Deutsche Bank – Grossreinemachen als Chance?

Nein, ich mag keine Banken als Aktien. Ganz einfach, weil diese eine "Black Box" sind und selbst Bilanzexperten der Branche oft nicht durchdringen können, was sich hinter den diversen Positionen verbirgt.

Ich mag die Aktien gerade dann nicht, wenn wie bei der Deutschen Bank ein wirklich konsistentes und funktionsfähiges Geschäftsmodell noch zu fehlen scheint - ein Geschäftsmodell, das die UBS schon wieder gefunden hat, während die Deutsche Bank nach meinem Eindruck strategisch immer noch schwankt und eiert.

Nun hat die Deutsche Bank ja aber mit John Cryan einen neuen Chef, der die Chance auf "den Zauber des Neuanfangs" hat. Und einen Chef, dem auch klar sein dürfte, dass das die letzte Chance der Bank sein könnte.

Denn ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Wenn auch Cryan scheitern sollte, dann ist nach meiner persönlichen Vermutung nicht nur Aufsichtsratchef Achleitner weg, dann wird es die Deutsche Bank in dieser Form wohl nicht mehr geben, dann rechne ich persönlich mit einer Zerschlagung wegen "erwiesener Unführbarkeit" des Kollosses.

Nun wäre die Zerschlagung ja eigentlich das, was ich persönlich mir wünschen würde, siehe auch meinen Artikel von 2012:
-> Deutsche Bank - Zerschlagt sie endlich! <-.

Aber meine Wünsche in Richtung eines Trennbankensystems sind hier keine Kategorie und ohne Relevanz. Was ich hier dagegen betrachten will, ist die Frage, wie die Aktie der Deutschen Bank nun für Anleger zu sehen ist.

Und aus dieser Warte, hat das aktuelle -> Großreinemachen <- für mich alle Ingredienzien, den Tiefpunkt zu markieren.

Für kluge Manager, die einen angeschlagenen Konzern übernehmen, ist es sowieso eine Pflichtveranstaltung und beliebte Übung, am Anfang ihrer Zeit als Chef, schnell alle Altlasten bilanziell zu entsorgen. Denn was man direkt nach dem Start entsorgt, kann einem nicht mehr persönlich angekreidet werden - dafür sind die Vorgänger verantwortlich. Wenn man aber so dumm ist, Probleme erst einmal liegen zu lassen, werden diese einen einholen und später zum eigenen Problem.

Und John Cryan ist gewiss nicht dumm, ganz sicher das Gegenteil. Und er weiss, dass das vielleicht die letzte Chance der Bank ist, die Kurve noch zu kriegen. Denn andere Banken - siehe die UBS - sind strategisch schon viel weiter.

Und auch die mit permanenten Umorganisationen und mit sich selbst beschäftigten, frustrierten und sich in Abstimmungs-Kämpfen erschöpfenden Management-Ebenen darunter, werden hoffentlich erkennen, dass nun entweder ein "Relaunch" der Deutschen Bank gelingt, oder sie alle ein hartes, persönliches Problem haben.

Insofern ist die Chance nun so gut wie nie, dass das nun ein Großreinemachen wird, das dauerhaft Bestand hat, weil man tief genug geschnitten hat. Eine Chance ist aber eine Chance und noch keine Gewissheit.

Ist die Aktie deswegen ein Kauf?

Ich sagte ja, ich mag keine Banken und eine im strategischen Interregnum, ohne stabiles Geschäftsmodell, schon gar nicht. Von mir werden Sie so eine Empfehlung also nicht hören.

Und wenn ich auf das Chart schaue, sehe ich zwar eine potentielle Unterstützungszone, die durchaus Chancen nach oben bietet, aber noch nichts, weswegen man die Deutsche Bank nun unbedingt haben muss:

DB 08.10.15

Aber ....

