier scheint alles nach Plan zu laufen, die Konsolidierung dürfte sich weiter in das 2. Quartal hinziehen und Zappeligkeit wird nicht belohnt werden. Dann aber werden sich wohl gute Chancen für einen weiteren bullischen Schub auftun.

Semiconductor

Auch hier kann ich die Sicht von Anfang März nur wiederholen.

Energie

Im Energie-Sektor bin ich recht optimistisch, dass wir bei Öl tatsächlich das Tief schon gesehen haben. Im Sektor scheint Stock-Picking derzeit recht attraktive Chancen zu bieten.

Clean Tech

Hier reicht es aber nicht, einfach in den Sektor zu greifen. Gerade durch unterschiedliche Fördermassnahmen, Handelsschranken und gesetzliche Vorgaben, muss man genau schauen, was man sich ins Depot legt. Wenn es "das Richtige" ala First Solar ist, ist dieser Sektor aber auch ein präferierter Sektor, aber eben nicht pauschal.

Meine neutralen Sektoren

Neutral heisst, hier erwarte ich hohe Stabilität, aber nur verhaltene Gewinne.

Aerospace & Defense

Eigentlich ein starker und positiv zu sehender Sektor, aber zunächst wohl ausgereizt und für eine längere Seitwärtsphase anfällig.

Nahrung & Gesundheit

Namen wie Procter & Gamble, Johnson & Johnson, Unilever oder Nestle gehören in jedes Depot. Gleichzeitig scheinen auch diese Aktien weitgehend ausgereizt. In einer potentiellen Marktkorrektur, sind diese dann wieder zu kaufen.

Meine Sektoren mit Fragezeichen

Das sind Sektoren, die ich nicht perse ablehne, die aber aus unterschiedlichsten Gründen mit Fragezeichen versehen sind und ich daher nicht uneingeschränkt positiv sehen kann.

Rohstoffe

Ich halte es für völlig offen und keineswegs ausgemacht, dass es nach dem schönen Schub im ersten Quartal und einer kurzen Korrektur einfach nach oben weiter geht. Denkbar ist auch, dass wir eine reine Bärenmarktrally gesehen haben. Ich bin im Sektor unsicher und warte erst einmal ab, was der Markt für Signale liefert.

Industrie

Ähnliches gilt für Industrieaktien. Es fehlt einfach an der überzeugenden Konjunktur, um die so richtig ans Laufen zu bringen. Als Beimischung denkbar - um den Sektor zu präferieren, ist aber der Ausblick zu unsicher.

Finanzen & Banken

Ein Sektor, der nie tut, was ich erwarte. Da lasse ich besser die Finger von weg. 😉

Technologie

Das ist als Sektor eigentlich Blödsinn, zu unterschiedlich sind die Themen und Branchen und insofern habe ich dazu keine pauschale Meinung, zu Teilsektoren wie Semiconductors schon.

Retail

Auch hier fehlt mir die Logik, warum der Sektor zu präferieren ist. Er ist recht stark mit der Kaufkraft der Bevölkerung korreliert und auch schon vergleichsweise hoch bewertet. Zwingende Gründe hier pauschal unterwegs zu sein, sehe ich nicht, was einzelne Opportunitäten ja nicht ausschliesst.

Telekommunikation

Wurde durch M&A-Phantasie lange getrieben, diese scheint nun ausgereizt.

So weit meine Sicht auf Sektoren, bei denen ich derzeit eher akkumuliere und Sektoren, bei denen ich eher die Füsse still halte.

Ihr Hari

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Vom Affengehirn am Beispiel Tesla Motors – Wie die Angst unsere Chancen auffrisst

Ein für Mr-Market Leser grossartiges Börsenjahr geht langsam in die Schlussrunde. Grossartig war dieses Jahr, weil wir hier eine ganze Reihe richtig massiver Gewinnsträhnen frühzeitig erkannt haben, lange bevor breite Anlegerschichten auch auf den Zug aufgesprungen sind.

