Grundlagen der Stops IV – Der Volatilitäts-Stop

Mit dem folgenden Artikel will "Lehrer Bömmel" sie auf eine spezielle Technik aufmerksam machen, mit der man Stops "automatisch" definieren kann. Etwas wovon ich ansonsten abrate, mit dieser Technik aber durchaus Sinn machen kann.

Als Grundlage sollten Sie dazu das Konzept der Average True Range (ATR) verstanden haben, wie ich es ihnen in -> Grundlagen der Stops II – Trailing Stops und ATR <- nahegebracht habe. Ich setze dieses Verständnis im Folgenden voraus.

Diese spezielle Art ist der sogenannte "Volatilitäts Stop", hinter dem sich genau genommen oft einfach nur eine konkrete Umsetzung der ATR verbirgt. Denn hier wird die Volatilität zum Maßstab gemacht, wie weit die Triggerpunkte von den aktuellen Kursen entfernt sind.

Der "Volatilitäts Stop" markiert im Fall eines Abwärtstrends die Punkte oberhalb des Kurses, zu denen man wieder einsteigen könnte. Und markiert in einem Aufwärtstrend die Punkte unterhalb des Kurses, zu denen man aussteigen könnte.

Diese Niveaus können durchaus als automatisierte und nachlaufende Stops verwendet werden und so Teil einer automatisierten Handelsstrategie sein. Aber auch zur Indikation von Trendwechseln kann der Indikator verwendet werden, da die Kreuzung auf eine Trendwende hinweist, ähnlich wie das bei Kreuzungspunkten zwischen kürzeren und längeren gleitenden Durchschnitten der Fall ist.

Der Indikator - der unter anderem von Tradingview unterstützt wird - bildet also faktisch die Average True Range (ATR) geglättet ab. Man wählt den Zeitraum der Glättung und den Faktor der ATR, um den man standardisiert Abstand halten will und schon bekommt man automatisierte Ein- und Ausstiegspunkte, die nicht immer perfekt, oft aber gar nicht so schlecht und auf jeden Fall besser als Raten sind.

Denn die Berücksichtigung der Volatilität bei der Wahl des Stops ist äusserst sinnvoll und starren Abständen in der Regel deutlich überlegen. Einem wackeligen Markt muss man eben mehr Raum zum Schaukeln und Atmen geben, während die erste starke Bewegung aus einem ruhigen Markt oft schon richtungsweisend sein kann.

Da Bilder mehr sagen als tausend Worte, will ich ihnen das mal am Verlauf des SPY seit dem Mai im Daily zeigen und habe dabei den Volatility Stop auf 50 Tage und einen ATR-Faktor von 2 eingestellt.

Zusätzlich habe ich - um die Übersichtlichkeit zu erhöhen - mit lila Pfeilen die Kerzen markiert, zu denen man via Volatilitäts-Stop jeweils auf die "andere Seite" wechselt.

Ein Pfeil nach unten ist also ein Ausstieg, von dem Moment an liegt der Stop in Rot oberhalb des Kurses. Und ein Pfeil nach oben ist ein Einstieg, von dem Moment an liegt der Stop in Grün unter dem Kurs.

Unter dem Chart habe ich zusätzlich die ATR als Indikator hinzugefügt, damit man sieht wie die Abstände der Stops zum Kurs sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Klicken sie auf das Chart zum Vergrößern:

Das ist doch so schlecht nicht für eine automatische Methode, es gab durchaus sinnvolle Ausstiege am 11. Juni, 03. September und 26. Oktober - eine Woche vor der Wahl. Sinnvolle Einstiege gab es am 06. Juli, 30. September punktgenau zum Ende der September-Korrektur und am 04. November um die Wahl-Rally mitzunehmen. Recht beeindruckend wie ich finde.

Man hat damit im obigen Fall im Saldo monetär nichts gewonnen, weil es ja nur kurze Pausen in einem bestehenden Aufwärtstrend waren, man hat aber eine automatisierte Absicherung für den Fall, dass der Aufwärtstrend eben doch ernsthaft abknickt. Dann hätte man mit diesen Stops ein deutliches Alpha generiert, sprich die Verluste deutlich eingedämmt. Eine Absicherung, die aufwärts kaum etwas kostet, bei schweren Einbrüchen aber wirkt, das ist doch eine schöne Sache!

Aber auch langfristig können Investoren die Technik nutzen, auch für die Positionsgrößen-Strategie kann das gute Signale liefern.

Ich habe hier für sie noch den SPY im Monthly seit Lehman und was wir da sehen gefällt auch. Mit der obigen 50,2 Einstellung wäre man Lehman völlig aus dem Weg gegangen und hätte im Aufstieg trotz mitlaufender Sicherung praktisch nichts verloren. In Summe ein erhebliches Alpha und das mit einem *automatischen* Tool!

Na? Nun interessiert? 😀

Natürlich ist nicht immer alles perfekt, im März im Daily wären im Absturz einige unnötige Zappler dabei gewesen, die man mit Marktverständnis hätte vermeiden können. Aber das ist kein Wunder, weil so ein einzelner, relativ trivialer Indikator kann keineswegs jederzeit perfekte Signale liefern. Und wenn man den Faktor erhöht, wird die Reaktion bei Wenden immer zäher, man muss also einen TradeOff machen.

Für Anleger die sich in Situationen sehr unsicher fühlen und emotional hin und her geworfen werden, ist so ein Indikator aber ein großer Schritt nach vorne und auch die Ergebnisse werden trotz aller Unzulänglichkeiten mit so einem Indikator deutlich besser sein, als das Ergebnis von reiner Angst und Gier.

Auch von den Volatilitäts-Stops gibt es unzählige Abarten, bekannte Varianten sind zum Beispiel die -> "Chandelier Stops" <- oder die -> "Keltner Channel" <-.

Sie müssen auch die Volatilität nicht unbedingt über die ATR messen wie die Keltner Bänder, es gibt auch Varianten die zum Beispiel die Bollinger Bänder als Grundlage benutzen und viele andere Verfeinerungen und Varianten.

Wie bei so vielen Gebieten der technischen Analyse, kann man sich dabei mal wieder verkünzeln und viele tun das auch, im Versuch den "heiligen Gral" zu finden. Dabei vergessen sie aber gerne den Kern ihren Tuns, nämlich Geld zu verdienen, statt nur zu gründeln. 😉

Sie wissen wie ich dazu stehe, jegliche Überoptimierung ist mir ein Greuel und ich wähle meine Methoden nach dem KISS-Prinzip und der "gut genug Logik", was aber nicht bedeutet, dass diese einfachen technischen Varianten wertlos wären - im Gegenteil!

Nein, ich empfehle ihnen durchaus sich da einen groben Überblick zu den verschiedenen Volatilitäts-Stops zu verschaffen, ich kann ihnen nur keine einzelne Variante herausragend empfehlen, weil alle ihre Vor- und Nachteile haben und es letztlich eine persönliche Stilfrage ist.

Wenn sie solche Art automatisierter Stops in ihre Strategie einbauen wollen - und sei es auch nur um ihre Entscheidungen zu hinterfragen - ist es daher wichtig, dass sie sich irgendwann auf eine Variante richtig einlassen und diese dann auch produktiv erlernen und damit Erfahrung gewinnen.

Vergeuden sie ihre Zeit also nicht damit das Gras auf der anderen Seite des technischen Zaunes grüner zu finden, sondern nutzen sie ihre Zeit um eine Variante dieser Technik so zu beherrschen, dass sie diese auch produktiv einsetzen können!

Das ist die Botschaft die ich ihnen mitgeben will, Überoptimierung führt am reflexiven Markt zu nichts, richtig und pragmatisch eingesetzt ist das Prinzip des Volatilitäts-Stops aber wichtig und wert, von jedem Anleger verstanden zu werden.

Ich selber setze diesen Stop als reinen Indikator ein, ich handele darauf aber nicht automatisiert. Ich nutze diese Signale aber, um meine Entscheidungen zu hinterfragen bzw zu stützen, es ist also ein Faktor, der in das Gesamtbild einfliesst.

Ihr Hari

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The day before tommorow



Man hat nicht den Eindruck, als ob dieser Markt vor Trump noch ernsthaft in Bewegung kommen will und so lohnt es sich auch nicht, mehr als flüchtige Beobachtungen zu machen.

Es ist halt einfach so, dass der Drache noch schläft, wir wissen dass er irgendwann aufwachen und dann richtig in Bewegung geraten wird, da wir aber das Datum nicht kennen, müssen uns in dem Üben, was am Schwierigsten für uns ist: Geduld. 😉

Für die längerfristig denkenden Investoren unter uns, sei gesagt, dass mein grobes Marktmodell unverändert gegenüber dem Start des Jahres fort besteht. Und das lautet auf den heutigen Tag übersetzt:

(1)

Die Märkte sind eher in einer neuen, grundlegenden Aufwärtsphase nach langer Konsolidierung seit 2015, denn kurz vor einem nachhaltigen Absturz und neuem 2008. Chris Ciovacco hat vor Kurzem -> das hier getwittert <- und das gibt doch einen ganz guten Eindruck.