Ich sehe eben auch, dass der Markt auf dieses Grossreinemachen nur noch mit geringem Minus reagiert, eben weil die institutionellen Anleger die Welt wahrscheinlich ähnlich wie ich oben einschätzen. Und das ist ein positives Zeichen. Wenn eine Aktie bei schlechten Nachrichten nicht mehr fallen will, ist das Tief in der Regel nicht mehr weit.

Eines kann man also doch sagen:

Wenn Sie persönlich die Aktie der Deutschen Bank mögen und früher oder später sowieso einsteigen wollten, ist nun wohl der relativ beste Zeitpunkt seit vielen Jahren. Die Chance auf den "Zauber des Neuanfangs" ist da, sie muss nun "nur" konsequent ergriffen werden.

Ich sage damit nicht, dass es objektiv ein *guter* Zeitpunkt ist, der schnelle Gewinne garantiert - siehe oben meine Sicht auf Banken und die deutsche Bank im Speziellen. Aber relativ besser und aussichtsreicher, als die Zeitpunkte der vergangenen Jahre, ist der heutige Tag wohl allemal.

Lassen Sie sich also nun nicht zu stark vom "Recency-Bias" beeinflussen und auch nicht von denen, die nun nur nachleiern, was alle schon wissen: die Deutsche Bank als endlose Gruselgeschichte. Das ist aber alles schon in den Kursen und deswegen als Information wertlos. Was nun zählt ist dagegen die Frage, ob das der dunkelste Moment der Nacht vor dem Morgen ist?

Ob das für Sie genug ist, um in die Aktie einzusteigen, müssen Sie selber wissen. Ich konzentriere mich derzeit lieber auf die Aktien, die wirklich nach oben schieben, weil sie ihre Probleme abschütteln können. Wie eine -> Procter & Gamble <-. Oder auf Aktien im Aufwärtstrend mit brummendem Geschäftsmodell, wie eine -> Wirecard <-

Die Deutsche Bank steckt aber noch mittendrin im Turnaround, aber immerhin ist nun zumindest eine Chance da!

Ihr Hari

PS:

Noch läuft die Abstimmung zum Comdirect Finanzblog Award 2015.

Wenn Sie dieses Blog mögen und die freien Artikel zu schätzen wissen, wäre ich für Ihre Unterstützung dankbar. Diese eine Minute, haben Sie dann doch bestimmt für mich übrig, oder?: -> Abstimmung Finanzblog Award 2015 <-

Vielen Dank im Voraus!

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Währungsmanipulation – Zerschlagt endlich Deutsche Bank und Co. !

Heute muss ich wieder einen persönlichen Kommentar zu unserem Grossbankensystem mit Ihnen teilen.

Denn schöner, als an dem aufkommenden Skandal um -> Währungsmanipulation <-, kann man in meinen Augen nicht darstellen, wie verrottet das System der Grossbanken ist.

So wie es nun in der Fachpresse geschildert wird, scheinen Top-Devisenhändler quer durch das who's who der Grossbankenwelt beteiligt. Und auch wenn noch keine Beweise vorliegen, spricht scheinbar viel dafür, dass wir es hier mit einem Manipulationsskandal im "Libor-Ausmass" zu tun haben. Lesen Sie den oben verlinkten Artikel, um einen Überblick zu bekommen.

Quelle des Übels scheint hier das sogenannte "Fixing" zu sein, in dem sich Händler verschiedener Banken zusammen schalten, um Kurse festzulegen. Aus dieser Sonderrolle heraus, entsteht für die Beteiligten grosse Macht. Und absolute Macht korrumpiert bekanntermaßen absolut.

Um sich die ganze Absurdität dieser Strukturen vor Augen zu führen, muss man sich klar machen, dass unsere Gesellschaften in der "normalen" Realwirtschaft schon vor langer, langer Zeit gelernt haben, dass oligopolistische Strukturen einen freien Markt gefährden und Preisabsprachen hart zu unterbinden sind, weil sie Monopole zementieren. Genau deswegen gibt es Kartellbehörden, um sicher zu stellen, dass der Markt seine wichtige volkswirtschaftliche Funktion weiter ausüben kann. Im Grossbankensystem scheinen nach meinem Eindruck solche oligopolistischen Absprachen dagegen zum guten Ton zu gehören. Ist ja auch kein Wunder, man trifft sich ja immer wieder im Weißen Haus mit Obama, um mal wieder "die Welt zu retten".