Wer hatte denn schon im Frühjahr den weltweiten Solarsektor so auf der Rechnung und konnte damals einen Branchen-ETF wie den TAN buchstabieren ? Seitdem ist der Sektor in einen massiven Rallymodus eingetreten und hat denen grosse Gewinne generiert, die von Anfang an dabei waren. Und der Sektor steht nach meiner Ansicht immer noch eher am Anfang eines weltweiten neuen Booms, als am Ende - auch wenn jetzt eine Korrektur mal überfällig ist. Wer hatte denn schon im Frühjahr den europäischen Telekomsektor auf der Rechnung, der nun auch massiv zum Leben erwacht ist und den Anlegern dicke zweistellige Gewinne generiert. Wer wusste denn am Anfang des Jahres etwas mit Aktien wie iRobot anzufangen ? Ich könnte lange so weiter machen. Und auch ein paar "Gurken" wie K+S waren dabei, die aber im Vergleich kaum mehr ins Gewicht fallen, zumal wir die Verluste dort konsequent begrenzt haben und nicht in die Falle gegangen sind, die neue Welt der Kali-Preise zu negieren und uns schön zu reden, wie die, die sich gedanklich nicht schnell genug von einer überholten Bewertungslogik lösen können.

Und trotzdem bin ich sicher, dass einige der Leser mit ihren Depots nicht zufrieden sind und dem Markt hinterher hinken, möglicherweise überhaupt mit der Nulllinie kämpfen. Wie kann das sein, wenn so grosse Gewinnkracher mit teilweise dreistelligen Prozentgewinnen dabei waren, von denen jeder locker fünf negative Anlagen kompensieren könnte, wenn man Verluste konsequent begrenzt ?

Die Antwort auf diese Frage ist wie immer individuell und hat vor allem mit uns selbst zu tun. Ich glaube aber, ich kenne zumindest einen Teil der Antwort, denn diese hat mit unserem "Affengehirn" zu tun, das uns bei der Geldanlage eher im Wege steht, als hilfreich zu sein. Mit dem prägnanten Begriff "Affengehirn" meine ich dabei keinen medizinischen Fachbegriff, sondern die evolutionären und damit auch emotionalen Reflexe, die der Menschheit beim Überleben in der Savanne dienlich waren, aber nicht für reflexive Märkte der Gegenwart geeignet sind. Mit der exponentiellen Entwicklung der Wissensgesellschaft, kommt aber die biologische Evolution zeitlich einfach nicht mehr mit, wir gehen sozusagen als biologischer Urmensch in die komplexe Zukunft.

Und dieses Affengehirn leitet uns an der Börse oft in die falschen Geldanlagen, weil es uns in den falschen Momenten Ängste vermittelt, während es uns in den ebenso falschen Momenten wohl und sicher fühlen lässt.

Und wo könnte ich das Problem deutlicher machen, als bei unserem grössen "Kracher" in diesem Jahr: Tesla Motors (WKN: A1CX3T). Sie wissen ja, wir waren am Thema schon seit Frühjahr 2012 intensiv dran. Und so sassen wir sozusagen in der ersten Reihe, als der Kurs dann im April diesen Jahres abzuheben begann.

Werfen wir einen Blick zurück auf den 30.04. und meinen Artikel -> Tesla Motors, eine Ohrfeige für Winterkorn, Piech, Zetsche und Co. <-.

In diesem Artikel war das folgende Chart enthalten:

Tesla 29.04.13

Und nun sage ich uns auf den Kopf zu, was viele von uns zu diesem Zeitpunkt gedacht haben und warum viele damals wohl nicht eingestiegen sind. Nicht eingestiegen, obwohl ich in dem Artikel nun wirklich eine Lobeshymne auf Elon Musk und Tesla losgelassen habe.

Die Gründe dürften sein, dass denen der Kurs schon zu weit weggelaufen war. Zu so einem Zeitpunkt noch bei einem wackeligen "Startup" einsteigen, über das viele schreiben, dass es den Sprung zum Autobauer sowieso nicht schaffen kann ? Und dann noch angeführt von einem "Verrückten" mit "Visionen", bei denen man laut Altbundeskanzler Schmidt lieber zum Arzt gehen sollte ? Nein - die Angst war zu gross, hier in Verluste zu laufen. Viele hatten Verlustaversion im Anblick eines Kurses, der gerade in den Himmel schoss. Und haben sich nicht getraut auch noch einzusteigen. Und wer doch drin war, hat schnell wieder Angst bekommen, die kleinen Gewinne abzugeben und hat diese lieber gesichert.