Alternativ erinnere ich an mein grundlegendes, abstraktes Chart von vor einer Woche, dort wird deutlich, was für mich die Konsolidierung war:

Egal wie wir rechnen, wir haben uns aber lange - über mehr als ein Jahr mindestens - seitwärts bewegt. Das Potential für Dynamik ist also da und wir sollten 2017 nicht zu pessimistisch sehen.

(2)

Mit Blick auf die nächsten Monate, ist eine klare Korrektur, die die hoch spriessenden Erwartungen an Trump auf eine gesundes Mass stutzt, im ersten Halbjahr hoch wahrscheinlich. Nicht sicher, aber hoch wahrscheinlich.

Wann diese startet und was der Katalysator dafür ist, ist die Frage, die man im Vorfeld nicht beantworten kann. Trump selber kann die mit ein paar Tweets auslösen, wenn es die Falschen sind. Das ist halt so, damit müssen wir leben, niemand kann den exakten Zeitpunkt im Vorfeld benennen.

(3)

Was wir aber können, sind Wahrscheinlichkeiten für diese Korrektur benennen. Die sind im Moment zwar hoch, aber nicht sehr hoch. Ein weiterer Schub nach oben nach der Amtseinführung ist gut denkbar, gerade weil alle nun so skeptisch werden.

Wenn dieser Schub aber kommen sollte, verändert er die Risiken ins Negative. Sollte so ein Schub nun also ohne Korrektur erneut kommen, wird das Risiko danach noch höher und die folgende Korrektur potentiell giftiger.

Das ist das grobe Modell mit dem ich derzeit operiere. Und daraus leitet sich eine weiter bullische, aber doch eher verhaltene Aufstellung mit viel Cash ab. Wer es genauer will, sollte jemanden mit Glaskugel befragen oder das Gekröse von Fröschen zu Rate ziehen. 😉

Kommen wir zu einzelnen Situationen im heutigen Markt. Auch derer sind nicht so viele:

Zu Hugo Boss will ich nun nicht das dritte Chart in kurzer Zeit malen, ich will nur sagen, schauen Sie hin. 😀

Cameco schnappt markant zurück und nun werden wir sehen, wie viel Überzeugung hier im Markt ist:

Da ich es im Forum vor Kurzem auch noch einmal gesagt habe, will ich es auch hier wiederholen:

Börse ist nicht digital im Sinne: "Wenn der Kurs da durch ist, dann wird der Wahrscheinlichkeits-Hebel digital von 0 auf 100 umgelegt".

Börse ist das permanente Spiel mit Wahrscheinlichkeiten, die nie 0 und nie 100 sind und immer etwas " Nerviges" dazwischen. Für einen Rebound gilt ganz grundsätzlich:

Je schwächer ein Rebound ist, desto stärker der Trend und desto stärker muss man von einer Trendfortsetzung ausgehen. Solange aber ein Rebound nicht mehr als 50% der Bewegung wett macht, kann man eher von Trendfortsetzung oder zumindest einem erneuten Test des Bodens ausgehen. Denn nicht nur die Trendfortsetzung, auch der Doppelboden ist immer eine Option beim schwachen Rebound.

Mit dem Charakter des Rebounds, verschieben sich die Wahrscheinlichkeiten dann graduell. Ich weiss das hört sich schwierig an, das ist es aber nur, wenn man am Markt nach mathematischer Präzision und klaren wenn->dann Bedinungen sucht. Der Markt ist aber nicht digital, er ist analog.

Was heisst das konkret bei Cameco?

Nun erst gestern, hatte ich in -> Das Monster ist zurück <- gesagt:

Ich bin übrigens trotzdem nicht pessimistisch für Cameco. Wenn die Aktie nun in die Region um 11 USD herunter kommen würde, wäre das wohl eher ein Geschenk und sinnvoller Einstiegspunkt

Hinter der Aussage stand die Annahme, dass der Sektor mit dem neuen Fokus auf Preis statt Masse in Kasachstan, vor einer grundlegenden Trendwende steht und nun nur nach oben zu überdehnt ist.

Warum sollte ich das heute anders sehen?

Der bisherige Rebound von CCJ ist bisher markant und nicht schwach, er ist aber auch nicht so massiv, dass er alle Zweifel beseitigt. Er ist "so lala" im Angesicht von 18% Minus gestern. Das kann sich ja aber im Laufe des Tages noch zum Positiven ändern, der Tag ist ja nicht vorbei.

Daraus folgt, dass eine Rückkehr zu den Tiefs ganz gute Chancen hat, aber nicht sicher ist. Auch ein Einschwingen seitwärts von hier und eine Seitwärtsphase über Wochen wäre nichts, was ungewöhnlich wäre.

Die Kernaussage, dass bei 11 USD eine langfristig sinnvolle Einstiegszone existiert, bleibt aber richtig, solange die Grundannahme richtig bleibt.

Wer also etwas langfristiger denkt, hat gestern Abend bei unter 11 USD auf den Kaufknopf gedrückt. Falls es jemanden glücklich macht, ich habe das getan, nachdem ich vorher bei 13 USD Gewinne realisiert hatte, was ich ja 6 Tage vorher in -> Vorher ist Jetzt <- auch thematisiert hatte.

Langfristig positive Haltung zum Wert, bei 13 abgebaut und bei unter 11 wieder aufgestockt. So habe ich gehandelt und es vorher bzw zeitnah hier thematisiert. Für Weiteres ist nun Abwarten angesagt, wie sich der Einbruch nun einschwingt - oder nicht.

Bei Gold war eine ganz ähnliche Frage im Forum. Es gibt keine exakte Marke, ab der Gold nun digital sicher nur einen Retest hat oder einen neuen Einbruch.

Es gibt aber eine Unterstützungzone um 1.200 USD, die durch diverse Hochs- und Tiefs der letzten Monate definiert ist. Diese hatte ich nach meiner Definition eingezeichnet und kann jeder selber im Chart nachvollziehen.

Unterstützungszone heisst, dass der Kurs mit hoher Wahrscheinlichkeit dort nicht durchrauscht, sondern dort hin und her mäandriert und sich erst dann entscheidet, wohin die Reise geht. Genau das macht Gold bei 1.200 USD gerade.

Die Chance, dass ein Kurs wieder nach oben dreht, ist in einer Unterstützungszone eben höher als "irgendwo", nicht mehr, aber auch nicht weniger. Erneut, der Markt ist nicht digital, er ist analog und mehr als diese kleinen Tendenzen bei den Wahrscheinlichkeiten haben wir nicht, um den Markt zu navigieren. Die Muster im Chart helfen uns sehr gut dabei, diese kleinen Tendenzen visuell zu identifizieren.

Auch 3D Systems (DDD) hatte ich schon erwähnt, dass wir da nun mal hinschauen sollten. Nun stösst die Aktie nach weiterer Stärke an die obere Begrenzung des Kanals. Hier also Augen auf:

Übrigens, Aluminium generell und Century Aluminium (CENX) im Speziellen, setzt seine Rally fort:

Ich hatte die Aktie vor 6 Tagen in ->der nette Herr Xi <- eingeführt und dazu geschrieben:

In die Zukunft geschaut, dürfte dieser ganze Trade sehr stabil und aussichtsreich bleiben. Denn wenn Trump irgendwo im Wort ist, dann bei seinen Wählern aus den alten Industrie-Regionen, die unter der Flut billiger Produkte aus China gelitten und ihre Jobs verloren haben. Hier wird es mit hoher Sicherheit harte Massnnahmen und auch Abschottung geben. Und das tut solchen Aktien erst einmal gut.

Wenn Sie mich nun fragen, wie man so etwas handelt, liegt die Antwort wieder in den Chartstrukturen. Bis zur oberen Begrenzung des Trendkanals, also bis ca. 11.5 USD liess man einfach den Ausbruch laufen.

Damit war dann ein sinnvolles Ziel erreicht. Nun musste man in dem Moment aber nicht zwingend den Gewinn mitnehmen, sondern hätte auf die Trailing-Stop Logik wechseln können, die ich hier erklärt habe: -> Grundlagen der Stops: Trailing Stops und ATR <-.

Damit hätte man für den "Preis" von wenigen Prozent die man vielleicht wieder abgeben würde, die Chancen nach oben weiter dabei zu sein und ist es dann aktuell noch. Der Abstand ergibt sich aus der ATR.

So weit für Heute.

Machen Sie es gut bis Morgen, bis zum Tag, an dem "The Donald" der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird.

Wer hätte das vor einem Jahr gedacht? Eben, komme mir also noch mal jemand mit pseudopräzisen Zukunftsprognosen. Wer einen Schredder neben sich hat weiss, wo diese abgeheftet werden müssen. 😉

Ich werde Morgen einen normalen ruhigen Freitag mit zwei Berichten zu den normalen Zeiten vollziehen. Die Frage wann und ob überhaupt sich Trump ernsthaft zu politischen Absichten äussert, ist mir zu offen, als das ich Lust habe meinen Freitag Abend hier in Bereitschaft zu verbringen.

