Alles so ruhig hier?!

Die Ruhe, die der Markt an den Tag legt, ist einfach unwirklich. Sicher, es gab auch in der Vergangenheit sehr ruhige Phasen, in denen der Markt nur hochgeschoben hat. Die 90er Jahre mit der Friedensdividende nach dem Fall des eisernen Vorhangs, waren so ein Beispiel.

Aber dieses Mal ist es anders und extremer, schauen Sie mal in diesen Artikel und auf das Chart von LPL Financial: -> Calm before the storm? <-

Wir sehen darin den langfristigen Verlauf des SP500 und parallel die Tage mit weniger als 0,5% Bewegung hintereinander. Das Ergebnis ist beeindruckend, wir leben in einer historisch unvergleichlich ruhigen Phase an den Märkten und das gleichzeitig in einer Zeit voller massiver geopolitischer Risiken. Sehr merkwürdig.

Nun ist die Auswahl der Parameter auch ein wenig Zahlenspielerei um den Punkt heraus zu arbeiten, hätte man statt 0,5% das Doppelte genommen, wäre die Differenz der aktuellen Phase wohl nicht mehr so extrem gewesen. Der gemachte Punkt ist aber trotzdem valide, der Markt hat derzeit einen unwirklichen, artifiziellen Charakter. Dabei wäre eine echte Korrektur schon lange überfällig und auch aktuell kann man wieder denken, dass eine Korrektur sich nun mit einem "Doppeltop" im SP500 in Bewegung setzen könnte.

Und diese unwirkliche Ruhe hat Gründe, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, auch mit der Dominanz der passiven Investmentvehikel wie den ETFs und den Algos zu tun haben. Im Artikel -> Cyberdyne Systems und ob das noch ein menschlicher Markt nach alten Regeln ist <-, habe ich das hier schon thematisiert.

Und im Artikel bei Tichy -> Algos, ETFs, Robo Adviser und ein Truthahn-Leben <- habe ich den Zusammenhang heraus gearbeitet, insofern soll die Ursachensuche hier auch nicht mehr Thema sein.

Ich will statt dessen hier und heute eine Warnung aussprechen, die sich vor allem an die Vielzahl der Marktteilnehmer richtet, die deutlich weniger als 10 Jahre im Markt aktiv sind. Durch den Einfluss der Notenbanken, liegt eben der letzte grosse Einbruch nun 9 Jahre zurück und wer das nicht erlebt hat und insbesondere erst ab 2013 im Markt aktiv wurde, bildet sich nun wahrscheinlich ungeheuer viel auf seine Gewinne ein und geht auch fest davon aus, dass das immer so weiter geht.

Den Schmerz, den Druck, die Panik und die Verzweiflung, die ein Absturz von 60% auslöst, können diese Anleger sich gar nicht vorstellen, wie denn auch. Das sind theoretische Worte aus ferner Vergangenheit, ausgesprochen von "alten Säcken" wie mir.

Erfahrene Anleger dagegen, die das schon einmal erlebt haben, sind in so unwirklich ruhigen Phasen wie aktuell eher nervös. Das schafft auch eigene Probleme, weil man sie dann zu schnell und leicht von einem Crash-Propheten aus dem Konzept bringen lässt und zu früh verkauft. So laufen diese Anleger Gefahr, zu früh auszusteigen.

So werden die einen selbstgefällig in die nächste Krise rennen und zu spät aufwachen und die anderen sind zu früh nervös und verpassen grosse Teile eines Bullenmarktes.

Woran wir sehen, dass es für langfristig orientierte Anleger, die aktiver als stures "Buy and Hold" seien wollen, eine Grundregel gibt. Und das ist die konsequente Trendfolge, die hält einen nämlich bisher *im* Markt und das ist gut so.

Gleichzeitig aber die ebenso harte Disziplin, bei einem Trendbruch konsequent und ohne zu Zögern auszusteigen. Das verhindert nämlich, beim nächsten 60% Krisen-Event wieder bis ganz nach unten dabei zu sein und dann erst im Punkt des maximalen Schmerzes und der medialen Untergangsszenarien zu verkaufen.

*DAS* ist heute mal eine ganze einfache, fast triviale Wahrheit. Aber sie ist eminent wichtig.

Ihr Hari

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Auslaufende Katalysatoren – das 2. Quartal im Blick

Der folgende Artikel erschien zum Wochenstart am Montag 23.03.15 09:05 in Hari Live

Wir treten nun in eine gefährliche Marktphase ein, die von auslaufenden Katalysatoren und der Frage "was kommt danach" geprägt sein wird. Bitte übersetzen Sie "gefährlich" aber nicht in "muss fallen", denn so ist das nicht zu verstehen.

Es ist vielmehr eine Phase, in der die Treiber, die uns nun das ganze 1. Quartal begleitet haben, langsam mal für eine Pause gut sind. Und sich der Markt daher fragen muss, wie er die "Zukunft danach" bewertet, denn wir wissen, der Markt ist nichts weiter als die Summe der Erwartungen der Marktteilnehmer.

Der anstehende Quartalswechsel wird dazu beitragen, dass der Markt eine veränderte Sicht auf die Zukunft entwickeln könnte. Eigentlich ist das wie der Jahreswechsel nur ein ganz normaler Tag, aber in unseren Köpfen schliessen wir mit so Tagen die Vergangenheit ab und schauen aufs Neue gespannt nach vorne in die Zukunft.

Wesentlicher Treiber des ersten Quartals waren natürlich die Notenbanken, die von den drei grossen Währungen Dollar, Euro und Yen durchweg alle massiv stimulierend für die Asset-Preise agieren. Und dass insbesondere der sensationelle Anstieg des DAX in hohem Masse mit den Notenbanken und deren Effekt auf die Währungen zu tun hat, ist ja offensichtlich.

