Wochenausblick KW15 2019


Die letzte Woche brachte durchgehende Stärke, die gelieferten "Begründungen" waren immer andere, aber letztlich ist das irrelevant, weil es in Wirklichkeit recht einfach ist:

Dieser Markt will hoch und warum er das will, haben wir uns in den vergangenen Wochen mit den diversen Statistiken angeschaut, die zeigen wie unterinvestiert institutionelle Anleger sind. Die haben halt mal wieder auf ihre Volkswirte gehört mit dem Rezessions-Gedöns, als ob das schon jemals zum Timen des Marktes ausreichend gewesen wäre. 😛

Sehr schön ist mit Stundenkerzen im Future auch zu sehen, wie richtig meine Interpretation der Bewegung vor drei Wochen als Abwärtskonsolidierung war. Damals war es noch mutig, die wilden Swings am Ende der Woche als irrelevantes Algo-Spiel abzutun, denn viele Bären haben damals gehofft, dass dieses Reversal am Freitag 22.03. einen Wendepunkt markieren würde.

Es ist aber wirklich nur eine Abwärtskonsoliduerung gewesen, der Rest war Spiel der Maschinen. Dann wurde die Abwärtstrendlinie von oben am Mittwoch 27.03. noch einmal getestet und danach ging es folgerichtig nur noch hoch:

Im Daily sehen wir, wie nahe nun die Allzeithochs und danach die 3.000er Marke ist, man kann es nun als fast sicher betrachten, dass beide dieses Jahr noch erreicht werden. Die aktuelle Bewegung gibt bisher keinen Anlaß, an ihr zu zweifeln:

Im ganz großen Bild mit Monatskerzen, habe ich für die Bullen ausgezeichnete und für die Bären gruselige Nachrichten. Denn man kann das Geschehen nämlich sehr wohl als Trendkanal zeichnen der 2011 begann und wenn man das sich derzeit aufbauende "V" ab den Allzeithochs mit einem "Measured Move" weiterführt, landet man Ende diesen Jahres genau an der oberen Begrenzung bei ca. 3.500+ im S&P500. Zufälle gibts. 😛

Das "Golden Cross" hat übrigens markant getriggert, im Daily klar zu sehen. Der statistische Trackrecord dieses Signals ist gut, das wurde letzte Woche besprochen und spricht auch für eine Fortsetzung der Rally.

Und Trump beginnt die FED zu einem erneuten -> quantitative Easing <- zu drängen, weil er ja eine Wahl gewinnen und einen Wirtschaftsboom vorzeigen will. Was stört mich mein Geschwätz von gestern zu Zeiten Obamas schon. 😉

Bei dem angeschlagenen Powell, ist das nicht mal undenkbar, dem Markt wird es auf jeden Fall nicht schaden, dass Trump nun in diese Richtung stützt.

Alle Signale stehen am US Markt also mittelfristig weiter auf Grün. Klar ist aber auch, das etwas Schwäche in der kommenden Woche nach der Vorwoche keine Überraschung wäre.

Und sicher kann das nicht so pausenlos weitergehen, will sagen wenn das Retracement kommende Woche nicht kommt, dann eben übernächste Woche. Und sicher kann jederzeit eine wirklich böse Überraschung von irgendwoher kommen.

Aber ein Retracement ist nur ein Retracement, das den Trend nicht verändert. Und das Restrisiko einer theoretischen, bösen Überraschung existiert immer und ist nie anders. Und ich predige ja immer, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt und da haben die Bullen klar die Oberhand und zeigen (noch) keine Schwäche.

Wir schieben also unser Risikomanagement mit - was immer das bei Ihnen konkret ist - und bleiben ansonsten dabei und nehmen so viel mit von dieser Schönwetterlage, wie im Rahmen unserer Strategie zu verantworten ist.

Kommende Woche bringt uns eine EZB-Sitzung, in der aber wenig Neuigkeiten zu erwarten sind. Die ist dieses Mal am Mittwoch, keine Ahnung warum das von Donnerstag umgestellt wurde.

Die Gerüchte um den Draghi-Nachfolger werden lauter, aber das ist so mit anderen politischen Entscheidungen verschwurbelt wie dem Kommissions-Chef und wird im klassischen EU-Hinterzimmer-Stil geführt, dass es keinen Sinn macht, darüber nachzudenken. Wir werden es erleben.

Am Ende ist es auch egal, weil wenn wir uns vorstellen dass es Weidmann würde, kann man ihm nur das Beileid aussprechen. Er muss dann gegen eine strukturelle Südländer-Mehrheit im Rat Draghis Nullzins-Phase beenden, was ihm wilde populistische Vorwürfe von "deutschem Diktat" verschaffen wird.

Oder er macht weiter im Draghi-Text, schon alleine weil die Mehrheiten im Rat so sind, in dem Deutschland das Stimmengewicht von Malta hat. Dann wird es ihn üblen Vorwürfen aus Deutschland aussetzen, weil er die kranke Politik der EZB fortsetzt. So oder so kein Job, um den man sich in meinen Augen reissen sollte.

Und der "Täter" Draghi wird unter Applaus von seinen Unterstützern als "Elder Banksman" in den Sonnenuntergang reiten und mit Preisen überhäuft werden. Immerhin hat er ja den "Euro gerettet". Lachhaft!

Der Brexit ist zur Lachnummer verkommen, nachdem Donald Tusk eine lange Verschiebung ins Spiel gebracht hat, muss man befürchten, dass das Gewürge so weiter geht, was den Markt dann aber nicht mehr groß aufregen wird, der hat nun Elefantenhaut bekommen in dieser Sache.

Ich persönlich würde aus EU Sicht den Briten jetzt klipp und klar sagen: Nun nehmt den Deal oder geht ohne - Verlängerung gibt es nicht. Am Ende würde man den Briten damit wohl helfen, weil es eine Entscheidung erzwingt, die sie selber wohl nicht mehr hinbekommen.

Ich rechne aber mit einer Verlängerung und noch größeren Verwurbelung der Lage, als es schon heute ist.

Ansonsten ist an Daten in der neuen Woche wenig los, dafür beginnt ganz langsam und zaghaft die neue Quartalssaison ihre Zeichen voraus zu werfen.

Am Dienstag haben wir Sika und Givaudan, am Mittwoch Louis Vuitton, Christian Dior, Delta Airlines (DAL) und Tesco und am Freitag mit JP Morgan (JPM) die erste Großbank. Richtig los geht das aber erst kommende Woche.

Der DAX hat den ersten Schritt in Richtung dieser mutigen Verlaufsprojektion getan, allerdings erwarte ich hier einen Retest des Ausbruchsniveaus, bevor es richtig los geht:

Der MDAX hat das schon hinter sich und powered in Richtung Allzeithochs:

Von Euro, Dollar und Gold kommen keine neuen Signale, aber China hat sich in Hoffnung auf einen Deal und nach den guten Wirtschaftsdaten für eine Rally entschieden, die auch der wesentliche Treibstoff der letzten Woche war.

Sie erinnern sich sicher an den Kreis im ASHR letzte Woche, wir sehen wie markant dieser nach oben aufgelöst wurde. Ich glaube nicht, dass das das Ende der Bewegung ist, es ist eher ein Anfang - außer das Handelsthema scheitert doch:

So weit die Lage vor der KW15.

Ich wiederhole, nach so einer langen Rally muss man immer abstrakt auf den Zehenspitzen sein, das kann schon böse drehen, wenn es ganz schlecht läuft.

Aber das ist und bleibt nur ein theoretisches Szenario, weil es dafür derzeit keine belastbaren Indikatoren dafür gibt. Insofern sollten wir weiter dabei bleiben, bis uns der Markt vom Gegenteil überzeugt. Was wir befürchten, weil wir Angst vor dem Geraschel im Gebüsch der Savanne haben, hat dagegen keine Relevanz für unsere Handlungen.

Nach der letzten starken Woche, wäre in der KW15 etwas mehr Konsolidierung kein Wunder, auch der Fear & Greed Index ist wieder bei 74. Mehr als so eine geordnete Konsolidierung, lässt sich aber aus der Datenlage nicht ableiten. Alles andere wäre reines Raten.

Also geht alles weiter im Text, erinnern wir uns, wie das 2017 gelaufen ist. Schon vor 2 Monaten im Februar habe ich gesagt, dass ein Hauch von 2017 in der Luft liegt, nun ist es mehr als das, der Geruch ist eindeutig da.

Ihr Hari

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Die „Hari-Methodik“ in der „Light-Version“



Zu der Art wie ich mein Investmentdepot verwalte und in der Regel eine Überrendite zu den Indizes erziele, habe ich schon ausführlich in allen Facetten Artikel geschrieben, suchen Sie einfach nach Worten wie "Investieren" oder "Positionsgrößenstrategie".

Zu der Notwendigkeit, dass Sie nicht einfach etwas nachmachen, sondern eine eigene, auf Ihre Bedürfnisse passende Strategie entwickeln müssen, habe ich auch schon endlos geschrieben. Immer wieder ist das hier Thema.

Wenn ich mir hier in den letzten Monaten aber die Fragen anschaue, die an mich heran getragen werden und sehe mit welchen Problemen Sie kämpfen, gewinne ich eher den Eindruck, dass mittlerweile das Problem von vielen von Ihnen nicht mehr ist, dass Sie zu wenig wissen, sondern eher, dass Sie keinen sinnvollen Startpunkt finden.

Wenn man so will, sind Einige von Ihnen in der Situation von jemandem, der vor einer Pralinenschachtel der wunderbarsten und leckersten Pralinen der Welt sitzt, wobei die Pralinen mit Techniken und konkreten Chancen am Markt gleichzusetzen sind.