Ihr Hari

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Ballistische Flugbahn



Jetzt hat er mich auch der Bastard.

Wen meine ich? Mr. Market natürlich. Irgendwann kriegt er jeden - ausnahmslos. 😀

Seit Trumps Sieg, war ich wie Sie erlebt haben, fast perfekt synchron mit dem Markt. Schnell die richtigen Schlüsse gezogen, bis zur Thanksgiving Woche auf dem Gaspedal geblieben und die leichte Korrektur danach gut getimed. Einen Monat war ich fast perfekt dabei.

Und dann kam die aktuelle Woche, in der ich zu Beginn indifferent und mir zum ersten Mal nach längerer Zeit nicht sicher war. Klar, ich sah das Momentum und die Möglichkeit, dass dieser Markt einfach weiter rennt. Aber so sicher wie in den Wochen vorher, war ich mir nicht mehr.

Und was macht dieser Markt diese Woche? Dreht durch und fängt an zu rennen, als ob er den Verstand verloren hätte. 😉 Die Bewegung im DAX über 10.800 hat ja noch Logik und hatte ich definitiv auf dem Radar, oft habe ich darüber geschrieben. Aber das Momentum, das nun in den US wieder einsetzt: Wow!

Und so hat mich dieser Bastard auch mal wieder erwischt. Nicht auf dem falschen Fuss, ich bin ja immer noch deutlich Long, aber eben doch lange nicht so aggressiv, wie ich hätte sein können.

Das ist alles nicht tragisch, es passiert einfach - jedem - irgendwann. 😉

Warum mir das hier passiert, ist auch nicht verwunderlich. Ich bin eben ein "old-fashioned-trading-guy" was die Marktbewegungen angeht, trainiert auf menschliche Reaktionen. Was wir hier aber sehen, hat ganz viel mit technischer Momentum-Jagd zu tun, der Markt füttert sich sozusagen selber nach oben.

Was mir aktuell einfach fehlt, sind die natürlichen Luftholer, das "zwei Schritte vor, einer zurück" Prinzip des Marktes. Wir sind nun wirklich gnadenlos überkauft, das Momentum treibt den Markt aber trotzdem einfach weiter hoch.

Ende kommender Woche ist dann auch noch der grosse Hexensabbat des Jahres, die Optionen verfallen und das treibt einigen Marktteilnehmern nun zusätzlich Schweissperlen auf die Stirn. Da der Markt nicht korrigiert, müssen sie sich repositionieren - sie haben ja keine Chance das auszusitzen - und damit bekommt die Rally noch mehr Momentum. Wie ich oben sagte, füttert die Rally sich nun selber.

Ein anderer "old-fashioned-trading-guy", den ich ja oft zitiere, hatte dafür gestern mal wieder die richtigen Worte:

-> everyone agrees - market action is nuts <-

This market is now a game of chicken between the funds that are focused on countless metrics that show how extended everything is vs. the momentum players and program traders who aren't going to back off until the price action shifts. The bears keep telling us there is no reason for this one-sided action to continue, but the folks who are holding long are simply ignoring them.

The one thing the bulls and bears do seem to agree upon is that the action is downright nuts. The buy programs went nuts, the put/call ratios are illogical and the volatility measures indicate growing complacency and no fear.

The dilemma of this market is that it is great action for existing positions but terrible if you are trying to find new ones. There are momentum players who have no problem with buying a Goldman Sachs (GS) that has moved straight up 33% in less than a month, but there are many more who wouldn't touch it at this point.

Over 1,200 stocks are making new 12-month highs again today, so there are many others that are technically extended like Goldman Sachs. At the moment, it doesn't matter one bit and it may not matter for a while, but the one great certainty of the market is that the cycle will shift and we'll be wondering how stocks can sink so much when there are lots of good reasons why they shouldn't.

So ist es. Womit wir bei der Frage sind, was ich Ihnen hier raten soll?

Die Antwort hängt ganz von Ihnen ab. Davon, ob Sie die Zeit, Fähigkeiten und Nerven haben, derartiges Momentum zu spielen. Oder ob Sie die nicht haben und lieber langsam und ruhig akkumulieren wollen.

Wenn Sie ein "Momentum-Trader" sind. Wenn Sie das aktuelle Momentum von der Präsenz und den Fähigkeiten her spielen können, dann sage ich Ihnen, dass ein Markt der so nach oben abgeht, noch viel weiter laufen kann, als wir uns das vorstellen können. Ich wiederhole in dicken Buchstaben: "Noch viel weiter, als wir uns vorstellen können!"

Sicher steigt mit jedem Tag die Korrekturgefahr und je länger es dauert, desto schärfer wird sie. Aber der Tag der Wende ist nicht zu timen, bilden wir uns da gar nichts ein. Ich will als Beispiel so eines Runaway-Moves, mal wieder Silber im April 2011 zeigen, das ist der Klassiker zu diesem Thema.

Ich habe mal spasseshalber irgendwo in der Bewegung den blauen Pfeil gesetzt. Stellen wir uns vor, wir wären jetzt da. Das Momentum wäre gnadenlos - so wie heute. Der Markt wäre massiv überdehnt und korrekturreif - so wie heute.

Es gab damals keinen Weg, wirklich *keinen*, präzise zu antizipieren, wann genau diese Rally drehen würde. Und die Regel, dass solche Bewegungen weiter und höher gehen, als man sich vorstellen kann, wurde damals exakt bestätigt.

Alles was man als "Momentum-Player" damals machen konnte und heute machen kann, war mitzugehen und die Stops im Sinne Trailing Stop permanent nachzuziehen. Wenn Sie das können und sich zutrauen, ist das auch heute die Methode, mit der Sie diesen Markt agressiv spielen können, der vielleicht auch wie Silber in 2011 viel weiter läuft, als wir heute denken.

Mit der normalen Marktechnik, kann man das normale Hin- und Her, die Folge der Wellen bei Ebbe und Flut, hervorragend spielen und antizipieren. Aber das hier wie bei Silber, das ist wie eine Kanonenkugel auf ballistischer Flugbahn. Am Ende gewinnt die Gravitation, aber bis dahin fliegt und fliegt sie. Das entzieht sich normaler Methodik, weil der Markt sich selber hoch füttert, bis er irgendwann in den Stall gerät. Und dann geht es abwärts.

Schon zweimal hatte ich zu diesem Thema hier den schönen Clip aus -> The right Stuff <- mit Chuck Yeager - dem Mann der die Schallmauer durchbrach - beim Versuch einen Höhenrekord aufzustellen und das Weltall vor den Mercury Astronauten zu erreichen. Ich kenne keine Szene, die das Prinzip des "Stalls", des Strömungsabrisses so perfekt darstellt.

Hier ist er zum dritten Mal. Aber egal. Sie müssen sich das als Börsenritt so einer Bewegung mit nur leidlich funktionierenden Stops vorstellen. 😀 So fühlt sich das dann an. 😛

Übrigens, wen es interessiert, der echte Yeager ist nun 93! und lebt noch. 1947 durchbrach der die Schallmauer, 2012 mit 89, sass er noch in einer F15. Die Knochen sind brüchig, die Haltung noch ganz die alte. Es gibt Leute, die wollen einfach nicht alt werden. 😀
-> Chuck Yeager <-

Wenn Sie aber diese Zeit und diese Präsenz nicht haben. Wenn Sie derartiges Momentum nicht spielen können, dann kann ich Ihnen nur raten: rennen Sie den nun schon extrem gelaufenen Werten der "World of Donald" nun *nicht* mehr hinterher, solange es keine Korrektur gibt.

Sie waren hoffentlich mit mir dabei, ich habe ja direkt nach der Wahl so deutlich zum Halali geblasen, wie ich das nur kann. Wenn Sie also noch drin sind, bleiben Sie dabei und nutzen Stops. Aber rennen Sie nicht mehr mit frischem Geld solchen Fahnenstangen hinterher.

Machen Sie statt dessen etwas anderes, denn dieser Markt ist stark und sieht weiter gut aus, selbst wenn extrem hoch geschossene Werte mal wieder davon 30-50% abgeben müssen. Akkumulieren Sie aussichtsreiche Aktien und Sektoren, die noch nicht so extrem abgeflogen sind. Tech wäre zum Beispiel so ein Sektor.

Oder nutzen Sie die zwangsläufigen Dips um zu akkumulieren, ganz ruhig und gelassen, aber rennen Sie nicht hinterher.

Und diese Dips kommen, es braucht nur einen Katalysator. So läuft so ein Dip gerade bei den Rüstungsaktien. Schauen Sie mal, was NOC und LMT gestern gemacht machen, sozusagen die "Yeager-Aktien", die neben Boeing am stärksten von der AirForce profitieren:

Klar, beide Aktien waren schon für sich alleine korrekturreif, waren einfach in der "World of Donald", zu schnell zu weit gelaufen. Aber das reicht nicht, wie wir ja gerade wieder am breiten Markt sehen, es braucht den Katalysator.