Schauen wir ins 2. Quartal, ist aber schwer vorstellbar, wo von Seiten der Notenbanken nun noch additive, positive Katalyasatoren herkommen sollen. Die EZB ist maximal stimulierend, die BoJ sowieso und die FED weicht ihren Zinserhöhungspfad weiter auf und bleibt auch unterstützend. Mehr geht eigentlich nicht bzw ist schwer vorstellbar. Und das Wissen um die Stimulierung der Notenbanken, ist nun in den Kursen eingearbeitet.

Einen so positiven Impakt, wie es ab Mitte Januar das EZB QE ausgelöst hat, wird es im 2. Quartal also von den Notenbanken wohl kaum geben können. Das heisst nicht, dass deswegen die Welt zusammen bricht, das QE der EZB läuft und wird stützen. Aber niemand sollte erwarten, dass wieder so leichtes Geld auf der Long-Seite zu verdienen ist, wie nach der QE Ankündigung der EZB, wo alle Signale in die Richtung nach oben wiesen.

Gleichzeitig beginnt Mitte April die Quartalssaison in den US und der Markt wird sehr kritisch und vorsichtig sein, was den Effekt des starken Dollars angeht, der im 1. Quartal für die US Unternehmen sehr deutlich spürbar sein sollte. Schwäche Anfang April in Erwartung unbefriedigender Zahlen in den US, wäre also kein bisschen überraschend. Und dass der DAX mal eine Verschnaufpause braucht, ist ja wohl selbsterklärend.

Mein grundsätzliches Bild für die kommenden 4 Wochen sieht daher vom Grundsatz her so aus, dass in dieser Woche noch nicht so furchtbar viel passieren wird und der S&P500 die Hochs um die 2120 testen könnte. Auch der DAX könnte die Hochs erneut testen und vielleicht übersteigen.

Die ersten zwei April Wochen scheinen mir aber anfällig zu sein und die Hochs könnten also zu einem temporären Doppeltop werden. Und weiter als bis Mitte April hinein, fühle ich mich im Moment nicht in der Lage, irgend etwas zu antizipieren.

Schauen wir uns das mal im Leitindex S&P500 an, zunächst im langfristigen Chart mit Wochenkerzen:

S&P500 23.03.15

Wir sehen einen etablierten und bestehenden Trend und kein Signal, das diesen in Frage stellt. Wir sehen aber auch, dass die Steigung langsam nachlässt und können die 50-Wochen-Linie (die fast mit der 200-Tage-Linie korreliert) als wichtige Wetterscheide identifizieren, die den Trend trägt.

Was wiederum bedeutet, dass die Zone um die runde 2000er Marke nun in den kommenden Wochen sehr, sehr wichtig wird, die ich mit einem roten, flachen Kreis markiert habe. Wenn die fällt, haben wir wohl einen Trendbruch und das sollte daher auch die Zone sein, in der unser Risikomanagement greifen muss!

Im kurzfristigeren Blick auf die Stundenkerzen, sehen wir die schöne Wendestruktur mit Measured Move 2120 und es spricht viel dafür, dass diese Marke erreicht wird - möglicherweise gegen Ende der Woche, nachdem Anfang der Woche leichte Schwäche ansteht:

S&P500 23.03.15 2

Wenn der Measured Move erreicht ist, stellt sich die wichtige "Doppeltop oder Trendfortsetzung" Frage und wie oben angedeutet, kann ich mir in den April hinein eine Doppeltopstruktur gut vorstellen, deren wichtiger Test dann - siehe oben - um die 2000 im S&P500 ansteht.

Fazit:

Anfang dieser Woche wäre leichte Schwäche kein Wunder. Typisch wäre aber auch, dass zum Quartalsende hin noch einmal ein Anlauf zu den Hochs folgt.

In den April hinein, ist insbesondere Anfang April Vorsicht ratsam, die Quartalssaison in den US wird sehr kritisch beäugt werden und die Notenbanken werden als Taktgeber etwas in den Hintergrund treten.

Über den April hinaus, bin ich nicht in der Lage sinnvolle Dinge zu antizipieren, zu viele Bälle sind in der Luft und das Thema Griechenland ist ja immer noch in der Schwebe und kann nicht ewig so weitergehen. Dass das Land aus dem Euro raus muss, ist offensichtlich, auch wenn es die Politik gegen jede wirtschaftliche Vernunft nicht wahr haben will. Was nun läuft, ist das "Schwarze Peter" Spiel, denn wenn Syriza einen Euro-Exit als Partei überleben will, brauchen sie Schuldige, auf die sie innenpolitisch zeigen können.

Ich bin zwar überzeugt, dass ein Grexit dem Markt letztlich nicht schaden wird und den Euro sogar stärken, aber in der wilden Phase des Austritts, wird es so viele Schuldzuweisungen und Chaos geben, dass der Unsicherheit hassende Markt selbstverständlich davon nicht völlig unbeeindruckt bleiben wird.

Was uns als sinnvolle Strategie bleibt, ist also weiter die "alte Leier" der Trendfolge, jeweils auf den zum eigenen Anlagehorizont passenden Zeitebenen. Beim DAX sollte man sicher nach unten härter begrenzen als im S&P500, einfach weil die Überdehnung nach oben viel grösser ist. Denn wir wissen ja, dass die Bewegung eines Pendels immer damit zu tun hat, wie stark es vorher in die Gegenrichtung ging.