Soweit so gut. Und nun kann ich uns das Chart von Tesla Motors Stand heute nicht ersparen:

Tesla 28.10.13

Sie sehen nun den Zeitpunkt, an dem die Verlustaversion kam. Es war der dümmste Zeitpunkt, den man sich nur vorstellen kann. Denn mein Artikel erschien exakt genau vor dem grossen Schub, an dem der breite Markt in das Thema eingestiegen ist, wunderbar am Volumen zu erkennen. Seit dem hat sich der Kurs fast vervierfacht - wenn man am 29.04.13 eingestiegen wäre. Wir hatten also alle einen Elfmeter auf dem Punkt liegen, bei dem der Torwart sozusagen nicht im Tor stand. Und viele haben sich trotzdem nicht getraut zu schiessen. Wenn Sie dazu gehörten, stellen Sie sich unbedingt die Frage warum !

Fairerweise muss man feststellen, das es fast unmöglich ist, solche Bewegungen vollständig mitzugehen und dann auf dem Hochpunkt auszusteigen. Auch ich bin im Nachhinein zu früh ausgestiegen, weil mir die Bewertung nun zu phantastisch wurde. Aber ich war immerhin von Anfang an dabei und habe dicke dreistellige Prozentgewinne mitgenommen und das hätten Sie auch können !

Um Ihnen zu helfen das Problem unseres "Affengehirns" zu verstehen, sollten wir uns daher mal die Gegenseite betrachten. Ich will Sie nicht weiter mit Charts beladen, aber stellen Sie sich einfach nur die allseits "geliebte" Commerzbank vor. Da war die emotionale Haltung ganz anders. Der Chart sah grauselig aus. Es ging runter und runter. Aber das war ja vermeintlich eine stabile Grossbank, die in der Vergangenheit mehr Wert war. Da war ja die Bundesregierung auch drin und der Chart war so weit gefallen, die "musste" ja wieder steigen. In der Commerzbank haben viele die Verluste leicht ertragen und diese als Kaufgelegenheiten betrachtet. Und das Web war voll von sogenannten "Analysen", in den Autoren versuchten eine Bankbilanz zu bewerten, die selbst Bilanz-Profis nicht bewerten können. Aber immerhin sind die Profis so qualifiziert zu wissen, was sie nicht wissen.

Finden Sie nicht auch ? Es ist doch eigentlich absurd, sich bei Verlusten in der Commerzbank wohl zu fühlen und aber vor einem Einstieg bei Tesla zu fürchten. Aber genau so funktioniert unser Affengehirn - "Angst fressen Chancen auf". Und wer sich das nicht bewusst macht, hat letztlich keine Chance am Markt.

Fassen wir also zusammen:

Uns Menschen fällt es typischerweise leichter, eine Verlustposition einfach zu halten und den Verlusten zuzusehen, als in eine potentiell gewinnträchtige Position einzusteigen, die mit Risiken versehen ist. Das ist so, weil die Verlustposition eine Vergangenheit der Stärke hat, an der man sich emotional wärmen kann. Die "muss" ja wieder steigen sozusagen, weil sie vorher höher stand. Anders dagegen bei dem "Hot Stock" mit neuem Geschäftsmodell. Da hier die Vergleichsdaten der Vergangenheit fehlen, erscheint uns das weit riskanter.

Auslöser dieser massiven Fehleinschätzung ist tatsächlich unser "Affengehirn", das den Erfahrungen der nahen Vergangenheit eine höhere Bedeutung einräumt. So lässt sich das Minus bei einer Aktie leicht ertragen, die man für "substantiell" hält und dabei orientiert man sich an vergangenen Werten. Etwas Neues dagegen wird zunächst mit Misstrauen betrachtet, wir bleiben instinktiv lieber beim Bewährten.

Das sind reflexartige Mechanismen in unseren Köpfen, die wir auf der bewussten Ebene gar nicht wahrnehmen. Sie bestimmen aber massiv unser Handeln. Und für die Wildnis da draussen in der Savanne, ist die Aversion vor neuen, unbekannten Risiken auch ein hervorragender Reflex, der unser Überleben sichert. Einen Pilz den man nicht kennt, sollte man auch nicht einfach in den Mund stecken. Nur funktioniert Börse eben anders, Börse bewertet Potentiale der Zukunft. Vielleicht wird aus diesem Giftpilz ja später eine tolle Medizin, darüber machen sich die Märkte Gedanken. Und deshalb ist der Giftpilz als Anlage vielleicht durchaus interessant. Diese evolutionären Reflexe stehen uns als Anleger massiv im Weg.