Und der Katalysator ist hier perfider Weise Trump selber mit seinem Boeing-Tweet. Denn nach kurzer Schrecksekunde, fragt sich der Markt nun, ob Trump nicht auch mit anderen vom Pentagon und damit dem Wohlwollen des Präsidenten abhängigen Firmen, so umspringen wird. Und so wird diese Abhängigkeit, die vorher zur Rally führte, nun auch zum leichten Risiko und der Markt preist das ein.

Am Ende, wenn Sie in aussichtsreichen Sektoren ruhig akkumulieren wollen, sind solche Dips aber Gelegenheiten.

Also, wenn Sie kein "Momentum-Player" sind, sondern es - gewollt oder durch die Umstände gezwungen - ruhiger angehen wollen/müssen, dann halten Sie sich nun von diesen Fahnenstangen-Kursen fern - das wird zu riskant ohne enge Begleitung.

Akkumulieren Sie statt dessen da, wo aussichtsreiche Aktien und Sektoren auf einen Dip treffen oder sowieso noch Nachholbedarf haben.

So .... das ist mein bester Rat an diesem Freitag Morgen, nachdem der DAX bei 11.200 (Schluck) und der S&P500 bei 2.250 stand (ebenso Schluck).

Aber am Ende, Dip hin oder her, trauen Sie diesem Markt weiter etwas zu. Das ist eine Büffelherde in Bewegung, nichts sonst. Und eine richtige Flut hebt am Ende alle Boote.

Am heutigen Freitag wäre nach so einem Fest nun eine träge Seitwärtskonsolidierung normal. Besondere Wirtschaftsdaten kommen heute nicht und bald richtet sich der Blick des Marktes auf die FED. Aber was ist an diesem Markt normal?

Wenn Sie Rebound-Szenarien mögen, können Sie jetzt mal wieder auf die schwer verprügelte Gea Group schauen. Da kamen nun Hochstufungen und das Chart sieht so aus:

Ansonsten sehen viele Aktien des DAX immer noch gut aus. Etwas Luft dürften die noch haben, bevor zwangsläufig die Gravitation wieder zerrt. Schauen wir mal auf diese perfekte, bullische Flagge der Allianz, die ich ja vor 2 Wochen in -> Der Markt als Truthahn <- schon thematisiert habe, bevor sie getriggert ist.

Nun sieht das so aus und hat nach den Measured Move Prinzipen durchaus noch etwas Luft bis knapp unter 170€, dann ist aber eine Pause unvermeidlich:

Übrigens, zum Schluss noch etwas sehr Lesenswertes von Adam Grimes: -> You are, what you read <-

Wir finden darin viele Wahrheiten wieder, die uns auch zeigen, wie froh und glücklich wie hier in der Community sein können. Hier werden Chancen besprochen und keine Ängste verbreitet. Hier werden Informationen ausgetauscht und keine Ego-Schlachten geschlagen. Hier wird gelernt. Hier haben Crash-Propheten keine Chance, die laufen gegen meinen rechten Haken. 😉 So muss es sein, nur so kann es sein. Anders funktioniert Erfolg am Markt nicht.

Ich melde mich am Nachmittag noch einmal. Jetzt mache ich wieder Chauffeur. Meine Diva hat aber die kleine OP gut überstanden, ich hole sie aus dem Krankenhaus und freue mich auf das Wochenende!

Ihr Hari

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Scharfe Gewinnmitnahmen



Guten Morgen!

Gestern war ein merkwürdig wirkender Börsentag. An der Oberfläche der Indizes, haben wir nur eine mässige Konsolidierung gesehen, wie sie zu erwarten war. Die genannten 9.600 im DAX und 1.950 im S&P500 kamen nie ernsthaft in Gefahr.

Unter der Decke aber, gab es massive und scharfe Abgaben in fast allen Sektoren, die zuvor lange sehr gut gelaufen waren. Rohstoffe, Edelmetalle, Biotech, Semiconductor, Solar, selbst Agrar. Alles wurde mit Macht ausgekehrt, was vorher wochenlang hoch geschossen war.

Das waren sie also nun, die lange überfälligen Gewinnmitnahmen, die schon vor ein paar Tagen hätten kommen sollen. Noch im europäischen Handel war in bestimmten Bereichen wie Biotech davon nichts zu merken, die Wallstreet und die "Goldmänner", haben dann einfach den Hebel umgelegt.

Nun war ja völlig klar, dass das kommen würde und auch in dieser Schärfe. Und trotzdem ist es nie möglich den exakten Tag auf den Punkt vorher zu sehen, auch wenn man gestern nach den China-Daten durchaus mit dem Risiko rechnen konnte.

Und selbst wenn man das wusste und im Vorfeld abgebaut hatte, fühlt es sich bei den verbleibenden Werten immer noch scharf und unangenehm an. Niemand gibt eben gerne "mal eben" 10% der Gewinne ab.

Aus diesem Grund erinnere ich an das, was ich in -> Vom Scheffeln und komplexen Korrelationen <- am Freitag sagte. In den Spätphasen solcher Rallies, wenn sich eine "Fahnenstange" nach oben bildet, ist der Trailing Stop eine legitime und sinnvolle Methode, um bis zuletzt dabei zu bleiben und dann vielleicht 5% unter den Hochs abgeworfen zu werden.

Oder alternativ man fährt sein Positionsgrössen-Management konsequent und dann wären in den letzten Tagen die Risiken so gross geworden, dass man etwas verringert hätte und Teilgewinne mitgenommen hätte. So habe ich es gemacht und auch gestern früh nach den China-Daten noch etwas abgebaut. Trotzdem geht es auch mir dann aber so, dass man hinterher am liebsten auf Null abgebaut hätte, denn Minus sieht immer unschön aus.

Aber so ist das halt, hinterher ist man immer klüger und perfekt kann man diesen Tag der scharfen Wende eben nicht treffen. Wenn man ihn halbwegs getroffen hat, also abwärts mit deutlich weniger Exposure unterwegs ist als aufwärts, hat man schon einen guten Job gemacht.

In Summe ist das Geschehen aber eher positiv. Es sieht bisher alles nach einer rein technischen Reaktion im Sinne Gewinnmitnahmen im überdehnten Markt aus. Und diese Gewinnmitnahmen waren ja wirklich lange überfällig, erstaunlich ist eher, dass sie jetzt erst einsetzen.

Nun muss man noch die Tiefe des Retracements abwarten und daraus Schlüsse ziehen und dann können sich hier vielleicht auch wieder Chancen zum Nachlegen ergeben. Oder eben nicht, wenn diese Sektoren nun wieder komplett wegkippen sollten.

Heute haben wir wieder recht wenig an bemerkenswerten Wirtschaftsdaten, die US Eröllagerbestände werden wie jede Woche um 16:30 Uhr etwas Aufmerksamkeit ziehen.

Sie erinnern sich ja sicher an die gestern Nachmittag gezeigten, beiden Charts zu GDX und XME. Nun schauen wir mal auf Öl und sehe die fast identische Struktur:

WTI 09.03.16

Wir bekommen dadurch bestätigt, dass der Einbruch gestern nicht darauf beruhte, dass sich durch neue Nachrichten bei einem der Rohstoffe etwas geändert hat. Wir haben einfach überfällige Gewinnmitnahmen gesehen, die synchron in allen gut gelaufenen Assets einsetzten.

Etwas verstörend ist diese massive Korrelation aber schon, aber so ist das halt in der schönen neuen Welt der Algos. Letztlich ist es egal, ob man Öl, Kupfer oder Gold hält, die grosse Tendenz ist synchron, weil automatisierte Programme weltweit alle das Gleiche machen.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, wie ein September/Oktober 2008er Event in diesem neuen Environment ablaufen würde. Es würde wohl viel, viel schlimmer, weil alles schnell und hart gleichzeitig zum Ausgang strebt. 2008 haben Algos noch keine bedeutende Rolle gespielt, 2016 dominieren sie zunehmen den Markt.

Was den DAX angeht, rechne ich heute und morgen früh vor der EZB nicht mit weltbewegendem. Grundsätzlich ist die aktuelle Schwäche aber sehr positiv, wir gehen nicht mit überzogenen Erwartungen in die EZB und das Sentiment ist eher skeptisch und nicht euphorisch/erwartungsvoll wie im Dezember.

Sicher hat die EZB die Latte wieder selber hochgelegt, aber dem Markt steckt der Dezember noch in den Knochen und die EZB wird auf keinen Fall ihre Reputation aufs Spiel setzen wollen.

Und dann haben wir noch ein Chart des DAX, das wenn ich mich festlegen müsste, für mich kurzfristig eher nach oben weist als nach unten:

DAX 09.03.16

Also .... wenn heute nichts völlig Überraschendes passiert, können wir wohl noch einmal durchschnaufen. Was bei der EZB dann passieren wird, ist völlig offen und können wir nicht wissen. Vielleicht gibt es grosse Uneinigkeit im Gremium, die harsche Kritik der Banken an den Negativzinsen wird ihre Wirkung entfalten. Und wenn nur ein lauwarmer Kompromiss zustande kommt, wird Draghi wieder enttäuschen und das dürfte ihm schon am Anfang der Pressekonferenz ins Gesicht geschrieben sein, denn diesen Gang tritt er sicher nicht gerne an.