Was Wirtschaftsdaten angeht, haben wir diese Woche allerlei und auch jede Menge Reden von Notenbank-Mitglieder. Insbesondere die FED Mitglieder sind ja nach einer Sitzung medial sehr aktiv, wenn die Schweigephase endlich vorbei ist und man sich wieder medial produzieren kann. 😉

Es gibt die kommende Woche aber keinen dominanten und massiv antizipierten Termin, wie letzte Woche mit der FED. Insofern wird es besonders spannend aber auch unsicher, denn der Markt hat weniger Leitplanken zur Orientierung.

Ich wünsche eine erfolgreiche Woche!

Ihr Hari

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DAX und Gold: Der wichtige Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln am Markt.

Sie wissen ja, das ich mir auf die Fahnen geschrieben habe, die Börsenkultur in Deutschland ein wenig zu heben und grundlegende Zusammenhänge zu vermitteln, nach denen der Finanzmarkt funktioniert.

Ein wichtiges Thema hatte ich zuletzt unter dem Titel -> Vom Hier und Jetzt und dem sinnlosen Kampf gegen den Markt <- angesprochen.

Ich hoffe es ist mir damit gelungen Ihnen klar zu machen, dass Erfolg an den Märkten nicht von irgendwelchen Zukunftsprognosen kommt, sondern auf der rationalen Analyse der Gegenwart beruht.

Auch der schlechte Ruf der Charttechnik bei vielen Laien, beruht ja zu einem guten Teil auf diesem Missverständnis. Viele Menschen glauben, sie müssten erraten können was morgen sein wird, um am Aktienmarkt Geld zu verdienen. Und springen deshalb natürlich auch auf die unzähligen Angebote im grossen Meer der Informationen an, die ihnen in bekömmlicher Aufmachung eine mögliche Zukunft verkaufen. Und gerade weil die Menschen nach diesen "Weissagungen" suchen und sich Orientierung erhoffen, werden sie medial auch angeboten, denn sie verschaffen Klickzahlen. Davon leben dann auch die sogenannten "Gurus", in dem sie tiefliegende Bedürfnisse der Leser bedienen. Und defacto besteht die Mehrzahl der Artikel im deutschen Sprachraum aus solchen irrelevanten Weissagungen. Erschwerend kommt hinzu, dass ja auch ein Affe ein Chart malen kann und ein paar bunte Linien einfügen. Und mit einem richtig formatierten Chart kann man fast alles beweisen, wenn man will - Menschen sehen ja auch Gesichter in Wolken.

Die Schwierigkeit vor der jeder Leser steht ist, die ernst zu nehmenden Beiträge von all dem medialen Zuckerguss zu unterscheiden, dessen Zweck mediale Klickzahlen sind, den man aber getrost vergessen kann, wenn es um Erfolg an den Märkten geht. Ein Indiz wie man Qualität erkennen kann ist dabei, wenn das Augenmerk des Artikels auf der Analyse der Gegenwart liegt und diese in ihren verschiedenen Implikationen beleuchtet wird. Und wenn die Zukunft als eine Menge von Möglichkeiten mit Wahrscheinlichkeiten betrachtet wird und nicht nur eine mögliche Zukunft verkauft wird.

Wenn man als Autor aber solche Artikel schreibt, merkt man schnell, wie schwer sich einige Menschen damit tun, klare Analyse und daraus resultierende Vorsicht, von sofortigem Handeln zu trennen. Viele Leser suchen ja nach einfachen Handlungsanweisungen und werden genau deswegen nie erfolgreich sein. Und über diesen Unterschied zwischen Vorsicht und Handeln will ich heute schreiben.

Bewusst geworden ist mir das zuletzt wieder an dem Geschehen bei Gold. Gold hat am Montag ein erstaunliches Reversal hingelegt, das erst einmal objektiv Aufmerksamkeit verdient hat. Notwendige Aufmerksamkeit ist aber kein Handeln. Denn Gold ist in einem klaren Abwärtstrend gefangen und es gibt Stand heute nichts, was diesen Abwärtstrend in Frage stellt.

Aber jeder Trend endet mal und es ist deshalb wichtig immer aufmerksam zu bleiben. Handeln sollte man aber erst, wenn die Trendwende wirklich bestätigt ist. Gold hatte nun gestern und vorgestern zwei Versuche, die zu einem dynamischen Schub hätten führen können. In beiden Fällen ist der Kurs aber wieder blutarm unter 1250 USD gefallen. Und damit wurde der Abwärtstrend bestätigt.

Ich benutze ja gerne die Metapher des urzeitlichen, menschlichen Jägers, der sich sein Nahrung noch mit eigenen Händen erjagen musste. Wenn der auf der Lauer liegt, achtet er völlig zu Recht auch auf jedes "Knacksen" im Gebüsch. Es könnte ja ein Rentier aus dem Gebüsch brechen und vor seinen Speer geraten. Er würde aber nie - nur wegen des Knacksens - seinen wichtigen Speer einfach blind in das Gebüsch schleudern. Der Speer wird erst geschleudert, wenn das Rentier wirklich vor ihm läuft. Wenn er aber umgedreht nicht aufmerksam wäre und jeden "Knacks" beachten würde, würde er noch schnarchend vor sich hin dämmern, während das Wild schon einen Meter vor ihm steht.

Genau so aufmerksam, aber kontrolliert handelnd, müssen wir uns am Markt verhalten. Leider passiert zu oft etwas ganz anderes und wenn Sie Ihre eigenen Verhaltensweisen mal Revue passieren lassen, können Sie sich bestimmt an solche Fälle erinnern. Da haben Sie eine interessante Analyse gelesen, die Ihnen die Idee in den Kopf pflanzt, das eine bestimmte Entwicklung eintreten könnte. Diese Argumentation spricht Sie an und in genau diesem Moment meldet sich mit Macht Ihr Bauch. Der Bauch hat Angst, etwas zu verpassen. Für den Bauch ist die Möglichkeit schon zur Gewissheit geworden und er will diese Chance auf keinen Fall verpassen. Und der emotionale Druck des Bauches ist so gross, dass Sie handeln.