Die Vielfalt und Attraktivität des Angebotes überfordert dabei manche scheinbar. Die Einen geraten dann in eine Starre in der sie gar nichts machen, weil sie sich nicht entscheiden und vor allem nach einer Entscheidung dann nicht eine Praline mal in Ruhe geniessen können. Die Anderen stopfen sich den Mund mit möglichst vielen Pralinen voll und wundern sich dann, dass sich im Magen (Depot) auch kein Wohlbefinden, sondern eher Übelkeit einstellt.

Wenn man so will, scheint mir also teilweise das Problem zu existieren, dass manche keinen geordneten Anfang finden und dann auch nicht dabei bleiben, um mit einem Ansatz auch mal wirklich Erfahrungen zu sammeln.

Da ich diese Wahrnehmung habe, will ich Ihnen heute mal ein umgedrehtes Angebot machen.
Ich biete Ihnen heute eine vorgefertige, grobe Strategie mittlerer Komplexität, die Sie "einfach nur" mal umsetzen müssen.

Und noch besser, ich verwende meine Positionsgrößenstrategie, mit der ich auch selber operiere, nur in einer stark abgespeckten und deutlich vereinfachten Form, um Ihnen einen Einstieg zu ermöglichen.

Dabei will ich betonen, dass dieser Ansatz weder "der Einzige", noch "der Beste" oder "der Aussichtsreichste" ist, es ist einfach nur mein Ansatz in einer vereinfachten Form mit fixen Triggern. Und es kann auch gut sein, dass dieser Ansatz gar nicht zu Ihnen passt, während er bei jemand anderem einschlägt - jeder ist eben unterschiedlich.

Da der Ansatz die Entscheidungen über Ein- und Ausstieg mit einfachen Triggern automatisiert, sollten Sie nicht davon ausgehen, dass damit eine große Überrendite möglich ist. Aber einfach mal etwas entspannter der Marktperformance zu folgen, wäre für viele ja auch schon ein Erfolg.

Und denjeniegen unter Ihnen, die gar keinen Startpunkt finden, die ziellos zwischen Ideen hin und her mäandrieren, gibt es vielleicht mal ein paar Leitplanken für einen Ansatz mittlerer Komplexität. Und natürlich können Sie anpassen was Sie anpassen wollen, es ist nur ein Rahmen, um Ihnen einen Einstieg zu ermöglichen.

Aber trotz Leitplanken, am Ende müssen Sie es auch tun. Wenn Sie das nicht können, wenn Sie so einen Ansatz mal nicht ein Jahr konsequent umsetzen können und damit echte Erfahrungen sammeln, wenn Sie bei den ersten Schwierigkeiten schon wieder am Ansatz herumschrauben und den in Frage stellen, dann kann ich Ihnen nicht helfen. Diese Grunddisziplin mal etwas duchzuziehen muss jeder entwickeln.

So weit der Vorrede, legen wir los mit meiner Positionsgrößenstrategie in der "Light Version".

(1) Wie viele Aktien sind in Ihrem Investmentdepot enthalten?

Exakt 10 Aktien, keine mehr, keine weniger. Und *immer* 10 Aktien, keine mehr, keine weniger.

(2) Wie wählen Sie die Aktien aus?

Sie wählen 10 Top-Aktien, von denen Sie völlig überzeugt sind. Überzeugt heisst, sie sind von deren guten Zukunftsaussichten, deren beständigem Wachstum, deren stabilem Geschäftsmodell, deren Track-Record überzeugt.

Logischerweise können das keine Rebound-Spekulationen, keine vor sich hin dümpelnden Dividenden-Werte ohne Perspektive und auch keine Pennystocks mit trauriger Gegenwart aber "grandioser Zukunft" sein.

Es sind etablierte Firmen, mit etabliertem Geschäftsmodell, mit beständiger Stärke und Wachstum. Eine Delle ist immer mal drin, wenn es langfristig aufwärts geht.

Sie dürfen hier durchaus Vorlieben walten lassen, solange die Aktien objektiv starke Aktien mit starken Charts sind, die sich langfristig (Wochenkerzen/Monatskerzen) in einem Aufwärtstrend befinden. Wir haben solche Aktien hier vielfach besprochen.

4 dieser Aktien kommen zwingend aus den US. 4 dieser Aktien kommen zwingend aus Europa. 2 Aktien können Sie als "Joker" nach Ihren Vorlieben weltweit hinzufügen.

Des Weiteren dürfen Sie maximal 2 Aktien aus dem gleichen Sektor haben, idealerweise sogar nur je eine pro Sektor. 2 pro Sektor sind erlaubt, wenn Sie Schwerpunkte setzen wollen, aber nicht mehr.

(3) Wie gehen Sie mit den 10 Aktien um?

Das sind von nun an *Ihre* Aktien. Auf die konzentrieren Sie sich. Nicht auf andere Aktien, *auf diese*! Für diese Aktien legen Sie sich Nachrichten-Alerts an und überwachen die wesentlichen Unternehmensnachrichten, die zu den Aktien herein kommen. Jeden Tag, diszipliniert.

Der Sinn ist, dass diese Aktien Ihnen im Laufe der Zeit "vertraut" sind und Sie jederzeit einem Dritten erzählen können, wie auf einer allgemeinen Ebene die Nachrichtenlage um die Aktie ist.

(4) Was sind Ihre Positionsgrößen?

Sie operieren mit 3 Positionsgrößen - klein, standard, groß. Nicht mehr, nicht weniger. Wie Sie diese Worte auf konkrete Beträge umsetzen, ist Ihre Sache und Frage der Größe Ihres Depots.

Sollten Aktien sich durch Marktbewegungen im Wert zu weit von den gewählten Positionsgrößen entfernen, werden diese *nur* in 2 Fällen angepasst.

(a) Wenn Sie sowieso aus anderen Gründen eine Anpassung der Position vornehmen, wird die Anpassung genutzt um zu den Standardgrößen zurück zu kehren.

(b) Einmal im Jahr kurz vor dem Jahreswechsel.

(5) Wie und wann starten Sie?

Ganz einfach. Wenn Sie Ihr Depot fertig haben, definieren Sie einen Zeitpunkt, zu dem Sie mit der Strategie starten wollen. Dabei können Sie durchaus ein wenig Markttiming anwenden, man muss ja nicht gerade Anfang Oktober 2018 starten, Ende Oktober 2018 wäre besser gewesen.

Wenn dann der Tag aber da ist, kaufen Sie alle 10 Aktien mit der Basisposition (klein) in Ihr Depot. Punkt.

(6) Wann fällt eine Aktie aus dem Depot?

Vom Grundansatz her nie. Sie verpflichten sich auch *immer* 10 Aktien im Depot zu haben, das heisst Ihre Depotgröße ist mindestens 10xklein.

Immer, auch in Krisen! Wenn Sie die Positionsgrößen gleichverteilen, haben Sie also *immer* mindestens 33% Ihres Depots investiert. Im Standardfall um die 66% und bei Vollgas 100%, weil dann alle Aktien auf "großer" Positionsgröße sind.

Auch wenn vom Grundsatz her diese 10 Aktien dauerhaft Ihr Depot zieren sollen, ist es nicht ausgeschlossen, dass Sie mal eine Aktie austauschen müssen.

Das ist aber nur dann zulässig, wenn die Aktie objektiv ihren Trend gebrochen hat und unter der 200-Tage-Linie notiert. Aber selbst dann wird eine Aktie nicht sofort ausgetauscht. Nur wenn Sie dann guten Grund haben, die Grundannahmen in Frage zu stellen, wegen denen Sie die Aktie aufgenommen haben, wenn also grundlegend was im Geschäftsmodell in Frage gestellt wird.

Wenn das zusammenkommt und die Aktie nicht mehr den Kriterien dieses Depots entspricht, wird sie entfernt, aber sofort wieder gegen eine Alternative ausgetauscht, die wieder mindestens mit Basisposition (klein) enthalten ist.

Es sind also *immer* 10 Aktien mit mindestens kleiner Positionsgröße im Depot. Immer.

(7) Wann erhöhen und verringern Sie die Positionen?

Das ist der einzige Punkt, zu dem Sie richtig nachdenken müssen und ich Ihnen nicht einfach eine simple Vorgabe machen kann. Weil das hat auch mit den gewählten Aktien selber zu tun.

Vom Grundsatz her, agieren Sie aber nach den Prinzipien der Trendfolge. Da es sich ausschließlich um Aktien in Aufwärtstrends handelt, haben diese auch alle Trendlinien über denen sie laufen bzw laufen über der 200-Tage-Linie.

Sie wählen nun Parameter, die Sie als Trigger benutzen nach oben und nach unten. Nun wird es etwas generischer, weil Sie können viele Trigger wählen und ich will Ihnen keine vorschreiben.

Sie könnten zum Beispiel eine Trendlinie wählen und davon feste Abstände wählen. Sie könnten den Schnitt zweier gleitender Durchschnitte zum Trigger machen usw. Ihrer Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt, was sinnvoll ist, kann man nicht pauschal sagen und hat auch immer mit der Aktie zu tun. Wichtig ist aber, dass die Regel einfach und klar ist.

Beispiel a): Feste Abstände zur Trendlinie mit dem Ziel einen Mehrwert zum Trend zu generieren

Nehmen wir mal Danaher (DHR) als ein Beispiel für eine sauber trendende Aktie, die ich mit festen Abständen zur Trendlinie betrachte (das Chart ist klickbar):

Sie können hier eine saubere Trendlinie unter den Trend ziehen. Das ist Ihre Normallinie.

Dann ziehen Sie eine parallele Steigungslinie oberhalb, so dass ein Trendkanal entsteht, dessen obere Begrenzung immer wieder angelaufen wird, die Aktie aber wieder zurück kommt. Die obere Steigungslinie ist also bewusst nicht die obere Begrenzung eines Kanals, sondern soweit tiefer, dass sie immer wieder angelaufen und getriggert wird.