Also noch einmal: versuchen wir nicht zu erraten, was wir nicht erraten können!

Wenn ich aber meinen Blick auf das werfe, was ich wissen kann - nämlich wie der Markt in diesen Termin herein geht und welches Sentiment herrscht, dann bin ich im Gegensatz zum letzten Dezember nicht skeptisch und bärisch eingestellt - damals waren die Erwartungen stark aufgeblasen, so dass man diese kaum übertreffen konnte und ich hatte das im Vorfeld mehrfach thematisiert.

Dieses Mal sind die Erwartungen zwar hoch, aber nicht übertrieben und eine gesunde Skepsis steckt in den Knochen des Marktes. Eine Überraschung nach oben ist also keineswegs unwahrscheinlich und ich habe wenn überhaupt einen klitzekleinen Bias für eine Auflösung nach oben nach der EZB, die den DAX über 10.000 steigen lässt.

So weit heute Früh, ich wünsche einen schönen Tag!

Ihr Hari

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Trend und Erschöpfungshoch



Es gibt Dinge, die muss man immer wieder und immer wieder sagen. Und besonders schön ist das, wenn man sich im Nachhinein anschauen kann, was aus Erklärungen der Vergangenheit dann wirklich geworden ist.

Am Dienstag 17.03.15 10:20 habe ich am Beispiel von Humana Inc. (856584, HUM) - einer Aktie, die wir vorher und hinterher hier nie mehr besprochen haben - ein paar grundsätzliche Zeilen dazu geschrieben, dass man Gewinne laufen lassen sollte.

Damit Sie es alle noch einmal lesen, habe ich den Text noch einmal hier her kopiert:

Heute habe ich noch ein schönes Beispiel für Sie, warum Aktien, die schon weit gestiegen sind, deswegen nicht "teuer" sind. Und warum Trendkanäle auch nach oben ausbrechen können.

Es ist die sensationelle Erfolgsgeschichte des Healthcare-Unternehmens Humana (HUM), das unter anderem auch massiv vom "Medicare"-Programm Obamas profitiert.

Ich will Geschichte und Geschäftsmodell von Humana hier nicht nacherzählen, das können Sie selber im Web lesen. Im Kern haben wir es hier mit "Brot und Butter" Geschäft im Healthcare-Bereich zu tun, also dem Betrieb von Altenheimen, Krankenhäusern und Krankenversicherungen. Mir geht es hier im Artikel um etwas anderes.

Schauen wir zunächst auf das langfristige Chart seit 2008. Der Reflex, den das Chart auslöst ist: "Übertrieben, Fahnenstange, Korrektur unvermeidlich". Wir kennen diesen Reflex, oder? 😉

HUM 17.03.15 1

Nun schauen wir auf den Zeitraum der letzten 2 Jahre und was wir sehen ist einfach nur "WOW" - ein perfekter Trend und Sie wissen ja: "The Trend is your friend".

HUM 17.03.15 2

Mit einem Blick auf die letzten Monate sehen wir dann auch, wie sehr der Trend unser Freund war. Denn wir haben hier einen Ausbruch nach oben! aus dem steigenden Trendkanal!

HUM 17.03.15 3

Und wenn wir dann noch einen Blick auf die Fundamentaldaten werfen, sollte man ja meinen, dass diese nun jenseits von Gut und Böse wären. Aber weit gefehlt, Humana notiert mit der Marktkapitalisierung nur beim halben Umsatz und einem KGV von um die 20 und einem KBV von unter drei. Das ist für so einen massiv steigenden Wert noch sehr im Rahmen.

Was haben wir hier also für einen Fall vor uns?

Wir haben hier ein Unternehmen, dass durch einen massiven Treiber nach oben katapultiert wird. Nicht unähnlich der Situation im DAX, bei dem der Treiber der Euro und die EZB ist.

Hier dürfte der Treiber Obamas Medicare Programm sein, das sich langsam durchzusetzen scheint, zumindest wird das Gegenfeuer der Tea Party leiser.

Und wir sehen, wie oft im Verlauf der letzten Jahre man hätte denken können, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Und doch ist der Trend immer weiter gelaufen. Immer weiter.

Deswegen folgen wir Trends. Und stellen uns nicht gegen den Markt. Denn ernsthaft, wenn Sie sich das Chart oben anschauen, wie viel hätten Sie darauf gewettet, dass Humana nun nach oben aus dem Trendkanal ausbricht?

Wenn Sie mich jetzt fragen, wie das mit Humana weiter geht, habe ich dazu keine Meinung. Mir ist die Aktie zu "politisch" und ich verstehe als Europäer zu wenig, wie die politische Lage rund um Medicare ist. Aus gleichen Gründen fasse ich in Europa auch Aktien wie Südzucker nicht an, weil hier noch der politisch Einfluss um die Zucker-Quote mir die Lage zu unübersichtlich macht.

Aber ich wollte Ihnen mit diesem Post auch nicht die Aktie Humana empfehlen. Ich wollte Ihnen zeigen, wohin Kurse und Trends gehen können, wenn der Treibstoff der Rakete gross und mächtig genug ist. Und Humana ist ja nun kein Biotech-Unternehmen, das mit Innovation hohe Erwartungen erzeugt. Nein, das hier ist eher "Brot und Butter" - Geschäft, hier werden Krankenhäuser betrieben und Krankenversicherungen angeboten. Und trotzdem haben wir so einen Chart!

Die Lehre daraus ist: "The Trend is your friend". Und wir stellen uns NIE gegen den Markt.

So und jetzt mal ganz ehrlich, schauen Sie noch einmal auf das Chart oben. Würden Sie so eine Aktie kaufen?

Jetzt zeige ich Ihnen, wie es weiter gegangen ist, denn das ist sehr lehrreich. Sehen Sie selbst:

HUM 04.12.15

Im Zeitraum zwischen dem Artikel Mitte März bei 174 USD und dem Hoch Ende Mai, hat die Aktie bis knapp 220 USD Ende Mai noch einmal 45 Punkte oder noch einmal 26% zugelegt!

Das ist doch eine Hausnummer, insbesondere weil der Markt in der Phase nur seitwärts eierte. Man hätte also auch Mitte März dieses Chart von oben noch kaufen können. Getan dürfte es fast niemand haben, zu sehr blinkte das "zu weit gelaufen" Schild in unseren Köpfen auf.

Raus hätte man erst gemusst, nach dem passiert war, was sich ein Exhaustion-Top (Erschöpfungshoch) nennt. Das ist, wenn am Ende einer langen Anstiegsphase, unter hohem Volumen und bei guten Nachrichten, alles in eine Aktie rein rennt, diese noch einmal eine massive Trendbeschleunigung erfährt und dann die Käufer ausgehen. In der Luftfahrt ist das der Strömungsabriss, oder auch "Stall".

Ich habe das Chart hier noch mal für Sie, dieses mal um das Volumen darzustellen. Achten Sie auf den gewaltigen Volumen-Spike, schon der erste war klares Signal, dass das ein finales Exhaustion Top war. Danach folgte massive Distribution.

Humana 04.12.15 2

Was lernen wir daraus:

Erstens, dass wir Gewinne laufen lassen. Wir akzeptieren, dass wir dadurch vielleicht ein paar Prozent am Ende wieder verlieren, aber die Chance ist noch höher. Hier waren es selbst nach diesem Chart von Mitte März, noch einmal 26%, die zu holen waren! Die Trendlinie unter der Aufwärtsbewegung, war hier der ideale Massstab zur Absicherung, der uns die ganze Zeit im Trade gelassen hätte.

Zweitens, dass Stärke neue Stärke gebiert. Erneut sehen wir hier also wieder, dass eine Aktie die schon stark gelaufen ist, deswegen eher weiter hoch läuft. Stärke ist ein positives Kriterium und kein Negatives.

Drittens, dass man bei starken Trends - abweichend von der normalen Trendfolge - dann raus muss, wenn am Ende langer Bewegungen, so ein ganz markanter Volumenschub nach oben einsetzt und der dann dreht. Das ist das "Erschöpfungshoch".

Wir müssen bei Drittens aber akzeptieren, dass wir das erst erkennen können, *nachdem* der Markt gedreht hat. Wir akzeptieren also, dass wir ein paar wenige Prozent vom Hoch wieder verlieren werden, das ist es aber wert, um bis zum Schluss dabei zu sein.

Eine ideale Methode um das umzusetzen, ist der enge Trailing Stop, den wir aber abweichend vom Trendfolge-Stop erst dann aktivieren, wenn eine Aktie zu so einem finalen Schub mit Momentum ansetzt, der die Aktie aus dem Trendkanal nach oben heraus katapultiert.

Die Botschaft bei stark nach oben trendenden Aktien lautet also:

Wir bleiben im Sinne der Trendfolge dabei. Konsequent dabei.

Wir lassen uns abwerfen:

(1) Wenn der Trend bricht.
(2) Oder schon früher, wenn wir gerade ein "Exhaustion Top" mit seiner typischen Charakteristik erleben, das wenn es existiert, immer am Ende langer Anstiegsphasen steht.