Im Bild des Jägers, haben Sie nun also Ihren Speer auf Verdacht ins Gebüsch geworfen. Dumm nur, das genau in diesem Moment auf der anderen Seite wirklich ein Rentier auftaucht. Nur haben Sie Ihren Speer nun nicht mehr. Verflixt.

Und auch an den Märkten sind diese emotionalen Bauchentscheidungen, ohne dass es schon eine objektive Bestätigung gibt, fast immer negativ. Es gibt viele Börsenregeln die sich damit befassen, so zum Beispiel "Greife nie in ein fallendes Messer". Am Ende geht es aber immer darum, sich nicht gegen den Markt zu stellen. Sich nicht gegen den Markt zu stellen bedeutet aber keinesfalls, das man nun unaufmerksam werden dürfte und ein "Knacksen" einfach ignorieren kann, weil es ja vermeintlich sowieso immer gleich weiter geht.

Auch in der Gegenrichtung haben wir doch aktuell so einen Fall. Den DAX und die meisten Indizes generell. Der DAX befindet sich in einem gewaltigen, bullischen Schub, einer Trendbeschleungigung oder auch "Runaway-Move" genannt.

Jochen Steffens hat diese aktuell unter der Überschrift -> Trendbeschleunigung beim DAX <- richtig dargestellt. Und auch die Konsequenzen richtig dargestellt. Wir müssen mit dem Trend mitgehen und dabei bleiben, so lange er dauert. Das ist unser Handeln. Und wir müssen trotzdem sehr aufmerksam sein und darauf achten, ob der Trend bricht. Denn wenn so ein "Runaway-Move" mal endet, tut er das oft mit Karacho und einem üblen Einbruch, der typischerweise am Ende einer Überdehnung steht. Das ist unsere Vorsicht.

Ich verwende hier auch gerne die Metapher des Gummibandes, die das Prinzip anschaulich macht. Je stärker man ein Gummiband in eine Richtung dehnt, desto stärker und aggressiver schnappt es irgendwann zurück. Das ist die "Mean Reversion". So funktioniert der Markt. Nur wissen wir nie, wann das Gummiband schnappt und es lässt sich oft stärker dehnen, als wir uns alle vorstellen können.

Lassen Sie uns also mit dem Trend handeln, aber jederzeit mit Aufmerksamkeit ein Ende des Trends als Möglichkeit erachten. Lassen Sie uns handeln und gleichzeitig vorsichtig sein. Das ist der richtige Weg.

Wir sollten lernen zu erkennen, wenn uns unser Bauch - wieder aus Angst etwas zu verpassen - ein Handeln aufzwingen will, das objektiv noch gar keine Grundlage hat.

Und wir sollten deshalb einen weiten Bogen um alle medialen Ergüsse machen, die uns mit grosser Bugwelle irgendwelche Prognosen verkaufen wollen, wie die Zukunft sein wird. Keiner kennt die Zukunft, selbst die Deutsche Bank nicht. 😉 Der Unterscheid zwischen Erfolg und Misserfolg entsteht in der Fähigkeit, die Gegenwart und ihre Implikationen rational zu analysieren.

Wir sollten also dem Aufwärtstrend im DAX weiter folgen, solange er dauert. Und dabei höchst vorsichtig aufpassen, ob wir irgendwo ein "Knacks" im Gebüsch hören. Dann aber nur horchen und abwarten, ob wirklich etwas passiert. Und erst wenn der Trend tatsächlich bricht, wirklich aktiv werden.

Und wir sollten bei Gold das Gegenteil tun. Den Abwärtstrend respektieren, denn der kann das Metall auch noch unter 1.000 USD treiben. Und trotzdem hoch aufmerksam auf jeden "Knacks" im Gebüsch achten. Denn wenn dieser Abwärtstrend mal dreht, wird auch das mit "Karacho" sein und schnell grosse Gewinne generieren.

Vorsicht und Handeln sind nicht das Gleiche ! Denken Sie immer daran ! Und wenn Sie lernen wollen, wie man einen Trendbruch dann auch wirklich erkennt, dann stossen Sie zur Mr-Market Community dazu.

Ihr Hari

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Salzgitter – oder: Markttechnik funktioniert tatsächlich ! – 27.03.13

Vor genau drei Wochen, hatte ich im Artikel -> man beachte die Trendlinie <- auf die entscheidende Wegscheide hingewiesen, an der Salzgitter damals stand: Trendfortsetzung oder Bärenflagge ?

Nun, Mr. Market hat sich ganz eindeutig für eine Bärenflagge entschieden. Nun soll es ja immer noch Anleger geben, die beseelt von den schlichten Weisheiten diverser "Gurus", die ganze Markttechnik für Unfug halten. Und die dem Irrglauben aufsitzen, es seien alleine die Fundamentaldaten, die die Märkte bewegen. Gerade unter gebildeten Anfängern - also im sonstigen Leben gut ausgebildeten, rational denkenden Menschen, die aber an den Märkten zu den Laien gehören - verfangen diese einfachen Denkstrukturen sehr schnell und bestimmte "Gurus" basieren darauf ihr Geschäftsmodell.