Und nun kommt der entscheidende Twist, denn Sie wollen ja antizyklisch einen Mehrwert generieren:

Immer wenn der Kurs an die untere Trendlinie kommt, wird auf große Positionsgröße erhöht!

Immer wenn der Kurs an die obere Steigungslinie kommt, wird auf die mittlere Positionsgröße verringert.

Wenn aber der Kurs durch die Trendlinie durchfällt, auch wenn man gerade vorher auf "groß" erhöht hat, wird sofort hart auf kleine Positionsgröße verringert! Bei Danaher hat es diesen Fall im Zeitraum nicht gegeben.

Faktisch spielen Sie damit einen Trendkanal mit zwei Positionsgrößen und wenn der Trend in Gefahr gerät, sind Sie mit kleiner Position im Krisenmodus.

Es ist schnell einsichtig, dass das in der Regel einen Mehrwert zum Markt generiert, wenn der Trendkanal ein Trendkanal bleibt. Nur bei extrem starken Aktien wie hier Danaher, die lange am oberen Rand des Trendkanals laufen, kann es auch mal ein Nachteil sein. Wir sehen das hier in den Jahren 2014 und 2015, in denen DHR mit diesen Linien trotz beständig steigenden Kursen nur in der mittleren Positionsgröße gewesen wäre. In den anderen Jahren hätte es dagegen gut funktioniert und einen Mehrwert generiert.

Sie sehen daran schon, dass die idealen Triggerlinien nicht pauschal auf alle Aktien passen.

Es ist darüber hinaus auch klar, dass dieser obige Ansatz bei vielen Aktien nicht funktionieren wird, weil diese nicht stabil und gleichmäßig genug im Trend laufen. Dann käme vielleicht das folgende Beispiel zum Einsatz:

Beispiel b): Gleitende Durchschnitte als Trigger, mit dem Ziel eines automatischen Risikomanagements, ohne dabei Performance zu verlieren

Nun ist Danaher ein sehr stabiler Trend, bei stärker schwingenden, aber trotzdem immer steigenden Aktien, bieten sich andere Konzepte an.

Im zweiten Beispiel will ich Ihnen zeigen, wie Sie bei Mc Donalds (MDC) mit zwei gleitenden Durchschnitten Trigger setzen, die Ihnen helfen zwischen der mittleren und großen Positionsgröße zu fluktuieren: (Das Chart ist klickbar)

Sie sehen, dass ich hier im Beispiel die 50- und 200-Tage-Linie verwende, Trigger sind jeweils die Schnittpunkte. Immer wenn der kürzere SMA den längeren SMA von oben nach unten durchkreuzt ist es ein Verkaufssignal und wenn er das von unten nach oben macht ein Kaufsignal.

Sie sehen, dass Sie damit ein wunderbares, automatisches Risikomanagement bekommen. Natürlich, in langen Seitwärtsphasen wie 2012 bis 2015 gibt es dann ein (im nachhinein) unnötiges Hin- und Her.

Aber hinterher ist man immer klüger und Sie sehen auch, dass die Technik Sie dafür automatisch und zuverlässig rein und rausbringt und Sie sogar wegen etwas niedrigerer Erhöhungen, einen leichten Performance-Vorteil bekommen, der das Hin und Her wieder ausgleicht.

Der Hauptwert ist hier eben, dass Ihr Risikomanagement automatisch ist und wenn Sie dann noch einen dritten, tieferen Trigger hinzufügen, haben Sie auch einen Indikator, der Sie beim Trendbruch auf die minimale Basisposition bringt.

Mit der Methodik dieses Beispiels können Sie aufwärts trendende Aktien spielen und deren Performance weitgehend mitnehmen und haben ein Risikomanagement gleich "kostenlos" mitgeliefert. Ich denke es gibt Schlimmeres. 😉

Soweit die beiden Beispiele. Ich betone es sind nur Beispiele und es gibt noch viele andere Ideen, so eine simple Triggerlogik zu implementieren, die ohne menschliches "Raten" auskommt und Signale automatisch generiert.

So eine ähnliche Logik müssen Sie sich aber für jede Aktie überlegen, wenn Sie so einen Ansatz fahren wollen. Am Ende werden Sie dann 1-3 Logiken haben , mit denen Sie alle Ihre Aktien sinnvoll in ein dreistufiges Raster pressen können. Die Komplexität ist also sehr begrenzt, diese Hürde für (7) ein Konzept zu entwickeln, müssen Sie aber erst einmal nehmen.

Jede Ihrer Aktien bekommt also ein dreistufiges Raster. Dieses Raster bleibt gleich, solange die Aktie keine grundlegende Charakteränderung vollzieht. Nach schweren Brüchen wie 2008, muss man diese Logik aber in der Regel ganz neu aufsetzen, das passiert aber wirklich nicht jedes Jahr - nichts ist eben für ewig, am Markt schon gar nicht!

Das Raster funktioniert also mit 3 Zuständen. Es gibt den Krisenmodus, in dem Sie auf jeden Fall in die kleine Positionsgröße gehen, egal was vorher passiert ist. Die beiden anderen Positionsgrößen werden aber aktiv gespielt, in Form eines automatisierten Markttiming, so wie oben beispielhaft skizziert.

War ich verständlich? Hier kann ich Ihnen wie gesagt eigenes Nachdenken nicht abnehmen, kein simples 3-Stufen-System passt perfekt auf jedes Chart.

Wichtig ist, dass die 3 Stufen einfach sind, klare Signale liefern und Sie idealerweise wie in Beispiel a) durch inverse Trigger antizyklisch BTFD und STFR machen, also bei den beiden Stufen unten kaufen und oben verkaufen.

Das funktioniert natürlich nur, solange es auch wirklich 10 starke Aktien in starken Trends sind, deshalb ist die Auswahl am Start auch so wichtig. Und deshalb dürfen Sie Aktien austauschen, wenn da kein Trend mehr ist.

(8) Was machen Sie in der großen Baisse?

Nun dann werden Ihre 10 Aktien recht früh alle im Krisenmodus und damit in der kleinen Positionsgröße sein.

Dann müssen Sie die Frage beantworten, ob das an Ihren Aktien liegt, wenn ja werden diese einzeln ausgetauscht.

Wenn es aber am Markt liegt im Sinne "die Ebbe senkt alle Boote", wenn Ihre Aktien immer noch relativ gesehen gute und starke Aktien sind, nur halt von der Krise mitgezogen werden, dann machen Sie gar nichts. Dann durchleben Sie die Krise mit Ihren Aktien zu 33% investiert.

Eine Komponente sich ganz aus dem Markt zu bewegen, hat dieses sehr einfache Konzept nicht. Aber niemand hindert Sie daran, so eine Komponente noch hinzufügen. Nur machen Sie es bitte in der ersten Iteration nicht gleich zu kompliziert!

Fazit

Die Strategie oben, ist eine vereinfachte Variante dessen, was ich selber mache. Ich habe mehr Positionsgrößen und meine Entscheidungen beruhen nicht auf fixen Triggern, sondern sind das Ergebnis meines jeweiligen Blicks auf die individuelle Markttechnik.

Aber im Prinzip agiere ich so. Ich verkaufe starke Aktien in Schritten, wenn Sie zu überdehnt nach oben sind, also sich zu weit vom Mittel entfernt haben oder sich eine Korrektur anbahnt. Und ich erhöhe wieder in Schritten an Tiefpunkten, die ich für Trendtiefs halte. So agiere ich bei starken Aktien antizyklisch und generiere einen Mehrwert zum Markt. Einen Mehrwert, den ich natürlich nur dann realisieren kann, wenn sich auch solche markanten Bewegungen ergeben, weswegen 2018 mit seinen 2 Korrekturen für diesen Ansatz ein gutes Jahr war.

Wenn Sie gar keinen Anfang für eine sinnvolle Strategie finden, versuchen Sie es mal so. Der Vorschlag oben ist nicht trivial, aber auch nicht sehr schwierig, mittlere Komplexität sozusagen. Wenn Sie es noch einfacher wollen, dann nutzen Sie einfach gleitende Durchschnitte für Ein- und Ausstieg ohne verschiedene Positionsgrößen. Auch das habe ich schon beschrieben.

Die Punkte oben sind überwiegend nicht schwierig umzusetzen, die Auswahl unter Punkt (2) sollte bei den vielen Top-Aktien die hier schon besprochen wurden, recht leicht sein. Zumindest sind genügend Ideen für so Aktien da.

Der einzige Punkt der mehr Grübeln erfodert ist (7), die Frage wie Sie Ihre Trigger für die drei Stufen setzen. Sie sind da völlig frei, nehmen Sie womit Sie klar kommen, Sie müssen es dann aber konsequent umsetzen.

Damit das Ganze nicht zu hektisch wird, rate ich Ihnen sich auf Wochenkerzen zu konzentrieren, aber niemand hindert Sie daran, das auch mit Tageskerzen zu implementieren, Sie müssen selber wissen, ob Sie mit der höheren Aktivität dann leben können.

Das wars. Zum Schluß vielleicht noch ein Hinweis:

Wenn Sie Zweifel an Ihrer Disziplin haben, gibt es eine einfache Methode sich selbst zu disziplinieren. Sie eröffnen hier einen eigenen Thread, stellen Ihre 10 Aktien vor, stellen Ihre Trigger vor und verpflichten sich gegenüber der Community dazu, ein Jahr Ihre Handlungen zu dokumentieren. Da werden Sie was dabei lernen, ich verspreche es Ihnen! Das wird Ihr Affenhirn in die Mangel nehmen, wie es das noch nie erlebt hat. Denn das Wissen etwas hier allen zeigen zu müssen, ist ein guter Schutz dagegen "mal eben" von der Strategie abzuweichen.

Ich hoffe es hilft ein wenig. 🙂

Viel Erfolg!