Deshalb ist es auch so wichtig, sich mit Stops und Absicherung zu beschäftigen. Denn natürlich liegen in so "Hot Stocks" wie Tesla auch massive Risiken. Was hoch steigt, kann auch tief fallen und ein Kursverlauf wie oben ist ja nicht garantiert, hinterher ist man immer klüger. Aber die Chancen sind so immens, das man diese ergreifen sollte. Aber eben nicht blind, sondern gut überlegt und abgesichert.

Richtig wäre es also eher gewesen, die grosse Chance bei Tesla zu ergreifen. Gleichzeitig einen Stop zu setzen der einiges nach unten entfernt ist und nur zur Absicherung eines Desasters dient. Man geht in so einer Denkstruktur also bewusst ein vielleicht 10% Verlustrisiko ein. Und tut das, um die weit grössere Chance überhaupt zu eröffnen. Wir nennen das hier ein "Setup" und besprechen diese intensiv im Premium-Bereich.

Umgedreht, bei einem gefallenen Engel ala Commerzbank, darf es für Anleger überhaupt keinen Spielraum für Verlusttoleranz geben. Solange der Kurs nach unten geht, geht er nach unten und man hat in der Aktie nichts verloren. Und dass das Unternehmen mal in der Vergangenheit weit höher bewertet war, hat ebenso wenig Relevanz wie die Tatsache, dass es Tesla vor 10 Jahren noch gar nicht auf dem Kurszettel gab.

Vergangenheit zählt nicht an der Börse, nur die Erwartungen an die Zukunft. Die Mechanismen unseres Affengehirns leiten uns aber genau in die falsche Richtung. Sie leiten das warme Gefühl von "Sicherheit" aus Erfahrungen der Vergangenheit ab. Und lassen uns daher bei Verlusten in einer Commerzbank-Position sicherer fühlen, als bei einem Einstieg in eine Zukunftshoffnung wie Tesla Motors. Was für ein Treppenwitz eigentlich, da es doch leicht ist, mit Stops einen Kursverlust zu begrenzen. Auch die Telekom war mal bei 100 EUR und niemand wurde gezwungen, den Weg bis 10 EUR mitzugehen. Und viele haben es trotzdem getan, weil "die ist doch voller Substanz, die muss doch wieder steigen". 😉 So etwas sind üble "Wohlfühlreflexe", die unsere Taschen als Anleger aber leer machen.

Mein Rat also:

Achten Sie auf Ihre Gefühle bei der Geldanlage, denn darin zeigt sich unser Affengehirn. Wenn Sie sich in einer Position "wohl fühlen" und auch bei ersten Verlusten ganz entspannt da sitzen, sollten Sie eigentlich aufspringen und sich selber eine Schlag auf den Hinterkopf geben. Denn wahrscheinlich denkt der nicht richtig. Verlustpositionen in denen man sich "wohl fühlt", sind oft sehr gefährlich für unser Depot.

Umgedreht, wenn ein Kurs signifikant zu steigen beginnt und Sie trauen sich nicht einzusteigen, brauchen Sie unbedingt den Tritt in den Allerwertesten um zumindest mal genau hinzuschauen. Denn gerade weil Sie sich nicht trauen, werden sich auch viele andere nicht trauen. Denn warum sollen die anderen Marktteilnehmer denn anders fühlen als Sie ? Man nennt das die "Wall of Worry" und die sorgt dafür, dass Kurse weiter steigen - und nicht fallen. Diese Kurse fallen erst, wenn auch der Letzte eingestiegen ist. In dem Sie sich diesen inneren Tritt schon frühzeitig geben, sind Sie bei den "Letzten" nicht dabei, vielmehr verkaufen Sie irgendwann Ihre Aktien den "Letzten" mit Gewinn.