Wenn ich diese Zeilen schreibe, sehe ich aber gleich wieder die typische Reaktion der Öffentlichkeit vor mir, die mit der Moralkeule auf die "Bankster" zeigt, so als ob wir es hier mit einem Problem individuell "böser Menschen" zu tun hätten.

Das ist, mit Verlaub, kompletter Unsinn. Banker, auch Börsen-Händler, sind genau so Menschen wie wir alle, mit all unseren Fehlern. Einige haben Rückrat, andere sind Kriecher. Einige haben einen eigenen moralischen Wertekompass, bei anderen dominiert Geldgier über jede andere Erwägung. Und unter denen, die medial auf die "bösen Bankster" zeigen, sind Mitbürger, die schwarz arbeiten und so die Sozialgemeinschaft betrügen, Mitbürger die ihre Steuererklärung "kreativ gestalten" und Mitbürger, die kein Problem damit haben einem "dummen" Kunden in ihrem Laden, etwas völlig überteuert anzudrehen.

Moralische Schwäche ist keine exklusive Eigenschaft von Bankern. Sie ist vielmehr Teil der menschlichen Gleichung und findet sich in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen. Der entscheidende Punkt ist ein anderer.

Weil das so ist - weil nun einmal nicht alle Menschen immer moralisch sattelfest sind - weil Gelegenheit bekanntlich Diebe macht - und weil absolute Macht absolut korrumpiert, ist es wichtig in unseren Gesellschaften darauf zu achten, dass niemand so viel unkontrollierte Macht erlangt, dass diese ihn korrumpieren kann.

Und damit sind wir beim Kern des Problems der Grossbanken. Es dürfte diese eigentlich gar nicht mehr geben. Sie machen den freien Markt kaputt. Das hier nach meinem persönlichen Eindruck, vieles nicht mit rechten Dingen zugeht, kann man leicht daran erkennen, wenn man sich in der Vergangenheit die Gewinne der Grossbanken aus dem Eigenhandel (an der Börse) betrachtete. Das gab es sehr namhafte Adressen drüben an der Wallstreet, die hatten wochenlang keinen einzigen negativen Tag in ihren Handelsbüchern !

Wie absurd ist das denn ? Jeder erfahrene Börsenprofi weiss, dass es in einem freien Markt unmöglich ist, jeden Tag nur Gewinne zu produzieren. Und wer jetzt glaubt, dass das diesen Adressen ganz sauber möglich ist, nur weil sie so "tolle" Risikomanagement-Systeme haben und sowieso nur "the smartest of the smartest" bei ihnen arbeiten, der sollte auch bitte wieder an den Weihnachtsmann glauben. Solche "Dauergewinnsträhnen" sind in einem freien Markt nicht möglich. Sie sind aber möglich, wenn man so gross ist, dass man den Markt zu den eigenen Gunsten beeinflussen kann. Das Perfide ist, das muss noch nicht einmal illegal sein, unsere Politik hat ja weltweit völlig versagt, die Macht der Grossbanken nach Lehmann einzuschränken. Nein, diese Marktmacht kann auch ganz legal ausgeübt werden und ermöglicht so einen Monat ohne Verlusttag in den Handelsbüchern.

Und das ist das wahre Problem. Die Macht, die sich in solchen oligopolistischen Strukturen in den Händen von wenigen Tophändlern bündelt. Und diese Macht korrumpiert früher oder später. Und seien Sie mal ehrlich, wenn Sie die Chance hätten, mit dem Drücken weniger Knöpfe und Absprachen mit Ihnen lange bekannten Kollegen zu Multimillionären zu werden, würden Sie nicht auch in Versuchung kommen ? Ehrlich ?