Ihr Hari

PS: Übrigens, passend zu obiger Strategiethematik, stellt uns Pasolini morgen seine Strategie vor. Freuen wir uns darauf!

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Trendfolge I : Trendkanalbewegte



Unser Mitglied Pasolini hat hier schon in der Vergangenheit Artikel beigesteuert, einen finden Sie -> hier <-.

Umso mehr freue ich mich, dass er sich erneut engagiert hat und mit uns das Thema der Trendfolge und im Speziellen der Trendkanäle besprechen will.

An dieser Stelle kann ich daher nur wiederholen, was ich schon bei seinem letzten Artikel geschrieben habe. Zwischen einer regelmässigen Kolumne und Forenbeiträgen, gibt es eben auch einen Mittelweg, wenn Sie etwas zu sagen haben, das in Umfang und Inhalt, über die Möglichkeiten eines Forenbeitrages hinaus geht.

Kontaktieren Sie mich dann einfach direkt per Mail. Ich werde schauen, ob Ihr Input als Gastbeitrag geeignet ist und wenn ja, werden auch Ihre Worte hier im internen Bereich in ähnlicher Form erscheinen.

Nochmals Danke an Pasolini und nun überlasse ich ihm das Wort:

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Eine entspannte Möglichkeit, gute Kursgewinne bei akzeptablem Chance─Risiko–Verhältnis zu erzielen, bietet die Trendfolge — schließlich nährt ja die Ausbildung eines [Aufwärts]-Trends den Verdacht, dass Unternehmen über ein Geschäftsmodell verfügen, das seit einiger Zeit funktioniert.
Charttechnisch kann ein Trend in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten. Eine dieser Formen ist Gegenstand der folgenden Betrachtungen.

Aktien, die sich in einem anhaltenden Aufwärtstrend über ein, zwei, drei, oder mehr Jahre bewegen (Trendfolger), entwickeln ein spezifisches, ihnen eigenes Anstiegstempo. Im Chart spiegelt sich das in vielen Fällen in der Formation eines Trendkanals wider, der die obere und untere Begrenzungslinie des Kursverlaufs markiert.

Geraten Aktien irgendwann während des Anstiegs ins Stolpern oder übernehmen sie sich, indem sie das Anstiegstempo zu stark forcieren, halten sie das nur für einen überschaubaren Zeitraum durch, bevor Erschöpfung eintritt, die zu einem mehr oder minder starken Tempo-abfall führt. Das ist genau wie im realen Leben und jedem, der eine oder mehrere der Triathlonsportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen betreibt, vertraut.

Im Chart ist das [auch] leicht zu erkennen: z.B. daran, dass ein Kurs, wenn er die obere Trendkanallinie erreicht, in eine horizontale Konsolidierung übergeht, die solange anhält, bis der EMA 20 (im Wochenchart) oder der SMA 200 (im Tageschart) wieder in Sichtweite kommt.

Noch auffälliger wird es, wenn der Kurs über die obere Begrenzungslinie hinausschießt und aus dem Trendkanal ausbricht ("Throwover" in Wyckoff-Terminologie). Als typisches Zeichen der Erschöpfung erscheint dann irgendwann ein Candlestick-Umkehrsignal auf Wochenbasis, das den Rückfall des Kurses in den Trendkanal einleitet, der dann nicht selten erst an der unteren Begrenzungslinie (Nachfragelinie) endet, bisweilen auch noch etwas darunter ("porosity"), bevor er wieder nach oben dreht. Es ist sicher kein Zufall, dass diese unteren Umkehrpunkte oft auf einem oder in der Nähe eines Fibonacci retracement levels liegen.

Was ich gerade so leicht und locker beschrieben habe, kann allerdings in der Praxis zu einer Herausforderung werden. Allein schon deswegen, weil Trendkanäle keine objektiv definierten Chartformationen sind, sondern Strukturen, die nur in der Wahrnehmung des Betrachters entstehen. Dazu kommt, dass Trendkanäle ihren Verlauf mit Fortschreiten der Zeit ändern können, wenn sich das Momentum und damit der Steigungswinkel des Kursanstiegs ändert (im Analystendeutsch als Morphing bezeichnet). Neben soviel Unsicherheit gibt es aber auch eine gute Nachricht, und das ist die durch viele Beispiele bestätigte Beobachtung, dass die Aussagekraft eines Trendkanals steigt, je mehr Berührungspunkte der Kurs mit seinen Begrenzungslinien aufweist.

Als Beispiele für meine Betrachtung wähle ich deutsche Nebenwerte, die meisten davon aus dem DAX-Universum. Den Anfang machen zwei Hersteller von Flurförderfahrzeugen, die in dem anhaltenden Logistik-Boom weiterhin stark nachgefragt werden: Jungheinrich [JUN3] und Kion [KGX]. Beide bewegen sich seit drei bzw. zwei Jahren in einem Trendkanal.
Da ich beide Werte erst spät einer genaueren Betrachtung unterzogen habe, ist mir hier noch kein Einstieg gelungen.

Der folgende Wert, Stabilus S.A. [STM], wurde hier schon vorgestellt und öfter erwähnt.

STM hat im Laufe von 6 Monaten eine mustergültige Bewegung von der unteren zur oberen Begrenzungslinie des Trendkanals vollzogen (ca 50 % Kursgewinn). Seitdem konsolidiert die Aktie in einer engen, horizontal verlaufenden Kursspanne — was als Zeichen von Stärke interpretiert werden kann. Die Konsolidierung könnte noch eine Weile weitergehen, bis die Nachfragelinie wieder näher rückt. Ein Ausbruch nach oben aus der Range auf Wochenbasis würde dann das Signal für die Fortsetzung des Aufwärtstrends geben.

Die nächsten drei Werte demonstrieren die Abfolge von Ausbruch aus dem Trendkanal nach oben > Erschöpfung > Umkehr > Kursrückgang > Rückfall in den Trendkanal besonders anschaulich.

Carl Zeiss Meditec [AFX] ist ein Hersteller von medizintechnischen Geräten mit Schwerpunkt im ophthalmologischen Bereich.

AFX ging nach einer fast dreijährigen Konsolidierung, die nach der Wyckoff-Methode als Reakkumulationsphase bestimmt werden konnte, in einen Aufwärtstrend über und bildete einen Trendkanal aus. Bei beiden Ausbrüchen folgte auf die Erschöpfung der Wiedereintritt in den Trendkanal.

Bet-At-Home [ACX] ist ein im SDAX kotiertes österreichisches Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf und Malta, das eine Online-Plattform für Sportwetten, Casino und Poker betreibt. Das Angebot ist in einer Reihe von europäischen Ländern und in 11 Sprachen verfügbar.
Seit dem Börsengang 2004 hat die Aktie mehr als 50.000 % zugelegt. Im Vergleich dazu sehen Betreiber von Casinopalästen wie Las Vegas Sands [LVS], Wynn Resorts [WYNN], Melco Crown [MLCO] u.a. ziemlich alt aus.

Nach — rechtlich fragwürdigen — regulatorischen Eingriffen in Polen folgte auf den Hype, im Chart erkennbar an dem Ausbruch aus dem Trendkanal, die überfällige Konsolidierung, die den Wert bis an die Nachfragelinie zurückführte, wo ein Candlestick-Umkehrsignal eine gute Gelegenheit zum Einstieg bot.

Vectron Systems [V3S] ist ein Anbieter von Kassensystemen und Kassensoftware aus Münster, nach eigenen Angaben Marktführer im Bereich der Bediengastronomie und bei hochwertigen Lösungen für Einzelhandelsfilialisten im deutschsprachigen Raum. Der Export-anteil soll über 40 % betragen.

Aktuelle Wachstumstreiber sind die Sonderkonjunktur bei der gesetzlich vorgeschriebenen Um- bzw. Nachrüstung der Kassensysteme ("Fiskalspeicher") und die in Kooperation mit CocaCola neu entwickelte GetHappy Plattform (Bestell-, Reservierungs- und Bezahlfunktion) für Gastronomie, Bäckereien und andere Einzelhandelsfilialisten, der großes Potenzial eingeräumt wird.

Ähnlich wie bei Bet-At-Home gab es auch hier einen Hype, charttechnisch am Ausbruch aus dem Trendkanal zu erkennen, auf den dann die erwartete Konsolidierung folgte, die erst an der Nachfragelinie endete.
Auslöser für den Kursrückgang war möglicherweise die Nachricht, dass die Einführung der GetHappy Plattform auf Anfang 2018 verschoben werden musste.

Bei meinem Einstieg stand mir das Glück insofern zur Seite, als ich genau in die beginnende Superkompensation (im Analystendeutsch short squeeze) hinein kaufte und nach vier Tagen mehr als 20 % Kursgewinn verzeichnen konnte — und das ganz ohne Hebel.

Für die Darstellungen habe ich Wochencharts gewählt, weil sie das große Bild zeigen, in dem Trendverlauf und mögliche Trendkanäle leicht zu erkennen sind. Konkrete Handels-entscheidungen treffe ich üblicherweise eine Ebene tiefer, im Tageschart. Ein Einstiegssignal liegt für mich vor, wenn im Kursverlauf ein Candlestick-Umkehrsignal erscheint, das am folgenden Tag bestätigt wird und zugleich der Tagesschlusskurs oberhalb der T─ Linie (T = Trigger = 8er EMA) liegt, und die Slow Stochastik aus dem überverkauften Bereich wieder nach oben austritt. Wird das Einstiegssignal nicht bestätigt, sondern durch eine gegenläufige Bewegung aufgehoben, verliert das Setup seine Gültigkeit. ― Für ein Ausstiegssignal gelten die gleichen Vorgaben, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Ich habe hier nur die von mir verwendeten Signale beschrieben. Mir ist natürlich bewusst, dass es zahlreiche Varianten von Ein- und Ausstiegssignalen gibt, die das Herz des Traders erfreuen.