Wäre ja auch schön, wenn man vermeintlich "objektiv", mit so oberflächlichen Bilanz-Parametern wie KBV und Co., eine Anlageentscheidung treffen könnte. Diese Erwartung passt zu einer rationalen Denkstruktur, Markttechnik scheint da nur Hokuspokus zu sein. Leider ist Mr. Market aber überhaupt nicht rational, wie regelmässige Leser dieses Blogs sehr gut verstehen. Und erleichtert wird diese Fehleinschätzung durch diverse Scharlatane, die mit bunten Linien tatsächlich Vorhersagen treffen, die die Markttechnik gar nicht hergeben kann. So wird die technische Analyse in Misskredit gebracht, weil es zu einfach ist eine bunte Linie zu zeichnen und sich "Chartanalyst" zu nennen.

Aber trotz all dieser Schwierigkeiten und all dem Unfug, der im Mantel der Charttechnik verbreitet wird: Markttechnik funktioniert ! Und Salzgitter ist dafür ein tolles Beispiel. Deshalb schauen wir uns nun den gleichen Chart wie vor drei Wochen mit der damals eingezeichneten Trendlinie an. Sie erinnern sich, ich hatte darauf hingewiesen, dass der Bruch dieser Trendlinie massive Bedeutung haben würde. Ich hatte nicht vorhergesagt, ob die Linie hält oder nicht, das tun nur Scharlatane, denn die Zukunft ist unbestimmt. Schauen Sie selbst:

Salzgitter Trendbruch 27.03.13

Ganz eindeutig kann man nun sehen, welche Bedeutung die Trendlinie hatte. Und wer dem gefolgt ist, was ich im Artikel vor drei Wochen kommuniziert hatte, ist sofort ausgestiegen, nachdem der Versuch vom 18.03. die Trendlinie wieder zu erobern, am 19.03. endgültig scheiterte. Spätestens aber nach Bruch der 200-Tage-Linie, wäre ein Exit zwingend gewesen. Haben Sie es gemacht ? Oder sind Sie sogar Short gegangen ? Dann Gratulation. Wenn nicht, sollten Sie sich dieses Chartbild an die Wand hängen. Als Lehre, was ein Trendbruch bedeutet. Denn nur aus Schmerzen lernt man wirklich. Kinder lernen durch die zu heisse Herdplatte und erwachsene Anleger eben durch monetäre Verluste. Aber man lernt nur dann, wenn man sich auch den eigenen Fehlern stellt und eine Fehlentscheidung nicht zur Investition umdefiniert, um das eigene Ego zu schonen.

Und übrigens, Salzgitter ist nun so extrem nach unten überdehnt, dass ein Bounce wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Auf diesem Niveau ist auf jeden Fall die gesamte Hoffnung auf eine bessere Stahlkonjunktur in 2013 wieder abverkauft worden. Der Aufwärtstrend von Juli 2012 ist aber nun gebrochen, insofern muss man abwarten, wie sich die Aktie nun über den zwangsläufigen Bounce hinweg weiter entwickelt. Prognosen dazu habe ich keine zu bieten. Warten wir es ab.

Ihr Hari

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Beiersdorf (WKN 520000) – Topbildung im Gange ? – 07.02.13

Heute möchte ich Ihnen am Beispiel Beiersdorf (WKN 520000) einmal zeigen, wie sich eine ganz typische Topbildung ankündigen könnte.

Normalerweise werden ja in so Artikeln immer nur bullische Szenarien besprochen, hier will ich mit Ihnen mal ein entgegen gesetztes, potentiell bärisches, Szenario teilen.

Auch wenn nicht jeder Beiersdorf kennt, das Hauptprodukt "Nivea" kennt wohl jeder. Beiersdorf ist ein Substanzwert im DAX und kam lange, lange nicht richtig in Bewegung, weil es dem Management nicht gelang den Wert rund um "Nivea" zu heben.

Nun hat sich das seit Ende 2011 geändert und der Kurs im Wochenchart seit 2008 spricht die beeindruckende Sprache eines perfekten Aufwärtstrends. Schauen Sie selbst:

Beiersdorf Wochenchart 07.02.13

Bitte beachten Sie, dieser Aufwärtstrend ist voll intakt ! Wenn ich also hier gleich von einer Topbildung spreche, dann ist es nur eine *potentielle* Topbildung, die erst dann vollständig aktiv wird, wenn dieser Trend gebrochen wurde. Und Trends können länger dauern als man denkt, sich vor dem Bruch gegen einen Trend zu stellen, ist alles andere als klug.

Nun schauen Sie mit mir aber bitte auch auf das Stundenchart von Beiersdorf seit Anfang Januar:

Beiersdorf Stundenchart 07.02.13

Ein eindrucksvolles Bild nach Lehrbuch, wie das Momentum ausläuft und der positive Trend in einen neuen (potentiellen) kurzfristigen Abwärtstrend übergeht. Das Chart spricht wirklich Bände !

Selbst wenn der langfristige Aufwärtstrend doch noch länger erhalten bleibt, ist kurzfristig durchaus das Potential für einen Rückgang von ca. 5% bis zur langfristigen Trendlinie bei ca. 62EUR gegeben.

Das alleine würde aber noch nicht ausreichen, dass ich hier auch langfristig eine potentielle Topbildung sehe. Schauen wir auch auf die Fundamentaldaten, sehen wir bei Beiersdorf ein (halten Sie sich fest) 2013er KGV von 27 ! Ja genau, 27 ! Dazu kommt ein KBV von ca. 5 und ein Kurs-Cashflow Verhältnis von über 20.

Das ist - bei aller Begeisterung für die neue, positive Entwicklung bei Beiersdorf - in meinen Augen viel zu teuer für einen Substanzwert. Die Börse hat also schon sehr viel von der Zukunft verfrühstückt ! Und irgendwann werden diesem Trend die Käufer ausgehen. Ich vermute, dieser Punkt wird nicht mehr so lange dauern.