Ich hoffe das war hilfreich, um die Themen noch einmal zu rekapitulieren.

Ihr Hari

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DAX und S&P500 – Wie lange steigen die Indizes im Runaway-Move weiter ?

Die grossen Indizes steigen und steigen. Jeder Dip wird gnadenlos gekauft, die Geldflut der Notenbanken deckt die konjunkturellen Probleme zu und sorgt für eine Vermögenspreisinflation an den Märkten.

Da stellt sich die wichtige Frage, woran könnte man denn erkennen, dass diese Bewegung zu Ende geht ? Gibt es Methoden, die einen davor warnen, als letzter auf die Party zu kommen ?

Zunächst einmal sei gesagt, dass die klassischen Oszillatoren in solchen Bewegungen kaum Aussagekraft mehr haben. In solchen Phasen laufen diese am Anschlag und laufen länger am Anschlag, als es ein falsch aufgestelltes Depot aushält.

Und ich habe noch eine schlechte Nachricht, es gibt keine - zumindest kenne ich keine - Technik, mit der man den exakten Top und Wendepunkt eines Runaway-Moves zuverlässig vorhersehen kann. Es gibt nur einen Erfahrungswert und der lautet, dass dieser Punkt höher liegt als sich die grosse Mehrheit vorstellen kann. Bedeutet, mit Rationalität ist man eigentlich immer zu früh draussen.

Es gibt bei diesen Bewegungen aber ein Muster und das zeichnet sich dadurch aus, dass die Korrekturen zuverlässig von ähnlicher Grössenordnung in ähnlichen Abständen kommen. Und dieses Muster kann man nutzen.

Ich möchte Ihnen dieses Muster am aktuellen Chart des Leitindex S&P500 zeigen. Schauen Sie mit mir auf das Tageschart der gesamten Anstiegsbewegung seit November 2012:

S&P500 10.05.13 Runaway-Move

Sie sehen, dass die Korrekturen sich immer im Bereich von ca. 50 Punkten bewegen. Sie sehen auch den immer ähnlichen Abstand zwischen den Korrekturen. Sie sehen weiter, dass jeder Korrektur ein temporäres "Exhaustion Top" voraus geht, also eine dynamische Bewegung, der die Kraft ausgeht.

Und Sie sehen jedes Mal da ein V-förmige Reversal, dass eigentlich recht selten ist, hier aber signalisiert, dass da unter der Decke eine Macht (Notenbank) am Werk ist, die immer wieder den Nachbrenner unter den Kursen zündet.

In Summe wie ich finde ein sehr eindrucksvolles Bild, das die Struktur dieser Bewegung deutlich macht. Und da der S&P500 der weltweite Leitindex ist, kann man in ihm die Struktur auch am deutlichsten heraus arbeiten. Im DAX wird diese Struktur durch andere Faktoren überlagert, letztlich folgt aber auch der DAX dem Geld der Wallstreet.

Nun können wir aus dem Bild aber auch etwas lernen und bekommen damit grobe Anhaltspunkte, wie wir mit der aktuellen Bewegung umgehen sollten:

Der Abstand zwischen den Korrekturen zeigt, dass der jetzige Anstieg möglicherweise noch Luft nach oben hat. Er ist im Rhythmus der Bewegungen auf jeden Fall noch nicht weit genug gelaufen, auch wenn nun viel dafür spricht, dass die Dynamik der Bewegung nachlässt. Ca. 1650 im S&P500 sind aber ein sinnvolles kurzfristige Ziel, das sich auch aus der Höhe der Umkehrstruktur ableitet.

Danach ist mit steigender Wahrscheinlichkeit mit einer erneuten Korrektur zu rechnen. Und dabei ist entscheidend, ob es sich wieder um eine ca. 50 Punkte Korrektur handelt oder ob sich daraus mehr entwickelt. Unter der Annahme einer Bewegung bis 1650 in der nahen Zukunft, wäre der Bereich um 1600 im S&P500 also entscheidend. Wie sich der Markt dort verhält - nachdem er erneut um ca. 50 Punkte korrigiert hat - gibt uns die wichtigen Informationen. Die eingezeichnete Trendlinie macht diesen wichtigen Bereich deutlich.

Fazit:

Den Top eines solchen Runaway-Moves zu treffen ist nahezu unmöglich und eher Glück. Es können noch drei weitere dieser Wellen kommen und niemand kann voraussagen, was die letzte Welle ist. Trotzdem sind wir nicht im völligen Blindflug, denn wir wissen was *nicht* passieren darf, wenn die Bewegung weiter andauern soll.

Wesentlich bedeutender ist deshalb, wie sich der Markt *nach* einer 50 Punkte Korrektur verhält. Sollte er zum ersten Mal seit November 2012 nicht zu einem V-förmigen Reversal ansetzen, muss man dann davon ausgehen, dass die Bewegung seit November 2012 am Ende ist. Und dann steigt das Risiko eines scharfen Einbruches immens, weswegen man diese Situation besser auf der Seitenlinie beobachtet.

Mit einem händisch jeden Tag gepflegten Trailing-Stop, kann man diese Struktur schön abbilden und absichern. Und solange der Stop nicht getroffen wird, lässt man die Gewinne laufen und spart sich das Grübeln darüber, wo der Top sein könnte. Denn denken Sie immer daran: er ist in der Regel höher, als Sie sich vorstellen können. 😉

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DAX & S&P500 – Das Röhren der Bullen – 28.01.13

Heute nur ein kurzer Kommentar zum Markt und zum deutlich hörbaren Röhren der Bullen.

Ich habe am Freitag anhand des -> Indecision Doji <- den Punkt gemacht, dass der S&P500 nun entweder endlich korrigiert oder in einen "Runaway-Move" übergeht.

Nun haben wir den Salat ;-), es scheint als ob sich Mr. Market für den Runaway Move entschieden hat. Der Liquiditätsdruck ist scheinbar einfach zu gross, um eine Korrektur zuzulassen.

Faktum ist, wir haben keinerlei bärische Setups in den Indizes, nur bullische Setups, die uns bis zu historischen Höchstständen und darüber hinaus führen könnten. Wir haben jede Menge Einzelaktien, die in massiven Breakouts sind und endlich die Tiefen der Eurokrise nachhaltig verlassen. Wir haben zwar eine überkaufte Markttechnik die nach einer Korrektur schreit, Oszillatoren spielen aber in einem Runaway Move keine Rolle. Und wir haben ein gewaltiges Momentum im Markt, jeder Dip wird gekauft.

Nach meiner Erfahrung wäre es ein Fehler dem Markt in so einer Situation mit zu grosser Skepsis zu begegnen. Natürlich kann jederzeit ein Einschlag kommen, vielleicht schon in einer Stunde, niemand weiss das ! Aber solange der Markt so massiv nach oben drängt, spielt man lieber mit der Bullenherde mit, statt sich dagegen zu stellen und zu versuchen klüger als der Markt zu sein.

Für uns Trader und Anleger bedeutet das nun wie folgt :

(1)
Der Markt ist so bullisch wie schon lange nicht mehr und man sollte mitnehmen was man kriegen kann ! Zu grosse Skepsis halte ich in solchen Momenten nicht für angesagt. Bedenken Sie, es spricht nun viel dafür, dass wir in S&P500 und DAX bald historische Höststände sehen. Unterschätzen Sie nie das Momentum, wenn die Herde der Bullen mal richtig in Bewegung gerät. Und Kraft-Futter haben die Bullen dank der Notenbanken mehr als genug.

(2)
Seien wir uns gleichzeitig bewusst, dass das Ende von derartigen Runaway Moves schnell und ohne Vorwarnung kommen kann. Und wenn es kommt, geht es dramatisch nach unten. Ich erinnere erneut an meinen Artikel zur -> Technik eines Runaway Moves <- !

(3)
Keiner, kein Mensch und kein Tool kann uns sagen, wann der Markt diesen Einschlag bekommt, der ihn aus seiner bullischen Euphorie heraus holt. Das kann schon übermorgen bei DAX 7900 sein oder erst Ende Februar bei vielleicht DAX 8500 ! Mein Gefühl spricht eher für das 8500er Szenario, aber das ist nur ein Gefühl und nichts wert !

Das Beste was wir nun also nach meiner Erfahrung tun können, ist mutig und aggressiv die bullischen Setups zu spielen, die uns der Markt bietet. Und gleichzeitig kompromisslos mit gedanklichen "Trailing Stops" zu operieren, die wir immer unter jeden kleinen Rücksetzer ziehen, sobald er hinter uns liegt.

Gedankliche Trailingstops meine ich, weil ich in solchen Situation von den automatischen Trailing Stops nichts halte, die mit festem Abstand mitlaufen. Da wird man nur dumm ausgestoppt. Besser ist mit normalen Stops zu operieren und die jeden Tag "per Hand" nachzuziehen, so dass defacto ein Trailing Stop entsteht. Denn so kann man die immer unter die letzte Mini-Korrektur nachziehen. Denn es kommt einfach darauf an, erst dann per Stop aus dem Markt geworfen zu werden, wenn der Runaway Move sich seinem Ende nähert. Und per Definitionem lässt ein Runaway Move niemanden von der Seitenlinie mehr einsteigen. Wenn also das erste Mal ältere Tiefs wieder unterboten werden, ist der Zeitpunkt gekommen auf die Seite zu treten.