Um auf die Einleitung des Beitrags zurückzukommen: zum entspannten Handeln trägt natürlich auch bei, dass eine Korrektur / ein Trendwechsel bei den gezeigten Werten in der Regel mit einem Umkehrsignal beginnt und nicht mit einer großen Abwärtslücke, wie das bei vielen amerikanischen Titeln der Fall ist.
Bei Carl Zeiss Meditec gab es zwar eine Abwärtslücke (im Tageschart erkennbar), aber diese kam nicht aus heiterem Himmel, sondern konnte antizipiert werden, da der Kurs fast vier Wochen lang direkt unter dem SMA 50 "festklebte", ohne diesen überwinden zu können. Und dann tritt genau das ein, was Hari hier schon mehr als einmal hervorgehoben hat: wenn die eine Mannschaft ihre Chance nicht nutzt, übernehmen die Gegenspieler die Initiative.

Schließen möchte ich mit der Frage, die ich mir selbst als Leser von Forums- und anderen Artikeln stelle: Was kann ich aus diesem Beitrag für mich mitnehmen? Vielleicht ist es die Anregung, bei den Aktien, die ich über einen längeren Zeitraum beobachte, einen genaueren Blick darauf zu werfen, ob bei der einen oder anderen von ihnen eine Formation erscheint, die als Trendkanal identifiziert werden kann.

Pasolini

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Der Fall ThyssenKrupp – Gelassen oder Gnadenlos?



ThyssenKrupp legt seit Tagen einen ganz üblen Einbruch hin und das Thema wurde auch im Forum erwähnt. Ich will das zum Anlass nehmen, ein paar grundlegenden Worte zum Risikomanagement zu sagen.

Zunächst einmal, müssen wir akzeptieren und uns auch sozusagen "hinter die Ohren schreiben", dass jede Aktie und jeder ETF, egal wie überzeugend die Story ist und egal wie gut das Chart ausschaut, plötzlich auf dem Fusse drehen und so massiv in die Gegenrichtung laufen kann, dass einem Angst und Bange wird.

Auch bei ThyssenKrupp gibt es dafür Gründe, die sollen hier aber nun nicht Thema sein, weil hier geht es nur darum, wie man damit umgeht.

Und dabei gibt es eine wichtige Weisheit:

Man ist entweder sehr gelassen und ruhig, weil man das Unternehmen fundamental gut einschätzen kann.

Oder man ist "hart und gnadenlos", fast "paranoid" im Risikomanagement. Sprich man wirft anhand der Marktstrukturen erst raus und denkt dann nach.

Beide Ansätze funktionieren. Was extrem schwierig ist und oft nicht gut ausgeht, sind dagegen diese "mittleren" Ansätze, bei denen man lange zögert, noch "Raum geben" will, abwartet und hofft, nur um zu erleben, wie ein Kurs fällt und fällt. Und irgendwann, nach langem Warten, zieht man dann doch die Reissleine, nur um zu erleben, dass man schon wieder zu spät dran ist und der Kurs kurz danach dreht.

Seien Sie also in Ihrem Risikomanagement entweder gelassen oder gnadenlos - aber nicht irgend etwas dazwischen! Wenn der Kurs näher kommt und Sie erst dann zu grübeln anfangen, was nun zu tun ist, sind Sie schon auf dem falschen Pfad! Denn mit einer klaren Strategie, braucht es dieses Grübeln nicht!

Entweder ist dann technisch eben der vorher definierte Punkt ereicht und dann zieht man das einfach ohne Reue durch. Oder man hat so eine umfassende, inhaltliche Sicht auf das Unternehmen, dass man schon vorher wusste, dass solche Zuckungen zu vernachlässigen sind und man diese aushalten will.

Bitte interpretieren Sie in die "gelassene Sicht" auch nicht hinein, dass es da kein Risikomanagemt gäbe. Nein, das gibt es immer, auch da. Aber nirgendwo steht, dass Risikomanagemt immer nur von Charts abhängig sein muss, auch andere Parameter sind zulässig, Hauptsache man hat sie und weiss immer, wann eine Anlage so gegen einen läuft, dass man das nicht mehr tolerieren kann und will.

Schauen wir konkret auf das Chart von ThyssenKrupp und betrachten das aus den Augen eines mittelfristigen Anlegers, der eine schöne Wendestruktur mitnehmen wollte:

TK 08.12.15

Wir sehen den wunderbaren Trendkanal in Schwarz, der Ausdruck der positiven Erwartung war und den man handeln konnte. Den Kanal kann man auch etwas weiter zeichnen, ich habe es nun etwas enger gemacht - am Prinzip ändert das nichts.

Dann gab es bei (1) am 01.12. dieses markante Reversal der Vortagesgewinne, mit dem eine erste, steile Trendlinie in Frage gestellt wurde. Bei einem sehr paranoiden, kurzfristig agierenden Trader, hätte schon das ein Warnzeichen auslösen können. Es ist durchaus legitim so gnadenlos zu sein, weil man kann doch jederzeit wieder rein, wenn es doch nach oben weiter geht.

Zwingend war ein (Teil-)Ausstieg bei (1) also nicht, wenn man ein sehr "paranoides" Risikomanagement hat, aber durchaus legitim.

Dann kam aber (2), dort wo die Aktie aus dem Trendkanal heraus gefallen ist und gleichzeitig auch ein vorheriges Trendtief unterschritten wurde.

Aus mittelfristiger Sicht, für jemanden der diesen Trendkanal handelt, war das der logische und zwangsläufige Punkt, an dem zum ersten Mal das Risikomanagement greifen *musste*. Wenn man es da nicht getan hatte, sollte man dafür gute Gründe haben.

Rein von der Struktur her gilt aber: wenn man eine Struktur handelt, ist der Bruch der Struktur das Ausstiegssignal und nicht nur der Anlass mit dem Grübeln anzufangen. Wer also die Struktur handelte, musste auch hier handeln. Alles andere wäre inkonsequent.

Dann wurde bei (3) ein erneutes Trendtief unterschritten und bei (4) steht das finale Trendtief an. Auch diese Punkte kann man nutzen, allerdings sollte man sich eingestehen, dass das Risiko nun immens steigt, hier schon wieder "zu spät" dran zu sein.

Denn das OBV hat immer noch eine leicht positive Divergenz, nach so einem Einbruch steht auch wieder eine Gegenbewegung an und fundamental kann man sich fragen, was sich denn so stark an der Story geändert hat?

Ich hoffe Sie sehen meinen Punkt.

Seien Sie rein technisch auf der einen Seite lieber zu schnell als zu langsam beim Risikomanagement. Sicher verpasst man so auch mal einen Anstieg und es wird schwerer "Gewinne laufen zu lassen", aber die Gnadenlosigkeit einfach "abzuschneiden" verhindert so etwas wie hier. Das ist eine Abwägung, die nie ganz perfekt sein wird, die man aber treffen muss.

Oder haben Sie alternativ eine fundierte Sicht auf das Geschehen rund um das Unternehmen, die Ihnen dann erlaubt, gelassen auf die grossen Parameter zu schauen, die das Geschäft bewegen. Und erst wenn die in Frage stehen, kommt der Punkt des Ausstiegs.

Letztlich operiere ich auch deshalb hier immer nur mit dem generischen Begriff des Risikomanagements, weil es eben wirklich sehr individuell ist und es tausend Wege gibt, das für einen selber umzusetzen. Selbst mit diesem Chart kann man es anders machen, wenn man nach anderen Parametern gehandelt hat.

Wichtig ist aber die Einheit zwischen Handelsidee und Risikomanagement. Sprich wenn man eine Struktur handelt, ist die auch der Massstab, wann sie invalidiert wurde.

Für mich mit meiner Technik, wäre das so ein Fall, bei dem ich nun die Basisposition immer noch habe, weil ich fundamental kein echtes Problem an der Story sehe. Meine höheren Positionsgrössen, wurden dann aber bei (2) konsequent und hart abgebaut. Es gab nach Bruch der Struktur keinen Grund, da zu zögern.

Aber das ist nur mein Weg. Ihrer muss sich an Ihre Bedürfnisse und Ihr Risikobewusstsein anpassen.

Meine Botschaft hier und heute ist aber:

Seien Sie entweder sehr schnell und hart beim Risikomanagement oder ruhig und gelassen, weil Sie sich alles schon vorher überlegt haben.

Eiern Sie aber nicht "dazwischen" herum, in dem Sie erst dann anfangen ernsthaft über Ihre Stops nachzudenken, wenn der Kurs denen schon nahe kommt. Und wenn das passiert und Sie unter Druck geraten, sollten Sie schon gar nicht anfangen, diese Stops dann umzuwidmen und zu verschieben.

Wenn man vorher eine Strategie hatte, dann gilt die. Punkt!

Ihr Hari

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DAX Marktupdate



Die Märkte sind nun im Korrekturmodus, aber der DAX sieht dabei immer noch sehr verhalten und kontrolliert aus. Und so richig scharfes Abwärtsmomentum, gibt es nach wie vor nicht, sonst wären wir längst bei 10.500.

Es ist nutzlos nun darüber zu spekulieren, ob der Markt hier oder erst bei 10.500 dreht, das werden wir heraus finden, ist aber nicht im Vorfeld zu antizipieren.

Aber es gibt einen Indikator, den wir im Auge behalten können. Und das ist der hier eingezeichnete, grobe Trendkanal:

DAX 13.11.15

Wenn der Markt es schafft, den klar nach oben zu brechen, dann ist die Chance da, dass der Boden der Korrektur schon erreicht wurde. Das ist dann immer noch nur eine Chance, aber immerhin - halt so ein 60% Indikator. 😉

Solange wir diesen Bruch aber nicht sehen, gibt es für uns schlicht nichts zu tun, ausser in unser (hoffentlich bewusst gewählten) Position abzuwarten.