Und nutzen Sie die Möglichkeit, mit Absicherung zu agieren. Mit einer klug gesetzten Absicherung definieren Sie im Vorfeld selber, wie viel Verlust Sie bereit sind theoretisch einzusetzen, um die Chance zu ergreifen. Dieser potentielle Verlust ist also wie eine Investition zu sehen, um die Chance überhaupt zu eröffnen. Verwechseln Sie aber eine gut entfernte Absicherung um ein Desaster zu verhindern, nicht mit dem fehlgeleiteten Versuch, erste Gewinne gleich zu sichern. Letzteres funktioniert nicht und führt nur dazu, dass Sie im falschen Moment ausgestoppt werden. Nicht jeder Stop ist sinnvoll, manche sind kontraproduktiv.

Lassen Sie unbedingt in so Situationen Ihre Gefühle Revue passieren. Dann werden Sie selber merken, wie unsere Ängste die echten Chancen auffressen. Und uns gleichzeitig dort eine Sicherheit vorgaukeln, wo das Kurs-Desaster gerade erst begonnen hat. Genau deshalb ist es so schwierig das zu tun, was theoretisch ganz leicht eine gute Depotperformance sichert: Verluste begrenzen und Gewinne laufen lassen !

Merke: Die Börse ist nicht die Savanne ! 😉

Ihr Hari

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Hari Live – Archiv 13.10.13 – 19.10.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 13.10.13 - 19.10.13

Freitag 18.10.13 18:10 - 1999

-> OK, now its 99 <- 😉

Mit dieser trefflichen Feststellung verabschiede ich mich ins Wochenende. Es war eine verrückte und anstrengende Woche an den Börsen und der Abschluss mit wildgewordenen Bullen ist einfach erstaunlich.

Die Frage ob wir wirklich nun wie ein Strich zum Jahresende hoch laufen steht im Raum. Alle Instinkte in mir sagen: NEIN. Ich habe aber auch gelernt, dass in der neuen, schönen Zeit der Notenbanken solche Instinkte, die auf der Erfahrung von Ebbe und Flut, von auf und ab an den Märkten beruhen, nicht mehr wirklich Relevanz haben.

Alle grossen Trends dehnen sich nun länger als man es von früher gewohnt ist. Und die Korrekturen sind kaum mehr der Rede wert, weil die sabbernden Bullen schon an der nächsten Ecke lauern, um sofort "buy the dip" zu machen.

Das ist der Markt den wir haben und das Beste was man das ganze Jahr machen konnte war, einfach die Augen zu schliessen und alles zu kaufen, was "hot and spicy" war. Warum soll das im 4. Quartal nun anders werden ?

Also folgen wir dem Geld und dem Aufwärtstrend bis er bricht. Solange aber hat er unser Vertrauen verdient, auch wenn er sich mit den alten Reflexen manchmal ziemlich schal und unwirklich anfühlt.

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Hari Live – Archiv 11.08.13 – 17.08.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 11.08.13 - 17.08.13

Freitag - 16.08.13 18:00 - Märkte

Der S&P500 bewegt sich kaum und schwankt in enger Bandbreite. Apple ist weiter stark und setzt seinen Aufwärtstrend fort.

Gold bewegt sich kaum, was nach dem starken Anstieg gestern ein sehr bullisches Zeichen ist.

Und die Minen hatten zur Handelseröffnung einen Gewinnmitnahme-Event, der GDX war zeitweise über 2% im Minus. Früher hätte das zu einer Kaskade an Anschlussverkäufen und am Ende zu einem Tagesminus von mehr als 5% geführt. Nun stiegen sofort die Käufer wieder ein und trieben den Kurs aktuell um 18 Uhr wieder auf über 30 USD. Auch das ist ein Zeichen grosser Stärke, nach dem Anstieg wäre eine 3% Korrektur mehr als normal.

Und es zeigt, dass da nun ein starker Bid im Markt ist. Auch andere sind scheinbar der Meinung, dass Schwäche nun gekauft werden muss - wie das halt so ist in einem Aufwärtstrend.

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Die Märkte am Wochenanfang – Telecoms, ETFs, Solar

Mitglied

Wie von mir schon am Wochenende für die Premium-Mitglieder beschrieben, sahen wir heute früh eine Stabilisierung nach dem massiven Abverkauf an der Wallstreet von Freitag Abend.

Diese Gegenbewegungen sind ganz typisch, ein starker Bullenmarkt - und den haben wir definitiv - ändert nicht "mal so eben" die Richtung, sondern das ist in der Regel ein Prozess von mehreren Hochs.