Womit wir beim Kern sind. Die nach Lehmann verbliebenen Grossbanken sind zu gross und zu mächtig. Und statt an Details und Eigenkapitalquoten herum zu frickeln, gehören diese zerschlagen und ein Trennbankensystem wieder eingeführt. Und gleichzeitig die Entsprechung einer Kartellbehörde für die Finanzmärkte eingeführt, die strikt darauf achtet, dass kein Marktteilnehmer mehr so gross wird, dass er alleine durch sein Gewicht die Marktpreise beeinflussen kann.

Ich habe das in Artikeln wie -> Bankenregulierung, ein einziges Kasperletheater <- oder -> Deutsche Bank zerschlagt sie endlich <- wiederholt thematisiert. Aber auf mich hört ja keiner.

Es fehlt unserer Politik an Mut und vor allem an Kompetenz und Durchblick, um sich nicht von den immer gleichen Angstgeschichten verunsichern zu lassen, mit denen das Grossbankensystem seine Existenz zu schützen versucht. Ich frage erneut, wo wären wir wohl aktuell, wenn die tausenden Milliarden der Notenbanken in den letzten 4 Jahren nicht in das Bankensystem, sondern direkt in die Realwirtschaft gekippt worden wären, in dem man die Grossbanken bewusst umgeht und kurzschliesst ? Und in dem man einfach die Konten mit den Gelddruckmaschinen der Notenbanken garantiert, statt die Lquidität in den schwarzen Löchern der Grossbanken zu versenken ?

Statt dessen wird an lächerlichen Placebos wie der Finanzmarkttransaktionssteuer herum gemacht, die genau diese Händler im Londoner Fixing nie treffen wird, dafür aber den normalen Bürger, der sich versucht am Aktienmarkt eine Altersversorgung aufzubauen.

Gerne wird ja auch von "linker" Seite immer dieses Märchen von den "wild gewordenen" Märkten erzählt, die man ja bändigen müsse. Die Wahrheit ist, wir haben gar keinen freien Finanz-Markt mehr. Wir haben nach meinem persönlichen Eindruck oligopolistische Marktstrukturen, die sich gegenseitig wie die Krähen kein Auge auskratzen. Und die mit dem Finanzbedarf der Staaten eine ungute Symbiose eingegangen sind. Man braucht sich gegenseitig und stützt sich so.

Und deshalb erleben wir alle diese Skandale und Exzesse. In einem freien Markt, in dem keiner zu viel Macht hat, wären diese Exzesse gar nicht möglich, der Wettbewerb würde sie unterbinden. Und wenn wir dieses Kernproblem nicht schnell angehen und das Grossbankensystem in kleinere Einzelteile zerlegen, zwischen denen Wettbewerb herrscht, wird die nächste grosse Krise mit Sicherheit kommen. Und die hat dann das Potential, unsere westliche, freiheitliche Gesellschaftsordnung komplett zu zerlegen.

Ist das ernsthaft ein Preis, den wir in der Zukunft zahlen wollen, nur weil wir heute mutlos und konzeptlos sind ?

Ich schreibe allen, die sich vom Grossbankensystem einreden lassen, wie "wichtig" integrierte Grossbanken seien, noch einmal ins Stammbuch:

Die Welt hat lange mit einem Trennbankensystem gut gelebt. Bis Bill Clinton 1999 den -> Glass-Steagall-Act <- endgültig aufgehoben hat, der schon in den Jahren vorher, mehr und mehr durchlöchert wurde. Und nun schauen Sie mal, wie seit dem die Blasen in immer engeren Abständen wachsen und platzen. Glauben Sie wirklich, da sei keinerlei Zusammenhang ?

Ihr Hari

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Bankenregulierung – ein einziges Kasperletheater !

Zum Thema Bankenregulierung muss ich heute mal einen persönlichen und giftigen Kommentar loslassen.

Heute Morgen lesen wir, dass der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beschlossen hat, den Banken bis 2019, weitere 4 Jahre, Zeit zu geben ihre Liquiditätsreserven gemäß der regulatorischen Anforderungen hoch zu fahren. Lesen Sie zum Thema zum Beispiel im -> Handelsblatt <-.