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S&P500 Selling on Strength



Der Selling on Strength (SoS) Print von gestern Abend, hat uns wieder mal gute Dienste geleistet, um uns nicht von der Stärke im DAX im "Draghi Rumor Trade" einlullen zu lassen.

Kaum waren die US Börsen geöffnet, kam die wahre Absicht des Marktes zu Tage und der DAX kann als Schwanz des Hundes, da nur mitwedeln und ist wieder nahe dem Eröffnungsniveau.

Damit ist klar, was ich schon vermutet hatte: die Konsolidierung/Korrektur ist noch nicht vorbei.

Und im Chart des S&P500 sehen wir, dass mit der Gegenbewegung von gestern nur der zu starke Einbruch von vorgestern korrigiert wurde, der Index verbleibt im Abwärtskanal:

S&P500 11.11.15 2

Mehr ist daraus aber auch nicht abzuleiten, wir müssen nun einfach abwarten. Zur allgemeinen Einschätzung habe ich alles gesagt.

Mit diesen Worten beende ich meine heutigen Artikel, vielleicht lesen wir uns ja noch im Forum.

Bis Morgen!

Ihr Hari

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S&P500 und DAX – Ein Markt zum Misstrauen …. und zum Mitgehen.

Die folgende Marktlage habe ich in Hari Live gestern Montag 10.11.14 08:30 in leicht anderer Zusammenstellung veröffentlicht.
Diese ist aber auch heute immer noch unverändert gültig.

Guten Morgen!

Der Markt hat ja letzte Woche im wesentlichen mitgespielt und sich wie von mir erwartet verhalten: eine leichte Konsolidierung am Wochenanfang, die im S&P500 bis 2000 führte, wurde von einem erneuten bullischen Schub abgelöst.

Allerdings haben wir im Verlauf der Woche und vor allem gegen Ende, doch ein Menge wilder Swings gesehen, die Fragezeichen aufwerfen. Und das nicht nur bei einzelnen Aktien, sondern zum Beispiel auch gewaltige "Selling on Strength" Prints im Moneyflow, wie ich sie noch nie gesehen habe.

Vor uns liegt nun eine von äusseren Einflüssen her eher ruhige Woche. Die Quartalssaison nähert sich dem Ende, Notenbank-Events stehen nicht an und auch die Wirtschaftsdaten sind eher spärlich. Und am Dienstag ist in den US auch noch der Feiertag "Veterans Day", an dem zwar die Aktienmärkte geöffnet sind, aber die Anleihenmärkte geschlossen und deswegen das Volumen eher gering.

In der kommenden Woche kann der Markt sich also mal mit sich selbst beschäftigen, was aber keineswegs bedeutet, dass es von den Bewegungen her eine ruhige Woche wird. Denn die Spannung im Markt ist immens.

Ich denke wir alle fühlen diese Spannung. Der Schub heraus aus den Tiefs war in Geschwindigkeit und Momentum geradezu unglaublich und stärker als alles, was wir in den vergangenen Jahren gesehen haben. Unzählige Marktteilnehmer wurden dabei zurück gelassen, weil auf so etwas kann man einfach nicht wetten. Diese Marktteilnehmer haben nun aber Druck, bei jeder Gelegenheit wieder einzusteigen.

Gleichzeitig fühlt sich die Bewegung im S&P500 "falsch" und "unwirklich" an, sie passt einfach nicht zu menschlichem Verhalten und ich bin auch sicher, dass hier die immer grössere Dominanz der trendfolgenden Algos ihre Spuren hinterlässt.

Diese Dynamik wirkt aber in beide Richtung und auch nach unten, wir tun also gut daran, uns in den kommenden Jahren auf immer brutalere Swings einzustellen, wie sie von Menschen nie generiert würden, weil diese weit früher auf die Seite treten würden und eine Bewegung nicht bis zum letzten Tropfen ausquetschen.

Vor diesem Hintergrund machen die gewaltigen SOS Prints natürlich ein ganz mieses Gefühl im Nacken und auch die sonstige Markttechnik ist nach oben nun so überdehnt, dass man nach "normalen" Massstäben der vor ca. 5 Jahren vergangenen Börsenwelt, in keinem Fall mehr in diese Bewegung hinein kaufen dürfte.

Auch kompetente Marktbewertungen wie die -> Weekly Market Summary <- von "The Fat Pitch", signalisieren viele gute Gründe, sich nervös am Hinterkopf zu kratzen.

Genau diese Skepsis ist aber die Wall of Worry, die den Markt nach oben treibt. Und wir tun daher gut daran, uns nur nach dem einzigen objektiven Faktor zu richten, der am Markt existiert. Und das ist die Price-Action, die übrigens auch für die Algos die wesentliche Grundlage darstellt.

Schauen wir auf die Price-Action im Tageschart des S&P500, wird dann die komplexe Lage eigentlich für uns wieder einfach. Das Retracement von Dienstag hat uns den Gefallen getan, die 2000er Marke wieder von oben zu testen. Solange diese Marke nicht mehr unterschritten wird, kann man dem Aufwärtstrend mittelfristig weiter folgen, der durchaus das Potential hat, nach oben alle zu überraschen.

S&P500 09.11.14

Sobald aber die 2000 nach unten durchschlagen werden, ist die Wahrscheinlichkeit erheblich herauf gesetzt, dass der Markt in einen "Gapfill-Modus" nach unten geht. Und da lauern jede Menge Gaps, die in dieser unwirklichen Bewegung seit dem 15.10. offen gelassen wurden.

Oberhalb 2000 dabei bleiben, unter 2000 grosse Vorsicht, so einfach sehe ich aktuell die Lage im S&P500.

Im grösseren Bild mit Wochenkerzen, sehen wir dann den Trendkanal und sehen auch, dass da nach oben durchaus noch Platz bis ca. 2100 ist, bevor dann eine Gegenbewegung eine ganz hohe Wahrscheinlichkeit bekommt. Und wir sehen, wie intakt der Trend ist:

S&P500 09.11.14 2

Insofern muss man den Einbruch vom 15.10. als "false Move" betrachten und die Regel "from false moves come fast moves", hat sich mal wieder eindrucksvoll bestätigt.

Im DAX dagegen ist die Lage komplexer als im S&P500. Ein Blick auf das Wochenchart zeigt schnell, dass selbst eine Bewegung bis 9600 immer noch zu einer grösseren Topbildung passen würde. Erst ein Erreichen des "grünen Sterns", was einem Übersteigen des Hochs vom 15.09.14 bei 9891 gleichzusetzen ist, würde dieses Risiko überzeugend vom Tisch nehmen:

DAX 09.11.14

Wir sehen in dem Chart auch, dass der Aufwärtstrendkanal im Gegensatz zum S&P500 ganz klar im August gebrochen wurde. Und im Gegensatz zum S&P500 gab es eben keinen Schub, der das schnell negierte.

In der kurzfristigeren Sicht erkennen wir, wie der Measured Move der iSKS (blaue Pfeile) nun auch im DAX unter 9400 erreicht wurde:

DAX 09.11.14 2

Wir erkennen auch, dass die Lage nun offen ist, wobei kurzfristig die bullischen Signale noch! überwiegen, denn die Trendlinie, die sich seit dem Tief vom 16.10.14 geformt hat, ist (noch) völlig intakt. Allerdings ist diese so steil, dass ein Bruch schon bald auf der Agenda stehen sollte und dann ein erstes Warnsignal generiert. Und das könnte nun sehr schnell gehen.

Nach oben wäre nun also ein erneuter, schneller Anstieg über 9400 (grüner Stern) klar trendbestätigend und würde Kursziele im Bereich 96xx eröffnen. Nach unten darf aber das Tief von Freitag bei 9239 nicht mehr unterschritten werden, das wäre dann einem Trendbruch gleichzusetzen.

Fazit:

Es gibt tausend gute Gründe, diesem Markt und dieser Bewegung zu misstrauen. Auch ich habe ein mieses Gefühl bei der ganzen Geschichte, gefühlt "passt das nicht", was der Markt da gerade macht. Alle diese Gründe sind aber nichts wert, solange die Price-Action keine bestätigenden Signale liefert.

Denn der Preis ist der ultimative Richter. Und dem folgen wir. Und mit einem Risikomanagement bei einer Bewegung im S&P500 unter 2000, sind wir so nahe an den aktuellen Kursen, dass man sich auch innerlich entspannen kann und dem Markt überlassen, wie er dieses verrückte Geschehen am Ende auflösen will.

Ihr Hari

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S&P500 – Vom irgendwann kommenden Crash und der Mutter aller Trendkanäle

Der Crash kommt ? Irgendwann bestimmt. 😉

Mit dieser sarkastischen Feststellung, will ich meinen ersten Beitrag nach meinem Urlaub einleiten und mit Ihnen einen Blick auf den Leitindex S&P500 werfen.

Denn leider nützt es uns nichts zu wissen, dass der Crash irgendwann kommt, da der Zeitpunkt die entscheidende Frage ist. Und den Zeitpunkt kennt eben niemand, gerade nicht all die Crash-Gurus, die mit diversen Prognosen um Aufmerksamkeit heischen.

Deren System ist ebenso schlicht wie effektiv. Sie bedienen das ebenso menschliche, wie naive Bedürfnis, jemanden zu finden, der einem die Zukunft weissagt. Das System der Wahrsagerei hat schon vor hunderten Jahren auf den Rummelplätzen funktioniert, warum soll es nicht in der Gegenwart funktionieren ? Und wenn man die Bedürfnisse der Menschen bedient, kann man damit Aufmerksamkeit erreichen und so Umsatz machen - so funktioniert das.