Heute ist daher so ein Tag, an dem wir Geduld haben müssen. Wenn der Absturz von Freitag Abend Bedeutung hatte - und danach sah die Markttechnik wirklich aus - müsste sich nach dem heutigen schwachen Bounce schon bald, spätestens bis Mittwoch, wieder Schwäche anschliessen, wobei ein Test der wichtigen Unterstützung-Zone von 1600 im S&P500 dann durchaus wahrscheinlich ist.

In Anbetracht der heutigen "Wartestellung", will ich heute nur ein paar kurze, grundsätzliche Gedanken zu drei Segmenten des Marktes mit Ihnen teilen:

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Hari Live – Archiv 26.05.13 – 01.06.13

Premium gross

Hari Live - Archiv 26.05.13 - 01.06.13

Freitag - 31.05.13 22:50 - S&P500

Ich bin zu müde um nun noch ein Chart zu basteln, aber den Absturz im S&P500 kann ja nun jeder sehen. Schade das wir keinen SoS mehr hatten, weil eben kein "Strength" mehr da war, aber ich bin sicher der wäre gigantisch gewesen. Das waren nicht die kleinen Anleger, die hier auf den Verkaufsknopf drückten. Und erinnern Sie sich an den grossen SoS bei Procter&Gamble gestern, den ich hier erwähnt hatte ? :-;

Gleichzeitig sind die Bonds (zb TLT) im späten Handel noch einmal kräftig gekauft worden, konnten aber die Hochs der Session am Start nicht erreichen und das nach dem wochenlangen Abverkauf !

Und das ist auch die eigentliche Nachricht, da braut sich was zusammen, das vom Bond-Markt ausgeht. Hierzu auch ein aktueller Artikel von Dan Norcini -> Houston we have a Problem <-

Was das für nächste Woche bedeutet ? Ich habe nicht die blasseste Ahnung. Eben weil wir in historisch unerforschten Gewässern sind. Dieser Markt ist nicht mehr frei, sondern von der Notenbank manipuliert. Und wie sich ein Problem im Bondmarkt auswirkt, darüber zerbrechen sich in dieser Minute die klügsten Menschen der Wallstreet mit 100% Sicherheit die Köpfe und können auch nur rätseln.

Ich sage ganz offen, ich weiss es nicht. Ich kann nur beobachten, was Big Money real macht und das ist ja schon mehr, als die meisten können. Ich will in so einer Phase aber auf jeden Fall nicht in sowieso nach oben überdehnten Sektoren sein und rechne mit Sektor-Rotation. Und ich habe mitten in der Session, als die Kaufprogramme der FED wie erwartet in den "Stall" 😉 gingen, noch einige Puts auf den DAX gekauft, so wie ich Ihnen das hier im Laufe des Tages als Handlungsmöglichkeit angedeutet habe. Das ist übrigens einer der grossen Vorteile, die diejenigen haben, die Freitag Abend noch in den Markt schauen und sehen, wie sich das grosse Geld für die kommende Woche positioniert.

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Zeitenwende an den Märkten ? Von steigendem Gold und fallenden Bonds und Bluechips

Monatelang haben sich die Märkte - befeuert durch die Liquidität der Notenbanken - immer weiter nach oben bewegt. Der Trade war immer der gleiche, Long weltweite Bluechips insbesondere Nahrung und Healthcare, Long Nikkei, Short Gold.

Nun passieren aber seit einigen Tagen bemerkenswerte Dinge unter der Oberfläche der Märkte. Wir haben steigende Bondrenditen, in Japan wie in den USA. Gerade die langlaufenden US Bonds haben nun Chartstrukturen, die dazu verleiten den Hinterkopf zu kratzen und sich zu fragen, ob die "Great Rotation" nicht schon längst begonnen hat.

Und wir hatten nun erste Einbrüche bei den oben genannten Bluechips. Coca-Cola oder Procter & Gamble waren gestern über 2% im Minus. Das passiert nicht alle Tage und das der S&P500 sich trotzdem gut hielt, verbirgt nur hinter einer Fassade, dass unter der Oberfläche massive Umschichtungen im Gange sind.

Aber auch der Nikkei hat erste Einbrüche erlebt und der Rebound wurde an den beiden letzten Handelstagen wieder verkauft, was für eine grössere Topbildung spricht.