Begründung war mal wieder das immer wieder benutzte Druckmittel der befürchteten "Kreditklemme", ein Mittel das von den Banken gerne eingesetzt wird. Schon das Wort ist ein Witz, weil es impliziert als ob die Banken kein Eigeninteresse an einer Kreditvergabe hätten und staatliche Organe wären, die gnädig Staatsgeld weitereichen und verteilen. Erinnern wir uns, worauf will die Commerzbank Ihre Zukunft aufbauen ? Und was will die Deutsche Bank nun ausbauen ? Hatte das nichts mit "Mittelstandsbank" zu tun ?

Aber natürlich existiert ein wahrer Kern bei der Angst vor der Kreditklemme, in schwierigen Zeiten von geringer Liquidität erhöhen die Banken die Anforderungen an Kredite, in dem sie diese entweder teurer machen oder gar nicht erst vergeben. Nur schauen wir doch bitte mal mit offenen Augen was gerade wirklich passiert:

Die Notenbanken drucken wie wahnsinnig dreistellige Volumina an Multimilliarden, die defacto primär ins Bankensystem fliessen und gleichzeitig über die Notenbanken indirekt Risiken für die Haushalte der Staaten aufbauen. Und die damit uns und unseren Kindern eine Schuldenlast für Generationen auferlegen ! Dort - im Bankensystem - versickern diese Multimilliarden dann in den aufgeblähten, undurchschaubaren Bilanzen. Und dann gehen diese Grossbanken her und jammern über mangelnde Liquidität für die Kreditversorgung der Realwirtschaft.

Mal ganz dumm gefragt:

Warum lassen wir die Grossbanken nicht alle Pleite gehen und verteilen die gedruckten Multimilliarden der Notenbanken nicht direkt bei Bürgern und Unternehmen ? Dann bekommen wir auch endlich mal die Inflation, die die Staaten sowieso brauchen, um aus ihren Schulden heraus zu wachsen.

Ja, ja ich weiss, so einfach ist das dann doch nicht. Das ist mir auch klar, der bewusst polemische Satz zeigt aber wie im Brennglas den ganzen Irrsinn der aktuellen "Bankenrettung" und "Bankenregulierung". Wofür brauchen wir diese Banken überhaupt ? Wofür kippen wir diese Multimilliarden eigentlich ins existierende Bankensystem hinein, statt damit ein Neues aufzubauen ? Kann mir das einer der "hochkompetenten" Bundestagsabgeordneten, die da immer wieder ganz brav und "alternativlos" im Fraktionszwang die Hand heben, mal erklären ?

Eines ist auf jeden Fall eindeutig. Wir haben einen unabhängigen Schiedsrichter zu diesem Thema und das ist Mr. Market himself. Und nun schauen Sie mal, wie er heute auf die Nachricht reagiert. Der europäische Bankenindex ist heute um rund 3% im Plus. Das ist sein Urteil zu diesem Thema. Und nun sagen Sie mir, wer ist der Profiteur dieser Entscheidung ? Die Grossbanken, oder die ach so gefährdete Kreditversorgung der Realwirtschaft ?

Meine Meinung zum Thema: Die Luft muss aus den Bilanzen der Grossbanken raus und diese gehören zerschlagen und in ein Trennbankensystem überführt. Und zwar so schnell wie möglich. Dann gibt es nach einer Übergangsfrist auch keine Probleme mit zu geringen Puffern mehr, weil die Bilanzrisiken wieder klarer zugeordnet werden können und ein Leverage wie aktuell nicht mehr möglich ist, eben weil ihn keiner mehr finanziert.

Erst dieser Leverage und die aufgeblähten Bilanzen erlauben überhaupt die völlig irrsinnigen Boni für ein paar gelgehaarte Jünglinge in London und anderswo. Und weil den Banken das klar ist, wehren sie sich auch gegen jeden Versuch die Grossbanken zu zerschlagen. Und Angst zu machen ist dabei ein wunderbar funktionierendes Mittel. Aber Moment, ich vergass, ein Problem bei der Lösung gibt es schon: die Aston Martin Niederlassung in London wird Umsatzeinbrüche erleben. Sic !