Und so sagen all die selbsternannten Gurus im Kampf um Aufmerksamkeit allerlei voraus, was sie ebenso wenig wissen, wie der Rest der Menschheit. Für uns ist die einzig sinnvolle und depotschonende Art und Weise damit umzugehen aber, dieses mediale Rauschen auszuschalten und zu ignorieren. Wenn Sie eine Sache aus diesem Blog mitnehmen sollten, dann die Tatsache, dass konkrete Zukunfts-Prognosen an den Märkten Unfug sind. Das man aber trotzdem aktiv von den Märkten profitieren kann - das aber nur, in dem man konsequent den Signalen des Marktes folgt und nicht, in dem man klüger als der Markt sein will. Denn das sind wir in 99% der Fälle nicht. Markterfolg hat also damit zu tun, das wahrzunehmen was real passiert und seine Entscheidungen darauf zu basieren. Was man dagegen glaubt, was passieren wird oder sollte, ist eher wertlos.

Es gibt wohl kaum ein besseres Chart, um das klar zu machen, als das langfristige Chart des Aktien-Leitindex S&P500 seit 2011. Bestaunen Sie mit mir "die Mutter aller Trendkanäle" seit dem Doppelboden im Herbst 2011, der durch die Eurokrise geformt wurde:

S&P500 07.07.14

Und, waren Sie die ganze Zeit dabei ? Wenn man dieses Chart anschaut, sollte man ja meinen, es war leicht diese Bewegung mitzunehmen, die nicht weit von einer Verdoppelung! des weltweit grössten Aktienindex entfernt ist.

Leicht war es aber nicht, im Gegenteil! Es war sauschwer, denn andauernd wurde man mit Sorgen bombardiert und kamen berechtigte Zweifel auf, ob die Bewegung nachhaltig ist. Der Markt kletterte eine "Wall of Worry" und wir waren mittendrin. Hinterher ist immer gut "klugschnacken", mittendrin war es aber gar nicht einfach, immer voll mitzugehen und auch ich hatte Phasen, in denen ich vorsichtig wurde. Ich war aber immer mehr oder weniger stark dabei, gleichzeitig aber oft nach unten gut abgesichert.

"Dabei mit Reissleine" war sozusagen das Motto, mit dem ich die Mr-Market Mitglieder in den letzten 2 Jahren hier durch diese Bewegung begleitet habe. Und das ist auch für die Zukunft das richtige Motto - "kontrollierte Offensive" würde man das wohl im Fussball nennen. 🙂

Diese Vorsicht und die offenen Augen und Ohren für Gefahren sind auch richtig und sehr wichtig. Falsch ist es aber, sein Handeln am Markt direkt und unmittelbar nach diesen Ahnungen zu richten. Unser Handeln sollten wir nur nach dem richten, was real in der Price-Action sichtbar ist und nicht nach dem, was wir uns für die Zukunft einbilden.

Ich weiss es ist schwer, aber eine der Schlüsselfähigkeiten für Börsenerfolg ist, sich mit dem Unwissen über die Zukunft gelassen abzufinden und statt dessen alle Energie auf die richtige Interpretation der sichtbaren Signale der Gegenwart zu richten.

Wer das geschafft hat, hat diese eindrucksvolle Bewegung weitgehend mitgenommen, denn der Trend wurde nie gebrochen. Wer aber auf all die Einflüsterungen gehört hat und permanent den Markt in die Zukunft prognostizieren wollte, hat diese Bewegung garantiert weitgehend verpasst und noch schlimmer, sich teilweise dagegen gestellt. Und einige davon, haben daraus nichts gelernt und erfreuen sich auch heute noch an allerlei Weissagungen über den bald kommenden "grossen Crash". Irgendwann wird er ja auch mal kommen und dann kann man mit grossem Ego "siehste" sagen. Dumm nur, dass man vorher eine Verdoppelung des Depots verpasst hat, aber das sind ja Petitessen im Anblick der grossen Prognose. 😉

Was sagt uns dieses Chart also für die Gegenwart und die kommenden Sommermonate, wenn man die obigen Prinzipien konsequent anlegt ?

Erstens zeigt uns das Chart, dass der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten bisher ungebrochen ist und bis heute 07.07.14 nichts zwingend indiziert, dass wir hier und heute nun das Top sehen. Jetzt werden das einige wieder als Prognose lesen, weil sie diesen Reflex in Prognosen zu denken, so gewohnt sind. Aber nein, ich prognostiziere gar nichts, ist stelle nur den Zustand des Marktes am 07.07.14 fest. Es ist also durchaus möglich, dass der S&P500 bei ca. 2000 ein Top ausformt. Es ist gar nicht mal unwahrscheinlich.

Objektiv ernst nehmen können wir dieses Szenario aber erst dann, wenn der Index diesen Trendkanal nach unten verlässt. Und darauf blind spekulieren sollte man nicht, Sie sehen doch selbst, wie oft diese Spekulation in den letzten drei Jahren in die Hose gegangen ist, oder ? Aber schon klar, dieses Mal wird alles anders und dieses Mal sind wir klüger als der Markt. Wirklich ? 😉

Zweitens zeigt uns das Chart, dass sich der Index an der oberen Begrenzung des Trendkanals befindet und auch schon länger am oberen Rand des Bollinger Bandes. Das ist mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr lange tragbar und eine Korrektur im Rahmen des Trendkanals - also bis ca. 1900 im S&P500 - hat in den kommenden Wochen gute Chancen.

Im ganz grossen Bild ist die Lage der Gegenwart also recht einfach: Nichts indiziert am 07.07.14 zwingend ein direkt bevorstehendes Ende der Rally an den Aktienmärkten. Gleichzeitig spricht viel dafür, dass man im S&P500 in den kommenden Wochen nun nach oben nicht mehr viel erwarten darf und eine Korrektur im bestehenden Aufwärtstrend gut denkbar ist. So schlicht und so klar ist die Lage.

Übrigens gilt die Aussage so nur für den S&P500, dem über 2000 temporär mal die Luft ausgehen sollte. Der DAX sieht für mich diesen Sommer interessanter aus, dazu aber im Premium-Bereich.

Und noch ein übrigens, denkbar ist auch ein Szenario, in dem es nun diesen Sommer trotzdem zu einer massiven Rally kommt. Der Liquiditätsdruck dafür ist da. Das sollten wir uns aber nicht wünschen, denn das hätte dann den Charakter einer Übertreibungsphase und die würde die Lage in den Herbst hinein wirklich explosiv machen. Wer also ein Interesse daran hat, dass dieser Trendkanal noch viele Monate weiter ruhig hochschiebt, dem ist nun mit einer Konsolidierung bzw kleinen Korrektur im S&P500 gut gedient.

So weit die aktuelle Lage. Wenn jetzt aber jemand denkt, um einem bösen Einbruch aus dem Weg gehen zu können, müsse man doch in die Zukunft schauen, kann ich nur widersprechen. Erinnern Sie sich doch bitte als Beispiel an den Sommer 2011, als die Eurokrise begann. Der DAX mäanderte lange zwischen 7000 und 7500 und dann kam diese eine Woche, in der der S&P500 im Zuge der Debt Limit Thematik einzubrechen begann. Der Einbruch war massiv und deutlich und zerschlug die damaligen technischen Unterstützungen. Es gab ein klares Exit-Signal, das man nur hätte beachten müssen, dann wäre man 80-90% der folgenden Abwärtsbewegung aus dem Weg gegangen.

Wenn man von einem harten Flash-Crash absieht - der als Restrisiko einfach ebenso stoisch ertragen werden muss, wie das Risiko, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt - dann wird auch der zukünftige "Crash" sich wieder durch klare technische Brüche ankündigen. Und wer diese respektiert, wird wieder dem grössten Teil der Abwärtsbewegung aus dem Weg gehen können. Wer aber permanent vorher klüger als der Markt sein will, wird auf dem Weg dahin viele Chancen verpassen.

Respektieren wir also diesen eindrucksvollen Trendkanal im S&P500 - solange er da ist. Solange ist der Trend unser Freund !

Ihr Hari

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Antizyklischer Einstieg in Brasilien und den Bovespa ?

Kann man mittel- und langfristig wieder in den brasilianischen Aktienmarkt einsteigen, der so lange so stark verprügelt wurde ? Hat der Markt nun tief genug korrigiert, um attraktive Chancen zu gewähren?

Eine spannende Frage, der ich mich mal auf Basis der Charts zu nähern versuche. Dabei benutze ich den mit Abstand grössten und liquidesten Brasilien ETF der Welt den -> EWZ von Ishares <-, der in USD notiert.

Aber deutsche Anleger brauchen sich hier mal ausnahmsweise nicht zu grämen. Sie finden bei iShares in Form des -> iShares MSCI Brazil <- die in Deutschland zugelassene Variante obigen ETFs.

Allerdinge würde ich die Chartanalyse und die Ein- und Ausstiegspunkte immer anhand des EWZ definieren, denn im liquidesten Markt haben diese auch die grösste Aussagekraft. Wenn der EWZ dann ein Signal gibt, setzt man es im deutschen ETF um. Natürlich hat man so eine Währungsdisparität, wenn man in Dollar denkt und in Euro handelt. Diese erscheint mir aber weniger bedeutend, als die Sorge, aufgrund illiquider "Nebencharts" falsche Schlüsse zu ziehen.

Nun aber zur ursprünglichen Frage. Nun könnte ich hier die üblichen Argumente zu den Emerging Markets wiederholen. Die positiven demographischen Faktoren auf der einen Seite. Und die Strukturprobleme, die die Märkte noch lange verfolgen werden, auf der anderen Seite. Diese Argumente führen uns aber nicht weiter, denn die sind bekannt und der Markt ist wo er ist, weil die Argumente sind, wie sie sind.

Schauen wir daher zunächst doch zur Orientierung einfach mal auf das langfristige Chart des EWZ seit 2002 mit Monatskerzen.

Brazil Monat 21.02.14

Die Aussage scheint erst einmal eindeutig. Wenn das Brasilien des Jahres 2014 strukturell immer noch das Brasilien des Jahres 2002 wäre, wäre das ein eher bärisches Chart!