Passend dazu haben die Gold- und Silberminen gestern eine gewaltige Rally hingelegt. Hecla Mining (WKN: 854693) stieg alleine 11%, der GDX um 4,6%. Und Gold zieht heute in der Frühe nach, über Nacht wurde die hart umkämpfte 1400 USD Marke geknackt, über die ich hier so viel geschrieben habe.

All das sind Indizien, dass eine Zeitenwende an den Märkten bevor stehen könnte. Zeit dafür wäre es ja allemal ! Man beachte dabei aber auch bitte den Konjunktiv. 😉

Denn ich warne davor, zu schnell und zu überzeugt auf den Zug der Wende aufzuspringen. Ein derart starker Bulle wie wir ihn nun hatten stirbt nicht einfach mal "so eben". Das ist eher ein langwieriger, quälender Prozess der immer wieder von Gegenbewegungen unterbrochen wird. Solange aber die tieferen Hochs von Vorgestern nicht nach oben geknackt werden, bleibt die Topformation auf der Agenda und der Markt nervös. Anders herum ist aber nicht wirklich etwas passiert, solange der Leitindex S&P500 die 1600er Marke nicht nachhaltig nach unten durchschlägt. Ich hatte das ja -> hier <- ausführlich dargestellt warum und wieso.

Auch Markt- und Charttechnisch gibt es eine Reihe von Indikatoren, die zur Vorsicht mahnen. So wird im Moment im Markt viel über das "Island Reversal" geredet, das Vorgestern auftrat und das oft einen Top indiziert. Aber eben nur oft und wir wissen ja, wieviel diese technischen Parameter in den letzten 6 Monaten im Lichte der Steroide der Notenbanken wert waren: wenig bis nichts ! Hierzu gibt es im amerikanischen ein Sprichwort, das es gut trifft: "It doesn´t matter, until it matters." 😉

Auch hier lassen Sie sich also nicht von den ganzen Meinungsverkäufern mit Glaskugeln ins Boxhorn jagen, die vermeintliche Sicherheit in eine Richtung verbreiten. Das ist eine opportunistische Masche und die wissen es selber nicht und sind auch nur hinterher mit klugen Sätzen da. Mitten im Schlachtengetümmel ist da nur das grosse Schweigen.

Tatsache ist, dass die Märkte Signale senden die eine Zeitenwende nun möglich erscheinen lassen und zur Vorsicht mahnen. Tatsache ist aber auch, dass diese Zeitenwende erst vollzogen ist, wenn sie vollzogen ist. Und dafür braucht es mehr als ein gehyptes Island Reversal und ein paar Tage an denen die alten Trends in die Gegenrichtung laufen.

Denn Tatsache ist auch, dass die Notenbanken weiter drucken und dass der Markt voll ist mit Marktteilnehmern, die diese Rally verpasst haben und nur deshalb nun bärische Weissagungen produzieren, weil sie sich nichts sehnlicher wünschen, als das die Kurse Ihnen noch einmal einen Einstieg ermöglichen. Genau aus dieser Ecke kommt dann aber auch das Futter, dass jeden Dip kaufen lässt und so jede Korrektur sehr flach hält. Deutlich wird das erneut von den Erhebungen von -> Cognitrend <- unterstrichen, denn das Bärenlager ist erstaunlich gross und der Markt damit weit von einer euphorischen Überdehnung entfernt.

Die Zeitenwende ist also erst dann vollzogen, wenn dieses "Buy the Dip" aufhört. Im Moment ist das nicht der Fall, wie erst gestern erneut der S&P500 gezeigt hat. Und wie wir wissen, zählt im Markt das was ist und nicht das, was man sich wünscht oder erwartet.

Im Moment ist es also primär unsere Aufgabe wachsam und neutral zu sein. Statt uns von "Gurus" einen Bias in die eine oder andere Richtung aufdrücken zu lassen, müssen wir unsere Energie darauf verwenden zu beobachten. Was macht der Markt, kommt "Buy the Dip" wieder und wann ist die Wende vollzogen ?

Was wichtige Marken und Indikatoren sind, um die Lage bei S&P500, DAX, Bonds, Gold und Goldminen zu beurteilen, will ich im Folgenden mit den Premium-Mitglieder besprechen.

Und als Folge der neuen Lage auch Änderungen im Setup-Monitor vornehmen und zwei neue, erfolgsversprechende Setups aufnehmen:

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