Aber auf mich hört da sowieso keiner. Demokratisch legitimierte Entscheidungen sind zu diesen entscheidenden Themen defacto ausser Kraft gesetzt. Trotzdem geht mir dieses ungehörige Spiel richtig auf die Nerven, weil die Gegenpositionen der Multimilliarden in Form von Staatsgarantien in die persönlichen Bilanzen unserer Söhne und Töchter geschrieben werden ! Nur gut, dass mein kleiner Sohn noch keine Ahnung hat, wofür er bürgt. Womit er damit gar nicht viel unwissender ist, als die Mehrheit der Bevölkerung und Abgeordneten. Schöne "Demokratie" das !

Zerschlagt endlich die Grossbanken !

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Deutsche Bank – zerschlagt sie endlich !

Heute erlaube ich mir aus gegebenem Anlass einen persönlichen Kommentar zum Umbau bei der Deutsche Bank (WKN 514000).

Kaum waren die Meldungen über die neue Mangement-Struktur draussen, da hatte die einschlägige Presse natürlich nicht besseres zu tun, als das Bild vom "bösen Gierbanker" Anshu Jain zu malen, der die Herrschaft an sich reisst.

Für mich sind das demagogische Zerrbilder für die Volksseele, die auf dem Rücken von einem Menschen ausgetragen werden, der sich mangels deutscher Sprache nicht angemessen verteidigen kann. Bestimmte Teile der Presse haben mit so etwas ja aber scheinbar Erfahrung, wie man an einigen sehr persönlichen Kampagnen der Vergangenheit nach meiner Ansicht nachvollziehen kann.

Wenn man das so liest, könnte man fast meinen, deutschsprachige Manager ala Ackermann, Börsig und Co. seien ja perse weit weniger "gierig" und ihnen ginge es ja nur um das Gemeinwohl, während der "böse" Herr Jain uns ja wie Graf Dracula nur aussaugen will. Das ich nicht lache, das sind für mich Zerrbilder, sonst nichts !

Die neuen Herren Jain und Fitschen machen nichts anderes, als was auch jeder Minister gleich welcher Partei von links bis rechts macht, wenn er Chef eines Ministeriums wird. Sie bringen Vertraute auf die Schaltstellen der Organisation. Solange man es dabei nicht im Sinne einer "Säuberung" übertreibt und alter Kompetenz ihren Raum lässt auch wenn sie einen eigenen Kopf hat, macht das für Organisationen auch durchaus Sinn. Denn die Leistungskraft der Organisation als Ganzes steigt dadurch, Sand im Getriebe durch Machtkämpfe in der zweiten Reihe kann man im weltweiten Wettbewerb nicht gebrauchen.

Aber ein Korn Wahrheit ist nach meinem Einddruck an dem Gerede vom "Putsch" vielleicht ja doch dran, wie so oft haben Gerüchte einen wahren Kern. Denn die Investmentbanker haben scheinbar noch mehr Macht im Konzern bekommen, eine Macht die ihnen nach meiner Ansicht übrigens primär die Herren Ackermann und Vorgänger gewährt haben, in dem sie zuliessen, dass sich dort Aktienanteile in Form von Boni im (vermutlich) zweistelligen Prozent-Bereich des Stammkapitals der Deutschen Bank ansammelten.

Den Investmentbankern "gehört" die Deutsche Bank im wahrsten Sinne des Wortes. Und deswegen sollte sie sowieso besser in "Londoner Bank" umbenannt werden. 😉 Nicht wegen der paar Posten die Jain nun vergibt, sondern weil die Investmentbanker durch für mich völlig überzogene Boni mächtige Aktionäre wurden !