Hätte ich Longs in Beiersdorf, würde ich nun also mal langsam Gewinne mitnehmen. Und sollte Beiersdorf den Aufwärtstrend brechen, dürfte das ein sehr netter Short werden. Bis dahin gilt es aber ausdrücklich den Aufwärtstrend zu respektieren, solange er da ist ! Aber die potentielle Wende sieht so eindrücklich aus und ist so perfekt durch eine fundamentale Überbewertung hinterlegt, dass Beierdorf nun auf meiner Watchlist für einen Short ist. Real wird dieser aber wie gesagt erst nach Trendbruch !

Ihr Hari

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Die Eurokrise ist zurück – DAX und MIB auf wackeligen Beinen

Ich predige ja immer, dass wir dem Markt folgen sollten, statt nur die Bestätigung unseres eigenen Bias zu suchen oder noch schlimmer, uns im Gefühl "Recht zu haben" sonnen zu wollen. Letzteres wird von Mr. Market in der Regel gnadenlos abgestraft, in der Eurokrise sowieso.

Dann machen wir das doch heute mal, an dieser Wegscheide. Und zwar heute Mittag gegen 12 Uhr - vor der Eröffnung der Wallstreet.

Schauen Sie mit mir auf 3 Indizes im Stundenchart seit dem Jahresanfang 2013. Und bitte versuchen Sie mal Ihre Erwartungen beiseite zu legen, sondern nur zu schauen, was diese Charts uns wirklich sagen.

Fangen wir mit dem Leitindex S&P500 an:

S&P500 Stundenchart 06.02.13

Sie sehen einen wunderschönen Trend und einen Trendkanal. Der Markt hat es gestern sogar geschafft, die potentielle SKS Formation noch zu terminieren, weil er kurzzeitig zu neuen Höchstständen lief. Und der Runaway-Move ist immer noch intakt, die 1495 haben erneut gehalten.

Zwar zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen beim Momentum und die Möglichkeit einer Topbildung ist real da, der Aufwärtstrend ist aber unbeschädigt und sollte respektiert werden. S&P500 1525 sind sehr wahrscheinlich und historische Höchststände schon bald gut möglich.

Alles in Butter also und Feuer frei für die Bullen ? Schauen wir auf einen anderen Chart, der alles andere als so gut wie der S&P500 aussieht:

DAX Stundenchart 06.02.13

Würden Sie das als bullisches Chart bezeichnen ? Würden Sie diesen Chart eher shorten, weil sich da eine Bärenflagge abzeichnet ? Wo sehen Sie hier einen Aufwärtstrend ? Ich sehe nämlich keinen !

Sie werden vielleicht überrascht sein, das ist der Chart des DAX sei Jahresanfang ! Gibt es dazu mehr zu sagen ? Nur ein Blinder kann in Anbetracht dieses Bildes uneingeschränkt und ungesichert Long agieren. Dieses Chart gemahnt zur Vorsicht, das ist, was uns der Markt sagt. Sicher kann alles anders kommen und theoretisch morgen eine Rally bis 8000 einsetzen. Wahrscheinlich ist das für die kommenden Tage aber nicht mehr und der Markt spricht eine andere Sprache. Und mehr als das, was uns der Markt in der Gegenwart sagt, haben wir nie.

Zuletzt ein drittes Chart, dass wohl die Ursache des gemischten Bildes im DAX darstellt. Der MIB40 aus Italien. Man könnte es auch "Berlusconis Rückkehr" nennen, denn der Absturz fällt mit Umfragen zusammen, die Berlusconis Partei wieder im Kommen sehen.

MIB Stundenchart 06.02.13

Eindrucksvoll oder ? Ganz klarer und eindeutiger Trendbruch Ende Januar ! Das schreit geradezu nach einer fünften dynamischen Abwärtsbewegung und andere Charts der Eurozone sehen nicht viel besser aus.

Fazit:

Das Chartbild der Märkte hat sich seit Ende Januar dramatisch eingetrübt, weil die Eurokrise wieder in den Köpfen der Investoren ist. Das ist die klare Sprache des Marktes. Wer klug ist beginnt umzudenken, Korrekturen gehören nun einmal zu jedem Bullenmarkt und wir hatten lange keine richtige Korrektur mehr. Politische Märkte haben bekanntlich kurze Beine, insofern gibt es keinen Grund für Panik und das Bild kann sich auch schnell wieder drehen, aber im Moment ist es wie es ist.

Die US Indizes und übrigens auch die Emerging Markets von Brasilien bis China, zeigen nach wie vor bullische Strukturen. Die europäischen Aktienmärkte haben dagegen ihre Erholungsphase Ende Januar beendet. Und es gibt rein aus dem was die Charts uns sagen, keinen Grund anzunehmen, dass diese schwierige Phase in Kürze wieder vorbei ist.

Es ist vielmehr realistisch anzunehmen, dass diese Phase unter anderem mit den Sorgen um Italien im Zuge der bevorstehenden Wahl zu tun hat. Und erst wenn diese Wahl im Rückspiegel liegt - oder schon vorher Umfragen klare Mehrheiten für eine neue Reformregierung indizieren - haben die europäischen Märkte wohl die Chance den Aufwärtstrend wieder aufzunehmen.

Wer bis dahin auf der Long-Seite Geld verdienen will, ist in den USA, Japan, Brasilien oder China möglicherweise besser aufgehoben.

Über diese Phase Februar / März hinaus spricht in meinen Augen viel dafür, dass die "Grosse Rotation" im Gange ist und wir ein sehr positives Aktienjahr 2013 erleben werden - auch im DAX und in Europa. Aber vorher könnte es sein, dass wir noch einmal etwas saueren Wein trinken müssen. So ist das halt bei Mr. Market !