In Summe werde ich also eher aggressiv agieren und gleichzeit kompromisslos absichern. So habe ich die Chance, so viel wie möglich von dieser Bullen-Stampede mitzunehmen. Und zwar so lange sie andauert, egal ob noch einen Tag oder 2 Monate !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Marktupdate – 12.12.12 – FED, S&P500, Gold und Aufstellung zum Jahreswechsel

Die FED hat heute wie erwartet die Ende des Jahres auslaufende "Operation Twist" durch ein neues Programm ersetzt, in dessen Rahmen sie monatlich 45 Milliarden USD in den Ankauf von langfristigen Staatsanleihen stecken wird. Das war aber im Markt schon bekannt, da die FED diese Information schon vorher durch die bekannten Kanäle (eg Hilsenrath) "lecken" liess, um den Markt vorzubereiten.

Überraschend war eher die konkrete Zielmarke von 6,5 Prozent bei der Arbeitslosenquote, denn erst aber dieser Marke will die FED über ein Ende der Nullzinspolitik nachdenken. Diesen Sachverhalt sollten sich alle Anleger für die kommenden Monate nun genau merken. Denn er bedeutet, dass die Arbeitsmarktdaten für die Börsen noch höhere Bedeutung bekommen werden, als sie sowieso schon haben. Und zwar nach der nicht sofort eingängigen, inversen Logik, nach der hohe Arbeitslosenquoten "gut" für den Aktienmarkt sind und niedrige Quoten "schlecht".

Insbesondere für Gold dürfte diese Logik problematisch werden, denn die Goldrally wird erst dann zu Ende gehen, wenn die Notenbanken die Zinszügel wieder anziehen und die Politik des Helikoptergeldes beenden. Nun wird dieses Fragezeichen über jeden Arbeitsmarktdaten liegen und den Goldpreis belasten. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum Gold vergleichsweise müde auf die heutige doch erhebliche Ausweitung des Quantitative Easing reagiert hat. Nichts desto trotz hat Gold nun auch das Tief vom 05.11. bestätigt und sollte daher nun weiter nach oben laufen. Und die Goldminen haben heute endlich Fahrt nach oben aufgenommen.

Die Indizes reagierten auf die neue geldpolitische Lockerung mit einem Freudensprung und eine Bewegung über die 1434 Marke hinweg bis 1439 im S&P500 invalidierte endgültig das alte Schulter-Kopf-Schulter Topping-Szenario. Damit ist der Weg nach oben nun frei.

Ein Closing über der Marke von 1434 hat nun umgedreht ebenso grosse Bedeutung als Nackenlinie einer gigantischen inversen SKS Formation, deren rechnerisches Kursziel (measured move) bei ca. 1525 liegen würde. Sehen Sie selbst:

S&P500 12.12.12

Nun konnte der Markt die Bewegung über 1434 im späten Handel nicht halten und fiel bis auf die Nulllinie im Index zurück. Das war aber für Leser dieses Blogs nicht überraschend und stellt die nach solchen Entscheidungen ganz typische "Sell the News" Reaktion dar. Die Stärke der Gegenbewegung war auch nicht so gross, als das man da viel hinein interpretieren müsste.

So ist nun die vorletzte Hürde zum Jahresende aus dem Weg geräumt. Und da die politischen Gespräche zum "Fiscal Cliff" sowieso bis zur letzten Sekunden laufen werden, hat der Markt nun ein paar Tage um nach oben zu laufen.

Das erscheint mir daher als ein guter Zeitpunkt, um Sie auf zwei typische Aspekte so eines Jahreswechsels hinzuweisen:

Erstens ist es ganz typisch, dass zum Jahresende hin die Aktien besonders gut laufen, die schon das ganze Jahr über gut gelaufen sind. Man nennt das "Window Dressing" und das ist nichts weiter als der Versuch der "Looser" bei den öffentlichen Fonds, sich zum Jahresende in der Herde zu verstecken, frei nach dem Motto "ich hab die Aktien doch auch, was soll ich machen ?". In den ersten Tagen des neues Jahres werden dann aber typischerweise neue Favoriten vom institutionellen Geld ausgewählt.

Deswegen macht es Sinn zum Jahresende hin noch die alten Gäule zu reiten, in den letzten Handelstagen zwischen Weihnachten und Neujahr dann aber die Pferde zu wechseln und auf Aktien zu setzen, die einerseits attraktive Bluechips sind, andererseits aber in diesem Jahr nicht so richtig vom Fleck kamen. Dazu fallen Ihnen liebe Leser sicher einige Kandidaten ein, lassen Sie doch alle an Ihren Ideen teilhaben.

Zweitens, ist das Jahresende typischerweise von einem ruhigen Hochschieben der Märkte bei geringer Volatilität geprägt. Der Fiscal Cliff ist das letzte Ereignis, das für hohe Volatilität gut ist - von den "schwarzen Schwänen" abgesehen natürlich.

So eine Phase erlaubt stark mit Trailing Stops zu operieren, und daher auch mal höhere Risiken auf der Long-Seite einzugehen. Denn in einem volatilen Environment funktionieren Trailing Stops nicht, man wird dann nur permanent aus den Positionen gehauen, nur um dann zu sehen wie der Kurs doch wieder dreht. In einem Environment mit niedriger Volatilität und wenig Exposure zu politischen Überraschungen, sind Trailing Stops aber eine tolle Sache, um mal grössere Positionen im Markt zu halten, ohne dabei zu grosse Risiken einzugehen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gute Entscheidungen und eine gute Nacht !

Ihr Hari

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Black Friday, ein Tag der wenig zählt – 23.11.12

Am heutigen Black Friday und halben Handelstag der Wallstreet, möchte ich Sie nur darauf aufmerksam machen, dem Tag bei aller positiven Marktstärke nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Das ist halt so mit halben Handelstagen und geringem Volumen.

Ja, wir hatten überraschend positive PMI Daten aus China. Ja, wir haben in China eine neue Führung, auf die typischerweise mit Infrastruktur-Investitionen gewartet wird, die jetzt wieder los gehen sollten. Ja wir hatten einen überraschend, positiven IFO in Deutschland und ja, die Eurokrise verliert an den Märkten ihren Schrecken, wie man unschwer am Schulterzucken der Märkte über die Brüsseler Verwirrungen zum Haushalt oder Griechenland bemerkt.

Und ja, die Jahresendrally steht an, Liquidität ist genügend im Markt und rational betrachtet, führt an Aktien kein Weg vorbei - oder wollen Sie wirklich noch Bonds mit garantierter Geldentwertung kaufen, die die in den Staaten inhärenten Risiken in keiner Weise mehr einpreisen ?

Mehr als genug Argumente für steigende Kurse also und auch ich sehe das alles und bin grundlegend optimistisch, was die Aktienmärkte angeht.

Aber trotzdem sollte man dem heutigen halben Handelstag nach meiner Erfahrung nicht zu viel Bedeutung beimessen. Ob wir nun im S&P500 bei 1390 oder 1398 schliessen hat keine Bedeutung und präjudiziert nicht, was am Montag passiert. Und erst Anfang kommender Woche sitzt Big Money wirklich wieder vollzählig vor den Handelssystemen und die Politik beginnt die ernsthaften Gespäche zum Fiscal Cliff. Egal wie wir heute schliessen, es ist keineswegs ausgeschlossen, dass wir am Montag unter 1390 eröffnen und dann konsequent weiter fallen. Und in einer grausamen und deprimierenden Woche dann doch noch in 5 Tagen herab bis in die Zielzone der Schulter-Kopf-Schulter Formation bei 1300-1320 laufen.

All die positiven Argumente ganz oben stehen nämlich in keinem Widerspruch dazu, dass die bärischen technischen Ziele vorher noch abgearbeitet werden. Und wenn der Markt jetzt wieder wegkippt, nachdem die Bullen erste Witterung aufgenommen haben, würde das perfekt alle schwachen Hände auswaschen und den Boden für die echte Jahresendrally legen. Eine Volte, zu der Mr. Market hervorragend befähigt ist und die er geradezu liebt.

Und wenn Sie jetzt denken, ich prognostiziere das - nein, ich prognostiziere gar nichts. Wahrscheinlicher finde ich sogar, dass die Jahresendrally schon begonnen hat und läuft. Und das die Kurse nun nicht mehr zurück schauen werden. Deshalb bin ich ja auch aktuell Long im Markt. Ich sage nur, dass ich keinen Grund sehe, mich über das Wochenende zu stark zu exponieren, weil ich nicht glaube, dass man zwischen heute Abend und Montag viel verpasst.