Und an der Stelle werde ich dann doch wütend, wenn ich mir anschaue, dass der Staat - und damit wir Steuerzahler - eine defacto Ausfallgarantie für die Deutsche Bank aussprechen, die die Herren der Deutschen Bank aber nichts kostet. Denn die Deutsche Bank ist bei dieser Grösse einfach "too big to fail". Was bedeutet, dass wir alle - Sie und Ich - das Risiko des grossen, gehebelten Rades mittragen, dass die Truppen um Jain drehen und weiter drehen werden.

Und damit es da kein Missverständnis gibt, ich habe nichts gegen das grosse Rad und halte die Investmentbanker als "böse Buben" wie oben beschrieben für ein Zerrbild, mit dem man die unwissende Volksseele aus höchst eigensüchtigen Motiven knetet. Investmentbanken machen einen wichtigen Job, an dem zunächst einmal nichts auszusetzen ist, solange Risiko und Haftung an der richtigen Stelle liegen.

Ich habe aber massiv etwas dagegen, dass ich ungewollt für die Fehler der Investmentbank mithafte. Herr Jain und seine Truppen hätten bestimmt auch etwas dagegen für die Millionen an Darlehen deutscher Bürger mit dem persönlichen Vermögen zu haften, ohne darauf Einfluss zu haben.

DAS finde ich auf gut Deutsch eine "Sauerei" und ich verstehe nicht, warum die Politik das zulässt.

Und die bisherigen "Lösungen" der Politik sind für mich unzureichend und nicht mehr als ein Nasenwasser. Die vermeintlich so "hohen" neuen Eigenkapitalanforderungen an die Banken sind beim Profil der Deutschen Bank nach wie vor viel zu gering und können einen katastrophalen Zusammenbruch nicht verhindern, da das im Investmentbanking gedrehte Rad viel zu gross ist. Deutschland sollte sich da ein Beispiel an der Schweiz nehmen, die ihre UBS und Credit Suisse weit stärker an die Kandarre nimmt.

Die einzige, in meinen Augen wirklich funktionierende Lösung wird aber politisch gar nicht diskutiert und es ist mir ein Rätsel warum das nicht passiert. Die Deutsche Bank gehört für mich im Sinne des Amtseides aller deutschen Verantwortlichen "zum Wohle des deutschen Volkes" zerschlagen ! Und zwar in eine Investmentbank die frei agieren darf und eine "Geschäftsbank", die nur für die Kontenführung und Kreditvergabe zuständig ist. Ein Trennbankensystem eben !

Dann endlich könnte man die Investmentbank im Falle des Falles auch leichter abwickeln und müsste keinen Bankrun in ganz Deutschland befürchten. Dann endlich wäre auch die implizite Staatsgarantie durch uns Steuerzahler vom Tisch.

Natürlich werden sich gerade die Investmentbanker massiv dagegen wehren und wie Ackermann permanent von den Vorteilen einer integrierten Gesamtbank reden. Diesen Vorteil haben aber nur die Aktionäre und Bonusempfänger der Bank.

Richtig ist natürlich, dass es diese Investmentbank auf eigenen Füssen weit schwerer hätte, weil sie eben nicht mehr wie heute die Einlagen von "Oma Büllerbeck" in der Filiale als Grundlage nutzen könnte, um an den Märkten das grosse Rad zu drehen.

Aber wäre nicht genau das wünschenswert ? Was hat es noch mit dem Gedanken einer Bank zu tun, dass Spareinlagen braver Bürger ungewollt und ungefragt das indirekte Treibmittel für grosse Spekulation sind ? Eine reine Investmentbank hätte nur noch das Kapital der Anleger zur Verfügung, die es auch bewusst für die Geschäfte der Investmentbank einsetzen wollen. Das ist fair und sauber und da kann und sollte sich der Staat dann auch raus halten. Und wenn diese Investmentbank riesige Gewinne macht, seien Sie den handelnden Personen zu gönnen. Und bei Verlusten haften die, die dafür zuständig sind - die Aktionäre und nicht wir Steuerzahler !

Also zerschlagt endlich den Koloss Deutsche Bank ! Warum meine Damen und Herren Politiker, trauen Sie sich da nicht ran ?