Ich wünsche Ihnen gute Entscheidungen !

Ihr Hari

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Hari´s Märkte am Abend – 16.02.12 – Konsolidierung dauert an – Itron hebt ab

22 Uhr Handelsschluss

Ein sehr spannender Tag im Markt, zu dem es vieles zu sagen gibt ! Deshalb wird dieser Artikel heute etwas länger 🙂

Heute konnten wir erleben, wie wichtig es ist, sich an die einmal gesetzten Regeln zu halten. Denn wir sind immer noch in der Konsolidierungszone, die ich -> hier <- vor zwei Tagen skizziert hatte.

Gestern haben wir die obere Begrenzung bei ca. DAX 6830 getestet und es gab einige die zu früh versuchten den Ausbruch zu traden und dann böse rasiert wurden, als der Ausbruch scheiterte. Heute haben wir im frühen Handel bei DAX 6650 die untere Begrenzung getestet und hatten das gleiche Bild: wer zu früh Short gegangen war, fand sich kurz danach auf der Verlierseite wieder. Ich kann daher nur noch einmal unterstreichen, wie wichtig es an solchen Marken ist, nicht zu versuchen die Bewegung zu erahnen. Man sollte nach meiner Erfahrung lieber auf ein oder zwei Prozent verzichten um dafür ganz sicher zu sein, dass der Kurs wirklich nach oben oder unten ausbricht und eine nachhaltige Bewegung eingesetzt hat.

Für Sie habe ich im Chart des DAX von 18 Uhr die Konsolidierungszone noch einmal deutlich heraus gearbeitet. Nach unten ist die Begrenzung bei DAX 6650 eindeutig. Nach oben kann man darüber lange diskutieren wo man die Linie genau zieht. Ich persönlich schneide gerne die "Fahnen" ab, weswegen ich eher auf DAX 6830 komme. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber lieber abwarten bis DAX 6850 wirklich nachhaltig hinter uns liegt.

In Summe sprechen solche Konsolidierungen aber eher dafür, dass der Markt nach einiger Zeit die alte Bewegung wieder aufnimmt, sprich hier nach oben weiterläuft. Ausnahme von der Regel sind klassische Top-Bildungen mit Wechsel der Aktien von den "starken" in die "schwachen" Hände, die erst spät nachrücken und dann gerne von Mr. Market auf dem falschen Fuss erwischt werden.

Eine wichtige Beobachtung ist aber heute früh bestätigt worden: der Markt hat (zumindest temporär) seinen Charakter geändert und die unerbittliche Bewegung, die uns über Wochen nach oben getrieben hat, ist erst einmal vorbei.

Das bedeutet aber nicht, das der mittelfristige Bulle vorbei ist, bitte interpretieren Sie in den Satz oben nichts Falsches hinein ! Es bedeutet nur, dass wir nun wieder in einem "normalen" Markt sind, in dem eine Aufwärtsbewegung von Korrekturen und Seitwärtskonsolidierungen unterbrochen ist und in dem es hin und her geht. Die letzten Wochen seit Anfang Januar war das aber anders, da gab es auf der gesamten Strecke keine einzige nennenswerte Konsolidierung, da war der "Runaway-Move" voll intakt. Ob er nun zu Ende ist oder nur eine Verschnaufpause einlegt, wird die Zukunft zeigen.

Das gleiche Bild des DAX, diesmal aber im grösseren Chart über Monate, offenbart die beeindruckende Bewegung seit Mitte Dezember und den aktuellen Trendbruch eindeutig. Die Konsolidierungszone von oben habe ich erneut eingezeichnet. Was wir aber auch sehen ist, dass wir mit der starken Bewegung von heute Nachmittag/Abend die Chance haben, wieder in den Aufwärtstrend zurück zu kehren. Denn im späten Handel an der Wallstreet haben wir uns wieder ganz nach oben an die obere Grenze der Konsolidierungszone geschoben und der DAX Future hat nahe 6800 geschlossen. Sollte das passieren, wäre das ein sehr bullishes Signal !

Für Morgen kann ich aber hier nur unterstreichen, was ich vor 2 Tagen schon sagte: es ist völlig offen wann und ob wir diese Konsolidierungszone nach oben oder unten verlassen - auch wenn ich die Bullen nach wie vor im Vorteil sehe und der Markt heute im späten Handel einen bullishen Ausbruch vorzubereiten scheint. Nach oben würden wir wohl schnell die DAX 7000 durchschlagen. Und nach unten wäre für mich oberhalb DAX 6400 die erste Auffangzone.

Und noch etwas kann man am Beispiel des heutigen Tages wunderbar heraus arbeiten, eine Lehre für alle, die Markttechnik für Unfug halten: War es Zufall, dass der DAX heute exakt auf 6650 wie von Zauberhand gedreht hat ? Nein, war es nicht ! Interessiert sich der DAX also für solche Marken ? Nein tut er auch nicht ! 😉 Aber die Menschen und vor allem seit neuestem die Algos interessieren sich dafür. Und weil diese Ausbruchszonen beachtet und gehandelt werden, verhält sich auch der Markt so. Man mag das Massensuggestion nennen und da ist durchaus was dran, aber wenn der Markt da dreht, dann ist die Bewegung halt sehr real, ebenso wie der Gewinn und Verlust im Portemonnaie. Man tut also gut daran diese Marken zu beachten.