Wir haben einen Top in 2008, dann nach dem Einbruch von 2008 ein klar niedrigeres Hoch in 2010 und danach einen klaren, bröselnden Abwärtstrend, der geradezu danach schreit, am Ende noch massiv nach unten wegzubrechen. So ein Chart würde man normalerweise nicht mit der Kneifzange anfassen.

Es gibt allerdings einen Faktor, der das Bild verschieben könnte. Denn richtig wäre die Schlussfolgerung nur, wenn sich die fundamentalen Daten der brasilianischen Wirtschaft wenig geändert hätten. Ob das der Fall ist, können Brasilien-Kenner besser beantworten als ich. Aber nach dem was man liest, ist das nicht mehr die Volkswirtschaft von 2002.

Die fundamentalen Fakten haben sich deutlich verbessert und Brasilien macht deutliche Fortschritte in die Moderne, während gleichzeitig der Index langsam zurück gekommen ist und die Übertreibung von 2008 langsam verarbeitet.

Wenn man 2008 als Anomalie betrachtet, könnte man sich mit etwas Phantasie sogar auf den Standpunkt stellen, dass wir gerade eine bullische Konsolidierung erleben, bevor die nächste Wachstumsphase startet. Letztlich hängt aber alles davon ab, wie man die Entwicklung der Volkswirtschaft betrachtet.

Und die Frage wird natürlich auch von politischen Unwägbarkeiten bedingt. Denn wenn da ein radikaler Sozialist und Populist ala Hugo Chavez an die Regierung käme, oder alternativ eine von dirigistischen Allmachtsträumen beseelte Abart der argentinischen Frau Kirchner, dann würde man wohl beobachten können, wie der EWZ unangespitzt in den Boden gerammt würde.

Insofern gibt es kein klares Signal durch das langfristige Chart. Wesentlich hilfreicher ist aber das mittelfristige Bild mit Wochenkerzen. Und das will ich Ihnen nun auch zeigen:

Brazil Woche 21.02.14

Und das Bild sagt ganz eindeutig: Ja! Man kann (nicht muss) nun mittelfristig - mit dem Blick auf 2 oder 3 Monate - mit Chancen in den EWZ einsteigen.

Denn wir befinden uns ganz klar am unteren Ende des Trendkanals und zeigen Anzeichen einer Wendeformation, wie mehrmals vorher auch schon. Eine solche Bewegung könnte in um die 10 Wochen wieder hoch zum oberen Trendkanal bei 50 USD führen und damit gute 20% generieren.

Nach unten existieren nahe und klare Stops unter dem letzten Tief und dem Trendkanal und begrenzen die Risiken, falls sich hier die Wende doch nicht realisiert. Auch vom Sentiment her dürfte klar sein, dass die Erwartungen an diesen Markt nun gegen Null tendieren. Es ist also eine wirklich antizyklische Wette, hier über ein Engagement nachzudenken.

Das Schöne an dieser Sicht ist, für diese Entscheidung auf der mittelfristigen Zeitebene ist es egal, ob Brasiliens Aktienmarkt nun billig oder teuer ist und wie sich die Volkswirtschaft entwickelt. Das ist eine Wette mit begrenztem Risko und begrenztem Zeithorizont aufgrund der klaren Chartstruktur. Man muss sich dabei bewusst sein, dass es eine temporäre Wette auf eine Gegenbewegung im langfristigen Abwärtstrend ist.

Und wenn der EWZ dann wieder nach unten dreht und sich der Abwärtstrend fortsetzt, dann geht man halt raus. Wenn es aber doch eine fundamentale Wende auch im Chart mit Monatskerzen wird, dann um so besser!

Insofern werfen Sie doch mal einen Blick auf einen Markt, den im Moment keiner mehr mag: den Bovespa und Brasilien !

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S&P500 auf historischem Hoch – Ein gnadenloser Markt auf Steroiden

Naja ... da war die Seitenlinie nicht mal 24 Stunden ein guter Ort. Mal wieder.

Sah es noch am gestrigen frühen Nachmittag sehr danach aus, als würde der Markt in den überfälligen Korrekturmodus wechseln, änderten mal wieder Lippenbewegungen eines Notenbankers mit einem Schlag alles.

Am frühen Nachmittag kamen Gerüchte in den Markt, dass das für heute angesetzte Testimonial der neuen FED Chefin Janet Yellen vor dem US Senat schon draussen sei, einige Marktteilnehmer den Inhalt kennen würden und der Inhalt ein klares Bekenntnis für eine weitere lockere und stimulierende Geldpolitik sei.

Das war das Signal, auf das die Bullen gewartet hatten und mit einem Schlag drehte der Markt die Richtung, die Algos schalteten ein und es ging bis zum Schluß nur noch aufwärts.

Zum Handelsschluss wurde dann auch mit 1782 ein neues All-Time-High im S&P500 erreicht. Und nach Handelsschluss wurde das Gerücht bestätigt, denn -> Yellens Testimomial <- wurde vorab veröffentlicht und einige der "Big Boys" kannten es offensichtlich schon. Wer hat je gesagt, dass es am Markt fair zugehen würde ?

Mit diesem neuen All-Time-High ist die eigentlich bedeutende Korrektur von letzten Donnerstag endgültig irrelevant. Und damit ist auch der Boden für die Jahresendrally bereitet. Die 1800 im S&P500 dürften schnell auf der Agenda stehen und auch darüber hinaus, sind die glatten Marken DAX 10.000 und S&P500 2.000 keineswegs aus der Welt und unmöglich. Je näher der Markt diesen Marken kommt, desto stärker werden sie auch ihre magnetische Anziehungswirkung auf die Psychologie und die Kurse entfalten.

Um sich vor Augen zu führen, wie unwirklich das Geschehen dieses Jahres ist, muss man nur feststellen, dass der S&P500 nun ein ganzes Jahr lang - seit November 2012 - deutlich über seiner 200-Tage-Linie liegt, nie eine ernsthafte Korrektur hatte und nun neue historische Hochs erreicht hat. Und das nicht etwa in einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem die Weltwirtschaft boomt - nein, sondern bei bestenfalls anämischer Weltkonjunktur und permanenten und berechtigten Ängsten vor einer Deflation.

Da gehört wirklich keine besondere ökonomische Ausbildung dazu, um zu erkennen, dass hier die Notenbanken den Unterschied machen - das diese Rally eine Rally auf monetären "Steroiden" ist und nicht vollständig von den ökonomischen Realitäten getragen wird.

Das macht es auch dieses Jahr für so viele institutionelle Anleger so schwierig, mit dem Markt mitzuhalten oder diesen sogar zu schlagen. Verständnis von ökonomischen Zusammenhängen ist in diesem Markt eher hinderlich um mitzugehen und der Affe, der grinsend einfach seine Wetten erhöht und jeden Dip gnadenlos kauft, weil er nur grün sieht und kein Morgen kennt, hätte die besten Ergebnisse produziert. Denn die berechtigte Vorsicht an den typischen Stellen die nach Korrektur schreien - wie zuletzt in den vergangenen Tagen - wurde dieses Jahr nie belohnt, sondern immer durch eine monetär gedopte Bullenherde bestraft, die alles niedertrampelt, was sich ihr in den Weg stellt.

Sehr viele institutionelle Anlager kämpfen daher dieses Jahr mit dem Markt und können nicht mithalten. Und so pervers das ist, das erhöht die Chancen für eine Fortsetzung der Rally ins Jahresende, denn wenn die ihren Bonus wollen und ihre Kunden behalten wollen, müssen sie um jeden Preis gegenüber dem Markt aufholen. Und das geht nur, in dem jeder Dip einfach gnadenlos gekauft wird.

Gesund muss man das Geschehen nicht finden. Und eine solche Bewegung hinterlässt bei erfahrenen Marktbeobachtern eher ein schlechtes Gefühl auf der Zunge. Im Jahr eins nach einem Einbruch - wie 2009 - ist eine solche Bewegung durchaus normal und kann ohne Hintergedanken mitgegangen werden. Nicht aber im Jahr 5 der Aufwärtsbewegung - da muss man schon Affe sein, um keine Zweifel zu haben.

Trotzdem muss ich dringend davor warnen, sich gegen diesen Markt zu stellen. Das kann so weiter gehen. Ja, das kann sogar in 2014 so weiter gehen. Und wie ich oben schon sagte, sind DAX 10.000 und S&P500 2.000 keineswegs so weit aus der Welt. Stellen Sie sich doch nur mal vor, in diesem Environment würde die Weltkonjunktur nun wirklich mit Macht anziehen und Yellen, Draghi und Co. trotzdem drucken und drucken und weiter Liquidität in das Grossbankensystem schieben.

Insofern muss man immer mit einer gewissen Grundskepsis beobachten, ab wann der Trend gebrochen ist und diese Trendlinien immer im Auge behalten. Aber Handeln darf man nach dieser Skepsis nicht. Solange diese Trendlinien halten - und das tun sie nun schon seit einem Jahr - wird das Geld auf der Long-Seite des Marktes verdient. Und nirgendwo sonst.

Es ist nach wie vor keine schlechte Idee, an der oberen Begrenzung des Trendkanals auch mal auf die Seitenlinie zu treten, auch wenn es dieses mal nicht funktioniert hat. Aber Shorten darf man diesen Markt erst dann, wenn er wirklich einbricht und davon sind wir meilenweit entfernt. Und man darf auf der Seitenlinie auch nie vergessen, die Dips dann wieder konsequent zu kaufen.

Ob wir diesen Markt gut oder schlecht finden, ist ohne Belang. Ob wir uns Sorgen um einen plötzlichen Einbruch machen, auch. Alles was zählt, ist was der Markt real tut. Und das ist immer noch : steigen !

Ihr Hari

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