Denn bisher haben die Bullen objektiv den technischen Schaden nicht beheben können, das könnte nur eine starke dynamische Bewegung zur alten rechten Schulter bei 1434 und darüber hinaus. Und deshalb wird mich der heutige Tag auch nur dann positiv beeindrucken, wenn wir nun in einem positiven Trendtag über 1400 im S&P500 steigen und nicht mehr zurück schauen. Was aber zwischen 1390 und 1399 im S&P500 passiert, ist eher nebensächlich. Also nochmal, nur ein starker, positiver Trendtag heute bis 19:00 Uhr beinhaltet für mich eine positive Aussage in Richtung kommender Woche und darüber hinaus.

Insofern macht es für mich Sinn, heute den steigenden Kursen zu folgen und so viel von der Stärke mitzunehmen wir möglich. Mich übermässig über das Wochenende exponieren, werde ich aber nicht. Vielmehr werde ich mich durch mitlaufende enge Trailing Stops heute im späteren Handel bewusst nahe der heutigen Höchstände ausstoppen lassen. Montag ist auch noch ein Tag um dann wieder einzusteigen, wenn dann nötig.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein gutes Händchen.

Ihr Hari

Nachtrag 19:00 Uhr

Schlusskurs 1409 im S&P500 ! Und ein starker Trend-Tag, der nur eine Richtung kannte. Das beeindruckt mich jetzt schon und ist Zeichen der Stärke der Bullen. Chapeau ! Eine weitere Bewegung bis oberhalb 1430 ist nun gut wahrscheinlich geworden. Trotz alle dem warne ich davor, den heutigen Tag überzubewerten. Die Wahrheit kommt nächste Woche. Wenn diese Rally dann aber weitergeht, dann spricht viel für positives Fahrwasser bis Jahresende. Ich bin bis kurz vor Schluss den Tages-Trend mitgelaufen und dann auf die Seite getreten. Am Montag werde ich im Laufe des Tages entscheiden ob ich wieder Long einsteige.

Ich wünsche ein schönes Wochenende !

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Marktupdate – zur Technik eines „Runaway Move“

Mit seiner dynamischen Bewegung über 6600 im DAX, hat der Markt heute die Wahrscheinlichkeit meines -> hier <- skizzierten Szenarios (1) weiter erhöht, die Möglichkeit eines Runaway-Move im DAX sollte man nun sehr ernsthaft in Erwägung ziehen ! Zwar sieht dieser Ausbruch über 6600 kurzfristig eher nach einem kleinen Top im DAX aus und ich rechne eher damit, dass der Markt nun noch einmal Luft holt, die Dynamik der Bewegung ist aber nun so hoch, dass es durchaus bald weiter nach oben gehen könnte.

Leider ist ein solcher "Runaway-Move" keineswegs so positiv, wie sich das auf den ersten Blick anhört. Denn auch für die Bullen unter uns ist es sehr schwierig, eine solche Bewegung erfolgreich mitzugehen. Denn leider ist in so einer Phase das normale Schwingen des Marktes zwischen einem "überkauften" und "überverkauften" Marktzustand völlig ausser Kraft gesetzt. Und damit verliert die Kursentwicklung jede Berechenbarkeit. Denn der Druck durch frisches Geld von der Seite ist so hoch, dass es kaum noch zu relevanten Korrekturen kommt. Und wenn, dann dauern diese gerade mal einen Tag, danach wird wieder aggressiv gekauft. So füttert die Hausse sich selbst und am Ende rennt alles in den Markt, weil es scheinbar nur noch nach oben geht.

Das Ende einer solchen Bewegung ist aber leider zu oft ein kleiner Crash und das Problem dabei ist: wann der kommt ist nicht wirklich vorhersagbar, da Marktzyklen und Sentimentanalyse in so einer Bewegung ausser Kraft gesetzt sind. Wer aber den bewährten Methoden von Zyklen und Sentiment folgt, wird bei einem Runaway-Move garantiert viel zu früh aussteigen und den Hauptteil der Bewegung nach oben verpassen.

Grund genug, dass wir uns deshalb mal am Beispiel anschauen sollten, was so ein "Runaway-Move" wirklich bedeutet. Glücklicherweise haben wir perfekten Anschauungs-Untericht bei der Kursentwicklung von Silber im letzten Frühjahr:

Wie Sie sehen, startete Silber die Bewegung im Januar 2011 bei gut 25USD um 3 Monate später im April 2011 bei fast 50USD zu toppen - eine Verdoppelung in nur 3 Monaten ! Danach folgte ein crashartiger Absturz bis fast 30 USD.

Schaut man sich den Chart genau an, lassen sich daraus für mich die folgenden Lehren ziehen:

1. Wer den klassischen Methoden der Markttechnik gefolgt war, hat den Markt schon nach einem Monat bei ca. 33 USD verlassen, weil Silber da schon überkauft war. Und hat damit den Schwerpunkt der Bewegung verpasst. Bitte beachten Sie, dass rein vom Zeitablauf her, dieser Moment im Februar 2011 mehr oder weniger dem heutigen Ablauf der Rally entspricht. Es waren gerade mal ein guter Monat vergangen. Das heisst keineswegs, dass die Bewegung aktuell genau so laufen muss. Ich will nur klarmachen, dass eine solche Bewegung meistens länger andauert als man denkt.

2. Wer einmal rausgeflogen war, dem gab der Markt keine Chance via signifikantem Rücksetzer wieder aufspringen zu können. Selbst wer die Korrektur im Februar richtig getimed hatte und bei vielleicht 33 USD abgesprungen war, kam später nicht mehr zu besseren Kursen an Bord.

3. Gegen Ende der Bewegung gab es eine Art Kaufpanik, die sich an der Beschleunigung des Anstiegs nachvollziehen lässt. Auch diese Kaufpanik dauerte Wochen und damit länger als sich die meisten vorstellen konnten.

4. Das Top wurde genau dort markiert, wo der Markt nach einem kurzen Rücksetzer nicht mehr in der Lage war, kurz danach neue Höchststände zu erreichen.

5. Wer beim Top nicht in Windeseile aus dem Markt war, hat in kürzester Zeit fast seine gesamten Gewinne wieder verloren.

Was ich daraus lerne:

-> Der Versuch das Ende der Bewegung vorher zu ahnen wird scheitern und man wird zu früh aussteigen.
-> Sich keine Gedanken zu machen und einfach mitzulaufen führt zwangsläufig dazu, dass man seine Gewinne wieder abgibt.

Die einzige für mich sichtbare Lösung aus so einem Dilemma ist daher:
Stur und ohne langes Grübeln mit einem Trailing Stop agieren !

Ein Trailing Stop ist ein Stop, der jeden Tag nachgezogen wird, so dass der Abstand zum Kurs immer gleich bleibt. Entscheidend ist dabei, den Abstand so zu wählen, dass man durch die normalen Korrekturen nicht ausgestoppt wird.

Würden wir dazu die Korrektur von gestern im DAX als Massstab nehmen, hatten wir Intraday eine Bewegung von 120 DAX Punkte nach unten. Mit Sicherheitsspielraum könnte man also aktuell vielleicht 150 DAX Punkte Abstand wählen und dann hoffen, dass einen ein Runaway-Move in so luftige Höhen zieht, dass die 150 Punkte oder 2,5% potentieller Verlust nicht ins Gewicht fallen.

Auch diese Taktik ist keine Garantie für Erfolg, denn Mr. Market fällt dann sicher gerne mal 152 Punkte bevor er zu neuen Höchstständen aufbricht, diesem hinterhältigen Kerl ist das allemal zuzutrauen. 😉 Aber eine brauchbare Strategie ist es trotzdem und nach meiner Erfahrung allemal besser als nach "Bauchgefühl" irgendwas zu machen. Denn so erwischt man einen Runaway-Move garantiert nicht, der Bauch sagt einem viel zu früh: raus, raus !

Soweit ein paar hoffentlich hilfreiche Gedanken zu solchen Marktbewegungen. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die Möglichkeit eines solchen "Runaway-Move" ist nun durchaus vorhanden, garantiert ist das aber keinesfalls ! Alle drei von mir genannten Szenarien sind nach wie vor möglich, auch wenn sich die Wahrscheinlichkeiten nun weiter Richtung Szenario (1) verschoben haben.

Betrachten Sie obigen Vergleich mit Silber 2011 also bitte nicht als Vorlage wie es nun im Markt weitergeht, ich garantiere Ihnen, es kommt nicht genau so, bestenfalls ähnlich !

Aber ich finde man kann sich anhand des Beispiels klar machen, wie man im Falle des Falles bei einer solchen Bewegung agieren sollte und welche Fallstricke auf dem Weg lauern.

Und eine Wahrheit sollte man aus dem Beispiel Silber in jedem Fall mitnehmen: selbst wenn wir jetzt noch wochenlang im DAX hoch laufen und vielleicht sogar die 7000er Marke erreichen, wir werden dann definitiv im ersten oder zweiten Quartal einen scharfen Einbruch erleben. Bei aller positiven Stimmung ist nun also nicht die Zeit um gedankenlos dem Markt hinterher zu laufen ! Es ist aber auch nicht die Zeit um sich nur aus Bauchgefühl gegen den Markt zu stellen !

Bleiben Sie also geduldig und wachsam. In diesem Sinne wünsche ich erfolgreiches Handeln.