In diesem Zusammenhang will ich auch mit einem weit verbreiteten Missverständnis aufräumen. Da diese Verhaltensmuster ja von der Psychologie der Menschen getrieben werden, könnte man ja annehmen, dass diese Muster in der Zeit der Algos schwächer werden. Das Gegenteil ist aber der Fall und wenn man überlegt, ist es auch ganz logisch. Diese automatischen Algorithmen mit denen der Computer handelt, werden ja (noch) von Menschen programmiert und diese programmieren die Algos derzeit so, dass diese genau die klassischen Chartmuster handeln. Das verstärkt die Muster, weil auch viele Algos Unterstützungszonen fröhlich kaufen und Widerstandszonen fröhlich verkaufen. Das macht die Muster im Moment berechenbarer, wird sich aber wieder ändern, wenn die Intelligenz der Algorithmen steigt. So schafft sich der Markt halt seine eigene Wirklichkeit, in einer verquirrlten Mischung von Hoffnungen, Ängsten, mathematischer Logik und fundamentalen Daten und Fakten.

Meine grundsätzlich und mittelfristig positive Marktsicht hat mich heute früh aber veranlasst, in die Schwäche des Marktes hinein meine Long-Positionen bei Daimler (WKN 710000), Continental (WKN 543900), Repsol (WKN 876845), Cameco (WKN 882017) und Freeport McMoran (WKN 896476) aufzustocken. Denn in einer Konsolidierung kauft man die Unterstützung - so lange bis man es nicht mehr tut und die Reissleine zieht. Ich bin in Summe weiterhin verhalten Long aufgestellt und habe meine Reissleine ganz fest in der Hand. 😉

Die Bewegungen bei deutschen Einzelaktien waren heute überwiegend so, wie man es in so einem Markt auch erwarten würde. Die klassischen Industrietitel waren am stärksten von der Schwäche am Morgen betroffen, darunter auch die Rheinmetall (WKN 703000), zu der ich mich ja -> hier <- geäusserte hatte und dem ich auch nichts hinzu zu fügen habe. Insofern erübrigt sich heute die Diskussion einzelner Aktien des deutschen Marktes.

Bemerkenswert waren heute zwei US Technologieaktien, auf die ich Sie hier schon hingewiesen hatte.

Itron (WKN 888379) stieg heute nach guten Zahlen, einem neuen Auftrag und diversen Hochstufungen von Analysten um zeitweise sensationelle 24% , am Handelsschluss waren immer noch 20% Plus übrig. Das ist ein Turnaround aus dem Bilderbuch und ich erinnere in diesem Zusammenhang an meinen Artikel -> hier <- vom 06. Dezember letzten Jahres, sowie viele weitere Erwähnungen.

Man sieht daran wieder, wie wichtig ein fähiges Management ist, der gute alte LeRoy Nosbaum kann es halt einfach. So einen Tag nennt man im amerikanischen einen "Recognition Day" - auf Deutsch irgendwas wie "Tag der Erkenntnis" - an dem der breite Markt plötzlich merkt, was in einer Aktie los ist. Das löst solche Bewegungen aus.

Gehe Sie also davon aus, dass die Aktie demnächst auch in den diversen populären Anlegermagazinen vermehrt auftaucht und als "Geheimtip" von diversen Börsenbriefen gegen Geld verkauft wird. Ich bin weiter positiv zur Aktie gestimmt, habe aber nach diesem Anstieg nun erst einmal die Hälfte der Gewinne mitgenommen. Denn "Gier ist gut" wie Gordon Gekko ja trefflich bemerkte, aber wie er auch letztlich feststellte, sollte man es mit der Gier in Anbetracht eines solchen Tagesgewinnes auch nicht übertreiben 😉 Und ein Rücksetzer um einige Prozent wäre nach einer solchen Tagesbewegung nur normal.

Und auch Tesla Motors (WKN A1CX3T) lieferte gestern gute Zahlen und einen positiven Ausblick auf den anstehenden Produktionsstart beim Modell S. Tesla ist nun 10% im Plus, seit ich den Artikel -> hier <- vor 3 Tagen veröffentlich hatte. Das ist aber nicht so bedeutend, sondern eher die Tatsache, das Tesla nun kurz davor ist, das Doppelhoch von November/Dezember bei ungefähr 35 USD erneut zu testen und da würde ich nun genau hinschauen was passiert !

Übel sah heute zweitweise Gold und Silber aus, bevor es sich einigermassen erholte, fragen Sie mich bitte nicht warum. Die Edelmetalle haben seit einigen Wochen eine klare Richtung verloren und schwimmen ohne für mich erkennbare Struktur hin und her, einen Tag hoch, einen Tag runter. Sobald ich wieder eine klare Tendenz sehe, werde ich mich dazu äussern. Solche Phasen gibt es am Markt halt einfach und man sollte in diesen Phasen geduldig sein, die Hände still halten und auf keinen Fall Schatten jagen, die einen von den wichtigen Bewegungen in anderen Bereichen ablenken. Mittel- und langfristig hat sich an meiner positiven Sicht auf die Edelmetalle nichts geändert.

Im Gegensatz zur Schwäche der Edelmetalle selber, war heute aber auffällig, wie die Gold- und Silber-Minen im Laufe des Handelstages nach oben geschossen sind. Der "HUI" (NYSE ARCA Gold Bugs Index) hat sich Intraday um 4% nach oben bewegt, von -1,5% bei Eröffnung bis +2,7% bei Handelsschluss. Ob das mehr ist als ein zwangsläufiger Bounce nach der Schwäche der letzten Tage, vermag ich noch nicht zu sagen. Aber Aufmerksamkeit kann hier nicht schaden, denn wenn die Minen sich temporär vom Goldpreis entkoppeln sollten, hätten diese noch ein Menge aufzuholen und würden vor erheblichen Gewinnen stehen.

Ich wünsche einen schönen Abend !